Neue Erkenntnisse zu Schwanzläsionen bei Milchkühen

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Eine neue Literaturrecherche von Forscherinnen der HSWT, fasst Studien aus Europa, Asien, Afrika, Neuseeland und Nordamerika zu Schwanznekrosen bei Rindern, insbesondere Milchkühen, zusammen. Die Studie zeigt, dass der Fokus seit den ersten wissenschaftlichen Untersuchungen auf einem Zusammenhang mit futterbedingter Pansenazidose bei Mastrindern liegt. Die Autorinnen gehen aber auch auf weitere Faktoren wie Haltungsbedingungen (z. B. Spaltenböden), Besatzdichte und Traumata ein.

Oft seien schon früher dislozierte Wirbel im mittleren Schwanzabschnitt beschrieben worden, nach der neueren Fachliteratur nähmen jedoch Läsionen an der Schwanzspitze zu. Der Vergleich dieser Läsionen mit den bei Rindern im Zusammenhang mit Schwanzentzündungen und -nekrosen beschriebenen Läsionen lege nahe, dass es sich trotz unterschiedlicher Terminologie wahrscheinlich um dasselbe Phänomen handle. Obwohl die Ätiologie (die Krankheitsursachen betreffend) von Schwanzentzündungen und -nekrosen vielfältig und oft noch nicht vollständig geklärt ist, wird das Auftreten klinisch diagnostizierter Schwanzläsionen sowohl bei Milchkühen als auch bei Rindern zunehmend beobachtet.

Angesichts der Auswirkungen auf das Tierwohl werden in der Studie verschiedene Hypothesen zur Pathogenese und zu prädisponierenden Faktoren für Schwanzläsionen diskutiert und Vorschläge für Interventionsstrategien gemacht.

Es fiel zunächst eine sehr heterogene Terminologie zur Beschreibung von Schwanzentzündungen und Nekrosen bei Milchkühen auf. Die Forscherinnen schreiben jedoch, dass sowohl Fleischrinder als auch Milchkühe die gleichen Läsionstypen aufwiesen, da makroskopischen und mikroskopischen Befunde sehr ähnlich waren.

Daher empfehlen sie als ersten Schritt, dass die Veränderungen bei Kühen einheitliche Namen erhalten, „um die Ätiologie und Pathogenese schnell zu klären und so dem weiteren Fortschreiten der Erkrankung wirksam entgegenwirken zu können“. Sie schlagen deshalb den zusammenfassenden Begriff „Schwanzentzündung und Nekrose“ vor.

Ursachen
Die am häufigsten genannte Ursache bei Fleischrindern (und neuerdings auch bei Milchkühen) seien Durchblutungsstörungen, die die Enddurchblutung im Schwanz beeinträchtigen. Dies würde entweder als Folge einer (subakuten) Pansenazidose und/oder einer Intoxikation mit Endotoxinen oder Mykotoxinen beschrieben, wie dies auch für die Erkrankungen mit bekannter Ursache beschrieben wurde.

Die bisherige Literatur liefere keine Antwort auf die Frage, warum Schwanzentzündungen und Nekrosen erst in den letzten Jahren bei Kühen gemeldet wurden. Durch automatische Melksysteme oder selbstfahrende Kotsammler könnten z. B. die Schwanzquasten der Kühe häufiger gestutzt werden und so zuvor versteckte Verletzungen erst sichtbar machen.

Man könne jedoch auch die Hypothese aufstellen, dass eine intensivere Fütterung, insbesondere ein erhöhter Anteil von Maissilage und/oder Kraftfutter in den Rationen von Milchkühen auf Kosten von Raufutter, dazu beigetragen hat, dass die Krankheit immer häufiger auftritt.

Mit stark steigender Milchleistung in den letzten Jahrzehnten, musste auch die Fütterung entsprechend angepasst werden. „Die Verdrängung strukturreicher Bestandteile durch große Kraftfuttermengen, einschließlich Mais, hat zu Rationen geführt, die die Grenzen des Wohlergehens von Wiederkäuern verschieben.“

Die in den letzten Jahren erhöhte Häufigkeit von Schwanzspitzenentzündungen und Nekrosen bei Kühen könnte daher auch darauf zurückzuführen sein, dass die Tiere ihre physiologische Belastungsgrenze erreicht haben (wie dies vermutlich seit Beginn der 1970er Jahre schon bei Mastbullen der Fall war).

Schwanzentzündungen und Nekrosen könnten also ein Indikator dafür sein, dass Hochleistungsmilchkühe an den Rand ihrer physiologischen Grenzen stoßen. Umso wichtiger sei es, die aktuellen Zuchtziele stärker an den physiologischen Grenzen auszurichten, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere zu gewährleisten.

Kremer-Rücker, Weber 2026, Original-Studie https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1751731126000327?via%3Dihub

Notfall Schwanzbeißen

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Akutes Schwanzbeißen im Schweinestall erkennen, eindämmen und nachhaltig vorbeugen

Schwanzbeißen zählt zu den größten Herausforderungen in der modernen Schweinehaltung. Es ist sowohl ein erhebliches Tierschutzproblem als auch ein wirtschaftlicher Risikofaktor durch Verletzungen, Leistungseinbußen, Behandlungskosten und Vermarktungsverluste. Da es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, ist im Ernstfall ein strukturiertes und schnelles Vorgehen entscheidend.

Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat einen praxisnahen Notfallplan entwickelt, der Tierhaltende beim akuten Management und bei der nachhaltigen Vorbeugung unterstützt.

Schwanzbeißen – ein komplexes Geschehen
Schwanzbeißen tritt in allen Haltungssystemen auf, konventionell wie ökologisch. Ursachen liegen meist in einer Überforderung durch Umwelt-, Fütterungs-, Gesundheits- oder Managementfaktoren, oft in Kombination.

Neben schnellem Eingreifen ist das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen entscheidend. Das Netzwerk Tierwohl stellt dazu sechs kompakte Informationseinheiten bereit, die als Stallposter mit weiterführenden Hinweisen per QR-Code genutzt werden können.

  1. Bestandsaufnahme: genau beobachten

Sorgfältige Tierbeobachtung ist die Grundlage jeder Maßnahme:

  • Tiere zunächst unbemerkt beobachten
  • Ruhe- und Aktivitätsphasen berücksichtigen
  • Besonders Nachmittags- und Abendstunden beachten
  • Beobachtung bewusst von anderen Arbeiten trennen

In Großgruppen ist ein Betreten der Bucht sinnvoll. Strukturierte Dokumentationssysteme (z. B. Buchtenkarten oder Ampelsysteme) erleichtern die Kommunikation im Betreuungsteam.

Beißer erkennen und handeln
Hinweise auf beißende Tiere sind Blut an der Rüsselscheibe, Unruhe, Schwanzmanipulation, Entwicklungsrückstand oder struppiges Haarkleid. Identifizierte Beißer müssen sofort separiert werden, um eine Eskalation zu verhindern.

  1. Ablenkung als Sofortmaßnahme

Nach der Separation ist die Ablenkung der Gruppe zentral. Bewährt haben sich:

  • Raufutter (z. B. Stroh, Heu, Silagen)
  • Organische Beschäftigungsmaterialien wie Holz oder Naturfasern
  • Bodennah angebotene, gut zugängliche Materialien

Wichtig sind Attraktivität, Qualität und ausreichende Menge. Ziel ist es, das natürliche Wühlverhalten anzusprechen und Zeit für die Ursachenanalyse zu gewinnen.

  1. Verletzte Tiere versorgen

Bei ersten Anzeichen sollte die Kontrollfrequenz erhöht werden. Fiebermessen hilft bei der Einschätzung des Schweregrades.

Grundsätze:

  • Beißer selektieren
  • Leicht verletzte Tiere ggf. separieren
  • Schwer verletzte Tiere in Krankenbuchten unterbringen

Empfohlen werden 2,5 bis 3 % Krankenbuchtenplätze (bei unkupierten Tieren eher 5 % oder mehr). Behandlung und Schmerzmanagement erfolgen in Abstimmung mit dem Tierarzt und müssen dokumentiert werden.

  1. Ursachen analysieren und vorbeugen

Langfristige Prävention erfordert eine systematische Analyse. Wichtige Risikobereiche sind:

  • Beschäftigung und Buchtenstruktur
  • Stallklima
  • Tiergesundheit
  • Konkurrenz um Ressourcen
  • Fütterung und Wasserversorgung

Reizarme Umgebungen, Rohfasermangel, Hitzestress oder subklinische Erkrankungen können Schwanzbeißen begünstigen. Eine strukturierte Bucht mit Rückzugsmöglichkeiten reduziert Stress und Konkurrenz.

  1. Frühwarnsignale ernst nehmen

Unruhe, intensives Manipulieren von Artgenossen, Schwanzwedeln, leere Flanken, Zähneknirschen oder Lahmheiten sind Warnzeichen. Je früher reagiert wird, desto größer ist die Chance, einen Ausbruch zu verhindern.

  1. Vorbereitung: der Notfallkoffer

Für den Ernstfall sollten bereitstehen:

  • Einsatzbereite Krankenbuchten
  • Zusätzliche Tränken
  • Raufutter und Beschäftigungsmaterial
  • Futterergänzer und ggf. Toxinbinder
  • Hygienepulver und zugelassene Vergrämungsmittel

Gerade an Wochenenden entscheidet Vorbereitung über den weiteren Verlauf.

Fazit
Schwanzbeißen ist Ausdruck eines Ungleichgewichts im Haltungssystem. Ein klar strukturierter Notfallplan, aufmerksame Tierbeobachtung und konsequente Ursachenarbeit sind entscheidend, um Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu sichern.

Hier geht es zum Notfallplan:
https://www.fokus-tierwohl.de/fileadmin/redaktion/Dateiablage_oeffentlich/04_Dateidownloads/02_Schwein/Notfallplan_Schwanzbeissen/Poster_Notfallplan_V2.pdf

Weitere Informationen:
https://www.fokus-tierwohl.de/de/schwein/fachinformationen-schwein/notfallplan-schwanzbeissen

Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

 

Widder besitzen einzigartige Lautäußerungen, die emotionale Informationen vermitteln.

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Lautäußerungen transportieren Informationen, die es sozialen Tieren ermöglichen, Artgenossen zu erkennen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren und ihren emotionalen Zustand mitzuteilen – allesamt lebensnotwendig. Schafe sind gesellige Tiere, die in verschiedenen Situationen charakteristische Lautäußerungen zeigen, wie beispielsweise hohe Blöklaute bei Stress. Besonders in der frühen postnatalen Phase weisen sie auch individuelle Lautäußerungen auf, um die Bindung zwischen Mutterschaf und Lamm zu fördern. Obwohl die Lautäußerungen von Widdern bei Mutterschafen und Lämmern gut erforscht sind, ist über ihre Individualität und ihren individuellen Charakter bisher wenig bekannt.

Eine Studie auf einem kommerziellen Assaf-Schafzuchtbetrieb in Griechenland zeichnete die Lautäußerungen von 15 Widdern in fünf verschiedenen Situationen auf: 1) morgens isoliert, 2) isoliert und die Glocken der Mutterschafe hörend, 3) abends isoliert, 4) isoliert und in Erwartung von Futter, 5) isoliert und ohne Futter. Jeder Widder wurde drei Minuten lang isoliert, und die Lautäußerungen wurden aufgezeichnet. Die Kontexte 1, 3 und 5 wurden als negativ, die Kontexte 2 und 4 hingegen als positiv für die Widder erwartet. Neunzehn akustische Parameter wurden analysiert, um festzustellen, ob sie Informationen über die individuellen Lautäußerungen der Widder enthielten und ob sie sich den verschiedenen emotionalen Kontexten zuordnen ließen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Widder tatsächlich individuell unterschiedliche Lautäußerungen aufweisen, die innerhalb jedes Kontextes mit einer Genauigkeit von 59–80 % erkannt werden können. Rufe in negativen Kontexten (z. B. Futterentzug, abendliche Isolation) zeigten eine größere Formantstreuung (oder Resonanz) und Amplitudenvariation als Rufe in positiven Kontexten (z. B. Vorfreude auf Futter), die höhere Formantfrequenzen aufwiesen. Interessanterweise enthielten diese höheren Frequenzen auch Informationen über die Identität des Widders. Dies deutet darauf hin, dass Widder in negativen emotionalen Zuständen tiefere, instabilere Rufe produzieren und in Vorfreude auf Futter sowie zur Kommunikation ihrer individuellen Identität höhere Rufe. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Widder durch ihre Lautäußerungen emotionale Informationen kommunizieren und zeigen somit weiteres Potenzial für diese nicht-invasive Methode zur Überwachung des Wohlbefindens von Schafen auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Original-Studie
Frantzola A, Ntairis A, Laliotis GP (2025) Vocal signatures in rams: Exploring individual distinctiveness across different contexts. Ruminants 5(4):53

https://www.mdpi.com/2673-933X/5/4/53

EFSA: Tierschutzbewertung von Puten auf dem Bauernhof

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine wissenschaftliche  Stellungnahme zum Wohlbefinden von Puten in europäischen Betrieben veröffentlicht und  zahlreiche Kritikpunkte vorgebracht.

Im Einzelnen untersucht wurden:

  • Art und Zustand der Einstreu
  • Art und Verfügbarkeit von Beschäftigungsmöglichkeiten (einschließlich überdachter Veranda und Auslauf)
  • Platzangebot
  • Ammoniak- und Kohlendioxidkonzentrationen
  • effektive Umgebungstemperatur
  • Gruppengröße
  • Nestbedingungen
  • Lichtverhältnisse
  • und Bedingungen in der Brüterei.

Zusätzlich wurden die Risiken von Herdenreduzierung und Entnahme von Hennen, z. B. Schnabelkürzen, Entfernen der Kehllappen und Zehenkürzen, künstlicher Besamung (einschließlich Samengewinnung) und Futterrestriktion bewertet, wobei die beiden letztgenannten Praktiken nur bei Zuchtputen berücksichtigt wurden. Die Auswirkungen der Zucht auf das Wohlbefinden der Tiere wurden ebenfalls bewertet.

Empfehlungen zur Vorbeugung und/oder Minderung relevanter Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mast- und Zuchtputen umfassen die Vergrößerung des verfügbaren Platzes im Vergleich zum derzeitigen, die Vermeidung von Futter- und Wasserentzug bei frisch geschlüpften Küken für mehr als 48 Stunden sowie die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten wie erhöhten Plattformen, Strohballen und einer überdachten Veranda. Es wird empfohlen, die Einstreu trocken zu halten, d. h. unter einem Feuchtigkeitsgehalt von 35–40 %.

Schnabelkürzen, Entfernen der Halskrause und Zehenkürzen sowie die damit verbundenen Folgen für das Wohlbefinden können vermieden werden, wenn die empfohlenen Haltungs- und Managementpraktiken umgesetzt werden, z. B. die Vergrößerung des Platzes und die Bereitstellung geeigneter Beschäftigungsmöglichkeiten. Es wird empfohlen, die Ausdünnung der Herde einzustellen und die quantitative Futterbeschränkung zu vermeiden, die derzeit bei Zuchthähnen praktiziert wird. Außerdem wird empfohlen, bei der genetischen Selektion mehr Wert auf die Beingesundheit und weniger auf die Gewichtszunahme zu legen. Die ausgewählten Kriterien zur Überwachung relevanter Auswirkungen auf das Tierwohl im Schlachthof sind die Gesamtmortalität, Gefiederschäden, Shlachtkörperverwerfungen, Wunden, Brustblasen und Ballendermatitis.

Link zur Original-Studie
https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.2903/j.efsa.2026.9851

Deep-Learning-Modelle helfen bei der Erkennung stressanfälliger Schweine

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Pränataler Stress bei Sauen kann das Wachstum und die Entwicklung der Ferkel beeinträchtigen, ihre Stressempfindlichkeit erhöhen und ihr Immunsystem schwächen. Bislang fehlen jedoch praktische Methoden, um pränatalen Stress bei den Sauen und ihren betroffenen Nachkommen zu erkennen. Ein vielversprechender Ansatz nutzt Computer-Vision-Techniken, um Stress anhand von Gesichtszügen automatisch zu erkennen und bietet so ein potenziell skalierbares Werkzeug für den Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben.

Eine Studie in Schottland untersuchte mithilfe dieser Technologie, ob stressbedingte Gesichtsmerkmale bei Sauen erkannt und ähnliche Merkmale bei ihren Nachkommen identifiziert werden können. Die Studie umfasste über 7000 Gesichtsbilder von sechs Gruppen mit jeweils 18 Sauen und 53 Töchtern. Zunächst wurden Bilder der Sauengesichter aufgenommen, als die Sauen ihre jeweiligen Futterplätze betraten. Weitere Bilder wurden am 70. und 90. Trächtigkeitstag während Futterkonkurrenztests aufgenommen. Speichelcortisolwerte und Verhaltensreaktionen, die während dieser Tests erfasst wurden, dienten zur Klassifizierung der Sauen in Gruppen mit niedriger (LR) und hoher (HR) Stressreaktion. Fünf Deep-Learning-Modelle wurden anhand von Sauendaten trainiert, um LR und HR bei den Töchtern zu klassifizieren. Es wurde eine generationsübergreifende Validierungsstrategie angewendet. Das bedeutet, dass die Töchter nie mit einem Modell evaluiert wurden, das mit den Daten ihrer biologischen Mutter trainiert worden war. Dadurch wurde sichergestellt, dass die identifizierten Merkmale tatsächlich stressbedingt waren und nicht auf familiäre Ähnlichkeit zurückzuführen sind.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Vision Transformer (ViT) von den fünf verwendeten Deep-Learning-Modellen mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 0,78 und einem F1-Score (ein Maß für Präzision und Trefferquote) von 0,76 bei der Klassifizierung von LR und HR durchgehend die beste Leistung erbrachte. Dies galt für alle Trainingsdurchgänge trotz der Variabilität zwischen den Durchgängen, was darauf hindeutet, dass es sich um ein zuverlässiges und generalisierbares Modell handelt. Der ViT konzentrierte sich zudem konsequent auf Augen, Schnauze und Ohren, die biologisch relevant für den Gesichtsausdruck von Stress sind, während andere Modelle dies nicht taten. Dies zeigt das Potenzial der aussagekräftigen Erkennung stressbedingter Gesichtsmerkmale bei Schweinen. Diese kann zur Früherkennung und zum Management stressanfälliger Tiere beitragen, um deren Wohlbefinden zu gewährleisten und potenziell den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren.

Yunas SU, Shahbaz A, Baxter EM, Rutherford KMD, Hansen MF, Smith ML, Smith LN (2025) A deep learning framework for detecting cross-generationalfacial markers associated with stress in pigs. Agriculture 15(21):2253

https://www.mdpi.com/2077-0472/15/21/2253

Beurteilung von Pickverletzungen bei Puten

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Für eine Studie zur Beurteilung von Pickverletzungen bei Putenhennen, ließen Forscherinnen der TiHo, Hannover drei Beobachter tausende von Bildauschnitten von Putenfotos betrachten und auf Verletzungen überprüfen.

Die drei Probanden kamen mit unterschiedlichem Vorwissen zum Test: zwei waren Informatikstudenten (OBS2 und OBS 3), die Dritte (OBS1) eine Wissenschaftlerin aus der Tierwohl-Forschung. Die Beobachter OBS2 und OBS3 stuften durchschnittlich 13 % der gezeigten Bilder als HI (head injury, Kopfverletzung), 70 % als SI (skin injury, Hautverletzung) und 17 % als NI (no injury, keine Verletzung) ein. Die Beobachterin OBS1 klassifizierte im Durchschnitt 12 % der Bilder als HI, 60 % als SI und 28 % als NI.

Im Verlauf der Studie stuften dann alle Beobachter mehr Aufnahmen als unverletzt (NI) ein. Überraschend war dabei, dass insbesondere die Person mit dem größten Vorwissen (OBS1) im Laufe der Zeit mehr Bilder (plus 5 %) als NI einstufte (OBS2: plus 0,7 %; OBS3: plus 2,2 %).

„Dieses Ergebnis wirft die Frage auf, ob abweichende Bewertungen bei wiederholten Beurteilungen immer auftreten und wie dieser Effekt vermieden werden kann“, schreiben die Studien-Autorinnen und fragen, ob vielleicht nicht spezialisierte Untersucher objektiver urteilen und die Qualität der Ergebnisse solcher Studien verbessern könnten.

Prof. Nicole Kemper (TiHo) merkt dazu auf LinkedIn an, dass die visuelle Bewertung von Bildausschnitten beim Training von KI-Modellen zur automatischen Erfassung von Tierwohl-Indikatoren eine wichtige Rolle spiele.

Das Ergebnis werfe aber vor allem grundlegende Fragen auf, „zur Rolle von Erfahrung, Erwartungshaltungen und möglichen Gewöhnungseffekten bei der Tierbeurteilung.“ Und: „Gleichzeitig wird deutlich, dass auch fachfremde Beobachtende valide Beiträge leisten können, wenn die Aufgabe klar definiert ist.“

Original-Studie
Varying image assessment of pecking injuries in Turkeys while performing repetitions, Volkmann et al. 2025 Link: https://link.springer.com/article/10.1007/s11259-025-10833-6

Legehennen können ihren Kalziumbedarf mithilfe von Picksteinen selbst decken.

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Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht.

Diese Studie wurde an der Universität Guelph in Kanada mit 240 Legehennen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Präferenz für Picksteine, dem Status von Brustbeinbrüchen und der Eischalenqualität zu untersuchen. Die Hennen wurden in Gruppen von 20 Tieren in ausgestatteten Käfigen gehalten. Aus jeder Gruppe wurde eine Untergruppe zufällig als Beobachtungstiere für Verhaltensbeobachtungen ausgewählt. Drei handelsübliche Picksteine mit unterschiedlichem Kalzium- und Getreidegehalt wurden den Hennen über mehrere Wochen für paarweise Präferenztests angeboten. Die Hennen wurden anhand der Gesamtzahl ihrer Pickvorgänge an den Blöcken während des Versuchs in „Nutzer“ und „Nicht-Nutzer“ eingeteilt. Gewicht, Schalendicke und Bruchkraft der Schale wurden analysiert. Die Hennen wurden geröntgt und der Schweregrad von Brustbeinfrakturen beurteilt.

Die Hennen zeigten individuelle Präferenzen für verschiedene Arten von Pickblöcken. Diese Präferenzen blieben über die Zeit relativ konstant, korrelierten jedoch nicht mit der Schalenqualität oder dem Vorhandensein von Brustbeinfrakturen. Die Eierschalen der „Nutzer“ waren stabiler und die Schalendicke blieb über die Zeit erhalten, während sie bei den „Nicht-Nutzern“ abnahm. Hennen, die während des Versuchs neue Frakturen erlitten, pickten häufiger an den Blöcken als solche ohne neue Frakturen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hennen die Pickblöcke nutzen, um ihren individuellen Kalziumbedarf für die Eierschalenbildung und möglicherweise auch für die Knochenreparatur zu decken. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Hennen Möglichkeiten zur Deckung ihres zusätzlichen Kalziumbedarfs zu bieten.

Original-Studie
Ehigbor TF, Edwards AM, Rentsch AK, Kiarie EG, Harlander A, Widowski TM (2025) Pecking block use at individual level is associated with improved eggshell quality and keel fractures in laying hens. Poultry Sci 104(11):105716

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579125009575

InnoRind – Konzepte zur Kälberhaltung in Deutschland

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Die Einzelhaltung von Kälbern beeinträchtigen Entwicklung und Wohlbefinden der Tiere. Sie behindert die Ausbildung sozialer und kognitiver Fähigkeiten, führt zu höherer Stressanfälligkeit sowie geringerer Futteraufnahme und allgemein Aktivität.

Deshalb wurden im Rahmen des Projekts „InnoRind“ praxisnahe Alternativen untersucht, die Sozialkontakt und Managementeffizienz verbinden. Tierwohl, Tiergesundheit, Wachstum, Managementaufwand, Umweltwirkungen und ökonomische Kennzahlen sollten differenziert eingeordnet werden.

1) Paarhaltung von Kälbern in den ersten Lebenswochen
Paarhaltung stellet einen niedrigschwelligen und praktikablen Kompromiss zwischen Einzel- und Gruppenhaltung dar. Die Paarhaltung erlaubt soziale Interaktion zwischen Kälbern, ohne allzu weit von der Einzelhaltung abzuweichen.

Paarweise gehaltene Kälber zeigen im Vergleich zur Einzelhaltung Vorteile im Lern- und Anpassungsverhalten, können in der Abtränkphase eine höhere Futteraufnahme sowie bessere Wachstumsleistungen erzielen.

„Diese Effekte sind insbesondere vor dem Hintergrund einer effizienten Aufzucht von Bedeutung, da eine verbesserte frühe Entwicklung mit einem früheren Erreichen der körperlichen Voraussetzungen für Erstbesamung bzw. Erstbelegung sowie einer insgesamt höheren Lebenseffizienz der Tiere in Verbindung stehen kann. Eine frühere Erstkalbung und eine längere produktive Nutzungsdauer tragen wiederum dazu bei, Umweltwirkungen je erzeugter Produkteinheit zu reduzieren“, schreiben die Studienautoren.

Es kam in der Paarhaltung nicht vermehrt zu Durchfallerkrankungen (bei niedriger Erkrankungsrate insgesamt). Der Indikatorkeim (ESBL-E. coli) trat in Einzel- wie in Paarhaltung selten und ohne signifikante Unterschiede auf.

„Bemerkenswert ist, dass die meisten Kälber bereits vor dem Zusammenführen in die soziale Aufzucht positiv für diese ESBL-tragenden Keime getestet wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Übertragung möglicherweise bereits im Abkalbebereich oder über kontaminiertes Fütterungsequipment erfolgt sein könnte.“

Das Risiko von Atemwegserkrankungen für Kälber im selben Iglu ist nicht größer, als das für Kälber in benachbarten Einzel-Iglus (was bei Erreger-Übertragung durch die Luft logisch erscheint).

Die Gesamtkosten steigen um 3 %. Hierfür sind die mit der Einstreu verbundenen Kosten für Einstreu und Entmistung verantwortlich

„Für eine erfolgreiche Umsetzung ist insbesondere auf eine möglichst geringe Altersdifferenz der gemeinsam gehaltenen Kälber zu achten. Ein synchrones Ein- und Ausstallen kann dazu beitragen, Konkurrenzverhalten oder unerwünschte Verhaltensweisen wie Nabelsaugen zu reduzieren. Zudem sind Hygiene-Aspekte und das Management der größeren Buchtenfläche entsprechend zu berücksichtigen.“

2) Frühe Kleingruppenhaltung von Kälbern in den ersten Lebenswochen
Die zentrale Frage war hier, wie eine frühe Gruppenbildung möglich ist, ohne das Krankheits- und Stress-Risiko der Kälber zu erhöhen.

Topcalf und MultiMax-Veranda
Für die Tiergesundheit kam dem Management (Hygiene, Tierbeobachtung) eine weit größere Bedeutung zu, als das Haltungssystem. Tränkemenge und Geschlecht hatten den größten Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der Kälber. Und der Umstallungszeitpunkt hatte einen größeren Einfluss auf die täglichen Zunahmen als das Haltungssystem. Die Gesamtkosten lagen – wegen steigender Gebäude- und Tierarztkosen – um 1 % über der Referenz.

Optima Klimastall DairyTop
In diesen Kleingruppen werden die Kälber vom 1./2. Lebenstag an bis zum Abtränken gehalten bzw. bis zum Umstallen in den Rinderstall. Der Altersunterschied sollte dabei höchstens 10 Tage betragen.

Die Tiere werden in 4 Gruppenboxen der Firma DairyTop gehalten, die jeweils mit einem Tränkeautomaten der Firma Urban ausgestattet sind.

Bis zum 70. Lebenstag gab es keinen Unterschied bei der Zahl an Erstdiagnosen zwischen Versuchs- und Kontroll-Gruppe. Die Kälber zeigten ein ausgeprägtes Sozial- und Spielverhalten.

Bei veränderten Tierzahlen ließ sich das System flexibel erweitern und auch die Separierung kranker Kälber war problemlos möglich.

Die Gesamtkosten steigen um 5 % (höhere Gebäude- und leicht steigende Futterkosten, dafür leicht sinkende Kosten für Tierarzt und Medikamente).

Kombination von Einzeliglus
Hier wurden acht baugleiche Einzeliglus an den Fronten der Iglu-Ausläufe verbunden und im Boden verankert. Die Kälber wurden vom 3. bis 14. Lebenstag mit maximal acht Tieren im Rein-Raus-Verfahren in Gruppen gehalten

Zunächst wurden die Kälber einzeln gehalten (mit Eimertränke) und am dritten Tag in die Gruppe aufgenommen (Tränke Automat mit Milchaustauschertränke). Am 15. Lebenstag wurde dann individuell, nicht gruppenweise umgestallt

Der Gesundheits-Status von Kälbern aus Gruppen- und Einzel-Iglus unterschied sich nicht signifikant. Die ersten 14 Lebenstage lag die tägliche Tränkeaufnahme im Einzel-Iglu höher als in der Gruppe, was sich von Tag 15 bis 77 umkehrte. Von der Geburt bis zum Abtränken zeigte sich bei der Tageszunahme kein nennenswerter Unterschied (1.113 g/Tag in der Gruppe, 1.115 g/Tag im Einzel-Iglu.

„Die Gesamtkosten liegen 4 % unter der Referenz. Dies liegt vor allem an geringeren Futterkosten und Arbeitskosten, deren Rückgang den leichten Anstieg der Tierarzt- und Gebäudekosten kompensieren.“

Die Ergebnisse zum Versuch mit Kleingruppenhaltung in einem Außenklimastall dürften – nach Validierung – Ende 2026 vorliegen.

3) Muttergebundene Aufzucht
Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht verursachen das Absetzen von der Milch und ebenso die Separation von der Mutter dem Kalb Stress, weshalb es empfehlenswert ist beides voneinander zu trennen. Nachteil einer Saugbremse beim Absetzen ist dabei, dass die Milchversorgung des Kalbes abrupt beendet wird.

Bei der Verringerung der Kontaktzeit bis zur Trennung kann das Kalb weiterhin Milchaufnehmen und der Umstieg auf Festfutter geschieht langsamer. Allerdings geht dieses Verfahren – wegen der häufigen Trennung – auch mit höherem Arbeitsaufwand einher.

Deshalb wurde für das Projekt haben ein transpondergesteuertes Selektionstor
entwickelt, zur individuellen Steuerung der Zugangszeiten. Eine Fragestellung dabei lautete, ob die Kontaktzeit einmal pro Woche oder besser in kleineren, täglichen Schritten erfolgen sollte.

In der muttergebundenen Kälberaufzucht verbringen die Kälber bis zu fünf Tage mit ihrer Mutter in einer Einzelabkalbebox. Nach der Geburt erhalten die Kälber 4 L Kolostrum.

Die Kuh wird nach der Kalbung zusammen mit der Milchviehherde 2x täglich gemolken und kehrt danach in die Abkalbebox zurück. Nach fünf Tagen kommt die Kuh wieder in die Herde und das Kalb wird an dem Selektionstor angelernt. Die Kälber haben danach – außer während der Melkzeiten oder wenn die Tiefliegeboxen der Kühe nachgestreut werden – jederzeit Zugang zur Kuh.

Aufgrund geringerer Arbeitskosten (v.a. weniger Zeitaufwand für Tränken, Reinigungsarbeiten, Entmistung) und geringere Tierarztkosten sinken die Gesamtkosten um ca. 7 %.

Dieses Verfahren ermöglicht ein tierindividuelles Absetzen ohne abrupten Milchentzug bei zeitlicher Einschränkung des Zugangs zur Mutter und führt zu einem geringeren Absetzknick.

Allerdings ist das System noch nicht kommerziell verfügbar und erfordert die direkte Anbindung des Kälber- und Kuhbereichs. Auch sei mit erhöhtem Technikaufwand auch höhere Störanfälligkeit verbunden, geben die Forscher zu bedenken.

Die Studien-Ergebnisse stehen hier als PDF zum Download zur Verfügung.

https://www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/mandanten/agrar-und-ernaehrungswissenschaftliche-fakultaet/forschen/innorind-ag-kalb-final-260116.pdf

Mineral- und Vitaminkomplexe für trächtige Mutterschafe und Lämmer

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Das Futter für Schafe und Lämmer weist häufig einen unzureichenden Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen auf. Eine kasachische Studie analysiert Patententwicklungen von Mineral- und Vitaminkomplexen (MVCs) für trockenstehende Schafe und Lämmer und gibt einen Überblick über wissenschaftliche Daten, die den Einsatz ihrer Komponenten begründen.

Basierend auf einer Datenbank-Suche mit den Stichworten „Vitamine für Schafe“ und „Mineralstoffe für Schafe“ wurden 23 Patente mit Fokus auf trockengestellte Schafe und Lämmer aus 120 Patenten zu Futtermittelzusatzstoffen für Schafe ausgewählt und kategorisiert.

Mineralstoffe und Vitamine sollten als Bestandteile eines wissenschaftlich fundierten Vitamin- und Mineralstoffsystems betrachtet werden, dessen Wirksamkeit während der Trächtigkeit vom Ausgangsniveau der Versorgung, dem physiologischen Zustand der Tiere und den Eigenschaften des Mineralstoffwechsels abhängt.

„23 patentierte Mineral- und Vitaminkomplexe (MVCs) zur Verwendung in der Fütterung von trockenstehenden Schafen und Lämmern wurden analysiert. Alle Komponenten werden üblicherweise in vier Kategorien eingeteilt: Mineralstoffe, Vitamine, funktionelle Stoffe und Futterzusatzstoffe. Der Mineralstoffanteil der MVCs umfasst sowohl Makro- als auch Mikroelemente und spiegelt einen Ansatz wider, bei dem solche Komplexe nicht nur als Futterzusatz, sondern auch als Instrument zur Steuerung von Produktivität, Reproduktion und Tierresistenz betrachtet werden.“

Calcium bildet die Grundlage des Mineralstoffwechsels und beeinflusst die Knochenhomöostase und die Darmflora, Immunreaktionen und die Entwicklung junger Tiere. Der optimale Calciumspiegel hängt vom physiologischen Zustand der Tiere und dem Verhältnis zu Phosphor und Magnesium ab.

Zink wirkt als Regulator von Wachstum, antioxidativem Schutz, Epithelbarriere und Reproduktionsprozessen. Seine Wirksamkeit ist abhängig von der Darreichungsform und antagonistischen Wechselwirkungen, vor allem mit Kupfer und Phytaten.

Eisen fördert die Blutbildung und die antioxidative Resistenz junger Tiere

Kupfer ist an Enzymsystemen und der Immunabwehr beteiligt, erfordert jedoch eine strenge Dosierungskontrolle

Mangan ist wichtig für die Reproduktion und Mineralisierung

Kobalt unterstützt über Vitamin B₁₂ den Propionatstoffwechsel

Jod reguliert die Schilddrüsenfunktion

Selen reduziert in Kombination mit Vitamin E die Auswirkungen von oxidativem und thermischem Stress

Die Vitaminkomponente umfasst ein breites Vitamin-Spektrum (A, D, E, B-Gruppe, K und C), das die Wirkung der Mineralstoffkomponenten verstärkt. Maximale Wirksamkeit wird erreicht, wenn die Vitamine unter Berücksichtigung der Herdenverfügbarkeit, der Jahreszeit und der Stressbelastung eingesetzt werden.

„Die Analyse der Patentdokumentation zeigte einen Trend hin zu einer Abkehr von traditionellen Mineralsalzen (CaHPO₄, ZnSO₄ usw.) hin zu organischen Chelatformen (Methionaten) und nanostrukturierten Verbindungen (Nanomedium, Nanosilicium).

Parallel dazu findet ein Wandel statt: Statt Antibiotika werden vermehrt funktionelle Futterzusätze wie Probiotika, Enzyme, Aminosäuren und Phytokomponenten eingesetzt. Ziel dieser Ansätze ist es, die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen zu erhöhen, den Bedarf an hohen Dosen anorganischer Salze zu reduzieren und die Umweltbelastung zu verringern.“

Baibatyrova et al., 2025
Faculty of Natural Sciences and Geography, Abai Kazakh National Pedagogical University
https://www.preprints.org/manuscript/202601.1167

BMLEH ruft zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit auf

Vor allem Rinder und Schafe von Krankheit betroffen / Impfstoffe verfügbar

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ruft Tierhalter dazu auf, ihre Rinder und Schafe möglichst noch vor Beginn der warmen Jahreszeit gegen die Blauzungenkrankheit impfen zu lassen. Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Krankheit, die von einer Mückenart (Gnitzen) übertragen wird. Die aktuell in Deutschland auftretenden Serotypen 3 und 8 (BTV-3 und BTV-8) sorgen vor allem bei Rindern und Schafen für teils schwere Verläufe, die insbesondere bei den beiden Letzteren auch tödlich enden. Die Erkrankung hat daher oft schwerwiegende, wirtschaftliche Folgen für die Tierhaltenden.

Dazu erklärt Staatssekretär Prof. Dr. Dr. Markus Schick: „Unsere Tierhalterinnen und Tierhalter sollten weiterhin alle Möglichkeiten nutzen, um ihre Rinder und Schafe vor den schweren Folgen der Blauzungenkrankheit zu schützen. Das gelingt am besten mit der rechtzeitigen Impfung. Die Gesundheit der Tiere ist auch im eigenen Interesse der Tierhalter. Daher mein Appell: Impfen Sie Ihre Tiere jetzt, bevor im späten Frühling die Gnitzensaison beginnt.“

Die Blauzungenkrankheit wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts im südlichen Teil Afrikas entdeckt. Mittlerweile tritt die Krankheit jedoch weltweit auf. Bedingt durch die Übertragung durch Gnitzen tritt sie vor allem in der warmen Jahreszeit auf und hat ihren Höhepunkt bei feuchtwarmem Wetter. Das BMLEH hatte deshalb bereits 2024 per Eilverordnung die sofortige Anwendung von drei vom Paul-Ehrlich-Institut benannten Impfstoffen gestattet. Mittlerweile stehen von der EU zugelassene Impfstoffe sowohl gegen BTV-3 als auch gegen BTV-8 zur Verfügung. Eine Kreuzimmunität besteht zwischen den beiden Serotypen nicht, das heißt es muss gegen beide geimpft werden.

Quelle: BMLEH

Aus Alt mach Neu: Nebenprodukte in der Rationsgestaltung der Schweinefütterung – Ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz

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Schweine stehen durch den hohen Einsatz von Getreide und Soja in starker Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen. Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung besitzen hingegen sehr geringe human-verwertbare Anteile und können diese Konkurrenz deutlich reduzieren.

In einem Mastversuch am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter mit vier Futtergruppen wurde der Getreide- und Sojaanteil schrittweise reduziert und durch Nebenprodukte (u. a. Weizenkleie, Nachmehl, Trockenschnitzel) sowie Eiweißalternativen ersetzt. Dadurch sank der human-verwertbare Proteinanteil im Futter deutlich. Erhoben wurden neben den klassischen Mast- (tägliche Lebendmassezunahme, Futter- sowie Energieverbrauch- und -aufwand) auch Parameter zur Schlachtleistung und Fleischqualität. Die N- und P-Ausscheidung sowie der CO2-Fußabdruck der Futtermittel.
Die Ergebnisse des Versuchs:

Tierische Leistung:
Trotz steigender Nebenproduktanteile blieben Mast- und Schlachtleistungen auf hohem Niveau. Die täglichen Zunahmen lagen nur leicht unter der Kontrolle, der Futteraufwand blieb unverändert.
• Schlachtkörper & Fleischqualität:
Mit zunehmendem Nebenproduktanteil sanken Ausschlachtung und Schlachtgewicht leicht (bedingt durch den höheren Faseranteil), Muskelfleischanteil und Fleischqualität blieben unbeeinflusst.
• Umweltwirkungen:
• Der CO₂-Fußabdruck der Fütterung konnte durch den Einsatz von Nebenprodukten um bis zu 40 % je Mastschwein reduziert werden.
• Die N-Ausscheidung entsprach trotz hoher Nebenproduktanteile den DLG-Empfehlungen bei moderatem Rohproteingehalt.
• Die P-Ausscheidung stieg deutlich mit zunehmendem Einsatz an Nebenprodukten aufgrund deren hohen Phosphorgehalts.
• Nahrungsmittelkonkurrenz & Proteinbewertung:
• Der human-verwertbare Anteil im Futter (hef) sank stark.
• Die Lebensmittel-Konversions-Effizienz (heFCE) stieg kontinuierlich.
• Unter Berücksichtigung der Proteinqualität (DIAAS) wurde mit hohem Nebenprodukteinsatz mehr hochwertiges Protein im Schweinefleisch erzeugt, als zuvor human-verwertbares Protein im Futter eingesetzt wurde.
• Ökonomie: Trotz geringfügig niedriger Schlachterlöse pro Tier blieben die Erlöse über Futterkosten vergleichbar zur Kontrollgruppe. Der Einsatz von Nebenprodukten zeigte keine ökonomischen Nachteile.

Fazit
Der gezielte Einsatz von Nebenprodukten in der Schweinemast ermöglicht hohe Leistungen, klare Klima- und Ressourcenvorteile, eine Reduktion der Nahrungsmittelkonkurrenz und stabile Wirtschaftlichkeit. Nebenprodukte leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer resilienten, kreislauforientierten Schweineproduktion. Voraussetzung ist eine präzise Futterbewertung und -steuerung, insbesondere im Hinblick auf die Phosphorbelastung.

Dieser Versuch wurde im Rahmen des Projektes „Heimatversprechen“ angestoßen und mit Mitteln den Freistaates Bayern gefördert. Das Projektziel besteht im Aufbau eines Netzwerks in der bayerischen Schweinebranche für eine nachhaltige heimische Schweinefleischerzeugung zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, auch in Krisenzeiten. Bei Fragen zum Projekt kontaktieren Sie gerne Martin Heudecker, martin.heudecker@heimatversprechen.bayern.de oder Prof. Reinhard Puntigam, puntigam.reinhard@fh-swf.de.

Quelle: Reinhard Puntigam, FH Soest, FB Agrarwirtschaft

Initiative Tierwohl: Ferkelfonds endet mit dem Jahr 2026

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Die Initiative Tierwohl (ITW) hält am Ziel der Marktfinanzierung der Schweinehaltung von der Sauenhaltung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast ab 2027 fest. Der Ferkelfonds endet wie geplant mit dem 31.12.2026. Die Rücknahme garantierter Preisaufschläge für Tierwohlleistungen und der Übergang zu einem Marktmodell waren zentrale Forderungen des Bundeskartellamts, das den Ferkelfond zuletzt nur noch „toleriert“ hat. Das Ende des Ferkelfonds wurde mit den Branchenbeteiligten abgestimmt und beschlossen und seit August 2022 mehrfach entsprechend öffentlich angekündigt. Die bisherigen Aufpreisempfehlungen sollen weiterhin erhalten bleiben.

„Das Ende des Ferkelfonds wurde von uns vielfach angekündigt und durch Maßnahmen vorbereitet“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Das waren zum einen Anreize durch eine höhere Aufpreisempfehlung für nämliche Schlachtschweine und eine ausschließliche Neuzulassung von Ferkelerzeugern, die an ITW-Mäster liefern. Jetzt läuft die letzte Übergangsfrist aus. Daher gilt für die Ferkelerzeuger, sich ITW-Mäster als Abnehmer zu suchen. Aber auch die Mäster sind gefragt. Denn künftig können nur noch die Schweine als ITW-Tiere vermarktet werden, die von der Sauenhaltung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast im ITW-System gehalten wurden.“

Die Initiative Tierwohl ist 2015 mit einer Fondsfinanzierung für die Tierwohlmaßnahmen gestartet. Dabei zahlten die teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels das Geld in den Fonds ein, aus dem die Tierhalter ein Tierwohlentgelt erhielten. Sukzessive wurde die Fondsfinanzierung in der Schweine- und Geflügelmast abgeschafft und durch eine Marktfinanzierung ersetzt. Was bislang lediglich für die Mast galt, ist künftig auch für die Ferkelerzeugung vorgesehen. Denn ab 2027 kann Schweinefleisch nur noch dann als ITW-Fleisch vermarktet werden, wenn die Tiere von der Sauenhaltung über die Aufzucht bis hin zur Mast nachweislich nach den Kriterien der ITW gehalten wurden.

Verbraucher sollen so zukünftig bewusst entscheiden können, ob sie durch ihren Kauf Fleisch erwerben möchten, welches ab der Geburt unter ITW-Bedingungen erzeugt wurde.

Aktuell nehmen über 9.000 schweinehaltende Betriebe, darunter 1.589 Ferkelaufzüchter und 1.250 Sauenhalter an der ITW teil. Insgesamt profitieren nun jährlich gut 22 Millionen Mastschweine und rund 19 Millionen Ferkel von den Maßnahmen der ITW-Tierhalter. Die Lücke zwischen Ferkelaufzucht und Schweinemast konnte in den letzten zwei Jahren weiter verkleinert werden. Auch in diesem Jahr ist es geplant, eine weitere Registrierungsphase für Ferkelaufzuchtbetriebe zu starten, um die Lücke weiter zu schließen. Ziel ist die so genannte Nämlichkeit, die darin besteht, dass zukünftig alle Schweine im ITW-System von der Geburt bis zur Schlachtung ausschließlich auf ITW-Betrieben gehalten werden.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

Bundestag beschließt Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz

• Rechtssichere Entnahme von Wölfen
• Herdenschutzmaßnahmen werden gestärkt
• Ausweisung von Weidegebieten zur Entnahme von Wölfen (z.B. in der alpinen Region)

Der Deutsche Bundestag hat heute den von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgelegten Gesetzentwurf zur Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) beschlossen. Damit wird der Schutz von Weidetieren verbessert und der präventive Herdenschutz gestärkt. Durch die Gesetzesänderung können die Länder in Regionen mit hoher Wolfsdichte und günstigem Erhaltungszustand ein Bestandsmanagement einführen. Wo Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, können sie rechtssicher entnommen werden. In Gebieten, in denen präventiver Herdenschutz unzumutbar ist – etwa in der alpinen Region – ist eine Entnahme zur Vermeidung von Weidetierrissen ebenfalls möglich.

Dazu sagt der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer: „Vielerorts ist die Bedrohung der Weidetiere durch den Wolf bittere Realität. Das wurde in den letzten Wochen durch Berichte über zahlreiche Risse schmerzhaft deutlich. Für Tierhalter bedeutet jeder Riss nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch eine enorme emotionale Belastung. Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz bringt Rechtssicherheit und klare, praktikable Regeln. Diese Bundesregierung hat schnell gehandelt, wie versprochen, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Bis zum Almauftrieb ist der Wolf im Jagdgesetz – das ist mein Ziel. Auch dort, wo Zäune und Herdenschutzhunde an ihre Grenzen kommen, kann bald zielgenau gehandelt werden, wie beispielsweise in der alpinen Region.

Im Einzelnen sieht der Gesetzentwurf folgende Regelungen vor:

• Regionales Bestandsmanagement: Mit der Aufnahme des Wolfs in das BJagdG wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements gegeben. Das bedeutet: In Regionen mit hohen Wolfszahlen, wo der günstige Erhaltungszustand festgestellt wurde, können Managementpläne aufgestellt und so die Zahl der regional lebenden Wölfe reguliert werden. In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen.

• Entnahme von Wölfen: Haben Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet, ist eine leichtere, rechtssichere Entnahme der Wölfe, unabhängig vom Erhaltungszustand, möglich.

• Ausweisung von Weidegebieten: In einigen Regionen Deutschlands ist präventiver Herdenschutz, zum Beispiel das Aufstellen von Zäunen, aufgrund der geografischen Gegebenheiten, wie Hangneigung, Bodenbeschaffenheit oder Lage an Gewässern nicht möglich. Das ist beispielsweise in den Alpen (Almwiesen) oder an den Küsten (Deiche) der Fall. Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, bestimmte Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz der Weidetiere durch die Entnahme der Wölfe sicherzustellen.

• Finanzierung Herdenschutz: Derzeit ist die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) geregelt. Wir überprüfen diese Regelungen mit dem Ziel, Verbesserungen bei der Förderung des Herdenschutzes zu erzielen.

• Bericht an den Bundestag: Nach fünf Jahren berichtet die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag, inwieweit sich die Regelungen bewährt haben.

• Kein Handel mit Wolfstrophäen: Die Regeln der EU-Artenschutzverordnung gelten auch weiterhin für den Wolf: Damit sind Zurschaustellung und Handel mit toten Wölfen auch künftig verboten.

Hintergrund:
Die Wolfsbestände in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. In Deutschland leben derzeit 219 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Parallel dazu steigt die Zahl der Wolfrisse: Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden.

Deutschland hat der EU-Kommission dieses Jahr den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der atlantischen und der kontinentalen Region gemeldet. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um den Ländern in Regionen mit einem guten Erhaltungszustand die Möglichkeit zu geben, ein regionales Wolfsmanagement einzuführen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz ist dafür die rechtliche Grundlage geschaffen. Bereits Anfang des Jahres war der Wolf von „streng geschützt“ auf „geschützt“ in der Berner Konvention herabgestuft worden.

Der Bundesrat muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen.

Quelle: BMLEH

Halten von Hennen: Neues Projekt der Uni Osnabrück mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Die überwiegende Anzahl der in Deutschland gehaltenen etwa 45 Millionen Legehennen leben in Volierensystemen. In einem Kooperationsprojekt der Uni Osnabrück mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht ein Forschungsteam, wie tierschonendes Fangen und Verladen praktisch umgesetzt werden kann. Gefördert wird das Projekt durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Zum Hintergrund: In mehretagigen Volieren können sich Legehennen auf verschiedenen Ebenen frei bewegen. Dort werden ihnen Futter und Wasser, Gruppennester sowie Sitzstangen zum nächtlichen Ruhen angeboten. „Diese Art der Haltung ist für das Tierwohl von Vorteil, macht jedoch das Ausstallen der Tiere anspruchsvoll“, so der Osnabrücker Projektleiter Prof. Dr. Chadi Touma. Das Ausstallen erfolgt üblicherweise nachts, wenn die Tiere sich zum Schlafen zurückgezogen haben und aufgrund der Dunkelheit beim Fangen ruhiger sind.

Um sie im Volierensystem zu fangen, werden die Althennen üblicherweise an den Beinen gegriffen, kopfüber hochgehoben und anschließend in Transportbehältnisse verladen. Diese Arbeit übernimmt hierfür speziell eingewiesenes, sachkundiges Personal, das vom Tierhalter beauftragt wird. Dennoch besteht bei dieser Methode die Gefahr, dass die Tiere beim Fangen oder Verladen verletzt werden. Das Drehen von der aufrechten in die Kopfüber-Haltung ist für die Tiere, so vermuten die Forschenden, wahrscheinlich mit Stress und evtl. Schmerzen verbunden. Eine wissenschaftliche Einschätzung der durch diese Fangmethode ausgelösten Stressreaktion steht allerdings noch aus.

Ziel des Projektes ist es, aufzuzeigen und zu evaluieren, wie eine tierschutzgerechte Ausstallung und Verladung von Legehennen möglich ist. Aus den Ergebnissen und den praktischen Erfahrungen im Projekt wollen die Forschende weitere Vorschläge ableiten, um den Fang- und Verladeprozess zu verbessern.

Das Projekt gliedert sich in zwei Teilprojekte, die innerhalb von 18 Monaten bearbeitet werden. „Im ersten prüfen wir auf Praxisbetrieben, welche Einflüsse das aufrechte Fangen mit Umgreifen des Körpers, bzw. in schwer zugänglichen Bereichen der Voliere das Greifen an beiden Ständern mit dem Halten des Brustbeins, auf das Tierwohl, die Verladezeit, die Arbeitsbelastung des Fängerpersonals sowie die Ökonomie hat“, so Dr. Birgit Spindler aus dem Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die für diesen Projektteil verantwortlich ist.

Um messen zu können, welche Stressreaktion die Tiere auf das Fangen zeigen, vergleichen die Forschenden im zweiten Teilprojekt bei Althennen beide Fangmethoden (Aufrecht vs. Überkopf) miteinander. Dafür messen sie unter Leitung von Prof. Dr. Chadi Touma, Universität Osnabrück, Abbauprodukte des Stresshormons Corticosteron im Kot der Tiere. Corticosteron ist bei Nagetieren und Vögeln eines der wichtigsten Stresshormone, analog zum Cortisol beim Menschen, erklärt Professor Touma. Er sagt: „Insgesamt hoffen wir mit unserem Projekt zur Objektivierung der Tierwohl-Erfassung beizutragen und die Entwicklung und Anwendung von tierschonenden Verfahren vorantreiben zu können.“

Quelle: Universität Osnabrück

„70-80 % der Fruchtbarkeitsprobleme beim Schwein sind nicht krankheitsbedingt. Entscheidend ist das Management!“ #Bioland Schweinefachtagung 2026

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So begann Dr. Anke Zankl (vetxperts Hohenlohe) ihren Vortrag auf der Schweinefachtagung des Bioland-Verbandes und beleuchtete dann Remontierung und Besamungsmanagement im Detail.

Einleitend verglich sie Vor- und Nachteile von Zukauf und Eigenremontierung. Zukauf bedeute weniger Arbeit und erlaube den Fokus auf die Ferkelproduktion zu legen, sie erleichtere die Planung und profitiere von höheren genetischen Fortschritten.

Allerdings berge der Zukauf auch das Risiko für den Import von Krankheiten und die Lieferung sei meistens nur alle sechs Wochen möglich. Die Eingliederung neuer Sauen erfordere eine passende Eingliederung und sehr gute Quarantäne-Maßnahmen.

Bei der Eigenremontierung bestehe ein geringeres Risiko, Krankheiten einzuschleppen und es bliebe ausreichend Zeit für die Eingliederung. Schließlich könne der Ferkelerzeuger die Auswahl der Jungsauen nach eigenem Ermessen vornehmen.

Allerdings seien dazu Selektions-Kenntnisse oder ein Berater nötig. Der Aufwand von Zeit, Arbeitskraft und Platz sei höher. Außerdem würden natürlich bei der Eigenremontierung auch männliche Ferkel geboren.

Als Ziele der Eingliederung nannte Zankl

• gesunde Jungsauen zur Remontierung mit guter Lebensleistung
• stabile Herdengesundheit ohne Immunitäts-Schwankungen
• Reduktion schwankender Kolostrum-Qualität durch gute Eingliederung

Hier spiele die Quarantäne für Jungsauen eine wichtige Rolle. Ohne Quarantäne würden gesunde Jungsauen in den Bestand eingeführt, die dann erkranken und dann sogar Keime ausscheiden könnten. Auch das Gleichgewicht der bereits im Betrieb lebenden Sauen könne für eine ganze Weile gestört werden.

Bei der Eingliederung mit Quarantäne blieben die Jungsauen eine Woche separiert und könnten gleich zu Anfang auch geimpft werden. Nach einer gewissen Zeit sollten die neuen Tiere dann Kontakt zu gesunden Schweinen aus dem Bestand, Kaustricken oder auch Kot bekommen. Sollten die Jungsauen beim Kontakt mit der Betriebsflora krank werden, geschähe dies ohne das Gleichgewicht im Betrieb zu stören.

Nach der Anpassung folge eine sechswöchige „Abkühlungsphase“, in der die Jungsauen Infektionen überwinden könnten. Dank der aufgebauten Abwehrkräfte würden sie auch keine Krankheitserreger ausscheiden. Und schließlich könnten die Tiere dann in die Herde integriert werden.

Für die Stallausstattung empfiehlt die Fachtierärztin für Schweine.

• ausreichende Troglänge (35-40 cm je Tier
• 2-mal oder ad libitum füttern
• unbegrenzten Zugang zu Wasser
• gute Bodenbeschaffenheit und Luftqualität (keine Zugluft, trocken mit 18-21 Grad)
• Tageslicht für 14-16 Stunden
• saubere Buchten, die vor Einstallung gereinigt und desinfiziert werden müssten
• und die Sicherstellung der sozialen Entwicklung der Jungsauen

Besamungsmanagement
„Die Rausche der saue ist eine hormonelle Höchstleistung“ erklärte Zankl und deswegen gelte es die hormonelle Regulation der Sau bestmöglich zu unterstützen. Stress sei unter allen Umständen zu vermeiden.

Die Hormone von Sauen würden vor allem von Genetik/Zuchtauswahl aber auch von Anteil weiblicher Ferkel im Jungsauen-Vermehrungswurf bestimmt. Mindestens die Hälfte der Ferkel sollten hier weiblich sein.

Auch die täglichen Zunahmen seien wichtig. Je nach Körpergewicht wären folgende Werte wünschenswert:

30-60 kg – 600 g,
ab 60-65 kg – 700 g,
ab 90 kg – 750 g.

Mineralien und Vitamine sollten auf jeden Fall ergänzt und auch auf ausreichend Rückenspeck geachtet werden (12-14 mm).

Ausreichender Mensch/Tier-Kontakt sei äußerst wichtig, weil er weniger Angst und Adrenalinausschüttung bedeute und das Oxytocin zur Wirkung brächte. Auch die Körperkondition nach dem Absetzen und Tag/Nacht-Temperaturschwankungen spielten eine Rolle.

Zum Eberkontakt gehörten am besten zwei, sexuell aktive Eber, im Alter von mindestens 13 Monaten, die ab dem 3. Tag nach dem Absetzen 2x täglich für 30-60 Minuten Kontakt mit den Sauen haben. Diese müssten die Eber sehen, hören, riechen und tasten ohne dabei etwa durch andere Arbeit, Lärm oder Fütterung gestört zu werden. Auch beim Besamen sei Eberkontakt wichtig; Dauerkontakt sein jedoch zu vermeiden.

Die Besamung selbst sollte ruhig, freundlich und schmerzfrei erfolgen, am besten immer durch die gleiche Person – die auch einen besonderen Besamungs-Overall in anderer Farbe als die normale Betriebskleidung tragen sollte.

Die Zeit zwischen zwei Stimulationspeaks betrage 60 Minuten die Dauer jeweils 15-20 Minuten bis zur Oxytocin-Ausschüttung. Der Muttermund sollte den Katheter umschließen, die Gebärmutter kontrahieren. In den folgenden 10-16 Tagen nisteten sich die Eizellen ein. Speziell in dieser Zeit sollte Stress auf jeden Fall vermieden werden.

Innerhalb der ersten vier Wochen der Trächtigkeit, stürben 30-40 % der Embryonen ab und es seien mindestens vier Embryos für eine Trächtigkeit nötig. Im gesunden Uterus der sau würden 70 % der Organlänge beansprucht.

Umrauscher
Und – last but not least – sollte die Umrauscher-Quote eines Betriebes unter 8 % liegen. Neben infektiösen Ursachen spielten beim unregelmäßigen Umrauschen etliche Faktoren eine Rolle: Stalltemperatur, Licht und wieder Stress. Die Erstbelegung könne zu früh erfolgt und der Body-Condition-Score der Sau mangelhaft sein. Schließlich wirkten sich auch schlechte Fütterung während der Laktation und Mykotoxine negativ aus.

Bei den infektiösen Ursachen spielten Schmierinfektionen mit „normalen“ Bakterien ebenso eine Rolle, wie systemische Infektionen mit Parvo, PCV2, PRRS, Influenza, Brucellose und Leptospirose.

Newcastle Disease in Brandenburg

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Konsequente Tierseuchenbekämpfung braucht starke Veterinärstrukturen

Im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) wurde am 20. Februar 2026 in einem Putenmastbestand mit rund 23.000 Tieren die Newcastle Disease (ND), auch Atypische Geflügelpest genannt, amtlich festgestellt. Zuvor waren erhöhte Tierverluste und deutliche Krankheitsanzeichen aufgetreten. Das zuständige Veterinäramt leitete umgehend epidemiologische Ermittlungen ein – unterstützt vom Tierseuchenbekämpfungsdienst des Landes Brandenburg.

Die Bundestierärztekammer (BTK) nimmt den aktuellen Ausbruch zum Anlass, die Bedeutung einer starken und handlungsfähigen Veterinärverwaltung zwischen Landwirt:innen und betreuenden Tierärzt:innen, Ämtern und Laboren zu unterstreichen. „Der Fall in Brandenburg zeigt deutlich, dass wirksame Tierseuchenbekämpfung aufmerksame Tierhaltende, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den betreuenden Tierärzt:innen sowie personell und technisch gut ausgestattete Behörden und Diagnostiklabore erfordert. Nur mit starken, bewährten Strukturen können wir im Ernstfall schnell und wirksam reagieren. Tierseuchen machen nicht an Landes- oder Staatsgrenzen halt. Investitionen in die Veterinärverwaltung sind Investitionen in Verbraucherschutz, Tiergesundheit und die Sicherung unserer landwirtschaftlichen Produktion“, erklärt der BTK-Präsident Ltd. VD Dr. Holger Vogel.

Die Newcastle Disease ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Hühner und Puten betrifft und aufgrund ähnlicher Symptome wie Durchfall, Atemnot oder Lähmungen häufig mit der Geflügelpest (HPAI) verwechselt wird. Als bekämpfungspflichtige Tierseuche verbreitet sie sich sowohl direkt zwischen Tieren als auch indirekt über Fahrzeuge, Gerätschaften oder kontaminierte Kleidung. Auch Wildvögel und Schadnager stellen insbesondere in Freilandhaltungen ein Risiko dar. Angesichts wiederholter und großflächiger Ausbrüche im Nachbarland Polen seit September 2024 bleibt die Lage angespannt.

Im Gegensatz zur Aviären Influenza besteht in Deutschland eine Impfpflicht gegen ND. Alle Geflügelhaltende – auch Halter:innen privater, kleiner Hobbyhaltungen – sind verpflichtet, Hühner und Puten regelmäßig impfen zu lassen. Dennoch ist die Impfdecke insbesondere im nicht gewerbsmäßigen Bereich häufig unzureichend. „Eine lückenhafte Impfung gefährdet nicht nur einzelne Bestände, sondern die gesamte Geflügelpopulation. Die Impfpflicht ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern ein zentrales Instrument der Seuchenprävention“, betont Dr. Vogel. Die ordnungsgemäße Abgabe der Impfstoffe über die/den betreuende/n Tierärzt:in ist entscheidend für eine wirksame Immunisierung. Zudem ist die Geflügelhaltung beim zuständigen Veterinäramt sowie bei der Tierseuchenkasse des jeweiligen Bundeslandes anzuzeigen.

Die BTK ruft alle Geflügelhaltenden dazu auf,

• den Impfstatus ihrer Tiere unverzüglich zu überprüfen,
• Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einzuhalten,
• Vorgaben hinsichtlich Stallhygiene und Schutzkleidung strikt zu beachten,
• erhöhte Tierverluste oder Krankheitsanzeichen umgehend dem zuständigen Veterinäramt zu melden.

Frühzeitiges Handeln ist entscheidend, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und wirtschaftliche Schäden zu minimieren.

Quelle: Bundestierärztekammer

Ökoschweinehaltung: Herausforderungen und Chancen – #Bioland Schweinefachtagung 2026

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Die größte Herausforderung in der Bio-Schweinehaltung ist aus Sicht von Hansjörg Schrade (Leiter LSZ Boxberg) die bedarfsgerechte Ernährung: Protein-Versorgung, Aminosäuren, Vitamine und Spurenelemente sowie die Verdaulichkeit von diesen Inhaltsstoffen. Hier gelte es „richtig dicke Bretter zu bohren“ sagte der Referent zu Beginn seines Vortrags auf der diesjährigen Bioland-Schweinefachtagung.

Fütterung
Zum Punkt „Fütterung“ präsentierte Hansjörg Schrade drei Beispiele aus der Praxis: einen Öko-Betrieb, dessen Ferkel am Ende der Aufzucht (84. Lebenstag) 23 kg auf die Waage brachten. In einem konventionellen Betrieb wogen die Ferkel nach 77 Tagen 27 kg und ein Betrieb, der Gruppensäugen praktiziert, lieferte nach ebenfalls 77 Tagen sogar Ferkel mit 33 kg Körpergewicht.

Mit diesen Zahlen wollte Schrade provozieren, wie er freimütig gestand. Prompt meldeten sich auch mehrere Zuhörer aus dem Saal und sagten, ihre Ferkel wögen stets mehr als nur 23 kg (allerdings lagen sie alle unter 30 kg).

Der Referent machte für die Gewichts-Differenz die in der ökologischen Schweinehaltung vorherrschenden Regelungen verantwortlich. Diese seien „gelinde gesagt nicht glücklich“ und „manchmal auch tierschutzrelevant“, weil nach § 1 TierSchG Schmerzen, Leiden, Schäden verhindern werden müssen.

Die Tiere auf dem ersten Betrieb litten an verstecktem Hunger – wegen fehlender Nährstoffe sowohl bei der Sau, als auch bei den Ferkeln und später auch in der Mast – weil keine synthetischen Aminosäuren zugesetzt werden dürften und weil einiges mehr in der Ökohaltung verboten sei.

In einem Fütterungsversuch konventionelle vs. Öko-Fütterung, wurde das „Übersee-Soja“ in der Öko-Mast durch einen „ErbsoFit-Ergänzer“ ersetzt und synthetische Aminosäuren zugesetzt. Bei Muskelfleischanteil und Fleischmaß etwa wurden jedoch die Werte der konventionellen Vergleichstiere nicht erreicht.

Selbst wenn also synthetische Aminosäuren dem Öko-Futter zugesetzt werden dürften, sei dies immer noch nicht „die ganze Miete“, sagte Schrade. Die Verdaulichkeit der Aminosäuren sei einfach nicht ausreichend gewesen.

Zucht von Schweinemutterrassen
Hier stellte der Referent ein EIP-Projekt mit Deutschen Edelschweinen und Deutscher Landrasse vor, das zum Ziel hatte, Ferkelverluste zu senken sowie mütterliche und umgängliche Sauen zu züchten.

Die Schwerpunkte seien dort: die Wurfqualität (Ferkel-Vitalität, Geburtsgewichte und Wurf-Homogenität) und das Verhalten der Sau, eben Mütterlichkeit und Umgänglichkeit. Ziel sei zu einer entsprechenden Zuchtwertschätzung zu gelangen.

Die Tiere im Versuch wurden mit einem Chip ausgestattet und im Online-Sauenplaner erfasst. Die Ferkelgewichte wurden mittels einer neu entwickelten Waage digital erfasst und direkt ins Herdbuch transferiert.

Am Ende soll dann – so Schrade – die Wurfqualität mit 40% in die Zuchtwertschätzung eingehen: das mittlere Geburtsgewicht und die Abweichung davon, das mittlere 21-Tage-Gewicht und die Abweichungen hiervon. „Lebendgeborene Ferkel“ würden zwar immer noch erfasst, kämen aber nur mit einem Prozent in den Zuchtwert. Auch die abgesetzten Ferkel würden nicht mehr so hochrangig bewertet, sondern vor allen Dingen Aufzucht-Effizienz und Futterverwertung. Dann kämen Sau/Mensch-Interaktion und Mütterlichkeit sowie Mast- und Schlachtleistungsmerkmale.

Indexiert liegt die Wurfqualität in diesem Ansatz bei 40%, die Fruchtbarkeit bei 28 %, Futterverwertung bei 10 %, Mütterlichkeit bei 10% und 12% bei Mast- und Schlachtleistung.

Schrade sieht hier eine große Chance für Ökobetriebe und vor allem Ferkelerzeuger, wenn Schweinerassen in diese Richtung entwickelt würden. Bei einem entsprechenden Versuch in einem Ökobetrieb habe die Anwendung dieser Kriterien und Gewichtungen bereits nach vier Jahren deutliche Zuchterfolge bei Sauen und Ferkeln gebracht. Züchterisch müsse man aber eher in 10 bis 15 Jahren denken.

Schwanzverletzungen: Schwanzbeiß­en, Entzündungen und Nekrosen
Innerhalb von drei Jahren wurden in Boxberg SINS-Merkmale, Gewichte und das Verhalten beim Wiegen von Ferkeln als Merkmale erhoben, über 20.000 Tiere bonitiert und gewogen sowie 6.000 Ferkel bis zur Schlachtung verfolgt.

Bonitiert wurden in den Ferkelaufzuchtbetrieben nicht nur die Schwänze, sondern z. B. auch Zitzen und Klauen und anschließend diese reinrassigen Tiere als Prüftiere nach Boxberg gebracht. In der Stationsprüfung seien dort alle Umweltbedingungen gleich, also Futter, Haltung etc. und nur die genetische Variation würde festgestellt.

Beim Deutschen Edelschwein zeigten sich erstaunliche Erblichkeitsgrade, die sich jedoch nicht unbedingt einfach erheben ließen; bei Klauenverletzungen etwa sei dies sehr zeitaufwändig. In Boxberg hat man sich für den Längenverlust des Ferkel-Schwanzes entschieden, der zum Boniturzeitpunkt „Einstallen in die Mast“ mit 24% (!) Erblichkeit in der Merkmalsliste steht. Hierfür wurde dann ein KI-System mit 8.000 Fotos von 4.000 Schlachtkörpern trainiert.

Ziel dieses Ansatzes sei am Ende

    • gesunde Tiere und geringere Verluste,
    • eine wettbewerbsfähige, ressourcen-effiziente und nachhaltige Schweinefleischerzeugung
    • sowie die Stärkung aller heimischen Erzeuger.
    • Auf weitere Ergebnisse der Zuchtanstrengungen in Boxberg darf man gespannt sein.

Themenvorschau „Der Hoftierarzt“ Newsletter Februar 2026

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Die erste Ausgabe 2026 des Hoftierarzt-Newsletters erscheint Ende Februar.
Folgende Themen sind für Abonnenten aufbereitet:

RINDER
InnoRind – Konzepte zur Kälberhaltung in Deutschland
Imm Rahmen des Projekts wurden praxisnahe Alternativen untersucht, die Sozialkontakt und Managementeffizienz verbinden. Tierwohl, Tiergesundheit, Wachstum, Managementaufwand, Umweltwirkungen und ökonomische Kennzahlen sollten differenziert eingeordnet werden.

GEFLÜGEL
Beurteilung von Pickverletzungen bei Puten
Forscherinnen der TiHo, Hannover ließen drei Beobachter tausende von Bildauschnitten von Putenfotos betrachten und auf Verletzungen überprüfen. Die Fragestellung dabei: eignen sich Laien oder fachlich vorgebildete Personen besser und verändern sich Wahrnehmungen und Beurteilungen mit zunehmender Anzahl der Bilder.

EFSA: Tierschutzbewertung von Puten auf dem Bauernhof
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine
wissenschaftliche Stellungnahme zum Wohlbefinden von
von Puten in europäischen Betrieben veröffentlicht und zahlreiche Kritikpunkte vorgebracht.

Legehennen können ihren Kalziumbedarf mithilfe von Picksteinen selbst decken.
Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht.

SCHAFE
Mineral- und Vitaminkomplexe für trächtige Mutterschafe und Lämmer
Basierend auf einer Datenbank-Suche mit den Stichworten „Vitamine für Schafe“ und „Mineralstoffe für Schafe“ wurden 23 Patente mit Fokus auf trockengestellte Schafe und Lämmer aus 120 Patenten zu Futtermittelzusatzstoffen für Schafe ausgewählt und kategorisiert.

Widder besitzen einzigartige Lautäußerungen, die emotionale Informationen vermitteln.
Lautäußerungen transportieren Informationen, die es sozialen Tieren ermöglichen, Artgenossen zu erkennen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren und ihren emotionalen Zustand mitzuteilen – allesamt lebensnotwendig. Obwohl die Lautäußerungen von Widdern bei Mutterschafen und Lämmern gut erforscht sind, ist über ihre Individualität und ihren individuellen Charakter bisher wenig bekannt.

SCHWEINE
Deep-Learning-Modelle helfen bei der Erkennung stressanfälliger Schweine
Pränataler Stress bei Sauen kann das Wachstum und die Entwicklung der Ferkel beeinträchtigen, ihre Stressempfindlichkeit erhöhen und ihr Immunsystem schwächen. Bislang fehlen jedoch praktische Methoden, um pränatalen Stress bei den Sauen und ihren betroffenen Nachkommen zu erkennen.

Aus Alt mach Neu: Nebenprodukte in der Rationsgestaltung der Schweinefütterung – Ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz
Schweine stehen durch den hohen Einsatz von Getreide und Soja in starker Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen. Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung besitzen hingegen sehr geringe human-verwertbare Anteile und können diese Konkurrenz deutlich reduzieren.

Notfall Schwanzbeißen
Akutes Schwanzbeißen im Schweinestall erkennen, eindämmen und nachhaltig vorbeugen
Schwanzbeißen gehört zu den größten Herausforderungen in der modernen Schweinehaltung. Es ist nicht nur ein ernstzunehmendes Tierschutzproblem, sondern auch ein wirtschaftlicher Risikofaktor. Verletzungen, Leistungseinbußen, erhöhte Behandlungskosten und Vermarktungseinschränkungen sind häufige Folgen. Da Schwanzbeißen ein multifaktorielles Geschehen ist, braucht es im Ernstfall ein strukturiertes, schnelles und praxisnahes Vorgehen.

Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat auf Basis von Praxiserfahrungen, Beratungsempfehlungen und bestehenden Leitfäden einen Notfallplan entwickelt, der Tierhalterinnen und Tierhaltern hilft, akute Schwanzbeißgeschehen zu managen und zukünftige Ausbrüche zu vermeiden.

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Lumpy-Skin-Disease: Verbot der Sömmerung von Rindern in Frankreich für die Saison 2026

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Wegen der seit Ende Juni 2025 in Frankreich auftretenden Lumpy-Skin-Disease (LSD) hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) entschieden, die Sömmerung von Rindern in Frankreich für die Saison 2026 zu verbieten.

Die Massnahme soll die Einschleppung dieser hochansteckenden Tierseuche in die Schweiz verhindern und den Rinderbestand nachhaltig schützen. Dem Entscheid gingen ausführliche Gespräche mit den kantonalen Veterinärdiensten und der betroffenen Branche voraus.

Von der Massnahme betroffen sind rund 260 Betriebe, hauptsächlich in der Westschweiz. Derzeit werden auf Schweizer Boden Sömmerungslösungen gesucht. Die Landwirtschaftsorganisationen werden die Tierhaltenden dabei begleiten und unterstützen. Bisher wurde in der Schweiz noch kein Fall von LSD festgestellt.

Weitere Informationen zum Thema auf der Website des Bundesamtes

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Schweiz

Partnerschaft mit CERES AWARD: Sonderpreis der Initiative Tierwohl

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• ITW würdigt mit dem „Sonderpreis der Initiative Tierwohl“ besonderes Engagement für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung
• Verleihung in der „Nacht der Landwirtschaft“ am 21. Oktober 2026
• Dotierung des Preises: 2.500 Euro
• Bewerbungsphase startet am 16. Februar 2026

Die Initiative Tierwohl (ITW) vergibt im Herbst 2026 erstmals den „Sonderpreis der Initiative Tierwohl“ im Rahmen des renommierten CERES AWARDS. Mit dieser Auszeichnung werden Landwirtinnen und Landwirte geehrt, die sich in besonderer Weise für das Wohl ihrer Nutztiere engagieren. Die Auswahl des Siegers oder der Siegerin erfolgt durch die ITW.

„Mit dem Sonderpreis Tierwohl möchten wir das Engagement der Landwirtinnen und Landwirte sichtbar machen, die sich tagtäglich mit großem Einsatz für das Wohlergehen ihrer Tiere stark machen. Gemeinsam mit dem dlv (Deutscher Landwirtschaftsverlag) setzen wir ein Zeichen für eine zukunftsfähige und verantwortungsvolle Tierhaltung in Deutschland“, so Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl.

Die Preisverleihung findet im Rahmen der „Nacht der Landwirtschaft“ statt – einer festlichen Abendveranstaltung des dlv, bei der der CERES AWARD verliehen wird und jährlich herausragende Persönlichkeiten der Landwirtschaft geehrt werden. Der Sonderpreis richtet sich an Geflügel- und Rindermastbetriebe sowie an schweinehaltende Betriebe (Ferkelaufzucht und Schweinemast), die mit kreativen und praxistauglichen Lösungen neue Maßstäbe für mehr Tierwohl setzen. Die Auswahl des Preisträgers erfolgt durch eine eigene Jury der ITW, den Beraterausschuss. Der Beraterausschuss ist ein unabhängiges Expertengremium, das die ITW fachlich berät und begleitet. Die Mitglieder des Beraterausschusses kommen aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Veterinärmedizin.

Bewerbungsphase und Teilnahme
Die Bewerbungsphase läuft vom 16. Februar bis zum 31. März 2026. Interessierte Betriebe können sich mit ihren Projekten und Maßnahmen bewerben. Dazu kreuzen sie in den allgemeinen CERES AWARD Bewerbungsunterlagen lediglich das Kästchen „Sonderpreis der Initiative Tierwohl“ an und beantworten zwei zusätzliche Fragen.

Alle Informationen und Unterlagen finden Sie unter: www.ceresaward.de

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH