VetMed Uni Wien: Landwirtschaftliche Tiernutzung im Sinne des 3R-Prinzips überdenken

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Im Zuge der Nutzung von Tieren zu Forschungszwecken ist das 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine / Vermeiden, Verringern, Verbessern) selbstverständlich. Ein Team von Wissenschafter:innen der Veterinärmedizinischen Universität Wien schlägt in einem soeben im Top-Journal „Science“ erschienenen Artikel vor, das 3R-Prinzip auch in der Nutzung von Tieren zur Nahrungsmittelproduktion anzuwenden, um den Konsum und die Verschwendung von tierischen Nahrungsmitteln zu verringern und landwirtschaftliche Nutztiere tiergerecht zu halten.

Wissenschafter:innen, die mit Tieren arbeiten, sind nach dem 3R-Prinzip verpflichtet, Tierversuche durch geeignete alternative Methoden zu ersetzen (Replacement), die Anzahl der Versuchstiere auf das unbedingt erforderliche Minimum zu beschränken (Reduction) sowie die Versuchstechniken, aber auch Unterbringung und Pflege der Tiere zu optimieren (Refinement). „Das 3R-Prinzip könnte ähnlich effektiv sein, wenn es auf die Nutztierproduktion angewendet wird“, so die Autor:innen. Die Auswirkungen wären gewaltig, da der Mensch – überwiegend zur Produktion von tierischem Eiweiß – jährlich 70 Milliarden Landtiere und bis zu 129 Milliarden Wassertiere nutzt; dem stehen 192 Millionen Versuchstiere gegenüber.

Einfache und wirksame Hebel: Protein-Ersatz, Konsum-Reduktion und faire Tierhaltung
Tierisches Eiweiß könnte durch pflanzliches Protein oder in-vitro-Fleisch ersetzt werden, was der Umwelt zugutekäme und gleichzeitig den Welthunger lindern würde. Eine Reduzierung der Anzahl an Tieren könnte erfolgen, indem Nutztiere nur dort gehalten werden, wo der Mensch potenzielle Nahrungsquellen nicht direkt nutzen kann. Ein Beispiel wären Wiederkäuer auf Nicht-Ackerland. Weitere Hebel sind die Verringerung der Lebensmittelverschwendung und des Konsums von Fleisch und anderen tierischen Produkten. Schließlich würden faire Haltungsbedingungen Nutztieren ein gutes Leben ohne unnötiges Leid ermöglichen.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Aquakultur ist keine Lösung für Überfischung – Aquakultur-Produktion hat Höhepunkt bereits überschritten

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Die Wachstumsraten für die Zucht von aquatischen Lebewesen in Aquakultur sind begrenzt und haben ihren Höhepunkt bereits überschritten – das ist das Ergebnis einer kürzlich erschienenen Studie im Fachjournal Frontiers in Marine Science unter Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Laut den Wissenschaftler:innen würde die Welt ohne Wildfisch im Jahr 2030 bereits mit einem jährlichen Mangel an Fischnahrung von etwa 71 Millionen Tonnen konfrontiert werden. Zudem könnte ein verstärkter Fokus auf Aquakultur zu verheerenden sozioökonomischen Folgen für Küstenländer mit niedrigem Einkommen führen.

Ein Großteil aller menschlich genutzten Fischarten im Ozean ist überfischt. Das Problem ist hinlänglich bekannt, dennoch steigt der weltweite Fischkonsum kontinuierlich an. Aquakultur, also die Zucht von aquatischen Lebewesen für die menschliche Ernährung in abgegrenzten Systemen, wird oftmals als Lösung für das Dilemma angesehen. Dieser Aquakultur-Optimismus kann der Realität nicht standhalten. – Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich erschienene Studie von zehn Instituten verschiedener Nationen unter Beteiligung vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel im Fachjournal Frontiers in Marine Science. Darin werten die Forschenden öffentlich zugängliche Zeitreihendaten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) aus, die den Wandel der Produktivität der Aquakultur von 1950 bis 2018 veranschaulichen und Rückschlüsse auf dessen aktuelle Rolle für die weltweite Nachfrage nach Speisefisch zulassen.

Die Analyse der Daten zeigt einen Höhepunkt des Wachstums der Produktion durch Aquakultur bereits im Jahr 1996. Zwar nimmt die Gesamterzeugung der zehn wichtigsten Zuchtarten weiter zu, die Zuwachsraten aber haben den Zenit bereits überschritten und nehmen ab. Dies betrifft zur Überraschung der Forschenden selbst solche Arten, die nicht von der Fütterung durch aus Wildfisch erzeugtem Fischmehl und -öl abhängen, wie zum Beispiel Algen oder Filtrierer wie Muscheln. Diese Arten werden als besonders wichtig für die Ernährungssicherheit angesehen. Ihre Kultur ist ökologisch weniger schädlich und unter Umständen sogar gut für die Umwelt, da Muscheln das Wasser filtrieren und Algen überschüssige Nährstoffe aufnehmen können.

„Der globale Hunger nach Fisch und Meeresfrüchten kann nicht hauptsächlich durch Aquakultur gesättigt werden“, bestätigt Dr. Rainer Froese, mariner Evolutionsökologe am GEOMAR und deutscher Fachexperte für die Studie. „Selbst technologische Fortschritte würden nach derzeitigem Stand nicht dazu führen, dass der Fischbedarf durch Aquakultur gedeckt werden könnte. Ein Umbau der Fischereiwirtschaft zu einer ökologisch verträglichen Fischerei böte ein deutlich höheres Zukunftspotential.“ So könnten, laut Studie, die Fangmengen in europäischen Gewässern um etwa fünf Millionen Tonnen steigen, wenn Europa seine Fischerei wieder aufbauen und ordnungsgemäß bewirtschaften würde. Das ist mehr als die derzeitige jährliche europäische Aquakulturproduktion.
Um den gesamten oder einen Großteil des weltweiten Fischbedarfs von prognostizierten 173 Millionen Tonnen im Jahr 2030 zu decken, müsste das Angebot an Fischzuchtbetrieben hingegen mindestens um das Dreifache der von der FAO prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Rate wachsen. Stattdessen ist die Produktion an ihre ökologischen Grenzen gestoßen.

Zusätzlich stammt ein Großteil der berichteten Produktion aus dem asiatischen Raum, „mit möglicher Überschätzung dieser Zahlen für Arten, die nicht exportiert werden“, erklärt Rainer Froese. Nur etwa zehn Prozent der weltweiten Produktion verteilen sich auf die fünf anderen Kontinente, wobei Europa etwa vier Prozent beisteuert. Entwicklungsländer, afrikanische und südamerikanische Küstenstaaten würden mit hoher Wahrscheinlichkeit unter erheblicher Ernährungsunsicherheit leiden, wenn preisgünstige kleine Fische in noch größerem Maßstab abgefischt und an anderen Orten an teure Zuchtarten verfüttert würden. „Produktion von hochwertiger Nahrung ist gesellschaftlich akzeptiert, aber Lachs, Doraden, Austern, Shrimps und gemästete Thunfische werden die Welt nicht ernähren“, sagt Rainer Froese. Die Bereitstellung des größten Teils des weltweiten Speisefischs durch Aquakultur, mit dem bestehenden geographischen Fokus, könnte daher schwerwiegende sozioökonomische, ernährungswissenschaftliche und die Ernährungssicherheit betreffende Konsequenzen für die ganze Welt nach sich ziehen.

Quelle: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Neue Erkenntnisse zu „Bovine Meat and Milk Factors“ (BMMF)

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat im Februar 2019 Erkenntnisse zu neuartigen Infektionserregern mit der Bezeichnung „Bovine Meat and Milk Factors“ (BMMF) vorgestellt. Sie sollen in den Fleisch- und Milchprodukten des europäischen Rindes vorkommen.

Die durch den Verzehr dieser Lebensmittel im frühen Säuglingsalter aufgenommenen Erreger sollen Entzündungen im Darm- und Brustgewebe hervorrufen, welche wiederum im umgebenden Gewebe die Krebsentstehung fördern. Dabei soll es erst Jahrzehnte nach der eigentlichen „Infektion“ zum Ausbruch der Krankheit kommen. Ausgehend von der geografischen Verteilung von Dickdarm- und Brustkrebs-Neuerkrankungen wurde seitens des DKFZ ein Zusammenhang mit dem Konsum von Milch- und Fleischprodukten vom europäischen Rind vermutet und die Schlussfolgerung gezogen, Säuglinge nicht zu früh mit Kuhmilch zu ernähren.

Daraufhin kamen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Max Rubner-Institut (MRI) in einer gemeinsamen Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass die Bewertung gesundheitlicher Risiken durch BMMF aufgrund einer zu dieser Zeit unzureichenden Datenlage nicht möglich sei. Seitdem haben sich verschiedene Forschungsgruppen mit BMMF befasst, weshalb BfR und MRI eine Neubewertung der Thematik vorgenommen haben. Weder die aktuellen noch die früheren Ergebnisse stützen die Hypothese, dass es sich bei BMMF um eine neue Art von Erregern handelt. Sie stellen Varianten bereits bekannter und zum Teil bereits veröffentlichter DNA-Sequenzen dar. Bislang liegen auch keine Erkenntnisse vor, die belegen, dass BMMF im Menschen und anderen Organismen tatsächlich gesundheitsschädigende Effekte verursachen. Zudem zeigen verschiedene aktuelle Studien, dass BMMF nicht nur in Milch- und Fleischprodukten vom europäischen Rind der Art Bos taurus, sondern auch in zahlreichen anderen Lebensmitteln vorkommen, die sowohl tierischer als auch pflanzlicher Herkunft sind.

Damit widerspricht der aktuelle Wissensstand der Hypothese des DKFZ, wonach es sich bei den nachgewiesenen BMMF um „neuartige Erreger“ handelt, die ausschließlich bei europäischen Rindern und den von ihnen gewonnenen Lebensmitteln vorkommen. Die geografische Verteilung von Dickdarm- und Brustkrebs-Neuerkrankungen kann lediglich als Hinweis auf einen potenziellen indirekten Zusammenhang zwischen dem Konsum bestimmter Lebensmittel und dem Auftreten einiger Krebsarten beim Menschen interpretiert werden, stellt aber keinen kausalen Zusammenhang dar. Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Studienergebnisse und Literatur empfehlen BfR und MRI auch weiterhin, Fleisch und Kuhmilch aufgrund ihrer spezifischen Mikronährstoffe als Bestandteil der Beikost für Säuglinge zu verwenden. Das Vermeiden bestimmter Lebensmittel im ersten Lebensjahr ist auch hinsichtlich der Allergieprävention nicht zu empfehlen.

Zusammenfassend und in Anbetracht der Gesamtheit der derzeit verfügbaren Daten sind gesundheitliche Beeinträchtigungen durch BMMF oder BMMF-DNA, die in Fleisch- oder Milchprodukten oder anderen Lebensmitteln enthalten sind, für Verbraucherinnen und Verbraucher jeden Alters nicht zu erwarten.

Eine ausführliche Stellungnahme hat das BfR auf seiner Website veröffentlicht.

Preis der Tiergesundheit 2022

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Landwirte für innovative Konzepte im Bereich Tiergesundheit prämiert
• MSD Tiergesundheit ehrt die Gewinner des Preises der Tiergesundheit 2022.
• In den Kategorien „Fruchtbarkeit von Milchkühen“, „Innovationen in der Schweinemast“ und „Tiergesundheit in der Legehennenhaltung“ wurden insgesamt sieben Betriebe und vier Einzelideen ausgezeichnet.
• Die Erstplatzierten kommen aus Olderup, Bergen und Hebertsfelden und dürfen sich über ein zweckgebundenes Preisgeld von je 12.000 Euro freuen.

MSD Tiergesundheit hat im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am Unternehmenssitz in München die Gewinner des Preises der Tiergesundheit 2022 gewürdigt. Ausgezeichnet wurden sieben Betriebe aus Deutschland und Österreich, die sich in den Bereichen Schwein, Rind und Geflügel mit ihren innovativen Haltungs- und Gesundheitskonzepten nachhaltig für die Tiergesundheit engagieren. Weitere vier landwirtschaftliche Unternehmen konnten sich über einen Sonderpreis für die beste Einzelidee freuen. Das zweckgebundene Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro für die Erstplatzierten soll zum weiteren Ausbau des Engagements im Bereich Tiergesundheit beitragen und die Betriebe bei der Umsetzung ihrer innovativen Konzepte unterstützen.

Jan Nemec, Geschäftsführer MSD Tiergesundheit, auf der Preisverleihung am Samstag: „Landwirtschaft ist die tragende Säule unserer Ernährung. Wir brauchen Landwirtinnen und Landwirte, die sich mit großem Engagement für die Gesundheit ihrer Tiere einsetzen, neue Wege gehen und den Mut haben, ihre Betriebe in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. In Zeiten, in denen sich die Bevölkerung immer mehr von der Landwirtschaft und Nutztierhaltung entfernt, ist es enorm wichtig, die Öffentlichkeit wieder mit der Realität abzuholen. Mit dem Preis der Tiergesundheit möchten wir Betriebe dabei unterstützen, sich untereinander zu vernetzen, voneinander zu lernen und mit einem Preisgeld von insgesamt 80.000 Euro dazu beitragen, dass sie weiterhin in Vielfalt und Veränderung investieren können.

Die Gewinner der Kategorien 2022
Im Bereich Rinderhaltung lag der Fokus in diesem Jahr auf der „Fruchtbarkeit von Milchkühen“. Aus rund 70 Bewerbungen setzte sich der Betrieb von Timo Nöhren aus Olderup durch. Er überzeugte die Jury mit seinem durchdachten Fruchtbarkeitsmanagement und Nachzuchtplanung. Mit seiner erfolgreichen Strategie und Detailliebe hat er die Zwischenkalbezeit auf seinem Betrieb auf durchschnittlich 480 Tage verlängert. Mehr als ein Drittel länger als der Durchschnitt in den Betrieben in Deutschland. Das Konzept begeistert die Jury: Mit mehr Ruhe und einem stringenten Fütterungskonzept geben die Tiere auf Timo Nöhrens Hof über einen langen Zeitraum viel Milch, ohne dass die Fruchtbarkeit beeinträchtigt oder die Tiergesundheit gemindert wird. Darüber hinaus ist der Betrieb mit 160 Milchkühen und weiblicher Nachzucht mit einem umfassenden digitalen Monitoringsystem und dem Einsatz von Spalten- und Futternachschieberobotern ein Paradebeispiel für Möglichkeiten der arbeitswirtschaftlichen Optimierung.

Jurymitglied Prof. Axel Wehrend in seiner Laudatio: „Bei dem Betrieb von Herr Nöhren überzeugt uns vor allem die Konsequenz, mit der die Entscheidung zur längeren Zwischenkalbezeit in alle Bereiche weitergetragen wird. Im Zusammenspiel mit einem präventiven Gesundheitseinsatz ergibt sich ein ganzheitliches Konzept, bei dem viel Energie in die Leistungsüberwachung und Tiergesundheit fließt.“

Timo Nöhren ist Wiederholungstäter beim Preis der Tiergesundheit. Der Landwirt wurde bereits im letzten Jahr in der Kategorie „Eutergesundheit“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Dies zeigt auf welch hohem Niveau er kontinuierlich für die Gesundheit seiner Tiere arbeitet.

Mit dem zweiten und dritten Platz wurden Bernhard Moitzi aus dem österreichischen Obdach und der Familienbetrieb von Wiljan Meilink aus Hoogstede ausgezeichnet.

In der Kategorie „Innovationen in der Schweinemast“ ging der Sieg an Jan-Hendrik Hohls mit seinem Betrieb in Bergen/Celle. Für den Landwirt ist der Langschwanz einer der wichtigsten Indikatoren für die Gesundheit der 320 Sauen und 2500 Mastschweine am Hof. Dabei setzt der Landwirt auf viel Platz, Beschäftigungsmaterialien gegen Langeweile sowie klare Strukturen und verständliche Technik. Ein weiterer Kernpunkt in seinem Konzept ist die Fütterung: Sein Ziel ist die Verträglichkeit und das Wohlbefinden. Er sieht den Darm als zentrales Organ der Tiergesundheit und des Tierverhaltens.

Mit seinem betriebseigenen Getreide zur Fütterung, herausragendem Strohmanagement und kontinuierlicher Tierbeobachtung konnte der niedersächsische Betrieb die Jury überzeugen: „Auf dem Hof von Jan-Hendrik Hohls sehen wir ein sehr komplexes Gesamtkonzept, bei dem von der Futterproduktion bis hin zur Vermarktung jedes Rädchen ineinandergreift. Ein wichtiger Indikator ist der Ringelschwanz: Ein intakter Ringelschwanz ist ein Tiergesundheits- und Tierwohlindikator. Jan-Hendrik Hohls setzt auf das Beste aus Konventionell und Bio zum Besten für Tier, Mensch und Umwelt und genau das zeichnet diesen Betrieb aus.“

Der zweite und dritte Platz gingen an Peter Baureis aus Schrozberg und Christoph Becker aus Wietzendorf.

Erstmals wurden in diesem Jahr auch Geflügel-Betriebe prämiert. In der Kategorie „Tiergesundheit in der Legehennenhaltung“ konnte sich Gerhard Aigner aus Hebertsfelden mit seinem Konzept durchzusetzen. Sein Hof Thanninger Freiheit wird bereits in der dritten Generation betrieben. Das durchdachte Gesamtkonzept von eigenem Futteranbau inkl. Biogasanlage, über die Kükenaufzucht und Haltung von Bruderhähnen, bis hin zum Stallaufbau mit Wintergarten, Sandkästen sowie Tageslicht- und Frischluftzugang beeindruckte die Jury nachhaltig. Darüber hinaus setzt Gerhard Aigner auf Transparenz in der Tierhaltung und gewährt während des Lebensmitteleinkaufs mithilfe von Live-Kameras Einblick in das tägliche Stallleben.

„Auf dem Betrieb von Herrn Aigner haben wir ein zukunftsweisendes Konzept vorgefunden, das aus allen Einreichungen herausgestochen ist. Überzeugt hat uns seine gesamtheitliche Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel aus Haltung und Tierbeobachtung. Herr Aigner hat seine Indikatoren immer präsent und trifft Entscheidungen in engmaschiger Zusammenarbeit mit dem Tierarzt auf Basis von Daten, nicht aus dem Bauch heraus. Das ist ein Konzept für die Zukunft, das tragfähig ist“, betont die Jury.

Eine weitere Neuerung in diesem Jahr: Zusätzlich zu den Gesamtgewinnern wurden auch besonders herausragende Einzelideen mit dem Sonderpreis „Top Tipp“ prämiert. Die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung sicherten sich Thorsten Harms aus Friedeburg und Ulrich Westrup aus Bissendorf in der Kategorie Rind. Dirk Peters von Agrar GmbH Diestelow aus Goldberg lieferte den Top Tipp in der Kategorie Innovationen in der Schweinemast. Reinhard Weinmann vom Biolandbetrieb Weinmanns Hof, Ipsheim wurde in der Kategorie Geflügel ausgezeichnet.

Nach der feierlichen Verleihung nutzten die Gewinner sowie die Veranstalter die Gelegenheit zusammen anzustoßen und ihre Freude zu teilen. Neben der Auszeichnung und Würdigung der langjährigen Arbeit, ist nach der pandemie-bedingten Distanz der persönliche Austausch mit Kollegen und Freunden das Highlight des Abends.

Der Preis der Tiergesundheit wurde 2019 von MSD Tiergesundheit ins Leben gerufen und honoriert seitdem landwirtschaftliche Betriebe, die mit nachhaltigen und innovativen Konzepten nachweislich einen positiven Beitrag zu Tierwohl und Tiergesundheit leisten. Zusätzlich unterstützt der Preis den Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtinnen und Landwirten in Deutschland und Österreich und gewährt der Öffentlichkeit einen Einblick in die Nutztierhaltung. 2022 wurde der Preis der Tiergesundheit zum dritten Mal vergeben. Rund 100 Betriebe hatten sich in diesem Jahr um die Auszeichnung beworben.

Mehr Informationen zum „Preis der Tiergesundheit“ hier.

Die Gewinner im Überblick:

Gesundheit von Milchkühen:
1. Timo Nöhren, Olderup
2. Bernhard Moitzi, Obdach
3. Wiljan Meilink, Hof Scholten-Meilink, Hoogstede
Top Tipp: Thorsten Harms, Friedeburg und Ulrich Westrup, Bissendorf

Innovationen in der Schweinemast:
1. Jan-Hendrik Hohls, Bergen/Celle
2. Peter Baureis, Landwehrhof Baureis, Schrozberg
3. Christoph Becker, Hof Becker, Wietzendorf
Top Tipp: Dirk Peters, Agrar GmbH Diestelow, Goldberg

Tiergesundheit in der Legehennenhaltung:
1. Gerhard Aigner, Thanninger Freiheit, Hebertsfelden
Top Tipp: Reinhard Weinmann, Weinmannshof, Ipsheim

Quelle: MSD

Verbessern Probiotika die Eischalenqualität im fortgeschrittenen Legezyklus?

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Von Dr. Elisabeth Zißler, Lallemand Animal Nutrition

Mit fortschreitendem Legealter der Hennen werden die Eier größer, während die Qualität der Eischalen durch einen weniger guten Kalzium (Ca)-Stoffwechsel der Hennen abnimmt. Die Erzeuger halten die Hennen heutzutage zunehmend länger, weit über das Alter von 50 Wochen hinaus. Aus diesem Grund ist es für eine rentable Eiproduktion notwendig, den Kalziumstoffwechsel zu unterstützen, um auf diese Weise die Qualität der erzeugten Eier zu verbessern, insbesondere bei älteren Legehennen.

Die Qualität der Eischalen hängt in erster Linie von der Physiologie der Tiere (Alter, genetische Veranlagung, Gesundheit), den Managementpraktiken (Produktionssystem, Beleuchtungsprogramm) und der Fütterung ab, die eine angemessene Ca-Zufuhr gewährleisten sollte. Der Ca-Bedarf der Hennen steigt mit zunehmendem Alter. Der Ca-Gehalt im Futter und die Darreichungsform sollten daher nach der Junghennenphase sorgfältig angepasst werden. Darüber hinaus hängt eine ordnungsgemäße Ca-Assimilation und -Mineralisierung auch vom Gesundheitszustand des Verdauungssystems der Tiere ab.

Die Zugabe von probiotischen Bakterien wie etwa Pediococcus acidilactici CNCM I-4622 im Futter der Tiere verbessert nachweislich die Darm- und Verdauungsfunktionen von Geflügel durch eine Stimulierung der Milchsäurebakterienpopulationen. Es wurde in zahlreichen Studien in verschiedenen Produktionssystemen gezeigt, dass die Fütterung von Probiotika dazu beiträgt, die Anzahl der verworfenen Eier zu reduzieren (Mikulski et al., 2012; Denev et al., 2013; Mikulski et al., 2020) und die Dicke der Eischale zu verbessern – mit direkten Auswirkungen auf die Rentabilität der Betriebe. Welche Mechanismen sind an dieser Optimierung beteiligt? Welcher Zusammenhang besteht zwischen der probiotischen Wirkung und der Eischalenqualität? Um diese Fragen zu klären, wurden in einer Studie der Dankook-Universität in Südkorea (2020) zusätzliche Parameter wie hormonelle und mineralische Blutmarker oder die chemische Zusammensetzung der Knochen der Hennen untersucht.

Grundlagen: Eischalenbildung und Kalziumstoffwechsel
Mit einem Anteil von 94-97 % an der gesamten Schale ist Ca der Hauptbestandteil der Eischale, der in Form von Kalziumkarbonat (CaCO3) vorliegt. Phosphor (P) und Magnesium (Mg) machen 0,3 % bzw. 0,2 % der Schale aus. Der übrige Teil setzt sich aus einer organischen Matrix zusammen, die hauptsächlich aus Proteinen und Kollagen besteht.


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Im Fokus Kälbergesundheit

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Die Neufassung der Tierschutztransportverordnung (ab dem 1. Januar 2023) schreibt bei betriebsübergreifenden Transporten von Kälbern ein Mindestalter von 28 Tagen vor. Das erfordert größere Kapazitäten bei Platz und Fütterung und mehr Aufmerksamkeit für die Gesundheit der Kälber. In den anstehenden Wintermonaten ist besonderes Augenmerk auf die Atemwege zu richten.

Ein guter Immunstatus, ausreichend hochwertiges Futter, Platz, Luft und Licht und gute Betreuung sind die Säulen einer gesunden Kälberaufzucht. In den frühen Phasen wird der Grundstein für späteres Wachstum und Leistung gelegt.

Für einen guten Start
Neben Durchfall stellen Atemwegserkrankungen das größte Problem in der Kälberaufzucht dar. Die sogenannte Kälbergrippe tritt insbesondere bei Tieren im Alter zwischen drei und sechs Monaten auf, kann aber auch schon bei jüngeren Kälbern zu erheblichen Problemen führen. Der Aufbau eines entsprechenden Immunschutzes – etwa über eine optimale Versorgung hochtragender Muttertiere, gute Geburtshygiene, die schnelle Versorgung mit einer ausreichenden Menge an Kolostrum sowie Vitaminen und Eisen zur Vermeidung einer Eisenmangelanämie – sind in dieser Phase besonders wichtig. Gleiches gilt für die Vermeidung von Stress beispielsweise durch Gruppen- oder Futterumstellungen. Hohe Ansprüche stellt das Kalb auch an die Lüftung: Ausreichend Luftzufuhr, jedoch ohne Zugluft.

Langfristige Konsequenzen von Atemwegserkrankungen
Im Fall der Kälbergrippe kann die Lunge der Tiere nachhaltig geschädigt werden. Dies liegt zum einen an der im Vergleich zum Körpergewicht relativ kleinen Rinderlunge und zum anderen an dem anatomischen Aufbau der Lunge; sie ist stark segmentiert, und jedes Segment wird nur durch einen bronchialen Zugangsweg versorgt. Setzt sich ein solcher Bronchus infolge einer Infektion mit der Kälbergrippe mit Schleim zu, besteht die Gefahr einer Unterversorgung mit Sauerstoff und einer damit einhergehenden dauerhaften Schädigung des betroffenen Lungengewebes.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen können erheblich sein. Neben Kälberverlusten ergeben sich bei erkrankten Tieren höhere Aufwendungen für den Tierarzt und die Medikamente sowie ein erhöhter zeitlicher Betreuungsaufwand. Tiere mit geschädigter Lunge zeigen häufig verringerte Tageszunahmen und schlechtere Milchleistung. Sie sind zudem anfällig für erneute Erkrankungen.

Haltungsbedingungen optimieren
Eine zentrale Maßnahme bei den Haltungsbedingungen liegt in der Verminderung der Belastung mit Schadgasen und hier insbesondere Ammoniak. Gerade in eingestreuten Tiefboxen besteht die Gefahr, dass die Kälber dieses Gas einatmen, das sich über der Einstreu ansammelt. Die Verringerung der Belegdichte und die regelmäßige Entfernung der Mistmatratze sind wichtige Ansätze zur Verbesserung des Stallklimas. Optimal ist die Außenklimahaltung, bei der jedoch ein windgeschützter, trockener Bereich gewährleistet sein muss. Gute Bedingungen für die ersten Lebenswochen bietet deshalb die Haltung im Außenbereich in Einzel- oder Gruppeniglus oder Hüttensystemen mit einem freien, aber zum Teil überdachten Auslauf.

Vorbeugen ist besser als heilen
Die frühe Investition in die Gesundheitsvorsorge des Kalbes in der Aufzuchtphase lohnt sich: ein gesunder, stabiler Kälberbestand minimiert betriebliche Behandlungskosten. Das gilt auch für die Impfung gegen Kälbergrippe. In Milcherzeugerbetrieben, in denen Probleme mit dem Erkrankungskomplex aufgetreten sind, kann es sinnvoll sein, Kälber und Jungrinder im Alter bis zu einem Jahr gegen Rindergrippe zu immunisieren. Kombinationsimpfstoffe gegen die gängigen Erreger stehen zur Verfügung. Auch bei Abgabe der Jungtiere an den Handel oder individuelle Mastbetriebe sind Impfungen ein essenzieller Bestandteil für eine erfolgreiche weitere Aufzucht und Mast. Impfungen gegen Bronchopneumonie zählen zu den Core-Impfungen in jedem Mastbetrieb und werden dringend – so frühzeitig wie möglich – empfohlen. Dies erfordert auch eine entsprechende Honorierung auf der Abnehmerseite.

Idealerweise werden Impfungen im Milchvieh- und späteren Aufzucht- oder Mastbetrieb abgestimmt. Kranke Kälber in der Aufzuchtphase und auch im abnehmenden Betrieb können dadurch vermieden und auch die Anwendung von Antibiotika verringert werden. Empfehlungen gibt die Leitlinie zur Impfung von Rindern und kleinen Wiederkäuern der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin StIKo Vet.

Ein schnelles Handeln im Erkrankungsfall kann schwere Lungenentzündungen verhindern. Die Behandlung durch den Tierarzt erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Auch eine kombinierte Gabe mit Entzündungshemmern, die das Entzündungsgeschehen unterbrechen und weitere Schädigungen des Lungengewebes vermeiden, erzielt gute Behandlungserfolge. Je nach Erkrankungsbild können zusätzlich schleimlösende Mittel verabreicht werden.

In Kürze
• Neben Durchfall stellen Atemwegserkrankungen das größte Problem in der Kälberaufzucht dar.
• Es ist wichtig, Umweltstress zu minimieren und das Immunsystem früh genug zu stärken.
• Impfung beugt vor.

Quelle: BfT

Mangel an Nutztierpraktiker:innen spitzt sich zu

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BTK warnt vor Notstand durch Änderung im Tierarzneimittelgesetz

Der Entwurf des Änderungsgesetzes zum Tierarzneimittelgesetz (TAMG) wurde am 22.11.2022 mit den Stimmen der Ampelkoalition im Agrarausschuss angenommen. Die darin enthaltenen Auflagen für Nutztierpraktiker:innen mit immensen Dokumentations- und Meldepflichten für Tierärzt:innen sind für eine Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierschutzes in landwirtschaftlichen Tierhaltungen kontraproduktiv und kosten wertvolle Zeit am Patienten, warnt die Bundestierärztekammer (BTK).

In der Expertenanhörung des Agrarausschusses am 17.10.2022 wurden unsere fachlichen Forderungen eingebracht, die von der Bundesregierung bislang ignoriert wurden, u. a.

• Umsetzung der von der EU geforderten Tierärztlichen Bestandsbetreuung in nationales Recht
• Eindeutige Vorgaben für Stallbau in der Tierschutznutztierhaltungsverordnung
• Schaffung einer einheitlichen Tiergesundheitsdatenbank zur Früherkennung von Krankheitsursachen

Bereits anlässlich des Deutschen Tierärztetags im September 2022 haben die vier großen Verbände BTK, Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt), Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) und Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) in einer Resolution* eine erhebliche Verringerung des administrativen Aufwands für Tierärzt:innen und keine Übernahme der jetzigen Meldeverpflichtung der Tierhalter:innen gefordert.

„Wir weisen die Regierenden darauf hin, dass eine Verbesserung der Tiergesundheit, des Tierschutzes sowie eine Produktion hochwertiger Lebensmittel tierischer Herkunft nur mit der Tierärzteschaft gelingen kann“, sagt BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Quelle: BTK

* Gemeinsame Resolution von BTK, bpt, BbT und DVG

Bürokratiemonster behindert tierärztliche Tätigkeit
Die Tierärzteschaft bekennt sich klar zu One Health mit der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes auf das unerlässliche Mindestmaß. Hierfür wurde der Antibiotikaeinsatz in der Tiermedizin in den letzten 10 Jahren bereits um nahezu 65% reduziert.

Das BMEL plant national ein Antibiotikaminimierungskonzept, das weit über die EU-Vorgaben zur Meldung der Verwendungsmengen hinausgeht. Die Effizienz einer weiteren Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes steht in keinem Verhältnis zu einer dafür sinnlosen und extrem zeitaufwendigen Dokumentation. Dieses Bürokratiemonster wird zu einer weiteren Aufgabe Tierärztlicher Praxen führen und junge Kolleg:innen noch mehr abhalten, in die Praxis zu gehen.

Die tierärztliche Versorgung von Tierbeständen in der Fläche wird weiter verschlechtert, aber auch von Einzeltieren in den Städten zukünftig gefährdet! Wir fordern eine erhebliche Verringerung des administrativen Aufwands für Tierärzt:innen und keine Übernahme der jetzigen Meldeverpflichtung der Tierhalter:innen.

Berlin, den 15. September 2022

Influenza beim Schwein besser verstehen: Erreger, Erscheinungsbild und Bekämpfung

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Von Dr. Kathrin Lillie-Jaschniski, Corporate Technical Service Manager, Ceva Tiergesundheit

Das Auftreten verschiedener Subtypen des Schweineinfluenza-A-Virus (swIAV) verändert zunehmend das klinische Bild in den Beständen und führt immer wieder zu Krankheitswellen in unterschiedlichen Altersgruppen. Denn mittlerweile können viele unterschiedliche Influenza A Subtypen in den Beständen zeitgleich zirkulieren. Betriebe, in denen isolierte Krankheitsausbrüche akut auftreten und die nach Beendigung des Influenzaeinbruchs frei von Influenza sind, werden immer seltener gesehen. Viel häufiger sind inzwischen endemische Formen, die dadurch charakterisiert sind, dass die Viren sich in den Beständen halten und durch Zirkulation in verschiedenen Altersgruppen immer wieder wellenartig zu Erkrankungen führen. In derart betroffenen Betrieben zirkulieren die Viren in der Regel das ganze Jahr über.

Häufig führt eine Influenzainfektion nicht zu deutlich sichtbaren Krankheitszeichen. Allerdings wird das Krankheitsbild oft durch zusätzliche Faktoren wie Temperaturschwankungen oder die Beteiligung weitere Viren oder Bakterien verschlimmert. Hierzu zählen vor allem weitere Influenza-Subtypen (pandemische Influenzaviren), andere Viren (z.B. Porcine Reproductive and Respiratory Syndrome Virus (PRRSV) und/oder Porcine Circovirus Typ 2 (PCV2)) oder Bakterien (Streptococcus suis (Strep. suis), Actinobacillus pleuropneumoniae (APP), Mycoplasma hyopneumoniae (M.hyo) und/oder Glaesserella parasuis (GPS)). Die Rolle von Influenzaviren als „Wegbereiter“ wird in vielen Fällen oft unterschätzt. Ein Beispiel dafür ist die Interaktion zwischen Streptokokken und Influenzaviren. Hier wird durch eine vorgelagerte swIAV-Infektion nicht krankmachenden Streptokokken das Eindringen in die Lunge und im Nachgang in die Blutbahn ermöglicht, wodurch es zu schweren Streptokokken-Krankheitsverläufen in der Ferkelaufzucht kommen kann. Ähnlich kann es auch bei dem plötzlichen Auftreten von Glässerscher Krankheit (Erreger: GPS) in der Ferkelaufzucht gesehen werden. Daher sollte immer – bei Neuausbrüchen von bakteriellen Atemwegserregern in der Ferkelaufzucht – in den Herden auf zirkulierende Influenzaviren untersucht werden, da diese die Wegbereiter für die Bakterien gewesen sein können.

Hohes Fieber ist typisch
Klinisch relevante Anzeichen für akute Influenzaausbrüche sind hohes Fieber und schwere Atemwegssymptome, die in einigen Fällen mit einer akut erhöhten Verlustrate verbunden sein können. Die Lungenveränderungen, die in solchen Fällen in der Sektion gefunden werden, können mit denen durch Mykoplasma hyopneumoniae verwechselt werden.


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MSD Tiergesundheit präsentiert neue SenseHub® Generation auf der EuroTier 2022

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• Das Kuh-Monitoringsystem SenseHub® liefert in Echtzeit Informationen zu Fruchtbarkeit, Gesundheit und Fütterung von Einzeltieren und der gesamten Herde
• Die neue SenseHub®-Generation verbessert die Zusammenarbeit von Landwirten und Tierärzten und hilft Krankheiten frühzeitig zu erkennen
• Verbessertes Herdenmanagement und mehr Effizienz bei der täglichen Arbeit

Prävention in der Landwirtschaft durch innovative Technologie. Passend zur EuroTier 2022 in Hannover präsentiert MSD Tiergesundheit eine neue Generation des Monitoringsystems SenseHub® 6.0. Die integrierte Datenplattform liefert in Echtzeit Informationen zu Fruchtbarkeit, Gesundheit und Fütterung. Beispielsweise können brünstige Kühe und Tiere mit individuellen Bedürfnissen schnell und zuverlässig aufgespürt werden.

© MSD

„Mit der neuen SenseHub®-Generation bin ich noch besser in der Lage, Auffälligkeiten zu identifizieren, die Einfluss auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Produktivität meiner Herde haben. So kann ich mich voll auf die Tiere konzentrieren, die besondere Aufmerksamkeit benötigen.“ freut sich Fraederk Meppen, Landwirt aus Niedersachsen.

Ein weiterer Vorteil: die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Tierarzt. Dank der gewonnenen Daten und Einblicke, können fundiert und rechtzeitig Maßnahmen zur Verbesserung der Reproduktion, der Gesundheit, der Ernährung oder des Wohlbefindens der Tiere ergriffen werden. So können Krankheiten frühzeitig erkannt und dementsprechend behandelt werden.
„Wir als Tierärzte haben nun die Möglichkeit, mit mehr Gewissheit und Effizienz zu arbeiten. Die neueste SenseHub®-Generation unterstützt dieses Vorhaben, indem sie eine maßgeschneiderte Überwachung der Herde bietet. So kann ich auch den Behandlungserfolg viel besser kontrollieren“, so Dr. Stefan Mösenfechtel, Tierarzt in Rietberg.

Alle Monitoring-Funktionen von SenseHub® können an die individuellen Bedürfnisse der Betriebe angepasst und jederzeit, auch von unterwegs am Laptop, Tablet oder Handy verfolgt werden. Mit dem umfassenden Software-Update erweitert MSD Tiergesundheit den Funktions-umfang der erfolgreichen SenseHub®-Plattform erheblich.

© MSD

Die Funktionen der neuen SenseHub® Generation im Überblick:

Kernstück des Updates ist der Report Generator: Damit können Landwirte die Auswertungen zu den Daten ihrer Tiere individuell an ihren Betrieb anpassen. So lassen sich nicht nur Tiere identifizieren, die besonderer Aufmerksamkeit erfordern, sondern es können auch betriebliche Ressourcen gezielter eingesetzt und die betriebliche Effizienz verbessert werden. Das steigert Ertrag und die Lebensqualität der Landwirte.

Zusätzlich gibt SenseHub® Discover laufend individuelle Vorschläge und Tipps, wie die Abläufe auf dem Hof weiter optimiert werden können. Das neue Batterie-Warnsystem schützt vor unvorhergesehenen Ausfällen.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Tierärzte verabschieden Resolution Politische Ideologie untergräbt Tierarzneimittelgesetznovelle

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Im Rahmen des diesjährigen Fortbildungskongresses in Hannover hat die Delegiertenversammlung des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt) gestern einstimmig eine Resolution verabschiedet, mit der sie die Ampelregierung auffordert, den kurzfristig vorgelegten Änderungsantrag vom 15. November (Drucksache 20/3712) zum Entwurf für ein Gesetz zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes zurückzuziehen.

Grund dafür: Mit dem Änderungsantrag von SPD, Grünen und FDP wird Im Zuge der Beratungen um die Novelle des Tierarzneimittelgesetzes ein erneuter Vorstoß unternommen, den Einsatz von bestimmten Wirkstoffgruppen in der Tiermedizin nicht nur zu erschweren, sondern zu verbieten. Die klare und wiederholte Ablehnung eines Verbots des Einsatzes einzelner Wirkstoffgruppen durch das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und den Ministerrat haben aber gezeigt, dass ein pauschales Verbot von bestimmten Wirkstoffgruppen weder zielführend ist noch der Resistenzsituation gerecht wird. Im Sinne der 1:1 Umsetzung von EU-Recht sollte die deutsche Gesetzgebung nicht über europäisches Recht hinausgehen und deshalb im nationalen Tierarzneimittelgesetz kein Verbot vorsehen. Weder die aktuelle Resistenzsituation noch die aktuellen Zahlen zum Einsatz von Antibiotika in Deutschland rechtfertigen ein solches gesetzliches Vorgehen.

„Mit diesem Änderungsantrag wird der Tiergesundheit ein Bärendienst erwiesen, weil damit die Therapie kranker Tiere nicht nur erschwert, sondern unmöglich gemacht wird“, stellt bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder fest und zeigt sich fassungslos darüber, dass ein solcher Antrag kurz vor Verabschiedung des Gesetzes übernächste Woche im Bundestag jetzt im Eiltempo durchgedrückt werden soll, ohne auch nur die Ergebnisse der Sachverständigenanhörung von vor vier Wochen zu berücksichtigen. „Stattdessen sollten vielmehr die EU-Vorgaben zur Bestandsbetreuung umgesetzt werden, damit durch eine Verbesserung der Tiergesundheit auch der Antibiotikaeinsatz noch weiter sinken kann“, so Moder.

Doch damit nicht genug, im Änderungsantrag kommen noch weitere Verschärfungen hinzu, die gerade vor dem Hintergrund des dramatisch voranschreitenden Tierärztemangels, insbesondere in der Nutztierpraxis, nicht akzeptabel sind. So wird beispielsweise eine Überprüfung von Maßnahmenplänen durch andere Tierärzte gefordert, obwohl schon jetzt in einigen Bereichen nur noch wenige Tierärzte tätig sind, die die täglich anfallende Arbeit kaum mehr bewältigen können. Wie die praktische Umsetzung und Bezahlung erfolgen soll, ist ebenfalls nicht geklärt.

„Das ist ein Änderungsantrag, der auf Ideologie statt auf Vernunft basiert. Wir Tierärzte fordern deshalb die Regierungsfraktionen auf, den jetzt vorliegenden Änderungsantrag zum Tierarzneimittelgesetz zurückzuziehen“, unterstreicht Siegfried Moder die Resolution der Delegiertenversammlung.

Download von Resolution u. Änderungsantrag

Quelle: bpt

Tierseuchen haben Deutschland fest im Griff – 10. Riemser Diagnostiktage in Greifswald

Seit über einem Jahr grassiert das Geflügelpestvirus H5N1 in bisher nicht gekanntem Ausmaß, nicht nur in Deutschland und Europa, sondern nahezu weltweit. Neben dem Verlust von Millionen von Tieren in Geflügelhaltungen traf es neuerdings auch zahlreiche Wildvögel, die an den Küsten in Kolonien brüten. Zu einem Dauerbrenner entwickelt sich die Afrikanische Schweinepest in Deutschland. Zwar sind nach wie vor hauptsächlich Wildschweine in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen betroffen, Ausbrüche in Schweinehaltungen in Brandenburg sowie Niedersachsen und Baden-Württemberg zeigen aber, dass mit dieser Tierseuche jederzeit und überall zu rechnen ist. Was bedeutet dies für die Diagnostik, Bekämpfung und Prävention in der Veterinärmedizin und Tierseuchenbekämpfung? Welche Herausforderungen müssen jeden Tag gemeistert werden? Auf den 10. Riemser Diagnostiktagen am 24. und 25. November im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald tauschen sich über 200 Fachleute dazu aus. Ausrichter der Tagung sind das Institut für Virusdiagnostik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und die Fachgruppe „Arbeitskreis für veterinärmedizinische Infektionsdiagnostik (AVID)“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft.

Klassisches Thema der Riemser Diagnostiktage sind darüber hinaus neueste Nachweismethoden sowie Aktuelles aus der Forschung. Hierbei geht es auch um Zoonosen (zwischen Mensch und Tier übertragbare Infektionserreger) wie SARS-CoV-2, das West-Nil-Virus, die Affenpocken sowie Bornaviren. „One Health“ wird unter anderen in Vorträgen zur Tollwutbekämpfung bei Hunden in Namibia und zum Aufbau von Labordiagnostik in afrikanischen und asiatischen Ländern beleuchtet. Im Vorfeld des 10. Riemser Diagnostiktage findet bereits am 23. November der 4. Riemser Fischtag zu aktuellen Themen der Fischseuchendiagnostik als Hybridveranstaltung statt.

„Wenn es die Riemser Diagnostiktage nicht schon gäbe, dann müsste man sie spätestens jetzt ins Leben rufen. Denn bedeutende Tierseuchen und Zoonosen spielen weltweit, aber eben auch in Deutschland eine zunehmende Rolle und ihre Diagnostik ist die zentrale Komponente bei allen Bekämpfungsmaßnahmen“, so Tagungsleiter Martin Beer.

Die Programme des 4. Riemser Fischtags und der 10. Riemser Diagnostiktage stehen online zur Verfügung.

Hintergrund: Tierseuchendiagnostik in Deutschland und Riemser Diagnostiktage
Die für die Erstdiagnostik von anzeigepflichtigen Tierseuchen zuständigen Untersuchungslabore der Bundesländer arbeiten eng mit den entsprechenden nationalen Referenzlaboren des FLI zusammen. Über 75 solcher Referenzlabore für anzeigepflichtige Tierseuchen und meldepflichtige Tierkrankheiten arbeiten an den FLI-Standorten Insel Riems und Jena. Sie übernehmen die amtliche Bestätigung von Verdachtsfällen und stellen den Landeslaboren Referenzmethoden sowie -material zur Verfügung. Hinzu kommt die Qualitätssicherung der Diagnostik, die insbesondere durch Laborvergleichsuntersuchungen der Referenzlabore gewährleistet wird.

Die Riemser Diagnostiktage bringen seit 2003 ihre Teilnehmer auf den neuesten Stand in der Tierseuchendiagnostik und haben sich als Plattform für den fachlichen Austausch etabliert.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

DLG-Agrifuture Concept Winner 2022: Die Gewinner des Zukunftspreises Tierhaltung stehen fest

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Konzepte für die Tierhaltung und dezentrale Energieproduktion mit Relevanz und Potenzial zur Verbesserung der guten fachlichen Praxis – Experten-Jury aus DLG-Fachgremien, der Wissenschaft und internationalen Vertretern ermitteln die Sieger des Wettbewerbes – Offizielle Preisverleihung am 17. November 2022 auf der EuroTier und EnergyDecentral

Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hat jetzt die drei Preisträger des Wettbewerbs „DLG-Agrifuture Concept Winner“ bekanntgegeben. Mit dem Preis werden erstmals Pionierarbeiten und Zukunftsvisionen für eine nachhaltige Tierhaltung sowie dezentrale Energieproduktion gekürt. Ausgezeichnet werden die Wilhelm Kristen GmbH für ihr Konzept „Modularer Zukunftsstall“, die Lely Deutschland GmbH für „Lely Exos“ (Konzept für das vollständig autonome Ernten und Füttern von frischem Gras) und die Big Dutchman International GmbH (Miteinreicher: Bröring GmbH & Co. KG) für „Havito – Birth to Finish“, eine strukturierte Bucht zum Abferkeln und zur Aufzucht und Mast, in der die Ferkel ohne Umsetzen verbleiben. Die offizielle Preisverleihung findet am 17. November um 11 Uhr am DLG-Stand (Halle 26, Stand B33) auf der EuroTier und EnergyDecentral in Hannover statt.

Der „DLG-Agrifuture Concept Winner“ für Pionierarbeiten und Zukunftsvisionen für eine nachhaltige Tierhaltung sowie dezentrale Energieproduktion wird erstmalig auf der EuroTier und EnergyDecentral vergeben. Die DLG unterstreicht damit ihren Anspruch, auf ihren internationalen Leitmessen nicht nur marktverfügbare Produkte, sondern auch wegweisende Impulse für die Zukunft der weltweiten Nutztierhaltung sowie dezentralen Energieversorgung vorstellen zu wollen. Die neue Auszeichnung konzentriert sich auf die zukunftsfähigen Konzepte und Technologien der kommenden Jahren und nimmt die realistischen Umsetzungschancen in den Blick.

DLG-Agrifuture Concept Winner 2022 im Porträt:

Modularer Zukunftsstall
Wilhelm Kristen GmbH
Halle 12, Stand C41

Herkömmliche Milchviehställe gehen mit hohen Investitionen in Baumaterialien einher. Hintergrund ist oft die individuelle Planung, die in der Regel „Top down“ vom Stallgebäude aus erfolgt, in das dann weitere Elemente wie die Belüftung, Stalleinrichtung, Melktechnik usw. eingepasst werden. Im Konzept des modularen Zukunftsstalls der Wilhelm Kristen GmbH wird der Stallbau „Bottom up“ gedacht, wobei ausgehend von den Bedürfnissen der Tiere, Mitarbeiter und Betriebsleiter Wert auf ein Maximum an Kuhkomfort und Arbeitseffizienz, ein einfaches und natürliches Belüftungssystem sowie eine möglichst einfache Unterkonstruktion gelegt wird.

Das modular aufgebaute Stallkonzept ist auf Robotermelken ausgerichtet. Die Fütterung erfolgt wahlweise über einen Futtermischwagen oder eine Troglösung mit Zuführband. Für die Entmistung stehen eine Schieber- oder Roboterlösung zur Verfügung. Bauseits dienen Teile der Stalleinrichtung, wie die Liegeboxen- und Fressplatzteiler, auch als Unterkonstruktion für den Dachaufbau. Da aufgrund dieser Bauweise nur wenige Fundamente benötigt werden, reduzieren sich die Betonarbeiten deutlich. Dies führt zu geringeren Baukosten und einer kürzeren Bauzeit, gleichzeitig steigen Transparenz und Übersicht im Gebäude. Die nötige Querlüftung im Gebäude wird über einen Giebel mit Kamin sowie die Möglichkeit sichergestellt, beide Seitenwände bis zu einer Höhe von 2,50 m öffnen zu können. Bei der Dacheindeckung stehen alle marktüblichen Optionen zur Verfügung, bis hin zu einer Dachbegrünung oder dem Aufbau einer Photovoltaikanlage. Mit dem modularen Stallsystem können die Baukosten im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen um etwa 20 bis 25 % gesenkt werden. Gleichzeitig erhöht das System mit seiner Fokussierung auf die Bedürfnisse der Kühe und einem bereits bauseits optimierten Workflow bei den täglichen Stallarbeiten die Arbeitseffizienz. Es hilft so, den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs nach einer Investition dieser Größenordnung zu sichern und zu verbessern.

Lely Exos
Lely Deutschland GmbH
Halle 13, Stand B44

Die Grünfutterernte ist einer der wichtigsten Arbeitsschritte in der Milchviehhaltung. Ein in der Regel auf eigenen Flächen erzeugtes, hochwertiges Grundfutter bestimmt wesentlich den Wert der Futterrationen. Es stellt die Grundlage einer wirtschaftlichen Milcherzeugung dar und ist für die Tiergesundheit essenziell. Mit Lely Exos stellt die Lely Deutschland GmbH ein Konzept für das vollständig autonome Ernten und Füttern von frischem Gras vor. Die Grünfütterung über die Vegetationsperiode hat dabei einige Vorteile. So entfällt beispielsweise der Energieverlust durch den Siliervorgang ebenso wie derjenige Teil der Erntekosten, der dadurch entsteht, dass für eine erfolgreiche Silierung auch in wetterbedingt engen Zeitfenstern eine hohe Schlagkraft beim Mähen, Zetten, Schwaden und Häckseln erreicht werden muss. Der vollelektrische Lely Exos stellt die Grünfutter-Tagesration für die gesamte Herde autonom bereit. Der Roboter erkennt Hindernisse und navigiert nahtlos im Innen- und Außenbereich. Außerdem besteht die Möglichkeit, bereits während der Ernte Dünger auszubringen. Dadurch und weil das Mähen zum richtigen Zeitpunkt erfolgt, wird ein schnelles Nachwachsen des Grünlands gefördert und durch das im Verhältnis geringe Maschinengewicht der Boden geschont.

Auf diese Weise kann der Betrieb optimal von der Nutzung der gesamten Vegetationsperiode profitieren, mehr Milch aus selbst erzeugtem Futter produzieren und so Arbeit, Maschinen und den Zukauf von Futtermitteln reduzieren.

Havito – Birth to Finish
Big Dutchman International GmbH
Bröring GmbH & Co. KG
Halle 17, Stand B22

Heutige Stallanlagen in der Schweinehaltung basieren auf der Entwicklung hin zu mehr Effizienz und Arbeitsproduktivität mittels einer Steigerung der biologischen Leistungen. In der Zukunft werden Tierwohlaspekte einen deutlich größeren Raum einnehmen. Das bedeutet, dass Prozesse und Konzepte ohne Rückschritte beispielsweise in der Effizienz oder beim Unfallschutz der Mitarbeiter neu definiert oder in Richtung Tierwohl angepasst werden müssen. Im Konzept Havito – Birth to Finish der Big Dutchman International GmbH und Bröring GmbH & Co. KG wird nun erstmals eine strukturierte Bucht vorgestellt, in der die Sau zunächst abferkeln kann und anschließend die Ferkel für die gesamte Aufzucht- und Mastzeit ohne Umsetzen verbleiben. Das System basiert auf dem 2018 für den Einsatz in der Aufzucht und Mast eingeführten Konzept der PigT-Schweinetoilette, das nun auch auf die Sauen ausgeweitet wurde. Durch die geschlossene Oberfläche der gesamten Bucht und die kontinuierliche Trennung von Urin und Kot kann die ganze Bucht mit organischem Material eingestreut werden und die Schweine selbst strukturieren diese in einen Liegebereich, einen Beschäftigungsbereich und einen Kotbereich. Unterstützt wird die Strukturierung durch eine Mikroklimalösung und optional durch Heiz- und Kühlmöglichkeiten im Boden.

Das Konzept ist auf einen 21-Wochen-Zyklus von der Geburt, über eine 5- bis 6-wöchige Säugezeit sowie eine 15-wöchige Aufzucht-/Mastphase bis zur Schlachtung ausgelegt. Die in der Bucht geborenen Ferkel verbleiben hier ihr ganzes Leben lang, wobei das Konzept auch den steigenden Platzbedarf der wachsenden Tiere berücksichtigt. Auch die Sau wird immer in der gleichen Bucht abferkeln. Die Ferkel lernen von ihrer Mutter, wie sie Futter finden und der Fressplatz bleibt ein Leben lang gleich. Elemente, die für die Geburt der Ferkel im freien Abferkelbuchtbereich benötigt werden, können während der Aufzucht hochgeklappt werden.

Die immer stärkere Implementierung von Tierwohlaspekten ist weltweit einer der größten Treiber für eine Strukturveränderung in der Tierhaltung, die sich aufgrund der historischen Entwicklung insbesondere auf Anlagen für Schweine auswirken wird. Das Havito Birth-to-Finish-Haltungskonzept ist eine interessante und smarte Antwort auf die zukünftigen Herausforderungen.

Alle Preisträger sowie die Shortlist für den „DLG-Agrifuture Concept Winner

Studie: Hanf als Tierfutter kann Gesundheit von Kühen beeinträchtigen

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Psychoaktiver Inhaltsstoff Δ9-Tetrahydrocannabinol tritt in die Milch über

Aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten erfährt Nutzhanf derzeit eine regelrechte Renaissance. Nutzhanf-Sorten enthalten nur geringe Mengen an psychoaktiven (berauschenden) Cannabinoiden, zu denen vor allem das Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC) gehört. Ein Forscherteam unter Leitung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) untersuchte nun, welche Folgen das Verfüttern von Nutzhanf-Silage an Milchkühe haben kann. Silage ist durch Vergären haltbar gemachtes Futter. Ergebnis der im Fachblatt „Nature Food“ veröffentlichten Studie: War eine vergleichsweise hohe Konzentration an Cannabinoiden in der Nutzhanf-Silage enthalten, kam es bei den Tieren zu Verhaltensänderungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. So verlangsamten sich Atmung und Herzschlag. Die Kühe wurden schläfrig, bewegungsunsicher, fraßen weniger und gaben weniger Milch. „Unsere Untersuchung zeigt außerdem, dass selbst ein geringer Zusatz an Nutzhanf-Silage zur Tagesration für Milchkühe dazu führt, dass Cannabinoide, darunter auch das Δ9-THC, in der Milch nachgewiesen werden können“, sagt BfR-Futtermittelexperte Dr. Robert Pieper, einer der Studienautoren. „Die Beeinträchtigungen der Tiergesundheit sind offenbar durch die Cannabinoid-Konzentration in der Silage bedingt, die ihrerseits von vielen Faktoren abhängt.“

Die Anfänge der Studie liegen schon mehr als zehn Jahre zurück. Damals hatte es Hinweise in der EU gegeben, dass in verfüttertem Nutzhanf enthaltene Cannabinoide in die Kuhmilch übergehen können, belastbare Daten dazu lagen jedoch nicht vor. Um die Wissenslücken zu schließen, begann das BfR bereits 2016 mit entsprechenden Untersuchungen. Die nun veröffentlichte Studie erfolgte an zehn Milchkühen. Gemessen wurde der Cannabinoid-Gehalt in Milch, Blutplasma und Kot. Außerdem wurden die Körperfunktionen wie Puls und Atmung überprüft und das Verhalten der Tiere beobachtet.

Zunächst erhielten die Kühe in der Tagesration bis zu 920 Gramm Nutzhanf-Silage aus ganzen Pflanzen mit sehr niedriger Cannabinoid-Konzentration. Das hatte keine messbaren gesundheitlichen Folgen. Dann bekamen die Tiere zwischen 840 und 1680 Gramm cannabinoidreichere Nutzhanf-Silage, die aus Blättern, Blüten und Samen hergestellt worden war. Der Gehalt an psychoaktivem Δ9-THC in dieser Silage lag mit ca. 0.12 % noch immer unter dem zulässigen Höchstgehalt für Nutzhanf von 0.2 %. Daraufhin änderte sich das Verhalten der Tiere deutlich. Vom zweiten Tag an fraßen die Kühe weniger und gaben zudem weniger Milch. Die Atemfrequenz und die Herzschlagrate nahmen ab. Zudem kam es zu verstärktem Speicheln, Zungenspiel und einer Rötung der Nickhaut im Auge.

Kurz nach Beginn der Fütterung mit dem Nutzhanf waren gesundheitlich bedeutsame Mengen an Δ9-THC und anderen Cannabinoiden in der Milch nachweisbar. Bei Verzehr von Milch und Milchprodukten mit einem Δ9-THC-Gehalt in dieser Größenordnung kann beim Menschen die akute Referenzdosis (ARfD) von 0,001 Milligramm THC pro Kilogramm Körpergewicht deutlich überschritten werden. Besonders ausgeprägt wäre die Überschreitung bei Kindern. Die ARfD gibt die geschätzte maximale Aufnahmemenge an THC an, die im Verlauf eines Tages ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufgenommen werden kann.

Die wissenschaftliche Studie war zur Untersuchung der Frage angelegt, in welchem Umfang es bei Verfütterung von Nutzhanf grundsätzlich zu einem Übergang in die Kuhmilch kommen kann. Ein hoher Δ9-THC-Gehalt in Kuhmilch ist in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht zu erwarten.

Quelle: BfR

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2022 steht zum kostenfreien Abruf bereit

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Magazin im PDF-Format mit Tagungsberichten Bioland- Schweinefachtagung, DAF-Tagung zur Welternährung und TiHo-Tierschutztagung

Themenübersicht:
• Rindergrippe: Mehr Augenmerk auf die Kälber
• Neue Tierschutz-Transportverordnung für Kälber #TiHo-Tierschutztagung 2022
• Tupferproben kontrollieren Zwischendesinfektion
• Integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung hilft Milchviehbetrieben
• Influenza beim Schwein besser verstehen: Erreger, Erscheinungsbild und Bekämpfung
• Biosicherheit in der Schweinehaltung #Bioland-Schweinefachtagung 2022
• Frisches Mischen von Impfstoffen noch einfacher: TwistPak® für mehr Komfort und Zeitersparnis im Betrieb
• Bedeutung der Nutztiere für nachhaltige Nahrungsmittelproduktion #DAF-Tagung 2022
• Verbessern Probiotika die Eischalenqualität im fortgeschrittenen Legezyklus?
• Transport und Einstallung von Eintagsküken für die Mast #TiHo-Tierschutztagung 2022
• Honigbienen stechen in größeren Gruppen seltener

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt einfach hier registrieren, 1 x Bestätigung klicken und gleich kostenfrei downloaden!

FH-Projekt iCurS soll Stallklima für Tiere verbessern

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Im Forschungsprojekt iCurS vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der FH Bielefeld soll mittels intelligenter Licht- und Lüftungsanlagen das Stallklima für Tiere optimiert werden. Neben der FH sind auch ATS Elektronik GmbH, das Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse und DeLaval International AB am Projekt beteiligt.

Zunächst wirken die Ställe des Versuchs- und Bildungszentrums Landwirtschaft (VBZL) Haus Düsse wie andere Viehbetriebe in der Region. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich: Die Ställe der etwa 130 Kühe werden genutzt, um die angehenden Landwirte auszubilden und um fortschrittliche Technik praxisnah zu testen. Sprinkleranlagen, die nur dort Wasser abgeben, wo sich Kühe aufhalten, eine Kuh-Toilette aus den Niederlanden, eine multivariable Leuchte in orange und blau: Hier wird ausgebildet und praxisnah getestet, denn Haus Düsse ist Partner im Forschungsprojekt „iCurS“. Gemeinsam mit dem Institut ITES der Fachhochschule (FH) Bielefeld, ATS Elektronik GmbH und DeLaval International AB wird hier an einem intelligenten Licht- und Lüftungssystem gearbeitet. Ziel des Projekts ist, ein bedarfsorientiertes Stallklima für Mensch und Tier zu schaffen.

Fokus des Projekts iCurS: das Wohl der Tiere
„Das Besondere an iCurS: Der Fokus liegt ganz klar auf dem Wohl der Tiere. „Wir wollen ein besseres Stallklima schaffen, damit es den Tieren so gut wie möglich geht. Die Milchleistung der Tiere spielt dabei keine Rolle“, betont der stellvertretende Projektleiter Michael Bentler vom Forschungsinstitut ITES der FH Bielefeld. Damit kommt das Projekt auch einem gesellschaftlichen Wandel nach, der deutlich zu erkennen ist: Immer mehr Menschen achten beim Kauf von Milch- und Fleischprodukten auf eine artgerechte Haltung der Tiere, viele ernähren sich mittlerweile vegetarisch oder vegan.

Erster Schritt: Welche Daten sind relevant für ein gesundes Stallklima?
„Die Idee des Forschungsprojektes entstand im Laufe des vorherigen Projekts I_LED_Milchvieh‘“, weiß der wissenschaftliche Mitarbeiter Christoph Döpke. Dabei ging es um eine tiergerechte Beleuchtung in Milchviehställen. Dieser Ansatz wurde im Projekt iCurS aufgegriffen und weiterentwickelt. Zu Beginn des Projekts stand somit die Frage, welche Daten im Milchviehstall relevant sind für ein gesundes Stallklima. Es galt, diese Daten zunächst zu erfassen und in einem zweiten Schritt darauf zu reagieren.

Bisheriges Problem: Die unterschiedlichen Systeme sind nicht miteinander verknüpft
Aber welche Daten sind das genau? Neben Schadgaswerten wie Ammoniak oder Methan soll das intelligente Licht- und Lüftungssystem auch die Temperatur im Stall regulieren und Lichtanlagen steuern, indem die entsprechenden Sensoren die Umgebungsparameter aufnehmen. So kann das Stallklima vom Landwirt gesteuert werden. Bentler erklärt: „Mittlerweile gibt es viele technische Anlagen in Milchviehställen, wie zum Beispiel Kühlsysteme oder Melkroboter. Das Problem ist jedoch häufig, dass die unterschiedlichen Systeme nicht miteinander kommunizieren. Wir wollen eine intelligente Systemeinheit schaffen, die auf verschiedene Situationen im Stall reagieren kann.“ So können mithilfe des entwickelten Systems beispielsweise Ventilatoren eingeschaltet werden, wenn ein Schadgaswert wie Ammoniak zu hoch ist, um die Gase aus dem Stall zu schaffen.

Gebündelt und übersichtlich: App soll Steuerung des Systems ermöglichen
Der Clou: Das Ganze soll perspektivisch mittels einer App funktionieren, die dem oder der Landwirtin die Umgebungsparameter aufzeigt. Mithilfe der App können dann auch die Ventilatoren, Sprinkler- und Sprühnebelanlagen zur Kühlung der Tiere im Sommer und die Gewebeplanen an den Traufseiten der Ställe, die sogenannten Curtains, gesteuert werden. Diese dienen zur Seitenlüftung und können, je nach Bedarf, ganz oder nur teilweise geöffnet werden, um die Temperatur im Stall zu senken.

Klassische Konditionierung: FH ist für Lichttechnik verantwortlich
Neben den klimatischen Bedingungen ist auch die Lichtsteuerung Teil des Projekts. Dafür verantwortlich sind Michael Bentler und Christoph Döpke, deren Expertise in der Lichttechnik und Mechatronik liegt. Derzeit läuft ein Versuch zur Konditionierung von Kälbern: Mittels einer multivariablen Leuchte, die sowohl blau als auch orange leuchten kann, sollen die Tiere zu einem Gang zum Futtertrog aufgefordert werden. Durch die wiederholte Verknüpfung von Licht und Futtergabe sollen die Tiere lernen, auf das Licht in der entsprechenden Farbe zu reagieren. Später könnte der Landwirt die Kühe so beispielsweise in zwei Gruppen aufteilen, wenn sie von der Weide geholt werden.

Motivation des FH-Teams: Bezug zu Tieren und Verbindung von Theorie und Praxis
Die beiden FH-Forscher haben neben ihrem fachlichen Interesse auch ein ganz persönliches für das Projekt. „Ich bin ländlich aufgewachsen und hatte dadurch immer einen starken Bezug zu Tieren“, erklärt Bentler. „Im Studium habe ich mich dann vor allem für Lichttechnik interessiert und hier meinen Schwerpunkt gelegt. Das Projekt verknüpft nun beide Interessen miteinander. Auch für die Lehre ist das Projekt sehr wertvoll – zum Beispiel konnte ein Student im Rahmen seiner Bachelorarbeit eine spezielle Leuchte für iCurS entwickeln, die multifunktional einsetzbar ist.“ Auch Döpke lobt den Ansatz des Projekts: „Mich motiviert vor allem, dass das Forschungsprojekt dazu beiträgt, das Wohl der Tiere zu verbessern. Außerdem können wir im Projekt Theorie und Praxis miteinander verbinden.“

Aktuell befindet sich das Projektteam in den letzten Zügen der Entwicklungsphase. Viele Prototypen wie die Bluetooth-Boxen, die intelligente Leuchte, die Ventilatoren und die Curtain-Steuerung sind auf Haus Düsse bereits im Einsatz. Der nächste Schritt: Die Verknüpfung der einzelnen Systeme und die Zusammenführung in der App.

Quelle: Fachhochschule Bielefeld

Tierfreundlich und schonend: Agroscope-Kapsel sammelt das Darm-Mikrobiom

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Forscher von Agroscope haben eine Kapsel entwickelt, die am lebenden Schwein unmerklich eine Darmprobe entnehmen kann. Diese tierfreundliche Erfindung ist für die Mikrobiomforschung revolutionär, teilt die Agroscope Schweizerische Eidgenossenschaft mit.

Im Darm leben Billionen von Bakterien und Mikroorganismen, beim Schwein wie bei uns Menschen auch. Gemeinsam bilden sie die Darmflora, die auch Mikrobiom genannt wird. Das Mikrobiom ist zentral für die Verdauung, aber auch für die Krankheitsabwehr. Auch beim Schwein heißt es: «Gesunder Darm, gesundes Schwein». Die Umwelt, die Genetik und die Fütterung – alles zusammen beeinflusst das Mikrobiom des Schweins. Eine ausgewogene Fütterung begünstigt eine stabile Darmflora. Medikamente und Krankheitserreger hingegen können das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen.

Darm-Mikrobiom wird fassbar
Um die Darmgesundheit zu fördern, müssen Forscher das Darmmikrobiom analysieren können. Bisher war dies nur mit Kotproben möglich, Aber das Mikrobiom im Darm ist nicht dasselbe Mikrobiom wie im Kot. Daher suchten sie nach Wegen, um eine Probe direkt aus dem Darm zu entnehmen.

Die neu entwickelte Kapsel wird dem Tier wie ein übliches Medikament in Pillenform verabreicht. Im Dünndarm angekommen, öffnet sie sich für weniger als zehn Sekunden und lässt den Darminhalt Einfließen. Danach wandert sie durch den Darm, wird mit dem Kot ausgeschieden und der Kapselinhalt ist bereit zur Analyse.

Im Agroscope Versuchsbetrieb in freiburgischen Posieux wurde die Kapsel an mehr als 100 Schweinen im Alter von ein bis sechs Monaten verabreicht. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Kapselprobe dem Inhalt des Dünndarms entsprach. Damit ist klar: Die Kapsel ermöglicht eine tierfreundliche nichtinvasive Untersuchung des Darminhalts.

Darmgesundheit fördern
Diese Erfindung ist für die Mikrobiomforschung revolutionär. Damit lässt sich der Darm von gesunden und kranken Schweinen vergleichen. Der Einfluss von Fütterungsmaßnahmen auf das Darmmikrobiom kann damit präzis analysiert werden. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten, um die Verdauungsprozesse im Darm zu verstehen. Die Forscher können Maßnahmen prüfen, die Verdauungsstörungen verhindern und so das Wohlbefinden der Schweine gezielt verbessern.

Damit ist die Forschung einen entscheidenden Schritt weiter. Das Ziel ist näher gerückt, dank der Fütterung Schweine mit einer geeigneten Darmflora aufzuziehen. Diese gesunden Tiere sind widerstandsfähiger und brauchen weniger tiermedizinische Unterstützung. Dieses Projekt wurde finanziell unterstützt durch das EU Forschungsprogramm Horizon 2020.

Dieses Video veranschaulicht den Vorgang.

Quelle: Agroscope Schweizerische Eidgenossenschaft, www.agroscope.ch

„Kälberverlusten vorbeugen – präventive Maßnahmen“ – #Bioland Fleischrindertagung 2022

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„Warum verlassen Kühe die auf Weiden gehalten werden die Herde und gebären ihre Kälber abseits der Gruppe?“, fragte Dr. Matthias Link und gab gleich die Antwort: „Um sie vor den Krankheitserregern der älteren Tiere zu schützen“, bis das Kolostrum seine Wirkung entfaltet hat. Und wie zahlreich Bakterien und Viren sind, die auf ein Kalb „warten“, führte der Rinderspezialist aus Varrel in seinem Vortrag anlässlich der „Bioland und Biokreis Fleischrinder- und Mutterkuhtagung 2022“ eindrucksvoll aus.

Dr. Matthias Link

Durchfall
In den allerersten Lebenstagen droht Kälbern Durchfall, sowohl ernährungsbedingte als auch durch Parasiten und Infektionen hervorgerufene Varianten. Ernährungsbedingter Durchfall kann z. B. seine Ursache in unerkanntem Milchmangel haben oder auch in einer Überversorgung mit Milch, wenn Kälber von hochleistenden Kühen zu viel auf einmal saugen und der Labmagen überläuft. Zu niedrige Temperatur der Milch macht (vor allem Tränkekälber) krank, wie auch die Konzentration (Wasserzusatz). Später kann auch die Weidequalität – junge Neuaussaat oder kleegrasreiche Weide – zum Problem werden.

Parasiten drohen schon nach wenigen Tagen: ab dem 3. bis 5. Lebenstag Cryptosporidien, Kokzidien in der 3. bis 8. Lebenswoche, die beide zu starkem Durchfall und schnellem Verfall führen können. Im 2. Lebensmonat sind es dann Würmer die Durchfall, Fressunlust und Abmagerung verursachen können.

Schließlich gibt es infektiöse Durchfälle, aus gelöst von E. coli (1. bis 4. Lebenstag,), Rota/Corona-Viren (4. bis 6. Lebenstag), Clostridien (2. Lebenswoche und älter) die alle zu schnellem Verfall des Kalbs führen können. Salmonellen schließlich greifen ab der 2. Lebenswoche an und verursachen oft blutige und schwere Verläufe.

Nach einer Kotprobenuntersuchung stehen folgende Maßnahmen zur Behandlung zur Verfügung:

* Tränkeplan/Flüssigkeitsersatz – 3 x Milch- und 2 x Elektrolytmahlzeit
* Tränkezusätze (Huminsäure, Tonerde, EM)
* Infusionstherapie
* Mutterblutübertragung
* Wärmezufuhr
* Antibiose
* Entwurmung, Kokzidiostatika

In einer Mutterkuhhaltung ist die Behandlung oft schwierig, da Mutterkälber häufig die zusätzliche Tränke ablehnen. Hier sind dann eher Infusionen Mittel der Wahl. Auf jeden Fall jedoch ist schnelles Handeln gefordert.

Lungenerkrankungen
Lungenkrankheiten treten bei Kälbern häufig als Gruppenerkrankung auf. Zu den Ursachen zählen: Viren (BRSV, Influenza, IBR, BVD), Bakterien (Pasteurellen, Mannheimien u. a.) sowie Lungenwürmer.

Husten, Fieber, Appetitlosigkeit und Schwäche sind die üblichen Symptome; Nasentupfer- und Kotprobe Diagnosemittel der Wahl. Bei der Behandlung stehen Kreislaufstärkung und Wärmezufuhr an erster Stelle, Antibiose, Notimpfung, Entwurmung folgen.

Nabel- und Gelenksentzündungen
Schutzinfektionen und offene Wunden sind Ursachen bei Entzündungen von Nabel und Gelenken (wobei über den Blutstrom Erreger vom Nabel auch in die Gelenke gelangen können). Trocknet der Nabel nicht schnell genug ab oder wird er vom Muttertier zu stark beleckt, ist eine Infektion oft die Folge. Nach Geburtshilfe – so der erfahrene Tierarzt – sollte man das kalb mit dem Rücken zur Mutter legen, damit sie nur diesen beleckt.

Symptomatisch sind Fieber, ein harter, geschwollener und schmerzempfindlicher Nabel. Schmerzhafte, geschwollene und heiße Gelenke. Zur Behandlung gehören Bewegungseinschränkung, Einreibungen, Antibiose und Schmerzlinderung.

Vorsorge
Die Gesundheitsvorsorge fürs Kalb beginnt bei der Mutter. Sie sollte weder zu fett noch zu mager sein und optimal mit Energie und Eiweiß versorgt. Minerale und Spurenelement (P, Na, Se, Cu, Zn) gehören ebenso dazu wie Vitamin E und Carotin. Auf der Weide fehlen Spurenelemente. Deswegen wandern Wildrinder nicht nur viel, sondern gerne auch mal in den Wald, um dort Laub zu fressen. Infektionen sollte das werdende Muttertier natürlich nicht haben und auch parasitenfrei sein.

Abkalbe-Hygiene ist auch bei Weidehaltung ein sensibles Thema. Die Kühe sollten nicht allzu verschmutzt sein und stressfrei gebären können.

In den ersten 2-6 Lebensstunden sollte jedes Kalb 2-4 Liter Kolostrum aufnehmen. Am besten von der der gesunden Mutter oder aus der Kolostrum-Reserve. Sollte überhaupt keine Kuh aus einer Mutterkuhherde melkbar sein, tut es zur Not auch Biestmilch vom nachbarlichen Milchviehbetrieb.

Bei der Weidehygiene spielen Besatzdichte, Weidepflege und Wechselweide mit Zwischennutzung die Hauptrollen. Im Stall die Einstreupflege, stabile Gruppen und ein Kälberschlupf, sowie Luftqualität, geringe Temperaturschwankungen und Vermeidung von Zugluft.

Impfungen
Die Impfprophylaxe erstreckt sich auf Mutterschutzimpfung gegen Durchfall und Schluckimpfung der neugeborenen Kälber. Gegen Rindergrippe empfiehlt sich eine Kombinationsimpfung – vor allem wenn Kälber gehandelt werden sollen. Mittelfristig sollten auch in der Mutterkuhhaltung Impfungen zum Standard werden, empfiehlt Dr. Matthias Link – auch im Dienst der Antibiotika-Minimierung.

Seit 2003 stoßen Nutztiere in Deutschland weniger Methan aus als im Jahr 1892

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Die Kühe und das Klima – historische Daten offenbaren Überraschendes

Zwei Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) haben den Methanausstoß von landwirtschaftlichen Nutztieren am Ende des 19. Jahrhunderts mit heutigen Werten verglichen. Das Ergebnis überraschte: Seit 2003 sind die Methanemissionen geringer als 1892. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Science of The Total Environment“ veröffentlicht.

Methan ist als Treibhausgas für die Erderwärmung mitverantwortlich. Ein Großteil der Emissionen entstehen durch den Menschen, dabei entfällt ein erheblicher Anteil auf die Landwirtschaft und besonders die Nutztierhaltung. Deutschland verfolgt in seinem Klimaschutzgesetz das Ziel, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Dafür müssen die Emissionen aller Bereiche bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Die Methanemissionen, die im Zuge der Verdauung durch Nutztiere entstehen, müssten bis 2030 demnach auf 853.000 Tonnen (2020: 927.000 Tonnen) gesenkt werden.

Methanemissionen von Nutztieren gestern und heute
Während wir heute die aktuellen Methanemissionen von Nutztieren recht genau kennen, wissen wir relativ wenig über Situation im 19. Jahrhundert, wo der Beginn der Erderwärmung bereits nachweisbar ist. Das haben Dr. Björn Kuhla und Dr. Gunther Viereck vom FBN zum Anlass genommen, zu schauen, ob es möglich ist, eine datenbasierte Aussage über die Methanemissionen von Nutztieren im Deutschen Kaiserreich zu treffen und sie mit heutigen Werten vergleichbar zu machen.

„Wir haben die Daten der deutschlandweiten Viehzählungen der Jahre 1872, 1883 und 1892 ausgewertet. Aus den Körpergewichten konnten wir die Futteraufnahme berechnen. In anderen Quellen fanden wir Angaben zur Fütterung und zur Fleisch- und Milchproduktion im 19. Jahrhundert. Mit diesen Informationen war die Berechnung des Methanausstoßes mit Hilfe von standardisierten Schätzgleichungen möglich. Dabei wurden auch die territorialen Veränderungen seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 berücksichtigt“, erläuterte Kuhla. „Dabei haben wir erstaunt festgestellt, dass die Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren in Deutschland seit dem Jahre 2003 geringer sind als im Jahr 1892. Unsere Studie zeigt, dass die von der Bundesregierung angestrebten Klimaziele im Nutztierbereich in greifbarer Nähe sind.“

Die jährlichen Methanemissionen aus der Viehhaltung betrugen 1883 898.000 Tonnen und 1892 ganze 1.060.000 Tonnen. Das Emissionsziel von 853.000 Tonnen für 2030 liegt damit 207.000 Tonnen unter dem Emissionsniveau von 1892. Seit 2003 stoßen die Viehbestände in Deutschland im Vergleich zu 1892 sogar weniger Methan aus als 1892. Von 1990 bis 2021 gingen die Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren um 390.000 Tonnen auf 930.000 Tonnen zurück.

Einen Grund dafür sehen die beiden Forscher in der starken Abnahme der Tierzahlen bei Rindern, Schafen und Ziegen. Obwohl die Bevölkerung auf dem heutigen Gebiet Deutschlands mit damals ca. 34 Millionen Menschen in den letzten 130 Jahren auf 84 Millionen deutlich gewachsen ist, konnte ihre Versorgung dank der höheren Leistung der Tiere und einer hohen Effizienz in der Tierhaltung mit einer geringeren Anzahl an Tieren gewährleistet werden, was mit einem Rückgang der Methanemissionen einherging.

So wurden im Jahr 1892 insgesamt 12,45 Millionen „Kühe und sonstige Rinder“, 8,93 Millionen Schafe, 2,53 Millionen Ziegen und 2,33 Millionen Pferde statistisch erfasst. In Deutschland werden derzeit 11 Millionen Rinder, 1,5 Millionen Schafe, 140.000 Ziegen und 1,3 Millionen Pferde gehalten (Quelle: bmel-statistik.de und AWA-Analyse).

Wie können die Emissionsziele in Deutschland erreicht werden?
Lösungsansätze für eine weitere erfolgreiche Senkung der Methanemissionen sehen die Forschenden am FBN vor allem in der Schweinehaltung. Zwar produzieren Schweine relativ wenig Methan, andererseits wird jedes fünfte Schwein in Deutschland nicht für die Ernährung der Bevölkerung gebraucht. Eine Reduzierung der Bestände um 20 Prozent würde 5.000 Tonnen Methan pro Jahr sparen. Hinzu kämen Einsparungen von mehreren tausend Tonnen Kohlendioxid – ebenfalls ein schädliches Treibhausgas – im Zusammenhang mit dem Import von Sojafutter. Da Soja auch für die menschliche Ernährung geeignet ist, würde ein verringerter Einsatz als Futtermittel die Konkurrenz zwischen Trog und Teller verkleinern.

Auch bei den Rindern gibt es Möglichkeiten, die Methanemissionen zu verringern. Der Selbstversorgungsgrad mit Milch beträgt in Deutschland 112 Prozent. Eine Reduzierung der Bestände würde weder die Ernährungssicherheit gefährden noch Ernährungsgewohnheiten in Frage stellen. Auch die Fütterung mit regional verfügbarer Biomasse, die für die menschliche Ernährung nicht geeignet ist, würde Emissionen durch den wegfallenden Futterimport reduzieren, ohne dabei in Nahrungskonkurrenz zum Menschen zu stehen.

Und die internationale Perspektive?
„Wir beobachten in Afrika, Asien und Südamerika einen starken Anstieg der Bevölkerungszahlen und parallel dazu der Nutztierbestände und ihrer Methanemissionen“, so Kuhla. „Gleichzeitig weisen Kühe, Schafe und Ziegen in diesen Regionen die geringste Effektivität bei der Produktion von Nahrungsmitteln auf. Durch eine Verbesserung der Effizienz ließen sich auch in diesen Regionen die Tierzahlen und die Emissionen reduzieren und die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft gewährleisten.“

Originalpublikation
Science of The Total Environment B. Kuhla, G. Viereck (2022) Enteric methane emission factors, total emissions and intensities from Germany’s livestock in the late 19th century: A comparison with the today’s emission rates and intensities, Science of The Total Environment 848, 157754

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

One Health – Wichtiger denn je!

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Tierärzteschaft leistet wertvollen Beitrag für Gesundheit von Tier und Mensch

Anlässlich des Internationalen „One Health-Day“ am heutigen 3. November 2022 möchte die Bundestierärztekammer (BTK) darauf aufmerksam machen, welche wichtigen Ansätze die Tierärzteschaft verfolgt, um gemeinsame gesundheitliche Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt anzugehen.

Die mit ausgewiesenen Expert:innen besetzten Ausschüsse und Arbeitsgruppen der BTK beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit One Health-Themen, erarbeiten Lösungsvorschläge und informieren die zuständigen Bundesministerien darüber. So z. B. über den Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie den Umgang mit Antibiotikaresistenzen und Zoonosen, um nur einige der wichtigen Themenbereiche zu nennen.

Der One Health-Ansatz ist nicht neu, aber auch vor dem Hintergrund der Entstehung der SARS-CoV-2-Pandemie aktueller denn je. Er wurde durch die Tierärzteschaft maßgeblich gefördert mit dem Ziel, optimale Bedingungen für die Gesundheit aller Lebewesen zu schaffen. Es fehlt jedoch bundesweit an Austausch, Abstimmung und Kooperation. „Da sich die BTK über die Wichtigkeit der One Health-Thematik bewusst ist, fand auch der diesjährige 29. Deutsche Tierärztetag unter dem Generalthema „One Health – gemeinsam für die Gesundheit von Tier und Mensch“ statt“, erklärt BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Um bspw. die Bundesregierung auf dieses Thema aufmerksam zu machen, wurde u. a. vom Tierärztetag gefordert, dass die deutsche G7-Präsidentschaft genutzt wird, um Pandemieprävention im Sinne echter Vorbeugung von zoonotischen Infektionskrankheiten voranzubringen, d. h. insbesondere durch Förderung von Biosicherheit und Tierwohl, Impfungen und Hygiene im Umgang mit Tieren. Auch helfen würde die Einrichtung einer Koordinierungsstelle in der Bundesregierung, um Austausch, Abstimmung und gemeinsame Strategieentwicklung zwischen den Ressorts im Bereich One Health zu fördern. Außerdem sollte das One Health-Konzept als Querschnittsthema in die Lehrpläne von Schulen, Ausbildungsberufen und Studiengängen integriert werden.

Die BTK appelliert an alle Verantwortlichen in den Bereichen Tier-, Menschen- und Umweltgesundheit, sich den gemeinsamen Herausforderungen zu stellen und den Aufbau von entsprechenden Kapazitäten zu fördern.

Quelle: Bundestierärztekammer

Die Bedeutung der Nutztiere für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion – #DAF-Tagung 2022 – Teil III

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Eindringlich schilderte Prof. Wilhelm Windisch (TUM) in seinem Vortrag welche Mengen Nahrung verloren gingen, würde die Menschheit auf tierisches Eiweiß verzichten. Denn, wie er bereits 2021 in einem ausführlichen Hoftierarzt-Interview vorrechnete, erzeugt 1 kg veganes Lebensmittel mindestens 4 kg nicht essbare Biomasse.

Betrachtet man die Verteilung der insgesamt in Deutschland geernteten Biomasse, ergibt sich folgendes Bild (zum Vergrößern bitte anklicken):

Daten aus Vorndran (2022)

Zum Beispiel lassen sich aus 1 kg Hafer 380 g Haferdrink gewinnen. Es bleiben aber 250 g Kleie und 370 g Reststoffe übrig. Aus 1 kg Soja können 200 g Öl gepresst werden, es bleiben 80 g Schalen und 250 g Reststoffe. 1 kg Lupine liefert 300 g Protein, aber auch 240 g Schalen, 410 g Reststoffe – und 50 g toxisches Öl.

Nutztiere jedoch liefern Nahrungseiweiß und Kilokalorien aus der begrenzten Fläche im Umfang von 50-100% der veganen Nahrung. Ohne Nahrungskonkurrenz, allein aus ohnehin anfallenden nicht-essbarer Biomasse und sie liefern wertvollen Dünger für die Kreislaufwirtschaft.

Der Nettogewinn aus 4 kg nicht-essbarer Biomasse beträgt (abzgl. Aufzuchtfutter):

• Grünland, Koppelprodukte (Wiederkäuer): mindestens 3 L Milch = 2.000 kcal = 100 g hochwertiges Eiweiß.

• Nebenprodukte (Schweine, Geflügel): mindestens 400 g Fleisch = 1.000 kcal = 90g Eiweiß.

• In-Vitro-Fleisch wird erst dann zur Alternative, wenn es mit nicht-essbarer Biomasse „gefüttert“ werden kann. Heute benötigt es noch höchstwertige Glucose, Aminosäuren etc., vergleichbar mir parenteraler Ernährung, und steht ebenso in Nahrungskonkurrenz zum Menschen.

Optimale Futtereffizienz und Pflanzenzüchtung auf hohen Futterwert, verarbeitungstechnologische Separierung, Kaskadennutzung und präzise Fütterung gehören ebenso zum Konzept.

Die in einem solchen Szenario begrenzte Futtermenge senkt allerdings automatisch die Gesamtproduktion an Rindfleisch und Milch deutlich, noch stärker beim Schweinefleisch und insbesondere bei Geflügelfleisch und Eiern. Der vielerorts geforderte Fleischverzicht wäre also unvermeidlich, würde die Nahrungsmittelversorgung so konsequent nach „Teller-Trog-Tank“ priorisiert. Ob allerdings eine Mehrheit etwa mit nur noch 10% der heutigen Eiermenge zufrieden wäre, ist eine andere Frage. Ein Stück Kuchen würde dann zum absoluten Luxusartikel.