Transport und Einstallung von Eintagsküken für die Mast – #TiHo-Tierschutztagung 2022

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Dr. Birgit Spindler, TiHo

Anlässlich der TiHo-Tierschutztagung am 1./2. September hielt Dr. Birgit Spindler (TiHo) einen interessanten Vortrag über „Tierschutzanforderungen an den Transport von Eintagsküken zum Maststall“ und die anschließende Einstallung.

Der Transport von Eintagsküken darf maximal 24 Stunden dauern und die Tiere müssen spätestens 60 Stunden nach dem Schlupf beim Empfänger eintreffen. Denn der Inhalt des Dottersacks versorgt die Küken bis zu 72 Stunden nach dem Schlupf. Dennoch sollte die Transportzeit so kurz wie möglich gehalten werden und die Vögel, sobald sie im Maststall eingetroffen sind, mit Futter und Wasser versorgt werden. Die Vitalität der Küken leidet bei längerem Futterentzug, ein früher Zugang zum Futter fördert die Resorption des Dottersacks und vermindert so das Risiko einer Dottersackentzündung.

Beim Transport selbst werden geschlossene Fahrzeuge mit Zwangslüftung eingesetzt, in denen die Temperatur 25-30 Grad Celsius betragen soll. Eine kontinuierliche Kontrolle von Temperatur und Feuchtigkeit sei hier entscheidend, führte Dr. Spindler aus. Problematisch könnten jedoch gestapelte Kisten sein, weil der Luftaustausch u. U. unzureichend ist und das Tierverhalten nicht gut bewertet werden kann (Hecheln bei Hitzestress oder Zusammendrängen bei Kälte).

Bei der Vorbereitung des Maststalls müssten natürlich Hygiene- und Biosicherheits-Maßnahmen streng eingehalten werden. Mindestens zwei Tage vor der Einstallung sollte der Stall aufgeheizt werden. Die Lufttemperatur sollte vor Eintreffen der Küken 31-36 Grad Celsius erreicht haben, die Bodenplatte 30-32 Grad Celsius. Beides lässt sich mit einem Hand-Infrarotthermometer leicht überprüfen. (Die größten Probleme machten in der Praxis zu kalte Bodenplatten und zu hohe CO2-Konzentrationen aus.)

Erst nachdem der Stall ausreichend aufgeheizt ist, sollte geeignetes Einstreumaterial eingebracht werden. 600-800 Gramm je Quadratmeter Stallbodenfläche (max. 1.000 g) und eine Einstreuhöhe von wenigen Zentimetern empfiehlt die Geflügel-Spezialistin aus Hannover. Stehendes Wasser in den Tränkelinien erwärmt sich schnell und birgt dann ein erhöhtes Hygiene-Risiko. Deshalb sollten alle Tränkelinien kurz vor Ankunft der Küken nochmals gespült werden. Um den Jungvögeln das Auffinden des Wassers zu erleichtern, solle der Druck in den Tränkelinien so eingestellt werden, dass sich an den Nippeln Wassertropfen bilden. Allerdings dürfe das Einstreumaterial dabei nicht nass werden!

Zur Futterversorgung der Eintagsküken eignen sich gekrümelte Pellets, überlaufende Futtertröge und ein zusätzliches Angebot auf Papierbahnen unterhalb der Tränkelinien und entlang der Futtertröge: auf ca. 20-25% der Stallgrundfläche und ca. 50 Gramm je Tier. Das Kükenpapier sollte innerhalb der 1. Lebenswoche entfernt werden um Plattenbildung der Einstreu zu verhindern; alternativ gibt es selbstzersetzendes Papier.

Treffen die Küken am Stall ein, sollten sie – möglichst nah an der Stalltür – zügig entladen und große Temperaturschwankungen und Zugluft im Tierbereich vermieden werden. Die Tiere sollten aus den Kisten direkt auf die Futterbahnen gesetzt und dabei aus möglichst geringer Höhe aus den Kisten gekippt werden. Schon hierbei empfiehlt Birgit Spindler eine intensive Tierkontrolle, um die Kükenqualität einschätzen zu können und Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen.

Das Stallklima müsse einerseits dem Wärmebedürfnis der Küken gerecht werden, aber auch Schadgase (CO2 und NH3) sowie Feuchtigkeit aus dem Stall transportieren.: Temperatur 35-36 Grad Celsius, relative Luftfeuchte ca. 50 %, CO2 ˂ 3.000 ppm und NH3 ˂ 20 ppm. Ist es zu kalt im Stall gelingt die Startphase nur schlecht, die Tiere wachsen auseinander und sind krankheitsanfälliger. Zur Beurteilung der Stalltemperatur gibt auch das Tierverhalten gute Hinweise: vereinzeln sich die Küken stark, ist die Temperatur zu hoch, drängen sie sich zusammen ist sie zu niedrig. Bei richtiger Temperatur bilden sie dagegen kleine Grüppchen über die gesamten Stallfläche verteilt.

Bei der Beleuchtung sind Flackerfreiheit und Tageslichtspektrum wichtig. Direkt bei der Einstallung 20 Lux, gleichmäßig ausgeleuchtet, mit einer Hellphase von 4-6 Stunden. Danach eine Dunkelphase, die anschließend schon in das für die Mast typische Lichtprogramm übergeht. Dies komme der inneren Uhr der Vögel und damit dem Tierwohl entgegen, so Dr. Spindler.

Nach der ersten Tierkontrolle sollten die Küken etwa zwei Stunden Ruhepause zur Eingewöhnung bekommen. Bei der anschließenden Kontrolle sollte zunächst das Verhalten der gesamten Herde beurteilt werden: Verteilung im Stall, Lautäußerungen, Aktivität, Futter- und Wasseraufnahme. Bei der anschließenden Einzeltierkontrolle sollte das Augenmerk u. a. auf dem Nabelzustand liegen, eventuell kotverschmierten Kloaken und der Kloakentemperatur, Bewegungsstörungen und Kropffüllung. Vier Stunden nach Ankunft sollten 80% der Küken einen gefüllten Kropf haben (hierzu einfach palpieren) und die Kloakentemperatur sollte zwischen 39,4 und 41,1 Grad Celsius betragen.

Werden kranke oder verletzte Tiere bei der Kontrolle gefunden, müssen sie entweder unverzüglich abgesondert und behandelt oder tierschutzkonform getötet werden (s. u.).

Legeroboter

In den letzten Jahren wurden zwei Neuerungen eingeführt: „Early Feeding“ und „Schlupf im Stall“. Beim Early Feeding in der Brüterei bekommen Mastküken unmittelbar nach dem Schlupf Zugang zu Wasser, Futter und Licht.

Der „Schlupf im Stall“ erfolgt entweder im Spänebett auf Eierhorden (Nestborn, Van Hulst) oder per „on-farm-hatching“ (x-Treck.-System, vencomatic). Die Eier werden am 18. Bruttag geliefert und der Schlupf soll innerhalb von 24-48 Stunden im Stall erfolgen.

Probleme gibt es bei beiden Verfahren: Brütereien sind eigentlich nicht für die Tierhaltung zugelassen und Mastställe nicht als Brütereien. „Hatch Care“ verzichtet auf Einstreu – das aber nach TierSchutzNutzVo vorgeschrieben ist. Beim „Schlupf im Stall“ gibt es dafür Probleme bei der Abholung der Eierschalen.

Und schließlich: was geschieht mit nicht schlupffähigen Küken im Stall? Sie müssen vorschriftsmäßig getötet werden! Hierfür ist die Zerkleinerung mittels Homogenisator bei Küken bis zu 60 Stunden Lebensalter, für Embryonen im Ei und für nicht schlupffähige Küken die zulässige Betäubungs- und Tötungsmethode. Gas sei weder geeignet noch zulässig und jeder Tierhalter müsse geeignete Geräte vorhalten und Instand halten, sagte Birgit Spindler zum Schluss ihres Vortrags.

Einen ausführlichen Bericht über „Schlupf im Stall“ finden Sie im „Geflügel Spezial 2020“, hier zum kostenfreien Download.

Gut im Futter: EuroTier 2022 gibt Antworten auf die Anforderungen an das Fütterungsmanagement in der modernen Nutztierhaltung

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Vom 15. bis 18. November 2022 in Hannover – „DLG-Spotlight: Feed for Future“ in Halle 21

Landwirte finden vom 15. bis 18. November auf der EuroTier 2022 in Hannover Ideen und Antworten rund um die Fütterung auf höchstem Niveau. Zahlreiche Aussteller auf dem Messegelände präsentieren zukunftsorientierte und nachhaltige Stallkonzepte für die erfolgreiche Nutztierfütterung. Das Ziel: Maximales Tierwohl und umfassender Umweltschutz bei gleichzeitig wirtschaftlichem Erfolg.

Nicht nur der Krieg in der Ukraine stellt die globale Ernährungssicherheit vor neue Herausforderungen. Auch zunehmende Hitze und Trockenheit im Zuge des Klimawandels steigern die Sorge um künftige Erträge der Landwirtschaft. Neben Energiewende, Tierwohl und Biodiversität rückt vom 15. bis 18. November die Ernährungs- und Versorgungssicherheit stärker in den Fokus der diesjährigen EuroTier – denn die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen an den Märkten sind beträchtlich, etwa bei Dünger und Futtermittel. Etliche Mischfutterkomponenten sind derzeit knapp und teuer. Das bringt insbesondere die Nutztierhalter in Bedrängnis. Auf dem Messegelände in Hannover diskutiert die Futtermittelbranche deshalb alternative Nährstoffquellen und präsentiert Konzepte, um Getreide, Raps, Soja und Sonnenblumensaat aus der Ukraine zu ersetzen.

Versorgungssicherheit in Krisenzeiten
„Reduzierte Saat, reduzierter Betriebsmitteleinsatz sowie reduzierte oder gar keine Ernten bestimmen die zur Verfügung stehenden Mengen“, bestätigt auch Jan Lahde, Präsident Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT). Vor allem bei Eiweißfutter, wie beispielsweise Rapsschrot, sei Deutschland mit einem Selbstversorgungsgrad von nur rund 30 Prozent zwingend auf Importe angewiesen. Durch den Ausfall der Ukraine als wichtiger Lieferant gentechnikfreier Rohstoffe müssen zudem alternativ erhebliche Maismengen gesichert werden. „Jetzt sind die effiziente Flächennutzung und die optimale Futterverwertung Gebote der Stunde“, so Lahde. Seit dem 1. Juli stehen dafür „ökologische Vorrangflächen“ zur Verfügung, die vom Bundesagrarministerium freigegeben wurden. Insgesamt handelt es sich um gut eine Million Hektar, die von landwirtschaftlichen Betrieben genutzt werden können, um Futter zu gewinnen. Die Folge davon ist, dass Grünfutter, Silage, Heu oder Stroh als wertvolles Futter sehr häufig in Mischrationen eingesetzt wird, sei es wegen der Strukturwirksamkeit oder aus Gründen der Futterknappheit.

Dies ist eine Entwicklung, die von den Ausstellern der EuroTier intensiv mit der Weiterentwicklung ihrer technischen Lösungen begleitet wird. Um das Selektieren bei der Futteraufnahme zu vermeiden, muss Stroh entsprechend kurz geschnitten und gut eingemischt sein. Zum schnellen Schneiden auch größerer Mengen an Stroh bietet Siloking für selbstfahrende Futtermischwagen aktuell eine Ausstattungsvariante mit Strohhäcksler an. Der hydraulisch angetriebene Strohhäcksler ist direkt hinter dem Fräskopf angebracht. Im Häckselmodus wird der Futterfluss durch eine in den Fräskanal einschwenkbare Klappe auf den Strohhäcksler umgeleitet. Die schnell rotierenden Messer schlagen das Stroh durch die Gegenschneiden und fördern es klein geschnitten zurück auf das Beladeförderband, mit dem es dann in den Mischbehälter transportiert wird. Das Einmischen von Stroh kann damit besser dosiert werden, es reduziert die Futterverluste durch Selektion erheblich und spart Zeit beim Beladen.

Optimale Futtermittelzufuhr und weniger Verluste
Die Vermeidung von Folgen falscher Fütterung und nicht artgerechter Haltung stehen im Zentrum der Lösungen, die auf dem Messegelände in Hannover präsentiert werden. Wiederkäuer, wie Rinder und Schafe, haben hinsichtlich ihrer Futterversorgung andere Bedürfnisse als Schweine und diese wiederum sind anders zu füttern als Geflügel. Dabei geht es nicht nur um die richtige Menge und das ideale zeitliche Intervall bei der Fütterung, sondern auch um ein ausgewogenes Mischverhältnis von Grund- und Kraftfutter. Insbesondere bei großen Betrieben, wo Alter und Zustand der Tiere sehr unterschiedlich sein können, werden verschiedene Futtermittel und Futtermengen benötigt. Moderne, automatische Systeme bieten dem Landwirt die Möglichkeit, bedarfsgerechte Rationen für die einzelnen Tiere vorzumischen und planmäßig auszugeben – und das auch an Orten, die für den Landwirt schwer zu erreichen sind.

Sowohl das Futteranschieben als auch das manuelle Auskehren des Futtertischs gehören mit den auf der EuroTier gezeigten Systemen der Vergangenheit an. Ein Beispiel dafür ist der Lely Vector, der erkennt, wann es an der Zeit für eine neue Fütterungsrunde im Kuhstall ist. Dazu misst der Misch- und Fütterungsroboter die Futterhöhe in einem bestimmen Abschnitt, um festzustellen, ob die Ration ergänzt werden muss – dadurch liegt nie zu viel oder zu wenig Futter auf dem Futtertisch. Kein Gedränge bei der Futteraufnahme und entspanntere Tiere sind das Ergebnis.

Trends in der Nutztierernährung
Die Futtermittelhersteller suchen immer neue Möglichkeiten, um durch eine ausgeklügelte Zusammensetzung der Mischungen den Nutzen für die Landwirtschaft zu verbessern. Wissenschaftliches Know-how über die eingesetzten Rohstoffe und die einzelnen Produktionsprozesse bilden die Basis für hochwertiges Futter. Antworten auf die Anforderungen an das Fütterungsmanagement in der modernen Tierhaltung liefert das internationale Fachprogramm der EuroTier, das in diesem Jahr unter dem Leitthema „Transforming Animal Farming“ steht. Treffpunkt für die Experten ist das „DLG-Spotlight: Feed for Future“ in Halle 21.

Marktführende Unternehmen der internationalen Futtermittelbranche können hier durch ihre Beteiligung am Fachprogramm ihre Lösungen präsentieren und neue Verfahren und innovative Rezepturen diskutieren. Dazu zählen als neuartige Proteinquellen auch Algen und Insekten. So hat die Europäische Union erst im vergangenen Herbst die rechtliche Grundlage für den Einsatz von Insektenmehl als Tierfutter im Stall geschaffen. Den ausstellenden Maschinenherstellern auf der EuroTier bietet sich damit die Möglichkeit, in neue Marktsegmente vorzustoßen.

Beispielsweise liefert die WEDA Dammann & Westerkamp GmbH eine komplette Insektenfütterungsanlage für den polnischen Futtermittelhersteller HiProMine. Das Unternehmen aus Robakowo bei Posen züchtet mit der schwarzen Soldatenfliege insektenbasierte Proteine im industriellen Maßstab. Die Larve der bis zu 17 Millimeter langen Fliege verwertet nahezu alle organischen Reststoffe. Daraus gehen, je nach Futterzusammensetzung, Larven mit einem Proteingehalt von bis zu 55 Prozent hervor. Die Aufzuchtstationen, in denen die Fliege ihre Eier in einer Wabenstruktur ablegt, müssen richtig befeuchtet, beleuchtet und auf 30 Grad Celsius beheizt werden. Die gemästeten, ausgewachsenen Maden werden für die Futtermittelherstellung geerntet. „Bei derartigen Projekten kommt unsere Expertise aus den automatisierten Flüssigfütterungssystemen für die Schweineproduktion zur Anwendung“, so WEDA-Produktmanager Jens Feldhaus. So kommt es in den Zuchtanlagen vor allem auf den richtigen Substratmix, dessen reibungslose Logistik sowie auf ihre effiziente Zerkleinerung und Hygienisierung an. Mit der neuen Anlage werden täglich 550 Tonnen Substrat vor Ort produziert und an die Insekten verfüttert. Durch die Technologie entsteht eine Wertschöpfungskette, in der das Insekt eine Brücke zwischen Pflanzenabfällen und nachhaltigem Tierfutter bildet.

Aktuelle Informationen zur EuroTier 2022

Quelle: DLG

Initiative Tierwohl startet neue Registrierungsphase für Ferkelaufzüchter

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+ Registrierungsphase vom 1. bis 30. September 2022
+ Tierwohlentgelt von 3,57 € je Ferkel; Voraussetzung ist die Lieferung an einen ITW-Mäster
+ Ziel ist die durchgängige Nämlichkeit ab 2024

Ferkelaufzüchter können sich erneut für die Initiative Tierwohl (ITW) anmelden. Vom 1. bis zum 30. September ist die Registrierung in der Datenbank möglich. Das Tierwohlentgelt von 3,57 € wird für jedes Ferkel ausgezahlt, welches nachweislich an einen Mäster geliefert wurde, der an der ITW teilnimmt. Dieser Schritt trägt dazu bei, die Kette zwischen der Mast und der Ferkelaufzucht zu schließen, um ab 2024 eine Nämlichkeit ab der Geburt gewährleisten zu können.

Zur Registrierung sind auch Betriebe zugelassen, die sich in der Vergangenheit abgemeldet haben oder ausgeschieden sind. Jeder Tierhalter kann einen Starttermin für die Teilnahme zwischen dem 1. November 2022 und dem 30. April 2023 frei wählen. Bevor die Auditerlaubnis erteilt und somit die Zulassung ermöglicht wird, muss zunächst eine Budgetprüfung stattfinden. „Wir gehen derzeit davon aus, dass alle interessierten Ferkelaufzüchter zugelassen werden können“, sagt Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. Die Laufzeit der Betriebe ist auf den 30. Juni 2024 begrenzt.

„Wir freuen uns, weiteren Ferkelaufzüchtern die Teilnahme an der Initiative Tierwohl zu ermöglichen. Die Wirtschaft verfolgt schon seit Jahren das Ziel, eine Nämlichkeit bei Schweinen ab der Geburt sicherzustellen und möchte es auch möglichst bald umsetzen. Das bedeutet noch mehr Transparenz für den Verbraucher beim Einkauf und ein Riesenschritt für die Tierhalter“, führt Römer weiter aus.

Die Aufnahme weiterer Ferkelaufzüchter bietet auch neue Chancen für Sauenhalter, die in der aktuellen Programmphase der ITW mit den Ferkelaufzüchtern eine Einheit bilden und so den ersten Schritt zur Nämlichkeit ab der Geburt bereits gewährleisten.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.initiative-tierwohl.de

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

LeakyCow: Wenn die Hitze den Darm angreift

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Kühe leiden unter hohen Sommertemperaturen – Am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie wird mit Hochdruck nach Lösungen gesucht

Die Gesundheit des Verdauungstraktes spielt eine Schlüsselrolle für das Wohlbefinden von Milchkühen. Sind sie zu starker Hitze ausgesetzt, kann es zu einer krankhaften Durchlässigkeit der Darmwand kommen, dem sogenannten „leaky gut syndrome“ (Löchriges-Darm-Syndrom). Aber wie können die Tiere in Zeiten des Klimawandels besser geschützt werden? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) suchen im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes „LeakyCow“ mit Hochdruck nach Lösungen für eine bessere Darmgesundheit bei Milchkühen.

Vor vier Jahren konnten Forschende am FBN erstmalig belegen, dass hohe Umgebungstemperaturen bei Milchkühen direkt zur Beeinflussung der natürlichen Darmbarriere führen können. Eine durch Hitze geschädigte Schutzbarriere des Darms gibt den Weg frei für Bakterien und weitere Krankheitserreger, die vermehrt und möglicherweise auch tiefer in die Schichten des Darms eindringen können. Ähnliche Prozesse einer gestörten Darmbarriere gibt es auch beim Menschen, unter anderem bei den Krankheitsbildern Zöliakie oder Morbus Crohn.

Dr. Franziska Koch sucht nach Lösungen, um den Hitzestress bei Milchkühen zu reduzieren, hier mit der Technischen Mitarbeiterin Tanja Lenke (re.) im Forschungsstall. Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) Foto: Thomas Häntzschel / nordlicht www.fotoagenturnordlicht.de

Negative Auswirkungen schon ab 15 Grad möglich
Hitzewellen und extreme Wetterphänomene werden in den nächsten Jahrzehnten als Folge des Klimawandels weiter zunehmen. Dieser Wandel stellt die Landwirtschaft sowie ihre Tiere gleichermaßen vor gesundheitliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Bereits ab einer Umgebungstemperatur von etwa 15 °C und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und sich dem daraus abzuleitenden Temperatur-Luftfeuchtigkeitsindex (THI) zeigen sich bei Milchkühen die ersten Anzeichen einer Hitzebelastung. Neben verkürzten Liegezeiten und einer geringeren Futteraufnahme kommt es zu einer schnelleren Atmung und höheren Herzfrequenz. Steigt die Umgebungstemperatur noch weiter, erhöht sich die Körpertemperatur und die Tiere fangen an zu hecheln. Infolgedessen verlieren sie große Mengen an Flüssigkeit und Mineralstoffen und produzieren weniger Milch.

Relativ neu und noch nicht ausreichend ergründet sind die möglichen Auswirkungen auf die Darmgesundheit. Um die Wärme von der Körperoberfläche abzuleiten, verringert sich die Durchblutung des Darms von Milchkühen. Die Darmwand wird dann durchlässig, was unterschwellige Entzündungsreaktion im Darm und in den angrenzenden Lymphknoten zur Folge haben kann. Vor allem das Immunsystem der Kühe beansprucht einen Großteil der Energie, um gegen die Auswirkungen des „leaky gut syndrome“, der krankhaften Durchlässigkeit der Darmwand, anzukämpfen.

Erstaunliche Strategien gegen die Hitze
Am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) untersucht ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Dr. Franziska Koch vom Institut für Ernährungsphysiologie „Oskar Keller“ die Auswirkungen des „leaky gut syndrome“ nun näher, um neue Lösungsansätze für Fütterungs- und Haltungsbedingungen bei Auftreten von Hitzeperioden zu entwickeln. Diese sollen vor allem der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Kühe dienen, aber auch den wirtschaftlichen Ausfällen durch die geringere Milchleistung entgegenwirken.

Um den Einfluss von kurzzeitigem und langanhaltendem Hitzestress auf die Immunabwehr, die Durchlässigkeit des Darms und der Besiedlung der Darmschleimhaut zu untersuchen, wurden am FBN Milchkühe verschiedenen Umgebungstemperaturen ausgesetzt. Während es der Kontrollgruppe bei einer Umgebung von 15 °C gut ging, wurde eine andere Gruppe von Tieren im Klimaraum Temperaturen von 28 °C ausgesetzt. „Dabei haben erste Ergebnisse erstaunliches hervorgebracht“, betonte Projektleiterin Dr. Franziska Koch. „Es konnte aufgezeigt werden, dass hitzegestresste Tiere keine Fettreserven nutzen, um den Energiemangel auszugleichen. Dagegen bauen Kühe unter Hitzestress körpereigene Proteine zur Energiegewinnung ab. Das sorgt dafür, dass weniger Wärme beim Abbau von Nährstoffen erzeugt und es der Kuh nicht zusätzlich wärmer wird“, so die Biologin.
Unter Einsatz von Thermokameras konnte in Zusammenarbeit mit Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV zudem nachgewiesen werden, dass das Euter die heißeste Stelle des Körpers ist, von hier aus viel Wärme abgegeben werden kann und das Risiko für eine Euterentzündung steigt.

Ausblick: Konkrete Ergebnisse im kommenden Jahr
„Der Hitzestress beeinträchtigt das Tierwohl erheblich. Es ist deshalb wichtig, die grundlegenden Mechanismen unter Hitzestress zu verstehen, um praxistaugliche Lösungsansätze für die Nutztierhaltung zu entwickeln“, unterstrich Dr. Franziska Koch. „So stellt eine Abkühlung mit der knappen Ressource Wasser nicht überall eine sinnvolle Alternative dar, währenddessen der Einbau von Ventilatoren in den Stallanlagen eine sinnvolle Investition wäre, die aber mit hohen Energie- und Investitionskosten verbunden wäre.“

Mit Abschluss des Forschungsprojektes „LeakyCow“ im kommenden Jahr sollen erste konkrete Vorschläge für ein verbessertes Hitzestressmanagement für Milchkühe vorgelegt werden.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Durchfall bei älteren Kälbern – oft sind Kokzidien schuld

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Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Kokzidien sind praktisch allen Rinderbetrieben zu finden und können schwere, teils blutige Durchfälle bei Kälbern verursachen. Oft tritt die Erkrankung einige Wochen nach der Umstallung in eine Gruppe auf. Aber auch auf der Weide können sie zum Problem werden. Verluste entstehen nicht nur durch die sichtbare Erkrankung, sondern auch durch Leistungseinbrüche und Kümmern.

Was sind Kokzidien und wie machen sie krank?
Kokzidien sind einzellige Darmparasiten der Gattung Eimeria, die in vielen Unterarten vorkommen. Nicht alle Unterarten verursachen Erkrankungen. In Deutschland gibt es nach momentanem Wissensstand zwei Arten (Eimeria bovis und Eimeria zuernii) die bei Stallhaltung Probleme machen und eine Art (Eimeria alabamensis), die auf der Weide zu Durchfall führt. In der Regel infizieren sich die Kälber, nachdem sie in Gruppen umgestellt wurden, da hier die Gefahr einer Kontamination der Umgebung (v. a. Einstreu) mit der infektiösen Form der Kokzidien (Oozysten) wesentlich größer ist als in der Einzelbox. Kokzidien machen in Darmzellen des Wirtstieres eine recht komplexe Vermehrung in mehreren Phasen durch. Erst die späteren Entwicklungsstadien führen bei starkem Befall zu so schweren Schäden an der Darmschleimhaut, dass Durchfall auftritt. Die Erkrankung kann daher, je nach Kokzidienart, bis zu drei Wochen nach der Infektion auftreten. In dieser Phase scheiden die Tiere hohe Zahlen an Erregern aus, wodurch es wiederum zu einer Kontamination der Stallungen kommt.

Die Schwere der Erkrankung ist abhängig von der Zahl der aufgenommenen Erreger und der Abwehrkraft des Kalbes. Bei leichtem Verlauf setzen die Tiere wässrigen oder dünnbreiigen Kot ab, erholen sich aber nach kurzer Zeit wieder. Bei schwereren Erkrankungen kommt es zu länger anhaltendem oft wässrigem Durchfall mit deutlicher Blutbeimengung. Unter Umständen wird nur noch rötliches Wasser angesetzt. Zudem kann es durch schwere Darmschäden zur Beimengung von Schleimhautfetzen oder Entzündungsprodukten kommen. Auch häufiges Pressen auf Kot mit teilweisem Vorfall der Enddarmschleimhaut ist möglich. Derartig erkrankte Kälber verweigern in der Regel die Futteraufnahme und bauen sehr schnell Kondition ab. Schlimmstenfalls können sie an Auszehrung sterben, bzw. müssen eingeschläfert werden. Selbst wenn sich der Kot nach einiger Zeit wieder normalisiert und die Futteraufnahme wieder zunimmt, bleiben schwer erkrankte Kälber oft Kümmerer. Es ist auch möglich, dass Kälber sich infizieren, ohne dass Durchfall auftritt. Aber auch bei diesen Kälbern kann die Infektion sich negativ auf die Gewichtszunahmen auswirken. Kälber, die sich mit oder ohne Erkrankung mit dem Erreger auseinandergesetzt haben, entwickeln eine Immunität.

Wie kann man eine Kokzidiose diagnostizieren?
Die Arten, die in Stallhaltung Kokzidiose auslösen, haben einen Entwicklungszyklus von etwa drei Wochen, das heißt, erste Durchfälle treten drei Wochen nach der Infektion auf. Daher kann durch die Umstände des Auftretens der Erkrankung eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. In der Regel erkranken die ersten Kälber etwa drei Wochen nach Umstallung in eine Gruppe im Milchviehbetrieb, bzw. drei Wochen nach Einstallung im Mastbetrieb. In dieser Altersgruppe gibt es nur wenige andere Gründe für gruppenweises Auftreten von Durchfall. Die Diagnose kann durch die Untersuchung von Kotproben von mehreren Tieren gesichert werden. Eine negative Einzeltieruntersuchung ist nicht aussagekräftig, da die Parasiten nicht in allen Stadien der Erkrankung ausgeschieden werden. Eine Bestimmung der Kokzidienart ist sinnvoll, um festzustellen, ob es sich um eine krankmachende Art handelt. Ist dies nicht möglich, müssen die Laborbefunde in Zusammenhang mit den klinischen Erscheinungen und der Situation im Bestand interpretiert werden.

Wie kann man kranke Kälber behandeln?
Allen gegen Kokzidien wirksamen Medikamenten ist gemeinsam, dass sie auf frühe Entwicklungsstadien wirken, das heißt, sie müssen zu einem Zeitpunkt eingesetzt werden, zu dem die Tiere noch keinen Durchfall zeigen. Daher sind diese Präparate nur zur prophylaktischen oder metaphylaktischen Anwendung sinnvoll. Zur Behandlung erkrankter Kälber stehen daher nur unterstützende Maßnahmen, wie die Gabe von Schmerzmitteln oder Flüssigkeit und Elektrolyte, zur Verfügung.

Was kann vorbeugend getan werden?


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Australien verbietet Käfighaltung von Legehennen – ab 2036

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Kürzlich wurden in Australien neue nationalen Richtlinien für Geflügel (Australian Animal Welfare Standards and Guidelines for Poultry) verabschiedet und darin u. a. die Käfighaltung von Legehennen ab spätestens 2036 verboten. Es gilt, je nach Alter der bestehenden Anlagen, eine Übergangsfrist von maximal 15 Jahren.

Die Richtlinien regeln sämtliche Aspekte der Geflügelhaltung für alle Arten, von der Wachtel bis zum Strauß. Neben Stallklima, Wasserversorgung, Fütterung, Handling und Schlachtung werden auch die Vorschriften zur Stallbeleuchtung ab dem 1. Juli 2025 neu geregelt

Von diesem Stichtag an muss sichergestellt werden, dass die Beleuchtungsstärke während der Lichtperioden für Junggeflügel in den ersten 3 Tagen nach dem Schlüpfen mindestens 20 Lux auf Vogelhöhe beträgt. Für ältere Vögel muss die Lichtintensität während der Lichtperioden mindestens 10 Lux auf Vogelhöhe beträgt, außer unter tierärztlicher Aufsicht, um einen Ausbruch von Federpicken oder Kannibalismus für einen begrenzten Zeitraum zu kontrollieren.

Geflügel darf zukünftig nicht mehr 24 Stunden lang Licht oder kompletter Dunkelheit ausgesetzt sein, mit Ausnahme von Jungvögeln, die unter Wärmelampen oder in Aufzuchtboxen aufgezogen werden.

In der Haltung muss insgesamt mindestens 6 Stunden Dunkelheit innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums mit einer ununterbrochenen Dunkelheit von mindestens 4 Stunden sichergestellt sein. Ausnahmen sind statthaft:

+ für Vögel bis zu einem Alter von 7 Tagen
+ um bei sehr heißem Wetter ein Zusammenkauern oder Verklumpen zu verhindern
+ am Tag der Abholung
+ Lege- und Brutvögel bis zum Alter von 16 Wochen
+ während eines Seuchenausbruchs unter tierärztlicher Aufsicht.

Küken bis zu einem Alter von 7 Tagen müssen während 24 Stunden mindestens 1 Stunde ununterbrochene Dunkelheit haben, mit Ausnahme von Jungvögeln, die unter Wärmelampen oder in Brutkästen aufgezogen werden.

Mit Ausnahme der Nestbereiche sollte natürliches und künstliches Licht gleichmäßig verteilt sein, um die Verteilung des Geflügels über die Bodenfläche zu erleichtern und eine Überfüllung zu vermeiden.

Geflügelhalter sollten Geräte haben, um die Lichtintensität zu messen und entsprechende Aufzeichnungen führen.

Die Beleuchtung sollte so gesteuert werden, dass plötzliche Änderungen der Lichtintensität vermieden werden.

Die kompletten Guidelines stehen hier zum Download bereit.

8 Tipps für den Einsatz von Kälbertränkeautomaten

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Von Alfons Fübbeker, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Die Basis für ein hohes Leistungsvermögen und eine lange Lebensdauer der Milchkühe wird bereits in der Kälberaufzucht gelegt. In der ersten Lebenswoche werden die Kälber zunächst mit der Biestmilch versorgt. Sie wird in der Regel zweimal täglich mit einem Nuckeleimer verabreicht, z.T. ad libitum. Ab der zweiten/dritten Lebenswoche ersetzt oft Milchaustauscher (MAT) die Vollmilch. Bei der Verabreichung des Milchaustauschers werden neben der konventionellen Eimertränke häufig programmgesteuerte Tränkeautomaten eingesetzt. Als Vorteile der Tränkeautomaten sind vor allem die Arbeitserleichterung, die individuelle Zuteilungsmöglichkeit der Tränkemenge in kleinen Portionen über den Tag verteilt und dass sich der Automat automatisch reinigt zu nennen. Was bei dem Einsatz von Tränkeautomaten zu bedenken ist, wird anhand der folgenden Tipps erläutert.

Tipp 1: Aufstellungsort überlegt auswählen
Der Tränkeautomat sollte möglichst frostfrei und trocken, am besten in einem abgeschlossenen Raum, aufgestellt werden. Zudem ist es sinnvoll, die Entfernung zwischen Tränkeautomat und Saugstelle möglichst kurz zu halten, um den Aufwand für die Reinigung der milchführenden Schläuche zu verringern. Je kürzer die Wege desto besser, dies gilt auch für den Aufwand, um die Milch auf Temperatur zu halten. Eine gute Zugänglichkeit und Ausleuchtung des Raums sollten selbstverständlich sein, denn von hier aus erfolgt die Steuerung, die Dateneingabe und Kontrolle von z.B. Alarmlisten.

Tipp 2: Tränkekurve einstellen
Überwiegend werden Tränkeautomaten von einem integrierten Computer gesteuert. Sie sind dann mit Programmen für die Kälberaufzucht und mit Überwachungsfunktionen ausgestattet, mit deren Hilfe Problemtiere schneller erkannt werden können. Dabei wird z.B. überwacht, ob jedes Tier seine zugeteilte Tagesration entsprechend der individuellen Tränkekurve auch tatsächlich abgerufen hat. Die individuelle Tränkekurve richtet sich vorwiegend nach dem Alter der Tiere. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase am Tränkeautomaten erfolgt eine Haupttränkephase. In dieser erhält jedes Kalb je nach Einstellung seine Tagesration, diese sollte aufgeteilt in mehreren Mahlzeiten gegeben werden. Im Anschluss daran folgt die Abtränkphase, in der die Milchmenge reduziert wird. Grundsätzlich ist unabhängig von dem Tränkeverfahren dafür zu sorgen, dass den Kälbern zu jeder Zeit hochwertiges Grund- und Kraftfutter angeboten wird und stets Wasser zur freien Aufnahme zur Verfügung steht. Wird das Kraftfutter über Automaten mit einer einzeltierbezogenen Mengenerfassung gefüttert, kann die Tränkemenge auf die Kraftfutteraufnahme abgestimmt werden.

Tipp 3: Milchaustauscherkonzentration beachten
Die Konzentration des Milchaustauschers pro Liter Wasser lässt sich im Tränkeplan festlegen, sie sollte auf die Gesamttränke pro Tag abgestimmt sein. Beispielsweise ist bei einer geringeren Tränkemenge eine höhere Milchaustauscherkonzentration erforderlich, um das Kalb ausreichend mit Energie zu versorgen. Bei höheren Tagesmengen und in der Abtränkphase kann die Milchaustauscherkonzentration reduziert werden. Damit der Milchaustauscher, insbesondere die darin enthaltenen pflanzlichen Fette, sich im Wasser gut auflöst, sollte auf die richtige Wassertemperatur für den jeweiligen Milchaustauscher geachtet werden. Eine ausreichende Energieversorgung in den ersten Lebenswochen ist für eine gute Entwicklung der Kälber und damit der künftigen Milchkuh ausschlaggebend.


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6. Bundesweite Bio-Fleischrinder und -Mutterkuhtagung 2022 am 31.10. und 01.11.2022 in Möhnesee (NRW) und online

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Die 6. Bundesweite Bio-Fleischrinder und -Mutterkuhtagung 2022 am 31.10. und 01.11.2022 in Möhnesee (NRW) und online bietet an 2 Tagen mit Referierenden und Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis viel Input und Wissen. Eine Teilnahme ist vor Ort und Online möglich.

o Themen sind Wirtschaftlichkeit in der Rindfleischproduktion, Tiergesundheit und Management, Gesunde Kälber, Kälbermast, Mineralstoffversorgung, Bio-Rindfleischmarkt, Jungtierbeschaffung, Klimaschutz in der Bio-Rinderhaltung, Mobile Schlachtung und Ernährungstrends wie In-Vitro-Fleischprodukte.

o Bei zwei Exkursionen berichten vier Praktiker vor Ort über ihre Erfahrungen.

o Die Tagung mit Referierende und Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis ist die Plattform für fachliche Diskussionen und persönlichen Meinungsaustausch.

o Veranstalter sind die beiden Bio-Verbände Bioland e. V. und Biokreis e. V. in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau.

o Eine Teilnahme ist vor Ort und Online möglich.

Programm und Anmeldung (bitte bis 15.10.2022)

10 Tipps zur Kälberaufzucht

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Gesundheitliche Probleme in der Kälberaufzucht halten sich beharrlich, obwohl so viel Information darüber vorliegt wie noch nie, worauf zu achten ist und was den Kälbern gut tut. Hier kommen 10 einfache Tipps, wie die Kälberhaltung optimiert werden kann:

1. Schwergeburten vermeiden: Gute Körperkondition der Kuh sowie zügige Geburten in stressfreier und sauberer Umgebung anstreben.

2. Neugeborenes Kalb trocken reiben: Trockene Kälber nehmen bis zu 40 % mehr Kolostrum auf.

3. Ausreichend Kolostrum: Mindestens drei bis vier Liter Kolostrum von guter Qualität in den ersten Lebensstunden anbieten, notfalls das Kalb drenchen.

4. Kälber ad libitum tränken: Schon ab dem 2. Lebenstag können Kälber bis zu 10 Liter Milch am Tag trinken. Gute gefütterte Kälber entwickeln sich besser und sind gesünder bzw. widerstandsfähiger.

5. Gute Milchaustauscherqualität: gute Qualität und die richtige Konzentration sind wichtig, da sonst Durchfall und Labmagengeschwüre drohen.

6. Milch ansäuern: Bei der ad libitum-Tränke sollte die Milch angesäuert werden, um vermehrte Keimbildung zu verhindern.

7. Mehr Tränkehygiene: Jedes Kalb sollte einen eigenen Tränkeeimer haben, der mindestens einmal täglich gereinigt wird.

8. Geschützter Liegebereich: Kälber mögen es wärmer als Kühe. Sie sollten auf Stroh liegen und im Winter zusätzlich Rotlicht oder eine Kälberdecke bekommen.

9. Igluhygiene: Nach jedem Kalb sollte das Iglu gereinigt und desinfiziert werden. Wenn möglich, ist der Stellplatz zu wechseln, damit der Boden darunter abtrocknen kann.

10. Kälberkarte führen: Für jedes Kalb sollte eine Kälberkarte mit den wichtigsten Informationen (Geburtsdatum, Zwilling oder nicht, Geburtsgewicht, Vitalität nach der Geburt, Kolostrumaufnahme, Trinkmenge) geführt werden, entweder digital oder noch besser direkt am Iglu, damit jede betreuende Person sofort die wichtigsten Informationen zum Tier sieht.

Quelle: Dr. Heike Engels

Diese Tipps sind zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ Ausgabe 3/2022. Für das kostenfreie Abo bitte einfach hier registrieren.

Neues Syndrom beim Schwein: SINS #Bioland Schweinefachtagung 2022

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Anlässlich der diesjährigen Bioland Schweinefachtagung referierte Prof. Gerald Reiner (Klinik für Schweine der Universität Gießen) zum „Swine Inflammation and Necrosis Syndrom (SINS)“.

Dieses Entzündungs- und Nekrose-Syndrom zeigt sich gleichzeitig an verschiedenen Körperteilen: Schwanz, Ohren, Zitzen, Klauen, Kronsaum und kann bei Ferkeln sogar schon vor der Geburt nachgewiesen werden! Histologisch konnten, bei intakter Oberhaut, Blutgefäß-assoziierte Entzündungen vom Neugeborenen bis zum Mastschwein nachgewiesen werden.

Prof. Dr. Gerald Reiner

Bakterielle Abbauprodukte aus überlastetem einem Darm und der Leber führten zu massiven Entzündungen mit Läsionen, Schwanzverlust, Stoffwechselentgleisungen und natürlich Schmerzen, Leiden, Schäden Schweinen aller Altersstufen, sagte Prof. Reiner.

Die Kotstauung im Dickdarm (Koprostase) der Sau bestimme SINS der Ferkel! Zu allererst könne Darmstabilisierung helfen und folgende Maßnahmen:

• Thermoregulation unterstützen
(Mikrosuhle, wärmeableitenden Bodenbereiche, kein Tiefstreu

• Wasserversorgung optimieren
(Schalentränken mit Anlernfaktor, offene Flächen, Wasser-Hygiensierung, Keimkontrolle)

• Fütterung
Können die Ferkel nach dem Umsetzen überhaupt fressen?
Mehr und besseres Rohfaserangebot
Reduktion von Mykotoxinen (zusätzlich Luzerne und Urgesteinsmehl)

• Früherkennung der Tiersignale für SINS an Klauen, Ohren und Gesicht

Aber auch die Genetik von Sauen und Ebern spielt eine Rolle! Die gute Nachricht laute hier jedoch: Gezielte Eber-Auswahl bringt Erfolg. In der Genetik müsse „Optimum statt Maximum“ das Ziel sein, riet der Gießener Professor. Und (auch) bei SINS gelte ein ganzheitlicher Ansatz, von Thermoregulation, Wasserversorgung- und -qualität bis zu Futterzusammensetzung, Luftqualität und Stressvermeidung!