Puten mit intaktem Schnabel halten – eine große Herausforderung an Haltung und Management #EuroTier2021

Bild © Spindler, TiHo

Dr. Birgit Spindler, Geflügelspezialistin der TiHo Hannover, referierte anlässlich der EuroTier 2021 über die Haltung von Puten mit intakten Schnäbeln und die Probleme, wenn bei solchen Tieren Federpicken und Kannibalismus auftritt. Die möglichen Ursachen hierfür seien vielfältig: von der genetischen Disposition über Fütterung, Gruppengröße, Besatzdichte Lichtqualität, Stallklima, fehlende Möglichkeiten zu lang andauerndem Erkunden, bis zur Geschlechtsreife und etlichen mehr.

Dr. Spindler stellte die Forschungsansätze der TiHo vor, wo im Forschungsgut Ruthe /ca. 1.500 Hahnen- bzw. 2.700 Hennenplätze) in zwei baugleichen Stallabteilen verschiedene Haltungsparameter getestet werden. In einem klassischen Louisianastall mit Windschutznetzen und Jalousien, in der Aufzuchtphase eingestreut mit Hobelspänen und Stroh in der Mastphase.

Im Rahmen einer Studie von Schulze Hillert et al. wurde untersucht, ob der Einsatz von tierischem Eiweiß im Alleinfutter Federpicken und Kannibalismus bei Putenhennen reduzieren kann. In zwei Mastdurchgängen wurde entweder Hämoglobinpulver und Fischmehl oder konventionelles Futter angeboten. Eingestallt wurden je zwei Gruppen, mit gekürztem und ungekürztem Schnabel, die mit und ohne tierischem Eiweiß gefüttert wurden. Die mit tierischem Eiweiß aufgezogenen Puten hatten am Ende tendenziell etwas geringere Mastendgewichte, tendenziell mehr 7-Tage-Verluste und auch tendenziell höhere kumulative Verluste. Ebenso kam es zu keinen signifikanten Unterschieden, beim Vorkommen äußerer Verletzungen.

Der Schnabelzustand aber hatte durchaus Effekte. Bei den Puten mit ungekürzten Schnäbeln kam es häufiger zu Verletzungen, am Kopf inkl. Stirnzapfen, und an Rücken und Flügeln. Drei- bis viermal mehr Tiere aus den Gruppen mit intaktem Schnabel mussten separiert und ins Krankenabteil gesetzt werden. Der Mehraufwand fürs Personal war erheblich. Auch akuter Kannibalismus trat nur in diesen Gruppen auf. Die Forscher identifizierten hierfür Risikozeiträume mit Peaks in der 9., 11., 13. und 14. Lebenswoche.

Um akut gegenzusteuern, wurden die Jalousien kurzfristig geschlossen und Beschäftigungsmaterial angeboten (frisches Stroh als Einstreu und bunte Plastikbälle von der Decke und an den Futterlinien). Dies führte auch zur Beruhigung der Situation im Stall. Der Schnabelzustand hatte keine Effekte auf den späteren Schlachtkörperverwurf oder die absolute Zahl verendeter und gemerzter Hennen.

Eine zweite Studie (Kulke et al.) untersuchte den Einfluss der Besatzdichte auf Federpicken und Kannibalismus bei Putenhähnen mit intakten Schnäbeln. Hierzu wurden BUT6-Hähne in zwei Durchgängen mit 58 kg/qm (Standard) respektive 40 kg/qm (Empfehlung des Deutschen Tierschutzbundes) eingestallt. Aufzucht und Mast fanden in, mit Strukturelementen und Beschäftigungsmaterial, angereicherter Umgebung statt. Kam es während des Versuchs zu Federpicken, wurden verletzte Tiere schnell separiert und bei vermehrtem Auftreten von Verletzungen sofort zusätzliches Beschäftigungsmaterial angeboten.

Im Stall gab es ab der 3. LW Heukörbe, ab der 6. LW Strohballen, ab der 7. LW eine schräggestellte Wand als Rückzugsmöglichkeit sowie Picksteine und ab der 9. LW Zugang zu einem überdachten Kaltscharraum. Schließlich lief zweimal täglich für je zwei Stunden auch noch Radiomusik.

Bei den Verlustraten gab es keine signifikanten Unterschiede in den beiden Durchgängen, auch akuter Kannibalismus trat bei beiden Besatzdichten auf, sodass zwischen 10% und 16% der Tiere separiert werden mussten. Einheitliche Tendenzen konnten nicht festgestellt werden, dagegen aber wieder Risikozeiträume in der 1., 3.-5., 7./8., 17. und 19. Lebenswoche.

© Kulke, TiHo

Beim Beschäftigungsmaterial haben sich im Versuch beim Auftreten von Problemen bewährt: Haferflocken auf Eierhöckern im frühen Lebensalter und eigens konstruierte Popcornspender für ältere Tiere. Auch Plastikflaschen mit befestigten Kabelbindern und Metallmobiles kam bei den Hähnen gut an.

Die Haltung von Putenhähnen mit ungekürzten Schnäbeln sei grundsätzlich möglich aber aufwändig, sagte die Wissenschaftlerin. Das Management müsse optimiert und Tiere auch bei kleineren Verletzungen schnell separiert werden. Beim Auftreten von Federpicken und Kannibalismus müsse frühzeitig zusätzliches Beschäftigungsmaterial angeboten werden.

Broschüre mit „Empfehlungen zur Vermeidung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus bei Puten sowie Notfallmaßnahmen beim Auftreten von Federpicken und Kannibalismus“
Download (PDF, 7,92 MB)

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