Honigbienen: Wildpopulationen erstmals in der EU auf Roter Liste

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Wildlebende Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) stehen in Europa unter massivem Druck: Neue wissenschaftliche Untersuchungen von Forschenden der Universität Hohenheim in Stuttgart und von Agroscope in Zürich zeigen zwar, dass wildlebende Honigbienen in Europa häufig vorkommen. Doch die Forschenden schätzen, dass die Bestände dieser Bienenvölker in der Europäischen Union (EU) ohne den Zuflug von Schwärmen aus der Imkerei innerhalb von zehn Jahren um rund 56 Prozent zurückgehen. Auf der „Roten Liste“ der International Union for Conservation of Nature (IUCN) werden deshalb wilde Honigbienen EU-weit nun offiziell als „stark gefährdet“ eingestuft.

Viele Menschen sehen in Honigbienen ausschließlich Nutztiere in der Imkerei, die Blüten bestäuben und Honig produzieren. Tatsächlich existieren jedoch zahlreiche freilebende Populationen, die zum Beispiel in natürlichen Baumhöhlen, Felsspalten und in hohlen Gemäuern nisten und sich unabhängig vom Menschen selbst erhalten. Sie machen rund ein Sechstel der europäischen Gesamtpopulation an Honigbienen aus. Bislang weiß man allerdings nur wenig über diese wilden Honigbienen und ihre ökologische, wirtschaftliche und evolutionäre Bedeutung.

„Dabei ist eine klare biologische Trennung zwischen wildlebenden und sogenannten gemanagten Honigbienen laut aktuellem Kenntnisstand nicht haltbar“, so Dr. Patrick Kohl vom Fachgebiet Populationsgenomik bei Nutztieren an der Universität Hohenheim. „Wilde Bienenvölker dienen seit Jahrtausenden als Quelle für die Imkerei. Beide Gruppen vermischen sich auch heute noch, zum Beispiel wenn sich junge Bienenköniginnen aus der Imkerei auf ihren Hochzeitsflügen mit den Drohnen wilder Bienenvölker paaren. Oder wenn ein ganzer Bienenschwarm aus der Bienenkiste zieht, sich in einer alten Spechthöhle im Wald ansiedelt und somit wieder Teil der wilden Subpopulation wird.“

Schlüsselrolle für genetische Vielfalt
Doch warum sind wilde Honigbienen interessant, wenn es sich bei der Art um dieselbe handelt, die von ImkerInnen gepflegt wird? „Die wilden Honigbienen verfügen über eine große genetische Vielfalt“, so Kohl. „Beispielsweise finden wir in Amerika Populationen wildlebender Völker, die gut mit der gefürchteten Varroa-Milbe klarkommen. Dieser ursprünglich aus Asien stammende, blutsaugende Parasit kann ganze Bienenvölker auslöschen. Die fehlende chemische Behandlung gegen die Milbe in der Wildpopulation hat zur Selektion von Kolonien geführt, die gegen diese Parasiten weitgehend resistent sind.“

„In ihrem natürlichen europäischen Verbreitungsgebiet bilden verbleibende Wildpopulationen der Honigbiene Reservoirs für selten gewordene Unterarten. So entsprechen manche Wildpopulationen in Großbritannien weitgehend der Dunklen Europäischen Honigbiene Apis mellifera mellifera, die in der Imkerei lange stiefmütterlich behandelt wurde.“ Auch hierzulande könnte seiner Ansicht nach die Imkerei von der genetischen Anpassungsfähigkeit einer wilden Honigbienenpopulation an Krankheiten oder Umweltbedingungen profitieren.

Große regionale Unterschiede in Europa
Doch das Leben der Honigbiene als Wildtier ist in Europa zunehmend bedroht. Zwar konnten im Rahmen internationaler Forschungskooperationen mehr als 1.600 Nistplätze in 15 Ländern dokumentiert werden, doch fehlen weiterhin umfassende Daten zu ihrer Verbreitung, Bestandsgröße und Entwicklung.

Für ihre Schätzungen des Populationstrends analysierten die Forschenden die Überlebensdaten wilder Bienenvölker, die durch gezieltes Monitoring bekannter Nistplätze in mehreren europäischen Ländern gesammelt wurden. Mithilfe von Modellen berechneten sie, wie sich Populationen freilebender Bienenvölker ohne Zuwanderung aus der Imkerei entwickeln würden.

Das Ergebnis ist eindeutig: Im Durchschnitt schrumpfen die Bestände innerhalb eines Jahrzehnts um rund 56 Prozent. „Weltweit weist Europa die geringste Dichte wildlebender Honigbienenkolonien auf“, sagt Dr. Benjamin Rutschmann vom Agroscope in Zürich, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung in der Schweiz.

Auffällig seien zudem starke regionale Unterschiede: Während Populationen in Mitteleuropa teils stark gefährdet sind, existieren etwa in Teilen Englands stabile Bestände. „Insgesamt zeigt sich jedoch, dass viele wildlebende Populationen zurzeit nicht aus eigener Kraft bestehen können und auf Zuwanderung aus der Imkerei angewiesen sind“, so Rutschmann.

Wildlebende Honigbiene in der EU erstmals als „stark gefährdet“ eingestuft
Aufgrund der Untersuchungen des Forschungsteams wurde die wildlebende Honigbiene nun von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) auf die internationale Rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen und als „endangered“ bzw. „stark gefährdet“ eingestuft.

„Obwohl es sich um dieselbe Art handelt, die als Nutztier in Imkereien gehalten wird, sind wilde Honigbienen nach den Kriterien der IUCN als eigenständige Wildpopulation anzusehen“, erklärt Kohl. Danach gilt bei Arten mit gemanagten und freilebenden Individuen eine Population freilebender Individuen als „wild“, wenn diese innerhalb eines Zeitraums von mindestens zehn Jahren ohne Zutun des Menschen nicht ausstirbt.

Während die Situation innerhalb der Europäischen Union als kritisch eingestuft wird, fehlt es auf gesamteuropäischer Ebene weiterhin an ausreichenden Daten. Ihr Status wird dort deshalb aktuell mit „Daten unzureichend“ geführt. Dennoch gehen die Fachleute davon aus, dass in vielen Regionen Europas freilebende Honigbienenkolonien selten geworden oder bereits lokal ausgestorben sind.

Ursachen: Lebensraumverlust, menschliche Einflüsse und Parasiten
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig und Gegenstand aktueller Forschung. Ein Hauptfaktor ist der fortschreitende Verlust geeigneter Lebensräume durch intensive Landnutzung und Bebauung. Zudem reduziert das Verschwinden alter Bäume mit natürlichen Höhlen die verfügbaren Nistmöglichkeiten erheblich.

Gleichzeitig führt der Rückgang naturnaher Landschaften zu einem Mangel an Nahrungsressourcen wie Pollen und Nektar, was insbesondere im Winter das Überleben der Völker erschwert. Von diesen Problemen sind Bienenvölker in der Imkerei mindestens teilweise verschont. Ihnen werden nahezu ideale künstliche Höhlen angeboten (Bienenbeuten) und sie werden bei akuter Nahrungsknappheit zugefüttert.

Außerdem belasten Krankheitserreger und invasive Arten wie beispielsweise die Varroa-Milbe die Gesundheit der Bienenvölker. Auch chemische Belastungen durch Pestizide können sich negativ auf die Überlebensfähigkeit der Völker auswirken. Darüber hinaus können moderne Imkereipraktiken, etwa durch globalen Handel und Zucht, die genetische Anpassungsfähigkeit wildlebender Populationen schwächen.

Dringender Appell für mehr Schutzmaßnahmen
Die Forschenden betonen, dass der Rückgang wilder Honigbienen nicht nur ein Problem für den Erhalt der genetischen Vielfalt innerhalb der Art ist. „Wilde Honigbienen ergänzen gemangte Bienenvölker räumlich. In ihrem angestammten Lebensraum, den lichten Wäldern und Waldrändern, beobachten wir zahlreiche Wechselbeziehungen mit anderen Arten“, so Kohl. Er denkt dabei beispielsweise an die Bestäubung von Waldpflanzen und an Arten wie die Bienenlaus und verschiedene Kleinschmetterlinge, die auf die Nester der Honigbienen angewiesen sind.

Daher fordern die Forschenden, wilde Honigbienen künftig ausdrücklich als schützenswerten Teil der Biodiversität anzuerkennen und systematisch zu überwachen. Gleichzeitig sind gezielte Schutzmaßnahmen notwendig. Laut Rutschmann sind stabile Populationen wildlebender Honigbienen ein starkes Zeichen für die Qualität eines Lebensraums. „Diese Völker brauchen alte Bäume mit geeigneten Höhlen, ein vielfältiges Nahrungsangebot und naturnahe Strukturen. Ihr Schutz hilft deshalb nicht nur der Honigbiene selbst, sondern auch vielen anderen Arten, die auf strukturreiche und blütenreiche Lebensräume angewiesen sind.“

HINTERGRUND: Rote Liste der IUCN
Seit 1963 erstellt die International Union for Conservation of Nature (IUCN) Rote Listen weltweit gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Dazu werden die Arten anhand festgelegter Kriterien in verschiedene Gefährdungskategorien eingeteilt. Die Roten Listen der IUCN basieren auf der Schätzung der Aussterbewahrscheinlichkeit eines Taxons (meist einer Art) innerhalb eines festgelegten Zeitraums, dabei wird nur das natürliche Verbreitungsgebiet berücksichtigt.

Zusätzlich bringen auch Staaten oder Bundesländer für ihr Gebiet Rote Listen heraus. Durch den regionalen Bezug können sie auf Besonderheiten eingehen und den Artenschutz vor Ort fördern.

Quelle: Universität Hohenheim

In England startet ein Versuch mit Vogelgrippe-Impfstoff gegen potenzielle pandemische Erreger

Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.

Auch wenn bisher fast alle Fälle beim Menschen mit engem Kontakt mit infizierten Tieren zusammenhängen besteht für die Zukunft durchaus ein solches Risiko. Weil sich Influenzaviren ständig weiterentwickeln, sind kontinuierliche Überwachung und Impfstoffentwicklung für die Pandemievorsorge von entscheidender Bedeutung.

Ziel der Studie ist es, Menschen aus den beiden am stärksten gefährdeten Gruppen zu rekrutieren, Personen die in der Geflügelindustrie arbeiten oder über solche die 65 Jahre alt sind. An dem Versuch werden insgesamt 4.000 Personen beteiligt sein.

Die ersten Freiwilligen in England, Schottland und den USA wurden jetzt mit einem Impfstoff geimpft. der auf der gleichen mRNA-Technologie basiert, wie aktuelle Covid-Impfstoffe. Dies könnte eine schnelle und groß angelegte Entwicklung des Impfstoffs im Falle einer Pandemie ermöglichen.

Blauzungenkrankheit: Rind im Landkreis Göttingen nicht infiziert

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Untersuchung einer amtlichen Nachbeprobung ist negativ – Restriktionszone wieder aufgehoben

Ein zunächst positiv auf eine Infektion mit dem Blauzungenvirus des Serotyps 8 (BTV-8) getestetes Rind im Landkreis Göttingen stellte sich jetzt bei der Untersuchung einer amtlichen Nachbeprobung als nicht mit dem Blauzungenvirus infiziert heraus. Die zunächst eingerichtete Restriktionszone konnte somit wieder aufgehoben werden. Darauf macht das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufmerksam.

Die Infektion mit dem Blauzungenvirus des Serotyps 8 (BTV-8) war am 17. Juli in einer Blutprobe, die im Rahmen einer Handelsuntersuchung bei einem – gemäß vorgelegten Informationen nicht gegen BTV-8 geimpften – Rind im Landkreis Göttingen entnommen war, nachgewiesen. Daraufhin wurde eine Restriktionszone mit einem Radius von 150 Kilometern um den betreffenden Betrieb eingerichtet, in der für Verbringungen BTV-empfänglicher Tiere in BTV-8 freie Zonen bestimmte Vorgaben galten.

Aufgrund von Untersuchungsergebnissen des Friedrich-Loeffler-Instituts ergaben sich jedoch Hinweise (Nachweis von BTV-8-Impfvirus in der Blutprobe), die eine amtliche Nachbeprobung des betreffenden Tieres erforderlich machten. Im Zuge der eingeleiteten Laboruntersuchungen wurde nunmehr festgestellt, dass das Tier nicht mit BTV-8 infiziert war. Nach aktuellem Kenntnisstand handelte es sich entweder entgegen der vorgelegten Informationen doch um ein geimpftes Tier oder es lag eine Kontamination der zu Handelszwecken entnommenen Blutprobe vor.

Die Restriktionszone konnte daher auf den Stand vom 17. Juli zurückgeführt werden. Das bedeutet: Aktuell sind in Niedersachsen nur der Landkreis Göttingen und Teile der Landkreise Goslar, Holzminden und Northeim von der BTV-8-Restriktionszone betroffen.

Eine interaktive Karte der Restriktionszone wird zur Verfügung gestellt unter Blauzungenkrankheit Tierseucheninfo.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber? (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 6/2025) und immer noch aktuell

Von Dr. Heike Engels

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die fehlende Desinfektion der Nabelschnur neugeborener Kälber zu Nabelinfektionen beitragen und potenziell zu Folgeerkrankungen wie Atemwegserkrankungen und Durchfall führen kann.

Diese Pilotstudie* hatte zum Ziel: 1) die Verbreitung der Nabeldesinfektionspraktiken bei neugeborenen Fleischrindkälbern in Kanada zu untersuchen und 2) die Auswirkungen von zwei Nabelbehandlungsmethoden auf Morbidität und sichtbare klinische Ergebnisse zu bewerten, bei denen entweder der Nabel in eine 7%-Jodtinktur getaucht oder mit dieser besprüht wurde. Die Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit in einer Gruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Eine Online-Umfrage wurde über soziale Medien und bei einer Veranstaltung der Fleischrinderindustrie in Alberta im März 2025 verbreitet. Die Morbiditätsdaten von 85 männlichen und weiblichen Angus-Kreuzungskälbern (n = 42–43 pro Behandlung) aus einer Herde in Olds, Alberta, Kanada, wurden bis zum Alter von 40 Tagen erfasst. Eine Teilstichprobe (n = 26 pro Behandlung) wurde innerhalb der ersten 15 Stunden nach der Geburt (Baseline) und anschließend wöchentlich bis zum 28. Lebenstag anhand visueller klinischer Parameter untersucht.

Nach dem Kalben wurden die Mutterkühe mit ihren Kälbern in Außenboxen mit Unterstand, Stroheinstreu und freiem Zugang zu Wasser und Futter untergebracht. Folgende klinische Parameter wurden anhand einer vierstufigen Skala in aufsteigender Reihenfolge des Schweregrades bewertet: Nasen- und Augenausfluss, Husten, Kotkonsistenz und Nabelvergrößerung. Der Zustand der Nabelschnur wurde anhand einer dreistufigen Skala beurteilt, wobei 0 bedeutete, dass die Nabelschnur abgefallen war, 1 Anzeichen von Austrocknung und 2 feuchtes Gewebe anzeigte.

Von den insgesamt 39 Befragten der Umfrage stammten die meisten aus Alberta (36 %) und Ontario (36 %), gefolgt von Manitoba (26 %) und Saskatchewan (3 %). Die Mehrheit (79 %) waren kommerzielle Erzeuger, 8 % hielten reinrassige Tiere und 13 % hielten beide Rassen. Die Kalbeorte variierten: 36 % nutzten Ställe, 36 % Weidehaltung und 23 % Außenboxen oder Mastbetriebe, während die restlichen 5 % der Erzeuger zwischen Stallhaltung und Freilandhaltung wechselten.

Insgesamt behandelten 36 % der Landwirte die Nabel ihrer Kühe, 41 % nicht und 23 % nur gelegentlich. Von denjenigen, die behandelten (23 von 39), verwendeten 52 % 10%ige Jodtinktur, 26 % 7%iges Jod, während die übrigen Jodophor-haltige Produkte (8 %), Povidon-Jod (4 %) oder gar keine Behandlung (8 %) anwendeten. Der Behandlungszeitpunkt variierte: 32 % behandelten innerhalb einer Stunde nach dem Kalben, weitere 32 % zwischen 1 und 6 Stunden, 27 % zwischen 6 und 24 Stunden und die übrigen Landwirte erst mehr als zwei Tage nach dem Kalben. 51 % der Landwirte berichteten von Nabelinfektionen in ihren Herden, während 49 % keinen Fall beobachtet hatten. Insgesamt wurden 40 Krankheitsfälle festgestellt, davon 14 % Lungenentzündung, 18 % Nabelinfektion und 1 % Durchfall. Es wurden jedoch keine Unterschiede hinsichtlich Morbidität oder visueller klinischer Parameter beobachtet. Es zeigte sich eine Variabilität in den Nabeldesinfektionspraktiken kanadischer Rinderzüchter, jedoch ist weitere Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Desinfektionsmethoden auf die Gesundheitsergebnisse zu bewerten.

Studie*:
Abbey Kramer et al. (2025): Evaluating navel disinfection practices and health outcomes in newborn beef calves in Canada: A pilot-study. Journal of Animal Science, Volume 103, Issue Supplement_3, October 2025, Pages 332–333
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Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 6/2025 (PDF, 6,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

smaXtec und Lely intensivieren ihre Zusammenarbeit

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smaXtec und Lely intensivieren ihre Zusammenarbeit und schaffen mit einer neuen direkten Systemintegration eine noch engere Verbindung zwischen Gesundheitsmanagementsystem und Melktechnologie.

Mit der neuen direkten Anbindung stärken smaXtec und Lely die digitale Vernetzung auf Milchviehbetrieben. Die neue Schnittstelle ermöglicht es smaXtec, nach Freigabe durch den Landwirt, relevante Daten direkt aus dem Lely-System abzurufen und für das erweiterte Gesundheitsmanagement zu nutzen. Der automatisierte Datenaustausch erleichtert so die tägliche Arbeit im Herdenmanagement und reduziert den Verwaltungsaufwand.

Gleichzeitig bauen smaXtec und Lely mit der Bereitstellung einer standardisierten Schnittstelle ihr offenes Ökosystem konsequent weiter aus und erleichtern Milchviehbetrieben die Vernetzung verschiedener digitaler Anwendungen. Die Schnittstelle steht sowohl bestehenden als auch neuen smaXtec-Kunden mit einem Lely Astronaut Melkroboter zur Verfügung und bildet die Basis für eine noch engere Zusammenarbeit der beiden Systeme in Zukunft.

Offene Schnittstellen für ein vernetztes Herdenmanagement
Für Milchviehbetriebe bedeutet die neue Schnittstelle auch einen noch einfacheren Zugang zu wichtigen Betriebsinformationen: „Diese Integration bringt zwei starke Lösungen noch enger zusammen und schafft einen spürbaren Mehrwert für unsere gemeinsamen Kunden“, unterstreicht auch Stefan Rosenkranz, Chief Product Officer und Chief Innovation Officer bei smaXtec.

Für beide Unternehmen ist die neue Integration ein wichtiger Baustein, um den Mehrwert für gemeinsame Kunden kontinuierlich weiter auszubauen:

„Unsere Kundinnen und Kunden erwarten heute, dass digitale Lösungen einfach und zuverlässig zusammenarbeiten. Mit der Bereitstellung einer offenen Schnittstelle schaffen wir die Grundlage dafür, dass Partnerlösungen wie smaXtec einfach in das Lely Ökosystem eingebunden werden können. So ermöglichen wir Milchviehbetrieben einen effizienteren Informationsfluss und vereinfachen digitale Arbeitsabläufe im Herdenmanagement“, sagt Winfried Perner, Manager Proposition Digital Farming bei Lely.

Auch für smaXtec ist die direkte Anbindung ein wichtiger Schritt hin zu einer noch engeren Vernetzung der beiden Systeme: „Durch den automatisierten Datenaustausch reduzieren wir den Verwaltungsaufwand und legen gleichzeitig die Basis für eine noch nahtlosere Nutzung von smaXtec im Lely Ökosystem“, so Rosenkranz.

Bildquelle: Lely

Automatisierter Datenabruf reduziert Verwaltungsaufwand
Ein besonderer Vorteil der neuen Integration ist der automatisierte Datenaustausch zwischen beiden Systemen. Nach der Freigabe durch den Landwirt übernimmt smaXtec die relevanten Informationen über die von Lely bereitgestellte Schnittstelle direkt aus dem Lely-System und integriert sie in das Gesundheitsmanagement. Dadurch entfallen manuelle Doppeleingaben, während gleichzeitig eine konsistente Datengrundlage geschaffen wird. Mit der neuen Anbindung unterstreichen smaXtec und Lely ihr gemeinsames Ziel, Milchviehbetrieben den Zugang zu relevanten Betriebsdaten zu erleichtern und digitale Arbeitsabläufe im Herdenmanagement kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Über smaXtec
smaXtec ist der weltweit führende Anbieter im Bereich Gesundheitsüberwachung für Milchkühe. Das Unternehmen liefert Landwirten präzise, kontinuierliche Daten aus dem Inneren der Kuh, um Tiergesundheit, Profitabilität und Nachhaltigkeit zu verbessern. Mit seiner patentierten Sensortechnologie und KI-basierten Analysen ermöglicht smaXtec die frühzeitige Erkennung von Gesundheitsproblemen, eine bessere Fruchtbarkeitssteuerung und datenbasierte Entscheidungen – für moderne Milchviehbetriebe weltweit. Mehr Informationen unter www.smaXtec.com.

Über Lely
Lely wurde 1948 gegründet und engagiert sich für eine nachhaltige, profitable und lebenswerte Zukunft der Landwirtschaft. Mit dem Fokus auf das Wohl von Mensch und Tier entwickelt das Unternehmen innovative Roboter- und Datensysteme, die das Tierwohl fördern, die Effizienz von Milchviehbetrieben steigern und zu einer nachhaltigen Milchproduktion beitragen. Das Unternehmen bietet Systeme für automatisches Melken, Füttern, Stallreinigung und Herdenmanagement an und gilt als Wegbereiter der Automatisierung in der Milchviehhaltung. Mit Hauptsitz in Maassluis (Niederlande), rund 2.500 Mitarbeitenden und Aktivitäten in mehr als 50 Ländern begleitet Lely Landwirtinnen und Landwirte weltweit mit Technologie, Beratung und Service auf ihrem Weg in die Zukunft. Mehr Informationen unter www.lely.com/de

Quelle: smaXtec

Tierschutzrechtliche Mindestanforderungen an die Haltung von Nutzfischen

Die folgende Zusammenfassung beruht auf dem Vortrag von Dr. Julia Bauer vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, anlässlich des diesjährigen Niedersächsischen Tierschutzsymposiums.

Das EU und nationales Recht regeln die Haltung, Hälterung und Tötung von Nutzfischen, wobei Tierschutz und artgerechte Bedingungen im Fokus stehen.

Die Vorgaben nach EU-Recht sind bewusst allgemein gehalten, da es eine Vielzahl an Fischarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt.

Fischhaltungen müssen so geplant und betrieben werden, dass die artspezifischen Bedürfnisse der Fische berücksichtigt werden. Die Anlage muss z. B. ausreichend Platz, geeignetes Wasservolumen und Wasserqualität (Sauerstoff, pH, Nitrit, Ammonium) sind entscheidend. Ebenso eine artgerechte Beleuchtung, die einen Tag-Nacht-Rhythmus gewährleistet, wobei die artspezifischen Anforderungen zu berücksichtigen sind. Für nachtaktive Arten kann eine gedimmte Beleuchtung in der Nacht erforderlich sein.

Fischhalter müssen über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Fische sicherzustellen. Fischhalter sollten Krankheiten erkennen und wissen, wie im Krankheitsfall zu handeln ist. Der Gesundheitszustand der Fische muss regelmäßig kontrolliert werden. Sichtkontrolle auf Verletzungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheitsanzeichen.

Gemäß Artikel 3 der Richtlinie 98/58/EG müssen Maßnahmen getroffen werden, um Schmerzen, Leiden und Schäden bei Fischen zu vermeiden. Regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustands und Anpassung der Haltungsbedingungen bei Auffälligkeiten.

Die Wasserqualität muss den Bedürfnissen der jeweiligen Fischart entsprechen (z.B. Temperatur, Sauerstoff, pH-Wert, Nitrit, Ammonium). Plötzliche pH-Wert-Schwankungen sind zu vermeiden, da sie tödlich sein können.

Die Besatzdichte ist an die Fischart, das Alter, die Jahreszeit und die Haltungsform anzupassen. Sie sollte so hoch wie nötig und so gering wie möglich sein. Für Speisekarpfen sind z. B. 200 Tiere je Hektar vorgesehen, für Forellen in Rechteckbecken 2-3 kg/m³.

In Teichen, Durchflussanlagen und Kreislaufanlagen variieren die Dichten. Fachliche Einschätzung ist notwendig, um artgerechte Bedingungen zu gewährleisten. Parameter wie Wasserqualität, Sauerstoff und Beckenform sind individuell zu beurteilen.

Die optimalen Werte der Haltungsparameter für Regenbogenforellen (F) und Karpfen (K) sind z. B.:

Temperatur in Grad Celsius 10-18 (F) und 20-28 (K)
pH-Wert 6-8 (F) und 7,8,3 (K)
Sauerstoff (ml/L) 6-30 (F) und 5-30 (K)

Nützliche, weiterführende Informationen (Downloads) sind u. a. hier zu finden:

Europaratsempfehlungen für die Haltung von Fischen in Aquakultur

Gute fachliche Praxis der Forellenaquakultur in NRW, Leitfaden LANUV-Arbeitsblatt 54

LfL: Vermeidung von Flossenschäden bei Forellen: Informationen für Fischzüchter und Fischhalter

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Karpfenteichwirtschaft – Bewirtschaftung von Karpfenteichen, Gute fachliche Praxis

Blauzungenkrankheit in Niedersachsen: Auswirkungen auf Verbringungen

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Erster Nachweis vom Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) in Niedersachsen – Ausweitung des Restriktionsgebiets

Nach dem ersten Nachweis des Virus der Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) in einem Rinderbestand in Niedersachsen (Landkreis Göttingen) am 17. Juli 2026 erstreckt sich die im Juni 2026 aufgrund der Feststellung im Landkreis Fulda eingerichtete Handelsrestriktionszone nun auf weitere Teile Niedersachsens. Das teilt das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) mit. Betroffen sind neben dem Landkreis Göttingen nun auch die Landkreise Braunschweig, Celle, Gifhorn, Goslar, Hameln-Pyrmont, Helmstedt, Hildesheim, Holzminden, Northeim, Peine, Salzgitter, Schaumburg, Wolfenbüttel, Wolfsburg, die Region Hannover und die Stadt Hannover sowie Teile der Landkreise Diepholz, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Nienburg, Osnabrück, Uelzen und Verden. Hier gelten besondere Vorgaben beim Handel mit empfänglichen Tieren wie Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und weiteren Wiederkäuerarten.

Für das Blauzungenvirus empfängliche Tiere dürfen nur unter bestimmten Bedingungen aus der Restriktionszone in BTV-8-freie Regionen innerhalb von Deutschland und der EU transportiert werden. Transporte von Zucht- und Nutztieren sind innerhalb der nicht BTV-8-freien Regionen Deutschlands ohne Einschränkungen möglich, sofern die Tiere keine klinischen Auffälligkeiten zeigen. In Bezug auf den BTV-Serotyp 3 bestehen keine Einschränkungen für Verbringungen innerhalb Deutschlands.

Vor dem Hintergrund dieses ersten Nachweises von BTV-8 in Niedersachsen erinnert das ML die Tierhalterinnen und Tierhalter daran, die empfänglichen Tiere in den Beständen zu impfen beziehungsweise die Impfung rechtzeitig aufzufrischen zu lassen, da durch die Impfung der beste Schutz für die Tiere erzielt wird. Eine Impfung gegen den Serotyp 3 bietet keinen Schutz gegen den Serotyp 8. Hier ist eine eigene Impfung notwendig. Zur Behandlung erkrankter Tiere muss mit der Tierärztin beziehungsweise dem Tierarzt zur Reduktion von Tierleid zum Beispiel mit Schmerzmitteln Kontakt aufgenommen werden.

Hinweis:
Weitere Informationen zur Verbringung können Tierhalterinnen und Tierhalter vom jeweils zuständigen Veterinäramt erfahren. Außerdem finden Sie weitere Informationen und eine interaktive Karte mit einer Darstellung der niedersächsischen Anteile der Restriktionszone unter: https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/tierseuchen_tierkrankheiten/wiederkauer/blauzungenkrankheit/blauzungenkrankheit-21712.html

Hintergrund:
Die Blauzungenkrankheit wird durch das Bluetongue-Virus (BTV) hervorgerufen und ist eine zu meldende Tierseuche, die zumeist Rinder und Schafe betrifft. Daneben sind auch Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer für die Erkrankung empfänglich. Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier, sondern durch infizierte Gnitzen (blutsaugende Stechmückenart) übertragen. Erkrankte Tiere zeigen zum Beispiel Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Für den Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Fleisch, Milch und Milchprodukte von Rindern, Schafen und Ziegen können bedenkenlos verzehrt werden.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Nutztiermedizin sichtbar machen: LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und WFG rücken Tiergesundheit als Fundament der Lebensmittelsicherheit in den Fokus

Mit Interviews, Fachbeiträgen und Social-Media-Formaten machen LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und der WFG – Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte GmbH (WFG) die Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten für eine breite Öffentlichkeit sichtbar. Der WFG verbindet die Kampagne mit einer klaren berufspolitischen Botschaft: Ohne ausreichenden Nachwuchs und ohne verlässliche Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln lässt sich die flächendeckende tierärztliche Betreuung der Bestände – und damit ein Grundpfeiler der Lebensmittelsicherheit – nicht dauerhaft sichern.

Seit Juni 2026 sind im Rahmen der Kooperation mehrere Inhalte erschienen: ein Grundlagenbeitrag zum Zusammenhang von Tiermedizin, Biosicherheit und Lebensmittelsicherheit, zwei Interviews mit WFG-Vertretern sowie Bewegtbild- und Social-Media-Formate, die den Weg vom Stall bis ins Supermarktregal nachzeichnen. Adressiert sind damit bewusst Verbraucherinnen und Verbraucher. „Innerhalb der Agrar- und Ernährungsbranche werden wir Nutztierärzte als kompetente Partner wahrgenommen. Beim Endverbraucher ist unsere Schlüsselrolle zwischen Stall und Supermarkt dagegen kaum bekannt“, sagt PD Dr. Andreas Palzer, Präsident des WFG. „Wer einen Berufsstand gesellschaftlich nicht sieht, dem fehlt am Ende auch der Nachwuchs. Kommunikation ist für uns deshalb keine Kür, sondern Berufspolitik.“

Im Mittelpunkt steht der Alltag der Bestandsbetreuung, und der heißt Prävention statt Therapie. Impfkonzepte, Biosicherheit, Stallklima- und Fütterungsberatung, kontinuierliches Monitoring und eine lückenlose Dokumentation von Behandlungen und Wartezeiten. Wie wirksam das ist, belegen die Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Abgabemenge an Antibiotika in der deutschen Tiermedizin ist seit 2011 um rund 70 Prozent zurückgegangen. Für den Verbraucher bedeutet das ein geringeres Risiko für die Selektion resistenter Keime. Das ist One Health in der Praxis.

WFG-Geschäftsführer Dr. Stefan von Rüden

Strukturelle Risiken werden zu selten diskutiert
Gleichzeitig weist der WFG auf Entwicklungen hin, die diese Struktur unter Druck setzen. Der
Nachwuchsmangel ist aus Sicht des Verbands das drängendste Thema der Nutztiermedizin: In einzelnen Regionen praktizieren kaum noch Nutztierärzte, was insbesondere die kontinuierliche, präventive Bestandsbetreuung schwächt. Hinzu kommt die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln. Immer mehr Wirk- und Impfstoffe werden außerhalb Europas produziert, zugleich erschweren lange Zulassungsverfahren den europäischen Marktzugang. Beides führt zu Lieferengpässen. Fällt ein Impfstoff ersatzlos weg, nehmen Erkrankungen im Bestand zu, und es muss wieder mehr antibiotisch behandelt werden. Bei viralen Erregern verschärft sich das Problem. Gegen sie gibt es keine ursächliche Therapie, die Impfung ist das entscheidende Instrument. Fehlt sie, leidet das Tierwohl unmittelbar. Der WFG fordert deshalb, die Versorgungssicherheit mit Tierarzneimitteln als Teil der staatlichen Krisenvorsorge zu begreifen und die Nutztiermedizin verlässlich der kritischen Infrastruktur zuzuordnen.

„Sichere Lebensmittel sind in Deutschland für viele eine Selbstverständlichkeit, aber sie sind kein Zufall“, betont Dr. Stefan von Rüden, Geschäftsführer des WFG. „Hinter jedem Stück Fleisch und jeder Packung Milch steht die tägliche Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten. Wir wollen, dass diese Leistung sichtbar wird – bei Verbrauchern, in der Politik und vor allem bei den jungen Kolleginnen und Kollegen, die gerade über ihren Berufsweg entscheiden.“

Materialien der Kampagne

Interview mit WFG-Präsident PD Dr. Andreas Palzer: One Health und Antibiotikareduktion

Interview mit Sebastian Mascher (WFG): Nachwuchsmangel und Berufsalltag

Grundlagenbeitrag: Gesunde Tiere, sichere Lebensmittel

Quelle: WFG

Zoonose Q-Fieber: Leitfaden gibt Empfehlungen (AdA)

Aus dem Archiv (AdA 1/2025) und immer noch aktuell

Von Dr. Heike Engels

Erreger mit zoonotischem Potential stehen unter besonderer Beobachtung, weil sie für Tier und Mensch eine Gefahr darstellen. Das Bakterium Coxiella (C.) burnetii, Erreger des Q-Fiebers, gehört in diese Kategorie. Um die Überwachung dieses Erregers besser durchführen und koordinieren zu können, haben Experten einen neuen Leitfaden entwickelt.

Q-Fieber, auch Coxiellose genannt, ist eine Krankheit vor allem der Wiederkäuer, die durch das Bakterium Coxiella (C.) burnetii ausgelöst wird. Bis auf Neuseeland und die Antarktis ist das Bakterium weltweit verbreitet. Der Erreger kann aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit jahrelang außerhalb eines Wirts in Staub, Wolle bzw. in Rohmilch überdauern. Auch eine gründliche Reinigung und Desinfektion führt aufgrund von Resistenzen nicht immer zu völliger Erregerfreiheit. Zusätzlich kann C. burnetii mit dem Wind weit verbreitet werden und zwar bis zu 18 km, allerdings ist eine erhöhte Ansteckungsgefahr nur im Umkreis von 5 km gegeben.

Ansteckung über Aerosole
Die Tiere stecken sich meistens über das Einatmen von Bakterien an. Das Bakterium kommt meistens über den Zukauf von Tieren in den eigenen Betrieb, aber auch Haustiere wie Katzen können den Erreger ausscheiden und damit für eine Infektion sorgen. Die Übertragung durch Zecken ist noch nicht eindeutig geklärt. Jedoch dürfte der Zeckenkot eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von C. burnetii spielen. Infizierte Zecken scheiden große Erregermengen mit dem Kot aus. Infizierte Hauswiederkäuer können den Erreger über mehrere Wochen über Vaginalsekret, Milch, Kot und Urin ausscheiden. Beim Tier sind die Symptome eher unspezifisch. Die Infektion kann ganz ohne Symptome ablaufen (Schafe und Rinder) oder zum Abort führen, wie es bei Ziegen häufiger ist. Generell können Aborte, Totgeburten, Geburten lebensschwacher Lämmer, Kitze bzw. Kälber und der verzögerte Abgang der Nachgeburt mit einer C. burnetii-Infektion zusammenhängen, weshalb bei diesen Symptomen immer auch an Q-Fieber gedacht werden sollte. Die Behandlung von Tieren mit dem Ziel die Erreger-Ausscheidung entscheidend zu reduzieren oder gar zu unterbinden, ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich. Eine Behandlung mit Oxytetrazyklin führt nicht zu einer signifikanten Reduzierung der Erreger- Ausscheidung. Allerdings reduziert eine Impfung gegen C. burnetii langfristig die Ausscheidung des Erregers bei infizierten Tieren. Damit es nicht zu einem akuten Q-Fieber-Geschehen in Beständen mit Wiederkäuern wie Schafen, Ziegen und Rindern kommt, sollten die Tiere prophylaktisch geimpft werden. Es gibt in Deutschland einen Impfstoff gegen Q-Fieber für Rinder und Ziegen, der auch via Umwidmung für Schafe verwendet werden kann. Die Impfkosten werden von den Tierseuchenkassen einiger Bundesländer übernommen, dies ist aber jeweils im Einzelfall abzuklären.

Q-Fieber ist eine Zoonose
Was die Erkrankung in einen besonderen Fokus rückt: Q-Fieber ist eine Zoonose und damit auch für den Menschen gefährlich, hier besonders für Personen mit entsprechendem Tierkontakt. Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sie sind weltweit ein wichtiges Thema in der öffentlichen Gesundheit. Die Ansteckung mit C. burnetii erfolgt auch beim Menschen vor allem durch das Einatmen von mit Bakterien kontaminierter Aerosole oder Stäube. Die häufigste Quelle eines Q-Fieber-Ausbruchs in der deutschen Bevölkerung sind infizierte kleine Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen, die den Erreger während der Geburt oder eines Aborts über Geburtsflüssigkeiten und Nachgeburtsmaterialausscheiden. Des Weiteren scheiden die Tiere den Erreger in geringerem Maße über Körperflüssigkeiten wie Milch, Urin und Kot aus. Es gibt akutes und chronisches Q-Fieber. Das akute Q-Fieber äußert sich mit Fieber, Gliederschmerzen und Schüttelfrost, starkem Kopfschmerz hinter den Augen, Schweißausbrüchen, Husten, Gliederschmerzen sowie allgemeiner Mattigkeit. In der Regel heilt die grippeähnliche Erkrankung von selbst wieder aus. Das chronische Q-Fieber kann aus einem akuten Q-Fieber entstehen und zu weiteren Komplikationen führen, u.a. zum Q-Fieber-Müdigkeitssyndrom. Eine akute Q-Fieber-Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt.

Monitoring und Meldepflicht
Da Q-Fieber eine Zoonose ist, ist die Erkrankung in Deutschland bzw. der Nachweis von C. burnetii insbesondere bei Rindern, Schafen und Ziegen meldepflichtig. Außerdem wurde Q-Fieber von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2023 in die Liste der 10 priorisierten Pathogene aufgenommen. Dazu zählen neben C. burnetii auch das Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber, Echinokokkose (sowohl E. granulosus als auch E. multilocularis), Hepatitis E, Influenza (aviär), Schweinegrippe, Lyme-Borreliose, Q-Fieber, Rift-Valley Fieber, durch Zecken übertragene Enzephalitis und West-Nil-Fieber. Die Überwachungsbehörden führen für diese Erkrankung ein Monitoring durch und ermitteln bei Infektionen zurück bis zum Infektionsherd, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Veterinäramt nötig (One Health). Um für diese Zusammenarbeit besser gerüstet zu sein und um Handlungsempfehlungen bei Infektionsszenarien geben zu können, haben Experten im Rahmen des Deutschen Interdisziplinären Q-Fieber Forschungsprogramms (Q-GAPS) nun einen Q-Fieber-Leitfaden entwickelt. Er basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und besteht aus Checklisten, Fragebögen und Informationen rund um die Erkrankung. Alle Personen, die mit Wiederkäuern zu tun haben, sollten mit dem Leitfaden vertraut sein, um aktiv der Erkrankung vorzubeugen und um schnell agieren zu können, sollte es zu einer Infektion bei

Links:
Der neue Q-Fieber-Leitfaden ist hier zu finden.
Nationales Referenzlabor für Q-Fieber des FLI

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 1/2025 (PDF, 9,5 MB). Schicken Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

Land Niedersachsen lässt Sauenhalter im Stich

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Landvolk kritisiert zusätzliche Auflagen bei der Agrarinvestitionsförderung

Niedersachsen verschärft die Anforderungen für Investitionen in tierhaltende Betriebe erneut über die bundesweiten Vorgaben hinaus. Mit den jetzt veröffentlichten Hinweisen zum Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) für die Antragsphase 2027 sollen insbesondere Schweinehalter deutlich höhere Anforderungen erfüllen als in anderen Bundesländern. Das Landvolk Niedersachsen sieht darin einen weiteren Wettbewerbsnachteil für die tierhaltenden Betriebe in Niedersachsen.

Nach dem Auslaufen des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung wird die Förderung von Investitionen in die Schweinehaltung zwar wieder in das AFP aufgenommen, gleichzeitig steigen jedoch die Voraussetzungen für eine Förderung. Bereits für die Grundförderung müssen Sauen- und Mastschweineställe künftig immer über Außenklima verfügen. Für eine höhere Förderung ist zusätzlich Auslauf erforderlich. Lediglich der Abferkelbereich bleibt von diesen Vorgaben ausgenommen.

„Niedersachsen wählt mal wieder die Goldrandlösung und schießt dabei weit über die bundesweiten Vorgaben hinaus“, kritisiert Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. „Statt den Betrieben wieder Planungssicherheit zu geben, werden zusätzliche Hürden aufgebaut. Das macht Investitionen schwieriger und schwächt erneut die Wettbewerbsfähigkeit unserer Tierhalter.“ Es sei nicht zielführend, ausschließlich die höheren Haltungsformstufen zu fördern, die die Verbraucher angesichts der Inflation weniger nachfragen. „Insbesondere in der Sauenhaltung besteht großer gesetzlich induzierter Umbaudruck – vor allem konventionelle Betriebe können angesichts der hohen Anforderungen in Zukunft kaum noch von der Agrarinvestitionsförderung profitieren“, beschreibt Hennies die Situation. So gerate auch das Ziel einer stärkeren 5D-Erzeugung (geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland) in weite Ferne, wenn immer mehr Sauenhalter aufgeben und Ferkel verstärkt aus dem Ausland bezogen werden müssten.

Nach Auffassung des Landvolks orientieren sich die neuen Anforderungen nicht am GAK-Rahmenplan, der als bundesweite Grundlage der Agrarinvestitionsförderung dient. Dort gelten für die entsprechenden Förderstufen deutlich geringere Anforderungen, die zudem kein verpflichtendes Außenklima vorsehen. Hinzu komme, dass Außenklimaställe in einigen Landkreisen aus immissionsschutzrechtlichen Gründen gar nicht genehmigt würden. Investitionsbereite Betriebe könnten die Fördervoraussetzungen damit vielerorts nicht erfüllen.

Darüber hinaus legt Niedersachsen auch allgemeine Vorgaben strenger aus. Während andere Bundesländer bei der zwei Großvieheinheiten je Hektar-Grenze (2 GVE/ha) Abnahmeverträge für Wirtschaftsdünger anerkennen, um eine ausgeglichene Nährstoffbilanz zu erreichen, bleibt Niedersachsen restriktiv und nutzt diese Möglichkeit nicht. Stattdessen wird zusätzlich eine kollektive Grenze auf Gemeindeebene eingeführt. Betriebe, die selbst unter der Grenze liegen und den Bestand aufstocken wollen, dürfen das nicht, solange sie in einer Gemeinde liegen, die mehr als 2 GVE/ha hat. „Förderprogramme sollen Investitionen ermöglichen und nicht verhindern, sonst geraten unsere Betriebe gegenüber anderen Bundesländern weiter ins Hintertreffen“, gibt Hennies zu bedenken. (LPD 55/2026)

Quelle: Landvolk

20,7 Millionen Euro zusätzlich: Landesregierung Niedersachsen fördert ab 2027 Investitionen in tierfreundliche Ställe

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Mehr Tierwohl in Ställen – die Bereitschaft für den Umbau ist in der Landwirtschaft vorhanden, meist jedoch mit hohen Investitionen verbunden. Daher wird die Niedersächsische Landesregierung noch stärker als bisher den tierfreundlichen Umbau voranbringen und zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 20,7 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2027/2028 bereitstellen. Damit sollen landwirtschaftliche Betriebe, die in tierfreundliche Ställe investieren, gefördert werden – sei es als Neubau oder als Umbau. Im Fokus steht dabei insbesondere die Unterstützung von Landwirtinnen und Landwirten beim Ausstieg aus der Anbindehaltung von Rindern und beim Umbau in der Schweinehaltung.

Hierzu Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Durch das Aus des Bundesumbauprogramms in der Schweinehaltung stehen viele Landwirtinnen und Landwirte vor großen finanziellen Herausforderungen. Auch wenn der große finanzielle Bedarf nicht allein durch unser Bundesland geschultert werden kann, wollen wir einen Teil zur Zukunftssicherung der Betriebe beitragen. Darüber hinaus beenden wir als erstes Bundesland stufenweise die Anbindehaltung für Rinder. Und dabei wollen wir die Betriebe unterstützen und Stallneubauten und -umbauten über das AFP unterstützen, indem wir a) mehr Mittel zur Verfügung stellen und sie b) im Ranking der Mittelvergabe besonders berücksichtigen.“

Mit den Mitteln wird das bestehende Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) verstärkt, mit dem bereits jetzt Investitionen in eine wettbewerbsfähige, nachhaltige, besonders umweltschonende und besonders tiergerechte Landwirtschaft gefördert werden. Investitionen im Bereich Schweinehaltung mit dem Schwerpunkt auf mehr Tierwohl werden nach Wegfall des Bundesprogramms wieder in das AFP aufgenommen. 2027 können im AFP, neben den regulär eingestellten 17 Millionen Euro, zusätzliche Fördermittel in Höhe von rund 15,5 Millionen Euro bewilligt werden, 2028 weitere rund 5,2 Millionen Euro. Um größeren Vorhaben mit Investitionsschwerpunkt in der Tierhaltung gerechter zu werden, wird die Höchstförderung für diese auf 600.000 Euro angehoben werden.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Mit den zusätzlichen Landesmitteln können wir die Transformation der Tierhaltung deutlich voranbringen, indem die gesellschaftlich gewollten Haltungsformen gefördert werden.“

Die Aufstockung der Mittel steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Haushalts durch den Landtag.

Serviceinformation für Betriebe
Bewilligungsbehörde ist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie wird demnächst Einzelheiten zur AFP-Förderung 2027 auf ihrer Homepage bereitstellen.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

CEVASCREEN Mückenprojekt: Start des Frühwarnsystems zur Überwachung der Epizootischen Hämorrhagischen Krankheit (EHD) in der Region BeNeDACH

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Mit dem CEVASCREEN Mückenprojekt hat die CEVA Tiergesundheit GmbH, Abteilung Ruminants, in BENEDACH eine Initiative ins Leben gerufen, die eine frühzeitige Erkennung der Epizootischen Hämorrhagischen Krankheit (EHD) ermöglicht. Durch eine 2-wöchentliche Untersuchung von Gnitzen der Gattung Culicoides auf das EHD-Virus liefert das Projekt wichtige epidemiologische Informationen über die regionale Viruszirkulation. Ziel ist es, Tierärztinnen und Tierärzten, Landwirtinnen und Landwirten sowie Tiergesundheitsbehörden ein wissenschaftlich fundiertes Frühwarnsystem zur Verfügung zu stellen und dadurch präventive Maßnahmen zum Schutz von Rinderbeständen zu unterstützen.

Sammlung von Gnitzen für CEVASCREEN Mückenprojekt ((c) Ceva Tiergesundheit)

EHD zählt zu den vektorübertragenen Erkrankungen von Wiederkäuern. Da das Virus bereits in Gnitzen zirkulieren kann, bevor erste klinische Fälle in Rinderbeständen auftreten, bietet die Untersuchung der Vektoren die Möglichkeit, eine beginnende Virusverbreitung frühzeitig zu erkennen. Der Nachweis viraler RNA in Gnitzen kann somit als regionales Frühwarnsignal dienen und dazu beitragen, Tierärztinnen und Tierärzten sowie landwirtschaftlichen Betrieben wertvolle Zeit für präventive Maßnahmen zu verschaffen.

EHD verursacht bei Tieren ähnliche Symptome wie die Blauzungenkrankheit, ist jedoch nur serologisch nachweisbar. Folgende klinische Anzeichen bei Rindern weisen auf EHD hin:

• Fieber
• verminderter Appetit
• Nasenausfluss mit Krusten
• Übermäßiger Speichelfluss
• Erosionen am Zahnfleischrand mit weißlichem Belag
• Lahmheit

Europaweites Monitoring von Juni bis November
Das CEVASCREEN Mückenprojekt startete im Juni und läuft bis Oktober 2026. Während dieses Zeitraums werden im Abstand von jeweils zwei Wochen Gnitzenproben von teilnehmenden Tierärztinnen und Tierärzten, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ceva gesammelt und anschließend von einem Labor molekularbiologisch auf das EHD-Virus untersucht.

Der Schwerpunkt des Monitorings mit 74 Mückenfallen liegt in den Regionen entlang der französischen Grenze. Darüber hinaus wurden weitere Fallen in anderen Teilen Deutschlands sowie in Belgien, den Niederlanden und Österreich installiert. Insgesamt ermöglichen 134 Mückenfallen ein umfassendes Monitoring in der gesamten BeNeDACH-Region.

Gnitzenfalle im Kuhstall, CEVASCREEN Mückenprojekt ((c) Ceva Tiergesundheit)

Ziel des Projekts ist die frühzeitige Detektion des Virus sowie der Aufbau einer Risikokartierung für Mitteleuropa. Die gewonnenen Daten liefern CEVA, praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten, landwirtschaftlichen Betrieben sowie Tiergesundheitsbehörden eine fundierte und zeitnahe Grundlage zur Bewertung der epidemiologischen Situation. Auf dieser Basis können Impfstrategien gezielt angepasst und optimiert werden, um Rinderbestände noch wirksamer vor einer Erkrankung zu schützen.

Datenschutz und Vertraulichkeit stehen im Mittelpunkt
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist der vertrauliche Umgang mit den erhobenen Daten. Sämtliche Proben werden ausschließlich mit einem eindeutigen Code versehen und vollständig anonymisiert untersucht. Es werden keine betriebsbezogenen Daten erhoben oder veröffentlicht, sodass weder Rückschlüsse auf einzelne landwirtschaftliche Betriebe noch auf teilnehmende Tierarztpraxen möglich sind.

Mit diesem länderübergreifenden Monitoring trägt das Projekt dazu bei, einen Ausbruch und die Ausbreitung des EHD-Virus frühzeitig zu erkennen und wertvolle Informationen für die Tiergesundheit in der Region BeNeDACH bereitzustellen

Quelle: Ceva Tiergesundheit GmbH

Sanfte Schubser für mehr Tierwohl

Sanfte Kaufanreize können bewirken, dass öfter zu Lebensmitteln mit höheren Tierhaltungsstandards gegriffen wird. Darauf deutet eine aktuelle Studie an der Universität Bonn hin. Die Forscherinnen nutzten als „Nudges“ zwei unterschiedliche Plakate zum Tierwohl-Label. Schon jedes Plakat für sich veränderte das Konsumverhalten von Testpersonen, die in einem virtuellen Supermarkt einkauften. Wurden beide Plakate kombiniert, war der Anteil der Produkte mit höheren Tierwohlstandards im Einkaufskorb am höchsten. Es muss sich noch zeigen, inwieweit sich die Ergebnisse auf reale Einkaufssituationen übertragen lassen. Die Studie ist im Journal of Behavioral and Experimental Economics erschienen.

„Nudges“ sind Maßnahmen, die Menschen bei Entscheidungen unterstützen – und zwar auf sanfte Weise, ohne ihre Wahlfreiheit einzuschränken. So können beispielsweise gesunde oder nachhaltige Optionen hervorgehoben werden, damit sie bei einer Kaufentscheidung stärker berücksichtigt werden.

In der aktuellen Studie haben drei Wissenschaftlerinnen der Universität Bonn untersucht, wie Nudging den Kauf von Lebensmitteln beeinflussen kann, bei deren Erzeugung das Tierwohl berücksichtigt wird. In Deutschland gibt es verschiedene Kennzeichnungen, die über die Haltungsbedingungen von Nutztieren informieren, etwa das Haltungsform-Label für Fleisch- und Milchprodukte und die Eierkennzeichnung. Sie machen sichtbar, wie tierfreundlich die Haltung ist.

850 Testpersonen auf virtueller Shoppingtour
„Wir haben nun zwei unterschiedliche Plakate gestaltet“, erklärt Leonie Bach vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR) der Universität Bonn. „Das erste Plakat sahen die Teilnehmenden, bevor sie den virtuellen Supermarkt betraten: Mit dem Slogan ‚Immer mehr Menschen in Deutschland entscheiden sich für mehr Tierwohl‘ wiesen wir damit auf eine soziale Norm hin. Das zweite Plakat hing über den Regalen im Supermarkt und erklärte mit anschaulichen Grafiken, für welche Bedingungen die verschiedenen Haltungsstufen stehen. Bei diesem Plakat ging es also vor allem um Informationen zum Tierwohl-Label.“

Die ILR-Wissenschaftlerinnen rekrutierten über eine Marktforschungs-Agentur mehr als 850 Versuchspersonen für ein Online-Experiment. Diese konnten am heimischen Rechner in einem virtuellen Supermarkt einkaufen. Dabei standen ihnen neben Tierwohl-Produkten auch solche aus konventioneller Haltung zur Auswahl – zu handelsüblichen Preisen. Die Teilnehmenden wurden zufällig einer von vier Gruppen zugeteilt: Eine sah keines der beiden Plakate, eine zweite ausschließlich das Plakat zur sozialen Norm, eine dritte nur das Informationsplakat über den Regalen und eine vierte beide Plakate.

Nudging scheint zu wirken – und zwar am besten in Kombination
Das Resultat: „In unserer experimentellen Studie hatten sowohl Informations- als auch Social-Norm-Nudges einen positiven Einfluss auf die Wahl von Produkten mit höheren Tierwohlstandards“, erklärt Prof. Dr. Monika Hartmann. Die Wissenschaftlerin leitet an der Universität Bonn die Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft und ist Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Sustainable Futures“.

Durch Nudging könnte sich demnach der Kauf von Tierwohl-Lebensmitteln signifikant erhöhen lassen. Besonders vielversprechend scheint dabei die Kombination verschiedener Botschaften zu sein. „Entscheidend ist: Die beiden Maßnahmen beeinflussen sich nicht gegenseitig, sondern ihre Effekte addieren sich unabhängig voneinander“, sagt Leonie Bach. Für die Praxis bedeutet das: Jede Maßnahme wirkt für sich und kann unabhängig eingesetzt oder weggelassen werden, ohne dass sich die Wirkung der anderen verändert.

Allerdings trafen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine hypothetische Entscheidung. Sie mussten den Einkauf nicht tatsächlich bezahlen und erhielten am Ende auch keine echten Produkte. Inwieweit sich die Ergebnisse auf reale Supermarkt-Besuche übertragen lassen, bleibt offen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Nudges Kaufentscheidungen in Richtung höherer Tierwohlstandards beeinflussen und als ein Baustein eines breiteren Maßnahmenpakets dienen können.

Förderung:
Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMELH) gefördert; Projektträger: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE); Förderkennzeichen: 28N1800025

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Rohprotein senken in der Fütterung von Öko-Masthühnern?

Felicitas Ahrens1, Reinhard Puntigam2, Philipp Hofmann1
1Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft 2FH Soest, Fachbereich Agrarwirtschaft, Ernährung / Qualität tierischer Produkte

Abbildung 1 Langsam wachsende Masthühner (JA57 x ColorYield) an Lebenstag 33 – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Die Reduktion des Gehaltes an Rohprotein (CP) stellt seit Jahren ein zentrales Thema in der Geflügelfütterung dar. Ganz nach dem Motto „weniger ist am Ende mehr“, denn geringere Stickstoffausscheidungen und folglich Ammoniakemissionen sowie geringere Futterkosten sprechen dafür. Der gezielte Einsatz freier Aminosäuren in der konventionellen Fütterung macht dies möglich. Unter ökologischen Fütterungsbedingungen sind die Spielräume jedoch deutlich geringer. Der Grund ist bekannt: Freie Aminosäuren sind futtermittelrechtliches Tabu in den Futtertrögen ökologisch gehaltenen Geflügels.

Warum Rohprotein senken?

Abbildung 2: Score für Fußballenveränderungen (v.l.n.r.) Score 0-4 (0: intakt bis 4: hochgradige Pododermatitis) – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Ein Überschuss an CP im Futter verlässt über die Exkremente ungenutzt das Tier. Erhöhte Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen sind die Folge. Diese Ausscheidungen belasten Stall- und Umweltklima und können sich auf Grund verminderter Einstreu- und Luftqualität negativ auf die Tiergesundheit auswirken. In der Rationsgestaltung für konventionell gehaltenes Geflügel lassen sich diese negativen Effekte gezielt und ohne Leistungseinbußen vermindern, indem der CP-Gehalt abgesenkt und der Bedarf an limitierenden Aminosäuren (z. B. Methionin, Lysin) über die Zugabe freier Aminosäuren gedeckt wird. Denn schlussendlich benötigt das Tier Aminosäuren und nicht Protein. Im Ökolandbau ist diese Strategie der Fütterung jedoch nicht möglich.

Öko-Fütterung: Aminosäuren im Futter ausschließlich vom Acker

Abbildung 3 Langsam wachsende Masthühner der Herkunft JA57 x ColorYield an Lebenstag 5 – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Ökologisch wirtschaftende Geflügelhalter müssen den erforderlichen Bedarf an Aminosäuren ihrer Tiere ausschließlich über den Einsatz der Einzelfuttermittel decken. Die Folge: Der CP-Gehalt im Futter liegt oftmals deutlich höher als bei konventionellen Rationen, um mögliche Versorgungslücken durch Limitierungen von Aminosäuren zu vermeiden. Je höher die Leistung, desto höher die erforderlichen Nährstoffkonzentrationen in den Rationen. Auch aus diesem Grund werden in der ökologischen Hühnermast für gewöhnlich langsam wachsende Herkünfte eingesetzt. Während für schnell wachsende Herkünfte umfangreiche Erkenntnisse und Empfehlungen zur energie- und nährstoffangepassten Rationsgestaltung vorliegen, bestehen für langsam wachsende Herkünfte weiterhin Wissenslücken darüber, wie stark sich der CP-Gehalt absenken lässt, ohne Leistungseinbußen in Kauf nehmen zum müssen (Rezaei et al., 2018).

Eine Untersuchung am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Staatsgut Kitzingen, ging infolgedessen der Frage nach, ob und in welchem Umfang eine CP-Absenkung in ökokonformen Alleinfuttermischungen möglich ist, ohne die Mast- und Schlachtleistung langsam wachsender Masthühner negativ zu beeinflussen. Neben dem Effekt der CP-Reduktion auf die Leistung wurden ebenfalls die Auswirkungen auf die Stickstoffausscheidungen sowie Stickstoffnutzungseffizienz kalkuliert.

Zur Untersuchung

Tabelle 1

In einer 56-tägigen Fütterungsstudie wurden etwas mehr als 1.000 langsam wachsende Masthühner der Herkunft Hubbard JA57 × ColorYield gemischtgeschlechtlich in 24 identischen Abteilen (je 44 Tiere) gehalten. Dabei wurde die im Ökolandbau maximal zulässige Besatzdichte von 21 kg/m2 eingehalten. Zur Anwendung kamen drei Futtervarianten mit je acht Abteilen als Wiederholungen:
• K (Kontrolle): Starter 19,7 % CP; Mast 19,1 % CP
• CP- (CP-reduziert): Starter 19,3 % CP; Mast 18,1 % CP
• CP– (stärker CP-reduziert): Starter 18,1 % CP; Mast 17,4 % CP

Tabelle 2

Die Fütterung erfolgte zweiphasig (Starter: Tag 1–21, Mast: Tag 22–56). Durch den Verzicht freier Aminosäuren gingen die sinkenden CP-Gehalte mit einer Reduktion der Gehalte an Aminosäuren in den Rationen einher (Tabelle 1). Neben den wichtigsten Mast- und Schlachtleistungsmerkmalen wurden die Wasseraufnahme, die Mortalität sowie die Fußballengesundheit der Tiere erfasst.

Mastleistung: Weniger Protein = weniger Aminosäuren = weniger Leistung
Die Ergebnisse zeigen: Mit sinkendem CP-Gehalt sanken auch die tierischen Leistungen (Tabelle 2). Bis zum Futterwechsel am 21. Lebenstag unterschieden sich die Körpermassen bereits signifikant entsprechend der CP-Reduktion (K > CP- > CP–). Am Mastende (Tag 56) lagen die Varianten CP- und CP– auf vergleichbarem Niveau, blieben jedoch hinter jenen der Gruppe K. Dies deckt sich mit weiteren Ergebnissen: Die höchsten täglichen Lebendmassezunahmen und Futteraufnahmen wurden über die gesamte Mastdauer bei den Tieren der Gruppe K erzielt. Daraus resultierte der signifikant beste Futteraufwand bei K im Vergleich zu den CP-reduzierten Fütterungsvarianten (2,29 vs. 2,35 und 2,33 kg/kg).

Das verringerte Wachstum bei Tieren der CP-reduzierten Futtervarianten deutet darauf hin, dass mindestens eine Aminosäure das Wachstum der Tiere limitierte. Da keine freien Aminosäuren diese Lücke füllten, sank mit reduziertem CP-Gehalt zwangsläufig die Aminosäurenversorgung und damit die Leistung. Zusätzlich wurde im Zuge der CP-Reduktion der Anteil höher verdaulicher Eiweißkomponenten reduziert (Sonnenblumenkuchen aus geschälter Saat, konventioneller Maiskleber, konventionelles Kartoffeleiweiß), was die Aminosäurenverfügbarkeit in puncto Verdaulichkeit weiter eingeschränkt haben dürfte.

Schlachtleistung und Tierwohl

Tabelle 3

Analog zur Mastleistung sanken mit zunehmender CP-Reduktion ebenfalls die Schlachtkörpergewichte sowie folgend die absoluten Gewichte der Teilstücke (Tabelle 3). Die prozentualen Anteile am Schlachtkörper blieben hingegen weitgehend unverändert. Auch die Ausschlachtung lag bei Tieren der Gruppe K höher im Vergleich zu den CP-reduzierten Varianten.

Neben den Mast- und Schlachtleistungen schnitt die Gruppe K auch bei der Fußballengesundheit am besten ab (Tabelle 4). Die beiden CP-reduzierten Varianten wiesen signifikant schlechtere (höhere) Scores auf.

Tabelle 4

Stickstoffnutzungseffizienz: Vorteil mit Einschränkungen
Mit sinkendem CP-Gehalt stieg die kalkulatorische Stickstoffnutzungseffizienz signifikant an (K < CP- < CP–). Als Grund hierfür kann die geringere Stickstoffaufnahme der Tiere bei gleichzeitig moderatem Rückgang des Stickstoffansatzes (Muskelzuwachs) genannt werden (Tabelle 2). Damit zeigt sich ein Für und ein Wider: Eine CP-Reduktion erhöhte auf der einen Seite die Stickstoffnutzungseffizienz, jedoch geht diese auf der anderen Seite mit geringeren Leistungen einher.

Ökonomie: Kontrollration im Vorteil
Sowohl der kalkulierte Erlös über Futterkosten (IOFC) als auch der Europäische Produktionsindex (EPI) lag bei den Tieren der Gruppe K signifikant über jenen der beiden CP-reduzierten Varianten. Die geringeren Futterkosten auf Grund der Proteinreduktion konnten die Leistungseinbußen somit nicht kompensieren (Tabelle 2).

Schlussfolgerungen
Eine Reduktion des CP-Gehalts ohne die Möglichkeit des Einsatzes freier Aminosäuren in ökologischen Futtermischungen resultierte in Leistungseinbußen bei langsam wachsenden Masthühnern. Bereits moderate Absenkungen von 0,4 %-Punkten im Starter und 1 %-Punkt (19,7 vs. 19,3 % und 19,1 vs. 18,1%) in der Mastphase hatten negative Auswirkungen auf die Mast- und Schlachtleistung sowie folglich die Ökonomie. Vorteilig erhöhte sich durch die CP-Reduktion die Stickstoffnutzungseffizienz, was sich jedoch nachteilig auf die Kosten der Produktionsleistung ausübte. Ob diese Effekte der Leistungsminderung durch gezieltere Strategien vermieden werden können– z.B. durch eine spätere CP-Absenkung in der Mastphase oder zusätzliche Fütterungsphasen, wird aktuell im Projekt „MastOpti(M)Um“ untersucht

Link: https://www.lfl.bayern.de/ite/gefluegel/389303/index.php

Praxistipp des Netzwerk Fokus Tierwohl: Schwanzbeißen

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Schwanzbeißen: Im Video „Einen Schwanzbeißausbruch in der Großgruppe erfolgreich managen“ werden die Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile herausgestellt, die eine Großgruppenhaltung in Bezug auf Schwanzbeißausbrüche mit sich bringt. Für die Erstellung des Videos hat das Netzwerk Fokus Tierwohl Gabriele Mörixmann in ihrem Aktivstall für Mastschweine besucht.

Link zum Video

Beurteilung guter körperlicher Gesundheit als Grundlage für das Tierwohl bei Hühnern

Eine aktuelle Studie gibt Empfehlungen für die Bewertung der physischen Gesundheit und Resilienz von Hühnern als Grundlage fürs Tierwohl. Zu allererst sprechen sich die Autoren für eine ganzheitliche Bewertung von Gesundheit und Resilienz aus. Neben der Kontrolle auf Krankheiten sollten auch Indikatoren wie Erholungsfähigkeit nach Stress und Entwicklung von Kompetenzen (z. B. Sozialverhalten) im Betrieb erfasst werden.

Anatomische und physiologische Indikatoren
Anatomische Indikatoren wie Kamm, Gefieder, Körpergewicht und Gangbild sind besonders praxistauglich und können oft automatisiert erfasst werden. Physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, Herzfrequenzvariabilität) liefern tiefere Einblicke, sind aber meist aufwändiger und eher für Forschung geeignet.

Die Bewertung des Gefiederzustands kann durch einfach Sichtkontrolle einzelner Tiere oder Stichproben im Stall erfolgen und ist schnell, kostengünstig, ohne Spezialausrüstung umsetzbar. Referenzbilder können hierbei eine Hilfe sein.

Automatisierte Kamerasysteme und KI-gestützte Bildanalyse
Moderne Kamerasysteme in Verbindung mit künstlicher Intelligenz ermöglichen die kontinuierliche, automatische Erfassung von Indikatoren wie Gangbild, Gefiederqualität, Körpergewicht (über Bildauswertung) und Aktivitätsmustern. Ein KI-basiertes System erkennt und bewertet das Gangbild von Hühnern, um frühzeitig Lahmheiten zu identifizieren. Solche Systeme eignen sich jedoch eher für größere Betriebe und zur Langzeitüberwachung.

Automatisierte Wiegesysteme und RFID-Technik
Elektronische Waagen oder Wiegeplattformen, teils kombiniert mit RFID-Transpondern, ermöglichen die automatische Erfassung des Körpergewichts einzelner Tiere oder ganzer Gruppen: Hühner laufen über eine Wiegeplattform, das Gewicht wird automatisch erfasst und dem Tier zugeordnet. Wachstum und Futterverwertung können so kontinuierlich überwacht werden.

Thermografie und Sensorik
Infrarot-Thermografie kann zur nicht-invasiven Messung der Oberflächentemperatur (z. B. Kamm, Beine) eingesetzt werden, um Stressreaktionen oder Entzündungen zu erkennen. Regelmäßige Thermografie-Aufnahmen der Hühnerköpfe zur Erkennung von Stress oder Krankheit. Ein solches System liefert schnelle Ergebnisse und ist auch für große Gruppen geeignet.

Stichprobenbasierte Probenentnahme (z. B. Kotproben, Federproben)
Für bestimmte physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, IgA im Kot) werden Proben entnommen und im Labor analysiert. Etwa werden Kotproben auf Immunparameter oder Mikrobiom-Zusammensetzung untersucht. Dies kann zur Beantwortung gezielter Fragestellungen und vor allem für Forschungszwecke genutzt werden.

Skalierung von Indikatoren von tolerabel bis optimal
Die Bewertung sollte nicht nur zwischen krank/gesund unterscheiden, sondern einen Bereich von „tolerabel“ bis „optimal“ abbilden. Für viele Indikatoren gibt es einen optimalen Bereich, der je nach Alter, Rasse und Haltungsform variiert. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte (z. B. bei Krallenlänge oder Körpergewicht) können problematisch sein. Die Krallenlänge etwa sollte weder zu kurz noch zu lang sein – beides kann die Funktion beeinträchtigen. Eine 5-Punkte-Skala oder visuelle Analogskalen seien empfehlenswert.

Validierung und Kombination mehrerer Indikatoren für die zuverlässige Gesamtbewertung
Kein einzelner Indikator reicht nach dem Urteil der Forscher aus, um Tierwohl umfassend zu beurteilen. Es sei notwendig, verschiedene Indikatoren zu kombinieren und deren Schwellenwerte zu definieren. Beispielsweise ergäbe die Kombination aus Gefiederzustand, Gangbild, Körpergewicht und Immunparametern ein umfassenderes Bild als die Betrachtung eines einzelnen Merkmals.

Link zur Original-Studie

trafo:fachtagung 2026: Vorsorgen statt reagieren – Wege zur Ernährungssicherheit in Niedersachsen

Termin: 26. 9. 2026
Uhrzeit: 10:00 – 16:30 Uhr
Ort: Präsenzveranstaltung Hörsaal B1 der Universität Vechta,
Driverstraße 22, 49377 Vechta
Teilnahmegebühren: kostenfrei
Veranstalter: Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar), Netzwerk EIP Agrar & Innovation Niedersachsen

Programmübersicht:

Ernährungssicherheit in Niedersachsen: Bedeutung von Vorsorge und Zusammenarbeit
von Carola Persiel (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Referatsleiterin 107 Ernährung, Ernährungsnotfallvorsorge, Hauswirtschaft)

Diskussionspanel zur sicherheitspolitischen Lage in Niedersachsen
mit Jan Müller – Oldenburgische Industrie- und Handelskammer
Karin Logemann – Mitglied des Niedersächsischen Landtages
Carola Persiel – Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Referatsleiterin 107 Ernährung, Ernährungsnotfallvorsorge, Hauswirtschaft
Sven Guericke – Vorstandsvorsitzender Agrar- und Ernährungsforum Nord-West e.V.
N.N. – Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e. V.

Resilienz durch Innovation: Pitchrunde von Start-Ups und EIP-Projekten
eip-agri » BlaubaD, Yannick Meißner, Blaulicht-Desinfektion zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen
eip-agri » Algen-EPA, Maarten Heins, Omega-3-Fettsäuren direkt vom Hof
Stallgrün, Thorsten Lansmann-Niehaus, Gemüseanbau im Schweinestall
Seedalive, Jens Varnskühler, Keimfähigkeitstests mittels KI für eine schnelle und präzise Anbauplanung

Diskussionspanel zu Herausforderungen für KMU und Startups
mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Pitchrunde

agriSecure: Vorsorgestrategien zur Ernährungssicherheit in Niedersachsen
mit Prof. Dr. Stephanie Krieger-Güss, Dr. Stefanie Retz, Dr. Barbara Grabkowsk

Energieautarkie (Arbeitstitel)
mit Andreas Rasche (Rasche und Wessler GmbH)

Diversifiziert & Dezentral: Praxiserfahrungen aus dem ländlichen Raum
mit Timo Hoffmann- Microfarming Farm Ammerland

Digitaler Ressourcenmarktplatz: krisenfeste, leistungsfähige regionale Lebensmittelwertschöpfungskette
mit Thorsten Dralle (RegioMotion Beratungs GmbH)

Verleihung des trafo:nachwuchspreises 2026

Link zum gesamten Programm

Quelle: Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen

Praxistipp des Netzwerk Fokus Tierwohl: Biosicherheit

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Biosicherheit: Das Comic „So funktioniert die Hygieneschleuse“ soll auf sympathische Art und Weise an die notwendigen täglichen Routinen zur Verbesserung der Biosicherheit erinnern.

Das Poster steht als Download zur Verfügung.

Schutz für Tier und Mensch: BVL erfasst Risiken von Tierarzneimitteln

Pharmakovigilanzreport 2025 informiert über unerwünschte Ereignisse

Im „Pharmakovigilanzreport Tierarzneimittel“ berichtet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) über unerwünschte Ereignisse nach der Anwendung von Tierarzneimitteln. Im Jahr 2025 wurden dazu 4.858 Meldungen erfasst. Die meisten davon betrafen die Tierarten Hund und Katze. Aber auch beim Menschen kann der Kontakt mit Tierarzneimitteln zu unerwünschten Ereignissen führen. Der Bericht unterstreicht die Bedeutung der Pharmakovigilanz für die Sicherheit von Tierarzneimitteln sowie für den Schutz von Tieren und Menschen.

„Bei der Sammlung von unerwünschten Ereignissen von Tierarzneimitteln arbeitet das BVL eng mit der Tierärzteschaft, den Pharmakovigilanz-Zentren der veterinärmedizinischen Hochschulen, Giftinformationszenten und Tierhaltenden zusammen“, erläutert BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl. „Ihre Meldungen tragen wesentlich zur Sicherheit von Tierarzneimitteln bei.“

Knapp 98 Prozent der Meldungen betrafen unerwünschte Ereignisse beim Tier. Die mit Abstand häufigsten Meldungen betrafen die Tierarten Hund, Katze, Rind und Pferd. Bei Hühnern und Puten gab es im Vergleich dazu zwar weitaus weniger Meldungen unerwünschter Ereignisse, es war jedoch eine deutlich höhere Zahl von Tieren betroffen.

Circa ein Drittel der unerwünschten Ereignisse wurden von Hormonpräparaten ausgelöst. Knapp 30 Prozent gingen auf die Gabe von Antiparasitika zurück. An dritter Stelle (ca. 10 %) folgten Tierarzneimittel mit Wirkung auf das Nervensystem. Der mit Abstand häufigste Anlass für eine Meldung war der Verdacht auf eine mangelnde Wirksamkeit. Mit deutlichem Abstand folgten die klinischen Anzeichen Erbrechen, Juckreiz und Lethargie.

In zwei Prozent der gemeldeten Fälle wurde von unerwünschten Ereignissen bei Menschen im Zusammenhang mit Tierarzneimitteln berichtet. Bei 91 Prozent dieser knapp 100 Fälle haben sich Menschen unbeabsichtigt Tierarzneimitteln ausgesetzt, beispielsweise durch die versehentliche Einnahme von Tabletten.

Etwa 80 Prozent der im Jahr 2025 gemeldeten unerwünschten Ereignisse bei Menschen wurden direkt vom BVL erfasst. Diese Meldungen erhielt das BVL größtenteils über Kooperationen mit Giftinformationszentren der Humanmedizin.

Hintergrund
Die Meldungen zu unerwünschten Ereignissen nach der Gabe von Tierarzneimitteln werden in der Pharmakovigilanz-Datenbank der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erfasst und stehen für weitere Analysen im Rahmen eines Signalmanagements zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der mögliche Tierarzneimittelrisiken für Tier, Mensch und Umwelt erkennt und bewertet.

Am Signalmanagement sind nicht nur die Überwachungsbehörden beteiligt, sondern auch die pharmazeutischen Unternehmen. Sie müssen einmal im Jahr eine Bewertung zur Nutzen-Risiko-Bilanz für ihre Tierarzneimittel einreichen. Aus den möglichen neuen Erkenntnissen werden gegebenenfalls Maßnahmen abgeleitet, wie zum Beispiel eine engmaschigere Überwachung des Präparates oder eine Änderung der Produktinformationstexte wie Fachinformationen und Packungsbeilagen.

Als zuständige Behörde für Tierarzneimittel führt das BVL regelmäßig zusätzlich zu Analysen auf europäischer Ebene auch eigene Analysen für die in Deutschland zugelassenen Präparate durch. Dafür wird neben der Pharmakovigilanz-Datenbank der EMA eine nationale Datenbank verwendet. Dort werden alle unerwünschten Ereignisse, die in Deutschland aufgetreten sind, gesammelt, geprüft, be- und ausgewertet.

Weiterführende Informationen
Auf seiner Internetseite stellt das BVL ein Onlineformular zur Verfügung, mit dessen Hilfe unterwünschte Ereignisse nach der Anwendung von Tierarzneimitteln gemeldet werden können.
www.vet-uaw.de

Den „Pharmakovigilanz-Report Tierarzneimittel 2025“ stellt das BVL auf seiner Internetseite zur Verfügung.
https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/05_Tierarzneimittel/uaw/UE2025.html

Allgemeine Informationen zum Themenfeld Pharmakovigilanz stellt das BVL ebenfalls auf seiner Internetseite bereit.
https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/05_Tierarzneimittel/01_Aufgaben/04_UeberwachungRisikomanagement/01_Pharmakovigilanz/tam_Pharmakovigilanz_node.html

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Leitlinien für die Haltung von Lamas und Alpakas

Forschungsprojekt der JLU erarbeitet praxisnahe Empfehlungen

Veterinärmedizinerinnen und Veterinärmediziner der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) haben Leitlinien zur Haltung von Lamas und Alpakas vorgelegt. Die Empfehlungen basieren auf wissenschaftlicher Recherche zu den sogenannten Neuweltkamelen sowie praktischen Erfahrungen und sollen in erster Linie Tierhalterinnen und Tierhaltern eine Orientierungshilfe bieten. Zugleich bieten sie eine Hilfestellung bei der Beurteilung von Neuweltkamelhaltungen. So enthalten die Leitlinien beispielsweise Empfehlungen zu Haltungsformen und Gruppenzusammensetzung, zu Gesundheitskontrollen sowie zu Rahmenbedingungen, Ausschlusskriterien und dem Mindestalter für die Nutzung der Tiere.

Kooperation mit dem Verein der Züchter, Halter und Freunde von Neuweltkameliden e.V.
Die Empfehlungen entstanden im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens (MuD) Tierschutz, das von 2020 bis 2024 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wurde. Die Tierklinik für Reproduktionsmedizin der JLU hat das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein der Züchter, Halter und Freunde von Neuweltkameliden e.V. durchgeführt. Die Empfehlungen sind im Rahmen einer achtzehnmonatigen Projektverlängerung entstanden und stehen kostenlos zum Download auf der Projekthomepage unter www.nwk-projekt.de zur Verfügung. Die erarbeiteten Leitlinien sind weder Rechtsnormen noch Verwaltungsrichtlinien und damit nicht rechtsverbindlich.

Da sich die Leitlinien am derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand orientieren und in vielen Bereichen der Neuweltkamelhaltung und -nutzung weiterhin Forschungs- und Wissenslücken bestehen, sollen die Leitlinien fortlaufend ergänzt und überarbeitet werden. Diese Aufgabe übernimmt die Nationale Fachstelle für Neuweltkamele, die nach Abschluss des MuD-Projekts an der JLU gegründet wurde, um die bestehenden Arbeitsbereiche fortzuführen und weiter auszubauen. Dazu zählt unter anderem eine Beratungsstelle für Tierärztinnen und Tierärzte sowie für Tierhalterinnen und Tierhalter.

Weitere Informationen und Download der Leitlinien bunter: https://nwk-projekt.de/

Quelle: JLU Giessen