Legehennen, Bruderhähne, Geschlechtserkennung im Ei: was bringt die Zukunft? #AfT2019

Prof. Dr. Rudolf Preisinger

Prof. Rudolf Preisinger (EW Group) benannte zu Beginn seines Vortrags die erstaunlichen Leistungen aktueller Zuchtlinien. Hennen legen heute 80 Tage lang je ein Ei, pausieren für nur einen Tag und liefern dann weitere 40 Tage je ein Ei. Nach einem zweiten „Urlaubstag“ nehmen sie die Produktion für weitere 30 Tage wieder auf.

Diese Zyklusverlängerung hat jedoch Folgen: die Qualität der Eischalen sinkt, das Federkleid verschlechtert sich mit zunehmendem Lebensalter und die Mortalität steigt an. Außerdem verändern sich die Nährstoffbedürfnisse und die Hennen vermissen oft

– mehr unverdauliche Ballaststoffe,
– mehr als 6% Fettgehalt und nicht nur Energie aus Stärke,
– einen höheren Gehalt an essentiellen Aminosäuren,
– grobes Kalzium für die Schalenbildung in der Nacht
– und auch der Impfschutz aus der Aufzuchtphase verschlechtert sich (Nachimpfung).

Besonders in der Freiland- und Biohaltung kommt es zu Knochenbrüchen, durch mehr Bewegung und Wachstum von Knochen und Gefieder. Der Visbeker Züchtungs-Experte erwartet für das Jahr 2025 für diese Arten der Alternativhaltung einen Anteil von 50% und will züchterisch mit Hilfe von Knochendichte-Messungen per Ultraschall und Brustbeinbonitur gegensteuern.

Gegen Federpicken und Kannibalismus wird schon heute auf einen geringeren Überstand des Oberschnabels hin gezüchtet. Die Erblichkeit läge hier bei 10-20%.

Dem Zweinutzungshuhn dagegen prophezeit Prof. Preisinger keine große Zukunft. Die Hähne müssten länger gemästet werden und zeigten, bei wesentlich höherem Futtereinsatz, am Ende deutlich weniger Brustfleischanteil. Die Hennen legten ca. 60 Eier weniger pro Jahr und diese seien auch noch deutlich kleiner, als die ihrer spezialisierten Schwestern.

Österreichische Biobetriebe ziehen als Alternative seit zwei Jahren Bruderhähne aus Legelinien auf. Haben diese 1 kg Lebendgewicht erreicht, werden sie geschlachtet und zu Frikassee oder Würstchen verarbeitet.

Die Zukunft jedoch gehöre eindeutig der Geschlechtserkennung im Ei. REWE bietet heute schon SELEGGT-Eier an, bei denen das Geschlecht am 10. Tag bestimmt wurde, AAT und Uni Leipzig entwickeln ein Ramanspektroskopie-Verfahren, das die Bestimmung bereits am 4. Tag ermöglicht. Mindestens für den Biobereich ist aber der 10. Tag (die Hälfte der Entwicklungszeit des Kükens im Ei) problematisch, weil zu diesem Zeitpunkt schon ein Schmerzempfinden des Embryos zu erwarten ist.

Die Kosten je Konsum-Ei dürften in jedem Fall gering sein. Ob jedoch das AAT-Verfahren 2020 tatsächlich praxisreif ist, scheint noch nicht endgültig klar. Derzeit führt es noch zu etwa 5% Sexfehlern und wenn der „vernünftige Grund“ zur Tötung männlicher Eintagsküken zukünftig entfällt, müssten diese 5% Bruderhähne aufgezogen werden.

Prof. Preisinger glaubt zwar, dass sich die Fehlerquote noch auf 2-3 % senken lässt, plädierte aber dafür die Hähnchenküken weiterhin als Zoofutter zu nutzen. Die aussortierten Hähnchen-Eier werden nach heutigem Stand nämlich zu Trockenpulver verarbeitet und z. B. als Fischfutter vermarktet. Wie die Lücke beim Zoo- und Exotenfutter geschlossen werden kann, die durch den Wegfall der Eintagsküken entsteht, ist derzeit völlig offen. Auf Nachfrage bezifferte Rudolf Preisinger den heutigen Verwertungsgrad von Eintagsküken als Futter auf nahe 80%.

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