• Die beiden neuen Möglichkeiten, vor der Marekschen Erkrankung zu schützen, sind das Ergebnis eines neuen Designs in der Entwicklung der Marek-Impfung.
• Beide sind zur aktiven Immunisierung von Eintagsküken zugelassen. Die frühe, schon ab einem Alter von fünf Tagen eintretende Immunität gegen Marek bietet Legehennen- und Elterntieren sowie Broilern Schutz auch gegen sehr virulente Stämme der Marekschen Erkrankung.
• Eine der beiden Impfungen bietet zusätzlich Schutz gegenüber der Gumboro-Krankheit.
• Dafür ist die andere Impfung vollständig kompatibel mit einer seit vielen Jahren zugelassenen Marek-Prophylaxe (mit einem anderen Serotypen), die ebenfalls gegen Gumboro schützt und kann mit dieser gemischt werden.
• Bei den aktiven Wirkstoffen handelt es sich um lebende, rekombinante Viren, die als Konzentrat zur Verdünnung im Lösungsmittel vorliegen.
Boehringer Ingelheim gibt die Einführung der neuen Produktpalette, die nächste Generation der Impfung gegen die Mareksche Erkrankung, in Deutschland und weiteren Ländern der europäischen Union bekannt.
Damit bietet Boehringer Ingelheim eine Innovation (1) innerhalb der Marek-Kategorie: Die Impfungen bieten Geflügelproduzenten moderne Technologie zum Schutz gegen die Mareksche Erkrankung. Die Produktreihe besteht aus einem innovativen Serotyp-1-Konstrukt mit einer ausgewogenen Balance aus Verträglichkeit und Wirksamkeit auch gegen sehr virulente Stämme der Marek-Krankheit.
Die neue Kombinationsimpfung beinhaltet die lebenden, rekombinanten Viren zum Schutz vor Marek und Gumboro als Konzentrat in einer Ampulle zur Verdünnung im Lösungsmittel. Diese 3-in-1-Lösung wurde speziell entwickelt, um in Geflügelsegmenten mit hoher Lebensdauer Schutz zu bieten. Die Impfungen sind in Deutschland in Ampullen zu 1.000 und 4.000 Dosen, in flüssigem Stickstoff gefroren, erhältlich und sind zur Immunisierung von Eintagsküken zugelassen.
Jerôme Baudon, Leiter des Bereichs Geflügel bei Boehringer Ingelheim, erklärt: „Unsere Palette an Impfungen schafft Werte durch Innovation für Geflügelzüchter, für die die Mareksche Erkrankung relevant ist. Weltweit durchgeführte Feld- und Laborstudien haben die Verträglichkeit und Wirksamkeit auch gegen sehr virulente Marek-Viren nachgewiesen (2)
Der deutsche und europaweite Launch vervollständigt die Verfügbarkeit der Produktpalette weltweit. Um mehr über Marek-Impfungen zu erfahren, setzen Sie sich bitte mit Ihrem Tierarzt in Verbindung.
Referenzen:
(1) Lemiere S. et al., Proceedings of the American Association of Avian Pathologists (AAAP) meeting, 2020
(2) Bublot M. et al., llth Symposium on Marek’s Disease and Avian Herpesviruses, 2016
Jetzt gleich anmelden und alle zwei Monate die aktuelle Ausgabe kostenfrei erhalten!
Ausgabe 3/2021
+ Hitzestress effektiv vorbeugen
+ Metabolische Programmierung: Fütterung des Kalbes in den ersten Lebenswochen möglichst üppig
+ Immunologie des neugeborenen Kalbes: Stress wirkt negativ
+ Durchfall bei Saugkälbern: Mit einfachen Maßnahmen Situation verbessern
+ Interview: Kühe länger melken: Was bedeutet das für die Kälberaufzucht?
+ Interview: Kuhgebundene Kälberaufzucht: Gewinn für Kuh, Kalb und Landwirt?
+ Mehr Fokus auf die Eisenversorgung
+ Warum langweilig gut ist: Kälberaufzucht planen und standardisieren
+ Fliegenbekämpfung im Rinderstall: So früh wie möglich beginnen
+ Virale Zoonosen beim Wirtschaftsgeflügel: Gefahr für den Menschen?
+ Interview: Das Mikrobiom beim Schweine: Schlüssel zu mehr Gesundheit?
+ Gesund durch Prophylaxe: Infektionsketten durchbrechen bei Legehennen
+ DBU-Projekt Bee-Check: Frühwarnsystem zum Schutz der Honigbiene
In einem fehlgeleiteten Versuch, die Verwendung von Antibiotika für den menschlichen Gebrauch zu schützen und die Zunahme antimikrobieller Resistenzen einzudämmen, haben gestern die Mitglieder des EU-Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) mit 38 Ja-Stimmen zu 18 Nein-Stimmen und 22 Enthaltungen einen Entschließungsantrag angenommen, der sich gegen die delegierte EU-Verordnung über die „Kriterien für die Einstufung antimikrobieller Mittel, die für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen vorbehalten sind“ wendet.
Die Europäische Kommission hatte diesen delegierten Rechtsakt zusammen mit den Mitgliedstaaten auf der Grundlage der wissenschaftlichen Beratung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erarbeitet, die drei Kriterien festlegte, nämlich
1. unverzichtbare antimikrobielle Mittel, die für schwere, lebensbedrohliche Infektionen beim Menschen zur Verfügung stehen,
2. Resistenzübertragung von der Verwendung bei Tieren auf den Menschen und
3. nicht unverzichtbar für die Tiergesundheit.
Mit Befürchtungen, die auf veralteten Annahmen über den Missbrauch von Antibiotika im Tierbereich und einer völligen Fehlinterpretation der WHO-Empfehlungen beruhen, lehnt dieser Schritt die wissenschaftlichen Empfehlungen der EMA in Abstimmung mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem Europäischen Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ab. Das gefährdet neben der öffentlichen Gesundheit und der Lebensmittelsicherheit auch ernsthaft die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere. Zugleich stellt der Beschluss eine klare Missachtung des in der EU etablierten wissenschaftsbasierten Entscheidungsfindungsprozesses dar und ignoriert die wiederholten Aufrufe der eigenen Behörde, antimikrobielle Resistenzen mit dem One- Health-Ansatz zu bekämpfen.
Das willkürliche Verbot der einzigen therapeutischen Möglichkeit gegen bakterielle Infektionen bedeutet, dass alle Tiere, auch Haustiere, unbehandelt bleiben, was zu unnötigem Leiden und sogar zu ihrem Tod führen kann. Dies steht in eklatantem Widerspruch zum Vertrag von Lissabon, der Tiere als fühlende Wesen anerkennt, sowie zu der Bedeutung, die die Bürger dem Tierschutz beimessen, wie kürzlich die erfolgreiche europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“ gezeigt hat.
Der Antrag, über den gestern abgestimmt wurde, wird sich lediglich negativ auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere auswirken und keinen positiven Einfluss auf die öffentliche Gesundheit oder die Antibiotikaresistenz haben. Der bpt wird gemeinsam mit seinen europäischen Partnerverbänden den Kampf für einen wissenschaftsbasierten One-Health-Ansatz in den nächsten Monaten fortsetzen und sich dabei auf die Plenarabstimmung im September konzentrieren.
Die Landwirtschaft steht vor täglichen Herausforderungen und Problemen. Ceva Tiergesundheit möchte Hilfestellung leisten und hat deshalb von einem Jahr den Ceva Rindergesundheits Blog ins Leben gerufen.
Der Ceva-Blog trägt dazu bei Landwirten bei der Gesunderhaltung ihrer Tiere zu unterstützen. Artikel rund um die Themen Q-Fieber, Rinderflechte, Fruchtbarkeit beim Rind und Kälberkrankheiten, geschrieben von Mitarbeitern, wie auch externen Spezialisten und Praktikern lassen sich auf dem Blog wiederfinden. Darüber hinaus werden weitere Features zum Download angeboten. Von E-Learnings, über Podcasts bis hin zu diversen Arbeitsanleitungen erleichtern Landwirten seit einem Jahr den Arbeitsalltag.
Jedes Feedback zählt
Bereits nach kurzer Zeit hat Ceva Tiergesundheit die ersten Reaktionen auf den Blog bekommen. Gerade die Arbeitsanleitungen sind bei Landwirten sehr beliebt und werden immer wieder genutzt. In einigen Ställen konnte man bereits die ausgedruckte Arbeitsanleitung vorfinden.
Die zuletzt veröffentliche Arbeitsanleitung zur Schmerzerkennung ist der aktuelle Spitzenreiten im Downloadbereich. Mit über 400 Seitenaufrufen ist sie der neue Star auf dem Blog und hat in den letzten zwei Monaten für einen enormen Zuwachs an Newsletter-Abonnenten gesorgt. Die Anleitung bietet Landwirten ein wichtiges Werkzeug, Schmerzen bei der Kuh besser zu erkennen und zu bewerten. Und das nicht nur auf Deutsch. Auch auf Englisch, Polnisch, Rumänisch und Bulgarisch ist die Anleitung erhältlich und hilft somit auch Landwirten aus anderen Herkunftsländern. Schon heute sind neue, spannende und hilfreiche Arbeitsanleitungen in Planungen und die nächste Veröffentlichung ist bereits für Mitte August vorgesehen.
Da das Unternehmen den Blog kontinuierlich optimieren möchte, ist das Feedback der Leser von großer Bedeutung. Es besteht die Möglichkeit per Mail an ruminant.de@ceva.com Anregungen, Verbesserungsvorschläge und sogar Themenvorschläge mitzuteilen.
Schritt-für-Schritt zu mehr Inhalt
Wöchentlich wird ein neuer Inhalt hochgeladen. Diesen Rhythmus hat sich Ceva Tiergesundheit von Anfang an beibehalten. Nach einem Jahr setzt sich das Unternehmen das Ziel zukünftig zwei Artikel pro Wochen zu teilen, um den Lesern noch mehr hilfreichen Inhalt bieten zu können. Ceva Tiergesundheit empfiehlt den monatlichen Newsletter zu abonnieren, um immer und überall bestens informiert zu sein und keinen Artikel zu verpassen!
Wir sind sehr gespannt wie sich der Blog weiterentwickeln wird und wünschen alles Gute zum 1-jährigen Jubiläum!
Der Molekularbiologe Prof. Dr. Dr. Bertram Brenig von der Universität Göttingen hat den Illumina Agricultural Greater Good Award 2021 erhalten. Die Firma Illumina ist ein internationales Unternehmen, das sich auf genetische Sequenzierungstechnologie spezialisiert hat. Der Preis unterstützt Forschungsvorhaben, die Nachhaltigkeit, Produktivität und Nährstoffdichte von landwirtschaftlich wichtigen Nutzpflanzen und -tieren erhöhen. Brenig leitet das Tierärztliche Institut der Universität Göttingen. Er wird für seinen Forschungsvorschlag über die Westliche Honigbiene ausgezeichnet.
Obwohl die Honigbiene einer der wichtigsten Bestäuber ist, steht sie derzeit vor zahlreichen Herausforderungen und einem Rückgang der Population. Brenig möchte die Genomik nutzen, um die Schwachstellen in der DNA der Westlichen Honigbiene zu verstehen.
Die DNA, der Bauplan oder die Anleitung für jede lebende Zelle, besteht aus zwei Strängen, die zu einer Doppelhelix verdreht sind. Moleküle aus jedem Strang sind in Basenpaaren aneinandergereiht: die grundlegenden Bausteine des DNA-Codes. Das Genom der Westlichen Honigbiene ist etwa ein Zehntel so groß wie das menschliche Genom und besteht aus 236 Millionen Basenpaaren, die innerhalb der Bienenpopulationen variieren. Mit der Auszeichnung stellt Illumina Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung, die es dem Gewinner ermöglichen, etwa 20 Billionen (2 x 1013) Basenpaare zu analysieren.
Zwischen 1947 und 2005 verloren US-Imkerinnen und Imker nach eigenen Angaben über die Hälfte ihrer heimischen Honigbienen, während weltweit 50 Prozent der Wildbienen ausgestorben sind. Viele Faktoren beeinflussen die Gesundheit der Bienen: der Verlust der natürlichen Umgebung, der Einsatz von Pestiziden gegen Unkraut und die Anfälligkeit für bestimmte Schädlinge wie die Varroa-Milbe. Mit Hilfe der Genomik erhoffen sich die Forscherinnen und Forscher ein besseres Verständnis der genetischen Anfälligkeiten und Informationen, die das langfristige Überleben der Insekten sichern könnten. „Wir hoffen, dass das Projekt zu den weltweiten Initiativen und Bemühungen beiträgt, das zunehmende Massensterben der Honigbienen zu verhindern und das Überleben der von der Bestäubung abhängigen Arten zu sichern, wozu natürlich auch der Mensch gehört“, erklärt Brenig.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Kaspar Bienefeld vom Länderinstitut für Bienenforschung in Hohen Neuendorf will Brenig mit Hilfe von vergleichender Ganzgenomsequenzierung, genomweiter Assoziationsanalyse und epigenomischem Profiling Unterschiede in der Resistenz von Honigbienen gegenüber Parasitenbefall aufdecken. „Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums sind zwischen 2019 und 2020 in nur einem Jahr 43,7 Prozent der westlichen Honigbienenvölker verloren gegangen“, sagt Brenig. „Wenn man bedenkt, dass etwa 90 Prozent der Blütenpflanzen und 75 Prozent der Nutzpflanzenarten von der Bestäubung durch Insekten abhängen, wird deutlich, wie wichtig es für die globale Biodiversität ist, das Massensterben der Bestäuber zu stoppen.“
„Wir unterstützen in erster Linie Projekte, die die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft verbessern können, insbesondere in wichtigen Bereichen der Landwirtschaft, die heute von öffentlichen Mitteln und Ressourcen unterversorgt sind“, sagt Lisa Eldridge, Associate Director of Agrigenomics bei Illumina. „Unser 2021 ausgezeichnetes Projekt, das sich auf die Bienengesundheit konzentriert, entspricht all unseren Förderzielen, und wir freuen uns, diese Forschung fördern zu können, die für das Überleben unserer wichtigsten Bestäuber von entscheidender Bedeutung ist.“
Interview mit Prof. Dr. Dr. habil. Wilhelm Windisch
Ordinarius für Tierernährung an der TU München, Lehrstuhl für Tierernährung
Prof. Dr. Wilhelm Windisch, TUM
Der Verlust landwirtschaftlich nutzbarer Nutzfläche weltweit ist heute schon dramatisch und in Zukunft wächst auch noch die Bevölkerung. Herr Prof. Windisch, Sie erklären das anhand eines Fußballfelds – wie müssen wir uns das vorstellen?
Ich habe lange gebraucht um ein Beispiel zu finden und bin selber überrascht, wie wenig landwirtschaftliche Nutzfläche pro Kopf auf unsere Erde zur Verfügung steht. Es ist verdammt wenig! Die Fläche eines Fußballfeldes (0,74 ha) musss derzeit reichen, um 3,2 Menschen ein Jahr lang zu ernähren. In Deutschland haben wir tatsächlich genau diese 2400 qm pro Kopf. Das Bevölkerungswachstum, zusammen mit dem Verlust landwirtschaftlicher Fläche durch Baumaßnahmen auf der einen und Versalzung, Versteppung, Erosion auf der anderen Seite, wird dazu führen, dass im Jahr 2050 fünf Menschen von der gleichen Fläche ernährt werden müssen.
In diesem Fußballfeld ist aber auch ein Anteil Grasland enthalten. In Deutschland sind 30% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht-ackerfähiges Grasland: Hoch- und Steillagen oder z. B. Überschwemmungsgebiete. Weltweit liegt der Graslandanteil aber bei etwa 75%! Und wenn man das jetzt auf ein Fußballfeld umlegt, sind im weltweiten Durchschnitt nur die beiden Strafräume als Acker nutzbar. Und von dieser kleinen Fläche müssen im Jahr 2050 fünf Menschen ein Jahr ernährt werden! Nach dem Klimawandel ist das die zweite große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Und wir können sie nur angehen durch nachhaltige Intensivierung.
So schrieb es 2020 auch der IPCC in seinem Bericht zum Klimawandel.
Ganz genau!
Brauchen wir in diesem Zukunfts-Szenario denn überhaupt noch Nutztiere?
Dazu muss man zunächst verstehen, dass auf den Feldern kein Korn wächst, sondern immer eine ganze Pflanze, von der wir Menschen nur einen kleinen Teil nutzen. Damit diese Pflanze überhaupt gedeiht, müssen wir sogar noch andere Pflanzen als Zwischenkulturen anbauen, die alle nicht essbar sind.
Als Faustformel kann man sich merken: ein Kilo „veganes“ Lebensmittel erzeugt vier Kilo nicht-essbare Biomasse. Das Verhältnis Getreide zu Stroh ist mindestens 1-zu-1, dann müssen wir von Korn noch die Kleie abziehen. Alles was in Mühlen, Brauereien oder in der Ölherstellung an Reststoffen anfällt, ist nicht-essbar und schließlich wird alle drei, vier Jahre überhaupt nichts Essbares auf dem Feld angebaut.
Stickstoff und vor allem Phosphor, die wir dem Acker entziehen, landen bei der Verarbeitung in den Nebenprodukten: Dreiviertel des Phosphors stecken in der Kleie, 100% in den Rückständen der Ölerzeugung! Nachhaltigkeit bedeutet, die Produktivität meiner Ressourcen zu erhalten und deswegen müssen diese Nährstoffe zurück auf den Acker.
Wenn man dazu nun alle Rückstände aus der Brauerei und jede Kartoffelschale in den Boden einarbeitet, wären die Stoffe irgendwann wieder verfügbar – aber nicht dann, wenn die Pflanzen sie brauchen. Dünger muss immer dann ausgebracht werden, wenn Pflanzen einen Wachstumsschub haben. Deswegen brauchen Sie lagerfähigen Dünger: Mineraldünger, Gärreste aus der Biogasanlage oder Gülle aus der Nutztierhaltung.
Aber Mineraldünger ist nicht unbedingt die nachhaltige Lösung?
Ja, es bleiben Biogas und Nutztier, aber durch das Nutztier erhalte ich zusätzliche Lebensmittel, wenn ich nicht-essbare Reststoffe verfüttere. Erst wenn ich auf dem Acker gezielt Futtermittel anbaue, entsteht Nahrungskonkurrenz.
Es bestehen reichlich Zielkonflikte zwischen Umweltschutz, Effizienz und Lebensmittelkonkurrenz. Wenn wir z. B. den Anteil der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft betrachten, werden mal 27% genannt, mal 17% und die Hälfte stammt angeblich aus der Tierhaltung. Sie haben hier mal nachgerechnet.
27% werden in Wirklichkeit dem gesamten „Food Sector“ zugerechnet und die 17% beruhen auf älteren Publikationen über nordamerikanische Produktionsverhältnisse inklusive Getreide- oder Luzerneanbau mit Bewässerung, die dann auf die ganze Welt übertragen werden.
Nehmen wir dagegen die Zahlen für Deutschland, sieht es ganz anders aus: 6% der CO2-Äquivalente stammen laut Umweltbundesamt aus Methan. 2% kommen aus Abfallwirtschaft und Verbrennung, 4% aus der Landwirtschaft und davon 2% auf die Bodenbewirtschaftung und 2% auf die Viehhaltung.
Wir dürfen aber nicht sektoral denken, nur auf Umweltschutz und Emissionen schauen und deswegen mehr Geflügelfleisch essen. Heute setzen wir zu Produktion von Geflügelfleisch eigentlich lauter Lebensmittel ein. Ein extensiv gehaltenes Rind dagegen frisst keinem Menschen etwas weg.
Sie schlagen vor, für den Menschen nicht essbarer Biomasse stärker zu nutzen. Wie sähe die entsprechende Strategie aus?
Zunächst mal: primäres Ziel der Landwirtschaft ist es möglichst viele „vegane“ Lebensmittel zu produzieren, Tierproduktion ist immer eine sekundäre Verwertung. Beim Anbau von Mais, Reis und Getreide entsteht sehr viel nicht-essbare Biomasse, die on-top über Tierproduktion verwertet werden kann. Wir müssen also den veganen Pflanzenbau in diesem Sinn unterstützen, wo es nur geht.
Von der gewonnenen Biomasse darf ich aber dann nichts verlieren – weder qualitativ noch quantitativ. Quantitative Verluste können z. B. bei schlechter Konservierung auftreten, etwa wenn ich nur Heu mache und dabei viel mehr verliere, als bei der Grassilage. Dann muss ich den Lignocellulose -Gehalt runterbringen – eine qualitative Verbesserung durch gute Erntetechnik und langfristig natürlich auch durch Pflanzenzüchtung
Sie dürfen Qualität niemals „unter Preis“ verfüttern. Wenn Sie im Futter hohe Nährstoffgehalte haben, sollten sie immer an die produktivste Tierart verfüttern und da ist z. B. Milchproduktion viel produktiver als Fleischproduktion. Vorausgesetzt die nötige Infrastruktur (Elektrizität, Straßen etc.) ist vorhanden. Wir werden immer auch Mutterkuhhaltung haben, aber eben eher an abgelegenen oder weniger erschlossenen Standorten. Und auch Bullenmast, einfach schon deshalb, weil jedes zweite geborene Kalb männlich ist.
Sie haben auch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Nutztierarten beleuchtet. Broiler etwa haben die beste Futterverwertung, den niedrigsten CO2-Fußabdruck, aber bei der Nahrungskonkurrenz sieht es schlecht aus.
Ja, die Nahrungskonkurrenz wird in Zukunft der dominierende Faktor sein. Man kann fragen: inwieweit verbraucht die Tierhaltung zusätzliche Ackerfläche? Und der Broiler lebt – in unserer modernen Produktion – praktisch ausschließlich von Ackerflächen.
Aber ich gewinne durch den Broiler höherwertiges, weil tierisches, Eiweiß oder?
Die Tierproduktion hat immer einen Haken: die sogenannte „doppelte Transformation“. Wenn wir Soja ans Tier verfüttern, statt es selbst zu essen, gewinnen wir mit dem Fleisch zwar höherwertiges Eiweiß, habe aber die „geerntete“ Gesamtmenge an Eiweiß ist kleiner als der Input. Es kommt darauf an, ob der Gewinn an Qualität den Verlust an Quantität wettmacht? Verfüttern Sie lebensmitteltaugliches Material, haben Sie immer Verluste. Ist das Futter dagegen nicht-essbar, haben Sie einen Gewinn, weil Sie aus „wertlosen“ Stickstoffverbindungen hochwertiges Eiweiß gemacht haben. Eiweiß im Gras ist für Menschen einfach nicht verwertbar. Über die Wiederkäuer bekommen wir aber am Ende vielleicht 30-40% essbares Protein, d. h. 30-40% Reingewinn für den Menschen.
Und, so lange es um nicht-essbare Reststoffe aus dem „veganen“ Landbau geht, sind die Stickstoffemissionen immer die gleichen. Egal ob ich die Reste auf dem Feld ausbringe, in der Biogasanlage verwerte oder ans Nutztier verfüttere.
Nun argumentieren manche Veganer, man könnte auf die Reststoffverwertung über Nutztiere verzichten und einfach die Pflanze im Ganzen essen: das ganze Korn im Vollkornbrot oder die Sojabohne insgesamt. Aber sie essen ja nicht das Getreide mitsamt dem Halm. Unsere gesamte Lebensmittelproduktion beruht doch auf der Separation höher-wertiger Stoffe von Reststoffen.
Die insgesamt auf dem Acker anfallende Biomasse wird in verschiedene Komponenten zerlegt, um dann jeweils möglichst intelligent genutzt zu werden. Verfüttern wir die unverdauliche Kleie an Tiere, statt sie im Brot zu belassen, gewinnen wir aus der gleichen Menge Biomasse mehr menschliche Nahrung.
Haferdrink und Sojamilch sind ja hochverarbeitete Lebensmittel, die nur hochwertige Pflanzenbestandteile enthalten. Verfüttern wir die Reste aus deren Produktion an Nutztiere, bekommen wir am Ende insgesamt mehr Lebensmittel raus.
Kommen wir zu den Alternativen zu Rindern, Schweinen und Geflügel. Wie schneiden denn Fische aus der Aquakultur in der Gesamtrechnung ab?
Mit den heutigen Futterkomponenten in der Aquakultur, sind Fische mittlerweile zu landwirtschaftlichen Nutztieren geworden: sie fressen überwiegend Lebensmittel vom Acker. Muscheln und Schnecken dagegen können nicht-essbare Biomasse verwerten. Sie können aus Algen Eiweiß extrahieren und dann an Fische verfüttern – aber was machen Sie mit dem Rest? Muscheln und Schnecken können den verwerten.
Die ersten Insekten-Burger sind neuerdings im Handel. Wäre das ein Weg zur Ressourceneffizienz?
Auch Insekten sind dann ganz normale Nutztiere: sie verbrauchen Futter, hinterlassen Mist, verursachen Emissionen und diejenigen Insekten, die dabei effizient sind, sind es, weil sie Lebensmittel fressen: der Kornkäfer, der Mehlwurm. Auch bei den Insekten geht es um „doppelte Transformation“ und Lebensmittelkonkurrenz.
Der Mehlwurm ist eindeutig ein Lebensmittelkonkurrent. Soldatenfliegen dagegen lassen sich sogar auf Gülle noch halten. Wenn aber solche Fliegenmaden z. B. mit Tomaten gefüttert werden, fressen sie die Frucht nicht ganz. Der Cellulose-Strunk bleibt übrig, denn die Fliegenmaden machen nichts anderes als Separation. Wiederkäuer würden dagegen die Tomatenbestandteile mit Hilfe der Mikroorganismen in ihren Vormägen komplett abbauen.
Und zur „doppelten Transformation“ eine Frage: würden Sie Wildschweine schießen, um sie an Hausschweine zu verfüttern? Wohl eher nicht. Aber das ist genau, was wir bei den Insekten tun würden, wenn wir sie mit regulären Futtermitteln ernähren, um Insekten-Protein zu produzieren und das anschließend an Schweine verfüttern. Wenn Biomasse ohnehin vorhanden ist, die an Nutztiere verfüttert werden kann, sollte sie direkt und nicht über einen zweiten Verwertungszyklus verwertet werden. Und man sollte auch die Insekten besser gleich selbst essen, denn auch Insekten haben eine Transformations-Effizienz von vielleicht 50%.
Die entscheidende Frage ist: wieviel Insekten-Protein bekomme ich aus den eingangs genannten vier Kilo nicht-essbarer Biomasse? Und da sieht es momentan schlecht aus: alle derzeit eingesetzten Insekten können mit faserreichem Material kaum etwas anfangen. Wahrscheinlich gibt es aber Insektenarten, die das können. Vielleicht Bockkäfer, Borkenkäfer oder Seidenspinner.
Wie sähe es denn aus, wenn Insekten Lebensmittelabfälle (“former foods“) vertilgen und anschließend selbst an Hühner und Schweine verfüttert werden? Das ist zwar derzeit in der EU noch verboten, würde aber doch auch der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken oder?
Zunächst müssen wir uns über die Mengen im Klaren sein. Insgesamt geht es – je nach Berechnung – pro Bundesbürger und Jahr um 50 bis 80 Kilo Frisch- und vielleicht 30 Kilo Trockenmasse. Im Vergleich zur Gesamtmenge an Nebenprodukten ist das doch recht wenig und ich glaube nicht, dass der Beitrag über 10% liegen würde. Denken Sie immer an die 4 Kilo Reststoff pro Kilo pflanzlichem Nahrungsmittel. Außerdem entstehen die Verluste weniger beim Lebensmitteleinzelhandel, sondern mehr in den Privathaushalten. Natürlich ist Verwertung immer sinnvoll, aber eine durchschlagende Wirkung hätte es nicht.
Zwar denkt man immer zunächst an weggeworfenes Gemüse, aber den Löwenanteil machen verpackte Lebensmittel aus. Und mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Start-Ups, die sich dem Thema widmen und die Ware auspacken. Was sie dadurch gewinnen, ist zum Teil höchstwertiges Material und damit hervorragendes Geflügel- und Schweinefutter!
Also Toastbrot zum Beispiel?
Ja, Toastbrot oder auch Nudeln. Sie müssen nur Inhalt und Verpackung sauber – auch lebensmittelrechtlich einwandfrei – trennen. Müllereien sind ja heute schon auch Futtermittelhändler und müssen dem Futtermittelrecht Genüge tun und auch der Lebensmitteleinzelhandel wäre dazu in der Lage. In jedem anderen Wirtschaftszweig werden Produktionsabfälle wieder in ihre Einzelteile zerlegt und recycelt. Wir brauchen das Insekt nicht als Feigenblatt. Die Lebensmittel-„Abfälle“ des LEH müssten nur fachgerecht aufbereitet werden und könnten dann besser an Schweine und Hühner verfüttert werden.
Dann hätten wir noch „Kunstfleisch“ aus der Petrischale.
Das Kunstfleisch ist nichts anderes als ein Nutztier. Mit allen Konsequenzen: man muss es füttern, es gibt CO2 ab, es produziert Abfallstoffe. Im Produktionsprozess gibt es alle Elemente, die auch ein lebendes Tier hat. In einem Kreislaufsystem müssen Nährstoffe transportiert und Abfallstoffe entsorgt werden. Sie brauchen eine Art Leber und eine Art Niere, wenn Sie nicht alle zwei Tage die Nährlösung wegwerfen wollen. Statt des tierischen Immunsystems haben Sie ständigen Sterilisationsaufwand und alles zusammengenommen hohen Energieaufwand. Wenn Sie alles zusammenzählen, ist die Effizienz von Kunstfleisch ungefähr die gleiche wie beim Broiler.
Mit einem Unterschied: den Broiler füttern Sie mit Gerste und Soja, aber ein Zellkultursystem füttern Sie mit höchstreiner Glucose und Aminosäuren, so wie man einen Menschen parenteral ernähren würde. Der Verdauungsprozess wird also in eine Industrieanlage verlagert, die Soja und Mais verarbeitet! Lebensmittel, die ohnehin schon da sind, werden aufbereitet und an ein Zellkultursystem „verfüttert“ und auch hier haben Sie wieder „doppelte Transformation“.
Wenn es aber in Zukunft gelänge nicht-essbare Biomasse, mit vernünftigem Aufwand, in Glucose und Aminosäuren zu zerlegen, würde Kunstfleisch auf einmal wieder interessant. Und daran wird international bereits gearbeitet.
In Zukunft verfüttern wir also nur noch die für den Menschen nichtverwertbaren Futterstoffe an Tiere. Wieviel Fleisch landet denn dann zukünftig noch auf dem Teller, wenn unsere Proteinversorgung ressourceneffizient, umweltverträglich und nachhaltig sein soll? Im Jahr 2020 57,3 kg waren es pro Kopf und Jahr.
Wir müssen den Fleischkonsum wahrscheinlich deutlich mehr als halbieren; grob geschätzt landen wir eher bei einem Drittel. Und das gilt nicht nur für Fleisch, sondern für alle tierischen Lebensmittel.
Aber es wird nicht ausschließlich Milchviehhaltung geben, auch Schweine und Geflügel werden in Zukunft ihren Platz haben, nur die Relation wird sich verschieben. Die Faustregel könnte lauten: Koppelprodukte an Rinder und Nebenprodukte an Schweine und Geflügel verfüttern. Beim Rind sollten wir möglichst faserhaltiges Material nutzen, bei dem wirklich die mikrobielle Fermentation zum Einsatz kommt. Etwas höherwertige, aber nicht lebensmitteltaugliche, Stoffe gehen dann an Schweine und Geflügel – nur die Leistung erreicht eben nicht mehr das heutige Niveau.
Eine Reduzierung auf 33% des heutigen Fleisch-, Eier- und Milchkonsums führt aber nicht zu Bestandsverringerungen um 66%. Die Tierbestände sind dann vielleicht noch halb so groß wie heute, bei geringerer Leistung?
Im globalen Maßstab haben wir heute zu viele Nutztiere, die Lebensmittel verbrauchen. Verzichten wir aber ganz auf tierische Produktion, bleiben Ressourcen ungenutzt. Wir müssen zurück zum Fußballfeld: diese Fläche soll so viele Menschen wir möglich satt machen und zwar unter Erhaltung ihrer Produktivität.
Weltweit werden Wiederkäuer eine große Bedeutung haben, weil 75% des Spielfeldes aus Grasland bestehen. In Deutschland dagegen haben wir viel mehr Ackerland und deshalb auch größere Mengen Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung. In Deutschland werden wir deshalb viel mehr Schweine und Geflügel haben, als im internationalen Vergleich. Es gibt keine einheitliche Lösung, einheitliche Lösungen sind immer Verschwendung.
Anlass für dieses Interview war ein Vortrag von Prof. Windisch „Die Kuh als Umweltsau? Rinderhaltung im Blickfeld von Umweltschutz und Nachhaltigkeit“, im Rahmen der Tierärzte-Fortbildung „Expertise 2021“ von MSD Deutschland.
Von Dr. Lea Klambeck und Prof. Dr. Robby Andersson
Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, Schwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften, Hochschule Osnabrück
In den Jahren 2019 und 2020 waren die Sommermonate geprägt von Hitzewellen und Trockenperioden, welche auch für kommende Jahre prognostiziert werden. Diese extremen Wetterlagen stellen Tierhalter auch in der Jung- und Legehennenhaltung vor neue Herausforderungen. Frühzeitiges Handeln ist dabei die beste Möglichkeit das Stallklima für die Tiere erträglich zu gestalten.
Als ideale Raumtemperatur für Legehennen mit guter Befiederung gilt gemeinhin ein Temperaturbereich zwischen 18 und 24 °C. Wenn aber hohe Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit zusammenkommen, wird unserem Nutzgeflügel sehr schnell zu warm.
Jung- und Legehennen haben im Vergleich zu vielen Haussäugetieren nur begrenzte Möglichkeiten Wärme abzugeben, da sie ein Federkleid haben und keine Schweißdrüsen besitzen. Die Abgabe von überschüssiger Körperwärme durch Ableitung an kalte Flächen und Abstrahlung an die kühlere Umgebung spielen daher bei Geflügel im Gegensatz zum Schwein eine untergeordnete Rolle bei der Thermoregulation der Hennen. Durch Hecheln (Evaporation) können Legehennen Feuchtigkeit abgeben und die dabei entstehende Verdunstungskälte nutzen (siehe Tabellen 1 und 2). Die Effektivität des Wärmeverlustes durch Hecheln (evaporative Kühlung) ist vorrangig von der relativen Luftfeuchtigkeit (rLF) der Stallluft abhängig. Bei Werten ab ca. 70 % rLF ist die Luft mit Feuchtigkeit fast gesättigt, die Abgabe der Feuchtigkeit aus der Atemluft ist dann kaum mehr möglich und folglich kann keine Verdunstungskälte entstehen.
Rechtzeitig für Kühlung sorgen
Die Wärmebelastung von Geflügel wird als Enthalpie bezeichnet. Der Enthalpiewert berechnet sich aus einer Kombination von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Bei Enthalpiewerten ab ca. 72 kJ / kg Luft besteht bei Geflügel ein hohes Risiko für den Hitzetod. Ab der für Geflügel kritischen Obergrenze von 67 kJ / kg Luft müssen daher Maßnahmen zur Reduktion der Wärmebelastung der Tiere durchgeführt werden. Dieser Wert wird beispielsweise bereits bei 25 °C in Kombination mit ca. 80 % relative Luftfeuchtigkeit (rLF) oder 31 °C und ca. 50 % rLF überschritten. Es kommt zur reduzierten Futter- und Wasseraufnahme, welche oft mit einer Unterversorgung und folglich Leistungseinbruch einhergehen. In den Sommermonaten (Mai bis September) können die regional zu erwartenden Enthalpiewerte u.a. beim Deutschen Wetterdienst (DWD) abgerufen werden und ermöglichen eine frühzeitige Anpassung des Herdenmanagements an problematische Wetterlagen.
Bei kurzfristigen Hitze-Ereignissen (erheblicher Anstieg von Temperatur (> 5°C) und relativer Luftfeuchte (> 10 %) innerhalb von 48 Stunden) haben besonders Hennen in der Legespitze erhebliche Anpassungsprobleme. Anders ist das bei mittelfristigen Hitzeperioden. Dadurch, dass die klimatischen Bedingungen über einen längeren Zeitraum relativ konstant bleiben und die Tiere keinen allzu großen Schwankungen ausgesetzt sind, erhält der Körper die Möglichkeit, sich in einem gewissen Rahmen auf diese Bedingungen einzustellen. In beiden Fällen ist das aktive Herdenmanagement von besonderer Bedeutung, um die Belastung der Tiere möglichst gering zu halten.
Eine gut funktionierende Stalllüftung mit gleichmäßigem Luftaustausch im Stall gewährleistet den Abtransport überschüssiger Körperwärme und Luftfeuchtigkeit vom Tier weg. Der Abtransport von Wärme kann über die Luftbewegung und die Luftgeschwindigkeit im Stall reguliert werden. Die Effizienz der Wärmeabgabe der Hennen wird durch das Abspreizen der Flügel und Federn weiter gefördert. Die Luftbewegung im Stall ist elementar für den Abtransport der Körperwärme der Hennen. Bei Hitzeperioden ist als Faustzahl eine Mindestluftrate im Stall von 10m³ / h / Legehenne zu empfehlen, um Wärme und Luftfeuchtigkeit aus dem Stall zu transportieren. Eine Nachrüstung von Luftumwälzern oder zusätzlichen Ventilatoren kann erforderlich sein und eine sinnvolle Investition darstellen.
Bei Neubauten sollten die Ställe so ausgerichtet sein, dass natürliche Luftströmungen (Wind) für die Kühlung des Gebäudes genutzt werden können. Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung zum Beispiel durch kurzzeitiges Abhängen der Fensterflächen und eine gute Dämmung können das Klima im Stall weiter begünstigen. Auch Sprühkühlungen oder mobile Vernebelungsgeräte (bei Neubauten oder als Nachrüstung) zur Erzeugung von Verdunstungskälte haben sich bewährt. Dabei darf die Feuchtigkeit nicht direkt auf Tiere oder die Einstreu niedergehen. Der Tierhalter muss auch hierbei darauf achten, dass die relative Luftfeuchte möglichst unter ca. 70 % gehalten wird. Überschüssige Feuchtigkeit in der Stallluft muss durch eine entsprechend ausgelegte Lüftungsanlage aus dem Stall geleitet werden. Der Rat eines Lüftungsexperten ist in diesem Zusammenhang dringend zu empfehlen.
Die verlässliche Funktionalität der Stalltechnik und eine ständige Kontrolle der Tiere durch eine verantwortliche Person in Hitzeperioden sind Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Management. Bei akuten Hitzeereignissen ist die ständige Präsenz unumgänglich, um Managementmaßnahmen einzuleiten, zu kontrollieren bzw. anzupassen.
Zum Weiterlesen, melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichenHoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung:
Um messen zu können, ob sich die Haltungsbedingungen für Nutztiere verbessert haben, ist es wichtig, das Tierwohl an konkreten Indikatoren festzumachen. Hier ist die Wissenschaft schon sehr weit und hat eine Vielzahl an Indikatoren entwickelt, doch bislang fehlte es an einer gut recherchierbaren Übersicht. Welche Tierwohlindikatoren gibt es? Und für welche Tierarten und Lebensabschnitte? Die neue, kostenlose Web-Anwendung „Literaturdatenbank Tierwohlindikatoren“ verschafft einen Überblick darüber.
Die Web-Anwendung wurde vom Projektteam „Nationales Tierwohl-Monitoring“ erarbeitet und vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) umgesetzt. „Das Online-Tool bietet vor allem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch Praktikerinnen und Praktikern und der interessierten Öffentlichkeit einen umfassenden Überblick über den Stand des Wissens“, sagt Angela Bergschmidt vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, die das Projekt koordiniert. Für zahlreiche Tierarten können Tierwohlindikatoren gefiltert und Steckbriefe heruntergeladen werden. Dabei sind alle Filter frei kombinierbar: Haltung, Transport und Schlachtung von Kälbern, Mastrindern, Milchkühen, Saug- und Aufzuchtferkeln, Sauen, Mastschweinen, Legehennen, Masthühnern, Puten sowie Regenbogenforellen und Karpfen aus der Aquakultur.
Neben 26 Themenbereichen, wie beispielsweise „Atmungssystem“ oder „Sauberkeit der Tiere“, lässt sich die Auswahl auf tierbezogene oder management- bzw. ressourcenbezogene Indikatoren begrenzen. Auch auf die übergeordneten Tierwohl-Dimensionen „körperliche Gesundheit“, „Verhalten“ und „Emotionen“ kann der Schwerpunkt gelegt werden. Somit lassen sich verschiedene Kriterien miteinander verbinden und detaillierte Infos zu Indikatoren, die in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben sind, anzeigen lassen.
Jeder Steckbrief beinhaltet neben einer Kurzbeschreibung des Indikators auch den von ihm adressierten Tierwohlaspekt – also: „Warum wird er erfasst?“. Informationen zur Erhebungsmethode, der Datenlage in Deutschland und – sofern keine Daten vorhanden sind – Empfehlungen zu Datenerhebungen vervollständigen das Bild.
Link zur Web-Anwendung „Literaturdatenbank Tierwohlindikatoren“
Weitere Informationen zum Projekt Nationales Tierwohl-Monitoring NaTiMon
Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
• Bereits im nächsten Jahr werden Milch und Milchprodukte in die vierstufige Haltungsform-Kennzeichnung eingeordnet
• Kriterien für die Haltungsformstufen stehen fest
• Tierwohl jetzt auch auf Milch und Milchprodukten schnell erkennbar
Milch und Milchprodukte, wie Käse und Joghurt, können ab 2022 auch mit dem vierstufigen Haltungsform-Kennzeichen versehen werden. Verbraucher können dann auf den ersten Blick erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau bei der Haltung der Milchkühe ist, deren Erzeugnisse sie einkaufen. Darauf haben sich die in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) verständigt.
„Dass die Haltungsform Verbrauchern künftig nicht nur bei Puten-, Hähnchen-, Schweine- und Rindfleisch, sondern auch bei Milch und Milchprodukten ermöglicht, Tierwohl in eine schnelle Kaufentscheidung einzubeziehen, ist ein entscheidender Schritt“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. „Am Beispiel Fleisch hat sich gezeigt, dass das Haltungsform-System des Handels inzwischen zur Standard-Orientierung beim Tierwohl geworden ist. Das ist auch für die Kennzeichnung von Milch und Milchprodukten das erklärte Ziel. Bereits jetzt sind im Haltungsform-System Kriterien für die Haltung von Milchvieh definiert, wenn es darum geht das Fleisch dieser Tiere für den Endverbraucher zu kennzeichnen. Künftig gelten die aktualisierten Kriterien nun für Milch und Fleisch gleichermaßen.“
Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.
Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.
Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH
Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf gehört zu den Erstunterzeichnern der „Initiative Transparente Tierversuche“
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragene Informationsplattform „Tierversuche verstehen“ hat heute die „Initiative Transparente Tierversuche“ gestartet. Darin erklären Forschungseinrichtungen mit lebenswissenschaftlicher Ausrichtung, transparent über Tierversuche zu informieren, den öffentlichen Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitzugestalten sowie untereinander Erfahrungen auszutauschen und Aktivitäten bekannt zu machen.
Zu den 53 Erstunterzeichnenden der Initiative gehören Universitäten, Kliniken, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, forschende Unternehmen sowie Fachgesellschaften und Förderorganisationen. „Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf unterstützt die Initiative als Erstunterzeichner“, sagte FBN-Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Die Forschung für mehr Tierwohl und Tiergesundheit steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir arbeiten in vielen Forschungsansätzen, z.B. mit Zellkulturen und ersetzen damit Tierversuche. Aber, um etwa das Wohlbefinden von Tieren bewerten zu können, ist es nötig, Beobachtungen am Tier vorzunehmen. Wir wollen unsere Forschung in diesem Zusammenhang transparenter gestalten, um dem verständlichen gesellschaftlichem Interesse gerecht zu werden.“
Das sieht auch der Tierschutzbeauftragte am FBN, Dr. Olaf Bellmann, so: „Tiere in wissenschaftlichen Versuchen einzusetzen, ist noch immer eine Notwendigkeit, die für jeden Wissenschaftler ein ethisches Dilemma darstellt. Unter Ausnutzung aller Möglichkeiten versuchen wir, die eventuellen Belastungen für die Tiere so gering wie möglich zu halten. Mit der transparenten Darstellung der Forschung, die wir an Tieren durchführen, um auch deren Bedürfnis nach Wohlbefinden besser verstehen zu können, wollen wir einen Beitrag zum Grundverständnis solcher Untersuchungen leisten und einen Gedankenaustausch dazu anregen.“
Eine eigens für die Initiative eingerichtete Webseite listet alle Unterzeichnenden auf, bietet Beispiele für gelungene Kommunikation zu Tierversuchen und stellt Informationen zur Unterstützung der Unterzeichnenden bei der Umsetzung der genannten Ziele zur Verfügung. Die Initiative folgt ähnlichen Aktivitäten in anderen europäischen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich und Spanien. Gleichzeitig wird damit an die vor fünf Jahren von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen gegründete Plattform „Tierversuche verstehen“ angeknüpft.
„Tierversuche sind ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Themenfeld. Der transparenten Kommunikation über wissenschaftliche und ethische Aspekte der tierexperimentellen Forschung kommt daher eine besondere Stellung zu, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass aktuell leider noch nicht alle Tierversuche in der lebenswissenschaftlichen Forschung vermieden werden können – und gleichzeitig herauszustellen, dass jeder Tierversuch erst nach sorgfältiger ethischer Abwägung des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns gegen das potenzielle Leid der Tiere erfolgt“, verdeutlichte heute DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker bei der Vorstellung der Initiative.
„Wichtig ist die Unterstützung durch die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft, um so dem Transparenzgedanken größtmögliches Gewicht zu geben“, unterstrich auch die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, von der Universitätsmedizin Rostock.
Hintergrund Die Initiative Transparente Tierversuche reiht sich am 1. Juli in verschiedene Kommunikationsaktivitäten weltweit ein. Anlass ist der von der European Animal Research Association (EARA) organisierte internationale „Be Open about Animal Research Day”, ein Aktionstag, in dessen Rahmen Beispiele für Offenheit und Transparenz in der tierexperimentellen Forschung geteilt werden. Die begleitende Social-Media-Kampagne ist unter dem Hashtag #BOARD21 zu finden.
Die Ständige DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen koordinierte Plattform „Tierversuche verstehen“ haben die Initiative Transparente Tierversuche gemeinsam ins Leben gerufen. Die Senatskommission ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertengremium, das sich mit aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen sowie den komplexen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes und der tierexperimentellen Forschung beschäftigt. Sie berät die Gremien der DFG sowie Politik und Behörden. „Tierversuche verstehen“ informiert aktuell und faktenbasiert über Tierversuche in öffentlich geförderter Forschung und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung tierexperimenteller Forschung zu vermitteln.
In der biomedizinischen Forschung stellen Tierversuche nach aktuellem Forschungsstand einen wichtigen Bestandteil des experimentellen Methodenspektrums dar. Für wesentliche grundlegende Erkenntnisse und medizinisch relevante Entwicklungen ist die Forschung mit Tieren essenziell. Zwar haben methodische Forschungsarbeiten der jüngeren Vergangenheit dazu beigetragen, dass Tierversuche in manchen experimentellen Ansätzen durch alternative Methoden ersetzt oder im Umfang reduziert werden können, ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen ist jedoch noch nicht absehbar. Auch in Zukunft werden diese Versuche zum Erkenntnisgewinn und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und Methoden benötigt werden. Als ein jüngstes Beispiel für die Notwendigkeit von Tierversuchen gilt die Erforschung von Vakzinen – ohne Tierversuche würde es keinen Corona-Impfstoff geben.
Massentrachten wie Raps oder Ackerbohnen bieten wertvolle Nahrungsquellen für Bienen, die bei ihren Blütenbesuchen zur Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen beitragen. Doch nicht jede blühende Ackerkultur wird von denselben Bienen besucht. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Lebensraumvielfalt der Agrarlandschaft und der Anbau verschiedener Massentrachten, das heißt blühender Kulturpflanzen, auf Wildbienen auswirken.
Es hat sich gezeigt, dass vielfältige Agrarlandschaften den Artenreichtum von Wildbienen erhöhen. Blühende Ackerkulturen mit unterschiedlichen Blütenformen fördern unterschiedliche Wildbienenarten. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Landscape Ecology erschienen.
Das Forschungsteam erfasste Wildbienen in blütenreichen halbnatürlichen Lebensräumen wie Hecken und Blühstreifen in insgesamt 30 verschiedenen jeweils einen Quadratkilometer großen Agrarlandschaften nahe Göttingen, Itzehoe und Leipzig. Die Bienen wurden hierbei entlang genormter Streckenabschnitte gezählt und mit einem Handkescher für die Artbestimmung gefangen. Die Untersuchungslandschaften unterschieden sich in ihrer Vielfältigkeit und hinsichtlich des Flächenanteils von Raps und Ackerbohnen.
„Die Blütenform einer Pflanze ist ein wichtiges Kriterium dafür, welche Wildbienenarten Nektar an deren Blüten sammeln“, so Doktorand Felix Kirsch von der Universität Göttingen, der die Untersuchung im Rahmen seiner Masterarbeit durchführte. „Die Blütenform muss beispielsweise zur Körpergröße und Rüssellänge der Biene passen. Der Nektar von Raps ist leicht zugänglich, während der Nektar der Ackerbohnen tief in den langen Blütenkelchen verborgen ist.“
„Unsere Studie zeigt, dass Ackerbohnen soziale Wildbienen, besonders langrüsselige Hummeln, fördern“, erläutert Dr. Doreen Gabriel vom JKI in Braunschweig. Ein anderes Bild ergab sich in Landschaften mit viel Raps: Hier wurde ein erhöhter Anteil an solitär lebenden Wildbienen festgestellt, zu denen oft kleinere Arten zählen. „Der Anbau einer bestimmten Massentracht reicht nicht aus, um vielfältige Bienengemeinschaften zu erhalten, welche ihrerseits den Bestäubungserfolg vieler blühender Ackerkulturen und Wildpflanzen sichern“, so die Erstautorin Dr. Nicole Beyer, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen. Die Leiterin der Abteilung, Prof. Dr. Catrin Westphal, folgert: „Unsere Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass diverse, blühende Ackerkulturen und insbesondere vielfältige halbnatürliche Lebensräume in der Agrarlandschaft notwendig sind, um ein breites Artenspektrum an Wildbienen zu fördern“.
Wissenschaftliches Verbundprojekt MulTiViS stellt Ergebnisse zum Tierwohl bei Mastschweinen vor
Wie lässt sich möglichst objektiv messen und bewerten, ob es Schweinen in ihrer Haltung gut geht? Forschende der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover widmeten sich dieser Frage gemeinsam mit drei Projektpartnern. Jetzt stellten sie die Ergebnisse der MulTiViS-Studie (Multivariate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen) vor. Das Ziel der Untersuchung war es, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, sogenannte Tierwohlindikatoren bei Mastschweinen zuverlässig und vergleichbar zu erfassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft förderte die Studie seit 2017 im Rahmen des Programms „Innovationen zur Bewertung der Tiergerechtheit und des Tierwohls“.
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchten in Schweinemastbetrieben sowie am Schlachthof verschiedene mögliche Tierwohlindikatoren wie das Auftreten von Verletzungen, die Mortalität oder diverse Schlachtbefunde auf ihre Praxistauglichkeit. Die Informationen wurden verglichen und schließlich in einer Gesamtbewertung zusammengefasst. Insgesamt untersuchten die Forschenden über 200 Indikatoren, anhand derer Tierärztinnen und Tierärzte sowie Tierhalterinnen und Tierhalter Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen ziehen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten können.
„International wie national wird in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft, in der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft viel über Tierwohl diskutiert und um die richtige Vorgehensweise der Erfassung und der Bewertung des Tierwohls gestritten“, sagt Professor Dr. Lothar Kreienbrock, Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung, der das Projekt zusammen mit PD Dr. Hubert Gerhardy, Marketing Service Gerhardy, koordinierte. „Um aber eine verlässliche Aussage über das Wohlbefinden von Tieren treffen zu können, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Vielmehr müssen belastbare Daten so zur Verfügung gestellt werden, dass diese im landwirtschaftlichen Alltag praktikabel erfasst und die Daten und deren Zusammenhänge anschließend auch fachlich korrekt analysiert werden können.“
Das Projekt zeigt eindeutig, dass von Landwirtinnen und Landwirten erhobene Daten und von Tierärztinnen und Tierärzten im Betrieb und auf Schlachthöfen gezielt nacherfasste Informationen eine Klassifikation von Betrieben nach Tierwohlkriterien ermöglichen. „Dabei gibt es nicht DEN guten oder DEN schlechten Betrieb. Vielmehr müssen die vielfältigen Teilinformationen, aus denen Tierwohl besteht, angemessen geprüft, verarbeitet und bewertet werden“, so Kreienbrock.
Das Projekt, für das die Forschenden in über 200 Betrieben Daten erhoben haben, kann als wesentliche Grundlage für ein zukünftiges nationales Tierwohlmonitoring genutzt werden, da es bereits jetzt wesentliche Komponenten einer Tiergesundheitsdatenbank enthält. Damit kann nicht nur das Tierwohl beurteilt werden. Vielmehr können alle Beteiligten der Lebensmittelkette diese Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.
Außer dem Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung waren das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie sowie die Außenstelle für Epidemiologie in Bakum als Partner der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover an dem Projekt beteiligt. Des Weiteren waren der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft e.V. in Uelzen sowie der Marketing Service Gerhardy, Garbsen als aktive Partner Mitglieder im Forschungsverbund.
Publikationen
Aus dem Projekt sind bereits drei wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen:
Es gibt sie noch – die traditionellen Anbindehaltungen. Viele Landwirtinnen und Landwirte stehen vor der Entscheidung, ihren Anbindestall nachhaltig weiterzuentwickeln oder ihn kurz- oder mittelfristig auslaufen zu lassen.
Die 3. überarbeitete Auflage dieser KTBL-Schrift zeigt, wie kleine Milchviehbestände mit bis zu 40 Kühen in Anbindehaltung durch Um-, An- oder Neubauten modernisiert werden können.
Ausgehend von den Anforderungen der Milchkühe werden die verschiedenen Haltungsverfahren vom Anbinde-stall bis zum Kompoststall mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben. In separaten Kapiteln wird der Stand der Technik hinsichtlich Laufhöfen, Melken, Füttern, Entmisten, Wirtschaftsdüngerlagerung sowie Kälber- und Jungviehhaltung behandelt.
Ausführlich wird der Frage „Umbau, Erweiterung oder Neubau?“ nachgegangen. Und wenn es keine Alternative zur Anbindehaltung gibt: Mit wenig Auf-wand lassen sich die Haltungsbedingungen auch hier verbessern, wie die Schrift ebenfalls veranschaulicht.
Beispiele aus der Praxis zeigen, auf welche Lösungen Berufskolleginnen und -kollegen gekommen sind. Eine Checkliste bietet einen Roten Faden, sodass keine wichtigen Fragen bei der Modernisierung vergessen werden.
Darmstadt, 2021, 92 S., 22 Euro, ISBN 978-3-945088-81-4, Best.-Nr. 11522
Quelle: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL)
Von Dr. Ole Lamp, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Sommerzeit ist Weidezeit und spätestens nach den ersten Schnitten kommen auch die Jüngsten auf die Weide. Dies ist nicht nur gut für deren Robustheit, das Grasen ist eine kostengünstige Form der Fütterung. Neben einem guten Grasaufwuchs mit hochwertigen Futterpflanzen sollte auch das Wetter in der Umstellung von Stall auf Weidehaltung günstig sein, damit die Jungrinder einen gesunden Start erleben. Zur Absicherung gegen Schäden durch Weideparasiten werden häufig Entwurmungsmittel bereits zum Weideauftrieb als Bolus eingegeben oder als Langzeitmittel unter die Haut gespritzt. Im Folgenden soll dargestellt werden, warum diese Methode der Wurmbekämpfung nicht optimal ist und welche Alternativen bestehen.
Unter dem Begriff „Weideparasiten“ lassen sich sehr viele verschiedene Arten von tierischen Krankheitserregern zusammenfassen. Im Allgemeinen bezieht er sich aber nur auf die Innenparasiten (Endoparasiten) und schließt Außenparasiten wie Weide- und Dasselfliegen, Haarlinge und Läuse nicht mit ein. Aber auch bei den Innenparasiten gibt es eine große Vielfalt, angefangen bei den Bandwürmern, Leberegel über verschiedenste Rundwürmer bis hin zu den mikroskopisch kleinen Einzellern (Eimerien/Kokzidien und Kryptosporidien). Da diese zu ganz verschiedenen Gruppen von tierischen Lebewesen gehören, können sie auch nicht alle mit einem Mittel bekämpft werden, sodass die eingangs beschriebene Auftriebsbehandlung ohnehin nie Schutz gegen alle Arten von Innenparasiten bieten kann und immer Wirklücken aufweist.
Magen-Darm-Würmer im Fokus
Eines der größten Gesundheitsprobleme auf regelmäßig genutzten Rinderweiden stellen die Rundwürmer (sogenannte Magen-Darm-Strongyliden) dar, die entweder dem Wirt im Magen-Darm-Trakt Körperflüssigkeiten und Nährstoffe entziehen oder auf Körperwanderungen Schäden an den inneren Organen anrichten. Entwicklungsstörungen, Durchfälle und Todesfälle können die Folgen sein. Sie sind daher auch das Ziel der Auftriebsbehandlung oder der terminlich vorgeplanten Zwischenentwurmung während der Weidesaison per Übergussbehandlung oder Injektion. Ähnlich wie in anderen Bereichen (Pflanzenschutz, Antibiotika) breiten sich Resistenzen in der Wurmpopulation immer weiter aus. Durch Wirtstiere werden die resistenten Würmer in neue Betriebe und auf neue Weiden gebracht. Und jede weitere Behandlung, die die normal-empfindlichen Würmer tötet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die neue Generation vermehrt von resistenten Würmern abstammt und so mehr Tiere zukünftig auch resistente Würmer in sich tragen, die auf Behandlungen mit einem bestimmten oder verschiedenen Mitteln nicht mehr reagieren. Das Vorkommen von resistenten Rundwürmern bei Rindern ist für Deutschland (Kleinschmidt et al., 2010) und andere europäische Länder eine nachgewiesene Tatsache.
Wege aus der Resistenzfalle
Da jede Entwurmungsbehandlung das Risiko steigert, dass der größte Teil der Wurmeier, die mit dem Kot auf der Weide landen, resistente Würmer enthält, muss es das Ziel sein, weniger Entwurmungsmittel einzusetzen. Insbesondere die früher oft empfohlene Behandlung zum Umtrieb auf eine neue Weide (Dose-and-Move Schema) erreicht genau das Gegenteil, da die frische Weide nur noch mit resistenten Eiern belastet wird. Sie gilt daher heute als veraltet.
Vielmehr verfolgen moderne Ansätze das Ziel, die Wurmbelastung auf einem niedrigen aber stabilen Niveau zu halten, damit die Rinder ihr Abwehrsystem gegen Würmer beständig trainieren und fit halten können. Zugleich sorgen so ältere Tiere mit einer gut trainierten Abwehr für eine effektive Abtötung von Würmern, sodass sie die Weidebelastung stabil halten oder sogar senken können. Daneben sind aber auch andere Maßnahmen im Management zu beachten, damit die Rinder nicht überfordert werden. Die medikamentelle Behandlung sollte sich immer nur auf die wirklich notwendigen Fälle beschränken.
Sichere Weiden für Erstsömmrige
Gerade in der Milchviehhaltung haben Kälber oder Jungrinder bei ihrem ersten Weideauftrieb erstmalig Kontakt mit den Rundwürmern der Weide. Diese erstsömmrigen Rinder haben noch keine trainierte Abwehr und vertragen daher nur geringe Wurmzahlen. Deshalb ist es optimal, Erstsömmrige nur auf sichere Weiden (siehe Kasten) aufzutreiben, da diese keine Wurmbelastung aus dem Vorjahr mitbringen. Ist dies nicht möglich, sollte der Weideauftrieb auf relativ sichere Weiden frühestens im Juni erfolgen, weil so die überwinterten Wurmlarven auf der Weide bei höheren Temperaturen aus der Winterruhe erwacht sind und verhungern, da sie nicht rechtzeitig einen neuen Wirt gefunden haben. Im Vorjahr intensiv mit Jungrindern beweidete Flächen sind für Erstsömmrige ungeeignet und stellen ein hohes Risiko für Erkrankungen durch Weideparasiten dar (unsichere Weiden).
Risikominderung durch Weidemanagement
Je nachdem, wie viele Tiere und über welchen Zeitraum die Rinder auf der Fläche stehen, ergeben sich hohe oder niedrige Risiken für den Aufbau einer starken Wurmbelastung. Wird eine Fläche als Standweide für die Erstsömmrigen über viele Wochen genutzt und ist die Besatzdichte relativ hoch, steigt die Belastung der Fläche mit ansteckenden Wurmlarven und es kommt typischerweise im Spätsommer zu ersten Erkrankungsfällen. Bei ungünstiger Witterung (feucht, mild) oder einer unsicheren Weide mit hoher Vorbelastung können Probleme bei unbehandelten Tieren auch schon früher auftreten. Ein Weideumtrieb auf eine andere sichere oder relativ sichere Weide nach einigen Wochen sorgt dafür, dass die erstsömmrigen Rinder nur ihre bisherige, relativ niedrige Belastung im Darm von der ersten Weide mitbringen und auf der neuen Fläche keine neuen ansteckenden Larven vorhanden sind. Bis sich aus den frisch ausgeschiedenen Eiern neue ansteckende Larven entwickelt haben, vergehen mehrere Wochen bis zu einem Monat, sodass die Belastung im Tier auf der neuen Weide zunächst nicht steigt und sich so das Abwehrsystem auf die Bekämpfung der im Darm vorhandenen Würmer konzentrieren kann. Zeitgleich steigt auch die Belastung der ersten Fläche nicht weiter und die vorhandenen ansteckenden Larven werden durch UV-Licht, Trockenheit und Hunger in ihrer Anzahl vermindert, die Fläche erholt sich.
Nicht jeder Betrieb kann ohne weiteres eine aufwändige Umtriebsweide realisieren, da geeignete Flächen oder Transportmöglichkeiten fehlen. Aber bereits die Unterteilung einer Fläche in eine früh zu beweidende Hälfte und eine Hälfte für die Beweidung nach erster Schnittnutzung kann helfen, den Rindern diese „Verschnaufpause“ durch Umtrieb zu ermöglichen.
Behandlungen so selektiv wie möglich
Auch bei sehr gutem Management wird es immer wieder Tiere geben, die mit der ansteigenden Wurmbelastung im Laufe des Sommers überfordert sind.
Zum Weiterlesen, melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichenHoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung:
• Fleisch von Kaninchen und Pekingenten zukünftig kennzeichnungsfähig
• Verarbeitete Fleischware ab 1. Juli mit Haltungsform-Kennzeichen
• Mehr Transparenz und Orientierung für Verbraucher
Die in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) weiten ab dem 1. Juli 2021 das Angebot der Lebensmittel mit dem Haltungsform-Kennzeichen aus. Kaninchen- und Pekingentenfleisch kann dann mit der vierstufigen Siegel-Klassifikation „Haltungsform“ gekennzeichnet werden. Zugleich können die teilnehmenden Unternehmen verarbeitete Fleischware, wie zum Beispiel Wurst, erstmals in großen Mengen in die einzelnen Stufen des Haltungsform-Systems einordnen. Verbraucher können dadurch bei vielen weiteren Fleisch-Produkten sehr schnell erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau der Tierhaltung ist, aus der das jeweilige Produkt stammt.
„Die Ausweitung der ‚Haltungsform‘ ist eine wichtige Weiterentwicklung“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Neben frischer Ware aus Hähnchen-, Puten-, Schweine- und Rindfleisch, kommen nun neue Tierarten dazu. Mindestens genauso wichtig ist aber die Einbeziehung der verarbeiteten Ware. Damit schaffen wir gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Handel und der Produktion einen gewaltigen Schritt, um Verbrauchern eine tierwohlbewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen.“
Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.
Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite.
Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH
Der Darm ist das reinste Wunderwerk. Wussten Sie schon, dass die Mikroorganismen im Darm 90 % des Glückshormons Serotonin produzieren und dieses dem Organismus zur Verfügung stellen? Oder dass sich 80 % des Immunsystems im Darm befinden?
Dass dies nicht nur für den Menschen gilt, sondern auch für Schweine, davon berichtet der neue Podcast von Boehringer Ingelheim. „Der Darm Doc“, eingesprochen von Dr. Ricarda Deitmer, will Abläufe im Darm besser verständlich machen, um so die Darm- bzw. Tiergesundheit in den Griff zu bekommen. Hierfür spricht die Tierärztin mit Experten, Veterinärmedizinern und Wissenschaftlern über Neues, Zusammenhänge und Hintergründe rund um das Thema Schweinedarm und achtet dabei auf praktische Relevanz für den Hörer.
Milliarden von Mikroorganismen sorgen nicht nur für den Aufschluss der Nahrung, sie kommunizieren mit dem Gehirn und umgekehrt, das Gehirn gibt Anweisungen an das Mikrobiom. Eine gut funktionierende Verdauung hat somit direkten Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden. Oder andersherum: Durch das Auskurieren von Darminfektionen gibt es erstaunliche Effekte auf andere Bereiche des Körpers. Vielleicht lässt sich sogar das Verhalten der Schweine über den Darm beeinflussen?
Der Darm Doc von Boehringer Ingelheim – Überall zu hören wo es Podcasts gibt. „Folge 01 – Das Glück liegt im Darm“ ist bereits erschienen, in unregelmäßigen Abständen folgen weitere Episoden.
Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.
Wie bei allen jungen Tieren gibt es auch bei der Aufzucht von Junghennen viele zu beachten, damit sich gesunde und leistungsfähige Junghennen entwickeln können. Was sich dabei bewährt hat und wie der Umzug in den Legebetrieb gut gelingen kann, erklärt Frau Dr. Birgit Spindler. Sie ist Fachtierärztin für Tierhygiene und Tierschutzkunde und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.
Frau Dr. Spindler, Sie empfehlen intensive Kommunikation und Abstimmung zwischen Junghennenaufzüchter und Legehennenhalter, schon bevor die Hennen den Besitzer wechseln.
Ja richtig. Gerade die Umstallungsphase bedeutet sehr viel Stress für die Tiere. Neben dem Einfangen, Verladen und dem Transport der Tiere, werden die Junghennen mit einem neuen Haltungssystem konfrontiert. In dem müssen sie sich erst einmal zurechtfinden. Da ist eine gute Abstimmung der Haltungsbedingungen und des Managements entscheidend, um den Stress so gering wie möglich zu halten. Das betrifft insbesondere das Fütterungskonzept, das Lichtregime sowie das Angebot von Beschäftigung. Aber auch die Tränktechnik ist nicht außer Acht zu lassen, um eine einwandfreie Wasseraufnahme nach Umstallung zu gewährleisten. Umso mehr die Tiere „alt Bekanntes“ wiedererkennen, umso stressfreier ist es.
Bereits in der Aufzucht sollen die Junghennen an die spätere Haltung gewöhnt werden: Also für Mobilstall andere Aufzucht als für Bodenhaltung? Und gleichzeitig muss man ja an die Eintagsküken denken. Wie geht das alles zusammen?
Auch wenn es für die Junghennenhaltung bisher in Deutschland noch keine konkreten rechtsverbindlichen Haltungsvorgaben gibt, wird zumindest rechtlich gefordert, dass die Junghennen an die spätere Haltung gewöhnt sein sollen. Und ganz richtig, hier sollten zumindest die Kernelemente einer Haltung bereits in der Junghennenaufzucht Berücksichtigung finden. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Junghennen, die später Zugang zum Freiland haben zumindest Zugang zu einem überdachten Auslauf haben sollten. Aus tierärztlicher Sicht muss dabei die Tiergesundheit im Auge behalten werden, so dass z.B. ein Zugang erst nach vollständiger Befiederung sinnvoll ist. Erst dann können die Tiere mit der Außenklimasituation zurechtkommen. Damit ändern sich die Haltungsanforderungen der Tiere mit zunehmendem Alter, immer unter Berücksichtigung der arteigenen Bedürfnisse und der späteren Haltung.
Was kann in der Junghennenaufzucht schon gegen Federpicken/Kannibalismus getan werden?
Grundsätzlich muss dazu die Junghennenaufzucht so stressfrei wie möglich gestaltet werden. Das bedeutet, dass man bereits ab dem ersten Lebenstag den Küken die Möglichkeit des Auslebens arteigener Verhaltensweisen gibt. Dazu gehört vor allem das Erkunden der Haltungsumwelt und das Ausführen von Nahrungssuch- und Futteraufnahmeverhalten. Aber auch der Zugang zu Sitzstangen und Staubbädern gehört zu einer verhaltensgerechten Unterbringung dazu, um nur einige Punkte zu nennen. Natürlich muss auch das Stallklima, die Lichtverhältnisse, die Futter- und Wasserversorgung ebenso wie ein ausreichendes Platzangebot altersentsprechend Berücksichtigung finden. Ein weiterer wesentlicher Faktor, der im späteren Leben der Legehenne entscheidend das Tierverhalten beeinflusst, ist eine gute Gewichtsentwicklung über die gesamte Haltungsperiode. Gerade bei untergewichtigen Tieren ist das Risiko des Auftretens von Verhaltensstörungen in der Legephase erhöht. Dem muss in der Aufzucht entgegengewirkt werden.
Welche Gruppengröße, Besatzdichte ist in der Aufzucht empfehlenswert?
Zum Weiterlesen, melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichenHoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung:
Neue Präventionsmöglichkeiten im Stall durch Data Intelligence
Zoonosen: Wie wir von der Covid-19- Pandemie lernen können
Unter dem Leitthema: „Mensch, Tier und Umwelt im Fokus: die Quadratur des Kreises für die Nutztierhaltung?“ diskutierten sechs Experten auf der Expertise 2021, einer virtuellen Fachkonferenz von MSD Tiergesundheit, am 07. Mai 2021 Zukunftsfragen der Nutztierhaltung. Um das Wohlergehen von Menschen, Tieren und Umwelt in Einklang zu bringen, bedarf es einer intensiveren Zusammenarbeit und einem stetigen Austausch zwischen der Human- und Tiermedizin, der Landwirtschaft sowie des Umweltschutzes. Besonderer Fokus sollte zudem auf die Prävention von Krankheiten in der Nutztierhaltung gelegt werden – das zeigt sich nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie.
Prävention als Schlüssel: Mit Digitalisierung vorbeugen
Prävention in der Nutztierhaltung ist ein Schlüsselfaktor, sind sich die Experten einig. Hier müsse grundlegendes Wissen vermittelt werden und dem Thema mehr Bedeutung zugewiesen werden. Prof. Dr. Lothar Kreienbrock, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, beschreibt Prävention als „Brot und Butter der Epidemiologie“. Durch konsequente Impfkonzepte können Krankheiten verhindert oder manchmal sogar ausgerottet werden. Tier-Monitoring und Data-Intelligence zur Früherkennung von Verhaltensauffälligkeiten, sind die Zukunft moderner Präventionsmaßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben.
Durch Datengewinnung im Stall, lassen sich frühzeitig Rückschlüsse auf die Gesundheit der Tiere schließen. Damit können Krankheiten und Anomalien rechtzeitig erkannt und vermieden werden. Der Einsatz von Therapien und insbesondere Antibiotika lässt sich reduzieren, was wiederum auch Auswirkungen auf die Menschen hat. Darüber hinaus liegt es auch im ökonomischen Eigeninteresse der Landwirte die Tiere gesund zu erhalten, denn nur gesunde Tiere ermöglichen eine wirtschaftliche und nachhaltige Produktion.
Dr. Bernard Haidn von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erklärt: „Im Stall kann Digitalisierung sehr viel bewirken. Hier lassen sich zahlreiche Gesundheitsdaten der Tiere sammeln auf welchen wiederum Analysen aufbauen, die strategische Prävention ermöglichen.“ Dazu gehören verschiedenste Paramater, wie beispielsweise die Futteraufnahme oder die Tierbewegung. Mithilfe künstlicher Intelligenz kann man diese Parameter in Verbindung setzen, Prognosen treffen und dementsprechend Prävention leisten: „Digitalisierung kann somit helfen, Probleme im Stall rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, so Dr. Haidn.
Dr. Leif Balz, bei der Schwarz Gruppe für die Themen Ernährung und Agrar verantwortlich, bringt die Perspektive des Lebensmitteleinzelhandels in die Runde. Für ihn erfolgt die Einflussnahme des Handels vor allem durch die großen Abnahmemengen. Zudem sieht er den Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung Biodiversitätsstandards für seine Kunden und Kundinnen zu setzen: „Wir befinden uns in der Situation, dass wir mit unseren Kunden aber auch NGOs Anspruchsgruppen haben, die bei Themen der Tierhaltung ganz genau hinschauen. Gerade in Deutschland ist Tierwohl ein sehr sensibles und wichtiges Thema, unser Anspruch ist es, bestmögliches Tierwohl auch im Preiseinstieg sicherzustellen. Wenn wir Tierwohl verbessern wollen, brauchen wir Verbesserung in der Nutztierhaltung, hier haben wir den größten Hebel und können in der Breite Einfluss nehmen“, so Balz.
MSD: Human- und Tiermedizin unter einem Dach
Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen der Tier- und Humanmedizin, hier waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion uneingeschränkt einig, ist für viele Aspekte wichtig. Doch aktuell herrsche hier noch Luft nach oben. „Die Interaktionen der verschiedenen Bereiche wurden zu lange ignoriert, es wurde zu linear gedacht“, so Prof. Dr. Lothar Kreienbrock, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Auch Dr. Andreas Palzer, Fachtierarzt für Schweine und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte, betont, dass es einer Plattform bedarf, die einen zentralen und stetig aktuellen Austausch zwischen den Disziplinen auf Augenhöhe ermöglicht.
MSD leistet hier laut Dr. Klaus Schlüter, Medizinischer Direktor MSD, bereits einen wertvollen Beitrag zur Vernetzung des Human- und Tierbereichs: „MSD ist eines der wenigen Unternehmen, das in der Lage ist, unter einem Dach Arzneimittel und Impfstoffe für Tiere und für Menschen zu erforschen und zu entwickeln.“ Hier gebe es viel Erfahrungsaustausch und gemeinsame Entwicklungspotentiale – diesen Austausch möchte MSD weiterhin intensivieren. Klar ist für ihn, dass dies nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Unternehmens geschehen muss und das bereits bei der Ausbildung von Human- und Tiermedizinern.
Wie wir von der Pandemie lernen können
Covid-19 wirft ein besonders intensives Schlaglicht auf das Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt. Prof. Dr. Franz J. Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts und Leiter des Instituts für Epidemiologie ist überzeugt, dass es gerade vor dem Hintergrund dieser Pandemie wichtig sei, die verschiedenen Disziplinen zusammenzudenken: „60% der bekannten menschlichen Infektionskrankheiten sind zoonotischen Ursprungs. Wir müssen uns dieser Situation stellen und die Schuld nicht den Tieren zuweisen, sondern wir müssen uns überlegen, wie wir mit Tieren umgehen und mit der Umwelt, in der wir und die Tiere leben.“ Dazu gehöre auch die Frage nach den Ursachen und langfristige Präventions-Strategien, beispielsweise in dem man globale Mobilität kritischer in den Blick nimmt.
Die Tiermedizin trägt aktuell eine besondere Verantwortung für die Gesellschaft. Dies wurde jetzt, während der weltweiten Covid-19-Pandemie nochmal besonders deutlich. Nur ein ganzheitlicher Ansatz, der das Wohl von Menschen, Tieren und Natur als Einheit versteht, bringt langfristig Gesundheit auf allen Ebenen. Prävention ist wichtiger denn je: Krankheiten vorbeugen und Zoonosen verhindern durch Prävention und die Digitalisierung im Stall und im Haustierleben.
Die Panel-Teilnehmer im Überblick:
• Dr. Andreas Palzer (Fachtierarzt für Schweine, LMU- Dozent und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte)
• Dr. Leif Balz (Hauptstadtrepräsentanz – Food & Agrar, Schwarz Gruppe)
• Dr. Bernard Haidn (Landwirtschaftsdirektor Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Landtechnik und Tierhaltung)
• Dr. Klaus Schlüter (Medizinischer Direktor, MSD)
• Prof. Dr. Lothar Kreienbrock (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)
• Prof. Dr. Franz J. Conraths (Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Institut)
Verbundvorhaben InnoRind erarbeitet innovative Ansätze für die Rinderhaltung von morgen
Seit Mai 2021 fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Verbundvorhaben „InnoRind – zukunftsfähige Rinderhaltung in Deutschland unter Berücksichtigung von Tierwohl, Umweltwirkungen und gesellschaftlicher Akzeptanz“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen unter anderem die Aufzucht von Kälbern und Jungrindern und der Haltung von Mast- und Milchrindern. Unter der Leitung von Professor Georg Thaller von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät wurden die Kompetenzen im Bereich der Nutztierhaltung in Deutschland in einem deutschlandweiten Innovationsnetzwerk zur Rinderhaltung gebündelt. Die Aufgabe des Netzwerks besteht darin den Status quo der deutschen Rinderhaltung zu ermitteln, um Verbesserungspotentiale zu erkennen und die Umsetzung der Verbesserungen auf den Versuchsbetrieben zu planen.
„Für uns ist es etwas Besonderes, ein Verbundprojekt dieser Größe und dieser Bedeutung im Bereich Tierwohl koordinieren zu dürfen. Mit zehn Projektpartnern und ihren Versuchsbetrieben wollen wir innovative Haltungs- und Managementkonzepte für den Kälber-, Mast- und Milchviehbereich entwerfen, die das Tierwohl auf zahlreichen Rinderbetrieben in Deutschland verbessern können. Gleichzeitig legen wir einen Schwerpunkt auf die Reduzierung von Emissionen und die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Maßnahmen. Nur wenn der Verbraucher mitgenommen wird, können wir die Rinderhaltung auch für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig und wettbewerbsfähig gestalten“, so Nadine Schnipkoweit, Koordinatorin des Projektes vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung.
Schwerpunktthemen des geplanten Innovationsnetzwerks sind unter anderem die kuhgebundene Kälberaufzucht, bei der die Kälber nicht von den Kühen getrennt werden. Auch auf neue Möglichkeiten der Vermarktung männlicher Reinzuchtkälber sind auf der Agenda. In spezialisierten Milchviehbetrieben sind die Aufzuchtmöglichkeiten begrenzt und bei sinkender Nachfrage nach Rindfleisch bevorzugen Mastbetriebe Kälber von Rassen, deren Zucht stärker auf Fleischleistungsmerkmale ausgerichtet ist. Dies hat geringere Erlöse für Reinzuchtkälber aus Milchrassen zur Folge.
Im nächsten Schritt sollen die im Netzwerk erarbeiteten Ansätze auf den Versuchsbetrieben erprobt werden, um anschließend direkt von landwirtschaftlichen Betrieben umgesetzt zu werden.
Über InnoRind
Für die Projektdauer von sechs Monaten stellt das BMEL rund 300.000 Euro für die zehn Projektpartner bereit, davon gehen 96.500 Euro an die CAU. Zusätzlich zu den Projektpartnern sind zehn Versuchsbetriebe eingebunden, die weitgehend die Hauptregionen der Rinderhaltung in Deutschland repräsentieren.
Projektpartnerpartner:
• Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
• Georg-August-Universität Göttingen (UniGö)
• Hochschule Rhein-Waal (HSRW)
• Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
• Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV)
• Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LK NRW)
• Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LK SH)
• Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) e.V.
• Thünen-Institut für Ökologischen Landbau (TI-OL)
• Thünen-Institut für Betriebswirtschaft (TI-BW)
Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein (KMSH)
Auch das Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der CAU Kiel ist beteiligt. Es stellt eine mittlerweile überregional bekannte Plattform für Forschung, Innovation und Technologietransfer rund um die Milch dar und garantiert einen schnellen Transfer von Projektergebnissen in die landwirtschaftliche Praxis. Als Schnittstelle zwischen Praxis, Wirtschaft und Wissenschaft hat es in den vergangenen Jahren mehrere große Verbundprojekte erfolgreich koordiniert.
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) kritisiert den Entwurf des neuen TAMG scharf: „Der Entwurf steht in wichtigen Teilen im Widerspruch zu den Grundlagen des Tierschutzes. Tierärzt:innen wollen kranke Tiere bestmöglich behandeln – das neue Gesetz würde dies bei einigen Tierarten verhindern.“
Mit dem neuen Gesetz muss eine schon vor zwei Jahren erlassene EU-Verordnung umgesetzt werden, die schon im Januar 2022 in Kraft tritt. So werden alle Regelungen für Tierarzneimittel aus dem Arzneimittelgesetz gestrichen und in ein neues Tierarzneimittelgesetz überführt. In einem Schnellverfahren und ohne intensive Diskussion mit Tierärztlichen Verbänden will das Ministerium die Verordnung gerade noch fristgerecht umsetzen. „In diesem Schnellverfahren sind wichtige Aspekte zum Nachteil vieler Tierarten schlecht geregelt worden. Vor allem Tiere, die weder lebensmittelliefernde Nutztiere noch klassische Heimtiere sind, könnten nach dem neuen Gesetz oft nicht mehr auf dem Stand der Wissenschaft behandelt werden,“ ärgert sich Andreas Franzky, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.
So dürften beispielsweise Narkosemittel für bestimmte Zootiere wie Elefanten, Nashörner oder Zebras nicht mehr importiert werden. Das einzige wirksame Narkosemittel für diese Tiere wird nur in Südafrika hergestellt. Kann es nicht importiert werden, stünden die Tierärzte vor der Wahl entweder die Tiere nicht angemessen zu behandeln oder das Gesetz zu brechen. Eine Indikation zur Narkose könnte so ein Todesurteil für die betroffenen Tiere werden.
Auch für viele spezielle Heimtiere, von Schlangen über Papageien bis hin zu Zierfischen verschlechtert das Gesetz in der vorliegenden Fassung eine tierärztliche Versorgung. Gerade für die Behandlung von nicht alltäglichen Haustieren müssen Tierhalter:innen oftmals weite Strecken zu spezialisierten Fachtierärzt:innen in Kauf nehmen. Für die Fortsetzung einer Behandlung dürfen künftig keine Medikamente mehr an Tierhalter verschickt werden, eine ganz klare Benachteiligung für die erkrankten Tiere.
Verschlechtern wird sich auch die medizinische Versorgung von Tieren, die zwar grundsätzlich zu den lebensmittelliefernden Tieren gehören, aber letztlich nicht in den Lebesmittelkreislauf gelangen, da sie als Hobby- oder Haustiere gehalten und nicht geschlachtet werden. Nach dem neuen Entwurf dürfen dann nur die Medikamente eingesetzt werden, die für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen sind, dies trifft zum Beispiel das Ziergeflügel.
Weitere negative Auswirkungen sind beispielsweise für spezielle Tierarten zu erwarten, bei denen für Nutztiere zugelassenen Medikamente oft nicht wirksam sind.
Die TVT fordert die Politik auf, den Gesetzentwurf jetzt nicht im Eiltempo zu beschließen, sondern insbesondere unter Tierschutzgesichtspunkten ordentlich zu beraten. „Alle Tiere verdienen eine optimale Behandlung und dürfen nicht den Preis für das verspätete Handeln des Bundesministeriums bezahlen ,“ fordert Dr. Andreas Franzky.