Projekt SmartBees erfolgreich beendet

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Das EU-Forschungsprojekt SmartBees ist erfolgreich beendet. Vier Jahre lang hatten Imkerinnen und Imker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unternehmen aus 15 EU-Mitgliedsländern und angrenzenden Gebieten daran gearbeitet, Bedrohungen für Honigbienen auf unserem Kontinent besser zu verstehen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln, und die innerartliche Vielfalt der Honigbiene zu schützen.

SmartBees ist mit einem Gesamtbudget von sechs Millionen Euro das bislang größte EU-Forschungsprojekt zur Erhöhung der Nachhaltigkeit der Imkerei. Die Verschiedenartigkeit der europäischen Bienen ist ein Reichtum, der die Grundlage dafür bietet, sich an zukünftige Stressoren wie den Klimawandel oder die Einschleppung neuer Krankheiten anzupassen.

Herkunft der Bienen über DNA-Chip bestimmen
Erstes Ziel des Projekts war, die verbliebene Vielfalt zu ermitteln. Dazu wurden Proben aus über 2200 Völkern aller zehn auf dem Kontinent vertretenen Bienen-Subspezies analysiert. Die gute Nachricht: alle sind zumindest in Resten noch vorhanden. Außerdem können sie nun über einen DNA-Chip leicht und preiswert bestimmt werden, sodass Imkerinnen und Imker, die mit ihrer lokalen Subspezies arbeiten möchten, sich der Herkunft ihrer Bienen vergewissern können.

Damit die lokal angepassten Bienen gehalten werden können, hat SmartBees ein Netzwerk in über zehn Ländern aufgebaut. Die Mitglieder wurden intensiv in modernen Zuchtmethoden geschult. Umfangreiches Informationsmaterial wurde in 15 Sprachen erstellt. Erstmals sind nun auch Züchterinnen und Züchter aller europäischen Unterarten in der Lage, über die zentrale Zuchtdatenbank beebreed.eu eine effiziente Zuchtplanung zu betreiben. Sie vernetzen sich im neu gegründeten „International Honey Bee Breeding Network(IHBBN)“.

Varroa-Milbe schädigt Immunsystem der Bienen
Ein weiteres Ziel des Projektes war, die wichtigste Ursache für Verluste an Bienenvölkern besser zu verstehen und durch Selektion resistenter Bienen einzudämmen. Dabei handelt es sich um die Varroa-Milbe, einen eingeschleppten Parasiten der Bienenbrut, der gefährliche Viren überträgt und begünstigt.

Projektpartner aus Großbritannien konnten nun zeigen, dass Stoffe im Speichel der Milben dazu beitragen, das Immunsystem der Bienen zu schwächen und so die Vermehrung der Viren zu ermöglichen. In einer Kooperation zwischen Hohen Neuendorf und Partnern in Dänemark konnten darüber hinaus Gene der Biene ausfindig gemacht werden, die für die Varroa-Resistenz von entscheidender Bedeutung sind.

Der Koordinator des Projektes ist Prof. Dr. Kaspar Bienefeld. Er leitet das Länderinstitut für Bienenkunde im brandenburgischen Hohen Neuendorf und ist Honorarprofessor am Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Er betont: „Das Smartbees-Projekt hat nicht nur wertvolle neue Erkenntnisse gebracht, die die Bienenhaltung in Europa nachhaltig positiv beeinflussen werden. SmartBees ist auch ein gutes Beispiel dafür, welche Synergieeffekte europäische Forschungskooperationen erbringen können.“

Quelle: Hans-Christoph Keller, Abteilung Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement Humboldt-Universität zu Berlin

Mit „guten“ Bakterien Antibiotika-Eintrag in die Umwelt verringern

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Mit „guten“ Bakterien die „schlechten“ verdrängen und dadurch Antibiotika-Behandlungen vermeiden – eine solche innovative Therapie ist bei Milchdrüsenentzündung (Mastitis) an Kühen erfolgreich getestet worden. In einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 280.000 Euro geförderten Projekt hat die Hochschule Hannover einen Mix aus Milchsäurebakterien entwickelt, dessen Anwendung genauso heilsam ist wie eine übliche antibiotische Behandlung. „Mit dieser Alternative ließe sich zukünftig die Zahl notwendiger Antibiotika-Behandlungen reduzieren und die Gefahr verringern, dass Antibiotika in die Umwelt gelangen und sich dort Keime bilden, die auf diese Wirkstoffe nicht mehr anschlagen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Noch sei zwar kein marktreifes Produkt erhältlich. Die Hochschule Hannover strebe aber mit den Projektpartnern der Freien Universität Berlin und der Dr.-Windmann-Pharma-Gesellschaft (Ihrhove) die Entwicklung eines Therapeutikums bis zur Marktreife an.

Antibiotika: Gesundheits- und Umweltrisiken sowie wirtschaftliche Verluste
„Die entzündliche Reaktion der Milchdrüse zählt zu den bedeutendsten Erkrankungen hochleistender Milchkühe in Deutschland“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Volker Krömker von der Hochschule Hannover, Abteilung Bioverfahrenstechnik. Ein erster Hinweis auf die Erkrankung könne sein, dass die Milch ausflockt. Euterentzündungen würden aufgrund des schnellen Handlungsbedarfs derzeit vorwiegend antibiotisch behandelt. „Milch von antibiotisch behandelten Kühen können die Betriebe nicht an Molkereien abliefern“, so Krömker. Der wirtschaftliche Verlust für die Milchviehbetriebe sei nicht zu unterschätzen. Zudem wirke das altbekannte Mittel Penicillin beispielsweise auf einen der häufigsten Mastitis-Erreger, Staphylococcus aureus, immer weniger. Der Grund: Es haben sich widerstandsfähige Keime gebildet, die gegen das Antibiotikum resistent sind.

DBU: Förderung innovativer Methoden zur Antibiotika-Verringerung
„Jeder Einsatz von Antibiotika trägt dazu bei, dass Organismen entstehen und sich vermehren, bei denen diese Antibiotika nicht mehr wirken“, gibt Dr. Hans-Christian Schaefer, DBU-Fachreferent Biotechnologie, zu bedenken. 2017 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Deutschland 733 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben, der Großteil davon werde in Nutztierställen eingesetzt. Insgesamt sei die Menge zwar gesunken – 2011 waren es noch 1.706 Tonnen –, aber ein erheblicher Teil dieser Antibiotika gelange weiterhin über Gülle und Mist in die Umwelt und fördere die Entwicklung resistenter Keime. Aufgrund der zunehmenden Gefahr, die von ihnen ausgehe, setze sich die DBU dafür ein, praxisnahe Methoden zu finden, die den Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung weiter verringern. Mit den vorliegenden Projektergebnissen sei es denkbar, häufig auf Antibiotika bei der Mastitis-Therapie zu verzichten. Die Innovation: Um die „schlechten“ Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken zu verdrängen, werden „gute“ Milchsäurebakterien eingesetzt. Diese würden sich auch natürlicherweise im Umfeld der milchgebenden Kuh befinden wie zum Beispiel in der Milch selbst, ohne sie krank zu machen.

Keine Unverträglichkeiten durch Behandlung mit Milchsäurebakterien
„Wir haben zunächst im Labor Milchsäurebakterienstämme isoliert und ihre hemmende Wirkung auf die Krankheitserreger getestet“, beschreibt Krömker das Vorgehen. „Wir untersuchten auch, wie sich die Stämme an Hautzellen des Zitzenkanals und des Euters anlagern und ob sie einen Biofilm bilden.“ Dies sei für das Verdrängen der krankmachenden Keime eine zentrale Eigenschaft gewesen. Die anschließenden Versuche an Kühen unter kontrollierten Bedingungen zeigten, dass der ausgewählte Milchsäurebakterienstamm das Eindringen und das Vermehren der „schlechten“ Entzündungsbakterien in der Milchdrüse bestmöglich verhindert. „Unsere Tests haben gezeigt, dass an Mastitis erkrankte Kühe durch eine derartige innovative Milchsäurebakterien-Behandlung gleichermaßen gesund werden wie durch die herkömmliche antibiotische Methode“, so Krömker. Besser noch: Es seien keine Unverträglichkeiten festgestellt worden. Weitere Untersuchungen und eine größere klinische Studie seien allerdings erforderlich, um die Wirksamkeitsdaten auf eine breitere Basis zu stellen und zum Beispiel mögliche Lager- und Anwendungsformen zu prüfen. Sollte sich ein marktfähiges Präparat entwickeln lassen, wäre ein möglicher gewinnbringender Nebeneffekt der Therapie, dass die Menge der Milch, die bei Antibiotika-Behandlung nicht in die Lieferkette gelangen darf, vermindert wird.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Listerien im Futter: Ein gefährliches Hygieneproblem bei Mastschweinen

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Eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna untersuchte eine tödliche Listeriose bei Mastschweinen, bei der fast jedes zehnte Tier verstarb. Als Verursacher identifizierte das Forschungsteam die verfütterte Silage. Werden beim Silieren einfache Richtlinien befolgt, lässt sich diese Gefahr minimieren – auch zum Nutzen von Ernährungssicherheit und öffentlicher Gesundheit.

Der vorliegende, an der Vetmeduni Vienna untersuchte Fall ist der erste klinische Bericht über diese Art von Listeriose bei Mastschweinen. Im Rahmen ihrer Studie konnten WissenschafterInnen aus den Instituten für Mikrobiologie, Pathologie und Milchhygiene unter Koordination von Lukas Schwarz, Universitätsklinik für Schweine der Vetmeduni Vienna, nachweisen, dass das Bakterium Listeria (L.) monocytogenes als Auslöser der Listeriose – entgegen der bisherigen Praxis – Teil der Liste der Differentialdiagnosen sein sollte, wenn Mastschweine an blutigem Durchfall und Blutvergiftung leiden.

Tödliche Listeriose in Niederösterreich
Ausgangspunkt der Studie bildete eine tödliche Listeriose bei Mastschweinen in einem Schweineproduktionsbetrieb in Niederösterreich, der in Verbindung mit einer integrierten Masteinheit mit Platz für 450 Schweine geführt wird. Als klinische Symptome wurden bei etwa 10 % der Mastschweine Anorexie, blutige Durchfälle und eine erhöhte Körpertemperatur bis zu 40° Celsius beobachtet, meistens bei gut gefütterten Tieren von 40–100 kg Körpergewicht. Insgesamt starben 35 Mastschweine in einem Zeitraum von etwa 3 Wochen.

Wie im Krimi: Nachweisführung mittels DNA-Abgleich
Zur genauen Diagnostik wurden zwei Mastschweine mit klinischen Symptomen sowie Proben der verfütterten Maissilage untersucht. Molekularbiologisch idente L. monocytogenes-Stämme wurden dabei aus Proben der Schweine und in der Maissilage isoliert. Außerdem wurde in der Maissilage ein hoher Gehalt an Deoxynivalenol gefunden. Bei Deoxynivalenol handelt es sich um ein Schimmelpilzgift, das als Stoffwechselprodukt vor allem auf befallenem Getreide vorkommt und das Immunsystem negativ beeinflussen kann. „Die Fütterung von mit Listerien kontaminierter Maissilage, welche bei schlechter Silierung darin überleben, führte höchstwahrscheinlich zu einer Infektion der Mastschweine“, so Erstautor Heiko Stein.

Silieren unter Luftausschluss schützt zuverlässig
Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter konnten mit ihrer Studie zeigen, dass L. monocytogenes bei Mastschweinen klinische Erkrankungen verursachen kann, die möglicherweise auf eine Immunsuppression aufgrund einer hohen Deoxynivalenol-Exposition zurückzuführen sind. Stein formuliert deshalb folgenden Appell: „Beim Füttern von Silage ist es wichtig, dass alle Silierverfahren unter geeigneten anaeroben Bedingungen durchgeführt werden, um das Listerienwachstum zu unterdrücken.“

Wichtige neue Erkenntnisse für die Lebensmittelsicherheit
Listerien sind stäbchenförmige Bakterien, die vielerorts in der Natur vorkommen. Die meisten sind unschädlich für den Menschen, die Art L. monocytogenes ist jedoch für Mensch und Tier alles andere als harmlos. Eine durch diese Bakterien verursachte Infektion kann beim Menschen schweren Durchfall und Gehirnhautentzündungen verursachen und sogar zum Tod führen.

Bei Rinder und Schafen ist bekannt, dass es beim Verfüttern von Silage schlechter Qualität zur Übertragung von L. monocytogenes kommen kann, welche zu Gehirnhautentzündungen oder blutigen Durchfällen führen kann. In der wissenschaftlichen Literatur haben sich jedoch bislang nur wenige ältere Fallberichte mit der Übertragung von L. monocytogenes in Schweineherden befasst, obwohl die Kontamination von Schweinefleisch mit L. monocytogenes auch für die öffentliche Gesundheit von großer Bedeutung ist.

„Wenn blutiger Durchfall in Kombination mit einer erhöhten Sterblichkeit bei Mastschweinen auftritt, sollte L. monocytogenes deshalb in die Liste der Differentialdiagnosen aufgenommen werden, insbesondere wenn Silage Teil der Fütterung ist. Da in unserem Fall therapeutische und prophylaktische Maßnahmen zu einer raschen Genesung der erkrankten Tiere führten, ist eine umgehende antimikrobielle Therapie angezeigt. Dadurch lassen sich eine weitere Ausscheidung von L. monocytogenes über Kot und weitere Todesfälle vermeiden“, so Stein abschließend.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Afrikanische Schweinepest: Im Krisenfall alles dokumentieren #HANSA2019

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Erfolgt tatsächlich ein Nachweis der ASP in Deutschland, sind die Maßnahmen abhängig davon, ob der Nachweis in einem Wild- oder einem Hausschwein erfolgte. ASP beim Hausschwein führt zu einem Sperrbezirk (mind. 3 km um das Gehöft) und einem Beobachtungsgebiet (mind. 10 km um das Gehöft). Es kann darüber hinaus ein „Stand Still“ für jegliche Tierbewegungen veranlasst werden. Auf jeden Fall wäre allein der Sperrbezirk eine mittlere Katastrophe für die betroffenen Betriebe, denn die Sperrung würde frühestens 45 Tage nach Abnahme der Grobreinigung und Vordesinfektion des Seuchenbetriebes und nach klinischen und serologischen Untersuchungen der Schweine aller Betriebe im Sperrbezirk mit negativem Ergebnis aufgehoben werden. Wird ASP nur bei einem Wildschwein nachgewiesen, wird um die Abschuss- oder Fundstelle ein ca. 15 km großes gefährdetes Gebiet und darum noch eine Pufferzone eingerichtet. In dem gefährdeten Gebiet ergeben sich dann Verbringungsbeschränkungen auch für Hausschweine. Das Gebiet kann frühestens 6 Monate nach dem letzten Virusnachweis bei Wildschweinen wieder aufgehoben werden. Dr. Martina Oetjen, Westfleisch, riet den Anwesenden auf der Schweinefachtagung des HANSA Landhandel, sich mit diesen Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen, damit im Ernstfall schnell klar sei, womit man es zu tun hat. „Außerdem ist die Dokumentation jeglicher Handlungen und Maßnahmen im Krisenfall sehr wichtig. Schreiben Sie alles auf, was Sie von wem gesagt bekommen haben und was Sie tun, damit Sie sich auch später noch daran erinnern. Und falls nicht schon geschehen, bringen Sie Ihre Bürounterlagen auf den neuesten Stand. Und melden Sie die Viehverkehrs-Verordnungs-Nummer oder kurz VVVO-Nummer Ihrer Ställe korrekt, damit die Aufsichtsbehörden im Ernstfall schnell einen Überblick über Ihren Betrieb erhalten und schnell Entscheidungen treffen können“, empfahl Frau Dr. Oetjen.

Dr. Heike Engels

Meilenstein in der Tiergesundheit: Boehringer Ingelheim impft mehr als 100 Milliarden Hühner gegen zwei bedeutende Virusinfektionen

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Boehringer Ingelheim feiert einen bedeutenden Meilenstein: 100 Milliarden Hühner wurden weltweit seit 2006 mit einem Hühnerimpfstoff geimpft, der gegen zwei bedeutende immunsuppressive Krankheiten schützt: die auch unter dem Namen Gumboro-Krankheit bekannte Infektiöse Bursitits (IBD) sowie die Marek-Krankheit.

IBD ist eine hochansteckende, zu einer Immunsuppression führende Virusinfektion, die Marek-Krankheit ist eine Tumore und Läsionen verursachende Infektion mit dem Herpesvirus. Der Geflügelimpfstoff hilft den Vögeln, eine robuste Immunabwehr aufzubauen. Dies führt zu einer besseren Gesundheit und höheren Leistung des Bestands.

Der Geflügelimpfstoff von Boehringer Ingelheim war der erste für Geflügel eingeführte Vektorimpfstoff. Es handelt sich um einen HVT-Vektorimpfstoff, der das Gen des immunogenen Proteins des IBD-Virus (VP2) in sich trägt.

Der Impfstoff wurde im Jahr 2006 in Brasilien und anschließend in Europa, den USA, Lateinamerika, China sowie vielen Ländern in Asien, im Nahen Osten und in Afrika eingeführt. Aktuell ist er in mehr als 75 Ländern zugelassen.

Boehringer Ingelheim
Die Gesundheit und die Lebensqualität von Patienten zu verbessern, ist das Ziel des forschenden Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Der Fokus liegt auf Erkrankungen, für die es bislang noch keine zufriedenstellende Behandlungsmöglichkeit gibt. Dabei konzentriert sich das Unternehmen darauf, innovative Therapien zu entwickeln, die das Leben der Patienten verlängern können. In der Tiergesundheit steht Boehringer Ingelheim für fortschrittliche Prävention.

Seit der Gründung im Jahre 1885 in Familienbesitz, zählt Boehringer Ingelheim heute zu den 20 führenden Unternehmen der Branche. Für die drei Geschäftsbereiche Humanpharmazeutika, Tiergesundheit und Biopharmazeutika schaffen rund 50.000 Mitarbeiter tagtäglich Werte durch Innovation. Im Jahr 2017 erwirtschaftete Boehringer Ingelheim Umsatzerlöse von knapp 18,1 Milliarden Euro. Die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung entsprechen mit mehr als drei Milliarden Euro 17,0 Prozent der Umsatzerlöse.

Als Familienunternehmen plant Boehringer Ingelheim in Generationen und zielt auf langfristigen Erfolg ab. Dafür strebt das Unternehmen primär organisches Wachstum aus eigener Kraft an bei gleichzeitiger Offenheit für Partnerschaften und strategische Allianzen in der Forschung. Bei allen Aktivitäten ist es für Boehringer Ingelheim selbstverständlich, Verantwortung für Mensch und Umwelt zu übernehmen.

Weitere Informationen zu Boehringer Ingelheim finden Sie unter www.boehringer-ingelheim.de und in unserem Unternehmensbericht.

Boehringer Ingelheim im Bereich Tiergesundheit
Boehringer Ingelheim ist das zweitgrößte Unternehmen im Bereich der Tiergesundheit weltweit. Wir bieten ein umfangreiches Portfolio an innovativen, präventiven Produkten und Dienstleistungen, um damit das Wohlergehen von Tieren zu verbessern. Mit einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro und weltweit rund 10.000 Mitarbeitern in diesem Unternehmensbereich sind wir in mehr als 150 Märkten aktiv.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Afrikanische Schweinepest breitet sich aus: Für Menschen ungefährlich #HANSA 2019

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Wie sich ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wild- und Hauschweinen auf die deutsche Schweinefleischproduktion auswirken würde, darüber informierte Dr. Martina Oetjen, Leiterin Konzernqualität und Veterinärwesen bei Westfleisch, kürzlich auf der Schweinefachtagung des HANSA Landhandels. „Die ASP ist von Osteuropa nun nach Belgien gelangt. Niemand hätte geglaubt, dass sie Deutschland „überspringen“ würde. Mir ist es ganz wichtig zu betonen, dass die ASP völlig ungefährlich für den Menschen ist und dass sich das Virus an sich anders als bei der klassischen Schweinepest (KSP) auch überhaupt nicht schnell verbreitet. Man müsste als Landwirt schon selber aktiv werden, um das Virus von Stall zu Stall zu bringen“, so Frau Dr. Oetjen. Die ASP sei trotzdem ein harter Gegner, da es derzeit noch keine Impfung gibt, je nach Virulenz des Virus die Letalität über 90 % beträgt und das Virus extrem überlebensfähig ist. Es überlebt z.B. bis 11 Tage in Kot, über 150 Tage in gekühltem Fleisch, bis zu 6 Monate in konservierten Schinken, bis zu 10 Wochen in Blut und mehrere Jahre in tiefgefrorenen Schlachtkörpern. Dementsprechend vielfältig sind die Einschleppungswege: Kontakt von Tier zu Tier, aber auch über Vektoren wie z.B. Jagdhunde oder Jagdmesser sowie auch über Räucherware. Der Krankheitsverlauf ist eher unspezifisch: er beginnt mit hohem Fieber und Abgeschlagenheit, die Haut verfärbt sich später rot/blau und nach 7 bis 10 Tagen tritt der Tod ein. Überlebt ein Tier die ASP, ist es ein lebenslanger Virusträger.

Handelsproblem durch ASP
Das größte Problem mit der ASP in Deutschland sei die Vermarktung der Schweine, so Dr. Oetjen. Ein sofortiger Exportstopp in alle Drittländer wäre die Folge für mindestens 12 Monate. Drittland ist u.a. vor allem China, das viele Nebenprodukte wie Schnauzen, Ohren, Pfoten und Knochen abnimmt. Der Grund liege in Veterinärzertifikaten, die für jede Fleischlieferung ausgestellt werden müssen. China verlange eine mindestens 12-monatige Freiheit von ASP bei Wild- und Hausschweinen, KSP sowie AK bei Hausschweinen inklusive jeglicher Impfungen dagegen. Um die Vermarktung der Schweine sicherzustellen, seien viele Gespräche mit dem Handel und den Handelsländern nötig, um Aufklärungsarbeit zu betreiben. Um gut vorbereitet zu sein, haben Fachleute gemeinsam mit dem Verband der Fleischwirtschaft, dem Landwirtschaftsministerium von NRW sowie dem LAVES in Niedersachsen ein Krisenhandbuch für Schlachthöfe und auch für Landwirte erarbeitet. In diesen Krisenhandbüchern ist genau beschrieben, welche Maßnahmen bei einem ASP-Ausbruch ergriffen werden müssen.

Dr. Heike Engels

„So können wir nicht mit Tieren umgehen!“

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Die BTK konstituiert Arbeitsgruppe „Qualzucht bei Nutztieren“

Am 30. Januar 2019 wird die Bundestierärztekammer (BTK) die neue Arbeitsgruppe (AG) „Qualzucht bei Nutztieren“ konstituieren. Daran beteiligt sind neben der BTK, der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT). Diese Verbände arbeiten schon seit 2015 sehr erfolgreich in der AG „Qualzucht“ zusammen, die sich bisher dem Kleintier-/ Heimtierbereich gewidmet hat. Doch nicht nur Kleintieren können durch übertriebene Zuchtziele Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden, auch Nutztiere leiden unter einer Reihe von Produktionskrankheiten, die durch die gezüchtete Leistungssteigerung begünstigt werden. Die wirtschaftlich wichtigen Körperfunktionen, z. B. die Milchleistung, werden dabei so stark optimiert, dass die extreme körperliche Belastung in vielen Fällen die Lebensdauer der Nutztiere verkürzt.

Bei der Pressekonferenz „Qualzucht bei Nutztieren?“ der BTK am 22.01.2019 anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin, haben der BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann, die Präsidentin der Tierärztekammer Berlin, Dr. Heidemarie Ratsch, Prof. Dr. Holger Martens vom Institut für Veterinär-Physiologie der Freien Universität (FU) Berlin und der Vorsitzende des BTK-Ausschusses für Tierschutz, Prof. Dr. Thomas Richter, ausführlich über die Qualzucht-Thematik bei Nutztieren informiert.

„Als Qualzucht bezeichnet man bei der Züchtung von Tieren die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind. Dies ist nach § 11b Tierschutzgesetz in Deutschland verboten. Mängel in Haltung, Fütterung und Management können die züchtungsbedingten Probleme auslösen oder verstärken“, erläutert Dr. Tiedemann.

„Die deutschen Tierärzte sind durch ihre Berufsordnung und durch ihren Ethik-Kodex verpflichtet, zur Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere beizutragen. Insbesondere lehnen wir alle Maßnahmen ab, durch die Tiere Leistungen erbringen sollen, die ihre physische oder psychische Anpassungsfähigkeit überfordern oder die negative Konsequenzen für ihre Gesundheit und/oder ihr Wohlbefinden haben“, erklärt Dr. Ratsch. Auf die stark optimierte Leistung der Milchkühe und der damit verbundenen Zunahme an Produktionskrankheiten ging Prof. Martens ein.

„Laktationsleistungen von 8.000 kg, 10.000 kg, 12.000 kg oder mehr sind nicht ungewöhnlich. Als Folge dieser extremen Leistungssteigerung leiden die Tiere beispielsweise unter Gebärparese, Labmagenverlagerung, Nachgeburtsverhaltungen, Gebärmutterentzündungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Stoffwechselstörungen wie Fettleber und Ketose, Euterentzündungen und Klauenerkrankungen“, mahnt Prof. Martens. „So können wir nicht mit Tieren umgehen“, appelliert der Veterinär-Physiologe.

Neben den Kühen zählt der Professor auch die betroffenen Landwirte zu den Leidtragenden, die unfreiwillig in diese Situation geraten sind. Die Zucht landwirtschaftlicher Nutztiere hat als wichtigstes Ziel die wirtschaftlich wichtigen Körperfunktionen zu optimieren. „Beim Schwein sind das die Anzahl der Ferkel je Muttersau und Wurf bzw. Jahr, die Anzahl der Geburten im Leben jeder Muttersau und die tägliche Zunahme beim Mastschwein. Jede dieser Körperfunktionen kann zu tierschutzrelevanten Schäden führen, wenn die Zucht zu einseitig auf Leistungsparameter ausgelegt wird“, sagt der Vorsitzende des BTK-Ausschusses für Tierschutz. So lässt sich z. B. durch einen frühen Absetztermin die Zahl der pro Sau und Jahr geborenen Ferkel steigern. Doch dadurch folgen die Geburten zu schnell aufeinander, was eine Überlastung der Sau und eine geringere Lebenserwartung zur Folge haben kann. „Laut Tierschutznutztierhaltungsverordnung dürfen Saugferkel unter 3 Wochen nur abgesetzt werden, wenn es zum Schutz vor Schmerzen, Leiden oder Schäden erforderlich ist. Wird also routinemäßig ein künstliches Ammensystem verwendet, weil die Sau nicht alle Ferkel versorgen kann, ist damit implizit zugestanden, dass der Qualzuchtparagraph erfüllt ist“, erläutert Prof. Richter.

Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung zum Thema Qualzucht müssen kontinuierlich verfolgt und weiter ausgebaut werden. Dieses Ziel verfolgt die BTK u. a. mit der AG „Qualzucht“ schon seit Jahren und erweitert die wichtige Arbeit mit der neu gegründeten AG „Qualzucht bei Nutztieren“ ab Ende Januar.

Quelle: Bundestierärztekammer

Fütterungsversuch mit Roggen: Salmonellen und Skatol gesenkt #HANSA2019

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Roggen geriet ein wenig in Vergessenheit, aber angesichts der Debatte um mehr Tierwohl und eine darmgesunde Fütterung erinnert man sich an die guten Eigenschaften des Roggens. Um die Effekte des Roggens in der Schweinefütterung in der Praxis zu testen, führt KWS Lochow gemeinsam mit der Viehvermarktung Walsrode e.G. seit 2017 einen Versuch durch. Er umfasst 18 Schweinemastbetriebe mit rund 67.000 Tieren, darunter knapp 46.000 Eber. Die Betriebe veränderten nichts, außer dass das Futter gröber vermahlen wurde (max. 20 % <0,25 mm) und dass insgesamt mehr Roggen gefüttert wurde bis hin zu 40 % Roggen und 25 % Gerste in der Endmast. Im Ergebnis sind die Salmonellenbefundraten der Betriebe deutlich gesunken (von 14,6 % im 1. Quartal 2017 auf 10,3 % im 4. Quartal 2017), das entspricht einer Reduktion von ca. 30 %. Und auch bei der Anzahl geruchsauffälliger Eber am Schlachtband gab es einen positiven Effekt: Sie sank von anfangs über 2.000 geruchsauffälligen Tieren auf null. „Die Feldstudie läuft noch bis Sommer 2019, um weitere Daten zu erhalten. Zusätzlich haben wir im Sommer 2018 vom BLE die Bewilligung für das „6R“- Forschungsprojekt erhalten. Mit den Tierernährern der Universitäten Hannover, Berlin und Bonn wollen wir den Effekt des Roggens noch besser untersuchen“, so Dr. Andreas von Felde, KWS Lochow, auf der Schweinefachtagung von HANSA Landhandel.

Dr. Thomas Glindemann vom HANSA Landhandel wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass der HANSA Landhandel schon immer einen höheren Anteil an Roggen im Mastfutter hat. Mit dem Spezialfutter Duroc-Mast und Acid-Futter gegen Salmonellen ist eine wirtschaftliche Mast bei gleichzeitiger Salmonellenvorbeugung möglich. Besonders in Stresssituationen wie beim Einstallen oder Umstallen könne das Acid-Futter bei der Salmonellenprophylaxe helfen.

Dr. Heike Engels

Revolution im Bienenstock: Forscher entdecken Gen, das Bienen zu Sozialparasiten werden lässt

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Eine kleine Veränderung im Erbgut der südafrikanischen Kapbiene macht aus den sozial organisierten Tieren kämpferische Parasiten. Sie sorgt dafür, dass die eigentlich unfruchtbaren Arbeiterbienen damit beginnen, selbst Eier zu legen und andere Völker zu bekämpfen. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“ beschreibt ein internationales Forscherteam unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstmals die genetischen Grundlagen für dieses seltene Phänomen.

Bienen sind soziale Insekten, die in großen Völkern mit einer ausgeprägten Sozialstruktur zusammen leben. Innerhalb eines Bienenstaats sind die Rollen klar verteilt: Es gibt neben den männlichen Drohnen zahlreiche unfruchtbare weibliche Arbeiterbienen, die sich um die Nestpflege kümmern und die Königin versorgen. Letztere ist als einziges Tier für den Nachwuchs des gesamten Volks zuständig – aus ihren unbefruchteten Eiern entwickeln sich die männlichen Drohnen und aus den befruchteten die weiblichen Bienen. Neue Königinnen werden erst dann herangezogen, wenn sich das Volk teilt, die bisherige Königin gestorben ist oder sie aus Altersgründen nicht mehr in der Lage ist, für neue Nachkommen zu sorgen.

Anders ist das bei der südafrikanischen Kapbiene. Einige ihrer Arbeiterbienen sind dazu in der Lage, aus unbefruchteten Eizellen weibliche Nachkommen zu zeugen. Nachdem die Tiere ihr eigenes Volk großgezogen haben, beginnen die falschen Königinnen damit, fremde, aber nahverwandte Bienenvölker anzugreifen und deren Stock letztlich zu übernehmen. Erstmals wurde das Verhalten in den 1990er Jahren von Imkern beobachtet, die versucht hatten, die Kapbiene in einer Region Südafrikas anzusiedeln, in der eine andere Honigbienen-Unterart lebte.

„Das Phänomen, dass Arbeiterbienen voll entwickelte Eierstöcke haben und ihren eigenen Nachwuchs aus unbefruchteten Eiern produzieren können, kommt hin und wieder vor und wird Parthenogenese, oder auch Jungfernzeugung, genannt“, erklärt der Biologe Dr. Eckart Stolle, der die Studie gemeinsam mit Dr. Denise Aumer und Prof. Dr. Robin Moritz am Institut für Biologie der MLU durchgeführt hat. Anders als bei normalen Honigbienen schlüpfen bei Kapbienen aus den unbefruchteten Eiern aber Weibchen – nicht wie normalerweise Drohnen. Dieses Phänomen ist als Thelytokie bekannt. „Das Syndrom ist zwar ungewöhnlich, ergibt aber evolutionär gesehen Sinn: Wenn eine Königin plötzlich stirbt, ermöglicht dieser Prozess es, das Bienenvolk zu retten“, ergänzt Aumer.

Seit mehreren Jahren suchen Wissenschaftler nach den genetischen Grundlagen für die Thelytokie und den Gründen, warum nicht alle Bienen darüber verfügen. Die halleschen Biologen sind diesem Prozess nun auf die Schliche gekommen: Sie verglichen das Erbgut von Kapbienen, die entweder den parasitären oder den normalen Nachwuchs hervorbringen. So fanden die Wissenschaftler ein spezielles Gen, das für die Entwicklung des parasitären Nachwuchses zuständig ist. Eine winzig kleine Variation im Code dieses Gens sorgt dafür, dass die Thelytokie in Gang gesetzt wird.

Außerdem konnten die Forscher zeigen, dass dieses Merkmal dominant vererbt wird. „Eigentlich müsste das zur Folge haben, dass im Laufe der Zeit immer mehr Bienenvölker darüber verfügen. Das ist aber nicht der Fall. Offenbar ist der zugrundeliegende Mechanismus komplexer“, so Stolle weiter. Die Forscher vermuten, dass das Thelytokie-Gen nur in Kombination mit der normalen Variante funktioniert oder dass eine Dopplung der Gene sogar tödlich für die Tiere sein kann. Bisher ist die Thelytokie nur von einigen Tieren bekannt, darunter mehrere global invasive Ameisenarten. Die Arbeit der halleschen Forscher liefert nun einen weiteren Baustein zum grundlegenden Verständnis dieses Phänomens.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Viele Ballaststoffe, weniger Magengeschwüre: Roggen erlebt Renaissance in Schweine-Ernährung #HANSA2019

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Von Dr. Heike Engels

„Derzeit erlebt der Roggen eine Renaissance, weil er sehr gute Eigenschaften hat. Er enthält viele Ballaststoffe, sorgt damit für eine gute Sättigung und ist anbautechnisch vergleichsweise einfach, denn er benötigt wenig Wasser bei guter Wurzelbildung und auch nur wenig Pflanzenschutzmaßnahmen“, so Dr. Andreas von Felde, Leiter des Produktmanagements bei KWS Lochow GmbH auf der Schweinefachtagung des HANSA Landhandel. Diese findet traditionell gleich zu Beginn eines neuen Jahres statt.

Roggen werde derzeit zu 66 % als Tierfutter genutzt, nur zu 15 % für die menschliche Ernährung und zu 15 % für die Energieerzeugung in Form von Biogas und Bioethanol. Früher war Roggen aufgrund seiner guten physiologischen Eigenschaften ein wichtiger Bestandteil in der menschlichen Ernährung, aber da die Mehlfarbe leicht gräulich sei, habe sich die Lebensmittelindustrie vom Roggen abgewendet.

Ein großes Problem in der Schweinernährung sind Magengeschwüre aufgrund von Fehlernährung und Stress. Der pH-Wert des gesunden Magens unterliegt einer Schichtung: vorne am Mageneingang, auch Pförtner genannt, ist der pH-Wert mit 6 oder 7 eher höher, weiter hinten Richtung Dünndarmausgang sinkt der pH-Wert ab auf den Wert 3 oder gar 2. Dieses Phänomen nennt man Magenschichtung. Verursacht wird dies durch die Abbauprodukte des Futters: Fein vermahlenes Futter lässt schon am Mageneingang saure pH-Werte entstehen. Eine grobe und ballaststoffreiche Futterstruktur wie es der Roggen aufweist kann hier entgegen wirken. Dies liegt an seiner Eigenschaft, erst im Dickdarm mit seinen Ballaststoffen so richtig verdaut zu werden. Dies führe zu der gewünschten langanhaltenden Sättigung.

Ganz wichtig: Durch den Abbau von Roggen erst im Dickdarm entsteht aus Fruktanen Buttersäure (Butyrat), welche positiv auf die Mikroorganismenzusammensetzung des Darms wirkt. Salmonellen etwa erkennen Butyrat und werden gehemmt. Die langanhaltende Darmfüllung sowie das Butyrat haben zudem positive Effekte auf das Verhalten, die Tiere werden ruhiger, eben auch, weil sie länger satt sind. Der Blutzuckerspiegel bleibt stabil. Durch eine gute Verdauung bleibt die Darmschleimhaut gesünder und hat weniger Abschilferungen. Das wirkt sich positiv auf den Ebergeruch aus, denn aus den Abschilfer-ungen der Darmschleimhaut entsteht Tryptophan, welches zu Skatol umgewandelt wird, dem typischen Ebergeruch. „Von allen Getreidearten hat Roggen den höchsten Gehalt an Fruktanen (3,6 bis 6,4 % in der Trockenmasse). Außerdem sind neueste Züchtungen der KWS nur noch wenig anfällig gegen Mutterkorn“, hebt Dr. von Felde die Vorteile des Roggens hervor.