Gemeinsames Kapitel für mehr Tierschutz in Schlachthöfen

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Vereinbarung zu kameragestützten Überwachungssystemen unterzeichnet

Eine Vereinbarung über die Einführung von kameragestützten Überwachungssystemen in Schlachthöfen haben heute Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Vertreterinnen und Vertreter der Fleischwirtschafts- und Handelsverbände sowie der kommunalen Veterinärbehörden unterzeichnet. Der gemeinsame Text ist eine von mehreren Initiativen von Ministerin Barbara Otte-Kinast zur Verbesserung des Tierschutzes in Schlachthöfen. Die Initiative wird mitgetragen von den Verbänden der Fleischwirtschaft, des Fleischerverbandes Nord Schleswig-Holstein/Hamburg/Niedersachsen/Bremen, des Vieh- und Fleischhandelsverbandes Niedersachsen sowie vom Niedersächsischen Landkreistag und vom Niedersächsischen Städtetag.

Kern der Vereinbarung ist, dass die Fleischwirtschafts- und Handelsverbände ihren Mitgliedern bis zu einer verbindlichen gesetzlichen Regelung die Installation von Kamerasystemen auf freiwilliger Basis empfehlen und die Unternehmen auch bei der Einführung unterstützen. Die kameragestützte Überwachung soll sich auf besonders tierschutzrelevante Bereiche im Schlachthof konzentrieren und der zuständigen Behörde für amtliche Überwachungszwecke zur Verfügung stehen. Dabei sollen in diesem Bereich bestehende Regelungsspielräume des europäischen und nationalen Rechts im Sinne des Tierschutzes ausgeschöpft werden.

Darüber hinaus verpflichten sich die Verbände, die bestehenden tierschutzrechtlichen Vorgaben im Schlachthof strikt einzuhalten und die ihnen bereits jetzt zur Verfügung stehenden Instrumente im Sinne des Tierschutzes konsequent zu nutzen. Dazu zählt etwa die betriebliche Eigenkontrolle, die Mitwirkung in Facharbeitsgruppen und das regelmäßige Aktualisieren von Leitfäden.

Vereinbarung im Wortlaut zum Download.

Hintergrund:
In den vergangenen Monaten gab es mehrere Vorfälle mit tierschutzrechtlichen Verstößen in Schlachtbetrieben in Niedersachsen. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Fleischwirtschafts- und Handelsverbände im November 2018 initiierte Ministerin Barbara Otte-Kinast eine freiwillige Vereinbarung zur Einführung von videogestützten Überwachungssystemen. Diese Vereinbarung wurde heute unterzeichnet. Aus dieser freiwilligen Initiative soll im zweiten Schritt eine bundesweite Verpflichtung werden. Eine entsprechende Bundesratsinitiative zur verbindlichen Kameraüberwachung in Schlachtbetrieben bringt Niedersachsen am kommenden Freitag, 15. Februar, in den Bundesrat ein.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Schwindender Fischbestand vor Südwestafrika wirft Rätsel auf

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Trotz nährstoffreicher Umgebung ist in den letzten Jahrzehnten der Fischbestand im Benguela-Auftriebsgebiet vor Namibia stark zurückgegangen. Die Forscher stehen vor einem Rätsel. Auf einer Schiffsexpedition sollen die folgenreichen Veränderungen in diesem Auftriebsgebiet erforscht werden.

Von Mitte Februar bis Ende März ist das Forschungsschiff Meteor wieder auf Expeditionsfahrt. An Bord sind das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) zusammen mit neun weiteren Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Namibia und Südafrika.

Die Forschungsfahrt führt zum großen Benguela-Auftriebsgebiet vor der südwestafrikanischen Küste. Auftriebsgebiete sind hochproduktive marine Ökosysteme, die einen erheblichen Teil der weltweiten Fischereierträge liefern und damit eine wichtige Rolle für die Ernährung der Weltbevölkerung spielen. Aus den Tiefen der Meere strömen dort große Mengen an Nährstoffen an die Oberfläche, die überaus viel Plankton gedeihen lassen und so dem Fischbestand eine reich gedeckte Tafel bieten.

In den letzten Jahrzehnten gingen jedoch die Anlandungen in der Region stark zurück, von rund fünf Millionen Tonnen am Ende der 1960er Jahre auf heute zirka 1,7 Millionen Tonnen. Insbesondere die beliebten Sardinen und Sardellen, die wichtigste Eiweißquelle der Küstenbevölkerung, gibt es vor Namibia im nördlichen Benguela-Gebiet kaum noch. Entsprechend hat auch die Zahl der Räuber abgenommen, die sich von diesen Fischschwärmen ernähren, wie Stöcker, Seehecht, Seevögel und Robben.

„Als Grund hierfür spielt Überfischung nicht die Hauptrolle“, erklärt Dr. Werner Ekau, Fischereibiologe am ZMT und Fahrtleiter der Expedition, „denn in Namibia gibt es seit 30 Jahren ein sehr effektives Fischereimanagement.“ Auch verwundert die Forscher, dass vor Südafrika im südlichen Teil des Auftriebsgebiets der Fischreichtum noch wesentlich höher ist als im nördlichen, obwohl die Menge des Planktons im gesamten Benguela-Strom ähnlich ist und den Fischen damit eine gute Nahrungsgrundlage bietet.

Antworten könnte den Forschern der Einfluss des Klimawandels auf die Region liefern. Die Meereserwärmung lässt das Plankton im Auftriebsgebiet noch reichlicher gedeihen. Große Mengen davon werden nicht gefressen, sondern sinken in die Tiefen des Ozeans, wo sie verwesen und bakterielle Prozesse antreiben, die zu einer Sauerstoffarmut im Wasser führen. Die wiederum macht den Fischen zu schaffen, die ihren Lebenszyklus nicht mehr vollenden können oder aus den Gebieten abwandern. So haben beispielsweise die Sardinen ihr Verbreitungsgebiet nach Süden in Richtung Kap der Guten Hoffnung verlagert.

Auf der Meteor-Ausfahrt werden Biologen und Biogeochemiker gemeinsam die Folgen der globalen Umweltveränderungen auf das Benguela-Auftriebsgebiet erforschen. Das ZMT ist mit den Arbeitsgruppen Fischereibiologie und Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe beteiligt. Die Expedition findet im Rahmen des Projektes TRAFFIC statt. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für drei Jahre gefördert und vom ZMT koordiniert. TRAFFIC ist Teil des FONA-Programms der Bundesregierung, das sich das Ziel gesetzt hat, Gemeinschaftsgüter wie Klima, biologische Vielfalt, Land und Meere zu schützen.

Quelle: Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

MSD Tiergesundheit liefert Blauzungen-Impfstoffe in deutsche Restriktionsgebiete

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* Akutbedarf im ersten Restriktionsgebiet Baden-Württemberg weitgehend gedeckt
* MSD Tiergesundheit liefert als einziges Pharmaunternehmen in Deutschland
Blauzungen-Impfstoffe
* Große Mengen an Blauzungen-Impfstoff Bluevac® BTV8 und Bluevac®-4 bis Ende
Mai verfügbar

Seit der Rückkehr der Blauzungenerkrankung, BT-Virus Typ 8, nach Deutschland im Dezember 2018 ist die Nachfrage nach BTV-Impfstoffen innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches gestiegen. Um diesen Bedarf zu decken hat MSD Tiergesundheit alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, zusätzlich BTV- Impfstoffe für Deutschland zur Verfügung zu stellen. Dadurch ist es MSD gelungen, Anfang Februar Bluevac® BTV8 für den Akutbedarf im ersten Restriktionsgebiet Baden-Württemberg zu liefern. Bluevac®-4 wird derzeit zur Auslieferung vorbereitet.

Bis voraussichtlich Ende Mai wird MSD in mehreren Chargen große Impfstoffmengen erhalten. Bestellungen für die nächsten Lieferungen von Bluevac® BTV8 – geplant für Anfang März 2019 – werden derzeit wieder angenommen. Dr. Daniel Sicher, Geschäftsführer von MSD Tiergesundheit: „Um das Wohl von Millionen Rindern und Schafen in Deutschland zu sichern und den wirtschaftlichen Schaden für unsere Landwirte, der durch Handelsbeschränkungen infolge von Restriktionsgebieten entstehen könnte, möglichst gering zu halten, hat MSD einen Kraftakt in der Impftstoffbeschaffung unternommen. In der derzeitigen Seuchenlage hat für MSD Tiergesundheit als verantwortungsbewusstes Tiergesundheitsunternehmen die frühestmögliche Impfung der betroffenen Tiere und Bestände absolute Priorität.“

Angesichts des Risikos einer Ausbreitung der BTV-Erkrankung aus benachbarten Ländern hielt MSD zum Zeitpunkt des erneuten Ausbruchs Ende 2018 bereits eine größere Menge Impfstoff vorrätig. Dadurch konnten erste Impfmaßnahmen abgefedert werden. Nach dem Ausbruch der Erkrankung im Dezember 2018 in Baden-Württemberg reichte die Impfstoffmenge nicht aus, um als alleiniger Anbieter den erheblich gestiegenen Marktbedarf in dieser Größenordnung vollständig abzudecken. Dr. Stefan von Rüden, Leiter Bereich Nutztiere von MSD Tiergesundheit: „Die Impfstoffherstellung ist ein hochkomplexer Prozess. Die Produktionsprozesse selbst, regulatorische Auflagen sowie die Anforderungen an Qualität und Sicherheit sind hoch. Die Impfstoffherstellung erfordert sehr lange Vorlaufzeiten. Auf einen akuten Mehrbedarf kann daher nur mit mehrmonatiger Verzögerung reagiert werden. Dass es MSD nun gelingt, BTV- Impfstoff in bis Mai ansteigend großen Mengen zu liefern und damit Landwirten und Tierärzten eine Prophylaxemöglichkeit in den Risikogebieten zu bieten, ist der internationalen Zusammenarbeit unseres globalen, forschenden Pharmaunternehmens zu verdanken.“

Weitere Informationen zum Thema Blauzungenkrankheit finden Sie auch hier.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Einblick in den Putenstall

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Tage der offenen Stalltür sind beliebt und vermitteln vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern völlig neue Erkenntnisse zu und über Tierhaltung. Allerdings sind Stallbesuche gerade in der Tierhaltung aus Gründen der Seuchenvorsorge an ein hohes Sicherheitskonzept gebunden. Damit dennoch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich ein eignes Bild von moderner Putenhaltung machen können, hat der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) eine informative Broschüre zusammengestellt.

Auf 16 Seiten gibt der Verband unter dem Titel „Putenhaltung in Deutschland“ authentische Einblicke in den Stall. Die Broschüre informiert nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes mit verschiedenen Elementen und gibt über Fotos den Blick in den Stall. Fakten zur Haltung, zur Anzahl der gehaltenen Tiere, zur Besatzdichte oder zur Aufzuchtdauer werden in knappen Informationen gut aufbereitet. Ein junger Putenhalter aus Nordrhein-Westfalen berichtet über seine Arbeit und erläutert, warum er sich für Puten entschieden hat. Natürlich werden auch kritische Verbraucherthemen aufgegriffen, wie die Fragen nach dem Kürzen der Schnäbel, dem Antibiotikaeinsatz oder den Zuchtzielen. Eine Broschüre zur Hähnchenhaltung hat der ZDG bereits veröffentlicht, beide Hefte können über www.zdg-online.de abgerufen werden.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Gastkommentar von Franz Straßer, Landwirt und Bauunternehmer aus Bayern zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern

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„Wir alle wollen doch in einer halbwegs normalen Welt in gesunder Umgebung mit gesunden Nahrungsmitteln leben. Unseren Kindern wünschen wir, dass diese auch noch in einer gesunden Umwelt leben können, und der Planet Erde eine Zukunft hat. Umso wichtiger erscheint es mir, dass unsere Generation etwas für den Erhalt unserer Umwelt tut. Dies fängt auf regionaler Ebene an! Sie wollen sich gesund und nachhaltig ernähren: Kaufen Sie regional und saisonal ein! So verhindern Sie, dass schwerölbetriebene Containerfrachter große Mengen an Lebensmitteln durch die ganze Welt schippern… Der Bauer vor Ort fährt sein Fleisch, Obst und Gemüse vielleicht nur ein paar Kilometer.

Rettet die Bienen? In Bayern ist das gerade sehr in. Im Werbeflyer fürs Volksbegehren steht z.B. 54 % aller Bienen wären bedroht oder bereits ausgestorben. Welches Insekt, oder welche Tierart ist denn eigentlich nicht bedroht? Sie wollen den Bienen wirklich helfen? Dann tun Sie das doch auch. Aber doch nicht, indem Sie mit dem Auto zu Ihrem Gemeindehaus fahren und dort irgendwas unterschreiben, wovon Sie sich nicht über die schweren Folgen im Klaren sind. Egal, ob Sie in der Wohnung oder im eigenen Haus leben, haben Sie schon mal daran gedacht, wie viele Bauerngärten und Balkone mit hoher Pflanzenvielfalt es vielleicht vor 30 Jahren noch gab in Ihrem Landkreis, und jetzt?

Während in der Landwirtschaft die Artenvielfalt seit Jahren wieder immer mehr zunimmt (durch Blumenwiesen, vielseitige Zwischenfrüchte welche auf abgeerntete Felder gesät werden, neue Nutzpflanzen, Fruchtfolgewechsel, Wildmischungen usw…) kann man von unseren Privatgärten eher nur gegenteiliges behaupten. Keine Balkonpflanzen mehr werden gegossen, Mähroboter verhindern, dass nicht doch noch ein Gänseblümchen in die Höhe kommt. Nur noch pflegeleichte Gewächse als Hecken. Heimische Obstbäume in den vielen Neubausiedlungen sind ebenfalls fehl am Platz. Macht ja alles Arbeit. Lieber ein Steingarten und ein exotisches Gewächs in einem Topf am Eingang. Am besten irgendwas, was mit wenig Wasser auskommt, weil dann auch keiner gießen braucht, wenn wir zweimal im Jahr in Urlaub fliegen. Blüten wollen wir auch nicht, wegen dem Blütenstaub vorm Haus und an den Fenstern. Nicht zu vergessen die Allergien.

Wussten Sie, wie sehr Sie der Umwelt langfristig schaden können, wenn Sie als Bienenretter unterschreiben gehen…? Ganz einfach: Es wird hier mehr Ökolandwirtschaft gefordert, was bedeutet, dass weniger Lebensmittel auf unseren Feldern produziert werden können, weil die Erträge durch weniger Pflanzenschutz und weniger Dünger erheblich geringer ausfallen. Wegen Flächenknappheit z.B. durch Flächenversiegelung und Mindererträgen werden diese ökologisch bewirtschafteten Wiesen und Felder dann vielleicht sogar ganz bis an den Rand gemäht, weil Biosepp (Name ist frei erfunden) ohnehin knapp dran ist mit dem Futter. Aus wirtschaftlichen Gründen kann er aber nicht abstocken, weil viele Unkosten dieselben sind, egal ob er 55 oder 45 Kühe melkt. Auch wenn er ein paar ct. mehr pro Liter Milch bekommt bringt ihm das nichts, weil seine Kühe ohnehin nicht die Milchleistung seiner konventionellen Berufskollegen bringen, welche die Tiere etwas intensiver füttern und somit mehr Milch abliefern können. Trotzdem verzehren die Kühe vom Biosepp dieselbe Futtermenge als die von konventionell wirtschaftenden Betrieben. Auf dem Acker werden vielleicht nur weniger artenreiche Zwischenfrüchte gesät, und am besten welche, die nicht blühen, weil sonst könnten diese absamen und das wäre dann Unkraut in der Folgefrucht. Das kann keiner in der Folgefrucht brauchen, vor allem dann nicht, wenn auf chemischen Pflanzenschutz ganz verzichtet wird. Alternative wäre mechanischer Pflanzenschutz entweder durch zahlreiche Erntehelfer oder durch oftmaliges striegeln, was sicherlich nicht ökologisch sinnvoll ist. Feldränder wo jetzt Blumen wachsen werden dann wie Straßenränder bei Kommunen regelmäßig gemäht oder gemulcht, sonst könnte Unkraut absamen, welche dann wie vorher schon beschrieben eine Konkurrenz zur Kulturpflanze darstellt. Durch die geringeren Erträge in der Ökolandwirtschaft fehlen uns bei steigender Bevölkerungszahl die regionalen Lebensmittel. Diese Lebensmittel die uns fehlen, (weil zu viele uninformierte selbsternannte Naturschützer etwas unterschrieben haben, was der Umwelt mehr Schaden als Nutzen zufügt) müssen dann aus dem Ausland importiert werden, weil wir schon gewohnt sind, jedes Lebensmittel zu jeder Jahreszeit verzehren zu können. Abgepackt in Plastikmüll und am besten vorher noch begast greifen wir ganz unbedacht im Supermarkt zur Gurke aus Italien, zur spanischen Tomate oder zum argentinischen Rindfleisch (aus Feedlots / das ist Massentierhaltung nicht aus Weidehaltung wie viele glauben). Damit dann ein mit Biosiegel versehenes Produkt keinen Kontakt zu konventioneller Ware hat, wird sogar jede Frucht einzeln noch eingeschweißt (in Plastikmüll). Beim Transport erst vom Gewächshaus oder der Plantage zum Handel, von dort zur Abpackfabrik, von dort zum Hafen, dann aufs Schiff usw… Bis es über einen Importeuer und zwei Zwischenhändlern bei uns im Regal landet wird wundersamer Weise auch sehr viel Kraftstoff verbraucht. Es entstehen Emissionen… und es entsteht Feinstaub! Wissen Sie wie oft ihre Produkte aus dem Ausland chemisch behandelt werden? Wissen Sie ob wirklich Bio drin ist, oder nicht einfach umdeklariert wurde? Ein Stempel oder ein Aufkleber vielleicht?

Wussten Sie, dass wir alle durch unser Verhalten, durch die Industrialisierung und vor allem durch unseren Wohlstand der Umwelt bereits so zugesetzt haben, dass unsere Pflanzenwelt durch Luft, sauren Regen usw. nicht mehr so gesund ist wie früher. Wussten Sie, dass bestimmte Getreidearten bei ungünstigem Wetter gegen Pilzkrankheiten mit Pflanzenschutzmitteln geschützt werden müssen, damit keine Mykotoxine in unsere Lebensmittel gelangen, welche z.B. für Säuglinge und immunschwache Menschen extrem gefährlich sind. Wissen Sie, dass zahlreiche Studien ergeben haben, dass Kinder auf dem Land, die regelmäßig mit Stallluft in Kontakt kommen, weniger anfällig für Allergien und Asthma sind als Kinder, die in der Großstadt aufwachsen? Wissen Sie, wie viel Bayerns Bauern jetzt schon für die Bienen und den Erhalt unserer Kulturlandschaft tun? Wissen Sie wie viele Kontrollen unsere Lebensmittel aus regionaler Produktion durchlaufen und wie viele ernstzunehmende Kontrollen die importierten Waren…? Wissen wir wie hoch die Nitratbelastung in Deutschland wirklich ist und wie viel davon wirklich von der Landwirtschaft kommt? Wissen wir, ob der alte Abwasserkanal in Ihrer Straße und unter Ihrem Haus noch annähernd dicht ist? Wissen wir, warum unsere Landeshauptstadt das Trinkwasser aus dem Mangfalltal und Loisachtal bezieht und nur ausnahmsweise das Wasser vom eigenen Ort? Wissen wir eigentlich, wie stark Industrieabfälle, Autoabgase, Verpackungsmaterialien, Urlaubsflüge, Kosmetikartikel usw… die Umwelt belasten? Wie viele Medikamentenrückstände übers Abwasser nach der Kläranlage in heimische Flüsse gelangen? Wissen Sie das?

Wussten Sie, dass die Rückstände der „Pille“ (über Ausscheidungen ins Abwasser- dann Kläranlage…) zu Fruchtbarkeitsstörungen bei Fischen führt, welche an Flüssen nahe der Kläranlage Ihren Lebensraum haben?

Wissen wir, ob nicht ab und zu jemand Antibiotikarückstände über die Toilettenspülung entsorgt? Wissen Sie, ob nicht öfter als veröffentlicht Unfälle mit Chemikalien aus großen Industriekonzernen geschehen, wo die giftigen Stoffe über Abwasser oder Kühlwasser in Flüsse gelangen. Ob unsere scharfen, chemischen Reinigungsmittel nicht sogar langfristig schädlich für die neue Kunststoffabwasserleitungen sind oder diese sogar die alte Leitung zersetzen?

Schon mal darüber nachgedacht? Ich schon, weil ich auch noch den wichtigsten Beruf auf der Erde haben darf. Ich trage eine enorme Verantwortung, weil ich Menschen mit aufwendig in der und mit der Natur produzierten Nahrungsmitteln versorge!

Wir Landwirte brauchen die Natur samt den Bienen und tun darum unser Bestes, nach besten Wissen und Gewissen, um nachhaltig zu wirtschaften. Dafür sind wir ausgebildet worden, und das länger als in den meisten Lehrberufen. Kaum ein junger Landwirt hat nicht mindestens eine Lehre mit Berufsgrundschuljahr anschließend 3- Semester Landwirtschaftsschule und eine Meisterprüfung hinter sich. Diese jungen Leute lernen da unter anderem wie man mit der Natur umzugehen hat, damit wir länger davon profitieren. Wir Landwirte tun, was wir tun, um Sie zu ernähren. Wir tun das, damit Sie hochwertige gesunde Nahrungsmittel auf dem Tisch haben und zumindest bei uns keiner hungern muss! Es ist der Arbeit der Bauern zu verdanken, dass wir alle gedeckte Tische haben.

Weil Landwirte Blühstreifen anlegen, Zwischenfrüchte säen, unsere Gärten nicht so extrem und penibel pflegen wie manch einer haben Bienen einen Lebensraum. Weil wir noch Bauerngärten mit Obstbäumen und Balkonblumen haben und weniger Urlaubsflieger und Kreuzfahrtschiffe nutzen ist unser biologischer Fußabdruck oftmals kleiner als der vom selbsternannten Bienenretter, der glaubt mit einer Unterschrift der Umwelt zu helfen.

Kaufen Sie regional und saisonal ein! Sprechen Sie mal mit Bauern selbst und nicht nur über sie. Würden sie wollen, dass Ihnen vom Gesetz vorgeschrieben wird, was Sie auf Ihrem Grundstück anzubauen haben und wann Sie exakt mähen müssen? Wie würden Sie reagieren, wenn z.B. Ihr Nachbar an Ihrer Arbeitsstelle erscheint und Ihnen sagt, was Sie alles anderes machen müssen? Hinterfragen Sie auch mal, was Sie in den Medien aufnehmen und glauben Sie nicht alles. Vielleicht ist ja doch das eine oder andere von den mächtigen Konzernen in Verbindung mit der Politik gesteuert. Vielleicht ist das ein oder andere Thema gestreut um von anderen Themen abzulenken? Seien Sie dankbar, dass Sie nicht hungern müssen und beobachten Sie sich selbst mal einen Tag lang, ob das alles richtig ist was sie tun. Blicken Sie mal über den Tellerrand hinaus. Glauben Sie doch nicht immer alles was Ihnen serviert wird, oder haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, wie viel Energie für die Produktion eines neuen Pkws verbraucht wird, und ob das gut für die Umwelt ist, oder ob man nicht vielleicht doch einen alten Diesel ein bisschen länger fahren sollte….?

Ich bin 37 Jahre, verheiratet und habe zwei Kinder. Ich kenne noch die Zeit wo es keine vakuumverpackten Lebensmittel gab, sondern eingewecktes von den eigenen Obstbäumen, geselchtes, sämtliche Salate vom eigenen Garten gedüngt mit Kuhmist. Ich bin Landwirt und Bauunternehmer. Ich bin wünsche mir, dass unsere Kinder eine Zukunft haben, und versuche für die Natur dazu sein, damit diese uns was zurückgeben kann.

Willst Du das auch?
Dann:
Tu was!“

Hintergrund: Am 31. Januar startete offiziell das Volksbegehren Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern „Rettet die Bienen!“. Zwei Wochen lang bis zum 13. Februar hat jeder Wahlberechtigte die Gelegenheit, per Unterschrift das Volksbegehren zu unterstützen. Nicht nur die Bienen steht im Fokus, sondern insgesamt mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen in Bayern. Die ökologische Landwirtschaft soll stark steigen – auf mindestens 20 Prozent bis 2025 und mindestens 30 Prozent bis 2030. Heute sind es unter zehn Prozent. Ziel ist es, dafür das Bayerische Naturschutzgesetz in vielen Punkten zu ändern. Zahlreiche Änderungsvorschläge betreffen die Landwirtschaft.
Hauptkritikpunkt ist, dass das Begehren auf Veränderungen in der Landwirtschaft ziele, obwohl der Schutz der Natur alle angehe.

Um einen Volksentscheid für mehr Naturschutz zu erzwingen, müssen die Initiatoren (u.a. ÖDP und Grüne) in zwei Wochen rund eine Million Stimmen sammeln. Das Volksbegehren gilt als angenommen, wenn zehn Prozent der Wahlberechtigten unterschrieben haben. Das sind rund 950.000 Bürger. Schon nach 5 Tagen hat die Initiative laut Meldung der Süddeutschen Zeitung die Hälfte der Stimmen gesammelt.

Fischbestände im Nordostatlantik: Erholung durch verbessertes Management

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Nachhaltige Nutzung lebender Wildfischressourcen ist möglich, dafür müssen aber Einschränkungen eingehalten werden

Viele Fischbestände im Nordostatlantik waren am Ende des 20. Jahrhunderts durch Überkapazitäten in der Fischerei und unregulierten Fang in einem sehr schlechten Zustand. Während der letzten Jahre mehrten sich jedoch positive Meldungen – zahlreiche Fischbestände zeigen wieder Aufwärtstrends. Eine aktuelle Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Frontiers in Ecology and the Environment erschienen ist, legt nahe, dass dazu maßgeblich Fortschritte in der Fischereipolitik beigetragen haben, besonders im Zuge der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU.

Dass sich die Politik seit den frühen 2000er-Jahren strikter als zuvor an wissenschaftlichen Vorgaben orientiert hat, war für diese Entwicklung zentral. Fangraten wurden gesenkt und in Folge erholten sich einige Bestände, z.B. jener der Scholle in der Nordsee, überaus schnell. Die Daten zeigen aber auch, dass es immer noch Bestände gibt, die zu stark befischt und damit nicht nachhaltig genutzt werden. Das bedeutet: Die Fischereiverwaltungen müssen noch konsequenter handeln, um die Ziele der GFP mittelfristig zu erreichen. Doch die Politik ist nicht die einzige Stellschraube, so die beiden Autoren Fabian Zimmermann vom Institut für Meeresforschung in Norwegen und Karl-Michael Werner vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven. Bestände mit einer raschen Erholung würden oft auch von vorteilhaften Umweltbedingungen profitieren. Entsprechend können nachteilige klimatische oder ökologische Effekte den politischen Vorgaben zum Wiederaufbau von Beständen im Wege stehen.

Ein zentrales Thema der Studie war deshalb die Frage: Was übt einen stärkeren Einfluss auf kommerziell genutzte Fischbestände aus, natürliche Produktivitätsschwankungen oder die direkte Belastung durch die Fischerei? Ein seit Jahrzehnten von Meeres- und Fischereibiologen auf der ganzen Welt diskutiertes Thema! Die vorliegende Arbeit zeigt, dass es die Reduktionen der Fischfangraten sind, die fundamental für die Erholung auf großflächiger Ebene waren. Die Daten lassen diese Schlussfolgerung zu, da die umweltgetriebene Nachwuchsproduktion während der letzten 15 Jahre großflächig betrachtet unterdurchschnittlich war, der Bestandsanstieg also aus gesenktem Fischereidruck resultieren musste.

Die Ergebnisse belegen, dass eine nachhaltigere Nutzung der nordostatlantischen Fischbestände durch die verbesserte Fischereipolitik in der EU in Gang gesetzt wurde, namentlich das klare Bekenntnis zum Vorsorgeprinzip und dem Ziel maximaler nachhaltiger Erträge in der Fischereiverwaltung. Die beiden Forscher argumentieren aber, dass diese Verbesserungen nur dann langfristig Früchte tragen, wenn die Bemühungen auch weiterhin nicht nachlassen, Meeresressourcen nachhaltig und mit Weitsicht zu nutzen. Die im Rahmen der GFP gesteckten Ziele sind noch keineswegs vollständig erreicht, und ein Rückfall in alte Muster könne den ökologischen und wirtschaftlichen Fortschritt jederzeit wieder untergraben.

Gerade deshalb ist es langfristig auch die Aufgabe eines nachhaltigen Fischereimanagements, bevorstehende Umweltveränderungen, etwa ausgelöst durch den Klimawandel oder die Ozeanversauerung, zu berücksichtigen. Diese Effekte sind divers und erfordern wissenschaftlich fundierte, fallspezifische Antworten. Karl-Michael Werner: „Man kann zum Beispiel erkennen, dass nördliche Bestände, wie in der Barentssee oder um Island, von der Klimaerwärmung tendenziell profitieren, während Bestände in Nord- und Ostsee mit den steigenden Temperaturen zu kämpfen haben.“ Das gelte etwa für Kabeljau oder Hering, die sich dort an der Obergrenze der für sie verträglichen Temperaturen bewegen und durch wärmeliebendere Arten aus südlicheren Gewässern zunehmend unter Druck geraten könnten. Veränderungen in den Ausbreitungsgebieten verschiedener Arten, wie dem des Europäischen Seehechts, der anderen Grundfischarten in der Nordsee langfristig stark Konkurrenz machen könnte, müssen darum mit großer Sorgfalt berücksichtigt werden.

Die Autoren der Studie betonen, dass bei vorhandenem politischem Willen Fischbestände tatsächlich nachhaltig bewirtschaftet werden können und dies sehr rasch positive Auswirkungen zeitigt. Veränderungen in der Umwelt blieben dabei aber ein Unsicherheitsfaktor. Eine vorbeugende, auf klaren wissenschaftlichen Vorgaben abgestützte Fischereipolitik sei deshalb das Gebot der Zukunft.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Geflügelpest in Bangladesch: Die Rolle von Zugvögeln bei der Übertragung von Krankheiten

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Die Geflügelpest ist eine verheerende Krankheit bei Geflügel, die durch hoch pathogene Geflügelpestviren verursacht wird. Das Virus infiziert sowohl Wild- als auch Hausvögel, und eine wichtige epidemiologische Frage ist, inwieweit wilde Wasservögel zur Verbreitung von Krankheiten über lange Strecken beitragen. Jonas Waldenström und Mariëlle van Toor von der Linnaeus-Universität haben jetzt 3,5 Mio. SEK erhalten, um die Schnittstelle zwischen wilden Zugvögeln und lokaler Geflügelproduktion in Bangladesch sowie das Risiko der Einführung von Geflügelpest zu untersuchen.

Seit 2005, als sich das hoch pathogene Aviäre Influenza-Virus H5N1 auf der ganzen Welt ausbreitete, standen Forscher vor der Frage, wie sich das Virus so schnell auf ganze Kontinente ausbreiten kann: Durchwandert das Virus den Handel mit Geflügel und Produkten, oder „trampt“ es mit Zugvögeln? Jonas Waldenström, Professor für Disease Ecology, und Mariëlle van Toor, Postdoc-Stipendiat für Ökologie an der Linnéus-Universität, haben vom schwedischen Forschungsrat 3,5 Mio. SEK für das Projekt „Geflügelpest in Bangladesch: Die Rolle von Wildwasservögeln bei der Übertragung von Krankheiten“ erhalten ”. In Zusammenarbeit mit Forschern in Bangladesch werden sie große Datenmengen über die Übertragung von Viren sammeln und analysieren. Sie werden wilde Enten fangen und sie mit kleinen GPS / GSM-Sendern ausstatten, die den Standort und andere sensorische Informationen mit hoher Genauigkeit aufzeichnen. Der GPS-Sender wird mit Hilfe von Solarzellen aufgeladen und die Daten werden über das Mobilfunknetz übertragen, so dass die Enten immer vom Forschungsteam überwacht werden können. Auf diese Weise können die Forscher die Bewegungen der Vögel Tag und Nacht nahezu in Echtzeit untersuchen.

Die Enten sind mit einem kleinen GPS-Sender ausgestattet, der als Rucksack mit einem Gurt über der Brust ausgelegt ist. Die zahlreichen Informationen der Enten vermitteln ein detailliertes Bild des Lebens der Enten auf den Überwinterungsgebieten in Bangladesch und ihrer Wanderung zu ihren Brutplätzen in der russischen Taiga oder Tundra. Die Forscher möchten herausfinden, welche Wanderwege die Enten benutzen, wie schnell sie fliegen, zu welchen Tageszeiten sie wandern und wo sie aufhören. Zusammen mit detaillierten Informationen über die Geflügelproduktion in Bangladesch können diese Daten zur Erstellung von Bewegungsmodellen verwendet werden, die dann mit epidemiologischen Daten verknüpft werden können, um Risikobereiche für die Übertragung von Krankheiten vorherzusagen.

„Die neueste Technologie der Telemetrie hat uns neue Werkzeuge zur Verfügung gestellt, die es ermöglichen, Epidemiologie und Vogelzug-Ökologie miteinander zu verbinden. Es ist unglaublich faszinierend, in Schweden am Computer sitzen und die Entenbewegungen in Bangladesch beobachten zu können. Daten von vielen Enten geben uns die Möglichkeit zu untersuchen, wie sich hoch pathogene Aviäre Influenzaviren in verschiedenen Teilen der Welt ausbreiten “, erklärt Jonas Waldenström.

In Teilen Asiens sind einheimische Enten ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft und werden häufig in Reisanbaugebieten produziert. Bangladesch ist ein Entwicklungsland, das sich durch reiche Wasserumgebungen, Reisanbau und Geflügelproduktion auszeichnet. Neben der einheimischen Fauna und Produktion ist Bangladesch auch ein wichtiges Überwinterungsgebiet für Wildenten, die in Russland brüten. Dadurch entsteht ein epidemiologisches Szenario, bei dem Wildenten, Hausenten und Geflügel sowie Krankheitserreger wie die Aviären Influenzaviren leicht ausgetauscht werden können.

„Wir haben zwei Fragen, die wir mit diesem Projekt beantworten wollen. Wie erfolgt die Übertragung zwischen Haus- und Wildvögeln und trägt diese Übertragung dazu bei, dass die Krankheit endemisch wird? Können Langstrecken-Wanderenten neue Virusstämme in Bangladesch einführen. Das Projekt ist mit einem größeren Projekt verbunden, in dem wir in Südkorea und Europa mit derselben Technologie arbeiten. Ein Ziel für das größere Projekt ist es zu verstehen, wie die Vogelwanderung Viren auf dem gesamten eurasischen Kontinent verbreiten kann “, sagt Mariëlle van Toor.

Quelle: Linnaeus University Kommunikationsavdelningen / Communications Department
Schwedischer Forschungsrat – The Swedish Research Council

Projekt SmartBees erfolgreich beendet

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Das EU-Forschungsprojekt SmartBees ist erfolgreich beendet. Vier Jahre lang hatten Imkerinnen und Imker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unternehmen aus 15 EU-Mitgliedsländern und angrenzenden Gebieten daran gearbeitet, Bedrohungen für Honigbienen auf unserem Kontinent besser zu verstehen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln, und die innerartliche Vielfalt der Honigbiene zu schützen.

SmartBees ist mit einem Gesamtbudget von sechs Millionen Euro das bislang größte EU-Forschungsprojekt zur Erhöhung der Nachhaltigkeit der Imkerei. Die Verschiedenartigkeit der europäischen Bienen ist ein Reichtum, der die Grundlage dafür bietet, sich an zukünftige Stressoren wie den Klimawandel oder die Einschleppung neuer Krankheiten anzupassen.

Herkunft der Bienen über DNA-Chip bestimmen
Erstes Ziel des Projekts war, die verbliebene Vielfalt zu ermitteln. Dazu wurden Proben aus über 2200 Völkern aller zehn auf dem Kontinent vertretenen Bienen-Subspezies analysiert. Die gute Nachricht: alle sind zumindest in Resten noch vorhanden. Außerdem können sie nun über einen DNA-Chip leicht und preiswert bestimmt werden, sodass Imkerinnen und Imker, die mit ihrer lokalen Subspezies arbeiten möchten, sich der Herkunft ihrer Bienen vergewissern können.

Damit die lokal angepassten Bienen gehalten werden können, hat SmartBees ein Netzwerk in über zehn Ländern aufgebaut. Die Mitglieder wurden intensiv in modernen Zuchtmethoden geschult. Umfangreiches Informationsmaterial wurde in 15 Sprachen erstellt. Erstmals sind nun auch Züchterinnen und Züchter aller europäischen Unterarten in der Lage, über die zentrale Zuchtdatenbank beebreed.eu eine effiziente Zuchtplanung zu betreiben. Sie vernetzen sich im neu gegründeten „International Honey Bee Breeding Network(IHBBN)“.

Varroa-Milbe schädigt Immunsystem der Bienen
Ein weiteres Ziel des Projektes war, die wichtigste Ursache für Verluste an Bienenvölkern besser zu verstehen und durch Selektion resistenter Bienen einzudämmen. Dabei handelt es sich um die Varroa-Milbe, einen eingeschleppten Parasiten der Bienenbrut, der gefährliche Viren überträgt und begünstigt.

Projektpartner aus Großbritannien konnten nun zeigen, dass Stoffe im Speichel der Milben dazu beitragen, das Immunsystem der Bienen zu schwächen und so die Vermehrung der Viren zu ermöglichen. In einer Kooperation zwischen Hohen Neuendorf und Partnern in Dänemark konnten darüber hinaus Gene der Biene ausfindig gemacht werden, die für die Varroa-Resistenz von entscheidender Bedeutung sind.

Der Koordinator des Projektes ist Prof. Dr. Kaspar Bienefeld. Er leitet das Länderinstitut für Bienenkunde im brandenburgischen Hohen Neuendorf und ist Honorarprofessor am Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Er betont: „Das Smartbees-Projekt hat nicht nur wertvolle neue Erkenntnisse gebracht, die die Bienenhaltung in Europa nachhaltig positiv beeinflussen werden. SmartBees ist auch ein gutes Beispiel dafür, welche Synergieeffekte europäische Forschungskooperationen erbringen können.“

Quelle: Hans-Christoph Keller, Abteilung Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement Humboldt-Universität zu Berlin

Mit „guten“ Bakterien Antibiotika-Eintrag in die Umwelt verringern

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Mit „guten“ Bakterien die „schlechten“ verdrängen und dadurch Antibiotika-Behandlungen vermeiden – eine solche innovative Therapie ist bei Milchdrüsenentzündung (Mastitis) an Kühen erfolgreich getestet worden. In einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 280.000 Euro geförderten Projekt hat die Hochschule Hannover einen Mix aus Milchsäurebakterien entwickelt, dessen Anwendung genauso heilsam ist wie eine übliche antibiotische Behandlung. „Mit dieser Alternative ließe sich zukünftig die Zahl notwendiger Antibiotika-Behandlungen reduzieren und die Gefahr verringern, dass Antibiotika in die Umwelt gelangen und sich dort Keime bilden, die auf diese Wirkstoffe nicht mehr anschlagen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Noch sei zwar kein marktreifes Produkt erhältlich. Die Hochschule Hannover strebe aber mit den Projektpartnern der Freien Universität Berlin und der Dr.-Windmann-Pharma-Gesellschaft (Ihrhove) die Entwicklung eines Therapeutikums bis zur Marktreife an.

Antibiotika: Gesundheits- und Umweltrisiken sowie wirtschaftliche Verluste
„Die entzündliche Reaktion der Milchdrüse zählt zu den bedeutendsten Erkrankungen hochleistender Milchkühe in Deutschland“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Volker Krömker von der Hochschule Hannover, Abteilung Bioverfahrenstechnik. Ein erster Hinweis auf die Erkrankung könne sein, dass die Milch ausflockt. Euterentzündungen würden aufgrund des schnellen Handlungsbedarfs derzeit vorwiegend antibiotisch behandelt. „Milch von antibiotisch behandelten Kühen können die Betriebe nicht an Molkereien abliefern“, so Krömker. Der wirtschaftliche Verlust für die Milchviehbetriebe sei nicht zu unterschätzen. Zudem wirke das altbekannte Mittel Penicillin beispielsweise auf einen der häufigsten Mastitis-Erreger, Staphylococcus aureus, immer weniger. Der Grund: Es haben sich widerstandsfähige Keime gebildet, die gegen das Antibiotikum resistent sind.

DBU: Förderung innovativer Methoden zur Antibiotika-Verringerung
„Jeder Einsatz von Antibiotika trägt dazu bei, dass Organismen entstehen und sich vermehren, bei denen diese Antibiotika nicht mehr wirken“, gibt Dr. Hans-Christian Schaefer, DBU-Fachreferent Biotechnologie, zu bedenken. 2017 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Deutschland 733 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben, der Großteil davon werde in Nutztierställen eingesetzt. Insgesamt sei die Menge zwar gesunken – 2011 waren es noch 1.706 Tonnen –, aber ein erheblicher Teil dieser Antibiotika gelange weiterhin über Gülle und Mist in die Umwelt und fördere die Entwicklung resistenter Keime. Aufgrund der zunehmenden Gefahr, die von ihnen ausgehe, setze sich die DBU dafür ein, praxisnahe Methoden zu finden, die den Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung weiter verringern. Mit den vorliegenden Projektergebnissen sei es denkbar, häufig auf Antibiotika bei der Mastitis-Therapie zu verzichten. Die Innovation: Um die „schlechten“ Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken zu verdrängen, werden „gute“ Milchsäurebakterien eingesetzt. Diese würden sich auch natürlicherweise im Umfeld der milchgebenden Kuh befinden wie zum Beispiel in der Milch selbst, ohne sie krank zu machen.

Keine Unverträglichkeiten durch Behandlung mit Milchsäurebakterien
„Wir haben zunächst im Labor Milchsäurebakterienstämme isoliert und ihre hemmende Wirkung auf die Krankheitserreger getestet“, beschreibt Krömker das Vorgehen. „Wir untersuchten auch, wie sich die Stämme an Hautzellen des Zitzenkanals und des Euters anlagern und ob sie einen Biofilm bilden.“ Dies sei für das Verdrängen der krankmachenden Keime eine zentrale Eigenschaft gewesen. Die anschließenden Versuche an Kühen unter kontrollierten Bedingungen zeigten, dass der ausgewählte Milchsäurebakterienstamm das Eindringen und das Vermehren der „schlechten“ Entzündungsbakterien in der Milchdrüse bestmöglich verhindert. „Unsere Tests haben gezeigt, dass an Mastitis erkrankte Kühe durch eine derartige innovative Milchsäurebakterien-Behandlung gleichermaßen gesund werden wie durch die herkömmliche antibiotische Methode“, so Krömker. Besser noch: Es seien keine Unverträglichkeiten festgestellt worden. Weitere Untersuchungen und eine größere klinische Studie seien allerdings erforderlich, um die Wirksamkeitsdaten auf eine breitere Basis zu stellen und zum Beispiel mögliche Lager- und Anwendungsformen zu prüfen. Sollte sich ein marktfähiges Präparat entwickeln lassen, wäre ein möglicher gewinnbringender Nebeneffekt der Therapie, dass die Menge der Milch, die bei Antibiotika-Behandlung nicht in die Lieferkette gelangen darf, vermindert wird.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Listerien im Futter: Ein gefährliches Hygieneproblem bei Mastschweinen

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Eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna untersuchte eine tödliche Listeriose bei Mastschweinen, bei der fast jedes zehnte Tier verstarb. Als Verursacher identifizierte das Forschungsteam die verfütterte Silage. Werden beim Silieren einfache Richtlinien befolgt, lässt sich diese Gefahr minimieren – auch zum Nutzen von Ernährungssicherheit und öffentlicher Gesundheit.

Der vorliegende, an der Vetmeduni Vienna untersuchte Fall ist der erste klinische Bericht über diese Art von Listeriose bei Mastschweinen. Im Rahmen ihrer Studie konnten WissenschafterInnen aus den Instituten für Mikrobiologie, Pathologie und Milchhygiene unter Koordination von Lukas Schwarz, Universitätsklinik für Schweine der Vetmeduni Vienna, nachweisen, dass das Bakterium Listeria (L.) monocytogenes als Auslöser der Listeriose – entgegen der bisherigen Praxis – Teil der Liste der Differentialdiagnosen sein sollte, wenn Mastschweine an blutigem Durchfall und Blutvergiftung leiden.

Tödliche Listeriose in Niederösterreich
Ausgangspunkt der Studie bildete eine tödliche Listeriose bei Mastschweinen in einem Schweineproduktionsbetrieb in Niederösterreich, der in Verbindung mit einer integrierten Masteinheit mit Platz für 450 Schweine geführt wird. Als klinische Symptome wurden bei etwa 10 % der Mastschweine Anorexie, blutige Durchfälle und eine erhöhte Körpertemperatur bis zu 40° Celsius beobachtet, meistens bei gut gefütterten Tieren von 40–100 kg Körpergewicht. Insgesamt starben 35 Mastschweine in einem Zeitraum von etwa 3 Wochen.

Wie im Krimi: Nachweisführung mittels DNA-Abgleich
Zur genauen Diagnostik wurden zwei Mastschweine mit klinischen Symptomen sowie Proben der verfütterten Maissilage untersucht. Molekularbiologisch idente L. monocytogenes-Stämme wurden dabei aus Proben der Schweine und in der Maissilage isoliert. Außerdem wurde in der Maissilage ein hoher Gehalt an Deoxynivalenol gefunden. Bei Deoxynivalenol handelt es sich um ein Schimmelpilzgift, das als Stoffwechselprodukt vor allem auf befallenem Getreide vorkommt und das Immunsystem negativ beeinflussen kann. „Die Fütterung von mit Listerien kontaminierter Maissilage, welche bei schlechter Silierung darin überleben, führte höchstwahrscheinlich zu einer Infektion der Mastschweine“, so Erstautor Heiko Stein.

Silieren unter Luftausschluss schützt zuverlässig
Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter konnten mit ihrer Studie zeigen, dass L. monocytogenes bei Mastschweinen klinische Erkrankungen verursachen kann, die möglicherweise auf eine Immunsuppression aufgrund einer hohen Deoxynivalenol-Exposition zurückzuführen sind. Stein formuliert deshalb folgenden Appell: „Beim Füttern von Silage ist es wichtig, dass alle Silierverfahren unter geeigneten anaeroben Bedingungen durchgeführt werden, um das Listerienwachstum zu unterdrücken.“

Wichtige neue Erkenntnisse für die Lebensmittelsicherheit
Listerien sind stäbchenförmige Bakterien, die vielerorts in der Natur vorkommen. Die meisten sind unschädlich für den Menschen, die Art L. monocytogenes ist jedoch für Mensch und Tier alles andere als harmlos. Eine durch diese Bakterien verursachte Infektion kann beim Menschen schweren Durchfall und Gehirnhautentzündungen verursachen und sogar zum Tod führen.

Bei Rinder und Schafen ist bekannt, dass es beim Verfüttern von Silage schlechter Qualität zur Übertragung von L. monocytogenes kommen kann, welche zu Gehirnhautentzündungen oder blutigen Durchfällen führen kann. In der wissenschaftlichen Literatur haben sich jedoch bislang nur wenige ältere Fallberichte mit der Übertragung von L. monocytogenes in Schweineherden befasst, obwohl die Kontamination von Schweinefleisch mit L. monocytogenes auch für die öffentliche Gesundheit von großer Bedeutung ist.

„Wenn blutiger Durchfall in Kombination mit einer erhöhten Sterblichkeit bei Mastschweinen auftritt, sollte L. monocytogenes deshalb in die Liste der Differentialdiagnosen aufgenommen werden, insbesondere wenn Silage Teil der Fütterung ist. Da in unserem Fall therapeutische und prophylaktische Maßnahmen zu einer raschen Genesung der erkrankten Tiere führten, ist eine umgehende antimikrobielle Therapie angezeigt. Dadurch lassen sich eine weitere Ausscheidung von L. monocytogenes über Kot und weitere Todesfälle vermeiden“, so Stein abschließend.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Afrikanische Schweinepest: Im Krisenfall alles dokumentieren #HANSA2019

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Erfolgt tatsächlich ein Nachweis der ASP in Deutschland, sind die Maßnahmen abhängig davon, ob der Nachweis in einem Wild- oder einem Hausschwein erfolgte. ASP beim Hausschwein führt zu einem Sperrbezirk (mind. 3 km um das Gehöft) und einem Beobachtungsgebiet (mind. 10 km um das Gehöft). Es kann darüber hinaus ein „Stand Still“ für jegliche Tierbewegungen veranlasst werden. Auf jeden Fall wäre allein der Sperrbezirk eine mittlere Katastrophe für die betroffenen Betriebe, denn die Sperrung würde frühestens 45 Tage nach Abnahme der Grobreinigung und Vordesinfektion des Seuchenbetriebes und nach klinischen und serologischen Untersuchungen der Schweine aller Betriebe im Sperrbezirk mit negativem Ergebnis aufgehoben werden. Wird ASP nur bei einem Wildschwein nachgewiesen, wird um die Abschuss- oder Fundstelle ein ca. 15 km großes gefährdetes Gebiet und darum noch eine Pufferzone eingerichtet. In dem gefährdeten Gebiet ergeben sich dann Verbringungsbeschränkungen auch für Hausschweine. Das Gebiet kann frühestens 6 Monate nach dem letzten Virusnachweis bei Wildschweinen wieder aufgehoben werden. Dr. Martina Oetjen, Westfleisch, riet den Anwesenden auf der Schweinefachtagung des HANSA Landhandel, sich mit diesen Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen, damit im Ernstfall schnell klar sei, womit man es zu tun hat. „Außerdem ist die Dokumentation jeglicher Handlungen und Maßnahmen im Krisenfall sehr wichtig. Schreiben Sie alles auf, was Sie von wem gesagt bekommen haben und was Sie tun, damit Sie sich auch später noch daran erinnern. Und falls nicht schon geschehen, bringen Sie Ihre Bürounterlagen auf den neuesten Stand. Und melden Sie die Viehverkehrs-Verordnungs-Nummer oder kurz VVVO-Nummer Ihrer Ställe korrekt, damit die Aufsichtsbehörden im Ernstfall schnell einen Überblick über Ihren Betrieb erhalten und schnell Entscheidungen treffen können“, empfahl Frau Dr. Oetjen.

Dr. Heike Engels

Meilenstein in der Tiergesundheit: Boehringer Ingelheim impft mehr als 100 Milliarden Hühner gegen zwei bedeutende Virusinfektionen

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Boehringer Ingelheim feiert einen bedeutenden Meilenstein: 100 Milliarden Hühner wurden weltweit seit 2006 mit einem Hühnerimpfstoff geimpft, der gegen zwei bedeutende immunsuppressive Krankheiten schützt: die auch unter dem Namen Gumboro-Krankheit bekannte Infektiöse Bursitits (IBD) sowie die Marek-Krankheit.

IBD ist eine hochansteckende, zu einer Immunsuppression führende Virusinfektion, die Marek-Krankheit ist eine Tumore und Läsionen verursachende Infektion mit dem Herpesvirus. Der Geflügelimpfstoff hilft den Vögeln, eine robuste Immunabwehr aufzubauen. Dies führt zu einer besseren Gesundheit und höheren Leistung des Bestands.

Der Geflügelimpfstoff von Boehringer Ingelheim war der erste für Geflügel eingeführte Vektorimpfstoff. Es handelt sich um einen HVT-Vektorimpfstoff, der das Gen des immunogenen Proteins des IBD-Virus (VP2) in sich trägt.

Der Impfstoff wurde im Jahr 2006 in Brasilien und anschließend in Europa, den USA, Lateinamerika, China sowie vielen Ländern in Asien, im Nahen Osten und in Afrika eingeführt. Aktuell ist er in mehr als 75 Ländern zugelassen.

Boehringer Ingelheim
Die Gesundheit und die Lebensqualität von Patienten zu verbessern, ist das Ziel des forschenden Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Der Fokus liegt auf Erkrankungen, für die es bislang noch keine zufriedenstellende Behandlungsmöglichkeit gibt. Dabei konzentriert sich das Unternehmen darauf, innovative Therapien zu entwickeln, die das Leben der Patienten verlängern können. In der Tiergesundheit steht Boehringer Ingelheim für fortschrittliche Prävention.

Seit der Gründung im Jahre 1885 in Familienbesitz, zählt Boehringer Ingelheim heute zu den 20 führenden Unternehmen der Branche. Für die drei Geschäftsbereiche Humanpharmazeutika, Tiergesundheit und Biopharmazeutika schaffen rund 50.000 Mitarbeiter tagtäglich Werte durch Innovation. Im Jahr 2017 erwirtschaftete Boehringer Ingelheim Umsatzerlöse von knapp 18,1 Milliarden Euro. Die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung entsprechen mit mehr als drei Milliarden Euro 17,0 Prozent der Umsatzerlöse.

Als Familienunternehmen plant Boehringer Ingelheim in Generationen und zielt auf langfristigen Erfolg ab. Dafür strebt das Unternehmen primär organisches Wachstum aus eigener Kraft an bei gleichzeitiger Offenheit für Partnerschaften und strategische Allianzen in der Forschung. Bei allen Aktivitäten ist es für Boehringer Ingelheim selbstverständlich, Verantwortung für Mensch und Umwelt zu übernehmen.

Weitere Informationen zu Boehringer Ingelheim finden Sie unter www.boehringer-ingelheim.de und in unserem Unternehmensbericht.

Boehringer Ingelheim im Bereich Tiergesundheit
Boehringer Ingelheim ist das zweitgrößte Unternehmen im Bereich der Tiergesundheit weltweit. Wir bieten ein umfangreiches Portfolio an innovativen, präventiven Produkten und Dienstleistungen, um damit das Wohlergehen von Tieren zu verbessern. Mit einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro und weltweit rund 10.000 Mitarbeitern in diesem Unternehmensbereich sind wir in mehr als 150 Märkten aktiv.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Afrikanische Schweinepest breitet sich aus: Für Menschen ungefährlich #HANSA 2019

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Wie sich ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wild- und Hauschweinen auf die deutsche Schweinefleischproduktion auswirken würde, darüber informierte Dr. Martina Oetjen, Leiterin Konzernqualität und Veterinärwesen bei Westfleisch, kürzlich auf der Schweinefachtagung des HANSA Landhandels. „Die ASP ist von Osteuropa nun nach Belgien gelangt. Niemand hätte geglaubt, dass sie Deutschland „überspringen“ würde. Mir ist es ganz wichtig zu betonen, dass die ASP völlig ungefährlich für den Menschen ist und dass sich das Virus an sich anders als bei der klassischen Schweinepest (KSP) auch überhaupt nicht schnell verbreitet. Man müsste als Landwirt schon selber aktiv werden, um das Virus von Stall zu Stall zu bringen“, so Frau Dr. Oetjen. Die ASP sei trotzdem ein harter Gegner, da es derzeit noch keine Impfung gibt, je nach Virulenz des Virus die Letalität über 90 % beträgt und das Virus extrem überlebensfähig ist. Es überlebt z.B. bis 11 Tage in Kot, über 150 Tage in gekühltem Fleisch, bis zu 6 Monate in konservierten Schinken, bis zu 10 Wochen in Blut und mehrere Jahre in tiefgefrorenen Schlachtkörpern. Dementsprechend vielfältig sind die Einschleppungswege: Kontakt von Tier zu Tier, aber auch über Vektoren wie z.B. Jagdhunde oder Jagdmesser sowie auch über Räucherware. Der Krankheitsverlauf ist eher unspezifisch: er beginnt mit hohem Fieber und Abgeschlagenheit, die Haut verfärbt sich später rot/blau und nach 7 bis 10 Tagen tritt der Tod ein. Überlebt ein Tier die ASP, ist es ein lebenslanger Virusträger.

Handelsproblem durch ASP
Das größte Problem mit der ASP in Deutschland sei die Vermarktung der Schweine, so Dr. Oetjen. Ein sofortiger Exportstopp in alle Drittländer wäre die Folge für mindestens 12 Monate. Drittland ist u.a. vor allem China, das viele Nebenprodukte wie Schnauzen, Ohren, Pfoten und Knochen abnimmt. Der Grund liege in Veterinärzertifikaten, die für jede Fleischlieferung ausgestellt werden müssen. China verlange eine mindestens 12-monatige Freiheit von ASP bei Wild- und Hausschweinen, KSP sowie AK bei Hausschweinen inklusive jeglicher Impfungen dagegen. Um die Vermarktung der Schweine sicherzustellen, seien viele Gespräche mit dem Handel und den Handelsländern nötig, um Aufklärungsarbeit zu betreiben. Um gut vorbereitet zu sein, haben Fachleute gemeinsam mit dem Verband der Fleischwirtschaft, dem Landwirtschaftsministerium von NRW sowie dem LAVES in Niedersachsen ein Krisenhandbuch für Schlachthöfe und auch für Landwirte erarbeitet. In diesen Krisenhandbüchern ist genau beschrieben, welche Maßnahmen bei einem ASP-Ausbruch ergriffen werden müssen.

Dr. Heike Engels

„So können wir nicht mit Tieren umgehen!“

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Die BTK konstituiert Arbeitsgruppe „Qualzucht bei Nutztieren“

Am 30. Januar 2019 wird die Bundestierärztekammer (BTK) die neue Arbeitsgruppe (AG) „Qualzucht bei Nutztieren“ konstituieren. Daran beteiligt sind neben der BTK, der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT). Diese Verbände arbeiten schon seit 2015 sehr erfolgreich in der AG „Qualzucht“ zusammen, die sich bisher dem Kleintier-/ Heimtierbereich gewidmet hat. Doch nicht nur Kleintieren können durch übertriebene Zuchtziele Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden, auch Nutztiere leiden unter einer Reihe von Produktionskrankheiten, die durch die gezüchtete Leistungssteigerung begünstigt werden. Die wirtschaftlich wichtigen Körperfunktionen, z. B. die Milchleistung, werden dabei so stark optimiert, dass die extreme körperliche Belastung in vielen Fällen die Lebensdauer der Nutztiere verkürzt.

Bei der Pressekonferenz „Qualzucht bei Nutztieren?“ der BTK am 22.01.2019 anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin, haben der BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann, die Präsidentin der Tierärztekammer Berlin, Dr. Heidemarie Ratsch, Prof. Dr. Holger Martens vom Institut für Veterinär-Physiologie der Freien Universität (FU) Berlin und der Vorsitzende des BTK-Ausschusses für Tierschutz, Prof. Dr. Thomas Richter, ausführlich über die Qualzucht-Thematik bei Nutztieren informiert.

„Als Qualzucht bezeichnet man bei der Züchtung von Tieren die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind. Dies ist nach § 11b Tierschutzgesetz in Deutschland verboten. Mängel in Haltung, Fütterung und Management können die züchtungsbedingten Probleme auslösen oder verstärken“, erläutert Dr. Tiedemann.

„Die deutschen Tierärzte sind durch ihre Berufsordnung und durch ihren Ethik-Kodex verpflichtet, zur Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere beizutragen. Insbesondere lehnen wir alle Maßnahmen ab, durch die Tiere Leistungen erbringen sollen, die ihre physische oder psychische Anpassungsfähigkeit überfordern oder die negative Konsequenzen für ihre Gesundheit und/oder ihr Wohlbefinden haben“, erklärt Dr. Ratsch. Auf die stark optimierte Leistung der Milchkühe und der damit verbundenen Zunahme an Produktionskrankheiten ging Prof. Martens ein.

„Laktationsleistungen von 8.000 kg, 10.000 kg, 12.000 kg oder mehr sind nicht ungewöhnlich. Als Folge dieser extremen Leistungssteigerung leiden die Tiere beispielsweise unter Gebärparese, Labmagenverlagerung, Nachgeburtsverhaltungen, Gebärmutterentzündungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Stoffwechselstörungen wie Fettleber und Ketose, Euterentzündungen und Klauenerkrankungen“, mahnt Prof. Martens. „So können wir nicht mit Tieren umgehen“, appelliert der Veterinär-Physiologe.

Neben den Kühen zählt der Professor auch die betroffenen Landwirte zu den Leidtragenden, die unfreiwillig in diese Situation geraten sind. Die Zucht landwirtschaftlicher Nutztiere hat als wichtigstes Ziel die wirtschaftlich wichtigen Körperfunktionen zu optimieren. „Beim Schwein sind das die Anzahl der Ferkel je Muttersau und Wurf bzw. Jahr, die Anzahl der Geburten im Leben jeder Muttersau und die tägliche Zunahme beim Mastschwein. Jede dieser Körperfunktionen kann zu tierschutzrelevanten Schäden führen, wenn die Zucht zu einseitig auf Leistungsparameter ausgelegt wird“, sagt der Vorsitzende des BTK-Ausschusses für Tierschutz. So lässt sich z. B. durch einen frühen Absetztermin die Zahl der pro Sau und Jahr geborenen Ferkel steigern. Doch dadurch folgen die Geburten zu schnell aufeinander, was eine Überlastung der Sau und eine geringere Lebenserwartung zur Folge haben kann. „Laut Tierschutznutztierhaltungsverordnung dürfen Saugferkel unter 3 Wochen nur abgesetzt werden, wenn es zum Schutz vor Schmerzen, Leiden oder Schäden erforderlich ist. Wird also routinemäßig ein künstliches Ammensystem verwendet, weil die Sau nicht alle Ferkel versorgen kann, ist damit implizit zugestanden, dass der Qualzuchtparagraph erfüllt ist“, erläutert Prof. Richter.

Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung zum Thema Qualzucht müssen kontinuierlich verfolgt und weiter ausgebaut werden. Dieses Ziel verfolgt die BTK u. a. mit der AG „Qualzucht“ schon seit Jahren und erweitert die wichtige Arbeit mit der neu gegründeten AG „Qualzucht bei Nutztieren“ ab Ende Januar.

Quelle: Bundestierärztekammer

Fütterungsversuch mit Roggen: Salmonellen und Skatol gesenkt #HANSA2019

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Roggen geriet ein wenig in Vergessenheit, aber angesichts der Debatte um mehr Tierwohl und eine darmgesunde Fütterung erinnert man sich an die guten Eigenschaften des Roggens. Um die Effekte des Roggens in der Schweinefütterung in der Praxis zu testen, führt KWS Lochow gemeinsam mit der Viehvermarktung Walsrode e.G. seit 2017 einen Versuch durch. Er umfasst 18 Schweinemastbetriebe mit rund 67.000 Tieren, darunter knapp 46.000 Eber. Die Betriebe veränderten nichts, außer dass das Futter gröber vermahlen wurde (max. 20 % <0,25 mm) und dass insgesamt mehr Roggen gefüttert wurde bis hin zu 40 % Roggen und 25 % Gerste in der Endmast. Im Ergebnis sind die Salmonellenbefundraten der Betriebe deutlich gesunken (von 14,6 % im 1. Quartal 2017 auf 10,3 % im 4. Quartal 2017), das entspricht einer Reduktion von ca. 30 %. Und auch bei der Anzahl geruchsauffälliger Eber am Schlachtband gab es einen positiven Effekt: Sie sank von anfangs über 2.000 geruchsauffälligen Tieren auf null. „Die Feldstudie läuft noch bis Sommer 2019, um weitere Daten zu erhalten. Zusätzlich haben wir im Sommer 2018 vom BLE die Bewilligung für das „6R“- Forschungsprojekt erhalten. Mit den Tierernährern der Universitäten Hannover, Berlin und Bonn wollen wir den Effekt des Roggens noch besser untersuchen“, so Dr. Andreas von Felde, KWS Lochow, auf der Schweinefachtagung von HANSA Landhandel.

Dr. Thomas Glindemann vom HANSA Landhandel wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass der HANSA Landhandel schon immer einen höheren Anteil an Roggen im Mastfutter hat. Mit dem Spezialfutter Duroc-Mast und Acid-Futter gegen Salmonellen ist eine wirtschaftliche Mast bei gleichzeitiger Salmonellenvorbeugung möglich. Besonders in Stresssituationen wie beim Einstallen oder Umstallen könne das Acid-Futter bei der Salmonellenprophylaxe helfen.

Dr. Heike Engels

Revolution im Bienenstock: Forscher entdecken Gen, das Bienen zu Sozialparasiten werden lässt

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Eine kleine Veränderung im Erbgut der südafrikanischen Kapbiene macht aus den sozial organisierten Tieren kämpferische Parasiten. Sie sorgt dafür, dass die eigentlich unfruchtbaren Arbeiterbienen damit beginnen, selbst Eier zu legen und andere Völker zu bekämpfen. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“ beschreibt ein internationales Forscherteam unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstmals die genetischen Grundlagen für dieses seltene Phänomen.

Bienen sind soziale Insekten, die in großen Völkern mit einer ausgeprägten Sozialstruktur zusammen leben. Innerhalb eines Bienenstaats sind die Rollen klar verteilt: Es gibt neben den männlichen Drohnen zahlreiche unfruchtbare weibliche Arbeiterbienen, die sich um die Nestpflege kümmern und die Königin versorgen. Letztere ist als einziges Tier für den Nachwuchs des gesamten Volks zuständig – aus ihren unbefruchteten Eiern entwickeln sich die männlichen Drohnen und aus den befruchteten die weiblichen Bienen. Neue Königinnen werden erst dann herangezogen, wenn sich das Volk teilt, die bisherige Königin gestorben ist oder sie aus Altersgründen nicht mehr in der Lage ist, für neue Nachkommen zu sorgen.

Anders ist das bei der südafrikanischen Kapbiene. Einige ihrer Arbeiterbienen sind dazu in der Lage, aus unbefruchteten Eizellen weibliche Nachkommen zu zeugen. Nachdem die Tiere ihr eigenes Volk großgezogen haben, beginnen die falschen Königinnen damit, fremde, aber nahverwandte Bienenvölker anzugreifen und deren Stock letztlich zu übernehmen. Erstmals wurde das Verhalten in den 1990er Jahren von Imkern beobachtet, die versucht hatten, die Kapbiene in einer Region Südafrikas anzusiedeln, in der eine andere Honigbienen-Unterart lebte.

„Das Phänomen, dass Arbeiterbienen voll entwickelte Eierstöcke haben und ihren eigenen Nachwuchs aus unbefruchteten Eiern produzieren können, kommt hin und wieder vor und wird Parthenogenese, oder auch Jungfernzeugung, genannt“, erklärt der Biologe Dr. Eckart Stolle, der die Studie gemeinsam mit Dr. Denise Aumer und Prof. Dr. Robin Moritz am Institut für Biologie der MLU durchgeführt hat. Anders als bei normalen Honigbienen schlüpfen bei Kapbienen aus den unbefruchteten Eiern aber Weibchen – nicht wie normalerweise Drohnen. Dieses Phänomen ist als Thelytokie bekannt. „Das Syndrom ist zwar ungewöhnlich, ergibt aber evolutionär gesehen Sinn: Wenn eine Königin plötzlich stirbt, ermöglicht dieser Prozess es, das Bienenvolk zu retten“, ergänzt Aumer.

Seit mehreren Jahren suchen Wissenschaftler nach den genetischen Grundlagen für die Thelytokie und den Gründen, warum nicht alle Bienen darüber verfügen. Die halleschen Biologen sind diesem Prozess nun auf die Schliche gekommen: Sie verglichen das Erbgut von Kapbienen, die entweder den parasitären oder den normalen Nachwuchs hervorbringen. So fanden die Wissenschaftler ein spezielles Gen, das für die Entwicklung des parasitären Nachwuchses zuständig ist. Eine winzig kleine Variation im Code dieses Gens sorgt dafür, dass die Thelytokie in Gang gesetzt wird.

Außerdem konnten die Forscher zeigen, dass dieses Merkmal dominant vererbt wird. „Eigentlich müsste das zur Folge haben, dass im Laufe der Zeit immer mehr Bienenvölker darüber verfügen. Das ist aber nicht der Fall. Offenbar ist der zugrundeliegende Mechanismus komplexer“, so Stolle weiter. Die Forscher vermuten, dass das Thelytokie-Gen nur in Kombination mit der normalen Variante funktioniert oder dass eine Dopplung der Gene sogar tödlich für die Tiere sein kann. Bisher ist die Thelytokie nur von einigen Tieren bekannt, darunter mehrere global invasive Ameisenarten. Die Arbeit der halleschen Forscher liefert nun einen weiteren Baustein zum grundlegenden Verständnis dieses Phänomens.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Viele Ballaststoffe, weniger Magengeschwüre: Roggen erlebt Renaissance in Schweine-Ernährung #HANSA2019

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Von Dr. Heike Engels

„Derzeit erlebt der Roggen eine Renaissance, weil er sehr gute Eigenschaften hat. Er enthält viele Ballaststoffe, sorgt damit für eine gute Sättigung und ist anbautechnisch vergleichsweise einfach, denn er benötigt wenig Wasser bei guter Wurzelbildung und auch nur wenig Pflanzenschutzmaßnahmen“, so Dr. Andreas von Felde, Leiter des Produktmanagements bei KWS Lochow GmbH auf der Schweinefachtagung des HANSA Landhandel. Diese findet traditionell gleich zu Beginn eines neuen Jahres statt.

Roggen werde derzeit zu 66 % als Tierfutter genutzt, nur zu 15 % für die menschliche Ernährung und zu 15 % für die Energieerzeugung in Form von Biogas und Bioethanol. Früher war Roggen aufgrund seiner guten physiologischen Eigenschaften ein wichtiger Bestandteil in der menschlichen Ernährung, aber da die Mehlfarbe leicht gräulich sei, habe sich die Lebensmittelindustrie vom Roggen abgewendet.

Ein großes Problem in der Schweinernährung sind Magengeschwüre aufgrund von Fehlernährung und Stress. Der pH-Wert des gesunden Magens unterliegt einer Schichtung: vorne am Mageneingang, auch Pförtner genannt, ist der pH-Wert mit 6 oder 7 eher höher, weiter hinten Richtung Dünndarmausgang sinkt der pH-Wert ab auf den Wert 3 oder gar 2. Dieses Phänomen nennt man Magenschichtung. Verursacht wird dies durch die Abbauprodukte des Futters: Fein vermahlenes Futter lässt schon am Mageneingang saure pH-Werte entstehen. Eine grobe und ballaststoffreiche Futterstruktur wie es der Roggen aufweist kann hier entgegen wirken. Dies liegt an seiner Eigenschaft, erst im Dickdarm mit seinen Ballaststoffen so richtig verdaut zu werden. Dies führe zu der gewünschten langanhaltenden Sättigung.

Ganz wichtig: Durch den Abbau von Roggen erst im Dickdarm entsteht aus Fruktanen Buttersäure (Butyrat), welche positiv auf die Mikroorganismenzusammensetzung des Darms wirkt. Salmonellen etwa erkennen Butyrat und werden gehemmt. Die langanhaltende Darmfüllung sowie das Butyrat haben zudem positive Effekte auf das Verhalten, die Tiere werden ruhiger, eben auch, weil sie länger satt sind. Der Blutzuckerspiegel bleibt stabil. Durch eine gute Verdauung bleibt die Darmschleimhaut gesünder und hat weniger Abschilferungen. Das wirkt sich positiv auf den Ebergeruch aus, denn aus den Abschilfer-ungen der Darmschleimhaut entsteht Tryptophan, welches zu Skatol umgewandelt wird, dem typischen Ebergeruch. „Von allen Getreidearten hat Roggen den höchsten Gehalt an Fruktanen (3,6 bis 6,4 % in der Trockenmasse). Außerdem sind neueste Züchtungen der KWS nur noch wenig anfällig gegen Mutterkorn“, hebt Dr. von Felde die Vorteile des Roggens hervor.

Kaltes Plasma gegen Krankenhauskeime

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Forscherteam prüft neues Verfahren, um multiresistente Bakterien auf Oberflächen abzutöten.
Bakterien, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent sind, gefährden die Gesundheit von Menschen und Tieren. Besonders in Krankenhäusern sind sie für geschwächte Patienten ein großes Problem. Forscherinnen und Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der terraplasma GmbH und des Robert Koch-Instituts prüften daher eine neue Methode, um multiresistente Bakterien auf Edelstahloberflächen abzu-töten. Sie setzten dafür kaltes atmosphärisches Plasma ein – ein Gas mit antimikrobieller Wirkung, das geladene Teilchen enthält. Bereits nach fünf Minuten konnten sie so die Bakterienzahlen um bis zu 85 Prozent reduzieren. Die Ergebnisse ihrer Studie erschienen im Fachmagazin International Journal of Antimicrobial Agents.

Tot, lebendig und geschädigt
Für die aktuelle Studie kontaminierten die TiHo-Forscherinnen Edelstahlplättchen mit verschiedenen Bakterienspezies. In Krankenhäusern und lebensmittelverarbeitenden Betrieben bestehen viele Oberflächen und Arbeitsgeräte aus Edelstahl. Die kontaminierten Platten behandelten sie bis zu zwanzig Minuten lang mit kaltem Plasma. „Wir untersuchten zunächst verschiedene multiresistente Erreger, die häufig in Krankenhäusern vorkommen“, so Dr. Birte Ahlfeld, Leiterin der Arbeitsgruppe Lebensmittelmikrobiologie des Instituts für Lebensmittelqualität und -sicherheit der TiHo. Dazu gehören unter anderem Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) oder Extended-Spektrum beta-Laktamasen bildende Escherichia coli (ESBL). „In einer weiteren Versuchsreihe setzten wir Yersinia enterocolitica ein. Dieses Bakterium kann in rohem Schweinefleisch vorkommen und Magen-Darm-Beschwerden beim Menschen auslösen.“ Das Ergebnis: Bereits nach fünf Minuten tötete das antimikrobielle Gas bis zu 85 Prozent der Bakterien. Nach 20 Minuten lebten teilweise nur noch 2,8 Prozent. Dabei beobachteten die Forscherinnen und Forscher, dass Bakterienarten mit einer dicken Zellwand und kleiner Zelloberfläche eher überlebten. „Diese Merkmale scheinen den Effekt des kalten Plasmas abschwächen zu können“, erklärt Ahlfeld.

Erschwerte Bedingungen
Unter realen Bedingungen kommen Bakterien meist in eiweißhaltigen Sekret-, Blut- oder Fleischresten auf Oberflächen vor. Daher versetzten die Wissenschaftlerinnen die Bakterienkulturen in einer weiteren Versuchsreihe mit Eiweißen, bevor sie sie mit kaltem Plasma behandelten. „Wir konnten zeigen, dass das kalte Plasma dadurch bei einigen Bakterienarten weniger wirksam war. Vermutlich legen sich die Eiweiße um die Bakterien-zellen und schützen sie so vor den geladenen Teilchen“, erklärt Dr. Karolina Lis aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit. Ahlfeld ergänzt: „Es ist daher sehr wichtig, die Oberflächen regelmäßig zu reinigen, damit das kalte Plasma gut wirken kann.“

Wie entsteht kaltes Plasma?
Plasma entsteht, wenn einem Gas ausreichend Energie zugeführt wird – beispielsweise über ein elektrisches Feld. Dabei bilden sich geladene Teilchen, die mit den Zellmembranen und dem Erbgut von Bakterien reagieren und sie so zerstören können. Die terraplasma GmbH, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching, ist auf kaltes Plasma spezialisiert, das sich bereits unter Atmosphärendruck bildet und Zimmertemperatur hat. Da Raumluft als Arbeitsgas dient, ist das Verfahren relativ kostengünstig. Zudem ist es umweltfreundlich, da die Plasmaproduktion keinen Abfall erzeugt.

Fazit
Bevor das Verfahren in einem größeren Maßstab eingesetzt werden kann, sind weitere Untersuchungen nötig: „Wir möchten ein Behandlungsprotokoll entwickeln, das die Bakterienzahlen unter die Nachweisgrenze senkt und prüfen, ob sich das Verfahren auch für andere Oberflächen, beispielsweise aus Kunststoff, eignet“, sagt Lis. Die Wissen-schaftlerinnen vermuten, dass kaltes Plasma prinzipiell bei vielen empfindlichen Materialien anwendbar ist, bei denen weder hohe Temperaturen noch scharfe Desinfektionsmittel eingesetzt werden können. „Vielleicht sogar an vielen weiteren Stellen, an denen ein hoher Keimdruck herrscht, wie auf den Griffen öffentlicher Verkehrsmittel oder den Handläufen von Treppen.“

Die Originalpublikation (Link)
Inactivation of multidrug-resistant pathogens and Yersinia enterocolitica with cold atmospheric-pressure plasma on stainless-steel surfaces
Karolina A. Lis, Corinna Kehrenberg, Annika Boulaaba, Maren von Köckritz-Blickwede, Sylvia Binder, Yangfang Li, Julia L. Zimmermann, Yvonne Pfeifer, Birte Ahlfeld (2018)
International Journal of Antimicrobial Agents, DOI: 10.1016/j.ijantimicag.2018.08.023

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Beschäftigung im Fokus der Geflügelhaltung

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Dr. Birgit Spindler, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Geflügel ist ständig in Bewegung: Es pickt, es scharrt, es wandert herum. Dazu sind die Tiere neugierig und brauchen äußere Reize und Beschäftigung. Eine artgerechten Haltung sollte dieses Verhalten ermöglichen. Tut sie es nicht, treten die bekannten Verhaltensprobleme wie Federpicken und Kannibalismus auf. Das muss nicht sein!

In der Nutzgeflügelhaltung spielt der Zugang zu Beschäftigungsmaterialien für eine verhaltensgerechte Unterbringung mit Befriedigung des Erkundungs- und Nahrungsaufnahmeverhaltens eine entscheidende Rolle. Schaut man sich das Verhalten des von uns gehaltenen Nutzgeflügels an, so wird schnell ersichtlich, dass die Tiere den Großteils des Tages damit beschäftigt sind, ihre Haltungsumwelt mit dem Schnabel zu erkunden, immer auf der Suche nach interessanten Objekten, die der Nahrungsaufnahme dienen. Es wird gepickt, gescharrt und dabei eine nicht unerhebliche Strecke im Haltungssystem zurückgelegt. Kann diesem Verhalten nicht hinreichend Rechnung getragen werden, kann es gerade bei Jung- und Legehennen aber auch bei Puten dazu kommen, dass die eignen Artgenossen in den Fokus geraten, sie werden bepickt, das Federkleid leidet und nicht selten kommt es auch zu blutigen Verletzungen mit weitreichenden Folgen.

Zu einer verhaltensgerechten Unterbringung gehört demnach dazu, die Haltungsumwelt derart interessant zu gestalten, dass die Tiere die Möglichkeit haben ihr Umfeld langanhaltend zu Erkunden und ihre arteigene Futtersuch- und Nahrungsaufnahme hinreichend auszuüben. Nicht zuletzt kann so das Risiko des Auftretens von Verhaltensstörungen entgegengewirkt werden.

Beschäftigung durch Auslauf und Einstreu
Generell bietet der Zugang zu einem gut strukturierten Auslauf eine besonders gute Möglichkeit, die Tiere langanhaltend zu beschäftigen, vorausgesetzt dieser verfügt über eine sinnvolle Strukturierung, die den Tieren entgegen kommt. Nur so ist eine zufriedenstellende Nutzung durch die Tiere gegeben. In den Ställen – gerade wenn kein Zugang zum Freiland besteht – ist ein Angebot von Beschäftigungsmöglichkeiten unter allen Umständen erforderlich, um den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden.
Generell sollte das eingesetzte Beschäftigungsmaterial mit dem Schnabel manipulierbar, also veränderbar sein. Fressbare, organische Materialien bieten sich hier besonders an. Bei der Auswahl ist aber auch darauf zu achten, dass keine hygienischen und futtermittelrechtlichen Bedenken gegen den Einsatz sprechen.

Vorausgesetzt die Pflege und das Management stimmen, bildet eine lockere und trockene Einstreu eine hervorragende Basis einer verhaltensgerechten Unterbringung. Das üblicherweise flächendeckend zur Verfügung stehende Einstreumaterial regt dann zum Picken, Scharren und Staubbaden an – die Tiere sind in weiten Teilen des Stalles langanhaltend beschäftigt.

Neben der Einstreu sollte Geflügel dauerhaft weitere Materialien zur Beschäftigung angeboten werden.


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Neues GeflügelMobil ermöglicht 360-Grad-Blick in den Stall

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Was macht eine blaue Jeans im Putenstall? Welche Bedeutung hat die Einstreu für das Wohlergehen der Hähnchen? Und wo legen Hennen eigentlich ihre Eier ab? Das gemeinsam vom Forum Moderne Landwirtschaft, dem Stallausrüster Big Dutchman und dem ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. neu entwickelte GeflügelMobil gibt Verbrauchern genau darauf Antworten und viele weitere Einblicke in die Geflügelhaltung von heute. Auf dem ErlebnisBauernhof der heute beginnenden Internationalen Grünen Woche (IGW) wird das GeflügelMobil erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das Besondere daran: In 360-Grad-Videos laden drei Geflügelhalter zu einem Streifzug durch ihre Hähnchen-, Puten- und Legehennenställe ein und öffnen für Verbraucher den individuellen Rundumblick im Stall.

Das GeflügelMobil verbindet dabei echte Gegenstände aus den Ställen mit digitalen Einblicken in die Haltung: Die Tour beginnt zunächst „offline“ mit drei typischen Gegenständen aus Geflügelställen zum Anfassen, die den Verbraucher neugierig machen sollen – einer blauen Jeans, einem Eimer mit Einstreu und einem Nest zur Eiablage. Was um alles in der Welt eine Jeans im Geflügelstall macht? Möchte der Verbraucher das herausfinden, kann er mittels 3D-Brille und Tablet diese Gegenstände scannen und so auf eine digitale 360-Grad-Entdeckungstour durch die Geflügelställe gehen. Aus drei unterschiedlichen Perspektiven – Landwirt, Industrie und Verbraucher – erhält er kompaktes Wissen zur Hähnchen-, Puten- und Legehennenhaltung. Und dabei erfährt der Verbraucher auch, dass Puten neugierige Tiere sind und so zum Beispiel auch Alltagsgegenstände, wie eben eine blaue Jeans, als Beschäftigungsmaterialien für Abwechslung im Stall sorgen.

„Jeder Verbraucher sollte wissen, wie die Geflügelhaltung von heute aussieht!“, verdeutlicht Stefan Teepker, Hähnchenhalter aus Niedersachsen, stellv. Vorsitzender des Bundesverbandes bäuerliche Hähnchenerzeuger e.V. (BVH) und Gesicht des GeflügelMobils, den Transparenzgedanken hinter dem neuen GeflügelMobil. „Nicht jeder Verbraucher hat aber heutzutage die Möglichkeiten, sich vor Ort einen Stall von innen anzuschauen. Daher bringen wir den Stall mit dem GeflügelMobil eben zu den Verbrauchern.“ Ab dem Frühjahr 2019 wird das GeflügelMobil als Element der Verbraucherkommunikation des Forums Moderne Landwirtschaft auf Tour durch Deutschland gehen – auf Stadtplätzen und Wochenmärkten, bei Hof- oder Volksfesten sowie auf Messen, bspw. der Grünen Woche in Berlin.

ZDG-Stand auf der IGW: Geflügelprofis gesucht!
Wissen über Hähnchen, Pute, Ente & Co.

Wer zudem wissen möchte, ob er das Zeug zum echten Geflügelprofi hat, kann sein Wissen auf der Grünen Woche testen lassen: Was ist der Unterschied zwischen Hähnchen, Pute, Ente, Gans und Legehenne? Was fressen die Tiere? Und wie erkennt man eigentlich, ob ein Ei frisch ist? Das und noch vieles mehr gibt es vom 18. bis 27. Januar 2019 am Stand des ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. auf dem ErlebnisBauernhof in Halle 3.2 herauszufinden. Unter dem Motto „Geflügel macht Schule“ sind alle Messegäste eingeladen, verschiedene Geflügelwissen-Stationen zu absolvieren und so tiefere Einblicke in die Geflügelhaltung zu gewinnen. Ein besonderes Highlight dürften dabei die Legehennen- und Putenküken werden, die in zwei Vitrinen beobachtet werden können.

Das GeflügelMobil kann auf dem Stand des Forums Moderne Landwirtschaft auf dem ErlebnisBauernhof in Halle 3.2, Standnummer 130, erlebt werden. Am 21. Januar veranstaltet das Forum Moderne Landwirtschaft eine Presseveranstaltung zur Kommunikation mit Tiermobilen, unter anderem das GeflügelMobil.

Der ZDG-Stand auf der Grünen Woche befindet sich ebenfalls auf dem ErlebnisBauernhof in Halle 3.2, Standnummer 124.

Quelle: ZDG