Schweizweite Bekämpfung der Moderhinke: Fazit der ersten Untersuchungsperiode

Im Rahmen der schweizweiten Bekämpfung der Moderhinke lief vom 1. Oktober 2024 bis am 31. März 2025 die erste Untersuchungsperiode. Dabei wurden sämtliche 12’432 Schafbetriebe in der Schweiz kontrolliert. In den 11’000 Betrieben, bei denen eine Probenentnahme erforderlich war, wurde diese durchgeführt. Nach der ersten Beprobung lag die anfängliche Infektionsrate bei 21 Prozent der untersuchten Betriebe. Dank der eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen konnte sie bereits auf 12 Prozent gesenkt werden. Das Programm soll die Tiere schützen und die Schafhaltenden bei der Bekämpfung der bakteriellen Krankheit unterstützen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat sich in Zusammenarbeit mit den kantonalen Veterinärdiensten und den betroffenen Akteuren zum Ziel gesetzt, den Anteil positiver Betriebe innert maximal fünf Jahren auf unter ein Prozent zu senken.

Seit Oktober 2024 wird die Moderhinke, eine schmerzhafte, ansteckende Klauenkrankheit bei Schafen, schweizweit koordiniert bekämpft. Ein zentraler Bestandteil des Bekämpfungsprogramms ist die Sanierung infizierter Betriebe. Regelmäßige Klauenbäder sind dabei das wichtigste Element. In allen betroffenen Haltungen müssen umfassende Maßnahme umgesetzt werden, um die Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern. Für eine nachhaltige Senkung der Infektionsrate (Prävalenz) und zum Schutz gesunder Herden ist eine konsequente Umsetzung aller Maßnahmen unabdingbar. Die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen und Vorschriften zum Tierverkehr sind dabei von besonders großer Bedeutung.

Fazit nach sechsmonatiger Bekämpfung
Nach der ersten Beprobung lag die anfängliche Infektionsrate bei 21 Prozent der Betriebe. Am Ende der ersten Untersuchungsperiode ist diese Rate dank der umgesetzten Sanierungsmaßnahmen bereits auf 12 Prozent gesunken. Diese Zahl wird weiter sinken, da sich gewisse Betriebe noch im Sanierungsprozess befinden.

Von 2250 positiven Betrieben haben 828 ihre Herden bereits saniert. Davon waren 719 bereits beim ersten Versuch erfolgreich. Die Anzahl sanierter Betriebe wird in den kommenden Monaten weiter steigen.

Moderhinke geht zurück, Mobilisierung geht weiter
Die erste Untersuchungsperiode zeigt deutlich: Die schweizweite Bekämpfung der Moderhinke ist erfolgreich angelaufen. Innerhalb weniger Monate konnte die Prävalenz der Krankheit signifikant gesenkt werden – ein vielversprechender Zwischenerfolg. Dieser Fortschritt ist in erster Linie dem großen Engagement der Tierhaltenden zu verdanken, die sich aktiv an den Sanierungsmaßnahmen beteiligt und die Vorgaben konsequent umgesetzt haben. Insbesondere ist der Erfolg aber auch der guten Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure zuzuschreiben – darunter der Veterinärdienst Schweiz, Tierärztinnen und Tierärzte, die Labore sowie weitere Fachpersonen, die den Prozess engagiert begleitet haben. Die positive Entwicklung bestätigt die gewählte Strategie und motiviert, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen.

Zur Sicherung der erzielten Fortschritte und zur Vermeidung einer erneuten Infektion mit der Moderhinke ist es unabdingbar, dass die Tierhaltenden Maßnahmen im Bereich der Biosicherheit sowie die Vorschriften zum Tierverkehr konsequent einhalten. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Prävalenz weiter sinkt.

Nächste Etappen
Die nächste Untersuchungsperiode dauert vom 1. Oktober 2025 bis zum 31. März 2026. Die Tierhaltenden sind aufgerufen, sich weiterhin aktiv zu beteiligen, durch konsequente Umsetzung der Empfehlungen der Veterinärbehörden und Fortführung der Sanierungsmaßnahmen. Jeder sanierte Betrieb ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierwohls der Schafe in der ganzen Schweiz.

Quelle: News Service Bund, Schweiz

Staudte: „Mehr Tierschutz in der Geflügelhaltung ist möglich“ Drei engagierte Preisträger mit dem Tierschutzpreis 2024 ausgezeichnet

Wie kann mehr Tierschutz in der Geflügelhaltung umgesetzt werden? Das zeigen die Preisträgerin und die beiden Preisträger, die am heutigen Donnerstag von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte mit dem Niedersächsischen Tierschutzpreis für ihr Engagement für mehr Tierschutz in der Geflügelhaltung ausgezeichnet wurden. Der insgesamt mit 30.000 Euro dotierte Preis geht an Christine Bremer aus Suhlendorf, Landkreis Uelzen auf dem 1. Platz und gleichrangig auf Platz 2 Lutz Lütjens aus Hemslingen, Landkreis Rotenburg- Wümme und Wilhelm Kollmer-Heidkamp aus Lindern, Landkreis Oldenburg.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte:
„Mehr Tierschutz in der Geflügelhaltung ist möglich, das zeigen die Erfolgsgeschichten des Tierschutzpreises! Die diesjährigen Preisträgerin und die Preisträger zeigen deutlich auf, wie der Tierschutz für Geflügel verbessert werden kann. Der Niedersächsische Tierschutzpreis 2024 würdigt dieses außerordentliche Engagement, mit dem praxisnahe Ansätze für mehr Tierschutz verwirklicht werden können.“

Der 1. Preis, dotiert mit 15.000 Euro, geht an Christine Bremer mit ihrem Betrieb „Heidegeflügel“ in Suhlendorf, Landkreis Uelzen. Sie unterstützt Biobetriebe und Kleinbetriebe mit passenden Chargen Bruteier, Küken und Junghennen, die sonst oft schwer zu bekommen sind. Außerdem züchtet Bremer Robustputen und entwickelt Zweinutzungsrassen. Die Robustputen können im Freien gehalten werden, sie gelten als widerstandsfähig im Hinblick z.B. auf die Temperatur und wenig krankheitsanfällig. Zweinutzungsrassen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich z.B. für die Eierproduktion wie auch die Mast eignen; die männlichen Tiere lassen sich also deutlich besser verwerten als rein für die Eierproduktion gezüchtete Tiere.

Die Qual der Wahl hatte die Jury auch zwischen Lutz Lütjens und Wilhelm Kollmer-Heidkamp, die sich gleichrangig den 2. Platz teilen und jeweils 7.500 Euro Preisgeld erhalten. Kollmer- Heidkamp setzt sich seit über einem Jahrzehnt im Niedersächsischen Tierschutzplan ein, und hat so erreicht, dass inzwischen allen in Niedersachsen gehaltenen Pekingenten von einem zusätzlichen Wasserangebot profitieren können. Auch die Masthühner auf dem Betrieb „Lütjens Weidehähnchen“ werden besonders tierschutzgerecht gehalten – in Mobilställen mit Zugang zu einem Wintergarten und zu einer Weide, das heißt mit Außenklimareizen und mehr Platz im Stall.

Die Jury ist zusammengesetzt aus Fachleuten aus dem Landwirtschaftsministerium, dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), der Landestierschutzbeauftragten und dem Tierschutzbeirat.

Hintergrund:
Der Niedersächsische Tierschutzpreis wird seit 2022 verliehen. Der Tierschutzpreis 2024 zeichnet Personen, Institutionen etc. aus, die sich in Niedersachsen besonders stark für den Tierschutz in der Geflügelhaltung einsetzen. Dies kann die Haltung selbst, das Fangen, Verladen, den Transport aber auch die Schlachtung betreffen.
Der Themenbereich wechselt jährlich. In den Vorjahren umfassen die Themen Alternativmethoden zu Tierversuchen (2022) und die Verbesserung des Tierschutzes bei Heimtieren (2023).

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Projektabschluss: Projekt TIGER untersuchte tierschutzgerechtere Alternativen zur CO2-Betäubung von Schlachtschweinen

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Mit Übermittlung des Abschlussberichtes an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung ist das Projekt TIGER nunmehr erfolgreich abgeschlossen. Die Untersuchungen im TIGER-Projekt zeigen, dass inerte Gase wie zum Beispiel Argon unter kommerziellen Bedingungen zur Betäubung von Schachtschweinen verwendet werden können. Bei den im Projekt untersuchten Inertgasgemischen waren im Vergleich zu CO2 in hohen Konzentrationen zwar längere Expositionszeiten notwendig. Allerdings weisen sie in der Einleitungsphase – also bevor das Tier das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen verliert – deutliche Vorteile in Hinblick auf den Tierschutz auf, da sie deutlich weniger aversiv wirken. Unterschiede in der Fleischqualität von praktischer Relevanz konnten darüber hinaus nicht nachgewiesen werden. Die im Projekt weiterentwickelte, neue und patentierte Begasungstechnologie kann in bestehenden Anlagen nachgerüstet werden. Die verlängerten Expositionszeiten und die höheren Gaskosten müssen jedoch in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit in Betracht gezogen werden. Insgesamt betragen die erwarteten Mehrkosten bis zu 1 Cent pro Kilogramm Fleisch. Im Verbundprojekt unter Leitung des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) forschten Wissenschaftler*innen der Uni Göttingen gemeinsam mit den Praxispartnern Air Liquide Deutschland GmbH und Vion GmbH vier Jahre lang an tierschutzgerechten Alternativen zur Betäubung von Schlachtschweinen.

Um die neue Technik in Zukunft auch in Schlachtbetrieben mit hohen Schlachtzahlen einsetzbar zu machen, muss dieses Verfahren zusätzlich in kontinuierlich arbeitenden Betäubungsanlagen mit Paternoster-System untersucht werden. Durchgeführte technische Versuche in einem Praxisbetrieb mit Paternoster-System ergaben, dass mit der neuen Begasungstechnik auch in diesem System mit mehreren Gondeln ein niedriger Restsauerstoffgehalt von unter 1 % erreicht wird. Tierbasierte Untersuchungen im Paternoster-System konnten während der Projektlaufzeit aus projektunabhängigen Gründen allerdings nicht mehr durchgeführt werden.

Die Ergebnisse des TIGER-Projekts zeigen eine vielversprechende Möglichkeit auf, den Tierschutz am Schlachthof zu verbessern. Bei positivem Ausgang der ausstehenden tierbasierten Untersuchungen zu Tierschutz und Fleischqualität im Paternoster-System rückt eine tierschutzgerechtere Betäubung mit Inertgasen in greifbare Nähe.

Förderhinweis: Die Förderung des Vorhabens erfolgte aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgte über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung. Das Projekt wurde mit zusätzlichen Mitteln vom Verband der Fleischwirtschaft e.V., vom QS-Wissenschaftsfonds der QS Qualität und Sicherheit GmbH sowie von der Förderergesellschaft für Fleischforschung e.V. finanziell unterstützt.

Eine Zusammenfassung des Abschlussberichts steht online zur Verfügung.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Bienen im Persönlichkeitstest

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Forschende des Exzellenclusters „Kollektives Verhalten“ der Universität Konstanz haben herausgefunden, dass Honigbienen ein und desselben Volkes unterschiedliche Vorlieben im Stechverhalten haben. Während die einen noch zögern, stechen die anderen bereits zu.

Honigbienen sind ein gut organisiertes Volk. Die einen sammeln Nektar, die nächsten Wasser, ein paar fächeln dem Bienenstock Luft zur Kühlung zu – und manche verteidigen das Volk, indem sie Feinde stechen. Doch wann passiert das eigentlich genau? Und neigen manche Individuen mehr zum Angriff als andere? Ein Forschungsteam der Universität Konstanz geht diesen Fragen genauer auf den Grund. In einer aktuellen Studie haben sie nun herausgefunden, dass es Bienen gibt, die immer in Angriffshaltung gehen, während andere Artgenossen stets friedlich bleiben. Sie zeigen auch, welche sozialen Faktoren das jeweilige Verhalten regulieren und dass die Persönlichkeit der einzelnen Bienen in der Gruppendynamik eine größere Rolle spielt als gedacht.

Für ihre Forschung hat die Doktorandin Kavitha Kannan von der Universität Konstanz, unter Leitung der Neurobiologin Morgane Nouvian, gezielt Wächterbienen an den universitätseigenen Bienenstöcken eingefangen, um eine homogene Gruppe mit vermeintlich identischem Stechverhalten zusammenzustellen. „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass eine Sammlerin allein durch die Aufgabenverteilung ein anderes Stechverhalten zeigt als eine Wächterin. Da wir so viele Einflussfaktoren wie möglich ausschließen wollten, war diese Selektion der erste logische Schritt. Anschließend konnten wir nach und nach weitere Einflussfaktoren testen“, erklärt Kannan.

Eine Biene schlägt Alarm, aber nicht alle folgen
Aus vorangegangenen Studien war den Forschenden bekannt, dass die Tiere von Pheromonen beeinflusst werden. Entscheidet sich eine Biene, zuzustechen, wird ein Alarmpheromon freigesetzt, das Artgenossen dazu animiert, es der ersten Biene gleich zu tun. Mit jedem weiteren Stich steigt die Konzentration dieses Pheromons, was wiederum Auskunft darüber gibt, wie viele Bienen bereits an dem Angriff beteiligt sind. Untersuchungen haben gezeigt, dass ab einer gewissen Konzentration das Stechverhalten wieder nachlässt. Gerade vor dem Hintergrund, dass Bienen beim Zustechen meist ihren Stachel verlieren und in der Folge verenden, ist dies ein sinnvolles Instrument, ein Massensterben infolge eines Angriffs zu verhindern. Die Wahrscheinlichkeit, ob eine Biene auf eine bestimmte Konzentration eines Alarmpheromons reagiert, hängt dabei auch von der Gruppengröße ab.

Bislang unbekannt war jedoch, wie entschieden wird, welche der anwesenden Bienen sich letztlich am ehesten für ein Zustechen entscheidet. Die Ergebnisse der aktuellen Studie legen nahe, dass die Persönlichkeit der einzelnen Bienen dabei eine große Rolle spielt. „Wir haben in unseren Versuchen mehrere Situationen simuliert, um schrittweise verschiedene Einflussfaktoren zu erforschen“, erklärt Nouvian. Dabei hat das Team Attrappen genutzt, die ein Zustechen der Bienen provozieren sollten, zugleich aber ein Steckenbleiben des Stachels verhinderten. Das Vorgehen bot den Vorteil, dass die Tiere wiederholt einer Situation ausgesetzt werden konnten, um die jeweilige Reaktion zu verifizieren und ein rein zufälliges Verhalten auszuschließen.

Individualisten im Bienenschwarm
„In einer Gruppe haben wir beispielsweise getestet, ob eine Biene bei ihrem Stechverhalten blieb, wenn Artgenossen anwesend waren, in einer anderen Gruppe die Auswirkung des Alarmpheromons“, erklärt Nouvian weiter. „Letztlich hat sich gezeigt, dass die Faktoren zwar einen Einfluss haben, sich aber nicht auf die Vorhersagbarkeit des individuellen Stechverhaltens auswirken“, ergänzt sie. Die jeweilige Persönlichkeit hat also mehr Einfluss als der Drang zur Anpassung. Dies bestätigte auch ein abschließendes Experiment. Hierbei stellten die Forschenden fest, dass die Bienen ihr Stechverhalten nicht in Abhängigkeit von der Gruppenzusammensetzung änderten. Selbst Honigbienen, die dafür bekannt sind, dass sie sehr sozial leben und die Bedürfnisse des Bienenvolks über ihre eigenen stellen, bewahren sich demnach eine gewisse Individualität.

Quelle: Universität Konstanz

Dauerhaft niedrige Zellzahlen: Welche Stellschrauben kann man nutzen?

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Von Dr. Theresa Scheu, Hofgut Neumühle

Wenn es um die Beurteilung der Qualität und Leistung eines Milchviehbetriebes geht, werden neben der Milchmenge und den Inhaltsstoffen im nächsten Atemzug die Zellzahlen genannt. Diese Angabe spiegelt beispiellos die Qualität des Lebensmittels Milch wieder und zugleich ist das Erreichen niedriger Herdenzellzahlen ein Zusammenspiel vielzähliger Faktoren, die immerzu einer Dynamik unterliegen.

Um zunächst eine Einordnung der Eutergesundheit aufgrund der Zellzahlen vornehmen zu können, bedarf es der Erklärung einiger Begriffe und Definitionen. Zur Verfügung steht einmal die sogenannte Tankmilchzellzahl, die regelmäßig, beispielsweise alle zwei Tage, durch die Molkerei zur Verfügung gestellt wird. Wie der Name schon sagt, sind in diesem Wert alle Tiere vereint, die in den Tank gemolken werden. Damit ist mithilfe dieser Zahl eine gute Aussage über das generelle Infektionsgeschehen im Euter zu treffen, da in der Regel hier auch Tiere mit subklinischen Mastitiden, also ohne offensichtliche Flocken im Gemelk, auffallen. Es besteht demnach eine Wechselbeziehung (Korrelation) zwischen dieser Zahl und dem Auftreten von subklinischen Mastitiden. So kann man Betriebe mit einer Tankmilchzellzahl < 150.000 Zellen/ml Milch als problemlos betrachten, während Betriebe mit > 250.000 Zellen /ml regelmäßige Probleme mit der Eutergesundheit haben. Die Marke von 400.000 Zellen/ml Milch ist nach der Milchgüteverordnung bekannt für drohende Liefersperren und Milchgeldabzüge.

Viel Potenzial für mehr Eutergesundheit
Es sollte jedem klar sein, dass es sich bei diesen gemessenen Zellen mehrheitlich um Entzündungszellen handelt und demnach lediglich ein Zellgehalt zwischen 30.000-100.000 Zellen/ml Milch für ein eutergesundes Tier spricht. Aus Verbrauchersicht bedeutet das im Umkehrschluss die vielleicht überspitzte Schlussfolgerung, dass Milch von kranken Tieren geliefert wird, wenn der Tankmilchzellgehalt die Marke von 100.000 Zellen/ml Milch übersteigt. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Diese Zahlen machen deutlich, dass es durchaus noch Potential gibt, die Eutergesundheit auf Betriebsebene zu verbessern. Im Q Check Monitoring aus dem Jahr 2023, dessen Verbund Daten von Milchkontrollen und HIT-Eintragungen aus 33.000 Betrieben von rund 3,1 Mio. Kühen bündelt, wird ein nationales Tierwohlmonitoring erstellt. Dort wird deutlich, dass lediglich knapp 60 Prozent der Milchkühe einer Herde als eutergesund eingestuft werden. Über 10 Prozent (11,1%) der Tiere erreichen Zellzahlen von über 400.000 Zellen/ml Milch. Diese Zahlen machen deutlich, dass es durchaus Potential gibt, die Eutergesundheit auf Betriebsebene zu verbessern, denn immerhin erreichen die 10 Prozent der besten Betriebe nahezu den Zielwert von 75 % eutergesunden Kühen im Bestand (74,6 %).

Tankmilchzellzahl für schnelle Rückschlüsse
Um dies zu erreichen, ist die Tankmilchzellzahl jedoch ungeeignet.


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Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte gegründet

Bereits 2018 beschäftigte sich auf dem Tierärztetag in Dresden ein „Arbeitskries Nutztier 2030“ mit den Zukunftsaussichten für Großtierärzte und der tierärztlichen Betreuung von Rindern und Schweinen. Schon damals wurde ein Rückgang der Zahl der Schweine-Praxen in Deutschland auf nur noch 200 prognostiziert. Bei den Rinder-Praktikern waren und sind die Aussichten kaum besser.

Um diesem Mangel entgegenzuwirken hat sich jetzt ein neuer Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte konstituiert. Auf der Homepage heißt es zu den Zielen des WFG:

WFG-Geschäftsführer Dr. Stefan von Rüden

„Wir sind ein führendes Arbeitgeber-Netzwerk freiberuflicher Tierarztpraxen mit dem gemeinsamen Ziel, die bestmögliche tierärztliche Versorgung für Schweine und Rinder sicherzustellen – wirtschaftlich nachhaltig, zukunftsorientiert und im Sinne unserer betreuten Landwirte und ihrer Tiere.

Eine stabile, zukunftssichere Großtierpraxis ist die Basis für eine nachhaltige tierärztliche Versorgung. Mit dem WFG fördern wir wirtschaftlichen Erfolg, unternehmerische Stärke und attraktive Karriereperspektiven für die nächste Generation von Großtierärzten.“

Aktuell arbeiten die Verbands-Mitglieder an 11 Standorte und betreuen mehr als 3.000 Betriebe mit über 8 Mio. Tieren.

Kaum Atemwegsinfektionen ohne APP

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Von Dr. Hendrik Nienhoff, Schweinegesundheitsdienst der LUFA Nord-West

Hustende Ferkel, Mastschweine oder auch Jungsauen sind in vielen Betrieben anzutreffen. Insbesondere wenn es in den Herbst oder ins Frühjahr geht und es kalte Nächte bei verhältnismäßig warmen Tagen gibt, dann spielen Atemwegsinfektionen in den Schweinebeständen eine große Rolle. Als Verursacher dieses Hustengeschehens kommen eine Reihe von Viren und Bakterien in Betracht. Seit Jahren ist der APP-Erreger regelmäßig oben in der Liste der Verursacher zu finden.

Die Erkrankung tritt häufig zwischen der 9. und 16. Lebenswoche auf. APP (Actinobacillus pleuropneumoniae) kommt in zwei Biovaren und mittlerweile mehr als 18 unterschiedlichen Serotypen vor. Die Serotypen sind unterschiedlich stark krankmachend, eine sehr hohe Pathogenität wird insbesondere den Serotypen 1,2,5 und 9 zugesprochen, mittlerweile auch 6. Die krankmachende Wirkung des Erregers beruht auf seinen Toxinen (Apx I-III). Diese Toxine zerstören die Lungenmakrophagen (Fress- und Abwehrzellen) und die roten Blutkörperchen. Als Folge hiervon findet man bei der Sektion bei einem perakuten bis akuten Verlauf dunkle oder blutige, scharf abgegrenzte Lungenbezirke mit abgestorbenem Gewebe. Je nach Serotyp sind aber auch Verwachsungen von Lunge und Brustfell möglich. Liegt ein chronischer Verlauf vor, kann es zu abgekapselten abgestorbenen Lungenbezirken kommen. Diese unterschiedlichen Verlaufsformen spiegeln sich auch beim klinischen Bild im Stall wieder. Bei der perakuten Verlaufsform kommen die Schweine nicht einmal mehr zum Husten. Hohes Fieber (bis 42 ºC) und eine massive Herz-Kreislaufschwäche mit blau-roter Verfärbung der Ohren und Rüsselscheibe, Maulatmung und Schaumbildung vor dem Maul führen innerhalb weniger Stunden zum Tode. Auch bei einem akuten Verlauf sterben ein großer Teil der Tiere ohne Behandlung, Fieber bis 41ºC und massiver Husten sind hier typisch. Häufig findet man in chronisch infizierten Betrieben aber eher auch die chronische Verlaufsform: wenig oder kein Fieber, Husten, beschleunigte Atmung, Kümmern und blasse Haut. Hier ist ein eher schleichender Verlauf zu erwarten, doch können die Verluste immerhin noch bis zu 10 % betragen.

Diagnostik mit Tücken
Die Diagnose kann am besten über eine Sektion und den direkten Erregernachweis über kulturelle Anzüchtung bzw. PCR aus den entnommenen Lungenproben gestellt werden. Alternativ dazu kann der Erreger auch aus Geschabseln von den Mandeln (Tonsillenkratzproben), Nasentupfern und Lungenspülflüssigkeit isoliert werden. Ein guter, aber aufwendiger Nachweis gelingt insbesondere über die Tonsillenkratzproben.


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Exzellenzforschung in MV: „KI-TIERWOHL“ erforscht innovative Ansätze für Tierwohl und -gesundheit

Das interdisziplinäre Projekt wird mittels Künstlicher Intelligenz (KI) sowie Bildverarbeitung, Bioakustik und Sensortechnologien das Wohl von Labor- und Nutztieren erfassen

Das Land Mecklenburg-Vorpommern treibt die Forschung zur Tiergesundheit und zum Tierwohl weiter voran. Beim Kickoff für das interdisziplinäre Verbundprojekt „KI-TIERWOHL“ kamen am Dienstag (8. April) in der Aula der Universität Rostock etwa 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um bei einer ersten offiziellen Arbeitssitzung den Zeitplan und die Schwerpunktsetzung für die nächsten Monate abzustimmen.

Ziel des Projektes, das durch die Landesexzellenz-Initiative vom Wissenschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern mit fünf Millionen Euro gefördert wird, ist die Entwicklung innovativer Methoden zur automatisierten, kontaktlosen Erfassung des Tierwohls durch Bildverarbeitung, Bioakustik und Sensortechnologien. Dabei werden modernste KI-gestützte Analyseverfahren genutzt, um eine objektive und evidenzbasierte Bewertung des Wohlbefindens von Tieren in Forschung und Landwirtschaft zu ermöglichen. Insbesondere werden deren Verhaltensmuster, Laute (Vokalisation) und Vitaldaten betrachtet.

„Das Wohl von Tieren ist nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine entscheidende Voraussetzung für qualitativ hochwertige Forschung und nachhaltige Landwirtschaft. Mit „KI-TIERWOHL“ setzen wir neue Maßstäbe in der Erfassung von tierwohlrelevanten Verhaltensmustern. Durch den interdisziplinären Ansatz und den Einsatz modernster Technologien können wir wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die sowohl in der Forschung als auch in der Praxis eine direkte Anwendung finden“, sagte Prof. Dr. Brigitte Vollmar, Direktorin des Rudolf-Zenker-Instituts für Experimentelle Chirurgie der Universitätsmedizin Rostock und Sprecherin des Verbundes „KI-TIERWOHL“.

Das Projekt bringt führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Lebens-, Agrar-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften zusammen. Unter anderem arbeiten Expertinnen und Experten der Universitätsmedizin Rostock, der Universitäten Rostock und Greifswald, des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN), des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tiergesundheit und der Hochschule Neubrandenburg gemeinsam an einer objektiven und vollständig automatisierten Tierwohlbewertung. Durch den Einsatz von KI-Methoden, wie maschinellem Lernen und Mustererkennung, soll eine präzisere Beurteilung von Stress, Beeinträchtigung, Schmerz und emotionalem Status möglich werden. Neben technischen Innovationen und einem zeitgemäßen Forschungsdatenmanagement stehen auch sozial-wissenschaftliche Untersuchungen zur Akzeptanz und Implementierung dieser neuen Technologien im Mittelpunkt.

„Im Verbundprojekt KI-TIERWOHL leisten wir am FBN einen wichtigen Beitrag zur automatisierten Erfassung des Tierwohls bei Schweinen und Rindern“, erklärte Prof Dr. Birger Puppe vom FBN. „Unser Fokus liegt auf der Analyse von Verhalten und Lautäußerungen, um objektive und zuverlässige Indikatoren für das Wohlbefinden der Tiere zu identifizieren. Das Team des FBN bringt verschiedene Expertisen in das Projekt ein: Dr. Sandra Düpjan erforscht die Lautäußerungen der Tiere, Dr. Christian Manteuffel entwickelt sensor- und videogestützte Erfassungsmethoden und ich beschäftige mich mit dem Aktivitäts- und Sozialverhalten. Durch den interdisziplinären Austausch mit unseren Partnerinnen und Partnern sowie den Einsatz modernster KI-Technologien schaffen wir die Grundlage für smarte, praxisnahe Lösungen, die eine nachhaltige und tiergerechte Nutztierhaltung ermöglichen“, fasste Prof. Dr. Puppe zusammen.

Neben „KI-Tierwohl“ ist das FBN ebenfalls Partner in zwei weiteren Verbundprojekten und damit an drei der fünf geförderten Forschungsverbünde maßgeblich beteiligt. Im Projekt AutoPasture bringt das FBN seine Expertise in der Verhaltensforschung und digitalen Tierüberwachung ein. Ziel ist es, das Weidemanagement u.a. durch KI-gestützte Verhaltensanalysen und Virtual Fencing effizienter und tiergerechter zu gestalten. Das Projekt Alg4Nut erforscht den Einsatz von Algen als innovatives Futtermittel für Wiederkäuer.

Die Exzellenzprojekte werden über vier Jahre mit jeweils fünf Millionen Euro gefördert und unterstreichen die zentrale Rolle des FBN in der angewandten Spitzenforschung für eine zukunftsfähige Nutztierhaltung.

Über das FBN:
Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) mit Sitz in Dummerstorf in der Nähe von Rostock im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern (vormals Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere) wurde 1993 gegründet und widmet sich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere. Rund 300 Mitarbeitende forschen und arbeiten interdisziplinär in den vier Fokusthemen: Nutztierhaltung individualisieren, Nutztierhaltung in Kreisläufen gestalten, Kritische Lebensphasen von Nutztieren bewältigen und Vielfalt in der Nutztierhaltung fördern. Ziel ist die Erforschung einer verantwortungsvollen Nutztierhaltung als unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Landwirtschaft. Dabei steht das Tier im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Fragestellungen, vom Genom über den Stoffwechsel bis zum Verhalten.

Quelle: FBN

MKS & Co.: Vorsorgen ist besser als Räumen!

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Am 4. April luden der Verbund trafo:agrar, das Friedrich Loeffler Institut und die Tierseuchenkassen Niedersachsen und Thüringen zu einer Online-Veranstaltung zur aktuellen Lage der MKS in Deutschland und Europa und zur Veröffentlichung der „Risikoampel Rind“ ein. Auf YouTube gibt es eine Aufzeichnung, die sich wirklich alle Nutztierhalter anschauen sollten! (Weiter unten eingebettet.)

Prof. Dr. Carola Sauter-Louis (Friedrich-Loeffler-Institut) gab einen „Überblick und Prognose zum MKS-Geschehen in Deutschland und Europa“. Ihr Blick auf das MKS-Geschehen im südöstlichen Europa zeigt, wie gefährlich MKS ist und welche dramatischen Folgen deren Ausbruch in einer halbwegs viehdichten Region hat.

Aber auch wie viel Glück wir in Deutschland hatten, dass der hiesige Seuchenfall so isoliert war und weder weitere Viehbestände noch Wildtiere infiziert wurden (obwohl die Brandenburger Rehe sich gerne an den Salzlecksteinen der betroffenen Wasserbüffel bedienten).

Prof. Dr. Karsten Donat (Tiergesundheitsdienst, Thüringer Tierseuchenkasse) ging in seinem Vortrag auf „Biosicherheit in Rinderbeständen – Wunsch und Wirklichkeit“ ein und zählte zahlreiche Punkte auf, die jeden Nutztierhalter zur kritischen Analyse des eigenen Betriebes und seiner Abläufe bringen muss.

Dr. Susanne Eisenberg (Niedersächsische Tierseuchenkasse) stellte „Das niedersächsische Biosicherheitskonzept für rinderhaltende Betriebe – Unterstützung für Tierhalter bei der Umsetzung des Tiergesundheitsrechts der EU (AHL)“ vor. Alle Hörer ihres Vortrags können anschließend hier ein ausführliches PDF herunterladen.

„Mit Sicherheit gegen das Risiko: Die Risikoampel Rind“ lautete der Titel des sehenswerten Beitrags von Dr. Barbara Grabkowsky (trafo:agrar). Auch hierzu gibt es weitere Informationen im Netz.

Studie: Quantifizierung und Minderung landwirtschaftlicher Methanemissionen

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Eine aktuelle Übersichtsstudie von Nisbet et al. („Praktische Ansätze zur Quantifizierung und Minderung landwirtschaftlicher Methanemissionen“) benennt Hotspots für die Emission des Treibhausgases.

1) Biogasanlagen, die im Durchschnitt 5.2% des produzierten Methans verlieren (1.7 bis 12.7%), aber leicht zu kontrollieren und optimieren seien

2) Güllesilos mit ihrem für Methanbakterien idealen Klima. Dichtere Abdeckungen, bessere Gasabscheidung, Fest-Flüssig-Trennung oder Ansäuerung könnten hier die Emissionen mindern.

3) Verbrennung von Ernteabfällen, Getreidestoppeln und Gras, vor allem in Indien, Südostasien und in Afrika südlich der Sahara. Als Alternative benennt die Studie Abfälle als Tierfutter, in Biogasanlagen oder zur Kompostierung zu nutzen.

4) Im Nassreisanbau würden weltweit pro Jahr 29 Mio. Tonnen Methan produziert. Optimiertes Wassermanagement, Strohernte außerhalb der Saison und Umwandlung von Stroh zu Pflanzenkohle könnten jedoch die Emissionen um 22−28 % senken.

In der Wiederkäuerhaltung könne durch höhere Produktivität dank besserer Tiergesundheit die Emissionen reduzieren. Auch Kuhrassen, die weniger Methan ausstoßen und Futterzusätze könnten zur Verminderung beitragen.

Die Studienautoren schätzen, dass optimierte Biogasanlagen und Tierhaltung 30–40 Mio. Tonnen Methan jährlich einsparen könnten. Durch besseres Ernteabfallmanagement, weniger Verbrennung und ein besseres Reismanagement könnten weitere 30 Mio. Tonnen eingespart werden.

Link zur Originalstudie

Im Kopf der Honigbiene

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Ein Forschungsteam der Uni Würzburg untersucht das Gehirn der Honigbiene. Die Gruppe um den Biologen Dr. Jerome Beetz interessiert, wie das räumliche Gedächtnis im Insektengehirn repräsentiert ist.

Was haben Menschen und Honigbienen gemeinsam? Sie tanzen. Während jedoch Menschen sich in der Regel zum Spaß bewegen, hat der Tanz der Honigbiene eine wichtige Funktion: Damit teilt das Tier Informationen über Richtung und Entfernung zu einer lukrativen Futterquelle ihren Kolleginnen mit und greift dafür auf ihr räumliches Gedächtnis zurück. Das Verhalten der Honigbienen ist in dieser Hinsicht gut erforscht. Weniger gut untersucht sind die Prozesse, die während des Tanzes im Gehirn ablaufen.

Hier setzt Dr. Jerome Beetz, Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie der Uni Würzburg (JMU), mit einem Projekt an: „Wir wissen, dass die Biene beim Schwänzeltanz akustische Signale aussendet, die dazu verwendet werden können, Distanzinformationen zu entschlüsseln. Einige Nervenzellen im Gehirn, die diese Signale verarbeiten, sind bereits beschrieben“, so der Biologe. Dies stellte Hiroyuki Ai, Professor an der Fukuoka Universität (Japan) und Kooperationspartner an Beetz‘ Projekt, fest.

Das Gehirn der Honigbiene erkunden
„Besonders spannend jedoch ist, dass die räumlichen Informationen im Schwänzeltanz in völliger Dunkelheit kommuniziert werden, wohingegen außerhalb des Nests vor allem visuelle Signale eine entscheidende Rolle für die Orientierung spielen“, so der JMU-Wissenschaftler, „so dient der optische Fluss – vergleichbar mit dem Blick aus einem fahrenden Zug –, den die Biene während ihres Fluges wahrnimmt, zur Messung der zurückgelegten Distanz.“ Das Ziel des Biologen ist es, herauszufinden, wo im Gehirn der Honigbiene beide Quellen der Distanzmessung integriert werden. „Wir vermuten daher Nervenzellen, die sowohl visuelle als auch akustische Signale verarbeiten“, so Beetz.

Dafür steht dem JMU-Wissenschaftler ab Mai 2025 ein Team zur Verfügung: Das Projekt wird im Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit knapp zwei Millionen Euro gefördert. Damit kann Beetz in den kommenden sechs Jahren eine Nachwuchsforschungsgruppe aufbauen, bestehend aus zwei Doktoranden und einem Postdoc-Forschenden.

Die Honigbiene im Flugsimulator
Um messen zu können, was im Gehirn passiert, wenn das räumliche Gedächtnis abgerufen wird, hat Beetz während seines Postdocs in der Gruppe von Professor Basil el Jundi, ehemaliger JMU-Nachwuchsgruppenleiter, eine eigene Messtechnik entwickelt: Die Tetroden-Ableitung. Hierbei werden mittels Tetroden Nervensignale aufgenommen, während das Insekt in einem Flugsimulator sich frei drehend orientieren kann. Dazu implantiert der Forscher dem Insekt vier ultrafeine Elektroden im Gehirn, die die Aktivität einzelner Nervenzellen messen.

„Diese Methode ermöglicht es uns, neuronale Messungen vorzunehmen, während sich das Tier aktiv orientiert. Eine solche Messung wäre an frei fliegenden Insekten nicht möglich, da sie das Gewicht der Elektroden und Sender nicht tragen könnten. Daher konzentrieren wir uns darauf, im Flugsimulator eine möglichst natürliche Umgebung zu erzeugen“, so der künftige Nachwuchsgruppenleiter.

Aber woher weiß die Arbeiterin, wohin sie fliegt, wenn sie sich im Grunde genommen nur an Ort und Stelle bewegt? Hier kommt virtuelle Realität (VR) ins Spiel.

Mit einer Drohne wird das Team Fotoaufnahmen des Gebiets um den Bienenstock machen. Eine Software erstellt daraus eine 3D-Umgebung, die an dem realen Vorbild angelehnt ist. Die Honigbiene kann sich somit im virtuellen Raum frei bewegen. Dieses Projekt geschieht in Kooperation mit Professor Tim Landgraf, Institut für Informatik der Freien Universität Berlin, und Professorin Karin Nordström, Professorin an der Flinders University in Australien, die bereits ein VR-System für fliegende Insekten entwickelt hat.

Würzburg: Optimaler Forschungsstandort
„Wichtig für uns ist es, das Verhalten der Honigbiene gemeinsam mit den dazugehörigen Prozessen im Gehirn zu messen. Nur so können wir erforschen, wie das Gehirn Verhalten steuert“, so Beetz. Würzburg sei hierfür der optimale Forschungsstandort. Hier gebe es eine lange Tradition in der Bienenforschung und die optimale Infrastruktur, um die Messungen durchzuführen. Unterstützung erhält er auch von Professor Keram Pfeiffer und Dr. Jacqueline Degen vom JMU-Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie, die ihm als Kooperationspartner zur Seite stehen.

Auch Studierende sollen Teil von Beetz‘ Team sein; sie können bei ihm aktiv forschen und so ihre Bachelor- und Masterarbeiten anfertigen. „Ich möchte ihnen früh einen Einblick vermitteln, was es heißt, in der Wissenschaft zu arbeiten. Dazu werden die Studierenden vollwertige Teammitglieder und lernen eigenständig Forschungsfragen zu stellen und zu bearbeiten, denn auch sie werden wichtige Beiträge zu dem Projekt leisten“, so der Biologe.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Ökologische Putenmast: Konventionelle Herkünfte auch für Ökolandbau geeignet

Auch mit schnell wachsenden Putenherkünften lassen sich unter ökologischen Fütterungs- und Haltungsbedingungen gute und wirtschaftlich tragfähige Mastleistungen erzielen. Das ist das Ergebnis einer vierjährigen Studie, die Forscherteams des FiBL Deutschland, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gemeinsam durchgeführt haben.

In den Untersuchungen prüften die Forscherteams die Wirkung unterschiedlicher Fütterungsvarianten. Dabei erhielten die Tiere während der achtwöchigen Aufzuchtphase Kraftfuttermischungen mit reduzierten Mengen der wichtigsten Aminosäuren Methionin und Lysin sowie geringeren Energiegehalten. Zusätzlich untersuchten die Forschenden, wie sich die Zufütterung von Grünfuttersilage und verschiedene Haltungsformen auf die Entwicklung der Puten auswirkt. Alle Varianten wurden mit der schnell wachsenden Herkunft B.U.T. 6 und der langsam wachsenden Auburn-Herkunft durchgeführt.

In den Versuchen mit Putenhähnen zeigte sich, dass eine Absenkung der empfohlenen Aminosäuregehalte in der Aufzuchtphase um bis zu 30 Prozent im Kraftfutter bei 10 Prozent geringeren Energiegehalten in der nachfolgenden Mastphase vollständig ausgeglichen wurde. Die Tiere zeigten bei dieser Fütterungsstrategie ein ausgeprägtes kompensatorisches Wachstum. Zudem hatte die limitierte Fütterung während der Aufzucht keinen negativen Einfluss auf die spätere Fleischqualität.

Bessere Leistungen im Mobilstall
Auffällig war nach Einschätzung der Forscherteams, dass die Haltung im Mobilstall mit Grünauslauf bei ausreichender Vegetation offenbar einen nennenswerten Beitrag zur Versorgung der Tiere leisten kann. Die Putenhähne dieser Variante hatten signifikant höhere Schlachtkörpergewichte bei hohem Brustmuskelanteil im Vergleich zu den Tieren mit reiner Stallhaltung. Als Grund sehen die Fachleute das zusätzliche Angebot an proteinreichen Nahrungsquellen im Auslauf wie Grünfutter, Würmer und Insekten.

Die Zufütterung von Grünfuttersilage und der Grünauslauf führten zu einer verringerten Kraftfutteraufnahme, wobei die Silage einen größeren Verdrängungseffekt hatte.

Insgesamt seien beide Herkünfte in der Lage, ihr Wachstumspotenzial auch bei eingeschränkter Energie- und Aminosäureversorgung und unter ökokonformen Haltungsbedingungen voll auszuschöpfen. B.U.T. 6-Hähne erzielten jedoch eine höhere Schlacht- und Wachstumsleistung bei geringerer Nährstoffaufnahme pro Kilogramm Zuwachs. Das ist aus Sicht der Forscherteams ein Hinweis darauf, dass diese Herkunft unter ökologischen Bedingungen bessere Leistungen erzielt als die langsam wachsenden Auburn-Tiere. Zudem hatten B.U.T. 6-Herkünfte in der Mast deutliche Vorteile bei der Wirtschaftlichkeit.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des FIBL

Originalmeldung des FIBL mit Kontaktdaten zum Autor Dr. Christian Lambertz

Gesamtabschlussbericht zum Projekt „Ökologische Putenmast: Bedarfsgerechte Aminosäuren- und Vitaminversorgung in Abhängigkeit von Genotyp, Fütterungsstrategien und Haltungsbedingungen“

Gesunde Milchkühe trotz langer Nutzungsdauer

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Von Corinne Oberist, FIBL Schweiz

Eine lange Nutzungsdauer von Milchkühen hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und ethische Vorteile. Eine neue FiBL Studie auf Schweizer Milchviehbetrieben zeigt: Eine längere Nutzungsdauer muss nicht mit Einbussen bei der Tiergesundheit oder höherem Medikamenteneinsatz einhergehen.

Die Nutzungsdauer von Milchkühen ist ein entscheidender Faktor für die Nachhaltigkeit in der Milchproduktion. Je länger eine Kuh im Betrieb verbleibt, desto besser verteilen sich die Aufzuchtkosten und Klimaauswirkungen auf die Milchleistung. Doch oft wird befürchtet, dass ältere Kühe gesundheitliche Probleme entwickeln und häufiger behandelt werden müssen. Eine aktuelle Studie des FiBL hat deshalb Schweizer Milchviehbetriebe mit langer und kurzer Nutzungsdauer verglichen. Zwischen den Betrieben bestand im Durchschnitt eine Nutzungsdauerdifferenz von über 2 Jahren.

Gute Fruchtbarkeit als Schlüssel zur Langlebigkeit
Betriebe mit langlebigen Kühen zeichneten sich durch eine bessere Fruchtbarkeit aus. So waren weniger Besamungen bei Erstkalbinnen nötig und sowohl die Güst- wie auch die Zwischenkalbezeiten waren kürzer. Auch führten Betriebe mit längerer Nutzungsdauer tendenziell weniger Antibiotikabehandlungen zur Behandlung von Fruchtbarkeitsproblemen durch.

Höhere Zellzahlen, aber kein Unterschied bei Mastitisbehandlungen
Die Zellzahlen der Kühe von Betrieben mit längerer Nutzungsdauer waren höher als von Betrieben mit kurzer Nutzungsdauer. Die Schwankungen innerhalb der Betriebe waren jedoch gross und die Zellzahlen lagen in beiden Gruppen unter 100’000 Zellen pro Milliliter Milch. „Der Unterschied in den Zellzahlen war geringer, als wir aufgrund des deutlich höheren Alters bei Kühen auf Betrieben mit langer Nutzungsdauer erwartet hätten“, erklärt Anna Bieber, FiBL Mitarbeiterin und Erstautorin der Studie. Zudem führten die erhöhten Zellzahlen nicht zu signifikant mehr antibiotischen Mastitisbehandlungen.

Kaum Unterschiede im Gesundheitsmanagement
Die untersuchten Gruppen zeigten keine Unterschiede in Bezug auf Lahmheit und Klauengesundheit. Betriebe mit kürzerer Nutzungsdauer führten tendenziell öfter Antibiotikabehandlungen im Bereich Fruchtbarkeit und wegen anderer Gesundheitsprobleme durch, dieses Ergebnis konnte jedoch nicht statistisch abgesichert werden. Ansonsten unterschieden sich die medizinischen Behandlungen nicht. Auch die gesundheitsbezogene Betriebsabläufe – beispielsweise der Anteil Betriebe, der die Reihenfolge des Melkens nach Eutergesundheitsstatus durchführte oder das Melkzeug einer Zwischenreinigung unterzog, die Anzahl Klauenschnitte pro Jahr, die Nutzung von Einzelboxen für kranke Kühe oder der Einsatz von Alternativmedizin – glichen sich.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine lange Nutzungsdauer nicht auf Kosten der Tiergesundheit gehen muss. „Langlebige Kühe sind nicht nur ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil für den Betrieb“, betont Anna Bieber. Um dies zu erreichen, empfiehlt sie Betrieben insbesondere die Fruchtbarkeit sowie die Euter- und Klauengesundheit gezielt zu fördern.

Link zur Originalstudie

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Originalmeldung des FIBL mit Kontaktdaten

Förderung für Autonomes Herden- und Weidemanagement von Rindern

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Das Bündnis „AutoPasture – Digitale Anwendungen für ein autonomes Herden- und Weidemanagement von Rindern“ wird als einer von fünf Forschungsverbünden im Landesexzellenzprogramm „Anwendungsorientierte Exzellenzforschung“ mit rund 5 Mio. € für vier Jahre gefördert. Das Bündnis „AutoPasture“ zielt darauf ab, zukunftsfähige, tierwohlgerechte Lösungen für die Rinderhaltung zu entwickeln, indem es die Weidehaltung von Rindern automatisiert und damit den personellen Aufwand reduziert.

Es umfasst als Reallabore Milchviehhaltung, produktionsorientierte Mutterkuhhaltung und die Haltung von Wasserbüffeln.

Das Vorhaben untersucht auch, wie sich die Beweidung auf unterschiedliche Vegetationsgemeinschaften auswirkt und ob bestimmte Bereiche strategisch beweidet werden können, um zum Beispiel die Ausbreitung von Schadpflanzen zu verhindern. Weitere Forschungsfragen betreffen die Förderung der Biodiversität, die Auswirkungen von Technik auf das Wohlbefinden der Tiere und die Grenzen und Möglichkeiten der Automatisierung des Weidemanagements.

Von der Hochschule Stralsund beteiligte sich Prof. Dr.-Ing. Mark Vehse mit einem Konsortium bestehend aus Partnern der Universität Rostock, der Hochschule Neubrandenburg, dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf sowie dem Forschungsverbund MV an dem im Jahr 2024 gestarteten Wettbewerb. Unterstützt wird das Konsortium zudem durch die beiden assoziierten Partner, das Fraunhofer IGP (Rostock) und das Fraunhofer IGD (Rostock). „Wir sind unglaublich stolz auf die Förderung und hoch motiviert, die Forschungsfragen schnellstmöglich anzugehen“, erklärt Prof. Vehse. Die Forschungslandschaft in M-V soll durch das Projekt bereichert werden, in dem weitere Forschungsfelder bearbeitet und zugleich sehr unternehmensnahe Lösungen entwickelt werden, „die auch wirklich in eine technische Umsetzung gehen können“, betont Prof. Vehse.

Quelle: Hochschule Stralsund

2025 Wechsel an der KTBL-Spitze: Prof. Dr. Nicole Kemper ist neue KTBL-Präsidentin

Anlässlich der KTBL-Tage in Celle wählte die Mitgliederversammlung des KTBL am 26. März Prof. Dr. Nicole Kemper zur neuen Präsidentin. Professorin Kemper folgt damit Prof. Dr. Eberhard Hartung im Amt nach, der acht Jahre an der Spitze des KTBL stand und für eine Wiederwahl nicht mehr kandidierte, sich aber weiterhin als Teil des Präsidiums engagiert.

Als Stellvertreter wurden Dr. Stefan Neser, Leiter des Instituts für Landtechnik und Tierhaltung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und Dr. Harm Drücker, Leiter des Fachbereichs Landtechnik, Energie, Bauen, Immissionsschutz bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, gewählt.

Frau Professor Dr. Nicole Kemper studierte Veterinärmedizin an der Universität Leipzig, abschließend mit der Approbation als Tierärztin. Es folgte die Promotion am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Nach Abschluss der Habilitation am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel war sie als Professorin für Hygiene und Reproduktionsphysiologie der Nutztierhaltung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg tätig. Seit August 2013 ist sie Professorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Direktorin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie.

Professor Kemper engagierte sich seit 2015 einige Jahre in der KTBL-Arbeitsgemeinschaft Nutztierhaltung sowie in weiteren KTBL-Arbeitsgruppen. Sie wurde 2017 in das Präsidium und nun an dessen Spitze gewählt.

Die weiteren gewählten Präsidiumsmitglieder sind Prof. Dr.-Ing. Jörg Dörr, Inhaber des Lehrstuhls „Digital Farming“ an der Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern Landau (RPTU), Prof. Dr. Eberhard Hartung Direktor des Institutes für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sowie Prof. Dr. Silke Hüttel, Leiterin der Professur für Management der Agrar- und Ernährungswirtschaft, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung, Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Göttingen.

Zusätzlich zu den gewählten Mitgliedern ist Dr. Burkhard Schmied, Leiter der Abteilung 7 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, kraft Amtes Mitglied des Präsidiums.

Quelle: KTBL

Insektenprotein für (Öko-)Schweine? Bioland Schweinefachtagung 2025

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Andrea Meyer von der LWK Niedersachsen referierte anlässlich der diesjährigen Schweinefachtagung des Bioland-Verbands über Optionen und Herausforderungen beim Einsatz von Insekten als Futtermittel und bei der Zucht der Tiere.

Seit 2021 darf Insektenprotein in Deutschland an Geflügel, Fische und Schweine verfüttert werden. Für Insektenprotein als Futtermittel sprechen grundsätzlich der mögliche Ersatz von z. B. Ölkuchen, die Flächenersparnis und der hohe Proteingehalt von Insekten.

Insekten produzieren antimikrobielles Protein, das zur Keimabwehr beiträgt und evtl. gegen Nekrosen oder Schwanzbeißen helfen könnte. Aber macht Insektenprotein in der Schweinefütterung auch ökonomisch Sinn?

In einem Fütterungsversuch, bei dem eine Versuchsgruppe 4% Insektenprotein bekam (dreiphasige ad libitum Pelletfütterung), zeigte sich, dass bei Mastleistung und Schlachtkörperbewertung praktisch identische Ergebnisse zur herkömmlich gefütterten Kontrollgruppe erreicht werden können. Aber: die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen um 54% höher! Bei der „Insektengruppe“ waren es € 125,89, bei der Kontrollgruppe nur € 81,66 je 100 kg.

Bei einem Versuch der TH Bingen wurden lebende Insektenlarven an Ferkel verfüttert. Es zeigte sich, dass Ferkel ganz begeistert auf das Lebendfutter und Spielmaterial reagieren, aber welche weiteren Vorteile eine Larvenfütterung hat, sei noch ungeklärt, sagte Andrea Meyer. Ebenso welche Fütterungstechnik geeignet sei, um vor allem die Larven am Verlassen des Futtertrogs zu hindern. Und: auch die Kosten wären noch nicht berechnet.

Einige Landwirte (vor allem auch Schweinemäster) spielen mit dem Gedanken, selbst in den Zukunftsmarkt Insektenzucht einzusteigen. Bis 2030 wird für die EU eine Produktions-Steigerung von 11.000 t (2023) auf 600.000 t erwartet! Wichtigste Abnehmer sind bereits heute der Heimtiersektor und die Aquakultur und auch die Pharmaindustrie hat Interesse (an Insektenfett und Chitin).

Es gibt heute in Deutschland zwar etliche Start-Ups, aber noch wenig verfügbare Mengen. In den Niederlanden, Frankreich und Dänemark bestehen bereits größere Anlagen. In der dänischen „Enorm“-Anlage sollen einmal jährlich 10.000 t Insektenprotein, 2.500 t Insektenöl und 15.000 t Insektenfrass (als Düngemittel) produziert werden.

Dazu wurden € 100 Mio. investiert! Die Futterkosten liegen bei € 20-€ 23 je dt, weshalb ein Verkaufspreis zwischen € 3,00 und € 3,50 erzielt werden muss.

Wer selbst in diesen Markt einsteigen will, müsse nicht nur mit hohen Auflagen, Registrierungs- und Zulassungspflichten rechnen, sondern auch einen neuen Stall (mit 4 Meter Deckenhöhe) bauen, führe Frau Meyer aus. „Mal eben“ den Schweinemaststall umwidmen ist damit wohl keine Option.

Zehn Eier mehr pro Person: Neue BZL-Versorgungsbilanz

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern stieg 2024 nach vorläufigen Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) auf 249 Eier und wuchs damit das zweite Jahr in Folge. Die Erzeugung von Konsumeiern im Inland erhöhte sich ebenfalls auf 15,2 Milliarden Stück (+ drei Prozent). Trotz derzeitiger Eierknappheit in den USA und der Lage in Großbritannien schätzt das BZL die Versorgung zu Ostern als sicher ein, auch wenn Deutschland etwa ein Viertel seines Bedarfs importieren muss.

Während laut Versorgungsbilanz der rechnerische Verbrauch im Jahr 2023 noch 239 Eier betrug, verbrauchten die Bundesbürgerinnen und -bürger im vergangenen Jahr 249 Eier pro Person, inklusive verarbeiteter Eier in Eiprodukten. Der Nahrungsverbrauch wuchs damit auf insgesamt 20,8 Milliarden Eier (2023: 19,9 Milliarden), was einem Plus von mehr als vier Prozent entspricht. „Eier erweisen sich im Vergleich zu anderen Lebensmitteln für Verbraucherinnen und Verbraucher im Einzelhandel als relativ preisstabil“, erklärt Dr. Josef Goos, Leiter des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL). Bei der Ausbreitung der flexitarischen Ernährung sind Eier zudem eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß.

Legehennenbestand steigt auf über 51 Millionen
Neben dem Verbrauch hat auch die Produktion zugenommen. Der Bestand an Legehennen war 2024 mit 51,4 Millionen um eine Million Tiere höher als 2023. Darin enthalten ist eine vom BZL hinzu geschätzte Anzahl an Legehennen in Kleinbeständen mit weniger als 3.000 Haltungsplätzen. Die Legeleistung stieg ebenfalls an: Von 291 Eiern je Henne und Jahr (2023) auf nunmehr 295 Eier je Henne. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 15,2 Milliarden Konsumeier erzeugt (+ drei Prozent). Damit konnte der Inlandsbedarf zu 72,2 Prozent aus heimischer Ware gedeckt werden (-0,8 Prozentpunkte im Vergleich zu 2023).

Hohe Inlandsnachfrage lässt Importe wieder steigen
Die Importe von Schaleneiern stiegen geschätzten Angaben zu Folge 2024 um rund 400 Millionen Stück (knapp sieben Prozent), die von Eiprodukten (Vollei, Eigelb und Eiweiß, flüssig, getrocknet, gefroren) ebenfalls um sieben Prozent. Von den importierten Schaleneiern stammten 76 Prozent aus den Niederlanden, gefolgt von Polen (13 Prozent) und Belgien (drei Prozent).

Trotz des hohen Inlandsbedarfs legten auch die Ausfuhren zu, wobei insbesondere der Export von Eiprodukten anstieg. Die Hauptabnehmerländer von Eiprodukten aus Deutschland waren 2024 Polen, Österreich, die Schweiz, Dänemark und die Niederlande.

Eierangebot zu Ostern knapp, aber ausreichend
Von der aktuellen Eierknappheit in den USA und der Lage in Großbritannien spüren Verbraucherinnen und Verbraucher auf den deutschen Eiermarkt derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen, da der Handel mit diesen Ländern bislang nur in sehr geringem Umfang stattfindet.

Kurz vor Ostern rechnet das BZL mit einer traditionsgemäß erhöhten Eiernachfrage. „Diesen erhöhten Bedarf wird der Lebensmitteleinzelhandel bestmöglich bedienen. Knapp werden könnte vor Ostern die Verfügbarkeit besonders bei den preisgünstigen Einstiegssegmenten der jeweiligen Haltungsformen“, schätzt BZL-Leiter Goos die Lage ein. „Das ist aber jedes Jahr vor Ostern so und die Regale werden anschließend zeitnah wieder gefüllt sein.

Versorgungsbilanz: Zahlen nur bis 2022 vergleichbar
Das BZL verwendet in den Versorgungsbilanzen die Bevölkerungszahlen des Statistischen Bundesamtes für die Berechnung von Pro-Kopf-Angaben. Mit dem Zensus 2022 gibt es eine neue Grundlage für die Fortschreibung. In den Bilanzen wurden die Bevölkerungszahlen ab 2022 durch die aktuellen Zahlen aus dem neuen Zensus ersetzt und die Daten zum Pro-Kopf-Verbrauch entsprechend aktualisiert. Eine Vergleichbarkeit mit Werten vorheriger Jahre ist damit derzeit nicht möglich.

Die Versorgungsbilanz Eier ist unter www.bmel-statistik.de/eier sowie unter www.ble.de/eier zu finden.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Update Blauzunge

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Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Krankheit der Wiederkäuer, insbesondere der Rinder, Schafe und Ziegen. Das gegenwärtig in Deutschland vorherrschende BTV-3-Geschehen hat sich im Jahr 2024 über weite Teile Europas ausgebreitet. Auslöser war ein erster im September 2023 in den Niederlanden aufgetretener Fall. In Deutschland erreichte die Infektionswelle zwischen Juli und Oktober 2024 ihren Höhepunkt. Hauptsächlich betroffen waren bisher der Westen und Norden Deutschlands. Das Infektionsgeschehen hat nach Oktober witterungsbedingt deutlich abgenommen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt mehr als 15.000 BTV-3-Ausbrüche amtlich festgestellt, überwiegend betroffene Tierarten waren Rinder und Schafe. Ein hohes Risiko für Ausbrüche des Blauzungenvirus Serotyp 3 (BTV-3) ist in Deutschland schon ab Mai zu erwarten, da dann die Gnitzen, Überträger des Virus, wieder vermehrt fliegen werden.

Alle Informationen zum aktuellen Tierseuchengeschehen sind hier zu finden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ermutigt Rinder-, Schaf- und Ziegenhalterinnen und -halter dazu, ihre Tiere gegen das Blauzungen-Virus (BTV 3) zu impfen. Derzeit ist die Anwendung von drei bislang nicht zugelassenen BTV-3-Impfstoffen gemäß BTV-3-Impfgestattungsverordnung weiterhin möglich. Durch die BTV-3-Impfung kann eine Erkrankung von Tieren verhindert oder eine deutliche Reduktion der klinischen Symptome und der Sterblichkeit sowie weiterer Folgen einer BTV-3-Infektion erreicht werden. Diese Maßnahme stellt bisher den einzigen wirksamen Schutz vor der Erkrankung dar. Die Impfung sollte jetzt im Februar/März erfolgen, da ab Mai das Erkrankungsrisiko steigt und die Impfung einige Zeit braucht, bis sich der Schutz im Tier aufgebaut hat. Bei Tieren, die schon 2024 eine Grundimmunisierung erhalten haben, ist eine einmalige Impfung als Booster ausreichend. Tiere, die bisher noch nicht geimpft wurden, sollten eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen innerhalb dem vom jeweiligen Hersteller empfohlenen Abstand.

Zur besseren Information der tierhaltenden Betriebe hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den betroffenen Verbänden jetzt eine Hilfestellung an die Hand gegeben: In einem neuen Merkblatt zur Blauzungenkrankheit wird über alle Aspekte rund um die Infektion und die Impfung aufgeklärt.

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 1-2025

Klimawandel: Kann die Tierhaltung Teil der Lösung sein?

Fleisch, Eier und Milchprodukte bleiben wichtige Bestandteile der weltweiten Ernährung. Angesichts des wachsenden Drucks zur Reduzierung der Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion stellte Prof. Dr. Frank Mitlöhner von der University of California in Davis in einem Webinar von Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH fest, dass die Tierhaltung sowohl Teil des Problems als auch der Lösung sein könne, wenn Maßnahmen zur Emissionsreduktion und Effizienzsteigerung ergriffen werden.

Mitlöhner wies darauf hin, dass die Tierhaltung in Industrieländern wie Deutschland etwa 5 % der nationalen Treibhausgasemissionen ausmacht. Der Hauptverursacher des Klimawandels sei jedoch der Sektor der fossilen Brennstoffe. Der Verzehr von tierischen Produkten sei daher nicht der Hauptauslöser des Klimawandels, wie eine Studie zeige, die nachwies, dass ein Verzicht in den USA nur zu einer Reduktion von 2,6 % der Emissionen führen würde.

Der Hauptemittent von Treibhausgasen aus der Tierhaltung ist Methan, das bei der Verdauung von Wiederkäuern und bei der Lagerung von Gülle entsteht. Methan hat eine viel kürzere Lebensdauer als CO2 und trägt nur für etwa 10 Jahre zur Erderwärmung bei, bevor es abgebaut wird.

Mitlöhner betonte, dass eine Reduktion der Tierbestände in Industrieländern die Emissionen nur verlagern würde. Stattdessen sollten Maßnahmen ergriffen werden, um Emissionen in nützliche Produkte umzuwandeln, wie zum Beispiel durch den Einsatz von Biogasanlagen, die Methan einfangen und in Strom oder Treibstoff umwandeln.

Praktische Lösungen umfassen auch die Zucht von Tieren, die weniger Methan produzieren, den Einsatz von Methaninhibitoren und verbessertes Management in der Tierhaltung. Diese Ansätze können den Methanausstoß erheblich reduzieren.

Abschließend stellte Mitlöhner fest, dass es möglich sei, den Einfluss der Tierhaltung auf das Klima zu verringern. In Kalifornien, wo bis 2030 eine Reduktion der Methanemissionen um 40 % erreicht werden soll, werden durch Biogasanlagen und Effizienzsteigerungen bereits erhebliche Fortschritte erzielt. Er betonte, dass eine gemeinsame Anstrengung von Gesellschaft und Landwirtschaft erforderlich sei, um Nachhaltigkeit in der Tierhaltung zu fördern.

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels

Mit dem Duftstoff-Navi zum Nektar: Blüten manipulieren „stehlende“ Hummeln für bessere Bestäubung

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Duftstoffe von Blüten wirken nicht nur über die Luft, sondern auch als Geschmacksstoffe im Nektar. Das hat ein deutsch-US-amerikanisches Forschungsteam unter Leitung der Universität Ulm herausgefunden. Es konnte zeigen, dass Springkraut-Blüten Hummeln mit einem ausgeklügelten chemischen Leitsystem zum Nektar führen. Mit dieser raffinierten Strategie verhindern die Pflanzen auch, dass die Insekten nur den Nektar stehlen, ohne ihre Arbeit als Bestäuberinnen zu verrichten. Die Ergebnisse der Studie wurden im renommierten Fachjournal Current Biology veröffentlicht.

Wenn im jetzt beginnenden Frühjahr wieder Bienen, darunter auch Hummeln, und andere Insekten durch Gärten und Parks summen, folgen sie einem ausgeklügelten chemischen Leitsystem: Um Bestäuber anzulocken und ihnen den Weg zu Pollen und Nektar zu weisen, geben Blüten leichtflüchtige organische Substanzen als Duftstoffe ab, und zwar nicht nur in die Luft, sondern auch in den Nektar: Bienen und Hummeln können diese nämlich nicht nur riechen, sondern dank zahlreicher Sinneszellen an ihren Mundwerkzeugen auch schmecken. Diese zweifache Funktion wurde bislang kaum wissenschaftlich untersucht. Ein internationales Team um die Ulmer Forschenden Kim Heuel, Dr. Hannah Burger und Professor Manfred Ayasse konnte jetzt nachweisen, dass sich Duftstoffe in Pflanzenarten mit komplexen Blüten räumlich verteilen und manche flüchtigen organischen Verbindungen nur im Nektar vorkommen.

„Wir konnten erstmals zeigen, dass Pflanzen eine Art chemosensorische Landkarte in ihren Blüten anlegen“, erläutert Erstautorin Kim Heuel. „Bestimmte Duftstoffe – manche zum Riechen, andere zum Schmecken – kommen ausschließlich im Nektar vor und leiten die Bestäuber wie ein Navigationssystem zum Ziel.“ Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten nordamerikanische Springkraut-Arten mit einem gebogenen Nektarsporn sowie deren typische Bestäuber, die Hummelart Bombus impatiens. Während einige Hummeln tief in die Blüte kriechen, um an den Nektar zu gelangen, und dabei auch gleich die Bestäubung erledigen, nehmen andere eine Abkürzung: Sie beißen von außen ein Loch in den Nektarsporn. So werden sie zu „Nektardieben“, denn die Blüten werden dabei nicht bestäubt.

Diebstahlsicherung schützt vor Nektardieben
Doch die Springkräuter haben eine Art Diebstahlsicherung eingebaut. In aufwändigen Verhaltensexperimenten mit unerfahrenen Hummeln, die zum ersten Mal Blüten erkunden, stellten die Forschenden fest, dass die Insekten unterschiedlich auf die flüchtigen organischen Verbindungen reagieren – je nachdem, ob sie diese als Duft- oder Geschmacksstoff wahrnehmen. „Typische Nektarduftstoffe wie Vanillin schmeckten den Hummeln gut, während sie die Duftstoffe aus anderen Blütenteilen wie dem Nektarsporn eher mieden“, so Dr. Hannah Burger vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Uni Ulm, die die Studie koordiniert hat. „Diese räumliche Verteilung der flüchtigen organischen Verbindungen fördert die Bestäubung und schreckt Nektardiebe durch unangenehm schmeckende Substanzen in der Blütenwand ab“, erklärt Dr. Burger. „Die Pflanzen haben eine Art chemischen Türsteher entwickelt.“

Die Bedeutung der Entdeckung geht über die untersuchten Arten hinaus. Die Ergebnisse zeigen, dass Blütenduftstoffe auch als Geschmackssignale eine wichtige Rolle in der Kommunikation zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern spielen. „Bisher hat die Wissenschaft die Rolle von Duftstoffen als Geschmackssignale unterschätzt“, betont der Ulmer Bienenexperte und Mitkoordinator der Studie, Professor Manfred Ayasse. „Die Erkenntnisse eröffnen völlig neue Forschungsfelder in der Sinnes- und Verhaltensbiologie von Bestäubern und nicht-bestäubenden Gegenspielern.“

Die Studie entstand im Rahmen von Kim Heuels Masterarbeit am Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Universität Ulm. Die Analyse der Blütenduftstoffe führte sie gemeinsam mit Professor Robert Raguso an der Cornell University in den USA durch. Professor Robert Gegear von der University of Massachusetts steuerte seine Expertise in der Verhaltensökologie von Bestäubern bei. Für die interdisziplinär angelegten Untersuchungen nutzte das Team modernste Analysemethoden zur Identifizierung von leichtflüchtigen organischen Substanzen.

Das Projekt wurde unter anderem durch das Mentorshipprogramm des Zukunftskollegs der Universität Konstanz und durch PROMOS-Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) gefördert.

Quelle: Universität Ulm