ALDI Bio Weide Rind: ALDI SUISSE unterstützt schweizweit einzigartiges Weidemastprojekt

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ALDI SUISSE führt per Januar 2020 das Projekt sowie das damit verbundene Bio-Rindfleischsortiment «ALDI Bio Weide Rind» (ABWR) ein. Das Projekt wurde von ALDI SUISSE gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL vor rund zwei Jahren initiiert und sorgt dafür, dass männliche Milchrassekälber auf dem Geburtsbetrieb aufwachsen dürfen. Für sie gab es bislang im Bio-Landbau keine Verwendung.

Übernahme von Verantwortung
Das Projekt «ALDI Bio Weide Rind» basiert auf allen bewährten Bio-Standards, geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter: Im Rahmen von ABWR dürfen auch männliche Milchrassekälber auf dem Geburtsbetrieb aufwachsen. Solche Kälber werden aus der Milchviehhaltung unter höchsten Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit aufgezogen. Aus ethischer und ökologischer Sicht ist es erstrebenswert, diesen Jungtieren aus der Milchproduktion ein artgerechtes Leben auf der Weide zu ermöglichen. Alle Jungtiere bleiben zwingend die erste Zeit – mindestens 150 Tage – auf dem Geburtsbetrieb. Somit entfallen Transporte sowie das Umstallen von jungen Kälbern mitten im Immunitätsloch im Alter von rund 4 Wochen, was den Antibiotikaeinsatz auf ein Minimum reduziert. Dies ist in der Schweiz einzigartig. ALDI SUISSE nimmt somit eine Pionierrolle im Detailhandel ein.

Nach zweijähriger Initiierungsphase gelangen erste Artikel in den Verkauf
Das Projekt wurde bereits 2018 ins Leben gerufen. Nun, nach knapp zweijähriger Aufbauphase, ist ab sofort eine Reihe von Rindfleischartikeln unter dem Label «ALDI Bio Weide Rind» im Verkauf erhältlich. «Mit dem Kauf dieses Produktes erhält die Kundschaft nicht nur ein qualitativ hochwertiges Fleischprodukt, sondern unterstützt gleichzeitig das damit verbundene schweizweit einzigartige Projekt, das wir gemeinsam mit dem FiBL entwickelt haben», freut sich Thomas Eberle, Buying Director bei ALDI SUISSE. Mitinitiator Eric Meili, Berater am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, betont die grosse Herausforderung im Bio-Landbau und ergänzt stolz: «Das Projekt liegt mir in meiner Tätigkeit als Bio-Berater für das FiBL sehr am Herzen. Gemeinsam nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber den männlichen Milchrassekälbern wahr», so der studierte Landwirt.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
Die Basis für das Projekt «ALDI Bio Weide Rind» bilden sämtliche bewährten Bio-Standards. Darüber hinaus zeichnen folgende Fakten das Projekt aus und machen es in der Kombination somit absolut einzigartig:

• Kälber dürfen auf dem Geburtsbetrieb aufwachsen, wo sie mindestens 150 Tage bleiben und abgetränkt werden.
• Stärkung und Aufbau des eigenen Immunsystems: Der Antibiotika-Einsatz kann so auf ein absolutes Minimum reduziert werden.
• Männliche Milchrassekälber dürfen auf Bio-Bauernhöfen leben.
• Futter erfolgt ausschließlich von saftigen Wiesen. Sojafütterung ist verboten.
• Einsatz spezieller «Flatskin»-Verpackung bei einigen Produkten, dadurch Plastikreduktion von 70 %.
• «Nose-To-Tail»-Ansatz: Das gesamte Tier wird verwertet.

Weitere teilnehmende Betriebe gesucht
Bisher haben sich rund 70 Betriebe für das Projekt angemeldet. Dies ist jedoch noch nicht ausreichend, um alle über 200 ALDI SUISSE-Filialen mit dem Bio-Rindfleischsortiment «ALDI Bio Weide Rind» zu versorgen. Derzeit ist lediglich das Bio-Weidehackfleisch schweizweit in allen 209 Filialen erhältlich. Die weiteren Artikel wie Filet, Ragout oder Entrecôte gibt es nur in rund einem Viertel der Filialen. Deshalb werden weitere teilnehmende Geburts- und Mastbetriebe gesucht. Interessierte Landwirtschaftsbetriebe werden gebeten, mit dem FiBL für weitere Informationen in Kontakt zu treten.

Quelle: ALDI SUISSE AG

BfR: Virusübertragung (H5N8) durch den Verzehr von Lebensmitteln vom Geflügel ist unwahrscheinlich

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In Brandenburg wurde bei einer wilden Blässgans ein Fall von hochpathogener aviärer Influenza (Geflügelpest, oft auch als Vogelgrippe bezeichnet) festgestellt, verursacht von einem Virus des Subtyps H5N8. Eine Übertragung des Erregers über Lebensmittel auf den Menschen ist nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand unwahrscheinlich. Für die Übertragung anderer aviärer Influenzaviren von Vögeln auf den Menschen waren in der Vergangenheit fast ausschließlich direkte Kontakte mit infiziertem lebendem Geflügel verantwortlich. Für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen durch rohe Eier oder Rohwursterzeugnisse mit Geflügelfleisch von infizierten Tieren gibt es bisher keine Belege. Auf die Einhaltung von Hygieneregeln im Umgang mit und bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten sollte grundsätzlich geachtet werden, auch im Hinblick auf andere möglicherweise enthaltene Krankheitserreger.

Dabei gelten folgende allgemeine Hygienevorschriften:
• rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere wenn Letztere nicht noch einmal erhitzt werden
• Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten in Berührung gekommen sind, gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen
• Verpackungsmaterialien, Auftauwasser u. ä. sofort entsorgen
• Hände mit warmem Wasser und Seife waschen
• Geflügelspeisen gründlich durchgaren. Das bedeutet, dass für mindestens 2 Minuten eine Kerntemperatur von 70 °C erreicht werden muss.
• Eier sollten vor dem Verzehr gekocht werden, bis Eiweiß und Eigelb fest sind, d. h. je nach Größe für mindestens 6 Minuten.

Weiterführende Informationen des BfR sind hier veröffentlicht

Auf den Internetseiten des Friedrich-Loeffler-Instituts des Robert Koch Instituts und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft finden sich weitere Hinweise zum Thema Vogelgrippe.

Weitere Informationen zu aviären Influenzaviren hat das BfR bereits früher veröffentlicht: Fragen und Antworten zur Lebensmittelhygiene in Zeiten der Vogelgrippe

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

Bioreaktor Kuh – Antikörper aus der Kuh ersetzen Antibiotika

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Komplexe Lebensmittel wie Milch enthalten zahlreiche Einzelkomponenten, die für medizinische, ernährungstherapeutische oder technologische Zwecke genutzt werden können und damit die Wertschöpfung im Vergleich zum herkömmlichen Produkt signifikant steigern. So können mithilfe der sogenannten Milchproteinfraktionierung, einer speziellen Membrantechnik, aus der Milch gezielt geimpfter Kühe Antikörper gewonnen werden, die im Falle von Antibiotika-Resistenzen Anwendung finden. Antikörper spielen bei der Infektionsabwehr eine zentrale Rolle. Sie erkennen und markieren in den Körper eingedrungene Krankheitserreger und aktivieren daraufhin das Immunsystem.

Im Rahmen eines Projekts der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) haben Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht und Prof. Dr. Ulrich Kulozik vom Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung (ZIEL) an der Technischen Universität (TU) München diese Fraktionierungsmethode jetzt wesentlich verbessert. Mithilfe der von ihnen entwickelten neuartigen Mikrofiltrationsmembranen ist es möglich, spezifische Antikörper aus der Milch abzutrennen und soweit anzureichern, dass sie unter anderem als Ersatz für Antibiotika eingesetzt werden können. Das Projekt war im November 2019 unter den drei Finalisten bei der Wahl zum Otto von Guericke-Preis der AiF. Der Preis wird einmal im Jahr für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der IGF vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die vorwettbewerbliche IGF wird im Innovationsnetzwerk der AiF und ihrer 100 Forschungsvereinigungen organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Medikamente auf Milchbasis
Durch die Ergebnisse des IGF-Projekts, das vom AiF-Mitglied Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI) koordiniert wurde, ist der gesamte Prozess der Milchproteinfraktionierung deutlich effizienter geworden und eröffnet neue Anwendungsmöglichkeiten. So kann dieser innovative Ansatz perspektivisch zur Entwicklung von Medikamenten auf Milchbasis überall dort eingesetzt werden, wo es ein empfindliches Mikrobiom-Gleichgewicht gibt und dieses Gleichgewicht nicht mit unspezifischen Antibiotika zerstört werden soll.

Deutliche Verbesserung
„Bei der Mikrofiltration wird Milch mit Druck durch Membranen gepresst und dadurch in verschiedene Komponenten unterteilt“, erklärt Kulozik das Verfahren. „Die Methode war nicht neu. Damit aber die Antikörper im Filtrat landen und zudem von hoher Funktionalität und Reinheit waren, mussten wir die Membranen deutlich verbessern. Das ist uns gelungen“, freut sich der Forscher. Heidebrecht beschreibt die Gewinnung der Antikörper. „Im Prinzip setzen wir die Kuh als Bioreaktor ein und machen uns ihr Immunsystem zunutze. Indem wir die Kuh mit inaktiven menschlichen Krankheitserregern immunisieren, erzeugen wir ganz bestimmte Antikörper in der Kuhmilch. Die reichern wir dann entsprechend an und nutzen sie für die orale passive Immunisierung von Menschen.“ In einer Pilotanwendung wurden auf diese Art schon Antikörper gegen Krankenhauskeime erzeugt. Weitere mögliche Anwendungen sind die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen, bakteriellen Hauterkrankungen oder Karies. Derzeit ist eine große Studie in Vorbereitung, um ein neues Medikament auf den Markt zu bringen.

Hohe wirtschaftliche Relevanz
Mittlerweile sind die neuen Membranen auch kommerziell verfügbar. Für Dr. Wolfgang Holzmüller von der Allgäuer Milei GmbH bedeuten diese einen massiven Technologievorsprung für das Unternehmen. „Die beiden Wissenschaftler haben eine Schlüsseltechnologie weiterentwickelt, die wegweisend für die Milchindustrie ist. Die Projektergebnisse eröffnen uns völlig neue Anwendungsgebiete“, betont Holzmüller. Die Milei GmbH war als einer von 19 Industriepartnern am Projektbegleitenden Ausschuss des IGF-Projekts beteiligt.

Dr. Volker Häusser, Geschäftsführer des FEI, weist auf die hohe Zahl der beteiligten Industriepartner bei diesem Projekt hin: „19 Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Wirtschaftsbranchen haben dieses Projekt begleitet. Allein diese Zahl zeigt, wie relevant das Projektthema für die mittelständische Wirtschaft ist.“ Die Ergebnisse des Projekts werden perspektivisch gesehen milliardenschwere Märkte beeinflussen, ist sich Häusser sicher. „Vor allem aber werden die Ergebnisse positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben“, so sein Resümee.

Einen vierminütigen Film zum Projekt finden Sie in der AiF-Mediathek

Quelle: Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.

Ihr Tanz verrät: Honigbienen fliegen auf Erdbeeren

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Bienen sind Bestäuber vieler Wild- und Nutzpflanzen, jedoch nimmt ihre Vielfalt und Dichte in zahlreichen Landschaften ab. Ein Forschungsteam der Universitäten Göttingen, Sussex und Würzburg hat nun das Sammelverhalten von Bienen in Agrarlandschaften untersucht. Dafür analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die sogenannten Bienentänze. Sie fanden heraus, dass Honigbienen Erdbeerfelder bevorzugen, auch wenn direkt in der Nähe der Raps blühte. Nur bei starker Rapsblüte waren weniger Honigbienen im Erdbeerfeld zu beobachten. Wildbienen wählten hingegen konstant das Erdbeerfeld. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment erschienen.

Ein Team aus den Abteilungen Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie der Universität Göttingen stellte für die Untersuchungen kleine Honigbienenvölker an elf Standorten in der Region Göttingen/Kassel neben Erdbeerfeldern auf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entschlüsselten dann anhand von Videoaufnahmen die Bienentänze. Diese nutzen Honigbienen, um die Richtung und Entfernung einer attraktiven besuchten Nahrungsquelle zu kommunizieren. In Kombination mit Landschaftskarten konnten so die bevorzugten Landnutzungstypen bestimmt werden. Zudem untersuchte das Team, welche Pflanzen die Bienen als Pollenressourcen nutzen und bestimmte die Honigbienen- und Wildbienendichte im Feld.

Das Ergebnis: Honigbienen bevorzugen das Erdbeerfeld, auch wenn Raps massenhaft in der Landschaft blüht. Die Honigbienen aus der umgebenden Landschaft sind bei starker Rapsblüte jedoch seltener im Erdbeerfeld anzutreffen. „Solitär lebende Wildbienen, wie Sandbienen, halten sich hingegen konstant im Erdbeerfeld auf“, sagt Erstautorin Svenja Bänsch, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen. Wildbienen haben daher eine große Bedeutung für die Bestäubung von Nutzpflanzen. „Mit der Studie konnten wir zeigen, dass insbesondere kleine Honigbienenvölker für die Bestäubung von Erdbeeren im Freiland geeignet sein können. Jedoch zeigen unsere Ergebnisse auch, dass Wildbienen in den Landschaften durch geeignete Managementmaßnahmen gefördert werden sollten“, schlussfolgert Abteilungsleiterin Prof. Dr. Catrin Westphal.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Mit mehr Tierwohl Immunsystem stärken

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In letzter Zeit haben immer mehr Studien ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen Stress jeglicher Art und der Funktion des Immunsystems gibt. Professor Xavier Manteca, Autonome Universität Barcelona, Spanien, erklärt im Rahmen des 12. Farm Animal Well Being Forums, was Stress genau im Körper macht und wie die Verbesserung des Tierwohls die Situation verbessern kann.

Prof. Manteca, welche Auswirkungen hat Stress auf die Tiere?
Das Nervensystem gibt bei Schmerz oder Stress Botenstoffe ab, die die Reaktion des Immunsystems negativ beeinflussen. Daher ist es wichtig, die Einflussfaktoren zu kennen und dafür zu sorgen, dass sie die Tiere und ihr Immunsystem möglichst nicht negativ beeinflussen. Ist die Haltung der Tiere suboptimal, ist der Umgang mit ihnen ruppig, haben sie Verletzungen oder gehen sie lahm, verursacht all das Stress, was negativ auf das Immunsystem wirkt. Das Immunsystem reagiert sehr empfindlich auf Stress, der die Tiere sehr viel schlechter mit Infektionen umgehen lässt. Ist das Immunsystem durch Stress und entzündliche Prozesse dauerbeschäftigt, zieht es den Tieren Energie ab, die dann für andere Leistungen wie z.B. Milchproduktion oder Fruchtbarkeit nicht zur Verfügung steht.

Können Sie Beispiele für Stressoren nennen?
Ein Beispiel ist ruppiger Umgang mit den Tieren. Dies verursacht Angst vor Menschen und betrifft alle Tierarten. Angst bedeutet Stress und erhöht das Risiko für verschiedene Gesundheitsprobleme, einschließlich Lahmheit und Mastitis bei Milchkühen. Viele Tierwohlprobleme einschließlich chronischer Hunger, thermische und körperliche Beschwerden und frühzeitige Entwöhnung gehen mit einer Stressreaktion einher. Das Liegeverhalten ist nachweislich eine Grundvoraussetzung für das Wohlbefinden von Milchkühen, …


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Mykoplasmen: Individuelle Impfstrategien erforderlich

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Von Ulrike Amler, freie Agrarjouralistin

Der Erreger von Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyo) zerstört bei Schweinen das Flimmerepitel der oberen Atemwege und ebnet den nachfolgenden Erregern von Atemwegserkrankungen den Weg. Der Erreger der Enzootischen Pneumonie kommt in praktisch allen Schweinehaltungen vor und die Impfung von Saugferkeln ist in den meisten Regionen unumgänglich. Ein besonders hohes Infektionsrisiko besteht in Regionen mit hoher Schweindichte, Zahl und Nähe positiver M. hyo-Bestände sowie stark frequentierter Transportrouten. Der Erreger kann über die Kleidung verschleppt und über die Luft bis zu 5 Kilometer weit getragen werden. Am häufigsten infizieren sich die Tiere mit M. hyo zu Beginn der Mast, wenn der maternale Schutz nachlässt. Heterogene Voraussetzungen von Betrieben im Hinblick auf Größe, Ausstattung, Management, eingesetzte Genetik und Vermarktungsstrategien der Erzeuger erfordern individuelle Impfpläne. Hierzu gehört auch die Entscheidung zwischen herkömmlichen Impfungen oder einer One-Shot-Impfung mit einem 1999 isolierten Impfstamm.

Türöffner für Atemwegserkrankungen
Mit der Zerstörung der Flimmerhärchen durch die zellwandlosen Bakterien Mycoplasma hyopneumoniae geht die Selbstreinigungsfunktion der Lunge verloren. Weiteren Erregern aus dem Porcine Respiratory Disease Complex (PRDC) ist der Zugang in die Lunge geöffnet. In einer internationalen angelegten Studie (Cvjetković et al. 2018) konnte gezeigt werden, dass eine Vorinfektion durch M. hyo das klinische Bild von APP massiv verstärkt. Die Impfung gegen M. hyo ist deshalb ein absolutes Muss, um den Erreger zu kontrollieren und wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. In einer vergleichenden Studie zeigten Lungen nach der Two-Shot-Impfung signifikant mehr Läsionen, die auf virale Erreger zurückzuführen sind.

Angepasstes Gesundheitsmanagement
Two-Shot-Impfungen werden in der ersten und vierten Lebenswoche verabreicht. In den engen Impfplänen müssen Ferkel innerhalb nur 21 bis 28 Tagen gegen weitere bakterielle und virale Erreger geimpft werden. Die Praxis zeigt, dass sich eine schützende Immunantwort gegen M. hyo nur einstellt, wenn maternale Antikörper ausreichend abgebaut und ein ausreichender Abstand der M. hyo-Impfung zu weiteren Impfungen besteht. Bis zu vierzehn Tage wird das Immunsystem des Ferkels durch Lebendimpfstoffe wie gegen PRRS beansprucht. Die erwünschte Immunantwort der M. hyo-Impfung in diesem Zeitraum, wie sie bei Two-Shot-Impfungen vorkommen, könnte für einen belastbaren Impfschutz ausbleiben.

Viele Impfstoffe basieren noch auf dem 1958 isolierten J-Stamm und weisen weniger als 55 % Übereinstimmung mit aktuellen Feldstämmen auf.


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AfT-Symposium: Diagnostik in der Rinderpraxis

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Das Symposium der Akademie für Tiergesundheit e. V. (AfT) im Rahmen des Leipziger Tierärztekongresses am 18. Januar beschäftigte sich mit dem Thema der Diagnostik beim Rind und deren Bedeutung für spezielle Krankheitsbilder

Von den international anerkannten Experten wurden die Herausforderungen und Unterschiede für klinische und labordiagnostische Untersuchungen herausgearbeitet. Der klinischen Untersuchung kommt dabei eine große Bedeutung zu. Sie ist mit der Bewertung der Befunde der Grundbaustein für die tierärztliche Arbeit. Nach wie vor hat die klinische Untersuchung des Einzeltieres eine wesentliche Position, da sich hieraus Rückschlüsse ergänzt mit einem regelmäßigen Monitoring wichtiger Parameter auch auf die Herde ziehen lassen. Herdenbetreuung und Einzeltierdiagnostik und -therapie sind dabei eng miteinander verzahnt.

Neue labordiagnostische Methoden haben die Präzision und Sensitivität der Diagnostik deutlich verbessert. Gleichwohl kann ein Laborergebnis weder die klinische Auseinandersetzung mit dem Patienten ersetzen noch für sich allein eine klinische Diagnose stellen. Für den praktizierenden Tierarzt ist es hilfreich, bereits vor einer Probennahme mit dem untersuchenden Labor persönlich Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam lässt sich ein für die vermutete(n) Differentialdiagnose(n) maßgeschneidertes Laborpaket schnüren. Vor der Entscheidung für eine Therapie sollten das Laborergebnis und das Umfeld, aus dem die Proben stammen, kritisch hinterfragt werden, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Zunehmend eingesetzte Point-of-Care-Analytik kann als erste, schnelle orientierende Hilfe auf dem Betrieb dienen.

Aufgezeigt wurde, dass die Infektionsdiagnostik in der Rinderpraxis in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark durch die Bekämpfung anzeigepflichtiger Tierseuchen dominiert wurde. Im Vordergrund standen Antikörpernachweise und Intrakutantests, beispielsweise bei Tuberkulose. Die Anforderungen haben sich inzwischen verändert. Die moderne Infektionsdiagnostik bringt genauere Ergebnisse, erfordert aber auch eine aufwändigere Datenverwaltung. Sie fördert sogar bislang unbekannte Erreger zutage. Neue Parameter, wie Entzündungsmarker, gewinnen bei chronischen Infektionsgeschehen an Bedeutung. Die Kommunikation zwischen Labor, Tierarzt und Landwirt wird intensiver.

Anhand von praktischen Beispielen wurde die Frage nach der Repräsentativität von Betriebsdiagnostik erläutert und auf das Dilemma der sogenannten Diagnostika-Kaskade aufmerksam gemacht. Selbst bei jedem korrekt durchgeführten Einzelschritt summieren sich die kleinsten Ungenauigkeiten und mindern die Detektionswahrscheinlichkeit. Das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente (von der klinischen Untersuchung über die Probenentnahme bis zur Sektion) wurde beispielhaft für die Diagnostik von Lungenerkrankungen aufgezeigt. Auch im Bereich der Mastitisdiagnostik haben sich die diagnostischen Möglichkeiten in den letzten Jahren deutlich erweitert. Die richtige diagnostische Vorgehensweise stellt sicher, dass die jeweilige Fragestellung beantwortet werden kann.

Unter den Erkrankungen des Bewegungsapparates rangieren beim adulten Rind die Klauenerkrankungen mit 90 Prozent an erster Stelle. Wesentlich Bausteine der Diagnostik sind hier die klinische Untersuchung, unterstützt von bildgebenden und digitalen Methoden sowie die bakteriologische Diagnostik. Die Palette der diagnostischen Methoden, die im Fruchtbarkeitsmanagement eingesetzt werden, ist enorm breit. Aufgrund der ökonomischen, therapeutischen und ethischen Konsequenzen sollten die eingesetzten Methoden daher kritisch hinterfragt werden. Neue Möglichkeiten durch intensives Monitoring, bspw. mit Sensoren, verlangen die Expertise des Tierarztes, um die gewonnenen Daten sinnvoll für die Entscheidung über die geeignete Behandlung zu interpretieren. Verstärkte Anstrengungen zur Standardisierung und Validierung der digitalen Mittel wurden angemahnt.

Dem Landwirt als genauem Beobachter seiner Tiere kommt trotz verstärktem Monitoring mit digitaler Erfassung einer Vielzahl von Parametern nach wie vor eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung zu.

Die ausführlichen Abstracts zum AfT-Symposium stehen hier zum Download bereit.

Afrikanischen Schweinepest

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Anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin, fand am 21.01.2020 eine Pressekonferenz der Bundestierärztekammer (BTK) auch zur „Afrikanischen Schweinepest“ statt.

Zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) referierten Dr. Iris Fuchs, 1. Vizepräsidentin der BTK, und Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Obwohl Deutschland bisher frei von dieser Tierseuche geblieben ist, ist sie in Belgien und im Westen Polens bedrohlich nahe an die deutschen Außengrenzen herangerückt. Für Dr. Fuchs ist die Früherkennung von Tierseuchen ein maßgeblicher Faktor zu ihrer Bekämpfung. Tierärzte leisten bei der Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen einen wesentlichen Beitrag, der laut Fuchs auch wertgeschätzt werden müsse. Die Tierärzteschaft fordere deswegen u. a. eine Personalverstärkung in der Veterinärverwaltung und die Förderung von Schulungsmaßnahmen für Jäger und Landwirte. Alle Beteiligten sollten sich ihrer Verantwortung zur Mitwirkung bewusst sein. Prof. Mettenleiter sieht die Möglichkeiten der Prävention und somit die Minimierung der Eintragswahrscheinlichkeit insbesondere in erhöhter Wachsamkeit und umfangreichen Biosicherheitsmaßnahmen. Da auf absehbare Zeit kein adäquater Impfstoff zur Seuchenkontrolle zur Verfügung stehen werde, solle der Früherkennung und dem angemessenen Einsatz von Maßnahmen in Deutschland eine herausragende Rolle zukommen.

Quelle: BTK

Ohne Gefahr genießen

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Entgegen der gefühlten Angst vieler Deutscher vor unerlaubten Rückständen in Lebensmitteln, sprechen die jährlichen Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplans eine andere Sprache. Die Anzahl nicht vorschriftsmäßiger Rückstandsbefunde bleibt weiterhin sehr gering. Nie zuvor waren Lebensmittel so sicher wie heute.

Die Studie „Ängste der Deutschen“, durchgeführt von der R+V Versicherung im Jahr 2018 hat gezeigt, dass 55 Prozent der Deutschen Angst vor Schadstoffen in Lebensmitteln haben. Eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im gleichen Jahr ergab, dass 50 Prozent der Konsumenten der Meinung sind, dass der Staat konkrete Maßnahmen wie Verbote und Beschränkungen ergreifen sollte, um die Verbrauchervor gesundheitlichen Risiken zu schützen.

Unbegründete Ängste
Dies ist erstaunlich. Denn die regelmäßigen behördlichen Untersuchungen zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass die Angst unbegründet ist. Umfassende und vertrauenswürdige Berichte wie der Nationale Rückstandskontrollplan des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) werden scheinbar nur wenig als Informationsquellegenutzt. Dabei bestätigen die positiven Ergebnisse der seit 1989 regelmäßig durchgeführten Untersuchungen, dass Lebensmittel tierischen Ursprungsohne Sorgen verzehrt werden können. Die Belastungen mit unerwünschten Stoffen bei Fleisch, Milch, Eiern oder Honig tendieren konstant gegen Null.

Wie entstehen MRLs?
Regelmäßig untersucht werden auch Rückstände von Tierarzneimitteln. Nachweiseoberhalb festgelegter Rückstandshöchstmengen (maximum residue limit, MRL) liegen unverändert niedrig, überwiegend sogar im Promillebereich. MRLs setzen sich zusammen aus zwei Werten: erstens aus der Dosis ohne beobachtete schädliche Wirkung (NOAEL) und zweitens aus der zulässigen täglichen Aufnahmemenge (ADI). Beide Werte erhalten jeweils noch einmal Sicherheitszuschläge um das Zehnfache. Im letzten Schritt wird der ADI-Wert auf die verschiedenen tierischen Lebensmittelverteilt und ein individueller MRL Wert festgelegt.

Höchste „Sicherheitsstufe“
Aufgrund der eingebauten Sicherheitsfaktoren bei der Bestimmung der Rückstandhöchstmenge kann sich abhängig vom Wirkstoff ergeben, dass ein Mensch ein Leben lang jeden Tag rd. 45 kg Muskelfleisch, d.h. um die 160 Schnitzel oder über hundert Liter Milch, ja bis zu 7.500 Liter Milch trinken müsste, um überhaupt an relevante Rückstandsgehalte heranzukommen.

In der Summe aller Proben und unerwünschten Stoffe, einschließlich Kontaminanten lag der Anteil der Rückstandsbefunde oberhalb der festgelegten Höchstgehalte im Jahr 2017 bei 0,66 Prozent. Die Befunde für Tierarzneimittellagen noch weit darunter und variierten für Proben von Rind, Schwein und Geflügel zwischen 0,01 und 0,15 Prozent.

Höchster Standard auch auf EU-Ebene
Auch auf europäischer Ebene bewegen sich die Rückstände von Tierarzneimitteln auf niedrigem Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt der Rückstandsbericht 2017 der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Mit 0,35 Prozent der Proben über den zulässigen Höchstgehalten lag die Rate auf vergleichbarem Niveau wie in den Vorjahren.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Akademie für Tiergesundheit zeichnet zwei Wissenschaftlerinnen für ihre Forschungen auf dem Gebiet der molekularen Biologie mit Förderpreis aus

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Mit dem Förderpreis der Akademie für Tiergesundheit e.V. wurden in diesem Jahr gleich zwei Wissenschaftlerinnen für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der molekularen Mikrobiologie bzw. molekularen Parasitologie ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis der AfT wird an Wissenschaftler vergeben für herausragende klinische oder experimentelle Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Tiergesundheit. Die Verleihung der Förderpreise fand im Rahmen des AfT-Symposiums am 18.01.2020 beim Leipziger Tierärztekongress statt.

Frau Dr. Andrea Theresia Feßler, PhD, Freie Universität Berlin, wurde für ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Antibiotikaresistenz, vor allem für ihre Studien zu multiresistenten Staphylococcus spp. sowie zur Empfindlichkeitsprüfung bakterieller Erreger gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen und Bioziden ausgezeichnet. Mit ihren Arbeiten leistete Frau Dr. Feßler, PhD, einen besonderen Beitrag zum Verständnis der Resistenzentwicklung und einer differenzierten Betrachtung des Vorkommens multiresistenter Erreger bei Tieren und Menschen. Außerdem tragen die von ihr erarbeiteten Methoden und Beurteilungskriterien wesentlich zur Interpretation der Ergebnisse der Empfindlichkeitsprüfung von Bakterien im klinisch-mikrobiologischen Labor bei.

Dr. Feßler, PhD, schloss 2009 ihr Studium der Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ab und forscht, nach Abschluss von PhD (2012) und Promotion (2016) an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, heute als Wissenschaftlerin bei Prof. Stefan Schwarz am Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Freien Universität Berlin. Die Bedeutung und hohe Qualität ihrer Forschungen werden auch durch eine Fülle von Veröffentlichungen in wissenschaftlich anerkannten internationalen Fachzeitschriften dokumentiert.

Frau Dr. habil. Berit Bangoura, University Wyoming, befasste sich in ihren molekularbiologischen Studien mit der Parasit-Wirt-Interaktion und Kontrolle von Eimeria spp.und Toxoplasma gondii bei verschiedenen Tierarten. Die potenzielle Relevanz von Tierinfektionen mit zoonotischen Parasiten, wie Toxoplasma gondii, für die menschliche Gesundheit ist dabei von besonderer Bedeutung.

Dr. Bangoura ist seit 2003 Tierärztin. Ihre Doktorarbeit schloss sie 2008 bei Prof. Arwid Daugschies am Institut für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig ab. Danach arbeitete sie als Postdoc und Principal Investigator im selben Labor und erhielt ihre Spezialisierung auf dem Gebiet der Parasitologie (Facharzt für Parasitologie, seit 2009; Diplomate des European Veterinary Parasitology College seit 2014) und habilitierte im Jahr 2015. Ihre gegenwärtige Forschung als Assisstant Professor an der University Wyoming konzentriert sich auf die Epidemiologie von Protozoenpathogenen, vor allem boviner und oviner Eimerien, genutzter Bekämpfungsstrategien unter Berücksichtigung von möglicher Resistenzentwicklung und den ökonomischen Langzeiteffekten der Kokzidiose. Von Relevanz sind dabei auch Koinfektionen mit anderen Pathogenen.

Quelle: Akademie für Tiergesundheit e.V.