Stiftung unterstützt Gründer

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Die Stiftung Westfälische Landschaft fördert im Rahmen einer Kooperation mit der Hochschule Osnabrück ein Forschungsprojekt zur Entwicklung und Evaluation einer Markteinführungsstrategie. Es geht dabei um eine agrartechnische Innovation, die von dem Studierenden Victor große Macke und Alexander Grunwald, Absolvent der Hochschule Osnabrück, entwickelt wurde. Wissenschaftlich begleitet wurde das Vorhaben durch Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück. Mit Hilfe des innovativen Projektes soll das sog. Schwanzbeißen (Kaudophagie) in der Schweinehaltung reduziert werden.

Johannes Röring, Vorsitzender der Direktion der Stiftung Westfälische Landschaft, und Susanne Schulze Bockeloh, stellvertretende Vorsitzende, nennen zwei Gründe für die Förderung. Zum einen hilft die Markteinführungsstrategie auch anderen Gründern, innovative Produkte in den landwirtschaftlichen Markt einzuführen. Das kommt der gesamten Landwirtschaft zugute. Zum anderen wird das Produkt bei Erfolg vielen schweinehaltenden Betrieben helfen und einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung des Tierwohls leisten.

Zweck der Stiftung Westfälische Landschaft ist es, dem Wohl und der Leistungsfähigkeit des ländlichen Raumes zu dienen. Sie fördert der Allgemeinheit zugutekommende Belange der Land- und Forstwirtschaft. Schwerpunkte sind dabei land- und forstwirtschaftliche Versuchs- und Forschungsvorhaben sowie die Förderung der Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutzes.

Quelle: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (WLV e.V.)

Erstmalige Infektion von Menschen mit Geflügelpestvirus H5N8 in Russland

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Agrarminister Klöckner, Otte-Kinast und Backhaus initiieren Monitoring zur besseren Risikobewertung

Aus der russischen Föderation wurde am vergangenen Wochenende erstmals weltweit über eine Infektion von Menschen mit dem Geflügelpestvirus H5N8 berichtet. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat sich deshalb mit ihren Amtskollegen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Barbara Otte-Kinast und Till Backhaus, ausgetauscht. Die beiden Bundesländer sind von der Tierseuche aktuell am stärksten betroffen.

Bei ihrem Telefonat verständigten sich die drei Minister darauf, bei Ausbrüchen der Geflügelpest in Deutschland vorsorglich ein Monitoring der Personen zu initiieren, die in Kontakt mit den infizierten Tieren kommen.

Konkret soll das dem Bundesministerium zugehörige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesinstitut für Tierseuchen, gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut sowie der Universität Rostock eine entsprechende Studie konzipieren, um die Infektionsrisiken für den Menschen beurteilen zu können. Ergänzend dazu werden die bereits bestehenden Vorsorgekonzepte aktualisiert und an das derzeitige Geschehen angepasst. Die aktuell noch ausstehenden Bewertungen der Weltgesundheitsorganisation sowie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten zum Fall in Russland werden in diese Risikobewertung und in einen Maßnahmenplan einfließen. Parallel dazu wird das FLI die Feintypisierung der H5-Viren mit den russischen H5N8 Varianten abgleichen. Für eine Weitergabe des Geflügelpestvirus zwischen Menschen gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise.

Klöckner, Otte-Kinast und Backhaus betonen: „Die aktuelle Situation verfolgen wir aufmerksam. Klar ist: In Deutschland ist bisher keine Übertragung von H5N8 auf den Menschen nachgewiesen worden. Dennoch ist wichtig, dass wir eine belastbare Datengrundlage zur Risikobewertung haben. Das Monitoring ist hier ein wesentlicher Beitrag.“

Hintergrund:
Russische Behörden teilten am vergangenen Wochenende mit, dass bei sieben Mitarbeitern eines Geflügelmastbetriebes weltweit erstmals Infektionen mit hochpathogenem aviären Influenzavirus / Geflügelpestvirus des Subtyps H5N8 festgestellt wurden. Die Infektionen fanden bereits im Dezember statt, den Betroffenen geht es laut Behördenangaben gut. Eine Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch wurde nicht beobachtet. Der Virussubtyp H5N8 tritt neben weiteren H5-Subtypen seit Herbst 2020 in Europa verstärkt bei Wildvögeln auf und führte in der Folge zu zahlreichen Ausbrüchen bei Geflügel insbesondere in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Trotz des umfangreichen und nach wie vor aktiven Geschehens bei Geflügel und Wildvögeln liegen bisher keine Hinweise auf humane Infektionen oder natürliche Infektionen bei Säugetieren in Deutschland oder anderen europäischen Ländern außerhalb Russlands vor. Humaninfektionen ändern die Risikoeinschätzung des FLI zum Auftreten von HPAIV H5 in Deutschland bei Geflügel und Wildvögeln nicht, dieses bleibt unverändert hoch.

Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, sollten für mindestens zehn Tage auf das Auftreten von respiratorischen Symptomen bzw. Bindehautentzündungen achten. Falls Symptome auftreten, sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen und eine Testung auf Influenzaviren durchgeführt werden. Darüber hinaus gelten allgemeine Hygieneregeln. So sollten tote Vögel nicht mit bloßen Händen angefasst werden und man sollte sich auf jeden Fall gründlich mit Wasser und Seife die Hände waschen, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist. Auf die einschlägigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts wird hingewiesen.

Bei Geflügelpestviren besteht immer die Möglichkeit einer Änderung der Eigenschaften, u.a. auch der Übertragbarkeit. Zudem können bei einer hohen Viruslast, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten ist, sporadische Übertragungen auf Menschen nicht ausgeschlossen werden.

In Deutschland wurden bisher 625 Fälle bei Wildvögeln und 65 Fälle beim Hausgeflügel amtlich bestätigt (Stand 21.02.2021, 9.30 Uhr). Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die jetzigen in Deutschland vorhandenen H5N8-Viren auf den Menschen übertragen werden können. Das FLI ist hier in engem Kontakt mit dem Robert-Koch-Institut.

Weitere Informationen zur Aviären Influenza finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums unter www.bmel.de oder auf der Internetseite des FLI unter www.fli.de

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Geflügelpest: Ausnahme für Freiland-Gänsehaltung im Sperrgebiet? #EuroTier2021

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Auf der EuroTier digital schilderte Iris Tapphorn, Tapphorn Gänsehof in Lohne, Landkreis Vechta, ihre Erfahrungen mit der Gänsehaltung unter Geflügelpestbedingungen. Ihr Gänsehof umfasst eine Brüterei und Aufzucht der Küken, Mast und Schlachtung sowie die Federverarbeitung in Form von Kissen und Bettzeug (www.gaensehof-tapphorn.de). Sie hält die Mastgänse im Freiland, und das ist im Falle von Geflügelpest natürlich ein Problem. Denn als vorsorgliche Maßnahme erlässt der Landkreis eine Aufstallungspflicht für sämtliches Geflügel. Gänse gelten als gute Überträger des Virus, auch wenn sie nicht so schwer erkranken im Vergleich zu Hühnern und Puten.

Seuchenschutz ist immer auch eine Abwägung von Tierschutz und Tierwohl. Frühere Geflügelpestzüge haben laut Iris Tapphorn zu massiven Tierschutzproblemen geführt, denn Freilandgänse sind eine Aufstallung nicht gewohnt. Außerdem ist eine Aufstallung für die Tierhalter nicht einfach umzusetzen, denn niemand hat einfach so einen bis dato ungenutzten Stall, der sich für die Aufstallung von Gänsen nutzen lässt.

Um für eine derartige Situation gerüstet zu sein, bereitet sich Iris Tapphorn deshalb schon frühzeitig vor. Mastgänse stellen weniger ein Problem dar, weil diese ja bis Weihnachten geschlachtet werden. Aber die Elterntiere bleiben über den Winter. Ihr Betrieb hat den Besatz der Elterntiere aufgrund der Gefahr von Geflügelpest deutlich reduziert. Im Falle einer Stallpflicht wäre so genügend Platz für die Elterntiere im Stall vorhanden. Tapphorns haben ihre Auslaufflächen mit Gräben versehen, um das Oberflächenwasser abzuführen, welches sonst Zugvogel zur Rast anlocken würde. Weiterhin gibt es keine Futterstellen und auch keine Tränkestellen mehr im Auslauf, um Wildvögeln keinen Grund zum Bleiben zu geben. Außerdem haben sie ihr Monitoring auf die Tiergesundheit verstärkt und eine noch striktere Biosicherheit eingeführt. So minimiert der Betrieb Tapphorn das Risiko für den Eintrag des Virus.

Es bleibt aber das Problem, wohin mit den Mastgänsen bei Stallpflicht im Herbst? Denn für die deutschen Freiland-Gänsehalter gibt es derzeit nahezu keine Planungssicherheit, ob die Mast für die Saison komplett im Freiland durchgeführt werden kann. Iris Tapphorn kritisiert, dass durch das föderalistische System jeder Landkreis für sich entscheidet, wie er mit der Geflügelpest und einzelnen Tierhaltern, die eine Ausnahmegenehmigung beantragen, umgeht. Sie sagt, dass sie einerseits gelobt werden, weil sie die Tiere draußen halten, und der Kunde möchte gerne deutsche Freilandgänse, andererseits aber bestehe eben keine Planungssicherheit bei Mastbeginn im Frühjahr, das die Gänse auch wirklich bis Weihnachten auf der Weide bleiben dürfen. Das müsste klar geregelt werden, z.B. mit einer Ausnahme von der Stallpflicht für die Gänsefreilandhaltung. Da müsse Rechtssicherheit her, und zwar auf nationaler Ebene. Denkbar wäre zur Absicherung neben größter Biosicherheit ein engmaschiges Monitoring auf das Virus, z.B. wöchentlich oder alle zwei Wochen ein Screening im Bestand, um frühzeitig bei Virusverdacht reagieren zu können. Wenn man deutsche Gänse aus Freilandhaltung möchte, müsse man den Gänse haltenden Betrieben auch eine Perspektive bieten, ist ihre Forderung.

Quelle: Dr. Heike Engels, Der Hoftierarzt

Erhöhte Ebenen in der Hähnchenmast – #EuroTier2021

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Zum praktischen Einsatz erhöhter Ebenen in der Hähnchenmast zeigte Stefan Teepker, Geschäftsführer bei SprunGTische.de, anlässlich der EuroTier 2021 Bilder aus seinen Mastställen, in denen auch Vergleichsversuche des FLI durchgeführt werden.

Dr. Julia Malchow, FLI

Dr. Julia Malchow (Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts) stellte anschließend vorläufige Ergebnisse des Projekts „Healthy Livestock“ vor (Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bei Masthühnern und Mastschweinen, durch Verbesserung von Tiergesundheit und Wohlbefinden, ohne Produktivitätseinbußen). Das FLI untersucht im Rahmen des Projekts das Verhalten von Masthühnern beim Einsatz von erhöhten Ebenen im Stall. Grundsätzlich kommen Sprungtische dem natürlichen Verhalten der Tere entgegen, strukturieren die Haltungsumgebung und bieten den Hühnern Möglichkeiten zum Aufbäumen wie auch zum Ruhen unter den Sitzebenen. Vorherige Studien hatten bereits gezeigt, dass sich Sitzstangen nicht für schnellwachsende Rassen eignen und Plattformen stärker genutzt werden. Erhöhte Ebenen verbessern die Abtrocknung der Einstreu, damit die Fußballengesundheit und Lauffähigkeit.

Eine automatische Früherkennung von Gesundheitsparametern kann mithilfe von Videokameras über Parameter wie Gewicht oder Aktivität erreicht werden, wobei allerdings einzelne Individuen kaum zu erkennen sind. Das FLI will ist dabei ein geeignetes System zu entwickeln.

Dazu werden in unterschiedlichen Haltungsbedingungen verschiedene Oberflächen erhöhter Ebenen untersucht: Aluplatten, perforierte Gitterroste und Gussroste (aus der Schweinehaltung). Für die Studie wurden die Nutzung der erhöhten Ebenen, Futterverzehr, Gefiederverschmutzung, Fußgesundheit und Verhalten (Ängstlichkeit) erfasst. Die Ebenen wurden für den Versuch mit Wägezellen ausgestattet.

Vorläufige Ergebnisse
Im Celler Versuchsstall bevorzugten die Hühner Gitterroste gegenüber Aluplatten, wobei die Nutzung generell in der 2. und 3. zunimmt und ab der 4. LW wieder abnimmt. Im Praxisstall wurden Alu, Plastikgitter und Gussmetallroste getestet, wobei keine klare Präferenz über die gesamte Mastdauer festgestellt werden konnte. Nicht-perforierte Oberflächen wurden allerdings in einigen LW etwas stärker genutzt.

Beim Vergleich erreichten die Hühner beim Gitterrost ein höheres Gewicht (2.500 zu 2.400 g), hatten aber gleichzeitig stärker verschmutztes Gefieder (18,3% zu 9,7%) und schnitten beim Fußballen-Score seltener mit „0“ ab (73,1% zu 91,4%). Bei Veränderungen des Fersenhöckers (74,2% zu 67,7%) und der Mortalität (2,9% zu 3,5%) waren keine signifikanten Unterschiede feststellbar. Im weiteren Verlauf des Projekts sollen nun Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und Möglichkeiten zur Früherkennung gesundheitlicher Probleme untersucht werden.

PS: Durchgehende Gitterroste (aus Kunststoff) sind derzeit nach TierSchNutztV nicht anrechenbar.

Sinkende Antibiotikazahlen im QS-System Antibiotikamonitoring 2020

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+ Schweine haltende Betriebe mit den meisten Einsparungen
+ Pilotprojekt nimmt Mastelterntiere von Hähnchen und Puten ins Antibiotikamonitoring mit auf
+ Reserveantibiotika bleiben die Ausnahme

Die verabreichte Menge Antibiotika aller tierhaltenden Betrieben im QS-System sank 2020 im Vergleich zum Vorjahr weiter. Die Schweine haltenden Betriebe konnten dabei die größten Einsparungen vornehmen: Im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Tonnen und im Vergleich zum Jahr 2014, als erstmals die gesamte Schweineproduktion im QS-Antibiotikamonitoring erfasst wurde, sogar um über 43 Prozent.

Das Antibiotikamonitoring hat in einem Pilotprojekt 2020 auch die Mastelterntiere bei Hähnchen und Puten miterfasst. In diesem Bereich verabreichten die Geflügelhalter 4,13 Tonnen Antibiotika in insgesamt 230 Betrieben mit einer Bestandsgröße von durchschnittlich knapp 30.000 Tieren. Über alle Tiergruppen hinweg bleibt es auch im Jahr 2020 bei einer rückläufigen Tendenz der Antibiotikamengen. Insgesamt konnten die Tierhalter im QS-System 2,9 Tonnen Antibiotika im Vergleich zum Vorjahr einsparen.

Reserveantibiotika bleiben die Ausnahme im QS-System
„Die aktuellen Zahlen aus dem Antibiotikamonitoring zeigen erneut, dass die Tierärzte im QS-System nur im äußersten Notfall, wenn alle Alternativen bei der Behandlung kranker Tiere ausgeschöpft sind, kritische Antibiotika verschreiben. Eine konstant niedrige Sockelmenge von 3,78 Tonnen für alle QS-tierhaltenden Betriebe lässt sich mit Blick auf den Tierschutz und die zwingende Notwendigkeit, kranke Tier zu behandeln, derzeit nur schwer reduzieren“, erläutert Katrin Spemann, bei QS verantwortlich für das Antibiotikamonitoring, die aktuellen Entwicklungen. Reserveantibiotika machten 2020 einen Anteil von 0,83 Prozent an der Gesamtmenge verabreichter Antibiotika im QS-System aus.

QS-Therapieindex stellt sichere Datenbasis
Die Qualität und Plausibilität der Daten im QS-Antibiotikamonitoring wird über den Therapieindex der einzelnen tierhaltenden Betriebe verifiziert. Zum Stichtag 1. Februar 2021 lagen QS über 90 Prozent aller Therapieindices aus den Betrieben vor. Damit kann QS regelmäßig auch die Plausibilität der Daten prüfen.

Der Therapieindex kennzeichnet im QS-System die durchschnittliche Anzahl der Behandlungseinheiten je Tierplatz. Das heißt er wird für jeden Betrieb berechnet und drückt aus, an wie vielen Tagen jedes Tier im Durchschnitt mit einem Wirkstoff behandelt wurde. Der Therapieindex basiert auf den Zahlen der letzten zwei Quartale.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Puten mit intaktem Schnabel halten – eine große Herausforderung an Haltung und Management #EuroTier2021

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Dr. Birgit Spindler, Geflügelspezialistin der TiHo Hannover, referierte anlässlich der EuroTier 2021 über die Haltung von Puten mit intakten Schnäbeln und die Probleme, wenn bei solchen Tieren Federpicken und Kannibalismus auftritt. Die möglichen Ursachen hierfür seien vielfältig: von der genetischen Disposition über Fütterung, Gruppengröße, Besatzdichte Lichtqualität, Stallklima, fehlende Möglichkeiten zu lang andauerndem Erkunden, bis zur Geschlechtsreife und etlichen mehr.

Dr. Spindler stellte die Forschungsansätze der TiHo vor, wo im Forschungsgut Ruthe /ca. 1.500 Hahnen- bzw. 2.700 Hennenplätze) in zwei baugleichen Stallabteilen verschiedene Haltungsparameter getestet werden. In einem klassischen Louisianastall mit Windschutznetzen und Jalousien, in der Aufzuchtphase eingestreut mit Hobelspänen und Stroh in der Mastphase.

Im Rahmen einer Studie von Schulze Hillert et al. wurde untersucht, ob der Einsatz von tierischem Eiweiß im Alleinfutter Federpicken und Kannibalismus bei Putenhennen reduzieren kann. In zwei Mastdurchgängen wurde entweder Hämoglobinpulver und Fischmehl oder konventionelles Futter angeboten. Eingestallt wurden je zwei Gruppen, mit gekürztem und ungekürztem Schnabel, die mit und ohne tierischem Eiweiß gefüttert wurden. Die mit tierischem Eiweiß aufgezogenen Puten hatten am Ende tendenziell etwas geringere Mastendgewichte, tendenziell mehr 7-Tage-Verluste und auch tendenziell höhere kumulative Verluste. Ebenso kam es zu keinen signifikanten Unterschieden, beim Vorkommen äußerer Verletzungen.

Der Schnabelzustand aber hatte durchaus Effekte. Bei den Puten mit ungekürzten Schnäbeln kam es häufiger zu Verletzungen, am Kopf inkl. Stirnzapfen, und an Rücken und Flügeln. Drei- bis viermal mehr Tiere aus den Gruppen mit intaktem Schnabel mussten separiert und ins Krankenabteil gesetzt werden. Der Mehraufwand fürs Personal war erheblich. Auch akuter Kannibalismus trat nur in diesen Gruppen auf. Die Forscher identifizierten hierfür Risikozeiträume mit Peaks in der 9., 11., 13. und 14. Lebenswoche.

Um akut gegenzusteuern, wurden die Jalousien kurzfristig geschlossen und Beschäftigungsmaterial angeboten (frisches Stroh als Einstreu und bunte Plastikbälle von der Decke und an den Futterlinien). Dies führte auch zur Beruhigung der Situation im Stall. Der Schnabelzustand hatte keine Effekte auf den späteren Schlachtkörperverwurf oder die absolute Zahl verendeter und gemerzter Hennen.

Eine zweite Studie (Kulke et al.) untersuchte den Einfluss der Besatzdichte auf Federpicken und Kannibalismus bei Putenhähnen mit intakten Schnäbeln. Hierzu wurden BUT6-Hähne in zwei Durchgängen mit 58 kg/qm (Standard) respektive 40 kg/qm (Empfehlung des Deutschen Tierschutzbundes) eingestallt. Aufzucht und Mast fanden in, mit Strukturelementen und Beschäftigungsmaterial, angereicherter Umgebung statt. Kam es während des Versuchs zu Federpicken, wurden verletzte Tiere schnell separiert und bei vermehrtem Auftreten von Verletzungen sofort zusätzliches Beschäftigungsmaterial angeboten.

Im Stall gab es ab der 3. LW Heukörbe, ab der 6. LW Strohballen, ab der 7. LW eine schräggestellte Wand als Rückzugsmöglichkeit sowie Picksteine und ab der 9. LW Zugang zu einem überdachten Kaltscharraum. Schließlich lief zweimal täglich für je zwei Stunden auch noch Radiomusik.

Bei den Verlustraten gab es keine signifikanten Unterschiede in den beiden Durchgängen, auch akuter Kannibalismus trat bei beiden Besatzdichten auf, sodass zwischen 10% und 16% der Tiere separiert werden mussten. Einheitliche Tendenzen konnten nicht festgestellt werden, dagegen aber wieder Risikozeiträume in der 1., 3.-5., 7./8., 17. und 19. Lebenswoche.

© Kulke, TiHo

Beim Beschäftigungsmaterial haben sich im Versuch beim Auftreten von Problemen bewährt: Haferflocken auf Eierhöckern im frühen Lebensalter und eigens konstruierte Popcornspender für ältere Tiere. Auch Plastikflaschen mit befestigten Kabelbindern und Metallmobiles kam bei den Hähnen gut an.

Die Haltung von Putenhähnen mit ungekürzten Schnäbeln sei grundsätzlich möglich aber aufwändig, sagte die Wissenschaftlerin. Das Management müsse optimiert und Tiere auch bei kleineren Verletzungen schnell separiert werden. Beim Auftreten von Federpicken und Kannibalismus müsse frühzeitig zusätzliches Beschäftigungsmaterial angeboten werden.

Broschüre mit „Empfehlungen zur Vermeidung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus bei Puten sowie Notfallmaßnahmen beim Auftreten von Federpicken und Kannibalismus“
Download (PDF, 7,92 MB)

Folgt auf „Küken-schreddern“ jetzt „Hähnchen-stapeln“?

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Kommentar von Thomas Wengenroth

Gleich vorab: in Deutschland werden Küken nicht geshreddert. Früher mal wurde eine Maschine mit dem euphemistischen Namen „Homogenisator“ eingesetzt. Seit vielen Jahren jedoch werden Eintagsküken in Deutschland mittels CO2 betäubt, getötet und dann als Futter an Zoos, Falknereien und gerne auch als Leckerli für Bello und Mietz verkauft. Wer „Eintagsküken kaufen“ über Google sucht, findet ein reichhaltiges Angebot vom Six-Pack, tiefgefroren bis zur Economy-Packung mit 10 Kilo.

Aber nach dem 1. Januar 2022 ist auch damit Schluss, Eintagsküken dürfen dann nicht mehr getötet werden, alle Eier müssen ausgebrütet und die Bruderhähne anschließend aufgezogen werden. Und da kommt dann „Hähnchen-Stapeln“ ins Spiel: wohin mit den vielen Vögeln? Ja, wir haben bald ein Platzproblem.

Aber der Reihe nach: wie sollen Bruderhähne eigentlich gehalten werden? Dazu gibt es ein paar Erfahrungen, vor allem aus dem Bio-Bereich, und einige, wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine spezielle gesetzliche Vorgabe gibt es überhaupt nicht. Die maßgeblichen Gremien, besetzt mit Bundes- und Landesministerialen, haben gerade erst begonnen, sich mit dem Thema zu befassen und es bleibt spannend, ob sie vor dem nächsten Neujahrstag zu Ergebnissen und passenden Regelungen kommen. Auf jeden Fall werden aber ab Mitte Januar 2022 täglich Bruderhähne ausgebrütet – eine Menge Bruderhähne.

Zwar sind eine Reihe von Methoden zur Geschlechtserkennung im Ei entwickelt und teils auch schon marktreif, sie aber flächendeckend in den verbleibenden neun Monaten einzuführen, ist völlig illusorisch. Und auch wenn dies irgendwann der Fall sein wird, schlüpfen trotzdem jedes Jahr Millionen männlicher Eintagsküken. All diese Techniken haben nämlich eine Fehlerquote von 2% bis 5%.

Bio-Bruderhähne gibt es heute schon, sie werden in strukturierter Umgebung und lockerem Besatz gehalten. Kenner sagen, 18 kg Gewicht je Quadratmeter dürfen dabei aber nicht überschritten werden. Denn: die schlanken Hähne sind äußerst aktiv und – weil sie viel länger gemästet werden, als Artgenossen aus reinen Mastlinien – erreichen sie auch die Geschlechtsreife. Dann verhalten sie sich, wie esein erfahrener Bio-Halter treffend formuliert, „wie 15-Jährige Jungs auf dem Schulhof: dumm wie zwei Meter Feldweg, aber voller Testosteron.“

Weil die Schwesterhennen auf Legeleistung gezüchtet sind, setzen ihre Brüder sehr langsam und dafür wenig Fleisch an. Um 1 kg Lebendgewicht zu erreichen, brauchen sie 14-15 Wochen; dafür fressen sie aber auch fünfmal so viel wie Masthühner.

Dies ist auch der Grund, warum für die Aufzucht der zukünftig anfallenden Mengen an Bruderhähnen, Bio-Betriebe nicht in Betracht kommen. Sie könnten niemals die nötigen Bio-Futtermassen bereitstellen. Dazu kommt der Preis – aber dazu unten mehr.

Übrig bleibt also die konventionelle Aufzucht und zwar in bereits vorhandenen Ställen. Neue Behausungen für Bruderhähne zu bauen scheidet aus, allein weil die Genehmigungsverfahren viel zu lange dauern würden. Und: wer will schon einen neuen Hühnerstall im Ort? Also werden erfahrene Hähnchenmäster gesucht, die geschwind ihre Ställe mit Strohballen, Luzernespendern, erhöhten Sitzflächen und Versteck-Möglichkeiten ausstatten, um dann frohgemut und flugs in die Bruderhahnmast einzusteigen.

Da „Hähnchen-Stapeln“ aber nicht wirklich eine Option ist, werden für jeweils eine Million Hähne 250.000 Stallplätze benötigt: vier Mastdurchgänge im Jahr, Besatzdichte 18 kg/qm, Stallfläche 14.000 qm (oder 10 Ställe im Format 20×70 Meter). Für die erste Million mögen die noch zu finden sein, spätestens bei fünf Millionen wird es eng.

Verdienen wollen die Mäster am Ende auch noch was. Weil aber die „ausgemästeten“ Vögel sehr schmalbrüstig bleiben, fällt die übliche Vermarktung aus. Statt Filet gibt es entweder einen ganzen Hahn für Schmor- und Suppentopf oder – viel wahrscheinlicher – verarbeitet zu Wurst und Frikadellen. In jedem Fall jedoch lässt sich der Bruderhahn nur zum Discounterpreis verkaufen und nicht zu bio-mäßigen € 20,- das Kilo.

Dann aber klafft eine ziemliche Lücke, zwischen Erzeuger-Aufwand und Erlös. Wer schließt die und auch wie? Eine Quersubventionierung übers Ei? Wie hoch müsste der Aufschlag da ausfallen? Wie landen die Extra-Erlöse des Legehennen-Halters dann beim Bruderhahn-Mäster? Braucht es dazu etwa eine „Initiative Bruderhahn“ (natürlich schlank wie der Hahn selbst, mit minimalem Verwaltungsaufwand)?

Ein paar Fragen gäbe es also – aber wir haben ja noch jede Menge Zeit…

Weitere Informationen zum Thema:
Prof. Rudolf Preisinger (EW Group): „Legehennen, Bruderhähne, Geschlechtserkennung im Ei“ (AfT-Symposium 2019)

Dr. Julia Malchow (FLI): „Eignet sich das Zweinutzungshuhn als Alternative in Mast und Eierproduktion?“ (Geflügeltagung 2019)

Aktueller Stand bei der in ovo-Geschlechtsbestimmung beim Huhn – #EuroTier2021

Zukunftsperspektiven für Bruderhähne und Zweinutzungshühner – #EuroTier2021

Zukunftsperspektiven für Bruderhähne und Zweinutzungshühner – #EuroTier2021

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Eines der interessantesten Diskussionspanel der diesjährigen EuroTier dürfte jenes zu Bruderhähnen und Zweinutzungshühnern gewesen sein. Alina Kathrin Lückemann (Netzwerk Fokus Tierwohl), Dr. Eva Moors (LAVES), Prof. Dr. Silke Rautenschlein (TiHo Hannover), Carsten Bauck (Demeter Bauckhof GmbH), Prof. Dr. Rudolf Preisinger (EW Group) beleuchteten hier die Zukunftsperspektiven für die Zeit nach dem Verbot des Kükentötens ab 1. 1. 2022.

Zwar wurden 2020 in Deutschland bereits 5 Mio. Bruderhähne aufgezogen, aber bisher gäbe es keine speziellen gesetzlichen Vorgaben für die Mast dieser Tiere gab Alina Lückemann zu bedenken, wozu Dr. Eva Moors anmerkte, das TierSchG sei Grundlage für jegliche Tierhaltung und dort stünde, dass Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen gemäß ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden müssen.

Die TierSchNutztV regele dann konkret die Anforderungen für Legehennen und Masthühner und so seien eben auch Bruderhähne als Masthuhn einzuordnen. Aufs Verhalten bezogen seien Bruderhähne aber nicht mit Masthühnern zu vergleichen, wären sie doch wesentlich agiler und kämpferischer. Sie brauchten eine strukturierte Haltungsumwelt, erhöhte Sitz- und Ruhemöglichkeiten und Beschäftigungsmaterial. Die Besatzdichte ist lt. Verordnung für die Mast auf max. 29 kg/qm festgelegt, was aber für Bruderhähne sehr kritisch zu betrachten sei. Momentan fänden auf Bundesebene erste Gespräche zum Thema Mindestanforderungen zur Aufzucht von Bruderhähnen statt, verriet die Geflügel-Spezialistin des LAVES.

Bei Demeter dürfen in festen Gebäuden 16 kg/qm, in Mobilställen 18 kg/qm gehalten werden und 18 kg stellen für Carsten Bauck auch sicher die Obergrenze dar. Sobald Hähne anfingen ein Revierverhalten auszubilden und auszuleben, müsse ein Stall sinnvoll strukturiert sein und die Hähne beschäftigt werden.

Überall, auch im Bio-Bereich, dominiert Brustfleisch das Hähnchenfleischgeschäft und sowohl Bruderhähne also auch Zweinutzungshühner seien doch relativ schmalbrüstig leitete Prof. Preisinger zum nächsten Punkt über. Der Abstand zu reinen Mastlinien würde sich, dank weiterer Zuchtanstrengungen, zwar noch verringern, aber doch immer signifikant bleiben. In Österreich würden im Biobereich z. B. Hähne der Rasse Lohmann Sandy nur bis 1.000 g Lebendgewicht aufgezogen, was aber spezielle Schlachttechnik erfordere, die ein normaler Schlachthof nicht vorhält.

Auf die Frage, worauf wir uns gefasst machen müssen, wenn die in-ovo-Geschlechtsbestimmung flächendeckend eingesetzt wird, warnt Preisinger, die Branche müsse sich „intensivst“ mit der Hahnenaufzucht auseinandersetzen! Auch wenn wir sehr bald eine flächendeckende Geschlechtsbestimmung bekommen sollten, führe eine Fehlerquote von 2 % oder gar 5 % zum Schlupf einiger Millionen Hähne, die dann auch adäquat aufgezogen werden müssten!

Beim Bauckhof koste ein ganzes Hähnchen € 25 bis € 30,- Euro und der Bruderhahn wäre dann (bei 20 Wochen Aufzucht und einer Futterverwertung von 5:1) nochmals deutlich teurer. Bruderhahn schmecke auch anders als das gewohnte Hühnerfleisch, er brauche nicht nur länger im Stall, sondern auch in der Küche. Idealerweise würde er zum „Coq au vin“ geschmort und niemals kurzgebraten: „Aber wer hat heute überhaupt noch einen Römertopf?“ fragte Carsten Bauck. Ansonsten bleibt noch die Verarbeitung zu Wurst und Frikadellen.

Ganz anders verhielte es sich mit dem Zweinutzungs-Hahn, sagt Carsten Bauck; der sei viel näher an der Verbrauchererwartung.

An der TiHo wurden schon Mastdurchgänge mit Hähnen aus den Linien Lohmann Brown und Lohmann Dual durchgeführt. Die Brown-Hähne erwiesen sich dabei als noch aktiver als Dual, beide Linien seien für den Landwirt sehr umgänglich gewesen und hätten auch Abgangsraten jeweils unter 2% gehabt, Dual noch weniger als Brown berichtete Prof. Silke Rautenschlein.

Aber: welche Bedeutung haben Zweinutzungshühner heute? Mit weniger als 0,1% des Tierbestands in Deutschland praktisch keine, antwortete Prof. Rudolf Preisinger! In der Schweiz würden etwa 10.000 gehalten und die TiHo sei zweitweise Deutschlands größter Abnehmer gewesen.

Im Öko-Bereich sieht Carsten Bauck zukünftig keine Alternative zum Zweinutzungshuhn, denn der Bruderhahn sei lediglich eine Brücken-Lösung, weil er nur ein Symptom bekämpfe. „Wir erzeugen mit Futter was wir nicht haben, in Ställen die wir eigentlich auch nicht haben, ein Tier mit dem umzugehen auch der Kunde Probleme hat“.

Aber auch mit dem Zweinutzungshuhn wird es mit dem „günstigen Bio-Ei“ vorbei sein, prognostiziert Carsten Bauck: „Bei Mobilstall und 100% Bio-Fütterung reden wir schnell von 80-90 Cent fürs Ei.“

Weitere Informationen:
Vortrag von Prof. Rudolf Preisinger „Legehennen, Bruderhähne, Geschlechtserkennung im Ei“ von 2019

Vortrag von Dr. Julia Malchow: „Eignet sich das Zweinutzungshuhn als Alternative in Mast und Eierproduktion?“ Bericht von der Geflügeltagung 2019

Aktueller Stand bei der in ovo-Geschlechtsbestimmung beim Huhn – #EuroTier2021

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Das Töten von Eintagsküken soll in Deutschland ab dem 1. 1. 2022 gesetzlich verboten werden. Alle heute schon marktreifen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei funktionieren nach dem 9. Bebrütungstag (von insgesamt 21 Bruttagen). Nach dem Willen des BMEL sollen sie als Brückentechnologie eingesetzt und weiterentwickelt werden. Ab dem 1. 1. 2024 gilt dann ein Verbot des Tötens von Hühnerembryonen im Ei bereits nach dem 6. Bruttag.

Zur EuroTier 2021 referierte Dr. Thomas Bartels (FLI – Institut für Tierschutz und Tierhaltung) zum „Status quo der in ovo-Geschlechtsbestimmung beim Haushuhn“ und stellte alle derzeit entwickelten oder in der Entwicklung befindlichen Verfahren vor.

Die Anforderungen an praxistaugliche Verfahren seien vor allem

+ Frühe Geschlechtsbestimmung
+ Genauigkeit über 95%
+ Durchsatz von mindestens 100.000 Eiern pro Tag
+ geringe Effekte auf die Schlupfrate
+ sinnvolle Verwertung der aussortierten Bruteier
+ gesellschaftliche Akzeptanz

Für die Übergangszeit bis Ende 2023 eignen sich alle Verfahren, die nach dem 9. Bruttag ansetzen:

1) Messung des Hormongehalts in der Allantoisflüssigkeit (SELEGGT/Deutschland)
2) Detektion patentierter Biomarker in der Allantoisflüssigkeit (IN OVO/Niederlande)
3) DNA-Analyse in der Allantoisflüssigkeit (Plantegg/Deutschland)

Das in ovo-Farbsexing mittels Hyperspektralanalyse kann erst ab dem 13. Bruttag eingesetzt werden und erfüllt so die gesetzlichen Anforderungen nicht.

Vor dem 6. Bebrütungstag analysieren

+ mittels Genome Editing EggXYt noch vor der Bebrütung, im befruchteten Ei (Israel)
+ kombinierte Raman- und Fluoreszenz-Spektroskopie (Molekülspektroskopie nach 3,5 Bruttagen (Deutschland)
+ spektroskopische Geschlechtsbestimmung bei mittels Laser geöffneter Eischale (Deutschland)
+ spektroskopische Geschlechtsbestimmung bei geschlossener Eischale

Beim letztgenannten Verfahren träten jedoch (noch) Probleme mit Schalenfarbe, -dicke und -struktur sowie Inhaltsstoffen im Ei auf. Es gebe zwar Berichte über die Entwicklung weiterer Verfahren, sagte Bartels, zu denen aber keine Details bekannt seien. Darüber hinaus erscheine es fraglich, ob die drei Übergangsverfahren technisch so weiterentwickelt werden können, dass sie bereits am 5. Bruttag funktionieren.

Dass bis Ende 2021 alle genannten Verfahren flächendeckend einsetzbar sind und die anfallende Menge an Bruteiern untersucht und selektiert werden kann, erscheint – nicht nur wegen Corona – mehr als fraglich. Da die Gesetzesänderung aber bereits ab dem 1. Januar 2022 greift, müssen sich alle Marktteilnehmer auf eine große Zahl von „Bruderhähnen“ einstellen! Die dann schlüpfenden Hähne müssen aufgezogen, gefüttert, geschlachtet und vermarktet werden. Und auch wenn zukünftig alle Eier Deutschlandweit selektiert werden können, ändert sich daran wenig. Bei Fehlerraten von 2-5% schlüpfen dann immer noch 1-2 Mio. männliche Küken aus Legelinien pro Jahr!

Aquakultur als Motor zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen im Ozean

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Forschende rund um Privatdozent Dr. Jörn Petersen vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH haben erstmals die Relevanz von Antibiotikaresistenzen in der Gruppe der marinen Roseobacter-Bakterien untersucht und konnten nachweisen, dass ein über den horizontalen Gentransfer aufgenommenes Plasmid eine um über 50-fach erhöhte Toleranz gegenüber dem Breitbandantibiotikum Chloramphenicol vermittelt. Ihre Ergebnisse publizierte das Team im renommierten Fachjournal Environmental Microbiology (doi: 10.1111/1462-2920.15380).

Bakterien der Roseobacter-Gruppe machen bis zu einem Viertel der Bakterien in den Ozeanen aus. Die Arbeitsgruppe um den Mikrobiologen Jörn Petersen erforscht am Leibniz-Institut DSMZ im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Roseobacter (TRR51)“ seit einigen Jahren diese Alphaproteobakterien. Sie spielen eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoff- und Schwefelhaushalt und besitzen aufgrund ihres vielseitigen Stoffwechsels ein großes Potential für die biotechnologische Nutzung. Im Rahmen der jetzt veröffentlichten Studie untersuchten die Forschenden eine bisher noch nicht charakterisierte Gruppe von Plasmiden, ringförmigen DNA-Molekülen, die sich unabhängig vom Bakterienchromosom in der Bakterienzelle vervielfältigen. Mit Hilfe von Plasmiden tauschen Bakterien genetisches Material schnell und unkompliziert untereinander aus und tragen damit entscheidend zur Entstehung multiresistenter Krankenhauskeime bei. Das hier untersuchte RepC_soli Plasmid pP72_e, das die genetische Information für eine um den Faktor 50 erhöhte Toleranz gegenüber dem Breitbandantibiotikum Chloramphenicol enthält, konnte sehr einfach durch eine Art molekulare Rohrpost in weitere Meeresbakterien übertragen werden. Basierend auf ihren Ergebnissen gehen die Forschenden davon aus, dass die in der Studie untersuchten Roseobacter-Stämme aus spanischen Aquakulturen vor relativ kurzer Zeit die Antibiotikaresistenz über horizontalen Gentransfer von entwicklungsgeschichtlich entfernt verwandten Gammaproteobakterien übernommen haben. Untermauert wird die Hypothese von der Tatsache, dass das Resistenzgen bisher in keiner weiteren Art der untersuchten Meeresbakterien gefunden wurde, es aber häufig auf Plasmiden von für Mensch und Tier gefährlichen Krankheitserregern wie Salmonella enterica oder Vibrio cholerae vorkommt.

„Da die von uns untersuchten Bakterien von Muscheln aus spanischen Aquakultur-Farmen isoliert wurden, ist davon auszugehen, dass die erworbene Toleranz gegenüber Chloramphenicol eine genetische Altlast früheren Antibiotikaeinsatzes ist“, erläutert der Erstautor der Studie Lukas Birmes. In Aquakulturen wurden früher häufig Antibiotika eingesetzt, um prophylaktisch möglichen Krankheiten vorzubeugen oder das Wachstum zu fördern. Aufgrund der Konsequenzen für Mensch und Natur wurde der Einsatz solcher Medikamente in den letzten Jahren aber in vielen Ländern stark reduziert. Bemerkenswert ist, dass in mehr als einem Dutzend anderer nah verwandter Phaeobacter-Stämme, deren Genom komplett entschlüsselt ist und die in den Meeren vor Dänemark, Frankreich, Deutschland und Australien isoliert wurden, das Gen für die Chloramphenicol-Toleranz nicht vorhanden ist. Man wolle keine Schuldzuweisungen aussprechen, stellen die Forschenden klar. „Aber Ergebnisse wie das unsrige zur Verbindung von Gesundheitswesen, Tierzucht und mariner Aquakultur machen deutlich, wie eng die Welt heutzutage aus biologischer Sicht vernetzt ist. Der Mensch sollte sich bewusst sein, welchen Fußabdruck er im Anthropozän hinterlässt“, fasst Jörn Petersen zusammen.

Quelle: Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH