Fußballengesundheit beim Geflügel: Problem erkannt, Gefahr gebannt?

Von Luisa Watzer, Abt. Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Landkreis Grafschaft Bentheim

Das Thema der Fußballengesundheit ist ein Thema, das so alt ist wie die konventionelle Hähnchenmast selbst. Doch im Gegensatz zur allgemeinen Meinung handelt es sich dabei nicht um ein Problem der genetisch veränderten Tiere, die immer schneller wachsen und dadurch ein immer höheres Gewicht getragen werden muss, auch wenn dieser Umstand mit Sicherheit nicht förderlich für die Hähnchen und ihre Füße ist. Ein Umstand der dies relativ gut widerlegt ist das saisonale Auftreten von Fußballenveränderungen. Während die Sommermonate häufig unauffällig verlaufen, kommt es in der kalten Jahreszeit gehäuft zum Auftreten von Befunden. Und auch, wenn die Gewichte im Verlauf des Jahres ein wenig variieren mögen, sind ein paar Gramm mehr oder weniger pro Tier nicht ausschlaggebend für veränderte Fußballen. Aber welche Ursachen gibt es nun? Was können Landwirte verändern, um zu einer guten Fußballengesundheit beizutragen? Wie sieht der Gesetzgeber die Problematik? Und welche Probleme bestehen, die weniger bekannt sind?

Trockene Einstreu = gesunde Füße?
Der große Hauptdarsteller in diesem Drama ist und bleibt die Einstreu. Trockene Einstreu bedeutet fast automatisch gesunde Füße, aber wieso ist das so? Steht ein Hähnchen den ganzen Tag auf feuchtem Boden weicht die Haut, die Kontakt zu diesem Boden hat, auf. Wir alle kennen das, wenn man einen gewissen Zeitraum in der Badewanne sitzt und irgendwann stark aufgequollene Finger und Zehen hat. Genau dasselbe passiert bei einem Hähnchen, wenn es auf feuchtem Untergrund steht. Die aufgequollene Haut ist nun sehr empfindlich für kleine Verletzungen, sogenannte Mikroläsionen. Diese Mikroläsionen bieten eine Eintrittspforte für Keime. Da Masthähnchen von Anfang bis Ende der Mastphase auf der gleichen Einstreu stehen, haben sie zudem intensiven Kontakt zu den Ausscheidungen ihrer Artgenossen. Innerhalb kürzester Zeit kann sich aus einem leicht geröteten Fußballen ein durch eine nekrotisierende Entzündung stark veränderter Fußballen entwickeln. Diese Füße sehen nicht nur grauenvoll aus, sie verursachen auch schreckliche Schmerzen.

Ammoniak verschlimmert Problem
Doch bevor wir zu der Frage kommen, wie feuchte Einstreu entsteht, hier noch ein zusätzlicher Faktor, der eine große Rolle in der ganzen Thematik spielt. Das Stichwort lautet Kontaktdermatitiden. Eine Dermatitis ist eine Entzündung der Haut. Diese kann durch den Kontakt zu bestimmten Substanzen entstehen, daher der Name Kontaktdermatitis. Diese Substanz ist in unserem Fall vor allem Ammoniak. Ammoniak wird beim Vogel in Form von Harnsäure ausgeschieden (der weiße Anteil auf physiologischem Vogelkot). Durch den Kontakt zu den Ausscheidungen vieler Tiere kommt es auch zum Kontakt der Füße mit dem Ammoniak. Die Wissenschaft hat verschiedene Meinungen darüber, ob Ammoniak das hauptsächliche Problem ist, oder die feuchte Einstreu, oder doch eine Mischung aus beidem. Diese Fragestellung kann und werde ich in diesem Artikel nicht beantworten und gehe stattdessen auf beide Punkte ein. Wie kann es nun zu einer erhöhten Ausscheidung von Ammoniak kommen? Die Antwort lautet: Proteine. Eine erhöhte Konzentration an Rohprotein in der Futterration führt zu erhöhter Harnsäurebildung. Folgen davon sind eine erhöhte Wasseraufnahme und wer hätte es gedacht, flüssiger Kot.

Wieso wird Einstreu feucht?
Welche weiteren Ursachen gibt es für einen hohen Feuchtigkeitsgehalt in der Einstreu? Diese Frage ist leider nicht mit einem Satz beantwortet, denn die Ursachen feuchter Einstreu sind multifaktoriell.


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