Verfolgung neuer Vogelgrippeviren wird durch moderne Analysen der Genomdaten möglich

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Zweite Studie des Globalen H5N8-Konsortiums veröffentlicht

Im Rahmen eines internationalen Konsortiums gelang durch mathematische Analysen die Nachverfolgung der Entstehung und Verbreitung neuer Varianten der Vogelgrippe. Diese groß angelegte internationale Studie wurde nun in der Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht. Die Arbeit führte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), gemeinsam mit dem Erasmus University Medical Center und der Universität Edinburgh im „Global Consortium for H5N8 and Related Influenza Viruses“ durch.

Das Team interpretierte eine große Zahl Genomsequenzen aus Virusproben, die während des bisher größten Ausbruchs der hochpathogenen Vogelgrippe in den Jahren 2016/2017 in der ganzen Welt gesammelt wurden. Dabei konnten die Wissenschaftler zahlreiche neue Virusvarianten beschreiben, die durch den Austausch einzelner Abschnitte des Virusgenoms entstanden sind. Sie benutzten dabei mathematische Methoden, mit denen sie abschätzen konnten, wann und wo das Virus bei Wild- oder Hausvögeln genetisches Material mit anderen Viren ausgetauscht hatte. So konnten die Forscher Aussagen darüber treffen, in welcher Vogelgruppe die neuen Varianten entstanden sind und anhand der Genomsequenzen verfolgen, wie sich die Virusstämme von infiziertem Hausgeflügel in Asien über wilde Zugvögel bis nach Europa ausbreiteten.

Untersuchung der kompletten Genomsequenz von zunehmender Bedeutung
Die Studie stützt sich dabei auf vollständige Genomsequenzen, die Mitglieder des Konsortiums in öffentlichen Datenbanken geteilt haben. „Die Aufklärung der Genomsequenzen von Viren ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.“ so Prof. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, das maßgeblich an der Studie beteiligt war. „Durch modernste Sequenziermethoden und neue Auswerteverfahren können wir nicht nur die Entstehung neuer Virusstämme verfolgen, sondern auch Verbreitungswege nachvollziehen und erste Aussagen zur Gefährlichkeit machen.“ Der Ausbruch der hochpathogenen Vogelgrippe 2016/2017 war der bisher größte jemals beschriebene und führte zu hohen Verlusten in der Wildvogelpopulation und großen wirtschaftlichen Schäden bei Hausgeflügel. Die Studie lieferte nun wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung der Überwachung möglicher Eintragswege für neue Viren und dient damit dem Schutz von Haus- und Wildvögeln.

Internationale Zusammenarbeit gestärkt
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei Virusausbrüchen. Es ist bereits die zweite Studie dieser Art (1. Studie „Role for migratory wild birds in the global spread of avian influenza H5N8“) die das Konsortium vorlegt, in dem über 30 Wissenschaftler aus allen Ländern und Regionen zusammenarbeiten. Sie wurde durch Mittel der Europäischen Kommission im Rahmen des EU Horizon 2020 Program (COMPARE, grant number 643476; DELTA-FLU, grant number 727922) unterstützt.

Studie
„Genesis and spread of multiple reassortants during the 2016/2017 H5 avian influenza epidemic in Eurasia“ Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS): DOI: 10.1073/pnas.2001813117

Kontakt
Prof. Dr. Martin Beer
Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des FLI
Telefon: 038351 7-1894
Mail: presse@fli.de

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Umrauscher-Sauen besser betreuen – was ist zu tun?

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Von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Das Ziel bei der Besamung von Sauen muss es sein, eine hohe Trächtigkeits- und Abferkelrate zu erreichen. Allerdings ist im Mittel jede 14. Sau eine Umrauscher-Sau. Die Frage stellt sich, welche Leistungen erbringen Umrauscher-Sauen? Daher verglichen Wissenschaftler der Uni Gießen bei 160 Betrieben die Umrauscher- und Abferkelrate, die Wurfgröße und werteten den Ferkelindex von Umrauscher-Sauen im Vergleich zu erstbesamten Sauen aus.

Die Auswertungen umfassten die Kalenderjahre (KJ) 2016 und 2017 mit insgesamt 160 Betrieben und ca. 277.000 Erstbelegungen (EB). Etwa 24.000 Umrauscher-Belegungen (UB) wurden einbezogen. Alle Daten wurden dem db-Sauenplaner entnommen. Es wurden Abferkelrate (AFR), Umrauscherrate (UR), Wurfgröße lebend geborener Ferkel (WG lgF) sowie Ferkelindex lgF (FI) sowohl für die Sauen nach der ersten Belegung als auch nach erneuter Belegung der Umrauscher-Sauen berechnet.

Umrauscher-Sauen haben weniger Ferkel
Die Umrauscherrate aus Erstbelegung betrug im Mittel beider Jahre 7,5 %, die Abferkelrate 87,2 %. Bei den erneut belegten Umrauschern war die Umrauscherrate mit 13,0 % viel höher und die Abferkelrate mit 65,0 % erheblich niedriger als bei Sauen aus der Erstbesamung. Die Wurfgröße lebend geborener Ferkel war allerdings bei den Umrauscher-Sauen nur unwesentlich um 0,2 geringer als nach erfolgreicher erster Belegung. Erstbesamte Sauen erzielten im Ferkelindex (Anzahl lebend geborener Ferkel je 100 besamte Sauen) über 300 lebend geborene Ferkel mehr je 100 besamte Sauen als Umrauscher-Sauen (siehe Tabelle). Der Anteil Umrauscher schwankte zwischen den Betrieben zumeist zwischen 2,3 und > 11 %. Einige wenige Betriebe lagen aber sogar über 15 bis 20 %.

Große Unterschiede zwischen den Betrieben
Für die weitere Auswertung wurden 10 erfolgreiche und 10 weniger erfolgreiche Betriebe (bezogen auf die Abferkelrate) ausgewählt, die jeweils mehr als 350 Sauen hatten. Erfolgreiche Betriebe hatten eine Abferkelrate von über 88 %, weniger erfolgreiche Betriebe eine unter 86 %. Bei großen erfolgreichen Betrieben betrug die Differenz in der Abferkelrate zwischen erstbelegten Sauen (89,4 %) und Umrauscher-Sauen (67,4 %) 22 Prozent. Bei großen weniger erfolgreichen Betrieben war der Unterschied in der AFR mit 27,1 % deutlich stärker ausgeprägt (aus EB = 84,3 %, aus UB = 57,2 %). Bei den erfolgreichen Betrieben war die Wurfgröße lebend geborener Ferkel aus EB um 0,8/Wurf höher als aus UB, bei den weniger erfolgreichen Betrieben waren die Wurfgrößen identisch (14,2). Die Differenz im Ferkelindex lebend geborener Ferkel zwischen erstbelegten und erneut belegten Umrauscher-Sauen betrug bei den erfolgreichen Betrieben 403, bei den weniger erfolgreichen Betrieben 385 Ferkel je 100 besamte Sauen zugunsten der Erstbelegungen.

In einer weiteren Auswertung ging es um die Differenzen in der Abferkelrate zwischen Erst- und Umrauscher-Belegungen zwischen den Betrieben. Der geringste Unterschied in der Abferkelrate zwischen EB und UB in einem Betrieb betrug bei den leistungsstarken Betrieben 3,8 %, der größte in einem anderen Betrieb immerhin 42,8 % (Abb. 1). Bei den weniger erfolgreichen Betrieben war die größte Differenz in einem Betrieb zwischen erstbelegten Sauen und Umrauscher-Sauen 33,5 %. Der geringste Unterschied in der Abferkelrate zwischen Sauen mit erster Belegung und solchen mit erneuter Belegung nach Umrauschen wurde in einem anderen Betrieb mit 7 % festgestellt.

Warum fallen die Umrauscher-Sauen so auf?
Bei der Suche nach den Ursachen für die verminderten Leistungen der Umrauscher-Sauen war zunächst auffällig, dass große Differenzen in der Abferkelrate, aber kaum Unterschiede in der Wurfgröße bei Sauen aus Erst- oder Umrauscher-Besamungen bestanden. Teilweise wurden sogar identische Wurfgrößen erzielt. Die Umrauscher-Sauen waren demnach offensichtlich (geschlechts)gesund. Die Ursache kann somit nur in einem nicht korrekten Besamungsmanagement liegen.


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Kühe mit Zebra-Streifen leiden weniger unter Stechmücken

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Für ein Experiment zur Fliegenabwehr, haben japanische Forscher sechs japanische schwarze Kühe mit schwarz-weißen Streifen oder schwarzen Streifen bemalt und zum Vergleich schwarze Kühe ohne Bemalung verwendet. Typische Verhaltensweisen zur Abwehr von Fliegen waren Kopfschütteln, Ohrwackeln, Aufstampfen, Hautzuckungen und Schwanzbewegungen. Die jeweils rechte Seite jeder Kuh wurde fotografiert, um Fliegen auf Körper und Beinen zählen zu können.

© 2019 Kojima et al

Auf japanischen Schwarzkühen, die mit schwarz-weißen Streifen bemalt waren, saßen signifikant weniger Fliegen, als bei nicht bemalten Kühen und Kühen, die nur mit schwarzen Streifen bemalt waren. Auch konnte weniger Abwehrverhalten bei Kühen, die schwarz-weiß bemalt waren beobachtet werden, als bei Kühen, die nicht bemalt oder nur schwarz gestreift waren.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schwarz-Weiß-Bemalung von Nutztieren wie z. B. Rindern eine Alternative zum Insektizideinsatz in der Tierproduktion darstellen kann.

Studie
Kojima T, Oishi K, Matsubara Y, Uchiyama Y, Fukushima Y, Aoki N, et al. (2019) Cows painted with zebra-like striping can avoid biting fly attack. PLoS ONE 14(10): e0223447. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0223447

Erfolgreiche Kälberaufzucht – was ist auf Basis aktueller Versuche zu beachten?

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Von Dr. Sebastian Hoppe, VBZL Haus Riswick, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Leistungsfähige Milchkühe mit gutem Durchhaltevermögen, guter Fruchtbarkeit und Gesundheit und daraus resultierend hohen Lebenstagleistungen sind die Grundlage einer wirtschaftlichen Milchproduktion. Unbestritten aus heutiger Sicht ist, dass der Grundstein hierfür bereits beim Kalb gelegt wird. Aus aktuellen Kälberaufzuchtversuchen im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick können einige wichtige Konsequenzen für die Praxis abgeleitet werden.

Optimierung der Tränkeintensität
Häufig wird anstelle von Vollmilch eine Milchaustauscher-Tränke (MAT) in der Kälberaufzucht verwendet. Vor dem Hintergrund des auf die Verdauung von Vollmilch ausgerichteten Enzymsystems der Kälber geht die derzeitige Empfehlung hin zum Einsatz von hochwertigen MAT mit etwa 40 % Magermilchpulver-Anteil. Versuche mit Aufzuchtkälbern ab der 2. Lebenswoche in Gruppenhaltung am Tränkeautomaten haben gezeigt, dass eine Anhebung der Tränkekonzentration von 125 g MAT/l Wasser auf 160 g MAT/l Wasser zu einer Steigerung der täglichen Zunahmen um ca. 100 g je Tier führt. Über die 5-wöchige Haupttränkephase (6 Liter Tränke täglich) hinaus war eine bessere Entwicklung der Kälber zu beobachten. Noch deutlicher waren die Effekte einer höheren Tränkemenge von 10 Litern täglich im Vergleich zu 6 Litern, jeweils mit der Konzentration von 160 g MAT/l Wasser. Am Tränkeautomaten konnten hierdurch bei Kälbern von Beginn der 2. Lebenswoche an über 5 Wochen bis zum Beginn des Abtränkens die täglichen Zunahmen um 200 g auf etwa 750 g verbessert werden. Es bleibt also festzustellen, dass eine gesteigerte Versorgung mit MAT zu höheren tierischen Leistungen führt. Von besonderer Bedeutung ist dieser Aspekt immer dann, wenn die Kälber erhöhten Belastungen ausgesetzt sind, wie z.B. einer Umstallung in die Gruppe, einem Wechsel des Tränkesystems oder auch durch das Enthornen. Einige Richtwerte zur Energieversorgung von Aufzuchtkälbern für verschiedene Zunahmeniveaus sind in Tabelle 1 dargestellt.

Beifütterung und Kontrolle des Absetzzeitpunkts
Neben einer optimalen Entwicklung durch passende Tränkeversorgung ist es Ziel der Kälberaufzucht in den ersten Lebenswochen, bei dem Jungtier den Übergang vom Monogastrier zum Wiederkäuer optimal zu fördern. Grundsätzlich muss den Kälbern ab dem 8. Lebenstag nach den Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung Grobfutter oder sonstiges rohfaserreiches, strukturwirksames Futter angeboten werden. Je nach Verfügbarkeit bieten sich im Betrieb verschiedene Futtermittel an. Aufgrund der geringen Futteraufnahmen in den ersten Lebenswochen und der Anfälligkeit für Nacherwärmung sollte mit der Fütterung hygienisch einwandfreier Silagen (Gras und Mais) erst in der zweiten Hälfte der Tränkephase begonnen werden.

Im Versuchsbetrieb Haus Riswick wurden verschiedene Fragestellungen zur Beifütterung der Kälber bearbeitet. In früheren Versuchen erfolgte die Beifütterung in der Regel über Kuhmischrationen, die auf etwa 25 kg Milch ausgelegt waren. Gegenüber dieser Kontrolle wurden wiederholt Trockenmischrationen aus Stroh und pelletiertem Kälberkraftfutter getestet, die nach Volumen im Verhältnis 1:1 gemischt waren. In diesen Mischungen liegt nach Gewicht der Schwerpunkt auf dem Kraftfutter. Die Trockenmischration wurde von jungen Kälbern früher akzeptiert und in höheren Tagesmengen aufgenommen. Bis zum 70. Versuchstag lagen die Trockenmasseaufnahmen aus Trockenmischration um 3 kg je Tier und Tag und damit etwa 0,5 kg höher als bei den mit Kuhration gefütterten Kälbern (Abb. oben).


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Ist eine Teilnahme an der Initiative Tierwohl für Schweinemäster kostendeckend?

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Im aktuellen Band 98 der „Berichte über Landwirtschaft“, einer vom BMEL herausgegebenen Fachzeitschrift, erschien eine Literaturstudie zur „betriebswirtschaftlichen Bewertung von Maßnahmen zur Steigerung des Tierwohls am Beispiel der Initiative Tierwohl aus der Perspektive konventioneller Schweinemäster“. Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Quellen bewertet das Autorinnen-Trio Sirkka Schukat, Theresa Ottmann und Heinke Heise, ob sich die ITW für Schweinemäster rechnet. Das Fazit der Forscherinnen von der Universität Göttingen lautet:

„Es konnte festgestellt werden, dass auf Basis der durchschnittlichen Mehrkosten, die anhand der auf Einzelkriterien basierten Kostenangaben der verschiedenen Autoren ermittelt wurden, die Boni der derzeitigen ITW-Kriterien keinen positiven Kostenausgleich schaffen. Dies gilt unabhängig davon, welche Maßnahmenkombinationen gewählt werden. Die Ergebnisse verdeutlichen weiterhin, dass die Kostenwirkung multifaktoriell bedingt ist, was eine angemessene Festsetzung der Vergütungssätze erschwert. Es zeigt sich, dass eine einzelbetriebliche Analyse ausschlaggebend und zugleich unausweichlich ist, um als Landwirt entscheiden zu können, ob sich eine Teilnahme an der ITW ökonomisch rentiert.“

Dementsprechend empfehlen die Autorinnen: „Wenngleich die Literatur gute Anhaltspunkte bietet, sollte ein Schweinemäster die Kosten von und die Erträge für Tierwohlmaßnahmen doch auch selber auf der Grundlage der individuellen Gegebenheiten seines Betriebes ermitteln. Erst damit sichert er seine unternehmerischen Entscheidungen fundiert ab.“

Kontakt:
Sirkka Schukat, Theresa Ottmann und Heinke Heise
M. Sc. Sirkka Schukat
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Georg-August-Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 5
37073 Göttingen
E-Mail: sirkka.schukat@uni-goettingen.de

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.

Abgabe an Antibiotika in der Tiermedizin sinkt weiter

Mengen für Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf niedrigstem Wert seit 2011

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2019 erneut zurückgegangen. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen (minus 7,2 %) und erreichte damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang in diesem Zeitraum von 60,7 %. Dies teilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit, das die Daten ausgewertet hat. Erfreulich ist vor allem, dass die abgegebenen Mengen der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken.

Die Abgabemenge der Fluorchinolone ist im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1,7 Tonnen (t) gesunken, die der Cephalosporine der 3. und 4. Generation um 0,5 t. Bei diesen Wirkstoffklassen gab es damit insgesamt eine deutliche Reduzierung. Es kann vermutet werden, dass die Änderungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) hierfür mitverantwortlich sind. Die TÄHAV schreibt seit dem 1. März 2018 vor, dass bei der Anwendung von Fluorchinolonen und Cephalosporinen der 3. und 4. Generation ein Empfindlichkeitstest für Bakterien nach standardisierten Verfahren durchzuführen ist. Dieser Test ermöglicht eine Aussage darüber, ob das vorgesehene Antibiotikum überhaupt wirksam sein kann.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 670 t Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die Hauptabgabemengen bildeten wie in den Vorjahren Penicilline mit etwa 264 t und Tetrazykline mit etwa 140 t, gefolgt von Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 66 t und Sulfonamiden (59 t) sowie Makroliden (57 t). Bei allen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) wurde im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion erreicht (Cephalosporine der 3. und 4. Generation: -0,5 t; Fluorchinole: -1,7 t, Makrolide: -2 t; Polypeptide: -8 t).

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Von 2011 bis 2019 hat die Menge an abgegebenen Antibiotika in fast allen Regionen abgenommen. Absolut gesehen ist in der Postleit-Region 49 weiterhin mit Abstand die höchste Abgabemenge (ca. 276 t) zu verzeichnen. Für den Erfassungszeitraum von neun Jahren wurden für die Postleit-Regionen 01, 03, 07, 08, 09, 14, 16, 17, 18, 19, 23, 25, 27, 29, 31, 32, 33, 34, 36, 37, 38, 39, 44, 46, 48, 49, 56, 59, 77, 86, 89, 93, 94, 97 sowie 99 Abnahmen von 60 % und mehr berechnet.

Der Einsatz von Tierarzneimitteln, zum Beispiel Antibiotika, dient dem Ziel, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Der Einsatz ist gleichermaßen auf den Schutz des Verbrauchers vor Zoonosen (auf Menschen übertragbare Tierkrankheiten) und vor gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln ausgerichtet.

Die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika stellt eine globale Bedrohung in der Human- und Veterinärmedizin dar. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier sind wechselseitig möglich.

Hintergrund
Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln, insbesondere Antibiotika, sie jährlich an Tierärzte abgeben, und diese Daten an ein zentrales Register melden. Grundlage dafür ist die DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010. Das Register wird seit Mai 2020 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn geführt, zuvor war das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zuständig. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die jährliche Auswertung der Daten vor.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Neuheit: Dairy Scratchy – die Kratzmatte von Bioret-Agri für mehr Tierwohl im Stall

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Die Dairy Scratchy von Bioret-Agri steigert nachweislich das Wohlbefinden von Kühen. Die einfache, aber bis ins Detail durchdachte Lösung für das Bedürfnis von Kühen nach Körperpflege bringt maximalen Nutzen in den Stall. Die 1500mm x 500mm große und 32mm starke Gummimatte ist zu zwei Dritteln mit starken Noppen versehen. Das Material, Neugummi SBR mit reißfester Gewebeeinlage, ist qualitätsgeprüft und brandklassifiert.

Die festen Gumminoppen reinigen durch ihr innovatives Design und ihre Anordnung beim Scheuern der Kuh das Fell und lösen auch hartnäckige Verkrustungen von der Körperoberfläche. Sie massieren die Muskulatur und regen damit die für Milchkühe wichtige Durchblutung an. Die Diary Scratchy trägt so insgesamt maßgeblich zur regelmäßigen Fell- und Hautpflege bei und fördert damit die allgemeine Tiergesundheit und das Tierwohl. Durch die flexible Anbringung der Matte, ob flächig an der Wand, zylindrisch oder quadratisch, vertikal oder horizontal, kann die Kuh viele unterschiedliche Körperstellen erreichen.

Je nach Anbringung deckt die Diary Scratchy scharfe Kanten ab und beugt damit Verletzungen der Tiere vor. Gleichzeitig kann sie Gebäude- oder Stalleinrichtungsoberflächen vor Beschädigungen schützen. Die Installation der Kratzmatte ist in allen Gebäuden ohne Aufwand möglich.

Eine Montageanleitung und zwei Befestigungsleisten werden mitgeliefert.
Dairy Scratchy benötigt keinen Strom und dementsprechend keine Wartung.
Sie ist leicht zu reinigen und auch zu desinfizieren.

„Die Wirkung von Diary Scratchy ist immer wieder verblüffend. Mit minimalem Aufwand können Tierhalter ein großes Plus an Tierwohl erzielen. Das hilft den Tieren, aber auch ihnen in ihrer Arbeit“, fasst Uwe von Briel, Verkaufsleiter von Bioret-Agri im deutschsprachigen Raum, zusammen.

Bioret-Agri ist ein französisches Familienunternehmen, das sich auf Kuhkomfort spezialisiert hat. Es wurde 1993 von Milchviehhalter Alain Bioret in der südlichen Bretagne und damit im Zentrum der Milcherzeugung Frankreichs gegründet. Seit 2007 wird das Unternehmen von Jean-Vincent Bioret geführt. Die Innovationen von Bioret-Agri sind preisgekrönt. Allein die Dairy Scratchy wurde schon kurz nach Markteintritt in 2019 mit drei internationalen Messepreisen ausgezeichnet.

Mehr in der interaktiven Website

Kontakt: Uwe von Briel, Leiter Verkauf und Marketing DACH Jahnstraße 13, 34454 Bad Arolsen, +49 163/ 302 11 74 uvonbriel@bioret-agri.com, www.bioret-agri.com

Quelle: Bioret Agri
Zone industrielle de la Sangle
44390 Nord-sur-Erdre
Frankreich

Die Kuh-Klaue, wie ein „Kunstwerk“ hegen und pflegen

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René Pijl, der bekannte Klauenpfleger aus Jever, hat ein Buch geschrieben – natürlich über die Kuhklaue. Von den verschiedenen Klauenkrankheiten, über Management, Weidegang bis zum Stallboden behandelt der Autor alle Faktoren, die die Klauengesundheit beeinflussen können.

Die Hauptaufgabe des Klauenpflegers, schreibt René Pijl im Vorwort, „besteht darin, alles Wissen über Klauengesundheit und Klauenleiden zu sammeln und auf dieser Basis zu versuchen, der Kuh ein gesundes und problemloses Leben zu ermöglichen. Sich vorzustellen, dass sie sich möglichst schmerzfrei bewegen kann, ist doch eine schöne Option. Vergesst nicht, dass wir als Pfleger nur ein kleines Teil vom Rad sind und der Kuh nur einen Schubs geben können in die richtige Richtung gesund zu bleiben. Und mit unserer Hilfe und Unterstützung können wir dazu beitragen, dass dieses Vorhaben gelingt. Wir geben den Anstoß, die Kuh macht als „Künstlerin“ alles Weitere selbst.“

Auf der Homepage des Niederländers sind Inhaltsverzeichnis und Vorwort zu finden. Dort kann das über 300 Seiten starke Werk auch für € 39,90 direkt bestellt werden.

Schweinehaltungen als Reservoir für neue Grippeviren – Studie von FLI und Partnern findet Viren mit präpandemischem Potenzial

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Schweinehaltungen bilden wichtige Reservoire für eine zunehmende Anzahl diverser Influenzaviren, die teilweise auf den Menschen übergehen können und möglicherweise präpandemisches Potenzial besitzen. Dass dies auch auf die Situation in europäischen Haltungen zutrifft, zeigt eine umfangreiche Studie, die das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Universitätsklinikum Freiburg federführend mit weiteren Partnern in einem von der CEVA Tiergesundheit GmbH unterstützten Forschungsprojekt durchführten. Hierzu wurden mehr als 18.000 Einzelproben aus annähernd 2.500 schweinehaltenden Betrieben mit Atemwegserkrankungen bei Schweinen in Europa untersucht. Diese Studie wurde heute im renommierten Fachmagazin „Cell Host & Microbe“ veröffentlicht.

Schweine eignen sich hervorragend für die Vermehrung und Neusortierung von Influenzaviren die vom Mensch, Schwein oder Vogel stammen. Der Erreger der letzten menschlichen Grippepandemie Influenza A(H1N1)/2009 fand bereits 2009 Eingang in die Schweinepopulationen Europas und hat nach den Erkenntnissen der Studie eine herausragende Bedeutung für das stark anwachsende Repertoire neuartiger Virusvarianten im Schwein. Untersucht wurden Schweinehaltungen in Deutschland sowie weiteren 16 europäischen Ländern. In mehr als der Hälfte der untersuchten Betriebe wurden ganzjährig Influenzavirusinfektionen gefunden. Während vier Influenzaviruslinien mit unterschiedlicher geographischer Verteilung in den Schweinepopulationen Europas dominieren, entstehen daraus zunehmend neue Virusvarianten.

Ein Fokus der Studie war die Untersuchung von möglichen zoonotischen Eigenschaften dieser Viren, also deren mögliches Übertragungspotential auf den Menschen: Die detaillierte Analyse der Ähnlichkeiten zu humanen Viren und die Übertragungseigenschaften in Frettchen, einem Tiermodell für humane Influenza, zeigten, dass einige Varianten über zoonotisches Potential verfügen.

Weitere Viren erwiesen sich als resistent gegen einen wichtigen Bestandteil der humanen Virenabwehr: „Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich“, sagt Prof. Dr. Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg.

Aktuelle Kenntnisse zur Infektionslage, verbesserte Bekämpfungsstrategien sowie die Optimierung von Impfstoffen für Schweine gegen Influenzaviren können wesentlich zu einem gesteigerten Tierwohl beitragen und wirtschaftliche Einbußen in der Schweineproduktion vermindern. Gleichzeitig würde ein Rückgang der Influenzaviren in Schweinebeständen eine Verringerung des Expositionsrisikos von Menschen gegenüber potentiell zoonotischen Influenzaviren aus diesem Reservoir bewirken. „Der vielbeschworene `One Health-Gedanke´ ließe sich gerade hier erfolgversprechend in praktische Projekte zum gegenseitigen Nutzen von Mensch und Tier umsetzen“, sagt Prof. Dr. Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut.

Studie
Surveillance of European domestic pig populations identifies an emerging reservoir of potentially zoonotic swine influenza A viruses
Cell Host & Microbe Link

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Eutergesundheit: Tier – Mensch – Maschine: Alles im Griff?

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Von Dr. Heike Engels

Auf der Fortbildungsveranstaltung, die Boehringer Ingelheim kurz vor der Corona-Pandemie für Rindertierärzte veranstaltete, gab es ein spannendes Update zum Themenkomplex Mastitis. Da die Veranstaltung aufgrund des sich ausbreitenden Corona-Virus nicht an allen Standorten in Deutschland mehr durchgeführt werden konnte, transportiert „Der Hoftierarzt“ die wichtigsten Informationen an die Rinderhalter und Tierärzte.

Leider tritt die Eutererkrankung Mastitis noch immer sehr häufig in nahezu jedem Milchviehbetrieb weltweit auf und führt zur Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Kühe sowie zu wirtschaftlichen Einbußen. Seit einiger Zeit ist aufgrund der globalen Antibiotikaminimierungsstrategie die Vorbeugung und Therapie von Eutererkrankungen neu zu überdenken. Bestimmte Antibiotika dürfen nur noch in Sonderfällen eingesetzt werden, jeder Antibiotikaeinsatz muss gut begründet sein. Neue technische Möglichkeiten, z.B. die steigende Nutzung von Melkrobotern, sollten den Blick nicht weg vom Tier lenken.

Prof. Holm Zerbe, LMU

Es braucht neue Wege zur Therapie und Prophylaxe der Mastitis, wie Prof. Holm Zerbe von der Klinik für Wiederkäuer der LMU München in seinem Vortrag deutlich machte. Impfstrategien zeigten hier bisher leider nicht den erwarteten Erfolg, obwohl die Mastitis-Inzidenz sowie die Milchzellzahlen durchaus mit der Impfung gesenkt werden können. Die Neuinfektionsrate allerdings konnte nicht reduziert werden. Außerdem gilt die Impfung als kompliziert und zeitaufwändig. Das liege daran, dass im Euter die angeborene Immunität dominiere und nicht die adaptive. Systemische oder lokale Immunmodulatoren wären eine gute Möglichkeit, müssten aber auch erst entwickelt werden, denn bestehende Immunstärkungsmittel hätten nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Eventuell könnten auch bestimmte Futtermittelzusatzstoffe wie z.B. Hefen, B- und E-Vitamine, Selen, Kieselgur oder Reishülsen bei der Mastitistherapie helfen, auch hier ist aber noch großer Forschungsbedarf nötig.

Mastitisgefahr in Trockenstehzeit
Doch in welchem Laktationsstadium finden sich die meisten Mastitisfälle? Die meisten intramammären Infektionen finden laut Prof. Zerbe rund um das Trockenstellen und um die Geburt statt. Doch leider wurde bisher hauptsächlich das laktierende Euter untersucht, wenn es um das Auftreten von Mastitis und das Immunsystem des Euters geht. Die Kenntnisse zum Immunsystem des trockenstehenden Euters sind dagegen noch sehr begrenzt. Die Milchdrüsenepithelzelle übernimmt neben der Milchproduktion wichtige Abwehrfunktionen: Erregererkennung, Entzündungsmodulation, antimikrobielle Aktivität. Während der Laktation liefere die Milch genügend Nährstoffe für eine starke bakterielle Vermehrung, so Prof. Zerbe. Die Trockenperiode unterstütze durch das Versiegen der Milch demnach die Pathogeneliminierung und Heilung.

Das größte Risiko für Mastitis bestehe kurz nach der Abkalbung, weil sich durch den Milcheinschuss die Zitzen öffnen und so Erreger eindringen können. Der Zitzenkanal spielt eine entscheidende, nicht nur eine mechanische Rolle bei der Abwehr einer Infektion. Gleichzeitig kommen die Erreger wieder hervor, die während der Trockenstehzeit im Euter „überwintert“ haben. Denn während der Trächtigkeit scheint das Immunsystem Erreger im Euter nicht anzugreifen, es wirkt gedämpft und toleriert Erreger. Außerdem fehlt in der Trockenstehzeit der Spüleffekt durch das Melken. Durch die Geburt ist das Immunsystem weiter beansprucht und noch auf „Toleranz“ programmiert – jetzt können über einen lädierten Darm Erreger ins Blut und anschließend auch ins Euter gelangen. Erst nach einer Umstellungsphase ist das Immunsystem im Euter dann wieder auf Erregereliminierung – auch durch Entzündungsreaktionen – eingestellt.

Das Ziel der Trockenstelltherapie müsse es also sein, Neuinfektionen zu vermeiden und die bestehenden intramammären Infektionen zu eliminieren. Wenn man die erkrankten Tiere ganz zu Beginn der Infektion erkennt und behandelt, brauche man oft noch keine Antibiotika. Antiphlogese, also die Linderung von Schmerzen mittels Entzündungshemmern, sei extrem wichtig, manchmal sogar wichtiger als die Antibiose selbst. Denn nicht nur der Kuh gehe es besser, sondern die NSAIDs würden die Zellzahlen senken, weil sie die Entzündungsreaktion abmildern, und in der Folge reduzieren sich Fieber und Schmerzen sowie Gewebeschäden.

Zukünftig mehr individuelle Therapien

Dr. Ulrike Exner, Boehringer Ingelheim

Dr. Ulrike Exner, Tierärztin bei Boehringer Ingelheim, betrachtete die Zukunft der Mastitistherapie. Neue Wirkstoffe bei Antibiotika seien nicht zu erwarten, deshalb sei die Vorbeugung der Erkrankung wichtiger denn je. Eine Möglichkeit sei der Einsatz eines Zitzenversieglers zum Trockenstellen. Neue Studien zum Mikrobiom ließen vermuten, dass die physische Barriere, die durch den Einsatz eines internen Zitzenversieglers entsteht, den Erhalt einer für Kommensalen im Euter vorteilhaften Umgebung unterstützt. Dadurch könne sich das Mikrobiom im Euter über die Trockenstehzeit stabilisieren und sei weniger anfällig für negative Keimverschiebungen. Immer wichtiger werde auch das individuelle Entscheiden abhängig von Zellzahl, Mastitishistorie und beteiligten Erregern, welche Kuh wie behandelt werden müsse. Genauso individuell sei auch die Entscheidung beim Trockenstellen zu treffen, Stichwort selektives Trockenstellen. Tierärzte sollten mit ihren Landwirten über das Trockenstellmanagement sprechen. Ein möglicher Gesprächseinstieg sei hier zum Beispiel die Zellzahl in der Sammelmilch. Hat ein Betrieb über 150.000 Zellen je ml in der Sammelmilch, gelte er als Risikobetrieb für Mastitis. Werden dann noch kontagiöse Erreger wie Staph. aureus, Strep. agalactiae oder Strep. canis in der Herde nachgewiesen, ist eine Sanierungsstrategie mit antibiotischem Trockenstellen inklusive internem Zitzenversiegler für jede Kuh sinnvoll. Niedrigrisiko-Betriebe mit unter 150.000 Zellen je ml Sammelmilch dagegen könnten auf Einzelkuhebene selektiv trockenstellen, das bedeute auf Basis von festzulegender Diagnostik wahrscheinlich infizierte Kühe antibiotisch und mit Zitzenversiegler trocken zu stellen, die nicht infizierten Kühe aber nur mit einem Zitzenversiegler.

Leitkeim bestimmen
Eine Milchprobendiagnostikaktion, die Boehringer Ingelheim 2019 durchführte, ergab bei 1.321 Einsendungen, dass Strep. uberis, E. coli und coliforme Erreger, Staph. aureus, Strep. dysgalactiae und koagulase-negative Staphylokokken (KNS) die fünf wichtigsten Mastitiserreger sind – genauso wie bei einer vergleichbaren Aktion einige Jahre zuvor. Strep. uberis ist unverändert der am häufigsten nachgewiesene Erreger (23,6 %). Neu ist, dass Staph. aureus mit 11,4 % der Nachweise diesmal hinter E. coli und den coliformen Erregern (13,2 %) auf Platz 3 liegt.


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