„Kälberverlusten vorbeugen – präventive Maßnahmen“ – #Bioland Fleischrindertagung 2022

Bioland Bio-Fleischrinder- und Mutterkuh-Tagung 2022

„Warum verlassen Kühe die auf Weiden gehalten werden die Herde und gebären ihre Kälber abseits der Gruppe?“, fragte Dr. Matthias Link und gab gleich die Antwort: „Um sie vor den Krankheitserregern der älteren Tiere zu schützen“, bis das Kolostrum seine Wirkung entfaltet hat. Und wie zahlreich Bakterien und Viren sind, die auf ein Kalb „warten“, führte der Rinderspezialist aus Varrel in seinem Vortrag anlässlich der „Bioland und Biokreis Fleischrinder- und Mutterkuhtagung 2022“ eindrucksvoll aus.

Dr. Matthias Link

Durchfall
In den allerersten Lebenstagen droht Kälbern Durchfall, sowohl ernährungsbedingte als auch durch Parasiten und Infektionen hervorgerufene Varianten. Ernährungsbedingter Durchfall kann z. B. seine Ursache in unerkanntem Milchmangel haben oder auch in einer Überversorgung mit Milch, wenn Kälber von hochleistenden Kühen zu viel auf einmal saugen und der Labmagen überläuft. Zu niedrige Temperatur der Milch macht (vor allem Tränkekälber) krank, wie auch die Konzentration (Wasserzusatz). Später kann auch die Weidequalität – junge Neuaussaat oder kleegrasreiche Weide – zum Problem werden.

Parasiten drohen schon nach wenigen Tagen: ab dem 3. bis 5. Lebenstag Cryptosporidien, Kokzidien in der 3. bis 8. Lebenswoche, die beide zu starkem Durchfall und schnellem Verfall führen können. Im 2. Lebensmonat sind es dann Würmer die Durchfall, Fressunlust und Abmagerung verursachen können.

Schließlich gibt es infektiöse Durchfälle, aus gelöst von E. coli (1. bis 4. Lebenstag,), Rota/Corona-Viren (4. bis 6. Lebenstag), Clostridien (2. Lebenswoche und älter) die alle zu schnellem Verfall des Kalbs führen können. Salmonellen schließlich greifen ab der 2. Lebenswoche an und verursachen oft blutige und schwere Verläufe.

Nach einer Kotprobenuntersuchung stehen folgende Maßnahmen zur Behandlung zur Verfügung:

* Tränkeplan/Flüssigkeitsersatz – 3 x Milch- und 2 x Elektrolytmahlzeit
* Tränkezusätze (Huminsäure, Tonerde, EM)
* Infusionstherapie
* Mutterblutübertragung
* Wärmezufuhr
* Antibiose
* Entwurmung, Kokzidiostatika

In einer Mutterkuhhaltung ist die Behandlung oft schwierig, da Mutterkälber häufig die zusätzliche Tränke ablehnen. Hier sind dann eher Infusionen Mittel der Wahl. Auf jeden Fall jedoch ist schnelles Handeln gefordert.

Lungenerkrankungen
Lungenkrankheiten treten bei Kälbern häufig als Gruppenerkrankung auf. Zu den Ursachen zählen: Viren (BRSV, Influenza, IBR, BVD), Bakterien (Pasteurellen, Mannheimien u. a.) sowie Lungenwürmer.

Husten, Fieber, Appetitlosigkeit und Schwäche sind die üblichen Symptome; Nasentupfer- und Kotprobe Diagnosemittel der Wahl. Bei der Behandlung stehen Kreislaufstärkung und Wärmezufuhr an erster Stelle, Antibiose, Notimpfung, Entwurmung folgen.

Nabel- und Gelenksentzündungen
Schutzinfektionen und offene Wunden sind Ursachen bei Entzündungen von Nabel und Gelenken (wobei über den Blutstrom Erreger vom Nabel auch in die Gelenke gelangen können). Trocknet der Nabel nicht schnell genug ab oder wird er vom Muttertier zu stark beleckt, ist eine Infektion oft die Folge. Nach Geburtshilfe – so der erfahrene Tierarzt – sollte man das kalb mit dem Rücken zur Mutter legen, damit sie nur diesen beleckt.

Symptomatisch sind Fieber, ein harter, geschwollener und schmerzempfindlicher Nabel. Schmerzhafte, geschwollene und heiße Gelenke. Zur Behandlung gehören Bewegungseinschränkung, Einreibungen, Antibiose und Schmerzlinderung.

Vorsorge
Die Gesundheitsvorsorge fürs Kalb beginnt bei der Mutter. Sie sollte weder zu fett noch zu mager sein und optimal mit Energie und Eiweiß versorgt. Minerale und Spurenelement (P, Na, Se, Cu, Zn) gehören ebenso dazu wie Vitamin E und Carotin. Auf der Weide fehlen Spurenelemente. Deswegen wandern Wildrinder nicht nur viel, sondern gerne auch mal in den Wald, um dort Laub zu fressen. Infektionen sollte das werdende Muttertier natürlich nicht haben und auch parasitenfrei sein.

Abkalbe-Hygiene ist auch bei Weidehaltung ein sensibles Thema. Die Kühe sollten nicht allzu verschmutzt sein und stressfrei gebären können.

In den ersten 2-6 Lebensstunden sollte jedes Kalb 2-4 Liter Kolostrum aufnehmen. Am besten von der der gesunden Mutter oder aus der Kolostrum-Reserve. Sollte überhaupt keine Kuh aus einer Mutterkuhherde melkbar sein, tut es zur Not auch Biestmilch vom nachbarlichen Milchviehbetrieb.

Bei der Weidehygiene spielen Besatzdichte, Weidepflege und Wechselweide mit Zwischennutzung die Hauptrollen. Im Stall die Einstreupflege, stabile Gruppen und ein Kälberschlupf, sowie Luftqualität, geringe Temperaturschwankungen und Vermeidung von Zugluft.

Impfungen
Die Impfprophylaxe erstreckt sich auf Mutterschutzimpfung gegen Durchfall und Schluckimpfung der neugeborenen Kälber. Gegen Rindergrippe empfiehlt sich eine Kombinationsimpfung – vor allem wenn Kälber gehandelt werden sollen. Mittelfristig sollten auch in der Mutterkuhhaltung Impfungen zum Standard werden, empfiehlt Dr. Matthias Link – auch im Dienst der Antibiotika-Minimierung.

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