Erster Nachweis vom Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) in Niedersachsen – Ausweitung des Restriktionsgebiets
Nach dem ersten Nachweis des Virus der Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) in einem Rinderbestand in Niedersachsen (Landkreis Göttingen) am 17. Juli 2026 erstreckt sich die im Juni 2026 aufgrund der Feststellung im Landkreis Fulda eingerichtete Handelsrestriktionszone nun auf weitere Teile Niedersachsens. Das teilt das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) mit. Betroffen sind neben dem Landkreis Göttingen nun auch die Landkreise Braunschweig, Celle, Gifhorn, Goslar, Hameln-Pyrmont, Helmstedt, Hildesheim, Holzminden, Northeim, Peine, Salzgitter, Schaumburg, Wolfenbüttel, Wolfsburg, die Region Hannover und die Stadt Hannover sowie Teile der Landkreise Diepholz, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Nienburg, Osnabrück, Uelzen und Verden. Hier gelten besondere Vorgaben beim Handel mit empfänglichen Tieren wie Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und weiteren Wiederkäuerarten.
Für das Blauzungenvirus empfängliche Tiere dürfen nur unter bestimmten Bedingungen aus der Restriktionszone in BTV-8-freie Regionen innerhalb von Deutschland und der EU transportiert werden. Transporte von Zucht- und Nutztieren sind innerhalb der nicht BTV-8-freien Regionen Deutschlands ohne Einschränkungen möglich, sofern die Tiere keine klinischen Auffälligkeiten zeigen. In Bezug auf den BTV-Serotyp 3 bestehen keine Einschränkungen für Verbringungen innerhalb Deutschlands.
Vor dem Hintergrund dieses ersten Nachweises von BTV-8 in Niedersachsen erinnert das ML die Tierhalterinnen und Tierhalter daran, die empfänglichen Tiere in den Beständen zu impfen beziehungsweise die Impfung rechtzeitig aufzufrischen zu lassen, da durch die Impfung der beste Schutz für die Tiere erzielt wird. Eine Impfung gegen den Serotyp 3 bietet keinen Schutz gegen den Serotyp 8. Hier ist eine eigene Impfung notwendig. Zur Behandlung erkrankter Tiere muss mit der Tierärztin beziehungsweise dem Tierarzt zur Reduktion von Tierleid zum Beispiel mit Schmerzmitteln Kontakt aufgenommen werden.
Hinweis:
Weitere Informationen zur Verbringung können Tierhalterinnen und Tierhalter vom jeweils zuständigen Veterinäramt erfahren. Außerdem finden Sie weitere Informationen und eine interaktive Karte mit einer Darstellung der niedersächsischen Anteile der Restriktionszone unter: https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/tierseuchen_tierkrankheiten/wiederkauer/blauzungenkrankheit/blauzungenkrankheit-21712.html Hintergrund:
Die Blauzungenkrankheit wird durch das Bluetongue-Virus (BTV) hervorgerufen und ist eine zu meldende Tierseuche, die zumeist Rinder und Schafe betrifft. Daneben sind auch Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer für die Erkrankung empfänglich. Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier, sondern durch infizierte Gnitzen (blutsaugende Stechmückenart) übertragen. Erkrankte Tiere zeigen zum Beispiel Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Für den Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Fleisch, Milch und Milchprodukte von Rindern, Schafen und Ziegen können bedenkenlos verzehrt werden.
Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Mit Interviews, Fachbeiträgen und Social-Media-Formaten machen LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und der WFG – Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte GmbH (WFG) die Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten für eine breite Öffentlichkeit sichtbar. Der WFG verbindet die Kampagne mit einer klaren berufspolitischen Botschaft: Ohne ausreichenden Nachwuchs und ohne verlässliche Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln lässt sich die flächendeckende tierärztliche Betreuung der Bestände – und damit ein Grundpfeiler der Lebensmittelsicherheit – nicht dauerhaft sichern.
Seit Juni 2026 sind im Rahmen der Kooperation mehrere Inhalte erschienen: ein Grundlagenbeitrag zum Zusammenhang von Tiermedizin, Biosicherheit und Lebensmittelsicherheit, zwei Interviews mit WFG-Vertretern sowie Bewegtbild- und Social-Media-Formate, die den Weg vom Stall bis ins Supermarktregal nachzeichnen. Adressiert sind damit bewusst Verbraucherinnen und Verbraucher. „Innerhalb der Agrar- und Ernährungsbranche werden wir Nutztierärzte als kompetente Partner wahrgenommen. Beim Endverbraucher ist unsere Schlüsselrolle zwischen Stall und Supermarkt dagegen kaum bekannt“, sagt PD Dr. Andreas Palzer, Präsident des WFG. „Wer einen Berufsstand gesellschaftlich nicht sieht, dem fehlt am Ende auch der Nachwuchs. Kommunikation ist für uns deshalb keine Kür, sondern Berufspolitik.“
Im Mittelpunkt steht der Alltag der Bestandsbetreuung, und der heißt Prävention statt Therapie. Impfkonzepte, Biosicherheit, Stallklima- und Fütterungsberatung, kontinuierliches Monitoring und eine lückenlose Dokumentation von Behandlungen und Wartezeiten. Wie wirksam das ist, belegen die Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Abgabemenge an Antibiotika in der deutschen Tiermedizin ist seit 2011 um rund 70 Prozent zurückgegangen. Für den Verbraucher bedeutet das ein geringeres Risiko für die Selektion resistenter Keime. Das ist One Health in der Praxis.
WFG-Geschäftsführer Dr. Stefan von RüdenStrukturelle Risiken werden zu selten diskutiert
Gleichzeitig weist der WFG auf Entwicklungen hin, die diese Struktur unter Druck setzen. Der
Nachwuchsmangel ist aus Sicht des Verbands das drängendste Thema der Nutztiermedizin: In einzelnen Regionen praktizieren kaum noch Nutztierärzte, was insbesondere die kontinuierliche, präventive Bestandsbetreuung schwächt. Hinzu kommt die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln. Immer mehr Wirk- und Impfstoffe werden außerhalb Europas produziert, zugleich erschweren lange Zulassungsverfahren den europäischen Marktzugang. Beides führt zu Lieferengpässen. Fällt ein Impfstoff ersatzlos weg, nehmen Erkrankungen im Bestand zu, und es muss wieder mehr antibiotisch behandelt werden. Bei viralen Erregern verschärft sich das Problem. Gegen sie gibt es keine ursächliche Therapie, die Impfung ist das entscheidende Instrument. Fehlt sie, leidet das Tierwohl unmittelbar. Der WFG fordert deshalb, die Versorgungssicherheit mit Tierarzneimitteln als Teil der staatlichen Krisenvorsorge zu begreifen und die Nutztiermedizin verlässlich der kritischen Infrastruktur zuzuordnen.
„Sichere Lebensmittel sind in Deutschland für viele eine Selbstverständlichkeit, aber sie sind kein Zufall“, betont Dr. Stefan von Rüden, Geschäftsführer des WFG. „Hinter jedem Stück Fleisch und jeder Packung Milch steht die tägliche Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten. Wir wollen, dass diese Leistung sichtbar wird – bei Verbrauchern, in der Politik und vor allem bei den jungen Kolleginnen und Kollegen, die gerade über ihren Berufsweg entscheiden.“
Materialien der KampagneInterview mit WFG-Präsident PD Dr. Andreas Palzer: One Health und AntibiotikareduktionInterview mit Sebastian Mascher (WFG): Nachwuchsmangel und BerufsalltagGrundlagenbeitrag: Gesunde Tiere, sichere Lebensmittel
Quelle: WFG
Aus dem Archiv und immer noch aktuell (AdA) 1/2025
Von Dr. Heike Engels
Erreger mit zoonotischem Potential stehen unter besonderer Beobachtung, weil sie für Tier und Mensch eine Gefahr darstellen. Das Bakterium Coxiella (C.) burnetii, Erreger des Q-Fiebers, gehört in diese Kategorie. Um die Überwachung dieses Erregers besser durchführen und koordinieren zu können, haben Experten einen neuen Leitfaden entwickelt.
Q-Fieber, auch Coxiellose genannt, ist eine Krankheit vor allem der Wiederkäuer, die durch das Bakterium Coxiella (C.) burnetii ausgelöst wird. Bis auf Neuseeland und die Antarktis ist das Bakterium weltweit verbreitet. Der Erreger kann aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit jahrelang außerhalb eines Wirts in Staub, Wolle bzw. in Rohmilch überdauern. Auch eine gründliche Reinigung und Desinfektion führt aufgrund von Resistenzen nicht immer zu völliger Erregerfreiheit. Zusätzlich kann C. burnetii mit dem Wind weit verbreitet werden und zwar bis zu 18 km, allerdings ist eine erhöhte Ansteckungsgefahr nur im Umkreis von 5 km gegeben.
Ansteckung über Aerosole
Die Tiere stecken sich meistens über das Einatmen von Bakterien an. Das Bakterium kommt meistens über den Zukauf von Tieren in den eigenen Betrieb, aber auch Haustiere wie Katzen können den Erreger ausscheiden und damit für eine Infektion sorgen. Die Übertragung durch Zecken ist noch nicht eindeutig geklärt. Jedoch dürfte der Zeckenkot eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von C. burnetii spielen. Infizierte Zecken scheiden große Erregermengen mit dem Kot aus. Infizierte Hauswiederkäuer können den Erreger über mehrere Wochen über Vaginalsekret, Milch, Kot und Urin ausscheiden. Beim Tier sind die Symptome eher unspezifisch. Die Infektion kann ganz ohne Symptome ablaufen (Schafe und Rinder) oder zum Abort führen, wie es bei Ziegen häufiger ist. Generell können Aborte, Totgeburten, Geburten lebensschwacher Lämmer, Kitze bzw. Kälber und der verzögerte Abgang der Nachgeburt mit einer C. burnetii-Infektion zusammenhängen, weshalb bei diesen Symptomen immer auch an Q-Fieber gedacht werden sollte. Die Behandlung von Tieren mit dem Ziel die Erreger-Ausscheidung entscheidend zu reduzieren oder gar zu unterbinden, ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich. Eine Behandlung mit Oxytetrazyklin führt nicht zu einer signifikanten Reduzierung der Erreger- Ausscheidung. Allerdings reduziert eine Impfung gegen C. burnetii langfristig die Ausscheidung des Erregers bei infizierten Tieren. Damit es nicht zu einem akuten Q-Fieber-Geschehen in Beständen mit Wiederkäuern wie Schafen, Ziegen und Rindern kommt, sollten die Tiere prophylaktisch geimpft werden. Es gibt in Deutschland einen Impfstoff gegen Q-Fieber für Rinder und Ziegen, der auch via Umwidmung für Schafe verwendet werden kann. Die Impfkosten werden von den Tierseuchenkassen einiger Bundesländer übernommen, dies ist aber jeweils im Einzelfall abzuklären.
Q-Fieber ist eine Zoonose
Was die Erkrankung in einen besonderen Fokus rückt: Q-Fieber ist eine Zoonose und damit auch für den Menschen gefährlich, hier besonders für Personen mit entsprechendem Tierkontakt. Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sie sind weltweit ein wichtiges Thema in der öffentlichen Gesundheit. Die Ansteckung mit C. burnetii erfolgt auch beim Menschen vor allem durch das Einatmen von mit Bakterien kontaminierter Aerosole oder Stäube. Die häufigste Quelle eines Q-Fieber-Ausbruchs in der deutschen Bevölkerung sind infizierte kleine Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen, die den Erreger während der Geburt oder eines Aborts über Geburtsflüssigkeiten und Nachgeburtsmaterialausscheiden. Des Weiteren scheiden die Tiere den Erreger in geringerem Maße über Körperflüssigkeiten wie Milch, Urin und Kot aus. Es gibt akutes und chronisches Q-Fieber. Das akute Q-Fieber äußert sich mit Fieber, Gliederschmerzen und Schüttelfrost, starkem Kopfschmerz hinter den Augen, Schweißausbrüchen, Husten, Gliederschmerzen sowie allgemeiner Mattigkeit. In der Regel heilt die grippeähnliche Erkrankung von selbst wieder aus. Das chronische Q-Fieber kann aus einem akuten Q-Fieber entstehen und zu weiteren Komplikationen führen, u.a. zum Q-Fieber-Müdigkeitssyndrom. Eine akute Q-Fieber-Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt.
Monitoring und Meldepflicht
Da Q-Fieber eine Zoonose ist, ist die Erkrankung in Deutschland bzw. der Nachweis von C. burnetii insbesondere bei Rindern, Schafen und Ziegen meldepflichtig. Außerdem wurde Q-Fieber von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2023 in die Liste der 10 priorisierten Pathogene aufgenommen. Dazu zählen neben C. burnetii auch das Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber, Echinokokkose (sowohl E. granulosus als auch E. multilocularis), Hepatitis E, Influenza (aviär), Schweinegrippe, Lyme-Borreliose, Q-Fieber, Rift-Valley Fieber, durch Zecken übertragene Enzephalitis und West-Nil-Fieber. Die Überwachungsbehörden führen für diese Erkrankung ein Monitoring durch und ermitteln bei Infektionen zurück bis zum Infektionsherd, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Veterinäramt nötig (One Health). Um für diese Zusammenarbeit besser gerüstet zu sein und um Handlungsempfehlungen bei Infektionsszenarien geben zu können, haben Experten im Rahmen des Deutschen Interdisziplinären Q-Fieber Forschungsprogramms (Q-GAPS) nun einen Q-Fieber-Leitfaden entwickelt. Er basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und besteht aus Checklisten, Fragebögen und Informationen rund um die Erkrankung. Alle Personen, die mit Wiederkäuern zu tun haben, sollten mit dem Leitfaden vertraut sein, um aktiv der Erkrankung vorzubeugen und um schnell agieren zu können, sollte es zu einer Infektion bei
Links:
Der neue Q-Fieber-Leitfaden ist hier zu finden.
Nationales Referenzlabor für Q-Fieber des FLIAuf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 1/2025 (PDF, 9,5 MB). Schicken Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de
Landvolk kritisiert zusätzliche Auflagen bei der Agrarinvestitionsförderung
Niedersachsen verschärft die Anforderungen für Investitionen in tierhaltende Betriebe erneut über die bundesweiten Vorgaben hinaus. Mit den jetzt veröffentlichten Hinweisen zum Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) für die Antragsphase 2027 sollen insbesondere Schweinehalter deutlich höhere Anforderungen erfüllen als in anderen Bundesländern. Das Landvolk Niedersachsen sieht darin einen weiteren Wettbewerbsnachteil für die tierhaltenden Betriebe in Niedersachsen.
Nach dem Auslaufen des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung wird die Förderung von Investitionen in die Schweinehaltung zwar wieder in das AFP aufgenommen, gleichzeitig steigen jedoch die Voraussetzungen für eine Förderung. Bereits für die Grundförderung müssen Sauen- und Mastschweineställe künftig immer über Außenklima verfügen. Für eine höhere Förderung ist zusätzlich Auslauf erforderlich. Lediglich der Abferkelbereich bleibt von diesen Vorgaben ausgenommen.
„Niedersachsen wählt mal wieder die Goldrandlösung und schießt dabei weit über die bundesweiten Vorgaben hinaus“, kritisiert Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. „Statt den Betrieben wieder Planungssicherheit zu geben, werden zusätzliche Hürden aufgebaut. Das macht Investitionen schwieriger und schwächt erneut die Wettbewerbsfähigkeit unserer Tierhalter.“ Es sei nicht zielführend, ausschließlich die höheren Haltungsformstufen zu fördern, die die Verbraucher angesichts der Inflation weniger nachfragen. „Insbesondere in der Sauenhaltung besteht großer gesetzlich induzierter Umbaudruck – vor allem konventionelle Betriebe können angesichts der hohen Anforderungen in Zukunft kaum noch von der Agrarinvestitionsförderung profitieren“, beschreibt Hennies die Situation. So gerate auch das Ziel einer stärkeren 5D-Erzeugung (geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland) in weite Ferne, wenn immer mehr Sauenhalter aufgeben und Ferkel verstärkt aus dem Ausland bezogen werden müssten.
Nach Auffassung des Landvolks orientieren sich die neuen Anforderungen nicht am GAK-Rahmenplan, der als bundesweite Grundlage der Agrarinvestitionsförderung dient. Dort gelten für die entsprechenden Förderstufen deutlich geringere Anforderungen, die zudem kein verpflichtendes Außenklima vorsehen. Hinzu komme, dass Außenklimaställe in einigen Landkreisen aus immissionsschutzrechtlichen Gründen gar nicht genehmigt würden. Investitionsbereite Betriebe könnten die Fördervoraussetzungen damit vielerorts nicht erfüllen.
Darüber hinaus legt Niedersachsen auch allgemeine Vorgaben strenger aus. Während andere Bundesländer bei der zwei Großvieheinheiten je Hektar-Grenze (2 GVE/ha) Abnahmeverträge für Wirtschaftsdünger anerkennen, um eine ausgeglichene Nährstoffbilanz zu erreichen, bleibt Niedersachsen restriktiv und nutzt diese Möglichkeit nicht. Stattdessen wird zusätzlich eine kollektive Grenze auf Gemeindeebene eingeführt. Betriebe, die selbst unter der Grenze liegen und den Bestand aufstocken wollen, dürfen das nicht, solange sie in einer Gemeinde liegen, die mehr als 2 GVE/ha hat. „Förderprogramme sollen Investitionen ermöglichen und nicht verhindern, sonst geraten unsere Betriebe gegenüber anderen Bundesländern weiter ins Hintertreffen“, gibt Hennies zu bedenken. (LPD 55/2026)
Quelle: Landvolk
Mehr Tierwohl in Ställen – die Bereitschaft für den Umbau ist in der Landwirtschaft vorhanden, meist jedoch mit hohen Investitionen verbunden. Daher wird die Niedersächsische Landesregierung noch stärker als bisher den tierfreundlichen Umbau voranbringen und zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 20,7 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2027/2028 bereitstellen. Damit sollen landwirtschaftliche Betriebe, die in tierfreundliche Ställe investieren, gefördert werden – sei es als Neubau oder als Umbau. Im Fokus steht dabei insbesondere die Unterstützung von Landwirtinnen und Landwirten beim Ausstieg aus der Anbindehaltung von Rindern und beim Umbau in der Schweinehaltung.
Hierzu Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Durch das Aus des Bundesumbauprogramms in der Schweinehaltung stehen viele Landwirtinnen und Landwirte vor großen finanziellen Herausforderungen. Auch wenn der große finanzielle Bedarf nicht allein durch unser Bundesland geschultert werden kann, wollen wir einen Teil zur Zukunftssicherung der Betriebe beitragen. Darüber hinaus beenden wir als erstes Bundesland stufenweise die Anbindehaltung für Rinder. Und dabei wollen wir die Betriebe unterstützen und Stallneubauten und -umbauten über das AFP unterstützen, indem wir a) mehr Mittel zur Verfügung stellen und sie b) im Ranking der Mittelvergabe besonders berücksichtigen.“
Mit den Mitteln wird das bestehende Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) verstärkt, mit dem bereits jetzt Investitionen in eine wettbewerbsfähige, nachhaltige, besonders umweltschonende und besonders tiergerechte Landwirtschaft gefördert werden. Investitionen im Bereich Schweinehaltung mit dem Schwerpunkt auf mehr Tierwohl werden nach Wegfall des Bundesprogramms wieder in das AFP aufgenommen. 2027 können im AFP, neben den regulär eingestellten 17 Millionen Euro, zusätzliche Fördermittel in Höhe von rund 15,5 Millionen Euro bewilligt werden, 2028 weitere rund 5,2 Millionen Euro. Um größeren Vorhaben mit Investitionsschwerpunkt in der Tierhaltung gerechter zu werden, wird die Höchstförderung für diese auf 600.000 Euro angehoben werden.
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Mit den zusätzlichen Landesmitteln können wir die Transformation der Tierhaltung deutlich voranbringen, indem die gesellschaftlich gewollten Haltungsformen gefördert werden.“
Die Aufstockung der Mittel steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Haushalts durch den Landtag.
Serviceinformation für Betriebe
Bewilligungsbehörde ist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie wird demnächst Einzelheiten zur AFP-Förderung 2027 auf ihrer Homepage bereitstellen.
Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Mit dem CEVASCREEN Mückenprojekt hat die CEVA Tiergesundheit GmbH, Abteilung Ruminants, in BENEDACH eine Initiative ins Leben gerufen, die eine frühzeitige Erkennung der Epizootischen Hämorrhagischen Krankheit (EHD) ermöglicht. Durch eine 2-wöchentliche Untersuchung von Gnitzen der Gattung Culicoides auf das EHD-Virus liefert das Projekt wichtige epidemiologische Informationen über die regionale Viruszirkulation. Ziel ist es, Tierärztinnen und Tierärzten, Landwirtinnen und Landwirten sowie Tiergesundheitsbehörden ein wissenschaftlich fundiertes Frühwarnsystem zur Verfügung zu stellen und dadurch präventive Maßnahmen zum Schutz von Rinderbeständen zu unterstützen.
Sammlung von Gnitzen für CEVASCREEN Mückenprojekt ((c) Ceva Tiergesundheit)
EHD zählt zu den vektorübertragenen Erkrankungen von Wiederkäuern. Da das Virus bereits in Gnitzen zirkulieren kann, bevor erste klinische Fälle in Rinderbeständen auftreten, bietet die Untersuchung der Vektoren die Möglichkeit, eine beginnende Virusverbreitung frühzeitig zu erkennen. Der Nachweis viraler RNA in Gnitzen kann somit als regionales Frühwarnsignal dienen und dazu beitragen, Tierärztinnen und Tierärzten sowie landwirtschaftlichen Betrieben wertvolle Zeit für präventive Maßnahmen zu verschaffen.
EHD verursacht bei Tieren ähnliche Symptome wie die Blauzungenkrankheit, ist jedoch nur serologisch nachweisbar. Folgende klinische Anzeichen bei Rindern weisen auf EHD hin:
• Fieber
• verminderter Appetit
• Nasenausfluss mit Krusten
• Übermäßiger Speichelfluss
• Erosionen am Zahnfleischrand mit weißlichem Belag
• Lahmheit
Europaweites Monitoring von Juni bis November
Das CEVASCREEN Mückenprojekt startete im Juni und läuft bis Oktober 2026. Während dieses Zeitraums werden im Abstand von jeweils zwei Wochen Gnitzenproben von teilnehmenden Tierärztinnen und Tierärzten, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ceva gesammelt und anschließend von einem Labor molekularbiologisch auf das EHD-Virus untersucht.
Der Schwerpunkt des Monitorings mit 74 Mückenfallen liegt in den Regionen entlang der französischen Grenze. Darüber hinaus wurden weitere Fallen in anderen Teilen Deutschlands sowie in Belgien, den Niederlanden und Österreich installiert. Insgesamt ermöglichen 134 Mückenfallen ein umfassendes Monitoring in der gesamten BeNeDACH-Region.
Gnitzenfalle im Kuhstall, CEVASCREEN Mückenprojekt ((c) Ceva Tiergesundheit)
Ziel des Projekts ist die frühzeitige Detektion des Virus sowie der Aufbau einer Risikokartierung für Mitteleuropa. Die gewonnenen Daten liefern CEVA, praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten, landwirtschaftlichen Betrieben sowie Tiergesundheitsbehörden eine fundierte und zeitnahe Grundlage zur Bewertung der epidemiologischen Situation. Auf dieser Basis können Impfstrategien gezielt angepasst und optimiert werden, um Rinderbestände noch wirksamer vor einer Erkrankung zu schützen.
Datenschutz und Vertraulichkeit stehen im Mittelpunkt
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist der vertrauliche Umgang mit den erhobenen Daten. Sämtliche Proben werden ausschließlich mit einem eindeutigen Code versehen und vollständig anonymisiert untersucht. Es werden keine betriebsbezogenen Daten erhoben oder veröffentlicht, sodass weder Rückschlüsse auf einzelne landwirtschaftliche Betriebe noch auf teilnehmende Tierarztpraxen möglich sind.
Mit diesem länderübergreifenden Monitoring trägt das Projekt dazu bei, einen Ausbruch und die Ausbreitung des EHD-Virus frühzeitig zu erkennen und wertvolle Informationen für die Tiergesundheit in der Region BeNeDACH bereitzustellen
Quelle: Ceva Tiergesundheit GmbH
Sanfte Kaufanreize können bewirken, dass öfter zu Lebensmitteln mit höheren Tierhaltungsstandards gegriffen wird. Darauf deutet eine aktuelle Studie an der Universität Bonn hin. Die Forscherinnen nutzten als „Nudges“ zwei unterschiedliche Plakate zum Tierwohl-Label. Schon jedes Plakat für sich veränderte das Konsumverhalten von Testpersonen, die in einem virtuellen Supermarkt einkauften. Wurden beide Plakate kombiniert, war der Anteil der Produkte mit höheren Tierwohlstandards im Einkaufskorb am höchsten. Es muss sich noch zeigen, inwieweit sich die Ergebnisse auf reale Einkaufssituationen übertragen lassen. Die Studie ist im Journal of Behavioral and Experimental Economics erschienen.
„Nudges“ sind Maßnahmen, die Menschen bei Entscheidungen unterstützen – und zwar auf sanfte Weise, ohne ihre Wahlfreiheit einzuschränken. So können beispielsweise gesunde oder nachhaltige Optionen hervorgehoben werden, damit sie bei einer Kaufentscheidung stärker berücksichtigt werden.
In der aktuellen Studie haben drei Wissenschaftlerinnen der Universität Bonn untersucht, wie Nudging den Kauf von Lebensmitteln beeinflussen kann, bei deren Erzeugung das Tierwohl berücksichtigt wird. In Deutschland gibt es verschiedene Kennzeichnungen, die über die Haltungsbedingungen von Nutztieren informieren, etwa das Haltungsform-Label für Fleisch- und Milchprodukte und die Eierkennzeichnung. Sie machen sichtbar, wie tierfreundlich die Haltung ist.
850 Testpersonen auf virtueller Shoppingtour
„Wir haben nun zwei unterschiedliche Plakate gestaltet“, erklärt Leonie Bach vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR) der Universität Bonn. „Das erste Plakat sahen die Teilnehmenden, bevor sie den virtuellen Supermarkt betraten: Mit dem Slogan ‚Immer mehr Menschen in Deutschland entscheiden sich für mehr Tierwohl‘ wiesen wir damit auf eine soziale Norm hin. Das zweite Plakat hing über den Regalen im Supermarkt und erklärte mit anschaulichen Grafiken, für welche Bedingungen die verschiedenen Haltungsstufen stehen. Bei diesem Plakat ging es also vor allem um Informationen zum Tierwohl-Label.“
Die ILR-Wissenschaftlerinnen rekrutierten über eine Marktforschungs-Agentur mehr als 850 Versuchspersonen für ein Online-Experiment. Diese konnten am heimischen Rechner in einem virtuellen Supermarkt einkaufen. Dabei standen ihnen neben Tierwohl-Produkten auch solche aus konventioneller Haltung zur Auswahl – zu handelsüblichen Preisen. Die Teilnehmenden wurden zufällig einer von vier Gruppen zugeteilt: Eine sah keines der beiden Plakate, eine zweite ausschließlich das Plakat zur sozialen Norm, eine dritte nur das Informationsplakat über den Regalen und eine vierte beide Plakate.
Nudging scheint zu wirken – und zwar am besten in Kombination
Das Resultat: „In unserer experimentellen Studie hatten sowohl Informations- als auch Social-Norm-Nudges einen positiven Einfluss auf die Wahl von Produkten mit höheren Tierwohlstandards“, erklärt Prof. Dr. Monika Hartmann. Die Wissenschaftlerin leitet an der Universität Bonn die Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft und ist Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Sustainable Futures“.
Durch Nudging könnte sich demnach der Kauf von Tierwohl-Lebensmitteln signifikant erhöhen lassen. Besonders vielversprechend scheint dabei die Kombination verschiedener Botschaften zu sein. „Entscheidend ist: Die beiden Maßnahmen beeinflussen sich nicht gegenseitig, sondern ihre Effekte addieren sich unabhängig voneinander“, sagt Leonie Bach. Für die Praxis bedeutet das: Jede Maßnahme wirkt für sich und kann unabhängig eingesetzt oder weggelassen werden, ohne dass sich die Wirkung der anderen verändert.
Allerdings trafen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine hypothetische Entscheidung. Sie mussten den Einkauf nicht tatsächlich bezahlen und erhielten am Ende auch keine echten Produkte. Inwieweit sich die Ergebnisse auf reale Supermarkt-Besuche übertragen lassen, bleibt offen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Nudges Kaufentscheidungen in Richtung höherer Tierwohlstandards beeinflussen und als ein Baustein eines breiteren Maßnahmenpakets dienen können.
Förderung:
Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMELH) gefördert; Projektträger: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE); Förderkennzeichen: 28N1800025
Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Felicitas Ahrens1, Reinhard Puntigam2, Philipp Hofmann1
1Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft 2FH Soest, Fachbereich Agrarwirtschaft, Ernährung / Qualität tierischer Produkte Abbildung 1 Langsam wachsende Masthühner (JA57 x ColorYield) an Lebenstag 33 – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Die Reduktion des Gehaltes an Rohprotein (CP) stellt seit Jahren ein zentrales Thema in der Geflügelfütterung dar. Ganz nach dem Motto „weniger ist am Ende mehr“, denn geringere Stickstoffausscheidungen und folglich Ammoniakemissionen sowie geringere Futterkosten sprechen dafür. Der gezielte Einsatz freier Aminosäuren in der konventionellen Fütterung macht dies möglich. Unter ökologischen Fütterungsbedingungen sind die Spielräume jedoch deutlich geringer. Der Grund ist bekannt: Freie Aminosäuren sind futtermittelrechtliches Tabu in den Futtertrögen ökologisch gehaltenen Geflügels.
Warum Rohprotein senken? Abbildung 2: Score für Fußballenveränderungen (v.l.n.r.) Score 0-4 (0: intakt bis 4: hochgradige Pododermatitis) – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Ein Überschuss an CP im Futter verlässt über die Exkremente ungenutzt das Tier. Erhöhte Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen sind die Folge. Diese Ausscheidungen belasten Stall- und Umweltklima und können sich auf Grund verminderter Einstreu- und Luftqualität negativ auf die Tiergesundheit auswirken. In der Rationsgestaltung für konventionell gehaltenes Geflügel lassen sich diese negativen Effekte gezielt und ohne Leistungseinbußen vermindern, indem der CP-Gehalt abgesenkt und der Bedarf an limitierenden Aminosäuren (z. B. Methionin, Lysin) über die Zugabe freier Aminosäuren gedeckt wird. Denn schlussendlich benötigt das Tier Aminosäuren und nicht Protein. Im Ökolandbau ist diese Strategie der Fütterung jedoch nicht möglich.
Öko-Fütterung: Aminosäuren im Futter ausschließlich vom Acker Abbildung 3 Langsam wachsende Masthühner der Herkunft JA57 x ColorYield an Lebenstag 5 – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Ökologisch wirtschaftende Geflügelhalter müssen den erforderlichen Bedarf an Aminosäuren ihrer Tiere ausschließlich über den Einsatz der Einzelfuttermittel decken. Die Folge: Der CP-Gehalt im Futter liegt oftmals deutlich höher als bei konventionellen Rationen, um mögliche Versorgungslücken durch Limitierungen von Aminosäuren zu vermeiden. Je höher die Leistung, desto höher die erforderlichen Nährstoffkonzentrationen in den Rationen. Auch aus diesem Grund werden in der ökologischen Hühnermast für gewöhnlich langsam wachsende Herkünfte eingesetzt. Während für schnell wachsende Herkünfte umfangreiche Erkenntnisse und Empfehlungen zur energie- und nährstoffangepassten Rationsgestaltung vorliegen, bestehen für langsam wachsende Herkünfte weiterhin Wissenslücken darüber, wie stark sich der CP-Gehalt absenken lässt, ohne Leistungseinbußen in Kauf nehmen zum müssen (Rezaei et al., 2018).
Eine Untersuchung am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Staatsgut Kitzingen, ging infolgedessen der Frage nach, ob und in welchem Umfang eine CP-Absenkung in ökokonformen Alleinfuttermischungen möglich ist, ohne die Mast- und Schlachtleistung langsam wachsender Masthühner negativ zu beeinflussen. Neben dem Effekt der CP-Reduktion auf die Leistung wurden ebenfalls die Auswirkungen auf die Stickstoffausscheidungen sowie Stickstoffnutzungseffizienz kalkuliert.
Zur Untersuchung Tabelle 1
In einer 56-tägigen Fütterungsstudie wurden etwas mehr als 1.000 langsam wachsende Masthühner der Herkunft Hubbard JA57 × ColorYield gemischtgeschlechtlich in 24 identischen Abteilen (je 44 Tiere) gehalten. Dabei wurde die im Ökolandbau maximal zulässige Besatzdichte von 21 kg/m2 eingehalten. Zur Anwendung kamen drei Futtervarianten mit je acht Abteilen als Wiederholungen:
• K (Kontrolle): Starter 19,7 % CP; Mast 19,1 % CP
• CP- (CP-reduziert): Starter 19,3 % CP; Mast 18,1 % CP
• CP– (stärker CP-reduziert): Starter 18,1 % CP; Mast 17,4 % CP
Tabelle 2
Die Fütterung erfolgte zweiphasig (Starter: Tag 1–21, Mast: Tag 22–56). Durch den Verzicht freier Aminosäuren gingen die sinkenden CP-Gehalte mit einer Reduktion der Gehalte an Aminosäuren in den Rationen einher (Tabelle 1). Neben den wichtigsten Mast- und Schlachtleistungsmerkmalen wurden die Wasseraufnahme, die Mortalität sowie die Fußballengesundheit der Tiere erfasst.
Mastleistung: Weniger Protein = weniger Aminosäuren = weniger Leistung
Die Ergebnisse zeigen: Mit sinkendem CP-Gehalt sanken auch die tierischen Leistungen (Tabelle 2). Bis zum Futterwechsel am 21. Lebenstag unterschieden sich die Körpermassen bereits signifikant entsprechend der CP-Reduktion (K > CP- > CP–). Am Mastende (Tag 56) lagen die Varianten CP- und CP– auf vergleichbarem Niveau, blieben jedoch hinter jenen der Gruppe K. Dies deckt sich mit weiteren Ergebnissen: Die höchsten täglichen Lebendmassezunahmen und Futteraufnahmen wurden über die gesamte Mastdauer bei den Tieren der Gruppe K erzielt. Daraus resultierte der signifikant beste Futteraufwand bei K im Vergleich zu den CP-reduzierten Fütterungsvarianten (2,29 vs. 2,35 und 2,33 kg/kg).
Das verringerte Wachstum bei Tieren der CP-reduzierten Futtervarianten deutet darauf hin, dass mindestens eine Aminosäure das Wachstum der Tiere limitierte. Da keine freien Aminosäuren diese Lücke füllten, sank mit reduziertem CP-Gehalt zwangsläufig die Aminosäurenversorgung und damit die Leistung. Zusätzlich wurde im Zuge der CP-Reduktion der Anteil höher verdaulicher Eiweißkomponenten reduziert (Sonnenblumenkuchen aus geschälter Saat, konventioneller Maiskleber, konventionelles Kartoffeleiweiß), was die Aminosäurenverfügbarkeit in puncto Verdaulichkeit weiter eingeschränkt haben dürfte.
Schlachtleistung und Tierwohl Tabelle 3
Analog zur Mastleistung sanken mit zunehmender CP-Reduktion ebenfalls die Schlachtkörpergewichte sowie folgend die absoluten Gewichte der Teilstücke (Tabelle 3). Die prozentualen Anteile am Schlachtkörper blieben hingegen weitgehend unverändert. Auch die Ausschlachtung lag bei Tieren der Gruppe K höher im Vergleich zu den CP-reduzierten Varianten.
Neben den Mast- und Schlachtleistungen schnitt die Gruppe K auch bei der Fußballengesundheit am besten ab (Tabelle 4). Die beiden CP-reduzierten Varianten wiesen signifikant schlechtere (höhere) Scores auf.
Tabelle 4Stickstoffnutzungseffizienz: Vorteil mit Einschränkungen
Mit sinkendem CP-Gehalt stieg die kalkulatorische Stickstoffnutzungseffizienz signifikant an (K < CP- < CP–). Als Grund hierfür kann die geringere Stickstoffaufnahme der Tiere bei gleichzeitig moderatem Rückgang des Stickstoffansatzes (Muskelzuwachs) genannt werden (Tabelle 2). Damit zeigt sich ein Für und ein Wider: Eine CP-Reduktion erhöhte auf der einen Seite die Stickstoffnutzungseffizienz, jedoch geht diese auf der anderen Seite mit geringeren Leistungen einher.
Ökonomie: Kontrollration im Vorteil
Sowohl der kalkulierte Erlös über Futterkosten (IOFC) als auch der Europäische Produktionsindex (EPI) lag bei den Tieren der Gruppe K signifikant über jenen der beiden CP-reduzierten Varianten. Die geringeren Futterkosten auf Grund der Proteinreduktion konnten die Leistungseinbußen somit nicht kompensieren (Tabelle 2).
Schlussfolgerungen
Eine Reduktion des CP-Gehalts ohne die Möglichkeit des Einsatzes freier Aminosäuren in ökologischen Futtermischungen resultierte in Leistungseinbußen bei langsam wachsenden Masthühnern. Bereits moderate Absenkungen von 0,4 %-Punkten im Starter und 1 %-Punkt (19,7 vs. 19,3 % und 19,1 vs. 18,1%) in der Mastphase hatten negative Auswirkungen auf die Mast- und Schlachtleistung sowie folglich die Ökonomie. Vorteilig erhöhte sich durch die CP-Reduktion die Stickstoffnutzungseffizienz, was sich jedoch nachteilig auf die Kosten der Produktionsleistung ausübte. Ob diese Effekte der Leistungsminderung durch gezieltere Strategien vermieden werden können– z.B. durch eine spätere CP-Absenkung in der Mastphase oder zusätzliche Fütterungsphasen, wird aktuell im Projekt „MastOpti(M)Um“ untersucht
Link: https://www.lfl.bayern.de/ite/gefluegel/389303/index.php
Schwanzbeißen: Im Video „Einen Schwanzbeißausbruch in der Großgruppe erfolgreich managen“ werden die Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile herausgestellt, die eine Großgruppenhaltung in Bezug auf Schwanzbeißausbrüche mit sich bringt. Für die Erstellung des Videos hat das Netzwerk Fokus Tierwohl Gabriele Mörixmann in ihrem Aktivstall für Mastschweine besucht.
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Eine aktuelle Studie gibt Empfehlungen für die Bewertung der physischen Gesundheit und Resilienz von Hühnern als Grundlage fürs Tierwohl. Zu allererst sprechen sich die Autoren für eine ganzheitliche Bewertung von Gesundheit und Resilienz aus. Neben der Kontrolle auf Krankheiten sollten auch Indikatoren wie Erholungsfähigkeit nach Stress und Entwicklung von Kompetenzen (z. B. Sozialverhalten) im Betrieb erfasst werden.
Anatomische und physiologische Indikatoren
Anatomische Indikatoren wie Kamm, Gefieder, Körpergewicht und Gangbild sind besonders praxistauglich und können oft automatisiert erfasst werden. Physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, Herzfrequenzvariabilität) liefern tiefere Einblicke, sind aber meist aufwändiger und eher für Forschung geeignet.
Die Bewertung des Gefiederzustands kann durch einfach Sichtkontrolle einzelner Tiere oder Stichproben im Stall erfolgen und ist schnell, kostengünstig, ohne Spezialausrüstung umsetzbar. Referenzbilder können hierbei eine Hilfe sein.
Automatisierte Kamerasysteme und KI-gestützte Bildanalyse
Moderne Kamerasysteme in Verbindung mit künstlicher Intelligenz ermöglichen die kontinuierliche, automatische Erfassung von Indikatoren wie Gangbild, Gefiederqualität, Körpergewicht (über Bildauswertung) und Aktivitätsmustern. Ein KI-basiertes System erkennt und bewertet das Gangbild von Hühnern, um frühzeitig Lahmheiten zu identifizieren. Solche Systeme eignen sich jedoch eher für größere Betriebe und zur Langzeitüberwachung.
Automatisierte Wiegesysteme und RFID-Technik
Elektronische Waagen oder Wiegeplattformen, teils kombiniert mit RFID-Transpondern, ermöglichen die automatische Erfassung des Körpergewichts einzelner Tiere oder ganzer Gruppen: Hühner laufen über eine Wiegeplattform, das Gewicht wird automatisch erfasst und dem Tier zugeordnet. Wachstum und Futterverwertung können so kontinuierlich überwacht werden.
Thermografie und Sensorik
Infrarot-Thermografie kann zur nicht-invasiven Messung der Oberflächentemperatur (z. B. Kamm, Beine) eingesetzt werden, um Stressreaktionen oder Entzündungen zu erkennen. Regelmäßige Thermografie-Aufnahmen der Hühnerköpfe zur Erkennung von Stress oder Krankheit. Ein solches System liefert schnelle Ergebnisse und ist auch für große Gruppen geeignet.
Stichprobenbasierte Probenentnahme (z. B. Kotproben, Federproben)
Für bestimmte physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, IgA im Kot) werden Proben entnommen und im Labor analysiert. Etwa werden Kotproben auf Immunparameter oder Mikrobiom-Zusammensetzung untersucht. Dies kann zur Beantwortung gezielter Fragestellungen und vor allem für Forschungszwecke genutzt werden.
Skalierung von Indikatoren von tolerabel bis optimal
Die Bewertung sollte nicht nur zwischen krank/gesund unterscheiden, sondern einen Bereich von „tolerabel“ bis „optimal“ abbilden. Für viele Indikatoren gibt es einen optimalen Bereich, der je nach Alter, Rasse und Haltungsform variiert. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte (z. B. bei Krallenlänge oder Körpergewicht) können problematisch sein. Die Krallenlänge etwa sollte weder zu kurz noch zu lang sein – beides kann die Funktion beeinträchtigen. Eine 5-Punkte-Skala oder visuelle Analogskalen seien empfehlenswert.
Validierung und Kombination mehrerer Indikatoren für die zuverlässige Gesamtbewertung
Kein einzelner Indikator reicht nach dem Urteil der Forscher aus, um Tierwohl umfassend zu beurteilen. Es sei notwendig, verschiedene Indikatoren zu kombinieren und deren Schwellenwerte zu definieren. Beispielsweise ergäbe die Kombination aus Gefiederzustand, Gangbild, Körpergewicht und Immunparametern ein umfassenderes Bild als die Betrachtung eines einzelnen Merkmals.
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