Initiative Tierwohl: Große Teilnahmebereitschaft der Schweinehalter, Handel investiert massiv

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– Neue Programmphase der ITW startet mit erheblichem Zuwachs bei Schweinen
– LEH investiert massiv in den Fonds, um allen angemeldeten Schweinehaltern Teilnahme zu ermöglichen
– Statt wie geplant rund 75 Millionen Euro für das Programm 2021-2023, stellt Handel rund 135 Millionen Euro für die Aufnahme der Ferkelerzeuger bereit

Die Handelsunternehmen in der Initiative Tierwohl (ITW) stocken ihr finanzielles Engagement massiv auf, um die Breitenwirksamkeit der Initiative noch weiter zu erhöhen. Denn das Interesse der Schweinehalter ist groß: Zum aktuellen Programm 2021-2023 haben sich insgesamt 6.832 Schweine haltende Betriebe angemeldet. Darunter 1.027 Sauenhalter und 1.240 Ferkelaufzüchter mit gut 14 Millionen Ferkeln. Das sind mehr als doppelt so viele Ferkel wie im Programm 2018-2020. Statt wie geplant rund 75 Millionen Euro für die Jahre 2021-2023, stellen die an der ITW teilnehmenden LEH jetzt rund 135 Millionen Euro für Ferkelerzeuger in einem Fonds bereit. Damit kann allen interessierten Betrieben eine ITW-Teilnahme ermöglicht werden.

„Die Bereitschaft der Landwirte zum Engagement für Tierwohl ist absolut beeindruckend“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Rund 14 Millionen Ferkel und über 17 Millionen Mastschweine können so derzeit von der ITW profitieren. Das große Interesse allein bei den Ferkelerzeugern haben wir in diesem Umfang nicht erwartet. Umso mehr freuen wir uns über die Bereitschaft des Handels durch zusätzliche Finanzmittel dafür zu sorgen, dass wir keine Warteliste brauchen.“

In Deutschland erfolgt die Schweinehaltung in mehreren Stufen. Von der Sauenhaltung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast sind nicht selten mehrere Landwirte beteiligt. Damit an der ITW teilnehmende Sauenhalter an ebenfalls teilnehmende Ferkelaufzüchter liefern können, haben die an der ITW teilnehmenden Händler einen Fonds aufgesetzt, aus dem heraus die Ferkelerzeuger zusätzlich zu dem Marktpreis einen Tierwohl-Aufpreis pro Ferkel erhalten.

Für teilnehmende Schweinemäster gilt ein anderes Prinzip. Sie erhalten den von der ITW festgesetzten Tierwohl-Aufpreis von derzeit 5,28 Euro pro Tier über den Schlachtbetrieb. Auch bei den Mastschweinen verzeichnet die ITW einen erheblichen Zuwachs. Waren es im vergangenen Programm noch rund 12 Millionen Tiere, so sind für das Programm 2021-2023 bereits 17,3 Millionen Mastschweine angemeldet. Damit machen die Mastschweine aus den teilnehmenden ITW-Betrieben über 34 Prozent der in Deutschland erzeugten Mastschweine aus.

Die ITW befindet sich mit dem Programm 2021-2023 bereits in der dritten Programmphase. Seit ihrem Start im Januar 2015 haben die teilnehmenden LEH gemeinsam bereits um die 645 Millionen Euro in das Tierwohl von Schweinen, Hähnchen und Puten investiert.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Hohe Qualitätsstandards und Sicherheit für Tierarzneimittel

Bundesministerin Julia Klöckner schafft eigenes Tierarzneimittelgesetz – heutiger Beschluss des Bundeskabinetts

Das Bundeskabinett hat heute dem Gesetzentwurf der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, zugestimmt, ein eigenständiges Tierarzneimittelgesetz (TAMG) für Deutschland zu schaffen. Bisher waren Tierarzneimittel Teil des allgemeinen nationalen Arzneimittelgesetzes.

Mit der Neuregelung werden alle gesetzlichen Vorschriften zu Tierarzneimitteln übersichtlich zusammengefasst:

• Das erleichtert den Tierhaltern und Tierärzten die Anwendung der neuen Vorschriften.
• Die Trennung des Arzneimittelrechts und des Tierarzneimittelrechts in zwei getrennte Gesetze ist für die Verwaltung eine erhebliche Vereinfachung.
• Zudem wird die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung im Veterinärbereich gestärkt: Arzneimittel für die Behandlung von Tieren müssen jederzeit zur Verfügung stehen. Deren Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit muss dabei sichergestellt sein.

Bundesministerin Julia Klöckner: „Mit dem eigenen Gesetz tragen wir den Belangen von Tierhaltern und Tierärzten Rechnung – das ist ein großer Erfolg. Wir garantieren höchste Qualitätsstandards und Sicherheit für Tierarzneimittel. Damit stärken wir die Tiergesundheit und den Tierschutz.“

Hintergrund
Der Gesetzesentwurf passt die nationalen Vorschriften des Tierarzneimittelrechts an neue unionsrechtliche Vorschriften an, insbesondere an die Verordnung (EU) 2019/6 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2018 über Tierarzneimittel. Dazu wird ein eigenständiges Tierarzneimittelgesetz erlassen und die auf Tierarzneimittel bezogenen Vorschriften aus dem nationalen Arzneimittelgesetz (AMG) gestrichen.

Das TAMG schreibt die bisherigen Vorschriften des Arzneimittelgesetzes für Tierarzneimittel dabei im Wesentlichen fort, soweit diese nicht durch das unmittelbar geltende Unionsrecht überlagert werden. Zudem nutzt das Gesetz von der EU-Verordnung eingeräumte Gestaltungsspielräume. Neben den Durchführungsvorschriften zu der Verordnung (EU) 2019/6 werden Vorschriften auch für solche Tierarzneimittel und veterinärmedizintechnischen Produkte getroffen, die in den bisherigen Anwendungsbereich des AMG, nicht aber in den Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 2019/6 fallen.

Die neuen nationalen Vorschriften treten wie das neue Unionsrecht am 28. Januar 2022 in Kraft. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates.

Quelle: BMEL

„Molekulare Whistleblower“: Biomarker ermöglichen frühe Diagnose bei Euterentzündung der Milchkuh

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Komplexe Erkrankungen wie die Euterentzündung (Mastitis) bei Milchkühen führen oft zu einem enormen wirtschaftlichen Schaden: Die Tiere geben weniger Milch, und sie ist weniger brauchbar. Auch immense Tierarztkosten sind die Folge. Ein möglichst frühzeitiges Erkennen solcher entzündlichen Erkrankungen minimiert den Antibiotikaeinsatz erheblich und steigert die Milchleistung der Kühe. Bio- beziehungsweise Entzündungsmarker geben als „molekulare Whistleblower“ oft verborgen gebliebene Hinweise zu einer möglichen Erkrankung und unterstützen Kliniker immer besser bei der Diagnose und Therapie.

Forscher der Universität Leipzig haben jetzt ein nicht invasives Nachweisverfahren entwickelt, das auf einem spezifischen Biomarker basiert. Es ermöglicht eine frühzeitige Diagnose sowie Therapieverlaufskontrolle entzündlicher Erkrankungen.

Das Projekt von Prof. Dr. Getu Abraham und seinem Team vom Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Es hilft dabei, das Risiko für einen schweren Verlauf und den damit verbundenen wirtschaftlichen Verlust erheblich zu mindern. „Da unser Verfahren auch der Entwicklung multiresistenter Keime und damit einem inflationären Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung vorbeugt, leisten wir auch einen Beitrag zum Tierschutz“, erklärt Abraham.

Bei dem Marker handelt es sich um ein spezifisches Protein, das aus einwandernden Entzündungszellen freigesetzt wird – beispielsweise, wenn eine Kuhmilch an Mastitis erkrankt ist. „Durch die Isolation dieses Proteins ist es uns gelungen, einen effizienten Biomarker zu gewinnen, der in der Routine-Diagnostik den Schweregrad der Euterentzündung vorhersagen kann. Folglich ist es möglich, mit Hilfe des Biomarkers Mastitiden bei Milchkühen bereits im subklinischen Stadium eindeutig zu diagnostizieren“, sagt Abraham.

Der Nachweis des Entzündungsmarkers erfolgt unkompliziert in Milchproben, ohne dass invasive Eingriffe am Tier erforderlich sind. Dadurch können bereits Tage vor den eigentlichen Krankheitssymptomen Risikotiere eindeutig identifiziert und individuell behandelt werden. Wie Untersuchungen des Teams gezeigt haben, steigt im Falle einer akuten Euterentzündung der Parameter ohne merkliche Zeitverzögerung signifikant mit großer Amplitude in der Milch an und fällt nach einer Antibiotika-Therapie beziehungsweise nach Abklingen des Entzündungsgeschehens rasch um mehr als ein Drittel des Ursprungswertes ab. Dadurch sei der Biomarker für ein Krankheits- und Therapie-Monitoring gut einsetzbar.

Aktuell arbeitet das Forscherteam an einer Weiterentwicklung des Testverfahrens, um eine einfache und patientennahe Vorort-Diagnostik zu ermöglichen. Perspektivisch soll die Anwendung auf unterschiedliche Matrizes wie Blut, Kot oder Harn erweitert und für unterschiedliche Spezies validiert werden.

Quelle: Universität Leipzig

Geflügelpest in Niedersachsen: Rund eine Million Tiere betroffen

Ministerin spricht mit Tierhaltern – Dank an Mitarbeiter des LAVES und der Landkreise

Die Zahl an Geflügelpestfällen in Niedersachsen steigt weiter an. Bislang sind rund eine Million Tiere betroffen. „Das ist leider ein trauriger Rekord“, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Die Ministerin hat Tierhalter, deren Ställe geräumt werden mussten, für den morgigen Dienstag, 23. März, zu einer Telefonkonferenz eingeladen. Mit Vertretern der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft und dem Landkreis Cloppenburg hat Ministerin Otte-Kinast sich bereits heute ausgetauscht.

In Niedersachsen wurden bislang 64 Ausbrüche der Geflügelpest festgestellt. Mit 34 Putenmast-, drei Entenmast- und einem Hähnchenmastbetrieb ist der Landkreis Cloppenburg besonders betroffen. Insgesamt sind in Niedersachsen 46 Putenbestände, fünf Entenbestände, vier nicht gewerbliche Kleinsthaltungen, ein Masteltern-Hennen Betrieb, zwei Hähnchenmastbestände, drei Legehennenbestände und drei Gänsebestande betroffen. Die Betriebe befinden sich in zehn Landkreisen, bzw. kreisfreien Städten.

Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren: Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg (LVI OL) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) sind während des aktuellen Seuchengeschehens bisher mehr als 17.140 Proben von Hausgeflügel untersucht worden, davon allein für den Landkreis Cloppenburg mehr als 12.000 Proben. Hinzu kommen insgesamt 900 Wildvogelmonitoringproben (im Zeitraum vom 4. November 2020 bis zum 22. März 2021).

„In unseren Laboren und unserem Task-Force-Koordinierungszentrum sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Wochen kontinuierlich im Einsatz. Die Lage erfordert es, dass wir an Wochenenden und auch an Feiertagen schnellstmögliche Ergebnisse liefern“, betonte Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des LAVES.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Laboren arbeiten Tag und Nacht, um die Proben zu untersuchen. Die Task Force Veterinärwesen koordiniert die Bekämpfungsmaßnahmen“, erklärte Ministerin Otte-Kinast.

„Ich danke aber auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Landkreisen, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass sich das Seuchengeschehen nicht ausbreitet und andere Tierbestände geschützt werden, sowie den Landwirten, die auf Biosicherheit in ihren Ställen achten.“

Das Ausbruchsgeschehen ist geprägt durch den andauernd hohen Infektionsdruck aus den Wildvogelpopulationen und die hohe Infektiosität des vorherrschenden Virustyps. Daher sind weitere Ausbrüche in Geflügelbeständen in den kommenden Wochen wahrscheinlich. Durch die in den vergangenen Jahren nochmals verbesserten Biosicherheitsmaßnahmen vieler Betriebe sind die möglichen Eintragspfade für das Geflügelpest-Virus in die Bestände zwar schon deutlich reduziert worden.

Eine vollständige Ausschaltung aller Risiken, die sich zum Beispiel durch Zugvogelbewegungen in unmittelbarer Nähe von Tierhaltungen ergeben, erscheint jedoch nicht möglich. Die hohe Geflügeldichte in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta spielt bei der Entwicklung des Infektionsgeschehens zudem eine große Rolle.

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums müssen daher in der aktuellen Situation alle Maßnahmen ergriffen werden, die geeignet sind, die Zahl empfänglicher Tiere temporär zu reduzieren. Dazu gehören die von den Landkreisen angeordneten Wiederaufstallungsverbote in Restriktionszonen, bzw. der Verzicht auf Wiederaufstallungen. Schlachtreifes Geflügel in den Restriktionsgebieten muss so früh wie möglich der Schlachtung zugeführt werden.

Hintergrund:
Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Eine Übertragung auf Menschen wurde bislang nicht festgestellt. Seit November 2020 ist das Virus in mehreren deutschen Küstenländern aufgetaucht, auch in Niedersachsen wurde der erste Fall Anfang November festgestellt. Im Dezember 2020 hat Ministerin Otte-Kinast den Tierseuchenkrisenfall festgestellt und somit die Aktivierung des Tierseuchenkrisenzentrums im Landwirtschaftsministerium und die Errichtung des Krisenkoordinierungsstabes beim LAVES angeordnet.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Aktueller Buchtipp: Leitfäden für die Praxis – Schwein – Rind – Geflügel

Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Schwein“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Sauen-, Saugferkel-, Aufzuchtferkel- und Mastschweinen. Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Rind“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Milchkühen, Aufzuchtkälbern oder Mastrindern. Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Geflügel“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Jung- und Legehennen-, Masthühner- und Mastputen.

Die Leitfäden sind mit stabiler Spiralbindung und abwaschbaren Seiten stalltauglich ausgeführt und liefern dem Tierhalter eine Anleitung, wie eine Überprüfung des Tierwohls nach aktuellem wissenschaftlichen Stand praktikabel und fachgerecht durchgeführt werden kann. Ablaufschemata für jede Produktionsrichtung zeigen, welche Indikatoren wann und an welchen Tieren an

hand einer Stichprobenziehung erhoben werden sollten. Der Steckbrief zu jedem Indikator ent

hält dann eine kurze fachliche Beschreibung, eine Foto-Klassifikationstabelle bzw. Rechenformel sowie weitere Hinweise zur Erhebung. Die Leitfäden sind nach intensiver Testphase in landwirtschaftlichen Betrieben methodisch überarbeitet und in der 2. aktualisierten Auflage noch besser auf den Einsatz unter Praxisbedingungen angepasst. Neu sind auch kopierbare Erhebungsformulare im Anhang.

Erscheinungsjahr 2020, 2. aktualisierte Auflage, erhältlich als E-Book oder gedruckte Version, Preis 18.00 € je Heft

Schwein: Bestell-Nummer: 12631 · ISBN 978-3-945088-76-0

Rind: Bestell-Nummer: 12630 · ISBN 978-3-945088-75-3

Geflügel: Bestell-Nummer: 12632 · ISBN 978-3-945088-77-7

Weitere Informationen im KTBL-Shop

Schafe gegen Ziegen: Wer sind die besseren Problemlöser?

Wenn es darum geht, sich auf neue Situationen einzulassen, haben Ziegen die Nase vorn: Im Vergleich zu Schafen können sie sich deutlich schneller auf veränderte Begebenheiten einstellen und so zum Beispiel zu Nahrungsquellen gelangen. Das legt eine neue Studie von Forschenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) nahe, die im Fachjournal „Royal Society Open Science“ erschienen ist. Darin hatten sie untersucht, wie gut es den Tieren gelang, Hindernisse zu umlaufen und zu ihrem Futter zu kommen.

Dr. Camille Raoult und Dr. Christian Nawroth (Foto: Katrina Rosenberger)

Schafe und Ziegen haben viele Gemeinsamkeiten: Sie sind genetisch gesehen enge Verwandte, etwa gleich groß, haben ähnliche soziale Strukturen und werden beide vom Menschen als Nutztiere gehalten. Große Unterschiede gibt es aber bei der Nahrungssuche: „Während Schafe eher Weidetiere sind, streifen Ziegen umher und bevorzugen Knospen und frische Triebe“, sagt Dr. Camille Raoult von der MLU, die die Studie gemeinsam mit Dr. Christian Nawroth vom FBN geleitet hat. Die Experimente wurden am Forschungszentrum Agroscope in der Schweiz, an der Queen Mary University London (QMUL) sowie am „Buttercups Sanctuary for Goats“ in Kent durchgeführt.

„Die Fähigkeit, auf eine sich verändernde Umwelt zu reagieren, ist lebenswichtig, denn so können Tiere neue Nahrungsquellen erschließen“, sagt Nawroth. Das Team wollte deshalb untersuchen, wie beide Tierarten auf neue räumliche Hindernisse reagieren. Der Versuchsaufbau der Studie war dabei relativ einfach: Jeweils ein Tier wurde an das Ende eines kleinen Geheges geführt. Am anderen Ende befand sich eine Person, die Futter anbot. Dazwischen war ein Zaun mit einer Lücke – der direkte Weg war jeweils versperrt. Die Forscherinnen und Forscher beobachteten das Verhalten der Tiere, also ob sie direkt in Richtung der Lücke liefen, und stoppten die Zeit, die sie brauchten, um zu ihrem Futter zu gelangen. Nach einigen Durchläufen wurde die Position der Lücke im Zaun verändert. Anschließend sollten die Tiere den Versuch wiederholen. Insgesamt absolvierten 21 Ziegen und 28 Schafe das Experiment.

Dr. Christian Nawroth mit Schaf (Foto: Britta Osthaus)

Die Ergebnisse: Den Ziegen gelang es im ersten Durchlauf mit der neuen Lücke deutlich besser und auch schneller, das Hindernis zu umlaufen, obwohl die Schafe im Durchschnitt schneller ans Ziel gelangten. Sowohl Schafe als auch Ziegen waren aber von der neuen Position der Lücke zunächst irritiert und brauchten einige Versuche, um sich auf die neue Situation einzustellen. Anschließend machten sie weniger Fehler. Die Versuche konnten nicht unter exakt identischen Bedingungen an beiden Standorten durchgeführt werden, sie zeigen aber trotzdem deutlich: „Ziegen können sich offensichtlich besser und genauer auf neue Situationen einstellen und die korrekte Richtung einschlagen, um das Hindernis zu umlaufen. Das spricht dafür, dass sie mental flexibler als Schafe sind“, sagt Ko-Autorin Dr. Britta Osthaus von der Canterbury Christ Church University zusammenfassend. Ein möglicher Grund für die Unterschiede könnten die unterschiedlichen Strategien bei der Nahrungssuche sein, so die Forscherin.

Die Studie wurde vom Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der US-amerikanischen Tierschutzorganisation „Farm Sanctuary“ unterstützt.


Video: Dr. Christian Nawroth

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg & Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Maul- und Klauenseuche: Bekämpfungsansätze eines möglichen Ausbruchs bewertet

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) gilt weltweit als eine der meist gefürchtetsten Tierseuchen. Die Viruserkrankung ist hochansteckend, verläuft akut und befällt hauptsächlich Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Im Falle eines Ausbruchs werden strenge Sperr-, Kontroll- und Keulungsmaßnahmen notwendig. Tierverluste sowie langwierige Handelsrestriktionen führen zu hohen wirtschaftlichen Einbußen. Anhand einer Simulationsstudie der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit der AGES und dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wurden Notfallmaßnahmen und Bekämpfungsstrategien nun bewertet.

Derzeit sind alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) frei von Maul- und Klauenseuche (MKS). Allerdings stellen MKS-Ausbrüche in Regionen nahe der EU-Außengrenze, z. B. in der Türkei, im Nahen Osten oder in Nordafrika ein ständiges Einschleppungsrisiko des Virus in die EU dar. Im Jahr 2001 brach in Großbritannien die seit Jahrzehnten größte Epidemie der Maul- und Klauenseuche aus. Es folgten Ausbrüche in Frankreich, in den Niederlanden und in Irland. Millionen von Tieren mussten getötet werden und es entstand ein wirtschaftlicher Schaden im Ausmaß von mehreren Milliarden Euro.

Simulationsstudie bewertet Bekämpfungsansätze
Da Tierseuchen unerwartet und plötzlich auftreten können, ist eine gezielte Vorbereitung auf solche Krisensituationen sehr wichtig. Dazu zählt u.a. die Bewertung von verschiedenen Bekämpfungsstrategien und Notfallmaßnahmen sowie die Abschätzung der notwendigen Ressourcen für all diese Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund führten ForscherInnen der Abteilung für Öffentliches Veterinärwesen und Epidemiologie der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit ExpertInnen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Österreich (AGES) und des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) eine Simulationsstudie durch, die verschiedene Bekämpfungsansätze eines möglichen MKS-Ausbruchs in Österreich bewertete. „Betrachtet wurde sowohl die Wirkung der Maßnahmen auf die Ausbreitung der Seuche und den Umfang der zu tötenden Tiere als auch die – mit einem Seuchenausbruch verbundenen – Kosten“, sagt Studienerstautorin Tatiana Marschik (Institut für Lebensmittelsicherheit, Lebensmitteltechnologie und Öffentliches Gesundheitswesen, Vetmeduni Vienna). Durch die Ergebnisse dieser Studie soll das nationale Krisenmanagement in seinen Entscheidungen hinsichtlich der raschen und effizienten Eindämmung im Falle eines MKS-Seuchenfalles in Österreich unterstützt werden.

Epidemiologische Modellierung
Simulationsmodelle stellen eine Annäherung an die Realität dar. Hinsichtlich MKS sind sie vor allem für solche Länder von großer Bedeutung, die seit mehreren Jahrzehnten mit keinem MKS-Ausbruchsgeschehen konfrontiert wurden. In der gegenwärtigen Studie simulierten die ExpertInnen den Ausbruch mittels des Modells EuFMDiS (The European Foot-and-Mouth Disease Spread Model). Es handelt sich dabei um eine europäische Anpassung des ursprünglich für Australien entwickelten AADIS Modells (The Australian Animal Disease Spread Model). „Das Modell simuliert einen MKS-Ausbruch unter realitätsnahen Bedingungen. Dazu zählen u.a. die Übertragung der Infektion innerhalb und außerhalb der tatsächlich vorhandenen empfänglichen Betriebe unter Berücksichtigung aller plausiblen Übertragungswege“, erklärt Marschik. Die Bekämpfungsmaßnahmen werden vom Modell entsprechend dem europäischen Rechtsrahmen implementiert. Der Einsatz der personellen und logistischen Ressourcen im Rahmen der operativen Tätigkeiten wie Überwachung, Keulung oder Dekontamination wird in Anlehnung an die Ressourcenverfügbarkeit modelliert.

Simulation eines MKS-Ausbruchs in Österreich
Die WissenschafterInnen verglichen das Ausbruchgeschehen in zwei verschiedenen Regionen Österreichs. Diese Regionen – „Westen“ (Tirol/Vorarlberg) und „Norden“ (Niederösterreich/Oberösterreich) – unterscheiden sich maßgeblich hinsichtlich Tierdichte und Herdengröße. Region „Westen“ ist im Gegensatz zu Region „Norden“ eine wenig tierdichte Region, in der mehr als die Hälfte aller empfänglichen Betriebe aus weniger als 14 Tieren besteht.

Die Ausbreitung der Seuche wurde in beiden Regionen ausgehend von einem Milchviehbetrieb verfolgt, wobei angenommen wurde, dass die Infektionsverbreitung drei Wochen lang unentdeckt blieb. Für die Bekämpfungsphase des Ausbruchs (ab der Detektion bis zum Ausbruchsende) wurden für beide Regionen fünf verschiedene Bekämpfungsszenarien auf Basis von Variationen der Keulungs- und Impfpolitik und des präventiven Tilgungsprogramms implementiert. „Die Studienergebnisse haben gezeigt, dass ein Ausbruch der MKS in Österreich Gesamtkosten zwischen 270 und 580 Millionen Euro verursachen würde. Das Ausmaß dieses Schadens hängt stark von der betroffenen Region, den gewählten Kontrollmaßnahmen und der Verfügbarkeit von personellen Ressourcen ab“, sagt Tatiana Marschik. Die Umsetzung zusätzlicher, gemäß der EU-Rechtsvorschriften in Ausnahmefällen erlaubter Kontrollmaßnahmen, wie z. B. Impfung oder präventive Tilgung, wäre nur dann notwendig, wenn die Epidemie in einem Gebiet mit hoher Tierdichte beginnen würde. So wäre beispielweise in der Region „Norden“ das präventive Tilgungsprogramm die kostengünstigste Strategie zur Eindämmung des Ausbruchs, wobei in der Region „Westen“ die Standardbekämpfungsstrategie (Keulung infizierter Betriebe) ausreichend wäre, um den Ausbruch effizient unter Kontrolle zu bringen. Auch konnte in der Studie gezeigt werden, dass eine Erhöhung von personellen Ressourcen in Österreich die Größe der Epidemie maßgeblich reduzieren kann.

Nachhaltige Strategie
Strategien zur Bekämpfung von sich schnell ausbreitenden Tierseuchen werden oft von negativen Folgen für die Umwelt, die Natur als auch für die Bevölkerung der betroffenen Regionen begleitet. Die globale Strategie zur schrittweisen Bekämpfung und nachhaltigen Kontrolle der MKS wird im europäischen Raum durch die enge Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission, der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt. Zum Ziel dieser Strategie zählt die Erhöhung der Bereitschaft der europäischen Länder, mit europäischen Nachbarn nachhaltige Kontrollprogramme zu implementieren und die fortschreitende Bekämpfung von MKS in allen Regionen zu unterstützen. Die gegenwärtige Studie belegt nicht nur die Wichtigkeit der schnellen und effizienten Bekämpfung, sondern auch die Notwendigkeit der Bereitstellung personeller Ressourcen, um im Bedarfsfalle die negativen Auswirkungen eines MKS-Ausbruchs in Österreich zu verringern.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Frühinfektionen mit Mykoplasmen: Saugferkel sind seltener infiziert als angenommen

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Von Ulrike Amler, Dipl. Ing. agr., freie Agrarjournalistin

Im Rahmen einer wissenschaftliche Arbeit an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) wurden in den untersuchten Beständen deutlich weniger der gefürchteten Frühinfektionen bei Saugferkeln vorgefunden, als nach geltendem Kenntnisstand zu erwarten waren. Für die Impfstrategie gegen Mycoplasma hyopneumoniae ergeben sich dadurch neue Ansätze.

Ferkelerzeuger und Mäster fürchten zu Recht die Enzootische Pneumonie (EP). Der verantwortliche Erreger, Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyopneumoniae) ist in nahezu jedem Schweinebestand nachzuweisen. Durch die Zerstörung des Flimmerepithels nimmt die Selbstreinigungskraft der oberen Atemwege ab und führt zur Verstärkung des klinischen Bildes verschiedener Atemwegserkrankungen bei Zucht- und Masttieren. Die Tierärztin Dr. Pauline Deffner führte ihre Studie zu Infektionen mit dem Erreger der Enzootischen Pneumonie im Rahmen einer Dissertation an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) durch. Im Fokus stand das Vorkommen von Infektionen mit M.hyopneumoniae im Saugferkelalter und deren Weiterverbreitung in nachgelagerte Produktionsstufen. Der Erreger von M. hyopneumoniae wurde in den untersuchten Beständen lediglich bei 0,6 Prozent (%) der gesamten Ferkelpopulation und in 10 % der Bestände nachgewiesen. Bislang wurde aus vorangegangenen Untersuchungen von einer Infektionsrate von 14,1 % der Saugferkel ausgegangen. Aufgrund dieser Annahmen forderte der Handel in einigen Regionen von Ferkelerzeugern zwingend eine frühe 2-Shot-Impfung ab dem 7. Lebenstag. Ein weiterer Fokus der Studie an der veterinärmedizinischen Fakultät lag auf der Darstellung des Zusammenhangs zwischen infizierten Muttersauen und dem Grad der besiedelten Ferkel. Deffner fand unter den untersuchten Sauen auf Einzeltierebene eine Infektionsrate von 4 %.

Mycoplasmen in fast allen Schweinebeständen
In 90 % der zehn untersuchten Betriebe hatte Dr. Pauline Deffner bei Saugferkeln in ihrer Querschnittsuntersuchung IgG- Antikörper gegen M.hyopneumoniae nachgewiesen. Damit wurde die Annahme bestätigt, dass der Erreger in nahezu allen Schweinebeständen zu finden ist. Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt lag auf der Weiterverbreitung von M. hyopneumoniae-Infektionen in die Ferkelaufzucht- und Mastphase hinein. In der Literatur sind Infektionen der Saugferkel bereits ab der ersten Lebenswoche beschrieben. Erst im späteren Verlauf der Mast lassen sich aber klinische Anzeichen einer Enzootischen Pneumonie beobachten. Mäster kennen die Problematik: Schwere Krankheitsverläufe führen zu schlechteren Tageszunahmen, längerer Mastdauer und schweren Lungenläsionen. Als Hauptübertragungsweg gilt der direkte nasale Kontakt zwischen Sau und Ferkeln. Kehlkopftupfer von Jungsauen waren nach Deffners Untersuchungen häufiger positiv mit M. hyopneumoniae als die von älteren Sauen.

Die Tierärztin wählte für ihre Untersuchung Bestände aus, die bereits vorher schon durch respiratorische Probleme auffielen. So konnten Betriebe mit mehr oder weniger hohen Lungenläsionsscores miteinander verglichen werden. Vorab wurden EP-Scores potentieller Studienbestände am Schlachthof erhoben und anschließend 10 Betriebe aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in die Studie eingeschlossen. Weitere Voraussetzungen waren das Auftreten von Husten im Bestand oder der Nachweis von M. hyopneumoniae. Die Hypothese, dass Ferkel, die in der 3. Lebenswoche noch nicht gegen M. hyopneumoniae geimpft, aber bereits infiziert waren, in der Mast höhere Hustenindices und höhere Lungenscores am Schlachthof aufweisen, wurde in der vorliegenden Studie nicht bestätigt. Die teilnehmenden Betriebe waren geschlossene Bestände, praktizierten eine Teilmast oder die Ferkelerzeuger und Mäster hatten eine 1:1 Anbindung. Die untersuchten Ferkel wurden erst ab dem 21. Lebenstag mit einem 1-shot Präparat gegen M. hyopneumoniae immunisiert.

Pro Bestand wurden zehn Sauen in der Abferkelung sowie je fünf ihrer Ferkel untersucht. Es wurden jeweils Blutproben gewonnen sowie bei Sauen Kehlkopfabtriche und bei Ferkeln Abstriche aus den oberen Atemwegen entnommen. Zusätzlich wurden bei Tieren in der 6., 12., 16., und 20. Lebenswoche mittels Kaustricken Speichelproben, sogenannte Oral fluids, gewonnen. Am häufigsten wurde Erreger-DNA von M. hyopneumoniae in Kaustrickproben in der 20. Lebenswoche nachgewiesen. Die Serumproben wurden mittels ELISA auf das Vorkommen spezifischer IgG-Antikörper gegen M. hyopneumoniae untersucht. Des Weiteren wurden Abstriche vom Kehlkopf und den oberen Atemwegen mittels Real-time PCR auf das Vorkommen M. hyopneumoniae spezifischer Genomfragmente getestet.
Ein Zusammenhang zwischen der Besiedelung noch ungeimpfter Tiere im Saugferkelalter mit M. hyopneumoniae und der Höhe der Hustenindices in der Mast sowie der EP-Scores am Schlachthof könne nicht dargestellt werden, schreibt Dr. Pauline Deffner. Allerdings scheine beim Auftreten von Husten im Bestand die Gewinnung von Speichelproben durch Kaustricke auf Buchtenebene zum Nachweis von M. hyopneumoniae geeignet zu sein.

Zum richtigen Zeitpunkt impfen


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Lahmheiten im Kuhstall – ein Symptom, viele Gründe

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Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Rinder sind von Natur aus Weichbodengänger. Das heißt, Kuhklauen sind optimal an stundenlanges Gehen beim Grasen auf der Weide angepasst. Das Stehen und Gehen auf harten Betonböden in der modernen Laufstallhaltung strapaziert hingegen die Klauen oft über ihre Belastungsgrenze hinaus. Die Folge sind Lahmheiten, die durch schmerzhafte Klauenerkrankungen hervorgerufen werden. Welche Maßnahmen beugen Lahmheiten vor?

Klauenerkrankungen sind mit Schmerzen und Leiden für die Kuh verbunden, haben aber auch gravierende ökonomische Folgen. Die Kosten für einen Fall von hochgradiger Lahmheit werden auf bis zu 850 € geschätzt. Hier kommen zu den offensichtlichen Kosten für die Behandlung vor allem auch Verluste durch geringere Milchleistung und Fruchtbarkeitsstörungen hinzu. Neben einer regelmäßigen professionellen Klauenpflege, die auf jeden Fall zwei bis dreimal im Jahr durchgeführt werden sollte, gibt es viele Faktoren, die die Klauengesundheit beeinflussen.

Wichtig: Lahmheit erkennen
Als potenzielle Beutetiere versuchen Kühe ihre Erkrankung möglichst lange zu verbergen. Daher sind die Zeichen einer frühen Klauenerkrankung schwer zu erkennen und werden im Betriebsalltag häufig übersehen. Untersuchungen zeigen, dass im Routinebetrieb in der Regel nur hochgradig lahme Kühe erkannt werden. Um geringgradig lahme Kühe zu erkennen muss gezielt nach ihnen gesucht werden. Am einfachsten ist das, wenn man die Kühe von der Seite beim Gehen auf einem planbefestigten Untergrund beobachtet. Eine klauengesunde Kuh läuft mit geradem Rücken und gleichmäßigen ausladenden Schritten. Dabei tritt der Hinterfuß an die Stelle, die der Vorderfuß gerade verlassen hat. Der Kopf wird leicht unter der Rückenlinie gehalten. Es gibt verschiedene Scoringsysteme, die allerdings hauptsächlich wissenschaftlich interessant sind. Für den praktischen Gebrauch reicht eine Unterscheidung von normal und nicht normal laufenden Tieren völlig aus. Alle Kühe, die mit aufgekrümmten Rücken laufen, Kopfnicken oder eine Schrittverkürzung zeigen, sollten schnellstmöglich einer Klauenpflege bzw. -behandlung unterzogen werden. Die Beurteilung der Klauengesundheit kann auch im Stehen (z.B. im Fressgitter) vorgenommen werden. Eine klauengesunde Kuh steht mit von hinten gesehen geraden Beinen, die Klauenspitzen zeigen nach vorne. Abweichungen hiervon (z.B. kuhhessige Stellung, zehenweite Stellung oder eine Rotation des Fußes um mehr als 15° nach außen) deuten auf Klauenprobleme hin. Auch Trippeln und natürlich offensichtliche Entlastung einer Gliedmaße sind Alarmzeichen. Frühzeitig erkannte und behandelte Klauenprobleme haben eine wesentlich günstigere Prognose, als Erkrankungen, die erst bei hochgradiger Lahmheit behandelt werden und sparen dadurch Zeit und Geld. Deshalb sollte eine der oben beschriebenen systematischen Untersuchungen regelmäßig mindestens alle zwei Wochen auf dem Programm stehen.

Diagnostik entscheidet über Behandlung
Wurde ein Lahmheitsproblem in einem Bestand erkannt, ist der nächste wichtige Schritt herauszufinden welche Art der Erkrankung vorliegt. Man unterscheidet zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Erkrankungen. Die häufigste infektiöse Ursache von Lahmheiten ist die Mortellarosche Krankheit (auch: Dermatitis digitalis). Unter den nicht-infektiösen Erkrankungen dominieren die Sohlengeschwüre und Defekte in der weißen Linie. Das dominierende Problem zu definieren ist wichtig, da sich die Risikofaktoren für das Auftreten der verschiedenen Krankheiten unterscheiden.

Risikofaktoren für nicht-infektiöse Klauenerkrankungen: Sohlengeschwüre und Weiße-Linien-Defekte
Ein dominierender Risikofaktor für Klauenerkrankungen ist eine zu kurze Ruhezeit der Kühe. Kühe in Laufstallhaltung müssen am Tag mindestens 12 Stunden liegen um ihre Klauen zu entlasten. Dies ist weniger als Kühe auf der Weide im Liegen verbringen, was hier aber durch den weichen Untergrund mehr als wettgemacht wird. Dies ist auch der Grund, warum jeglicher Weidegang oder auch Auslauf auf weichem Grund das Risiko von nicht-infektiösen Klauenerkrankungen vermindert. Dafür, dass Kühe ihre angestrebte Ruhezeit nicht erreichen gibt es viele Gründe:


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Online-Konferenz: Ökoebermast – Problem oder Chance?

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Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) wurde 8 Jahre zu Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration geforscht. Unter verschiedenen Forschungsschwerpunkten wurde die ökologische Ebermast als mögliche Alternative untersucht. Die Beteiligten stellen ihre Projekte vor und präsentieren die wichtigsten Ergebnisse, um am Ende der Online-Konferenz gemeinsam zu diskutieren, ob die Ebermast in der ökologischen Schweinehaltung eine Zukunft hat

Themeninteressierte sind herzlich eingeladen an der kostenlosen Online-Konferenz am 22. März 2021 teilzunehmen. Um eine Anmeldung per E-Mail unter Angabe von Namen und Organisation (falls zutreffend) an ol@thuenen.de wird bis zum 18. März 2021 gebeten.

PROGRAMM
Ab 09:30 CHECK-IN
10:00 Grußwort (Jörg Bremond, BÖLN)

PRODUKTION
10:15 Einfluss von Herkunft und Fütterung auf das Auftreten von Ebergeruch
(Katharina Heidbüchel, Thünen Institut)

10:40 Aspekte der Fütterung in der ökologischen Ebermast
(Ulrike Westenhorst, LWK NRW)

10:55 Tierwohl in der Bio-Ebermast – (k)ein Grund für Besorgnis?
(Jeannette Lange, Uni Kassel)

11:10 Prüfung einer neuen Impfstrategie gegen Ebergeruch
(Daniela Werner & Sinje Büttner, Thünen Institut)

11:30 FRAGEN & DISKUSSION
(Moderation Karl Kempkens)

12:00 PAUSE

VERARBEITUNG & KONSUMENTEN
14:00 Verarbeitungseignung von ökologisch erzeugtem Jungeberfleisch
(Maike Hölscher, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe)

14:25 Verarbeitungseigenschaften von Eberfleisch – Strategien zur Maskierung des Ebergeruchs
(Sandra Warmuth, Hochschule Anhalt)

14:45 Sensorik und Konsumentenakzeptanz von Eberfleisch und Fleischprodukten
(Daniel Mörlein, Uni Göttingen)

15:05 Kommunikation und Akzeptanz der Immunokastration
(Daniel Mörlein, Uni Göttingen)

15:30 PLENUMSDISKUSSION
(Moderation Karl Kempkens)

15:55 Zusammenfassung der Veranstaltung
16:00 Ende der Veranstaltung

Im Anschluss der Vorträge je 5 Minuten Verständnisfragen.

Mehr Tierschutz durch zielgerichtete Kontrollen in Verarbeitungsbetrieben Tierischer Nebenprodukte

Bundesministerin Julia Klöckner legt Gesetzesänderung vor, die Tierschutzkontrollen an Tierkörpern ermöglichen

Die Bundesregierung hat in ihrer heutigen Sitzung die von der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, vorgelegte Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen.

Es ist im Sinne aller Tierhalter, die sich an Recht und Gesetz halten, dass Verstöße durch die Behörden frühzeitig aufgedeckt werden und nicht die ganze Branche in Verruf bringen. Ziel des Gesetzentwurfs ist es deshalb, Tierschutzverstöße bei der Haltung von Schweinen und Rindern durch gezieltere Kontrollen zu verhindern. Dazu sollen nicht nur wie bisher die Tierhaltungsbetriebe selbst kontrolliert werden, sondern künftig auch Verarbeitungsbetriebe Tierischer Nebenprodukte (so genannte VTN-Betriebe). Denn Studien zeigen, dass in solchen Betrieben an den Tierkadavern tierschutzrelevante Befunde erhoben werden können – zum Beispiel gebrochene Gliedmaßen, Wunden oder Abmagerungen. Solche Befunde weisen auf Probleme in den Betrieben hin, in denen die Tiere zuvor gehalten wurden. Durch zusätzliche Kontrollen in VTN-Betrieben können daher Anhaltspunkte dafür gewonnen werden, in welchen Haltungsbetrieben möglicherweise Tierschutzverstöße stattfinden. Diese können so künftig besser erkannt und zielgerichteter verfolgt werden.

Konkret ist vorgesehen:
• VTN-Betreiber werden verpflichtet, Tierschutzkontrollen zuzulassen und die zuständigen Behörden bei diesen Kontrollen zu unterstützen.
• Zudem werden Tierhalter verpflichtet, Tierkadaver zum Zweck der Rückverfolgbarkeit zu ihrem Betrieb zu kennzeichnen.

Julia Klöckner: „Mit dem Gesetz stärken wir den Tierschutz in der Schweine- und Rinderhaltung. Und wir stärken alle Tierhalter, die sich an Recht und Gesetz halten. Durch die zusätzlichen Kontrollen können Tierschutzverstöße in Zukunft besser aufgedeckt, nachverfolgt und verhindert werden – das Netz wird engmaschiger. Denn auch die Begutachtung der Tierkörper lässt wichtige Rückschlüsse auf die Haltung zu. Für mich ist klar: Wer nicht anständig mit seinen Tieren umgeht, der muss konsequent bestraft werden. Solche Tierhalter schaden nicht nur den Tieren, sondern dem ganzen Berufsstand und der großen Mehrheit, die sich vorbildlich verhalten. Den zuständigen Behörden geben wir nun einen weiteren Ansatzpunkt für effektive und zielgerichtete Kontrollen an die Hand. So genannte schwarze Schafe werden so schneller erwischt!“

Den Gesetzentwurf finden Sie hier.

Quelle: BMEL

Fußballengesundheit beim Geflügel: Problem erkannt, Gefahr gebannt?

Von Luisa Watzer, Abt. Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Landkreis Grafschaft Bentheim

Das Thema der Fußballengesundheit ist ein Thema, das so alt ist wie die konventionelle Hähnchenmast selbst. Doch im Gegensatz zur allgemeinen Meinung handelt es sich dabei nicht um ein Problem der genetisch veränderten Tiere, die immer schneller wachsen und dadurch ein immer höheres Gewicht getragen werden muss, auch wenn dieser Umstand mit Sicherheit nicht förderlich für die Hähnchen und ihre Füße ist. Ein Umstand der dies relativ gut widerlegt ist das saisonale Auftreten von Fußballenveränderungen. Während die Sommermonate häufig unauffällig verlaufen, kommt es in der kalten Jahreszeit gehäuft zum Auftreten von Befunden. Und auch, wenn die Gewichte im Verlauf des Jahres ein wenig variieren mögen, sind ein paar Gramm mehr oder weniger pro Tier nicht ausschlaggebend für veränderte Fußballen. Aber welche Ursachen gibt es nun? Was können Landwirte verändern, um zu einer guten Fußballengesundheit beizutragen? Wie sieht der Gesetzgeber die Problematik? Und welche Probleme bestehen, die weniger bekannt sind?

Trockene Einstreu = gesunde Füße?
Der große Hauptdarsteller in diesem Drama ist und bleibt die Einstreu. Trockene Einstreu bedeutet fast automatisch gesunde Füße, aber wieso ist das so? Steht ein Hähnchen den ganzen Tag auf feuchtem Boden weicht die Haut, die Kontakt zu diesem Boden hat, auf. Wir alle kennen das, wenn man einen gewissen Zeitraum in der Badewanne sitzt und irgendwann stark aufgequollene Finger und Zehen hat. Genau dasselbe passiert bei einem Hähnchen, wenn es auf feuchtem Untergrund steht. Die aufgequollene Haut ist nun sehr empfindlich für kleine Verletzungen, sogenannte Mikroläsionen. Diese Mikroläsionen bieten eine Eintrittspforte für Keime. Da Masthähnchen von Anfang bis Ende der Mastphase auf der gleichen Einstreu stehen, haben sie zudem intensiven Kontakt zu den Ausscheidungen ihrer Artgenossen. Innerhalb kürzester Zeit kann sich aus einem leicht geröteten Fußballen ein durch eine nekrotisierende Entzündung stark veränderter Fußballen entwickeln. Diese Füße sehen nicht nur grauenvoll aus, sie verursachen auch schreckliche Schmerzen.

Ammoniak verschlimmert Problem
Doch bevor wir zu der Frage kommen, wie feuchte Einstreu entsteht, hier noch ein zusätzlicher Faktor, der eine große Rolle in der ganzen Thematik spielt. Das Stichwort lautet Kontaktdermatitiden. Eine Dermatitis ist eine Entzündung der Haut. Diese kann durch den Kontakt zu bestimmten Substanzen entstehen, daher der Name Kontaktdermatitis. Diese Substanz ist in unserem Fall vor allem Ammoniak. Ammoniak wird beim Vogel in Form von Harnsäure ausgeschieden (der weiße Anteil auf physiologischem Vogelkot). Durch den Kontakt zu den Ausscheidungen vieler Tiere kommt es auch zum Kontakt der Füße mit dem Ammoniak. Die Wissenschaft hat verschiedene Meinungen darüber, ob Ammoniak das hauptsächliche Problem ist, oder die feuchte Einstreu, oder doch eine Mischung aus beidem. Diese Fragestellung kann und werde ich in diesem Artikel nicht beantworten und gehe stattdessen auf beide Punkte ein. Wie kann es nun zu einer erhöhten Ausscheidung von Ammoniak kommen? Die Antwort lautet: Proteine. Eine erhöhte Konzentration an Rohprotein in der Futterration führt zu erhöhter Harnsäurebildung. Folgen davon sind eine erhöhte Wasseraufnahme und wer hätte es gedacht, flüssiger Kot.

Wieso wird Einstreu feucht?
Welche weiteren Ursachen gibt es für einen hohen Feuchtigkeitsgehalt in der Einstreu? Diese Frage ist leider nicht mit einem Satz beantwortet, denn die Ursachen feuchter Einstreu sind multifaktoriell.


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LEH und Deutscher Tierschutzbund: Stärkung einer tiergerechteren Geflügelfleischerzeugung

Die führenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) in Deutschland haben sich in Gesprächen mit dem Deutschen Tierschutzbund zu einer tiergerechteren Geflügelfleischerzeugung bekannt. Gemeinsam haben Deutscher Tierschutzbund und LEH vereinbart, den Anteil der Produkte mit Haltungsstufe 3 und 4 in den nächsten zwei Jahren zu verdoppeln und bis Ende des Jahres 2026 rund 20% oder mehr ihrer Angebote umzustellen.

Die führenden Unternehmen des LEH haben die einheitliche Haltungsform-Kennzeichnung für Produkte aus der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung 2019 erfolgreich im Markt eingeführt. Den Verbraucherinnen und Verbrauchern wird mit der einheitlichen Kennzeichnung eine klare Orientierung gegeben, gleichzeitig werden die Unterschiede im Sortiment transparent und nachvollziehbar gemacht.

„Mit dem Mehrangebot in den beiden höchsten Stufen mit der 3 und 4 wird das Tierwohl im Geflügelsortiment gestärkt. Dieses Bekenntnis ist stark, auch mutig. Wir begrüßen das ausdrücklich. Das kann zudem Vorbild für mehr Tierschutz im gesamten Sortiment tierischer Produkte sein. Mit unserem zweistufigen Label ` Für mehr Tierschutz` schaffen wir gemeinsam mit dem beteiligten Handel Transparenz am Regal. Jetzt braucht es aber auch das Bekenntnis der Verbraucher*Innen, die Fleisch essen, an der Ladenkasse!“ erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

„Das gemeinsame Bekenntnis der Unternehmen des LEH und des Deutschen Tierschutzbundes ist ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Tierwohl bei Geflügel“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH. „Mit der Haltungsform-Kennzeichnung werden derartige Schritte für die Verbraucher sichtbar und verständlich. Wir freuen uns sehr darüber, dass der Deutsche Tierschutzbund und der LEH hier konstruktiv und mit vereinten Kräften das Tierwohl in Deutschland voranbringen.“

Die Unternehmen des LEH haben in Gesprächen mit dem Deutschen Tierschutzbund ihre Absicht erklärt, im System der einheitlichen Haltungsform-Kennzeichnung den Anteil der Geflügelprodukte aus Programmen, die die Mindestanforderungen der Haltungsformstufen 3 und 4 in der Hähnchenhaltung gewährleisten, in enger Abstimmung mit den Geflügelvermarktern schrittweise zu erhöhen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern anzubieten Unter Berücksichtigung der notwendigen Umstellungszeiträume in der Hähnchenhaltung streben sie daher an, den derzeitigen Anteil an entsprechend gekennzeichneten Hähnchenprodukten in ihren Märkten in den nächsten zwei Jahren zu verdoppeln und bis Ende des Jahres 2026 rund 20% oder mehr ihres Angebots auf Waren umzustellen, die mit den Haltungsformstufen 3 und 4 gekennzeichnet sind. Dazu gehören neben weiteren Standards z.B. Produkte aus der Einstiegs- und Premiumstufe des Labels „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes oder auch Bio-zertifiziertes Geflügelfleisch.

Die unterzeichnenden Lebensmitteleinzelhändler wollen damit ein weiteres Bekenntnis zur Förderung einer tiergerechteren und nachhaltigeren Fleischerzeugung abgeben und Verbraucherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit geben, Produkte aus verschiedenen Haltungsformstufen erkennen und erwerben zu können. Zugleich bietet dieses Bekenntnis eine verlässliche Perspektive für Landwirte, die an diesen Programmen teilnehmen oder beabsichtigen, dies künftig zu tun.

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.

Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Internationaler Forschungsaustausch für die Kuh

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Wissenschaftler veröffentlichen Handbuch über experimentelle Methoden in der Ernährungs- und Verhaltensforschung an Rindern

Wie misst man, wie viel Methan eine Kuh produziert? Welche Möglichkeiten gibt es, Stress und Gesundheit bei Rindern zu bewerten? Was sollte bei Verhaltenstests berücksichtigt werden? Forschende aus zehn Nationen haben im Rahmen des EU-Projektes SmartCow eine Publikation veröffentlicht, die erstmals einen Überblick über eine Vielzahl an experimentellen Methoden in der Ernährungs- und Verhaltensforschung an Rindern gibt.
Das Handbuch ist online im Verlag PUBLISSO Köln erschienen und steht allen interessierten Wissenschaftlern und Nutztierhaltern offen. Herausgegeben wurde das Handbuch von den Partnern des EU-Projektes SmartCow. „Die deutschen Herausgeber und Autoren kommen aus dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf“, erklärte PD Dr. Björn Kuhla, Abteilungsleiter am dortigen Institut für Ernährungsphysiologie. „Es geht vor allem darum, in ganz Europa einheitliche Mindeststandards für die Messung von Verdaulichkeiten, Emissionen, Verhalten und vieles mehr festzulegen. Bislang geschah das häufig noch sehr uneinheitlich“, unterstrich Dr. Björn Kuhla.

Die Autoren aus Spanien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Irland, Italien, Finnland und Neuseeland sowie Deutschland beschreiben in 19 Kapiteln ausführlich die experimentellen Grundsätze im Bereich der Ernährungs- und Verhaltensforschung an Rindern. Ein Schwerpunkt sind verschiedene Messmethoden zur Erfassung des Methanausstoßes von Rindern, so unter anderem in Respirationskammern, durch mobile Messstationen oder mit dem Einsatz von Tracer-gestützten Techniken im Stall und auf der Weide. Die bisher erste Zusammenstellung von Forschungsmethoden dieser Art soll es vor allem jungen Wissenschaftlern ermöglichen, ihre Forschung auf der Basis von standardisierten Verfahren und Richtwerten sowie ethischer Grundsätze effektiver und vergleichbarer zu gestalten. Die Publikation wurde vom Open Access Fonds der Leibniz-Gemeinschaft und dem Open Access Fonds des FBN finanziert.

Hintergrund SmartCow
Vor drei Jahren wurde das von der Europäische Union geförderte Gemeinschaftsprojekt SmartCow initiiert, in dem Institute der Spitzenforschung aus sieben europäischen Ländern beteiligt sind, darunter das Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf. Im Rahmen des internationalen Konsortiums stellen diese Forschungseinrichtungen ihre experimentelle Infrastruktur und ihr Know-how zur Verfügung. Naturwissenschaftler aus allen europäischen Ländern sowie Wirtschaftspartner können diese für ihre eigenen Forschungsaktivitäten nutzen. Frankreich koordiniert das mit 5 Millionen Euro geförderte Projekt federführend. Forschungsschwerpunkt ist der europäische Rindersektor. Aktuell laufen am FBN drei Studien mit Wissenschaftlern aus Österreich, Norwegen und Irland. Weitere Informationen unter www.smartcow.eu

Methods in cattle physiology and behaviour research – Recommendations from the SmartCow consortium, 2021
Methoden in der Rinderphysiologie und Verhaltensforschung – Empfehlungen des SmartCow-Konsortiums, 2021

Die einzelnen Kapitel stehen im PDF-Format zum Download bereit.

Quelle: Institut für Nutztierbiologie (FBN

Prof. Axel Wehrend: Geburt und Geburtshilfe beim Rind #EuroTier2021

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Prof. Dr. Axel Wehrend, JLU Gießen

Zu Beginn seines Vortrags anlässlich der EuroTier 2021, nannte Prof. Dr. Axel Wehrend (Leiter der Klinik für Geburtshilfe an der JLU Gießen) die Geburt einen „kritischen Kontrollpunkt“. Denn die Geburt strahle weit aus: auf spätere Fruchtbarkeit, Milchleistung, Kuh- und Kälbergesundheit.

Zwar ließe sich mittlerweile auf dem Milchviehbetrieb vieles automatisieren, wichtige Entscheidungen rund um die Geburt aber eben nicht: ab wann soll Geburtshilfe geleistet, ab wann ein Tierarzt hinzugezogen werden?

Treten im Geburtszeitraum Probleme auf, drohen der Kuh Verletzungen, Infektionen und direkte Folgeerkrankungen wie Mastitis oder Ketose, aber auch andere Erkrankungen wie z. B. Labmagenverlagerungen haben eine schlechtere Prognose. Und am Ende sinken auch Milchmenge, Milchfett- und Milcheiweißwerte.

Hat eine Kuh bei der Geburt Schmerzen, sinkt die Futteraufnahme mit anschließenden Energiemangel-Erkrankungen und daraus resultierender Störung der Gebärmutterrückbildung. Kommt es zu Verletzungen des Geburtsweges droht eine bakterielle Infektion, d. h. die körpereigenen Abwehrzellen konzentrieren sich dort und stehen für Infektionen an anderen Körperstellen nicht mehr sofort zur Verfügung.

© Thomas Züchner

Folgen der Schwergeburt für Kuh und Kalb
Schwergeburten und falsche Geburtshilfe sind Risikofaktoren auch für Kälber. Nach Auszug werden sie deutlich öfter krank, als nach Spontangeburten und auch die Zahl der Todesfälle steigt. Nach Schwergeburten ist beim Kalb häufig eine Ödematisierung des Gesichts, oft auch nur der Zunge, zu beobachten, die zu mangelhafter Kolostrumaufnahme führt, aus der dann wiederum eine erhöhte Infektionsanfälligkeit resultiert. Durchfall, Lungen- und Nabelentzündung sind häufig die Folge und, statistisch bewiesen, höhere Anfälligkeit und schlechtere Fruchtbarkeit im späteren Leben.

In größeren (und auch bereits mittleren) Betrieben gebe es, so Wehrend, haltungsbedingte Probleme bei der individuellen Überwachung. Nicht nur das Temperament des einzelnen Tieres, auch die Intensität der Beobachtung (etwa außerhalb der Kernarbeitszeiten) oder die Gruppengröße erschwerten häufiger die Überwachung einzelner Kühe. Bei Befragung von Betriebsleitern im Osten Deutschlands wurden von den Betriebsleitern auch ökonomische Zwänge rund um die Geburt angesprochen: Überwachung außerhalb der Arbeitszeiten, Tierarztkosten (auch z. B. für Kaiserschnitte).

In diesem Zusammenhang stellte der Gießener Professor die Ergebnisse zweier Doktorarbeiten vor: in der ersten „K. Essmeyer 2006: Aufklärung der Ursachen einer erhöhten Häufigkeit von Totgeburten in einem Milchviehbetrieb“ wurde in einem Milchviehbetrieb eine signifikant höhere Kälbersterblichkeit festgestellt, wenn die Geburten zum Schichtwechsel stattfanden. Wechselten die Geburtshelfer während der Geburt, stiegen die Totgeburten von 8,10% auf 16,18%!

Die zweite Dissertation „Leister 2009: Untersuchungen zur Vitalität neugeborener Kälber in einer Milchviehanlage in Brandenburg bei optimiertem Geburtsmanagement“ zeigte, dass sich die Totgeburtenrate durch optimale Überwachung um mehr als die Hälfte (von 10% auf 4,2%) senken ließ!

© Roswitha Hermeling

Geburtsüberwachung
Zunächst zählte der Gießener Wissenschaftler Anzeichen auf, die häufig als gute Indikatoren einer bevorstehenden Geburt genannt werden: Veränderungen an den äußeren Genitalorganen, wie Ödematisierung (Größenzunahme), Schleimabgang und Farbe der Scheidenschleimhaut, Lockerung der breiten Beckenbänder, Biegbarkeit der Schwanzspitze, Schwanzhaltung, Aufeutern und einige mehr.

Auf einem Praxisbetrieb wurden deswegen Geburten beobachtet und dann zurückgerechnet, welche dieser Anzeichen wie zuverlässig eine Geburt innerhalb von acht Stunden erwarten lassen. 90,5% der Tiere zeigten acht Stunden vor der Geburt eine hochgradige Ödematisierung, aber 48,3% der Kühe zeigten dieses Merkmal bereits sieben Tage vor der Geburt! Bei einzelnen Tieren wurde der Schleimabgang bereits 10 Tage vor der Geburt beobachtet, 35% zeigten acht Stunden vor der Geburt aber keinen Schleimabgang.

Als sicherstes Zeichen erwies sich die Lockerung der breiten Beckenbänder, hier aber sei eine Wiederholungsuntersuchung nötig, weil bei 40% der Kühe bereits sieben Tage vor der Geburt eine mittelgradige Lockerung festgestellt wurde. Den Grad der Lockerung beim Einzeltier richtig zu bestimmen ist aber ein Problem. Und auch Veränderungen am Euter erwiesen sich als nicht aussagekräftig, weil bei 60% der Kühe die Euteranbildung schon 14 Tage vor der Geburt einsetzt und ein Euterödem bei 46% bereits sieben Tage zuvor auftritt.

Es gebe kein sicheres äußeres Anzeigen, das auf acht Stunden genau eine Geburt vorhersagt, führte Wehrend aus. Optimal sei eine Geburtsüberwachung alle Stunde oder wenigstens alle zwei Stunden und hierbei sei immer der Mansch gefordert. Ob vor Ort oder als Beobachter mittels Kamera, ist er bislang als Sensor nicht zu übertreffen.

© Verena Hußmann

Geburtsvorbereitung
In die Abkalbebox wird die Kuh idealerweise fünf Tage vor dem errechneten Geburtstermin umgestallt. Die Box sollte täglich frisch eingestreut werden, mit 8-12 kg Stroh pro Tier. Eine Einzelbox – mit Sichtkontakt zu anderen Tieren – wäre hier die beste Lösung, denn eigentlich sondert sich eine Kuh zur Geburt gerne ab und will auch nicht von anderen Gruppenmitgliedern verfolgt werden. Allerdings wird eine solche Einzelbox erst unmittelbar zur Geburt bezogen, was stall-technisch kaum zu realisieren sein dürfte. In jedem Fall sollte aber eine Kontrollmöglichkeit ohne Störung möglich und Platz zur Geburtshilfe vorhanden sein. Fixationsmöglichkeiten und Wasserversorgung gehören ebenso dazu.

Besonders wichtig sei es, die Anreicherung von Keimen zu vermeiden! Abkalbebox und Krankenstall sollten deshalb auch räumlich getrennt sein. Zum Zeitpunkt der Geburt sind Kuh und Kalb maximal infektionsempfindlich und die Kuh selbst scheidet bei der Geburt Keime aus, etwa Coxiellen (1), Salmonellen (2), Neospora (3).

© Anita Lucassen

Schwergeburten erkennen
Als statistisch signifikante Früh-Indikatoren einer Schwergeburt haben sich häufiges Scharren, häufiger Harnabsatz und häufiges Scheuern erwiesen. Aufstehen und Hinlegen, Schwanzschlagen oder Umschauen nach dem Bauch lassen keine Rückschlüsse zu auf den Geburtsverlauf zu. Allerdings helfen diese rein statistischen (und im Nachhinein erhobenen) Werte bei der Beobachtung des Einzeltiers nicht. Sichere Kriterien kann auch der Prof. Wehrend nicht benennen.

Kritisch werde es allerdings, wenn zwischen dem Platzen der Fruchtblase und dem Durchtritt des Kopfes über 1,5 Stunden nichts passiert, Teile der Nachgeburt sichtbar werden, bevor das Kalb geboren ist oder nur ein Bein zutage tritt.

Wird eine Kontrolluntersuchung durchgeführt, sollte nicht einfach mit Wasser, sondern besser mit Wasser und Seife gespült werden, weil bei jeder Untersuchung Keime in die Gebärmutter gelangen. Je höher der Keimgehalt in der Gebärmutter aber ist, desto anfälliger für Entzündungen wird sie.

Kraftentfaltung beim Einsatz von Geburtshelfern 1 © Prof. Axel Wehrend

Geburtshilfe
Eine natürliche Geburt erfolgt in drei Phasen: Öffnungs-, Austreibungs- und Nachgeburtsphase. Die maximale Kraftentfaltung der Kuh erfolgt im Liegen, ebenso wird im Liegen der maximale Durchmesser des knöchernen Geburtsweges erreicht. Deswegen sollte ein Auszug auch möglichst bei der liegenden Kuh durchgeführt werden!

In der Öffnungsphase empfiehlt Wehrend zunächst Geduld und keine vorschnellen Eingriffe. Die Austreibungsphase (die gewöhnlich 0,5 bis 2 Stunden dauert) beginnt mit dem Eintritt des Kopfes ins Becken, was Wehen und Bauchpresse verstärkt. Gleichzeitig dehnen sich immer noch die äußeren Geschlechtsorgane der Kuh.

Wird zum Auszug angesetzt, muss die Zugrichtung verändert werden, wenn der Brustkorb des Kalbes sichtbar wird. Das Kalb tritt zunächst gerade aus und kippt dann ab, damit sich die Hinterbeine strecken können! Negativ wirken sich in der Austreibungsphase aus: Stress, Kalzium-, Selen- und Energiemangel sowie Verfettungen (mangelhafte Dehnung!) im hinteren Abschnitt des Geburtsweges.

Grundregeln für den Auszug des Kalbes
• Das Kalb muss normal liegen
• Die Kuh soll liegen
• Wechselseitiger Zug, bis beide Schultern im Becken der Kuh sind, d. h. bis die Schnauze ausgetreten ist
• Dann an beiden Gliedmaßen gleichzeitig ziehen, wenn die Schultern im Becken sind
• Beim Austreten der Brust, den Zug in Richtung Euter ändern
• Maximal zwei Personen, beim Einsatz von mechanischen Geburtshelfern nur mit Kraftbegrenzung!

Kraftentfaltung beim Einsatz von Geburtshelfern 2 © Prof. Axel Wehrend

Mechanische Geburtshelfer
Eine Befragung hessischer Landwirte ergab, dass Geburtshelfer in der Regel zu früh eingesetzt werden, etwa bereits beim Erscheinen der Fruchtblase. Innere Verletzungen der Kuh sind die Folge, vor allem im Moment des Abwinkelns.

Mechanische Geburtshelfer sollten überhaupt nur eingesetzt werden, wenn keine Haltungs-, Stellungs- oder Lage-Anomalien vorliegen; der Muttermund vollständig geöffnet ist und das Kalb sollte nicht (absolut oder relativ) zu groß sein. Der Geburtshelfer müsse auf jeden Fall eine Kraftbegrenzung haben (s. a. DLG-Merkblatt 374) und während der Geburtshilfe sollte auf Dehnung und vor allem auch auf Dehnungspausen geachtet werden.

Lohnt sich ein Kaiserschnitt?
Die Frage, ob sich ein Kaiserschnitt lohnt, beantwortet der Wissenschaftler mit: ja. Wenn er rechtzeitig durchgeführte wird, das Kalb lebt und bevor Verletzungen bei der Kuh vorliegen. Nach einer Untersuchung von Gschwind et al. von 2003 wurden 68% der Kühe nach einem Kaiserschnitt wieder trächtig, wenn das Kalb überlebte (bei totem Kalb nur 46%).

(1) Salmonellose
(2) Q-Fieber
(3) Aborterreger beim Rind

Klöckner: Mehr Tierwohl im Stall und auf der Wiese gibt es nicht zum Nulltarif!

Ergebnisse der unabhängigen Machbarkeitsstudie zu Vorschlägen der ‚Borchert-Kommission` liegen vor, zeigen mehrere Finanzierungswege auf

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, treibt den Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland voran. Hin zu mehr Tierwohl während der gesamten Lebensspanne der Tiere, einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz sowie einer verlässlichen und langfristigen Finanzierung für die Landwirte.

Die Bundesministerin betont: „Unsere Gesellschaft will mehr Tierwohl. Unsere Landwirte wollen mehr Tierwohl. Mehr Tierwohl im Stall und auf der Wiese gibt es aber nicht zum Nulltarif! Und deshalb müssen wir das System der Tierhaltung in Deutschland umbauen – das bringe ich voran: Damit Landwirte die Erwartungen, die an sie gestellt werden, erfüllen und auch davon leben können. Wirtschaftlichkeit muss mit mehr Tierwohl zusammengehen bei uns im Land. Denn sonst exportieren wir diese Fragen ins Ausland und importieren mit den Produkten wiederum die alten Probleme.“

Bundesministerin Julia Klöckner hatte deshalb das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, die so genannte ‚Borchert-Kommission‘, eingesetzt. Die Kommission hat ein Konzept zur Weiterentwicklung der Tierhaltung mit verschiedenen Möglichkeiten zur Finanzierung vorgelegt. Zur Bewertung der rechtlichen Konformität dieser Optionen hat das Bundesministerium bei der Rechtsanwaltskanzlei Redeker, Sellner, Dahs eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Auch der Deutschen Bundestag, die Agrarministerinnen und Agrarminister der Bundesländer sowie die Borchert-Kommission selbst haben diesen Auftrag in ihren Beschlüssen unterstützt. Die Ergebnisse dieser Studie liegen nun vor.

Finanzierungsoptionen 2

Zentrale Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

• Die Studie zeigt, welche Handlungsoptionen bei der Finanzierung und bei der Förderung des Umbaus der Nutztierhaltung in Deutschland und Europa rechtlich möglich sind – und welche aus rechtlichen oder anderen Gründen ausscheiden.
• Die Studie bekräftigt, dass den Landwirten die Kosten für den tierwohlgerechten Umbau der Ställe und die höheren laufenden Kosten ausgeglichen werden müssen. Die zu erwartenden Gesamtkosten werden konkret beziffert:
• 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2025,
• 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2030,
• 4,0 Milliarden Euro im Jahr 2040.
• Die Studie zeigt, dass den unterschiedlichen Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes keine grundsätzlichen Bedenken entgegenstehen.

Finanzierungsoptionen 3

Julia Klöckner: „Nur, wenn den Landwirten Mehrkosten ausgeglichen werden und die Finanzierung vertraglich abgesichert ist, bekommen wir einen Schub für mehr Tierwohl. Es liegen nun mehrere, rechtlich geprüfte Vorschläge auf dem Tisch, wie wir die Tierhaltung in Deutschland umbauen und finanzieren können. Es geht nicht um das ‚Ob‘ – es geht um das ‚Wie‘. Die politische Forderung nach mehr Tierwohl ist von vielen Seiten formuliert. Ich lade ein, zu konstruktiven Gesprächen über den besten Weg, um dieses Ziel zu erreichen.“

Unter folgendem Link finden Sie die Machbarkeitsstudie www.bmel.de/machbarkeitsstudie

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

e-Magazin 1/2021 steht zum Download bereit

Vogelgrippe breitet sich aus: Biosicherheit weiter ernst nehmen
Nach dem großen Seuchenzug 2016/2017 sind Niedersachsens Geflügelhalter und hunderttausende Tiere nun wieder stark betroffen von der Ausbreitung der Geflügelpest. „In diesem Winter ist das Virus nach allen bisherigen Erkenntnissen besonders aggressiv“, stellt Georg Meiners fest. Er ist der Vorsitzende im Tierseuchen-Ausschuss des Landvolks Niedersachsen.

Und nicht nur in Niedersachsen sind Geflügelbestände betroffen: Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) meldet in seiner Risikoeinschätzung vom 16.02.2021, dass in Deutschland seit dem 30.10.2020 über 600 HPAIV (Hochpathogenes Aviäres Influenza-Virus) H5-Fälle (Subtyp 5) bei Wildvögeln, 59 Ausbrüche bei Geflügel, davon drei bei gehaltenen Vögeln in Tierparks festgestellt worden sind. Außerdem meldeten 25 europäische Länder Wildvogelfälle bzw. Ausbrüche von HPAIV des Subtyps H5 bei gehaltenen Vögeln. Das Risiko der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen und des Eintrags in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen (z.B. zoologische Einrichtungen) wird als hoch eingestuft. In Gebieten mit einer hohen Dichte von Geflügelhaltungen ist von einem hohen Eintragsrisiko durch Verschleppung des Virus zwischen Geflügelhaltungen (Sekundärausbrüche) auszugehen. Überwachungsmaßnahmen hinsichtlich toter oder kranker Wildvögel sollten unverzüglich weiter intensiviert sowie die Biosicherheit in den Geflügelhaltungen überprüft und optimiert werden.

Lahmheiten im Kuhstall – ein Symptom, viele Gründe
Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.
Rinder sind von Natur aus Weichbodengänger. Das heißt, Kuhklauen sind optimal an stundenlanges Gehen beim Grasen auf der Weide angepasst. Das Stehen und Gehen auf harten Betonböden in der modernen Laufstallhaltung strapaziert hingegen die Klauen oft über ihre Belastungsgrenze hinaus. Die Folge sind Lahmheiten, die durch schmerzhafte Klauenerkrankungen hervorgerufen werden. Welche Maßnahmen beugen Lahmheiten vor?

Klauenerkrankungen sind mit Schmerzen und Leiden für die Kuh verbunden, haben aber auch gravierende ökonomische Folgen. Die Kosten für einen Fall von hochgradiger Lahmheit werden auf bis zu 850 € geschätzt. Hier kommen zu den offensichtlichen Kosten für die Behandlung vor allem auch Verluste durch geringere Milchleistung und Fruchtbarkeitsstörungen hinzu. Neben einer regelmäßigen professionellen Klauenpflege, die auf jeden Fall zwei bis dreimal im Jahr durchgeführt werden sollte, gibt es viele Faktoren, die die Klauengesundheit beeinflussen.

Aktualisierte Auflage: Tierschutzindikatoren: Leitfäden für die Praxis – Schwein – Rind – Geflügel
Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Schwein“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Sauen-, Saugferkel-, Aufzuchtferkel- und Mastschweinen. Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Rind“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Milchkühen, Aufzuchtkälbern oder Mastrindern. Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Geflügel“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Jung- und Legehennen-, Masthühner- und Mastputen.

Frühinfektionen mit Mykoplasmen: Saugferkel sind seltener infiziert als angenommen
Von Ulrike Amler, Dipl. Ing. agr., freie Agrarjournalistin
Im Rahmen einer wissenschaftliche Arbeit an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) wurden in den untersuchten Beständen deutlich weniger der gefürchteten Frühinfektionen bei Saugferkeln vorgefunden, als nach geltendem Kenntnisstand zu erwarten waren. Für die Impfstrategie gegen Mycoplasma hyopneumoniae ergeben sich dadurch neue Ansätze.

Ferkelerzeuger und Mäster fürchten zu Recht die Enzootische Pneumonie (EP). Der verantwortliche Erreger, Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyopneumoniae) ist in nahezu jedem Schweinebestand nachzuweisen. Durch die Zerstörung des Flimmerepithels nimmt die Selbstreinigungskraft der oberen Atemwege ab und führt zur Verstärkung des klinischen Bildes verschiedener Atemwegserkrankungen bei Zucht- und Masttieren. Die Tierärztin Dr. Pauline Deffner führte ihre Studie zu Infektionen mit dem Erreger der Enzootischen Pneumonie im Rahmen einer Dissertation an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) durch. Im Fokus stand das Vorkommen von Infektionen mit M.hyopneumoniae im Saugferkelalter und deren Weiterverbreitung in nachgelagerte Produktionsstufen. Der Erreger von M. hyopneumoniae wurde in den untersuchten Beständen lediglich bei 0,6 Prozent (%) der gesamten Ferkelpopulation und in 10 % der Bestände nachgewiesen. Bislang wurde aus vorangegangenen Untersuchungen von einer Infektionsrate von 14,1 % der Saugferkel ausgegangen. Aufgrund dieser Annahmen forderte der Handel in einigen Regionen von Ferkelerzeugern zwingend eine frühe 2-Shot-Impfung ab dem 7. Lebenstag. Ein weiterer Fokus der Studie an der veterinärmedizinischen Fakultät lag auf der Darstellung des Zusammenhangs zwischen infizierten Muttersauen und dem Grad der besiedelten Ferkel. Deffner fand unter den untersuchten Sauen auf Einzeltierebene eine Infektionsrate von 4 %.

Seltenen Mastitiserregern auf der Spur
Die klinische Mastitis des Rindes ist eine leider häufige Erkrankung und ist verbunden mit Schmerzen für die Kuh, aber auch mit wirtschaftlichen Einbußen für den Milchviehhalter. Neben den altbekannten Mastitiserregern gibt es immer wieder Berichte über seltene Erreger, deren Einfluss auf das Mastitisgeschehen nicht abschließend geklärt ist. Der Erreger Gordonia paraffinivorans ist solch ein seltener Erreger. Er ist ein stäbchenförmiges Bakterium und gehört zur Klasse Actinobacteria, Ordnung Corynebacteriales. Eine Studie*, die kürzlich im „Der Praktische Tierarzt“ erschienen ist, beschreibt das Vorkommen in Deutschland. Von 2015 bis 2019 wurden insgesamt 708.330 Milchproben von mastitiskranken Rindern in Sachsen mikrobiologisch untersucht. Einerseits handelte es sich um Viertelgemelksproben euterkranker Tiere, andererseits um Proben von Frisch- bzw. Altmelkern (Viertelgemelks- und Sammelmilchproben). G. paraffinivorans konnte dabei in Reinkultur aus 21 Viertelgemelksproben von 14 an Mastitis erkrankten Rindern aus 9 Betrieben isoliert werden.

Fußballengesundheit beim Geflügel: Problem erkannt, Gefahr gebannt?
Von Luisa Watzer, Abt. Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Landkreis Grafschaft Bentheim
Das Thema der Fußballengesundheit ist ein Thema, das so alt ist wie die konventionelle Hähnchenmast selbst. Doch im Gegensatz zur allgemeinen Meinung handelt es sich dabei nicht um ein Problem der genetisch veränderten Tiere, die immer schneller wachsen und dadurch ein immer höheres Gewicht getragen werden muss, auch wenn dieser Umstand mit Sicherheit nicht förderlich für die Hähnchen und ihre Füße ist. Ein Umstand der dies relativ gut widerlegt ist das saisonale Auftreten von Fußballenveränderungen. Während die Sommermonate häufig unauffällig verlaufen, kommt es in der kalten Jahreszeit gehäuft zum Auftreten von Befunden. Und auch, wenn die Gewichte im Verlauf des Jahres ein wenig variieren mögen, sind ein paar Gramm mehr oder weniger pro Tier nicht ausschlaggebend für veränderte Fußballen. Aber welche Ursachen gibt es nun? Was können Landwirte verändern, um zu einer guten Fußballengesundheit beizutragen? Wie sieht der Gesetzgeber die Problematik? Und welche Probleme bestehen, die weniger bekannt sind?
Trockene Einstreu = gesunde Füße?

Genug Futter? Notfütterung im Frühjahr
Eigentlich sollten ImkerInnen ihre Bienen so gut mit Futter versorgt haben, dass ihre Schützlinge genug Nahrung über den Winter in ihrem Bienenstock haben. Doch manchmal kann es dennoch dazu kommen, dass das Futter knapp wird. Vor allem in milden Wintern oder einem zeitigen Start ins Frühjahr mit anschließendem Kälteeinbruch kann es sein, dass die Bienen fast gar nicht aufhören zu brüten oder sehr früh wieder in die Brut einsteigen. Das ist insofern ein Problem, weil sie brütend mehr Futter verbrauchen und in der Natur vor April nicht wirklich Nahrung finden. Müssen die Bienen hungern, ist das fatal: sie legen weniger Brut an, fressen sie unter Umständen sogar auf und sterben schließlich.

EuroTier Neuheiten aus dem Bereich Tiergesundheit
In diesem Jahr fand die EuroTier aufgrund der COVID-19-Pandemie in der 2. Februarwoche rein digital statt. Die DLG zog ein positives Fazit: Auf der Digital-Plattform der DLG wählten sich an den vier Veranstaltungstagen über 41.000 Teilnehmer ein. Sie informierten sich über das Angebot von rund 1.200 teilnehmenden Unternehmen, diskutierten in über 300 Fachveranstaltungen und vernetzten sich gezielt mit der Branche. Wir stellen Ihnen hier die prämierten Neuheiten vor, die sich explizit mit der Tiergesundheit beschäftigen:


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Pestiviren: Wie erobert ein Virus erfolgreich die Wirtszelle?

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TiHo-Forschende zeigen in zwei Studien Mechanismen, wie Pestiviren in Zellen ihrer Wirte eindringen.

Das effiziente Eindringen in einzelne Wirtszellen ist die Voraussetzung, dass sich ein Virus in bestimmten Geweben oder sogar im gesamten Organismus ausbreiten kann. Um innovative Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln, ist es wichtig, die molekularen Mechanismen des Zelleintritts von Viren zu kennen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Virologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) veröffentlichten zu dieser Thematik zwei Studien in den Fachmagazinen Journal of Virology und Virulence.

In der ersten Studie wurden Zellkulturen tierischen Ursprungs gentechnisch gezielt verändert. Die Verfahrensweise beruht auf der CRISPR/Cas9-Technik, die auch als Genschere bekannt ist. Die Forschenden sind nun in der Lage, Gene für bestimmte Zellfaktoren auszuschalten und zu untersuchen, ob diese Faktoren für den Eintritt von Viren in die Zielzelle von Bedeutung sind. „Mit Hilfe dieser gentechnisch veränderten Zellen untersuchten wir Strukturen, die Pestiviren nutzen, um in Schweinezellen einzudringen. Wir haben uns auf zwei Pestivirus-Vertreter fokussiert: das Virus der Klassischen Schweinepest (KSPV) und das erst seit 2016 bekannte Atypische Porzine Pestivirus (APPV)“, so Projektleiter PD Dr. habil. Alexander Postel. Das Atypische Porzine Pestivirus löst bei neugeborenen Ferkeln die Zitterferkelkrankheit aus, bei der die Viren bestimmte Zellen im Gehirn infizieren und die Ferkel unkontrolliert zittern.

Ihre Untersuchungen zum Viruseintritt ergaben, dass Pestiviren, je nach Spezies, offenbar ganz unterschiedliche Zielstrukturen an der Zelloberfläche nutzen, um in die Wirtszelle einzudringen. Vor fast 20 Jahren wurde von Forschenden nachgewiesen, dass das mit dem APPV verwandte Pestivirus, der Tierseuchenerreger Bovines Virus Diarrhoe Virus (BVDV), über ein antennenartiges Protein namens CD46 in Rinderzellen eintreten kann. Das CD46-Protein ist nicht nur für das BVDV, sondern auch für andere Pathogene die Eintrittspforte, darunter unterschiedliche Bakterien und Viren, wie beispielsweise bestimmte Adeno- und Herpesviren des Menschen oder auch Impfstämme des Masernvirus. Die Arbeiten am Institut für Virologie zeigen nun, dass das CD46 auch für den Eintritt des neuartigen APPV in Schweinezellen wichtig ist. Anders als jahrelang vermutet, scheint CD46 für den Zelleintritt des KSP-Virus in Schweinezellen keine wesentliche Rolle zu spielen. „Wie das KSP-Virus in die Schweinezellen gelangt, bleibt vorerst ein Geheimnis, wir arbeiten jedoch mit viel Elan daran, es zu entschlüsseln“, erklärt Postel. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachmagazin Journal of Virology.

In einer zweiten Studie konnte die Arbeitsgruppe der TiHo zeigen, dass der Mechanismus, mit dem Pestiviren in Zellen gelangen, viel komplexer ist, als Jahrzehnte lang angenommen. „Wir untersuchten, von welcher Seite BVD-Viren sogenannte polarisierte Epithelzellen der bovinen Atemwege infizieren und auf welcher Seite der Zelle die Virus-Nachkommen die Zelle anschließend wieder verlassen“, erläutert Institutsleiter Professor Dr. Paul Becher. Methodisch werden für diese Untersuchungen primäre Epithelzellen aus Lungen geschlachteter Rinder gewonnen und in Zellkultur dazu gebracht, in Zellverbänden zu wachsen, die denen im lebenden Tier in ihren Eigenschaften sehr ähnlich sind. „Es zeigte sich, dass die Viren offenbar besonders gut durch das ‚Hintertürchen‘ (basolateral) in die polarisierten Lungenepithelzellen eindringen können, obwohl hier, im Gegensatz zur apikalen Zellseite, kaum CD46 auf den Zielzellen zu finden ist. Auf welchem Weg das geschieht, wissen wir noch nicht. Neu entstandene Virus-Nachkommen werden hingegen sehr effizient durch die ‚Vordertür‘ (apikal) an die Umgebung abgegeben. Das ist optimal, um große Virusmengen über die Lunge auszuscheiden“, fasst Becher zusammen. Die Ergebnisse der zweiten Studie veröffentlichte das Team im Fachmagazin Virulence.

Originalpublikationen
Cagatay G, Antos A, Suckstorff O, Isken O, Tautz N, Becher P, Postel A (2021). Porcine complement regulatory protein CD46 is a major receptor for atypical porcine pestivirus but not for classical swine fever virus, Journal of Virology, DOI 10.1128/JVI.02186-20

Su A, Fu Y, Meens J, Yang W, Meng F, Herrler G, Becher P (2021). Infection of polarized bovine respiratory epithelial cells by bovine viral diarrhea virus (BVDV), Virulence, Vol 12, Issue 1, DOI 10.1080/21505594.2020.1854539

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Die Verfütterung von „Sperrmilch“ an Kälber kann Antibiotikaresistenzen verstärken

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Die Verwendung antimikrobieller Medikamente mit der Folge der Entstehung antibiotikaresistenter Bakterien ist ein globales Gesundheitsproblem, das Menschen, Tiere und die Umwelt betrifft. Einen möglichen, diese Problematik beeinflussenden Faktor, nahm nun ein ExpertInnenteam der Vetmeduni Vienna genauer unter die Lupe, und zwar die sogenannte Sperrmilch – Milch, die nicht die rechtlichen Anforderung an ein Lebensmittel erfüllt (für den menschlichen Verzehr „gesperrt“ ist), und daher gerne an Kälber verfüttert wird. Laut den ForscherInnen sollten mögliche negative Folgen dieser Fütterungspraxis eine stärkere Beachtung finden und Alternativstrategien erforscht werden.

Wenn Milchkühe mit Arzneimitteln behandelt werden, gilt eine gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit. Während dieser Zeit darf die Milch nicht für den menschlichen Verzehr angeboten werden – es entsteht sogenannte Sperrmilch. Teils wird diese als Abfall entsorgt oder auch an Kälber verfüttert. Denn diese Milch liefert hochwertige Bestandteile, die als Futter genutzt werden können. Aber aufgrund der enthaltenen antimikrobiellen Rückstände ist dies auch ein potenzieller Grund zur Besorgnis, denn diese Praxis kann zur Entwicklung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Zum Risiko der Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterien bei Milchkälbern veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jänner 2017 eine wissenschaftliche Stellungnahme. Die EFSA-ExpertInnen schätzen, dass ungefähr 1% der in der Europäischen Union produzierten Milch als nicht verkaufsfähig („Sperrmilch“) einzustufen ist und vermutlich an Kälber verfüttert wird.

Negative Auswirkung von Sperrmilch-Fütterung stärker berücksichtigen
In einem aktuellen Review für die renommierte Fachzeitschrift „Pathogens“ analysierte ein ForscherInnenteam um Clair Firth vom Institut für Lebensmittelsicherheit, Lebensmitteltechnologie und Öffentliches Gesundheitswesen der Vetmeduni Vienna deshalb die relevante wissenschaftliche Literatur zur Verfütterung von Sperrmilch an Kälber. Insgesamt 19 – im Zeitraum von 2016 bis 2020 – in internationalen Fachzeitschriften publizierte Forschungsarbeiten sowie die EFSA-Stellungnahme bilden die Basis für diesen wissenschaftlichen Überblick. Die überwiegende Mehrheit der Studien untersuchte aus dem Kot von Milchkälbern isolierte E. coli-Bakterien, insbesondere den Einfluss der Milchfütterung auf die Häufigkeit des Vorkommens von Resistenzen bei diesen Darmkeimen. Einerseits zeigen manche Forschungsergebnisse für die Fütterung von Sperrmilch im Vergleich zu Milchpulver eine positive Auswirkung für die tägliche Gewichtszunahme und andere Vorteile für die Gesundheit von Kälbern. Das große Aber: „Die Fütterung von Sperrmilch ist von negativen Auswirkungen begleitet. Insbesondere sind dies die Entstehung und Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien, die Veränderung der Darmflora sowie die möglichen Folgen, die daraus für die globale öffentliche Gesundheit erwachsen könnten. Wir empfehlen deshalb, diese Faktoren bei der Fütterung von Kälbern mit Sperrmilch immer zu berücksichtigen“, so Firth. Laut den ExpertInnen wäre es wünschenswert, künftig Alternativstrategien für die Nutzung von Sperrmilch zu entwickeln, damit dieses hochwertige Futtermittel nicht entsorgt werden muss.

Komplexes Phänomen erfordert weitere Analysen
Im Detail brachten die von den WissenschafterInnen untersuchten Studien eine Vielzahl an unterschiedlichen Ergebnissen. Während die Fütterung von Milch, die antimikrobielle Rückstände enthält, die Ausscheidung antimikrobiell resistenter Bakterien bei Milchkälbern zu erhöhen scheint, ist ein solches Ausscheiden aber häufig nur von kurzer Dauer. Obwohl nach der Milchfütterung häufig über Veränderungen im Mikrobiom der Kälber berichtet wurde, kann aufgrund der vorliegenden Forschungsergebnisse derzeit nicht klar gesagt werden, wie sich dies auf die weitere Gesundheit der Kälber auswirkt. Zudem scheint die mögliche Übertragung von antimikrobiell resistenten Bakterien von solcher Milch auf Kälber zu dem äußerst komplexen Problem beizutragen. Außer Frage steht, dass erkrankte Kühe unbedingt adäquat behandelt werden müssen. Die Entstehung von Sperrmilch ist dabei unvermeidbar. „Um eine Vorgehensweise für den Umgang mit Sperrmilch empfehlen zu können, sind weitere Studien notwendig. So können wir ein umfassenderes Bild möglicher Zusammenhänge gewinnen und besser einschätzen, mit welchen Gefahren die Verfütterung von Sperrmilch an Kälber tatsächlich verbunden ist“, so Firth. Zudem soll erforscht werden, wie Sperrmilch „schonend“ behandelt werden kann, damit die wertvollen Inhaltsstoffe verwertet und gleichzeitig mögliche Risiken vermieden werden können.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Stiftung unterstützt Gründer

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Die Stiftung Westfälische Landschaft fördert im Rahmen einer Kooperation mit der Hochschule Osnabrück ein Forschungsprojekt zur Entwicklung und Evaluation einer Markteinführungsstrategie. Es geht dabei um eine agrartechnische Innovation, die von dem Studierenden Victor große Macke und Alexander Grunwald, Absolvent der Hochschule Osnabrück, entwickelt wurde. Wissenschaftlich begleitet wurde das Vorhaben durch Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück. Mit Hilfe des innovativen Projektes soll das sog. Schwanzbeißen (Kaudophagie) in der Schweinehaltung reduziert werden.

Johannes Röring, Vorsitzender der Direktion der Stiftung Westfälische Landschaft, und Susanne Schulze Bockeloh, stellvertretende Vorsitzende, nennen zwei Gründe für die Förderung. Zum einen hilft die Markteinführungsstrategie auch anderen Gründern, innovative Produkte in den landwirtschaftlichen Markt einzuführen. Das kommt der gesamten Landwirtschaft zugute. Zum anderen wird das Produkt bei Erfolg vielen schweinehaltenden Betrieben helfen und einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung des Tierwohls leisten.

Zweck der Stiftung Westfälische Landschaft ist es, dem Wohl und der Leistungsfähigkeit des ländlichen Raumes zu dienen. Sie fördert der Allgemeinheit zugutekommende Belange der Land- und Forstwirtschaft. Schwerpunkte sind dabei land- und forstwirtschaftliche Versuchs- und Forschungsvorhaben sowie die Förderung der Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutzes.

Quelle: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (WLV e.V.)