Tierwohl als ökonomisches Frühwarnsystem: smaXtec setzt neue Maßstäbe im Milchkuh-Gesundheitsmanagement

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Rund 65 Mrd. US-Dollar jährlich verliert die globale Milchwirtschaft laut Analysten durch Krankheiten wie Mastitis und Ketose1. Gesundheitsprobleme kosten Milchleistung, Fruchtbarkeit und Lebenszeit. Um Betrieben mehr Handlungsspielraum zu geben, hat smaXtec sein Gesundheitsmanagement-System weiterentwickelt. So erweitert der AgTech-Pionier seine bestehende Verhaltensanalyse um Steh- und Liegezeiten: Die neue Funktion macht sichtbar, wie sich das Verhalten von Herden und Gruppen im Tagesverlauf verändert: Sie zeigt Liege-, Stehzeiten ebenso wie das Wiederkäuen im Liegen und im Stehen. So erhalten Landwirte eine zusätzliche Grundlage, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Haltungs- und Managemententscheidungen gezielter zu treffen.

In 2027 soll außerdem die kontinuierliche Atemfrequenzmessung direkt aus dem Netzmagen nach aktuellem Stand erstmals kommerziell verfügbar sein – als neuer Parameter für die frühzeitige Einordnung von Hitzestress und weiteren gesundheitlichen Veränderungen. Gemeinsam mit den bewährten smaXtec-Parametern entsteht so ein umfassenderes Gesundheitsbild der Herde. Darüber hinaus kündigt smaXtec ein erstes Benchmarking an: Mit dem erweiterten smaXtec Gesundheitsindex können Landwirte ihre Herdengesundheit ab sofort anhand anonymisierter Vergleichsdaten ähnlicher Betriebe einordnen.

Besondere Anerkennung: Für sein Engagement im Bereich Tierwohl darf sich smaXtec gemeinsam mit der Lock GmbH zudem heuer über den Innovation Award EuroTier und den Animal Welfare Award freuen.

Steh- und Liegezeiten: Neue Funktion im Verhaltensmonitoring
Mit einer neuen Funktion macht smaXtec sichtbar, wie viel Zeit Kühe im Stehen, im Liegen und in Bewegung verbringen – auf Gruppenebene, über längere Zeiträume und im historischen Vergleich. Erstmals lässt sich dabei auch auswerten, ob eine Kuh im Liegen oder im Stehen wiederkäut. So erkennen Landwirte Veränderungen in den Tagesroutinen ihrer Herde früher und gewinnen eine zusätzliche Grundlage für Entscheidungen zu Stallabläufen, Liegeboxen und Gruppenmanagement. Kunden erhalten die neue Funktion noch in diesem Jahr über ein Software-Update des bereits in der Kuh befindlichen Bolus; ein Hardwaretausch ist dafür nicht erforderlich.

Aus den neuen Daten entsteht eine konkrete Handlungsgrundlage für den Betrieb: Kühe benötigen ausreichend Liegezeit, um optimal wiederzukäuen, sich zu erholen, ihre Milchleistung auszuschöpfen und Klauen sowie Bewegungsapparat zu entlasten. Als praxisorientierter Zielwert gelten 12 bis 14 Stunden pro Tag2. Bleiben Tiergruppen darunter oder verändern sich ihre gewohnten Muster, kann das frühzeitig auf Hitzestress, Überbelegung, ungeeignete Liegeboxen oder Störungen in den Stallroutinen hinweisen. Der wirtschaftliche Hebel ist erheblich: Studien zufolge kann jede zusätzliche Stunde Ruhezeit mit bis zu 1,5 kg mehr Milch pro Kuh und Tag einhergehen3. Die neue Funktion verbindet damit Tierwohl und Wirtschaftlichkeit in einer für den Betriebsalltag direkt nutzbaren Entscheidungsgrundlage.

Atemfrequenz: Ein weltweit einzigartiger neuer Parameter
Als nächsten Entwicklungsschritt arbeitet smaXtec daran, die Atemfrequenz von Kühen kontinuierlich und direkt aus dem Netzmagen zu erfassen. Dafür nutzt smaXtec die Bewegungsdaten des im Bolus integrierten 3-achsigen Beschleunigungssensors. Die neue Funktion soll in 2027 per Software-Update auf dem bereits in der Kuh befindlichen Bolus verfügbar sein; ein Hardwaretausch ist nicht erforderlich. Nach aktuellem Stand wird smaXtec damit das erste Unternehmen sein, das diesen Parameter kommerziell für die Milchviehhaltung anbietet. Ein zentraler Anwendungsfall ist der Hitzestress-Manager: Die Atemfrequenz hilft frühzeitig zu erkennen, wann Hitzestress beginnt, wie stark einzelne Kühe belastet sind und wann sie sich erholen. Der Effekt ist erheblich, denn bei starkem Hitzestress kann die Milchleistung um bis zu 25 Prozent einbrechen4. In anonymisierten, von smaXtec ausgewerteten Felddaten betrug der Unterschied zwischen den am stärksten und den am wenigsten belasteten Tieren bereits 1,4 kg Milch pro Kuh und Tag. Landwirte können Kühlung oder zusätzliches Wasserangebot dadurch gezielter einsetzen, die Wirkung objektiv überprüfen und zugleich Energiekosten sparen. Langfristig eröffnet die Atemfrequenzmessung weiteres Potenzial, etwa für die frühzeitige Erkennung von Atemwegserkrankungen. Auch daran arbeitet smaXtec bereits.

Gesundheit im direkten Betriebsvergleich
Der erweiterte Gesundheitsindex ordnet die Entwicklung der Herdengesundheit im direkten Vergleich mit ähnlichen Betrieben ein und bündelt zentrale Gesundheitsparameter in einer kompakten Gesamtbewertung. Ein neues Referenzband zeigt die mittleren 50 Prozent einer passenden Vergleichsgruppe, etwa von Betrieben ähnlicher Größe oder mit vergleichbaren regionalen Rahmenbedingungen. Der Vergleich basiert ausschließlich auf anonymisierten und zusammengefassten Daten; Rückschlüsse auf einzelne Betriebe oder deren Ergebnisse sind nicht möglich. So erkennen Landwirte auf einen Blick, wie sich ihre Herde entwickelt, wo sie im Vergleich steht und welches Verbesserungspotenzial besteht.

Lock SmartSolutions und smaXtec: Ausgezeichnete Innovation für mehr Tierwohl
Mit SmartCalving stellen Lock SmartSolutions und smaXtec eine gemeinsame Innovation vor: Erkennt der smaXtec Bolus eine nahende Abkalbung, durchschnittlich 15 Stunden5 im Voraus, versetzt die Farm-Management-App (SBE-App) von Lock SmartSolutions den Stall automatisch in einen geschützten, zugluftfreien Zustand und kehrt nach Bestätigung der Abkalbung selbstständig in den Automatikbetrieb zurück. Der nächtliche Gang in den Stall zum manuellen Schließen von Toren und Curtains sowie das Abschalten von Ventilatoren entfällt damit vollständig. Landwirte gewinnen wertvolle Ruhezeit, während Kuh und Kalb genau dann geschützt sind, wenn Unterkühlung und Zugluft am gefährlichsten sind. Die Partner werden dafür mit dem Innovation Award EuroTier und Animal Welfare Award ausgezeichnet.

Charlie Sheppy, CEO smaXtec: „Als eines der technologisch führenden AgTech-Unternehmen beschäftigen wir uns konsequent damit, wie sich Innovation, Tierwohl und Leistung miteinander verbinden lassen. Deshalb entwickeln wir unser System kontinuierlich weiter – stets mit den Bedürfnissen der Landwirte und dem konkreten Nutzen für ihre Betriebe im Blick. Gerade vor dem Hintergrund extremer Wetterereignisse wie der Hitzewelle im vergangenen Sommer und der anhaltenden Preisvolatilität benötigen Landwirte verlässliche Entscheidungsgrundlagen. Intelligente, hardwarebasierte Technologien, die reale Daten direkt aus dem Inneren des Tiers mit künstlicher Intelligenz verbinden und diese in klare Empfehlungen für das Gesundheitsmanagement übersetzen, bieten hier großes Potenzial. Unser Ziel ist es, Landwirte frühzeitig mit relevanten Erkenntnissen zu unterstützen und ihnen mehr Handlungsspielraum zu geben.“

Über smaXtec
smaXtec ist der technologisch führende AgTech-Pionier für präventives, KI-gestütztes Gesundheitsmanagement in der Milchviehhaltung. Unsere einzigartige, patentierte Bolus-Technologie misst entscheidende Gesundheitsparameter kontinuierlich direkt im Inneren der Kuh. KI-gestützte Analysen, intelligente Management-Tools und persönliche Expertenberatung ermöglichen frühestmögliche Entscheidungen für gesündere Herden, effizientere Betriebe und eine profitablere, nachhaltigere Milchproduktion. Mehr Informationen unter www.smaXtec.com.

[1] Rasmussen, P., Barkema, H. W., Osei, P. P., Taylor, J., Shaw, A. P., Conrady, B., Chaters, G., Muñoz, V., Hall, D. C., & Apenteng, O. O. et al. (2024). Global losses due to dairy cattle diseases: A comorbidity-adjusted economic analysis. Journal of Dairy Science.
[2] Krawczel, Peter D. and Amanda R. Lee (2019). “Lying Time and Its Importance to the Dairy Cow: Impact of Stocking Density and Time Budget Stresses.” The Veterinary clinics of North America. Food animal practice 35 1: 47-60 .
[3] Grant, R. (2011). Taking advantage of natural behavior improves dairy cow performance.
[4] Cartwright et al. (2023), Impact of heat stress on dairy cattle and selection strategies for thermotolerance: A review, Front. Vet. Sci. 10:1198697. doi: 10.3389/fvets.2023.1198697
[5] Bongardt, Judith (2017): Validierung des smaXtec-Systems zur Brunsterkennung, Universität Göttingen

Quelle: smaXtec

Für mehr Tierwohl in der Legehennenhaltung

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Legehennen verfügen über ein ausgeprägtes arteigenes Pick-, Futtersuch- und Erkundungsverhalten. Unter natürlichen Bedingungen verbringen sie einen erheblichen Teil des Tages mit der Futtersuche und führen dabei bis zu etwa 15.000 Pickschläge aus. In der kommerziellen Legehennenhaltung steht den Tieren hochwertiges Futter jederzeit zur Verfügung, sodass die eigentliche Futteraufnahme deutlich weniger Zeit beansprucht. Fehlen geeignete Möglichkeiten, das natürliche Futtersuch- und Erkundungsverhalten auszuleben, kann sich das Pickverhalten unter ungünstigen Bedingungen gegen die Federn von Artgenossen richten. Die Folgen reichen von leichtem Federpicken bis hin zu schweren Gefiederschäden; auch Kannibalismus kann in Legehennenbeständen auftreten. Die Ursachen solcher Verhaltensstörungen sind komplex und multifaktoriell. Neben fehlenden Beschäftigungs- und Erkundungsmöglichkeiten können unter anderem Nährstoffdefizite, Infektionen, Parasiten, Stress sowie unzureichende Haltungs- und Managementbedingungen eine Rolle spielen. Insbesondere während der etwa anderthalbjährigen Legeperiode, die die Hennen im Stall verbringen, gefährdet dieses Verhalten das Wohl der Tiere und verursacht hohe wirtschaftliche Schäden.

KI soll Federpicken frühzeitig erkennen
Um das zu verhindern und Tierhaltungsbetriebe bei der Prävention zu unterstützen, entwickeln die Forschenden der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) im Projekt HEN-SENSE ein intelligentes Assistenzsystem, das Legehennenherden kontinuierlich überwacht und erste Anzeichen von Verletzungen und Verhaltensauffälligkeiten automatisiert erkennt. „Die derzeitigen Empfehlungen sehen vor, das Gefieder von Legehennen in etwa vierwöchigen Abständen stichprobenartig zu prüfen. Aufgrund des damit verbundenen hohen Arbeitsaufwands ist diese regelmäßige Bonitur, also die systematische Überprüfung des Gefiederzustands, in der Praxis eine große Herausforderung. Unser Ziel ist es deshalb, Tierhaltende durch eine kontinuierliche automatisierte Überwachung zu unterstützen und erste Anzeichen von Federpicken möglichst früh zu erkennen“, sagt Projektleiterin Dr. Nicola Hirsch, Professorin für Tiergesundheitsmanagement an der HTW Dresden. „Gerade in der Anfangsphase bestehen noch mehr Möglichkeiten, durch gezielte Managementmaßnahmen gegenzusteuern. Wird zu spät reagiert, kann sich das fehlgeleitete Pickverhalten in der Herde etablieren und von weiteren Tieren übernommen werden. Deshalb kombinieren wir optische und akustische Sensordaten mit Methoden der Künstlichen Intelligenz, um Tierhaltende möglichst früh auf beginnende Verhaltensanomalien aufmerksam zu machen.“

Die Datenerfassung erfolgt mithilfe spezieller Kameras und Mikrofone. Während die optische Sensorik Veränderungen am Gefieder erfasst, dient die akustische Sensorik der Erkennung charakteristischer Lautäußerungen, die Hennen unter anderem als Reaktion auf das Bepicken durch Artgenossen zeigen können und die sich von der normalen Geräuschkulisse der Herde unterscheiden. Die hierfür erforderlichen Sensorsysteme werden von der IfU Diagnostic Systems GmbH im sächsischen Lichtenau entwickelt. Die Systeme werden im Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Kitzingen unter Praxisbedingungen getestet und validiert. Die datenwissenschaftliche Auswertung sowie die Entwicklung der KI-Modelle erfolgen an der HTW Dresden unter Leitung von Dr. Maik Thiele, Professor für Datenbanksysteme und Leiter des Data Intelligence Lab.

Digitale Lösung statt manueller Kontrolle
„Die Herausforderung besteht darin, die Vielzahl optischer, akustischer und weiterer Stallinformationen miteinander zu verknüpfen und daraus zuverlässige Aussagen über den Zustand der Herde abzuleiten“, erklärt Professor Maik Thiele. „Erst durch den Einsatz moderner KI-Modelle wird es möglich, große Tierbestände kontinuierlich und objektiv zu beurteilen und die Tierhaltenden frühzeitig auf Auffälligkeiten hinzuweisen.“

Praxiserfahrung als Grundlage für HEN-SENSE
Den Bedarf an einem derartigen System hat Professorin Nicola Hirsch in ihrer beruflichen Praxis erkannt. Über zehn Jahre war sie in der tierärztlichen Bestandsbetreuung beim Geflügelgesundheitsdienst Bayern tätig. In diese Zeit fiel auch der Ausstieg aus der vorher routinemäßigen Schnabelkürzung bei Junghennen. Um in der Stallhaltung Federpicken zu verhindern, werden den Hennen seither beispielsweise Pickblöcke oder Luzerneballen als Beschäftigungsmaterial sowie Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten angeboten.

Doch auch Haltung und Management spielen bei der Prävention eine große Rolle. Eine wichtige fachliche Grundlage hierfür bietet das Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz des Bundes. Im Rahmen des Vorhabens wurde das Managementtool MTool entwickelt, das Tierhaltende bei der systematischen Beurteilung des Tierzustands unterstützt. Es umfasst standardisierte Boniturskalen, Dokumentationshilfen sowie fachliche Hintergrundinformationen und Handlungsempfehlungen zur Prävention und Bekämpfung von Federpicken und Kannibalismus. Das Projekt HEN-SENSE greift diese Grundlagen auf und entwickelt sie durch den Einsatz moderner Sensorik und Künstlicher Intelligenz weiter.

Nach der frühzeitigen Erkennung spezifischer Verhaltensstörungen soll das neue Assistenzsystem auch praxisnahe Handlungsempfehlungen aufzeigen. Das können Anpassungen bei der Futter- und Wasserversorgung sowie der Stallbelüftung sein oder zusätzliche Angebote von Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten.

„Unser Ziel ist es, erstmals ein System zu entwickeln, das Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen kontinuierlich und automatisiert unter Praxisbedingungen erkennt. Dadurch könnten Tierhaltende deutlich früher eingreifen und Tierwohl, Arbeitseffizienz sowie Herdenmanagement nachhaltig verbessern. Perspektivisch soll das System zudem einzelne Tiere wiedererkennen, um individuelle Entwicklungen und mögliche Zusammenhänge zwischen Gefiederzustand und Pickschäden analysieren zu können“, erläutert Professorin Nicola Hirsch.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand von Juni 2026 bis Oktober 2029 gefördert.

Quelle: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Faszination Stillgewässer

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Von der Fischerei im Ammersee über die Karpfenzucht im Aischgrund bis hin zu Anlagen für Zuchtalgen. Mit einer neuen Nachwuchsforschungsgruppe will die Würzburger Europäische Ethnologin Laura Otto einen besonderen Lebens- und Wirtschaftsraum untersuchen: bayerische Stillgewässer.

Stille Wasser sind bekanntlich tief: so wird sprichwörtlich gerne der Charakter ruhiger Menschen beschrieben. Laura Otto, Juniorprofessorin für die Anthropologie des Ländlichen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), beschäftigt sich in einem neuen Forschungsprojekt nicht mit der sprichwörtlichen, sondern mit der wörtlichen Auslegung der Redewendung.

Die von ihr geleitete neue Emmy-Noether-Gruppe „AquaNaturenKulturen – Stillgewässerökonomien im Anthropozän“ nimmt vier Formen von Stillgewässern aus anthropologischer Perspektive genauer unter die Lupe: die Karpfenzucht im Aischgrund, die Fischerei am Ammersee sowie landwirtschaftliche Algenzucht und Aquaponik-Anlagen.

„Stillgewässer sind, verglichen mit Meeren oder Flüssen, in den anthropologischen Fächern unpopulär. Sie gelten als weniger dramatisch oder auch interessant – aber wer genau hinsieht, erkennt: in ihnen entfalten sich aktuelle gesellschaftspolitische Themen, wie Biodiversität, Ernährung der Zukunft, oder auch Umgang mit Wasser. Stillgewässer, so zeigt das Projekt, sind essenziell für das Überleben auf unserer Erde – für Menschen und andere Lebewesen“, so Laura Otto.

Bayerische Gewässer im Fokus
Die Forschungsgruppe verbindet dabei Ansätze der Anthropologie des Ländlichen, der Naturen-Kulturen-Debatte und der Multi-Spezies-Forschung. Wie wirtschaften Menschen mit den Gewässern? Welche Interaktionen mit anderen Lebewesen treten dabei auf? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Natur und Kultur – und wie funktionieren beide miteinander?

Um diesen Fragen nachzugehen, müssen die Forschenden den Freistaat nicht verlassen. „Bayern ist Deutschlands Vorreiter im Bereich der Stillgewässerökonomien. Die örtliche Nähe zu unseren Projektpartnerinnen und -partnern ermöglicht eine besonders enge Zusammenarbeit und erleichtert die Feldforschung“, erklärt Laura Otto.

Diese Partnerinnen und Partner reichen dabei von hochmodernen bis hin zu besonders traditionsreichen Formen der Landwirtschaft. So werden Karpfenzucht im Aischgrund und Fischerei am Ammersee bereits seit über tausend Jahren betrieben. Aquaponik und Algenzucht sind dagegen deutlich jüngere Formen des Wirtschaftens in und mit Gewässern.

Ländlichkeit im Wandel der Zeit
„Anthropologie des Ländlichen“ lautet der Titel von Laura Ottos Juniorprofessur an der JMU; und dieses Thema spielt auch eine zentrale Rolle für die Forschungsgruppe. „Uns interessiert vor allem, wie die Menschen des ländlichen Raums selbst Ländlichkeit definieren. Außerdem ist der Begriff nicht statisch. Ländlichkeit verändert sich ständig.“

Während Aquaponik-Anlagen, eine Kombination aus Fischzucht und erdelosem Pflanzenanbau, oder Algenzucht für junge Beispiele der ökonomischen Nutzung von Stillgewässern stehen und häufig als nachhaltige Antworten auf den Umgang mit Klimawandelherausforderungen gelten, sehen sich gerade die traditionellen Formen zahlreichen Hürden gegenüber. Neben dem Klimawandel gefährden auch weitere menschliche Einflüsse ihren Fortbestand.

Der Ammersee leidet etwa unter der Belastung durch Reifenabrieb, den der rege Verkehr an seinen Ufern verursacht. Noch viel dramatischer wären allerdings die Schäden, die eine invasive Art anrichten könnte: die Quagga-Muschel. Ursprünglich aus der Schwarzmeer-Region stammend, haben Schifffahrt und Wassersport sie inzwischen nach Nordamerika und auch in die Flüsse und Seen Westeuropas gebracht.

„Diese Muschel ist ein riesiges Problem. Sie hat bei uns kaum Druck durch Fressfeinde, vermehrt sich deshalb rasant und filtert die Gewässer so leer, dass sie anderen Arten die Lebensgrundlage nimmt.“ Im Lake Michigan (USA) macht sie bereits 90 Prozent der Biomasse aus. Auch im Ammersee gibt es Hinweise auf ihr Vorkommen.

„Für den See wäre die Quagga-Muschel eine Apokalypse – und damit wohlmöglich auch ein Todesurteil für die Fischerei. Das ist ein uraltes Kulturgut, das hier ins Wanken gerät“, so Laura Otto.

Ansätze für zukunftsfähige Landwirtschaft
„Die Menschen, die in diesen Bereichen agieren, sehen es auch als ihre Aufgabe an, die Lebensräume und Traditionen zu bewahren – und sie passen sich dabei an immer neue Herausforderungen an.“ Bislang sei das oft gut gelungen, um Herausforderungen wie der Quagga-Muschel beizukommen, bräuchte es aber umfangreiche Unterstützung aus der Politik – so der Tenor der Fischerinnen und Fischer.

Die Arbeitsgruppe will herausfinden, wie Landwirtschaft, Artenschutz und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion heute und in Zukunft im bislang wissenschaftlich unterrepräsentierten Raum der Stillgewässer funktionieren können. Dabei sollen auch konkrete Anknüpfpunkte für Personen aus der landwirtschaftlichen Praxis entstehen. Schließlich geht das Projekt der zentralen Frage nach: Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft – und nicht zuletzt des Lebens auf der Erde – aus?

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das Management im Stall entscheidet über das Tierwohl

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Eine neue Studie des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau zeigt: Der Ökolandbau bietet zwar ein großes Potential für Tierwohl. Den Tieren geht es aber nicht automatisch besser als in konventionellen Betrieben. Entscheidender ist, wie Betriebsinhaberinnen und -inhaber ihre Herden managen.

Dem Ökolandbau wird häufig ein besseres Tierwohl zugeschrieben. Ob das in der Praxis tatsächlich so ist, haben Forschende des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst jetzt systematisch geprüft. Dafür haben sie 86 Studien aus dem Zeitraum Januar 1990 bis Juni 2023 sowie 623 Vergleichspaare aus Europa und Nordamerika ausgewertet. Das Ergebnis: Das Bild ist nicht eindeutig. In 28 Prozent der Fälle hatte der ökologische Landbau Vorteile gegenüber der konventionellen Tierhaltung, in 56 Prozent ließ sich kein klarer Unterschied feststellen. Die Studie ist gerade im Fachjournal Organic Agriculture von Springer Nature erschienen.

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die Tiergesundheit weniger von ökologischer oder konventioneller Wirtschaftsweise abhängt, als vielmehr vom individuellen Management der Betriebe. Doch dort, wo die Hauptrisikofaktoren für die Tiergesundheit durch die EU‐Öko‐Verordnung berücksichtigt werden, schneiden ökologisch wirtschaftende Betriebe besser ab. Beispielsweise bewirken die Vorgaben zu Einstreu und Platzangebot, dass die Klauen und Gliedmaßen der Tiere gesünder sind. Lahmheiten und Gelenkschäden spielen dann eine geringere Rolle.

Nur wenige Studien berücksichtigen bisher neben der Tiergesundheit auch das Verhalten und das emotionale Befinden der Tiere. In diesem Bereich deuten sich klare Vorteile der ökologischen Tierhaltung an, etwa weil die Tiere mehr Platz haben oder ihnen Auslauf oder Weidegang ermöglicht werden. „Die Richtlinien des ökologischen Landbaus bieten ein großes Potenzial, jedoch keine Garantie für eine bessere Tierwohlsituation. Sie begünstigen zum Beispiel, dass sich Tiere artgemäß verhalten können“, sagt Solveig March, Co-Autorin der Studie.

Das Autorenteam der Studie empfiehlt auf Grundlage der Analyse des Tierwohls, die rein auf Haltung und Management ausgerichteten Vorgaben um ergebnisorientierte Kontrollen zu ergänzen, um die Tiergesundheit besser einzubeziehen. „Nur der direkte Blick auf das Tier zeigt, ob es ihm rundum gut geht, es also gesund ist und sich wohlfühlt“, sagt Solveig March.

Konkret empfehlen die Expert*innen, in der Öko-Zertifizierung ein transparentes, standardisiertes und praxistaugliches Tierwohl-Audit mit tierbasierten Indikatoren zu verankern. So lässt sich das Tierwohl unabhängig vom System messen und absichern. Dazu läuft am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau seit 2023 ein Projekt mit Partner*innen aus Praxis und Wissenschaft.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Original-Studie

Schweizer Tierärzteschaft warnt vor Medikamentenmangel bei Hühnern

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In der Schweiz verschwinden zunehmend wichtige Medikamente für die Geflügelmedizin vom Markt. Dadurch wird es für Tierärztinnen und Tierärzte immer schwieriger, kranke Tiere fachgerecht zu behandeln.

Geflügeltierärztinnen und -tierärzte sind besorgt. Immer mehr Firmen geben in der Schweiz den Vertrieb von Medikamenten für Geflügel auf oder stellen die Produktion entsprechender Präparate ganz ein. Für viele Unternehmen ist es wirtschaftlich nicht rentabel, Medikamente für den Schweizer Markt zu produzieren. Die Tierärzteschaft ist täglich mit Liefer- und Versorgungsengpässen konfrontiert. Die medizinische Notfallversorgung von Hühnern ist dadurch gefährdet.

Die Schweizer Geflügelbranche investiert viel in die Gesunderhaltung der Tiere und in präventive Maßnahmen. Dennoch kommt es vor, dass Hühner erkranken. Fehlen die notwendigen Medikamente, ist eine adäquate Behandlung nicht mehr gewährleistet. Die Betreuung kleinerer Herden, beispielsweise in mobilen Legehennenställen, erfolgt meist durch allgemeine Nutztierpraxen statt durch spezialisierte Geflügelpraxen. Für diese Praxen ist es sehr schwierig, benötigte Medikamente im Krankheitsfall rechtzeitig aus dem Ausland zu beschaffen. Die Lieferfristen können einige Wochen betragen.

Aus Sicht der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) ist eine inländische Produktion tierischer Lebensmittel sinnvoll. Die Legehennen-Haltungen sind in der Schweiz deutlich kleiner als im Ausland, und die Tierschutzstandards sind um ein Vielfaches höher. Für den Tierschutz und das Tierwohl ist es essenziell, dass Tiere jederzeit ausreichend medizinisch versorgt werden können.

Zunehmend fehlen wichtige Impfstoffe zur Prophylaxe, damit Tiere gar nicht erst krank werden. Ab 2028 wird in der Schweiz zudem kein einziges zugelassenes Erstlinien-Antibiotikum für die Behandlung von Geflügel mehr verfügbar sein. Die Tierärzteschaft fordert dringend Maßnahmen gegen den Medikamentennotstand in der Geflügelmedizin. Der Bund soll Rahmenbedingungen schaffen, die die Zulassung und den Vertrieb von Tierarzneimitteln in der Schweiz attraktiver machen und die Verteilung importierter Medikamente an Tierarztpraxen vereinfachen, damit kranke Tiere rasch und zuverlässig behandelt werden können.

Quelle: Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte GST

Tierschutzprobleme bei der Haltung von Legehennen #TiHo-Tierschutztagung 2026

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Dr. Beryl Eusemann-Keller ist Juniorprofessorin für Tierschutz und Ethologie an der Universität Leipzig. In Ihrem Vortrag bei der Tierschutztagung 2026 beleuchtete sie vor allem das Problem der Brustbeinschäden bei Legehennen.

Brustbeinschäden haben eine extrem hohe Prävalenz bei Legehennen. Es können über 90% der Vögel einer Herde betroffen sein. Insbesondere Frakturen verursachen den Tieren natürlich Schmerzen und stellen deshalb eines der größten Tierschutzprobleme in der Legehennenhaltung überhaupt dar.

An der Uni Leipzig wurde nun ein Projekt gestartet, in dem speziell trainierte Hühner auf eine Sitzstange fliegen und dabei mit zwei Röntgengeräten und einer Kamera aufgenommen werden. Auch der Abflug wird aufgezeichnet, um zu ermitteln, welche Teile des Brustbeines eigentlich mit der Stange in Berührung kommen. Dabei zeigt sich, dass der kraniale Bereich bei der Landung mit der Stange und beim Abfliegen mit dem Boden in Berührung kommt.

Die Anfälligkeit für Brustbeinschäden wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Neben einer möglichst bedarfsgerechten Fütterung sind dies

Legetätigkeit
Moderne Legehennen haben einen sehr hohen Kalziumbedarf, weil sie nahezu jeden Tag ein Ei legen. Ungefähr zwei Gramm Kalzium werden aus der Nahrung, aber auch aus dem „medullären Knochen“ bereitgestellt. Dieses Reservoir im Knochen wird vor allem nachts zur Produktion der Eischale genutzt, wenn die Hühner relativ wenig Kalzium im Magen-Darm-Trakt und Blut haben, weil sie nachts keine Nahrung aufnehmen.

Genetik
Im Projekt „Brubeile“ wurden Hühnerrassen mit unterschiedlicher Legeleistung verglichen und zu verschiedenen Zeitpunkten während der Legeperiode geröntgt. Frakturen zeigten sich hier fast ausschließlich bei Legehybriden. Als mögliche Risikofaktoren kommen hohe Legeleistung, früher Legebeginn und weitere genetische Unterschiede infrage.

Bei sehr hoher Legeleistung kann schlicht die Zeit zwischen der Bildung von zwei Eiern nicht ausreichen, genügend Kalzium aus der Nahrung und dem medullären Knochen bereitzustellen. Aber auch der frühe Legebeginn könnte eine Rolle spielen. Das Brustbein des Huhns verknöchert erst sehr spät (um die 34. Lebenswoche), während die Hennen schon in der 20. Woche oder noch früher beginnen Eier zu legen.

Haltung
Wichtig ist vor allem die Wahl der Sitzstangen. Sie sollten aus möglichst weichem Material (Plastik) gefertigt und rutschfest sein. Die Kontaktfläche zwischen Brustbein und Sitzstange sollte möglichst groß und sämtliche Maße an die Genetik angepasst sein. Bei der Kombination der Sitzstangen sollte der horizontale Abstand höchstens 75 cm und der vertikale Abstand höchstens 50 cm betragen, der Winkel zwischen beiden Stangen sollte dabei möglichst unter 45 Grad liegen. So können die Hennen gut zwischen den beiden Stangen wechseln.

Breite Rampen zu den einzelnen Ebenen, gefertigt aus Draht- oder Kunststoffgeflecht, sind ebenso sinnvoll. In größeren Volieren-Systemen können diese auch entlang der verschiedenen Ebenen angebracht werden.

Aufzucht
Hier sollten die Junghennen bereits unter möglichst ähnlichen Bedingungen gehalten werden, wie in der späteren Legephase. Früher Zugang zu Sitzstangen, erhöhten Ebenen und Rampen sind in dieser Lernphase wichtig. Damit die Jungvögel die erhöhten Ebenen auch tatsächlich nutzen, empfiehlt es sich Futter und Wasser auf verschiedenen Ebenen anzubieten.

Verlängerte Haltungsdauer
Unabhängig davon, ob einfach die Legephase von Hennen verlängert oder eine Mauser induziert wird, sind fünf Punkte wichtig:

• Gewicht und Gesundheit zu Legebeginn
• Gute Herdengesundheit zu Beginn der Mauser
• Gesundheit abhängig von Vorhandensein und Art der Mauser
• Nicht zwingend verbesserte Knochenqualität durch die Mauser
• Tierwohlprobleme durch Art der Durchführung der Mauser (z. B. Hunger)

Das Fokusnetzwerk Tierwohl schließlich bietet einen Podcast „Mehr Eier, längeres Leben“ an, den Dr. Beryl Eusemann-Keller zum Abschluss ihres Vortrags ausdrücklich empfahl.

Tierwohl in der Garnelenzucht: Forschungsbasierter Leitfaden für nachhaltige Zuchtpraktiken

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In den letzten zwanzig Jahren hat die Garnelenzucht weltweit enorm zugenommen. Gleichzeitig ist das Bewusstsein der Verbraucher*innen für ethische und ökologische Fragen gestiegen. Sie achten darauf, wie Zuchttiere behandelt werden, und drängen damit auch Produzenten und Einzelhandel dazu, ihre Standards zu verbessern. Im Vergleich zu anderen Zuchtarten wie Fischen sind Bewertungen des Tierwohls in der Garnelenzucht nach wie vor begrenzt. Aus diesem Grund hat das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) nun ein frei verfügbares IGB Manual veröffentlicht, das einen einfach anzuwendenden morphologischen Index zur Beurteilung des Wohlergehens von Garnelen bereitstellt.

Die Publikation konzentriert sich auf die Zucht der Weißfußgarnele (Litopenaeus vannamei) und richtet sich insbesondere an Praxis, Unternehmen und Verbände aus dem Aquakultursektor, um Tierwohlaspekte in der Garnelenzucht zu fördern. Sie kann auch als Nachschlagewerk in experimentellen Versuchsanlagen oder bei routinemäßigen Beobachtungen in Zuchtbetrieben dienen, insbesondere in kleinen Betrieben, in denen standardisierte Betriebsprotokolle oft weniger etabliert und verbreitet sind.

Ein morphologischer Index zur Beurteilung des Tierwohls bei Garnelen:
Das Tierwohl orientiert sich häufig an den so genannten „Fünf Freiheiten“: Freiheit von Hunger und Durst; Unbehagen; Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten; Angst und Stress; sowie die Freiheit, normales Verhalten auszuleben. Obwohl diese Prinzipien ursprünglich für Wirbeltiere entwickelt wurden, werden sie zunehmend auch für Wirbellose in der Aquakultur diskutiert. Bei Garnelen und anderen Zehnfußkrebsen (wie Krabben und Hummern) gehören zu den zentralen Tierwohlaspekten die Zuchtpraktiken sowie Transport, Besatz, Haltung und Schlachtung. Das IGB Manual legt den Schwerpunkt auf morphologische Veränderungen unter Stressbedingungen. Der Index vereint die eigenen Forschungserkenntnisse mit Ergebnissen aus früheren Studien und liefert detaillierte Beschreibungen sowie Fotomaterial, um eine einheitliche Bewertung zu ermöglichen. Morphologische Schädigungen werden anhand von Abbildungen dargestellt, zusammen mit empfohlenen Beobachtungsverfahren. Zur Unterstützung der Interpretation des Indexes werden Versuchsergebnisse und Beobachtungen aus der Praxis beschrieben. Dies ermöglicht es Praxisakteuren, den Zustand und die Gesundheit der Tiere über einen längeren Zeitraum hinweg zu überwachen.

Rückmeldungen von Fachleuten sind willkommen:
„Wir laden Fachleute explizit ein, uns Feedback und Vorschläge zu geben und ausgefüllte Formulare mit morphologischen Indizes einzureichen, um den Datensatz zu erweitern“, betont der IGB-Wissenschaftler Dr. Sven Würtz, Mitautor und Leiter der Forschungsgruppe „Molekulare Fischphysiologie“ am IGB. Die Veröffentlichung entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung; sowie der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie fasst zudem die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts „CrustaWohl“ zusammen.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

„Der Hoftierarzt“ Newsletter 4/2026 ist erschienen

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Die vierte Ausgabe des Hoftierarzt-Newsletters 2026 wurde an alle Abonnenten verschickt. Folgende Themen sind dort aufbereitet:

www.desical.deRinder
• Kälberaufzucht: Hygiene wird bei den Kleinsten GROSS geschrieben

 

• Die derzeitige Praxis der Schmerzbehandlung deckt Schmerzen nach dem Enthornen von Kälbern möglicherweise nicht ausreichend ab Schweine

 

 

 

 

Schweine

• 10 Jahre Operatives Rahmenziel Schweinemast in Bayern

•Immissionsschutztag Netzwerk Fokus Tierwohl, Möglichkeiten der Ammoniakreduktion in der Schweinehaltung

• Duftstoffe im Stroh als olfaktorische Beschäftigungsmöglichkeit für Schweine fördert das Tierwohl

Geflügel

• Von Entwurmung über Futterqualität bis zur In-ovo-Geschlechtsbestimmung

• Einfluss der Fütterung auf Tiergesundheit

• Niederdruckbetäubung (LAPS) als Methode zur Betäubung von Geflügel

• Beginn der Nozizeption und Schmerzwahrnehmung bei Hühnerembryonen

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Die derzeitige Praxis der Schmerzbehandlung deckt Schmerzen nach dem Enthornen von Kälbern möglicherweise nicht ausreichend ab

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Um Schmerzen bei der Entfernung der Hornanlagen beim Kalb zu unterdrücken, werden Lokalanästhetika während des Eingriffs und Analgetika nach der Prozedur eingesetzt.

Frühere Studien gingen bereits von einer „konditionierten Orts-Aversion“ aus, bei der Kälber eine Verknüpfung zwischen einem emotionalen Erlebnis und der Umgebung, in der es stattfand, herstellen. Hier zeigte sich, dass Kälber nach dem Enthornen Orte bevorzugten, die mit zusätzlicher Schmerzbehandlung assoziiert waren, was darauf hindeutet, dass die Schmerzlinderung zumindest teilweise wirksam war.

Offen war jedoch, ob die Analgesie Schmerzen nach dem Eingriff ausreichend lange abdeckt. Britische Forscher führten für eine aktuelle Studie zwei Experimente mit konditionierter Ortsaversion durch, um zu klären, ob Kälber das Enthornen auch bei multimodaler Schmerzbehandlung negativ empfinden.

In Experiment 1 wurden die Kälber in ihrer gewohnten Bucht enthornt und anschließend für sechs Stunden in ein separates Abteil gebracht, sodass die Konditionierung dort lediglich den postoperativen Schmerz umfasste. In Experiment 2 erfolgten sowohl das Enthornen als auch die Konditionierung innerhalb des Abteils, wodurch die Konditionierung sowohl den Schmerz während des Eingriffs als auch den postoperativen Schmerz einschloss. Bei einer Kontrolle hielten sich die Kälber für die gleiche Dauer in einem Abteil auf, ohne enthornt zu werden. Die Kontrolluntersuchungen fanden entweder zwei Tage vor oder zwei Tage nach dem Enthornen statt.

Kälber, die in beiden Experimenten zunächst die Kontrollbehandlung und anschließend das Enthornen durchliefen, zeigten keine Aversion gegenüber dem mit dem Eingriff verknüpften Abteil; dies deutet auf minimale Schmerzen in den sechs Stunden nach dem Eingriff hin.

In Experiment 2 verbrachten jedoch Kälber, bei denen das Enthornen zuerst und die Kontrollbehandlung danach stattfanden, mehr Zeit in dem Abteil, in dem das Enthornen durchgeführt worden war. Dies deutet darauf hin, dass die Schmerzen zwei Tage nach dem Eingriff stärker waren als in den unmittelbar darauffolgenden sechs Stunden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Lokalanästhesie und Analgesie zwar die Schmerzen während des Enthornens und in den ersten sechs Stunden danach ausreichend unterdrücken können, die Tiere jedoch stärkere Schmerzen verspüren könnten, sobald die Wirkung der Medikamente nachlässt.

Ledger EM, Ede T, Mendl M, Lecorps B (2026) Calves disbudded with local nerve block and analgesic show conditioned place aversion two days later but not in the hours post-disbudding. Anim Welf 35:e25

Link zur Original Studie

Duftstoffe im Stroh als olfaktorische Beschäftigungsmöglichkeit für Schweine fördert das Tierwohl

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Stroh ist ein kostengünstiges Beschäftigungsmaterial für Schweine und reduziert nachweislich etwa Schwanz- und Ohrenbeißen. Weil große Strohmengen aber auch Güllekanäle verstopfen können, gilt es die anregende Wirkung kleinerer Strohmengen zu optimieren.

In einer schwedischen Studie wurde untersucht, ob die Anreicherung von Stroh mit Duftstoffen Schweine zu stärkerer Beschäftigung mit dem Material animiert. Hierfür wurden Videoaufnahmen von 1.600 Schweinen in vier verschiedenen Gruppen ausgewertet (eine Kontrollgruppe wurde nicht gefilmt).

• In Gruppe 1 wurde mit Duftstoffen versehenes Stroh in einer Raufe angeboten, wobei der Duft wöchentlich wechselte

• in Gruppe 2 wechselte der Duft an Werktagen täglich

• in Gruppe 3 wurde geruchloses Stroh in einer Raufe bereitgestellt

• und in Gruppe 4 lag das Stroh auf dem Boden (bei leerer Raufe).

• In den Kontrollbuchten lag das Stroh auf dem Boden, und es war keine Raufe vorhanden.

Als Duftstoffe wurden ätherische Öle aus Lavendel, Anis, Ingwer, Thymian oder Kiefer verwendet, während in der geruchlosen Gruppe Mineralöl zum Einsatz kam.

Ausgewertet wurden die Dauer der Beschäftigung mit dem Stroh, das Verhältnis der Interaktion mit dem Stroh im Vergleich zu anderen Buchtgegenständen sowie Verhaltensweisen wie Spielen, Reiben und Wälzen.

Die Ergebnisse zeigten keine Unterschiede bei den Tierwohl-Scores (Verschmutzungsgrad, Schwanz- und Ohrenschäden) zwischen den Versuchsgruppen. Zwar hatte das duftende Stroh keinen Einfluss auf die Tierwohl-Scores, doch verlängerte es die Beschäftigungsdauer mit dem Stroh signifikant und steigerte positive verhaltensbezogene Indikatoren für das Tierwohl, wie etwa Bewegungs- und Sozialspiele sowie Reiben und Wälzen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mit Duftstoffen angereichertes Stroh eine vielversprechende Strategie zur Verbesserung des Tierwohls in der Schweinehaltung darstellen könnte.

Rørvang MV, Stenfelt J, Schild SL, Grut R, Chan CW, Rautiainen HM, Ketner M, Wallenbeck A, Valros A, Nielsen BL (2026) Olfactory enrichment – effects of odorised straw on exploratory behaviour, straw engagement and play in finishing pigs. animal 20(6):101843

Link zur Original Studie