Studie: Intradermale Impfung arbeitswirtschaftlich klar im Vorteil

0

In den letzten Jahren ist die intradermale Impfung auch in der Tiermedizin immer populärer geworden, weil sie arbeitswirtschaftlich interessant ist und als besonders hygienisch gilt. Bei der intradermalen Impfung wird der Impfstoff in die Haut appliziert und ruft dort die Immunantwort hervor. Es ist eine geringere Dosis nötig als bei der intramuskulären Impfung. Nun hat sich eine Studie* damit beschäftigt, ob die intradermale Impfung gegen Mykoplasmen vergleichbar ist mit der intramuskulären Applikation hinsichtlich Hautreaktion, Leistungsparameter und Tierwohl.

Hierzu wurden 672 Saugferkel aus drei Durchgängen eines Ferkelerzeugerbetriebs am 7. Lebenstag mittels One-Shot geimpft, davon 338 intradermal (Dosis: 0,2 ml) und 334 intramuskulär (Dosis: 2 ml). Hautveränderungen wurden mittels Scoring beurteilt und notiert und die Tiere vor der Impfung sowie 8 Tage später einzeln gewogen. Zusätzlich erfolgte eine Zeitmessung für jede Impfung. Die Ergebnisse waren wie folgt: Am 1. Tag nach der Impfung zeigten 71,3 % der intramuskulär geimpften Schweine und 2,7 % der intradermal geimpften Schweine KEINE Schwellung an der Impfstelle. Diese Unterschiede glichen sich in den folgenden Tagen an. Die tägliche Gewichtszunahme lag bei der intradermalen Gruppe bei 248 g und bei der intramuskulären Gruppe bei 258 g, was laut der Studie nicht signifikant war. Die intradermale Impfung benötigte je Ferkel 11 Sekunden und die intramuskuläre Impfung dauerte 17 Sekunden.

Die Experten schlussfolgern, dass die intradermale Impfung arbeitswirtschaftlich klar im Vorteil war. Sie konnten keine nachteiligen Effekte der intradermalen Impfung auf Leistungsparameter sowie keine länger andauernden Hautreaktionen beim Saugferkel nachweisen. Die stärkere Hautreaktion direkt nach der intradermalen Impfung ist das Anzeichen für die erwünschte Immunreaktion. Die Forscher empfehlen zukünftige Untersuchungen mittels Videoaufnahmen, um die Effekte auf das Wohlbefinden der Saugferkel besser prüfen zu können. Dass die intradermale Impfung positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Tiere haben kann, hat eine frühere Studie an tragenden Sauen ergeben.

*Quelle: Intradermale versus intramuskuläre Impfstoffapplikation bei Saugferkeln: Manuel Göller et al., Tierärztliche Praxis Großtier 5, 2018, S. 317-322.

MUHH: Hochschule Hannover entwickelt Modell zur Verbesserung der Eutergesundheit von Milchkühen

0

Für Milchviehbetriebe ist ein ganzheitliches und in der Praxis anwendbares Konzept zur Eutergesundheit wichtig, um die Tiergesundheit und die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungsvorhaben wurden in der jüngeren Vergangenheit die Wirksamkeiten diverser Einzelmaßnahmen analysiert. Für eine wirkliche Innovation in der Praxis fehlt jedoch die Einbindung dieser Maßnahmen in  ein Gesamtkonzept und die betriebsgerechte Aufbereitung dieses Gesamtkonzeptes.

Dank einer intensiven Kooperation der Hochschule Hannover (HsH) mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und sechs niedersächsischen Milchviehbetrieben werden diese Innovationen praxisfähig und -tauglich gemacht. Zusätzlich wird der gezielte Wissenstransfer initiiert, der für die Breitenwirkung erforderlich ist.

Ziel ist es, ein Modell für die betriebsindividuelle Implementierung eines innovativen Gesamtkonzeptes zu entwickeln: „MUHH – Make Udder Health Happen”. Dies ist ein innovatives Gesamtkonzept zur systematischen Kontrolle und Verbesserung der Eutergesundheit von Milchkühen unter gleichzeitiger Reduktion des Antibiotikaeinsatzes für betriebsindividuelle Implementierung. Das Gesamtkonzept soll die Nachhaltigkeit der Milcherzeugung unter Berücksichtigung der Tiergesundheit steigern.

Eine intensive Zusammenarbeit ist Bestandteil des Vorhabens. Unter Leitung von Prof. Dr. med. vet. habil. Volker Krömker (HsH, Fakultät II – Maschinenbau und Bioverfahrenstechnik) wird das Vorhaben modellhaft in den beteiligten Betrieben durchgeführt.

Die zentralen Säulen des Vorhabens bestehen aus:

  1. a) der kontinuierlichen Kommunikation der Projektbeteiligten,
  2. b) der kontinuierlichen Verbesserung und Anpassung des Konzepts an die betriebsindividuellen Rahmenbedingungen,
  3. c) der kontinuierlichen Multiplikation zur Verbreitung des Konzeptes in niedersächsischen und deutschen Milchviehbetrieben.

Während der Implementierung des Gesamtkonzepts ist eine Vielzahl an Aspekten zu beachten. Das Vorhaben hat eine Laufzeit von 36 Monaten und besteht aus drei Arbeitspaketen mit folgenden Meilensteinen:

  1. Die Anforderungen an ein Gesamtkonzept zur Verbesserung der Eutergesundheit, das an betriebsindividuelle Bedürfnisse anpassbar ist, werden definiert. Die Situation hinsichtlich der Eutergesundheit in den teilnehmenden Betrieben vor Einführung des Konzeptes wird erfasst.
  2. Ein Gesamtkonzept wird in den teilnehmenden Milchviehbetrieben etabliert. Die Veränderungen der Eutergesundheits- sowie der Resistenzsituation werden ermittelt.
  3. Die Erkenntnisse aus dem Vorhaben werden potenziellen zukünftigen Nutzern zugänglich gemacht. Dazu ist eine kontinuierliche Publikation der Erkenntnisse notwendig.

Quelle: Hochschule Hannover

Boehringer Ingelheim führt mit ASF COMBAT eine Plattform zur Prävention der Afrikanischen Schweinepest ein

0

• ASF COMBAT ist eine Online-Plattform zum Management und zur Biosicherheitsbewertung der Afrikanischen Schweinepest – ASP (Engl.: African Swine Fever; ASF). Sie dient dazu, das Risiko einer Verschleppung von ASP zu senken.
• Boehringer Ingelheim erweitert somit die etablierte COMBAT Plattform und wird so dem eigenen Anspruch gerecht, neue und innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen in der Tiergesundheit zu entwickeln.

Boehringer Ingelheim hat die umfassende Onlineplattform ASF COMBAT (Comprehensive Online Management and Biosecurity Assessment Tool) entwickelt, die es Schweinehaltern ermöglicht, Verbesserungsmöglichkeiten für die Biosicherheit in ihren Betrieben zu identifizieren. Hierzu müssen die Nutzer einen kurzen Fragebogen ausfüllen, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen mit dem ASP-Virus basiert. Ziel ist es, das Risiko einer Einschleppung von ASP zu senken. ASP ist eine verheerende Virusinfektion bei Schweinen, die eine schwerwiegende klinische Erkrankung und eine hohe Sterblichkeitsrate zur Folge hat. Die Krankheit ist nicht behandelbar, und derzeit sind keine wirksamen Impfstoffe dagegen verfügbar. ASP ist nicht auf den Menschen übertragbar.

Die klinische Bedeutung der Afrikanischen Schweinepest rückt allerdings in den Hintergrund, wenn man sich vergegenwärtigt, dass bei einem Eintritt des Virus in einen Hausschweinebestand umfangreiche seuchenhygienische Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diese reichen von Keulungsmaßnahmen im betroffenen Bestand und seinen Nachbarbetrieben bis hin zu umfangreichen und weiträumigen Handelsrestriktionen für Schweine und vom Schwein stammende Produkte. Die Auswirkungen auf die deutsche Schweinehaltung sowie vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche in Deutschland werden als tiefgreifend eingeschätzt. Jeder Schweinehalter tut deshalb gut daran, seine bestehenden Biosicherheitsmaßnahmen speziell in Bezug auf die ASP zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Dabei soll die ASF COMBAT App eine Hilfestellung hinsichtlich der wichtigsten Risikobereiche bieten:

• Tiere – Das ASP-Virus breitet sich durch direkten Kontakt aus. Lebende Tiere können Träger des Virus sein.
• Transport – Fahrzeuge, die infizierte Schweine transportiert haben, können ein Risiko für andere Betriebe bedeuten. Das ASP-Virus ist äußerst widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen.
• Menschen – Das Verhalten der Mitarbeiter kann das Risikoprofil des betreffenden Betriebs beeinflussen.
• Management – Tägliche Achtsamkeit auf Infektionsabwehr im Betrieb ist entscheidend dafür, ASP nicht in die Herde einzuschleppen.
• Fütterung – Das ASP-Virus kann in Küchen- und Speiseabfällen oder übriggebliebenen Essensresten, die mit infiziertem Schweine- oder Wildschweinefleisch kontaminiert sind, ansteckend bleiben.
• Lage – Das Virus kann in der Wildschweinpopulation zirkulieren. Bei entsprechender Nähe und mangelhafter Abschirmung gegen infizierte Wildschweine können diese ein Risiko darstellen, das Tierhalter ernst nehmen müssen.

Der Zweck dieser einfach anwendbaren Plattform besteht darin, die Schweinehalter bei der Identifizierung möglicher Verbesserungsbereiche zu unterstützen. Die Beratung durch einen Tierarzt oder die behördlichen Vorgaben kann und soll sie nicht ersetzen.

„Diese App ist ein weiterer Beleg dafür, dass wir uns der Prävention von Krankheiten verschrieben haben. Wir werden weiterhin innovative Lösungen und Plattformen entwickeln und anbieten, die dazu dienen, Schweinekrankheiten zu kontrollieren“, erklärt Dr. Oliver Gomez-Duran, Leiter des globalen technischen Managements in der strategischen Geschäftseinheit Schwein von Boehringer Ingelheim.

Der Zugriff auf ASF COMBAT erfolgt online unter www.prevent-ASF.com oder über die „Vetmedica App“ im Apple Store oder Google Play Store.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Einfluss von Beschäftigungsmaterial auf Leistung und Verhalten bei Jung- und Legehennen #Geflügeltagung2019

Ruben Schreiter (Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung, Kitzingen) stellte die Ergebnisse einer Studie zum Einfluss von Beschäftigungsmaterial auf Federpicken und biologische Leistung von Hennen in Bodenhaltung vor. Für die Versuche wurden Braunleger „Lohmann Brown Classic (LB)“ und Weißleger „Lohmann Selected Leghorn Classic (LSL)“ eingestallt. Die Aufzucht erfolgte bis zur 18. Lebenswoche in Volierenhaltung, bis zur 48. LW dann in Bodenhaltung.

Picksteine* und hartgepresste Luzerneblöcke wurden während der Aufzuchtphase in 50% der Abteile angeboten, in der zweiten Hälfte nicht. Mit der Umstallung in den Legestall, erfolgte eine Aufteilung in Gruppen mit und ohne Beschäftigungsmaterial in vier Varianten:

1. Aufzucht und Legeperiode ohne BM (V1)
2. Aufzucht mit, Legeperiode ohne BM (V2)
3. Aufzucht ohne, Legeperiode mit BM (V3)
4. Aufzucht und Legeperiode mit BM (V4)

(*Picksteine in der Aufzucht VILOFOSS® medium, in der Legeperiode VILOFOSS® hart.)

Ruben Schreiter

LB-Hennen verbrauchten während des gesamten Versuchs mehr Luzerne als LSL-Hennen. Zudem war der kumulierte höher, wenn den Tieren bereits während der Aufzucht Beschäftigungsmaterial zur Verfügung stand. Bei Picksteinverbrauch gab es keine Unterschiede, zwischen den Linien, egal ob Beschäftigungsmaterial die ganze Zeit oder nur zeitweise angeboten wurde.

Keinerlei Einflüsse zeigten sich in den vier Gruppen bei Futterverbrauch und -verwertung, Legeleistung, Eimasseproduktion, Zehenverletzungen und kumulierter Mortalität. Wurde Hennen während der Legeperiode Beschäftigungsmaterial angeboten, legten sie schwerere Eier (62,2 g gegenüber 61,5 g). Die Tiere verlegten jedoch auch etwas häufiger Eier, wenn in der Legeperiode Beschäftigungsmaterial zur Verfügung stand (1,43% gegenüber 0,87%); vor allem die LSL-Hennen lieferten auch mehr Knickeier. Während der Aufzucht angebotenes Beschäftigungsmaterial beeinflusste außerdem die 16-Wochen-Uniformität: ohne BM 92% und mit BM 84,8%.

Neben dem höheren Eigewicht durch BM in der Legeperiode, stellten sich weitere positive Effekte ein:

+ höherer Muskelmagenanteil (bei LB),
+ Abrieb des Oberschnabelhorns,
+ reduzierte Gefiederschäden/Federpicken, mit einem sehr starken Effekt von BM im Aufzuchtstall.

Eignet sich das Zweinutzungshuhn als Alternative in Mast und Eierproduktion? #Geflügeltagung2019

Im Rahmen des Projekts

„Geflügelhaltung neu strukturiert: Integration von Mast und Eiproduktion bei Einsatz des Zweinutzungshuhns als Maßnahme zum Tierschutz“

Julia Malchow

hat Julia Malchow (FLI Celle) Zweinutzungshähne hinsichtlich ihrer Ansprüche an die Haltung untersucht. Zum Vergleich mit den „Lohmann-Dual“ Hähnen wurden bei den Versuchen zeitgleich männliche Tiere des Legehennentyps „Lohmann Brown Plus/Classic“ und solche der Mastlinie „Ross 308“ eingestallt. Je Abteil (2×3 m) wurden 50 Tiere eingestallt und mit Videokameras überwacht.

Untersucht wurde die Nutzung erhöhter Strukturen, Verhaltensaktivität, Lauffähigkeit Gefiederverschmutzung und Fußballengesundheit, um Verhalten und Haltungsansprüche der Dual-Hähne zu bestimmen.

Besonderes Augenmerk galt der Nutzung erhöhter Strukturen, wie Sitzstangen und Gitterroste. Alle drei Linien nutzten im Versuch mit zunehmendem Alter sowohl Stangen als auch Roste. Dual und Ross bevorzugten jedoch stark die Gitterroste. Insbesondere die cranial Verschiebung bei den Ross-Hähnchen, steht der Nutzung von Sitzstangen entgegen. Aufgrund dieser ersten Ergebnisse wurde im folgenden Versuch eine Hälfte der Abteile ausschließlich mit Gitterrosten (10, 30, 50 cm Höhe) ausgestattet, die zweite Hälfte der Abteile diente der Kontrolle.

LB-Dual-Ross 1. LW © FLI

Die beiden langsamer wachsenden Linien Dual und Brown Plus, zeigten eine starke Präferenz für die höchste Ebene. Ross-Hähnchen nutzen die unterste und oberste Ebene gleichermaßen, allerdings auf niedrigem Niveau, nahmen aber dann die Roste besser an, bei breiterer Rampe und nur einer angebotenen Höhe von 50 cm.

Dual- und Brown-Hähne zeigten in den Abteilen mit Gitterrosten eine höhere Aktivität, die Ross-Linie lag deutlich darunter. Bei Gefiederverschmutzung und Fußballenveränderungen gab es in der Bonitur keine Unterschiede zwischen Abteilen mit und ohne erhöhte Gitterroste, allerdings zeigten die Ross-Hähne mehr Fußballenveränderungen als Dual und Brown. Die Lauffähigkeit von Dual und Brown war besser, die craniale Verschiebung der Körpermitte bei Ross, deren schlechtere Knochenausbildung und eventuell auch ein Einfluss des Alters dürften hierfür ausschlaggebend sein.

LB-Dual-Ross 3. LW © FLI

Insgesamt zeigt der Versuch, dass Aufzuchthühner mir unterschiedlichen Wachstumsraten erhöhte Gitterroste nutzen und die Aktivität bei schnellwachsenden sowie die Lauffähigkeit bei moderat wachsenden Tieren verbessert werden kann.

Leistungsdaten der drei Linien im Vergleich:

Lohmann Brown Plus/Classic, Legehennen-Linie
Lebendgewicht nach 10 Wochen 1.411 +/- 121 g

Lohmann Dual, Zweinutzungs-Linie
Lebendgewicht nach 10 Wochen 2.234 +/- 283 g

Ross 308, Mast-Linie
Lebendgewicht nach 5 Wochen 2.099 +/- 583 g

Aufzucht von Öko-Legehennen mit und ohne Grünauslauf #Geflügeltagung2019

Dr. Hannelore Roost (Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern) stellte über zwei Jahre erhobene Daten aus einer Aufzuchtanlage für Öko-Junghennen (Novogen Brown Light) vor. Vier vorhandene Stallgebäude mit entsprechenden Abteilen wurden jeweils geschlossen mit Einstallungsposten je Gebäude zwischen 13.978 und 22.800 Eintagsküken belegt. Verglichen wurden sieben Einstallungsposten, die nach 10 Lebenswochen Zugang zum Grünauslauf hatten und Tiere, die bis zur Umstallung ausschließlich im Stall/Wintergarten gehalten wurden.

Dr. Hannelore Roost

Die Junghennen wurden zwischen der 17. und 20. Lebenswoche ausgestallt. Die Verluste der Untersuchungsgruppen (inkl. Selektion) lagen kumulativ zwischen 5,7 und 12,45 % vom Anfangsbestand. Bei den ausschließlich im Stall/Wintergarten gehaltenen Hennen, lagen die Tierverluste zwischen 5,7 und 9,7 %. Die Erdrückungsverluste hatten hierbei einen Anteil an den Gesamtverlusten von 36-78% der Auslaufgruppen und 8-22% der Stallgruppen. Die Erdrückungsverluste traten besonders durch Stress und Panik bei verstärktem Anflug von Greifvögeln und Kolkraben auf.

Zusätzlich drohen bei Auslaufhaltung Infektionen mir Endoparasiten, die nicht nur Behandlung erfordern, sondern auch latent infizierte Hühner zur Folge haben können. Bei ungenügender Überwachung besteht dann ein Verschleppungsrisiko in die Folgeanlage und der Aufbau von Infektionsketten bereits bei der Einstallung.

Bei der durchschnittlichen Futter- und Wasseraufnahme je Tier und Tag konnten keine Unterschiede festgestellt werden, allerdings zeigten die Junghennen ohne Grünauslauf, neben den deutlich geringeren Verlusten, eine stabilere Tiergesundheit.

In Anbetracht dieser Ergebnisse empfahl Dr. Roost für die Junghennenaufzucht eine Haltung in Stall und Wintergarten, bis zur Umstallung in die Folgeanlage. Dabei sollte besonderer Wert auf die Gestaltung des Außenklimabereichs geachtet werden: Sonnen- und Windschutz, Stallklimagestaltung, Beschäftigungsmaterial, Picksteine und vor allem stets trockenes Einstreumaterial.

Zur Senkung der Erdrückungsverluste im Stall empfiehlt die Tierärztin, auf jeden Fall Überbelegung zu vermeiden, die Hennen, bei Haltung auf mehreren Ebenen, rechtzeitig an die jeweils höhere Ebene zu gewöhnen und Küken- und Junghennen-freundliche Sitzstangen unterschiedlichen Formats anzubieten. Auslaufhaltung sollte nach den jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen erst in der Legehennenanlage, spätestens in der 25. Lebenswoche, beginnen.

Minimierung von Federpicken bei Mastputen #Geflügeltagung2019

Inga Garrelfs (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) stellte anlässlich der Celler Geflügeltagung die Erkenntnisse aus dem MuD-Vorhaben Tierschutz vor. Sechs Betriebe mit Hennen und Hähnen der Linien BUT 6 und TP 7 nahmen insgesamt an den Versuchen teil, alle Tiere hatten dabei intakte Schnäbel. Zunächst wurde mit 300 Tieren in Projektabteilen gearbeitet, einzelne Mäster ließen jedoch die Schnäbel der gesamten Herde intakt.

Inga Garrelfs
Den Puten wurden Picksteine, Luzerne in Körben und Strohballen angeboten. Ein Futterstreuautomat kam nicht gut an, da er Maiskörner mit hoher Geschwindigkeit im Stall verschoss und die Tiere nur irritiert waren und die Körner auch später verschmähten. Aufsprung- und Unterschlupfmöglichkeiten boten klappbare Wandtische. Auch Strohballen wurden als Sitzgelegenheit gut angenommen, abstehende Halme regten die Puten zum Picken an. Radios wurden zur Gewöhnung an Geräusche aufgehängt und in allen Ställen Sprühkühlung eingesetzt.

Der Fokus bei der Tierwohl-Evaluation lag bei

* Verletzungen an Stirnzapfen, Kehllappen, Hinterkopf,
* Federpicken und Verletzungen in der Halswirbelregion, an Rücken, Flügeln oder Stoß.

Die Auswertung sämtlicher Durchgänge ergab dann Verlustzahlen in den Projektherden zwischen 2,75 und 16,4% (Vergleichsherde mit kupierten Schnäbeln 3 bis 8%). Federpicken und Kannibalismus traten mal kaum, mal stark auf, wobei in den Projektherden sehr schnell tiefgreifende Verletzungen (bis zum Tod) festzustellen waren. Das Pickgeschehen trat häufig plötzlich und ohne Ankündigung auf, es konnten im Rahmen des Projekts jedoch keine Auslöser identifiziert werden.

Tiere mit tiefgreifenden Verletzungen mussten nicht direkt notgetötet werden und erholten sich gut. Im Schlachthof allerdings werden betroffene Körperregionen weggeschnitten und bei der Schlachtabrechnung abgezogen. Auch stellten Tiere mit erheblichen Verletzungen eine mentale Belastung für die Mäster dar, ebenso wie die (teilweise zahlreichen) Nottötungen.

Beschäftigungsmaterialien erwiesen sich zum Teil nach kurzer Zeit als uninteressant, Verhaltensstörungen traten trotz Anreicherung der Umwelt auf. Hier half jeweils nur eine zeitweise Verdunklung des Stalls mit gleichzeitig guter Durchlüftung. In allen Projektherden mussten Tierärztliche Behandlungen durchgeführt werden, unkalkulierbare Effekte wie Kükenqualität Witterungseinflüsse, Einstreu, Futter sind nicht auszuschließen.

Zwei Erkenntnisse standen am Ende für Inga Garrelfs fest: damit unnötiges Tierleid reduziert wird, sollten vorerst Maßnahmen weiterhin mit kupiertem Schnabel umgesetzt und ausgetestet werden. Und: es sei bei der Reduzierung der Besatzdichte zwar kein messbarer Effekt aufgetreten, jedoch empfanden die Landwirte die Reduzierung nach ITW als sehr angenehm (48 statt 52 kg/m² bei Hennen und 53 statt 58 kg/m² bei Hähnen).

Können Insekten die Eiweißlücke schließen? #Geflügeltagung2019

Insekten gehören zum natürlichen Nahrungsspektrum vieler Tiere, haben ein großes Vermehrungspotential und können in großer Zahl auf kleinem Raum leben. Ihre Futterverwertung ist enorm, denn aus 1 kg Futter werden 0,8 kg Insekten. Beim Geflügel sind es dagegen 0,6 kg und bei Wiederkäuern sogar nur 0,15 kg (aber natürlich können diese auch Futter verwerten, das Menschen nicht verdauen können).

Dr. Brigitte Paulicks

Zwar gäbe es aktuell einen medialen Hype um Insekten, sagte Dr. Brigitte Paulicks (WZW, Freising) zu Beginn ihres Vortrags in Celle. Land-, Energie- und Wassernutzung sei z. B. beim Mehlwurm tatsächlich am besten, aber derzeit seien Insekten in der EU nicht als Futtermittel für Warmblüter zugelassen, nur sieben Arten dürften an Fische verfüttert werden. Eine Ausnahmegenehmigung wurde für Insektenöl erteilt, jedoch trägt der Erzeuger die Verantwortung für dessen „Protein-Freiheit“.

Auf den Boden der Tatsachen führen dann aber entsprechende Untersuchungen der Spezialisten für Tierernährung. Insekten können zwar alles Mögliche verdauen, setzen dabei aber nicht unbedingt an. Setzt man Grillen etwa Biertreber vor, erreichen sie 50% Gewichtszuwachs, bei Luzerne ist es schon das 41-fache und Geflügelfutter (Getreide/Soja) lässt sie von 1 auf 79 Gramm wachsen. Bei Mehlwürmern entspricht die Nährstofftransformation etwa der von Masthähnchen, aber auch das Insektenfutter muss dazu supplementiert werden, mit essentiellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen. Und am ende stehen alle derzeit zugelassenen Insektenarten in Nährstoff-Konkurrenz zu Schwein, Huhn und Mensch.

Insekten haben kaum Vorteile in der Proteinzusammensetzung (Aminosäurenmuster) gegenüber herkömmlichen pflanzlichen Eiweißfuttermitteln und sind (wahrscheinlich) unfähig essentielle Aminosäuren zu bilden, führte die Wissenschaftlerin aus. Dazu kämen hohe Temperaturansprüche in der Haltung, die eine Gesamtbilanz zusätzlich verschlechtern.

Brigitte Paulicks Fazit lautet deshalb: „Insekten gehören wohl eher auf den Teller, als in den Trog.“ Und: „Wir mästen ja auch keine Hähnchen, um sie an Schweine zu verfüttern!“

Würden allerdings in Zukunft Lebensmittelabfälle aus dem Handel („former foods“) als Insekten-Futter zugelassen, könnten -bildlich gesprochen – zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Haben erhöhte Sitzgelegenheiten für Puten-Elterntiere Vorteile für Tierwohl & Tiergesundheit? #Geflügeltagung2019

Dr. Julian Marks (Heidemark) hat während zweier Durchgänge in Aufzucht- und Legephase von Puten-Elterntieren, die Auswirkungen von Sitzstangen und Podesten auf Tierwohl, Tiergesundheit und wirtschaftliche Parameter untersucht.

Es wurde eine Sitzstange aus verzinktem Stahl (Breite 11 cm, Höhe 50 cm) angeboten, sowie zwei Podeste aus Stahlgestell und Kunststoffslats (Big Dutchman und Vencomatic). Mit Hilfe von Deckenkameras wurde der Platzbedarf pro Tier berechnet. Bei der Sitzstange waren dies 30 cm je Henne, beim Podest 4,5 Hennen je m². Für 10% der Hennen wurden im Versuch Aufsitzmöglichkeiten bereitgestellt.

In der Aufzuchtphase wurden das Angebot bereits gut genutzt, speziell in der Dunkelphase. In der 5. bis 9. Lebenswoche vielen die Tierzahlen am stärksten ab, was allerdings schlicht dem Körperwachstum der Tiere geschuldet war. Ab der 21. LW gab es kaum noch Veränderungen.

In der Legefarm zeigte sich eine hochsignifikant bessere Nutzung während der Dunkelphase, mit zunehmender Tendenz in den ersten drei Wochen, was der Referent am Ehesten auf Gewöhnung sowie eventuell hormonelle Umstellung und Legebeginn zurückführt.

Die durchschnittliche Auslastung lag während der Dunkelphase bei den beiden Podesten um 130%, die Sitzstange war zu knapp 100% belegt. In der Hellphase waren die Podeste mit etwa 22%, die Sitzstange mit 28% ausgelastet. Werte über 100% sind bei den Podesten nur möglich, weil die Tierkörper teilweise über die Flachen hinausragen und so nur ein teil der zuvor berechneten Körperfläche auf dem Podest ruht.

Zu Beginn der Legephase verlegen Puten öfter ihre Eier, bis sie die Funktionsbereiche des Stalls besser kennengelernt haben. Die Anzahl an Bodeneiern wurde durch die Aufsitzmöglichkeiten nicht beeinflusst. Auch hatten die Gitterroste der Podeste keinen signifikanten Einfluss auf die Fußballen-Gesundheit, im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Nach dem Versuch beziffert Julian Marks den Platzbedarf mit 35 cm je Henne auf der Sitzstange und 8,5 Hennen je m² Podest. Zusätzlich sollte die Breite der Podeste zukünftig so gewählt werden, dass sie eine zweireihige Anordnung der Hennen ermöglicht wird.

Außerdem zeige die Überbelegung, dass eher für 20-30% der Tiere Möglichkeiten zum Aufbäumen angeboren werden sollten, statt 10% wie im Versuch. Aber natürlich kann es in der Praxis am Ende nicht mehr erhöhte, als eigentliche Stallfläche geben.

Impfstoff gegen die Rote Vogelmilbe #Geflügeltagung2019

Die Rote Vogelmilbe (RVM – Dermanyssus gallinae) ist in Hühnerhaltungen weltweit verbreitet und verursacht Anämie, verminderte Legeleistung und ist ein Vektor für Krankheitserreger. In Belgien, Niederlanden und Deutschland haben über 90% aller Betriebe Probleme mit diesem Parasiten.

Dr. Gustavo Makert dos Santos (Fraunhofer Institut Leipzig) stellte in Celle zunächst aktuellen Bekämpfungsmethoden vor, die jedoch häufig in der EU nicht zugelassen sind. Silikatstaub z. B. zerstört die Lipidschicht der Epikutikula (die dünnste Hautschicht aus Proteinen und Lipiden), wirkt jedoch nicht gegen Eier und Larven. Raubmilben fressen zuerst die RVM, werden anschließend zu Kannibalen und sorgen so für einen weitgehend milbenfreien Stall. Bei der Temperaturbehandlung schließlich wird, über mehrere Tage, heiße Luft (80-90 ℃) in den Stall geblasen, um die Milben abzutöten. Allerdings wirken nicht alle Methoden gegen alle Entwicklungsstadien der Spinnentiere.

Die optimale Lösung wäre eine Impfung, weil sie lange anhält, die Resistenzbildung erschwert und keine Rückstände im Lebensmittel zu befürchten sind. Allerdings geht es in diesem Fall nicht um einen klassischen Impfstoff. Bereits seit dem Jahr 2000 aber existiert ein rekombinantes Protein gegen Zeckenbefall bei Rindern.

In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass auch die Immunisierung von Hühnern mit inaktivierten RVM einen Schutz auslöst. Allerdings sind die hierbei eingesetzten Rohextrakte aus Milben für die Impfstoffentwicklung unbrauchbar, da die Herstellung eines solchen Impfstoffes viel zu aufwendig wäre.

Deshalb haben die Leipziger Forscher jetzt Hühner mit RVM-Extraktfraktionen immunisiert, um Antikörper gegen diese Antigene zu bilden. Anschließend wurden Milben in vitro gefüttert. Dabei konnten mehrere Proteine identifiziert werden, die nach einer Immunisierung der Hühner zu höherer Mortalität der RVM führten. Ziele dieses Ansatzes sind: weniger Eier, weniger Milben, aber nicht unbedingt der Tod sämtlicher RVM (auch wenn über 60% abgetötet werden konnten).

Die Industriepartner des Fraunhofer Instituts entwickeln auf Basis der Laborversuche jetzt geeignete, einfache Impfmethoden und einen preisewerten, praxisgerechten Impfstoff. Im Labor konnten Antikörpertiter gegen die Milben-Proteine bzw. Impfkandidaten nach ca. 1 Jahr noch gemessen werden. Aber der Impfschutz muss noch vom Industriepartner des Projekts im Feld getestet werden.

.

Brandaktuell: E-Magazin Ausgabe 1/19 zum Download

0

Gleich jetzt registrieren für das Tiergesundheits-Magazin „Der Hoftierarzt“. Alle zwei Monate kostenfrei für Nutztierhalter. Die Ausgabe 1/19 ist sofort nach Anmeldung abrufbar.

Link zur kostenfreien Anmeldung

QS-Antibiotikamonitoring belegt verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz durch Tierärzte und Tierhalter

0

2018 ist die eingesetzte Antibiotikamenge bei Schweinen und Geflügel haltenden Betrieben im QS-System gegenüber dem Vorjahr erneut gesunken. Ein klarer Beleg für den sorgfältigen und verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz durch Tierärzte und Tierhalter. Bei fast allen Wirkstoffgruppen, insbesondere bei den kritischen Antibiotika, hat eine deutliche Reduzierung stattgefunden. Der von Kritikern an die Tiermedizin geäußerte Vorwurf, es finde eine Verschiebung der eingesetzten Wirkstoffe statt, ist widerlegt.

Die aktuellen Auswertungen aus dem QS-Antibiotikamonitoring widerlegen das von einigen Experten vermutete Ausweichverhalten in der Tiermedizin eindeutig. Der Vorwurf lautete, dass von “klassischen” Wirkstoffen, die ein größeres Mengenvolumen ausmachen, auf modernere, hochwirksame Wirkstoffe umgestiegen wird, die in der Anwendung um ein Vielfaches niedriger dosiert werden. Aber gerade bei den kritischen Wirkstoffen sind deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Die Verbrauchsmenge an Fluorchinolonen wurde von 4,75 t auf 3,81 t im Jahr 2018 gesenkt und ist damit um fast 20 Prozent geringer ausgefallen. Während 2017 noch 0,4 t Cephalosporine der 3. und 4. Generation verabreicht wurden, waren es ein Jahr später mit 0,28 t klare 30 Prozent weniger.

Die Gesamtmenge der in den 29.864 Schweine und 3.184 Geflügel haltenden Betrieben des QS-Systems eingesetzten Antibiotika ist 2018 mit knapp 464 t um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (487 t) gesunken. Dabei ist bei allen Wirkstoffgruppen eine Mengenreduzierung festzustellen. Thomas May, bei QS verantwortlich für das Antibiotikamonitoring, betont: „Antibiotika werden in der Nutztierhaltung keinesfalls prophylaktisch eingesetzt, sondern ausschließlich, wenn der Tierarzt sie aufgrund einer Diagnose verordnet. Kranke Tiere müssen – mit Blick auf den Tierschutz – medizinisch behandelt werden. Die Auswertungen des QS-Antibiotikamonitorings belegen, dass die Tierhalter und Tierärzte in hohem Maße um den restriktiven Einsatz bemüht sind. Das Verabreichen von so genannten Reserveantibiotika bleibt in der Nutztierhaltung die Ausnahme.“

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

In Münster dreht sich alles um die Bienen

0

Der 28. Apisticus-Tag der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen findet am 2. und 3. März im Messe und Congress Centrum der Halle Münsterland in Münster statt. Das Schwerpunktthema der Fachtagung rund um Imkerei und Bienen lautet „Natürliche Vielfalt – Gesunde Bienen“.

Die Veranstaltung beginnt am Samstag um 12.30 Uhr. Am Sonntag startet die Messe bereits um 9 Uhr. Zum Apisticus-Tag werden 3 500 Imker und Bienenkundler aus Deutschland und dem benachbarten Ausland in Münster erwartet. Parallel zur Fachtagung zeigen mehr als 140 Aussteller aus dem In- und Ausland Produkte aus dem Umfeld von Imkerei und Bienenkunde sowie Natur- und Wildbienenschutz. Die Messe dauert am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 16 Uhr. Wer nur die Ausstellung besuchen will, muss 12 Euro Eintritt pro Tag bezahlen.

Im Rahmen des Apisticus-Tages findet am Samstag um 13 Uhr die Verleihung des Apisticus des Jahres 2019 statt. Mit diesem Preis werden Menschen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Imkerei verdient gemacht haben. Erstmals wird am Sonntag um 12 Uhr der Umweltpreis der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zur Förderung von Projekten des Natur- und Artenschutzes, die sich mit Bienenkunde und Imkerei befassen, verliehen. Weitere Informationen, auch zu den Eintrittspreisen, gibt es im Internet unter www.apisticus-tag.de.

In Nordrhein-Westfalen halten mehr als 15 000 Imker etwa 95 000 Bienenvölker. Auch 2018 nahm die Zahl der Imker weiter zu. Die Bienen produzierten im vergangenen Jahr rund 2 500 Tonnen Honig mit einem Marktwert von etwa 25 Millionen Euro.

Weitere Informationen

Quelle: LWK NRW

Gründe von Deutschen und Chinesen, weniger Fleisch zu essen

0

In vielen Industrienationen essen die meisten Menschen nach wie vor zu viel Fleisch, obwohl das ungesund und schlecht für das Klima ist. So geht ein großer Anteil aller Treibhausgasemissionen auf das Konto der Viehzucht. Studierende des Studiengangs Sustainable Marketing & Leadership (M.A.) an der Hochschule Fresenius in Köln haben in einer Projektarbeit untersucht, wie hoch die Bereitschaft in Deutschland im Vergleich zu China ist, den Fleischkonsum zu reduzieren und was die Gründe sind. Hierfür haben sie über 700 Menschen in Deutschland und China online befragt.

Geht es um den Klimawandel, denkt man in erster Linie an Autoabgase und Industrieschlote. Doch auch das Steak auf dem Teller trägt zur Erderwärmung bei. Denn laut der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stammen mindestens 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Den größten Anteil daran haben Rinder. Sie sind für etwa 65 Prozent dieser Emissionen verantwortlich. Schweine dagegen tragen nur neun Prozent bei, bei Geflügel sind es sogar nur acht Prozent. Ob Verbraucher in Deutschland und in China willens sind, seltener Fleisch zu konsumieren und welche Motivation dahintersteckt, haben Studierende im Rahmen einer Projektarbeit näher beleuchtet.

Neben Experteninterviews haben sie eine Online-Umfrage zur Substitution von Fleisch in Deutschland und in China durchgeführt. Insgesamt wurden 200 deutsche und 568 chinesische Teilnehmer befragt. Ein interessantes Ergebnis: In beiden Ländern waren etwa die Hälfte der Befragten, die aktuell Fleisch essen – in China (53 Prozent) mehr als in Deutschland (46 Prozent) – bereit, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Die Motive dahinter sind aber völlig unterschiedlich: Dominieren in Deutschland ethische Beweggründe, wie Fragen des Tierwohls (33 Prozent) und des Naturschutzes (18 Prozent), ist in China vor allem die Gesundheit (64 Prozent) ausschlaggebend für das Interesse an fleischreduzierter Ernährung. Naturschutz geben nicht einmal zwei Prozent und Tierwohl nur gut sieben Prozent der Befragten aus China als Motiv an. Während in Deutschland reges Interesse an Fleischersatzprodukten besteht, werden in China vor allem Eierspeisen (54 Prozent) als Alternative zum Fleischkonsum betrachtet, während Käse, der von der deutschen Befragten zu 41 Prozent als Fleischersatz favorisiert wird, in China gar keine Rolle spielt.

„In den Modulen „Strategische Führung“ und „Digitale Medien“ konnten unsere Studierenden sich verschiedene aktuelle Themen empirisch erarbeiten. So fördern wir nicht nur die wissenschaftliche Kompetenz, sondern auch die Fähigkeit wissenschaftliche Ergebnisse verständlich aufzubereiten“, so Prof. Dr. Lutz Becker, Studiendekan des Masterstudiengangs Sustainable Marketing & Leadership (M.A.). „Aus der Untersuchung lassen sich Tendenzen auf die Motivation der Verbraucher, auf mögliche Unternehmensstrategien in der Ernährungsbranche und auf künftigen Forschungsbedarf erkennen“, erklärt er weiter.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen Online-Konferenz Next Economy Open #NEO18x präsentiert.

Quelle: Hochschule Fresenius

5. Internat. Öko-Imkereikonferenz vom 1.– 3. März 2019, Uni Hohenheim: Honigbienen als Botschafter für die ökologische Landwirtschaft

0

Weltweit kämpfen Imkerinnen und Imker mit den verschiedenen Auswirkungen einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft auf Bienengesundheit und Honigerzeugung. In besonderer Weise hiervon betroffen sind die Öko-Imker, die zum Beispiel immer weniger unbelastete Trachtgebiete zum Anflug für ihre Bienenvölker vorfinden. Aber auch viele nicht zertifizierte Imker in Deutschland klagen über monotone Agrarlandschaften, die kaum noch abwechslungsreiche Nahrungsgrundlagen für die Honigbiene bieten.

An der Universität Hohenheim in Stuttgart kommen vor diesem Hintergrund vom 1. bis 3. März Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Imkerei zur 5. Internationalen Öko-Imkereikonferenz zum gegenseitigen Austausch zusammen. Veranstalter sind die Universität Hohenheim gemeinsam mit Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. und dem Apiculture Forum der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM). Die Konferenz findet erstmals in Deutschland statt.

Um internationale Berufsimker und regionale Hobbyimker gleichermaßen anzusprechen, finden Vorträge auf Deutsch und Englisch statt. Das Programm gibt es unter organicapis.uni-hohenheim.de.

Landwirtschaft insektenfreundlicher gestalten

„Die Honigbiene zeigt, dass Zeit ist, umzudenken“, erklärt Dr. Sabine Zikeli, Leiterin des Zentrums für ökologischen Landbau der Universität Hohenheim. „Schlaglichter wie Chemikalienrückstände im Honig zeigen uns exemplarisch, dass es notwendig ist, Prozesse in der Landwirtschaft so zu gestalten, dass sie insektenfreundlich sind und die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhalten.“

Manfred Fürst, Naturland Experte für internationale Öko-Imkerei und Koordinator des IFOAM Apiculture Forum, weist auf die Herausforderungen hin, mit denen gerade die kleinbäuerliche Öko-ImkerInnen in Lateinamerika zu kämpfen hätten. „Dort gibt es bislang noch große, naturnahe Flächen, die gute Trachtquellen für die traditionelle Imkerei bieten. Doch der zunehmende Einsatz von Gentechnik in der industriellen Landwirtschaft bedroht die Existenz tausender Imker und ihrer Familien“, betont Fürst.

Hintergrund ist, dass gentechnisch verunreinigter Honig in Europa aufgrund mangelnder Verbraucherakzeptanz selbst konventionell kaum vermarktet werden kann. Die Vermarktung als Öko-Honig ist ohnehin ausgeschlossen. Deutschland steht an der Spitze des Honigverbrauchs, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1,1 Kilogramm pro Jahr. Deshalb werden rund 80 Prozent des hierzulande konsumierten Honigs importiert.

Imkerkultur im Ländle bereits nah am Bio-Standard

Für Imker in Deutschland und speziell Baden-Württemberg bietet die Tagung die Chance, sich Anregungen für die tägliche Praxis zu holen und ihren eigenen Standard zu reflektieren. Denn was die Zahl der Imker betrifft, wird die Tagung an einem Hotspot der Imkerei ausgetragen: Von den gut 100.000 Imkereien in Deutschland befindet sich jede vierte in Baden-Württemberg.

Die regionale Kultur der Kleinimker habe sich bereits einen ziemlich hohen Standard erarbeitet, weiß Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim. „Viele regionale Imker befolgen bereits Empfehlungen, die der Öko-Imkerei sehr nahekommen, sie scheuen allerdings den Schritt, sich als Biobetrieb zertifizieren zu lassen.“ Eine Öko-Zertifizierung sei vor allem für Berufsimker und im internationalen Handel von Vorteil.

HINTERGRUND: 5. Internationale Öko-Imkereikonferenz

Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Herausforderungen ist es das Ziel der Konferenz, ImkerInnen aller Länder und Größenordnungen miteinander in Kontakt zu bringen. Dies soll den Austausch und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis erleichtern. WissenschaftlerInnen geben wertvolle Hinweise zur Öko-Bienenhaltung und informieren unter anderem über Schädlingsbekämpfung und Trendthemen wie Stadtimkerei oder Apitherapie.

HINTERGRUND: Zentrum Ökologischer Landbau

Das Ziel des Zentrums Ökologischer Landbau der Universität Hohenheim ist es, Wissenschaft und Praxis zusammenzuführen, um den Ökologischen Landbau gemeinsam weiterzuentwickeln. Dazu organisiert und koordiniert das Zentrum Lehre und Forschung zum Ökologischen Landbau universitätsweit und interdisziplinär.

HINTERGRUND: Landesanstalt für Bienenkunde

Die Landesanstalt für Bienenkunde erarbeitet durch ihre Forschung Grundlagen zur Lösung aktueller Probleme der Bienenhaltung im Land. Langzeitprojekte, vor allem in den zentralen Bereichen der Bienenhaltung (Varroamilbe, Waldtracht, Pflanzenschutz vs. Bienenschutz) sollen sicherstellen, dass diese Lösungsansätze nachhaltig sind und veränderten Bedingungen angepasst werden. Die Forschungsergebnisse sollen in Zusammenarbeit mit der staatlichen Fachberatung und den Imkerverbänden in die Praxis umgesetzt werden.

HINTERGRUND: Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.

Naturland ist einer der bedeutendsten Verbände für ökologischen Landbau weltweit. 65.000 Naturland Bäuerinnen und Bauern in 58 Ländern der Erde zeigen, dass ein ökologisches, soziales und faires Wirtschaften weltweit im Miteinander ein Erfolgsprojekt ist. Ein großer Teil der über 1.000 Imker im Verband sind kleinbäuerliche Familienbetriebe in Lateinamerika, v.a. in Mexiko. In Deutschland sind etwa 70 Berufsimker Naturland zertifiziert. Naturland hat bereits die 3. Internationale Öko-Imkereikonferenz 2012 in Mexiko mitorganisiert.

HINTERGRUND: IFOAM Apiculture Forum

Das IFOAM Imkerei-Forum wurde 2015 als selbstständige Untergruppe des internationalen Öko-Dachverbands IFOAM eingerichtet, um die ökologische Bienenhaltung weltweit zu fördern. Naturland gehört zu den Gründungsmitgliedern des Forums, das die Interessen und Erfahrungen von Imkern, traditionellen Honigsammlern, Landwirten, der Zivilgesellschaft und anderen Organisationen, die sich mit Bienen und ökologischer Imkerei beschäftigen, zusammenbringt.

Quelle: Universität Hohenheim

TVT & PROVIEH: „Ferkelkastration unter Allgemeinanästhesie ist unnötige Amputation“

0

Narkosemittel und Kastration gehören nicht in die Hände von Landwirten
TVT und PROVIEH e.V. lehnen die geplante Verordnung zur Durchführung der Isofluran-Narkose bei der Ferkelkastration durch Landwirte ab

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) und PROVIEH e.V. lehnen den Referenten-Entwurf einer Verordnung zur Durchführung der Narkose mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch Landwirte bzw. sachkundige Personen ab. In der gemeinsamen Stellungnahme, die dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zuging, heißt es in der Eingangsbegründung: „Grundsätzlich handelt es sich bei der Kastration männlicher Saugferkel um eine vermeidbare Amputation. Die Unversehrtheit der männlichen Saugferkel sollte das oberste Ziel sein. Mit der Ebermast mit und ohne Immunokastration stehen praktikable und tierschutzgerechte Alternativen zur Verfügung.“ Weitere Kritikpunkte an der geplanten Verordnung sind erhebliche Defizite bei Anwender-Tier- und Umweltschutz. Darüber hinaus sollten eine chirurgische Kastration und die damit einhergehende Anästhesie ausschließlich dem Tierarzt vorbehalten sein.

Professor Thomas Blaha, Vorstandsmitglied der TVT, sagt hierzu: „Wir müssen uns gemeinsam dafür stark machen, dass möglichst viele ihre Stimme erheben und sagen, dass auf der Grundlage von politischem Opportunismus keine sich gegen die Tiere wendenden Entscheidungen getroffen werden dürfen. Auch steht mit der Ebermast mit Immunokastration eine wissenschaftlich belegte, für den Verbraucher sichere, nicht hormonelle und nicht chemische Methode zu Verfügung, den unerwünschten Ebergeruch zu unterbinden, ohne eine Amputation vornehmen zu müssen“.

„Unser Ziel muss die Unversehrtheit der Schweine sein“, sagt Angela Dinter, Fachreferentin für Schweine von PROVIEH e.V. „Frau Klöckner sollte in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen, wie die Ebermast mit und ohne Eberimpfung investieren, statt die Verstümmelung von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergelder zu fördern“. Die chirurgische Kastration männlicher Ferkel und die damit einhergehende Anästhesie sind obsolet, da bereits praxistaugliche Alternativen zur Vermeidung von unerwünschtem Ebergeruch zur Verfügung stehen, die keinen chirurgischen Eingriff erfordern.

Im Sinne des § 5 des Tierschutzgesetzes muss spätestens ab dem 01.01.2021 eine wirksame Schmerzausschaltung bei der Kastration von männlichen Saugferkeln gegeben sein. Aus Tierschutz-Gründen ist bereits vor Ablauf dieser Frist baldmöglichst auf den Eingriff der Kastration komplett oder zumindest auf den betäubungslos durchgeführten Eingriff zu verzichten.

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT)

Landwirtschaft am Scheideweg – DLG-Wintertagung 2019

0

Zur Eröffnung des Plenums ging es gestern in Hannover um Fortschritt und zwar gleich zwei Mal. DLG-Präsident Hubertus Paetow sprach den Fortschritt im Sinn von „Steigerung“ an. Bei der Suche nach passenden Antworten, auf die veränderten gesellschaftlichen Ansprüche an die Landwirtschaft, setzt er – nicht nur, aber auch – auf Technik, speziell die digitale. Um genau diese ging es dann auch in einem interessanten Impulsforum – dazu später mehr.

Dr. Christian Dürnberger, Philosoph und Kommunikations-Wissenschaftler vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Wien, nahm in seinem lebhaften Vortrag den Ball gleich auf. In den letzten 100 Jahren führte Fortschritt immer hin zum Besseren, sagte er, und Technik entwickelte sich immer fort – im Gegensatz etwa zur Moral, die Fortschritt nicht notwendig brauche.
War für den Menschen früher die Natur feindlich und grausam, sieht er sie heute als freundlich und ideal. Herrschte vor Jahrzehnten noch Fortschritts-Optimismus allerorten, glauben die Kritiker moderner Landwirtschaft heute nicht, dass Technik helfen kann, die anstehenden Probleme zu lösen.

Deshalb brauche es eine neue Definition von „Fortschritt“, forderte der Österreicher. Der Bauer müsse heute nicht nur sichere und bezahlbare Lebensmittel produzieren, sondern dabei auch seine besondere Verantwortung für Klima, Umwelt und Tiere wahrnehmen und könne im Idealfall über all diese Facetten seiner Arbeit auch noch vor einem interessierten bis kritischen Publikum Auskunft geben. Wenn Fortschritt auch bedeute, sich den großen Herausforderungen seiner Zeit zu stellen, dann müsse sich der Landwirt heute im Besonderen der öffentlichen Debatte stellen.

Impulsforum Tierbeobachtung
Unter dem Motto „Big Brother oder das Auge des Herrn?“ ging es nachmittags ganz konkret um technische Hilfsmittel und klassisch-analoge Verfahren. Im Vortrag von Uwe Mohr „Die gläserne Kuh“ ging es um Kuh-Sensoren, die heute schon auf dem Markt sind (über 30) oder in nicht allzu ferner Zukunft zu haben sein werden.

Natürlich könne es sich kein Milchviehhalter leisten, seine Tiere mir sämtlichen verfügbaren Sensoren zu behängen, sagt der Mann vom Bildungszentrum Triesdorf, aber für Ratschläge zur sinnvollen Auswahl seien ja z. B. er und seine Kollegen zuständig. Landwirtschaft 4.0 bedeute in Zukunft, alle Datenquellen zu verarbeiten und so Handlungsempfehlungen automatisch zu generieren. Der Herdenmanager sei zukünftige auch Datenmanager.

Wichtigster Parameter bei der Kuh sei, so Uwe Mohr, das Wiederkäuen und neben pH-Wert, Körpertemperatur, Futter- und Wasseraufnahme, könne auch die Wiederkau-Aktivität schon heute mittels Pansen-Sensor gemessen werden. Ja sogar die Abkalbe-Vorwarnung wäre mittels Magensensor zuverlässiger, als etwa per Melder am Kuhschwanz.

In Zukunft böte die Bildverarbeitung dann ganz neue Möglichkeiten. Schon heute seien Wärmebildaufnahmen und Kuhortung im Stall möglich, es kämen aber bald automatisches Body-Condition-Scoring und eine Gangbild-Analyse hinzu.

Aber auch mit der Digitalisierung verbundene Probleme sprach der Treisdorfer an. Von Datensicherheit und Internet-Verfügbarkeit im ländlichen Raum, über Technik-Abhängigkeit, ständige Fortbildung und auch Überforderung des Personals, bis zur Verbraucherakzeptanz spannte er den Bogen. Und, last but not least, bestehe die Gefahr, die Basics zu verlernen.

Damit schaffte er den perfekten Übergang zum Vortrag von Dr. Kees Scheepens, dem Schweineflüsterer aus den Niederlanden. Sein Credo „Schweinesignale erkennen, verstehen und nutzen“ bildete den roten Faden des Vortrags.

Da sich bereits nach zwei Wochen im Stall Betriebsblindheit einstelle, sei jeder Bauer gefordert, sich bewusst auf seine Tiere zu fokussieren. Das „Auge des Herrn“ mäste das Vieh nur mit Passion, professioneller Verantwortung und der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen.

Auch wenn ein Schwein 80% des Tages schläft oder ruht, wird die restliche Zeit zum allergrößten Teil fürs Wühlen genutzt. Deswegen seien Stroh, Raufutter und Beschäftigung so wichtig. Käme noch ein deutlich größeres Platzangebot hinzu, würde die Krankheitsanfälligkeit deutlich sinken. Jutesäcke wäre zur Beschäftigung bestens geeignet und halbierten sogar Schwanz- und Ohrbeißen bei Ferkeln

Sitzen Schweine in der Bucht, sei dies immer ein Alarmsignal, aber auch wenn sie „weinen“. Was nämlich aussieht wie Tränenstreifen auf den Schweinebacken, ist in Wahrheit Porphyrin aus der Harderschen Drüse. Ausgelöst durch Stress, korrelieren die sog. „bloody tears“ mit Caudophagie. Gleiches gelte auch, wenn Schweineschwänze schlaff herabhängen, statt sich froh zu ringeln. Ergebnisse dänischer Forschung hätten gezeigt, dass Tiere mit hängenden Schwänzen eher gebissen werden. Fällt ein Tier solchermaßen auf, müsse es sofort markiert und sein Zustand besonders häufig überprüft werden.

Prof. Dr. Martin Ziron (FH Soest) forderte anschließend: „Digital und Analog im Stall kombinieren!“ Als direkt bewertbare tierbezogene Indikatoren zählte er Verletzungen, Lahmheit, Sauberkeit, Schwanzlänge und Kümmern auf. Direkt beobachten könnten der Tierhalter oder dessen Angestellte, der Tierarzt oder ein Berater. Klassisch analog vom Zentral- oder Futtergang aus und direkt in der Bucht. An digitaler Technik stünden dafür Kamera, Mikrofon und Bewegungsmelder zur Verfügung.

Beim Sensor-Einsatz seien Milchviehbetriebe deutlich weiter als die Schweinehaltung, weil Schweine fast jeden Sensor in kürzester Zeit zerstören. Deshalb seien am Tier höchstens Thermosensoren geeignet, ansonsten kämen besser Kameras und Mikrofone zum Einsatz.

Allerdings stößt der Einsatz dieser Geräte recht bald an seine Grenzen. 12 Stunden Video-Aufzeichnung sind einfach gemacht, aber den gleichen Zeitaufwand fordert die Auswertung. In der Wissenschaft sei das akzeptabel, für die Praxis aber unvorstellbar. Mikrofone können z. B. Hustengeräusche auffangen, um deren Häufigkeit mit Hilfe einer passenden App anschließend auszuwerten. Allerdings muss immer noch der Mensch dabei schauen, welche Tiere überhaupt beteiligt sind.

Ähnliches gilt für den Einsatz von Wärmebild-Kameras, die sich zwar gut zur Klimakontrolle eignen, aber beim Fiebermessen praktisch unbrauchbar sind. Die Körpertemperatur des Schweins korreliert nicht mit der Rektaltemperatur und, selbst wenn der Messpunkt direkt an der Sauen-Vulva liegt, müsste bei Verdacht auf Fieber das entsprechende Tier per Auge identifiziert und auch noch schnell markiert werden, was in der Gruppenhaltung schwierig werden kann. Hilfreich können Apps sein, wenn Digital und Analog kombiniert werden und bei der Tierkontrolle etwa eine Auswertungsfunktion hilft.

In der wissenschaftlichen Erprobung seien derzeit festmontierte Kameras bei Verhaltensuntersuchungen. Ziel sei z. B. die einzeltierbezogene Erfassung von Aktivität, zurückgelegter Wegstrecke und die Aufenthaltsbereiche in der Bucht. Weitere Forschungsprojekte laufen aktuell zu

+ Abrufstation mit elektronsicher Waage (automatische Gewichtsentwicklung),
+ Erfassung des täglichen Wasserverbrauchs,
+ Ultrahochfrequente-Tiererkennung mit UHF-RFID,
+ Richtmikrofone plus Software zur Minimierung des Erdrückungsrisikos bei Saugferkeln,
+ Echtzeit-Lokalisierung bei Wartesauen mittels Ohrmarken.

In der Entwicklung seien auch Systeme zur dauerhaften Erfassung von Geräuschen im Stall sowie die Aufzeichnung und Auswertung des Liegeverhaltens (Rücken-, Seiten-, Bauchlage) per automatischer Bilderkennung.

Antibiotikaresistenzen breiten sich schneller aus als bisher angenommen

0

Am Beispiel von Fischen aus Aquakultur konnten Forscherinnen und Forscher des Helmholtz Zentrums München, der Universität Kopenhagen und der Universität im brasilianischen Campinas neue Erkenntnisse zu den Übertragungsmechanismen von Antibiotikaresistenzen zwischen Bakterien gewinnen. Diese sind laut der Studie im Fachmagazin ‚Microbiome‘ vielfältiger als bisher angenommen.

„In den letzten 70 Jahren hat der Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin stetig zugenommen und zu einem dramatischen Anstieg von resistenten Mikroorganismen geführt“, sagt Prof. Dr. Michael Schloter, Leiter der Abteilung Vergleichende Mikrobiomanalysen (COMI) am Helmholtz Zentrum München. Besonders dramatisch sei, dass viele Mikroorganismen nicht nur gegen ein Antibiotikum resistent sind, sondern gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Substanzen. Das erschwere insbesondere die Behandlung von Infektionskrankheiten, so der Wissenschaftler, der federführend an der aktuellen Studie beteiligt war. „Wir wollten nun herausfinden, welche Mechanismen der Resistenzentwicklung zugrunde liegen“, so Schloter.

Dazu untersuchte er mit seinem Team und dänischen Wissenschaftlern um Gisle Vestergaard (Universität Kopenhagen und Helmholtz Zentrum München) Fische aus einer Aquakultur: Konkret ging es dabei um Piaractus mesopotamicus, eine als Pacu bekannte Art aus Südamerika, die oft in Aquakulturen gehalten wird. Die Tiere bekamen über 34 Tage das Antibiotikum Florfenicol mit der Nahrung, währenddessen und danach nahmen die Wissenschaftler Proben aus dem Verdauungstrakt und suchten nach entsprechenden genetischen Veränderungen bei den dort ansässigen Bakterien.

Resistenzen springen durch das Genom

„Wie erwartet führte die Gabe des Antibiotikums zu einer Zunahme der Gene, die für entsprechende Resistenzen verantwortlich sind“, erklärt COMI-Doktorand Johan Sebastian Sáenz Medina, Erstautor der Arbeit. „Ein Beispiel sind etwa Gene für Pumpenproteine, die den Wirkstoff einfach wieder aus den Bakterien heraus transportieren. Besonders interessant war für uns aber auch die zunehmende Zahl sogenannter mobiler genetischer Elemente in der Nähe dieser Resistenz-Gene“, ergänzt Sáenz Medina. „Das ließ vermuten, dass die Bakterien Resistenzen auch durch Viren – sogenannte Phagen – und Transposons untereinander austauschen.“

Weitere metagenomische Untersuchungen bestätigten, dass diese mobilen genetischen Elemente quer durch das Genom springen, dabei Teile des Erbguts mitreißen – darunter auch die Resistenzgene – und andernorts wieder einfügen. Bisher war man davon ausgegangen, dass vor allem sogenannte Plasmide (vereinfacht gesagt leicht übertragbare Mini-Chromosomen) für den Austausch von Resistenzgenen verantwortlich sind.

„Die Erkenntnis, dass die Resistenzen auch abseits von Plasmiden im großen Umfang zwischen Bakterien übertragen werden, ist durchaus überraschend“, ordnet Michael Schloter die Studie ein. „Darauf aufbauend sollten entsprechende Ausbreitungsmodelle überprüft und angepasst werden. Zudem regen unsere Daten durchaus zum Nachdenken an, ob und in welchem Umfang man die weltweit zunehmende Anzahl von Aquakulturen mit Antibiotika betreiben sollte.“

Quelle: Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Schweine auf Stroh wirken glücklicher

0

Fotos spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wie Produkte aus der Landwirtschaft bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Ein Wissenschaftlerteam der Universitäten Bozen und Göttingen hat untersucht, wie Menschen Fotos von einem Schwein in unterschiedlichen Ställen wahrnehmen und bewerten. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift PLoS ONE erschienen.

Rund 1.000 Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland bewerteten in der Studie Bilder eines glücklich oder eines traurig aussehenden Schweins jeweils in einem Stall mit Stroheinstreu oder Spaltenboden. Die Ergebnisse zeigen, dass der Stall, in dem ein Schwein abgebildet ist, den stärksten Einfluss darauf hat, wie das Tier wahrgenommen wird. „Die Haltung von Schweinen in heute üblichen Ställen, in denen die Tiere auf einem Betonboden mit Spalten zum Abfließen der Gülle leben, wird als sehr problematisch wahrgenommen“, sagt der leitende Autor Prof. Dr. Achim Spiller vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen. „Der Strohstall wird im Vergleich als deutlich natürlicher und tiergerechter bewertet. Daran ändert auch der traurige oder fröhliche Ausdruck des im Stall stehenden Schweins nichts.“ Bei der Bewertung des Wohlbefindens des Schweins zeigt sich, dass dasselbe Schwein auf Stroh als zufriedener, gesünder und glücklicher bewertet wird als auf einem Foto mit Spaltenboden.

Die Ergebnisse helfen zu verstehen, wie die Öffentlichkeit Tierhaltungssysteme bewertet. Ein von den meisten Menschen negativ bewertetes Haltungssystem wie der Spaltenboden wird demnach selbst dann nicht besser wahrgenommen, wenn auf den Bildern glücklich aussehende Tiere abgebildet sind. Ein positiv wahrgenommener Stall, wie ein Stall mit Stroheinstreu, wird entsprechend selbst dann nicht schlechter bewertet, wenn das Tier darin traurig aussieht.

Die Studie wurde ermöglicht durch die Förderung des Projektes „Social Lab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft” durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Ozeanversauerung schädigt Dorschlarven mehr als bislang vermutet

0

Der Kabeljau, auch bekannt als Atlantischer Dorsch, gehört zu den wichtigsten kommerziell genutzten Fischarten weltweit. Studien der vergangenen Jahre zeigten, dass zunehmende Ozeanversauerung seinen Nachwuchs bedroht. Doch bisher bestand die Hoffnung, dass wenigstens die Larven, die überleben, widerstandfähiger sind und somit langfristig der Population eine Anpassung ermöglichen. Eine neue Studie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt im Fachjournal Global Change Biology veröffentlicht haben, weist jedoch in eine andere Richtung.

Ozeanversauerung ist neben steigenden Temperaturen und sinkenden Sauerstoffgehalten eine der Hauptbelastungen für den Lebensraum Meer in Zeiten des Klimawandels. Steigende Kohlenstoffdioxid (CO2)-Konzentrationen in der Atmosphäre führen dazu, dass auch das Meerwasser immer größere Mengen an CO2 aufnimmt. Durch die Reaktion des CO2 mit dem Wasser entsteht Kohlensäure. Der pH-Wert sinkt – das Meer wird saurer.

Der genaue Einfluss der Versauerung auf die Gesamtheit der marinen Ökosysteme ist weiterhin schwer vorherzusagen. Allerdings gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass einige Arten sehr unter den Veränderungen leiden werden. Eine dieser Arten ist der Atlantische Dorsch, auch Kabeljau genannt. Eine neue Studie, die Forscherinnen und Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zusammen mit Kollegen aus Frankreich und Norwegen jetzt im internationalen Fachjournal Global Change Biology veröffentlicht haben, belegt zusammen mit vorherigen Arbeiten, dass hohe CO2-Konzentrationen im Meer ausgerechnet den Nachwuchs der Art bedrohen.

Bereits in einer früheren Studie haben die Forschenden gezeigt, dass auf Grund von Ozeanversauerung deutlich weniger Dorschlarven überleben. Damit erreichen weniger Exemplare die Geschlechtsreife und können sich fortpflanzen. „Bisher wurde aber angenommen, dass zumindest die überlebenden Larven besser mit der Ozeanversauerung umgehen können“, sagt Dr. Martina Stiasny vom GEOMAR, Erstautorin der aktuellen Studie, „das könnte über Folge-Generationen zu einer Anpassung der Art führen“. Doch dieser Hoffnung widersprechen die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Untersuchung.

Sie zeigen, dass auch diese überlebenden Larven erhebliche Organschäden und Entwicklungsverzögerungen aufweisen. „Besonders die im Verhältnis zur Körpergröße unterentwickelten Kiemen der Larven sind ein sehr schlechtes Zeichen“, erklärt Dr. Catriona Clemmesen, Leiterin der Gruppe „Fischlarvenökologie“ am GEOMAR. Kiemen sind, wie die Lungen beim Menschen, eines der wichtigsten Organe und regeln neben der Aufnahme von Sauerstoff auch den Ausgleich des verringerten pH-Wertes. Eine Unterentwicklung der Kiemen kann daher weitreichende Folgen für die Larven in den folgenden Lebensstadien haben.

Eine weitere Veröffentlichung aus dem vergangenen Jahr zeigte bereits, dass auch die Elterngeneration sich nur in erhöhten CO2-Werten akklimatisieren und gesünderen Nachwuchs produzieren kann, wenn das Angebot an Nahrung größer wurde. „Diese Idealbedingungen werden in der Natur vermutlich nicht vorzufinden sein“, sagt Dr. Clemmesen. Unter realistischeren Nahrungsbedingungen für die Larven führt die Hälterung der Elterngeneration unter Ozeanversauerungsbedingungen zu einem noch schlechteren Gesundheitszustand bei den Larven.

„Unsere Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung, da der Dorsch eine der wichtigsten kommerziellen Arten weltweit ist und damit eine bedeutende Fischerei-Industrie unterhält. Außerdem ist er für viele Menschen eine wichtige Eiweißquelle“, fasst Dr. Martina Stiasny zusammen. „Kleiner werdende Dorschbestände haben daher weitreichende Folgen nicht nur für Umwelt und marine Ökosysteme, sondern auch für Fischer, Industrie und die menschliche Ernährung.“

Quelle: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel