Typisch Livestock: Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg Webinar mit Prof. Dr. Frank Mitlöhner

Fleisch, Eier und Milchprodukte werden weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten Ernährung sein. Zeitgleich zur steigenden Nachfrage durch eine wachsende Weltbevölkerung nimmt der Druck zu, die Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion zu reduzieren.

Das Webinar „Typisch Livestock – Zukunftsfähige Nutztierhaltung: Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg“, zu dem die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH alle Interessenten einlädt, welche die Zukunft der Landwirtschaft und Tierhaltung im Bereich Schwein, Rind und Geflügel mitgestalten wollen, bietet eine hervorragende Gelegenheit, sich mit aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der nachhaltigen Tierhaltung auseinanderzusetzen. Prof. Dr. Frank Mitlöhner von der University of California in Davis ist ein international anerkannter Experte auf diesem Gebiet. Er wird neue Einblicke in Umweltauswirkungen der Tierhaltung geben und aufzeigen, wie sich die Branche auf eine zunehmend umweltbewusste Zukunft vorbereiten kann.

Das Webinar findet statt am 3. Dezember 2024 von 19 bis 21 Uhr. Das Webinar wird aufzeigen, dass es keine Pauschallösung für die Nachhaltigkeit bei der Abdeckung des globalen Bedarfs an tierischem Protein gibt, sondern dass es eines ganzen Werkzeugkastens bedarf, die verschiedenen Produktionssysteme und Anforderungen zukunftsfähig zu gestalten.

Die Teilnahme an diesem Webinar ist kostenlos. Anmeldung hier.

Weitere Informationen hierzu geben Ihnen gerne:
• Dr. Heike Hufen, Geflügel, Tel.: +49 (172) 7330987
• Herbert Heger, Schwein Nord, Tel.: +49 (178) 2905020
• Markus Hellenschmidt, Schwein Süd, Tel.: +49 (151) 68967979
• Steinbeck Andreas, Rind West, Tel.: +49 (151) 68946711
• Sebastian Hofsommer, Rind Ost, Tel.: +49 (151) 17955078

Quelle: Boehringer Ingelheim

Laborfleisch neu gedacht

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Die nationale Forschungsgruppe „Cellzero Meat“ hat ein einzigartiges Laborfleisch entwickelt. Es kommt gänzlich ohne Tierleid aus. Forschende der Hochschule Anhalt haben dem Zellhaufen zu den fleischtypischen Eigenschaften verholfen. Die Leitidee der Forschungsgruppe war so einleuchtend wie folgenreich: Wie stellen wir ein Zellfleisch her, das sowohl ohne Tierschlachtung als auch ohne Tierleid auskommt? Grundlage sollte ein patentiertes Verfahren des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie sein. Es ermöglicht die Entnahme von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut von Ferkeln – als schmerzfreie Alternative zur Stammzellen-Entnahme von lebenden Tieren.

Laborfleisch ohne Tierleid, Serum und Antibiotika
„Wir wollten den Prozess insgesamt so nachhaltig wie möglich gestalten“, erklärt Prof. Dr. Wolfram Schnäckel von der Hochschule Anhalt den innovativen Ansatz. Deshalb setzte „Cellzero Meat“ mit zwei weiteren Projektpartnern auch auf diese Alternativen: Ein Nährmedium aus Algen anstatt ein Serum von geschlachteten Tieren, das die Zellen im Bioreaktor wachsen lässt. Kaltes Plasma anstatt von Antibiotika, um die Herstellung steril zu halten. Ein völlig neuer Weg zum Laborfleisch, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aus Hochrisiko-Mitteln gefördert wurde.

Nah am natürlichen Vorbild
Nach rund zwei Jahren Forschung steht jetzt fest: Es funktioniert. Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut bilden in dem Nährmedium aus Algen Muskel-, Fett- und Bindegewebszellen. Aus ihnen lässt sich über ein 3-D-Druck-Verfahren fleischtypisches Gewebe herstellen – für Produkte vom Burger-Patty bis zum Schnitzel. „Selbst der fleischtypische Geschmack, der erst während der Lagerung heranreift, wird von unserem Laborfleisch gebildet“, sagt Wolfram Schnäckel, der an der Hochschule Anhalt seit mehr als 30 Jahren zu tierischen Lebensmitteln forscht.

Neue Mikromethoden für die Analytik
Für das Projektergebnis waren die Analysen der Anhalter Lebensmitteltechnologinnen und Lebensmitteltechnologen essenziell. Gab es in den Rostocker Laboren des Projektpartners neue Zellhaufen oder Gewebe, kamen die Proben nach Bernburg. Wie ist die Farbe des Laborfleischs? Wie seine Struktur? Wie müssen Nährmedium und 3-D-Druck angepasst werden, damit sich das künstliche so wenig wie möglich von natürlichem Fleisch unterscheidet? „Solche Fragen gehören bei uns zum Laboralltag. Die Herausforderung lag anfangs darin, sie für wenige Gramm zu beantworten“, erklärt Sandra Warmuth, die es normalerweise mit industrienaher Forschung zu tun hat, bei der Proben von 3 bis 5 Kilogramm anfallen. Für Cellzero Meat musste sie zunächst spezielle Mikromethoden entwickeln.

Laborfleisch als Zukunftsmarkt
Aber warum der Aufwand? Hätte man nicht auf grundlegende Erkenntnisse anderer Forschungsgruppen zurückgreifen können? Immerhin ist Laborfleisch in einigen Ländern bereits auf dem Markt oder steht vor der Zulassung. „Abgesehen davon, dass wir einen ganz neuen Ansatz gewählt haben, wird in diesem Bereich vieles geheim gehalten“, sagt Wolfram Schnäckel. Künstlich hergestelltes Fleisch gilt weltweit als eine Säule, um die Ernährung innerhalb planetarer Grenzen zu sichern. Deshalb investieren immer mehr Unternehmen und Kapitalgeber in diese Proteinquelle. Mehr als 100 Start-ups forschen an neuen Produkten aus Zellfleisch.

Nächster Schritt: Scale-up
Einer der größten Kritikpunkte an Laborfleisch waren bislang die tierischen Ressourcen entlang des Herstellungsprozesses. Dafür hat Cellzero Meat eine Lösung gefunden. Null Schlachtung, null Tierleid. „Zudem wäre der Verkauf von Nabelschnurblut eine zusätzliche Einnahmequelle für die Landwirtschaft, wenn sich Laborfleisch auch auf europäischen Märkten durchgesetzt hat“, blickt Wolfram Schnäckel auf die nächsten 30 bis 40 Jahre. Bis dahin will seine Forschungsgruppe das Cellzero-Fleisch weiterentwickeln, um über passende Versuchsanlagen Mengen im industriellen Maßstab zu gewinnen. Folgeprojekte für dieses Scale-up sind bereits in Planung.

Partner und Kontakt
Vier Partnereinrichtungen aus unterschiedlichen Disziplinen waren an dem Forschungsprojekt „Cellzero Meat“ beteiligt: das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf (bei Rostock), das Leibnitz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. in Greifswald, die PAN-Biotech GmbH in Aidenbach sowie die Hochschule Anhalt mit dem Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung. Das Konsortium wurde bis Juni 2024 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nach der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 und der Nationalen Politikstrategie Bioökonomie offiziell gefördert. Fragen beantwortet Prof. Dr. Wolfram Schnäckel per E-Mail: wolfram.schnaeckel@hs-anhalt.de.

Quelle: Hochschule Anhalt

Tierschutzfragen in der Rindermast #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Die wichtigsten Problembereiche in der konventionellen Rindermast versprach Prof. Dr. Christoph Winckler* in seinem Vortrag anlässlich der Tierschutztagung 2024 zu beleuchten. Die hauptsächlichen Schwachstellen sieht der Wissenschaftler in Platzangebot, Bodenbeschaffenheit, Reizarmut und intensiver Fütterung.

Platzangebot
Zwar hätten einzelne Mitgliedsstaaten Mindestflächenangebote für die Rinderhaltung definiert, für die EU insgesamt existierten jedoch keine einheitlichen Vorgaben. In Österreich seien etwa für die Haltung auf vollperforierten Böden pro Tier 2,7 qm (500-600 kg Lebendgewicht) bzw. 3,0 qm (über 600 kg) vorgeschrieben. Bei Stallneubauten in Niedersachsen müssten 3,0 qm je Rind mit 450-650 kg eingeplant werden, respektive 3,5 qm je Tier bei höheren Lebendgewichten.

Die Ergebnisse verschiedener Studien zeigten, dass mit sinkender Besatzdichte die Zahl der Liegeperioden mit abnormalem Liege- und Aufsteh-Verhalten zurückgehe, die Rinder „raumgreifende“ Positionen einnähmen und größeren Abstand zueinander hielten. Auch vermindere ein höheres Platzangebot die Gefahr von Schwanzspitzenveränderungen, die vor allem durch Tritte anderer Tiere verursacht würden. Der in verschiedenen Ländern noch zulässige Aufsprungschutz mit Querstangen über der Bucht, schränke das natürliche Verhalten von Rindern ebenso ein.

Bodenbeschaffenheit
Auch Mastrinder bevorzugten verformbare, am besten tief eingestreute Liegeflächen. Auf harten Böden ginge die Zahl der Liegeperioden zurück und die Probleme beim Aufstehen nähmen zu. Dies zeige sich in längeren Liegezeiten und häufigeren abgebrochenen Abliegeversuchen (mehrmaliges Abknicken im Gelenk und sofortiges Wiederaufstehen). Gummimatten könnten hier zu Verbessrungen führen, eingestreute Systeme seine jedoch vorzuziehen. Bei auf Betonspalten gehaltenen Mastbullen käme es außerdem häufiger zu höhergradigen Veränderungen in den Karpal- und Tarsalgelenken und, verglichen mit Tieren die auf Gummimatten oder Einstreu gehalten werden, vermehrt zu Schwanzspitzenveränderungen.

Reizarmut
Intensive Haltungssysteme seien häufig sehr reizarm. Auch wenn es erst wenige Studien zum Thema Reizarmut gäbe, deuteten die bislang vorliegenden Untersuchungen darauf hin, dass etwa häufiges Zungenschlagen und andere Formen oralen Fehlverhaltens bei Rindern mit einer reizarmen Umgebung zusammenhingen. Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2020 (Schneider et al.) zeigten sogar in eingestreuten Ställen 80% der Rinder orale Stereotypien.

Zwar gäbe es noch keine speziellen Kenntnisse zur Langeweile bei Nutztieren, vom Menschen sei jedoch bekannt, dass eine reizarme Umgebung Langeweile fördert. Zwei an der Wiener Universität erstellte Masterarbeiten untersuchten 2023 und 2024 das Unruheverhalten von Mastbullen, um erste Einblicke zu gewinnen. Beide Untersuchungen dokumentierten sehr häufige Verhaltenswechsel der Tiere innerhalb kurzer Zeiträume, die auf Langeweile deuten könnten. Vollspaltenbuchten unterschieden sich hier nicht von eingestreuten Systemen. Die Ursachen und mögliche Konsequenzen daraus müssten jedoch erst noch weiter untersucht werden, so Prof. Winckler.

Intensive Fütterung
In der intensiven Rindermast würden vor allem strukturarme Silagen (etwa Mais) und große Mengen an Kraftfutter verfüttert. Insbesondere in den nochmals intensiver fütternden amerikanischen Feedlots käme es zu Yo-Yo-Effekten bei der Futteraufnahme, deren Ursache in regelmäßiger subklinischer Pansenübersäuerung zu sehen sei. Ein Zusammenhang mit oralen Stereotypien und Unruheverhalten wäre auch hier zumindest denkbar, glaubt Prof. Winckler.

* Institut für Nutztierwissenschaften, Department für Nachhaltige Agrarsysteme. Universität für Bodenkultur, Wien

Traubentrester & Co: Ein gesunder, nachhaltiger Nahrungszusatz für Rinder?

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Der Frage, ob Reststoffe aus der Weinproduktion als funktionelle Zusatznahrung für Rinder geeignet sind, ging eine aktuelle Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien nach. Die Daten aus den In-vitro-Versuchen zeigen, dass eine Beigabe in einer Größenordnung von maximal 20 Prozent der Gesamtfuttermenge möglich und sinnvoll sein könnte.

Nach dem Verbot der Verwendung von Antibiotika in Futtermitteln als Wachstumsförderer ist das Interesse an der Verwendung natürlicher bioaktiver Verbindungen in der Tierhaltung groß und der Markt für phytogene Futtermittelzusatzstoffe wächst. Bisher wurde hier stark auf Extrakte von Kräutern, Bäumen und Sträuchern gesetzt, von denen viele Arten ausländischer Herkunft sind und intensive Ressourcen für Produktion und Logistik erfordern.

Upcycling von Reststoffen aus der Weinproduktion als funktionelles Rinderfutter
Aus diesem Grund untersuchte nun ein Wissenschaftsteam der Vetmeduni die heimische Weinrebe (Vitis vinifera) genauer. Sie ist eine reiche Quelle für Tannine und andere Phenole, wobei große Mengen dieser funktionellen Verbindungen bei der Weinherstellung als Abfall verlorengehen. Die Idee der Wissenschafter:innen: Feste Nebenprodukte der Weinproduktion könnten an Wiederkäuer verfüttert werden, die physiologisch an ballaststoffreiches Futter angepasst sind. Die Umwandlung von Weinabfällen in Viehfutter wäre kosteneffizient und ressourcenschonend, da alle Abfälle wiederverwendet werden könnten.

In-vitro-Studie testet mehrere Varianten der Futterbeimengung
Für ihre In-Vitro-Studie nutzten die Forscher:innen die Pansensimulationstechnik RUSITEC (rumen simulation technique). Dazu wurden Fermenter mit Material aus dem Pansen von Spenderkühen beimpft und mit sechs verschiedenen Futtermischungen befüllt, darunter Futter mit Beimengungen von kommerziellem Traubenkernextrakt, Traubentrester und Traubenkernmehl. Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Bakterien, Archaeen und Pilze in den festen Fraktionen wurden mittels 16S- und ITS2-rRNA-Sequenzierung ermittelt.

Potenziell negative Wirkung von Traubenkernextrakt und Traubenkernen
„Wir erhielten wünschenswerte Effekte von Traubenphenolen auf einige Pansenfermentationsvariablen. Traubentrester und Traubenkernmehl wirkten sich jedoch im Vergleich zu Traubenkernextrakt weniger störend auf die Pansenmikrobiota aus. Andererseits deuten unsere Daten darauf hin, dass die Verwendung von Traubenkernprodukten fremde Spezies wie Weintrauben- und weinassoziierte Hefen in die mikrobielle Gemeinschaft im Pansen einführen kann“, erklärt Ratchaneewan Khiaosa-ard vom Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften der Vetmeduni.

Beimengung zum Futter in kleineren Anteilen denkbar
Deren Lebensfähigkeit konnte allerdings anhand der genomischen Daten nicht bestätigt werden. Ihre geringe Häufigkeit weist zudem laut Khiaosa-ard darauf hin, dass die potenziellen mikrobiellen Gefahren für die Tiere begrenzt sein könnten, wenn dem Rinderfutter maximal 20 Prozent Reststoffe aus der Weinproduktion beigemengt werden. „Dies kann jedoch nur durch In-vivo-Daten bestätigt werden“, betont Khiaosa-ard. Zudem trugen die Bakterien und Pilze, die durch den Nahrungszusatz von Reststoffen aus der Weinproduktion beeinträchtigt werden, im experimentellen RUSITEC-Pansen nicht am stärksten zum Abbau von Nährstoffen bei. Qendrim Zebeli, Leiter des Zentrums für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften, zieht daraus den folgenden Schluss: „Insgesamt betrachtet könnten Traubentrester und Traubenkernmehl als funktionelle Futtermittel für Rinder Verwendung finden. Die mikrobielle Sicherheit der Verfütterung dieser Nebenprodukte muss jedoch überwacht werden.“

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Jetzt aber Futter bei die Fische – umweltfreundlich, bitte!

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Mit der Wahl der richtigen Lebensmittel kann man viel für die eigene Gesundheit tun – und auch zu einem mehr oder weniger umweltfreundlichen Konsum beitragen. Das gilt auch für Fische und ihr Futter. Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher mit Futtermitteln für Aquakultur und Aquaponik. Ihr Ziel ist es, die Ernährung der Fische in der Aufzucht zu optimieren und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Heutzutage stammt mehr als die Hälfte des konsumierten Fisches nicht aus Wildfängen, sondern aus Aquakultur. Dabei gibt es nicht die eine Aquakultur, sondern verschiedene Haltungsformen in Gewässern oder in speziellen Anlagen zur Erzeugung von Fischen, Krebsen, Weichtieren, Algen und anderen Wasserlebewesen. Ein großer Teil davon findet in sogenannter intensiver Haltung statt, das heißt die Zuchttiere werden durch den Menschen gefüttert. Die Zusammensetzung des Futters hat dabei einen großen Einfluss auf die Gesundheit, das Wachstum und die Fortpflanzung der Tiere. Futtermittel sind aber auch ein großer Kostenfaktor für die Züchter*innen und haben durch nährstoffreiche Abwässer Auswirkungen auf die Umwelt. „Wenn wir darüber nachdenken, wie wir die menschliche Ernährung nachhaltiger gestalten wollen, müssen wir auch bei der Fütterung unserer Nutztiere ansetzen“, sagt Prof. Werner Kloas, der am IGB die Aquakulturforschung leitet.

In der Aquakultur soll das Prozesswasser möglichst nährstoffarm sein:
In der Aquakultur, und vor allem in offenen Systemen mit direkter Verbindung zu Gewässern, ist es daher das Ziel, die nährstoffreichen Ausscheidungen der Tiere soweit wie möglich zu minimieren, um die Überdüngung von Gewässern zu vermeiden. Entsprechend ist Fischfutter für die traditionelle Aquakultur so zusammengesetzt, dass die Tiere gut wachsen und gesund bleiben, aber eben auch möglichst wenige dieser Nährstoffe über ihren Stoffwechsel in das Haltungswasser abgeben.

In der Aquaponik sind Nährstoffe im Prozesswasser als Pflanzendünger erwünscht:
Bei der Aquaponik werden Fisch- und Pflanzenzucht in einem System kombiniert. Dies ist besonders nachhaltig, da das Wasser aus der Fischhaltung und die Nährstoffe aus dem Fischfutter für die Aufzucht der Pflanzen genutzt werden. Nährstoffe wie Nitrat, Phosphat und Kalium im Prozesswasser der Fischzucht sind daher erwünscht, um den Bedarf an mineralischen Ergänzungsdüngern für die Pflanzen möglichst gering zu halten.

„In der Aquaponik entspricht die Nährstoffzusammensetzung im Haltungswasser bestenfalls dem Bedarf der Pflanzen. Herkömmliche Fischfutter haben jedoch oft nicht das ideale Nährstoffprofil für die Pflanzen und unterliegen bestimmten Einschränkungen in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe, um dem Ziel einer geringen Abwasserbelastung gerecht zu werden. Hier bietet sich die Chance, Fischfutter für die Aquaponik gezielter zu gestalten“, erklärt Dr. Christopher Shaw, der in dem Projekt CUBES Circle zur umweltfreundlichen Fischernährung in der Aquaponik forscht. Im Blick hat er dabei die Wachstumsleistung der Fische, die Konzentration gelöster anorganischer Nährstoffe im Prozesswasser und die Ausscheidung partikulär gebundener Nährstoffe in den Kreislaufanlagen der Fischzucht.

Die Herausforderung bei der Fütterung in der Aquaponik besteht darin, verschiedene Zielstellungen miteinander in Einklang zu bringen:
Der Forscher untersuchte beispielsweise, inwieweit tierisches Protein im Futter des Afrikanischen Raubwelses – ein beliebter Speisefisch – durch pflanzliches Protein ersetzt werden kann und wie die Wahl der Proteinquelle das Profil der gelösten Nährstoffe im Haltungswasser beeinflusst. Das Ergebnis: Eine Reduzierung des Anteils tierischer Proteine im Futter um bis zu 50 Prozent hatte keine negativen Auswirkungen auf den Biomassezuwachs, die Futterverwertung und die Proteineffizienz beim Afrikanischen Raubwels. Die Fische wuchsen also gleich gut. Allerdings führte ein höherer Anteil tierischer Proteine im Futter zu höheren Phosphatkonzentrationen im Wasser, während ein steigender Anteil pflanzlicher Proteinquellen zu höheren Kaliumkonzentrationen im Wasser führte.

„Dies zeigt, dass durch die Wahl der Proteinquellen im Futter die Zusammensetzung wichtiger gelöster Pflanzennährstoffe im Wasser beeinflusst werden kann, ohne dass die Wachstumsleistung der Fische beeinträchtigt wird. Spezielle Futtermittel zur Reduzierung des Mineraldüngerbedarfs in der Aquaponik bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Produktivität auf Seiten der Fischzucht sind also realisierbar“, sagt Christopher Shaw.

Möglichst Verzicht auf marines Fischmehl: Alternative Proteinquellen aus tierischen Nebenprodukten und Insektenmehl:
Fische benötigen jedoch für ihr Wachstum und ihre Gesundheit bestimmte Nährstoffe wie essentielle Aminosäuren und Fettsäuren, die in pflanzlichen Quellen oft nicht ausreichend vorhanden sind. In der Vergangenheit wurden diese Bedürfnisse vor allem bei Raubfischen durch hohe Anteile an Fischmehl und Fischöl im Futter gedeckt, die ernährungsphysiologisch ideal sind. Diese stammen jedoch überwiegend aus der Meeresfischerei und können somit eine zusätzliche Belastung für die natürlichen Fischbestände darstellen. Zudem gehören sie zu den teuersten Rohstoffen in der Fischfutterproduktion.

Christopher Shaw untersuchte daher verschiedene umweltfreundlichere tierische Rohstoffalternativen, wie Larvenmehl der Schwarzen Soldatenfliege und Nebenprodukte der Fleisch- und Fischverarbeitungsindustrie (Geflügel- und Geflügelblutmehl, Schlachtnebenprodukte aus der Aquakultur) für Fischfutter in der Aquaponik.
Phosphorreiche Proteinquellen aus tierischen Nebenprodukten eignen sich besonders gut: Futter mit einem hohen Anteil an Geflügel- und Welsmehl führte zu einer erhöhten Ausscheidung von pflanzenverfügbarem Phosphat und verbesserte das Verhältnis von Phosphat zu Nitrat im Haltungswasser der Fische zugunsten der Bedürfnisse der Pflanzenzucht im Vergleich zu konventionellem Futter. Außerdem verbesserte dieses Futter das Wachstum und die Futterverwertung des Afrikanischen Raubwelses.

Pflanzen profitieren von Futterumstellung der Fische:
Ein Pflanzenversuch bestätigte die Wirksamkeit der Alternativen: Das Haltungswasser von Nil-Tilapien – ein Buntbarsch, der zu den wichtigsten Aquakulturarten weltweit zählt – wies hohe Konzentrationen an Kalium, Magnesium und Mikronährstoffen nach der Fütterung mit Larvenmehl der Schwarzen Soldatenfliege als Hauptproteinquelle auf und führte auch zu höheren Erntemengen von Basilikum und Salat als bei der Fütterung mit marinem Fischmehl als Hauptproteinquelle. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist ein solches Larvenmehl als Proteinquelle im Fischfutter für die Aquaponik daher vielversprechend, sofern die Nahrungsgrundlage der Larven ebenfalls reich an den entsprechenden Nährstoffen ist.

Bis zur breiten Anwendung in der Praxis sind Hürden zu überwinden:
Tierische Nebenprodukte oder Insektenmehl sind nur zwei von vielen Beispielen der potentiellen Optionen alternativer Futtermittel. Dr. Fabian Schäfer vom IGB betreut redaktionell Aquakulturinfo, das Informationsportal zur Aquakultur. Er bestätigt die steigende Zahl von alternativen Futtermittelbestandteilen und erläutert, warum selbst valide wissenschaftliche Erkenntnisse nicht immer den schnellen Weg in die breite Anwendung finden: „Wie auch bei anderen Rohstoffen gilt es, im Anschluss an den Identifikationsprozess, weitere Hürden bei der Zulassung und der Ausweitung beziehungsweise Kommerzialisierung des Produktionsprozesses zu überwinden. Entsprechend handelt es sich bei vielen Alternativen zwar um aussichtsreiche, aber aktuell nicht im großen Umfang verfügbare Futtermittelbestandteile. Meist können sie bei Preis und Verfügbarkeit nicht mit Soja, Fischmehl oder Fischöl konkurrieren. Vor dem Hintergrund der Klimakrise, Instabilitäten von Lieferketten oder ökologischen Aspekten, wie der Land- und Wassernutzung, können diese Alternativen im Aquakultursektor jedoch zukünftig stärker an Bedeutung gewinnen.“

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Tierschutz in der Insektenhaltung #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Werden Insekten für die Herstellung von Futter- oder Lebensmitteln gehalten, bestehen heute noch viele Unsicherheiten im Umgang mit den wirbellosen Tieren. Dr. Andrea Donay* ging in ihrem Vortrag auf der Tierschutztagung 2024 detailliert auf damit verbundene Fragen ein.

Auch für wirbellose Tiere gälten viele Vorschriften des Tierschutzgesetzes, sagte sie einleitend. Auch Insekten müssten angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden. Ihre Bewegungsfähigkeit dürfe nicht derart eingeschränkt werden, dass den Tieren Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Auch Insektenhalter müssten über die erforderlichen Fachkenntnisse und Fähigkeiten zur Haltung dieser Lebewesen verfügen. Bei der Tötung von Insekten kämen zwar nicht die Vorschriften für Wirbeltiere zum Tragen, allerdings solle auch hier eine schnelle und möglichst schonende Methode gewählt werden.

Insekten fielen im Tierschutzrecht zwar nicht in die Kategorie „Nutztiere“, gälten aber nach den einschlägigen Verordnungen als solche, sobald sie „zur Herstellung von verarbeiteten tierischen Produkten zugelassen“ sind. Zurzeit sind dies:

Soldatenfliege,
Stubenfliege,
Mehlkäfer,
Getreideschimmelkäfer,
Heimchen,
Kurzflügelgrille,
Seidenspinner.

Nach neuesten Untersuchungen und Tests sei auch bei Insekten von einer Art Schmerzempfinden auszugehen, insbesondere weil sie in entsprechenden Versuchen Vermeidungsreaktionen auf schädigende Reize zeigten. Deswegen müssten auch bei Insekten geeignete Tötungsmethoden zum Einsatz kommen:

1) Einfrieren
Für Betäubung und Tötung kann ein zweistufiger Einfrierungs-Prozess genutzt werde, bei dem die Insekten zunächst auf eine Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt abgekühlt (Betäubung) und anschließend ausreichend lange tiefgefroren (Tötung) werden. Dabei sei darauf zu achten, dass die Masse gleichzeitig eingefrorener Tiere nicht zu groß ist, um eine ungleichmäßige Kälteverteilung zu verhindern (was allerdings mittels Durchblasens kalter Luft erreicht werden könne).

2) Blanchieren/Kochen
Kochen habe sich bei Garnelen und Krabben als Tötungsmethode bewährt und sei auf Insektenlarven übertragbar, weil die Wärmeübertragung und der Tod schnell eintreten (Heißluft sei dagegen nur zur Trocknung geeignet). Eine Kombination von CO2-Betäubung und Erhitzen fördere sogar Verdaulichkeit und Haltbarkeit von Futtermitteln; außerdem senke kurzzeitiges Kochen die Schwermetallbelastung des Futters, weil der belastete Fraß wirkungsvoller entfernt würde.

3) Zermahlen
In einem „Crusher“ können Insekten gleichzeitig getötet und zerkleinert werden. Eine Direktvermahlung sei auch besser für „die Fettintegrität in Bezug auf die geringste Menge an freien Fettsäuren“. 2,5% stünden beim Vermahlen 15% beim Einfrieren und 10% beim Blanchieren gegenüber.

Beim Zermahlen spiele der Lochdurchmesser eine wichtige Rolle. Habe die Partikelgrößenplatte 12 mm Lochdurchmesser, würden nur 54% der Larven sofort getötet, bei 2,55 mm steige der Wert auf 84%. Die wünschenswerte Tötungsrate von 99% könne erreicht werden, wenn möglichst wenige Larven in der Maschine steckenblieben.

Wesentliche Teile des Tierschutzrechts gelten auch für Insekten. Wer Insekten als Nutztiere hält, sollte sich also eingehend mit dem Thema befassen.

* Regierung von Niederbayern

SenseHub® Dairy Youngstock wird mit dem Innovation Award EuroTier 2024 in Silber ausgezeichnet

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• Monitoringsystem SenseHub® Dairy Youngstock wird aus insgesamt 255 Anmeldungen für eine der Silbermedaillen ausgewählt
• Branchenweit erste Lösung zur Überwachung von Kälbern von der Geburt bis zum zwölften Lebensmonat

MSD Tiergesundheit wird für SenseHub® Dairy Youngstock mit dem Innovation Award EuroTier 2024 ausgezeichnet. Die Prämierung mit dem Innovation Award EuroTier 2024 hebt wegweisende Innovationen hervor und wird von einer unabhängigen und international besetzten Kommission aus anerkannten Beratern, Wissenschaftlern und Praktikern vergeben. SenseHub® Dairy Youngstock wurde aus 255 eingereichten Anmeldungen für eine der Silbermedaillen ausgewählt. Die Preisverleihung findet am 12. November auf der Messe EuroTier in Hannover statt. „Wir freuen uns, dass unser Monitoringsystem SenseHub® Dairy Youngstock mit dem Innovation Award EuroTier 2024 ausgezeichnet wird.“, so Christian Vogelsberg, Director Business Unit Technology bei MSD Tiergesundheit. „Diese Anerkennung unterstreicht den Mehrwert unserer innovativen Technologie für die Landwirtschaft. Mit praxisnahen Lösungen wollen wir Landwirte dabei unterstützen, effektives Herdengesundheitsmanagement zu betreiben.“

SenseHub® Dairy Youngstock ist die branchenweit erste Monitoringtechnologie für Kälber von Geburt an bis zum zwölften Lebensmonat. Das Monitoringsystem erleichtert den Landwirten die Überwachung der Kälber und ermöglicht den Betrieben ein nachhaltiges Herdengesundheitsmanagement. Es kann unabhängig vom Kuhmonitoringsystem auf dem Betrieb eingesetzt werden. Eine von der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) eingesetzte unabhängige und international besetzte Kommission aus anerkannten Beratern, Wissenschaftlern und Praktikern würdigte die innovative Lösung mit dem Innovation Award in Silber.

SenseHub® Dairy Youngstock entlastet Landwirte
Das Monitoringsystem erleichtert es Milchviehhaltern, die Kälber und Färsen zu erkennen, die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Wissenschaftlich fundierte Algorithmen überwachen ständig das Verhalten der Tiere über die spezielle SenseHub® Monitoring-Ohrmarke. Die Technologie identifiziert Tiere mit einem Verhalten, das von ihrer individuellen Norm abweicht und darauf hindeutet, dass sie möglicherweise Aufmerksamkeit benötigen.

SenseHub® Monitoring-Ohrmarken liefern innerhalb von 27 Stunden nach dem erstmaligen Anbringen verwertbare Erkenntnisse und sind mit einem blinkenden LED-Licht ausgestattet. Landwirte können damit Tiere schnell und einfach lokalisieren und geeignete Maßnahmen ergreifen. Diese Technologie ermöglicht es Milchviehhaltern, ihre täglichen Arbeitsabläufe von ihrem Smartphone aus zu verwalten und dem zunehmenden Arbeitskräftemangel in den Betrieben entgegenzuwirken. Durch die mit der Technologie verbundene Effizienzsteigerung können Erzeuger und Landwirte die Arbeitsabläufe in ihrem Betrieb anpassen und ihre Ressourcen effektiver nutzen.

Für Krankheitsdiagnose und Behandlungsmaßnahmen sollten Milchviehhalter ihre Tierärzte hinzuziehen.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Empfehlungen für ein tierschutzkonformes Cow Fitting #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erstellt aktuell ein Merkblatt zum Cow Fitting, das Dr. Anne Rößler* anlässlich der Tierschutztagung 2024 vorstellte.

Um Kühe auf Schauveranstaltungen mit möglichst prallem Euter zu präsentieren, werden die Zwischenmelkzeiten über Gebühr ausgedehnt. Erhöhter Euterinnendruck verursacht bei den Kühen Schmerzen, Euterödem begünstigen und können das normale Laufverhalten beeinträchtigen, da die Tiere versuchen den schmerzhaften Kontakt zwischen Hinterbeinen und Euter zu vermeiden. Der Melkintervall dürfe deshalb maximal 12 Stunden betragen und ein Teilablassen per Sonde sei verboten, so Dr. Anne Rößler.

Zitzen dürften auch nicht zugeklebt werden und auch die Manipulation der natürlichen Form von Euter und Zitzen sei unzulässig. Als Beispiele nannte die Referentin die Verabreichung von Oxytocin (ohne tierärztliche Indikation und anschließenden Milchentzug), Füllung von Eutervierteln mit Gasen, Strich-Kürzung mit Sekundenkleber, Manipulation der Strichstellung mit Pfeifenputzern, Reiskörner im Strichkanal um abstehende Zitzen zu vermeiden. Zur Vermeidung von Rückständen in der Milch dürften Euter auch nicht eingecremt, gesalbt oder geölt werden. Ebenso sei die Euterkühlung amtsärztlich zu untersagen.

Grundsätzlich könne es zwar für die Kuh auch angenehm sein, wenn ihr Euter gekühlt wird. Hier ginge es aber darum, dass z.B. mit Eis auf dem Zentralband gekühlt wird, um Anzeichen einer übermäßigen Euterfüllung zu verschleiern (Zentralband verkürzt sich, Euter wird angehoben, durch Euterfüllung leicht seitwärts abstehende Zitzen richten sich dann auch wieder gerader). Bei der Vorringkontrolle können die Euterfüllung visuell oder auch per Ultraschall geprüft werden, um Euterödeme auszuschließen.

Die Gabe von Beruhigungsmitteln und jede Art prophylaktischer Medikation seien verboten. Kosmetika, Salben und Öl dürften nur benutzt werden, wenn sie keine Reizungen oder Schäden hervorrufen, Sprays nicht am Kopf angewandt werden. Drenching des Pansens ohne medizinische Indikation oder Einführung von Fremdkörpern, um die natürliche Erscheinung der Kuh zu beeinflussen, sei ebenso verboten.

Bem Waschen von Kühen (insbesondere Jungtieren) müsse darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht auskühlen (z. B. bei niedrigen Temperaturen oder Zugluft) und ggf. mit Decken aufgewärmt werden können.

Werden Kühe für die Präsentation geschoren, dürften die Harre nicht zu kurz geschnitten werden. Die Haut müsse jederzeit geschützt sein, vor Nässe, Gülle, Sonne oder mechanischer Beanspruchung durch Unterlagen und Stalleinrichtungen. Auch müssten beim Scheren die Umgebungstemperaturen während der Schau, beim Transport und im Herkunftsbetrieb berücksichtigt werden, damit die Tiere nicht frieren

Im Bereich des Kronsaums dürfe überhaupt nicht geschoren werden, weil die Harre dort den empfindlichen Übergang von Haut zu Horn schützten. Auch die Tasthaare am Kopf dürften nicht gekürzt werden. Werden die Haare an Innenseite und Rändern der Ohrmuschel gekürzt, müsse auch danach noch deren Schutzfunktion gegeben und mindestens die Öffnung zum äußeren Gehörgang noch ausreichend bedeckt sein.

Zwangsmaßnahmen, um Kühe beim Fitting oder der Präsentation ruhigzustellen, sind verboten, ebenso wie der Einsatz schmerzhafter Nasen- oder Texasbremsen. Auch Ganaschen- oder Kniefaltengriffe seien zu unterlassen, wie auch eine Überstreckung des Halses, etwa durch Hochbinden beim Fitting selbst.

* LGL, Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Vogelgrippe beim Rind – H5N1-Virusvermehrung ist auf das Euter begrenzt

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Seit März 2024 sorgt ein massiver Ausbruch der Geflügelpest des hochpathogenen Subtyps H5N1 bei Rindern in den USA für erhebliche Probleme in der dortigen Milchindustrie. Eine in Nature veröffentlichte Studie gibt insbesondere Antworten zum Verhalten dieser Viren im Rind, Orte der Virusvermehrung und der wahrscheinlichen Verbreitungswege.

Die ersten Berichte über diesen ungewöhnlichen Ausbruch beschreiben einen Milchleistungsrückgang, Virusvermehrung im Euter und hohe Ausscheidungsraten in der Milch. Bis September 2024 waren mehr als 200 Milchviehbetriebe in 14 US-Bundesstaaten betroffen und regelmäßig kommen weitere, positiv getestete Betriebe dazu. Darüber hinaus wurden bisher 15 humane Infektionen mit dem Rinder-assoziierten Vogelgrippe-Virus bestätigt, davon vier im direkten Zusammenhang mit Kontakt zu infizierten Rindern oder deren Milch. Viele Fragen waren aber noch ungeklärt oder nur wenig mit Daten belegt: Kann sich das amerikanische Rinder-H5N1 Virus der Klade 2.3.4.4b, Genotyp B3.13 auch im Respirationstrakt vermehren? Können sich auch europäische Geflügelpest-Viren des Subtyps H5N1 im Euter vermehren? Wie schwer erkranken die Rinder, wie lange wird Virus in der Milch ausgeschieden und gibt es eine systemische Ausbreitung im individuellen Tier?

Eine Gruppe von Forschenden des FLI auf der Insel Riems hat nun zusammen mit Forschenden der Kansas State University (KSU) in Kansas, USA, mittels zweier unabhängiger, experimenteller Infektionsversuche an laktierenden Rindern (FLI) und Kälbern (KSU) diese Fragen beantworten können. So konnte am FLI gezeigt werden, dass eine direkte H5N1-Infektion des Euters zu schweren Symptomen führte, teilweise mit hohem Fieber und Mastitis, unabhängig davon ob das verwendete Virusisolat aus den USA oder aus Europa stammte. Sehr hohe Viruslasten konnten in der Milch aller infizierter Rinder nachgewiesen werden und die Milchproduktion verringerte sich rapide. Dennoch wurden weder eine nasale Virusvermehrung, noch eine systemische Ausbreitung im Körper der infizierten Kühe beobachtet. Im Gegensatz zum bereits angepassten Rinderstamm aus den USA zeigte sich sehr früh eine einzelne Säugetieradaptierung in einem für die Virusvermehrung verantwortlichen, viralen Proteins des europäischen H5N1-Isolates (Polymerase PB2 E627K Mutation).

Die Forscher der KSU konnten zudem zeigen, dass eine oronasale H5N1-Infektion von Kälbern mit dem US-Stamm nur zu einer moderaten Virusvermehrung im Respirationstrakt führte und das Virus darüber hinaus nicht an Kontakt-Kälber übertragen wurde. „Diese beiden wichtigen Tierstudien lassen die Schlussfolgerung zu, dass neben der amerikanischen H5N1-Variante auch andere H5N1-Viren der Klade 2.3.4.4b in der Lage sind, sich effizient im Eutergewebe von Rindern zu vermehren und mit der Milch in hohen Mengen ausgeschieden zu werden“, so der Leiter der Studie am FLI, Prof. Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des FLI. „Außerdem wird sehr deutlich, dass in den USA vor allem die Milch und Melk-Prozeduren maßgeblich für die Verbreitung und Übertragung zwischen Milchkühen verantwortlich sind, und eher nicht der respiratorische Weg.“

Beide Forschungsteams schließen mit dem dringenden Appell, umgehend wirksame und umfassende Maßnahmen zu treffen, um die kontinuierliche Verbreitung bei Kühen in den USA so schnell wie möglich zu stoppen, weitere genetische Anpassungen des Virus zu verhindern, und dadurch die weitere Übertragung auf Geflügel, Wildvögel und andere Säugetiere inklusive des Menschen zu verhindern.

Die Studie ist am 25.09.2024 im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht worden.

Diese Arbeit wurde gefördert durch das Projekt „KAPPA-FLU“ (Horizon Europe-Programm, Projekt Nr. 101084171) und das Projekt „DURABLE“, kofinanziert durch die Europäische Union (EU4Health-Programm, Projekt Nr. 101102733) sowie durch das BMBF-Projekt „PREPMEDVET“ (Projekt Nr. 13N15449).

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Gefahr durch großen Leberegel: Nasses Jahr 2024 mit höherem Infektionsrisiko

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Der große Leberegel (Fasciola hepatica) ist ein weltweit verbreiteter Endoparasit. Ein Befall mit dem Blut saugenden Wurm führt bei Milchkühen zu einer verminderten Milchleistung und Störungen der Fruchtbarkeit und bei Rindern zu reduzierter Gewichtsentwicklung.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein Leberegelbefall zudem ein Risikofaktor für eine Infektion mit Salmonella dublin, einem gramnegativen Bakterium, sein kann. S. dublin führt bei Rindern zu Aborten, Durchfällen oder Lungenentzündungen, aber stellt zudem auch einen gefährlichen Zoonoseerreger dar.

Besonders in regenreichen Jahren wie 2024 ist die Belastung durch den Parasiten groß, denn sein Zwischenwirt, die Zwergschlammschnecke, lebt in Feuchtgebieten und Schlamm und entwickelt sich umso besser, je feuchter es ist. Deswegen sollten entsprechende Maßnahmen auf der Weide ergriffen werden (Auszäunen feuchter Stellen u.ä.).

Da die Erkrankungssymptome unspezifisch sind und keinen eindeutigen Hinweis auf den Parasiten bieten, ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig für eine gezielte Bekämpfung des großen Leberegels.

Die Bekämpfung im Tier ist dann ganz einfach: Fragen Sie Ihren Tierarzt nach dem Kombi-Antiparasitikum im Pour-On Verfahren – auch gegen Leberegel. Weitere Informationen

Qelle: Boehringer Ingelheim

Rätsel des Schwänzeltanzes

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Wie navigieren Bienen, wenn die Richtungsangaben der Schwänzeltänze anderer Bienen ungenau sind? Das Konstanzer Forschungsteam rund um den Neurobiologen James Foster versucht, dieses faszinierende Bienenverhalten zu ergründen. Dafür führt er gegenwärtig Experimente auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu: Für die Bienen beginnt die Jahreszeit, in der sie genügend Nahrung für den Winter speichern müssen, um die kalte Jahreszeit zu überleben. Das bedeutet Hochsaison für die Bienenforscher*innen rund um James Foster, Gruppenleiter im Bereich Neurobiologe und Mitglied am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz. Tagein, tagaus beobachtet das Team auf dem Campus die Bienen aus einem ihrer Forschungsbienenschwärme, die eine künstliche Futterquelle anfliegen. Doch was erforschen die Bienenforscher*innen? Und wie gehen sie dabei vor?

Bienen nutzen einen speziellen Tanz, um ihren Artgenossen Informationen über den Standort von Futterquellen zu geben: den Schwänzeltanz. „In unseren Experimenten konzentrieren wir uns auf die Beobachterinnen des Schwänzeltanzes und versuchen, sie dort zu erwischen, wohin sie fliegen“, erklärt James Foster. Nach jahrzehntelangen grundlegenden Experimenten ist klar, dass die beobachtenden Bienen die Tänze gut interpretieren können, um den Ort zu bestimmen, den die Tänzerinnen mitteilen möchten.

Was tun die Beobachterinnen, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann?
„Wir versuchen nun herauszufinden, was die beobachtenden Sammlerinnen tun, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann“, sagt James Foster. Um diese Frage zu beantworten, beeinflussen James Foster und seine Forschungsgruppe Tänzerinnen, die von einer neuen Futterquelle zurückkehren, so dass ihr Tanz ungenau oder sogar mehrdeutig wird.

Lesen Sie auf campus.kn, wie die Wissenschaftler*innen dabei genau vorgehen, und schauen Sie sich in der Fotogalerie an, wie ein Forschungstag abläuft.

Faktenübersicht:

– Neurobiologe James Foster ist Gruppenleiter an der Universität Konstanz und Mitglied des Exzellenzclusters Kollektives Verhalten. In seiner aktuellen Forschung nutzt er „Schwänzeltänze“ von Honigbienen, um die Kompassnavigation zu untersuchen.

– Frida Hildebrandt ist Doktorandin am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten.

– Jedes Jahr zwischen April und September führt das Team Verhaltensexperimente mit Honigbienen auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

– Der Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz ist ein weltweit führendes Spitzenforschungszentrum für die Erforschung von Schwarmverhalten. Interdisziplinär werden drängende Fragen über Arten- und Organisationsebenen hinweg angegangen, von neuronalen Mechanismen über individuelle Wahrnehmung und Präferenzen bis hin zu kollektivem Verhalten in Gruppen oder ganzen Gesellschaften. Link.

Quelle: Universität Konstanz

Bewertung von Maul-Nasenringen bei Rindern unter dem Aspekt des Tierschutzes #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden die Folgen des Einsatzes von Maul-Nasenringen, in engem Austausch mit Juristen, tierschutzfachlich bewertet. Die Einschätzung des Amtes erläuterte Dr. Anne Rößler* auf der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover.

Maul-Nasenringe (Oberlippen-Nasenringe) sollen das gegenseitige Besaugen von Färsen und Milchkühen verhindern. Beim entsprechenden Eingriff werden Oberlippe, Nasenhöhle und Nasenscheidewand des Tieres durchstochen und auch wenn dies fachgerecht durchgeführt werde (mit Sedation, Lokalanästhesie und Schmermedikation), käme es in der Abheilungsphase zumindest beim Fressen und Trinken immer wieder zu Schmerzspitzen, sagte die Tierärztin. Ebenso könnten während dieser Zeit  Mikroverletzungen bei Körperpflege, Kontakt mit Stalleinrichtungen und Artgenossen auftreten, weil der frischeingezogene Ring immer wieder bewegt und damit das durchstochene Gewebe weiter traumatisiert würde, auch könnten Entzündungen und Abszesse auftreten.

Zwar gäbe es erst wenige Studien zum Thema, aber nach Einschätzung des LGL behindern die Maul-Nasenringe den Aufbau eines Unterdrucks in der Maulhöhle des Rindes als Saugtrinker. Auch sei davon auszugehen, dass die Beweglichkeit von Oberlippe, Flotzmaul und Nase eingeschränkt würden und natürliche Verhaltensweisen der Tiere behinderten. Etwa das Flehmen und Belecken von Nasenlöchern, Eutern und dem Zwischenschenkelbereich. Schließlich bestehe auch ein Risiko, dass sich Kühe am Maul verletzen, wenn sie mit dem Ring etwa an Fütterungs- oder Tränkeinrichtungen hängenblieben.

Dabei gäbe es zur Prävention des Euterbesaugens Alternativen. Dieses Fehlverhalten zeige vor allem Defizite in Management der Tiere, denn es bestünde ein enger Zusammenhang zwischen Besaugen im Kälberalter und bei erwachsenen Kühen. Gegenseitiges Besaugen ließe sich bei Kälbern durch verbessertes Absetzmanagement und Optimierung von Haltung und Fütterung in den ersten Lebenswochen erheblich reduzieren.

Träte das Besaugen bei einzelnen Kühen doch auf, sollten sie schnellstmöglich von der Gruppe getrennt werden. Weil sich das Fehlverhalten auch durch Nachahmung verbreite, sei auch die frühzeitige Schlachtung eines Einzeltieres in Betracht zu ziehen. Ebenso sollten Kühe die eine Prädisposition fürs Besaugen vererben, möglichst von der Zucht ausgeschlossen werden, auch wenn die Heritabilität nur bei 3,7% läge.

Offtmals ließen sich nur bestimmte Tiere in der Herde besaugen. Bei festen Tierkonstellationen könne z. B. der Einsatz von Euternetzten das besaugte Tier schützen.

Ferner könnten sog. Saugschutzhalfter am besaugenden Tier zielführend sein. Wenn sich andere Mittel als unwirksam erwiesen hätten, sei der Gebrauch von Saugstoppringen („Klemmringen“) möglich. Dabei sei darauf zu achten, dass Halfter und Klemmringe regelmäßig kontrolliert werden und nicht dauerhaft am Tier verbleiben, da bei ersteren Scheuerstellen, bei letzteren Läsionen der Nasenscheidewand, entstehen können. Anders als bei Maul-Nasenringen, die, obwohl oftmals nicht erforderlich, darauf abzielen, durch dauerhaften Verbleib am Tier ein Besaugen mechanisch unmöglich zu machen, bestehe das Ziel dieser Methoden darin, den Tieren das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. Der Erfolg der Maßnahme müsse überprüft werden, indem Halfter oder Ring abgenommen und darauf geachtet wird, ob das Tier gelernt hat, das Besaugen zu unterlassen. Bei der Verwendung von Saugstoppringen müsse eine sachgerechte Anbringung gesichert sein. Insbesondere dürfe der Ring nicht so fest angebracht werden, dass er Drucknekrosen der Nasenscheidewand verursacht.

* Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Anbindehaltung von Rindern #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Dr. Peter Scheibl* widmete sich bei der diesjährigen Tierschutztagung dem „schwebenden Verfahren“ in Sachen Anbindehaltung. Bislang gibt es nur einen Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes, das Thema wird aber schon lange öffentlich diskutiert.

Fachlich unstrittig sei, dass in der Anbindehaltung letztlich alle natürlichen Verhaltensweisen von Rindern widersprechen, sagte Scheibl. Bewegungsmöglichkeiten, Körperpflege- und Sozialverhalten würden eingeschränkt.

Die Bewertung jedes Einzelfalls hänge jedoch maßgeblich davon ab, ob es Zeiten ohne Fixierung gebe, wie etwa saisonale Anbindung, täglichen Auslauf, Weidegang an mehreren Tagen pro Woche. Auch bauliche Gegebenheiten und Bodenbeschaffenheit des Stalls seien zu berücksichtigen, eine dauerhafte Anbindung im Stall jedoch unstrittig tierschutzwidrig.

Gegen ein Verbot dieser Haltungsform würde immer wieder argumentiert, dass sie ohnehin auslaufe und von einem Verbot vor allem kleine Betriebe betroffen wären. Zieht man aber die Statistik zu Rate, zeigt sich der lange Zeithorizont des „automatischen“ Auslaufens. 2010 gab es 3,0 Mio., 2020 immer noch 1,1 Mio. Betriebe.

In Bayern ist der Neubau von Ställen mit ganzjähriger Anbindung seit 2022 verboten, die Umstellung auf Laufställe wird zudem finanziell gefördert. Erhaltung der Kulturlandschaft und Förderung der Biodiversität dürften hier eine wichtige Rolle spielen.

Zwar seien tierschutzrechtliche Anordnungen bereits gerichtlich bestätigt worden, das Verwaltungsgericht Münster etwa schrieb 2022 einen Betrieb vor, seinen Tieren mindestens vom 1.6. bis zum 30.9. täglich mindestens zwei Stunden Auslauf auf einer Weide zu gewähren. Für Amtstierärzte bleibe die Bewertung einzelner Ställe so lange schwierig, bis eine konkrete gesetzliche Regelung vorliege, führte Scheibl aus. Und auch danach würde sich die Frage der Vollziehbarkeit stellen: wie soll die Einhaltung von Zeitfenstern ohne Fixierung tatsächlich überwacht werden?

* Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Umfangreiche One-Health-Studie zur Verbreitung des Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) in Nature Communications veröffentlicht

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Das „klassische“ Borna disease virus 1 (BoDV-1) wird von Spitzmäusen übertragen und kann zumeist tödliche Gehirnentzündungen bei Tieren (v.a. Pferden) und Menschen verursachen. Die Letalität liegt bei über 90%. Obwohl sowohl das Virus als auch die Erkrankung schon sehr lange bekannt sind, war die Datenlage zur Verbreitung dieses zoonotischen Erregers bisher sehr lückenhaft und größtenteils veraltet.

Unter Leitung des Nationalen Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere am FLI wurde nun die bisher umfassendste Studie zur Verbreitung des BoDV-1 veröffentlicht. Die Studie war im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „ZooBoCo“ durchgeführt worden. Beteiligt an der Studie waren mehr als 25 Institutionen aus der Veterinär- und Humanmedizin in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Rahmen dieses Projekts wurden Gehirnproben von aktuellen sowie archivierten Fällen von BoDV-1-Infektionen bei Menschen und Tieren untersucht, die gefundenen Viren genetisch typisiert und umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Fällen gesammelt. Eine gemeinsame Analyse dieser neuen Daten in Kombination mit den bereits zuvor publizierten Fällen erlaubt nun erstmals die Festlegung von definierten Kriterien zur Identifikation von Verbreitungsgebieten, in denen ein Risiko für eine Übertragung des BoDV-1 auf Tier und Mensch besteht.

Darüber hinaus liefert die Studie eine erste Übersicht über alle 46 bisher publizierten laborbestätigten BoDV-1-Infektionen beim Menschen.

Hinweise auf ein Vorkommen des Virus wurden ausschließlich in den zuvor bereits angenommenen Verbreitungsgebieten, vor allem in südlichen und östlichen Teilen Deutschlands und begrenzten Gebieten in Österreich und der Schweiz gefunden. Anzeichen einer deutlichen Ausbreitungstendenz des Virus über die vergangenen Jahrzehnte gibt es nicht. Die verschiedenen genetischen Varianten des BoDV-1 treten in voneinander abgrenzbaren Regionen innerhalb des Verbreitungsgebiets auf. Dieser Umstand erlaubt es, anhand ihrer genetischen Signatur die Herkunft der Viren und damit die Infektionsorte von Mensch und Tier einzugrenzen. So konnte in fast allen Infektionsfällen bei Menschen der gefundene Virustyp der jeweiligen Heimatregion der Patientin oder des Patienten zugeordnet werden, was auf in der Regel wohnortnahe Infektionsquellen schließen lässt.

Die Detailuntersuchungen und genetischen Typisierungen der Proben werden durch das Nationale Referenzlabor weitergeführt, um die Datenlage weiter zu verbessern und in Zukunft noch genauere Aussagen zu Risikogebieten und Infektionsquellen treffen zu können. Die Kartierung der Verbreitungsgebiete soll zudem dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für die Infektion sowohl in der Human- als auch der Veterinärmedizin zu stärken. „Nun muss in diesen Regionen genauer hingeschaut werden und BoDV-1 als Erreger für Mensch und Tier in Betracht gezogen und Verdachtsfälle abgeklärt werden.“, so PD Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere.

Die ganze Studie finden Sie hier und weitere Informationen zu Bornaviren hier.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Durch Stall, Hörsaal und Labor – Tag der offenen Tür am FBN

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Einladung zum Tag der offenen Tür am 21. September

Nach vierjähriger Pause öffnet das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf am Sonnabend, dem 21. September, wieder seine Pforten für alle Interessierten. Neben einer Vielzahl an Mitmachstationen stehen Kurzpräsentationen zu Forschungsthemen, Stallführungen, eine Wissenssafari und Eisherstellung auf dem Programm. Kann Fleisch aus dem Labor das Klima retten, wie kommt ein Kalb zur Welt und haben Schweine eigentlich eine Persönlichkeit? Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben die Mitarbeitenden des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) am Tag der offenen Tür in Dummerstorf.

Das FBN und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) laden in der Zeit von 10 bis 16 Uhr große und kleine Besucher ein, die mehr als 20 Aktionsstationen auf dem gesamten Gelände zu entdecken. Forschende geben allen Interessierten Auskunft zu aktuellen Fragen der Nutztierforschung und gewähren spannende Einblicke in ihre Arbeit.

„Der Tag der offenen Tür ist für uns die beste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite unserer Forschung zu präsentieren“, so Vorstand Prof. Klaus Wimmers. „Unsere Forschungsthemen reichen von der Vererbung und Ausprägung von Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere bis zu ihrem Verhalten sowie Fragen des Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes. Am 21. September zeigen wir all diese Aspekte der Nutztierforschung. Wir laden alle herzlich ein, das FBN zu erkunden und mit unseren Forschenden ins Gespräch zu kommen.

© FBN

Mitmachen erwünscht
Auf dem gesamten Campus warten Aktionsstationen darauf, entdeckt und erforscht zu werden. Dabei werden die Besucher auf vielfältige Weise angesprochen: ertasten, sehen, hören und nicht zuletzt erschmecken können die Gäste die Angebote in den Häusern. Spannende Kurzvorträge vermitteln Wissen zu mutigen Fischen und optimistischen Schweinen, der Geschichte des Melkens oder essbaren Insekten. Die Oxidation von Kohlenhydraten aus der Nahrung kann ebenso gemessen werden wie der eigene Stresslevel. Die Verhaltensbiologie erklärt, was Laute von Schweinen über deren Stimmung verraten, und am Ziegenlerncomputer kann jeder die Tests ausprobieren, die auch die Afrikanischen Zwergziegen am FBN absolvieren. Wer an aktuellen Stellen oder Ausbildungsmöglichkeiten am FBN interessiert ist, lässt sich am Karriere-Stand informieren. Ein besonderes Highlight wartet auf kleine und große Gourmets im Tagungszentrum: mit Hilfe von Stickstoff kann dort jeder sein Eis nach eigenem Geschmack herstellen.

Der Großtier-Operationssaal öffnet ebenso seine Tore wie das Soldatenfliegen-Labor, in dem die Maden dieser besonderen Nutztiere schlüpfen. Bei Führungen durch den Kuh- oder Schweinestall erfahren Besucher Wissenswertes und Besonderes rund um die Haltung der Tiere. Ein Kremserwagen bringt die Gäste der Führung in der Experimentalanlage Schwein zum etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Stall. Die Teilnahme an den Führungen ist mit einem kostenfreien Ticket möglich, das die Gäste am zentralen Info-Punkt an der Haupteinfahrt erhalten.

Quizrallye auf dem gesamten Gelände
Zentrales Element des Events ist die Wissenssafari: an zwölf Stationen warten Quizfragen zu unterschiedlichen Themen darauf, beantwortet zu werden. Dabei sind für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Fragen vorbereitet. Mit jeder korrekt beantworteten Frage sammeln die Teilnehmer einen Stempel. Die Stempelkarten für die Wissenssafari erhalten Besucher ebenfalls am Info-Punkt.

Attraktionen drinnen und draußen
Nicht nur in den Häusern, auch auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken: die Freiwillige Feuerwehr ist mit Hüpf- und Wasserspritzspielen sowie Deftigem aus der Gulaschkanone vor Ort. Daneben versorgen mehrere Grills, ein Wagen mit regionalen Leckereien, ein Süßwarenmobil sowie zwei Kuchenbasare die wissenshungrigen Gäste mit vielfältigen Speisen. Wem nach so viel Forschung und Wissen der Sinn nach Entspannung steht, findet dafür auf den weitläufigen Wiesen ausreichend Gelegenheit – Picknickdecken dürfen gern mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Kostenfreies Fortbildungsangebot für Nutztierhalter

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Die Lernplattform VetMab bietet zahlreiche Online-Kurse für Rinder-, Schweine- und Geflügelhalter an. Beim „Hoftierarzt“ gibt es dafür einen kostenlosen Zugangscode bei freier Kurs-Auswahl. Einfach die neueste Ausgabe des E-Magazins runterladen, mehr zu VetMab erfahren und den kostenfreien Kennelern-Code auf Seite 6 nutzen. Das alles ist natürlich völlig kostenfrei und unverbindlich.

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Alle Details hier noch mal im Video:

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2024 mit exklusivem Lern-Angebot für Leser!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 4/2024 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Weniger Antibiotika – mehr Leistung: Lernplattform für erfolgreiche Antibiotikaminimierung im Stall – jetzt testen!
Kostenloses Kennenlernangebot mit exklusivem Code für Leser dieser Ausgabe.

• Studie testet: Kälberdurchfall vorbeugen mit speziellem Futterzusatz?

• Milchleistungsfutter für gesunde u. produktive Milchkühe Darmgesundheit durch Hopfen

• Paratuberkulose im Monitoring

• Eutergesundheit am Melkroboterbetrieb

• Natürliches Tageslicht ohne Hitzestress

• Automatisches Einstreusystem

• Neue oder angepasste Impfkonzepte: Erreger beim Schwein noch besser in den Griff bekommen?

• Neue Fliegenfalle für die Weide Einwegbeutel für die Reinigung

• Blauzunge: Wie ist die aktuelle Lage?

• Mehr Tiergesundheit, bessere Leistung: Kamerasystem ermöglicht 24/7 Überwachung der Masthähnchen

• Frühtracht 2024 – Ergebnisse der Honigernte

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt 1 x registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail „OK“ klicken und gleich kostenfrei downloaden und lesen!

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Wenn die Hitze orientierungslos macht

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Nicht nur wir Menschen leiden unter Hitzewellen. An der Universität Würzburg fanden Forschende kürzlich heraus, dass heiße Temperaturen Hummeln den Geruchssinn rauben – und damit ihre Nahrungssuche erschweren.

Der Klimawandel setzt Ökosystemen auf unterschiedlichste Weise zu. Eine seiner Folgen sind immer längere und intensivere Hitzeperioden, die essenzielle Abläufe der Natur beeinflussen – zum Beispiel die Bestäubung. Ein Team von Forschenden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat nun genauer untersucht, wie sich Hitze auf eine bestimmte Akteurin dieser Prozesse auswirkt: Die Hummel.

„Hummeln sind wichtige Bestäuber in natürlichen und landwirtschaftlichen Systemen. Sie haben damit einen hohen wirtschaftlichen Wert und stehen für biologische Vielfalt“, erklärt Dr. Sabine Nooten, Leiterin der Studie. Die pelzigen Insekten sind außerdem äußerst anfällig für Hitzeereignisse, da sie besonders gut an kältere Lebensräume angepasst sind.

Hitze schadet den Tieren
Als Bestäuber orientieren sich Hummeln an Duftstoffen, welche die Pflanzen abgeben. Diese chemischen Wegweiser verraten nicht nur den Standort der Pflanzen, sie enthalten auch Informationen zum Zustand der Blüten.

Im Experiment wurden Hummeln in Röhren Temperaturen von 40 Grad Celsius ausgesetzt – mit gravierenden Folgen. „Die Hummeln sind in ihrer Fähigkeit Pflanzendüfte wahrzunehmen erheblich beeinträchtigt.“, so Sabine Nooten. Sie verlieren quasi ihren Geruchssinn.

Bei Arbeiterinnen konnten Verschlechterungen von bis zu 80 Prozent festgestellt werden. Männliche Tiere büßten bis zu 50 Prozent ihres Geruchssinn ein. Auffällig war weiterhin, dass wilde Hummeln noch größere Probleme mit der Hitze hatten als wirtschaftlich genutzte Tiere.

Auch eine anschließende Regenerationszeit bei passenden Temperaturen sorgte nicht umgehend für Besserung. 24 Stunden nach den Hitzetests zeigten die meisten Hummeln immer noch vergleichbare Beeinträchtigungen.

Folgestudie in Planung
Die Studie bestätigt, wie stark das Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen durch den Klimawandel belastet wird. Hitzewellen im Besonderen fällt hier demnach eine tragende Rolle zu. Die Ergebnisse könnten für zukünftige Initiativen zum Artenschutz von entscheidender Bedeutung sein.

Ein Folgeprojekt ist bereits bewilligt, erzählt Sabine Nooten: „Nachdem wir herausgefunden haben, dass Hitzewellen die physiologischen Prozesse der Hummeln zur Wahrnehmung von Blumendüften beeinträchtigen, richtet sich unser Fokus nun auf die Verhaltensseite. Wir werden testen, wie sich Hitze auf das Verhalten der Hummeln bei der Nahrungssuche auswirkt.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das Animal Health Info System – Digitalisierung in der Schweizer Bestandsbetreuung

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Von Dr. Claudia Egle, Fachstelle PHIS, Nutztiergesundheit Schweiz

Die Gesunderhaltung eines Nutztierbestands ist eine kontinuierliche Herausforderung. Ein gutes Management und geeignete Prophylaxemaßnahmen sollen möglichst dazu führen, dass gesundheitliche Probleme erst gar nicht auftreten. Sollte sich die Gesundheitssituation trotzdem verschlechtern, muss dies baldmöglichst erkannt werden, um angemessen reagieren zu können. Das gilt nicht nur für den einzelnen Bestand, sondern auch auf nationaler Ebene. Eine fortlaufende Gesundheitsüberwachung ist unverzichtbar.

Die Digitalisierung schreitet auch in der Veterinärmedizin unaufhaltsam voran. Gleichzeitig werden immer mehr Daten insbesondere auch im Zusammenhang mit der Produktion von tierischen Lebensmitteln erhoben, um die Produktionsprozesse zu überwachen und eine gute Lebensmittelqualität zu gewährleisten. Es liegt also nahe, diese ohnehin erhobenen und inzwischen nun häufig digital gespeicherten Daten zielgerichtet zu verarbeiten, um zusätzliche Informationen zur Tiergesundheit zu erhalten und damit die Gesundheitsüberwachung zu stärken.

Strukur in den Datendschungel bringen
Als man in der Schweiz vor einigen Jahren damit begonnen hat, Daten zu diesem Zweck aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, musste man feststellen, dass ausgerechnet Daten zur aktuellen Gesundheit der Tiere in den Beständen nur spärlich vorhanden sind. Es gibt beispielsweise Informationssysteme zur Erfassung von Ergebnissen von Schlachttier- und Fleischuntersuchungen oder von Antibiotikaverschreibungen durch die Tierärztinnen und Tierärzte. Auch die Tierhaltenden sind dazu verpflichtet, ihre Tierbehandlungen zu dokumentieren. All diese Daten lassen aber nur indirekt Rückschlüsse auf die aktuelle Tiergesundheit zu. Befunde von tierärztlichen Untersuchungen in den Beständen wurden in der Regel nur in eher unstrukturierter Weise mittels Praxissoftware festgehalten und waren damit weder verfügbar noch für weiterführende Auswertungen geeignet. Mit der Entwicklung des «Pig Health Info System» (PHIS) wurde deshalb ein System geschaffen, das nicht nur eine strukturierte und einheitliche Erfassung von Gesundheitsdaten erlaubt, sondern diese Daten auch in Echtzeit analysiert und darstellt.

Der Aufbau des PHIS wurde durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) finanziert. Dieses Engagement steht in direktem Zusammenhang mit der Umsetzung der Tiergesundheitsstrategie, die in der Schweiz verfolgt wird. Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Prävention, um das Auftreten und die Verbreitung von Tierkrankheiten zu verhindern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Digitalisierung. Die Datenerfassung und -auswertung soll optimal genutzt werden, um allfällig vorhandene Tiergesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen.

Die «Pig Health Info System»-App
Ein zentraler Bestandteil des PHIS ist die App zur Datenerfassung. Sie erlaubt den Bestandstierärztinnen und Bestandstierärzten die Erfassung aller Angaben, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Tiergesundheit in einem Schweinebestand relevant sein könnten. Es können Befunde und Diagnosen festgehalten, Angaben zu Management oder Tierumgebung aufgezeichnet oder sogar Anamneseformulare für gewisse Laboruntersuchungen erstellt werden. In der App sind verschiedene Formulare vorhanden, die aufeinander aufbauen und je nach Fragestellung ausgefüllt werden können. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt entscheidet in Anhängigkeit vom konkreten Problem, welche Informationen in welchem Detailierungsgrad aufgezeichnet werden.

Sobald ein Formular fertig ausgefüllt wurde, wird automatisch ein PDF-Dokument erstellt, das alle erhobenen Daten beinhaltet. Dieses PDF-Dokument wird einerseits in der App abgelegt, damit die Angaben auch später jederzeit verfügbar sind, kann andererseits aber auch direkt aus der App per E-Mail an die Tierhaltenden und bei Bedarf auch weitere Empfänger geschickt werden. Dadurch wird die Verfügbarkeit der Informationen für alle Beteiligten verbessert und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gefördert.

In der PHIS-App sind die Daten aber nicht nur als PDF-Dokument verfügbar. Empfehlungen und Massnahmen werden beispielsweise bei einer Folgeuntersuchung automatisch angezeigt, so dass beurteilt und wiederum dokumentiert werden kann, ob diese umgesetzt wurden und zu welchen Veränderungen in der Tiergesundheit die Umsetzung möglicherweise geführt hat. Viele Angaben können auch aus der Dokumentation der vorherigen Untersuchung importiert werden, so dass die Werte mit der aktuellen Situation im Bestand verglichen und auch direkt übernommen werden können, falls es in der Zwischenzeit keine Veränderung bei diesen Werten gegeben hat.

Automatisierte Datenanalyse und Darstellung
Die PHIS-App soll die Bestandstierärztinnen und Bestandstierärzte bei ihrer täglichen Arbeit in den Schweinebeständen unterstützen und damit die Bestandsbetreuung fördern, gleichzeitig aber auch die Früherkennung von Krankheitsausbrüchen verbessern und das nationale Gesundheitsmonitoring stärken. Das Rollout des PHIS fand am 1. Mai 2023 statt. Zum jetzigen Zeitpunkt reicht die Datengrundlage für eine detaillierte Analyse noch nicht aus. Die Tierärzteschaft muss sich erst mit der PHIS-App vertraut machen und sie zunehmend in den Arbeitsalltag integrieren, damit zukünftig in einer gewissen Regelmässigkeit Gesundheitsdaten erfasst werden, die es ermöglichen, eine allfällige Veränderung in der Tiergesundheit in einer bestimmten Region oder über einen gewissen Zeitraum zuverlässig zu erkennen. Sobald die Daten aussagekräftige Analysen zulassen, werden die Ergebnisse auf einer öffentlich zugänglichen Website dargestellt, damit sich alle interessierten Personen ein Bild von der aktuellen Schweizer Schweinegesundheit machen können. Dabei wird der Datenschutz jederzeit gewährleistet. Rückschlüsse auf einzelne Bestände oder Personen sind ausgeschlossen. Ein Expertengremium wird über Relevanz und notwendige Massnahmen entscheiden, falls das System eine Verschlechterung der Tiergesundheit anzeigt.

Fazit nach einjährigem Betrieb
Seit gut einem Jahr wird die PHIS-App nun im Feld für die Dokumentation von Bestandsuntersuchungen eingesetzt.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen:

 

Die faszinierende Welt der Bienen: Tag der offenen Tür im LAVES Institut für Bienenkunde Celle – Sonntag, 1. September, 10.30 Uhr bis 17 Uhr

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Bienen sind klein, effizient, perfekt organisiert, lebenswichtig und unersetzlich im Kreislauf der Natur. Sie unterscheiden sich stark in ihrer Lebensweise und Produktivität – mehr als 20.000 Bienenarten leben auf dieser Welt. Nur wenige von ihnen produzieren Produkte wie Honig oder Bienenwachs. Doch alle Bienen leisten eine ökologisch und ökonomisch wichtige Arbeit durch ihre Bestäubungsaufgabe. Sie spielen damit in der Produktion und Qualitätssicherung von hochwertigen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen eine wichtige Rolle.

Einblicke in die Welt der Honig- und Wildbienen können Besucherinnen und Besucher bei dem diesjährigen Tag der offenen Tür im Institut für Bienenkunde Celle (IB Celle) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) am Sonntag, 1. September, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr, bekommen. Das Institutsgelände liegt am Rande der Celler Altstadt direkt am Französischen Garten, Herzogin-Eleonore-Allee 5.

Wie entsteht eigentlich Honig und wie kommt er ins Glas? Wie werden Königinnen gezüchtet? Wie organisiert sich das Bienenvolk? Wie führt man einen insektenfreundlichen Garten, der den Anforderungen des Klimawandels gewachsen ist? Der Tag der offenen Tür bietet dem Publikum die Gelegenheit, sich über das Leben von Bienen, die Imkerei und die Arbeitsfelder des Instituts zu informieren.

Wie vielfältig die Aufgaben des Celler Instituts sind, können die Gäste an Informationsständen der einzelnen Fachbereiche und bei praktischen Demonstrationen erfahren. Die Themen reichen von der Honig- und Wachsproduktion über die Zucht von Bienenköniginnen, die Vorbeugung und Behandlung von Bienenkrankheiten bis hin zu Untersuchungstätigkeiten in der Qualitätskontrolle von Honig.

Erstmals wird es in diesem Jahr Führungen geben, in denen die Geschichte der Heideimkerei, die verschiedenen Bewohnerinnen und Bewohner des Institutsgartens und die Welt der Honigbiene erläutert werden. Für Fragen und tiefere Diskussionen stehen Imkerinnen und Imker sowie die Imkerfachberatung des Instituts zur Verfügung.

Über den Betrieb der institutseigenen Imkerei und die Laborarbeit im Bereich der Honig- und Pollenanalyse sowie der Diagnostik von Bienenkrankheiten hinaus unterhält das Institut einen Fachberatungsdienst. Dieser berät und unterstützt landesweit bei anspruchsvollen Maßnahmen, wie beispielsweise der krankheitsbedingten Sanierung von Bienenbeständen.

Außerdem bildet das Institut Tierwirtinnen und Tierwirte der Fachrichtung Imkerei aus, sowohl in der innerbetrieblichen Ausbildung mit bis zu sechs Auszubildenden, als auch als eine von bundesweit zwei Berufsschulen für den fachspezifischen Berufsschulunterricht im sogenannten „Winterblock“.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Das IB Celle ist eines von sechs Instituten des LAVES und ein in Niedersachsen einzigartiges Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung. Fünf weitere Institute gehören zum LAVES: zwei Lebensmittel- und Veterinärinstitute (Oldenburg, Braunschweig/Hannover), das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse (Cuxhaven), das Institut für Bedarfsgegenstände (Lüneburg), und das Futtermittelinstitut (Stade). Die in Oldenburg angesiedelten Fachabteilungen übernehmen unmittelbare Vollzugsaufgaben und stehen den Behörden der Landkreise beratend zur Seite.

Nähere Informationen finden Sie unter www.laves.niedersachsen.de.

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit