Aktuelles Interview: Geflügelpest – Quo vadis?

Der Winter 2021/2022 ist vorbei und damit auch das erneut sehr schwere Geflügelpestgeschehen. Ähnlich wie im vergangenen Winter waren wieder viele Geflügelbetriebe betroffen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) schätzt das Risiko von weiteren Einträgen in Geflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen durch direkte und indirekte Kontakte zu Wildvögeln unverändert als hoch ein. Wie geht es also weiter mit der Geflügelpest? Haben wir nun in jedem Winter ein solches Ausmaß zu befürchten? Dazu haben wir Dr. Elke Reinking vom FLI befragt.

Frau Dr. Reinking, warum treten in den vergangenen Jahren die Geflügelpestfälle so vermehrt auf?
Seit 2006 kommt es immer wieder zu Ausbrüchen durch unterschiedliche Geflügelpestviren, in den letzten fünf Jahren traf es Europa besonders stark. Dies ist eine deutliche Veränderung der epidemiologischen Situation gegenüber den eher seltenen Ausbrüchen in der Zeit davor. Insbesondere die Zirkulation von Geflügelpestviren bei Wildvögeln und die mutmaßliche Verbreitung über große Distanzen durch den Vogelzug trugen dazu bei. Für die Ausbruchsjahre 2005/2006, 2014/15, 2016/2017 und 2020/2021 gehen wir wie nahezu alle wissenschaftlichen Arbeitsgruppen weltweit davon aus, dass die jeweiligen Geflügelpestviren durch Wildvögel stafettenartig nach Europa eingetragen wurden. Dies wurde durch zahlreiche Untersuchungen der Viren an verschiedenen Stationen auf dem Weg hierher bekräftigt.

Das aktuelle Geschehen beruht aber auf einer Änderung der Situation: Die Ausbruchswelle 2020/2021 in Deutschland/Europa kam erst im Sommer 2021 allmählich zur Ruhe, erlosch allerdings bei den Wildvögeln in Europa nie ganz. Über den Sommer meldeten vor allem die nordeuropäischen Länder immer wieder vereinzelt Fälle aus den Brutregionen von Wildgänsen und -enten, die in Deutschland an den Küsten überwintern. Damit hat das Geflügelpestgeschehen eine neue Qualität angenommen und eine ganzjährige Gegenwart von Geflügelpestviren im europäischen Raum erscheint durchaus möglich.

Wie soll es zukünftig im Umgang mit erkrankten Geflügel-Beständen weitergehen, wenn das Geflügelpest-Virus tatsächlich hier endemisch wird?
Im Falle einer endemischen Situation bei der Geflügelpest in Deutschland, also wenn die Infektion zeitlich unbegrenzt in einem bestimmten Gebiet bei Wildvögeln, insbesondere bei Wasservogelarten vorkommt, sollte neben der Option einer Impfung auch über strukturelle Anpassungen in der Geflügelproduktion diskutiert werden.


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Die Sau fiebert und lässt die Ferkel nicht mehr trinken: Was ist bei MMA zu tun?

Von Herbert Nehf und Katharina Weiß, BayWa AG

Sauenhalter kennen das Problem: Nach der Geburt verweigert die Sau das Futter, fiebert und hat nicht genügend Milch. Sie eitert aus der Scheide, das Gesäuge ist entzündet und als Folge kommen die Saugferkel zu kurz. Es handelt sich um MMA (M =Mastitis, M =Metritis, A =Agalaktie), eine klassische Faktorenkrankheit, die viele Ursachen haben kann. Die Erkrankungsrate ist in den einzelnen Betrieben sehr unterschiedlich und kann zwischen 5 und 20 % schwanken. In extremen Fällen können bis zu 80 % der Sauen betroffen sein. Häufig ist eine antibiotische Behandlung unumgänglich. Zur Vorbeuge wird eine Kombination von Fütterungs-, Hygiene- und Managementmaßnahmen empfohlen, die der betrieblichen Situation anzupassen sind.

Über die Fütterung soll im Wesentlichen eine Darmträgheit und damit eine Verstopfung verhindert werden. Zudem soll die Sau vor dem Risiko einer Harnwegsinfektion geschützt werden. Beide Ansätze sollen die Gefahren durch MMA-verursachende Toxine und pathogene Keime minimieren. Die Erreger können entweder direkt über den Darm in die Blutbahn gelangen oder über Kot ins Gesäuge eindringen und MMA auslösen. Außerdem verschlechtern die durch die Bakterien gebildeten sogenannten Endotoxine den Allgemeinzustand der Sauen. Hier die zwölf wichtigsten Punkte zur Vorbeuge rund um die Geburt:

Toxinlast: Die Basis für eine gesunde Ernährung sind hygienisch einwandfreie Rohstoffe. Das beginnt mit der Optimierung des Ackerbaus z.B. hinsichtlich der Fruchtfolge und des Pflanzenschutzes, um den Mykotoxin- und Keimbelastungen im Erntegut vorzubeugen. Die anschließende Reinigung und Konservierung der Ernte sichert die Qualität der Rohstoffe. Die weitere Optimierung der Lager- und Silohygiene bis hin zu automatischen Fütterungsanlagen tragen zu einer bestmöglichen, gesunden Fütterung bei.

Komponentenwechsel: Die Nährstoffuntersuchung der Futterkomponenten ist Pflicht, um bedarfsgerechte Rationen erstellen zu können. Um Verdauungsstörungen zu verhindern, sollte das jeweilige Futter für tragende und säugende Sauen bezüglich der eingesetzten Rohwaren abgestimmt sein. Das heißt: Jeder Rohstoff, der im Tragefutter eingesetzt wird, sollte im Laktationsfutter wiederzufinden sein, um die Darmflora über den Geburtszeitraum im Gleichgewicht zu halten. Ein Wechsel kann eine unkontrollierte Vermehrung schädlicher Keime zur Folge haben.

Futterkurve: Das Futterregime während der Tragezeit und kurz vor der Geburt ist entscheidend.


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Einladung zur 21. Bioland-Schweinefachtagung 2022 „Mit Bio-Schweinen anspruchsvoll nach vorn“ Am 07. und 08. Juni 2022 im Münsterland und online

Bei der ersten Schweinefachtagung in Präsenz seit mehr als zwei Jahren, werden spannende Themen von der Schweinehaltung und Fütterung über Stallbau und Auslaufnutzung bis hin zum Tiergesundheitsmanagement und der Marktentwicklung behandelt. Es gibt die Möglichkeit die großen Herausforderungen vor denen die Bio-Schweinehaltung steht, von Fachleuten einordnen zu lassen und mögliche Lösungen aufzuzeigen. Die 21. Bioland-Schweinefachtagung 2022 findet wie immer in bewährter Kooperation mit dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau statt.

Auf der einen Seite ist die Nachfrage nach Bio-Fleisch weiterhin hoch und die Bio-Schweineerzeugung und der Bio-Schweinemarkt bewegen sich langsam raus aus der kleinen „1 % Nische“. Die steigende Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch – einhergehend mit einem deutlichen Anstieg der Erzeugerpreise, zeigt, dass immer mehr Verbraucher bereit sind, artgerechte Haltungssysteme und eine die Umwelt schonende Landwirtschaft auch finanziell zu honorieren.

Auf der anderen Seite verunsichern die knappe Versorgungslage im Futtermittelbereich, verbunden mit steigenden Preisen, die Bio-Schweinehalter. Der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen auch auf die Bio-Schweinehaltung – direkt in Form von deutlich gestiegenen Futterkosten, indirekt über die ungewisse Marktentwicklung. Wo wird sich der Futterpreis einpendeln, können Preissteigerungen durch höhere Erlöse kompensiert werden? Wird die positive Marktentwicklung im Bio-Schweinebereich anhalten? Die Planung der Baukosten spielen natürlich auch für die Wirtschaftlichkeit eine Rolle und müssen berücksichtigt werden, besonders bei Neueinsteigern. Dies alles sind Fragen, die sich im Bio-Schweinebereich tätige Landwirte, Berater und Vermarkter stellen und die wir im Rahmen der Bioland-Schweinefachtagung aufgreifen.

Weitere Informationen, das ausführliche Programm und einen Link zur Anmeldung finden sie auf der Bioland-Webseite.

Quelle: Bioland

Batai-Virus scheint endemisch in Deutschland bei Wiederkäuern

Das Batai-Virus kann verschiedene Vögel und Säugetiere einschließlich den Menschen befallen.

Es ruft beim Menschen ein Influenza-ähnliches Krankheitsbild mit Fieber hervor; die Infektion kann aber auch weitgehend symptomlos verlaufen. Ursprünglich stammt es aus dem südlichen und östlichen Asien. Das Virus wurde im Deutschland erstmal im Jahr 2009 nachgewiesen. In Europa sind Erkrankungen beim Menschen relativ selten. Es wird durch Stechmücken übertragen.

Nach der Virusentdeckung im Jahr 2009 gab es eine Untersuchung mit mehreren Betrieben in Sachsen-Anhalt, die in den Jahren 2013 bis 2016 an einem Screening auf das Batai-Virus teilnahmen, insgesamt mehr als 1300 Wiederkäuer-Blutproben wurden untersucht. Diese Betriebe wiesen damals hohe Antikörpertiter gegen das Batai-Virus auf. Ein Teil dieser Betriebe wurden im Jahr 2018 erneut untersucht*, um festzustellen, ob das Virus bzw. die Antikörper noch in den Herden zu finden ist. Insgesamt 325 Blutproben von klinisch gesunden Schafen, Ziegen und Rindern, die aufgrund anderer Untersuchungen anfielen, wurden auf das Batai-Virus analysiert. Die Proben stammten aus dem gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt. In den Proben wurde zwar erneut keine Virus-RNA gefunden, aber wieder Antikörper gegen das Virus. 41,4 % der Rinderproben, 16,5 % der Schafsproben und 18,3 % der Ziegenproben wiesen die Antikörper auf. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass das Batai-Virus mittlerweile endemisch in Sachsen-Anhalt ist, denn es ist auch in mehreren Mückenarten der Region dauerhaft vorhanden.

Mittlerweile konnte das Virus in Mücken bzw. Antikörper gegen das Virus in Wiederkäuern auch in weiteren Bundesländern nachgewiesen werden. Eine Klinik war bei Wiederkäuern bisher nicht nachweisbar, allerdings kann dies auch daran liegen, dass bislang keine offizielle Überwachung des Virus stattfindet und deshalb Klinik nicht mit dem Batai-Virus in Verbindung gebracht wird.

*Cichon, N. et al.: „Serological an molecular investigation of Batai Virus infections in ruminants from the State of Saxony-Anhalt, Germany, 2018.“ Viruses 13:370.

Quelle: Dr. Heike Engels

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2022. Für ein kostenfreies Abo bitte hier registrieren.

Schutz von Honigbienen mit Ameisensäure-Pads DBU-Projekt gegen Varroamilben – Weltbienentag 20. Mai

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Mit Blick auf den Weltbienentag am 20. Mai warnt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vor der prekären Lage der Honigbienen. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Honigbiene liegt in der Europäischen Union (EU) bei rund 22 Milliarden Euro jährlich. Doch zunehmend gefährdet Milbenbefall die Bienenvölker. Das Start-up-Unternehmen Interbran Nature aus Lingenfeld (Rheinland-Pfalz) will mit DBU-Förderung eine einfache und sichere Anwendung mit Ameisensäure-Pads entwickeln. Sie bekämpft die Varroamilbe effektiv, ohne den Bienen zu schaden. Imkerinnen und Imker, die an der wissenschaftlichen Studie teilnehmen möchten, können sich bis 10. Juni über das Kontaktformular unter www.interbran-nature.de melden.

Honigbienen sind unverzichtbare Bestäuberinnen für Kultur- und Wildpflanzen
Seit 2018 macht der Weltbienentag der Vereinten Nationen (UN) darauf aufmerksam, dass Bienen und andere Bestäuber wie Schmetterlinge zunehmend durch den Menschen gefährdet sind. Dabei seien weltweit fast 90 Prozent der blühenden Pflanzenarten sowie mehr als 75 Prozent der weltweit angebauten Nahrungspflanzen von der Bestäubung durch Tiere abhängig. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Honigbienen sind unverzichtbare Bestäuberinnen für Kultur- und Wildpflanzen.“ Während der Rückgang von Wildbienen unter anderem durch Klimawandel, Lebensraumverlust und Pestizide verursacht wird, leidet das in Deutschland drittwichtigste Nutztier vor allem unter Milbenbefall. „Die Varroamilbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Honigbienen“, sagt Dr. Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim bei Stuttgart, der als Kooperationspartner die Start-up-Studie begleitet. „Innerhalb von ein bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk vernichten.“ Zur Bekämpfung der Milbe stehen nach seinen Worten nur wenige synthetische Mittel, verschiedene organische Säuren und ätherische Öle zur Verfügung. „Allerdings ist die Ameisensäure der einzige gegen Varroamilben wirksame Stoff, der durch den Zelldeckel in die Brutzellen dringt und dort die sich fortpflanzenden Milben direkt schädigt oder abtötet“, so der Wissenschaftler.

Die Neuentwicklung ist ein mit Ameisensäure angereichertes Bee-Pad
Das Problem: Alle bisher entwickelten Anwendungssysteme für Ameisensäure haben, so Geschäftsführer Jan Schiemer von Interbran Nature, „den Nachteil, dass sie entweder sehr umständlich sind oder kein andauerndes Verdunsten garantieren können“ und somit Bienen oder Brut schädigen. „Daher sind wir seit zwei Jahren dabei, ein System zu entwickeln, dass die Bekämpfung der Varroamilbe mit Ameisensäure einfach und sicher gestaltet“, so der Geschäftsführer der 2018 gestarteten Tochterfirma der Interbran-Unternehmensgruppe. Die Idee: Die Ameisensäure wird in einem mineralischen Trägermaterial aufgesaugt und der Wirkstoff wird dadurch bei der Anwendung über mehrere Tage recht konstant wieder abgegeben. Das sogenannte Bee (deutsch: Bienen)-Pad, ist somit weitgehend unabhängig von äußeren Bedingungen „Nachgewiesen werden konnte bereits, dass das Pad auch bei sehr hohen Außentemperaturen funktioniert – vergleichbar mit einer herkömmlichen Anwendung, ohne dabei jedoch Schäden am Bienenvolk anzurichten“, sagt Jessica Steiner, Laborleiterin des Start-ups.

Erste Ergebnisse: Vergleichbare Wirkung – einfacher handhabbar
Nach einem ersten Feldversuch mit wenigen Imkerinnen und Imkern im Jahr 2020 organisierte das Projektteam 2021 einen größeren Versuch, um mehr Daten zu gewinnen und mehr Rückmeldungen zum Umgang mit dem Bee-Pad zu erhalten. Etwa 40 Interessierte aus Bayern und Baden-Württemberg haben fünf bis zehn ihrer Bienenvölker mit dem Bee-Pad und zum Vergleich etwa genauso viele mit einem herkömmlichen Anwendungssystem gegen die Varroamilbe behandelt. Schiemer: „Die große Menge an Daten zeigt, dass die Entwicklung vergleichbare Ergebnisse erzielt wie bereits vorhandene Systeme.“ Das Bee-Pad hat nach seinen Worten allerdings den Vorteil, dass es bereits anwendungsfertig ist und man somit nicht mit offener Säure hantieren muss. „Außerdem ist das Pad sehr flach, so dass keine Leerzarge mehr zusätzlich benötigt wird“, so Schiemer. „Das vereinfacht die Anwendung erheblich.“

Bundesweiter Aufruf zur Teilnahme an Studie
Das Start-up plant diese Saison einen Feldversuch mit einer größeren Zahl an interessierten Imkerinnen und Imkern. Schiemer: „Der Aufwand ist überschaubar, denn unser Projektziel ist ja, eine einfache Handhabung zu gewährleisten.“ Teilnehmende erhalten das Bee-Pad als gebrauchsfertiges System kostenfrei zur Verfügung und sollen während des Versuchs die Wirkung und eventuelle Nebenwirkungen festhalten. Wer mitmachen möchte, kann sich bis zum 10. Juni hier anmelden.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

BfT: Innovation und technologischen Fortschritt für die Tiergesundheit sichern und umsetzen

Immunologische Lösungen und digitale Technologien für die Tiergesundheit: Diese beiden Themenschwerpunkte bildeten den Rahmen für den fachlich geführten Diskurs auf der Frühjahrsveranstaltung des Bundesverbands für Tiergesundheit e.V. (BfT) am 05. Mai in Berlin. Zentrale Frage der Veranstaltung: Wie kann Innovation in der Tiergesundheit für Kernanliegen der Gesellschaft zu Tierwohl oder Nachhaltigkeit ermöglicht und gefördert werden?

Die Tiergesundheitsbranche kann und wird einen wesentlichen Beitrag zu wesentlichen Kernanliegen der Gesellschaft leisten. Dass Innovation dabei unverzichtbar ist, war Konsens bei der BfT-Frühjahrsveranstaltung. Von zunehmender Bedeutung sind dabei Krankheitsvorbeuge mit Monitoring, Früherkennung und Diagnose sowie Infektionskontrolle. Aus dem breiten Spektrum wurde ein Ausschnitt zu immunologischen Lösungen und digitalen Technologien vorgestellt und dem Fortschritt entgegenstehende Hürden diskutiert.

Professor Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), charakterisierte in seinem Vortrag die innovative Impfstoffentwicklung als Domäne der Veterinärmedizin, an deren fortschrittliches Niveau die Humanmedizin aufgrund der Corona-Pandemie nunmehr anschließt. Den speziellen Anforderungen der Impfstoffprophylaxe beim Tier mit dem großen Spektrum der Erreger, verschiedenster Applikationsformen und dem Anspruch bezahlbarer Lösungen begegnet die veterinärmedizinische Forschung mit innovativen Entwicklungen. Mal könne der klassische Impfstoff mit abgetötetem Erreger der Goldstandard sein und müssten moderne Konzepte, wie etwa mRNA-Impfstoffe, die schon vor 10 Jahren z.B. gegen die aviäre Influenza in Auge gefasst wurden. noch zurückstehen, während beispielsweise die Anwendung von DNA-Vakzinen bei Fischen oder die Entwicklung von Impfungen im Ei oder Spray-Applikationen beim Geflügel in die Praxis Eingang gefunden hätten.

Mit Blick in die Zukunft beleuchtete Prof. Beer das enorme Innovationspotential, das in der Entwicklung von neuen Impfstofftechnologien steckt. Insbesondere Methoden und Erkenntnisse aus der Biotechnologie und Gentechnik öffnen neue Wege und seien nicht wegzudenken für die Immunprophylaxe. Um hier voranzuschreiten, sei ein Umdenken erforderlich das hilft, Hindernisse in der Forschung, Entwicklung und Zulassung abzubauen, so Prof. Beer. Plattformtechnologien böten bspw. heute die Chance der schnellen Anpassung bei sich wandelenden Erreger im Feld. Ein Fortschritt sei, dass dies aufgrund der neuen Tierarzneimittelgesetzgebung in den Zulassungsverfahren nun erleichtert würde. Er betonte, dass ein enger Schulterschluss zwischen den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen nun die Antwort auf die sich – bedingt durch Klimawandel und Globalisierung – dynamisch entwickelnde Seuchenlage seien müsse. Die zielgenaue Entwicklung von Impfstoffen quasi in silico wird stets mehr Raum einnehmen. Ebenso benannte er die wichtige Rolle, die eine weltweite digitale Vernetzung, beispielsweise bei der Nachverfolgung und Eindämmung von Epidemien, spielt. Allerdings stünde nach wie vor die Analyse des Erregers zentral. Ohne die wesentliche Komponente für die Immunantwort differenzieren zu können, sei die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes schwierig. Hier zu nennen sei unter anderem die Schwierigkeit der ASP-Impfstoffentwicklung oder wirksamer Impfstoffe bei den komplexeren bakteriellen und parasitären Erregern. In der Seuchenbekämpfung wichtig sein außerdem, geimpfte von infizierten Tieren unterscheiden zu können, um verdeckte Ausbreitungen zu vermeiden und Handelshemmnisse zu überwinden.

Auch Dr. Reinhard Reents, Leiter der Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit) und Mitbegründer des Datentransferorganisation International Dairy Data Exchange Network GmbH (iDDEN GmbH) maß der Digitalisierung eine wichtige Rolle zu. Er veranschaulichte den Vorsprung durch Digitalisierung in der Tierhaltung und -zucht am Beispiel Milchvieh. Die standardisierte und zugleich individuelle Datenerfassung von über 100 Mio. Rindern in den Datenbanken ermöglicht ein effizientes Stall- und Bestandsmanagement. Valide Datensätze ermöglichen Rückschlüsse auf Leistungs- und Gesundheitsparameter, was in der Weiterentwicklung der Robustheit und Gesundheit der Tiere durch Steuerung der Zucht genutzt wird. Der Zuchtfortschritt konnte durch diese Maßnahmen bereits mehr als verdoppelt werden. Die Erfassung von Daten aus zum Teil konkurrierenden Organisationen in einer zentralen Datenbank ermöglicht eine hohe Datenqualität, ohne diese jedoch zu sozialisieren. Die betriebliche Eigenkontrolle kann durch ein eigens dazu entwickeltes Qualitätskontrollsystem Q-Check vereinfacht werden. Cloud-basierte Lösungen ermöglichen den Zugriff in Echtzeit und damit auch direkten Einblick für den bestandsbetreuenden Tierarzt. Wertvolle Informationen über Tierwohl und Tiergesundheit könnten daraus extrahiert werden und die Basis liefern für Maßnahmen der Nutztierstrategie. Das International Dairy Data Exchange Network ermöglicht den globalen und vor allem standardisierten Datenaustausch. Wesentliche Elemente für das Vertrauen der Landwirte in die Systeme sind der Erhalt der Datenhoheit für den einzelnen Betrieb und die Abklärung von Verfügungs- und Nutzungsberechtigungen.

Frank Cordes, gab einen praxisnahen Einblick in die erfolgreiche Etablierung modernster Technik auf seinem Milchviehbetrieb mit mehr als 700 Kühen in Norddeutschland. Er setzt in seiner Betriebspraxis auf Konzepte zur effektiven Datennutzung und -auswertung und auf Krankheitsvorbeuge u.a. mit regelmäßigen Impfungen. Diese Konzepte entwickelt und überprüft er regelmäßig in enger Zusammenarbeit mit seinem Hoftierarzt und landwirtschaftlichen Beratern.

Fortschritt möglich machen
„Das idealisierte Bild der Kuh auf der Alm ist nicht zeitgemäß. Ein moderner, nachhaltig geführter Betrieb mit Nutzung sinnvoller technologischer Lösungen kann bei optimierter ökonomischer Bilanz das Wohl der Tiere sichern, betonte Dr. Franziska Kersten, Tierärztin und SPD-Bundestagsabgeordnete, in dem den Vorträgen folgenden moderierten Austausch. Tierwohl sei ohne Berücksichtigung der Tiergesundheit nicht denkbar, so Dr. Kersten.“

Fortschritt erfordert eine hohe Veränderungs- und Kommunikationsbereitschaft aller Beteiligten. Mit einem engen Schulterschluss von Wissenschaft und Forschung und der Nutzung digitaler Vernetzung und globaler, standardisierter Datenerfassung in Echtzeit können große Schritte gemacht werden, die Tiergesundheit weiter zu verbessern. Auch in der Pandemie gilt es, die Veterinärmedizin nicht aus dem Fokus der Wissenschaft zu verlieren, um Fortschritt nicht auszubremsen. One Health-Strukturen und Netzwerke können dabei wirksam genutzt werden. Schwere Seuchenzüge lassen den Ruf nach Impfung bei der Bekämpfung lauter werden. Aktuelles Beispiel hierbei die aviäre Influenza mit hochpathogenen Stämmen (Geflügelpest) in den vergangen zwei Jahren. Das BMEL hat angekündigt, die Fragestellung der Einbindung der Impfung zur Tierseuchenbekämpfung anzugehen, sobald das neue Tiergesundheitsrecht etabliert ist.

Der BfT-Vorsitzenden Jörg Hannemann resümierte zum Abschluss der Veranstaltung, das Innovation und technologischer Fortschritt in der Tiergesundheit Antworten liefern können auf die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen und die aktuellen Herausforderungen. Die Krankheitsvorbeuge sei ein Schlüsselfaktor für die Gesundheit und das Wohl von Haus- und Nutztieren und letztendlich Voraussetzung für nachhaltiges und verantwortungsvolles gesellschaftliches Handeln und ein Miteinander im Sinne des One Health Gedankens. Forschung und Entwicklung im Sektor fördern, Akzeptanz für neue Technologien und Vernetzung insbesondere auch bei den digitalen Optionen schaffen, seien wichtige Ansatzpunkte. Ein stabiler Rahmen mit Rechtssicherheit sei die Basis, aber erst die notwendige Flexibilität und Agilität lasse innovative Ansätze aufblühen und. müsse jetzt die gemeinsame Aufgabe von allen Partnern des Sektors sein, so Hannemann.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

20. Mai: Am Weltbienentag ins Schwärmen geraten

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Das LAVES-Institut für Bienenkunde in Celle lädt in den Institutsgarten ein

Am 20. Mai ist Weltbienentag – ein Tag für die kleinsten Nutztiere! Das Bieneninstitut Celle des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger an diesem Tag von 11 bis 15 Uhr in den Institutsgarten ein. Ins Schwärmen sollen nicht nur die Besucher/-innen geraten, sondern auch die Bienen. Zu bewundern gibt es einen Bienenschwarm – ein natürlicher Vorgang im Leben der Bienen, den Imkerinnen und Imker normaler Weise zu verhindern wünschen. Außerdem stehen die Mitarbeitenden des Instituts für Fragen rund um die Bienen, die Imkerei und den Wildbienenschutz bereit. Das Institut liegt direkt am Rande der Celler Altstadt am Französischen Garten, Herzogin-Eleonore-Allee 5.

Ein Bienenschwarm entsteht, wenn das Bienenvolk stark gewachsen ist – meist im Mai oder Juni. Ein Teil des Bienenvolkes verlässt mit der alten Königin den Bienenstock und sucht sich eine neue Behausung. Eine „Tochter“ der alten Königin übernimmt im zurückbleibenden Teil des Volkes die Rolle der Königin. Damit ist neben der Vermehrung ein kontinuierlicher Fortbestand eines Bienenvolkes möglich.

Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltbienentag soll auf die ökologische und ökonomische Bedeutung der Wild- und Honigbienen aufmerksam machen. Mit ihrer Bestäubungsleistung fördern sie die biologische Artenvielfalt und tragen zu Nahrungssicherheit für Mensch und Tier bei.

Der Weltbienentag wird seit 2018 jeweils am 20. Mai gefeiert – dem Geburtstag des slowenischen Hofimkermeisters Anton Janša (1734 bis 1773). Janša gilt als Pionier der modernen Imkerei und erkannte als erster die Bedeutung des Schwarmverhaltens der Bienen.

Viele weitere Informationen rund um Wildbienen, Honigbienen und die Imkerei in unserem Spezial zum Weltbienentag.

Wir weisen darauf hin, dass Foto- und Filmaufnahmen von Gästen und Mitwirkenden der Veranstaltung im Rahmen unseres Internet-Auftritts, in unseren Social-Media-Accounts oder in eigenen Printdokumentationen veröffentlicht werden.

Quelle: LAVES

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 2 / 2022 steht zum Abruf bereit

Das E-Magazin „Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6/2021 steht zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

Rinder
• Lebenswichtiges Selen: Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel
• Batai-Virus scheint endemisch in Deutschland bei Wiederkäuern
Schweine
• Die Sau fiebert und lässt die Ferkel nicht mehr trinken: Was ist bei MMA zu tun?
• Wieso ist Influenza so schwer in den Griff zu bekommen?
Bienen
• Neues aus der Bienenforschung: Wärmeproduktion von Honigbienen

Geflügelschwerpunkt 2022:
• Gut zu Fuß sein – Warum die Fußballengesundheit beim Mastgeflügel so wichtig ist
• Managementempfehlungen: Legehennen länger halten
• Aktuelles Interview: Geflügelpest – Quo vadis?
• Phytogene: Gesündere Tiere durch Pflanzenkraft
• Bioland-Geflügeltagung 2022: Optimale Ausleuchtung von Geflügelställen
• Aktuelles Interview: Hat Licht mit verschiedenen Farben einen positiven Nutzen?
• DVG-Fachtagung Tierschutz: Mehr Tierwohl für das Geflügel

Einfach, schnell und kostenfrei registrieren, Mail-Adresse bestätigen und schon kann’s losgehen: https://derhoftierarzt.de/e-magazin/. Die aktuelle Ausgabe liegt wie gewohnt im PDF-Format vor und ist ca. 18.2 MB groß.

Neu von Boehringer Ingelheim: SoundTalks® Frühwarnung bei Husten dank künstlicher Intelligenz

Atemwegserkrankungen bei Schweinen sind für eine Vielzahl von Schweinehaltern ein großes gesundheitliches Problem. Doch eine intensive Tierbeobachtung ist sehr zeitaufwändig und nicht objektiv. Zudem verhalten sich Schweine anders, wenn der Mensch in der Nähe ist. SoundTalks® eröffnet neue Wege in der Tierbeobachtung. Dieses innovative Monitoring-System von Boehringer Ingelheim ist eine künstliche Intelligenz, die den respiratorischen Gesundheitsstatus der Tiere permanent analysiert und sowohl die Stalltemperatur als auch die Luftfeuchtigkeit erfasst. Das Frühwarnsystem erkennt Atemwegserkrankungen mit Husten bis zu 5 Tage früher als eine routinemäßige Tierkontrolle. Es ermöglicht einen früheren Behandlungsbeginn, bevor die Tiere ernsthaft erkranken, in der Leistung abfallen und es zu finanziellen Einbußen kommt. Dabei ist die Technik absolut praxistauglich, robust und leicht zu installieren.

(Bildquelle: Boehringer Ingelheim)

Das 24/7-Überwachungssystem besteht aus Monitoren mit Mikrofonen sowie Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsfühlern. Es zeichnet alle Daten rund um die Uhr auf und bewertet sie. Umgebungsgeräusche werden herausgefiltert, hustende Schweine hingegen führen zu einem Alarm. Warnungen des Systems werden einerseits direkt im Stall am Monitor über den betroffenen Schweinen durch eine LED-Leuchte angezeigt, andererseits im dazugehörigen SoundTalks-Webportal oder auf dem Smartphone via App. Das Ampelprinzip ist für jeden Mitarbeiter einfach nachzuvollziehen.

Mit SoundTalks® stellt Boehringer Ingelheim einen neuen weiteren Baustein für eine verbesserte Atemwegsgesundheit, optimierte Produktivität und Arbeitszeitgestaltung zur Verfügung.

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Vollständig rückverfolgbares Rindfleisch für Verbraucher in Deutschland – Partnerschaft zwischen MSD Tiergesundheit und Vion Food Group

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+ Sicherheit für Verbraucher durch DNA TRACEBACK®-Lösung für Rindfleisch
+ Rückverfolgbarkeit der Lieferkette: von der Herkunft auf dem Bauernhof bis zum verpackten Produkt
+ Bestätigung der Echtheit von Qualitätsfleischprodukten

Der Wunsch von Verbrauchern nach mehr Transparenz und der Sicherstellung von Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit ihrer Nahrungsquellen ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. MSD Tiergesundheit und die Vion Food Group haben ihre Partnerschaft auf die IdentiGEN DNA TRACEBACK®-Lösung ausgeweitet. Diese ermöglicht es, Kunden vollständig rückverfolgbares Rindfleisch zu liefern und damit Vertrauen in die Fleischlieferkette zu schaffen. Bislang gibt es diese Möglichkeit in den Betrieben der Vion Food Group in den Niederlanden, Belgien und seit Kurzem auch in Deutschland.

Von der Herkunft auf dem Bauernhof bis zum verpackten Produkt im Supermarkt
Die IdentiGEN DNA TRACEBACK®-Lösung basiert auf einer innovativen DNA-Identifizierungstechnologie. Mithilfe dieser Innovation können Lebensmittelhändler und -Verarbeiter die DNA im Fleisch von der Aufzucht auf dem Bauernhof bis hin zum verpackten Produkt in den Geschäften zurückzuverfolgen. Verbraucher können sich so ganz sicher sein, dass sie das bekommen, was sie kaufen.

„Die IdentiGEN DNA TRACEBACK ist die fortschrittlichste Plattform zur Rückverfolgbarkeit von Fleisch, die derzeit auf dem Markt erhältlich ist. Sie nutzt den DNA-‚Barcode‘ der Natur, um eine eindeutige, rückverfolgbare Verbindung zwischen dem Produkt, das der Verbraucher im Einzelhandel kauft, und seiner Herkunft von einem bestimmten Bauernhof herzustellen.“ freut sich Alex Berner, Business Development Lead bei IdentiGEN, MSD Tiergesundheit, über die neuen Möglichkeiten für Verbraucher in Deutschland.

Kontinuierliches Engagement für die Herstellung von Qualitätsfleischprodukten
Die Vion Food Group arbeitet bereits seit 2020 im Auftrag des niederländischen Lebensmitteleinzelhändlers Albert Heijn mit der DNA TRACEBACK®-Lösung, um modernste Lieferkettentransparenz für die Beter Leven (Better Life Label) Ein-Sterne-Schweinefleischprodukte und das Bio-Schweinefleischsortiment De Groene Weg in den Niederlanden zu schaffen. Diese Erfahrungen und Erfolge haben zu der Entscheidung geführt, Rückverfolgbarkeit auch für das Rindfleischportfolio anzubieten.

Vertrauen durch lückenlose Rückverfolgung
Mit der IdentiGEN DNA TRACEBACK-Lösung werden DNA-Proben von Rindern in das Programm der Vion Food Group aufgenommen, um die Herkunft der einzelnen Fleischstücke auf ihrem Weg durch die Lieferkette nachzuverfolgen. Dies gibt den Kunden der Vion Food Group die Gewissheit, dass ihre gekauften Rindfleischprodukte nach strengen, definierten Qualitätsstandards aufgezogen wurden.

„Kunden und Verbraucher wollen eine bewusste Kaufentscheidung treffen und legen Wert auf die Vertrauenswürdigkeit von Fleischprodukten.“, so Bert Urlings, Direktor für Qualitätssicherung und Public Affairs bei der Vion Food Group. „Die technologisch fortschrittliche DNA TRACEBACK-Lösung unterstreicht unser Engagement für Transparenz sowie Produktsicherheit und erfüllt die Nachhaltigkeitserwartungen unserer Kunden.“

Quelle: MSD

Zwischenstand beim Projekt Öko2Huhn #Bioland Tagung 2022

Auf der diesjährigen Bioland Geflügeltagung wurden Zwischenergebnisse zum Projekt Öko2Huhn vorgestellt. Annemarie Kaiser (Hochschule Eberswalde) führte aus, dass aktuell etwa 30 Herkünfte auf zahlreichen Praxisbetrieben getestet werden.

Bei einige dieser Rassen lägen die Tageszunahmen bei nur ca. zehn Gramm, bei andere bis 25 g, ÖTZ-Hühner und Zweinutzungshybriden lägen zwischen 20 und 25 g (zum Vergleich Hubbard 40–45 g). ÖTZ-Hühner hätten etwas höhere Brustanteile (16 – 18 %) als die Rassehühner (14 – 16 %). „Die Legeleistungsprüfung ist noch nicht abgeschlossen, vor allem bei Rassehühnern; die ÖTZ-Tiere erreichten bislang ca. 65 – 73 %, Bresse ca. 55 – 60 %“ berichtete die Referentin von der Hochschule Eberswalde.

Das Sundheimer Huhn würde als schnellwüchsiges Zweinutzungshuhn mit guter Nutzung in Fleisch und Eiern beschrieben, sagte David Kohnke (Universität Hohenheim) zu Beginn seines Vortrags. Es stünde aber heute auf der „Roten Liste“, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten die Hybridzucht durchgesetzt habe. Als reinrassige Tiere lassen sich die Sundheimer aber auf dem eigenen Betrieb nachzüchten und könnten deshalb gerade für Ökobetriebe interessant werden.

Im Versuch wurden die gemästeten Hähne mit knapp 17 Wochen bei einem durchschnittlichen Lebendgewicht von 2,1 kg geschlachtet. Die Futterverwertung lag bei 3,9 kg Futter pro kg Lebendgewicht. Allerdings zeigten die ersten Ergebnisse „eine große Varianz beim Lebendgewicht sowohl zwischen als auch teilweise innerhalb der Zuchtstämme“. Die als potenzielle Zuchthähne selektierten Tiere erreichten bis zur 17. Woche ein Lebendgewicht von durchschnittlich 2,3 kg, nach 21 Wochen betrug das Durchschnittsgewicht rund 2,8 kg.

Zur Legeleistung gibt es in der Literatur Angaben zwischen 143 und 220 braunen Eiern im Jahr. Das zeige, warum eine Erhebung aktueller, belastbarer Daten für eine Leistungsbestimmung wichtig ist, sagte David Kohnke. „Späterer Legebeginn und ein hoher Anteil an S-Eiern in den ersten Monaten im Vergleich zu Legehybriden“ hätten die Erwartungen bisher bestätigt.

Nächstes Jahr sollen zum Aufbau einer Zuchtpopulation die leistungsgeprüften Zuchttiere aus dem Schlupf 2021 und 2022 gezielt verpaart werden. In den Folgejahren lägen die Schwerpunkte dann auf der Weiterentwicklung dieser Zuchtpopulation und deren Stärkung in der Praxis.

SoundTalks – Boehringer Launch-Veranstaltung zu digitalem 24/7 Hustenmonitoring

Die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH lädt am 11. Mai 2022 von 17.00 bis 19.00 Uhr zu einer Online-Veranstaltung zur Einführung von „SoundTalks“ ein. SoundTalks ist ein digitales 24/7 Überwachungssystem. Es funktioniert wie ein Hustenmonitoring für die Aufzucht und Mast, das den Landwirten per Push-Nachrichten einen Alarm direkt auf das Handy meldet, sobald sich die Atemgeräusche der überwachten Schweine verändern.

Prof. Hartung, Universität Kiel, wird einen Vortrag halten, in dem es darum geht, was eigentlich künstliche Intelligenz ist und was der Unterschied zur Digitalisierung ist. Er gibt einen Ausblick, wo die Reise in diesem Bereich in der Nutztierbranche hingeht.

Der zweite Vortrag beschäftigt sich direkt mit dem neuen System SoundTalks und der dritte Vortrag stellt Erfahrungen aus der Praxis mit dem System vor.

Die Teilnahme an diesem Online-Seminar ist kostenlos, es ist nur eine Anmeldung erforderlich unter www.boehringer.tv/register.

Weitere Informationen hierzu gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Tel.: +49 (6132) 77-90218 oder kim.schulze@boehringer-ingelheim.com

Aufzucht von Junghennen unterschiedlicher Zweinutzungsherkünfte #Bioland-Tagung 2022

Das europäische Verbundprojekt PPILOW* untersucht Möglichkeiten zur Verbesserung des Tierwohls von Schweinen und Hühnern in ökologischer und extensiver Freilandhaltung. Anlässlich der Bioland-Geflügeltagung 2022 stellte Helen Pluschke (Thünen-Institut für ökologischen Landbau) erste Ergebnisse der Prüfung dreier neuentwickelter Zweinutzungsherkünfte vor. Insgesamt werden Mast- und Legeleistung, Verhalten und Tierwohlparameter unter ökologischen Bedingungen bewertet.

Auf dem Versuchsbetrieb des Instituts wurden dazu je 80 weibliche Eintagsküken von drei unterschiedlichen Zweinutzungsherkünften (A, B, C) sowie eine Kontrollgruppe Eintagsküken einer Legehybride (D) aufgezogen: Herkunft A = fleischbetonte, Herkunft B = ausgeglichene und Herkunft C = legebetonte Zucht.

Folgende Daten wurden erhoben:
Entwicklung der Lebendmasse
Wöchentlicher Futterverbrauch
Tierwohl Parameter mittels Bonitur (angelehnt an MTool)
Verhaltensbeobachtungen zu drei Tageszeiten

Erwartungsgemäß zeigte die fleischbetonte Herkunft A die höchste Zunahme mit durchschnittlich 2.299 g in LW 18 und die Legehybride D mit 1.697 g die niedrigste in LW 18. B (ausgewogen) kam auf 1.884 g und C (legebetont) auf 1.851 g.

Der Futterverbrauch unterschied sich nur in der dritten Fütterungsphase signifikant (Gramm Futtermasse pro Tag und Tier).

Bei den Bonituren (Schnabel, Schwungfedern, Zehen) zeigten alle drei Zweinutzungsherkünfte überwiegend keine Schäden (zwischen 82% und 91% am Gefieder; 96% bis 99% am Schnabel; 99% an den Zehen ohne Schäden) und entwickelten sich auch in der Aufzucht positiv.

Bis zur 18. LW hatte Herkunft D (Legehybride) die geringste Mortalität mit 1,0%, B (ausgeglichen) 2,4% und A (fleischbetont) 2,5%. Bei Herkunft C (legebetont) wurde eine Mortalitätsrate von 7,0% am Ende der Aufzucht verzeichnet.

Bei der Verhaltensbeobachtung wurde unterschieden zwischen Gefiederpflege, Picken und Scharren, Interaktion mit Beschäftigungsmaterial und Strecken/Flattern. 62-69 % ihrer Zeit verbrachten alle Gruppen mit Gefiederpflege sowie Picken und Scharren. Auffällig sind jedoch die Unterschiede beim aggressiven Verhalten. Für zwei Gruppen, A (fleischbetont) und D (Legehybride), wurden je 1% Aggression vermerkt, für Gruppe C (legebetont) dagegen 3%. Für die ausgeglichene Linie B aber 0%!

Der Versuch endete im März 2022 nach 72 LW. Neben dem on-station Versuch am Thünen-Institut läuft derzeit noch ein on-farm Versuch mit Tieren der Herkunft C bei Wendland Geflügel. Auf die Auswertung der Daten aus der Legeperiode darf man gespannt sein!

Die drei untersuchten Zweinutzungsherkünfte hätten sich insgesamt in der Aufzucht gut entwickelt, fasste die Referentin zusammen und „der Austausch über Ergebnisse aus dem PPILOW Projekt wird dazu beitragen, ein robustes und produktives Zweinutzungshuhn für ökologische und extensive Haltungssysteme weiter zu entwickeln und verbessern.“

*Poultry and Pig Low-Input and Organic Production Systems Welfare

Aufgepasst bei Ernährungsstudien – verschiedene Studienformen haben unterschiedliche Aussagekraft

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind so bunt wie unsere Ernährung und Studienergebnisse können in vielen Punkten widersprüchlich sein. Das liegt unter anderem an den verschiedenen Studienformen und deren Aussagefähigkeit. Der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) im Lebensmittelverband Deutschland klärt in der ersten Ausgabe seines neuen Newsletters „FOKUS Wissenschaft“ auf, welche Studientypen es überhaupt gibt und welche Aussagen anhand ihrer Ergebnisse getroffen werden können. Antje Preußker aus der Wissenschaftlichen Leitung im Lebensmittelverband erklärt: „In der breiten Öffentlichkeit kursieren viele Mythen rund um das Thema Ernährung. Diese kommen auch dadurch zustande, dass Studie gleich Studie behandelt wird und Ergebnisse falsch interpretiert werden. Dabei besteht ein erheblicher Unterschied, ob beispielsweise Kausalitäten oder Korrelationen abgebildet werden oder ob es sich um eine verblindete Studie handelt oder nicht. Wir sind deshalb sehr froh, dass wir für die erste Ausgabe unseres neuen Newsletters eine Expertin gewinnen konnten, die präzise und verständlich den Unterschied der diversen Studiendesigns erklärt“. Gastautorin Dr. Sandra Habicht, Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, schreibt über deskriptive und analytische Beobachtungsstudien, Interventionsstudien sowie Reviews und Meta-Analysen.

Deskriptive Beobachtungsstudien
Bei diesem Studientyp werden Gesundheitsdaten sowie ein oder mehrere Faktoren des Lebensstils der Probandinnen und Probanden „beobachtet“, also abgefragt, aber nicht von der Studie vorgegeben. Zu den deskriptiven Studien gehören die Fallbeschreibungen (engl. case studies), die sich für die Erforschung sehr seltener Erkrankungen eignen, sowie Querschnittstudien (engl. cross-sectional studies). Diese erfassen den Anteil der untersuchten Studienpopulation mit einer bestimmten Erkrankung oder einem bestimmten Lebensstilfaktor zu einem einzigen Zeitpunkt. Prävalenzen von Erkrankungen oder Daten wie der Vitamin-D-Status einer Bevölkerung können so untersucht werden. Führt man sie in unterschiedlichen Regionen durch, können regionale Unterschiede ermittelt werden. Auch lassen sich Querschnittstudien aus unterschiedlichen Jahren vergleichen und zeitliche Entwicklungen näherungsweise betrachten. Werden verschiedene Parameter erhoben, können diese als Korrelation miteinander in Beziehung gebracht werden, das lässt aber keine kausalen Aussagen zu.

Analytische Beobachtungsstudien
Beobachtungsstudien können retrospektiv sein und Informationen aus der Vergangenheit erheben oder prospektiv, d. h. in die Zukunft blickend. Kohortenstudien (engl. cohort studies) sind prospektive analytische Beobachtungsstudien mit einer Betrachtung der zukünftigen Erkrankungsmanifestation. Dieser Studientyp wird auch Längsschnittstudie genannt, da mindestens zu zwei Beobachtungszeitpunkten Erhebungen stattfinden. Bei Kohortenstudien werden gesunde Probandinnen und Probanden nach Lebensstilfaktoren in Kohorten eingeteilt und über einen definierten Zeitraum beobachtet. Von Interesse sind die Häufigkeiten klinischer Endpunkte (engl.outcome), z. B. bestimmte Erkrankungen in den jeweiligen Kohorten. Je länger die Beobachtungsdauer, je homogener die Gruppen und je größer der erwartete Effekt, desto eher sind Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit zwischen den Kohorten zu erwarten. Die Fall-Kontroll-Studien (engl. case control studies) verfolgen einen anderen Ansatz. Bei diesen Studien werden z. B. Personen mit Erkrankung (Fälle) und ohne Erkrankung (Kontrollen) nach Lebensstilfaktoren in der Vergangenheit befragt. Dieser Studientyp zählt daher zu den retrospektiven Studien. Um Zusammenhänge richtig darzustellen sollten Störfaktoren (engl. Confounder) untersucht und in die Analyse einbezogen werden.

Interventionsstudien
Hier erhalten Probandinnen und Probanden entweder eine Kontroll-Behandlung (meist ein Placebo) oder die zu untersuchende Behandlung (Intervention), z. B. eine Supplementation. Es gibt Interventionsstudien mit ein, zwei oder mehr Armen/Behandlungsgruppen oder z. B. mit oder ohne Cross-over-Design. Bei einem Cross-over können Probandinnen und Probanden erst die eine und dann die andere Behandlung erfahren. Jeder ist dadurch seine eigene Kontrolle, aber es bedarf einer passend langen Auswaschphase (engl. wash-out) zwischen den Behandlungen. Als Goldstandard unter den Interventionsstudien gelten die randomisiert-kontrollierten Studien (engl. randomized controlled trials, RCT). Das sind Studien mit zufälliger, also randomisierter Zuordnung der Probandinnen und Probanden in verschiedene Arme, von denen eine die Kontrollgruppe darstellt. Eine Studie gilt als verblindet, wenn die Probandinnen und Probanden nicht wissen, in welche Gruppe sie eingeteilt worden sind. Wenn das zusätzlich auch die Untersucher nicht wissen, ist die Studie doppel-blind. Mit diesem Design lässt sich die Wirkung einzelner Nahrungskomponenten auf die Gesundheit gut untersuchen. Bei Interventionsstudien wird die zu erforschende Behandlung bei einer Gruppe von Probandinnen und Probanden für einen definierten Zeitraum durchgeführt. Verglichen werden anschließend nicht nur Gesundheitsparameter, sondern auch, wie sich die Werte und die Veränderungen bei der Interventions- von denen der Kontrollgruppe unterscheiden. Ob eine mögliche oder postulierte Wirkung der Intervention in einer solchen Studie nachgewiesen werden kann, hängt u. a. von den gewählten Zielkriterien oder Endpunkten und der Studiendauer ab. Eine große Rolle spielen auch Confounder und die Compliance. Ein Merkmal für die Qualität einer klinischen Studie kann sein, an wie vielen Standorten, Studienzentren oder Kliniken sie durchgeführt wurde.

Reviews und Meta-Analysen
Auf der Suche nach Antworten zu einer bestimmten Forschungsfrage sollten immer mehrere Studien unterschiedlichen Typs betrachtet werden, und es sollte einen plausiblen ernährungsphysiologischen/biochemischen Ansatz z. B. aus Tier- und Zellstudien oder der Grundlagenforschung geben. In der Wissenschaft werden Ergebnisse mehrerer oder vieler Studien in Form von narrativen oder systematischen Reviews sowie Meta-Analysen zusammengetragen. Darüber hinaus gibt es auch die Form des Umbrella-Reviews.

Der „FOKUS Wissenschaft“ ist der neue Newsletter des AK NEM, in dem Hintergründe und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Mikronährstoffe erklärt werden. Die komplette erste Ausgabe kann unter www.nahrungsergaenzungsmittel.org heruntergeladen werden.

Quelle: Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Der Lebensmittelverband Deutschland e. V. ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette „von Acker bis Teller“, aus Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel und Gastronomie an. Daneben gehören zu seinen Mitgliedern auch private Untersuchungslaboratorien, Anwaltskanzleien und Einzelpersonen.

Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM)
Unter dem Dach des Lebensmittelverbands Deutschland ist der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) eine Plattform für die Interessenvertretung sowie zum fachlichen Austausch über rechtliche und wissenschaftliche Fragestellungen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Zu seinen Mitgliedern gehören neben den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln auch Rohwarenhersteller sowie Dienstleister.

Neue Lernplattform für Tierwohl bei Milchkühen online

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Das Tierwohl-Check E-Learning ergänzt die bereits im Herbst 2021 erschienene App für die Tierwohl-Beurteilung von Milchkühen. Damit stehen Tierhalterinnen und Tierhaltern, die selbst Tierschutzindikatoren erheben möchten, Hintergrundwissen, Merkblätter, Anleitungen zur Datenerhebung, Ziel- und Warnwerte für die objektive Tierwohlbeurteilung sowie eine zugehörige App zur Verfügung. Zusätzlich steht für die Überprüfung der erworbenen Kenntnisse ein abschließender Online-Test zur Verfügung (hier wird die bereits im Herbst 2021 von uns veröffentlichte „Online-Schulung Tierschutzindikatoren“ genutzt, auf die aus dem E-Learning heraus verwiesen wird).

Die berits seit September 2021 zugängliche Plattform elearning.tierwohl-check.de verfügbare Lernplattform gibt in sechs Modulen umfangreiche Informationen zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle mithilfe der Tierwohl-Check-App. Mit dem passgenauen E-Learning erlernen Anwender*innen die Datenerhebung der Tierschutzindikatoren, erfahren viele nützliche Hinweise und vertiefende Hintergrundinformationen. Des Weiteren liefert das E-Learning praktische Merkblätter zu den Indikatoren, eine Anleitung zur Datenerhebung sowie Definitionen und Berechnungsgrundlagen.

Mit dem erlernten Wissen lässt sich die Tierwohlsituation objektiv ermitteln und bewerten; das Ergebnis liefert eine übersichtliche Schwachstellenanalyse für den Betrieb und erleichtert es den Landwirt*innen, der betrieblichen Eigenkontrolle im eigenen Betrieb nachzukommen. Auch für Tierärzt*innen und Berater*innen kann das E-Learning wertvolle Informationen für eine verlässliche Tierbeurteilung vermitteln.

Die Tierwohl Check-App und das kostenfreie E-Learning wurde im Rahmen des EIP Projektes Tierwohl-Check von vier aktiven Landwirt*innen aus Schleswig-Holstein zusammen mit dem Landeskontrollverband SH e.V. als Leadpartner, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der Rinderzucht SH eG, dem Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung und dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau erarbeitet.

Quelle: Thünn Institut für Ökologischen Landbau

Sicherheitsrisiko fehlende Kontrollvorgaben

Bundesverband der beamteten Tierärzte fordert zügige Umsetzung des EU-Kontrollrechts durch die Länder

Der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte (BbT), Dr. Holger Vogel, fordert von den politisch Verantwortlichen Leitlinien für die Umsetzung der sog. risikoorientierten Überwachung, wie sie das EU-Recht verlangt. Hierfür gelte es, Grundlagen für eine vergleichbare Einschätzung der vorzuhaltenden Überwachungskapazitäten in allen Ländern insbesondere in den Bereichen Tier-gesundheit und Tierschutz zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass Amtstierärztinnen und Amtstierärzte im wahrsten Sinne den Kopf dafür hinhalten müssen, dass sie ihre lokalen Betriebe mit angemessener Häufigkeit und Gründlichkeit überprüfen, ohne einen Vergleichsmaßstab zu haben,“ so Vogel. Sonst gehe man schnell selbst ein „Risiko“ ein. „Das richtige Maß bei der Kontrollintensität darf nicht einer Individualentscheidung überlassen bleiben, sondern ist gesellschaftspolitisch zu definieren“, so Vogel weiter. Schließlich hänge davon nicht zuletzt die Zahl des Kontrollpersonals ab. In der Lebensmittelüberwachung sei man deutlich klarer strukturiert.

In diesem Zusammenhang erneuert der BbT seine wiederholt erhobene Forderung, dafür eine belastbare Datengrundlage zu schaffen. Nur dann seien die Veterinärbehörden in der Lage, von Unternehmen ausgehende Risiken adäquat zu erfassen und zu bewerten, wobei es vor allem auf die fach-gebietsübergreifende Betrachtung ankomme. „Eine gute Tiergesundheit ist ein wichtiger Indikator für eine tiergerechte Haltung“, betont Vogel. Er setzt auf die Ankündigung der neuen Bundesregierung, damit endlich in dieser Legislaturperiode weiter voranzukommen. „Hier werden wir unterstützen, wo immer wir können“, so Vogel abschließend.

Der BbT widmet sich dieser Thematik in verschiedenen Vorträgen auf seinem 39. Internationalen Veterinärkongress in Bad Staffelstein.

Quelle: BbT

Bohnenanbau in vielfältigen Agrarlandschaften fördert Bienen und steigert Ertrag – Studie der Universität Göttingen

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Bestäubung durch Insekten ist essenziell für die Produktion vieler Nahrungspflanzen. Das Vorkommen von Bestäubern wie Bienen ist davon abhängig, ob Nistplätze und ausreichend Nahrung vorhanden sind. Fehlen diese Voraussetzungen, bleiben auch die Bestäuber aus und es leidet der Ertrag von blühenden Ackerkulturen, wie zum Beispiel Ackerbohnen und Raps. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Landschaftszusammensetzung aus blühenden Kulturen und naturnahen Habitaten auf die Dichten von Bienen, deren Verhalten beim Sammeln von Nektar und die Erträge von Ackerbohnen (Vicia faba L.) auswirkt.

Die Forscherinnen zeigen, dass in Landschaften mit einem hohen Flächenanteil von naturnahen Habitaten und in Landschaften mit einem hohen Flächenanteil von Ackerbohnen mehr Hummeln in Ackerbohnenfeldern zu finden waren. Außerdem waren die Bohnenerträge in diesen Landschaften erhöht. Die Wissenschaftlerinnen erfassten und beobachteten das Sammelverhalten von Honig- und Wildbienen in Ackerbohnenfeldern in Agrarlandschaften mit unterschiedlicher Landschaftszusammensetzung. Außerdem ermittelten sie Ertragsparameter von Einzelpflanzen. „Insektenbestäubung wirkt sich positiv auf Ackerbohnenerträge aus. Unsere Untersuchungen ergaben rund 34 Prozent mehr Bohnen pro Hülse bei insektenbestäubten Pflanzen verglichen mit Pflanzen, die unzugänglich für Insekten waren“, erklärt Dr. Doreen Gabriel vom JKI.

„Für den Bestäubungserfolg bei Ackerbohnen ist nicht nur die Bienendichte im Feld wichtig, sondern auch, welche Bienenarten an den Blüten sammeln und wie sie das tun. Hummelarten mit kurzen Rüsseln rauben oft Nektar von Ackerbohnen, indem sie Löcher in die Blütenkelche beißen. Im Gegensatz dazu sammeln die meisten langrüsseligen Hummeln Nektar regulär von der Vorderseite der Blüte, was zu erhöhten Fremdbestäubungsraten führt. Es gibt allerdings kaum Studien, die untersucht haben, ob das Verhalten von Bienen beim Nektar sammeln auch von der Ressourcenverfügbarkeit in der Landschaft, also der Landschaftskomposition, beeinflusst wird“, so Erstautorin Dr. Nicole Beyer, die an der Universität Göttingen promoviert hat, und nun am Thünen-Institut in Braunschweig arbeitet. Die Studie zeigt, dass kurzrüsselige Hummeln vermehrt Nektar an Ackerbohnen raubten, wenn ein hoher Flächenanteil an Ackerbohnen in der Landschaft vorhanden war.

„Unsere Studie verdeutlicht, wie wichtig auch die Landschaftszusammensetzung für Erträge ist, wie am Beispiel der Ackerbohne gezeigt wurde. Die Verfügbarkeit von blütenreichen Lebensräumen kann die Dichte der Bienen in den Feldern, ihr Suchverhalten und ihre Bestäubungsleistungen verbessern“, schlussfolgert Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Basic and Applied Ecology erschienen.

Beyer, N., Gabriel, D. & Westphal, C. (2022). Landscape composition modifies pollinator densities, foraging behavior and yield formation in faba beans. Basic and Applied Ecology, doi: https://doi.org/10.1016/j.baae.2022.03.002

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Imkertipp: CBPV bei Bienen: Ein Virus auf dem Vormarsch?

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Von Dr. Heike Engels

Das Chronische-Bienenparalyse-Virus (CBPV) trat in den letzten Jahren in Europa verstärkt auf. Die Erkrankung führt zu großen Verlusten unter den Arbeiterinnen und deutlichen Leistungseinbußen vor allem bei starken Bienenvölkern. CBPV befällt einzelne Gehirnregionen der Bienen und löst dort neurologische Symptome wie Paralyse, also Lähmungen, und Zittern aus. Daneben erscheinen betroffene Bienen durch Haarverlust schwarz und fettig glänzend, was als „Ansteckende Schwarzsucht“ bezeichnet wird. Beide Symptome können in einem Volk auftreten. Übertragen wird das Virus geschieht wohl direkt von Tier zu Tier über den Fäkal-oralen Weg. CBPV gilt als Varroa-assoziierte Erkrankung, da das Virus durch die Schwächung der Bienen, ausgelöst durch einen starken Varroabefall, leichteres Spiel hat.

Um die Verbreitung des CBPV in Bayern zu analysieren, wurden Analyseergebnisse des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. von 302 Bienenvölkern hinsichtlich der Virusdiagnostik und klinischen Symptomatik mit Fokus auf CBPV untersucht. Die Analyse umfasste die Jahre 2018 bis 2020. Zusätzlich werteten die Forscher Daten aus Fragebögen aus von 105 labordiagnostisch CBPV-positiven und klinisch auffälligen Völkern.

Es konnte ein signifikanter Anstieg CBPV-positiver Proben von 2018 bis 2020 festgestellt werden mit ebenfalls steigender klinischer Symptomatik. Die Auswertung der Fragebögen ergab eine Häufung der ersten CBPV-Fälle im Frühjahr in den Monaten März bis Juni. Zwischen Oktober und Februar wurden kaum Fälle berichtet. Die meist mit vielfältigen Symptomen belasteten Völker erholten sich in 57 % der Fälle von der Erkrankung, wenn therapeutisch eingegriffen wurde. Wurde nicht eingegriffen, kam es in den meisten Fällen zum Tod des Volkes. Insgesamt war die Sterblichkeit bei den Völkern höher, die neben CBPV auch noch weitere Viren im Volk hatten. Bei 62 % der erkrankten und isolierten Völker konnte die Isolation die Weiterverbreitung am Bienenstand verhindern.

Eine eindeutige Therapieempfehlung können die Forscher nicht geben, aber auf jeden Fall den Rat, dass es besser ist, überhaupt etwas zu tun als einfach abzuwarten. Maßnahmen, die bisher zur Therapie erkrankter Völker durchgeführt wurden, entweder einzeln oder in Kombination:

• Austausch der Königin zur Veränderung der Genetik
• Kunstschwarmverfahren zur Senkung der Virenlast
• Varroabehandlung zur Reduktion des Milbenbefalls
• Fütterung einer dünnen Zuckerlösung zur Erhöhung des Bienenumsatzes
• Zuhängen von Brutwaben zum Ausgleich des Totenfalls

Hierbei handelt es sich um kurzfristig wirkende Maßnahmen und auch um langfristige Maßnahmen, wenn es an den Austausch der Königin geht.

Quelle: Dittes, Julia et al.: Chronisches-Bienenparalyse-Virus – quo vadis? Auftreten in Bayern und Betrachtung von Therapiemaßnahmen. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 326-335.

European PRRS-Research Award von Boehringer Ingelheim: Bewerbungsfrist läuft!

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Boehringer Ingelheim unterstützt seit vielen Jahren die anwendungsbezogene Forschung zur Bekämpfung der Schweinekrankheit PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom). Im Rahmen des Europäischen PRRS-Research Awards vergibt Boehringer Ingelheim auch im Jahr 2022 drei Preise in Höhe von je 25.000 Euro zur Finanzierung der prämierten europäischen PRRS-Forschungsstudien. Das Unternehmen möchte Forschungsbeiträge finanzieren, die neue Daten sammeln und Erkenntnisse zu PRRS generieren. Ziel ist ein besseres Verständnis dieser verheerenden und kostenintensiven Krankheit sowie eine nachhaltige PRRS-Kontrolle.

Zum möglichen Kandidatenkreis gehören alle Personen, die in der europäischen Schweineindustrie tätig sind. Die Fachgebiete umfassen unter anderem Forschung, Diagnostik, Tierwissenschaften, Praxis, Produktion sowie Tiergesundheit und Tierwohl.

Ein unabhängiger Prüfungsausschuss wird jeden Vorschlag im Hinblick auf seine Bedeutung, das Wirkungspotenzial in der Schweinebranche, die Originalität und Neuartigkeit sorgfältig begutachten. Die Jury ist vertreten durch anerkannte ExpertInnen der Schweinebranche wie u.a. Prof. Andrea Ladinig, Prof. Enric Mateu und Dr. Torsten Pabst.

Einreichungsfrist ist der 1. Juli 2022.

Weitere Informationen und das Anmeldeformular gibt es hier.

Kolostrum und hohe Kälberverluste: Wie hängt das zusammen?

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Von Dr. Heike Engels

Kolostrum ist reich an Nährstoffen und Mineralien und enthält auch Abwehrstoffe gegen wichtige Krankheitserreger. Das Kalb ist auf diese erste Portion gesundheitsfördernder und stärkender Stoffe angewiesen, weil es immunologisch naiv auf die Welt kommt. Eine zügige und ausreichende Menge (mindestens 4 Liter, aufgeteilt in 2 Mahlzeiten) an Kolostrum rasch nach der Geburt ist daher extrem wichtig, denn der Dünndarm des Kalbs ist nur in den ersten 24 Stunden nach der Geburt durchlässig für die guten Inhaltsstoffe des Kolostrums. Innerhalb der ersten 4 Lebensstunden ist dieser Effekt am größten. In der Natur würde ein neugeborenes Kalb auch sogleich es stehen kann das Kolostrum durch den Euter der Kuh aufnehmen. Im Stall sollte zusätzlich oder ausschließlich Kolostrum über die Nuckelflasche gegeben werden, um die ausriechende Menge kontrollieren zu können. Viele Studien konnten bereits zeigen, dass ein direkter Zusammenhang mit Kolostrumversorgung und Kälbersterblichkeit besteht: Desto schneller und mehr Kolostrum ein Kalb erhält, desto widerstandsfähiger wird es und desto weniger oft leidet es an Kälberdurchfall.

Das Ziel der hier vorgestellten Studie war, in Milchkuhbetrieben mit erhöhten Kälberverlusten in Niedersachsen das bestandsspezifische Management der Kolostrumversorgung zu erfassen und Probleme aufzudecken. Die Untersuchungen fanden in 56 Milchkuhbetrieben in Niedersachsen statt, die im Jahr 2014 eine Kälberverlustrate von mindestens 20 % aufwiesen und mindestens 30 Milchkühe hielten (Auswahl durch die Tierseuchenkasse Niedersachsen). Untersucht wurden Kälber im Alter von 1 bis 14 Lebenstagen. Daten zu den Themen Kolostrummanagement und Kälbergesundheit wurden anhand eines standardisierten Fragebogens erfasst, der Betrieb wurde besichtigt und alle Kälber in Einzelhaltung unterlagen einer klinischen Untersuchung. Bei Kälbern im Alter von 1 bis 7 Lebenstagen wurde die Gesamteiweißkonzentration im Blutserum untersucht, um den Erfolg der Kolostrumversorgung zu bewerten. Kälber mit Durchfall wurden nicht untersucht. Nach dem Betriebsbesuch erhielten die Landwirte mündlich oder schriftlich Verbesserungsvorschläge für ihr Kolostrummanagement. Nach 8 bis 10 Monaten erfolgte ein weiterer Besuch und es wurde wieder ein Frageboden ausgefüllt und die Kälber untersucht.

In den Datensätzen der beiden Durchgänge unterschied sich das Antwortverhalten der Landwirte im Fragebogen nicht signifikant, sodass die Beratung offensichtlich keinen Einfluss auf das Kolostrummanagement hatte. Trotzdem zeigten die Daten, dass es in vielen Betrieben in Bezug auf den Zeitpunkt der Fütterung, die angebotene Menge und die Methode der Versorgung und Überprüfung des Erfolgs nicht optimal abläuft. Die anhand der Gesamteiweißkonzentration beurteilte Kolostrumversorgung wies ebenfalls darauf hin, dass zu beiden Besuchszeitpunkten nur wenige Betriebe alle Kälber ausreichend mit Kolostrum versorgten. Wichtig für die Interpretation der Daten ist allerdings, dass durch die Vorauswahl der Betriebe mit dem Kriterium „mind. 20 % Kälberverluste“ diese Ergebnisse nicht repräsentativ für alle Milchviehbetriebe ist.

Aber zumindest in dieser ausgewählten Gruppe von Milchviehbetrieben scheint die große Bedeutung der Kolostrumversorgung bei neugeborenen Kälbern noch immer nicht bewusst zu sein. In vielen der untersuchten Betriebe mit hohen Kälberverlusten sehen die Forscherinnen in diesem Punkt einen Verbesserungsbedarf.

Quelle: Korte, Anika et al.: Kolostrummanagement in Betrieben mit hohen Kälberverlusten in Niedersachsen. Tierärztliche Praxis Großtier Nutztier 2021; 49: 375-382.