Höhere Tierwohlstandards lassen Milchpreise steigen

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In einer Studie untersuchten Forscher*innen des ife Instituts für Ernährungswirtschaft Kiel und der Fachhochschule Kiel erstmals die Kosten höherer Tierwohlstandards bei der Milchproduktion und die daraus resultierenden Preiserhöhungen für Milch im Einzelhandel. Die Berechnungen ergaben, dass eine Preissteigerung von 10 bis 20 Cent pro Liter nötig wäre, um die Mehrkosten für Produzent*innen und Molkereien zu decken. Die Autor*innen sprechen sich für die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels aus. Es könnte für mehr Transparenz bei der Milchproduktion sorgen und die Bereitschaft von Verbraucher*innen steigern, mehr für Milch zu bezahlen, die unter höheren Tierwohlstandards produziert wird.

Was kostet die Einhaltung höherer Tierwohlstandards bei der Milchproduktion? Wie hoch müsste der Preisaufschlag ausfallen, damit Landwirt*innen und Molkereien ihre Zusatzkosten decken können? Dies haben Forscher*innen des ife Instituts für Ernährungswirtschaft Kiel (ife Kiel) und der Fachhochschule (FH) Kiel in einer gemeinsamen Studie erstmals untersucht. Ihre Ergebnisse sollen vor allem Produzent*innen helfen, die Kosten und langfristigen Folgen einer Umstellung auf Milch mit höheren Tierwohlstandards abschätzen zu können.

Immer mehr Konsument*innen achten beim Kauf tierischer Produkte auf die Einhaltung von Tierwohlstandards. Doch eine generelle Kennzeichnungspflicht gibt es nicht, stattdessen erschweren eine Fülle unterschiedlicher Labels eine Orientierung und Bewertung. In ihrer Studie verglichen die Fachleute des ife Kiel und der FH Kiel zunächst die Anforderungen der unterschiedlichen Labels, erfassten die Präferenzen der Verbraucher*innen hinsichtlich der Einhaltung von Tierwohlstandards und ermittelten die Mehrkosten für die Betriebe und den Aufwand, der für Molkereien durch ein zusätzliches Angebot von Tierwohlmilch entsteht.

Die betrieblichen Mehrkosten erhoben die Forscher*innen durch eine Befragung der Betriebsbedingungen von 235 Milchbetrieben aus acht Bundesländern. Auf deren Basis berechneten sie, welche Investitionen notwendig wären, um höhere Tierwohlstandards zu erreichen. Als Referenz nutzen sie das Tierwohllabel „Für mehr Tierschutz“ vom Deutschen Tierschutzbund e.V., das nach ihrer Analyse die höchsten Standards an die Haltung von Milchkühen setzt und in eine Einstiegs- und eine Premiumstufe unterteilt ist. In der Einstiegsstufe betragen die Mehrkosten für die Betriebe im Durchschnitt 2,28 Cent pro Liter, in der Premiumstufe durchschnittlich 2,64 Cent pro Liter, mit hohen Variationen je nach betrieblicher Ausgangssituation. In den Molkereien belaufen sich die Mehrkosten auf 5,7 bis 18,9 Cent pro Liter.

„Eine nach höheren Standards produzierte Milch müsste im Endeffekt mindestens 10 bis 20 Cent mehr kosten“, sagt Prof. Dr. Holger Thiele (FH Kiel) und fährt fort: „Das wollen aber die wenigsten zahlen, obwohl sie sich höhere Tierwohlstandards wünschen.“ Einen Grund dafür sehen die Forscher*innen in der geringen Bekanntheit einzelner Tierwohllabels. Viele Verbraucher*innen wüssten nicht, woran sie Produkte mit höheren Tierwohlstandards erkennen könnten. Der Mehrwert durch die Einhaltung von Tierwohlstandards müsste klar nachvollziehbar und vertrauenswürdig dargestellt werden. Dies könne zum Beispiel durch ein einheitliches und leicht verständliches staatliches Tierwohllabel erreicht werden. Eine gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung aller tierischen Produkte würde außerdem sicherstellen, dass das Label schnell einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt.

Quelle: Fachhochschule Kiel

MSD Tiergesundheit stellt als erstes Tiergesundheitsunternehmen in Deutschland Arzneimittelversand auf Mehrwegboxen um

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• Mehrwegsystem spart rund 50% CO2 ein
• Unser Ziel: Emissionen senken und Verpackungsmüll reduzieren
• 2021 werden rund 60 Tonnen Verpacksmüll eingespart

Schluss mit überquellenden Altpapiercontainern! Seit 18. Januar stellt MSD Tiergesundheit als erstes Tiergesundheitsunternehmen in Deutschland den Arzneimittelversand auf Mehrwegboxen um. Den Auftakt macht die kleinste Paketgröße. Das ist nur der Anfang: Alle weiteren Größen folgen nach und nach im Laufe des Jahres, bis Einwegkartonagen als Verpackungsmaterial aus dem Arzneimittelversand von MSD verbannt sind.

„Nachhaltigkeit ist uns wichtig. Nachdem wir bereits auf kompostierbare Luftpolsterfolie und Lieferscheine aus Graspapier umgestellt haben, ist die Einführung der Mehrwegbox für uns der nächste logische Schritt. Dass wir damit Vorreiter in der tierpharmazeutischen Industrie sind, macht uns besonders stolz. Das spornt uns einmal mehr an, auch zukünftig unsere Prozesse kontinuierlich zu verbessern und nachhaltiger zu machen.“ erklärt Jan Nemec, Geschäftsführer MSD Tiergesundheit.

Das Mehrwegsystem spart rund 50% CO2 ein, bei 50 Umläufen inkl. Rückhollogistik und Reinigung. Allein in diesem Jahr, bis Ende 2021, sollen so mehr als 60 Tonnen Verpackungsmaterialien reduziert werden. Defekte Boxen werden regranuliert und daraus neue Boxen produziert. Dem Kreislauf geht also nichts verloren.

Für Kunden fallen dabei keine Kosten an. Gemeinsam mit seinen Partnern Smart Container Loop GmbH im Pool-Management und der Behälterentwicklung sowie trans-o-flex in der Logistik hat MSD ein in Deutschland bislang einmaliges System geschaffen. Das nachhaltige Verfahren lebt davon, dass die Mehrwegboxen möglichst schnell und ohne Verluste wieder in den Pfandkreislauf zurückfließen. Je reibungsloser das funktioniert, desto nachhaltiger.

Die für diesen Einsatz neu entwickelten Mehrwegboxen wurden im Dezember mit einigen Kunden getestet. Das Feedback hierzu war ausgezeichnet. Die Kunden schätzen das nachhaltige System und nicht zuletzt, dass der lästige Gang zum Altpapiercontainer entfällt.

Weitere Informationen zum nachhaltigen Mehwegboxsystem erhalten Sie unter www.msd-tiergesundheit.de/verantwortung/mehrwegboxen.

Über MSD Tiergesundheit
MSD Tiergesundheit ist die Tierarzneimittel und –gesundheitsmanagmentsparte von MSD. Seit mehr als 125 Jahren erforscht und entwickelt MSD – in den USA und Kanada Merck & Co., Inc., mit Sitz in Kenilworth, NJ, USA – weltweit neue Lösungen für Gesundheitsprobleme.

Als eines der führenden forschenden Pharmaunternehmen in der Veterinärmedizin bietet MSD Tiergesundheit Tierärzten, Landwirten, Tierhaltern und Regierungen eines der größten Portfolios an Tierarzneimitteln, Impfstoffen, Gesundheitslösungen und -dienstleistungen.

Um auch weiterhin mit wirksamen Mitteln die drängendsten Krankheiten unserer Zeit zu heilen, zu lindern oder zu verhindern, investiert MSD jeden vierten US-Dollar in Forschung und Entwicklung (rund 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017). Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Prävention von Krankheiten und Seuchen, wie z.B. Tollwut, durch die Entwicklung von wirksamen Impfstoffen. Für MSD Tiergesundheit steht stets das Tierwohl und damit auch die Gesundheit der Tiere im Fokus.

MSD Animal Health ist in mehr als 50 Ländern vertreten. Die Produkte sind in rund 150 Märkten weltweit erhältlich. In Deutschland hat die Unternehmensgruppe ihren Hauptsitz in Haar bei München. Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.msd-tiergesundheit.de.

Über Smart Container Loop GmbH
Smart Container Loop ist eine Tochtergesellschaft der Schoeller Group, die sich auf die Entwicklung und das Management von Mehrwegbehältersystemen für Spezialanwendungen fokussiert.
Die Schoeller Group hat durch Ihre Kernbeteiligung an Schoeller Allibert mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von nachhaltigen Kunststoff-Mehrwegbehältern. Die Schoeller Gruppe hat Pionierleistungen für die Branche erbracht, u.a. auch durch die Gründung vom IFCO Systems, Weltmarktführer für Mehrwegbehältersysteme im Frischebereich. www.smartcontainerloop.de

Über trans-o-flex
Die Kernkompetenz von trans-o-flex sind Logistiklösungen für die Branchen Pharma, Kosmetik, Consumer Electronics und für andere hochwertige, sensible Güter. Das Unternehmen hat Transportnetze aufgebaut, die Waren bei 15 bis 25 Grad Celsius oder bei 2 bis 8 Grad Celsius aktiv temperiert und dokumentiert nach den EU-Regeln für den Pharmatransport befördern. Diese EU-GDP erfordern höchste Standards für Sicherheit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz, von denen alle trans-o-flex-Kunden profitieren. International arbeitet trans-o-flex über die Netze EUROTEMP (temperaturgeführte Logistik) und EURODIS (in 36 Ländern Europas). Im Unterschied zu reinen Paketdiensten oder Speditionen stellt trans-o-flex sowohl Ware in Paketen als auch auf Paletten zu. trans-o-flex Express bietet zudem zahlreiche Express- und Zeitfensterzustellungen, Sonderdienste wie Gefahrguttransporte (ohne Mindermengenregelung), Sendungskonsolidierung oder Direktfahrten. Die Express-Transporte werden ergänzt durch Lagerung, Kommissionierung und individuelle Mehrwertdienste wie Serialisierung von Arzneimitteln. Damit deckt das Unternehmen die gesamte Logistikkette von Beschaffung bis Fulfillment ab. Der Jahresumsatz der trans-o-flex-Gesellschaften, die insgesamt rund 2.200 Mitarbeiter beschäftigen, belief sich 2019 auf rund 495 Millionen Euro. Mehr Informationen unter www.trans-o-flex.com.

Quelle: Intervet Deutschland GmbH

Angereicherte Futtermittel für Hühner sollen die Ernährungslage in Äthiopien verbessern

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Erste Pilotstudie mit afrikanischem Forschungsinstitut erfolgreich abgeschlossen

Das 2019 zwischen dem Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) und dem International Livestock Research Institute Nairobi (ILRI/Kenia) abgeschlossene Kooperationsabkommen trägt erste Früchte. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Muskelbiologie und Wachstum am FBN hat Desalew Tadesse, Doktorand aus Äthiopien, erfolgreich eine Pilotstudie zur Qualitätsverbesserung der Ernährung in Afrika abgeschlossen.

„Dabei ging es um die Anreicherung von Hühnerfutter mit Leinsamen und Extrakten der sogenannten Sandolive, eine weit verbreitete und klimatisch anspruchslose Gewürzstrauchpflanze namens Dodonae angustifolia“, sagte FBN-Projektleiter Dr. Dirk Dannenberger. „Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Wertvolle Lebensmittel wie Fisch, frische Früchte und Gemüse sind für weite Teile der Bevölkerung nur schwer zugänglich. Hühner sind jedoch auch in Afrika leicht zu halten. Aktuell stammen etwa 96 Prozent der gesamten nationalen Geflügelprodukte (Eier und Fleisch) von einheimischen Hühnern aus dörflicher Haltung, während nur vier Prozent aus intensiv gehaltenen Hühnerrassen gewonnen werden. Der Ansatz ist, durch angereicherte Futtermittel für die Hühner auch die Eier und das Fleisch der Tiere und somit die Ernährung der einheimischen Bevölkerung aufzuwerten. Das betrifft vor allem die wertvollen Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien, aber auch weitere Proteine und Vitamine.

Ziel der Pilotstudie war es, die Auswirkungen einer kombinierten Ergänzung der Futtermittel von Sasso-Hühnern mit Leinsamen- und Extrakten von Blättern des einheimischen, wilden Sandolivenstrauchs (Dodonae angustifolia) auf den Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und die oxidative Stabilität von Ei und Fleisch zu untersuchen. Das Futter wurde dabei mit verschieden dosierten Pflanzenextrakten versehen. „Die Pilotstudie hat gezeigt, dass schon geringe Zusätze von Leinsamen und Pflanzenextrakten die gesundheitsfördernde Qualität des Fleisches und der Eier deutlich erhöht“, sagte Dannenberger. „Damit ist die Grundvoraussetzung geschaffen worden, weitergehende Untersuchungen und Versuchsreihen in Afrika zu starten.“

Hintergrund der Kooperation
Bei einem Treffen von ILRI-Forschern mit FBN-Wissenschaftlern in Nairobi (Kenia) und Addis Abeba (Äthiopien) im Mai 2018 wurden eine Reihe von gemeinsamen Forschungsinteressen abgestimmt, wie etwa die Reduzierung von Treibhausgasemissionen, Züchtungsplanung, Tierwohl und Stress- und Krankheitsresistenz bei Nutztieren. Anfang 2019 besuchten die Wissenschaftler des International Livestock Research Instituts erstmals das FBN und schlossen eine Kooperationsvereinbarung. Das International Livestock Research Institute (www.ilri.org) ist eines von 15 CGIAR-Forschungszentren (Globale Forschungspartnerschaft für eine ernährungssichere Zukunft/www.cgiar.org) und das einzige Zentrum, das sich ausschließlich der Forschung in der Tierhaltung für die Entwicklungsländer widmet. ILRIs Campi liegen in Kenia und Äthiopien. ILRI hat außerdem regionale oder Länderbüros an 14 weiteren Standorten in Afrika, Süd- und Südostasien. Forschungsthemen sind unter anderem Tierproduktivität, Lebensmittelsicherheit und Zoonosen, Tierhaltung und Umwelt sowie Politik, Institutionen und Lebensgrundlagen.
Das FBN kooperiert mit Forschungseinrichtungen weltweit, vor allem mit Partnern aus Ländern der EU im Rahmen der unterschiedlichsten EU-Projekte. Darüber hinaus gibt es eine Zusammenarbeit mit Indien, der Türkei, Neuseeland, USA, Kanada, China, Australien, Brasilien, Nigeria, Kenia, Ägypten, Äthiopien, Iran, Thailand, Chile, Israel und Russland. Aktuell betrifft das mehr als 100 Forschungsprojekte in Kooperation mit 355 Institutionen aus 41 Ländern.

Quelle: Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Datenbank „NS-Schicksale“ Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten jüdischen Tiermediziner

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Am 27. Januar ist der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Die Bundestierärztekammer (BTK) möchte diesen Anlass nutzen, um nochmals auf die Datenbank „NS-Schicksale“ aufmerksam zu machen, mit der dauerhaft an die Opfer des Nationalsozialismus im Bereich der Tiermedizin gedacht wird. Unter www.bundestieraerztekammer.de/ns-schicksale steht hinter jedem Eintrag ein menschliches Schicksal, ein Mensch, dessen Existenz im Nationalsozialismus zerstört wurde. Die Datenbank enthält biografische Informationen zu Tierärzten und Studierenden der Tiermedizin sowie deren Angehörigen, die im Zeitraum zwischen 1933 und 1945 im Deutschen Reich lebten und wegen ihrer jüdischen Glaubenszugehörigkeit oder Abstammung verfolgt wurden.

„Das Feedback, das wir bisher zu der Datenbank erhalten haben, war durchweg positiv. Es ist wichtig, nicht zu vergessen, und diese Plattform bietet eine dauerhafte Möglichkeit, um die Erinnerung aufrechtzuhalten“, sagt der Präsident der BTK, Dr. Uwe Tiedemann.

Eingerichtet wurde diese Gedenk-Datenbank auf Initiative der Fachgruppe „Geschichte der Veterinärmedizin“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) und auf Grundlage einer Vereinbarung zwischen der DVG und BTK. Diese Erfassung jüdischer Tiermediziner sollte weitgehend vollständig sein, DVG und BTK sind jedoch dankbar für alle Hinweise auf weitere, noch nicht berücksichtigte Opfer. Auch Hinweise auf Tierärztinnen und Tierärzte nichtjüdischen Glaubens, die durch das NS-Regime verfolgt wurden, werden gerne entgegengenommen.

Quelle: Bundestierärztekammer

Tierarzneimittelgesetz: Tierärzteverbände fordern: Gesetzgebungsverfahren sofort stoppen

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Die Präsidenten der tierärztlichen Verbände Bundestierärztekammer, Bundesverband der beamteten Tierärzte und Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) haben Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner Ende vergangener Woche schriftlich aufgefordert, die Umsetzung eines nationalen Tierarzneimittelgesetzes in dieser Legislaturperiode zu stoppen, damit ein transparenter Diskussionsprozess möglich wird. Die Verbände sind sich vollkommen einig darin, dass sie sich an einem derart intransparenten und unausgereiften Verfahren weder beteiligen können noch wollen. Dafür steht für die praktizierenden und beamteten Tierärztinnen und Tierärzte und natürlich für die Tiergesundheit und den Tierschutz schlichtweg zu viel auf dem Spiel.

Grund für diesen Schritt ist, dass in den letzten beiden Jahren seit Inkrafttreten der EU-Tierarzneimittelverordnung für die Umsetzung in nationales Recht keinerlei fachlicher Austausch stattgefunden hat und jetzt völlig unerwartet die Bundesministerien für Gesundheit und Landwirtschaft den tierärztlichen Organisationen und Verbänden den Entwurf für ein nationales Tierarzneimittelgesetz zur Stellungnahme innerhalb von drei Wochen vorgelegt haben. Eine qualifizierte Stellungnahme zu einem so umfangreichen und zugleich wichtigen Gesetzesvorhaben kann aber in einer solch kurzen Frist zwangsläufig nur unvollständig sein und wird deshalb nicht erfolgen.

„Wie kann es sein, dass zwei Jahre für die Umsetzung der bereits im Januar 2019 in Kraft getretenen EU-Tierarzneimittelverordnung in neu zu fassendes nationales Recht ohne jeglichen fachlichen Austausch ungenutzt verstrichen sind und dann ganz plötzlich eine Ressortabstimmung zum Gesetzentwurf ohne vorherige Verbändeanhörung erfolgt,“ macht bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder seinem Ärger Luft. Hieß es doch noch vor wenigen Wochen, das Bundesgesundheitsministerium habe wegen der Corona-Situation keine Zeit, sich um das nationale Tierarzneimittelgesetz zu kümmern. „Die Art und Weise, wie mit einer von dem Gesetz hauptbetroffenen Gruppe umgegangen und offenbar auch nicht korrekt informiert wird, ist völlig inakzeptabel,“ bekräftigt Moder.

Schon auf den ersten Blick haben sich rechtlich-handwerkliche Fehler im Entwurf gezeigt, die in der tierärztlichen Praxis zu Umsetzungsschwierigkeiten und juristischen Auseinandersetzungen führen werden. „Genau davor wollen und müssen wir die Tierärztinnen und Tierärzte schützen,“ stellt Moder klar. „Und um das gleich ganz deutlich zu sagen, wir sträuben uns nicht gegen ein neues, eigenständiges Tierarzneimittelgesetz, so wie es in vielen anderen EU-Ländern schon Brauch ist. Wenn aber etwas ganz Neues geschaffen wird, dann muss in einem transparenten Diskussionsprozess ausreichend Zeit für den fachlich fundierten Austausch sein,“ so Moder. Dafür stehen die drei Verbände zur Verfügung.

Quelle: bpt

FutureFeed: Seetang reduziert Methanausstoß von Rindern erheblich

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Wissenschaftler der nationalen australischen Wissenschaftsforschungsagentur CSIRO haben einen kostengünstigen Algenfutterzusatz namens FutureFeed entwickelt, der Methanemissionen von Rindern erheblich reduzieren und die Produktivität der Nutztiere steigern könnten.

Die Seetangart Asparagopsis produziert Bromoform, eine bioaktive Verbindung, welche die Bildung von Methan verhindert, indem sie ein bestimmtes Enzym im Darm während der Verdauung von Futtermitteln hemmt. Nach Auskunft von CSIRO wurde, bei Verwendung niedriger Dosen (weniger als 1,0%), in einem Feedlot-Versuch Methan um über 90% reduziert, wobei außerdem positive Trends für Futterverwertung und Produktivität beobachtet worden seien.

Asparagopsis produziert spezielle bromhaltige Substanzen (CHBr3), die den Abschluss des Methanaufbaus verhindern, indem sie im letzten Schritt mit Vitamin B12 reagieren, wodurch die Enzyme gestört werden, die von den spezifischen Darmmikroben verwendet werden, die während der Verdauung hochenergetisches Methangas als Abfall produzieren.

Die metabolische Umwandlung von Methan macht 12-15 Prozent der Futtermittelenergie und der Futtermittelkosten aus. Folglich hat die Reduzierung der Methanemissionen potenziell auch einen wirtschaftlichen Nutzen für die Erzeuger und einen metabolischen Nutzen für das Tier, durch eine verbesserte Umwandlung von Energie, die sonst als Methanemissionen verloren geht.

Seetang-Produktion
Bei typischen Algenproduktionsraten von 30-50 Tonnen Trockenmasse je Hektar wären für die Versorgung von 30% der australischen Futter- und Milchindustrie etwa 2.000 Hektar Seetang-Farmen erforderlich. Als Vergleich nennt die Agentur über 900 Hektar australische Garnelenfarmen.

Weitere Informationen zu FutureFeed sind auf der CSIRO-Homepage zu finden.

Schwerpunktkontrollen in Schweinemastbetrieben in NRW

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Im letzten Quartal 2019 wurden, im Zuge einer risikoorientierten Schwerpunktüberwachung, in Nordrhein-Westfalen insgesamt 387 Schweinemastbetriebe amtlich kontrolliert.

379 Prüfprotokolle waren nach Mitteilung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen verwertbar und hätten gezeigt, „dass in 59 % der besuchten Betriebe mindestens ein tierschutzrelevanter Mangel im Sinne der ausgewählten Prüfkriterien vorgefunden wurde.“ In 90 Betrieben wurden jedoch auch mehrere gefunden.

Nur 71 % der geprüften Betriebe hatten geeignete Krankenbuchten mit weicher Unterlage bzw. Einstreu zur Absonderung und Unterbringung kranker Einzeltiere.

In Betrieben, in denen die Nottötung von verletzten oder erkrankten Schweinen von den Landwirten selbst durchgeführt wird, fehlten in 14 % der Fälle die dafür erforderlichen Betäubungsgeräte bzw. war diese nicht voll funktionsfähig. 20 % der Landwirte beauftragen, nach eigener Auskunft, ihren Hoftierarzt mit Nottötungen.

Etwa 95 % der geprüften Betriebe erfüllen die rechtlichen Mindestanforderungen in Bezug auf Belegdichte/ Trinkwasserversorgung, gemäß TierSchNutztV. Weiter stellt das Ministerium fest, dass die Bestandsgröße „keinen nennenswerten Einfluss auf das Vorhandensein von Mängeln hat.“

Es besteht immer noch erheblicher Verbesserungsbedarf im Umgang mit kranken Tieren und der Durchführung von Nottötungen durch den Tierhalter. Das Fachministerium empfiehlt deswegen dringend den Flyer der Landwirtschaftskammer NRW mit Empfehlungen für den Umgang mit kranken Schweinen und zur korrekten Durchführung der Nottötung und das Seminar „Nottötung von Schweinen“ der LWK.

Nicht zuletzt, so erklärt das Ministerium, scheine eine „intensive Diskussion des Problems mit den bestandsbetreuenden Hoftierärzten“ geboten, „um in den Fällen, in denen Landwirte die Nottötung einzelner Tiere nicht selbst vornehmen können oder wollen, die Möglichkeit zu schaffen und zu nutzen, diese Aufgabe an den Hoftierarzt zu übertragen.“

Offizieller Bericht des Ministeriums an den Landtagspräsidenten

Leitfaden zur Durchführung der Nottötung von Schweinen in landwirtschaftlichen Betrieben: Download als PDF

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Was braucht die Pute?

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Die Deutschen mögen Geflügelfleisch – rund 21 kg isst jeder Deutsche pro Jahr mit steigernder Tendenz. Dabei rangiert die Pute mit rund 6 kg an zweiter Stelle nach Hähnchenfleisch. Die Putenmast gilt als anspruchsvoll. Warum das so ist und welche Bedürfnisse die Pute eigentlich hat, weiß Tierarzt Paul Westermann. Er arbeitet als Produktfeldleiter Geflügelmast bei der Firma BEST 3 Geflügelernährung GmbH in Twistringen.

Herr Westermann, wie steht es derzeit um die Putenhaltung in Deutschland?
Insgesamt ist die Situation gerade durch die Corona-Krise schwierig. Nicht ganz so schlimm wie im Schweinebereich, aber ähnlich, was die Probleme bei den Schlachtungen angeht. Die Auszahlungspreise sind durch die Einschränkungen bei der Gastronomie stark gefallen. Das wird sich aber auch wieder fangen, da Geflügelfleisch an sich beliebt ist und der Verzehr in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Die Pute hat sehr mageres Fleisch. Man muss als Mäster derzeit flexibel sein, die Endgewichte werden teils über- teils unterschritten, weil Schlachthöfe die Tiere abrufen, wenn sie gerade Kapazitäten haben.

Wie gestaltet sich die Mast?
Puten werden vornehmlich in Offenställen gehalten mit Jalousien. Neuere Ställe müssen zwangsbelüftet werden über Zuluftklappen. Die Aufzucht erfolgt an einem separaten Standort, mit 5 Wochen werden die Tiere dann in den Maststall umgestallt. Mindestens dreimal die Woche wird im Maststall mit Stroh nachgestreut. Puten brauchen offene Rundtränken, keine Nippeltränken. Hähne werden ungefähr 150 Tage gemästet, Hennen 112 Tage. Eigentlich ist ein Vorgriff üblich, um die Besatzdichte gering zu halten. Jetzt durch die Corona-Krise ist er oft nicht möglich, weil die Schlachthöfe keine Kapazitäten haben. Die durchschnittliche Herdengröße liegt bei rund 4.000 bis 6.000 Tieren pro Stall, ein durchschnittlicher Putenbetrieb hat heutzutage 15.000 bis 18.000 Tiere auf mehrere Ställe verteilt. Das ist aber regional sehr unterschiedlich. Die Küken werden in der Brüterei gesext und Hennen und Hähne dann getrennt aufgezogen. Rentabler ist die Hahnenmast, die Hennen gehen häufig ins benachbarte Ausland.

In wie viele Phasen sollte die Fütterung aufgeteilt werden und warum?
Wir bei BEST 3 füttern ein Vielphasensystem, für gewöhnlich das Mastfutter P0 bis P6. P0 bis P3 deckt die Aufzucht ab, die anderen Produkte die Mast. Wir haben das so aufgeteilt, weil die Hähne entsprechend alt werden und über die Entwicklung unterschiedliche Nährstoffansprüche haben. Deshalb brauchen wir deutlich mehr Futterphasen als beim Masthähnchen. Die Tiere sind mit relativ hohen Proteingaben versorgt, um das Wachstum zu gestalten, aber einen Überhang wollen wir auch nicht. Man muss so dicht wie möglich am Bedarf füttern. Das nützt nicht nur dem Tier, sondern so gelangen auch weniger Nährstoffe in den Mist, was auch bei den strengen Auflagen der Düngeverordnung mit zu bedenken ist.

Kann Weizen oder anderes Getreide beigefüttert werden und ist das sogar ratsam?
Ja, unbedingt. Ein Mastfutter ist standardmäßig sehr nährstoffreich und erfordert ein gesundes Tier, um die volle Leistung zu entfalten. In Stresssituationen wie z.B. Hitze ergeben sich jedoch Probleme durch genau diesen Umstand. Dann benötigt das Tier weniger Protein, das erreichen wir über ein Kernfutter wie P4 oder P5, in welches wir in unterschiedlichen Mengen Weizen oder Mais zudosieren, um den Proteingehalt für den Moment zu senken. Weizen und gebrochener Mais geben dem Futter mehr Struktur, was die Pute unbedingt braucht. Nach der Aufzucht gehen wir deshalb über in ein System, bei dem der Mäster die Kernfutter P3 bis P6 wählt und dann Weizen und Mais zudosiert oder wir diese Vitalfutter-Mischung ab Werk ausliefern. Warum? Die Darminstabilität findet oft in den Futterphasen P3/P4 statt, hier entspannt Getreide in veränderlichen Prozenten die kritische Lage. Welches Getreide eingesetzt und dem Konzentrat zugesetzt wird, entscheiden wir vor Ort zusammen mit dem Landwirt.

Muss das Futter Struktur haben oder ist es besser fein vermahlen?
Struktur trainiert den Muskelmagen, die Tiere bekommen ein zufriedeneres Gefühl, weil der Darm gut arbeiten kann. Zu feines Futter passiert den Darm zu schnell, das wollen wir nicht. Struktur fördert eine Fermentation in den Blinddärmen, das Mikrobiom wird im richtigen Verhältnis gefördert. Bei der Pute sind die Blinddärme deutlich länger als beim restlichen Geflügel, und in ihnen findet die Faserverdauung statt, deswegen braucht die Pute Fasern. Die Produktion und Struktur der Pellets sollte auf das Alter der Tiere abgestimmt sein, denn die Pelletstruktur spielt eine große Rolle für eine reibungslose Verdauung. Die Jungtiere erhalten Mehlfutter als Pellet, denn die Verdauung muss sich erst daran gewöhnen. Mit zunehmendem Alter der Tiere sollte die Pelletstruktur immer gröber werden. Besonders in den letzten Phasen P5 und P6 hilft dagegen eine gröbere Partikelstruktur, den Nahrungsbrei im Muskelmagen und im Darm besser zu durchmischen und dadurch eine effektivere Verdauung und ein zufriedeneres Tier mit besseren Leistungen zu erhalten.

Haben Puten einen hohen Wasserbedarf?
Wasser ist das Futtermittel Nummer 1. Puten haben einen hohen Wasserbedarf. Sie benötigt einen Teil Futter auf 2 Teile Wasser, ähnlich wie beim Hähnchen. Puten muss das Wasser immer sehr einfach angeboten werden, der Stall muss möglichst viele Tränkeeinrichtungen haben. Puten haben nicht den Instinkt Wasser eigenständig zu suchen, sondern sie müssen schon in der Aufzucht darauf gestoßen werden, wo Wasser und Futter zu finden ist. Das Wasser muss sehr sauber sein, aber dadurch, dass es offen angeboten wird, verschmutzt es leider schnell. Um das Wasser stets hygienisch sauber anzubieten, gibt es verschiedene Produkte auf dem Markt.

Wie wichtig ist Licht?
Das Thema Licht wird immer wichtiger werden vor allem vor dem Hintergrund, dass das Schnabelkürzen irgendwann verboten werden wird. Sollte der Schnabel irgendwann nicht mehr gelasert werden dürfen, kann die Mast eigentlich nur noch in totaler Dunkelheit ablaufen, weil die Tiere sich sonst bepicken. Geflügel ist generell empfindlich auf Licht, schließlich sind es Dickichtbewohner, sie leben normalerweise am Waldrand, suchen Schutz, dadurch sorgt helles Licht für Dauerstress. Durch die Offenställe ist das Lichtregime nur eingeschränkt zu steuern, weil ja viel Außenlicht hereinkommt. Nachts wird ein Orientierungslicht geboten, weil Puten sehr anfällig für plötzliche Veränderungen in der Lichtintensität sind und sich z.B. vor vorbeifahrenden Autos bzw. deren Scheinwerfern erschrecken, das kann Panik auslösen.

Welche Indikatoren werden für die Beurteilung von Gesundheit und Tierwohl herangezogen?
Der erste Eindruck ist die Gefiederfarbe, ist sie weiß oder verkotet bzw. verschmutzt? Hähne müssen sich lebhaft zeigen und sich präsentieren, dann geht es ihnen gut. Dominanzverhalten gibt es nur, wenn die Tiere die Zeit dafür haben und nicht mit anderen Nöten beschäftigt sind. Beingesundheit ist wichtig, Atemwege auch, Schnupfen oder Husten sollte nicht sein. Fußballen sind natürlich wichtig, diese werden auch am Schlachthof bonitiert und in 3 Kategorien eingeteilt. Brustblasen am Schlachtkörper werden aufgenommen, die anzeigen, ob die Tiere feucht oder trocken oder generell viel gelegen haben.

Wie steht es um das Schnabelkürzen?
Aktuell gibt es hierzu Ausnahmeregelungen. Den Tieren muss während der Laserbehandlung ein Schmerzmittel gegeben werden. Das wird derzeit direkt in der Brüterei mit einem kombinierten Schmerzmittel und Entzündungshemmer sichergestellt. Einen festen Termin für das Ende des Schnabelkürzens gibt es jedoch nicht. Das würde meiner Meinung nach auch die Putenhaltung deutlich erschweren oder fast unmöglich machen.

Lässt sich Stress bei den Puten über das Futter reduzieren?
Die Wichtigkeit von Struktur habe ich ja schon angemerkt. Dadurch, dass die Tiere ständig alles anpicken, was sich im Stall befindet, kann es auch dazu kommen, dass die Tiere Einstreu aufnehmen, deshalb sollte man Grit direkt über die Futterschalen füttern, damit die Tiere das Stroh einfacher verdauen können. Bei Darmirritationen sollte zusätzlich der Getreideanteil im Futter erhöht werden. Rein zur Beschäftigung der Tiere bieten sich Strohballen an, Sisalgarn, Bänder und Ketten, Plastikflaschen befüllt mit farbigem Wasser, erhöhte Podeste zum Hochspringen und um sich darunter zu verstecken.

Welchen Trend sehen Sie für die Zukunft?
Zukünftig kann ich mir vorstellen, dass die Rohproteinabsenkung noch weiter voran schreiten wird, weil mehr freie Aminosäuren auf den Markt kommen werden. Es wird neue Enzymkombinationen geben, die die Verdauung erleichtern und dadurch die Verdaulichkeit anheben. Wir werden feststellen, dass die Tiere immer noch ein wenig zu gut versorgt sind. Auch wir bei BEST 3 optimieren vor diesem Hintergrund ständig die verschieden Phasen unseres Putenfutters. Gerade haben wir das Futter noch um ein P7 ergänzt. Aus Sicht der Vermarkter würde ich sagen, dass an weiteren Tierwohlstandards gearbeitet wird, denn Tierwohl wird einfach immer wichtiger.

Herr Westermann, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Dr. Heike Engels (zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ Dezember 2020).

BfT-Broschüre informiert über Zulassungsanforderungen und -verfahren für Tierarzneimittel

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Noch genau ein Jahr ist es hin, bis die Vorgaben der neuen europäischen Tierarzneimittelverordnung Anwendung finden werden. Zwei erste Nachfolgerechtsakte sind bereits Anfang Januar publiziert worden. Einen Überblick über die Zulassung für Tierarzneimittel gibt nun eine aktuelle BfT-Broschüre.

Ab dem 28. Januar 2022 finden die Vorgaben der neuen europäischen Tierarzneimittelverordnung Anwendung. Für Industrie und Behörden wird damit der Rahmen für die nächsten Jahrzehnte gesteckt. Der Bundesverband für Tiergesundheit informiert daher in einer Broschüre über die Anforderungen und Zulassungsverfahren für Hersteller von Tierarzneimitteln, um eine Genehmigung für das Inverkehrbringen von Produkten auf dem europäischen Markt beantragen zu können.

Mit der neuen europäischen Tierarzneimittelverordnung wurden die Vorgaben zur Zulassung und Anwendung von Tierarzneimitteln harmonisiert, um einen einheitlichen Binnenmarkt mit EU weit gleichen, für Tierarzneimittel spezifischen Bedingungen zu schaffen. Ziel der Überarbeitung war außerdem, durch neue Anreize die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern sowie Innovation zu stimulieren und unnötige, bürokratische Hürden abzubauen. Anforderungen, insbesondere zu antimikrobiellen Mitteln, wurden strikter gefasst.

Im Januar 2019 trat die neue Verordnung mit den Vorgaben für Inverkehrbringen, Herstellung, Ein- und Ausfuhr, Abgabe, Vertrieb, Überwachung und Verwendung von Tierarzneimitteln in Kraft. Derzeit wird noch mit Hochdruck an nachgeordneten Rechtsakten gearbeitet, mit denen weitere Details der neuen Regelungen ausgestaltet werden. Für mehr als 20 Themenkomplexe sollen in sogenannten Durchführungsverordnungen und delegierten Rechtsakten der EU Details weiter ausgestaltet werden. Zudem sind drei neue Datenbanken vorgesehen.

Am 8. Januar 2021 sind bereits die beiden ersten Nachfolgerechtsakte zur Basisverordnung (EU) 2019/6 publiziert worden: Die „Durchführungsverordnung (EU) 2021/16“ zur Festlegung der erforderlichen Maßnahmen und praktischen Modalitäten für die Datenbank der Union für Tierarzneimittel sowie die „Durchführungsverordnung (EU) 2021/17“ zur Erstellung einer Liste der Änderungen, die keine Bewertung erfordern, gemäß der Verordnung (EU) 2019/6 des Europäischen Parlaments und des Rates.

Die Broschüre steht in deutscher und englischer Sprache zum Download auf der Webseite des Verbandes bereit.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Reudink: Höhere Erträge für Bio-Legehennenhalter mit Split Feeding

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Reudink stellt das Konzept Split Feeding für den Bio-Geflügelsektor vor. Die Anwendung von Split Feeding bei Bio-Legehennen trägt laut Hersteller zu mehr klassifizierbaren Eiern, geringeren Futterkosten und weniger Emissionen von Mineralien bei. Dies habesich bei Tests und ersten Ergebnissen von Reudink-Kunden gezeigt. Für den Bio-Legehennenhalter ergäbe sich dadurch ein zusätzlicher Futtergewinn von 1 Euro pro Henne. Weiter schreibt Reudink in seiner neuesten Presseinformation:

Split Feeding ermöglicht nachhaltigere und effizientere Fütterung
Split Feeding ist eine nachhaltige und effiziente Fütterungsmethode, die auf den Bedarf der Henne in den verschiedenen Phasen des Eibildungszyklus abgestimmt ist. Die Hennen werden täglich mit zwei verschiedenen Futtersorten gefüttert. Das Morgenfutter zielt auf die Bildung des Eiinhalts ab und ist deshalb energie-, eiweiß- und phosphorreicher. Das Nachmittagsfutter zielt auf die Bildung der Eierschale ab und ist deshalb calciumreicher. Darüber hinaus werden die Nährstoffe und Mineralien effizienter verwertet. Infolgedessen sind die Legehennen gesünder und ihre Mineralienemissionen geringer. Aufgrund des Weiterentwicklungs-bedarfs im Bereich Nachhaltigkeit, steht dieses bewährte Konzept nun auch Bio-Legehennenhaltern zur Ver-fügung.

Verbesserung der Ergebnisse
Die Verbesserung der Ergebnisse wurde in Tests von Trouw Nutrition nachgewiesen. Im vergangenen Jahr haben verschiedene Reudink-Kunden das Split Feeding-Konzept erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Zudem wurde es auf der Grundlage der gewonnenen Erfahrungen weiterentwickelt. Geflügelhalter realisieren die folgenden Verbesserungen:

• Durch verbesserte Schalenstärke höherer Prozentsatz an Eiern der Güteklasse A: Dies ist gleichbedeutend mit mehr klassifizierbaren, verkäuflichen Eiern;
• Bessere Futterverwertung: Die Hennen benötigen weniger Futter für die Produktion bei der gleichen Menge an Eiern. Dies führt zu einer höheren Effizienz und geringeren Futterkosten;
• 1 Euro Futtergewinn pro Henne;
• Trockenerer Mist.

„Reudink ist der Spezialist für Split Feeding für den Bio-Legehennenmarkt mit einem zuverlässigen Konzept mit entscheidenen Verbesserungen für Geflügelzüchter“, erklärt Corine Walvoort, Produktmanagerin Geflügel bei Reudink.

Quelle: Reudink B.V.

Der Methanausstoß von Milchkühen kann jetzt ganz einfach ermittelt werden

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Internationales Patent für Nutztierbiologen aus Dummerstorf

Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt. Erstmals ist es möglich, aus einer Milchfettanalyse und der Kenntnis der täglichen Milchmenge die tatsächliche Methanemission zu berechnen. Für die neue Methode wurde von der EU, den USA sowie Kanada ein Patent erteilt; dieses kann zur Reduzierung von klimarelevanten Treibhausgasen zum Einsatz kommen.

„Mit unserem Verfahren können aus der Analyse der Milchfettsäuren einer Milchprobe und der Kenntnis der täglichen Milchmenge einer Kuh der Methanausstoß von Milchkühen gut geschätzt werden. Dafür sind keine zusätzlichen Geräte oder Aufwendungen notwendig, denn diese Daten werden in vielen Untersuchungslaboren in Deutschland für die monatliche Milchkontrolle aus infrarot-spektroskopischen Messungen erhoben“, erläuterte die Leiterin des FBN-Instituts für Ernährungsphysiologie „Oskar Kellner“, Professorin Dr. Cornelia C. Metges. „Wenn dem Milchviehhalter diese Daten zur Verfügung stehen, könnten die Methanemissionen mit der patentierten Gleichung tierindividuell berechnet werden. Im Vergleich zu anderen Methanschätzverfahren wird in unserem Patent die Milchleistung mit einbezogen.“ Diese ist ein Korrelat der Futteraufnahme, welche den mengenmäßig bedeutendsten Faktor für den Methanausstoß darstellt.

Gemeinsam mit PD Dr. Björn Kuhla, Dr. Gürbüz Daş und Dr. Stefanie W. Engelke hat die Agrarwissenschaftlerin das patentierte Verfahren entwickelt. Das Dummerstorfer Institut gehört mit zu den führenden Einrichtungen in der Forschung zur Verbesserung der Futter- und Energieeffizienz und Reduzierung von Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung. Die Forscher verfolgen dabei verschiedene Ansätze, die Methanproduktion zu verringern und die Rinderhaltung insgesamt umweltschonender zu gestalten.

Kühe liefern nämlich nicht nur Milch, sondern produzieren über mikrobielle Umsetzungen im Verdauungstrakt auch Methan, welches im Verdacht steht, den Treibhauseffekt zu beschleunigen. Nach aktuellen Schätzungen (Umweltbundesamt, 2020) trägt der Methanausstoß von Milchkühen mit 14.125 kt CO2-Äquivalenten zu ca. 20 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emission aus der deutschen Landwirtschaft bei.

Respirationskammern ermöglichen exakte Messungen
Das ausgestoßene Methan zu messen, gestaltet sich jedoch sowohl im Stall als auch auf der Weide sehr schwierig. Inzwischen kommen weltweit verschiedene wissenschaftliche Apparaturen und Meßstationen zum Einsatz, die die Emissionen möglichst genau erfassen sollen. Am FBN stehen dafür deutschlandweit die einzigen Respirationskammern zur Verfügung, die eine exakte Messung der Methanemission erlauben. Der Ausstoß pro Kuh variiert zwischen 400 und 700 Litern am Tag.

„Bei unseren Messreihen konnten wir eindeutig feststellen und wissenschaftlich belegen, dass sich aus der Milchfettzusammensetzung und der Milchmenge eine realitätsnahe Schätzung des Methanausstoßes ermitteln lässt“, sagte Professorin Dr. Cornelia C. Metges. „Da die Fütterung eine wichtige Rolle für den Ausstoß von Methan von Rindern spielt, kann über ein entsprechendes Fütterungsmanagement auch eine nachhaltige Verringerung erzielt werden. Allerdings fehlen die betriebswirtschaftlichen Anreize für die Landwirte, hier aktiv zu werden“, so Metges weiter. „Wenn diese bei sinkenden Einnahmen immer mehr kostenintensive Auflagen zu bewältigen haben, wird sich letztendlich nichts ändern.“

Die Untersuchungen zum Methanausstoß sollen am FBN fortgesetzt werden und auch in den aktuell laufenden Studien zum Einsatz kommen.

Hintergrund Methanausstoß
Gerade der große Vorteil von wiederkäuenden Nutztieren, nämlich für die Ernährung überwiegend vom Menschen nicht nutzbare Pflanzenstoffe (Gras, Heu und Stroh) verwerten zu können, hat auch einen Nachteil: Die Produktion von wertvollem Nahrungseiweiß in Form von Milch und Fleisch durch Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) geht einher mit der Emission von Methan (CH4). Methan entsteht durch die Verdauung des Futters im Vormagen, dem Pansen, und wird hauptsächlich durch Rülpsen, den sogenannten Ruktus, sowie aus Mist und Gülle freigesetzt.

Methan ist ein Treibhausgas, das ein ca. 20-fach höheres Erwärmungspotenzial für die kommenden 100 Jahre besitzt als Kohlenstoffdioxid (CO2). Eine wesentliche Quelle von Methan ist die Tierhaltung, weitere vom Menschen verursachte Emissionen entstehen unter anderem im Tagebau, in der Gasgewinnung und auf Abfalldeponien. Seit 2010 haben Methan-Emissionen weltweit einen Anteil von 6,1 bis 6,3 Prozent an den gesamten Treibhausgas-Emissionen.

Weitere Informationen
Milk fatty acids estimated by mid-infrared spectroscopy and milk yield can predict methane emissions in dairy cows. Agronomy for Sustainable Development (2018) 38: 27;
Stefanie W. Engelke, Gürbüz Daş, Michael Derno, Armin Tuchscherer, Werner Berg, Björn Kuhla & Cornelia C. Metges.

Umweltbundesamt UNFCCC-Submission: Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2020

Quelle: Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Global Food and Feed Forum – mit Fachpodium am 21. 1. 2021

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Vom 18. – 22. Januar 2021 widmet sich das 13. Global Food and Feed Forum (GFFA) der Frage, wie die Landwirtschaft trotz Pandemien und Klimawandel langfristig die Welt ausgewogen ernähren kann. Der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) wird sich gemeinsam mit dem europäischen und dem Weltverband mit einem Fachpodium beteiligen. Das Fachpodium soll am 21.01.2021 von 13:00 -14:00 Uhr stattfinden.

Die Expertinnen Jude Capper, britische Nutztierexpertin, Anne Mottet, Livestock Development Officer Animal Production and Health Division der FAO sowie Shirley Tarawali, ILRI Assistant DG and Chair of Global Agenda for Sustainable Livestock (GASL) sollen aufzeigen, welche Rolle die Tiergesundheit im Zusammenhang mit den Anforderungen der Nachhaltigkeit spielt. Claire Bury, Deputy Director General, DG SANTE, Europäische Kommission wird mit Blick auf die Strategien der Europäischen Kommission unter dem Green Deal diese Aspekte einordnen.

Förderung der drei Säulen der Nachhaltigkeit in der Nutztierhaltung durch mehr Tiergesundheit und Tierschutz: Eine Daten- und Evidenzanalyse
Donnerstag, 21. Januar 2021, 13:00 – 14:00 Uhr
13. Global Food and Feed Forum (GFFA) – Experten-Podiumsdiskussion

Die globale Ernährungssicherheit ist zunehmend bedroht, da der Klimawandel es den Landwirten erschwert, die Versorgung der Bevölkerung zu sichern, während COVID-19 unsere Fähigkeit auf die Probe gestellt hat, die Schwächsten zu versorgen und eine wachsende Hungerkrise zu stoppen. Auf dem Weg ins Jahr 2021 wird das 13. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) die aktuelle Frage diskutieren, wie die Landwirtschaft trotz Pandemien und Klimawandel langfristig die Welt ausgewogen ernähren kann.

HealthforAnimals, AnimalhealthEurope und der Bundesverband Tiergesundheit (BfT) veranstalten beim GFFA eine Podiumsdiskussion mit Experten, um aufzuzeigen, welche Rolle die Tiergesundheit für die Bemühungen zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele und letztendlich Aufbau eines widerstandsfähigeren globalen Nahrungsmittelsystems spielt.

Überblick:
Ein guter Tiergesundheitsstatus trägt bei zum Tierwohl, dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt. Weniger natürliche Ressourcen wie Futter und Wasser werden benötigt und Treibhausgasemissionen verringert. Durch eine gute Tiergesundheit
können Lebensmittelverluste direkt an der Quelle vermieden werden.

Die Expertenrunde wird analysieren, wie die Verbesserung der Gesundheit und des Wohls von Nutztieren die wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit fördern kann. Diese drei „Säulen der Nachhaltigkeit“, die von der Brundtland-Kommission der Vereinten Nationen in den 1980er Jahren identifiziert wurden, bilden die Grundlage für das Bestreben, die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erreichen.

Indem wir Experten aus den Bereichen Agronomie, Agrarökonomie, Nachhaltigkeit in der Tierhaltung, Pflanzenwissenschaften und Management natürlicher Ressourcen in einem Panel zusammenbringen, wollen wir die Daten und Fakten hinter dem Wert der Tiergesundheit beleuchten, die von politischen Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt genutzt werden können. Das Ziel des Panels ist es, von Gesprächen auf hoher Ebene zur Analyse von Daten überzugehen, die zur Entwicklung nationaler Aktionspläne genutzt werden können, die zu messbaren Verbesserungen der Nachhaltigkeit führen. Dies kann die Bemühungen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beschleunigen und letztlich ein widerstandsfähigeres globales Ernährungssystem aufbauen.

Die Konferenzsprache Englisch ist. Es wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Diskussionsteilnehmer:
● Jude Capper – Livestock Sustainability Consultant
● Anne Mottet – Livestock Development Officer, FAO
● Shirley Tarawali – Assistant DG, International Livestock Research Institute (ILRI) and Chair of Global Agenda for Sustainable Livestock
● Claire Bury – Deputy Director General, DG SANTE, European Commission

Weitere Informationen finden Sie auf der GFFA-Website
Anmeldung zur Veranstaltung

Über die Organisatoren:
HealthforAnimals ist der Verband, der die Tierarzneimittelindustrie auf globaler Ebene vertritt. Zu seinen Mitgliedern zählen die weltweit größten Tiergesundheitsunternehmen sowie nationale Verbände in Industrie- und Entwicklungsländern auf fünf Kontinenten. www.healthforanimals.org

AnimalhealthEurope vertritt die Tierarzneimittelindustrie auf europäischer Ebene. Der Verband vertritt sowohl Innovatoren als auch Generika. Zu seinen Mitgliedern zählen sowohl Unternehmen als auch nationale Verbände, die rund 90 % des europäischen Marktes für Tierarzneimittel abdecken. www.animalhealtheurope.eu

Der Bundesverband für Tiergesundheit vertritt die Tierarzneimittelindustrie in Deutschland und deckt mit 22 Mitgliedern rund 95 % des deutschen Marktes für Tiergesundheitsprodukte ab.

Quelle: BfT

Atemwegserkrankungen: Schutz fängt schon bei Ferkeln an

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Von Apl. Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka, Außenstelle für Epidemiologie (Bakum), TiHo Hannover

Seit Jahrzehnten nimmt der Anteil krankhaft veränderter Schlachtschweinelungen nicht ab. Er bleibt regionsabhängig auf einem hohen Niveau von 37 bis 78 % – trotz wirksamer Impfstoffe. Wie passt das zusammen?

Verminderte Tageszunahmen von geschätzt 37 g je 10 % veränderten Lungengewebes, eine schlechtere Futterverwertung, untergewichtige Schweine und uneinheitlich gewachsene Ferkelpartien – das alles können Folgen von Atemwegserkrankungen sein. Als besonders krankmachend gelten das Influenza- und das PRRS-Virus sowie die bakteriellen Erreger APP (Actinobacillus pleuropneumoniae) und Mycoplasma hyopneumoniae (M.hyo). Viele Betriebe leben mit diesen Erregern, ohne dass Erkrankungen auftreten. In anderen Betrieben erkranken die Tiere oft trotz Impfung. Was unterscheidet sie?

Häufig treten Atemwegserkrankungen erst in der Mast auf, wo plötzliche Todesfälle schwerer Tiere, Fieber und Fressunlust oft nur die Spitze des Eisbergs sind. Hohe Anteile an Lungen- oder auch Brustfellbefunden vom Schlachthof spiegeln dort die schlechte Atemwegsgesundheit wieder. Meist sind mehrere unterschiedliche Faktoren am Krankheitsgeschehen beteiligt. Die Basis für eine gute Tiergesundheit wird schon in der Ferkelerzeugung gelegt. Aber in der Mast können dann Fehler gemacht werden, die eine gute Ausgangssituation wieder zunichtemachen. Bereits Verladung, Transport und Einstallung stellen belastende Stressoren dar. Ein schlechtes Stallklima und das Mischen von Tieren mit unterschiedlichem Lungengesundheitsstatus können Auslöser für einen Krankheitseinbruch sein.

Gezielt behandeln durch Diagnostik
Es gibt unterschiedlich krankmachende Erregervarianten derselben Art. Auch können virale, bakterielle, mitunter auch parasitäre Erreger betriebsindividuell in unterschiedlichen Kombinationen nachgewiesen werden. Aus oft komplexen diagnostischen Befunden muss dann herausgelesen werden, welcher Erreger den wichtigsten Anteil an der Erkrankung hat und wie er zu bekämpfen ist. Bei Behandlung sollten dann die Schlachthof-Befunddaten zu Lungenveränderungen über die Partien verfolgt werden. So kann der wirtschaftliche Einfluss abgeschätzt werden und der Erfolg von Maßnahmen überprüft werden.

Viele Erreger verstärken sich gegenseitig in ihrer krankmachenden Wirkung, wie das PRRS-Virus und Mykoplasmen. Letztere schädigen beispielsweise die Flimmerepithelzellen als wichtige Abwehrstrategie des oberen Atemtraktes. Als Folge können Staub und darin eingebettete Mikroorganismen tief in die Atemwege eindringen. Das PRRS-Virus schädigt dort gezielt die Fresszellen, so dass eine weitere Abwehrbarriere durchbrochen ist. Das Porcine Circovirus 2 (PCV2) zerstört spezifische Abwehrzellen und führt damit allgemein zu einer höheren Anfälligkeit für Infektionserreger. Auch unterschiedliche bakterielle Erreger können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken.

Erreger alleine macht nicht krank
Grundsätzlich müssen drei Bedingungen erfüllt sein, damit es zu einer Erkrankung kommen kann:

• Verbreitung des Keims durch infizierte Trägertiere,
• Kontakt des Keims mit empfänglichen Tieren und
• ausreichend hohe Keimdosen, um eine Infektion auslösen zu können.

In Betrieben, in denen viele Atemwegserreger nachgewiesen sind, die Tiere aber nicht erkranken, sind die drei Bedingungen nicht erfüllt.
Keimvermehrung, -verbreitung und Infektion werden maßgeblich über die Immunität gesteuert. Die sofort wirksame, unspezifische Immunität eines Tieres spielt dabei zunächst die größte Rolle. Sie kann durch gute Haltungsbedingungen und Wohlbefinden gestärkt werden. Bereits die Gesundheit und Immunitätslage der Muttersauen hat darauf einen direkten Einfluss. Über die Biestmilch werden nicht nur spezifische Antikörper weitergegeben, die die Anheftung von Atemwegserregern verringern können. Gestärkt werden auch Darmimmunität und -reife der Ferkel.
Vorgeschaltet sollten also Aufzucht und Eingliederung der Jungsauen optimiert werden. Atemwegserreger können sich in diesen Tieren gut vermehren und in großer Menge in die Sauenherde eingebracht werden. Der Keimdruck auf die Ferkel wird damit weiter erhöht. Jungsauen sollten daher rechtzeitig geimpft werden und sich ausreichend lange vor der Abferkelung mit den betriebsspezifischen Keimen auseinandergesetzt haben. Dazu können gut Kaustricke aus der Ferkelaufzucht genutzt werden. Je nach Erreger sollten sie so früh wie möglich zum Einsatz kommen, da Besiedelung und Ausscheidung vor dem ersten Abferkeln wieder abgeklungen sein sollen. Für Mykoplasmen beispielsweise sollten vier Monate vor der Belegung kalkuliert werden.


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Ziegen mögen Denksport

Wissenschaftler untersuchten in einem Deutsch-Schweizer Projekt die Lernfähigkeit von Ziegen

Eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie zeigt, dass sich Ziegen gerne eine Belohnung mit einer Anstrengung verdienen, auch wenn sie diese einfach so bekommen können. Diese Eigenheit könnte zur Verbesserung der tiergerechten Haltung beitragen.

Die Studie ist Teil eines größeren gemeinsamen Projektes zwischen dem Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf (Deutschland) und Agroscope in Tänikon (Schweiz). Im Projekt werden die Lernfähigkeiten unterschiedlicher Ziegenrassen und die Auswirkungen von langfristiger kognitiver Umweltanreicherung auf die Stressresistenz von Ziegen untersucht. Von Seiten des FBN sind als Projektleiter Dr. Jan Langbein und als Postdoc Dr. Christian Nawroth am Projekt beteiligt. Untersuchungen zum Verhaltensphänomen des sogenannten „Contrafreeloading“ bei Zwergziegen wurden am FBN bereits im Zusammenhang mit dem Lernverhalten der Tiere durchgeführt.

Milchziegen überraschend motiviert
Wenn sie sich mit einer Herausforderung konfrontiert sehen, wenden sich Ziegen nicht ab, sondern reagieren positiv. Im Rahmen eines gemeinsam vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekts wurden Ziegen von zwei Zuchtlinien – Milchziegen und Zwergziegen – gleichzeitig zwei Belohnungsvarianten angeboten: Die eine war frei verfügbar, die andere mussten sie sich mit dem Öffnen einer Tür verdienen.

„In dieser Versuchsanordnung entschieden sich die Ziegen beider Zuchtlinien in knapp der Hälfte der Fälle für die zweite Option. Sie stellen sich also gerne solchen Herausforderungen“, sagten zwei der Studienleiterinnen – Dr. Nina Keil, Spezialistin für tiergerechte Haltung, und Katrina Rosenberger, Doktorandin, beide bei Agroscope. Die Resultate ihrer Arbeit sind jetzt in der Zeitschrift Scientific Reports* erschienen.

Die Forschenden konnten beobachten, dass sich sowohl die Milch- als auch die Zwergziegen bereitwillig am Experiment beteiligten und motiviert waren, mit dem Maul eine Schiebetüre zu öffnen, um eine Belohnung zu erhalten. Von den 57 beobachteten Ziegen haben sich 53 mindestens ein von zehn Mal dafür entschieden, die Belohnung hinter der geschlossenen Tür zu fressen, obwohl die Belohnung auch gleichzeitig frei verfügbar war.

Das Verhalten der beiden Zuchtlinien war im Verlauf des Experiments aber unterschiedlich: Bei den Milchziegen blieb das Interesse an der geschlossenen Tür immer gleich. Insgesamt gingen sie zudem jeweils schneller auf die geschlossene Tür zu als auf die offene, was als Hinweis auf gesteigerte Motivation gewertet werden kann. Die Zwergziegen dagegen wählten erst zögerlich, dann zunehmend häufiger die geschlossene Tür. Das zeigt, dass beide Zuchtlinien anscheinend gern Probleme lösen, die Zwergziegen eventuell aber mehr Zeit brauchen, sich dieser Aufgabe zu stellen.

„Mit dem Interesse der Zwergziegen hatten wir gerechnet, da es bereits bei einem ähnlichen Experiment beobachtet worden war“», erklärte Katrina Rosenberger. Sie bezieht sich auf eine Untersuchung am Institut für Nutztierbiologie in Dummersdorf, dem deutschen Forschungspartner im Projekt. „Überrascht waren wir hingegen von den Milchziegen: Wir hatten erwartet, dass die für hohe Milchleistung gezüchteten Nutztiere ihre Energie sparen und weniger motiviert sein würden, sich für eine Belohnung anzustrengen. Vor allem, wenn dieselbe Belohnung auch ohne Anstrengung zur Verfügung steht.“

„In vorangegangenen Studien am FBN konnten wir anhand eines Lernautomaten bereits zeigen, dass Zwergziegen für eine Ressource arbeiten wollen. Die jetzige Studie liefert nun Hinweise darauf, dass dieses Phänomen auch in einem Futterkontext besteht und Milchziegen – welche ja primär als Nutztiere gehalten werden – ebenfalls motiviert sind, für ihr Futter zu arbeiten, anstatt dieses ohne Aufwand zu erhalten“, betonte auch Jan Langbein.

Kontrolle über die Umwelt befriedigt
Die Resultate basieren auf dem Prinzip des sogenannten contrafreeloading. „Dieser Begriff beschreibt das Verhalten von Tieren, sich lieber anzustrengen, um eine begehrte Ressource zu finden, als sie vorgesetzt zu bekommen“, erklärte Nina Keil. Bekannt ist dieses Phänomen sowohl bei domestizierten Tieren – Kühen, Schweinen, Ziegen und Hühnern – als auch bei wilden Tieren, die zum Beispiel in einem Zoo gehalten werden. Unbekannt ist, ob es auch bei wilden Tieren in freier Natur zu beobachten wäre. „Wir nehmen an“, führte Nina Keil weiter aus, „dass die Tiere diese Verhaltensweise an den Tag legen, weil das Lösen einer Aufgabe und die damit verbundene Kontrolle über ihre Umwelt positive Gefühle auslösen. Sie ziehen daraus wohl eine Befriedigung, die die zusätzliche Anstrengung aufwiegt.“

Sollte diese Form der Befriedigung bei der Haltung der Ziegen berücksichtigt werden? Nina Keil: „Ja, denn eine tiergerechte Haltung sollte auch die kognitiven Bedürfnisse von Tieren berücksichtigen. Unsere Resultate sind ein erster Schritt. Wir müssen das Experiment jetzt unter realen Bedingungen auf einem Bauernhof und über längere Zeit wiederholen, um zu sehen, wie sich die Motivation der Tiere entwickelt.“ Wenn sich dabei zeigt, dass solche Maßnahmen in der Haltung umgesetzt werden sollten, muss natürlich sichergestellt werden, dass sie einfach in den Arbeitsalltag integriert werden können.

Hintergrund – Ziegen wählen zwischen offener oder geschlossener Tür
Für diese Studie wurden 30 Milchziegen, die für eine hohe Milchleistung gezüchtet sind (Saanenziegen und Gämsfarbige Gebirgsziegen sowie Kreuzungen der zwei Rassen), und 27 Zwergziegen, die nicht auf Produktivität gezüchtet sind, bei Agroscope in Tänikon (TG) getestet. Die Tiere hatten freien Zugang zu Nahrung, damit ihr Verhalten beim Experiment nicht durch Hunger beeinflusst wurde. Sie waren durch frühere Experimente zudem bereits daran gewöhnt, eine Schiebetür mit einem Maul zu öffnen. Diese Bewegung korrespondiert auch ihrem natürlichen Verhalten, da Ziegen nicht nur weiden, sondern bevorzugt auch Büsche durchstöbern, um an Blätter zu gelangen.

Die Ziegen wurden jeweils einzeln in einem Raum mit Zugang zu zwei Öffnungen mit Schiebetüren platziert. Eine Tür war offen, die andere geschlossen, dazwischen befand sich eine Trennwand. Hinter beiden Türen lag als Belohnung ein Stück ungekochte Pasta. Um an die Pasta hinter der geschlossenen Tür zu kommen, mussten sie diese mit dem Maul beiseiteschieben. Die geschlossene Tür war abwechselnd zufällig links oder rechts. Bei jeder Ziege wurde das Experiment zehnmal wiederholt.

Die Forschenden haben die Resultate für jedes einzelne Tier aufgeschlüsselt: Nicht mitmachen (wenn das Tier nach 30 Sekunden auf keine der beiden Türen zugegangen war), holen der Belohnung hinter der geschlossenen Schiebetür (gemäß contrafreeloading) oder holen der Belohnung hinter der offenen Schiebetür. Es wurde auch festgehalten, ob sich die Ziegen jeweils schnell oder langsam auf die Türen zubewegt hatten.

Link zum Video zur Studie

Link zur Studie bei Zwergziegen

*Goats work for food in a contrafreeloading task. Scientific Reports (2020)
K. Rosenberger, M. Simmler, C. Nawroth, J. Langbein, N. Keil
https://doi.org/10.1038/s41598-020-78931-w

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Geschlechterbestimmung durch Genomeditierung bei Schweinen gelungen

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Studie zeigt Alternative zur Ferkel- und Immunokastration auf

Am Institut für Nutztiergenetik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist es gelungen, Schweine genetisch so zu modifizieren, dass sie trotz eines männlichen Chromosomensatzes weibliche Geschlechtsmerkmale ausbilden. Dies könnte eine zukünftige Alternative zur Ferkelkastration darstellen, die dem für manche Menschen unangenehmen „Ebergeruch“ des Fleisches unkastrierter männlicher Mastschweine vorbeugen soll.

Die im renommierten Wissenschaftsjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) veröffentlichte Studie beschreibt die Generierung genveränderter Schweine, bei denen eine bestimmte Region des Y-Chromosoms ausgeschaltet wurde. Es handelt sich dabei um die „High Mobility Group (HMG) Domäne“, eine zentrale Einheit innerhalb des SRY-Gens, der eine Schlüsselrolle bei der frühembryonalen Geschlechtsbestimmung zukommt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Björn Petersen verwendete Stefanie Kurtz im Rahmen ihrer PhD-Arbeit das CRISPR/Cas-System, um diese HMG-Domäne auszuschalten. Dies führte zu Schweinen, die einen männlichen Chromosomensatz tragen, aber weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen.

Hierbei zeigte sich, dass die Geschlechtsorgane bei genetisch veränderten neun Monate alten Schweinen im Vergleich zu gleichaltrigen weiblichen Kontrolltieren signifikant kleiner blieben und die Tiere unfruchtbar waren, was die Beteiligung weiterer Gene an der Ausdifferenzierung der Geschlechtsorgane nahelegt. „Die Ergebnisse könnten die Grundlage für eine mögliche Alternative zur chirurgischen Kastration bei der kommerziellen Schweineproduktion zur Verhinderung des Ebergeruchs darstellen. Zudem stellen die Tiere aufgrund der genetischen, physiologischen und anatomischen Ähnlichkeiten zwischen Schweinen und Menschen ein neuartiges Großtiermodell zur Untersuchung der Geschlechterausbildung dar, was neue Forschungsansätze damit verbundener Entwicklungsstörungen auch beim Menschen ermöglicht“, so Dr. Björn Petersen.

In Mäusen konnte bereits gezeigt werden, dass SRY eine wichtige Rolle bei der Ausbildung des männlichen Geschlechts spielt. Es war aber bisher nicht bekannt, welche Bereiche der SRY-Region für die Geschlechtsdeterminierung verantwortlich sind und ob dies auch für andere Säugetiere zutrifft.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Folgen des „Brexit“ – Friedrich-Loeffler-Institut übernimmt Referenzaufgaben der Tierseuchendiagnostik für Nordirland

Im Zuge des Brexits mussten im Vereinigten Königreich auch die Zuständigkeiten im Hinblick auf die nationalen Referenzaufgaben der Tierseuchendiagnostik teilweise neu geregelt werden. Nordirland wird in diesem Kontext wie ein Mitgliedstaat der EU behandelt und benötigt damit zwingend die Designierung entsprechender nationaler Referenzlaboratorien für in der EU anzeigepflichtige Tierseuchen. Auf Anfrage aus Nordirland zur Unterstützung hat das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) zugestimmt, die Aufgaben eines Nationalen Referenzlaboratoriums für die Blauzungenkrankheit, die Klassische sowie die Afrikanische Schweinepest für Nordirland ab dem 1. Januar 2021 zu übernehmen. Die Designierung erfolgte mit Schreiben des nordirischen Chefveterinärs R. J. Huey vom 31. Dezember 2020.

Das FLI ist gemäß § 27 Tiergesundheitsgesetz Nationales Referenzlaboratorium (NRL) für über 70 anzeigepflichtige Tierseuchen und meldepflichtige Tierkrankheiten. Auf dieser gesetzlichen Grundlage können auch Aufgaben eines Referenzlaboratoriums eines anderen Mitgliedstaates der EU, eines Drittlandes oder einer internationalen Organisation wahrgenommen werden. Die Referenzlaboratorien klären Verdachtsfälle ab, beraten die Veterinärbehörden der Bundesländer und führen Ringversuche oder ähnliche Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Tierseuchendiagnostik in Deutschland durch. Im Rahmen dieser Tätigkeit veröffentlicht das FLI eine Sammlung amtlicher Verfahren zur Probennahme und Untersuchung auf anzeigepflichtige Tierseuchen (Methodensammlung) sowie den Tiergesundheitsjahresbericht. Alle Referenzlaboratorien sind von der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) nach ISO/ IEC 17025 akkreditiert.

Weitere Informationen auf der Internetseite des FLI:
Nationale Referenzlabore
Amtliche Methodensammlung
Tiergesundheitsjahresbericht

Quelle: FLI

Mit hohem Aufwand – Teterower Schlachthof unterstützt Forschung auch während der Corona-Pandemie

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Wissenschaftler sind dringend auf tierische Proben angewiesen

Seit vielen Jahren arbeiten die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf (FBN) mit dem Teterower Schlachthof zusammen. Dieser gehört zur dänischen Unternehmensgruppe Danish Crown. Das Leibniz-Institut nutzt vor allem Eierstöcke und Eileiter von Kühen, um Fortpflanzungsprobleme zu erforschen. Mittels Zellkulturen aus diesen sogenannten Schlachtnebenprodukten können Tierversuche deutlich reduziert werden.

„Der Aufwand hat sich während der Corona-Pandemie erheblich erhöht. Insofern sind wir sehr dankbar, dass uns das Teterower Unternehmen als Kooperationspartner auch in diesen schwierigen Zeiten weiterhin zur Seite steht“, betonte PD Dr. Jens Vanselow, Leiter des Instituts für Fortpflanzungsbiologie am FBN. „Unser Ziel ist ganz klar, mit alternativen Modellen Tierversuche zur Beantwortung vieler Fragestellungen überflüssig zu machen.“

Vor drei Jahren war es in Dummerstorf erstmalig gelungen, realitätsnahe 3D-Zellkultur-Modelle des tierischen Eileiters zu etablieren, in deren „Eileiterflüssigkeit“ sich sogar Embryonen entwickeln können (Link). In einem weiteren Modell kultivierter Eierstockzellen können Stoffwechselprobleme und Umwelteinflüsse, die in ähnlicher Weise bei Kühen und Menschen auftreten, simuliert werden. Dadurch lassen sich deren Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit sehr gut molekular- und zellbiologisch untersuchen. Mit Hilfe eines solchen Zellkulturmodells wurde kürzlich in der Arbeitsgruppe von Dr. Jens Vanselow herausgefunden, dass erhöhte Fettsäurekonzentrationen im Blut das Zyklusgeschehen und die Eizellreifung beeinflussen*.

„Unser Unternehmen unterstützt seit vielen Jahren das FBN und die Forschung“, sagte Ralf Heisterkamp, Senior Commercial Director. „Das betrifft insbesondere öffentliche Institutionen wie Universitäten und Forschungseinrichtungen, die sich in der Human- und Veterinärmedizin sowie in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses engagieren. Diese Arbeit kommt letztendlich uns allen zugute“, so Heisterkamp.

Schnelltests, Schleusung und hohe Hygieneauflagen
Die Mitarbeiter vom FBN, die die weiblichen Geschlechtsorgane der Kühe in Teterow zu Forschungszecken selbst entnehmen, durchlaufen mehrere Sicherheitsstufen. Das beginnt mit einem wöchentlichen Test auf Coronaviren, der mittlerweile zeitsparend als Schnelltest durchgeführt werden kann. Nach Anlegen des Schutzanzuges muss eine Hygieneschleuse passiert werden. Erst dann gelangen sie in den Schlachthof und können während der laufenden Arbeitsprozesse die tierischen Proben entnehmen und für den Transport vorbereiten. Einmal wöchentlich werden die Schlachtnebenprodukte für das FBN abgeholt. „Wir sind für unsere Untersuchungen auf diese natürlichen Materialien dringend angewiesen“, unterstrich Vanselow.

„Dabei geht es vor allem um Aspekte der Fortpflanzung. Zyklusprobleme und frühembryonale Verluste sind mit die häufigsten reproduktiven Störungen bei Mensch und Tier. Anhand der in Teterow entnommenen Forschungsmaterialien können wir beispielsweise immer bessere Zellkulturmodelle entwickeln. Diese sind dann so realitätsnah, dass wir biologische Prozesse in den Fortpflanzungsorganen außerhalb des tierischen Organismus simulieren und auf Tierversuche weitgehend verzichten können.“

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Frohes Fest!

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Herzlichen Dank an alle Leserinnen und Leser, Autorinnen und Autoren für den fruchtbaren Austausch in diesem Jahr!

Die Themen der E-Magazin Ausgabe 6/2020 und der Sonderausgabe Geflügel finden Sie hier. Ebenso den Link zur Anmeldung für den kostenfreien Bezug des Magazins im PDF-Format ab 2021.

Geflügelpest: Ministerin Otte-Kinast stellt Krisenfall fest

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Referenzlabor bestätigt hochpathogene Variante im Landkreis Oldenburg

Das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat heute (Dienstag) den Verdacht auf Geflügelpest in einem Mastputenbetrieb im Landkreis Oldenburg bestätigt. Demnach handelt es sich um die hoch ansteckende Variante der Geflügelpest H5N8. Betroffen ist ein Betrieb mit 13.000 Tieren. Der Landkreis hat bereits auf Grundlage der Geflügelpest-Verordnung als Vorsichtsmaßnahme die Tötung der Puten angeordnet. Ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern um den Seuchenausbruch wurde eingerichtet. Zusätzlich gibt es ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von zehn Kilometern.

Es ist der zweite Fall von Geflügelpest innerhalb dieser Woche in Niedersachsen. Bereits am Montag musste der Landkreis Cloppenburg die Räumung eines Bestandes von 17.000 Puten vollziehen. Auch dort war das aggressive H5N8 Virus nachgewiesen worden.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Wir nehmen leider eine große Dynamik wahr. Deshalb habe ich heute den Tierseuchenkrisenfall für Niedersachsen festgestellt, die Aktivierung des Tierseuchenkrisenzentrums in meinem Ministerium und die Errichtung des Krisenkoordinierungsstabes beim LAVES angeordnet.“ Die Ministerin steht dem Landeslenkungsstab vor, der sich aus einem interministeriellen Krisenstab, Verbänden, Kammern und Vertretern der Tierseuchenkasse zusammensetzt. Außerdem wurde das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) einbezogen.

Die aggressive Vogelgrippe ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Eine Übertragung auf Menschen wurde bislang nicht festgestellt. Seit November 2020 ist das Virus in mehreren deutschen Küstenländern aufgetaucht. In vielen niedersächsischen Regionen kam es insgesamt zu 45 Ausbrüchen der Geflügelpest bei Wildvögeln. Deshalb haben viele Landkreise in Niedersachsen bereits ein Aufstallungsgebot für Freilandgeflügel erlassen.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

NEU: Schluckimpfung gegen Ileitis mit Wirkung auf das Mikrobiom kann die Salmonellentiter bei der Schlachtung reduzieren

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Die praktischen Erfahrungen zeigen es schon lange, nun ist es offiziell: Nur die Schluckimpfung gegen Ileitis kann Salmonellen reduzieren. Dieses betrifft mit Lawsonien und Salmonellen co-infizierte Schweine. In Anbetracht von 90 % Lawsonien-positiven Mastbeständen könnte dies für Sie interessant sein. Die Schluckimpfung gegen Ileitis führt zu einer günstigen Veränderung des Darmmikrobioms, was die Grundlage für die Salmonellenreduktion ist.

Die Schluckimpfung gegen Ileitis kann in Beständen die Salmonellenantikörpertiter zum Schlachtzeitpunkt signifikant reduzieren, das heißt den Salmonellen OD-Wert senken. Ergebnisse aus deutschen Mastbetrieben haben gezeigt, dass die Schluckimpfung gegen Ileitis zu einer Salmonellenreduktion sowohl in Kategorie III, wie auch Kat II-oder -I-Betrieben führt.

Nur der orale Lebendimpfstoff gegen Ileitis schützt Schweine also nicht nur vor den Auswirkungen einer Infektion mit Lawsonien (PIA, subklinische Ileitis, PHE), sondern trägt zusätzlich zur Senkung des Salmonellendrucks bei.

Die Schluckimpfung gegen Ileitis reduziert nachweislich:

• Darmläsionen infolge einer Lawsonia intracellularis-Infektion,
• Wachstumsschwankungen und
• krankheitsbedingte Zunahmeverluste
• Salmonellentiter bei der Schlachtung
• und verändert das Darmmikrobiom vorteilhaft.

Noch mehr Informationen unter www.ileitis.de

Quelle: Boehringer Ingelheim