Neue Chancen für den Tierschutz: Effizientes Testverfahren zum Betäubungsmittel-Einsatz bei Fischen

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In den letzten Jahren sind die Mengen an Betäubungsmitteln, die in der Industrie für die Fischzucht und in der Wissenschaft für Versuche mit Fischen eingesetzt werden, erheblich gestiegen. Doch ist wenig darüber bekannt, welche Betäubungsmittel in welchen Dosierungen am besten geeignet sind, um bei Fischen die angestrebten Effekte zuverlässig und schonend zu erzielen. Um darüber Aufschluss zu gewinnen, ist ein spezielles Neuronenpaar im Gehirn von Fischen hervorragend geeignet. Dies haben Biologen der Universität Bayreuth jetzt herausgefunden, die über ihre Forschungsergebnisse in der Zeitschrift „Scientific Reports“ berichten.

Mauthner-Zellen als optimaler Prüfstein für Betäubungsmittel

Im Gehirn von Fischen und anderen sogenannten niederen Wirbeltieren befinden sich die Mauthner-Zellen. In diesem Neuronenpaar laufen von den Sinnesorganen kommende Informationen zusammen. Hier werden sie integriert und so weiterverarbeitet, dass die Tiere notfalls die Flucht vor einem Beutejäger ergreifen können. Wie sich in den Bayreuther Untersuchungen herausgestellt hat, sind die Mauthner-Zellen aufgrund ihrer integrierenden Funktionen im Nervensystem ein geradezu idealer Prüfstein, um festzustellen, welche Wirkungen ein Betäubungsmittel auf Fische genau hat. So haben die Forscher um Dr. Peter Machnik und Professor Dr. Stefan Schuster an Goldfischen getestet, wie und in welchen Dosierungen sich Betäubungsmittel auf akustische und optische Sinnesreize, auf die Verarbeitung dieser Sinnesreize im zentralen Nervensystem und schließlich auf das Bewegungsverhalten der Fische auswirken. Dabei prüften sie vor allem diejenigen Wirkstoffe, die derzeit am häufigsten bei Fischen und anderen niederen Wirbeltieren verwendet werden: Benzocain und das Benzocain-Derivat MS-222. Zudem wurden die Wirkstoffe 2-Phenoxyethanol (2-PE) und Aqui-S untersucht, die oft in der Fischindustrie zum Einsatz kommen.

Wege zum verbesserten Tierschutz in Industrie und Wissenschaft

„In allen Fällen konnten wir die Wirkungen dieser Wirkstoffe und ihrer Dosierungen in sehr kurzer Zeit präzise feststellen, auch wenn alle Versuche an tief betäubten Tieren vor-genommen wurden“, erläutert Schuster, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Tierphysiologie innehat. Er betont die Chancen, die sich daraus für einen verbesserten Schutz der Fische ergeben: „Für den Tierschutz ist es von besonderem Interesse, dass schon wenige Fische ausreichen, um mit hoher Präzision die Wirkungen zu ermitteln, die ein Wirkstoff in einer bestimmten Dosierung hat. Wir konnten hier zeigen, dass bei Messungen im Mauthner-System schon drei Fische reichen, um eine fundierte Aussage machen zu können. Untersuchungen an größeren Gruppen von Fischen führen nicht zu signifikant abweichenden Ergebnissen.“

Dr. Peter Machnik, Habilitand am Lehrstuhl für Tierphysiologie, verweist auf den aktuellen forschungspolitischen Kontext: „Neuere Forschungen haben immer mehr Indizien für höhere kognitive Fähigkeiten von Fischen und damit auch für ihre Leidensfähigkeit zutage gefördert. Gleichzeitig ist die weltweite Fischproduktion, die zum Teil mit erheblichem Stress für die Tiere verbunden ist, nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO auf über 170 Millionen Tonnen gestiegen. Daher haben zahlreiche Staaten die gesetzlichen Standards für den Schutz von Fischen und anderen wechselwarmen Wirbeltieren zu Recht angehoben. Somit drängt die Zeit für den schonenden und effektiven Einsatz von Betäubungsmitteln auch bei diesen Tieren. Diese Betäubungsmittel können allerdings von der pharmazeutischen Industrie nicht von heute auf morgen entwickelt werden. Umso wichtiger sind die jetzt anhand der Mauthner-Zellen gewonnenen Erkenntnisse. Sie zeigen, wie der Einsatz bereits vorhandener Wirkstoffe ohne großen Aufwand optimiert werden kann. Und sie geben wertvolle Hinweise für die Erprobung und Einführung neuer Wirkstoffe, die den Tierschutz in den nächsten Jahren weiter voranbringen werden.“

Forschungsförderung:
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Bayreuther Forschungsarbeiten im Rahmen eines Reinhart Koselleck-Projekts gefördert.

Quelle: Universität Bayreuth

Folgen der Enthornung können über die Akutphase hinausreichen

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In einer Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern wurde die Entstehung von akuten und chronischen Schmerzen nach der Enthornung bei Kälbern untersucht. Die bereits bekannte Studie, die nun publiziert worden ist, zeigt, dass trotz optimaler Betäubung und Schmerzausschaltung sowohl eine akute wie auch eine chronische Schmerz- und Überempfindlichkeit bei den Kälbern entstehen kann.

Die Enthornung ist eine invasive Prozedur, die weltweit bei neugeborenen Kälbern bis zu einem Alter von acht Wochen angewandt wird. Dabei werden die Hornanlagen mit einem sogenannten Thermokauter ausgebrannt, was zu Verbrennungswunden führt. Beim Menschen können solche Wunden langfristige sensorische Defizite und chronische Schmerzen verursachen. Die Leiterin der aktuellen Studie, Claudia Spadavecchia vom Departement für klinische Veterinärmedizin, Abteilung Klinische Anästhesiologie der Vetsuisse Fakultät der Universität Bern, erklärt: «Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass die Enthornung bei Kälbern Verhaltens- und hormonolle Veränderungen, auslöst, die auf akute Schmerzen hinweisen; in der Schweiz ist eine Schmerzausschaltung während der Prozedur deswegen gesetzlich vorgeschrieben.» Hingegen war bis jetzt über längerfristige Konsequenzen des Verfahrens sehr wenig bekannt. Spadavecchia sagt: «Insbesondere stellte sich die Frage, ob chronische Schmerzen bei Kälbern nach der Enthornung auftreten können.»

Primäres Ziel der nun im Fachjournal «Physiology & Behavior» publizierten Studie war zu untersuchen, ob die Enthornung, durchgeführt unter einer optimalen, in der Schweiz obligatorischen Schmerzausschaltung, zur Entwicklung von akuten sowie chronischen Schmerzen bei Kälbern führen kann. Das zweite Ziel war, zu evaluieren, ob der Zeitpunkt der Enthornung der Kälber (im Alter von einer Woche gegenüber vier Wochen) einen Einfluss auf die Schmerzentwicklung hat.

Die Methodologie
Die Studie wurde an 34 männlichen Kälbern durchgeführt. Am Tag der Enthornung wurden alle Kälber sediert, und Analgetika wurden lokal und systemisch verabreicht. Tatsächlich enthornt wurde aber nur ein Teil der Kälber, der Rest wurde schein-enthornt. Spadavecchia erklärt: «Das wurde gemacht, um den möglichen Einfluss der Handlung am Kalb und den Einfluss der lokalen Schmerzbehandlung von der Wirkung der Enthornung selber unterscheiden zu können». Um gleichzeitig die Rolle des Alters der Kälber auf die Entwicklung chronischer Schmerzen zu untersuchen, wurden die Kälber in drei Gruppen eingeteilt: die «Gruppe früh» wurde im Alter von einer Woche enthornt, und es wurde eine späte Schein-Enthornung im Alter von vier Wochen durchgeführt; die «Gruppe spät» wurde früh schein-enthornt (im Alter von einer Woche), und es wurde eine späte Enthornung im Alter von vier Wochen durchgeführt; die Kontroll-Gruppe schliesslich wurde im Alter von einer und von vier Wochen schein-enthornt.

Da Schmerzen von komplexer, subjektive Natur sind, und die Kälber selbst ihren Schmerz nicht mit Worten beschreiben können, wurden das Schmerzempfinden der Kälber mit verschiedenen neuartigen Methoden evaluiert. Diese erlauben es auch in der Humanmedizin, eine objektive Quantifizierung von typischen, schmerzbegleitenden Symptomen vorzunehmen. Die Messungen begannen jeweils vor dem Eingriff und dauerten bis zu 105 Tage danach.

Chronische Übermpfindlichkeit bei 38% der enthornten Kälber
Im ersten Studienteil, der bereits im Februar 2018 in der selben Fachzeitschrift publiziert worden war, waren die ersten 24 Stunden nach dem Eingriff untersucht worden. Spadavecchia sagt: «Wir konnten zeigen, dass die Kälber trotz optimaler Betäubung und Schmerzausschaltung unmittelbar nach der Enthornung eine trigeminale Allodynie entwickelten, das heisst eine Schmerzempfindung, die auf an sich nicht schmerzhafte Reize hin entsteht. Zudem stellten wir eine sogenannte Hyperalgesie fest, das heisst eine übermässige Schmerzempfindlichkeit.» Dabei zeigten Kälber, die im Alter von einer Woche und solche, die im Alter von vier Wochen enthornt wurden, ähnliche Werte.

Im zweiten Teil der Studie wurden die längerfristigen Folgen der Enthornung untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass 38% der enthornten Kälber eine chronische, trigeminale Überempfindlichkeit entwickelten. Kälber aus der «Gruppe früh» und der «Gruppe spät» waren in den 38% gleichermassen vertreten. Die Schmerzscores sowie die lokale Hyperalgesie und Allodynie waren bei den enthornten Kälber deutlich höher im Vergleich zu den schein-enthornten Kälbern, und dies während der ganzen Studiendauer bis zum Alter von 105 Tagen. Darüber hinaus zeigten die enthornten Kälber und insbesondere die Kälber der «Gruppe spät» eine Beeinträchtigung des endogenen Schmerzmodulationssystems. Dazu sagt Spadavecchia: «Wir schliessen daraus, dass die Folgen der Enthornung weit über die Akutphase hinaus reichen können. Einzelne Tiere können unabhängig vom Alter und der Schmerzausschaltung zum Zeitpunkt der Enthornung von einer chronischen trigeminalen Überempfindlichkeit und somit von chronischen trigeminalen Schmerz betroffen sein.»

Links:

Casoni, Mirra et al. 2018

Mirra, A., C. Spadavecchia, et al. 2018

Quelle: Universität Bern

Enthornen von Zicklein: Schweizer Tierärzte unterstützen Verbot

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Das Enthornen von Zicklein ist sehr heikel. Daher verlangt Schweizer Nationalrätin Irène Kälin in einer Motion, diesen Eingriff zu verbieten. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) begrüßt diese Motion.

Tierhalter enthornen ihre Zicklein wegen der möglichen Verletzungsgefahr durch die Hörner. Der Eingriff ist aus Sicht des Tierwohls jedoch sehr problematisch. Daher verlangt Nationalrätin Irène Kälin (Grüne, AG) in einer Motion, das Enthornen von Zicklein zu verbieten. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) unterstützt dieses Anliegen. Der Verband spricht sich seit Jahren für ein solches Verbot aus. Die Tierärztinnen und Tierärzte plädieren für eine artgerechte Haltung von behornten Ziegen mit genügend Platz und Strukturen zum Ausleben ihres natürlichen Verhaltens. Intensive Forschung hat den Stallbau optimiert und behornte Ziegen können heute mit einem minimalen Verletzungsrisiko gehalten werden.

Heikle Punkte beim Enthornen von Zicklein sind sowohl die Vollnarkose wie auch die verhältnismäßig große zu verbrennende Fläche auf dem Kopf der Tiere und die Lage des Gehirns direkt unter der Stirn. Eine Lokalanästhesie, wie sie bei der Enthornung von Kälbern angewendet wird, ist bei Zicklein nicht praktikabel. Bei der Vollnarkose können eine falsche Dosierung, Lagerung oder hohe, bzw. tiefe Umgebungstemperaturen zu Schäden führen.

Mit der Revision des Tierschutzgesetzes 2008 wurde das Enthornen von Zicklein und Ziegen der Pflicht zur Schmerzausschaltung unterworfen. Gleichzeitig dürfen Tierhalter seither ihre Zicklein selber enthornen, wenn sie den entsprechenden Sachkundenachweis erbringen. In einer aktuellen Studie zeigte ein großer Teil der von den Tierhalter selber enthornten Zicklein starke Schmerzäußerungen. Auch wenn das Gewicht der Tiere korrekt geschätzt wird, kommt es zu ungenügenden Narkosen. Die Abgabe der dazu benötigten Medikamente (Ketamin) an die Tierhalter ist zudem als sehr problematisch anzusehen.

Aus Sicht der Tierärztinnen und Tierärzte ist langfristig nur ein Verbot des Enthornens der richtige Weg.

Quelle: Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST)

QS berechnet Tiergesundheitsindices für Schlachtschweine

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Zum zweiten Mal hat QS für Schweinemastbetriebe die betriebsindividuellen Tiergesundheitsindices berechnet. Auf Grundlage der Schlachtbefunddaten des 2. und 3. Quartals 2018 wurden Indices für die Befundgruppen Atemwegsgesundheit, Organgesundheit, Gelenk-gesundheit und Unversehrtheit des Schlachtkörpers ermittelt. Sie ermöglichen den Schweinehaltern eine kompakte Bewertung der Schlachtbefunde und den direkten Vergleich mit anderen Betrieben, die an den gleichen Schlachthof geliefert haben. Grundlage der Tiergesundheitsindices sind die Ergebnisse der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung. Sie sind für Tierhalter und Tierärzte wichtige Indikatoren für Tierschutz und Tiergesundheit im Betrieb, denn sie liefern wertvolle Hinweise auf Erkrankungen der Tiere und auf mögliche Defizite im Stall.

Knapp 20.000 Schweinemastbetriebe haben in mindestens einer der vier Befundgruppen einen Index erhalten. Dr. Hermann-Josef Nienhoff, Geschäfts-führer der QS Qualität und Sicherheit GmbH, sieht einen entscheidenden Vorteil in der zentralen Erfassung und Auswertung: „Die Übermittlung der Befund-daten aus der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung in unsere QS-Datenbank versetzen uns in die Lage, den Schweinemästern eine Rückmeldung zu den Befunden zu geben, die sie für die Bewertung der Tiergesundheit in ihren Ställen nutzen können.“

Alle Schweinemäster im QS-System haben Zugang zur Befunddatenbank. Sie können dort Einzeltierbefunde, Ergebnisse einzelner Schlachtpartien und Auswertungen über ausgewählte Zeiträume einsehen. Zudem können sie die betriebsindividuellen Tiergesundheitsindices für die einzelnen Befundgruppen an-hand der Kennzahlen Median (Wert, den 50 % der Tierhalter unterschreiten) und 1. Quartil (Wert, den 25% der Betriebe mit den häufigsten Auffälligkeiten unterschreiten) bewerten und einordnen.

Die jetzt ermittelten Tiergesundheitsindices zeigen, dass eine große Anzahl angelieferter Schweine in der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung „ohne Befund“ sind. Aller-dings gibt es auch Betriebe, für die wiederholt Befunde ermittelt worden sind. „Diese Betriebe sollten die Möglichkeiten der Verbesserungen in den Ställen prüfen. Die Tiergesundheitsindices können regelmäßig als Vergleich mit anderen Tierhaltern und für die Entwicklung im eigenen Betrieb herangezogen werden“, betont Dr. Nienhoff.

Unterschiedliche Aussagen in wissenschaftlichen Untersuchungen
In wissenschaftlichen Untersuchungen zur Häufigkeit von Schlachtbefunden sind zum Teil deutlich höhere Befundraten publiziert worden, die im QS-System so nicht bestätigt werden. Zurückzuführen sind diese Differenzen u.a. auf die Methodik der Erhebung und die Stichprobe der ausgewählten Betriebe. Die von einzelnen Wissenschaftlern vorgenommenen Begutachtungen unterscheiden sich in der Untersuchungstiefe und in ihrem Umfang von der Befunddatenerhebung, wie sie von amtlicher Seite im Schlachtalltag durchgeführt wird. Häufig konzentriert sich die Wissenschaft auf eine begrenzte Zahl von Schlachtkörpern. Daher müssen die Ergebnisse unterschiedlicher Studien genau eingeordnet werden. Die Bemühungen um eine schrittweise schlachthofübergreifende Standardisierung der Schlachthofbefunde pro Einsendebetrieb wer-den verfolgt und die vielfältigen einschlägigen wissenschaftlichen Ergebnisse mit den Experten diskutiert und verglichen.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Wir wollen alle gemeinsam, dass das staatliche Tierwohlkennzeichen ein Erfolg wird.“

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Der Handel unterstützt das freiwillige, dreistufige staatliche Tierwohlkennzeichen. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat sich mit Vertretern des Bundesverbandes des Lebensmittelhandels, der Unternehmen des Einzelhandels und der Gastronomieverbände zum Tierwohlkennzeichen ausgetauscht

Die Bundesministerin zieht nach dem Treffen eine positive Bilanz: „Wir wollen, dass es mit dem Tierwohl in Deutschland vorangeht. Heute haben alle deutlich gemacht, dass das Tierwohlkennzeichen dazu ein wichtiger Beitrag ist. Deshalb möchte ich mich ausdrücklich für das konstruktive Gespräch bedanken. Ich begrüße es sehr, dass die Branche ihre Unterstützung erneut zum Ausdruck gebracht hat. Damit wird ein klares Signal gesetzt: Mit dem dreistufigen staatlichen Tierwohlkennzeichen schaffen wir für die Landwirte Perspektiven und sorgen für Transparenz bei den Verbrauchern. Dabei ist es wichtig, dass alle Kriterien in den Fokus genommen werden: Von der Geburt über Aufzucht, Mast, Transport und Schlachtung, die nicht nur die Haltungssysteme sondern auch das Management und das Tier selbst berücksichtigen.

Mit dem neuen Kennzeichen wollen wir eine hohe Marktdurchdringung erreichen. Doch der Erfolg hängt von der Mitwirkung in der gesamten Wertschöpfungskette ab. Und jedem muss auch klar sein, dass es mehr Tierwohl nicht zum Nulltarif geben kann, denn die Leistung der Landwirte für höhere Standards muss honoriert werden. Der Verbraucher hat die Wahl und kann beim Einkauf entscheiden, mehr für Tierwohl auszugeben.“

Hintergrund
Das BMEL arbeitet an der Einführung eines dreistufigen staatlichen Kennzeichens für bestimmte tierische Produkte, bei deren Erzeugung bereits die Eingangsstufe mit höheren als den gesetzlichen Tierschutzmindeststandards versehen wurde. Das dreistufige Kennzeichen beinhaltet deutliche Verbesserungen. Es spielen vor allem ressourcenbezogene sowie management- und tierbezogene Kriterien eine maßgebliche Rolle. Das Tierwohlkennzeichen beruht auf einer freiwilligen Teilnahme. Die gesetzlichen Grundlagen dafür sollen bis zur Mitte der Legislaturperiode (zweite Jahreshälfte 2019) in Kraft treten. Ziel ist, dass ab Mitte 2020 erste Produkte in den Märkten verfügbar sind.

Quelle: BMEL

Optimierung der Tierernährung für Mastschweinehalter

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Auf einem ForFarmers Versuchsbetrieb in den Niederlanden sind jetzt erste Fütterungsversuche mit einer neuen Fütterungstechnologie für Mastschweine angelaufen. Dazu hat das Unternehmen in zwölf innovative Futterabrufstationen für die Forschung investiert: Diese ermöglichen es, dank einer integrierten Wiegeeinrichtung, Daten zu der Futteraufnahme und dem Tiergewicht in Echtzeit zu erfassen und zueinander in Beziehung zu setzen. Die Kopplung der Daten macht zusätzliche Informationen verfügbar, auf deren Basis ForFarmers die Beratung der Kunden und das Angebot an spezifischen Lösungen für die Fütterung von Mastschweinen noch weiter optimieren kann.

Informationen in Echtzeit
„Die Futterabrufstationen erzeugen viele zusätzliche Informationen, die in Echtzeit angezeigt und verarbeitet werden können“, sagt Patricia Beckers, Leiterin des Nutrition & Innovation Teams Schwein bei ForFarmers. „So sind beispielsweise für jeden Tag die Daten zur Futterverwertung sowohl von einzelnen Tieren als auch als Summenwert für die Buchten verfügbar. Das bietet uns einen besseren Einblick in die Effekte von Futtermitteln, Umweltfaktoren und Managementfragen.“

Da die Herkunft der Ferkel jeweils bekannt ist, kann die jeweilige Wirkung der Aufzucht und der Sauen auf die nachfolgenden Leistungen der Mastschweine analysiert werden. Darüber hinaus ermöglicht die zusätzliche Verknüpfung dieser Untersuchungen an die Klimasteuerung, eine Verbindung zwischen Temperatur und Futteraufnahme herzustellen.
„Auf diese Weise können wir zum Beispiel ebenfalls nachvollziehen, wie stark sich das Aufnahmeverhalten bei warmem Wetter ändert und zu welcher Tageszeit die Futteraufnahme jeweils höher oder niedriger ist. Weiterhin können die Ergebnisse zur individuellen Futteraufnahme auch mit den Schlachtdaten dieser Schweine verknüpft werden. In der Summe erhalten wir so einen sehr detaillierten Blick auf den gesamten Mastzyklus“, erläutert Patricia Beckers.

Häufigkeit, Zeit und Futtermenge tierindividuell messen
Die Erfassung und Registrierung der Daten von jedem Einzeltier erfolgt über einen in den Ohrmarken enthaltenen Chip. Damit können die Häufigkeit, die Zeit und die aufgenommenen Futtermengen tierindividuell und in einer bislang nicht verfügbaren Detailschärfe gemessen und für die Beratung herangezogen werden. Damit können Betriebsleiter zukünftig ihre Managemententscheidungen, etwa zu einem Futterwechsel, zu der Fütterung leichterer Ferkel oder zu den Effekten der gemischten oder getrennten Aufstellung von Ebern, Kastraten und Jungsauen anhand noch qualifizierterer Daten fällen.

„Diese Versuche ergänzen die bisherigen Forschungsarbeiten zu den Effekten unterschiedlicher Futterzusammensetzungen auf die biologischen und wirtschaftlichen Leistungen einschließlich der Schlachtkörperqualität”, so Beckers abschließend.

Quelle: ForFarmers Langförden GmbH

Dänischer Schweinekongress definiert ehrgeizige Ziele

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Beim Kongress der dänischen Schweineproduzenten im jütischen Herning wurde ein Strategiepapier zur dänischen Schweineproduktion 2018-2020 beschlossen und drei übergeordnete Zielbereiche definiert:

+ Tierwohl und soziale Akzeptanz
+ Nachhaltigkeit und Zertifizierung
+ Wettbewerbsfähigkeit

Das proaktive und wettbewerbsfähige Konzept der Schweineproduktion sowie Tierschutz und Nachhaltigkeit sollen weiter ausgebaut und optimiert werden. Beim Tierwohl ginge es natürlich auch um soziale Akzeptanz, ein weiterer Grund für die ambitionierten Ziele in diesem Bereich, u.a. mehr Tiere mit intakten Schwänzen, Lokalanästhesie vor Kastration, höhere Ferkelüberlebensrate sowie mehr Abferkelbuchten für die Freilaufhaltung säugender Sauen.

“Wir haben viel in die Erforschung von Alternativen zur Schwanzkupierung investiert und sind dabei, diese in einigen Produktionsbetrieben zu erproben”, erklärte Christian Fink Hansen, Sektordirektor im SEGES Pig Research Centre des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft.

Bereits auf dem Jahreskongress der dänischen Schweinebranche im Oktober stand der weitere Ausbau der Freilaufhaltung von Sauen im Fokus. Schon weitestgehend gängige Praxis ist in der dänischen Schweineproduktion die Freilaufhaltung von tragenden Sauen und Tieren im Deckzentrum. Die Branche will aber auch die Freilaufhaltung in Abferkelställen weiter voranbringen.

Als weitere Einsatzschwerpunkte zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit definieren die Dänen: ein hohes Maß an Innovation, mehr Sonderproduktionen, Zuchtfortschritte, vorbildliche Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Fortbildung der Mitarbeiter. Außerdem soll ein Vordringen der Afrikanischen Schweinepest nach Dänemark mit allen Mitteln verhindert werden.

Nachhaltigkeit dürfte sich, nach Einschätzung der Nordeuropäer, in Zukunft zu einem weltweit zentralen Absatzparameter entwickeln. Deshalb laufen in Dänemark Bestrebungen zur Einführung einer für die gesamte Schweineproduktion von der Zucht bis zur Mast einheitlichen Zertifizierung.

Zu den Bereichen, in denen bereits erzielte Fortschritte ausgebaut werden sollen, zählen auch die Reduktion von Phosphor im Futter, ohne Einbußen bei der Produktivität oder der Tiergesundheit, sowie die Suche nach Alternativen zum medizinischen Zink, dessen Einsatz Ende 2022 EU-weit verboten wird.

Quelle: Fachinfo Schwein

BIG Challenge-Rennrad geht nach Ostbevern

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Topigs Norsvin Messebesucher unterstützen Big Challenge Aktion / 6.000 Euro für den Kampf gegen den Krebs

Anlässlich der EuroTier hatte Topigs Norsvin auf dem Messestand in Hannover zu einer Verlosungsaktion aufgerufen, in dessen Mittelpunkt die Unterstützung der Big Challenge Deutschland Aktion stand. Hierzu wurden während der Messetage knapp 1.200 Lose verkauft. „Dies ergab einen Erlös von 5.565 Euro, den wir auf 6.000 Euro aufrunden“, berichtet Eduard Eissing, Geschäftsführer bei Topigs Norsvin, zur Aktion.

Hauptpreis der Verlosungsaktion ist ein hochwertiges Rennrad, das von Thomas Lührmann aus Ostbevern gewonnen wurde. Sein Ziel ist es jetzt, im nächsten Jahr damit bei der Big Challenge aktiv teilzunehmen.

Georg Kattendahl-Biedemann, Initiator der Big Challenge Aktion, zeigte sich bei der Übergabe der Spende sehr erfreut. Die Big Challenge Tierhalter gegen Krebs e.V. ist ein von Landwirten gegründeter Verein, der sich im Kampf gegen den Krebs engagiert. Mit dem Big Challenge Tag, einem sozialen Sportevent, werden Sponsoren- und Spendengelder gesammelt, die zu 100 Prozent der Stiftung Deutsche Krebshilfe zufließen und von der Stiftung ausgewählten Projekten zur Verfügung stehen.

Quelle: TOPIGS SNW

Boehringer Ingelheim verkündet Gewinner der „BVDzero Case Awards“ 2018

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Boehringer Ingelheim hat die Gewinner der „BVDzero Case Awards“ 2018 verkündet. Die Auszeichnungen spiegeln das langfristige Engagement von Boehringer Ingelheim zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Nutztieren wider.

„Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten bei Rindern und führt in der Rinderhaltung zu großem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden. Unser Ziel ist es, neue Wege zu gehen und für einen Paradigmenwechsel bei der BVD-Kontrolle zu sorgen”, so Steve Williams, globaler Leiter der Geschäftseinheit Wiederkäuer/Rinder bei Boehringer Ingelheim.

Die diesjährige BVDzero-Pressekonferenz und -Preisverleihung fand in Barcelona, Spanien, statt. Die Auswahl der Gewinner übernahm das BVDzero-Komitee, das sich aus namhaften externen Experten auf dem Gebiet der Rindergesundheit zusammensetzt.

Boehringer Ingelheim sponserte ein Gesamtpreisgeld von 15.000 € für die zehn besten eingereichten klinischen Fälle. Unter anderem wurden Fälle aus Italien, Spanien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Brasilien und der Türkei eingereicht.

Die Autoren der drei besten Fälle, Anna Bruguera Sala (Vereinigtes Königreich), Danilo Ghilardi (Italien) und Colin Buchan (Vereinigtes Königreich), stellten ihre Einreichungen im Rahmen der Pressekonferenz vor. Ihre Preise wurden ihnen von Volker Moennig, dem Leiter des BVDzero-Komitees, überreicht.

Mithilfe der „BVDzero Case Awards“ verfolgt Boehringer Ingelheim weiterhin das Ziel, die Suche sowohl nach klinischen als auch nach subklinischen Fällen von BVD in Rinderherden zu fördern. Das Unternehmen ist überzeugt, dass Veranstaltungen dieser Art das Bewusstsein für BVD stärken und so letztlich zu einer Reduzierung der Prävalenz beizutragen.

Das Boehringer Ingelheim BVDzero-Team will diese Initiative auch in Zukunft fortsetzen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.bvdzero.com

Goldene Olga: Bester Milcherzeuger Niedersachsens wird geehrt

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Unter Niedersachsens Milchviehhaltern steigt die Spannung. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) hat zum 18. Mal den Milchlandpreis ausgeschrieben, am Freitag, 14. Dezember ist im „Alten Kurhaus“ in Bad Zwischenahn die feier-liche Preisübergabe. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke wird die besten Teilnehmer würdigen, das endgültige Ranking wird erst bei der Veranstaltung verraten. 70 Milchviehhalter haben sich nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes um den Titel beworben, die Eingeladenen haben es bis in die Endausscheidung geschafft. Für die besten Fünf wurde erneut ein Preisgeld von insgesamt 8.500 Euro ausgelobt, die Goldene Olga für den Sieger-betrieb wurde bereits bei Familie Neumann, den Preisträgern von 2017, in Riekenbostel im Landkreis Rotenburg abgeholt und wird nun für den neuen Gewinner wieder auf Hochglanz gebracht.

Der Preis steht für Nachhaltigkeit sowie Verantwortung und ehrt die besten Milcherzeuger im Milchland Niedersachsen. Eine Platzierung bescheinigt den Höfen, dass nicht nur die messbaren Kriterien wie Milchqualität, Milchertrag und wirtschaftlicher Erfolg stimmen, sondern auch die Einstellung der Betriebsleiter in den Bereichen Tierwohl, Umweltschutz und gesellschaftliches Engagement. Für die teilnehmenden Höfe zahlt sich das Mitmachen durch einen Vergleich der betrieblichen Daten aus. Seit 2001 vergibt die LVN den Preis und viele der ausgezeichneten Betriebe engagieren sich weiter für die Milchwirtschaft. Sie über-nehmen beispielsweise selbst die vertrauensvolle Aufgabe als Gutachter im Vorfeld der Preisvergabe tätig zu werden, stehen Modell für die jährlichen Spannplakate der LVN oder bringen sich aktiv beim Videoportal „My KuhTube“ ein. Für Journalistinnen und Journalisten schätzen die Preisträger als kompetente Dialogpartner. Zudem sind die ausgezeichneten Betriebe für die niedersächsische Milchwirtschaft wichtige Botschafter geworden. Mehr zu dem Wettbewerb unter www.milchwirtschaft.de.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Rindervirus BVDV: Wirksamer Schutz ist möglich

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Die Bovine Virus Diarrhoe (BVD), verursacht durch das BVD-Virus (BVDV) ist eine weltweit verbreitete und gefährliche Rinderkrankheit, die zum Tod der Tiere führen kann. Doch das müsste nicht sein, wie eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna zeigt. Mit dem richtigen Einsatz der zur Verfügung stehenden Maßnahmen sind große Erfolge im Kampf gegen das Rindervirus BVDV bis hin zur Ausrottung der Krankheit möglich.

Die Bovine-Virusdiarrhoe ist eine infektiöse Tierkrankheit mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und globalen wirtschaftlichen Auswirkungen: Einerseits entstehen durch hohe Krankheits- und Sterberaten, erhöhte vorzeitige Keulung und verminderte Fortpflanzungsleistung der infizierten Tiere direkte Kosten. Andererseits führt der erhebliche Aufwand zur Kontrolle von BVDV-Infektionen zu beträchtlichen indirekten Kosten.

Vor diesem Hintergrund veröffentlichten Forscherinnen und Forscher der Vetmeduni Vienna kürzlich eine Meta-Analyse bestehender Studien, um die räumliche und zeitliche Verteilung der weltweiten BVDV-Krankheitshäufigkeit, der Risikofaktoren sowie der Effekte von Impfungen und Ausrottungsprogrammen darzustellen.

Die Analyse des Forschungsteams der Vetmeduni Vienna zeigt große Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens von BVD, sowohl innerhalb als auch zwischen den untersuchten UN (United Nations)-Regionen, wobei in allen UN-Regionen während der letzten Jahrzehnte ein erfreulicher Rückgang der BVD-Häufigkeit zu beobachten war.

Diese neuen Informationen sind auch deshalb wertvoll, weil in einer globalisierten Welt der internationale Handel mit lebenden Tieren auf der Tagesordnung steht und daher sichergestellt werden muss, dass ansteckende Krankheiten wie BVD nicht über Grenzen hinweg verbreitet werden.

Ausrottung von BVDV ist möglich
Laut der ersten zur Prävalenz von BVDV-Infektionen in der globalen Rinderpopulation durchgeführten Meta-Analyse liegt die Ursache für die unterschiedliche Krankheitshäufigkeit von BVD vor allem am unterschiedlichen Einsatz von Kontroll- und Eradikationsprogrammen (einschließlich Impfungen). So weisen Länder, die Bekämpfungsprogramme eingeführt haben, im Vergleich zu Ländern ohne derartige Maßnahmen eine im Durchschnitt 1,5-fach niedrigere BVD-Krankheitshäufigkeit auf Tier- und Herdenebene auf. Diese Maßnahmen sind teilweise sogar so erfolgreich, dass Länder wie Schweden, Finnland und Norwegen das BVDV vollständig ausgerottet haben. In einigen Ländern ist die BVD-Bekämpfung bereits so weit fortgeschritten, dass – wie etwa in Österreich – auf Stichprobenuntersuchungen umgestellt werden konnte.

Auf die Frage, warum nicht in allen Ländern ein flächendeckendes BVD-Bekämpfungsprogramm eingeführt wurde, antwortete Beate Pinior, Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna, die die Studie gemeinsam mit einem Forscherteam der Vetmeduni Vienna erstellte: „Es gibt dafür mehrere Gründe: Es existiert keine internationale Rechtsgrundlage, die eine BVDV-Bekämpfung vorschreibt. Die Eradikation von BVDV ist langwierig und mit einem hohen Ressourceneinsatz verbunden. In vielen Ländern liegt der Schwerpunkt in der Tierseuchenbekämpfung noch auf Krankheiten, die auf den Menschen übertragen werden; sie stellen kaum Mittel zur gezielten Bekämpfung einer Tierkrankheit ohne zoonotisches Potential zur Verfügung. “

Meta-Analyse hilft im weltweiten Kampf gegen BVDV
Die vorliegende Studie der Vetmeduni Vienna unterstreicht auch die Notwendigkeit international vergleichbarer epidemiologischer Studien zur Information von politischen EntscheidungsträgerInnen. Dazu Beate Pinior: „Die vorgestellten Daten sind insbesondere für die Veterinärbehörden von Bedeutung, weil sie die weltweite BVD-Verteilung und die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krankheit sichtbar machen. “

Gefährliche Durchfallerkrankung bei Rindern
Das bovine Virusdiarrhoe-Virus, kurz BVDV, verursacht eine tödlich verlaufende Durchfallerkrankung bei Rindern, besonders Kälbern und Jungrindern. Das Virusreservoir von BVDV sind persistent infizierte (PI) Tiere, die während ihres gesamten Lebens große Mengen des Virus ausscheiden und keine Antikörper gegen BVDV entwickeln. „Die Infektion eines Rindes während der Trächtigkeit mit dem BVDV kann zur Geburt eines nicht immunkompetenten PI-Tieres führen. Diese PI-Tiere verbreiten die Infektion.“, so Pinior.

Weltweit 325 Studien wurden in die Meta-Analyse einbezogen
Insgesamt wurden in die Meta-Analyse 325 Studien aus 73 verschiedenen Ländern (für 10 UN-Regionen) aus dem Zeitraum 1961 bis 2016 einbezogen. Die Mehrzahl der Studien wurde auf regionaler Ebene (77,02%), gefolgt von nationaler Ebene (13,04%) und Betriebsebene (9,94%) durchgeführt. Die Prävalenzen von persistenten BVDV-Infektionen reichten laut der Meta-Analyse von niedrig (≤ 0,8% Europa, Nordamerika, Australien), mittel (> 0,8% bis 1,6% Ostasien) bis hoch (> 1,6% Westasien).

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

UFZ-Modelle im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (European Food Safety Authority) hat einen neuen wissenschaftlichen Bericht zum aktuellen Stand der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) innerhalb der EU veröffentlicht. Der Report beschreibt unter anderem, welche Managementmaßnahmen die EU-Staaten ergreifen sollten, wenn die Virusinfektion als sogenannter punktueller Eintrag auftritt, sie also weit entfernt vom aktuellen Geschehen der Ausbreitung festgestellt wird. Die wissenschaftliche Basis für diese Empfehlungen kommt von einem Modellierteam des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Die Afrikanische Schweinepest hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter ausgebreitet. Neue Ausbrüche fernab des eigentlichen Zentrums der Epidemie im Nordosten Europas wurden unter anderem in Rumänien und Bulgarien festgestellt. Und sogar in Belgien, in einer Entfernung von nur 60 Kilometern zu Deutschland, wurden zahlreiche tote Wildschweine gefunden. Es ist offensichtlich, dass das Virus nur durch die unabsichtliche Einschleppung über den Menschen und nicht durch die natürliche Verbreitung über Wildschweine und freilaufende Hausschweine den Weg nach Belgien fand. Deshalb ist die Sorge in der EU groß, dass die Afrikanische Schweinpest überall unvermittelt auftreten und damit zu großen wirtschaftlichen Schäden führen kann.

Das UFZ-Modellierteam um Dr. Hans-Hermann Thulke befasste sich deshalb im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA mit drei verschiedenen Ausgangsszenarien und bewertete derzeitige Managementmaßnahmen für: Erstens ASP-freie Gebiete, die räumlich weit entfernt vom derzeitigen Zentrum der Epidemie liegen; zweitens noch ASP-freie Gebiete, die sich in der Nähe zu ASP-Gebieten befinden und damit einem höheren Risiko unterliegen, dass sich die Seuche auf natürliche Weise über Wildschweine ausbreitet; und drittens für jene Gebiete, in denen das Virus fernab des aktuellen ASP-Geschehens infolge der Ausbreitung über den Menschen plötzlich in Form eines Punkteintrags auftritt und schnelles Handeln notwendig macht.

Da derzeit insbesondere dieses dritte Szenario, der Punkteintrag der Afrikanischen Schweinepest, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht, rückte es auch in den Fokus der UFZ-Modellierungen. „Die Herausforderung in diesem Fall ist, dass man nicht wissen kann, wann, wo und in welchem Ausmaß die Schweinepest auftritt“, sagt Hans-Hermann Thulke, der bis Mitte dieses Jahres Vize-Vorsitzender des EFSA-Panels Tiergesundheit und Tierschutz war. Im Falle des Punkteintrags gliedert die EFSA die Areale rund um den Ort des Auftretens der ASP in drei Managementzonen: Die Kernzone ist von einem Schutzzaun begrenzt, der verhindern soll, dass Wildschweine die innerste Zone verlassen und Menschen sie betreten. Daran grenzt die Pufferzone, die von einer Jagdzone umschlossen wird, in der Jäger Wildschweinen intensiv nachstellen sollen.

Die UFZ-Forscher simulierten nun Szenarien, in denen sie verschiedene Variablen variierten – etwa die Größe der Managementzonen, die Jagdintensität, die Häufigkeit des Entfernens der toten Wildschweine, die Durchlässigkeit des Schutzzauns oder die Wahrscheinlichkeit, mit der die Kadaver entdeckt werden. Mit den Modellierungsergebnissen konnten sie bewerten, welche Bekämpfungsmaßnahmen am ehesten die ASP-Ausbreitung stoppen können.

Dabei zeigte sich unter anderem, wie wichtig es ist, tote Wildschweine unter Einhaltung strengster Hygienebedingungen schnell zu sammeln und zu entsorgen. Dies, so Thulke, sei notwendig, weil sich andere, noch gesunde Wildschweine an den toten Artgenossen infizieren können. Werden beispielsweise in der Kernzone 20 Prozent der toten Schweine entfernt, steigt die Wahrscheinlichkeit, den Virus zu stoppen, auf 80 Prozent, wenn parallel in der Jagdzone Wildschweine geschossen werden. Durch die Einrichtung von Kern- und Pufferzone gewinne man wertvolle Zeit, um präventiv in der Jagdzone den Schweinebestand zu dezimieren. Zudem erhöhten sich die Erfolgsaussichten, je schneller die von der ASP getöteten Wildschweine aus der Kernzone entfernt werden. Gelänge es zum Beispiel doppelt so viele tote Tiere, also 40 Prozent, zeitnah zu entfernen, seien die Erfolgschancen gleich hoch – und dies ohne zusätzliche intensive Bejagung.

Diese Managementüberlegungen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest machen aber nur bei Punkteinträgen Sinn. „Tritt der Virus bereits flächig auf und sind lange Grenzen zu schützen, zeigte unsere Simulation, dass diese Bekämpfungsstrategie nicht mehr weiterhilft“, sagt Thulke. Dies passe zu den praktischen Erfahrungen, dass sich die Seuche kaum an ihrer Ausbreitung hindern lässt, hat sie sich einmal festgesetzt. „Insofern sehe ich die konsequente Umsetzung der Maßnahmen bei einem Punkteintrag als Chance, die es nicht zu verspielen gilt“, sagt Thulke. Er baute für die Analysen auf den 20-jährigen Erfahrungen auf, die das UFZ bei Modellierungen etwa zur Bekämpfung der Tollwut, der Maul- und Klauenseuche sowie der ASP sammelte.

Deutschland könnte aus dem EFSA-Wissenschaftsreport nach Meinung des UFZ-Forschers wichtige Schlussfolgerungen ziehen. „Die Bundesländer könnten sich basierend auf den Bericht sehr gut für ein mögliches punktuelles Auftreten der Afrikanischen Schweinepest vorbereiten“, sagt Thulke. Zu welchem Zeitpunkt müssten die Behörden eingreifen? Welche Art von Zaun ist notwendig für die Kernzone? Wer übernimmt das Abschießen der Wildschweine? Wo werden die Kadaver entsorgt? Fragen, für die jedes Bundesland basierend auf dem EFSA-Bericht konkrete Antworten parat haben sollte. „Die Bundesländer haben damit die Möglichkeit, vorliegende Notfallpläne zu präzisieren und ressourcenorientiert zu untersetzen“, sagt Thulke.
Die EFSA übernimmt die wissenschaftliche Beratung für die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit. Jedes Jahr veröffentlicht sie für die EU-Kommission einen Bericht über die ASP, der nicht nur den aktuellen Stand der epidemiologischen Situation zur ASP in den EU-Staaten wiedergibt, sondern sich auch bestimmten Fragestellungen widmet.

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ

Schafe und Ziegen vor Parasiten schützen

Von Dr. Ursula Domes, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Schafe und Ziegen werden meist auf der Weide gehalten. Das ist tiergerecht und eine gute Nutzung von Grünland, doch auf der Weide lauern die Larvenstadien von einer Vielzahl von Parasiten. Diese befallen dann verschiedene Organe der Schafe und Ziegen und richten große Schäden an, wie Abmagerung, struppiges Haarkleid, schlechte Milch- und Fleischleistung, und können sogar zu Todesfällen führen. Außenparasiten wiederum saugen Blut und führen zu schwerem Juckreiz.

Einer der gefährlichsten Innenparasiten ist der rote bzw. gedrehte Magenwurm (Haemonchus contortus). Dieser lebt im Labmagen und kann leicht in einer Anzahl von 10.000 Stück pro Tier vorhanden sein. Diese saugen dann pro Tag bis zu 500 ml Blut, verändern die Magensäure, was zu einer schlechteren Futterverwertung und vermindertem Appetit führt. Dies ist besonders bei Mastlämmern der Fall, diese werden blass, magern ab und können sogar versterben. Entgegen der allgemeinen Vermutung verursacht dieser Wurm keinen Durchfall. Also muss auch bei Tieren, die keinen Durchfall aufweisen, an Magendarmwürmer gedacht werden.

Würmer mittels Kotproben feststellen
Es gibt noch eine Vielzahl von anderen Würmern, wie zum Beispiel große und kleine Leberegel, Lungenwürmer und Bandwürmer. Letztere sind die einzigen, die man im Kot sieht. Alle anderen Würmer legen mikroskopisch kleine Eier, die man nicht mit bloßem Auge sieht. Deswegen muss man, um den Wurmbefall von seinen Tieren festzustellen, Kotproben in ein Labor schicken. Man nimmt dazu von 3 bis 4 frischen Kothaufen jeweils eine kleine Menge mit einer Tüte oder einem Handschuh auf, so dass es insgesamt ca. eine Handvoll wird, beschriftet sie und schickt sie in ein Labor. Man sollte pro Gruppe und idealerweise getrennt für Lämmer und Alttiere eine Sammelprobe nehmen. Im Labor wird dann untersucht, welche Parasiten in welcher Menge vorhanden sind.

Im Frühjahr erwachen viele Würmer aus ihrem Winterschlaf, den sie abgekapselt in der Magendarmschleimhaut überlebt haben, und fangen an, Eier bzw. Larven zu produzieren,


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Rindergrippe: Früh erkennen und rasch behandeln

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Von Dr. med. vet. Katharina Traulsen

Rindergrippe ist effektiv zu behandeln – wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Doch leider wird eine Behandlung meist erst dann begonnen, wenn schon fast alle Kälber einer Gruppe richtig krank sind. Das muss anders werden, am besten sollte es gar nicht zur Erkrankung kommen!

Die eigentlichen wirtschaftlichen Verluste sind bei Atemwegserkrankungen nicht die Ausgaben für den Tierarzt, sondern Milchleistungseinbußen durch die lebenslang eingeschränkte Lungenfunktion. Dadurch können sich die betroffenen Tiere nicht mehr gemäß ihrem Leistungspotential entwickeln und werden zu Kümmerern. Sind viele Tiere erkrankt, sinkt insgesamt die Herdenmilchleistung.

Erhöhte Körpertemperatur erstes Zeichen
Die durch Rindergrippe verursachten Schäden werden in der EU auf jährlich 576 Millionen Euro geschätzt. In der Kälbermast belaufen sich die Kosten bei Fleischrassen auf ca. 125 Euro, bei Milchrassen auf 65 Euro pro Fall. Die Sterblichkeit liegt bei unbehandelten Tieren bei 35 %, bei rechtzeitig behandelten dagegen bei 5 %. Deshalb ist die Früherkennung so wichtig.


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Atemwegsinfektionen: Wegbereiter PRRS

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Von Dr. Heike Engels

Atemwegserkrankungen sind nach wie vor ein großes Thema in der Schweinehaltung Es handelt sich dabei meistens um komplexe, multifaktorielle Krankheiten, die bei Stallklimabelastung klinisch manifest werden. Oft folgt auf einen Erreger ein zweiter oder mehrere, so dass Sekundärinfektionen entstehen, deren Folgen meist schwerwiegender sind als die Primärinfektion. Ein Erreger ist häufig der Wegbereiter, wie diverse Studien belegen.

Die Lunge hat ein fein verästeltes System von Luftwegen und Lungenbläschen, und ist durch diese große Oberfläche sehr empfindlich. Durch den ständigen Gasaustausch steht sie in sehr engem Kontakt mit dem Blut. In der Lunge gibt es an den Schleimhäuten ein lokales Immunsystem, was durch verschiedene Einflüsse geschädigt werden kann. Gehemmt wird die Infektabwehr in der Lunge insbesondere durch Ammoniak. Im Experiment war die Zilienfunktion ab 20 ppm Ammoniak gestört. Aber auch wandernde Parasitenlarven, die Entzündungen und Gewebsschädigungen verursachen, und immunsuppressive Faktoren wie Stress durch Kälte oder Hitze, Enge, Transport oder Rangordnungskämpfe schädigen die Lungenabwehr.

PRRS ebnet den Weg für weitere Erreger
Neben diesen stall-und managementbedingten Punkten gelten auch bestimmte Erreger als Wegbereiter für Atemwegserkrankungen. Dazu zählt u.a. das PRRS-Virus (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom-Virus). Das PRRS-Virus vermehrt sich in den Lungenmakrophagen (Fresszellen), dadurch schwächt es das Immunsystem der Lunge über mehrere Wochen. Deshalb ist im Zuge von PRRS-Erkrankungen in diesen Zeitraum, meist eine Zunahme diverser viraler und bakterieller Sekundärinfektionen zu beobachten, die sich in der Lunge weitgehend ungehindert vermehren können. Die Übertragung der Erreger und damit die Infektion der Tiere geschehen über


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Vor allem hochgradig erkrankte Kühe profitieren vom Klauenpflaster

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Interview mit Frau Dr. Karin Eulenberger, Rindergesundheitsdienst, Sächsische Tierseuchenkasse

Mortellaro, auch Dermatitis digitalis oder Erdbeerkrankheit genannt, ist seit etwa 40 Jahren bekannt und leider vielerorts die häufigste Klauenerkrankung. Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, eine davon ist ein noch recht neues Klauenpflaster. Das Pflaster soll den Körper ähnlich unterstützen wie ein harter Schorf auf der Wunde, ist aber weich und flexibel und vermindert so mechanische Reizungen im Wundbereich. Es legt sich wie eine zweite Haut auf die Wunde, verklebt nicht mit dem Wundbett und schützt dadurch vor weiteren Irritationen. Wir haben Frau Dr. Eulenberger vom sächsischen Rindergesundheitsdienst zu der Wirkung des Pflasters befragt.

Wie bewerten Sie die Anwendung eines Klauenpflasters bei Mortellaro?
Ich habe mir nun schon auf einigen Betrieben das Anlegen und die Abnahme des Pflasters nach 14 Tagen angesehen und ich war jedes Mal vom Heilungserfolg sehr positiv überrascht. Viele hochgradige Hautveränderungen, von denen man niemals gedacht hätte, dass sie nach 14 Tagen unter Verband besser werden, waren deutlich reduziert oder sogar komplett abgeheilt. Das Klauenpflaster ist auf jeden Fall in der Wirkung vergleichbar mit den anderen aktuell angewendeten Methoden. Unser Eindruck ist, dass es zu deutlich weniger Rezidiven führt,


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Zwischen Weltmarkt und kritischer Bevölkerung: Wer finanziert mehr Tierwohl? #Expertise2018

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Prof. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts, stellte anlässlich der „Expertise 2018“ sein Konzept für eine konsensfähige Nutztierhaltung vor. Prinzipiell gäbe es zwei Szenarien, um ans Ziel zu gelangen: den „schwedischen Weg“ über staatlich verordnete höhere Haltungs-Standards oder das Modell „Druck und Sog“, bestehend aus gesetzlichen Vorgaben und finanziellen Hilfen.

Für Isermeyer ist entscheidend, zunächst verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen und – über einen Zeitraum von 20 Jahren – eine Roadmap für den Weg zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung zu entwickeln. Dies könne nur gelingen, wenn Bund, Länder und Bauernverband dazu beitrügen, gemeinsam mit „gemäßigten“ NGOs, Umwelt- und Tierschützern.

Zusammen müssten „Zielbilder“ definiert werden. Diese dürften allerdings nicht starr sein, sondern sollten, im Laufe der Zeit, ständigem Feintuning unterliegen. Hierzu könnten etwa drei verschiedene Stallmodelle in der Praxis getestet werden und Wissenschaftler, Praktiker und NGOs sich zu gemeinsamem Lernen verpflichten.

Auch zur Finanzierung deutlich höherer Standards hat sich der Agrarökonom Gedanken gemacht. Die bisherige Investitionsförderung solle beibehalten und zusätzlich € 5 Mrd. jährlich an Prämien für den laufenden Betrieb ausgeschüttet werden. Um solch beachtliche Summen zu generieren, plädiert Isermeyer für die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte auf 19 %. Dies brächte € 6 Mrd. zusätzliche Staatseinnahmen pro Jahr, von denen € 1 Mrd. zur Unterstützung finanziell schlechter gestellter Verbraucher verwandt werden müssten.

Unter dem Strich um etwa 10-12 % höhere Verkaufspreise, seien für den Durchschnitts-Konsumenten verkraftbar. Insbesondere bei gleichzeitig vielleicht 5% geringerem Fleischkonsum, dessen derzeitige Höhe ja ohnehin in der Kritik stehe. So würde nicht nur für die Tiere, sondern auch etwas für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und die CO2-Bilanz getan.

Prämien für Nutztierhalter sollen nach den Vorstellungen des Thünen-Präsidenten gezahlt werden, abhängig von Verbesserungen in Tierhaltung und Tiergesundheit, zu deren Validierung auch Schlachtbefunde einbezogen werden müssten. Eine unabhängige Monitoring-Stelle solle die Öffentlichkeit über Fortschritte in Richtung „Zielbild“ informieren. Und schließlich würde sogar in den heutigen Schwerpunktregionen der Viehhaltung, über ein deutlich erhöhtes Platzangebot pro Tier, die Gesamtzahl an Nutztieren verringert.

Hintergrund „Expertise 2018“:

Auf Einladung der MSD Tiergesundheit hatten 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende Oktober über zwei Tage Gelegenheit aus Vorträgen von 38 Referenten aus dem In- und Ausland zu wählen. Drei Themenblöcke (Rind, Schwein, allgemeine Themen) wurden parallel angeboten. Eine Podiumsdiskussion, eine Posterausstellung mit 20 wissenschaftliche MSD AH Veröffentlichungen aus den letzten beiden Jahren (originalveröffentlicht auf den internationalen Rinder- und Schweinekongressen) sowie eine kleine Industrieausstellung der MSD Tiergesundheit mit Beteiligung von Henke Sass Wolf, dem Hersteller von IDAL und der MSD Geflügelvakzinatoren, rundeten die Veranstaltung ab.

Was bedeuten Nachhaltigkeit und Tierwohl für ein globales Lebensmittelunternehmen? #Expertise2018

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Viel, lautet die Antwort auf die im Titel gestellte Frage, sagte Cees Jan Hollander von Danone. Er ist „Global Farming Expertise Manager“ und sprach in Unterschleißheim über die Beweggründe des Unternehmens, besonders eng mit seinen Lieferanten zu kooperieren. 140.000 Milchviehhalter sind dies, mit einem Tierbestand von insgesamt 2,5 Mio.

Danones Produkte sollen gesund sein, schmecken und ihr Kauf soll auch für junge (und kritische) Konsumenten vertretbar sein. Denn Milchprodukte werden heute oft unter Gesundheits-Gesichtspunkten bewertet und Milchviehhaltung an sich kritisch gesehen – medial getrieben nicht zuletzt von der „veganen Community“.

Deshalb spielen, neben Rückverfolgbarkeit und Qualität, Nachhaltigkeit und Tierwohl eine entscheidende Rolle für das Unternehmen. Weil Konsumenten und auch Aktionäre die Milch heute mit Themen wie CO2-Fußabdruck, Wasserbedarf und Biodiversität verbinden. Und selbst die Arbeitsbedingungen auf dem Bauernhof in den Fokus geraten können.

Danone sieht sich fortwährendem Druck ausgesetzt, vor allem in den sozialen Medien. Unter dem Slogan „No Pasture for Parmesan and Grana Padano Cows“ z. B. geriet die Firma unter Druck, weil viele Kühe ihrer italienischen Lieferanten keinen Zugang zur Weide hatten. Die Unterschriften-Aktion via Internet fand schnell und zahlreich Unterstützer.

Danone diskutiert deshalb auch mit NGOs und kooperiert mit der Universität Wageningen, bei der Entwicklung zukünftiger Tierhaltungs-Konzepte. Das Unternehmen stellt Ansprüche an seine Lieferanten, fordert und fördert z. B.: gesunde und langlebige Kühe, Krankheits-Prävention statt –Behandlung, verminderte Wassernutzung und die Verringerung des CO2-Fußabdrucks. Bis zum Jahr 2050 soll Danones CO2-Bilanz völlig ausgeglichen sein.

Solarpanele auf dem Dach und Leguminosen auf dem Acker sollen helfen dieses Ziel zu erreichen. Aber auch Produktivitätssteigerungen: durch verbesserte Genetik, effizientere Fütterung (kg Milch je kg Futter) und Reduktion „unproduktiver“ Tiere, wie Jungvieh, Trockensteher und Bullen. Ein durchaus spannender Ansatz!

Hintergrund „Expertise 2018“:

Auf Einladung der MSD Tiergesundheit hatten 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende Oktober über zwei Tage Gelegenheit aus Vorträgen von 38 Referenten aus dem In- und Ausland zu wählen. Drei Themenblöcke (Rind, Schwein, allgemeine Themen) wurden parallel angeboten. Eine Podiumsdiskussion, eine Posterausstellung mit 20 wissenschaftliche MSD AH Veröffentlichungen aus den letzten beiden Jahren (originalveröffentlicht auf den internationalen Rinder- und Schweinekongressen) sowie eine kleine Industrieausstellung der MSD Tiergesundheit mit Beteiligung von Henke Sass Wolf, dem Hersteller von IDAL und der MSD Geflügelvakzinatoren, rundeten die Veranstaltung ab.

BVL erteilt Zulassung für Isofluran

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Bundeslandwirtschaftsministern begrüßt die Entscheidung ihres Bundesamtes und kündigt Verordnung an, um das Tierwohl und Landwirte zu unterstützen. Julia Klöckner: „Für die Durchführung einer wirksamen Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration steht nun erstmals in der EU ein zugelassenes Inhalationsnarkotikum zur Verfügung!“

Bundeslandwirtschaftsministerin, Julia Klöckner: „Ich freue mich, dass eine weitere Entwicklung gelungen ist, um die deutschen Ferkelerzeuger im Sinne des Tierschutzes zu unterstützen und um im Wettbewerb mit Erzeugern in anderen Ländern bestehen zu können. Die Zulassung von Isofluran als Tierarzneimittel ist ein wichtiger Schritt, um der gesetzlichen Anforderung der Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration nachkommen zu können. Nun steht eine Option zur Verfügung, für deren Anwendung ich zeitnah die notwendige Verordnung vorlegen werde. Mit der wird es dann auch praktisch für die Landwirte mit nachgewiesener Sachkunde möglich sein, das Mittel anzuwenden.“

Hintergrund:
Das für die Zulassung von Tierarzneimitteln zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat mit Bescheid vom 19. November 2018 eine Zulassung für das Tierarzneimittel „Isofluran Baxter vet 1000 mg/g“ zur Inhalationsnarkose für Hunde, Katzen, Pferde und Schweine (Ferkel) erteilt. Damit steht erstmals in der EU ein zugelassenes Inhalationsnarkotikum für die Durchführung einer wirksamen Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration zur Verfügung. Das ermöglicht künftig ein neues, praxisgerechtes Verfahren, das die Fortführung der chirurgischen Ferkelkastration unter tierschutzgerechten Bedingungen ermöglicht.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Genome Editing: Gentechnik-Revolution beim Nutztier #Expertise2018

Bevor Prof. Dr. Angelika Schnieke (TU München) die neuesten Entwicklungen der Biotechnologie vorstellte, skizzierte sie die geschichtliche Entwicklung der Gentechnik im Nutztier-Bereich.

Der gentechnische Transfer neuer Merkmale ins Genom wurde vor etwa 30 Jahren erstmals demonstriert. 1996 folgte Schaf Dolly, das erste aus einer adulten somatischen Zelle geklonte Tier. 1997 folgten die ersten transgenen Lämmer (Polly, Molly, Holly und Olly). 1999 gelang erstmals die gezielte Gen-Modifikation („gen targeting“) bei den Schafen Diana und Cupid und im Jahr 2000 schließlich wurden die ersten aus adulten somatischen Zellen geklonten Schweine geboren. Allerdings ist „gene targeting“ ineffizient und z. B.  seien in den vergangenen 15 Jahren beim Schwein nur sehr wenige Gene modifiziert worden.

Ganz anders beim „genome editing“: Mit maßgeschneiderten Enzymen ließe sich hier ein doppelter Strangbruch herbeiführen, den die Zelle repariert (CRISPR = Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats). Im Vergleich zum „gen targeting“ sei „gene editing“ sehr effizient (über 40%),  funktioniere in allen Spezies und in Zellen ebenso wie in Embryos.

Als Ziele des „genome editing“ nannte Prof. Schnieke

– Verständnis der Gen-Funktion
– Nutzung von Tiermodellen für Krankheiten des Menschen
– Xenotransplantationen (Übertragung von Zellen oder Organen zwischen Spezies)
– Verbesserung von Tiergesundheit und Tierwohl
– Modifikation oder Einführung wünschenswerter Merkmale

Beispielhaft nannte die Biotechnologin die Inaktivierung endogener Retroviren beim Schwein durch den Einsatz von CRISPR-Cas),  genetisch PRRSV-resistente Schweine und Eber ohne Ebergeruch! Den  Forschern der US-Firma Recombinetics ist es gelungen, Eber zu züchten, die noch im Alter von 6-12 Monaten unterentwickelte Hoden haben und weder Ebergeruch noch die geschlechtsspezifische Aggression zeigen, sondern sich verhalten wie Kastraten.

Wer jetzt an die schwierige Diskussion um das Ende der betäubungslosen Kastration denkt, muss unweigerlich hoffen, dass sich Deutschland den modernen Gentechnik-Methoden zukünftig nicht verschließt.

Hintergrund „Expertise 2018“:

Auf Einladung der MSD Tiergesundheit hatten 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende Oktober über zwei Tage Gelegenheit aus Vorträgen von 38 Referenten aus dem In- und Ausland zu wählen. Drei Themenblöcke (Rind, Schwein, allgemeine Themen) wurden parallel angeboten. Eine Podiumsdiskussion, eine Posterausstellung mit 20 wissenschaftliche MSD AH Veröffentlichungen aus den letzten beiden Jahren (originalveröffentlicht auf den internationalen Rinder- und Schweinekongressen) sowie eine kleine Industrieausstellung der MSD Tiergesundheit mit Beteiligung von Henke Sass Wolf, dem Hersteller von IDAL und der MSD Geflügelvakzinatoren, rundeten die Veranstaltung ab.