Tierwohl: Beeinflusst die moralische Haltung die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten?

0

Welche Menschen sind es, die für höhere Tierwohl-Standards bereit sind, an der Supermarktkasse mehr für Eier und Fleisch zu zahlen? Erstmals haben Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in einer Studie untersucht, ob und welche moralischen Haltungen beim Konsum zu Grunde liegen. Die überraschenden Ergebnisse: Es gibt einen großen Wertepluralismus in der Bevölkerung. Und es gibt zahlreiche Menschen, die zwar nichts zahlen wollen, sich aber dennoch um das Wohl von Tieren sorgen. Diese sehen aber vor allem die Politik in der Pflicht, in dieser Sache tätig zu werden und nicht den Konsumenten. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ erschienen.

Die Ökonomik geht grundsätzlich davon aus, dass Menschen utilitaristisch handeln, das heißt in klarer Kosten-Nutzen-Abwägung das für sie Vernünftigste kaufen. Die Auswertung von rund 1.300 Datensätzen aus einer Umfrage zum Tierwohl an der Professur Agrar-, Umwelt- und Ernährungspolitik des Instituts für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU zeigt jedoch, dass diese Annahme für die sogenannten „ethischen Konsumenten“ zu kurz greift. „Es sind nicht alle Menschen gleich gestrickt, nicht alle denken immer an ihren Nutzen“, sagt Ökonomin Dr. Frauke Pirscher, die mit dem Philosophen und Biologen PD Dr. Dr. Ulrich J. Frey die Studie durchführte. Besonders in Fragen des Tierwohls fänden sich in zunehmendem Maße altruistische Haltungen und Tierrechtspositionen in der Bevölkerung. Es stellte sich für die Forscher daher die Frage, ob sich in dieser moralischen Haltung auch eine Zahlungsbereitschaft widerspiegelt oder nicht.

In einer Online-Befragung verknüpften sie zum Beispiel Fragen zur Zahlungsbereitschaft für Eier mit denen nach mehr Platz in den Ställen für Legehennen oder der Bereitschaft, mehr Geld für Schweinefleisch zu zahlen, wenn sicher sei, dass Kastrationen an Schweinen nur mit Betäubung durchgeführt würden. „Wir konnten zeigen, dass vor allem solche Menschen mit einem allgemeinen Umweltbewusstsein auch bereit sind, am meisten für Tierwohl auszugeben“, sagt Pirscher.

Es gibt aber auch eine Anzahl an Menschen – neun Prozent der insgesamt Befragten -, die nicht bereit ist, für Tierwohl zu zahlen. Eine nähere Untersuchung ihrer Motive zeigte jedoch, dass mehr als die Hälfte der Zahlungsverweigerer (60 Prozent) Tierschutz dennoch als moralische Frage ansieht. Sie lehnen es aber ab, moralische Fragen über den Markt – hier in Form von Zahlungsbereitschaft für höhere Tierschutz-Standards – zu lösen. „Das heißt, die Gruppe derjenigen, denen artgerechte Haltung aus moralischen Gründen wichtig ist, ist größer als die, die tatsächlich bereit ist, dafür zu zahlen. Moralische Haltungen spiegeln sich also nicht allein im Marktverhalten der Konsumenten wider“, sagt Pirscher.

Was das bedeutet? „Für wissenschaftliche Untersuchungen zur Zahlungsbereitschaft von Konsumenten heißt das, dass fehlender Zahlungswille nicht automatisch mit Desinteresse gleichzusetzen ist. Für die Politik bedeutet es, dass die moralische Haltung die Akzeptanz oder Ablehnung marktbasierter Regulierungsinstrumente mit beeinflusst“, sagt Pirscher. Bisher habe Ethik in der Betrachtung kaum eine Rolle gespielt.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Systematisches Tiergesundheitsmonitoring im QS-System

Gesundheitszustand der Schlachttiere wird vollumfassend erfasst und ausgewertet

In Deutschland wird kein Schwein, Geflügel und Rind geschlachtet, ohne dass seine Organe nach der Schlachtung von einem amtlichen Tierarzt untersucht werden. Im QS-System sind die Erhebung, Dokumentation und Rückmeldung der Organbefunde schon seit langem ein wichtiges Instrument, um die Tiergesundheit zu bewerten und damit einen entscheidenden Beitrag zur Lebensmittelsicherheit zu leisten.

Die bei der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung erhobenen Befunddaten werden seit 2016 in einer zentralen Befunddatenbank bei QS erfasst. Alle Schlachtbetriebe mit Schweineschlachtungen geben umfassende Daten an die QS-Befunddatenbank weiter. Allein im Jahr 2018 sind das bisher Ergebnisse von 30 Millionen Schlachtschweinen. Damit werden 95 Prozent der wöchentlich in Deutschland geschlachteten Tiere erfasst – ein flächendecken-des und systematisches Tiergesundheitsmonitoring.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen ein deutlich besseres Bild, als kürzlich in Presseveröffentlichungen unterstellt wurde: 90,2 % der Mastschweine haben eine gesunde Lunge. 93,7% zeigen keine Auffälligkeiten am Herzbeutel, 89% haben keine Veränderungen an der Leber. Gelenkveränderungen wurden nur bei 1% der angelieferten Mastschweine festgestellt. Zahlen, die sich eindeutig von den in der Veröffentlichung von Greenpeace, Vier Pfoten und foodwatch unterscheiden.

Der Tiergesundheitsindex
Für Tierhalter und Tierärzte sind Schlachtbefunddaten wichtige Indikatoren für Tierschutz und Tiergesundheit im Betrieb. Sie liefern wertvolle Hinweise sowohl auf Erkrankungen der Tiere als auch auf Defizite in der Fütterung und im Management. Zum 1. August 2018 wurde erstmals der Tiergesundheitsindex (TGI) für alle Schweinemastbetriebe im QS-System berechnet. Dieser zeigt die Ergebnisse aus den Schlachtungen des 1. Halbjahres 2018. Damit haben die
Landwirte die Möglichkeit, die Schlachtbefunde ihrer abgelieferten Tiere zu bewerten und sich mit den anderen Landwirten zu vergleichen. Grundlage für den Index sind die Ergebnisse der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung.

Die Werte liegen zwischen 0 und 100. Gute Schlachtkörperbewertungen ergeben einen höheren Wert, Auffälligkeiten führen zu Abwertungen. Werden niedrige Werte aufgrund von Befund-raten festgestellt, sollte der Landwirt mögliche Defizite in seinem Betrieb identifizieren und prüfen, ob betriebliche Maßnahmen, wie beispielsweise eine Änderung der Klimaführung im Stall, notwendig sind.

Befunddatenerfassung bei Geflügel
Bei Geflügel werden im QS-System für jede Schlachtpartie Daten zur Fußballengesundheit, zur Mortalität beim Tiertransport und zur Mortalität im Mastbetrieb erhoben. Der Zustand der Fuß-ballen ermöglicht eine Einschätzung zu Einstreu, Klima, Futter, Darmgesundheit, Herdenmanagement zu geben. Die Mortalität im Bestand lässt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Herde zu. Anhand der Transportverluste konnten teilweise Aussagen zur Vitalität der Herde und zur Häufung des Anteils geschwächter Tiere getroffen werden. Seit Anfang 2018 werden die Befunddaten bei der Schlachtung von Puten und Masthähnchen in einer Befunddatenbank erfasst. Erste Einschätzungen von Experten zeigen, dass der Anteil der Geflügelherden mit einem hohen Anteil an Fußballenveränderungen, der als Indikator für Defizite in der Tierhaltung herangezogen werden kann, gering ist.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Afrikanische Schweinepest im Herzen Europas angekommen

Zum Fund von toten Wildschweinen im Dreiländereck Frankreich, Luxemburg, Belgien etwa 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, bei denen Afrikanische Schweinepest festgestellt wurde nimmt das BMEL Stellung:

„Bisher gibt es noch keinen Fall in Deutschland. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft steht in ständigem Austausch mit den belgischen Behörden und der EU-Kommission.

Dazu erklärt die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner: „Die neue Situation nehme ich sehr ernst. Die Afrikanische Schweinepest stellt seit längerem auch für Deutschland eine Bedrohung dar und unsere Vorbereitung für den Krisenfall laufen. Die rechtlichen Instrumente liegen vor, um die Afrikanische Schweinepest zu bekämpfen. Bereits im Juni habe ich ein Gesetz auf den Weg gebracht, mit dem die bestehenden Maßnahmen ergänzt werden und ein Ausbruch der ASP bei Wildschweinen noch effektiver bekämpft werden kann. Das Gesetzesvorhaben steht kurz vor dem Abschluss. Jedoch Prävention steht an erster Stelle. Hier ist insbesondere Aufklärung gefragt, denn es sind vor allem Menschen, die einer Seuchenverbreitung

Vorschub leisten, indem sie zum Beispiel Speisereste mit ASPkontaminierten Schweinefleischerzeugnissen unachtsam entsorgen – eine Infektionsquelle für Wildschweine. Deshalb haben wir eine mehrsprachige Aufklärungskampagne gestartet. Hier informieren wir online und mit Flyern und Plakaten auch an Tank- und Rastplätzen.“

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weist erneut auf die strikte Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in den Schweine haltenden Betrieben hin und insoweit auf die Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung. Zudem werden die Jagdausübungsberechtigten aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörde anzuzeigen, um eine entsprechende Untersuchung sicherzustellen.

Hintergrund:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft und für sie tödlich sein kann. Für den Menschen ist sie ungefährlich. ASP stellt eine große Herausforderung für die Staaten der Europäischen Union dar. Deutschland setzt bereits seit Längerem auf Prävention. Vergangene Woche wurde im Kabinett ein neues Tierseuchengesetz verabschiedet, um im Fall eines Ausbruches schnell und gezielt handeln zu können.

Bisher hat es keine Fälle von ASP in Deutschland gegeben. Polen ist seit mehreren Jahren stark von ASP-Ausbrüchen in der Wild- und Hausschweinepopulation betroffen. Die Verbreitung des ASP-Virus in den Großraum Warschau fand aller Wahrscheinlichkeit durch das unachtsame Entsorgen von kontaminierten Lebensmittelabfällen statt. Das ist auch eine Gefahr für das Einschleppen der Tierseuche nach Deutschland.

Gesetz zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes Mit Artikel 1 werden die Ermächtigungsgrundlagen des Tiergesundheitsgesetzes erweitert. Dies ist notwendig, um weitergehende zur Tierseuchenbekämpfung erforderliche Maßnahmen vorsehen zu können.

Es handelt sich dabei insbesondere um folgende Maßnahmen:

+ Maßnahmen zur Absperrung eines von der zuständigen Behörde zu bestimmenden Gebietes, z. B. durch Umzäunung,

+ Beschränkung des Personen- oder Fahrzeugverkehrs für bestimmte Gebiete,

+ Beschränkungen und Verbote der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen, beispielsweise ein Ernteverbot mit dem Ziel, eine Auswanderung von Wildschweinen zu vermeiden,

+ Anordnung einer vermehrten Fallwildsuche, um die Infektionsmöglichkeiten gesunder Wildschweine zu minimieren,

+ Durchführung einer verstärkten Bejagung durch andere Personen als den Jagdausübungsberechtigten.

Mit der Änderung des Bundesjagdgesetzes (Artikel 2) sollen die Länder die Möglichkeit erhalten, Ausnahmen für die Jagd in Setz- und Brutzeiten auch aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung bestimmen zu können.“

Weitere Informationen des BMEL

Das Bundesinstitut für Risikobewertung versichert, es bestünde keine Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher und veröffentlichte eine ausführliche Stellungnahme sowie Fragen und Antworten zur Afrikanischen Schweinepest (ASP)

Folgen des Verzichts auf Schnabelkürzen bei Legehennen – Tierschutztagung (5)

0

Bericht von der TiHo-Tierschutztagung 2018 (5)

Prof. Dr. Robby Andersson (Hochschule Osnabrück) beleuchtete die bisherigen Erfahrungen in der Haltung von Legehennen mit intakten Schnäbeln.

In der Regel sei die Mortalität doppelt so hoch, wie früher – aber nicht in jedem Stall und nicht bei allen Haltern. Für die verschiedenen Haltungsformen, Systeme und Herdengrößen seien derzeit keine eindeutigen Einflüsse nachweisbar. Ebenso wenig für die Genetik in Bezug auf Federpicken und Kannibalismus.

Der Aufwand steige erheblich, sagte der Wissenschaftler, vor allem sei mehr Zeit im Stall und damit mehr qualifiziertes Personal erforderlich (und das ist ein Problem). Es brauche ein Frühwarnsystem, das Wissen um die Risikofaktoren und die geeigneten Gegen-maßnahmen (Futter, Wasser, Stallklima, Licht). In dunklen Ecken lägen z. B. mehr Bodeneier und dies habe vermehren Kloaken-Kannibalismus zur Folge. Erfahrene Betriebe erreichten aber mittlerweile die gleichen Ergebnisse, wie mit schnabelbehandelten Hennen, sagte Andersson.

Die Anforderungen an die Futterqualität wären gestiegen, ebenso der Futterbrauch. Das Futterangebot müsse um ca. 5% höher liegen, weil die Futterselektion mit ungekürzten Schnäbeln höher ist (Schnabelsensibilität). Ein anderes Futtermanagement sei nötig, ebenso wie eine gute Nährstoffversorgung (im Hinblick auf die diesjährige Ernte müsse man sich hierüber allerdings Sorgen machen).

Die Haltungsbedingungen müssten optimiert werden, insbesondere die Temperaturführung (Kühlung), die Einstreuqualität sei wichtig und der Lichteinsatz ändere sich – es wird dunkler im Stall.

Mit dem Verzicht auf Schnabelkürzen steigen die Kosten, bisher aber nicht die Erlöse. Beim Futter lägen die Kosten um € 5-6/dt über denen des Vorjahres, die Personalkosten stiegen und – bei geringeren Erträgen –  fiele schließlich auch weniger Mist an, der verrechnet werden könnte.

Erfolg könnten Landwirte nur haben, wenn die Mehrkosten durch den Verzicht auf Schna-belkürzung am Markt ausgeglichen würden. Der Professor beziffert sie auf 1-3 Ct. je Ei.

Haltung von Bruderhähnen – Tierschutztagung (4)

0

Bericht von der TiHo-Tierschutztagung 2018 (4)

Dr. Mona F. Giersberg (TiHo) berichtete über Erfahrungen mit der Haltung von Bruder-hähnen, von denen im Jahr 2015 etwa 100.000 in Deutschland aufgezogen worden seien. Für 2018 gibt es Schätzungen von 270.000 (Giersberg) bis 700.000 (Andersson, Osnabrück).

Im Prinzip sei die Haltung der männlichen Tiere unproblematisch und erfolge meist nach Bio-Richtlinien: mit und ohne Auslauf, Wintergärten und in Ställen mit Strohballen und Sitzstangen. Agonistisches Verhalten trete mit zunehmendem Alter zwar vermehrt auf, sei aber mit Pickblöcken, Heukörben und Sandbadeboxen beherrschbar.

Die Mortalitätsraten seien mit 1-2% zu vernachlässigen und die Tiergesundheit gut zu erhalten, auch wenn teilweise Nachimpfungen nötig würden. (Prof. Andersson merkte in der Diskussion hierzu an, dass Fälle von Marekscher Krankheit aufträten, weil die Hähne älter werden – Marek-Symptome zeigen sich gewöhnlich ab der 13. Lebenswoche.).

Bruderhähne werden zwischen 8,5 und 20 Wochen lang gemästet, in der Bio-Haltung durchschnittlich 17 Wochen und mit einem Lebendgewicht zwischen 1,3 und 1,5 kg geschlachtet. Die Tageszunahmen liegen bei 9-13 Gramm (Bio) bzw. 18-20 Gramm (konventionell), die Futterverwertung zwischen 4:1 und 10:1.

Wenn die Hähne nicht zur Eigenschlachtung für den Hofladen kommen, sollten sie – aufgrund ihrer Körpereigenschaften – an Legehennen-Schlachthöfe geliefert werden. Verkaufspreise über € 10,-/kg seien am Markt nicht zu erzielen, aber nie kostendeckend. Hier sei eine Subventionierung über die Eier notwendig.

Die größte „Herausforderung“ in der Haltung von Bruderhähnen, liege in der ökologischen Nachhaltigkeit: beim Futterverbrauch und der Haltungsdauer. Insgesamt sei der Bruder-hahn aber eine Brückenlösung, da konventionelle Betriebe für die Zukunft auf die in-ovo-Bestimmung setzen und Bio-Betriebe auf Eigenzüchtung von 2-Nutzungs-Hühnern.

Lahmheit bei Milchkühen – Thüringer Tierärztetag 2018 (1)

0

Bericht vom Thüringer Tierärztetag 2018 (1)

„Lahmheit bei Milchkühen – Normalität oder tierschutzrelevanter Tatbestand?“ fragte    Prof. Dr. Kerstin E. Müller (FU Berlin) in ihrem Vortrag anlässlich des 13. Thüringer Tierärztetages in Weimar. 

Lege man den Maßstab des Animal-Welfare-Konzepts für die Milchkuh an, nach dem es ihr möglich sein soll, mit ihren Lebensbedingungen zurechtkommen, keine Schmerzen zu erleiden und ihr angeborenes Verhalten auszuleben, seien bei Lahmheit im Grunde alle  „Fünf Freiheiten“ eingeschränkt.

1) Freisein von Hunger und Durst
Magere Kühe werden häufiger lahm, lahme Kühe sind häufiger mager
Lahme Kühe gehen seltener zum Futterplatz

2) Freisein von Unbehagen
Zeitbudget einer lahmen Kuh ist verändert
Aufstehen und Abliegen wird erschwert

3) Freisein von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten
Erhöhtes Schmerzempfinden lahmer Kühe
Beteiligung tiefer gelegener Strukturen an der Klaue und sekundäre Krankheiten (Festliegen)

4) Freisein zum Ausleben der normalen Verhaltensweisen
Lahme Kühe sinken in der Rangordnung

5) Freisein von Angst und Leiden
Behandlung durch Mitarbeiter (Nachtreiben, Klauenstand, Ausrutschen)

Lahmheit sei Symptom, nicht Krankheit und in der Regel eine Schmerzäußerung. Wie weit die funktionsgerechte Benutzung einer oder mehrerer Gliedmaßen eingeschränkt ist, kann (nach Sprecher) mithilfe von fünf Scores beurteilt werden.

Kürzlich wurde die Lahmheitsprävalenz von zigtausend Kühen in Sachsen und anderen Teilen Deutschlands  untersucht und dabei festgestellt, dass Landwirte selbst das Wort „lahm“ eher nicht benutzen. Sie sprächen häufig davon, dass die Kuh „irgendwie komisch läuft“ und offenbarten damit, dass ihnen das rechte Problembewusstsein eher fehle.

Vom Grad der Schmerzhaftigkeit schienen viele falsche Vorstellungen zu haben, so die Professorin. Wird Score 4 oder 5 festgestellt, sei dies aber immer tierschutzrelevant! Das Klauenproblem muss bereits längere Zeit vorliegen und bei den beiden höchsten Werten sind immer tiefergelegene Strukturen betroffen. In solchen Fällen seien Tierarzt und Anästhesie gefragt und nicht mehr nur der Klauenpfleger. Die Verantwortung dafür hier die richtigen Schlüsse zu ziehen, liege aber immer bei Tierhalter und Klauenpfleger. „Wo das Leben beginnt, hört die Arbeit des Klauenpflegers auf“, sagte die Professorin.

Bei Score 5 liege der Richtwert bei 1%, eigentlich sollte er aber bei null liegen. Als geeignete Zielvorgaben nannte Prof. Müller für Score 1 = 65%, Score 2 = 20%, Score 3 = 11%, Score 4 = ≤ 5% und Score 5 = 0%.

Sozialverhalten von Ziegen – Tierschutztagung (3)

0

Bericht von der TiHo-Tierschutztagung 2018 (3)

Dr. Nina Keil (Agroscope Tänikon, Schweiz) referierte in Hannover zum Sozialverhalten von Ziegen und den damit verbundenen Anforderungen an Haltung und Management.

Wie alle Herdentiere legen Ziegen eine Rangordnung fest. Und wie bei allen Herdentieren wird die Stellung innerhalb der Gruppe von Zeit zu Zeit überprüft. Dies geschieht in verschiedenen Intensitätsstufen, deren letzte immer das Ausweichen ist. Vorher kommen 1) Drohen, 2) Kopfstoß und 3) Schiebe-Kampf. Unterschreitet eine Ziege die Individual-Distanz einer Artgenossin, reagiert diese mit der Drohung. In Versuchen hat sich herausgestellt, dass ein minimaler Fressabstand von etwa 1,25 m eingehalten werden sollte.

Am Fressgitter sind allerdings 35-40 cm normal und, als typische Futterselektierer, wechseln Ziegen ständig den Fressplatz. Für die Stallhaltung gibt es deshalb verschiedene Möglichkeiten:

+ Trennwände als Sichtschutz zwischen den Fressplätzen haben sich bewährt (je länger,        desto besser);

+ Nackenrohre sind – besonders für behornte Ziegen – schlecht, Palisaden dagegen               bestens geeignet;

+ Podeste schaffen, mit unterschiedlicher Fressplatzhöhe, größere Abständen zwischen         den Ziegenköpfen – und diese ist entscheidend;

+ Freundschaften beeinflussen die Individualdistanz, eine gemeinsame Aufzucht ist hierfür     förderlich und das Gruppierungsalter entscheidet. Einzeltiere lassen sich nicht in                 bestehende Herden eingliedern, denn sie werden derart drangsaliert, dass sie fast nichts     mehr fressen.

Auch in Liegenischen sollte die 3. Dimension im Stall genutzt werden. Allerdings dürfen diese Nischen nicht so hoch sein, dass die Ziege einen Buckel machen kann. In dieser Körperhaltung setzt sie nämlich Harn und Kot ab und eine geringere Deckenhöhe verhindert zuverlässig die Verschmutzung von Liegeflächen.

In Laufhöfen sollte Beschäftigungsmaterial vorhanden und gegenseitiges Ausweichen möglich sein. Ein Witterungsschutz ist unverzichtbar, denn Ziegen mögen weder Nässe noch Wind oder Zugluft.

Ein ausführliches Interview mit der Schweizer Tierärztin zur Laufstallhaltung von Ziegen hier im Video (2014 in Tänikon)

Umgang mit kranken und verletzten Schweinen – Tierschutztagung (2)

0

Bericht von der TiHo-Tierschutztagung 2018 (2)

Prof. Dr. Elisabeth große Beilage referierte über Schlussfolgerungen aus ihrer Untersuchung von Falltieren in Tierkörperbeseitigungsanstalten.

Bereits im Frühjahr hatte ihre Studie für Aufsehen gesorgt: Bei Tierkadavern aus sechs Bundesländern hatte sie bei über 13% der untersuchten Mastschweine und bei fast 12% der Zuchtschweine Anzeichen für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt.

Gleich zu Beginn ihres Vortrags betonte die Tierärztin, dass hinter den festgestellten Mängeln vermutlich keine böse Absicht stecke, aber – durch Nicht-Wissen – den jeweiligen Tierhaltern doch die Vernachlässigung ihrer Pflichten attestiert werden muss. Offensichtlich hätten diese die Gesundungschancen und Schmerzen bei den betroffenen Tieren falsch eingeschätzt.

§ 2 TierSchG verpflichtet jedoch zur Pflege des Tieres und § 4 der TierSchNutztV schreibt mindestens 1 x täglich eine persönliche Inaugenscheinnahme aller und die unverzügliche Behandlung kranker Tiere vor. Hier sei der Tierhalter eindeutig in der Pflicht.

Aber auch der betreuende Tierarzt sei dem Ethik-Kodex verpflichtet und nach den bpt-Leitlinien für Bestandsbetreuung, müssen sich Tierärztinnen und Tierärzte auch um Einzeltiere kümmern. Die Verantwortlichkeiten von Tierhalter und Tierarzt sollten deswegen im Betreuungsvertrag klar geregelt werden.

Insbesondere hob große Beilage hervor, Landwirte hätten häufig gar keine Vorstellung davon, welche Sanktionen ihnen bei Verstößen drohen. Hier sei es wichtig, diejenigen zu sensibilisieren, die den Tierschutz nicht (ausreichend) verinnerlicht haben.

Bei Pflege und Behandlung zeige sich häufig mangelnder Sachverstand und auch mangelnde Sensibilität aufseiten der Tierhalter. Hier könnten Tierärzte zu deutlichen Verbesserungen im Umgang mit kranken und verletzten Tieren beitragen. Durch detaillierte Beratung zu Ausstattung und Management von Krankenbuchten.

Pflegebedürftige Schweine:
+ brauchen ungehinderten Zugang zu Wasser und Futter (die Abwehr anderer Tiere ist           eingeschränkt)
+ eine weiche Liegefläche zur Vermeidung von Dekubitus (kranke Tiere liegen häufiger           und länger)
+ haben einen erhöhten Wärmebedarf, weil Futteraufnahme/Bewegung reduziert sind.

Bei der Behandlung kranker und verletzter Schweine, seien die tierärztlichen Behandlungs- anweisungen konsequent umzusetzen. Schmerzbehandlungen berücksichtigen das Schmerzempfinden von Schweinen, es dürfe nicht mit dem des Menschen gleichgesetzt werden. Bei Verschlechterung des Zustands, ausbleibendem oder unzureichendem Behandlungserfolg, sei die unverzügliche Konsultation des Tierarztes zwingend erforderlich.

Aber Krankenbuchten seien auch keine Palliativ-Stationen. Deswegen gelte besondere Aufmerksamkeit beim Thema Nottötung. Tierärztinen und Tierärzte sollten die Schweine-halter informieren, welche Aspekte bei der Entscheidung zu berücksichtigen sind:

„Besteht eine realistische Chance, dass das Schwein soweit geheilt werden kann, dass die Lebensqualität nicht durch anhaltende erhebliche Schmerzen oder leiden beeinträchtig und die vorgesehene Nutzung des Tieres innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder möglich ist (Schlachtung/Reproduktion)?

Sind die mit der Erkrankung/Verletzung einhergehenden Schmerzen und/oder leiden dem Tier zuzumuten resp. Durch eine (weitere) Behandlung wirksam zu reduzieren?

Sind die Behandlungs- und Pflegemaßnahmen dem Tierhalter zuzumuten?“

Eine Euthanasie sei immer ein Balanceakt, weshalb Tierhalter deren Notwendigkeit mit ihrem Tierarzt abstimmen sollte. Tierärzte wiederum könnten Empfehlungen an beispielhaften Fällen gemeinsam aufarbeiten, z. B. an Rektumstrikturen oder Bissverletzungen bei Nabelbruch. So könne auch die notwendige Sensibilisierung tiermedizinischer Laien, für die Schmerzen und Leiden von Schweinen erreicht werden.

Lungenwürmer senken Milchleistung

0

Eine neue Studie* hat nachgewiesen, dass der Befall einer Milchviehherde mit dem Lungenwurm Dictyocaulus viviparus erhebliche wirtschaftliche Verluste in Form einer geringeren Milchleistung hervorrufen kann.

In 17 Grünlandbetrieben wurden über einen Sommer und Herbst 1988 Kotproben von 1166 Milchkühen auf den Lungenwurm untersucht. Zusätzlich überprüften die Wissenschaftler Tankproben und Einzelgemelke auf Milchmenge, Eiweiß- und Fettgehalt und achteten auf hustende Tiere.

Bei Kühen in vier von 17 Betrieben konnte der Lungenwurm nachgewiesen werden, dabei lag die Prävalenz bei 0,9 % im Sommer und 3,4 % im Herbst. Die Tankproben waren alle negativ, nur ein Einzelgemelk war positiv. Die Milchleistung der infizierten Kühe war im Mittel um 1,62 kg Milch pro Tag reduziert, allerdings ohne Auswirkungen auf den Protein- und Fettgehalt der Milch. Bei 5,9 % der Tiere wurde Husten festgestellt, jedoch wiesen weniger als 5 % tatsächlich eine Lungenwurminfektion auf. Die Autoren gehen davon aus, dass bei den Kühen eine Reinfektion mit dem Lungenwurm stattgefunden hatte. Dadurch bestand ein gewisser Schutz vor den Auswirkungen des Lungenwurms, weshalb keine Beeinträchtigungen bei Protein-und Fettgehalt gefunden werden konnten. Allerdings wurde deutlich, dass trotz Abwesenheit von klinischen Symptomen und bei serologisch negativen Milchproben trotzdem eine deutlich reduzierte Milchmenge auftreten kann. Husten ist kein geeigneter Indikator für eine Lungenwurminfektion.

*Die Studie „The effect of patent Dicyocaulus viviparus (re) infections on individual milk yield and milk quality in pastured dairy cows and correlation with clinical signs“ wurde veröffentlicht in Parasit Vectors 11:24, 2018.

Quelle: Der Hoftierarzt

Vier K: Kastration, Kastenstand, Kupierverzicht und (Tierwohl-) Kennzeichen – Tierschutztagung (1)

2

Bericht von der TiHo-Tierschutztagung 2018 (1)

Dr. Katharina Kluge, im BMEL für das Thema Tierschutz zuständig, berichtete in Hannover von neuesten Einschätzungen und Vorhaben des Ministeriums. Zu Beginn ihres Vortrags fasste sie die Position des Ministeriums zum Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zusammen.

Da bei der Lokalanästhesie Schmerzen nicht ausgeschaltet, sondern nur gemindert würden, sei diese Methode nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar und allein deswegen stelle sich die Frage, wer sie verabreichen dürfe derzeit gar nicht. Mit Ebermast und Immunokastration stünden zwei Alternativen zur Verfügung und Isofluran würde noch in diesem Jahr für Schweine zugelassen. Derzeit ist noch offen, ob der Einsatz des Gases dann auch Tierhaltern – nach entsprechender Schulung – erlaubt werden soll.

Nachdem am 3. September verschiedene Länderanträge zur Fristverlängerung im Bundesrat keine Mehrheit gefunden haben, könnten nun noch am 21. 9. einzelne Bundesländer einen Antrag im Plenum des Bundestages stellen. Die Erfolgsaussichten für neuerliche Anträge werden jedoch als äußerst gering eingeschätzt. Theoretisch könnte auch eine der beiden Regierungsfraktionen eine entsprechende Initiative starten, aber auch dafür gäbe es keinerlei Hinweise. Nach heutigem Stand bleibt es also beim Ausstiegstermin 1. 1. 2019.

Die Vorstellungen des BMEL zur Zukunft des Kastenstands fasste Frau Dr. Kluge so zusammen: Fixation der Sau für maximal acht Tage; Standlänge 220 cm sowie fünf Größenklassen für die Breite. Die derzeitigen Kastenstände sollen noch 10 Jahre genutzt werden dürfen. Nach Ablauf dieser Frist muss ein Umbauplan vorliegen, der dann innerhalb von weiteren 5 Jahren umgesetzt werden soll. In Härtefällen sei eine Verlängerung um weitere 2 Jahre möglich.

Innerhalb des Ministeriums werden ebenfalls Überlegungen angestellt, den Abferkelbereich zeitgleich, und mit dem gleichen Fristenmodell (10+5+2), zu regeln. Der aktuelle Diskussionsstand sieht hier eine maximale Fixationsdauer von fünf Tagen vor. Auch hier soll die Standlänge 220 cm betragen, wobei die derzeitigen Breiten als ausreichend betrachtet werden. Für die Bestimmung der Buchtfläche seien zwei Ansätze denkbar: eine Gesamtgröße der Bucht von 6 bis 7 m2 oder 5 m2 Platz für die Sau plus Ferkelnest, Trog und Tränke.

Zum Ende des Schwanzkupierens fordert die EU-Kommission Aktionspläne ihrer Mitgliedsstaaten. Betriebsindividuell sollen Risiko- und Schwachstellen betrieben werden zu Schwanz- und Ohrbeißen. Anschließend soll jeder Betrieb bei ersten Tiergruppen auf das Kupieren verzichten, Erfahrungen sammeln und so auf den kompletten Verzicht hinarbeiten.

Mit einem staatlichen „Tierwohlkennzeichen“ will das BMEL Marktsegmente erschließen, die bisher nicht bedient würden, führte die Berliner Tierärztin weiter aus. Eine eigene Bundesbehörde solle das neue Label verwalten und dabei von unabhängiger Seite überwacht werden.

An den Kriterien des drei-stufigen Labels werden derzeit noch gearbeitet, eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung gehöre aber nicht dazu, um die Sache nicht unnötig zu verkomplizieren. Freiwillig sei eine Herkunftsbezeichnung aber durchaus möglich.

Bereits die erste der drei geplanten Stufen des Labels solle spürbar über dem gesetzlichen Standard rangieren, um damit höhere Preise auch tatsächlich rechtfertigen zu können. Zu den Kriterien sollen auf jeden Fall regelmäßige Fortbildungen des Tierhalters und ein Benchmarking gehören.

Zunächst soll das staatliche Label für die Tierart Schwein eingeführt und zu Beginn auch finanziell vom Staat gefördert werden. Ziel sei auch möglichst viele Warengruppen einzubeziehen: Frischfleisch, Verarbeitungsware bis hin zur Gastronomie.

3. Focus Geflügel am 21. 9. 2018

0

BEST 3 Geflügelernährung GmbH und Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, zeigen mit der Veranstaltung „Fokus Geflügel“ erneut praxisgerechte Konzepte und Lösungen auf, wie unternehmerische Herausforderungen in der Geflügelhaltung erfolgreich zu meistern sind.

Programm

16.00 Uhr bis 16.15 Uhr: Begrüßung durch Uwe Haring (Moderator), Rainer Dullweber (BEST 3 Geflügelernährung GmbH) und Christian Lienau (Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH)

16.15 Uhr bis 16.45 Uhr: Veränderungen in der Haltung von Legehennen – mit ständig neuen Herausforderungen leben!
Robert Pottgüter, LOHMANN Tierzucht GmbH, Cuxhaven

16.45 Uhr bis 17.15 Uhr: Wassergeflügel – Herausforderungen und Perspektiven
Franz Nobis, Geflügelhof Nobis GmbH, Bakum

17.15 Uhr bis 17.45 Uhr: P A U S E

17.45 Uhr bis 18.15 Uhr: Aktuelle Herausforderungen in der Hähnchenmast
Klaas Knol, Optimum Vita, Emlichheim

18.15 bis 18.45 Uhr: Putenaufzucht und -haltung – Quo vadis?
Thomas Storck, Verband Deutscher Putenerzeuger e.V., Berlin

18.45 bis ca. 19.30 Uhr: Podiumsdiskussion mit:
Robert Pottgüter (Technischer Service Fütterung LOHMANN Tierzucht GmbH, Cuxhaven)
Franz Nobis (Stellv. Geschäftsführer Geflügelhof Nobis GmbH, Bakum)
Klaas Knol (Geschäftsführender Gesellschafter Optimum Vita, Emlichheim)
Thomas Storck (Vorsitzender des Verbands Deutscher Putenerzeuger e.V., Berlin)

Anschließend lädt die BEST 3 Geflügelernährung GmbH anlässlich des 15-jährigen Jubiläums recht herzlich zum Abendessen und einem gemütlichen Branchentreff ein

Ort
BEST 3 Geflügelernährung GmbH
Ringstr. 16, 27239 Twistringen

Anmeldungen bis 14. September per Fax an: 04243 9414848

Veredlungstag am 20. 9. 2018. Welche Perspektiven haben die deutschen Schweinehalter?

0

Afrikanische Schweinepest, Schwänze kupieren, Kastenstand und betäubungslose Kastration – das sind u. a. die Themen des Veredlungstags 2018 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) am 20. September in der Karl-Diehl-Halle in Röthenbach a. d. Pegnitz, Bayern.

Die Schweinehaltung in Deutschland steht vor gewaltigen Herausforderungen. Dazu zählen der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration und neue Anforderungen bei der Haltung von Sauen.

Geplante Verschärfungen der Haltungsvorschriften erfordern in der Regel den Umbau von Stallungen und führen zu einem enormen Investitionsvolumen, was viele Betriebe überfordert.

Der anstehende Aktionsplan von Bund und Ländern, der das Kupieren des Ringelschwanzes reduzieren soll, wird Ferkelerzeugern und Schweinemästern ab dem kommenden Jahr zusätzlichen Aufwand im Betriebsablauf abverlangen. Alle Schweinehalter blicken mit großer Sorge auf die näherkommende Afrikanische Schweinepest, die für den gesamten Sektor dramatische Auswirkungen hätte. Nicht zuletzt bleibt die gesellschaftliche Debatte über die Tierhaltung in Deutschland.

Die Schweinehalter sind bereit zu zusätzlichen Veränderungen. Das geht aber nur mit Planbarkeit und Verlässlichkeit. Eine Politik, die eine Auslagerung der Tierhaltung in Länder mit weniger Tierschutz vorantreibt, wird ihrer Verantwortung nicht gerecht. Für die Betriebe in Deutschland muss eine Perspektive geschaffen und ein Weg aufgezeigt werden, der nicht am Markt vorbeiführt.

Auf dem DBV-Veredlungstag 2018 werden die Schweinehalter die Herausforderungen der Zukunft für die deutsche Schweinehaltung mit anderen Branchen diskutieren. Programm und weitere Informationen stehen ab sofort online zur Verfügung. Die Veranstaltung beginnt um 9:30 Uhr.

Quelle: DBV

Focus Schwein am 25. 9. 2018

0

Bröring lädt nach Twistringen ein zum „Focus Schwein“ und hat das folgende Programm zusammengestellt:

Dr. Ludger Breloh, REWE
Perspektiven der Schweinehaltung
aus Sicht der REWE Group

Dr. Gereon Schulze Althoff, Tönnies
Schweinehaltung aus Sicht
des Vermarkters

Dr. Dirk Hesse, AgriKontakt
Ringelschwanz + Dünge-VO +
Geld verdienen = Xaletto ?

Dr. Lutz Wagner
Entscheiden in Stress-Situationen

Anschließend Podiumsdiskussion mit den Referenten

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Zwecks Planung wird um eine verbindliche Anmeldung bis zum 18. September 2018 per Fax 0 44 43 97 01 17, per Telefon 0 44 43 97 00 oder E-Mail anmeldung@broering.com gebeten. Kostenlose Parkmöglichkeiten stehen direkt am Gelände zur Verfügung. Für Verpflegung ist bestens gesorgt.

Programm und Anmeldung finden Sie auch hier:

Ort:
BEST 3 Geflügelernährung GmbH
Ringstr. 16, 27239 Twistringen

Steigende Futterkosten belasten Milcherzeuger

0

Niedersachsens Milcherzeuger kommen erneut unter wirtschaftlichen Druck. Im vergangenen Jahr haben die Landwirte mit dem Schwerpunkt Milchviehhaltung deutlich aufholen können, das Jahr 2018 hat sie nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes erneut stark zurückgeworfen. Die wirtschaftlichen Kenndaten sind nach einer Aufstellung der Agrarmarktinformationsgesellschaft (AMI) in Bonn in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent eingebrochen. Den größten Effekt haben die geringeren Milcherzeugerpreise, die im ersten Halbjahr 2018 um 7,6 Cent je Kilogramm gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind. Auch geringere Erlöse für Altkühe schlagen sich auf der Einnahmenseite nieder. Auf der anderen Seite sehen sich die Milcherzeuger auf ihren Rechnungen für Futter mit deutlich höheren Kosten konfrontiert. Für Futtergetreide gilt das ebenso wie für Grundfutter. Im Trockensommer 2018 ist in den Grünlandregionen die Futterernte weggetrocknet, das betrifft in erster Linie den Grasaufwuchs auf den Wiesen, aber auch die wärmeliebenden Maispflanzen haben unter der anhaltenden Trockenheit zuletzt stark gelitten. Die knappe Futterernte hat den Preisen Auftrieb gegeben, Sojaschrot als Kraftfutterkomponente dagegen wurden zuletzt etwas günstiger gehandelt.

Betriebswirtschaftler bemessen die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung als Deckungsbeitrag je Kuh und Jahr. Bei einer Jahresleistung von 8.500 Kilogramm Milch ist dieser im ersten Halbjahr 2018 auf 750 Euro abgeschmolzen, gegenüber dem Vorjahr mit einem Wert von 1.069 Euro ein Einbruch um mehr als 25 Prozent. Von diesem Betrag müssen noch weitere feste Kosten, zum Beispiel zur Arbeitserledigung oder für Gebäude, bezahlt werden. Aktuell stehen die Milchviehhalter noch schlechter da als vor den Krisenjahren 2015 und 2016. Lediglich im Jahr 2017 konnten auskömmliche Deckungsbeiträge erzielt werden. Für viele Betriebe war diese Phase der Erholung deutlich zu kurz. Die Erzeugerpreise zeigen momentan wieder etwas nach oben, die variablen Kosten dagegen ziehen weiter an. Die Milchviehhalter setzen ihre Hoffnung jetzt darein, dass die zu erwartenden Steigerungen auf der Einnahmeseite über ein höheres Milchgeld die Steigerungen auf der Kostenseite mehr als aufwiegen. So könnten in dem von der Dürre geprägten Krisenjahr zumindest viele Milcherzeuger am Ende doch noch von einem durchwachsenen Jahr als Fazit sprechen.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Gesundheit der Kälber noch stärker im Blick

0

Gesunder Nachwuchs im Stall erfreut jeden Tierhalter. Manchmal aber haben Milchviehhalter Probleme, die neugeborenen Kälber aufzuziehen. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) und die Niedersächsische Tierseuchenkasse (TSK) haben genauer hingeschaut und Betriebe ermittelt, die Probleme haben, ihre Kälber groß zu ziehen. Sie haben die Tierärztliche Hochschule in Hannover beauftragt, in diesen Betrieben eine gezielte Beratung durchzuführen und herauszufinden, ob und wie häufig die empfohlenen Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt bzw. aus welchen Gründen diese nicht aufgegriffen wurden. Erste Ergebnisse des Forschungsprojektes liegen inzwischen vor und zeigen, dass die Aufzucht der Kälber für viele der betroffenen Milcherzeuger einen sehr zeit- und arbeitsintensiven Bereich bedeutet. Da der Grad der Mechanisierung gering ist, werden viele Maßnahmen offensichtlich als unpraktisch angesehen. Dazu sagt Jan Heusmann, Vorsitzender der LVN: „Mir ist bewusst, dass die Kälberaufzucht einen komplexen Arbeitsbereich darstellt, der aus verschiedenen Gründen bei einer Reihe von Berufskollegen nicht im Fokus des betrieblichen Handelns steht. Aber wir wollen nach Wegen suchen, dies zu verbessern.“ Eine erhöhte Kälbersterblichkeit in einzelnen Betrieben müsse insbesondere aus Gründen des Tierschutzes verringert werden. Zugleich müsse jeder Milchviehhalter auch aus wirtschaftlichen Überlegungen ein Interesse an einer hohen Aufzuchtrate der geborenen Kälber haben.

Nach den von der Tierärztlichen Hochschule vorgelegten ersten Ergebnissen des Forschungsprojekts stößt eine einmalige Beratung der Betriebsleiter an ihre Grenzen. „Die Betriebsleiter und auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dafür sensibilisiert werden, dass sie mit vertretbarem Zeitaufwand und in der Praxis umsetzbaren Empfehlungen tatsächlich ihre Kälberverluste reduzieren können. Wichtigste Aufgabe bleibt dabei nach wie vor die ausreichende Versorgung der neugeborenen Kälber mit dem Kolostrum, der ersten Milch der Kuh direkt nach dem Kalben“, fasst Heusmann zusammen. Dazu sei offenbar eine weitergehende Aufarbeitung der Forschungsergebnisse notwendig, um die Motivation der Betriebsleiter und aller Betriebsangehörigen zu steigern. Praxisnahe Empfehlungen für eine erfolgreiche Kälberaufzucht hat die LVN bereits vor einigen Jahren in Form eines „Kälberleitfadens“ herausgegeben. Er kann von der Homepage heruntergeladen werden.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Schafzuchtverband fordert Änderung der Berner Konvention zum Wolf

0

Die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) hat Bundesumwelt-ministerin Svenja Schulze aufgefordert, einen Antrag der Schweiz auf eine Umstufung des Wolfes im Rahmen der Berner Konvention zu unterstützen.

Die Schweiz hat am 16.08.2018 bei der Berner Konvention des Europarates eine Rückstufung des Wolfes von Anhang II „streng geschützt“ in Anhang III „geschützt“ beantragt. Nach Anhang II dürfen Tiere weder gestört und gefangen, getötet oder gehandelt werden. Anhang III enthält solche Tierarten, die zwar schutzbedürftig sind, aber im Ausnahmefall bejagt oder in anderer Weise genutzt werden dürfen. Der Ständige Ausschuss der Berner Konvention wird den Antrag voraussichtlich in seiner jährlichen Sitzung im November beraten.

Zur Begründung des Antrages wird u. a. ausgeführt: „Auch mit der Rückstufung bliebe der Wolf ein geschütztes Tier. Die Vertragsstaaten wären weiterhin verpflichtet, Schutz und Interventionsmaßnahmen im nationalen Recht zu regeln und mittels nationalen Programmen zu überwachen.“

Aus Sicht der VDL entspricht der Schweizer Antrag der Intention der Formulierung in der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung, in der es heißt: „Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können.“

2006 war die Schweiz mit einem solchen Antrag gescheitert. Inzwischen haben sich die Voraussetzungen deutlich verändert.

VDL-Vorsitzender Jürgen Lückhoff: „Nicht nur in der Schweiz hat sich seitdem die Wolfspopulation stark erhöht. Gleiches gilt für Deutschland und weitere europäische Staaten.“ Die Berner Konvention ist am 01.04.1985 in Deutschland in Kraft getreten.

Die Ausbreitung des Wolfes in Deutschland sorgt für erhebliche Konflikte und Gefährdungen bei der Weidetierhaltung. Insbesondere die Schafhaltung ist davon seit Jahren in so starkem Maße betroffen, dass etliche Betriebe ans Aufgeben denken. Belange und Interessen der Schafhalter werden bislang unzureichend berücksichtigt. Die flächendeckende Ausbreitung und das rasante Wachstum der Wolfspopulation stellt die Weidehaltung von Schafen und Ziegen, aber auch von Rindern, Pferden und landwirtschaftlichen Wildhaltern im Grundsatz in Frage. Die Ausbreitung des Wolfes darf nach Ansicht der VDL nicht uneingeschränkt und um jeden Preis geduldet werden.

Quelle Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e.V.

Wasser können alle gebrauchen – die Fische besonders!

0

Ähnlich zweigeteilt wie in der Landwirtschaft ziehen auch die Fluss- und Seenfischerei sowie die Forellen- und Karpfenteichwirtschaften Bilanz zu diesem Dürresommer. „Je nach Standort und je nach Möglichkeit der technischen Unterstützung reichen die Ergebnisse von normal zufriedenstellend bis hin zu hohen, teilweise katastrophalen Einbußen“, erklärt Steffen Göckemeyer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. „Der Prozess läuft noch, und wir haben weiterhin Bauchschmerzen. Die Versorgung der Teiche leidet“, sagt Göckemeyer, dem einige Schäden vor allem aus der Forellenwirtschaft gemeldet wurden. Hitze und fehlende Niederschläge haben in einigen Fällen sogar zum totalen Ausfall beim Fischbestand geführt. Analog zur Landwirtschaft sind die Schäden lokal zu betrachten. Vereinzelt gibt es gravierende Schäden, andere sind relativ normal durch den trockenen und heißen Sommer gekommen. „Die Grundwasserkörper müssen sich wieder auffüllen, dazu ist Regen nötig“, erklärt Göckemeyer und sieht etwas Abhilfe für die Forellen durch die nun kühleren Nächte. Die Wärme liebenden Karpfen haben sogar von den Temperaturen profitiert, sofern der Wasserstand gehalten werden konnte. Das bestätigte auch Carsten Brauer, Vorsitzenden des Landesfischereiverbandes. In einigen Forellenteichwirtschaften ist die gesamte Jahreserzeugung nach dem Dürre-Sommer nicht mehr verwertbar. Im Großen und Ganzen sind die Forellenteichwirtschaften mit einem blauen Auge davongekommen. Dazu war aber ein großer Aufwand mit Belüftung nötig. Leider haben von der Hitze auch Parasiten und Bakterien profitiert. Mittlerweile haben sich die Fische an die erhöhte Grundtemperatur gewöhnt.

Für Fluss- und Seenfischer Brauer reichten die Zuflüsse aus dem Ederstausee, den niedrigen Wasserstand der Weser abzufangen. Er hat die Trockenheit glimpflich überstanden. „Jetzt muss es aber bald regnen, denn wir brauchen das Wasser zum Fischen im Herbst“, erklärt Brauer – schließlich geht die Saison noch bis Dezember. Entschädigungen für existenzbedrohte Betriebe wie in der Landwirtschaft gibt es nicht, meint Carsten Brauer, obwohl sie dem einen oder anderen Forellenteich-Besitzer helfen würde. Aber eines, da sind sich die Teichwirte einig, können alle gebrauchen: Wasser! Sie hoffen mit den Landwirten zeitnah auf ergiebigen Regen.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Clostridium perfringens Typ C häufigster Durchfallerreger beim Saugferkel?

0

Saugferkeldurchfall ist ein häufiges Problem, verursacht zumeist durch virale oder bakterielle Erreger. Allein am klinischen Bild im Bestand kann der verursachende Erreger nicht ermittelt werden. Eine umfassende Diagnostik ist meistens unumgänglich. Doch welche Erreger sind am häufigsten zu finden, wenn in einem Betrieb Saugferkeldurchfall auftritt? In diesem Zusammenhang bietet sich die Untersuchung von fäkalen Proben auf darmpathogene Erreger an.

Eine aktuelle Studie* hat sich mit dem Vorkommen von Durchfallerregern in Deutschland beschäftigt: Im Zeitraum der Jahre 2015 und 2016 wurden insgesamt 585 Saugferkeldurchfallproben von 220 ferkelerzeugenden Betrieben in Deutschland zur Untersuchung eingeschickt. Die Wissenschaftler wiesen vor allem Toxin produzierendes (Alpha- oder Beta2-Toxin) Clostridium (C.) perfringens in 61,7 % der fäkalen Proben von Saugferkeln nach. In ca. 8,3 % der Proben konnte Escherichia (E.) coli nachgewiesen werden, in ca. 7,0 % der Proben Nekrotoxische E. coli und in ca. 27,3 % der Proben Rotavirus Typ A.

Als Fazit schließen die Wissenschaftler aus den Ergebnissen, dass unter den bakteriologischen Saugferkeldurchfallerregern dem C. perfringens Typ A und dem E. coli F4-ETEC die wohl größte Bedeutung beizumessen ist. Unter den virologischen Erregern scheinen Rotaviren eine relevante Bedeutung zu haben, auch wenn diese häufig nicht die alleinigen Verursacher von Durchfall sind.
*Die Studie „Vorkommen von bakteriellen und viralen Saugferkeldurchfallerregern auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland“ wurde veröffentlicht in der Tierärztlichen Umschau 8, 2018, S. 199-206.

Quelle: Der Hoftierarzt

Kälber vor Grippe schützen: neuer intranasaler Rindergrippeimpfstoff von Boehringer Ingelheim

0

Für den Schutz des Kalbes vor Rindergrippe bietet Boehringer Ingelheim nun einen neuen Lebendimpfstoff zur intranasalen Anwendung. Die intranasale Impfung stärkt die Schleimhautimmunität und schützt auf diesem Wege an der Eintrittspforte vor dem Bovinen Respiratorischen Synzytialvirus (BRSV) und dem Bovinen Parainfluenza-3-Virus (PI3V).

Der Impfstoff ist für Rinder ab einem Alter von 10 Tagen zugelassen und dessen Wirksamkeit ist auch bei der Anwesenheit von maternalen Antikörpern belegt. Die Dauer der Immunität nach Impfung beträgt 12 Wochen.

Durch den schonenden Applikator kann der Impfstoff einfach angewendet werden, denn dieser erleichtert die Positionierung der Zerstäuberdüse und ist sanft zur Kälbernase, was die Impferfahrung für die Kälber und den Anwender angenehm macht. Die Tiere bleiben ruhig, Verletzungen werden vermieden und zudem wird dadurch eine gute Verteilung des Impfstoffes auf der Schleimhaut ermöglicht.

Der neue intranasale Impfstoff von Boehringer Ingelheim ist der erste Baustein des Herdenimpfkonzepts gegen Rindergrippe: Der Impfstoff enthält dieselben Virusstämme (BRSV und PI3V) wie die Rindergrippe-Injektionsimpfstoffe von Boehringer Ingelheim, somit kann nun die Immunantwort durch zeitversetzte Kombination von lokaler (Intranasal) und systemischer Impfung (Injektion) aufgewertet werden. Zusätzlich kann der Schutz durch die systemische Impfung um 6 Monate verlängert und auch gegen M. haemolytica erweitert werden. Durch vorbeugende Maßnahmen in der Herde wird die Verbreitung von Infektionen im Bestand unterbrochen und über eine Impfdecke im Bestand auch das Einzeltier geschützt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:
Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Lisa Weiner, Tel.: 06132-77- 184843, lisa.weiner@boehringer-ingelheim.com

Quelle: Boehringer

Routine führt zum Erfolg in der Geflügelhaltung

0

Dr. Anja Kruschwitz, Geflügelgesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg

In der modernen Geflügelhaltung ist die Entwicklung und Ausübung reproduzierbarer Arbeitsabläufe von existenzieller Bedeutung für die Gesunderhaltung der Herde und letztlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

Zudem bestehen durch regulatorische Anforderungen weitreichende Pflichten, Routinearbeiten im Stall durchzuführen und diese zu dokumentieren. Diese ergeben sich einerseits durch Gesetze und Verordnungen (z.B. Geflügel-Salmonellen-Verordnung), zum anderen durch Haltungsvereinbarungen wie sie für Mastputen durch die Bundeseinheitlichen Eckwerte vorliegen.

Weiterhin kommen auf die geflügelhaltenden Betriebe zusätzlich neue Tätigkeiten und Dokumentationspflichten durch die Teilnahme an diversen Herkunfts- und Prüfsystemen wie z. B. durch QS und KAT zu.

Gute Vorbereitung ist der halbe Erfolg
Für einen erfolgreichen Mast- oder Legedurchgang ist die Vorbereitung des Stalls essentiell. Bereits während der Ausstallung der vorherigen Herde kann hierfür der Grundstein gelegt werden, indem die Erfahrungen und Probleme mit dieser Herde in die Vorbereitung des neuen Durchgangs mit einfließen.

So sollte zeitnah zur Ausstallung eine Bekämpfung von Parasiten (Käfer, Rote Vogelmilbe) mit geeigneten Präparaten erfolgen, da diese sich im kühler werdenden Stall in schlecht zugängliche Ritzen und Fugen zurückziehen und bei einer späteren Behandlung gegebenenfalls nicht mehr wirkungsvoll erreicht werden können.

Der Stall und die Einrichtungsgegenstände sind in der Serviceperiode gründlich zu reinigen und mit geeigneten Desinfektionsmitteln (z.B. DVG-gelistet) zu desinfizieren. Hierbei dürfen auch sämtliche Gerätschaften, Maschinen, Schutzkleidung inklusive Gummistiefel (Sohlen!), Kadavertonnen und alle weiteren Gegenstände, die Kontakt zur Herde hatten nicht vergessen werden.

Nach der vollständig durchgeführten Reinigung und Desinfektion ist auch der geeignete Zeitpunkt für die Durchführung einer Desinfektionskontrolle wie sie z. B. nach einem positiven Salmonellenbefund nach der Geflügel-Salmonellen-Verordnung erforderlich ist.
Die gesamte Stalleinrichtung muss vor Einstallung einer neuen Herde einer Funktionsprüfung unterzogen werden. Hierbei ist sowohl an Alarmanlage, Notstromaggregat und Lüftungsanlagen, als auch an die Stalleinrichtung wie Tränke- und Futtersysteme und Legenester zu denken. Im Stall eingesetzte Leuchtmittel sollten auf vollständige Funktionsfähigkeit und ihre Flackerfreiheit überprüft werden. Hinsichtlich der Vermeidung von Unruhe sollten im Stall keine Lichtflecken oder Kegel durch die Ausleuchtung entstehen.

Bei häufig wiederkehrenden Erkrankungen (z.B. Eileiter-Bauchfellentzündungen bei Legehennen oder ORT-Infektionen bei Puten) besteht die Möglichkeit den folgenden Durchgang dagegen zu impfen. Dies sollte rechtzeitig mit dem betreuenden Tierarzt abgestimmt werden, da die Herstellung von bestandsspezifischen Impfstoffen mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Bei Junghennen können Schutzimpfungen z.B. gegen Salmonellen, IB, ND, Mykoplasmen, aber auch E. coli und weitere Erreger vor Legebeginn als Nadelimpfungen durchgeführt werden.

Der Stall muss rechtzeitig vor Einstallung der neuen Herde gemäß den Anforderungen der Tiere aufgeheizt, eingestreut und ggf. Futter auf Futterpapier oder -höcker (bei Küken) aufgebracht werden. Das Spülen der Tränken unmittelbar vor der Einstallung entfernt in der Leitung stehendes warmes Wasser und reduziert so den Keimdruck (z.B. durch wärmeliebende Pseudomonaden).

Die Tiere sind da – was tun?
Grundsätzlich ist zum Zeitpunkt der Einstallung die Entnahme einer Probe zur Untersuchung auf Salmonellen zur eigenen Absicherung empfehlenswert. Geeignete Proben sind Küken, Kükenwindeln oder Kotproben, wobei die Entnahme bereits vom Transportbehältnis und nicht erst im Stall erfolgen sollte. …


Zum Weiterlesen, melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung: