Bio-Bruderhähne, Aufzucht und Verwertung

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Anette Alpers (Öko-BeratungsGesellschaft mbH) fasste auf der EuroTier 2022 den aktuellen Erfahrungsstand bei der Aufzucht von Bio-Bruderhähnen zusammen.

Seit dem 1. Januar 2022 dürfen männliche Küken aus Legelinien nicht mehr unmittelbar nach dem Schlupf getötet werden. Für die Produzenten von Bio-Eiern machte die Referentin folgende Rechnung auf: der Durchschnittsverbrauch von 230 Eiern pro Kopf und Jahr entspricht etwa einer Legehenne und ebenso einem Bruderhahn pro Person. Bei ca. 6 Mio. Bio-Hennen und 15 Monaten Legedauer ergibt das jedes Jahr 4,8 Mio. Bruderhähne. Diese 4,8 Mio. Bruderhähne haben einen Futterbedarf von ca. 23.000 Tonnen. Eine Futterverwertung von 1:3,8 unterstellt sind also 5.750 ha Öko-Anbaufläche nötig und die Tiere zu ernähren. Auch wenn diese Fläche nur 0,03% der gesamten Bio-Anbaufläche von 1,8 mio. ha in Deutschland entspricht, bleiben 23.000 t Hühnerfutter doch eine erhebliche Menge.

War bisher von einer Futterverwertung bei Bruderhähnen von 1:5 die Rede, erbrachten aktuelle Versuche in Haus Düsse andere Werte:

• mit Junghennen-Futter 1:3,78, mit Junghahnen-Futter 1: 3,29 (jeweils konventionell)
• bei Bioland wurde mit Bio-Futter eine Futterverwertung von 1:4 erreicht.

Die Lebend- und Schlachtgewichte sind natürlich vom Schlachtzeitpunkt abhängig. Nach 10 Wochen liegen sie bei 1.200 g Lebend- und 700 g Schlachtgewicht, was einen Fleischanteil (Brust, Keule, Flügel, Haut) von 280 g bedeutet. Nach 13 Wochen erreichen die Bruderhähne 1.500-1.600 g lebend und Schlachtgewichte zwischen 1.000 und 1.100 g. Der Fleischanteil liegt dann bei 400-450 g.

Größere, schwerere Tiere seien den deutschen Althennen-Schlachthöfe lieber, die für die körperlichen Gegebenheiten der Bruderhähne am besten eingerichtet wären, führte Anette Alpers aus. Größere Tierzahlen wiederum könnten nur Schlachthöfe in Österreich und Polen bewältigen, die dann speziell für Höfe mit Rein-Raus-Verfahren infrage kämen (z. B. 24.000 Bruderhähne aus einem Bio-Betrieb).

Zwar könnten in-ovo-Geschlechtserkennung und Zwei-Nutzungshuhn Alternativen zur Bruderhahn-Aufzucht sein. Die derzeit marktreifen Verfahren dürfen aber nach dem 1. 1. 2023 nicht mehr angewandt werden, weil sie erst nach dem 6. Bruttag funktionieren. Ein spektroskopisches Verfahren zur Geschlechtsbestimmung vor dem 6. Tag ist zwar entwickelt, aber mit Sicherheit bis 1. 1. 2023 noch nicht serienreif. Ähnlich sieht es bei der Methode „Chaggy“ aus, wo der Embryo im Ei vor der Tötung mittels eines Stromstoßes betäubt wird, um Schmerzempfinden bei der anschließenden Tötung zu verhindern.

Als Zwei-Nutzungslinien stünden momentan zur Verfügung: Lohmann Dual und das ÖTZ-Huhn „Caramel“ (Deutscher Lachshahn x White Rock Henne). Bei Lohmann erreicht der Hahn nach 53 Tagen 2.000 g Lebendgewicht und die Henne legt bis zur 72. LW 240 Eier. Bei „Caramel“ wiegt der Hahn nach 105 Lebenstagen 2.400 g und die Henne legt 230 Eier pro Jahr.

Intelligente Lichtsteuerung beim Nutzgeflügel – Licht-Controlling im Geflügelstall

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Louisa Reimers, Hochschule Osnabrück

An der Hochschule Osnabrück wurde ein Projekt zu Lichtsteuerung im Geflügelstall und digitalen Systemen zur Erfassung von Verhaltensabweichungen gestartet. Die Geflügel-Spezialistin Louisa Reimers referierte dazu anlässlich der EuroTier 2022. Dass Licht das Verhalten von Vögeln beeinflusst ist bekannt, insbesondere flackernde Beleuchtung und unpassende Farbspektren können zu Verhaltensstörungen führen (ausführlich hier).

Im Versuchsstall der Osnabrücker Hochschule wurden für den aktuellen Versuch Braune Legehennen sechs verschiedener Genetiken eingestallt und ihre Ställe mit Deckenkameras und LED-Prototypen mit UV-Chips ausgestattet. Die Hennen der Versuchsgruppe wurden einem Lichtspektrum mit „tageslicht-ähnlichem“ UV-Anteil ausgesetzt und der Stall einer Kontrollgruppe „konventionell warmweiß“ beleuchtet. Eine Gefiederbonitur erfolgte dann sowohl kamerabasiert als auch manuell.

Federpicken erwies sich im Versuch als indirekt messbar. Das digitale System ermöglicht große Stichproben, objektive Bewertung der Herde und eine kontinuierliche 24-Stunden-Datenerfassung. Verdeckte Körperregionen können allerdings nicht automatisch erfasst werden, tiefere Gefiederschäden erkennt eine Kamera nicht. Erst wenn man das Rückengefieder manuell zurückstreicht, wird dort fehlendes Gefieder sichtbar. Auch kleinere Schäden an einzelnen Federn sind automatisch schwer zu erkennen. Grundsätzlich sei die Erfassung von Gefiederverlust per Kamera möglich, der Grad der Abweichung aber noch nicht mathematisch sicher zu ermitteln, führte Louisa Reimers aus. Es bestünde weiterer Forschungsbedarf, um über automatische Lichtmodifikation zukünftig Verhalten steuern zu können.

Jedenfalls zeigten die Hennen unter tageslicht-ähnlichem Lichtspektrum einen besseren Gefiederzustand als die Kontrollgruppe und im Trend auch eine etwas höhere Legeleistung.

Europäisches Exzellenznetzwerk bereitet junge Frauen und Männer auf eine Zukunft in der Spitzenforschung vor

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Zwei Doktoranden forschen im Marie-Skłodowska-Curie-Trainingsnetzwerk „MonoGutHealth“ am FBN

Daria De Leonardis (27) und Oyekunle John Oladosu (30), zwei Nachwuchswissenschaftler aus Italien und Nigeria, gehören zu den elf Doktorandinnen und Doktoranden des innovativen Marie-Skłodowska-Curie-Trainingsnetzwerks „MonoGutHealth“. Sie arbeiten am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf in der Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Cornelia C. Metges an ihrer Promotion. Die EU fördert das Projekt am FBN mit rund 500.000 Euro. Es umfasst mehrere Praktika in Unternehmen und Forschungsinstituten sowie regelmäßige internationale Schulungen bei Partnern des Netzwerkes. Insgesamt zehn europäische Länder beteiligen sich an dem hochkarätigen Ausbildungsnetzwerk.

Mit dem vom EU-Programm Horizon 2020 finanzierten Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium sollen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der internationalen interdisziplinären Spitzenforschung vertraut gemacht werden. Während der dreijährigen Forschungsarbeit können die beiden Nachwuchsforschenden hochmoderne Methoden und Techniken nutzen und Erfahrungen in verschiedenen Labors sammeln. Dabei geht es konkret um neuartige Ansätze bei Schweinen und Hühnern vor und kurz nach der Geburt zur Verbesserung der Darmgesundheit. Das „Mono“ im Akronym „MonoGutHealth“ steht für „Monogastrisch“, für Tiere mit nur einem Magen, wie bei Schweinen und Hühnern; „Gut“ bezieht sich auf den Darm und „Health“ auf Gesundheit.

Optimale Ernährungsergänzung für Ferkel finden
„In dem Exzellenzprogramm erhalten die jungen Forschenden erstklassige Möglichkeiten, im Zuge ihrer Promotion nicht nur ein spezielles wissenschaftliches Thema mit innovativen Verfahren zu bearbeiten, sondern auch bedeutende Forschungseirichtungen in Europa von innen kennenzulernen“, betonte Professorin Dr. Cornelia C. Metges. Die Agrarwissenschaftlerin betreut die Italienerin Daria De Leonardis bei ihrer Forschungsarbeit.

Die junge Veterinärbiotechnologin aus Brindisi (Italien), die an der Universität in Mailand studierte, forscht an einer optimierten Ernährungslösung für Ferkel, um deren Darmgesundheit und -entwicklung sowie Wachstumsleistung zu verbessern. Aufgrund von immer größeren Würfen zeigen etwa 15 Prozent der Ferkel bei Geburt ein unterdurchschnittliches Geburtsgewicht und geringe Energiereserven. In dem Forschungsvorhaben wird untersucht, ob die Beigabe von natürlichen Aminosäuren (Glutamin) schon unmittelbar nach der Geburt als Nahrungsergänzung die gesunde Entwicklung der Ferkel fördert. Glutamin hatte sich bereits bei der Darmreifung und der Entzündungsprävention bei von Muttermilch entwöhnten Ferkeln als vorteilhaft erwiesen.

Wurminfektionen bei Hühnern erkennen und vorbeugen
Das Promotionsthema von Oyekunle John Oladosu aus Ibadan (Nigeria), der seinen Master an der Lincoln University in Neuseeland absolvierte, wird von dem Agrarwissenschaftler Dr. Gürbüz Daş betreut. Gemeinsam konnten sie Ende vergangenen Jahres eine wissenschaftliche Publikation in der der Zeitschrift Veterinary Parasitology veröffentlichen. Am FBN haben die beiden Wissenschaftler mit dem Industriepartner TECODevelopment GmbH aus Rheinbach (Nordrhein-Westfalen) eine neue Methode zum Nachweis von Parasiteninfektionen bei Hühnern entwickelt. Die neue Methode ist nicht-invasiv, da sie nur Kotproben als biologisches Material benötigt, relativ einfach durchzuführen ist und eine hohe diagnostische Genauigkeit aufweist.

Parasitäre Wurminfektionen im Darm (Nematodeninfektionen) sind ein häufig auftretendes Problem in europäischen Geflügelfarmen mit Zugang ins Freie, das die Produktivität der Betriebe einschränkt und die Gesundheit der Hühner negativ beeinflusst. In dem Projekt des Nutztierwissenschaftlers aus Nigeria sollen insbesondere Stoffwechselparameter identifiziert werden, die mit einer besseren Immunabwehr und Widerstandskraft gegen die Wurminfektion verbunden sind.

Daria De Leonardis und Oyekunle John Oladosu möchten ihr dreijähriges Forschungsprogramm am FBN im kommenden Jahr mit einer Promotion an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Veterinärmedizin abschließen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Umgang mit krankem und verletztem Wirtschaftsgeflügel – DLG-Merkblatt 477

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Dr. Birgit Spindler, Stiftung Tierärztliche Hochschule, Hannover

Dr. Birgit Spindler (TiHo) stellte anlässlich der EuroTier 2022 das neue DLG-Merkblatt zum Umgang mit krankem und verletztem Geflügel vor. Gleich zu Beginn ihres Vortrags betonte die Geflügelspezialistin, wie wichtig Tierbeobachtung und deren Frequenz sind. Je häufiger ein Geflügelbestand kontrolliert wird desto besser. Gerade in kritischen Zeiträumen seien mindestens zwei Kontrollgänge am Tag sinnvoll. Positiver Nebeneffekt: Je häufiger die Tiere ihre Betreuer sehen, umso eher lassen sie sich auch fangen wenn sie krank sind. Wichtig sei weiterhin wirklich alle Stallbereiche zu kontrollieren, auch weniger gut zugängliche oder dunkle Ecken, die sich gute als Rückzugsorte eignen. Ebenso Kaltscharraum und Auslauf. Hilfreich sei auch in den Aktivitätsphasen, etwa beim Öffnen der Auslaufluken, Getreidekörner zu streuen, um zu sehen, welche Tiere nicht darauf reagieren.

Kenntnisse über Normalverhalten und Verhaltensabweichungen seien essentiell. Dann fallen gesundheitliche Störungen frühzeitig auf, wie z. B.:

• apathisches oder aufgeregtes Verhalten
• Verschmutzung von Kopf oder Gefieder
• kotverschmierte Kloake
• aufgeplustertes Gefieder, eingezogener Kopf, Kopfschwellungen
• Farbveränderungen an Kopf oder Kamm
• geschlossene Augen
• Verletzungen, Laufschwierigkeiten

Vögel mit Missbildungen, z. B. fehlendem Auge oder Kreuzschnabel, sollten beobachtet werde, können aber in der Regel in der Herde verbleiben.

Tiere die eventuell krank, verletzt, lebensschwach oder in ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind, müssen fachgerecht gefangen und begutachtet werden. Eine sachkundige Person mit allen erforderlichen Kenntnissen und Erfahrung müsse dann entscheiden, ob Tiere in ein Krankenabteil gebracht werden oder notgetötet werden müssen oder in der Herde bleiben können.

Für separierte Tiere müssen auch geeignete Maßnahmen ergriffen und die Entwicklung ihres Zustands mehrmals am Tag kontrolliert werden. Allein die Separation stellt keine adäquate Versorgung dar! Im Separationsabteil müssen Futter und Wasser für alle Tiere (auch wenn sie in der Bewegung eingeschränkt sind) zugänglich sein. Wichtig seien weiterhin: geeignetes Einstreumaterial, möglichst geringe Besatzdichte – aber Sichtkontakt zu Sozialpartnern, Beschäftigungsmaterial, Sitzstangen und ggf. Legenester.

Liegt beim Einzeltier ein vernünftiger Grund für die Nottötung gemäß Tierschutzgesetz vor (z. B. nicht behebbare Schmerzen, keine Heilungsaussichten, keine selbständige Wasser- und Futteraufnahme), muss eine sachkundige Person das Tier unter Betäubung und unter Vermeidung von Scherzen töten. Hier empfiehlt Birgit Spindler die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen.

Wie Betäubung, Nottötung und anschließende Kontrolle des Todes durchgeführt werden sollten, beschreibt das DLG-Merkblatt ausführlich und anschaulich. Es steht hier direkt zum Download zur Verfügung.

Revision des QS-Leitfadens Schlachtung/Zerlegung – Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

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Um eine noch bessere und praxisgerechtere Umsetzung der QS-Anforderungen in allen QS-Schlachtbetrieben zu erreichen, hat QS mit Wirkung zum 1. Januar 2023 den „Leitfaden Schlachtung/Zerlegung“ revidiert. Eine wesentliche Neuerung im Leitfaden ist die Zusammenfassung sämtlicher Anforderungen zum Thema Tierschutz in einem eigenen Kapitel, wodurch die Praxistauglichkeit und Übersichtlichkeit des Dokuments weiter verbessert wurde.

Weitere wichtige Neuerungen im QS-Leitfaden Schlachtung/Zerlegung betreffen die nachfolgenden Anforderungen:

• Konkretisierung der Anforderungen zur Lebensmittelsicherheitskultur, damit Unternehmen
die Kriterien besser verstehen und fachgerecht umsetzen können.

• Zur Vorbereitung auf einen möglichen Havariefall, der eine Bedrohung für die
Lebensmittelsicherheit, den Tierschutz, Menschen oder die Umwelt darstellt,
müssen Unternehmen ein Havariekonzept erarbeiten, das interne Abläufe,
Maßnahmen und Entscheidungswege festlegt.

• Bei der Bewertung von Produktionsprozessen müssen mögliche direkte
und/oder indirekte Re- bzw. Kreuzkontaminationen berücksichtigt werden.
Zudem sind Maßnahmen umzusetzen, die das Risiko einer Übertragung
von unerwünschten Stoffen bei der Herstellung, innerbetrieblichen Lagerung
und beim Transport von Produkten minimieren.

• Unternehmen müssen eine tierartspezifische Produkttrennung (Reihenfolge:
erst Rind, dann Schwein, dann Geflügel) sicherstellen, um eine gegenseitige
negative Beeinflussung in der Produktion, etwa den Eintrag von Salmonellen,
auszuschließen.

• Tiere, die nach den Betäubungskontrollen nicht ausreichend betäubt sind,
müssen anhand zugelassener Betäubungsmaßnahmen nachbetäubt werden.
Die Mitarbeitenden müssen dafür nachweislich im Verfahren geschult sein
und dieses entsprechend in der Praxis umsetzen.

Die seit dem 1. Januar 2023 gültige Version des QS-Leitfadens Schlachtung/Zerlegung finden Sie hier. Einen Beitrag zu den wichtigsten Revisionen des Leitfadens sowie zu weiteren Hintergründe bei der Entwicklung der Anforderungen lesen Sie im Beitrag „Herausforderungen der Branche begegnen“ in der frisch erschienenen neuen Ausgabe der qualitas.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit

Afrikanische Schweinepest (ASP); Neue Version des Leitfadens für wirksame Biosicherheitsmaßnahmen in der Schweinehaltung

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Die Niedersächsische Arbeitsgruppe Biosicherheit Schweinhaltung – gegründet durch Experte*innen unterschiedlicher Institutionen unter der Beteiligung der Universität Vechta – hat den im Juli 2022 veröffentlichten Praxisleitfaden angepasst und um einen bebilderten Praxisleitfaden zur Einfriedung von Betrieben ergänzt.

Hintergrund der Veröffentlichung des Leitfadens ist das neue EU-Tiergesundheitsrecht, nach dem insbesondere Tierhalterinnen und Tierhalter in der besonderen Verantwortung stehen, den „Schutz vor biologischen Gefahren“ auf den eigenen Betrieben sicherzustellen. Dies beinhaltet neben Kenntnissen zu Tiergesundheit und Tierseuchen sowie deren Verbreitungsgefahren auch Maßnahmen zum Schutz der Schweine – wie Umzäunung, Einfriedung, Überdachung, Reinigung oder Desinfektion. Außerdem müssen betriebsindividuelle, schriftliche Biosicherheitsmanagementpläne erstellt werden.

In der praktischen Umsetzung hilft den Betrieben nun neben dem Biosicherheitsleitfaden eine bebilderte Anleitung zur Einfriedung der Betriebe, um Landwirt*innen dabei zu unterstützen, die Außengrenzen ihrer Betriebe noch sicherer zu gestalten. Die Dokumente ergänzen die kostenlose betriebsindividuelle Risikobewertung der ASP Risikoampel der Universität Vechta die in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut und der Tierseuchenkasse Niedersachsen an das neue EU-Tiergesundheitsrecht angepasst wird.

Wie geht es weiter?
Die Biosicherheitsanforderungen des EU-Rechts betreffen alle Nutztierhaltungen. Daher soll das Niedersächsische Biosicherheitskonzept zeitnah auch für die Tierarten Geflügel und Rind weiterentwickelt werden. Die Gründung der „AG Biosicherheit in Geflügelhaltungen“ ist für Februar 2023 geplant, an der Dr.in Barbara Grabkowsky, Leiterin des Verbunds Transformationsforschung Agrar (trafo:agrar), für die Universität Vechta ebenfalls mitwirken wird. Die Version 2.0 der ASP Risikoampel ist noch in diesem Frühjahr geplant, eine Rinder-Risikoampel ist derzeit schon in Erarbeitung.

Quelle: Universität Vechta

QS wächst weiter: Fleisch von Legehennen und Junghähnen künftig im QS-System

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Das Prüfsystem QS und der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) haben sich auf gemeinsame Standards für die Vermarktung von Fleisch von Legehennen und Junghähnen aus Legehybridlinien in das QS-System verständigt. Dabei müssen die Betriebe sowohl die Anforderungen des KAT-Kontrollsystems als auch die des QS-Systems erfüllen und an den QS-Monitoringprogrammen teilnehmen. Der Geflügelfleischverarbeitung steht damit ein weiterer qualitätsgesicherter Rohstoff zur Verfügung.

„Wir freuen uns, dass wir den Legehennen- und Junghahnbetrieben im KAT-System jetzt auch die Möglichkeit bieten können, dass Fleisch ihrer Tiere im QS-System vermarkten zu können“, kommentiert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der QS-Qualität und Sicherheit GmbH die gemeinsame Vereinbarung zwischen dem KAT und dem QS-System. „Mit der Anerkennung der KAT-Audits in Kombination mit einer QS-Zusatzcheckliste haben wir die Grundlage geschaffen, dass KAT-Betriebe ohne großen Mehraufwand die Lieferberechtigung in das QS-System erlangen. Damit kann die Geflügelfleischverarbeitung im QS-System auf ein größeres Angebot qualitätsgesicherter Rohstoffe zurückgreifen.“

Neutrale Zertifizierungsstellen überprüfen die KAT- und QS-Anforderungen innerhalb eines Audits für beide Zulassungen. Außerdem nehmen die Betriebe am Schlachtbefunddatenmonitoring und am Antibiotikamonitoring des QS-Systems teil. So erfüllen auch die Legehennen und Junghähne die gleichen Anforderungen wie das Mastgeflügel. Damit kann der Mehrwert ohne Doppelaudits in den Betrieben realisiert werden. Erfüllt ein teilnehmender Betrieb eine der genannten Anforderungen nicht, kann er die Berechtigung zur Lieferung in das QS-System verlieren. Hier gelten ausnahmslos dieselben Anforderungen für KAT-Betriebe wie für alle anderen Tierhaltungen im QS-System.

Die Teilnahme am QS-System ist für KAT-Betriebe freiwillig. Die Anmeldung der Betriebe im QS-System erfolgt über den QS-Bündler Orgainvent, der die teilnehmenden Betriebe sowie die Umsetzung der Monitoringprogramme für Antibiotika und Schlachtbefunddaten betreut.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Elektrolyt-Brausetab zur Vorbeugung und Behandlung von Kälberdurchfällen

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Mit „Hydroforce“ ist ab sofort wieder ein Elektrolyt-Brausetab zur Vorbeugung und Behandlung von Kälberdurchfällen erhältlich. Knapp fünf Jahre gab es keine Alternative zum damalig bekannten und beliebten Produkt.

Kälberdurchfälle sind keine Seltenheit und schwächen die Tiere. In dieser Situation ist die Zufuhr von Elektrolyten extrem wichtig, um das Gedeihen der Tiere zu gewährleisten. Aufgrund seiner speziellen Zusammensetzung weist der Hydroforce Elektrolyt-Tab eine sehr gute Schmackhaftigkeit und eine optimale Auflösung auf. Die Effektivität bei der Pufferung und schnellen Re-Hydrierung mit Elektrolyten bei Kälberdurchfällen macht das Produkt bei Landwirten und auch Tierärzten beliebt. Hydroforce ist in Packungsgrößen mit je 8 oder 48 Stück erhältlich – die Einzeltabs sind nutzerfreundlich und hygienisch einwandfrei verpackt. Die Brausetabs sind jetzt als Ergänzungsfuttermittel zugelassen und unterliegen somit nicht mehr dem Arzneimittelgesetz und sind im Handel oder aber den Tierarzt zu beziehen. Aktuell jedoch ist das Produkt nur über Quidee erhältlich.

Weitere Infos über www.quidee.de.

Räudemilben beim Rind: Das große Kribbeln

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Von Dr. Ole Lamp, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Die Räude-Erkrankung des Rindes durch Befall mit bestimmten Milben tritt typischerweise in der Wintersaison deutlich zutage. Während manche Betriebe dieses Problem gar nicht kennen, ist es in anderen Herden noch sehr verbreitet. Mögliche Auslöser sind die drei Räudemilben-Arten des Rindes, deren Unterschiede und Besonderheiten sowie die Ansätze zu ihrer Bekämpfung im Folgenden vorgestellt werden sollen.

Wie bei vielen andere Säugetiere auch, gibt es speziell an das Rind angepasste Milben, die auf oder in der Haut leben und sich von Körpersubstanzen des Rindes ernähren. Während die Grabmilbe (Sarcoptes) Gänge in die oberen Hautschichten gräbt, leben Saugmilben (Psoroptes) und Nagemilben (Chorioptes) auf der Hautoberfläche. Dabei fressen Grabmilben und Nagemilben Hautzellen. Die Saugmilben hingegen ernähren sich von der Gewebsflüssigkeit, der Lymphe, in der Haut. Es können immer auch verschiedene Arten von Milben auf dem gleichen Tier vorkommen. Die Krankheitsbilder unterscheiden sich aber je nach Befall und es können somit auch gemischte, untypische Krankheitsausprägungen auftreten. Allgemein ist die Nagemilbe die häufigste Art, die in deutschen Rinderherden nachgewiesen werden kann: Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu 59 % der Milchviehherden einer Region befallen sein können und auch frühere Untersuchungen aus den 1990er Jahren fanden einen nicht unerheblichen Anteil von 17,7 % befallener Herden in Norddeutschland .

Stärkere Vermehrung in der Stallsaison
Es handelt sich bei den Milben nicht um Insekten, sondern um Spinnentiere, was bei der Bekämpfung von Bedeutung ist. Die Vermehrung erfolgt über die Eiablage nach der Paarung von männlichen und weiblichen Milben der gleichen Art auf dem Wirtstier. Bei den Grabmilben werden die Eier in den Grabgängen, die in den oberen Hautschichten liegen, abgelegt und sind so gut vor äußeren Einflüssen geschützt. Bei den beiden anderen Arten liegen die Eier auf der Hautoberfläche und sind somit verstärkt Trockenheit und Sonnenlicht ausgesetzt, die so im Sommer die Eier schädigen können, woraus sich umgekehrt die Verstärkung eines Befalls in der Stallsaison erklärt. Allgemein dauert die Entwicklung vom Ei zur geschlechtsreifen Milbe je nach Art und Außentemperatur zwei bis drei Wochen. Dabei durchlaufen die Milben verschiedene Larvenstadien, in denen sie nur begrenzt durch Medikamente angegriffen werden können.

Übertragung von Tier zu Tier
Da die Milben in hohem Maße an das Rind angepasst sind, können sie keine andere Nahrung nutzen und müssen am besten direkt von einem Tier zum nächsten durch direkten Hautkontakt übertragen werden. Sie sind aber je nach Art und Umgebungsbedingungen zwischen 18 Tagen (Grabmilben) und über 70 Tagen (Saug- und Nagemilben) auch ohne Rinderwirt überlebensfähig. Da es sich bei Milben um wechselwarme Tiere handelt, steigern hohe Temperaturen ihren Stoffwechsel, sodass sie bei 20°C schneller verhungern als bei 5°C. UV-Licht wirkt auch schädigend auf die erwachsenen Milben, sodass schattige Stallbedingungen ihr Überleben erleichtern. Raue Oberflächen und Kuhbürsten können ihnen als Versteck dienen. Zudem sind sie auch durch Kriechen in der Lage, wenige Meter im Stall selbständig zurückzulegen. Während die Milben im Winter sehr aktiv sind, scheint es aber auch Ruhestadien für die Sommermonate zu geben, da sich Milben, die in der warmen Jahreszeit gewonnen wurden, als deutlich robuster und zugleich weniger aktiv erwiesen. Dies begünstigt die „Übersömmerung“ vor allem an den schattigen Bereiches des Rinderkörpers an Unterbauch, Fesselbeuge und Kronsaum, wie sie für Nagemilben beschrieben ist.


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Tagung „One Health 2022: Mensch, Tier & Umwelt ganzheitlich denken“

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Am 11. Oktober 2022 fand die vierte gemeinsame „One Health“ Tagung von LAVES, Niedersächsischem Landesgesundheitsamt, TiHo und dem Verbund Transformationsforschung agrar in der Universität Vechta statt.

Zu Beginn betonte Dr. Barbara Grabkowsky (1), zur Beherrschung der wachsenden Problematik der Antibiotikaresistenzen, zur Minimierung des permanenten Risikos bekannter und neuer Zoonosen sowie zum Erhalt einer zuverlässigen Lebensmittelsicherheit sei die aktive Zusammenarbeit zwischen Akteuren in Human- und Veterinärmedizin, Landwirtschaft, Umwelt, Verwaltung und Politik eine zentrale Herausforderung. Nur mit einer ganzheitlichen, fachübergreifenden und transparenten Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin, Kommunen, Politik und Verwaltung könne eine nachhaltige Nutzung von Antibiotika gewährleistet und damit ein effizientes Gesundheitsmanagement für Mensch und Tier dauerhaft sichergestellt werden.

Prof. Thomas Blaha (2) konstatierte: „Corona hat, verständlicherweise, unseren Blick auf die gesundheitlichen Risiken, mit denen wir zu leben haben, und die wir möglichst gut beherrschen wollen, sehr verengt. Tatsache ist, dass alle vorher schon bestehenden Risiken und alle potenziellen neuen Risiken uns wie eh und je bedrohen.“

Dr. Tim Eckmanns (2) stellte GLASS (Global Antimicrobial Resistance and Use Surveillance System) vor, ein weltweites System, das bei der WHO angesiedelt ist. Die schleichende Pandemie der Antimikrobiellen Resistenz führe bereits jetzt zu über 1 Million Todesfällen weltweit, unmittelbar verursacht durch Antibiotikaresistenz.

Prof. Eberhard Haunhorst (4) ging auf die Novellierung des Tierarzneimittelgesetzes ein, die ab 2023 in Kraft tritt. Das tierärztliche Dispensierrecht sei erhalten geblieben, aber für den Antibiotikaeinsatz gäbe es einige Änderungen im Entwurf. So müsse die Antibiotika-Verabreichung vom nächsten Jahr an zusätzlich zu den bisherigen Meldungen auch bei Milchkühen, Zuchtschweinen, Saugferkeln und Legehennen durch den Tierarzt digital gemeldet werden.

Grundlage für die deutliche Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in den letzten Jahren sei das nationale Antibiotikaminimierungskonzept und eine konsequente amtliche Überwachung. Schon heute könnten die Abgabemengen von Antibiotika an Tierärztinnen und Tierärzte transparent dargestellt werden, zukünftig würde durch die Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel aber noch weiter verschärfend jede einzelne Anwendung erfasst. Durch die Schaffung dieses EU-weit gleichermaßen geltenden Rechtsrahmens habe die Veterinärmedizin ihre Hausaufgaben gemacht und sei damit gut für die Umsetzung des „One Health“ Konzeptes aufgestellt.

Dr. Sandra Brogden (5) stellte „AMR und Umwelt: Ein narrativer Review von AB-Resistenzuntersuchungen in der Umwelt (Wasser, Boden, Pflanze, Luft)“ vor.


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Imkertipp: Neue Pflanzenschutzmittel greifen Darmflora von Bienen an

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Insektenmittel auf der Basis von Flupyradifuron und Sulfoxaflor können verheerende Folgen für die Gesundheit von Honigbienen haben. Vor allem in Kombination mit einem gängigen Mittel, das Pflanzen vor Pilzen schützen soll, schädigen die Substanzen die Darmflora der Insekten. Die Substanzen machen sie anfälliger für Krankheiten und lassen sie auch früher sterben. Das zeigt eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) im Fachjournal „Science of the Total Environment“. Die beiden Insektengifte galten bei ihrer Zulassung als unschädlich für Bienen und Hummeln, mittlerweile ist ihr Einsatz jedoch stark eingeschränkt.

Für die Studie wurden zunächst Honigbienen im Labor gezüchtet, die frei von Umwelteinflüssen waren. „Wir wollten jeden Aspekt im Leben der Bienen kontrollieren – angefangen von der Nahrung bis zum Kontakt mit Krankheitserregern oder Pflanzenschutzmitteln“, sagt der Biologe Dr. Yahya Al Naggar, der das Projekt an der MLU leitete. Mittlerweile ist er an der Tanta University in Ägypten tätig. Alle Bienen erhielten in den ersten Tagen die gleiche Nahrung: Zuckersirup. Anschließend wurden sie in mehrere Gruppen eingeteilt und ihrer Nahrung wurden verschiedene Pflanzenschutzmittel zugesetzt. Eine erhielt Flupyradifuron, eine andere Sulfoxaflor. Beide Substanzen sind in Deutschland als Insektengifte zugelassen, mittlerweile allerdings nur noch für den Einsatz in Gewächshäusern.

Da Pflanzenschutzmittel häufig als Gemisch eingesetzt werden, haben die Wissenschaftler das auch in ihrem Laborversuch berücksichtigt: Die Nahrung zweier weiterer Gruppen wurde nicht nur mit den Insektenschutzmitteln angereichert, sondern zusätzlich mit Azoxystrobin, das seit mehreren Jahrzehnten gegen schädliche Pflanzenpilze im Einsatz ist. Die Konzentration der Substanzen lag dabei immer deutlich unter den gesetzlichen Vorgaben. „Wir haben uns stattdessen an realistischen Konzentrationen orientiert, wie sie etwa in Pollen und im Nektar von Pflanzen enthalten sind, die mit den Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden“, sagt Al Naggar. Eine Kontrollgruppe erhielt weiterhin nur den normalen Zuckersirup.

Für zehn Tage beobachtete das Team, ob und welche Folgen die Substanzen für die Bienen hatten. Dabei zeigte sich, dass die beiden Pestizide keineswegs unschädlich sind: War die Nahrung mit Flupyradifuron versetzt, starb etwa die Hälfte aller Bienen während des Untersuchungszeitraums, in Kombination mit Azoxystrobin sogar noch mehr. Für das Mittel Sulfoxaflor gab es ähnliche Effekte, es überlebten jedoch mehr Insekten.

Außerdem analysierten die Wissenschaftler die Darmflora der Bienen, also Bakterien und Pilze, die in deren Verdauungstrakt leben. „Das Fungizid Azoxystrobin reduzierte sehr deutlich die natürlich vorkommenden Pilze. Das war zu erwarten, da Fungizide eben zur Bekämpfung von Pilzen eingesetzt werden“, sagt Dr. Tesfaye Wubet vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der auch Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig ist. Über die zehn Untersuchungstage hinweg konnte das Team aber zeigen, dass sich die Zusammensetzung von Pilzen und Bakterien je nach eingesetzten Substanzen sehr stark von der Kontrollgruppe unterschied. Besorgniserregend war den Forschern zufolge dabei, dass sich das Bakterium Serratia marcescens besonders gut im Verdauungstrakt der behandelten Tiere ausbreiten konnte. „Diese Bakterien sind krankheitserregend und können die Bienengesundheit schädigen. Sie können dazu führen, dass es den Tieren schwerer fällt, Infektionen abzuwehren, und so zum vorzeitigen Tod führen“, so Al Naggar.

Die Studie aus Halle wurde im Labor durchgeführt, um möglichst alle Einflüsse von außen auf die Bienen auszuschließen. Ob in der Natur ähnliche Ergebnisse zu finden sind, lässt sich daher nicht mit Gewissheit sagen. „Es könnte sein, dass die Effekte noch dramatischer auftreten würden – oder dass es den Bienen gelingt, die negativen Folgen ganz oder zumindest teilweise zu kompensieren“, so Wubet abschließend. Das Team fordert deshalb, vor der Zulassung neuer Pestizide die Folgen für nützliche Insekten genauer zu erforschen und zum Beispiel auch die Folgen für die Darmflora standardmäßig in die Risikobewertung aufzunehmen.

Die Studie wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert und im Rahmen des EU-finanzierten Projekts „Poshbee“ unterstützt.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Steckbriefe zur Haltung von Nutztieren in Deutschland aktualisiert

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Wie viel Tonnen Fleisch werden in Deutschland produziert? Wie sehen die Betriebsstrukturen aus, wie die Nachfrage? Umfassende Informationen dazu geben seit 2017 die Thünen-Steckbriefe zur Tierhaltung. Die Steckbriefe werden jährlich aktualisiert. Die jetzt erschienenen Neufassungen berücksichtigen Daten bis zum Jahr 2022. Neben Schwein, Rind und Geflügel gibt es auch einen Steckbrief zur Aquakultur.

Die Übersichten zeigen, dass sich Produktion, Verbrauch und Exporte in den einzelnen Tierkategorien sehr unterschiedlich entwickelt haben. Während sich die Produktion von Geflügelfleisch in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt hat, ist die Schweineproduktion nach stetigem Anstieg bis 2016 zunehmend rückläufig – von Mai 2020 bis Mai 2022 sanken die Bestände um mehr als 12 %. Dies dürfte auf die seit längerem katastrophale Marktsituation zurückzuführen sein, insbesondere aufgrund der Afrikanischen Schweinepest und der COVID-Pandemie, der gestiegenen Energie- und Futterkosten, dem Arbeitskräftemangel, aber auch wegen der geänderten Verbrauchsgewohnheiten. Hinzu kommt die fehlende Planungssicherheit, vor allem im Hinblick auf die zukünftige Tierwohl- und Umweltpolitik.

Die Rindfleischproduktion stagniert seit Jahren. Die gesamte Fleischproduktion in Deutschland lag 2021 bei knapp 8,23 Millionen Tonnen (inkl. Innereien sowie Schlachtnebenerzeugnissen), was einem Rückgang von knapp 3 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hiervon entfiel mit 4,97 Millionen Tonnen der größte Teil noch immer auf Schweineschlachtungen, gefolgt von Geflügel- und Rinderschlachtungen. Nach wie vor ist Deutschland beim Fleisch ein Nettoexporteur, allerdings in den letzten drei Jahren mit leicht rückläufiger Tendenz. Hauptausfuhrgut war trotz der schwierigen Situation weiterhin mit großem Abstand Schweinefleisch, das aufgrund des weitgehenden Rückgangs der Exporte in Drittländer fast ausschließlich innerhalb der EU gehandelt wurde.

Der Pro-Kopf-Verzehr an Fleisch betrug 2021 in Deutschland 55 kg. Der Pro-Kopf-Verbrauch – darunter fallen neben der Menge für den menschlichen Verzehr auch die Nutzung in der Heimtiernahrung und die industrielle Verwertung – belief sich auf 82 kg. Beide Werte sind gegenüber dem Vorjahr weiter zurückgegangen.

Die Steckbriefe greifen bewusst nicht die vielfältigen Diskussionen zum Thema Tierhaltung auf; sie liefern aber einen fachlichen Beitrag, um eben diese gesellschaftliche und politische Diskussion über den Status quo und die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland auf einer soliden Informationsbasis führen zu können.

Die Steckbriefe zur Tierhaltung sowie Angaben zu Märkten, Beständen, Produktion, Betriebsstrukturen, regionaler Verteilung, Handel und Wirtschaftlichkeit bietet das Thünen-Institut auf seiner Webseite an (www.thuenen.de). Zu finden im Themenfeld „Nutztierhaltung und Aquakultur“ im Dossier „Nutztierhaltung und Fleischproduktion“,

Auf der Webseite befinden sich außerdem im gleichen Themenfeld Kurzbeschreibungen der gängigsten Produktionsverfahren in der Tierhaltung, sowohl konventionell als auch ökologisch.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Null-Toleranz für Newcastle Disease

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Von Dr. Heike Engels

Die Newcastle-Krankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche beim Geflügel. Die Erkrankung wird aufgrund ihres teils sehr schnellen Verlaufs auch atypische Geflügelpest genannt. Obwohl es eine Impfpflicht gibt, gibt es immer mal wieder Ausbrüche. Dann entsteht nicht nur bei den erkrankten Tieren selbst großer Schaden, sondern es kommt auch zu schweren wirtschaftlichen Folgen für Tierhalter und ganze Regionen. Wie ist die Erkrankung zu erkennen und was ist bei einem Ausbruch zu tun?

Der Erreger der Newcastle-Krankheit (Newcastle Disease, ND) gehört zu den Paramyxoviren vom Serotyp 1 (PMV-Typ 1). Die ND-Virusstämme können anhand ihres Genotyps in zwei Klassen eingruppiert werden. Klasse I Viren sind meist von niedriger Virulenz und werden vorwiegend in Wildvögeln gefunden. Klasse II Viren umfassen verschiedene Genotypen mit Viren niedriger bis hoher Virulenz. Ihren Namen trägt die Erkrankung nach dem britischen Newcastle upon Tyne, wo die Krankheit 1927 erstmals in Europa nachgewiesen wurde.

Die Erreger der ND sind weltweit verbreitet. Sie haben ein breites Wirtsspektrum mit vielen Symptomen. Das erschwert die Diagnose. Es kann neben zahlreichen Vogelarten auch in einigen Säugern, Reptilien, Amphibien und Insekten nachgewiesen werden. Die Einschleppung in seuchenfreie Gebiete erfolgt meistens auch über den Handel von infiziertem Geflügel, bei dem die Erkrankung noch nicht ausgebrochen ist, und sogar über Geflügelfleischprodukte. Infektiöse Viruspartikel können über 6 Monate und länger in gekühltem Geflügelfleisch überdauern.

Natürliches Reservoir in Zugvögeln
Die Erreger der ND verursachen eine Infektion, die sich in die Blutbahn ausbreitet, verbunden mit schweren Allgemeinstörungen und hoher Sterblichkeit vor allem bei Huhn und Pute sowie Haus- und Wildvogelarten. Das Wassergeflügel ist relativ unempfänglich und erkrankt nur selten klinisch. Wildlebende Stand- und Zugvögel stellen das natürliche Reservoir insbesondere für niedrig virulente Virusstämme dar. Doch Wassergeflügel kann das Virus längere Zeit über den Kot verbreiten. Der Serotyp 1 scheint endemisch in Geflügel- und Wild- sowie gehaltenen Tauben zu sein.

Bei der Verbreitungsart des Virus steht die horizontale gegenüber der vertikalen Übertragung im Vordergrund. Das bedeutet, dass das verstärkt innerhalb von Tiergruppen einer Generation verbreitet wird. m Gegensatz dazu steht die vertikale Virusübertragung, die den Virusübertritt von den Elterntieren auf die Nachkommen beschreibt. Das ND-Virus wird bei erkrankten Tieren über den Darm und die Nieren bis zum Tod ausgeschieden. Durch den direkten Kontakt von Tier zu Tier im Stall oder auf dem Transport (auch von geschlachteten Tieren, Bruteiern oder Eintagsküken) breitet sich das Virus sehr schnell horizontal aus. Aber auch indirekt über Fahrzeuge, Mist, Futter oder Transportkisten kann der Seuchenerreger übertragen bzw. verschleppt werden. Der Mensch ist ebenfalls ein bedeutsamer Überträger der Seuche: über nicht gereinigte und desinfizierte Kleider, Schuhe oder Hände kann er die Krankheit weiter verbreiten. Wildvögel, Ratten, Mäuse und Insekten stellen auch große Risiken dar, ganz besonders in der Freilandhaltung. Der als Dünger auf die Felder aufgebrachte Geflügelkot ist eine zusätzliche potentielle Virenquelle.


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FBN-Wissenschaftlerin leitet erstes deutsches Forschungskonsortium für zellbasiertes Fleisch

Noch bestehende Wissenslücken sollen erforscht werden

Die konventionelle Produktion von Fleisch mit landwirtschaftlichen Nutztieren leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit tierischem Protein. Sie steht jedoch wegen negativer Effekte auf Umwelt und Klima sowie im Zusammenhang mit ethischen Aspekten und sich ändernden Essgewohnheiten in der Kritik. Zudem soll die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf zehn Milliarden Menschen wachsen. Um diesen Zielkonflikt zu lösen, setzt eine steigende Zahl von Startups, Investoren und großen Lebensmittelproduzenten weltweit auf sogenanntes „In-vitro-Fleisch“, das direkt aus Zellen landwirtschaftlicher Nutztiere hergestellt wird. Jedoch sind wesentliche wissenschaftliche Fragen zu klären, bevor Produkte aus zellbasierter Landwirtschaft als ethisch einwandfreie, gesunde und klimafreundliche Alternative zu herkömmlichem Fleisch in Deutschland und der EU vertrieben werden können.

© Foto FBN Joachim Kloock
Projektleiterin PD Dr. Monika Röntgen am Bioreaktor, in dem das Zellwachstum erfolgt.

Die Wissenschaftlerin PD Dr. Monika Röntgen und ihr Team am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) möchten in dem gemeinsam mit Partnern gegründeten multidisziplinären Forschungskonsortium „CELLZERO Meat“ die bestehenden Wissenslücken schließen und nachhaltige Verfahrenslösungen entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt „CELLZERO Meat“ unter Federführung des FBN mit 1,19 Millionen Euro. Das Projekt wird in Übereinstimmung mit den in der „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ und der „Nationalen Politikstrategie Bioökonomie“ dargelegten Zielen und Leitlinien der Bundesregierung durchgeführt.

„Wir haben starke Partner an unserer Seite und ganz neue Forschungsansätze“, betonte die Projektleiterin PD Dr. Monika Röntgen. Zum Forschungsverbund gehören das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. in Greifswald (MV), die Hochschule Anhalt in Bernburg (Sachsen-Anhalt) sowie die PAN-Biotech GmbH in Aidenbach (Bayern).

Drei Hauptprobleme müssen gelöst werden
„Es gibt eine Reihe von ungelösten wissenschaftlichen Hürden, die eine Herstellung zellbasierter Fleischalternativen und damit auch die Entstehung eines Marktes bisher verzögert haben. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, diese zu überwinden“, so Röntgen. „Projektziel ist daher die Entwicklung eines Verfahrens, dass auf den Ergebnissen der eigenen Grundlagenforschung basiert. Im Fokus steht dabei, Alternativen für drei Hauptprobleme der zellbasierten Produktion von tierischem Protein zu finden und umzusetzen. Das betrifft den Einsatz von fötalem Kälberserum und Antibiotika in den für die Zellkultur genutzten Nährmedien sowie die Nutzung gentechnischer Verfahren“, sagte die Wissenschaftlerin.

Seit 2018 forscht das FBN unter Leitung von PD Dr. Monika Röntgen bereits zu zellbasiertem Fleisch. „Unsere langjährige Forschung zur Muskelentwicklung beim Schwein und zur Funktionalität muskulärer Stammzellen war die Basis der Projektidee zu CELLZERO Meat, die in einer bereits vom BMBF geförderten Sondierungsphase erfolgreich geprüft und weiterentwickelt wurde. In einer zweijährigen Machbarkeitsstudie, die im Juli 2022 startete, wird nun in einem innovativen Forschungsnetzwerk daran gearbeitet, wesentliche Verfahrensschritte praktisch umzusetzen.“

© Foto: FBN Joachim Kloock, Dr. Katja Stange untersucht am Mikroskop die Entwicklung der Stammzellen.

Hochspezialisierte Partner im Netzwerk
Das FBN-Team um PD Dr. Monika Röntgen ist für die zellbiologischen Aspekte des Verfahrens verantwortlich, welches ohne gentechnische Interventionen auskommt und alle Schritte von der Gewinnung des Ausgangsmaterials bis zum zellbasierten Produkt (Wurst bzw. geformtes Fleisch) umfasst. Durch die Partner an der Hochschule Anhalt wird parallel erforscht und untersucht, welche fleischtechnologischen, funktionellen und sensorischen Rohstoffeigenschaften für die Erzeugung eines schmackhaften und gesunden Lebensmittels aus tierischen Zellen erforderlich sind.

„Uns ist es wichtig, dass die benötigten Stammzellen ethisch vertretbar, das heißt nicht-invasiv und ohne Tötung oder Leid von Tieren, gewonnen werden können,“ unterstrich die Veterinärmedizinerin. Ersatzprodukte für fötales Kälberserum, das aus dem Blut ungeborener Kälber gewonnen wird, und neue Nährlösungen für die Zellkulturen werden in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Unternehmen PAN-Biotech GmbH entwickelt. Damit während des gesamten Prozesses auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet werden kann, wird am INP in Greifswald ein neues, rückstandsfreies Dekontaminationsverfahren auf Plasma-Basis entwickelt.

© Foto: FBN Joachim Kloock Projektmitarbeiterin Tessa Wolter bereitet die Nährstofflösung vor

Markteinführung im Fokus
„Die zellbasierte Fleischproduktion ist ein hochkomplexer und derzeit noch sehr kostenintensiver Prozess. Es müssen in multidisziplinärer Zusammenarbeit skalierbare Herstellungsverfahren und eigenständige Technologien entwickelt werden, die Lösungen für die biologischen Prozesse, aber auch für deren technische Umsetzung unter Beachtung von Nachhaltigkeits- und ethischen Aspekten beinhalten. Deshalb wird noch einige Zeit vergehen, bis Zellkulturfleisch auf unserer Speisekarte steht. Wir sind aber davon überzeugt, dass es möglich ist, wissenschaftlich fundierte und ethisch unbedenkliche Verfahren zu entwickeln. Denn an dem Fleisch der Zukunft führt angesichts der Welternährungslage kein Weg vorbei“, so die Wissenschaftlerin.

In spätestens zwei Jahren sollen die Ergebnisse des Forschungsverbundes präsentiert werden. Dann werden auch Themen wie Verwertbarkeit und Markteinführung eine entscheidende Rolle spielen.

Partner im Netzwerk CELLZERO Meat
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V. (INP) Greifswald (MV)
Das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V. (INP) gehört weltweit zu den führenden Forschungsinstituten im Bereich physikalischer Plasmen, deren Grundlagen und technischen Anwendungen. Mit derzeit etwa 200 Wissenschaftlern, Ingenieuren und weiteren Fachkräften ist das INP die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung zu Niedertemperaturplasmen in Europa.

Ansprechpartnerin:
Dr. Sybille Hasse (sybille.hasse@inp-greifswald.de) www.inp-greifswald.de

Hochschule Anhalt (HSA) in Bernburg am Campus Köthen (Sachsen-Anhalt)
An der Hochschule Anhalt (Anhalt University of Applied Sciences) mit Ihren drei Standorten in Köthen, Dessau und Bernburg studieren über 7.000 junge Menschen aus über 100 Ländern und erlangen einen Bachelor-, Master- oder auch Promotionsabschluss. Die HSA ist eine der forschungsintensivsten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in ganz Deutschland, insbesondere in den Bereichen Life Sciences und Technikwissenschaften. Bereits seit mehr als 25 Jahren sorgen Forscherteams an der Hochschule Anhalt für Innovationen in den Bereichen Prozess- und Technikentwicklungen für die Lebensmittelproduktion und Produktentwicklungen von Lebensmitteln. Sowohl die gesunde Ernährung als auch eine nachhaltige Produktion stehen im Mittelpunkt der anwendungs- und transferorientierten Arbeit.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfram Schnäckel (wolfram.schnaeckel@hs-anhalt.de) www.hs-anhalt.de/lef/

PAN-Biotech GmbH (Bayern)
Das 1988 gegründete Unternehmen entwickelt und produziert in Deutschland Zellkulturprodukte für die Forschung und die Bio-Pharma-Industrie weltweit. Schwerpunkte der Produktpalette beinhalten sowohl Zellkulturmedien und Supplemente für diverse Zellkulturen, als auch Pufferlösungen und andere Reagenzien für die Aufreinigung von Zellkultur-basierten Produkten in industriellen Prozessen. Aufgrund seiner Flexibilität und der Vielfalt der Produkte ist das Unternehmen in der Lage, die Umsetzung von Projekten, von der Entstehung der Ideen bis zur Realisierung im industriellen Maßstab, zu begleiten und zu unterstützen.

Ansprechpartner:
Dr. Ing. Jianan Fu/Pascal Zimmermann (info@pan-biotech.de) www.pan-biotech.de

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Aktuelles Interview: Escherichia coli – Wissen, womit man es zu tun hat

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Escherichia coli (E. coli) ist ein Darmkeim, der überall in der Umwelt und im Darm von Mensch und Tier vorkommt. Während viele E. coli durchaus nützliche Bakterien sind, gibt es auch einige krankmachende Stämme. Diese bereiten Schweinehaltern immer wieder große Sorgen, weil sie unter anderem im Saugferkelbereich zu schweren Krankheitsverläufen führen können. Warum das so ist und wie dann vorzugehen ist, weiß Dr. Ines Spiekermeier. Sie ist Fachtierärztin für Schweine, hat jahrelang in der Praxis gearbeitet, und ist nun bei der AniCon Labor GmbH in der Beratung zu Diagnostik und Prophylaxe tätig.

E. coli ist natürlicherweise im Darm vorhanden. Warum und wann kann der Erreger gefährlich werden?
Bei E. coli wird unterschieden zwischen den Kommensalen, also den natürlichen Bewohnern des Darmes und den pathogenen E. coli, die über bestimmte Virulenzfaktoren verfügen und damit Krankheitspotential haben. Denn inzwischen sind bei E. coli viele Gene bekannt, die zum einen die schädigende Wirkung über Giftstoffe wie z. B. die Toxine EAST oder ST auslösen oder die die Anheftung von E. coli an der Darmschleimhaut, die sogenannte Adhäsion, vermitteln. Anhand des Nachweises dieser Gene, auch Virulenzmarker genannt, ist es möglich, das Virulenzpotenzial von E. coli-Isolaten besser einschätzen zu können. Die darmpathogenen E. coli werden auch als intestinale pathogene E. coli bezeichnet. Diese können noch weiter in enteropathogene, enterotoxische E. coli sowie in Shigatoxin-bildende E. coli und in E. coli, welche die nekrotisierende Enteritis auslösen können, eingeteilt werden. Es kann aus verschiedenen Gründen zu einer abnormen Vermehrung dieser E. coli-Erreger im Darm kommen. Der Darm kommt aus dem Gleichgewicht, die E. coli heften sich an die Darmwand und produzieren ihre Toxine. Je nachdem, um welches Toxin es sich handelt, erkranken die Tiere. Von den Shigatoxin-bildenden E. coli, die mehr um das Absetzen eine Rolle spielen, reicht eine ganz geringe Menge Toxin, dass die Tiere an der Ödemkrankheit erkranken. Der Erreger wird dann oral über die Aufnahme von erregerhaltigen Kotpartikeln von Tier zu Tier weitergegeben. Der Erregereintrag kann auf vielfältigem Weg passieren, eine Hauptursache für eine Erkrankung ist aber auch häufig darin zu sehen, dass die Ferkel nicht ausreichend durch maternale Antikörper geschützt sind.

Ist die Bestimmung der verschiedenen E. coli-Stämme für die Behandlung wichtig und ist sie einfach durchzuführen?
Ja, sie ist nicht nur für die Behandlung wichtig, sondern schon für die korrekte Diagnosestellung. Allein der Nachweis von E. coli ist nicht gleichbedeutend damit, dass E. coli auch die Erkrankungsursache ist.


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Antibiotikaresistente Keime bei Mastkälbern und Jungrindern

Bestimmte Haltungssysteme können Abhilfe schaffen

Für das Zoonosen-Monitoring wurden 299 Proben des Darminhalts von Mastkälbern und Jungrindern am Schlachthof untersucht. Gut zwei Drittel der Proben (65 %) enthielten antibiotikaresistente ESBL/AmpC-bildende /E. coli/-Bakterien. Weitere Untersuchungen wurden auf Ebene der Erzeugerbetriebe durchgeführt. Die Proben von Kälbern, die während ihrer Aufzucht in ihrem Geburtsbetrieb (Milchrinderbetrieb) verbleiben, waren dabei deutlich seltener mit antibiotikaresistenten Keimen belastet als diejenigen von Kälbern, die in Mastbetrieben aufgezogen werden. Dazu sagt der Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Friedel Cramer: „Die Ergebnisse zeigen, dass das Vorkommen von antibiotikaresistenten Keimen bei Kälbern stark davon abhängt, wie die Tiere aufgezogen werden. Um die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in diesem Bereich einzudämmen, sollten die Tiere möglichst in Haltungssystemen gehalten werden, in denen sich offenbar weniger resistente Bakterien entwickeln.“

Im vergangenen Jahr wurden für das Zoonosen-Monitoring Kotproben von Kälbern zur Mast unter anderem auf ESBL/AmpC-bildende /Escherichia coli (E. coli)/ untersucht. Diese antibiotikaresistenten Bakterien wurden in Proben von Kälbern, die in Milchrinderbetrieben aufgezogen wurden, zu 25,2 % und damit deutlich seltener nachgewiesen als in den Proben von Kälbern aus Mastkälberbetrieben (58,9 % positive Proben) und Mastrinderbetrieben (45,7 % positive Proben).

Dieser Unterschied hängt möglicherweise damit zusammen, dass Kälber, die in Milchrinderbetrieben aufgezogen werden, im Gegensatz zu Tieren aus Mastkälber- oder Mastrinderbetrieben, während ihrer Aufzucht im Geburtsbetrieb verbleiben. Sie sind dadurch weniger Stress (z. B. durch Transporte) ausgesetzt, was mit weniger Erkrankungen und damit einer selteneren Behandlung mit Antibiotika einhergehen könnte. Zudem haben sie weniger bzw. keinen Kontakt zu Kälbern aus anderen Beständen. Dadurch könnte es zu einer geringeren Verbreitung von ESBL/AmpC-bildenden Bakterien kommen.

ESBL- und/oder AmpC-bildende Bakterien bilden Enzyme, die die Wirksamkeit von Penicillinen und Cephalosporinen herabsetzen bzw. aufheben können, sodass die Bakterien unempfindlich gegenüber diesen Antibiotika sind. Eine Rolle spielen ESBL/AmpC-bildende Bakterien beim Menschen insbesondere als Verursacher von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen.

Der häufige Nachweis von ESBL/AmpC-bildenden /E. coli/ bei Nutztieren ist aufgrund der besonderen Bedeutung der Cephalosporine der 3. und 4. Generation für die Therapie des Menschen besorgniserregend, zumal nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand davon auszugehen ist, dass diese resistenten Keime auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können.

Hintergrund
Im Zoonosen-Monitoring werden Daten über das Auftreten von Krankheitserregern in Tieren, Schlachtkörpern und Lebensmitteln erfasst, die auch beim Menschen Krankheiten auslösen können. Für das Zoonosen-Monitoring 2021 haben die Überwachungsbehörden der Bundesländer insgesamt 5.566 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und untersucht. Dabei wurden 2.210 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht.

Der vollständige Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2021 ist hier online abrufbar.

Quelle: BVL

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 6/2022 steht zum kostenfreien Abruf bereit

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Liebe Leserinnen und Leser!

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6 / 2022 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Die Klauengesundheit in den Fokus nehmen
• Räudemilben beim Rind: Das große Kribbeln
• Kryptosporidiose schneller und erfolgreicher behandeln
• Steckbriefe zur Haltung von Nutztieren aktualisiert
• 11 Tipps rund um die Kalbung
• Influenza beim Schwein besser verstehen
• Escherichia coli: Wissen, womit man es zu tun hat
• Tagung „One Health 2022″ der Uni Vechta
• Null-Toleranz für Newcastle Disease
• Neues vom WBC: „Der Hoftierarzt“ berichtet
• Neue Pflanzenschutzmittel greifen Darmflora von Bienen an

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt einfach hier registrieren, 1 x Bestätigung klicken und gleich kostenfrei downloaden!

Frohe Weihnachten!

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Wir wünschen ein frohes Fest für Mensch und Tier. Vielen Dank an alle Freunde, Leser, Abonnenten für die Unterstützung auch in diesem Jahr!

Bevor wir mit frischem Elan ins Jahr 2023 starten, erscheint in der kommenden Woche aber noch Ausgabe 6/22 des E-Magazins mit diesen Themen:

* Die Klauengesundheit in den Fokus nehmen
* Räudemilben beim Rind: Das große Kribbeln
* Kryptosporidiose schneller und erfolgreicher behandeln
* Steckbriefe zur Haltung von Nutztieren in Deutschland aktualisiert
* 11 Tipps rund um die Kalbung
* Influenza beim Schwein besser verstehen: Die Bekämpfung
* Escherichia coli: Wissen, womit man es zu tun hat
* Tagung „One Health 2022: Mensch, Tier & Umwelt ganzheitlich denken“
* Null-Toleranz für Newcastle Disease
* Neues vom WBC-Rinderongress: „Der Hoftierarzt“ berichtet
* Neue Pflanzenschutzmittel greifen Darmflora von Bienen an

Neue Mutterschutzimpfung gegen Kälberdurchfall von Boehringer Ingelheim

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Boehringer Ingelheim erweitert sein Portfolio an Rinderprodukten um einen neuen Impfschutz zur Vorbeugung von Kälberdurchfall. Neugeborenendurchfall verursacht hohe Verluste bei Kälbern und führt häufig zu Folgeerkrankungen, denn das Durchfallkalb ist meistens auch das Lungenkalb. Kälber erhalten durch die Mutterschutzimpfung mit dem neuen Präparat eine passive Immunität, wenn sie ausreichend Kolostrum von geimpften Müttern aufnehmen. Der Schutz entsteht folgendermaßen: das tragende Tier wird 12 bis 3 Wochen vor dem Geburtstermin gegen Rota-, Coronaviren und E. coli geimpft. Das Immunsystem der Kuh/Färse bildet Abwehrstoffe gegen diese Durchfallerreger. Diese werden in hohen Konzentrationen im Kolostrum angereichert und gelangen so ins Kalb.

Umfangreiche Studien belegen, dass die neue Mutterschutzimpfung die Ausscheidung von Rota- und Coronaviren über den Kot verringert und das Auftreten und den Schweregrad von Coronavirus-bedingten Durchfallerkrankungen reduziert. Zudem beugt das neue Präparat Neugeborenendurchfall vor, der durch Rotaviren und E. coli F5 (K99) verursacht wird. Das ermöglicht neugeborenen Kälbern eine sehr gute Voraussetzung ins Leben.

Der neue Mutterschutzimpfschutz ist als One-Shot in einer Dosis von 2 ml einfach zu verabreichen und bietet eine hohe Sicherheit und Wirksamkeit. Das Präparat ist zugelassen für die aktive Immunisierung von trächtigen Färsen und Kühen. Durch eine gute Hygiene und ein optimales Kolostrummanagement können die neugeborenen Kälber frühzeitig geschützt werden. Durch eine Mutterschutzimpfung verbessern Sie den Start ins Kälberleben.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:
Dr. Jochen Deitmer, Tel. 06132-773706, jochen.deitmer@boehringer-ingelheim.com

Quelle: Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH

ITW schafft Entlastung für Schweinemäster

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• ITW-Schweinehalter können ihre Teilnahme vorübergehend aussetzen – ohne sich komplett abzumelden
• Mehr Flexibilität in der aktuellen Marktsituation
• Pause darf max. 8 Monate betragen

Ab sofort erhalten Schweinemäster der Initiative Tierwohl (ITW), die Möglichkeit, ihre Teilnahme vorübergehend auszusetzen – ohne sich komplett abzumelden. Damit unterstützt die ITW Schweinehalter, die ihre Masttiere aufgrund der aktuell schwierigen Marktsituation nicht als ITW-Tiere vermarkten können. Mit dem Aussetzen der Teilnahme kann die Umsetzung der ITW-Anforderungen pausieren. In Abstimmung mit der ITW darf diese Pause längstens bis zum 31. August 2023 andauern.

„Aktuell herrschen schwierige Zeiten am Markt – vor allem für die Schweinehalter. Unser Ziel ist und war es, Tierwohl in der Breite zu verankern und bei der Umsetzung unterstützen wir unsere Tierhalter so gut es geht“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Mit der Option, die Teilnahme vorrübergehend zu pausieren, geben wir den Tierhaltern die Flexibilität und Unterstützung, die sie in diesen Zeiten brauchen.“

Für die Tierhalter bietet das Pausieren den Vorteil, dass in diesem Zeitraum die ITW-Anforderungen nicht eingehalten werden müssen und keine ITW-Audits stattfinden – der Stall aber nicht leer stehen muss. Der Betrieb hat zwar keine ITW-Lieferberechtigung, kann seine Tiere aber weiterhin mästen, und z.B. als QS-Tiere – bei entsprechender Zulassung im QS-System – vermarkten.

Der Zeitraum wird vorab vom Tierhalter definiert und über den Bündler an die ITW kommuniziert. Von der ITW-Geschäftsstelle wird dann eine entsprechende Sperre in der Tierwohldatenbank hinterlegt. Bei Wiederaufnahme der Teilnahme muss ein neues Programmaudit durchgeführt werden. Besteht jedoch die Unsicherheit, ob die Teilnahme nach der Pause fortgesetzt wird, empfehlen wir die bisherige Teilnahme über ein zusätzliches Bestätigungsaudit vor der Pause abzusichern.

Quele: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH