Niedersächsisches Agrarministerium gibt zwei Erlasse zu Tiertransporten an Behörden – weiterer Erlass folgt

0

Das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen (ML) hat ein Erlasspaket zu Tiertransporten und Exporten von lebenden Tieren auf den Weg gebracht. Tierschutzwidrige Zustände sollen unterbunden werden.

Am 9. Oktober ist der sogenannte „Ägypten-Erlass“ in Kraft getreten. Dieser besagt, dass die kommunalen Behörden Tiertransporte per Schiff nach Alexandria untersagen sollen, wenn als Bestimmungsort ein Stall im dortigen Hafen angegeben ist. Dem Landwirtschaftsministerium liegen glaubhafte Informationen vor, nach denen niedersächsische Rinder nicht wie angegeben dort untergebracht waren. Der angegebene Treibweg durch den Hafen ist für die Tiere nicht passierbar. Unter diesen Voraussetzungen sind die Transporte nicht mehr zu genehmigen.

Am 22. November wurde zudem den zuständigen Veterinärbehörden der sogenannte „Untersagungs-Erlass“ zugestellt. Darin werden die kommunalen Veterinärbehörden aufgefordert, ab sofort Transporte von Rindern nach Ägypten, Algerien, Aserbaidschan, Irak, Iran, Jemen, Jordanien, Kasachstan, Kirgistan, Libanon, Libyen, Marokko, Syrien, Tadschikistan, Tunesien, Turkmenistan und Usbekistan zu untersagen.

Der Erlass stützt sich auf den Umstand, dass Rinder, die in diese Länder exportiert werden, unabhängig ob sie zur Zucht eingesetzt werden oder nicht, in absehbarer Zeit ohne Betäubung geschlachtet werden. Betäubungslose Schlachtungen von Rindern führen regelmäßig zu erheblichen, langanhaltenden Schmerzen und Leiden für die Tiere. Hierbei ist es unerheblich, ob der Zeitpunkt der Schlachtung bereits feststeht, da in den benannten Staaten das betäubungslose Schlachten die übliche Schlachtmethode ist und die dorthin transportierten Tiere mit hinreichender Wahrscheinlichkeit am Ende ihrer Nutzung auf diese Weise geschlachtet werden. Ein Rücktransport dieser Tiere nach Europa ist nach Tierseuchenrecht nicht zulässig.

Hierzu Miriam Staudte: „Da aus den genannten Ländern keine Rinder wieder nach Europa zurücktransportiert werden, enden sie alle irgendwann durch Schlachtung ohne Betäubung. Zahlreichen Berichten zufolge wird zur Fixierung der Rinder häufig erhebliche Gewalt eingesetzt und das bedeutet große Schmerzen und Leiden für die Tiere. Unsere Veterinärbehörden sind aber verpflichtet, auch künftige Verstöße gegen das Tierschutzrecht zu verhindern. Dies geht in den genannten Fällen nur durch Untersagung des Transports. Es gibt für die Veterinärbehörden kein milderes Mittel, diese drohenden Tierschutzverstöße zu verhindern.“

Ein dritter Erlass, der die Richtlinien für alle längeren Transporte in Drittländer konkretisiert, befindet sich kurz vor der Veröffentlichung. Eine der Neuerungen wird sein, dass der Organisator eines Transports durch Fotos am Bestimmungsort dokumentieren muss, dass die Tiere angekommen und bedarfsgerecht versorgt worden sind. Auf den Fotos müssen Ohrmarken der Tiere erkennbar sein. Dies prüfen die Behörden in standardmäßigen Retrospektivkontrollen.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Beobachtungsstudie zum selektiven Trockenstellen

0

Die häufigsten Erkrankungen von Milchkühen sind u.a. subklinische Euterentzündungen, die schon ab einem Zellgehalt von 100.000 Zellen/ml Milch gesundheitlich relevant sind und zu geringerer Milchproduktion führen. Zur Behandlung werden Antibiotika eingesetzt, unter anderem zu Beginn der Trockenstehzeit, weil die Heilungsrate während der Trockenstehzeit besser ist als während der Laktation. Seit 2022 schreibt das neue Tierarzneimittelgesetz allerdings vor, bestandsweite antibiotische Behandlungen nur noch in begründeten Einzelfällen durchzuführen, um den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Dazu zählt auch das Trockenstellen mit Antibiotika. Deshalb werden Kühe immer öfter selektiv antibiotisch trockengestellt.

Um zu überprüfen, ob das selektive Trockenstellen die Eutergesundheit auf längere Sicht gefährdet, wurden 90 bayerische Milchviehbetriebe bezüglich der Reduktion von antibiotischen Behandlungen zum Trockenstellen sowie deren Auswirkungen auf die Eutergesundheit untersucht. Zwischen 2016 und 2021 wurden die Betriebe innerhalb der STAR-Initiative teilweise für mehr als 3 Jahre begleitet und jährlich Viertelgemelksproben aller laktierenden Kühe der Herden genommen. Die Teilnahme war freiwillig. Bedingung für die Teilnahme war eine Tankmilchzellzahl von unter 200.000 Zellen in den 3 Monaten vor dem Projektbeginn und eine Neuinfektionsrate in der Trockenperiode von unter 25 %. Weiterhin sollte keine Kuh mit Streptococcus agalactiae oder Streptococcus canis infiziert sein, und Staphylococcus aureus sowie Streptococcus uberis sollten bei weniger als 15 Kühen zu finden sein. Für ein einheitliches Vorgehen beprobte der TGD Bayern alle teilnehmenden Betriebe zu Beginn mittels Schalmtest und ein standardisierter Fragebogen erfasste die Managementpraktiken. Der Einsatz von internen Zitzenversieglern wurde empfohlen. Die Landwirte sollten alle Behandlungen rund um das Trockenstellen dokumentieren und notieren, ob die Kuh später eine Mastitis hatte sowie weitere Details rund um die Eutergesundheit. Die Ergebnisse der Milchleistungsprüfungen wurden ebenfalls ausgewertet. Als Besonderheit in dieser Studie ist zu werten, dass viele Betriebe zu Studienbeginn nur wenige Kühe antibiotisch trockenstellten.

Behandlungen und Probemelkergebnisse wurden ausgewertet. In einigen Herden wurden zu Beginn kontagiöse Erreger (Streptococcus agalactiae und Streptococcus canis) nachgewiesen. Hier musste erst eine Sanierung der Herden stattfinden, was die antibiotikahaltigen Behandlungen im ersten Jahr erhöhte. Durchschnittlich waren 62 % der Kühe zu Beginn antibiotisch zum Trockenstellen behandelt worden. Die Häufigkeit von Trockensteherbehandlungen schwankte von Jahr zu Jahr bei den Betrieben, zeigte aber im Durchschnitt eine sinkende Tendenz. Der Einsatz von internen Zitzenversieglern nahm über die Zeit von 39 % der Kühe bis auf 84 % der Kühe zu.

Die Eutergesundheit der Herden in Bezug auf die Zellzahl blieb über die Jahre annähernd gleich, die kuhassoziierten Erreger wurden weniger. Lediglich ab dem 3. Jahr stieg die Neuinfektionsrate während der Trockenstehphase. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass es besonders beim selektiven Trockenstellen wichtig ist den Infektionsstatus der Herde und des Einzeltieres zu kennen, um den Behandlungsbedarf zu bestimmen.

Quelle: Ulrike Sorge et al.: Selektives Trockenstellen auf bayerischen Betrieben – eine Fallserie. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2023; 51: S. 160 bis 167

Zuerst erschienen im E-Magazim „Der Hoftierarzt“ 5/2024

11 Tipps zur Vorbeugung von Rindergrippe

0
  1. Einstallcheck: Tierärztliche Untersuchung neu zugekaufter Tiere
  2. Stressfreier Transport: Transport so stressfrei wie möglich: Tiere ausreichend tränken und füttern, Umgang ruhig und schonend
  3. Durchdachter Zukauf: Zukauf aus wenigen und vor allem gesunden Beständen und Tiere in gleichmäßigen Gruppen, Unterbringung der neu zugekauften Tiere für zwei bis vier Wochen in einem separatem Isolier- bzw. Quarantänestall, damit die Neuankömmlinge sich ausruhen und an die neue Keime gewöhnen können, Kontrolle der Körpertemperatur
  4. Krankenbucht: Abtrennung erkrankter Tiere in einem Krankenstall zur besseren Beobachtung und sofortiger Behandlung, chronisch kranke Tiere aus dem Bestand herausnehmen
  5. Beste Haltungsbedingungen: Überprüfung und Korrektur mangelhafter Stallbedingungen in Bezug auf Fütterung, Klima (Zugluft, Licht), Haltung
  6. Rein-Raus: Haltung der Tiere im Rein-Raus-Verfahren mit entsprechend regelmäßiger Reinigung und Desinfektion
  7. Impfungen: gezielte Impfmaßnahmen gegen Rindergrippe im Spätsommer an klinisch gesunden Rindern, oder auch ganzjährige Impfung
  8. Keine Parasiten: Bekämpfung von Parasiten, z.B. Würmern, Räude verursachenden Milben und Hautpilz (Rinderflechte)
  9. Gute Biestmilchversorgung: ausreichend qualitativ hochwertige Biestmilch für das Kalb (Empfehlung: mindestens 3 bis 4 Liter innerhalb der ersten sechs Lebensstunden)
  10. Kolostrumbank: bei Notfällen wie Krankheit oder Tod des Muttertieres Ersatzbiestmilch von gesunden Kühen vorrätig haben
  11. Hohe Tiergesundheit: Durchfallbekämpfung (Rota-Corona-Coli-Kryptosporidien-Kokzidien)

Zuerst erschienen in „Der Hoftierarzt 5-23“

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2023 steht zum kostenfreien Abruf bereit

0

Liebe Leserinnen und Leser!

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 5/2023 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet außerdem folgende Themen:

  • Wie bleibt der Darm bei Puten gesund?
  • Kälber jetzt noch umfassender vor Rindergrippe schützen
  • Beobachtungsstudie zum selektiven Trockenstellen
  • Q-Fieber beim Rind: Bedrohung für Milchvieh und Halter
  • 11 Tipps zur Vorbeugung von Rindergrippe
  • Blauzungenkrankheit im Landkreis Ammerland
  • Verdauungsstörungen natürlich regulieren
  • Deuka primo DuoPower: Spielerisch die Futteraufnahme von Ferkeln maximieren
  • Feeder „Longtail“ – der neue Langtrog Trockenfutterautomat: Gemeinsam und ad-libitum Fressen
  • smaXtec: Hinweise auf Krankheiten durch TruAdvice-Technologie
  • Schluckimpfung gegen Ileitis: Gesunde Schweine sind die Basis
  • Saugferkel besser vor Durchfall schützen
  • Bürgerbefragung zur Tierhaltung ergibt deutlichen Verbesserungsbedarf

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt einfach hier registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail klicken und dann gleich kostenfrei downloaden und lesen!

 

Melden Sie sich hier für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an:

 


Brottrunk für Kälber: Darm gesund, Kälber gesund?

0

Kälber sind empfindlich, wenn sie auf die Welt kommen. Ihr Immunsystem ist noch nicht voll ausgebildet, deshalb ist es für sie besonders wichtig, in einer hygienischen Umwelt und guten Haltungsbedingungen groß zu werden. Denn ihr einziger Schutz vor Krankheitserregern besteht in der reichlichen und schnellen Aufnahme der Biestmilch. Je nachdem, ob und wieviel sie davon bekommen haben, können sie den vielfältigen Erregern etwas entgegensetzen. Vor allem Durchfall- und Grippeerreger haben sonst leichtes Spiel.

Nachhaltige Aquakultur als Beitrag zur Ernährungssicherheit: 17. Oktober Diskussionsveranstaltung in Berlin

0

Aquakulturen dienen der Aufzucht von Wasserorganismen wie Algen, Fischen, Muschel- und Krebstieren für die Lebensmittelerzeugung. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung gilt Aquakultur als ein vielversprechender Ansatz, um Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Doch sie muss nachhaltig gestaltet werden, da Wasser – insbesondere Süßwasser – eine begrenzte Ressource ist. Die Brasilianische Akademie der Wissenschaften (ABC) und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina bringen dazu in einer öffentlichen Keynote und Podiumsdiskussion internationale Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft miteinander ins Gespräch.

Schweinehaltung: Weniger Ammoniak-Emissionen aus dem Stall

0

Vor allem geschlossene, wärmegedämmte Mastschweineställe mit Vollspaltenböden haben ein höheres Emissionspotenzial für Ammoniak. „Dort wird die Gülle meist die ganze Mast über unterhalb des Spaltenbodens gelagert. Diese große Oberfläche zusammen mit der langen Lagerdauer und der großen Lagermenge sowie den vergleichsweise hohen Temperaturen im Stall begünstigen die Emission von Ammoniak“, erklärt Lilly Wokel, Doktorandin im Fachgebiet Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der Universität Hohenheim.

Tierrettung bei Stallbränden – #TiHo-Tierschutztagung 2023

0

Dr. Florian Diehl (HSWT) hat sich eingehend mit der Evakuierung von Großtieren bei Stallbränden beschäftigt und stellte auf der Tierschutztagung 2023 detailliert dar, wie sich z. B. Rinderhalter auf den Fall der Fälle vorbereiten können.

Immer wieder brechen in Stallungen Brände aus, weil der Blitz einschlägt, elektrische Anlagen Funken sprühen, bei feuergefährlichen Arbeiten, durch Selbstentzündung aufgrund von Lagerfehlern und auch durch Brandstiftung.

Meist komme es zu einem schnellen Brandverlauf, der schnelles Handeln erfordere und deshalb sei es ratsam vorbereitet zu sein. Innerorts gelegene Höfe seien oft im Lauf der Jahre erweitert worden, verschachtelt gebaut und brächten im Brandfall angrenzende Wohngebäude in Gefahr. Eine entfernte Aussiedlerlage dagegen stelle die Feuerwehr oft vor Probleme, was Anfahrtswege und Abstellmöglichkeiten ihrer Fahrzeuge beträfe. Ein vorausgeplantes Rettungskonzept, am besten zusammen mit der FFW, mache deshalb unbedingt Sinn.

Rinder retten sich kaum selbst (und wenn meist zu spät) vor Feuer, haben Angst vor dem Unbekannten und laufen lieber bekannte Wege. Sie haben eine schlechte Hell-Dunkel-Adaption, was im Brandfall schlimme Folgen haben kann. Austriebsflächen müssten ausgeleuchtet werden, sagte Diehl, aber ohne die Tiere zu blenden. Für jede Tiergruppe sollten möglichst zwei (freie) Ausgänge vorhanden sein und, weil die Rettung mit hohem Personalaufwand verbunden ist, wäre ein Notfallbündnis mit benachbarten Landwirten ratsam.

Vor dem Austrieb müsse klar sein, ob die Tiere innerbetrieblich untergebracht werden können, ob sie raus dürfen oder dort eventuell Personen gefährden (innerorts, Bahngleise, Bundesstraße) und schließlich, ob sie raus können, also ein Treiben überhaupt möglich ist. Die Bodenbeschaffenheit auf dem Weg ins Freie müsse unbedingt beachtet, Gülleabwurfgitter etwa abgedeckt werden.

Auf dem Staatsgut Achselschwang wurde bei Versuchen ein signifikanter Vorteil für Kühe ermittelt, die den Austrieb, und am besten auch die Austriebsfläche, gewöhnt sind. Aber: regelmäßige Übungen seien nicht empfehlenswert, weil immer ein Verletzungsrisiko für Mensch und Tier besteht, Rinder dabei immer gestresst werden und niemand wisse, wie lange ein Gewöhnungseffekt Bestand habe. Weidebetriebe hätten allerdings durchaus einen Vorteil.

Ganzjährige Rinder- und Pferdehaltung auf Naturschutzflächen – #TiHo-Tierschutztagung 2023

0

Im Frühjahr 2023 erlangte ein NABU-Weideprojekt mit Heckrindern in Ostfriesland traurige Berühmtheit, als dort Rinder und Kälber verendeten und eklatante Verstöße gegen Haltungsverordnungen und Tierschutz festgestellt wurden. Schon 2020 waren im Speicherkoog Konik-Pferde in NABU-Obhut verhungert. 2018 starben Wasserbüffel an Erschöpfung in einem Wasserloch, wie auch 2013, als bei einem Hochwasser auf den Elsholzwiesen Konikpferde und Taurusrinder ertranken. Wer glaubt Tiere auf großen Flächen aussetzen zu können und dann „der Natur ihren Lauf lässt“, lernt eben höchstens deren grausame Seite kennen.

Gerd Kämmer, Biologe und Vorstandsvorsitzender der Bunde Wischen eG, erläuterte in seinem Vortrag anlässlich der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover, dass und wie die „Wilde Weide“ funktionieren kann.

Bunde Wischen hält auf sechs Flächen mit zusammen 1.700 ha insgesamt 1.000 Rinder und 80 Koniks, für deren Betreuung 14 Vollzeit-Arbeitskräfte zuständig sind. Zum Konzept der naturschutz-orientierten Beweidung gehörten Großflächigkeit, ganzjährige Beweidung und – je nach Flächenproduktivität – eine Besatzdichte zwischen 0,2 und 0,5 GV/ha. Die Tiere hätten Zugang zu allen Strukturen, wie Knicks, Wälder und Gewässer, führte Kämmer aus.

Bei der Betreuung sei möglichst stressarmes Handling oberstes Ziel: von der Ohrmarke über Blutproben bis zur Schlachtung. Die Kennzeichnung der flinken Kälber stelle auf großen Flächen eine echte Herausforderung dar – auch wegen aggressiver Mutterkühe. Deswegen würden die Kälber in den ersten Lebenstagen per Blasrohr betäubt und dann relativ problemlos markiert.

Bei der Zufütterung gelte das Prinzip: klotzen nicht kleckern, damit auch rangniedere Tiere genügen Futter abbekommen. Beim Witterungsschutz seien dreiseitig geschlossene Unterstände nicht die Lösung, weil höchstens ranghohe Tiere sie benutzten. Wenn die Fläche keinen natürlichen Windschutz biete, sei sie eben ungeeignet für ein Weideprojekt.

Blutproben werden in einer Fanganlage genommen welche die Tiere gut kennen, weil sich dort frostsichere Tränken und Mineralleckeimer befinden. Das „Einsammeln“ von Pferden sei recht einfach, wenn die Leitstute menschlichen Kontakt gewohnt ist. Da sich Rinder auf großen Flächen aber schnell in kleine Gruppen aufteilen, sei es schon schwieriger diese zusammen zu treiben.

Zum Herdenmanagement gehöre auch, weibliche Tiere rechtzeitig von den männlichen zu trennen, damit es keine Geburten im Winter gibt und auch der Inzucht müsse durch Austausch der männlichen Tiere entgegengewirkt werden. Rinder-Schlachtungen schließlich fänden per Kugelschuss in einer speziell konzipierten Fanganlage statt, die für alle Tiere zur bekannten Umgebung gehöre.

Auch bei Bunde Wischen verenden Tiere. Von 2016 bis 2018 starben 38 ältere Rinder und 19 unmarkierte Kälber bei oder kurz nach der Geburt. Bei rund 1.000 Rindern ergibt sich so eine jährliche Verlustrate von nur 1,9%. Damit diese so niedrig bleibt, wäre dem Projekt für die Zukunft ein geeignetes Wolfsmanagement zu wünschen, da so große Flächen natürlich niemals eingezäunt werden können.

Allen die sich umfassend mit dem Thema befassen wollen, seien die neuen „Leitlinien für die tiergerechte ganzjährige Weidehaltung von Rindern und Pferden auf Naturschutzflächen“ wärmstens empfohlen (hier zum Download).

Saugferkeldurchfälle: Viele Erreger sind beteiligt

0

Von Ulrike Amler, Dipl. Ing. agr., Fachjournalistin

Saugferkeldurchfälle sind ein häufiges und ernst zu nehmendes Problem in der Ferkelerzeugung. Die Erkrankungen treten oft schon in den ersten Lebenstagen auf. Der wirtschaftliche Schaden durch Ferkelverluste ist erheblich und die Folgen häufig bis zum Mastende auf der Waage und bei der Schlachtabrechnung sichtbar. Wieso erkranken so viele Ferkel daran und wie können die Ferkel frühestmöglich vor dieser Erkrankung geschützt werden?

Die Ursachen für frühe Saugferkeldurchfälle sind vielfältig. Neben der Kokzidiose durch den Parasiten Cystoisospora suis führen bakterielle Infektionen mit verschiedenen Clostridien- und Escherichia coli-Stämmen zu gefürchteten Durchfällen. Auch Rota- und Coronaviren können sogenannte porcine neonatale Durchfallerkrankungen (ND) in der Säugephase verursachen. Die Erkrankungs- und Todesrate ist abhängig vom Erreger unterschiedlich hoch. Die wirtschaftlichen Verluste dieser frühen Erkrankungen sind jedoch erheblich.

Saugferkeldurchfälle sind sogenannte Faktorenerkrankungen. Neben der Beteiligung eines oder mehrerer Erreger können auch ungünstige Bedingungen in der Haltungsumwelt eine Erkrankung begünstigen. Die wichtigsten Faktoren sind hier die Temperaturen im Abferkelstall, wie auch das Alter, die Kondition und das Futter der Sauen und im Zusammenhang mit diesen eine unzureichende Kolostrumaufnahme der Ferkel.

Während in älteren Studien häufig nur ein Erreger für ein ND-Geschehen verantwortlich gemacht wurde, sind nach neueren Erhebungen auf den meisten Betrieben mit ND im Abferkelstall mehrere Erreger am Durchfallgeschehen beteiligt. Tierärzte und Landwirte sollten das bei der Interpretation von Diagnoseergebnissen berücksichtigen und das Erkrankungsbild, die Erkrankungsrate sowie die Rate der Tierverluste in Verbindung mit dem vorgefundenen Erreger auf Plausibilität prüfen. Nicht selten ergeben wiederholte Untersuchungen weitere pathogene Durchfallerreger.

Saugferkeldurchfall entsteht durch viele Erreger
Nach einer 2022 in der Fachpublikation Veterinary Science veröffentlichten Studie* von Nicolas Mertens und Kollegen wurden in Ferkelerzeugerbetrieben am häufigsten Clostridium perfringens Typ A, pathogene Escherichia coli (E. coli) und Rotavirus Typ A als Verursacher identifiziert. Hierfür wurden bereits im Jahr 2017 insgesamt 555 Würfe aus 205 Betrieben untersucht. Insbesondere bakterielle Durchfallerreger, deren Toxine zur Erkrankung, weitreichenden und nachhaltigen Darmschädigungen oder zum Tod der Tiere führen, lassen sich durch Antibiotika im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kaum beeinflussen. Hierzu zählen verschiedene Stämme der C. perfringens und E. coli. In 59,2 % der Betriebe, die Probleme mit Saugferkeldurchfall hatten, wurden Toxin bildende Clostridium perfringens Typ A nachgewiesen.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen: