Kranke Kühe frühzeitig erkennen

Foto © Lely

von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Erkrankungen der Kühe beeinträchtigen das Wohlbefinden und sind eine Ursache für wirtschaftliche Verluste, da nur gesunde Kühe ihre volle Leistung entfalten können. Es muss das Ziel sein, Gesundheitsstörungen möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, um die Auswirkungen gering zu halten. Das Ziel unserer Untersuchungen bestand darin, mögliche Effekte von Erkrankungen auf die automatisch im Melkroboter gemessenen Parameter im Sinne einer Früherkennung nachzuweisen.

Datenauswertung durch Melkroboter
Die Datenerhebung fand auf fünf Betrieben mit Kühen der Rasse Deutsche Holstein statt. Die Daten stammten ausschließlich von Lely-Melkrobotern. Es wurden jeweils 5 Tage vor und nach einer aufgetretenen Erkrankung (= Behandlung) ausgewertet. Insgesamt wurden 226 Behandlungen x 11 Tage = 2.486 Datensätze erfasst. In den Betrieben wurden Qwes HR-Halsbänder (SCR, Lely) zur Erfassung von Wiederkaudauer und Aktivität eingesetzt. Die Tagesmilchmenge wurde jeweils kuhbezogen gewogen. Leitfähigkeit der Milch, Milchtemperatur und Melkgeschwindigkeit werden durch das Milchqualitätskontrollsystem (MQC, Lely) im Roboterarm gemessen. Die Erkrankungen wurden vom Tierarzt oder vom Stallpersonal erfasst und zu den Erkrankungskomplexen Eutererkrankungen, Reproduktions-, Stoffwechselstörungen sowie Klauenerkrankungen zusammengefasst. Es wurden nur behandelte Kühe ausgewertet.

Nicht alle Erkrankungen sind automatisch erkennbar!
Insgesamt 57 % aller Behandlungen erfolgten wegen Reproduktionsstörungen, 20 % wegen Eutererkrankungen, 17 % wegen Stoffwechselstörungen und 6 % wegen Klauenerkrankungen. Reproduktions- und Klauenerkrankungen hatten auf keinen der untersuchten Parameter statistisch gesicherte Auswirkungen. Eine frühzeitige Erkennung im Melkroboter ist demnach unter den untersuchten Erkrankungen nur für Euterentzündungen und Stoffwechselstörungen möglich. Wenn die Kühe die Futteraufnahme und/oder die Aktivität einschränken, können sie über einen Rückgang von Wiederkaudauer und Aktivität als krank erkannt werden.

Wie wirken sich Erkrankungen auf das Wiederkauen aus?
Stoffwechselkranke Kühe zeigten den deutlichsten Rückgang der täglichen Wiederkauaktivität. Über einen Zeitraum von 5 Tagen sank die Wiederkaudauer um etwa 2,5 Stunden täglich. Das weist auf eine starke Beeinträchtigung der Tiere durch diese Erkrankungen hin. Die frühzeitige automatische Erkennung einer Stoffwechselstörung ist demzufolge möglich. Eine rasche Behandlung verbesserte schnell das Allgemeinbefinden

Kühe mit einer Eutererkrankung zeigten eine ähnliche Veränderung der Wiederkauaktivität im behandlungsnahen Zeitraum. Auch bei der Mastitis ging die Wiederkaudauer um mehr als 1,5 h täglich zurück. Nach der Behandlung nahm die Wiederkaudauer innerhalb weniger Tage auf über 450 min/Tag zu – die Behandlung war damit offensichtlich erfolgreich. Wenn Reproduktionsstörungen und Klauenerkrankungen nicht mit einer Beeinträchtigung der Futteraufnahme und damit indirekt auch der Wiederkaudauer verbunden sind, können sie natürlich nicht automatisch erkannt werden. Die Wiederkauaktivität ist der wichtigste Parameter überhaupt, der automatisch gemessen werden kann. Er wird außer dem Gesundheitsmonitoring zur Brunsterkennung, zur Abkalbeprognose sowie zur Überwachung der Futter- und Wasseraufnahme verwendet.

Wird die Aktivität durch Erkrankungen beeinflusst?
Bei der verwendeten Messtechnik war nicht unbedingt eine deutliche Auslenkung der automatisch gemessenen Aktivität zu erwarten. Es werden dabei nämlich weder die Anzahl Schritte (wie beim Pedometer), noch die zurückgelegten Wegstrecken gemessen. Die Sensoren messen typische Kopf- und Halsbewegungen, wie sie in der Brunst auftreten. Das Messsystem ist in erster Linie für die Brunsterkennung entwickelt worden. Lediglich bei Stoffwechselerkrankungen ging die Aktivität bis zur Behandlung zurück. Danach stieg sie wieder kontinuierlich an. Das stimmt mit dem Verlauf der Wiederkaudauer im krankheitsnahen Zeitraum überein. Bei Stoffwechselstörungen geht es der Kuh sehr schlecht, sie vermindert ihre körperliche Aktivität und liegt verstärkt.

Tagesmilchleistung nur eingeschränkt zur Gesundheitsüberwachung geeignet
Ähnlich wie bei der Wiederkaudauer geht die tägliche Milchleistung dann zurück, wenn das Allgemeinbefinden der Kuh deutlich beeinträchtigt wird. Bei Stoffwechselstörungen war das der Fall – die Milchleistung sank innerhalb eines Tages im Mittel um 6,5 kg. Bei Eutererkrankungen gab es auch einen Rückgang, der sich allerdings über sechs Tage erstreckte und am Tag nach der Behandlung seinen Tiefpunkt erreichte. Dieses langsame Absinken der Milchleistung macht die automatische Erkennung schwierig. Ein Alarm wird erst dann erzeugt, wenn es eine deutliche Abweichung des aktuellen Wertes zum Mittel der letzten Tage gibt.

Können weitere Parameter genutzt werden?
Bei Entzündungen reagiert die Körpertemperatur zumeist mit einem Anstieg. Insofern ist die Frage naheliegend, ob die Milchtemperatur bei Erkrankungen steigt und zur Erkennung herangezogen werden kann. Lediglich bei Euterentzündungen konnte ein minimaler mittlerer Anstieg der Milchtemperatur gemessen werden, der nicht automatisch als Alarmwert verwendet werden kann – eine Abweichung von etwa 1,3 Prozent liegt im Bereich der normalen Schwankungen. Bei den anderen Behandlungsgruppen gab es keine Änderungen der Milchtemperatur, die für eine Alarmierung hätten genutzt werden können.

Es konnten keine Auswirkung von Erkrankungen auf die Melkgeschwindigkeit nachgewiesen werden. Die gleiche Aussage lässt sich auch für die Anzahl Melkungen pro Tag treffen. Keine Erkrankung hatte eine signifikante Wirkung auf diesen Parameter.

Die Leitfähigkeit der Milch kann für die Erkennung von Euterentzündungen genutzt werden. Bei der Mastitis verändert sich die Ionenkonzentration in der Milch, und das kann bei der Messung der Leitfähigkeit sichtbar gemacht werden. Bei den untersuchten 40 Kühen stieg die Leitfähigkeit leicht an. Bei den anderen Krankheiten gibt es keine biologischen Gründe für eine mögliche Beeinflussung der Leitfähigkeit. Die Veränderung der Leitfähigkeit auf Viertelebene kann mit der Messung der Melkgeschwindigkeit, der Milchmenge und einer automatischen Zellzahlmessung zur automatischen Erkennung einer Mastitis verwendet werden. Hier steht die Entwicklung aber noch am Anfang.

Fazit
Stoffwechselstörungen und Eutererkrankungen führen zu einer deutlichen Senkung der Wiederkaudauer. Stoffwechselstörungen können durch die Veränderungen der Wiederkau- und der Bewegungsaktivität ca. 1-2 Tage vor dem Auftreten klinischer Symptome erkannt werden, wenn das Befinden gestört ist. Klauenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen lassen sich nicht automatisch erkennen.

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