Epigenetischer Fingerabdruck als Herkunftsnachweis für Hühnchen, Shrimps und Lachs

Bio-Freilandhühnchen oder Legebatterie? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben ein neues Nachweisverfahren entwickelt, das solche Haltungsunterschiede aufdecken kann. Das so genannte epigenetische Verfahren beruht auf der Analyse der charakteristischen Muster von chemischen Markierungen am Erbgut der Tiere.

Wurde der Lachs für das Abendessen mit Freunden tatsächlich wild gefangen oder stammt er nicht vielleicht doch aus der Aquakultur? Was ist von der angeblichen „Bioqualität“ der Shrimps für den Meeresfrüchtesalat zu halten? Und durfte das Hähnchen für den Sonntagsbraten sein Leben wirklich im Freiland verbringen?

Labore für Lebensmittelanalytik können solche Fragen nur bedingt beantworten. Auch sind dazu in der Regel aufwändige Untersuchungen erforderlich, bei denen mehrere Tests kombiniert werden müssen. Eine möglicherweise einfachere Lösung stellt nun ein Team um Frank Lyko vom DKFZ gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Chemie-Unternehmen Evonik vor. Ihr neuer Ansatz: Sie analysieren den charakteristischen Fingerabdruck der chemischen Markierungen am Erbgut der Tiere.

„Die Frage der Herkunft von Lebensmitteln wird für die Verbraucher zunehmend zum Kaufargument – besonders, wenn es um tierische Produkte und damit auch um das Tierwohl geht“, sagt Lyko. „Wir haben nun ein erstaunlich sensibles Nachweisverfahren etabliert, das viele der Umweltfaktoren abbildet, die für das Wohlergehen der Tiere relevant sind.“

Unser Erbgut, die DNA, ist über und über besetzt mit Millionen von chemischen Markierungen. Dabei handelt es sich um so genannte Methylgruppen, die wichtige biologische Funktionen ausüben. Sie entscheiden darüber, welche Gene in der Zelle abgelesen und in Proteine übersetzt werden.

Im Gegensatz zur lebenslang stabilen Abfolge der DNA-Bausteine können die Methyl-Markierungen neu angeheftet oder aber wieder entfernt werden. Das geschieht in Anpassung an biologische Erfordernisse. So ändert sich beim Menschen das Methyl-Muster, das so genannte „Methylom“, im Zuge von Krankheiten oder im Verlauf des Alters. Die Gesamtheit dieser reversiblen Steuerelemente am Erbgut wird als Epigenetik bezeichnet.

Welchen Einfluss Umweltfaktoren auf das Methylom haben, ist nicht immer leicht nachzuweisen. Frank Lykos Labor im DKFZ hat mit dem Marmorkrebs einen idealen Modellorganismus gefunden, um zu dieser Frage umfassende Expertise zu sammeln: „Alle Marmorkrebse haben ein identisches Erbgut, sie sind also ein einziger Klon. Daher wird die Untersuchung von umweltbedingten Änderungen im Methylierungsmuster auch nicht durch abweichende genetische Faktoren verfälscht“, erklärt der Biologe Lyko.

Für die Methylom-Analyse nutzen die Forscher eine spezielle Technik der DNA-Sequenzierung, mit der sie jeden einzelnen methylierten DNA-Baustein identifizieren können. Lyko und Kollegen konnten so Marmorkrebs-Populationen aus verschiedenen Teilen der Welt eindeutig identifizieren. Dabei gelang die Unterscheidung von Tieren aus sauberen oder eutrophierten Gewässern oder aus der Laborhaltung. Auch den zeitlichen Verlauf der Anpassung des Methylierungsmusters beim Wechsel zwischen zwei Haltungsformen konnten die Forscher mitverfolgen.

Ermutigt durch diese eindeutigen Ergebnisse weitete das Team die Methylom-Analysen erfolgreich auf Tiere aus, die auf dem Speiseplan des Menschen stehen. Dieses Projekt führten sie in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen von Evonik durch.

Die Forscher konnten Shrimps aus verschiedenen Aufzuchtanlagen unterscheiden. Das Methylom von Lachsen aus langsam fließenden Flüssen weicht ab von dem ihrer Artgenossen, die in Gebirgsbächen lebten. Bei Hühnern wirkten sich der Haltungsbetrieb und dessen Futterangebot auf das Muster der Methylierung aus. „Die Umwelt-und Lebensbedingungen hinterlassen bei allen untersuchten Organismen einen spezifischen Fingerabdruck im Methylom. Der fällt bei einem Freilandhähnchen anders aus als bei einer Massentierhaltung im Stall“, sagt Frank Lyko.

„Die Methyl-Fingerabdrücke könnten als wichtiger Biomarker die Möglichkeiten der Lebensmittelanalytik erweitern“, sagt DKFZ-Forscherin Sina Tönges. „Allerdings ist die Sequenzierung, wie wir sie in dieser Studie angewandt haben, ein aufwändiges Verfahren, das nicht routinemäßig in der Lebensmittelanalytik durchgeführt werden kann. Wir arbeiten daher gemeinsam mit Evonik daran, ein Testsystem für das Methylom-Fingerprinting zu entwickeln, das auch in der Breite Einzug in die Labore halten kann.“

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Studie: Kein Schmerzempfinden bei Hühnerembryonen vor dem 13. Bebrütungstag

BMEL hält Änderungen im Tierschutzgesetz für nötig, um Rechtssicherheit zu schaffen

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen setzt das Schmerzempfinden bei Hühnerembryonen nicht vor dem 13. Bebrütungstag ein – und damit deutlich später als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis einer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebenen Studie. Damit gibt es keine wissenschaftliche Grundlage, um das Tierschutzgesetz in seiner jetzigen Form zu belassen. Dieses sieht vor, dass ab 2024 eine Geschlechtsbestimmung im Ei vor dem 7. Bebrütungstag stattfinden muss. Die Regelung war mit der Novelle des Tierschutzgesetzes zum Verbot des sogenannten Kükentötens am 1. Januar 2022 in Kraft getreten. Allerdings stehen den Brütereien absehbar keine entsprechenden frühzeitig wirksamen Verfahren zur Verfügung. Der neue wissenschaftliche Erkenntnisstand erfordert folglich eine Änderung des Tierschutzgesetzes hinsichtlich der Geschlechtsbestimmung im Hühner-Ei, um Rechtssicherheit zu schaffen.

Die Studie ist Teil des vorgeschriebenen Berichts des BMEL an den Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages, der bis zum 31. März 2023 zum „Stand der Entwicklung von Verfahren und Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Hühner-Ei vor dem siebten Bebrütungstag“ informieren soll. Diese Regelung war mit der Novelle des Tierschutzgesetzes zum Verbot des sogenannten Kükentötens am 1. Januar 2022 in Kraft getreten.

Die Studie zum Schmerzempfinden kommt im Wesentlichen zu dem Ergebnis:
• Bis einschließlich Bebrütungstag 12 ist davon auszugehen, dass Hühnerembryonen keine Schmerzen empfinden können.
• Ab Bebrütungstag 13 kann ein Schmerzempfinden der Hühnerembryonen nicht mehr ausgeschlossen werden.

Hintergrund:
Das BMEL hat die Studie im Zusammenhang mit dem „Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes – Verbot des Kükentötens“ vom 18. Juni 2021 in Auftrag gegeben, um den wissenschaftlichen Kenntnisstand weiterzuentwickeln. Projektpartner der Studie waren:

• Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
• Klinikum rechts der Isar, München
• Technische Universität München
• TUM School of Life Sciences

Das Schmerzempfinden wurde anhand der elektrischen Aktivität des Gehirns der Embryonen, deren Blutdruck und Herzfrequenz sowie deren Bewegungen untersucht.

Zum „Kükentöten“
Als Lebensmittel verwendete Hühner-Eier stammen weit überwiegend von Hühnern, die auf eine bestmögliche Legeleistung gezüchtet sind („Legerassen“). Dagegen stammt Hühnerfleisch hauptsächlich von Hühnern, die auf einen bestmöglichen Fleischansatz gezüchtet sind („Mastrassen“). Männliche Hühnerküken der Legerassen wurden in der Vergangenheit beinahe sämtlich am ersten Lebenstag getötet („Eintagsküken“), weil sie langsamer und weniger Fleisch ansetzen als Hühner der Mastrassen (und bekanntermaßen keine Eier legen). Dies betraf etwa 40 Millionen Küken jährlich.

Im Jahr 2019 hatte das Bundesverwaltungsgericht geurteilt, dass das routinemäßige Töten von Küken gegen die allgemeinen Grundsätze des Tierschutzgesetzes verstieß und mit diesem nur noch vorübergehend vereinbar war. In der Folge wurde das Tierschutzgesetz im Jahr 2021 um ein explizites „Verbot des Kükentötens“ ergänzt, das seit dem 1. Januar 2022 in Kraft ist.

Im EU- und weltweiten Maßstab ist das routinemäßige Töten der männlichen Küken der Legerassen insgesamt weiterhin gängige Praxis. Frankreich, Österreich und Luxemburg haben jedoch ebenfalls nationale Beschränkungen, die Niederlande eine verbindliche Reduktionsstrategie. Als Replik auf eine französisch-deutsche Initiative hat die Europäische Kommission auf der Tagung des Rates der Europäischen Union (Landwirtschaft und Fischerei) am 17. Oktober 2022 angekündigt, einen Vorschlag für eine EU-weite Beendigung des Kükentötens vorzulegen.

Quelle: BMEL

Tierwohl-Fleisch aus Deutschland nur mäßig attraktiv in anderen Ländern

Welche Ansprüche haben Verbraucherinnen und Verbraucher in anderen Weltregionen an Fleisch und welche Exportchancen hat Tierwohl-Fleisch aus Deutschland? Diese Fragen wurden am Thünen-Institut für Marktanalyse in Braunschweig in dem Forschungsprojekt „ExPoTiWo – Exportchancen von Tierwohl-Fleisch aus Deutschland“ untersucht. Ende März fand die Abschlussveranstaltung statt, bei der die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert wurden.

Die Forschenden hatten vor allem Geflügel- und Schweinefleisch in den Blick genommen, da die Haltungsweisen bei diesen Tierarten in vielen europäischen Ländern öffentlich stark kritisiert werden. Basierend auf statistischen Marktdaten, wurden für Geflügelfleisch Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien als potenzielle Absatzmärkte untersucht, für Schweinefleisch fiel die Auswahl auf Japan, Südkorea, Italien und Polen. Zum Start des Projekts waren all diese Länder große Abnehmer von deutschem Geflügel- und Schweinefleisch.

Während bei den Zielländern für Schweinefleisch das Thema Tierwohl in Japan, Südkorea und Polen so gut wie keine Rolle spielt, gibt es in Italien eine kleine Gruppe an Konsumierenden, die sich dafür interessieren. In den untersuchten Ländern für Geflügelfleischexport stellt sich die Situation deutlich anders dar. In Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien ist generell ein grundlegendes Wissen über Tierwohl vorhanden. In diesen vier Ländern gibt es etablierte Tierwohllabel, die zeigen, dass Tierwohl dort schon jetzt von großer Bedeutung ist. In allen acht betrachteten Ländern bleiben dennoch die Fleischqualität (Farbe, Marmorierung, Frische, etc.), das Herkunftsland sowie der Preis die wichtigsten Einkaufskriterien; der Aspekt Tierwohl ist von geringerer Bedeutung.

Fleisch aus Deutschland hat guten Ruf
Dennoch: Auch wenn in allen Untersuchungsländern heimische Produkte bevorzugt werden, genießt Fleisch aus Deutschland eine hohe Reputation und wird als sehr vertrauenswürdig eingestuft. Zudem gilt Deutschland als verlässlicher Handelspartner. Demnach vertrauen Konsumierende in den Untersuchungsländern deutschen Labeln und kaufen deutsches Fleisch, wenn die Qualität und der Geschmack besonders gut sind – und der Preis für deutsche Ware günstiger ist als für heimische. In den Untersuchungsländern für Geflügelfleisch spielen bessere Haltungsbedingungen (Tierwohl) eine wichtige Rolle. Hier hätte Geflügelfleisch aus Deutschland mit entsprechenden Nachweisen von höheren Tierwohlstandards auch Marktchancen. Diese Standards müssten allerdings durch entsprechende Informationen auch verbrauchergerecht kommuniziert werden, denn Tierwohl-Fleisch ist generell höherpreisig.

Ein wichtiges Ergebnis des Projekts war: Für jedes Untersuchungsland konnte eine potenzielle Zielgruppe für deutsches Tierwohl-Fleisch bestimmt werden. Je nach Land variiert der Anteil der tierwohlinteressierten und weltoffenen Konsumierenden zwischen 25 % und 43 %. Daneben gibt es in jedem Land auch Verbraucher*innen, die vor allem an günstigen Preisen interessiert sind und denen Tierwohl oder die Herkunft des Fleisches unwichtig sind. Bei Geflügelfleisch liegt dieser Anteil bei 13 bis 40 %; bei Schweinefleisch bei 31 bis 45 %. Eine weitere Gruppe (26 bis 44 %) hat eine starke Präferenz für heimische Produkte und ist zugleich an Tierwohl interessiert.

Rebecca Derstappen, die im Thünen-Institut an der Studie mitgewirkt hat, fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Das Exportpotenzial für deutsches Fleisch ist stark durch landesspezifische und kulturelle Gegebenheiten geprägt. Zurzeit sind die Exportchancen für deutsches Tierwohl-Fleisch wegen der hohen Produktionskosten als eher gering einzuschätzen.“ Dies müsse aber nicht auf Dauer so bleiben, sagt sie, denn in vielen europäischen Ländern seien Tierwohl-Label für Geflügelfleisch bereits gut eingeführt und hätten einen gewissen Marktanteil erobert. Anders beim Schweinefleisch: In den ausgewählten Exportländern spielt Tierwohl zum aktuellen Zeitpunkt eine eher untergeordnete Rolle.

Qualität stärker bewerben
Vor diesem Hintergrund liegt die größte Herausforderung für Politik und Wirtschaft darin, Tierwohl verständlicher und greifbarer zu kommunizieren. Dabei sollte der Wissensstand beim Thema Tierwohl gefördert werden. Hier können Informationskampagnen und gute Marketingstrategien, die sich an den jeweiligen Zielmärkten orientieren, hilfreich sein. Tierwohl-Fleisch ‚aus deutschen Landen‘ als Qualitätsprodukt zu vermarkten, stellt hier die wohl größte Herausforderung dar. Dabei erscheint es zielführend, den Aspekt Tierwohl in das umfassendere Thema Qualität und Nachhaltigkeit einzubinden, um größere Marktchancen zu erreichen. Derzeit, so zeigen die die Studienergebnisse, kann Tierwohl-Fleisch allenfalls als Nischen- oder Premiumprodukt exportiert werden.

Die Folien der Abschlussveranstaltung mit weitergehenden Daten und Informationen sind über diesen Link downloadbar.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Neuester Sachstand zum Schmerzempfinden von Hühnerembryonen

Die „Wissenschaftlichen Dienste“ des Bundestages haben sich zur aktuellen Forschung in der Frage, ab wann Hühnerküken Schmerzen empfinden geäußert.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass Hühnerembryonen vor dem 7. Bruttag sicher keine Schmerzen empfinden können, dies aber mindestens ab dem 15. Bruttag der Fall ist. „Für die Zeitspanne zwischen dem siebten Entwicklungstag bis zum 15. Tag gab es unterschiedliche Auffassungen, und es wurde darauf hingewiesen, dass es dazu weiterer wissenschaftlicher Studien bedürfe. In der vorliegenden Arbeit werden auch Stu- dien aufgeführt, die den Zeitraum zwischen dem 7. und 15. Bebrütungstag beleuchten und nach 2017 erschienen sind“, heißt es im aktuellen Bericht.

In einer Studie aus 2020 stellten Reitmayer et al. den Erkenntnisstand zur Entwicklung des Schmerzempfindens des Hühnerembryos zusammen und zitieren verschiedene frühere Arbeiten nach denen am 13. Tag das Hühnerhirn voll entwickelt ist. Die „American Veterinary Association“ ginge dagegen von einem Bewusstsein bei 50% der Inkubationszeit aus (Tag 10,5). Eine russische Studie von 1961 spräche von reflexhaften Reaktionen des Embryos auf „mechanischen, kälte- oder wärmespezifischen Reizungen der Haut“ am 7. Tag. „Geschmacksrezeptoren reagieren am 9.-10. Tag, Geruchsrezeptoren am 16.-17. Tag, der vestibuläre Apparat und der Sehapparat am 17.-18. Tag und der Gehörapparat am 20. Entwicklungstag“ heißt es im Sachstandbericht.

Mellor et al. (2007) argumentierten, dass Küken mindestens bis zum 17. Tag bewusstlos und in einem schlafähnlichen Zustand seien und „die Entwicklung von rudimentären neuronalen Strukturen hin in Richtung zunehmender Größe, Komplexität und anatomischer Reife darauf schließen lasse, dass Bewegungen der Körper- und Gliedmaßen erst ab 60% der Inkubationszeit (ca. 13. Tag) durch spinale und/oder subkortikale neuronale Strukturen gesteuert würden. Vor-kortikale und kortikale Strukturen seien anfangs elektrisch still (bis 60% der Inkubation), dann seien sporadische Spikes (70% der Zeit) und kurze Perioden von EEG-Aktivität messbar. Eine kontinuierliche undifferenzierte EEG-Aktivität entwickele sich bei 80% der Inkubationszeit und -reife voll aus in schlafähnliche Muster, wie sie nach dem Schlüpfen erkennbar seien (90% der Zeit).“

Nach derzeitiger Gesetzeslage sind ab dem 1. 1. 2024 nur noch Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Ei erlaubt, die vor dem 7. Bruttag funktionieren. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass entsprechende Systeme bis dahin Marktreife erlagen.

Unter Berücksichtigung des aktuellen Sachstandberichts könnte nun aber die Untersuchungsfrist verlängert werden (etwa bis zum 12. Bruttag). Damit dürften dann verschiedene derzeit angewandte Methoden über den Jahreswechsel hinaus angewandt werden.

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Influenza-Virus in Niedersachsen bei Füchsen nachgewiesen

Geflügelpest bei weiteren Säugetieren festgestellt – Anpassung an Säugetiere ist mit Vorsicht zu beobachten

Bei insgesamt vier Füchsen hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig-Hannover des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) die Geflügelpest (Hochpathogenes aviäres Influenza Virus) nachgewiesen. Ein Tier war im niedersächsischen Landkreis Schaumburg krank erlegt worden, bei den weiteren Füchsen handelt es sich um im Landkreis Hameln und in der Stadt Hannover tot aufgefundene Tiere sowie um ein im Landkreis Verden erlegtes Tier. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat die Infektionen aller vier Füchse bestätigt.

Das hochpathogene aviäre Influenzavirus des Subtyps H5N1 zirkuliert mittlerweile ganzjährig im norddeutschen Wildvogelbestand und verursacht bei Geflügel die so genannte Vogelgrippe bzw. Geflügelpest. Die Tierseuche führt aktuell in Niedersachsen und Deutschland zu großen Verlusten in Geflügelbeständen. Die kürzlich vermehrt bekannt gewordenen Nachweise von hochpathogenem aviären Influenzavirus H5N1 bei Säugetieren zum Beispiel bei Seehunden oder in Nerzfarmen deuten darauf hin, dass sich das Virus besser an Säugetiere anpasst. Um dieser Fragestellung nachzugehen, werden in Niedersachsen daher in einem Monitoring seit dem vergangenen Jahr Prädatoren wie zum Beispiel Füchse, Waschbären und Marder auf Influenzaviren untersucht. Bisher wurden 179 Untersuchungen durchgeführt. Dieses sind die ersten positiven Nachweise bei Füchsen in Niedersachsen und in Deutschland. Weltweit wurde das hochpathogene aviäre Influenzavirus vom Subtyp H5N1 bereits mehrfach bei verschiedenen wildlebenden Säugetieren nachgewiesen, unter anderem beim Rotfuchs, Waschbär, Luchs, Bär und Fischotter. Nachweise bei Füchsen gab es seit 2020 in Schweden, Finnland, Belgien, den Niederlanden, Irland, Norwegen, Estland, Japan, USA, Kanada und im Vereinigten Königreich. In Niedersachsen war im September 2022 bei einem verendeten Nasenbären in einem Tierpark das Virus der hochpathogenen aviären Influenza Subtyp H5 im FLI nachgewiesen worden.

Weltweit treten immer wieder Infektionen von Säugetieren auf. Das Virus scheint sich besser an Säugetiere anzupassen, nach derzeitigen Erkenntnissen aber nicht an den Menschen. Dennoch gilt es, die Entwicklung im Blick zu behalten. Daher bitten das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) und das LAVES die Landkreise mit erhöhtem Aufkommen an Influenza-Virus-positiven Wildvögeln zur verstärkten Einsendung von tot aufgefundenen oder erlegten Säugetieren. Wie üblich sollten tote Tiere nicht ungeschützt angefasst werden. Die durchgeführten Untersuchungen ergaben keine Hinweise darauf, dass eine Übertragung von Fuchs zu Fuchs stattgefunden hat. Es erscheint wahrscheinlicher, dass sich die Füchse durch den Kontakt mit infizierten Wildvögeln angesteckt haben, zum Beispiel durch das Fressen eines infizierten Vogels.

In Deutschland ist bisher kein Fall von aviärer Influenza bei Menschen bekannt geworden. Wie in vielen anderen Ländern gibt es hierzulande Überwachungssysteme für Influenza, die in der Lage sind, solche Fälle frühzeitig zu erkennen. Der Verdacht, die Erkrankung und der Tod von Menschen an aviären Influenzaviren sind in Deutschland meldepflichtig. Bisherige Erfahrungen mit der Vogelgrippe haben gezeigt, dass vor allem Menschen mit engem Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel gefährdet sind. Insgesamt ist das Risiko jedoch auch dann als gering einzuschätzen. Das Niedersächsische Gesundheitsministerium macht darauf aufmerksam, dass sich durch den Vogelgrippe-Fund bei Füchsen in Niedersachsen bislang keine neue Gefährdungslage für den Menschen ergibt. Das ML macht darauf aufmerksam, dass die vermehrten Fälle bei Säugetieren allerdings genau beobachtet werden müssen.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Nicole Kemper mit Felix Wankel Tierschutz-Forschungspreis geehrt

Nicole Kemper erhält die mit 25.000 dotierte Auszeichnung für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Haltung von Schweinen.

Professorin Dr. Nicole Kemper, Leiterin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), erhält für ihr wissenschaftliches Lebenswerk zur tiergerechten Schweinehaltung den Felix Wankel Tierschutz-Forschungspreis 2023. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. „Die Auszeichnung ist eine große Ehre und zugleich weiterer Ansporn für mich. Ich hoffe, dass sie hilft, auf den Tierschutz in der Schweinehaltung aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass eine zukunftsfähige Haltung machbar ist“, sagt Kemper.

Kemper forscht seit Jahren an unterschiedlichen Aspekten der Schweinehaltung, um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern und den Tierschutz in der Schweinehaltung voranzutreiben. Die Jury würdigte besonders, dass es ein wichtiges Prinzip all ihrer Projekte ist, Lösungen zu erarbeiten, die in der Praxis gut umsetzbar sind, da ein hoher Tierschutz-Standard nur gemeinsam mit den Tierhaltenden erreicht werden kann. Die meisten ihrer Projekte sind interdisziplinär, indem sie Beteiligte aus Agrarwissenschaften, Veterinärmedizin und Wirtschaft zusammenbringt. Das begünstigt ihr Ziel, ihre Ergebnisse in der Praxis umzusetzen. Außerdem würdigte die Jury, dass Kemper in den vergangenen Jahren zahlreiche Drittmittelprojekte einwarb, etliche interdisziplinäre Forschungsprojekte durchführte, zahlreiche Nachwuchsforschende anleitete und in vielen Gremien mitwirkte. Ihr hohes Engagement zeige sich unter anderem in der Vielzahl international und national publizierter Forschungsergebnisse. Alle ihre Forschungsarbeiten zielten laut Jury darauf ab, die verschiedenen Anforderungen, die das Schwein an seine Haltungsumwelt stellt, abzudecken und das Wohlbefinden der Tiere zu steigern. In der Begründung für die Preisvergabe heißt es abschließend: Durch die Breite und Tiefe ihrer Forschungsarbeiten liefert Frau Kemper einen außerordentlichen Beitrag zur Verbesserung des Tierschutzes in der Schweinehaltung auf wissenschaftlicher Basis.

Werdegang
Professorin Dr. Nicole Kemper leitet seit 2013 das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der TiHo. Nach ihrem Tiermedizinstudium in Leipzig und ihrer Dissertation über das Vorkommen relevanter Zoonose-Erreger in der finnischen Rentierhaltung begann sie ihre intensiven Forschungsarbeiten zur Nutztierhaltung. Zunächst war sie am Institut für Tierzucht und Tierhaltung an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel als PostDoc und Nachwuchsgruppenleiterin tätig. Dort habilitierte sie sich, absolvierte die Weiterbildung zur Fachtierärztin für Mikrobiologie und zur Fachtierärztin für Tierhygiene sowie zum Diplomate of the European College of Porcine Health Management (ECPHM). Anschließend war sie von 2010 bis zu ihrem Ruf nach Hannover Professorin für Hygiene und Reproduktionsphysiologie der Nutztierhaltung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre Forschungsarbeiten haben stets im Fokus, Tierhaltungen zukunftsorientiert, nachhaltig und tiergerecht zu gestalten. Insbesondere der wissenschaftlich basierte Tierschutz bei Schweinen ist ihr ein großes Anliegen.

Der Felix Wankel Tierschutz-Forschungspreis
Die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München vergibt den Felix Wankel Tierschutz-Forschungspreis in der Regel alle zwei Jahre für hervorragende, experimentelle und innovative wissenschaftliche Arbeiten. Das Ziel bzw. Ergebnis der ausgezeichneten Arbeiten muss es sein, Tierversuche zu ersetzen oder einzuschränken, den Tierschutz generell zu fördern, die Gesundheit und tiergerechte Unterbringung von Versuchs-, Heim- und Nutztieren zu gewährleisten oder die Grundlagenforschung zur Verbesserung des Tierschutzes zu unterstützen. Der Preis ist mit maximal 30.000 Euro dotiert.

Felix Wankel entwickelte Abdichtungen von Motoren und konstruierte Drehkolbenmaschinen. Seine bekannteste Erfindung ist der Kreiskolbenmotor, besser bekannt als „Wankelmotor“. Felix Wankel war ein innovativer Techniker und Erfinder, sein privates Leben aber bestimmte die Liebe zum Tier. Darum stiftete er den ersten deutschen Tierschutz-Forschungspreis, der 1972 zum ersten Mal verliehen wurde.

Weitere Informationen: www.felix-wankel-forschungspreis.de

Quelle: TiHo

Neues Produkt gegen Kryptosporidien beim Kalb

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Mit dem neuen Produkt gegen Kryptosporidien bietet das Veterinärmedizin-Unternehmen Ceva Tiergesundheit seit Dezember 2022 ein Medikament, das gegen Kryptosporidiose und Kolibazillose beim Kalb zugelassen ist. Die einzelligen Parasiten, die Kryptosporidiose bei Saugkälbern verursachen können, sind allein oder als Mischinfektion für bis zu 57 % der Durchfälle in den ersten vier Lebenswochen von neugeborenen Kälbern verantwortlich. Und noch immer ist Durchfall in diesem Zeitraum mit 28 % Anteil die häufigste Todesursache bei den Kälbern. Durch die neue Zulassung ist es jetzt möglich, bei der Behandlung dieser schweren Erkrankung neue Wege zu gehen.

Bisher war für die Behandlung einer Kryptosporidien-Infektion und zur Vorbeugung und Verminderung des Durchfalls nur ein Antiprotozo ikum verfügbar. Das jetzt zugelassene Medikament ist damit ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Tiergesundheit, denn:

• Das Medikament beruht auf dem Antibiotikum Paromomycin. Dieser Wirkstoff ist gut einsetzbar, da er nicht zu den Reserveantibiotika gehört.

• Darüber hinaus hat Paromomycin eine hohe therapeutische Breite und eine deutlich bessere Verträglichkeit als das bisher eingesetzte Halofuginon, das bei Überdosierung Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann und nicht bei geschwächten Tieren eingesetzt werden sollte.

• Im Gegensatz dazu ist das neue Produkt viel verträglicher, selbst bei versehentlicher leichter Überdosierung oder verlängerter BehandlungsdauerEs kann auch geschwächten Tieren bedenkenlos verabreicht werden.

• Der Einsatzbereich beschränkt sich nicht nur auf die Kryptosporidiose, sondern es ist auch zur Behandlung der Kolibazillose bei Saugkälbern geeignet und kann auch in der Schweinehaltung bei Ferkeln eingesetzt werden. Beim Saugkalb beträgt die Behandlungsdauer bei Kryptosporidiose nur 5 Tage.

Das neue Medikament überzeugt auch in der Praxis durch seine flexible und einfache Anwendbarkeit. Es ist aufgrund der flüssigen Formulierung sofort einsatzbereit. Es ist anwendbar in Wasser, Milch oder im Milchaustauscher und kann direkt oral verabreicht werden. Durch den neutralen Geschmack erzielt das Medikament eine gute Akzeptanz bei den Tieren und erleichtert die Verabreichung. Erhältlich ist das Produkt in drei verschiedenen Packungsgrößen in 250-, 500- und 1000-ml-Flaschen.

Weitere Informationen unter www.ceva.de

Quelle: Ceva Tiergesundheit

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 1/2023 steht zum kostenfreien Abruf bereit

Liebe Leserinnen und Leser!

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 1/2023 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Einflussfaktoren und Managementmaßnahmen auf Eutergesundheit und Milchqualität
• Aktuelles Interview: Neues Tierarzneimittelgesetz & Kälbertransport-VO: Mehr Augenmerk auf die Kälber
• Kokzidien schwächen vor allem die Ferkel
• Interview: Arbeitsersparnis und hohe Zunahmen durch Kombipräparat
• Tierbeobachtung und Hygiene wichtig bei Ferkelbeifütterung
• Einfluss der Mauser auf das Immunsystem der Legehenne
• Verlängerung der Legeperiode durch eine induzierte Legepause
• Aktuelles Interview: Durchfall – wann steckt wirklich der Wurm drin?
• Imkertipp: USA lässt Impfung gegen amerikanische Faulbrut zu

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt einfach hier registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail klicken und dann gleich kostenfrei downloaden!

„Beenovation“: Auftaktveranstaltung für Projekte zu Vielfalt und Schutz von Bestäuberinsekten

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In der Vernetzungs- und Transfermaßnahme „Beenovation“ fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 16 Verbundprojekte, die den Schutz von Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft verbessern. Diese wurden in der Auftaktveranstaltung am 01. März 2023 in Berlin Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Forschung und Politik vorgestellt. Expertinnen und Experten diskutierten außerdem innovative Wege zu gesünderen Wild- und Honigbienenbeständen.

Die adressierten Forschungsfragen der Verbundprojekte reichen von Produkten und Dienstleistungen zur Vorbeugung, Behandlung und dem Nachweis von Bienenkrankheiten, über neue imkerliche Betriebsweisen bis hin zur Entwicklung innovativer Sensorik für die Bienenhaltung und -zucht. Zudem werden Verfahren für den Pflanzenbau und Pflanzenschutz entwickelt, um den Bestäuberschutz als Teil einer nachhaltigen Landwirtschaft zu fördern. Weiter werden Maßnahmen in Agrarlandschaften erprobt, die durch ein verbessertes Nahrungsangebot, aber auch durch Strukturierung von Lebensräumen, dabei helfen, die Biodiversität von Bestäuberinsekten zu erhalten und zu steigern.

Mit insgesamt 11,6 Millionen Euro fördert das BMEL die 16 „Beenovation“-Verbundprojekte. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Dr. Christine Natt, Vizepräsidentin der BLE, betonte in ihrer Begrüßungsrede, dass der Austausch zwischen und die Vernetzung von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Praxis und Politik unerlässlich sei, um Forschungsergebnisse breit in die Praxis zu tragen. „Wichtig ist dabei, auch die erarbeiteten Ergebnisse der Projekte zu evaluieren und den Handlungsbedarf für alle relevanten Zielgruppen wie Landwirte, Imker, Wissenschaft und Politik herauszuarbeiten.“

Fördern diverse Landschaften die Gesundheit von Bienen?
Professorin Sara Diana Leonhardt von der TU München stellte in ihrem Vortrag heraus, wie bedeutend die Vielfalt von Nahrungsressourcen für die Gesundheit von Wild- und Honigbienen ist. Gleichzeitig thematisierte sie die Auswirkungen intensiv genutzter Agrarlandschaften auf Bestäuberinsekten.

Podiumsdiskussion „Innovative Wege für gesündere Wild- und Honigbienen in Deutschland“
Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMEL, Dr. Ophelia Nick, wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass der Schutz von Bestäuberinsekten wichtig sei, um eine nachhaltige Landwirtschaft in unserer sich wandelnden Umwelt sicherzustellen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich die Teilnehmenden beispielsweise darüber aus, wie und ob Wild- und Honigbiene in Konkurrenz zueinanderstehen. Einigkeit darüber bestand, dass die Verbesserung des Nahrungsangebots durch mehr Blühpflanzen in Kombination mit der Verbesserung der Lebensräume für Wildbienen beiden Gruppen hilft.
Abschließend wurde festgestellt, dass sowohl ein Mehr an praxisgerechter Förderung, aber genauso auch die Motivation und das Engagement aller Akteure notwendig sind, um eine Vereinbarkeit von Bestäuberschutz und Landwirtschaft zu realisieren.

Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie nur durch gemeinsames Handeln erreichbar
In der Diskussion wurde des Weiteren deutlich, dass sich die Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie für ein wirksames Engagement für Insekten sowie die Vorhaben des Aktionsprogramms Insektenschutz nur durch ein synergistisches Zusammenwirken aller Beteiligten aus Landwirtschaft, Imkerei und Naturschutz erreichen lassen: Dialoge müssen geführt und die Einwände der jeweiligen Interessensgruppen gehört werden – seien sie noch so gegensätzlich. Die aktuellen Herausforderungen für Bestäuberinsekten können nur gemeinsam bewältigt werden.

Weitere Informationen zur Vernetzungs- und Transfermaßnahme „Beenovation“ und den einzelnen Verbundprojekten unter http://www.beenovation.de.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Neue Infoseite zu ökologischer und konventioneller Landwirtschaft

Was unterscheidet die ökologische von der konventionellen Landwirtschaft, wann ist eine Ware eigentlich bio und wie geht es den Tieren auf Bio-Höfen? Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Göttingen hat im Projekt „Authentizität und Vertrauen bei Bio-Lebensmitteln“ untersucht, wo bei Verbraucherinnen und Verbrauchern Wissens- und Vertrauenslücken zu Bioprodukten im Lebensmittelhandel bestehen. Eine neue Internetseite gibt nun vielseitige Einblicke in den Alltag der Produzierenden und ergänzende Informationen aus wissenschaftlichen Studien, die die Fragen der Konsumentinnen und Konsumenten beantworten.

In Befragungen und Workshops mit Akteurinnen und Akteuren haben die Forschenden zunächst untersucht, welche Fragen und Unsicherheiten bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern bestehen. „Viele möchten wissen, was genau denn eigentlich Bio ausmacht im Vergleich zu konventioneller Agrikultur“, berichtet Prof. Dr. Regina Bendix, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie. „Weitere Fragen betreffen das Tierwohl in der Biolandwirtschaft oder den Verlauf von Kontrollen.“ Ihr Kollege Dr. Torsten Näser ergänzt weitere Aspekte: „Große Unsicherheit besteht dabei, Labels wie ,Bio‘ und ,regional‘ trennscharf zu beurteilen oder mit dem gefühlten Gegensatz von Bioprodukten im Discounter, die womöglich noch verpackt sind, umzugehen. Zu den blinden Flecken der Vorstellung, wie und was Bio alles sein kann, gehört auch, dass Bio und quasiindustrielle Verarbeitung kein Widerspruch sind.“

Die Ergebnisse der empirischen Studie haben das Projektteam dann beim Aufbau der Internetseite geleitet, die in folgenden Rubriken gegliedert ist: Was macht Früchte und Gemüse bio? Was haben Tiere von Bio? Was macht Bio nachhaltig? Wie wird Bio kontrolliert? Und: Was kann Bio außer Rohkost? In jeder Rubrik kommen Akteurinnen und Akteure der gesamten Produktionskette sowie der Kontrolle zu Wort, geben Einblick in ihre Arbeit und Motivation. Die Filme werden ergänzt durch Fotos, Grafiken und Kurztexte sowie weiterführende Informationen und Verweise auf relevante Studien. Die Internetseite ist unter http://www.biokompetent.de zu finden.

In dem Projekt haben Forschende der Agrarökonomie, der Kulturanthropologie und der Hochschuldidaktik der Universität Göttingen mit dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen zusammengearbeitet. Es wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert. Weitere Informationen zum Projekt sind hier zu finden.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Zusatz soll Gülle klimafreundlicher machen

Bei der Nutztierhaltung entstehen große Mengen Treibhausgase, vor allem das besonders klimaschädliche Methan. Es entweicht unter anderem bei der Lagerung der Tierexkremente, der Gülle. Eine Studie der Universität Bonn zeigt nun, dass sich die Methan-Emission mit einfachen und kostengünstigen Mitteln um 99 Prozent reduzieren lässt. Die Methode könnte einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten. Die Ergebnisse sind jetzt in der Zeitschrift Waste Management erschienen.

Klimagase wirken wie eine Schicht Fensterglas in der Atmosphäre: Sie verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in das Weltall abgestrahlt wird. Methan macht das 28mal so effektiv wie Kohlendioxid – es ist (um im Bild zu bleiben) eine Art unsichtbare Doppelverglasung.

In den letzten 200 Jahren hat sich die Methankonzentration in der Atmosphäre mehr als verdoppelt. Das liegt vor allem am menschlichen Fleischkonsum: Einerseits erzeugen Kühe und andere Wiederkäuer bei der Verdauung Methan. Eine weitere wichtige Quelle sind zudem die Exkremente der Tiere. „Ein Drittel des menschgemachten Methans weltweit stammt aus der Tierhaltung“, erklärt Felix Holtkamp, der im INRES-Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn promoviert. „Nach Schätzungen entstehen bis zu 50 Prozent davon durch Gärungsprozesse in der Gülle.“

Rund um den Globus suchen Forschende daher nach Möglichkeiten, diese Prozesse zu unterbinden. Holtkamp, sein wissenschaftlicher Betreuer Dr. Manfred Trimborn vom Institut für Landtechnik der Universität Bonn sowie Dr. Joachim Clemens vom Düngemittel-Hersteller SF-Soepenberg GmbH haben für das Problem nun eine vielversprechende Lösung vorgestellt. „Wir haben Gülle von einem Bauernhof im Labor mit Kalkstickstoff versetzt, einer Chemikalie, die seit mehr als 100 Jahren als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt wird“, sagt Holtkamp. „Dadurch kam die Methanproduktion fast vollständig zum Erliegen.“

Emissionen sanken um 99 Prozent
Insgesamt sanken die Emissionen um 99 Prozent. Dieser Effekt begann bereits eine knappe Stunde nach der Zugabe und hielt bis zum Ende des Experiments ein halbes Jahr später an. Die lange Wirksamkeit ist wichtig, da Gülle nicht einfach entsorgt wird. Stattdessen wird sie bis zum Beginn der folgenden Vegetations-Periode gelagert und dann als wertvoller Dünger auf die Felder ausgebracht. Monatelange Lagerzeiten sind daher durchaus üblich.

In dieser Zeit wird die Gülle von Bakterien und Pilzen umgebaut: Sie zerlegen unverdautes organisches Material zu immer kleineren Molekülen. Am Ende dieser Prozesse entsteht Methan. „Kalkstickstoff unterbricht diese Kette chemischer Umwandlungen, und zwar gleichzeitig an verschiedenen Stellen, wie wir bei der chemischen Analyse der entsprechend behandelten Gülle sehen konnten“, erklärt Holtkamp. „Die Substanz unterdrückt den mikrobiellen Abbau von kurzkettigen Fettsäuren, einem Zwischenprodukt der Kette, und deren Umwandlung in Methan. Wie dies genau geschieht, ist noch unbekannt.“

Die Substanz hat aber noch weitere Vorteile: Sie reichert die Gülle mit Stickstoff an und verbessert so ihre Düngewirkung. Außerdem verhindert sie die Entstehung sogenannter Schwimmschichten – das sind Ablagerungen organischen Materials, die auf der Gülle eine harte Kruste bilden und den Gasaustausch behindern. Normalerweise muss diese Kruste regelmäßig zerkleinert und untergerührt werden.

Auch für die Tiere selbst hat das Verfahren Vorteile: Oft werden sie auf sogenannten Spaltenböden gehalten. Ihre Exkremente fallen dabei durch Öffnungen im Boden in einen großen Behälter. Durch die mikrobielle Umsetzung kann das Kot-Urin-Gemisch mit der Zeit aufschäumen und durch die Spalten wieder nach oben steigen. „Die Tiere stehen dann in ihren eigenen Ausscheidungen“, sagt Holtkamp. „Kalkstickstoff unterbindet diese Aufschäumung.“ Die Kosten sind zudem überschaubar – sie liegen für die Rinderhaltung bei etwa 0,3 bis 0,5 Cent pro Liter Milch.

Gülle-„Reinheitsgebot“ verhindert momentan den Einsatz
Unklar ist noch, wie sich die Methode auf die Ammoniak-Freisetzung aus der Gülle auswirkt. Ammoniak ist ein giftiges Gas, dass zwar selbst nicht klimaschädlich ist, aber zu gefährlichen Treibhausgasen umgesetzt werden kann. „Wir haben erste Hinweise darauf, dass sich die Ammoniak-Menge langfristig ebenfalls reduziert“, sagt Dr. Manfred Trimborn vom Institut für Landtechnik der Universität Bonn. „Ganz sicher können wir das momentan aber noch nicht sagen.“

In Deutschland verhindert momentan übrigens ein Umweltgesetz den Zusatz von Kalkstickstoff: Für konventionell gelagerte Gülle gilt aktuell ein strenges Reinheitsgebot.

Beteiligte Institutionen und Förderung:
An der Studie war neben der Universität Bonn die Firma SF-Soepenberg GmbH in Hünxe beteiligt. Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die Alzchem Group AG in Trostberg gefördert.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Finanzielle Entlastung für Aquakulturunternehmen

Fischereiministerin Miriam Staudte: Auswirkungen der Energiekrise abmildern

Niedersachsens Landesregierung entlastet Unternehmen der Aquakultur und Karpfenteichwirtschaft, denen aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine betriebliche Mehrkosten entstanden sind. Die Europäische Kommission hat mit der Änderung des Operationellen Programms des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) die Voraussetzungen dafür geschaffen, Mittel des EMFF und des Landes Niedersachsen entsprechend zu nutzen.

Die Unterbrechung der Handelsströme und Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe hat zu erheblichen Preisanstiegen bei relevanten Betriebsmitteln der Aquakultur – etwa bei Futtermitteln und Sauerstoff – geführt. „Mit den Ausgleichszahlungen können wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Energiekrise abmildern“, so die Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Miriam Staudte. Die Maßnahme soll die nachhaltige Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, regional produzierten fischwirtschaftlichen Erzeugnissen unterstützen.

Ab sofort können erwerbsmäßige Unternehmen der Aquakultur, die in Produktionssystemen wie Teichen, Rinnen, Netzgehegen oder Kreislaufanlagen Fische oder andere aquatische Organismen für den menschlichen Konsum erzeugen, sowie Karpfenteichwirtschaften, die erwerbsmäßig Karpfen und Nebenfische in naturnah bewirtschafteten Warmwasserteichen produzieren, und ihren Sitz in Niedersachsen haben, die Förderung beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) beantragen.

Grundlage hierfür ist die Richtlinie über die Gewährung von Billigkeitsleistungen zum Ausgleich erheblicher Kostensteigerungen im Jahr 2022 an Unternehmen der Aquakultur und Karpfenteichwirtschaften. Weitergehende Information wie beispielsweise den Richtlinientext und das Antragsformular sind unter siesem Link.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Neue AVA-Workshops und Kurse für Rinder- und Schweinehalter

1.Klauenorthopädie und Klauenpflege – am 19. April 2023 in der Nähe von NEA (Bayern)
Im neu strukturierten AVA-Klauenworkshop für Tierärzte und Landwirte arbeitet die AVA mit dem Geschäftsführer und tierärztlichen Leiter der Höchstädter Klauenpflege GmbH, Tierarzt Mag. Hubert Reßler, zusammen. Der Kollege Hubert Reßler beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren und seit 2010 ausschließlich mit der Klauengesundheit. Für die praktischen Übungen am Nachmittag stehen Kuhfüße zur Verfügung, und jeder Teilnehmer/Teilnehmerin hat genügend Möglichkeiten, unter Anleitung, Schritt für Schritt, die Arbeitsgänge zu üben, um später im landwirtschaftlichen Betrieb mit jedem professionellen Klauenpfleger, auf Augenhöhe, zum Wohle des Landwirts und des Tieres, zu kommunizieren.

Hier gibt es Infos zur Veranstaltung.

2.Workshop: Abdomen des Rindes – Süddeutschland (Nähe NEA) – Der Workshop für Rinderpraktiker*innen – vom 05. bis 07. Juni 2023
Besonders der Situs ist das Highlight innerhalb dieser Fortbildung. Hier wird erklärt und geübt; es werden OP-Empfehlungen gegeben und verschiedene Situationen dargestellt. Es bleibt keine Frage offen (jedenfalls was dieses Themengebiet angeht).

Hier der Link mit den Infos.

Zwei Online-Vorträge für Schweinepraktiker/-innen am 07.03. 19.00 – 21.30 Uhr
1. Vortrag: Fehler im Stallklima und die Folgen für das Tierwohl – wichtige Facts für Tierärzte-/innen, Produktionsleiter/-innen und Berater/-innen
2. Vortrag: Hitzestress bei Schweinen – was kann der Praktiker tun?
Referent: Wilfried Brede, Serviceteam Alsfeld GmbH, Schweinespezialberater.

Hier die Infos zum Online-Seminar.

2.Besamungsmanagement – Spermaqualität und Handling im Fokus
Nicht erst bei Fertilitätsstörungen im Sauenbetrieb ist das Besamungsmanagement zu „controllen“. Dabei müssen auch die Spermaqualität und das Spermahandling im besonderen Maße berücksichtigt werden.

In diesem AVA-Onlinekurs werden die Teilnehmer upgedatet, was sowohl Tierärzten, Landwirten und Beratern die Sicherheit gibt, im Controlling des Besamungsmanagements auf dem neuesten und aktuellsten Stand zu sein.

Alle weiteren Infos zum “Gemeinsamen Online-Seminar“ für TÄ, LW und Berater erfahren Sie hier.

Fütterungscontrolling – Der wichtige Baustein des Fütterungserfolgs im Milchviehbetrieb –vom 29. Bis 30. März 2023 in der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) in Steinfurt
Tierarzt/-in, Landwirt/-in (Herdenmanager/-in) und Fütterungsberater/-in diskutieren gemeinsam auf Augenhöhe, um Tiergesundheit, Tierleistung, Tierwohl, Tierschutz, Tier-fütterung…. zum Wohle der Tiere, der Verbraucher und zum Wohle der Ökonomie des Betriebes zu managen. Dieses zweitägige intensive AVA-Seminar ist weder langweilig noch zu theoretisch aufgebaut. Kursleiter, Dr. Wolfram Richardt, Leiter des Untersuchungswesens der LKS Lichtenwalde, leitet dieses Seminar, und wer den Experten bereits kennt (gemeinsame Fütterungs-seminare mit Prof. Dr. Manfred Hoffmann), weiß, dass hier ein eng mit der Praxis verbundener und profunder Kenner der Tierernährung spricht.

Hier gibt es Infos zur Veranstaltung „Fütterungscontrolling“.

Blütenmuster machen Hummeln effizienter

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Die Suche nach Nektar kostet Insekten viel Energie, sie müssen also möglichst effizient vorgehen. Bunte Muster auf den Blütenblättern helfen dabei kräftig mit.

Ob Malven, Fingerhut oder Vergissmeinnicht: Viele Blüten tragen auffällige Muster, die in der Biologie als Saftmale bezeichnet werden. Denn es wird angenommen, dass die bunten Muster den bestäubenden Insekten den kürzesten Weg zum Nektar zeigen. Das würde die Effizienz der Insekten bei der Nahrungssuche erhöhen und die Pollenausbreitung der Pflanze verbessern.

Ein Team vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat jetzt erstmals die einzelnen Schritte entschlüsselt, über die Blütenmuster die Effizienz von Erdhummeln (Bombus terrestris) zu steigern. Insgesamt reduzieren Saftmale die Zeit, die für die gesamte Interaktion mit einer Blüte gebraucht wird, um bis zu 30 Prozent – vom Anflug über das Finden des Nektars bis hin zum Abflug.

Was die Blütenmuster bewirken
Überraschenderweise verkürzen die Blütenmuster nicht die eigentliche Nektarsuche: Nach der Landung auf einer gemusterten Blüte finden die Hummeln nicht schneller zum Nektar als auf einer Blüte ohne Muster. Die Blütenmustermachen aber den Anflug effizienter und sorgen für eine strategisch günstigere Landeposition. Sie wirken wie Markierungen auf einer Landebahn und helfen den Hummeln, ihren Anflug zu koordinieren. Das berichtet das Team um Anna Stöckl und Johannes Spaethe im Journal Functional Ecology.

Die Muster verkürzen auch die Zeit bis zum Abflug: Auf gemusterten Blüten halten sich die Insekten nach dem Nektarsammeln deutlich kürzer auf. „Sehr oft laufen Hummeln für den Abflug an den Rand der Blütenblätter“, erklärt Johannes Spaethe. Womöglich finden sie diesen Startplatz schneller, wenn sie sich an einem Muster orientieren können.

Diese Nachweise gelangen mit Videotracking. Dabei wurden die Besuche von Hummeln auf künstlichen Blüten im Labor analysiert. Die Blüten trugen unterschiedliche Muster oder gar keine; alle waren mit Nektar bestückt.

So geht die Forschung weiter
Als nächstes will das Forschungsteam untersuchen, wie der Glanzeffekt, der bei manchen Blüten auftritt, das Wechselspiel mit bestäubenden Insekten beeinflusst.

Diese Arbeiten laufen in Kooperation mit Casper van der Kooi, der zurzeit als Stipendiat der Humboldt-Stiftung am Biozentrum forscht. Auch Anna Stöckl, die vor kurzem an die Universität Konstanz gewechselt ist und dort eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe aufbaut, bleibt als Kooperationspartnerin erhalten.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Zukunftsfähige internationale Forschungsinfrastrukturen für die Nutztierhaltung gesucht

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FBN-Wissenschaftlerin übernimmt Koordinierung eines zweiten EU-Projektes – Kick-off für EuroFAANG am 27. Februar in Berlin

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) wird in den kommenden drei Jahren im Rahmen eines von der EU (Horizon Europe) finanzierten Infrastrukturprojekts standardisierte Prozesse für die internationale Nutztierforschung entwickeln. Für das Projekt unter Leitung der FBN-Wissenschaftlerin Professorin Christa Kühn stehen 2,65 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung. Das Kick-off-Meeting findet am 27. Februar in Berlin statt. Es ist aktuell neben dem Rinderforschungsnetzwerk BovReg* das zweite große EU-Projekt, das unter Federführung des FBN und Prof. Dr. Christa Kühn koordiniert wird.

„Die Nutztierhaltung in einer globalisierten Welt nachhaltig und zukunftsfähig zu entwickeln, ist eine herausfordernde Aufgabe. Ressourceneffizienz unter Berücksichtigung lokaler und globaler Umwelt‐ und Klimawirkungen stehen dabei genauso im Fokus wie das Wohlergehen und die Gesundheit der Tiere sowie die Sicherheit der aus ihnen gewonnenen Lebensmittel“, betonte Professorin Christa Kühn. „Wir freuen uns, in verantwortlicher Position zentrale Eckwerte einer dafür notwendigen Forschungslandschaft mitgestalten zu können.“

Forschungsinfrastruktur soll effizienter aufgestellt werden
Das FBN ist Koordinator des europäischen Infrastrukturprojekts EuroFAANG (Accelerating genome to phenome research for farmed animals in Europe/https://eurofaang.eu/), das gemeinschaftlich in einem Konsortium von sieben Institutionen aus Universitäten (Wageningen University & Research/Niederlande, University of Edinburgh/Großbritannien), Forschungsinstituten (National Research Institute for Agriculture, Food and Environment/Frankreich, FBN/Deutschland, EMBL’s European Bioinformatics Institute/Großbritannien) und dem Tierzucht-Interessenverband European Forum of Farm Animal Breeders/Belgien aus ganz Europa bearbeitet wird.

Ziel der zu etablierenden EuroFAANG‐Infrastruktur ist es, für die Genotyp‐Phänotyp‐Forschung bei terrestrischen und aquatischen Nutztieren interdisziplinäre Kompetenzen zusammenzuführen und eine faire und standardisierte Nutzung von Forschungsdaten zu gewährleisten. Zu diesem Zweck wird EuroFAANG Konzepte entwickeln, um nationale Einrichtungen auf gesamteuropäischer Ebene in den Bereichen Phänotypisierung und Züchtung sowie Tiergesundheit und Biodiversität als neue transnational agierende Infrastruktur innerhalb der ESFRI-Roadmap zusammenzuführen.

Das 2002 gegründete Europäische Strategieforum ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures, ESFRI) ist ein strategisches Instrument zur Entwicklung der wissenschaftlichen Integration Europas und zur Stärkung seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Der transparente und offene Zugang zu hochwertigen Forschungsinfrastrukturen wird für alle wissenschaftlichen Fachdisziplinen in sogenannten Roadmaps definiert und organisiert. ESFRI hat 2021 Lücken innerhalb der langfristig angelegten Europäischen Forschungsinfrastruktur speziell in Bezug auf die Nutztierforschung identifiziert.

„Diese von der ESFRI identifizierte Lücke wollen wir mit dem jetzt starteten Projekt angehen. Die Ergebnisse von EuroFAANG werden zu einer verbesserten Gestaltung europäischer Forschungsinfrastrukturen für die Förderung exzellenter Nutztierwissenschaften und innovativer Forschung im Bereich Genotypisierung und Phänotypisierung in Europa und weltweit führen“, betonte Professorin Christa Kühn. „Unser gemeinsames Ziel sind nachhaltige Ressourcen für die Nutztierforschung als wichtige Grundlage für die Zukunft der europäischen Tierhaltung.“

Weitere Informationen unter www.esfri.eu
Quelle: FBN

Online-Seminar: Kälberflechte – Mehr als nur ein Schönheitsfehler

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„Rinder-Wissen vor 8“ – eine neue Online-Seminarreihe für Landwirte von Ceva Tiergesundheit präsentiert aktuelle Themen rund ums Rind. Das erste Online-Seminar hat das Thema: „Kälberflechte – mehr als nur ein Schönheitsfehler“

Datum: 14.03.23
Uhrzeit: 19.30 – 20.15 Uhr
Referentin: Dr. Christina Hirsch

„In kurzen, knackigen Vorträgen gut verständlich wissenschaftliche Einblicke und Lösungsmöglichkeiten für Ihren Betrieb“ verspricht Ceva zum Start der Seminarreihe. Die Teilnahme ist kostenlos und die Online-Seminare finden über die Plattform BlueJeans statt. Nach der Anmeldung erhalten Sie per Mail den für diesen Tag gültigen Einwahllink.

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Genschalter macht männliche Bienenaugen groß und weibliche klein

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Bienenforscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) unter Leitung von Prof. Dr. Martin Beye haben bei der Honigbiene ein neues Gen gefunden. Unter anderem ist es für die unterschiedliche Augenform bei männlichen und weiblichen Tieren verantwortlich. Dieses Gen und die evolutionsgenetischen Schlüsse, die sie ziehen, stellen die Forschenden in der Fachzeitschrift Nature Communications vor.

Im Tierreich sind Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen allgegenwärtig. Sie beschränken sich nicht nur auf morphologische Verschiedenheit – also solche bei der Gestalt der Tiere –, sondern beeinflussen auch die Physiologie und das Verhalten. Dies gilt gleichermaßen für Wirbellose (Invertebraten) wie Wirbeltiere (Vertebraten). Dieser „Geschlechtliche Dimorphismus“ trägt zur biologischen Vielfalt der Organismen bei; Beispiele sind das Farbfederkleid und Rad des männlichen Pfaus oder die Farbgebung von Schmetterlingen.

Wie dieser Dimorphismus während der Entwicklung reguliert wird und wie er im Laufe der Evolution entstand, ist bisher nur unvollständig verstanden. Ein Entwicklungsgen, das „dsx-Gen“, konnte in genetischen Modellorganismen identifiziert werden. Aber dieses Gen allein kann nicht den Geschlechts-Dimorphismus in anderen Organismen bestimmen. Ferner war unbekannt, wie eine geschlechtsspezifische Entwicklungsfunktion evolutionär entstand, da der Vorteil bei dem einen Geschlecht zugleich einen Nachteil im anderen Geschlecht generiert.

Das Spezialgebiet der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Martin Beye vom Institut für Evolutionsgenetik der HHU ist die Honigbiene (Apis mellifera), die einen eindrücklichen Dimorphismus bei den Augen männlicher und weiblicher Tieren aufweist: Männchen besitzen sehr große Komplexaugen, da sie beim Paarungsflug die Königin orten müssen. Weibchen haben dagegen sehr kleine Komplexaugen, die aber für die Orientierung und das Auffinden von Blüten ausreichen.

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Universität im niederländischen Wageningen haben Prof. Beye und sein Team bei der Biene genomweit nach möglichen, geschlechtsspezifisch regulierten Entwicklungs-Genen gesucht. Sie entdeckten dabei bei der Biene das von ihnen benannte „Glubschauge Gen“.

Dieses Gen reguliert die geschlechtliche Ausprägung des Auges. Die Forschenden gingen dabei folgendermaßen vor: Mithilfe der CRISPR/Cas9-Methode schalteten sie bei Weibchen das Gen aus, die Tiere entwickelten eine Augenform wie bei männlichen Tieren. Umgekehrt fügten sie bei Männchen das Gen hinzu, was zu einem weiblichen Augentypus führte. Sie entdeckten somit ein in der Evolution neu entstandenes Entwicklungsgen, auch „Transkriptionsfaktor“ genannt.

Prof. Beye: „Unsere Befunde zeigen auf, wie die Vielfalt an sekundären Geschlechtsmerkmalen sich während der Entwicklung ausprägen können. Wir konnten folgendes Prinzip aufzeigen: Nutze für jedes Merkmal ein eigenes genetisches Instruktionsprogram. In den Bienen gibt es keine allgemeine Instruktion für den Gesamtorganismus.“

Die Forschenden interessierten sich darüber hinaus für die evolutionäre Geschichte des „Glubschauge Gens“: Wie kam dieses Gen zu seiner geschlechtsbestimmenden Funktion? Prof. Beye: „Unser Befund löst ein altes Rätsel der Evolutionsbiologie. Bisher waren keine Nachweise bekannt, wie der positive Effekt bei der Evolution eines Geschlechtsmerkmals nicht zu einem Nachteil im anderen Geschlecht führt. Wir zeigen nun, wie es funktionieren kann.“

Mithilfe evolutionärer Sequenzanalysen entdeckte das Forschungsteam, dass diese geschlechtsspezifische Funktion erst im Laufe der Evolution von Hautflüglern entstanden ist. Dabei fanden sie, dass zunächst die geschlechtsspezifische Aktivität neu erfunden wurde, während die entwicklungsbiologische Funktion später hinzukam. Beye: „Die zunächst erfolgte geschlechtsspezifische Regulierung limitiert die im Anschluss folgende Entwicklungsänderung auf nur ein Geschlecht. Wir haben also einen molekularen Weg nachgewiesen, durch den sexueller Dimorphismus im Laufe der Zeit entstehen kann.“

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Management des Zweinutzungshuhns und Hahnenaufzucht

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Pauline Seyler (Ökologische Tierzucht gemeinnützige GmbH) stellte anlässlich der EuroTier 2022 Grundzüge und Leistungsdaten von Zweinutzungshühnern aus ökologischer Zucht vor.

Die speziellen Öko-Kriterien seien

• Haltungs-/Fütterungsbedingungen des ökologischen Landbaus von Anfang an (100% Bio),
• Anpassungsfähigkeit (schwankende Futterqualitäten und klimatische Bedingungen)
• bestmögliche Ressourcenverwertung
• Zweinutzungstiere ohne „hochleistungsbedingt Krankheiten“
• ausgewogene Fleisch-/Eier-Leistung
• Lebensleistung

Die Referentin stellte Leistungsdaten dreier Linien im Detail vor: ÖTZ „Coffee“, ÖTZ „Cream“ und ÖTZ „Bresse Gauloise“, einer eher fleischbetonten Rasse. Für die neuen ÖTZ „Caramel“ Hühner lägen noch keine Daten vor*.

Einige Besonderheiten der ÖTZ-Zweinutzungshühner hob Pauline Seyler abschließend hervor: sie sollten nicht ad libitum gefüttert werden, 135-145 g Futter am Tag seien das Maximum (Fettlebern führten zu dünnen Eischalen) Auch auf Raps solle man bei „Coffee“ verzichten, weil er bei dieser Züchtung Fischgeruch der Eier zur Folge haben kann. Die höhere Futteraufnahme während der Jungtieraufzucht sei ein Vorteil für 100% Bio-Futter und die „richtige“ Fütterung legender Hennen solle sich an deren Leistung orientieren: mit Hafer oder Weizen könne ggf. das Futter ab 70% Legeleistung „verdünnt“ werden.

Schließlich sei bei diesen Linien vermehrtes Glucken zu beobachten. Dieses Verhalten könne begünstigt werden durch Milben, Stress, Blutarmut, aber auch Hitze und Unter- und Überversorgung mit Futter. Tritt Glucken auf müssten die betroffenen Hennen aus ihrer bekannten Umgebung genommen werden, weil sie sonst immer wieder ihren Eiablageplatz (auf)suchen. Auch Gewichtsabnahme sei zu vermeiden.

Link zum früheren Bericht über ÖTZ-Zucht auf der Bioland-Tagung 2022.

* Einen weiteren Artikel über u. a. „Caramel“ sowie vorläufige Zahlen zur Leistung finden Sie hier.

Das Online-Angebot für zukunftsorientierte Schweinehalter Boehringer startet neue Online-Seminarreihe „Typisch Schwein“

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Die Termine und Themen:

23. Februar: Aktuelle Erfahrungen zur oralen Ileitis-Impfung in Zeiten hoher Futterkosten
2. März: Saugferkelmanagement: Neu gedacht – neu gemacht
9. März: Erfahrungen aus der Praxis zur DLG-prämierten Innovation SoundTalks®
16. März: Die Ferkelaufzucht bestimmt den Masterfolg – analysieren und optimieren

Die Seminare finden jeweils von 19.00 – ca. 21.00 Uhr statt. Eine ITW-Bescheinigung ist möglich.

Link zur Anmeldung.