Bio-Bruderhähne, Aufzucht und Verwertung

Anette Alpers (Öko-BeratungsGesellschaft mbH) fasste auf der EuroTier 2022 den aktuellen Erfahrungsstand bei der Aufzucht von Bio-Bruderhähnen zusammen.

Seit dem 1. Januar 2022 dürfen männliche Küken aus Legelinien nicht mehr unmittelbar nach dem Schlupf getötet werden. Für die Produzenten von Bio-Eiern machte die Referentin folgende Rechnung auf: der Durchschnittsverbrauch von 230 Eiern pro Kopf und Jahr entspricht etwa einer Legehenne und ebenso einem Bruderhahn pro Person. Bei ca. 6 Mio. Bio-Hennen und 15 Monaten Legedauer ergibt das jedes Jahr 4,8 Mio. Bruderhähne. Diese 4,8 Mio. Bruderhähne haben einen Futterbedarf von ca. 23.000 Tonnen. Eine Futterverwertung von 1:3,8 unterstellt sind also 5.750 ha Öko-Anbaufläche nötig und die Tiere zu ernähren. Auch wenn diese Fläche nur 0,03% der gesamten Bio-Anbaufläche von 1,8 mio. ha in Deutschland entspricht, bleiben 23.000 t Hühnerfutter doch eine erhebliche Menge.

War bisher von einer Futterverwertung bei Bruderhähnen von 1:5 die Rede, erbrachten aktuelle Versuche in Haus Düsse andere Werte:

• mit Junghennen-Futter 1:3,78, mit Junghahnen-Futter 1: 3,29 (jeweils konventionell)
• bei Bioland wurde mit Bio-Futter eine Futterverwertung von 1:4 erreicht.

Die Lebend- und Schlachtgewichte sind natürlich vom Schlachtzeitpunkt abhängig. Nach 10 Wochen liegen sie bei 1.200 g Lebend- und 700 g Schlachtgewicht, was einen Fleischanteil (Brust, Keule, Flügel, Haut) von 280 g bedeutet. Nach 13 Wochen erreichen die Bruderhähne 1.500-1.600 g lebend und Schlachtgewichte zwischen 1.000 und 1.100 g. Der Fleischanteil liegt dann bei 400-450 g.

Größere, schwerere Tiere seien den deutschen Althennen-Schlachthöfe lieber, die für die körperlichen Gegebenheiten der Bruderhähne am besten eingerichtet wären, führte Anette Alpers aus. Größere Tierzahlen wiederum könnten nur Schlachthöfe in Österreich und Polen bewältigen, die dann speziell für Höfe mit Rein-Raus-Verfahren infrage kämen (z. B. 24.000 Bruderhähne aus einem Bio-Betrieb).

Zwar könnten in-ovo-Geschlechtserkennung und Zwei-Nutzungshuhn Alternativen zur Bruderhahn-Aufzucht sein. Die derzeit marktreifen Verfahren dürfen aber nach dem 1. 1. 2023 nicht mehr angewandt werden, weil sie erst nach dem 6. Bruttag funktionieren. Ein spektroskopisches Verfahren zur Geschlechtsbestimmung vor dem 6. Tag ist zwar entwickelt, aber mit Sicherheit bis 1. 1. 2023 noch nicht serienreif. Ähnlich sieht es bei der Methode „Chaggy“ aus, wo der Embryo im Ei vor der Tötung mittels eines Stromstoßes betäubt wird, um Schmerzempfinden bei der anschließenden Tötung zu verhindern.

Als Zwei-Nutzungslinien stünden momentan zur Verfügung: Lohmann Dual und das ÖTZ-Huhn „Caramel“ (Deutscher Lachshahn x White Rock Henne). Bei Lohmann erreicht der Hahn nach 53 Tagen 2.000 g Lebendgewicht und die Henne legt bis zur 72. LW 240 Eier. Bei „Caramel“ wiegt der Hahn nach 105 Lebenstagen 2.400 g und die Henne legt 230 Eier pro Jahr.

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