Wie sieht die Rinderhaltung der Zukunft aus? #Expertise2023

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Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly (Freie Universität Bozen) erklärte gleich zu Beginn seines Vortrags auf der „Expertise 2023“, die externen Treiber der Veränderung seien: 1. NGOs und Gesellschaft (wobei offen bliebe, was Henne und was Ei ist). 2. Markt und Handel und erst dann 3. Politik und Gesetzgeber.

Zum Beispiel beschließen deutsche Handelsunternehmen ab 2022 Milch und Milchprodukte mit dem vierstufigen Label für Haltungsformen zu kennzeichnen und Aldi verkündet, für seine Milch-Eigenmarken ab 2030 nur noch Milch aus Haltungen der Stufen 3 und 4 zu verwenden. Alles ohne Zutun des Gesetzgebers.

Auf der Zukunfts-Agenda stehen nach Einschätzung des Professors aus Südtirol die Haltungsform, Gesundheit und Leistung, der Verbleib männlicher Kälber und die muttergebundene Kälberaufzucht. Weiter würden Klima, Flächenkonkurrenz, Regionalität, Verbrauchsgewohnheiten und Alternativprodukte an Bedeutung gewinnen.

Prof. Dr. Matthias Gauly Bild: © Freie Universität Bozen

Verbraucher bevorzugten in Befragungen eindeutig die Weidehaltung als: naturnah, liebevoll, umweltfreundlich, bäuerlich, gesund und tierfreundlich. Nach den Entscheidungskriterien für ihren Milchkauf gefragt, nennen 51,5% die Weidehaltung (an zweiter Stelle nach „GVO-frei“ mit 52,1%, 37,7% Regionalität, 31,6% niedrigen Preis, 19,1% Heufütterung und 10,4 % Biomilch – Spiller et al. 2014).

In Deutschland hätten 2020 aber nur 31 % aller Milchkühe mindestens sechs Monate Weidegang gehabt und bei Landwirten sei Weidehaltung nicht unbedingt beliebt, weil sie als unkalkulierbare Größe wahrgenommen („was genau frisst meine Kuh da draußen?“) und Stallhaltung – gerade in größeren Betrieben – als effizienter angesehen würde.

Aber: Kiefer und Bahrs verglichen 2015 Weide- und Stallbetriebe in Baden-Württemberg und Bayern, kalkulierten den Durchschnittsgewinn je Kuh und kamen auf € 1.054 bei Weide- und € 906 bei Stallhaltung. Ohne Berücksichtigung der Förderung aus der 2. Säule, kommt man auf praktisch gleiche Zahlen: € 803 in der Weide- und € 815 in der Stallhaltung.

Auch bei der Tiergesundheit zeige sich kein eindeutiges Bild. Armbrecht et al. (2015) bewerteten verschiedene Herden nach dem „Welfare Quality Protocol“ und fanden heraus, dass zwischen Kühen mit und ohne Weidegang am Ende der Weideperiode keine Unterschiede zu sehen sind. Am Ende der Winterperiode schnitten die Kühe aus Weidehaltung allerdings tendenziell schlechter ab.

Zum Themenkomplex „Gesundheit und Leistung“ mahnte Gauly Handlungsbedarf an und verwies auf einschlägige Untersuchungen: Roffeis und Waurich (2013) zeigten an Testherden in Brandenburg, dass ein hoher Anteil von Milchkühen der Leistungsgruppe (100 Tage-Milch-kg) krank war: von 87% bei Milchleistung unter 3.000 kg, bis zu 91% bei über 4.000 kg. Die bekannten PraeRi-Studien wiederum belegten hohe Lahmheits-Prävalenzen bei Milchkühen in ganz Deutschland.

Kälber dürften in Zukunft stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Nicht nur die männlichen Tiere und deren Verbleib, sondern insgesamt alle Kälber als „schwache und besonders schützenswerte Lebewesen“ (was sich schon heute in den Änderungen der Transportverordnung zeige). Auch die muttergebundene Aufzucht dürfte in den nächsten Jahren verstärkt thematisiert werden, sagte der Wissenschaftler aus Italien.

Am zukunftsträchtigsten seien der Laufstall mit Weidegang und konsequentes Gesundheits-Monitoring bei Milchkühen (bei Stärkung der Zweinutzungsrassen). Männliche Kälber der Milchrassen würden zukünftig länger im Betrieb bleiben und ihr Transport eingeschränkt werden. Auch hier dürften Zweinutzungsrassen (evtl. kombiniert mit muttergebundener Aufzucht) an Bedeutung gewinnen.

Bei der Klimafrage gäbe es gute Argumente für die weitere Nutzung von Wiederkäuern (wie anders wäre Gras auch nutzbar?), aber die Systeme müssten optimiert werden, etwa in Zucht und Fütterung. Die Flächennutzung für eine reine Futtermittelproduktion werde vermutlich reduziert und grundfutterbasierte Erzeugung an Bedeutung gewinnen. Bei der Regionalität seine Nischenlösungen gefragt (wobei z. B. in Süddeutschland Österreich oder Frankreich eher zur „Region“ zählen sollten, als der nördlichste Zipfel Deutschlands).

Auf Seiten der Verbraucher dürfte die Zahl der „Flexitarier“ weiter steigen und deshalb sei mit einem weiteren Rückgang beim Verzehr tierischer Produkte zu rechnen. Aber auch die Nachfrage-Entwicklung bei Milch- und Fleisch-Alternativen hänge ab von Preis, Qualität und Nachhaltigkeit.

Fazit: In der Außenkommunikation kommt es zukünftig darauf an, die Kuh vom Image der „Methan-Produzentin“ zu befreien und ihre Haltungsbedingungen und Gesundheit zu verbessern, um Verbraucherwünschen, NGO-Agenden und den Marketing-Ideen des LEH erfolgreich zu begegnen.

Mit einem Verbot der Anbindehaltung, normativen Regelungen der Haltungssysteme (Nutztierhaltungsverordnung für Milchkühe), dem Ende der betäubungslosen Enthornung und einer Bestimmung von „Qualzucht“ bei Milchkühen stehen nach Prof. Gauly schon die nächsten Herausforderungen auf der politischen Agenda.

Expertise 2023: eine hybride Fortbildungsveranstaltung für Tierärzte und Tierärztinnen von MSD Tiergesundheit (9./10. 5. 2023)

Mitmachen! Online-Umfrage zum Thema Biosicherheit in Tierhaltungen

Das Friedrich-Loeffler-Institut führt im Rahmen eines Forschungsprojekts aktuell eine kurze, anonyme Online-Umfrage zum Thema Biosicherheit in Tierhaltungen durch (Bearbeitungszeit: ca. 5 min).

Dabei geht es vor allem darum, Erfahrungen sowie Meinungen aus der Praxis zu erhalten. Die erhobenen Daten sollen in zukünftigen Strategien zur Verbesserung der Biosicherheit mit eingebaut werden.

Durch das aktuelle Ausbruchsgeschehen der Afrikanischen Schweinepest sowie der Geflügelpest ist das Thema präsenter denn je. Nur im Austausch mit den potentiell betroffenen Landwirtinnen und Landwirten wird es dem FLI möglich sein, sinnvolle und praxisorientierte Maßnahmen zur Verbesserung der Biosicherheit auf den Weg zu bringen. Besonders ökologische Tierhaltung stehen im Falle eines Tierseuchenausbruchs vor schwerwiegenden Konsequenzen, da die Tiere mitunter aufgestallt werden müssen.

Tierhalterinnen und Tierhalter sind täglich mit dem Thema Biosicherheit auf Ihren Betrieben konfrontiert und müssen wissen, ob und wenn ja, welche Maßnahmen in Bezug auf eine Verbesserung der Biosicherheit sinnvoll sind.

Hier der Aufruf zur Studienteilnahme auf der Homepage des FLI und hier der direkte Link zur Umfrage.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Tierwohlindikatoren: Was können die Hühner uns sagen? Signale erkennen und Verhalten verstehen

Auf die Legehennen im Stall und im Freiland wirken viele Einflüsse ein, die Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben. Leistung gut, alles gut – so einfach ist es nicht. Das Management und die Haltung beeinflussen die Gesundheit und das Verhalten. Wie sich anhand von Indikatoren das Tierwohl im eignen Bestand bewerten lässt, dazu referierte Dr. Daniel Gieseke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel Witzenhausen, auf einem Vortrag des Netzwerk Fokus Tierwohl.

Der Hintergrund zur Eigenkontrolle des Tierwohls im Bestand bildet die Novellierung des Tierschutzgesetzes vom 07.08.2013 (Gültig für alle Nutztierhalter*innen ab 01.02.2014). TSchG §11 (8) besagt: „Wer Tiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 („Tierhalternorm“) eingehalten werden. Insbesondere hat er zum Zwecke seiner Beurteilung, dass die Anforderungen des § 2 erfüllt sind, geeignete tierbezogene Merkmale (Tierschutzindikatoren) zu erheben und zu bewerten.“

So weit so gut, doch das Problem ist, dass das Tierschutzgesetz keine konkreten Vorgaben bzw. Ausführungsbestimmungen für Inhalt, Umfang und Häufigkeit der betrieblichen Eigenkontrolle enthält. Dr. Daniel Gieseke empfiehlt, die betriebliche Eigenkontrolle mittels des KTBL-Leitfadens für Geflügel durchzuführen.

Der KTBL-Leitfaden ist an die eigene betriebliche Situation anpassbar. Für die Stichprobe werden 50 Tiere benötigt. Dazu sind Hennen aus allen Bereichen der Haltungseinheit auszuwählen, bei Volierenhaltung Legehennen aus allen Ebenen. Es sollte immer die Henne neben der jeweils anvisierten Henne gegriffen werden. Dann kann mittels des Leitfadens eine Bonitur von Gefiederschäden, Hautverletzungen, Brustbeinschäden, Zehenverletzungen und Fußballenveränderungen erfolgen. Dr. Giesecke empfahl, die Erfassung von Tierschutzindikatoren als Chance und als Managementhilfe wahrzunehmen. Das Ergebnis könne als Basis für betriebsindividuelle Optimierungsmaßnahmen dienen. Der betriebliche Mehraufwand sei teilweise durch den Zusatznutzen kompensierbar und das Tierwohlniveau auf dem Betrieb kann nach Außen kommuniziert werden.

Auch für Halter von Broilern und Puten ist der Leitfaden geeignet. Hier ist bei der Bonitur auch auf Fersenhöckerveränderungen, Lahmheit sowie Schnabelkürzung bei Puten zu achten. Die entsprechenden Informationen hierzu enthält der Leitfaden.

KTBL-Leitfaden für Geflügel
Knierim et al. (2020):
Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Geflügel (2.0)
Print oder E-Book: https://www.ktbl.de/shop

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2023
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E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2023 steht zum kostenfreien Abruf bereit

Liebe Leserinnen und Leser!

Droht mit der Vogelgrippe eine neue Pandemie? Für welche Szenarien reichen die Ressourcen? Hat Frankreich die Lösung? Welche Anforderungen sollten Impfstoffe erfüllen?

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 1/2023 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

Schwerpunkt Gefügel
• Aviäre Influenza: Steht uns die nächste Pandemie bevor?
• Darmparasiten bei Bio- und Freiland-Legehennen
• Einstreu für Masthähnchen
• Hefen und Hefe-Produkte in der Geflügelernährung
• Sommerzeit ist Milbensaison
• Zusammenhang zwischen Valin-Leucin-Wechselwirkungen und Woody Breast?
• Gesetzliche Grundlagen zur Hobbyhaltung von Geflügel
• Broiler brauchen trockene Füße
• Interview: Wurmbefall beim Huhn
• Studie: Wurmbelastung in sächsischen Legehennenhaltungen
• Hühner vor Beutegreifern schützen, aber wie?
• Tierwohlindikatoren: Was können die Hühner uns sagen?

Rinder- Schweine – Schafe – Bienen
• Lokale antibiotische Mastitisbehandlung
• Parasitenbehandlung: Da ist der Wurm drin!
• Rotavirus-Ausscheidungsmuster bei Jungsauen
• Tiergesundheit und Fitness bei Schweinen
• Luftfiltration zur Verhinderung von PRRSV-Infektionen
• Moderhinke beim Schaf erkennen und behandeln
• Imkertipp: Wie bienenfreundlich ist der Wald?

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt einfach hier registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail klicken und dann gleich kostenfrei downloaden und lesen!

Lehr- und Versuchsanstalten rüsten sich mit SoundTalks®, dem Frühwarnsystem bei Husten

Atemwegserkrankungen bei Ferkel und Mastschweinen sind für eine Vielzahl von Schweinehaltern ein großes gesundheitliches Problem. Doch eine intensive Tierbeobachtung ist sehr zeitaufwändig und nicht objektiv. Zudem verhalten sich Schweine anders, wenn der Mensch in der Nähe ist.

SoundTalks® eröffnet neue Wege in der Tierbeobachtung. Hier wollen und müssen die Lehr- und Versuchsanstalten vorne dabei sein, um diese Systeme den Besucher*innen und Junglandwirt*innen näher zu bringen und zu erklären. Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, Schleswig-Holstein, hängt SoundTalks® und zeigt zuverlässig Atemwegsprobleme an. Das Frühwarnsystem erkennt Atemwegserkrankungen mit Husten bis zu 5 Tage früher als eine routinemäßige Tierkontrolle. Es ermöglicht einen früheren Behandlungsbeginn, bevor die Tiere ernsthaft erkranken, in der Leistung abfallen und es zu finanziellen Einbußen kommt. Dabei ist die Technik absolut praxistauglich, robust und leicht zu installieren.

Gerade ausgezeichnet mit der DLG Innovations-Goldmedaille wurde dem Produkt auch der Animal Welfare AWARD verliehen. Tierwohl wird eine immer höhere Anforderung sein und es gilt auch hier Unterstützung bei der Dokumentation und der Kontrolle zu bekommen. Auch hier bietet das System durch das 24/7-Überwachungssystem einen klaren Vorteil. Es zeichnet alle Daten rund um die Uhr auf und bewertet sie.

Weitere Informationen und Videos unter www.soundtalks.de

Quelle: Boehringer Ingelheim

Rotes Höhenvieh – „Heimatrasse des Harzes“

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Ministerin Miriam Staudte beim Weideaustrieb auf dem Biohof Düna

Die 350 Meter vom Stall zur Weide müssen die zehn Jungbullen noch im Anhänger verbringen. Dann geht auf der Weide endlich die Klappe auf – und die Weidesaison für das Harzer Rote Höhenvieh los. Die Fleischrinder machen Bocksprünge und rennen gemeinsam den Hang hinunter. Für Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte war der Besuch auf dem Biohof Düna bei Osterode am Harz am heutigen Montag der erste Weideaustrieb, den sie begleiten durfte.

Miriam Staudte: „Den Tieren ist die Freude darüber, draußen auf der Weide sein zu können, richtig anzumerken. Weidetierhaltung ist die artgerechteste Haltungsform für Rinder. Deshalb wollen wir die Weidehaltung ausbauen. Der Biohof Düna verknüpft in vorbildlicher Weise Landwirtschaft und Landschaftspflege.“

Der Hof wird von Daniel und Johanna Wehmeyer (beide 41 Jahre) geführt.
Sie halten die Rinderrasse Harzer Rotes Höhenvieh auf 320 Hektar Grünland und bestellen zudem 160 Hektar Ackerland. Das Biofutter für die rund 270 Tiere produzieren sie selbst. Die Bullen leben mindestens zwei Sommer auf der Weide. „Es gehen alle 14 Tage zwei Tiere in die Schlachtung, aber das ist ein Zyklus. Es kommen auch immer welche nach“, sagt Vater Dieter Wehmeyer, der seinen Sohn auf dem Hof unterstützt.

Im vorderen Stallabteil, abgegrenzt von den übrigen Rindern, bringt eine Kuh während des Besuchs der Ministerin auf dem Hof gerade Zwillinge zur Welt. Das Harzer Rote Höhenvieh ist vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der der gefährdeten Nutztierrassen in der Kategorie „Beobachtungspopulation“. Das Land Niedersachsen fördert die Tiere solcher seltenen und gefährdeten einheimischen Nutztierrassen mit 200 Euro pro Großvieheinheit aus GAK-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“). Die Rassen müssen dabei einen kulturhistorischen Bezug zu Niedersachsen haben, mindestens fünf Jahre gehalten und aktiv züchterisch genutzt werden. Beim Harzer Roten Höhenvieh hat dies bereits Erfolge gezeigt. Seit Ende der 1990er Jahre hat sich ihr Bestand verfünffacht.

Daniel Wehmeyer: „Das Rote Höhenvieh ist die Heimatrasse des Harzes. In jedem Haushalt gab es ein bis drei Kühe, die die Familie ernährt haben, während die Bergmänner unter Tage Erze geschürft haben. Die Kuh der Bergmannsfrauen ist mir durch ihre Robustheit und Schönheit früh ans Herz gewachsen.“

Auch die Weidenutzung in Hanglagen – hier darf nur minimal gedüngt werden und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel dürfen generell nicht zum Einsatz kommen – unterstützt Niedersachsen im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) genauso wie den Erhalt von artenreichem Dauergrünland.

Wie auf dem Hof von Familie Wehmeyer startet derzeit landauf, landab die Weidesaison für die Niedersächsischen Rinder. Besonderer Anreiz für Milchviehhalter*innen, ihre Tiere auf die Weide zu lassen, ist die neue Sommerweideprämie: Im Rahmen der neuen EU-Förderperiode gibt es in Niedersachsen seit diesem Jahr eine neue Sommerweideprämie für Milchkühe. Die Prämienhöhe beträgt 75 Euro je Milchkuh in der konventionellen Landwirtschaft sowie reduziert 51 Euro je Milchkuh in der ökologischen Landwirtschaft, da diese weitere Fördermöglichkeiten haben. Möglich ist eine Förderung für Betriebe, die ihre Tiere vom 16. Mai bis zum 15. September für mindestens sechs Stunden pro Tag auf der Weide halten.

Mehr Informationen über den Hof finden Sie hier.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

European PRRS-Research Award von Boehringer Ingelheim: Jetzt bewerben bis zum 1. Juli

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Boehringer Ingelheim vergibt auch im Jahr 2023 im Rahmen des Europäischen PRRS-Research Awards insgesamt 75.000 Euro zur Finanzierung von europäischen PRRS-Forschungsstudien, aufgeteilt auf drei Preise in Höhe von je 25.000 Euro. Das Unternehmen möchte hiermit Forschungsbeiträge mit neuen Erkenntnissen zu PRRS unterstützen, um diese verheerende und kostenintensive Krankheit noch besser verstehen sowie nachhaltiger kontrollieren zu können. Seit vielen Jahren unterstützt Boehringer Ingelheim die anwendungsbezogene Forschung zur Bekämpfung der Schweinekrankheit PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom).

Bewerben können sich alle Personen, die in der europäischen Schweineindustrie tätig sind. Die Fachgebiete können unter anderem Forschung, Diagnostik, Tierwissenschaften, Praxis, Produktion sowie Tiergesundheit und Tierwohl umfassen.

Ein unabhängiger Prüfungsausschuss wird jeden Vorschlag im Hinblick auf seine Bedeutung, das Wirkungspotenzial in der Schweinebranche, die Originalität und Neuartigkeit sorgfältig begutachten. Die Jury ist vertreten durch anerkannte Expertinnen und Experten der Schweinebranche.

Bewerbungen sind ab jetzt möglich bis zum 1. Juli 2023.

Weitere Informationen und das Anmeldeformular gibt es hier.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Was uns frühere Vogelgrippe-Ausbrüche lehren

Forschende der ETH Zürich analysierten die Epidemie des Vogelgrippe-Stamms H7N9, zu welcher es 2013 bis 2017 in China kam. Neue genetische Stammbäume helfen, in Zukunft Vogelgrippe-Epidemien besser zu überwachen.

Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Vogelgrippeviren. Neben dem Subtyp H5N1, der in den vergangenen Jahren in der europäischen Wildvogelpopulation heimisch und damit zur Gefahr für die hiesigen Geflügelhaltungen geworden ist, ist da zum Beispiel der Subtyp H7N9. Dieser grassierte in den Jahren 2013 bis 2017 beim Nutzgeflügel in China und hat dort auch Menschen infiziert – vor allem solche mit engem Kontakt zu lebendem Geflügel. Insgesamt sind in China 616 Menschen nachweislich an einer Infektion mit diesem Subtyp gestorben.

Experten verfolgen genau, wie sich die verschiedenen Vogelgrippeviren weiterentwickeln. Sowohl bei H7N9 als auch bei anderen Subtypen besteht die Gefahr, dass sich ihr Erbgut verändert und die Viren in der Folge von Mensch zu Mensch übertragen werden können, womit eine Pandemie drohen würde.

Claire Guinat, in den vergangenen Jahren Postdoc in der Gruppe von ETH-Professorin Tanja Stadler, hat deshalb die Epidemiewellen, die H7N9 in den Jahren 2013 bis 2017 in China verursachte, untersucht. Dazu analysierten die Forscherinnen veröffentlichte Gensequenzen von H7N9-Viren, die von Menschen und Geflügel isoliert worden sind, und sie erstellten damit Genetik-Stammbäume. Die Wissenschaftlerinnen vom Departement für Biosysteme der ETH Zürich in Basel verfolgten das Ziel, die Verbreitung der Vogelgrippe auf Geflügelmärkten zu verstehen und daraus Schlüsse zu ziehen für eine künftige bessere Überwachung und Bekämpfung dieser Krankheit.

Lebendgeflügelmärkte im Zentrum
In China werden Hühner und anderes Geflügel oft lebend auf Märkten verkauft. Dass solche Märkte bei der Übertragung der Vogelgrippe – sowohl von Tier zu Tier als auch auf den Menschen – eine wesentliche Rolle spielen, ist seit längerem bekannt.

Die ETH-Forscherinnen konnten nun mit den Stammbaumanalysen zeigen, dass das H7N9-Virus schon mehrere Monate in Geflügel zirkuliert haben musste, ehe es auf Geflügelmärkten und in infizierten Menschen entdeckt wurde. Auch waren mutmaßlich deutlich mehr Geflügelmärkte betroffen als bisher bekannt war. Insbesondere in den Jahren 2013 bis 2016, als das Virus bei Geflügel praktisch keine Symptome auslöste, waren Ausbrüche schwierig zu bemerken. Anschließend veränderte sich das Virus und verursachte bei Geflügel schwere Krankheitssymptome, was es einfacher machte, betroffene Hühnerhaltungen zu erkennen.

«Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass man besser nicht wartet, bis es zu Vogelgrippe-Fällen kommt, denn dann zirkuliert das Virus wahrscheinlich schon länger», sagt ETH-Professorin Stadler. «Stattdessen wäre es sinnvoll, die Gesundheit der Tiere in den Ställen und den Lebendgeflügelmärkten kontinuierlich zu überwachen.»

Noch immer wachsam
Die Forschenden analysierten vor allem Viren aus den Großregionen Shanghai und Guangdong. Sie fanden Hinweise, dass sich das Virus in diesen Ballungsräumen auf Geflügelmärkten stark verbreitet hatte. Alternativ hätte es auch sein können, dass das Virus mit dem Transport von infizierten Tieren immer wieder von einer Großregion in die andere eingeschleppt wurde. Doch so war es nicht; die Stammbaumanalysen entsprachen keinem Muster, welches eine solche regelmäßige Viruseinschleppung erklären würde. Dies weist darauf hin, dass die Ballungsräume mit ihren Lebendgeflügelmärkten beim Krankheitsgeschehen eine zentrale Rolle spielen. «Angesichts der Schwere von Epidemien wie dieser muss jede betroffene Region Maßnahmen ergreifen um die Viruszirkulation zu stoppen», sagt Claire Guinat, die Erstautorin der Studie, die heute am Institut national de recherche pour l’agriculture, l’alimentation et l’environnement (INRAE) in Toulouse tätig ist.

Die H7N9-Epidemie beschränkte sich auf China. 2017 begann das Land, Geflügel gegen den Erreger zu impfen. Zusammen mit intensivierten Hygienemaßnahmen in Geflügelmärkten konnten die Behörden die Epidemie bei Tieren abschwächen und Übertragungen auf Menschen stark reduzieren. Zu einzelnen Ausbrüchen der Krankheit kommt es aber noch immer. Letztmals starb 2019 ein Mensch an den Folgen einer H7N9-Infektion. Weil sich das Genom von Viren ständig verändert, besteht weiterhin ein gewisses Risiko, dass das H7N9-Virus für Menschen wieder gefährlich werden könnte. Public-Health-Experten bleiben daher wachsam.

Quelle: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

70 Jahre BbT – Bundesverband der beamteten Tierärzte richtet den Blick nach vorne

Der Bundesverband der beamteten Tierärzte feiert im Rahmen des diesjährigen Kongresses sein

70-jähriges Jubiläum. „Wir erliegen nicht der Versuchung, in Erinnerungen zu schwelgen,“ sagt Präsident Dr. Vogel, „dafür sehen wir uns zu vielen Herausforderungen gegenüber“. So steht die Zukunftsorientierung im Zentrum des Kongresses: „Motivierung jüngerer Kolleginnen und Kollegen zur Übernahme von Führungsaufgaben und berufspolitischem Engagement sowie Digitalisierung sind eindeutig die Kernthemen in diesem Jahr“, so Vogel. Der BbT begrüße die Entscheidung der Bundesregierung, in dieser Legislaturperiode die Grundlagen für die vom BbT seit Jahren geforderte Tiergesundheitsdatenbank zu schaffen. „Damit werden wir endlich ein Instrument in der Hand haben, landwirtschaftliche Betriebe zielgerichteter zu überwachen“, betont Vogel. Die Regierung sei gut beraten, bereits vorhandene Systeme adäquat zu berücksichtigen. „Wenn das Rad neu erfunden werden soll, wird es in naher Zukunft wieder nichts werden“, meint Vogel mahnend.

Darüber hinaus widmet sich der BbT auf seinem 40. Internationalen Veterinärkongress in Bad Staffelstein den Themenkomplexen Lebensmittel, Tiergesundheit und Tierschutz in verschiedenen Vorträgen.

Programm und Anmeldung
Quelle: BbT

Beitrag der Tiergesundheit zur Nachhaltigkeit

Krankheiten gehören zu den größten Hindernissen, um weltweit eine nachhaltigere Tierproduktion zu erreichen, weil sie sich auf Produktivität, Emissionen und Landnutzung auswirken. Ein neuer Bericht, von der Risikoberatung Oxford Analytica im Auftrag von „Health for Animals“ erstellt, soll das Verständnis der Beziehung zwischen Tiergesundheit und Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft für nachhaltigere Tierhaltungssysteme stärken.

Animal health and Sustainability: A Global Data Analysis,“ zeigt, wie eine bessere Tiergesundheit eine höhere Produktivität, geringere Emissionen und weniger Hungernde bedeuten kann. Basierend auf einer Reihe von Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) und anderen modelliert der Bericht die Auswirkungen der Nutztiergesundheit auf die Nachhaltigkeit und zeigt, wie:

Ökonomisch: Verluste durch Tierkrankheiten verursachen einen Produktionsausfall von 358,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Umwelt: Ein Rückgang der Tierseuchen um 10 Prozentpunkte ist mit einem Rückgang der Treibhausgasemissionen (THG) um 800 Millionen Tonnen verbunden – das entspricht den durchschnittlichen jährlichen Emissionen von 117 Millionen Europäern.

Soziales: Weltweit korreliert im Durchschnitt jedes zweite geimpfte Rind damit, dass eine Person Hunger vermeidet

„Von der Steigerung des Einkommens der Landwirte bis hin zur Reduzierung der Flächen, die für die Beweidung umgewandelt werden, ist die Bekämpfung von Tierkrankheiten einer der zentralen Wege, um produktivere, nachhaltigere und widerstandsfähigere Viehsysteme zu erreichen“, heißt es auf der Homepage von „Health for Animals“. Hierzu nennt die Organisation Beispiele:

In Brasilien, einem der größten Rindfleischproduzenten der Welt, korreliert die Impfung von 1 % der Fleischrinder mit einer Produktionssteigerung von 0,7 %.

In Nigeria würde die Impfung von 40 % der Rinder die ernste Ernährungsunsicherheit um bis zu 8,1 % verringern – das entspricht der Befreiung von 2,4 Millionen Menschen aus ernster Ernährungsunsicherheit.

Weltweit würde eine Verringerung der Krankheitsraten bei Milchvieh um einen Prozentpunkt die Einnahmen der Erzeuger um bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar steigern.

Eine weltweite Impfrate von 40 % für Rinder ist mit einer Verringerung des Flächenbedarfs für die Viehzucht um 5,2 % verbunden, was den ökologischen Fußabdruck von Viehhaltungssystemen verringert.

Quelle: Health for Animals