Aktuelles zum Antibiotika-Monitoring in den Niederlanden

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Im neueste „Kamerbrief“ zum Thema Antibiotika schreibt die zuständige Ministerin Carola Schouten, dass die Anstrengungen niederländischer Tierhalter und Tierärzte seit 2009 zu einer Verringerung der Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung um 63,8% geführt haben.

Der MARAN-Bericht zur Überwachung von Antibiotikakonsum und Antibiotikaresistenzen bei Mensch und Tier zeigt, dass in den Niederlanden die Anzahl resistenter Bakterien bei Tieren in etwa gleich geblieben ist. Die Zahl der ESBL-produzierenden Darmbakterien, die zu den risikoreichsten Bakterien zählen, ist bei fast allen Tierarten, die für die Lebensmittelproduktion verwendet werden, weiter zurückgegangen. Nur bei Mastkälbern steigt die Zahl der ESBL-produzierenden Darmbakterien weiter an. De Universität Wageningen forscht derzeit nach den Ursachen für diesen Anstieg.

Die Dokumentation des Antibiotikaeinsatzes ist in der Ziegenhaltung noch nicht verpflichtend, soll jedoch eingeführt werden. Die Kaninchenhaltung wird seit 2016 überwacht und zeigt erhebliche Nutzungsschwankungen im Laufe der Jahre, was möglicherweise auf der Datenqualität zurückzuführen sei. Auch alle anderen Sektoren (einschließlich Heimtiere, Pferde und Schafe) werden bereits regelmäßig überwacht.

Im Geflügel-, Schweine- und Kälber-Sektor verringerte sich seit 20017 die Anzahl der „Hochverbraucher“ im Vergleich um 50%. Darüber hinaus sollen in der Kälberaufzucht bis 2022 weitere 15% Antibiotika eingespart werden. Voraussetzung hierfür sei eine erfolgreiche Einführung des Kalbsverfolgungssystems (KVS) und die Bekämpfung von infektiöser Rinder-Rhinotracheitis (IBR) und Boviner Rinder-Diarrhöe (BVD). Die Milchviehhaltung zeichne sich seit Jahren durch geringen Antibiotikaeinsatz und geringe Antibiotikaresistenzen aus, auch gäbe es hier fast keine „Hochverbraucher“

Der offizielle SDa-Bericht „Der Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren im Jahr 2018“ zeigt, dass der Einsatz von Wirkstoffen der 3. Generation in den meisten Branchen sehr niedrig bleibt, die Verkäufe von Colistin in den Niederlanden jedoch zugenommen haben. Das Expertengremium der „Stichting Diergeneesmiddelenautoriteit (SDa)“ hat die betroffenen Sektoren (Geflügel- und Schweinezucht) aufgefordert, eine Erklärung für diesen Anstieg zu liefern.

Goldener Hammer für Andrea Tipold

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Große Ehrung: Das European College of Veterinary Neurology würdigt Professorin Tipolds wissenschaftliche Leistung und ihren Einsatz für die tierärztliche Ausbildung.

2019 Professorin Dr. Andrea Tipold aus der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) erhielt im September auf der Jahrestagung des European College of Veterinary Neurology (ECVN) und der European Society of Veterinary Neurology (ESVN) den Malleus Aureus Award. Das ECVN würdigt mit der auch als „Goldener Hammer“ bezeichneten Ehrung jährlich eine herausragende Persönlichkeit, die außergewöhnliche Beiträge auf dem Gebiet der Veterinärneurologie geleistet hat.

In ihren Grußworten hoben Professorin Dr. Andrea Fischer, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Dr. Konrad Jurina, Tierklinik Haar, Tipolds wissenschaftliche Leistung und ihr großes Engagement für die tierärztliche Ausbildung hervor: „Neben einer außerordentlichen Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie nationalen und internationalen Präsentationen befasste sich die Preisträgerin intensiv mit der Ausbildung junger Neurologinnen und Neurologen. Sie betreute an der TiHo über 15 Diplomate-Anwärterinnen und Anwärter des ECVN und sieben an externen Institutionen. Andrea Tipold bietet regelmäßig postgraduale Lehrveranstaltung an und betreute zahlreiche Promotionsstudierende. Zudem unterrichtete sie tausende deutsche Tiermedizinstudierende.“ Alle Preisträgerinnen und Preisträger des Goldenen Hammers eint, dass sie die veterinärmedizinische Neurologie vorantreiben, um die veterinärmedizinische Versorgung zu verbessern.

Werdegang
Nach ihrem Tiermedizinstudium in Wien war Tipold für ein Jahr für die Firma Upjohn tätig. Im Jahr 1984 wurde sie Universitätsassistentin an der I. Medizinischen Klinik für Einhufer, Kleintiere und Geflügel an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Während diese Zeit arbeitete sie im Bereich Innere Medizin und schloss ihre Promotion ab. Es folgten eine Postdoc- und später eine Assistentin-Stelle am Institut für Tierneurologie der Universität Bern. Hier begann Tipolds Leidenschaft für die Veterinärneurologie. Sie machte die Ausbildung zum Diplomate of the European College of Veterinary Neurology und habilitierte sich mit Arbeiten zur Meningoenzephalitis beim Hund. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt als Postdoc an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia war sie als Wissenschaftlerin am Institut für Tierneurologie und an der Abteilung für Immunologie des Institutes für Veterinärvirologie der Universität Bern aktiv. Seit April 1999 ist Tipold Professorin für Neurologie an der Klinik für Kleintiere der TiHo.

Zusätzlich zu ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert sich Tipold für die tierärztliche Ausbildung. Seit dem Jahr 2002 ist sie Vizepräsidentin für Lehre an der TiHo und setzt sich seitdem auch im veterinärmedizinischen Fakultätentag dafür ein, das Tiermedizinstudium in Deutschland stetig zu verbessern und veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse in das Studium einfließen zu lassen. An der TiHo ist sie eine ständige Impulsgeberin für die Lehre. So setzte sie sich beispielsweise sehr für die Gründung eines Clinical Skills Lab für Studierende ein, trieb die Einrichtung einer professionellen E-Learning-Beratung sowie die Einführung und Erforschung neuer Didaktikmethoden in der Tiermedizin voran.

Quelle: TiHo

Die Zukunft der Rinderzucht neu definieren

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Leibniz-Wissenschaftler aus MV koordinieren millionenschweres internationales Forschungsprojekt

Wissenschaftler aus der EU, Kanada und Australien starten im September unter der Federführung des FBN ein großangelegtes Forschungsvorhaben, um Funktionen in der Erbsubstanz zu finden, die für die Diversität und Veränderung von Merkmalen bei Rindern relevant sind (BovReg*). Weltweit beteiligen sich daran zwanzig führende Labore, deren Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Fachbereichen ein globales interdisziplinäres Team bilden. Koordiniert wird das EU-Projekt mit einem Fördervolumen in Höhe von 6 Mio. Euro und einer Laufzeit von vier Jahren im Rahmen des EU-Forschungsprogramms H2020 von Professorin Dr. Christa Kühn, der Leiterin des FBN-Institutes für Genombiologie.
„Das FBN ist nicht nur erstmals der zentrale Koordinator eines derart bedeutenden EU-Projektes. Neben dem Projektmanagement sind wir auch mit zwei Teilinstituten, nämlich der Genombiologie und Fortpflanzungsbiologie, maßgeblich in der Forschung vertreten“, betonte FBN-Vorstand Professor Dr. Klaus Wimmers. „Dafür erhält das FBN EU-Forschungsgelder von insgesamt 1,1 Mio. Euro.“ Der offizielle Start (Kick-off) des Forschungsprojektes mit Wissenschaftlern aus allen 15 Partnerländern findet am 23. und 24. September in Dummerstorf statt.

Die Entschlüsselung des Rindes
Die Rinderhaltung steht im Spannungsfeld zwischen einer wesentlichen Rolle für eine effiziente Welternährung einerseits und kritischen Diskussionen hinsichtlich Tierwohls und Umweltfolgen andererseits. Trotz enormer Fortschritte in der funktionellen Genomanalyse und den modernen molekularbiologischen Forschungsmethoden bestehen nach wie vor große Wissenslücken im Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Erbanlagen und Umwelteinflüssen, die letztendlich das Erscheinungsbild eines Tieres, z.B. des Rindes, prägen.

„Das Forschungskonsortium wird daher eine umfassende Karte der funktionell aktiven Regionen im Rindergenom erstellen und aufklären, wie genetische Variationen sich innerhalb von verschiedenen Rassen oder zu unterschiedlichen Entwicklungsphasen auswirken“, erläuterte Prof. Christa Kühn. „Diese Schlüsselinformationen werden für eine zukunftsfähige Nutztierhaltung in der Praxis sowie auch für die Grundlagenforschung dringend benötigt.“

Mit BovReg werden detaillierte Kenntnisse über Merkmale des Rindes in Bezug auf Robustheit, Gesundheit und biologische Effizienz gewonnen. In dem Projekt geht es speziell auch um Eutergesundheit und eine Begrenzung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung. Neben den Experten aus der Rinderforschung sind in dem Verbund zahlreiche Spezialisten aus der Bioinformatik, Molekulargenetik, quantitativen Genetik, Tierzucht, Reproduktionsphysiologie, aber auch aus der Ethik und den Sozialwissenschaften vertreten. Aus den genetischen Analysen sollen internationale Standards erarbeitet und neue bioinformatische Methoden etabliert werden, die in das weltweite molekularbiologische Kompetenznetzwerk „Functional Annotation of Animal Genomes“ einfließen und allen Wissenschaftlern zur Verfügung stehen. Parallel zur ENCODE-Initiative, die sich der Funktionsweise des menschlichen Genoms widmet, befasst sich FAANG mit der Identifizierung funktionaler Schaltstellen in der tierischen Erbinformation. Das Know-how soll gezielt auch für bislang wenig verbreitete Rinderrassen von lokaler Bedeutung nutzbar sein und damit zur Erhaltung der biologischen Vielfalt der Nutztiere beitragen.

*BovReg – Identification of functionally active genomic features relevant to phenotypic diversity and plasticity in cattle (Identifizierung von funktional aktiven Bereichen im Genom, die für die Diversität und Plastizität von Merkmalen von Rindern relevant sind.)

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Nachhaltige Nutztierhaltung in den Niederlanden

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Carola Schouten, niederländische Ministerin für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität, hat am 4. September einen „Kamerbrief“ an die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments veröffentlicht, in dem sie ihre Pläne für größere Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft vorstellt.

Im Abschnitt über Nutztiere werden fünf Sektorpläne beschrieben (Schweine,
Milchvieh, Geflügel, Kälber und Milchziegen), nach denen die Tierhaltung in den Niederlanden weiterentwickelt werden soll. Diese Pläne sollen allerdings nicht statisch gelten, sondern während ihrer Implementierung fortlaufend neuen Erkenntnisse angepasst werden. Die Pläne sehen u. a. vor:

Schweine
+ Bis 2030 Entwicklung ganzheitlich-nachhaltiger Ställe zur Reduktion von Ammoniak bis 85%, Treibhausgasen bis 90%, Geruchsemissionen bis 70% und Feinstaub bis 50%
+ Entwicklung eines integralen Benchmarkentings für Tiergesundheit und Tierschutz
+ Entwicklung und Einführung eines digitalen Tierpasses ab 2022 für jedes Schwein
+ Für das routinemäßige Schwanzkupieren wurde, im Einvernehmen mit der Branche, ein Enddatum für 2030 festgelegt.

Milchvieh
+ Integrierter Ansatz für Methan- und Ammoniakemissionen in Übereinstimmung mit den Vereinbarungen des Klimaabkommens
+ Tierschutz- und Jungtierüberwachung im gesamten Bestand
+ Quartalsweise Veröffentlichung der Zahlen zur Kälbersterblichkeit

Kälber
+ Installation von min. 10 Demonstrations-Ställen, basierend auf einem integralen Design für Emissionsminderung und tierfreundlichen Böden sowie „smart collection“ von Gülle (Feucht- und Festanteile) bis 2020-2024
+ Bis 2024 sollen rund 1/3 der Ställe entsprechend angepasst sein, bis 2028 kann sich diese Zahl auf 2/3 verdoppeln
+ Das Reduktionsziel für den Antibiotika-Einsatz lautet, die Zahl der Unternehmen mit rotem Punktestand (Hochverbraucher) im Vergleich zu 2017 um 25% im Jahr 2022 und 50% im Jahr 2024 zu verringern
+ Ein „Vital Calf Health Score“ soll im Zeitraum 2020-2023 erstellt werden
+ Bis zum Jahr 2030 soll der Import von Kälbern, vor allem aus ferneren Ländern, um 20% sinken

Geflügel
+ Halbierung der Partikel-Emissionen innerhalb von 10 Jahren
+ Entwicklung hin zu 100% Non-Food- (für menschlichen Verzehr ungeeigneten) Rohstoffen
+ Entwicklung eines Benchmarkings zur Überwachung der Sterblichkeitsraten

Milchziegen
+ Bis 2022 sollen 100% der Milchziegenhalter am Programm für eine nachhaltige Ziegenmilchkette teilnehmen
+ Ein Monitoring für Antibiotika-Einsatz wird gestartet
+ Es werden Messungen von Treibhausgas- und Ammoniakemissionen durchgeführt

Kamerbrief zum Download (niederländisch)

Neues Gutachten zur Straußenhaltung – #TiHo-Tierschutztagung 2019

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Bereits 1994 veröffentlichte das BMEL ein erstes Gutachten zu den Mindestanforderungen an die Haltung von Straußenvögeln (außer Kiwis). Vor zwei Jahren wurde eine Expertengruppe mit der Überarbeitung des Gutachtens beauftragt und am 14. März dieses Jahrs die neue Fassung veröffentlicht. Dr. Michaele Knoll Sauer (LGL Bayern) stellte die Inhalte auf der Tierschutztagung 2019 vor, mit dessen Veröffentlichung sich einige Änderungen für Straußenhalter, speziell bei Neu- und Umbauten ergeben.

Für ein Zuchttrio sind jetzt 2.500 qm statt bisher 1.000 qm Gehegefläche vorgeschrieben und sogar 3.000 qm, wenn deine ganzjährige Beweidung nicht möglich ist. Auch der Flächenbedarf verschiedener Altersgruppen wurde neu bestimmt, ebenso die maximalen Gruppengrößen (angefangen mit 20qm Fläche für Tiere bis zur 2. Lebenswoche und einer Gruppengröße von 25 Tieren dieses Alters).

Zur Einfriedung empfiehlt sich eine Doppelzaun, mit einer Maschenweite, die deutlich größer als ein Straußenkopf ist.

Der Boden eines Geheges muss rutschfest sein und darf höchstens zu 10% verschlammen. Eine Grasnarbe soll ganzjährig vorhanden sein, häufig genutzte Bereiche mit Kies oder Sand aufgeschüttet werden.

Für alle Tiere muss ein trockener Sandbadeplatz vorhanden sein (Substrathöhe min. 20 cm), dessen Gesamtfläche altersgemäß angepasst werden muss. Ebenso ist pro Tier mindestens 1 qm Sonnenschutz vorgeschrieben. Ebenso muss ein Unterstand angeboten werden.

Weitere Vorsorge gegen Kälte und Nässe sind nicht erforderlich, allerdings müssen die Strauße vor kaltem und starkem Wind sowie starker Sonneneinstrahlung geschützt werden. Eine Stallheizung ist nur in der Aufzuchtphase erforderlich.

Für den Tierseuchenfall muss ein Unterbringungskonzept erstellt und ein Bestandsbuch geführt werden. Zusätzlich ein (jährlich überarbeitetes) schriftliches Programm zur tiermedizinischen Versorgung und Behandlung und Ernährung. Die tägliche persönliche Tierkontrolle ist natürlich Pflicht.

Das aktuelle Gutachten ist hier im PDF-Format abrufbar.

Puten mit ungekürztem Schnabel – #TiHo-Tierschutztagung 2019

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Jedem Putenmäster ist bewusst Der Verzicht aufs Schnabelkürzen wird – über Kurz oder Lang – bundesweit kommen. Dr. Eva Moors (LAVES) stellte anlässlich der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover die Empfehlungen einer „Arbeitsgruppe Puten“ im Rahmen des niedersächsischen Tierschutzplans vor.

Ab der 6. Lebenswoche sollten demnach Quader-Strohballen (zum Bepicken und Aufbäumen) angeboten werden, ebenso Heu in Körber, Netzen oder Ballen, sowie Pickblöcke mit grobkörnigen Einschlüssen oder auch Futterspender. Neben Stallklima und Beleuchtung kämen Futter und Rationsgestaltung die größte Bedeutung zu.

Bei den mittlerweile zahlreichen Feldversuchen habe sich erwiesen, dass bei Haltung von Puten mit intakten Schnäbeln intensive Tierkontrollen unabdingbar seien (mindestens 3- bis 4-mal täglich). Pickopfer könnten so schnellstmöglich separiert und ggf. notgetötet werden. Nach Absprache mit dem Tierarzt könnten vorübergehend auch Kochsalz, Magnesium oder Elektrolyte dem Trinkwasser beigemischt werden, was sich in der Praxis als hilfreich erwiesen habe.

Ein besonderes Problem stellt sich bei Putenhähnen: Mit einsetzender Geschlechtsreife ist aggressives Picken vor allem an Kopf und Stirnzapfen zu beobachten, das häufig zu schweren Verletzungen führt. Dank züchterisch verbesserter Beingesundheit und entsprechend höherer Mobilität, leben die Hähne ihre Aggressionen derart aus, dass auch Tierbetreuer und Amtstierärzte (bei der Schlachtgeflügeluntersuchung) nicht ohne spezielle Schutzmaßnahmen durch die Herde gehen können. Tierkontrolle und Nachstreuen werden in den letzten beiden Mastwochen genauso erschwert, wie das Separieren kranker oder die Entnahme toter Tiere.

Mit ihrer Empfehlung, unkupierte Puten zunächst in kleinen Versuchsgruppen zu halten und so individuelle Erfahrungen zu sammeln, liegt Eva Moors sicher richtig. Die Idee, monetäre Anreize für einen Kupierverzicht in der konventionellen Putenmast über einen Fond zu finanzieren, in den Halter von kupierten Herden einzahlen, damit Einbußen der Betriebe mit unkupierten Puten ausgeglichen werden können, dürfte dagegen auf wenig Gegenliebe stoßen.

Ein früherer Schlachttermin, bevor die Hähne das aggressivste Lebensalter erreichen, würde natürlich zu finanziellen Einbußen führen. Und auch die Einstallung nur weiblicher Tiere, wie es in Biobetrieben Usus ist, stellt nicht unbedingt eine Lösung dar. Zwar sind Hennen einfacher zu halten, aber Teilstückverwürfe am Schlachthof wegen Pickverletzungen nehmen auch bei ihnen zu.

(Über Praxis-Versuche in MuD-Betrieben zur Minimierung von Federpicken bei Mastputen haben wir bereits im März berichtet.)

Verbundforschung unter Göttinger Leitung untersucht neue Wege der Weidebewirtschaftung

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„Die moderne Viehhaltung verstärkt den Druck, Ackerflächen für die Futterproduktion zu nutzen. Das Ergebnis: Moderne Milchviehbetriebe treiben ihre Kühe gar nicht mehr auf die Weide“, vermeldet die Universität Göttingen in ihrer neuesten Pressemeldung. Im Projekt „GreenGrass“ untersuchen Forscherinnen und Forscher in einem überregionalen und interdisziplinären Verbund unter Leitung der Universität Göttingen, wie weidende Tiere zurück in die Landschaft gebracht und neue Wege einer nachhaltigen und effizienten Weidewirtschaft geschaffen werden können.

„Die zunehmende Intensivierung insbesondere der Milchviehhaltung bedrohen die Vielfalt des Grünlands und damit auch die Vielfalt an Pflanzen- und Insektenarten“, so Prof. Dr. Johannes Isselstein, Leiter der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen und Sprecher des Verbunds. Doch wie soll die Rückkehr zur Weidewirtschaft mit Milchkühen und Rindern funktionieren? Der Verbund nimmt dazu die Weiterentwicklung innovativer Technologien wie virtuelle Zäune und das Monitoring des saisonalen Angebots an Futterpflanzen auf der Weide durch modernste Fernerkundungssysteme ins Visier. Mit Hilfe dieser Technologien soll der immense Arbeitsaufwand der Weidewirtschaft reduziert und eine nachhaltige Weidenutzung ermöglicht werden. „Eine effiziente Weidewirtschaft kann den Nährstoffbedarf der Kühe weitgehend über frisches Gras decken und gleichzeitig die Menge an Kraft- und Ergänzungsfutter reduzieren“, so Isselstein.

Mit virtuellen Zäunen kann die Bewegung der Tiere auf der Weide gesteuert werden. Die Rinder verknüpfen dabei einen Warnton mit einem aversiven Reiz, sodass sie die virtuell gesetzte Grenze zu einer Teilfläche der Weide nicht mehr überschreiten. „Nach einer kurzen Lernphase haben die Rinder mehrheitlich die Assoziation des virtuellen Zauns anhand des Warntons erlernt und passen sich auch bei räumlicher Verschiebung der Fläche innerhalb weniger Stunden an“, sagt Dr. Juliane Horn von der Abteilung Graslandwissenschaft und Koordinatorin des Projekts. „Es gibt allerdings individuelle Unterschiede zwischen den Tieren. Einige meiden sofort nach dem ersten Kontakt den abgegrenzten Weidebereich, andere Tiere testen die virtuellen Zäune häufiger aus. Um das Tierwohl und die Praxistauglichkeit zu gewährleisten, müssen diese Unterschiede bei der Weiterentwicklung der Technologie berücksichtigt werden.“ Durch die Möglichkeit, virtuelle Zäune räumlich und zeitlich variabel zu setzen, kann die strukturelle und biologische Vielfalt des Grünlands verbessert werden, zum Beispiel können gezielt Altgrasstreifen und Habitate für bodenbrütende Vögel gefördert werden.

Die Verbundpartner aus Forschung, Wirtschaft und landwirtschaftlicher Praxis nehmen auch die transparente Produktion von Milch, Fleisch und öffentlichen Gütern aus dieser neuen Weidebewirtschaftung sowie deren sachgemäße Vergütung in den Blick. Das Verbundprojekt wird im Rahmen der BMBF-Richtlinie „Agrarsysteme der Zukunft“ über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 5,5 Millionen Euro gefördert, 1,3 Millionen gehen an die Universität Göttingen.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Niedersachsen untersagt Rindertransporte

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Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast untersagt Rindertransporte in die Drittländer Kasachstan, Usbekistan und Süd-Ostrussland. Ein entsprechender Erlass, damit Transporte nicht genehmigt werden, wurde heute an die zuständigen Behörden versandt.

Begründung: Nach vorliegenden Informationen muss davon ausgegangen werden, dass die im Rahmen von Tiertransportgenehmigungsverfahren
angegebenen Versorgungsstationen auf der Route Kasachstan/Usbekistan/Süd-Ostrussland nicht oder nur in unzureichenden Zustand existieren. Konkret handelt es sich dabei um Stationen in der Region Smolensk und Kaluga, in Moskau und in der Region Samara. „Die Erkenntnisse, die wir über diese Routen haben, sind erschütternd. Keine der dortigen Versorgungsstationen erfüllt die Vorgaben. Der Tierschutz muss bei jedem Transport, egal wie lange er ist, gewährleistet sein“, legte Ministerin Otte-Kinast fest.

Ausdrücklich wird in dem Erlass darauf hingewiesen, dass „in besonderem Maße“ die Plausibilität zu prüfen sei, falls andere Transportrouten in Richtung Kasachstan, Usbekistan bzw. Süd-Ostrussland beantragt werden.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Unsicherheit bei Schlachthöfen: Nur noch vier Monate Zeit für Anschaffung und Nachrüstung elektrischer Betäubungsgeräte und -anlagen

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Unklar ist, ob die derzeit auf dem Markt angebotenen Geräte für tierschutzkonforme Betäubung geeignet sind, da keine Bauartzulassung mit Funktionsprüfung erfolgt. Tierärztliche Verbände fordern deshalb eine entsprechende Zulassungspflicht.

Das Thema Elektrobetäubung von Schweinen im Rahmen der Schlachtung führt regelmäßig zu Schlagzeilen. Nicht nur von Journalisten, sondern auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen und amtlichen Kontrollen werden dabei inakzeptabel hohe Quoten an schlecht betäubten Schweinen festgestellt. Bis Ende 2019 müssen etliche Schlachtbetriebe aufgrund einer EU-Verordnung neue elektrische Betäubungsgeräte und -anlagen anschaffen oder Altgeräte umrüsten. Allerdings gibt es keine Zulassungspflicht, bei der die angebotenen Geräte auf ihre grundlegende Eignung für tierschutzkonforme Betäubung in der praktischen Anwendung geprüft werden.

Deshalb fordern die Bundestierärztekammer (BTK), der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt), die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Fleischhygiene, Tierschutz und Verbraucherschutz, dass das für Tierschutz zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Zulassungspflicht für Betäubungsgeräte auf den Weg bringt. Bis dahin sollte übergangsweise ein freiwilliges Prüfverfahren für Elektrobetäubungsgeräte durch ein unabhängiges Bundesinstitut angeboten werden.

Die Verfügbarkeit geprüfter bzw. zugelassener Geräte würde Schlachtbetrieben Rechtssicherheit beim Gerätekauf bieten, der zuständigen Behörde die Kontrolle erleichtern und nicht zuletzt eine erhebliche Verbesserung für den Tierschutz bei der Schlachtung mit sich bringen. Bislang überlässt die Bundesregierung den einzelnen Schlachtbetrieben die praktische Funktionsprüfung der Betäubungsgeräte.

Das hat fatale Folgen für den Tierschutz. „Das ist so, als müsste ein Autokäufer selbst prüfen, ob die Bremsen seines Neuwagens auch noch bei 180 km/h funktionieren. Selbst wenn Betäubungsgeräte sämtliche der im europäischen und nationalen Tierschutzschlachtrecht genannten elektrischen Anzeige- und Aufzeichnungsfunktionen sowie die Mindeststromparameter einhalten, ist dies kein Garant dafür, dass die Betäubungswirkung am Tier ausreichend ist. Einige Geräte sind dafür grundlegend ungeeignet“, so Prof. Thomas Blaha, stellvertretender Vorsitzender der TVT. Das hängt mit komplexen technischen Parametern zusammen, die nicht ausdrücklich im Tierschutzrecht geregelt sind.

„Die Bundesregierung muss von der Ermächtigung nach § 13a Abs. 5 TierSchG unverzüglich Gebrauch machen und ein Zulassungsverfahren für Betäubungsgeräte und -anlagen einführen. Die Tierschutz-Schlachtverordnung ist entsprechend dahingehend zu ergänzen, dass nur zugelassene Betäubungsgeräte und -anlagen verwendet werden dürfen“, fordert deshalb Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK.

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz TVT

Der Hoftierarzt E-Magazin 4/2019 – soeben erschienen

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Das E-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt kostenfrei registrieren

Resistenzen können sich auch ohne Antibiotika-Einsatz verbreiten

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Antibiotikaresistenzen verbreiten sich nicht nur dort, wo viele Antibiotika eingesetzt werden, schließen ETH-Forschende aus Laborexperimenten. Das bedeutet: Um Resistenzen einzudämmen reicht es nicht, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Man sollte auch die Verbreitung resistenter Keime blockieren.

Bakterien sind immer häufiger resistent gegen die gängigen Antibiotika. Vermittelt werden die Resistenzen häufig durch Resistenzgene, welche von einer Bakterienpopulation zur nächsten springen können. Eine gängige Annahme: Die Resistenzgene verbreiten sich vor allem dann, wenn Antibiotika im Einsatz sind. Erklären lässt sich dies mit Darwins Lehre: Nur wo Antibiotika eingesetzt werden, ist ein resistentes Bakterium gegenüber anderen Bakterien im Vorteil. In einer Umgebung ohne Antibiotika ergeben sich für resistente Bakterien keine Vorteile. Daher sind Gesundheitsexperten besorgt über eine exzessive Verwendung von Antibiotika und mahnen zu einem restriktiveren Einsatz.

Ein Team von Forschenden unter der Leitung von Wissenschaftlern der ETH Zürich und der Universität Basel entdeckte nun allerdings bei Darmbakterien einen zusätzlichen, bisher unbekannten Verbreitungsmechanismus für Resistenzgene, der unabhängig ist vom Einsatz von Antibiotika. «Das heißt: Antibiotika restriktiv einzusetzen ist zwar richtig und wichtig. Diese Maßnahme reicht allerdings nicht aus, um die Verbreitung von Resistenzen zu vermeiden», sagt Médéric Diard, heute Professor am Biozentrum der Universität Basel und bis vor kurzem noch an der ETH Zürich tätig. «Wenn man die Verbreitung von Resistenzgenen eindämmen will, muss man auch bei den resistenten Mikroorganismen selbst ansetzen. Man sollte dafür sorgen, dass sich diese nicht verbreiten können, zum Beispiel durch wirksamere Hygienemaßnahmen oder Impfungen.» Diard leitete die Forschungsarbeit zusammen mit Wolf-Dietrich Hardt, Professor für Mikrobiologie an der ETH Zürich.

Kombination zweier Resistenzmechanismen
Verantwortlich für den neuentdeckten Verbreitungsmechanismus sind persistente Bakterien, auch Persister genannt. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass nicht nur Bakterien mit Resistenzgenen eine Antibiotikabehandlung überleben, sondern auch diese Persister. Das sind Bakterien, die in einen temporären Dämmerzustand verfallen und ihren Stoffwechsel auf ein Minimum reduzieren können. Dadurch können sie von Antibiotika nicht mehr abgetötet werden. Bei den Salmonellen bilden sich diese «Schläfer-Formen», wenn die Bakterien vom Darminneren ins Körpergewebe eingedrungen sind. Im Gewebe können die Persister dann monatelang ein unauffälliges Dasein fristen, um später wieder aus ihrem Dämmerzustand zu erwachen. Sind die Bedingungen für das Überleben der Bakterien dann günstig, kann das zu einem Wiederaufflammen der Infektion führen.

Doch selbst, wenn die Persister keine neue Infektion verursachen, können sie sich nachteilig auswirken, wie die Wissenschaftler nun in der Fachzeitschrift Nature [https://rdcu.be/bQhUI] berichten. Bei den Salmonellen ist eine Kombination der beiden Resistenzmechanismen nämlich häufig: Persister, die zusätzlich kleine Erbgutstücke (Plasmide) mit Resistenzgenen tragen.

Reservoir für genetische Information
Wie die Forschenden in einem Mausmodell mit Salmonellen zeigten, sind diese Schläfer in der Lage, die Resistenz im Darm auch an andere Individuen der eigenen Art und sogar an solche anderer Arten weiterzugeben, etwa Kolibakterien aus der normalen Darmflora. Die Experimente zeigten, dass Persister ihre Resistenzgene sehr effizient weitergeben können, sobald sie aus dem Dämmerzustand erwachen und auf Bakterien treffen, die für eine Gen-Weitergabe empfänglich sind. «Die Resistenzplasmide nutzen also ihr persistentes Wirtsbakterium aus, um für längere Zeit in einem Wirt zu überleben und sich anschließend auf andere Bakterien zu übertragen. Das treibt ihre Verbreitung voran», erklärt ETH-Professor Hardt. Das Spezielle daran: Dieser Austausch geschieht völlig unabhängig davon, ob Antibiotika zugegen sind oder nicht.

Was die Forschenden bei Mäusen gezeigt haben, müsste nach ihrer Ansicht nun auch bei Nutztieren, die häufig unter Salmonelleninfektionen leiden, wie zum Beispiel Schweinen, genauer untersucht werden. Ebenfalls müsste untersucht werden, ob sich die Verbreitung von Resistenzen in Nutztierpopulationen durch Probiotika oder eine Impfung, die vor einer Salmonelleninfektion schützt, eindämmen ließe.

An dieser Forschungsarbeit beteiligt waren Forschende der ETH Zürich, der Universität Basel, des Universitätsspitals Basel und der Universität Uppsala. Die Arbeit wurde unterstützt durch das Nationale Forschungsprogramm Antimikrobielle Resistenz (NFP 72 [http://www.nfp72.ch/de]).

Quelle: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Forschung für neue Tierarzneimittel

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Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie investiert jährlich hohe Summen in die Forschung. Mit rund 11,8 Milliarden Euro entsprechend 5 % des Umsatzes wurde 2018 ein neuer Rekord / eine neue Rekordsumme erreicht. Auch in der vergleichsweise kleinen Branche der veterinärpharmazeutischen Industrie hat Forschung einen hohen Stellenwert. Weltweit werden etwa 8 bis 10 % des Umsatzes von den Unternehmen der Branche in die Forschung investiert. Neue Medikamente für die Behandlung von Krankheiten bei Hund, Katze und Nutztieren, aber auch Impfstoffe können so bereitgestellt werden.

Obwohl deutlich kleiner als die chemische Industrie und der Markt für Humanarzneimittel, sind auch im Veterinärsektor hohe Aufwendungen erforderlich, um neue Produkte auf den Markt zu bringen. Bis zu zehn Jahre können zwischen der Entdeckung eines neuen Wirkstoffes bis zum Verkauf des fertigen Tierarzneimittels liegen. Die Kosten für die Entwicklung können bis zu 150 Millionen Euro betragen. Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit für Mensch, Tier und Umwelt werden im Rahmen des Zulassungsverfahrens geprüft.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

Staatliches Tierwohlkennzeichen

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ZDG fordert Gesamtpaket mit vorbereitenden Änderungen im Bau- und Umweltrecht und am Ende Pflichtlabel
Deutlichen Nachbesserungsbedarf sieht die deutsche Geflügelwirtschaft bei dem am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzespaket für mehr Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft. Konkrete Kritikpunkte sind die vorgesehene Freiwilligkeit des staatlichen Tierwohlkennzeichens, die fehlende Einbettung der geplanten Regelungen in dringend nötige Anpassungen beim Bau- und Umweltrecht sowie die aktuell nicht gesicherte Mehrkostenerstattung für die Landwirte.

Freiwilliges Label – keine Breitenwirkung, klare Wettbewerbsnachteile
„Ein freiwilliges Label wird niemals die gewünschte Breitenwirkung erzielen und ist mit deutlichen Wettbewerbsnachteilen verbunden“, sagt Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG). Die deutsche Geflügelwirtschaft begrüßt es daher sehr, dass Bundesministerin Julia Klöckner sich kurzfristig bei der Europäischen Kommission in Brüssel um ein Pflichtlabel bemühen will.

Mit bloßem Label ist es nicht getan – Anpassungen im Bau- und Umweltrecht nötig
„Mit einem bloßen Label ist es nicht getan!“, mahnt ZDG-Präsident Ripke. „Die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen im Bau- und Immissionsrecht müssen sich dringend ändern, sonst bleibt das Label bloße Theorie. Eine ,Tierwohlverbesserungsgenehmigung‘ muss im Bau- und Immissionsschutzrecht umgehend etabliert werden. Unsere Landwirte sind absolut bereit für mehr Tierwohl in ihren Ställen – aber die Politik muss sie jetzt auch in die Lage versetzen, nötige bauliche Anpassungen an die Tierwohlkriterien umzusetzen. Wir brauchen endlich eine tragfähige, zukunftsorientierte Lösung für den Zielkonflikt von Tierwohl und Umweltschutz.“

Tierwohlprämie: Erstattung der Mehrkosten muss gesichert sein
„Die vollständige und gesicherte Erstattung der Mehrkosten für unsere Bauern muss Kernbaustein bei der Tierwohlkennzeichnung sein“, erneuert Ripke zudem die Forderung der Geflügelwirtschaft nach einer Tierwohlprämie. Der ZDG-Präsident ist optimistisch, dass die geforderten Änderungen noch erzielt werden können: „Wir setzen hier stark auf die parlamentarische Debatte und die Ergebnisse des von Bundesministerin Klöckner eingesetzten Kompetenznetzwerks Nutztierstrategie. Es braucht einen Gesellschaftsvertrag, breit getragen vom Erzeuger über den Handel bis hin zum Verbraucher.“

Quelle: ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.

Stoffstrombilanz mit der Ileitis-Impfung verbessern

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Studien* zeigen, dass die Stabilisierung des Darms durch die Ileitis-Impfung auch auf die Rohproteinverdaulichkeit und die Verdaulichkeit von organischer Substanz signifikante Auswirkungen hat. Tageszunahmen und Futterverwertung verschlechtern sich bereits bei sehr niedrigem Lawsonieninfektionsdruck deutlich. Ein auf den Punkt optimiertes Futter wird jedoch stets an dem Bedarf gesunder Schweine ausgerichtet. Eine nährstoffexakte Fütterung vermeidet die Ausscheidung von überschüssigen Nährstoffen. Das hilft, die N- und P-Ausscheidungen weiter zu reduzieren und den rechtlichen Vorgaben der Dünge-Verordnung zu entsprechen.

Lawsonien, die Erreger der Ileitis beim Schwein, sind auf deutschen Betrieben endemisch vorhanden. Lawsonien führen zum Auseinanderwachsen der Mastpartien und damit zu großen wirtschaftlichen Verlusten für die Betriebe. Eine verschlechterte Rohproteinverdaulichkeit bedeutet auch eine erhöhte N-Abgabe über die Gülle. Die Ileitis-Impfung hat bewiesen, dass sie eine um 0,1 bis 0,5 kg/kg verbesserte Futterverwertung erbringen kann. Im Hinblick auf die Futterkosten und dem günstigen Preis für die Impfung sind die Impfstoffkosten bereits bei einer um 0,05 kg/kg verbesserten Futterverwertung wieder erwirtschaftet. Ein gesunder Darm ist die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung eines modernen Fütterungskonzeptes.

Informieren Sie sich über die Ileitis-Impfung über das Trinkwasser oder die Flüssigfütterung – in Flatdeck oder Mast. Darmgesundheit kann so einfach sein: www.ileitis.de

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an: Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Tel.: 06132-77- 5725.

*Mischok, J. et al. (2013), Proc. 17th ESVCN, S.18.

Quelle: Boehringer Vetmedica

Kein Absetzferkeldurchfall bei guter Futteraufnahme vor dem Absetzen

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Wie beeinflusst die Futteraufnahme von Ferkeln vor dem Absetzen die Entstehung von Absetzferkeldurchfällen und die Leistung dieser Ferkel nach dem Absatz? – Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Studie, die am Nutrition Innovation Centre (NIC) von ForFarmers in Zusammenarbeit mit Studenten der Universitäten Wageningen (NL) und Löwen (BE) durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

Dabei wurde auch erstmalig ein neuer methodischer Untersuchungsansatz verwendet. So wurde die Kotkonsistenz je Ferkel zu verschiedenen Zeitpunkten intensiv bestimmt, um Unterschiede zwischen den Ferkeln mit und ohne Absetzferkeldurchfall zu beobachten. Zudem wurden 412 Ferkel mit Kameras und unter Einsatz von Farbmarkern beobachtet und intensiv gewogen.

Große Unterschiede durch die Futteraufnahme
Die Studie bestätigte, dass sich nach dem Einstallen in die Ferkelaufzucht die Kotkonsistenz verschlechtert. Das größte Risiko von Absetzferkeldurchfällen bestand um Tag 5 – 6 nach dem Absetzen. Danach verbesserte sich die Kotkonsistenz schnell wieder. Eine gute Futteraufnahme vor dem Absetzen ist offenbar die wichtigste Voraussetzung zur Verringerung des Risikos von Absetzferkeldurchfällen.

Bei einem Ferkel mit einer guten Futteraufnahme vor dem Absetzen ergab sich ein etwa halb so hohes Risiko auf Absetzferkeldurchfall wie bei einem Wurfgenossen ohne Futteraufnahme (Abb. oben).

Innerhalb eines Wurfs gibt es große Unterschiede in der Futteraufnahme. Die Anzahl an Ferkeln mit Futteraufnahme vor dem Absetzen ist auch vom Alter abhängig. Die letzten zehn Tage vor dem Absetzen stieg die Anzahl fressender Ferkel von 62 Prozent auf 86 Prozent, bei einem durchschnittlichen Absetzalter von 28 Tagen (Abb. rechts).

Effekt der Gesäuge-Position
Die Lage am Gesäuge hat zwar einen großen Einfluss auf das Absetzgewicht, hat jedoch kaum Einfluss auf die Entstehung von Absetzferkeldurchfall. Es zeigte sich, dass die leichtesten Ferkel im hinteren Teil des Gesäuges liegen. Diese Ferkel werden in der Regel leichter geboren und behalten diesen Gewichtsrückstand im Abferkelstall.

Die Differenz im Absetzgewicht vergrößert sich auf etwa ein halbes Kilogramm. Allerdings sind diese Ferkel etwas gieriger bei der Futteraufnahme vor dem Absetzen, um ihre schlechtere Position am Gesäuge zu kompensieren.

Ein höheres Risiko in Bezug auf Absetzferkeldurchfälle kann daher nicht prognostiziert werden. Wenn die leichteren Ferkel ab dem Abferkeln einen guten Start haben, ist das Wachstum dieser Ferkel kaum schlechter als das von Wurfgenossen mit einer besseren Lage am Gesäuge. Dadurch sind die Gewichtsunterschiede im Alter von acht Wochen nicht viel größer als beim Abferkeln.

Empfehlung für die Praxis
Es bestehen große Unterschiede im Fressverhalten innerhalb eines Wurfs und auch die Milchproduktion der Sauen ist unterschiedlich. Viele Ferkel profitieren von einer guten Milchaufnahme und werden deshalb vor dem Absetzen wenig Beifutter fressen. Eine gute Futteraufnahme vor dem Absetzen ist wichtig, um das Risiko auf Abferkeldurchfälle um Tag 5 – 6 nach dem Absetzen zu verringern. Da der Anteil an Ferkeln, die vor dem Absetzen fressen, zunimmt, je älter die Ferkel werden, hat das Absetzalter einen großen Einfluss. Außerdem ist es wichtig, die Ferkel zu trainieren. Empfohlen wird heute, mehrmals täglich eine kleine Portion Frischfutter zu geben. Dabei sollte sich die Futterschüssel in Kopfnähe der Sau befinden.

Quelle: ForFarmers Langförden GmbH

Verbessert Magnesium das Wohlbefinden von Schweinen?

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Schweine erfahren zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Leben Stress. Um das Wohlbefinden  während dieser stressigen Ereignisse zu verbessern, bieten sich Enrichment-, Handling- und Ernährungsstrategien an. Ein erhöhter Magnesiumspiegel wirkt z. B. auf Pferde beruhigend, entsprechende Versuche haben gezeigt, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Phytase die Verfügbarkeit von Mineralien, einschließlich Magnesium, erhöhen. Ob Magnesium als Futterzusatz mit oder ohne Phytase aggressives oder stressbedingtes Verhalten reduzieren kann, war die Ausgangsfrage einer aktuellen englischen Studie.

Zu diesem Zweck wurden 240 Edelschwein/Landrasse-Kreuzungsferkel im Alter von ungefähr 4 Wochen abgesetzt und zu je 5 Tieren Buchten zugeordnet (ausgeglichen nach Gewicht, Geschlecht und Wurf). Beim Absetzen wurden zwei Tiere pro Fünferbucht ausgewählt (44 weiblich, 52 männlich), um an ihnen Läsionen zu bewerten. Ab 20 Tage nach dem Absetzen wurden vier verschiedene Futtermischungen bis zum Alter von 13 Wochen angeboten: A (Kontrolle), B (0,15% supplementiertes Magnesiumphosphat), C (0,03% supplementierte Phytase) und D (0,15% Magnesiumphosphat und 0,03% Phytase).

Fünf Wochen nach dem Absetzen wurden die Buchten gemischt und je zehn Tiere in neue gruppiert. Die Tier- und Futtergewichte wurden am ersten Tag des Versuchs, am Tag vor der Neugruppierung und am Ende des Versuchs aufgezeichnet, um die Berechnung der Leistungsparameter zu ermöglichen.

Läsionen wurden wöchentlich nach einem fünfstufigen System bewertet: Schwanzwert, Ohrwert (Summe beider Ohren) und Körperwert (Summe aller Hauptkörperbereiche (linke und rechte Flanke, Hinterhand, Schultern und Rücken). Friedman-Tests wurden benutzt, um die Körper-, die Ohren- und Schwanz-Scoring in Bezug auf die Ernährung und den Zeitpunkt (vor oder nach der Neugruppierung) zu bewerten.

Wie erwartet gab es einen signifikanten Effekt des Testzeitpunkts (vor oder nach der Gruppierung) (P ≤ 0,01) auf die Anzahl von
Körper-Läsionen (Mittelwert vor = 5,1, nach = 12,8),
Ohr-Läsionen (Mittelwert vor = 1,7, nach = 3,8)
und Schwanz-Läsionen (Mittelwert vor = 0,21, nach = 1,03).

Auch zwischen den Futtermischungen zeigten sich teils signifikante Unterschiede: B (Mittelwert = 11,6) und C (Mittelwert = 14,3) und C und D (Mittelwert = 12,2) bei der Anzahl von Körperläsionen.

Schweine die Phytase (C = 0,03% supplementierte Phytase) erhielten, wiesen eine höhere Anzahl von Läsionen auf, als die beiden Magnesiumdiäten. Es gab jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den Futtermischungen bei der Zahl von Ohr- und Schwanzläsionen.

Insgesamt reduzierte Magnesium die Anzahl der Körperläsionen, was nach Ansicht der britischen Forscherinnen auf Vorteile von Magnesium für das Wohlbefinden von Mastschweinen deuten könnte.

Emily V. Bushby1, Helen Miller1, Louise Dye2, Kayleigh Almond3 und Lisa M. Collins1 1 Universität Leeds, Fakultät für Biowissenschaften, Leeds, LS2 9JT, Vereinigtes Königreich, 2 Universität Leeds, Fakultät für Medizin und Gesundheit, Leeds, LS2 9JT, Vereinigtes Königreich, 3Primary Diets, Melmerby, Ripon HG4 5HP, Vereinigtes Königreich; bsevbu@leeds.ac.uk

Einfluss von Mutter-Kontakt auf Emotionalität und soziale Kompetenz bei Milchkälbern

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In einer neuen Studie haben Janja Sirovnik et al., den Einfluss des mütterlichen Kontakts in den ersten 14 Lebenstagen auf Ängstlichkeit und soziale Kompetenz von Kälbern untersucht. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass Kälber mit Mutterkontakt (n = 12) weniger Lautäußerungen, längere Erkundungs- und Fortbewegungszeiten und eine geringere Beweglichkeit aufweisen und während der Konfrontation mit einer fremden, erwachsenen Kuh wachsamer und unterwürfiger sind als Kontrollkälber (n = 12, innerhalb 24 h nach der Geburt getrennt von den Müttern).

Kälber mit Kontakt konnten nicht säugen, hatten aber in den ersten fünf Lebenstagen fast ununterbrochen Kontakt zu ihren Müttern (getrennt wurden sie nur während des Melkens). Vom 6 bis zum 14 Tag wurden die Kälber täglich für 12 Stunden von ihren Müttern getrennt. Nach 14 Tagen wurden die Kälber beider Gruppen (mit und ohne Kontakt) in Gruppen von bis zu vier Tieren ohne visuellen und taktilen Kontakt mit der Mutter gehalten.

Um mögliche Einflüsse von Mutterreaktionen auf Kälberstress, begannen die Tests nach der endgültigen Trennung von Kälbern mit Kontakt im Alter von 14 Tagen. Jedes Kalb wurde in Abständen von sieben Tagen in drei Tests der folgenden Reihenfolge getestet: Freilandtest (OF), Test mit neuartigem Objekt (NO) und Konfrontationstest (CO) mit einer unbekannten erwachsenen Kuh. 15 Minuten je Test wurde das Verhalten der Kälber aufgezeichnet: Häufigkeit der Fortbewegung, Vokalisierung, Ausscheidungen und Dauer der Pflege, Erkundung der Testarena, vollständige Immobilität (in allen Tests) und Spiel (NO, CO) sowie alle Sozialverhalten beider Tiergruppen (CO).

Ein Wilcoxon-Rang-Summen-Test (Python, SciPy 3.6.5) wurde verwendet, um Unterschiede in den aufgezeichneten Parametern zwischen Test- und Kontrollgruppen in jedem Test zu bewerten.

Beide Hypothesen wurden bestätigt: Kälber mit Mutterkontakt zeigten weniger angstbedingtes Verhalten (weniger Lautäußerungen im Freiland und kürzere Immobilität bei Konfrontation) sowie Anzeichen einer stärkeren sozialen Vorsicht (größere Häufigkeit und Dauer der Wachsamkeit während der Konfrontation mit einer unbekannten Kuh) als Kontrollkälber. Andere Verhaltensweisen unterschieden sich nicht.

Die Forscherinnen schließen aus den Versuchsergebnissen auf einen positiven Einfluss des mütterlichen Kontakts durch Angstminderung bei den Kälbern in nicht-sozialen Kontexten und auf größere Vorsicht gegenüber unbekannten Kühen, was auf eine verbesserte soziale Kompetenz hindeuten könne.

Autorinnen: Janja Sirovnik, Noemi Santo und Uta König von Borstel Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Tierzucht und Genetik; Sektion Tierhaltung, Verhalten und Wohlbefinden, Leihgesterner Weg 52, 35392 Gießen, Deutschland; janja.sirovnik@agrar.uni-giessen.de

Marktforschung zeigt Aufholbedarf bei Schmerzlinderung für Mastitiskühe

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Egal wie schwer eine Mastitis verläuft, sie bereitet der Kuh immer Schmerzen. Eine aktuelle Umfrage bei 1.011 Milchviehhaltern durch AgriDirect aus Viersen hat ergeben, dass nur 10 % der befragten Betriebe immer oder fast immer bei der Mastitisbehandlung zusätzlich ein Schmerzmittel (Entzündungshemmer) einsetzen. Hingegen 75 % der Landwirte gewähren ihren Kühen die Schmerzlinderung bei Mastitis nie oder nur selten – trotz der vielen vorliegenden Fakten zu positiven Effekten einer zusätzlichen Schmerzmitteltherapie.

Experten sehen hier dringenden Beratungsbedarf, denn die Forderung nach mehr Tierwohl beinhaltet u.a. auch Maßnahmen zur Schmerzlinderung. Deswegen empfehlen Tierärzte therapiebegleitend die Gabe eines Entzündungshemmers. Dazu gibt es NSAIDs (nicht-steroidale Entzündungshemmer) und Cortisone (steroidale Entzündungshemmer, z.B. Prednisolon). Für den Einsatz des NSAIDs Meloxicam zusätzlich zum Antibiotikum konnten in Studien* positive Effekte auf die Heilungsrate, die Zellzahl und die Abgangsrate bei Mastitis gezeigt werden, für Cortisone wie z.B. Prednisolon liegen solche Daten bisher so nicht vor.

Weiterhin ergab die Umfrage durch AgriDirect, dass 86 % der Milchviehhalter, die aktuell prednisolonhaltige Euterinjektoren einsetzen (177 von 1011), auf das Cortison im Injektor verzichten würden. Hierzu ist Ihr Tierarzt Ansprechpartner Nr. 1.

Boehringer Ingelheim unterstützt Landwirte und Tierärzte in einer nachhaltigen Mastitistherapie und mehr Tierwohl. Weitere Informationen erhalten Sie bei Boehringer Ingelheim Vetmedica, www.ubrocare.de, Tel.: 06132-77-92888.

*Mc Dougall et al. 2016

Quelle: Boehringer Ingelheim Vetmedica

ASP: Jetzt Betriebe vorbereiten und Märkte festigen

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Ein Seuchenzug mit globaler Auswirkung
Vor allem in China aber auch in anderen Teilen Asiens grassiert zurzeit die Schweinepest. In China sind bereits mehr als eine Million Tiere daran erkrankt. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ist die bisher größte globale Tierseuche und ihre kurz- und mittelfristigen Auswirkungen dürfen nicht unterschätzt werden. Vor allem deutsche schweinehaltende Betriebe sollten sich jetzt konsequent darauf vorbereiten, so das Futtermittelunternehmen ForFarmers.

Da die globalen Auswirkungen des Krankheitsausbruchs unumstritten und an den Märkten auch schon spürbar sind, stellt sich aktuell die Frage, wie die chinesische Proteinlücke geschlossen werden kann und welche Handlungsalternativen sich daraus für europäische Schweinehalter ergeben. Der erste Ausbruch in China hat sich inzwischen auf die Nachbarländer Vietnam und Kambodscha ausgeweitet, auf die mehr als 57 % der weltweiten Schweinebestände entfallen und auch in Japan erschienen Berichte über infiziertes Schweinefleisch.

Erheblicher Produktionsrückgang
Während die Entwicklung eines effektiven ASP-Impfstoffs Fortschritte macht, prognostizieren die meisten Analysten für 2019 einen Rückgang der schweinefleischproduktion in China um 25-35 % und einen weiteren Rückgang für das Jahr 2020. Pläne zur Seuchen- und Tilgungskontrolle wurden auf Provinz- und nationaler Ebene eingeführt, aber selbst die optimistischsten Prognosen gehen davon aus, dass es bis mindestens 2022 dauern wird, bis sich der chinesische Bestand vollständig erholt hat.
Kann die Welt die Proteinlücke schließen?

Chinas jährliche Proteinnachfrage (Schweinefleisch, Geflügel, Meeresfrüchte, Rindfleisch, Lamm und Eier) lag 2018 bei 190 Mio. t. Die katastrophalen Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest auf die heimischen Schweinebestände werden in China eine Lücke von ca. 10 Mio. t verursachen, die mit der Expansion der heimischen Geflügel- und Aquaindustrie gefüllt werden muss (u.a. Rabobank, 2019).

Neue Positionen zu besetzen
Globale Schweinefleisch-Exportländer reagieren bereits auf diese Chance. Der Umfang und die Größe ihrer Expansion werden jedoch nicht ausreichen, um die Lücke in den Jahren 2019-2020 zu schließen.

Hinzu kommen die anhaltenden Handelsspannungen zwischen China und den USA, dem zweitgrößten weltweiten Schweinefleischexporteur in die EU, und das starke Ungleichgewicht bei der weltweiten Angebotsnachfrage ist offensichtlich. Die weltweiten Schweinefleischpreise haben entsprechend mit deutlichen Anstiegen im ersten Halbjahr 2019 reagiert.

Handlungsbedarf in der EU
In den vergangenen Jahren stagnierte der Schweinefleischmarkt in der EU. Der rückläufige Inlandsverbrauch sowie strengere Tierschutz- und Umweltkontrollvorschriften haben dazu geführt, dass der Zuchtbestand in der EU im Zeitraum 2015-2018 um 4,3 % zurückgegangen ist. Technische Verbesserungen haben jedoch im gleichen Zeitraum zu einem Anstieg der Schweinefleischerzeugung um 3 % geführt.

Die Folgen dieses Anstiegs der EU-Produktion auf einem stagnierenden Markt waren in den letzten drei Jahren schwache inländische Schweinefleischpreise und niedrige finanzielle Erträge für die Erzeuger sowie eine zunehmende Abhängigkeit von den Ausfuhren aus Drittländern, um den Gesamtschlachtkörperwert zu stützen.

Aber diese Situation hat sich aus Sicht der Experten durch die ASP in China geändert. Über die erste Jahreshälfte in 2019 sind die durchschnittlichen Schweinefleischpreise in der EU um etwa 31 % von 140 €/100 kg auf 183 €/100 kg gestiegen (siehe auch Tabelle* hierunter). Während heute die Auswirkungen der chinesischen Herdenliquidation deutlicher werden, verstärken sich die Erwartungen, dass es für den Rest des Jahres 2019 und bis 2020 mehr Aufwärts- als Abwärtspotenzial für die Preise in der EU gibt, vorausgesetzt, die EU kann einem weiteren Fortschreiten der ASP selbst entkommen.

Angesichts dieser Entwicklung scheint es unerlässlich, dass auch die Schweinezüchter in der EU reagieren, um diese Chance zu nutzen. „Die Schweinehalter müssen jetzt Produktion und Gewinn optimieren, um ihre Unternehmen wiederaufzubauen, umzustrukturieren und auf diese Weise sicherzustellen, dass sie den unvermeidlichen „Sturm“ überstehen können, wenn sich die chinesische Produktion erholt und wir in eine Phase des globalen Überangebots eintreten“, so Andrew Knowles, Marketing Director Swine bei ForFarmers.

ForFarmers Portfolio zur Ausnutzung des genetischen Potenzials
Das ForFarmers Portfolio des NOVA-Sauenkonzepts, des VIDA-Ferkelkonzepts und des kürzlich eingeführten ULTRA Mastschweine-Konzepts wurde mit dem Ziel entwickelt, das genetische Potenzial der Schweine bestmöglich auszunutzen. „Doch der Schlüssel zur wirklichen Maximierung bei der Erzeugung liegt darin, wie man die richtige Ernährung mit Produktionsmanagementsystemen verknüpft und wie die Leistung z.B. auch mithilfe von unserem Datenanalysetool agroscoop® gemessen und ausgewertet wird“, ist sich Dr. Andreas Stukenborg, Produktmanager Schwein bei ForFarmers für Deutschland sicher.

Der Wert der zusätzlichen Leistung für Sauen, Ferkel und Mastschweine wird in der folgenden Tabelle* verdeutlicht.

Quelle: ForFarmers Langförden GmbH

Wie Bienen mit Bakterien leben

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Über 90 Prozent aller Bienenarten sind nicht in Völkern organisiert, sondern schlagen sich alleine durchs Leben. Auch sie sind bedroht. Würzburger Fachleute plädieren dafür, die Ökologie dieser Insekten besser zu erforschen.

Eine Apfelplantage im Frühling. Die Bäume stehen in voller Blüte. Doch damit sie im Herbst auch Ertrag liefern, müssen Arbeiter über Wochen hinweg eine wahre Fusselarbeit leisten: Jede einzelne Blüte wird mit Pinseln manuell bestäubt – denn es gibt keine Bienen mehr, die diese Arbeit erledigen. Keine schöne Zukunftsvision. Aber in manchen Regionen Chinas ist das schon Realität. Und Berichte über das Verschwinden der Bienen kommen von der ganzen Welt.

Der genaue Grund für das Bienensterben ist nicht bekannt. Pestizide aus der Landwirtschaft, Vernichtung der Lebensräume, Krankheitserreger – vermutlich spielen mehrere Faktoren zusammen. Einen weiteren Faktor rückt jetzt eine Forschungsgruppe der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg in den Blick. Es sind die Bakterien, die in und mit Bienen leben. Viele von ihnen sind wichtig für die Gesundheit der Bienen. Leiden sie, leiden auch die Bienen.

Viele Beziehungen zwischen Bienen und Bakterien
Im Darm der Honigbienen zum Beispiel siedeln Bakterien, die beim Verdauen der Nahrung mithelfen und das Immunsystem der fleißigen Insekten stimulieren. Auch im Bienenstock leben nützliche Mikroben – manche von ihnen sondern Antibiotika ab und verhindern auf diese Weise, dass sich schädliche Pilze ausbreiten.

„Die meisten Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet widmen sich sozialen Bienen, vor allem der westlichen Honigbiene Apis mellifera“, sagt Dr. Alexander Keller vom Biozentrum der JMU. Einzeln lebende Bienen dagegen hätten hier bislang nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. Dabei haben gerade diese sogenannten Solitärbienen als Bestäuber eine große ökologische Bedeutung für die Umwelt und die Landwirtschaft. Mehr als 90 Prozent der 17.500 Bienenarten, die man weltweit kennt, sind Solitärbienen.

Honigbienen nur begrenzt als Modell geeignet
Es sei deutlich mehr Forschung nötig, um die Beziehungen zwischen Solitärbienen und Mikroben besser zu verstehen und dadurch dem Bienensterben vielleicht besser begegnen zu können, so Keller. Denn viele Arten von Solitärbienen seien bedroht oder schon ausgestorben.

Bisher gehe die Forschung davon aus, dass die an Honigbienen gewonnenen Erkenntnisse auf Solitärbienen übertragbar sind. Das aber sei – trotz einiger grundlegender Gemeinsamkeiten – nur sehr begrenzt möglich. Zu diesem Schluss kommt die JMU-Forschungsgruppe in einem Übersichtsartikel, den das Journal „Trends in Microbiology“ veröffentlicht hat. Darin ist der aktuelle Forschungsstand über die Gemeinschaften aus Bienen und Mikroben zusammengefasst.

Die zentrale Erkenntnis: Solitärbienen werden bei der Etablierung ihrer Beziehungen mit Mikroben deutlich stärker von Umweltfaktoren und vom Menschen herbeigeführte Veränderungen beeinflusst als sozial organisierte Bienen. Die Konsequenzen, die sich zum Beispiel aus dem Klimawandel, landwirtschaftlichen Veränderungen und Habitatszerstörung ergeben, sind noch nicht geklärt und benötigen eine speziell auf Solitärbienen abgestimmte Forschung.

Das Team um Alexander Keller erforscht derzeit gemeinsam mit dem JMU-Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) und internationalen Partnern unter anderem die landschaftsökologischen Faktoren, welche die mikrobiellen Assoziationen der Solitärbienen beeinflussen. Diese Arbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg