Kühler Wetterverlauf sorgte für schlechteste Honigernte seit fünf Jahren – Echter Deutscher Honig in diesem Jahr rar

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Die Honigernte fiel in diesem Jahr in vielen Gegenden Deutschlands sehr gering aus. Bereits im Frühjahr hatte es mit durchschnittlich 7,4 kg Honig pro Volk das schlechteste Ergebnis der letzten fünf Jahre gegeben. Die Bienen mussten entweder wegen des kalten und oft nassen Wetters im Stock bleiben oder fanden wenig Nektar in den Blüten. Das, was von den Sammlerinnen eingetragen werden konnte, benötigten die Völker zur Selbstversorgung und Brutpflege. Teilweise mussten die Imker sogar zufüttern, um ihre Bienen gesund und vital zu erhalten.

Die Hoffnung aller lag deshalb auf den Sommermonaten und eine bessere zweite Ernte. Nun legte das Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen seine Zahlen zur Sommertrachternte vor, die durch eine Online-Umfrage ermittelt wurden.

Demnach gaben die rund 9.100 Imkereien an, die sich aus Deutschland an der Befragung beteiligten, durchschnittlich 10,6 Kilogramm Honig pro Volk geerntet zu haben. Wobei die Ergebnisse — wie bereits im Frühjahr — wieder sehr deutliche Unterschiede in den einzelnen Regionen zeigten. Während im Norden und Osten gute Ergebnisse erzielt werden konnten, blieben den Imkern im Westen und Süden nur unterdurchschnittliche Erntemengen.

So wurden zum Beispiel — rechnet man beide Ernten zusammen – in Mecklenburg-Vorpommern 42,7 kg Honig pro Volk, in Sachsen-Anhalt sogar 46,8 kg und in Schleswig-Holstein immerhin noch 38,4 kg geerntet. Im Vergleich dazu lag Bayern mit 14,5 kg, Baden-Württemberg mit 6,3 kg oder Rheinland-Pfalz mit 16 kg deutlich darunter. Ausschlaggebend für dieses Ergebnis war auch, dass viele Imker gar keinen Honig ernten konnten. Im Frühjahr waren das mit 51,5 % aller Umfrageteilnehmer über die Hälfte aller deutschen Imkereibetriebe, im Sommer immerhin noch 17,6 %. Regionaler Honig vom Imker dürfte demnach in diesem Jahr nicht überall ausreichend vorhanden sein, so der Deutsche Imkerbund. Denn außer der mageren Ernte machte der gleichzeitig hohe Wassergehalt der Honige den Imkern zu schaffen. Eine Vermarktung im D.I.B.-Imker-Honigglas mit seinen über den gesetzlichen Standards liegenden Qualitätsvorgaben, die u. a. einen maximalen Wassergeh-alt von 18 % festlegen, war dadurch für viele in diesem Jahr teilweise schwierig.

Kunden sollten trotzdem bevorzugt auf regionale Ware achten, um die Bestäubungsleistung der heimischen Bienen, den Naturerhalt, aber auch die Berufsimkerei zu fördern. Wetterextreme als Folge des Klimawandels würden zukünftig weiter zunehmen.

Die genauen Erntemengen je nach Bundesland für Früh- und Sommertrachthonig sind hier zu finden: https://deutscherimkerbund.de/

Quelle: Der Hoftierarzt

Jedes Ei hat seinen Preis

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Deutschland hat bald keine Eierproduzenten mehr. Preistreiber sind die gestiegenen Futter- und Energiekosten sowie die Kosten für mehr Tierwohl

Für 100 Eier bekommt ein Legehennenhalter in Deutschland rund zehn Euro. Die Produktion kostet ihn zurzeit etwa 10,50 Euro. Damit macht er Verlust. Wie konnte das geschehen? Die Futtermittelpreise sind in diesem Jahr deutlich gestiegen. Laut Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AIM) liegt der Mischfutterpreis für Legehennen auf einem Achtjahreshoch. Zudem steigen aktuell die Energie- und Transportkosten. Investitionen ins Tierwohl schlagen ebenfalls zu Buche. Der Bundesverband Ei e.V. (BVEi) rechnet hier mit 1,5 bis 2 Cent pro Ei.

Mit Sorge blicken die deutschen Legehennenhalter auch auf die neue Gesetzgebung. Ab 1. Januar 2022 ist das Töten männlicher Eintagsküken verboten. Die Zusatzkosten für moderne Geschlechtsbestimmungsverfahren im Ei oder die Co-Finanzierung der Bruderhahn-Aufzucht beziffert der BVEi-Vorsitzende Henner Schönecke mit etwa 2 Cent pro Ei: „Wenn Einzelhandel und Verbraucher nicht bereit sind, mehr Geld für das wertvolle Lebensmittel Ei auszugeben, dann droht der heimischen Eierproduktion das Aus.“

Hennen im Wintergarten Foto © ZDG

Weihnachten verschärft Kostendruck
Die steigenden Kosten bei den Legehennenhaltern treffen auf eine steigende Nachfrage bei den Verbrauchern. Insbesondere mit Blick auf die Weihnachtszeit wird sich diese Situation nochmals verschärfen:

„Die Adventszeit ist Backzeit und damit die Zeit mit dem höchsten Eierverbrauch in Deutschland“, sagt Henner Schönecke. „Der Kostendruck setzt der Eierwirtschaft massiv zu. Seit Monaten zeichnet sich eine dramatische Situation für die Betriebe ab“, so der BVEi-Vorsitzende. Er hält auf seinem Hof selbst rund 55.000 Hennen „Wir brauchen jetzt faire Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel“, mahnt Schönecke: „Der Verbraucher hat es mit seinem Einkaufsverhalten in der Hand, die Zukunft der deutschen Legehennenhalter zu sichern. Sonst gibt es bald keine deutschen Eier mehr in den Supermarktregalen.“

Aktuell rechnen Experten damit, dass die Kosten für Futtermittel, Transport und Verpackung in den kommenden Wochen weiter steigen. Hauptgrund ist der Ausstieg aus dem Kükentöten. Damit nimmt der Kostendruck für die Eierproduzenten deutlich zu – allerdings nur in Deutschland. Denn das Gesetz zum Ausstieg aus dem Kükentöten ist eine rein nationale Verordnung. Es fehlt eine EU-weite Regelung, damit die deutschen Legehennenhalter durch diesen massiven Wettbewerbsnachteil nicht noch stärker in Existenznot geraten.

Informationen zum Eier-Markt in Deutschland (Bundesinformationszentrum Landwirtschaft)
2020: 239 Eier pro Person (+ 4 Eier zum Vorjahr)
Selbstversorgungsgrad: 72 Prozent
2020: 49,2 Millionen Legehennen in Deutschland (+ 2,5 Prozent zum Vorjahr)
2020: Erzeugung Deutschland:14,4 Milliarden Eier (+ 3 Prozent zum Vorjahr)
2020: Verbrauch: fast 20 Milliarden Eier

Weitere Informationen unter: www.legehennenhalter.de

Bühler baut industrielle Insektenanlage für Agronutris in Frankreich

Der französische Insektenproduzent Agronutris hat sich für die Prozesslösungen der Bühler Group entschieden, um seine erste kommerzielle Großanlage für Schwarze Soldatenfliegen zu realisieren. Bühler wird eine Komplettlösung für die Anlage im französischen Rethel liefern. Die Zusammenarbeit ist ein wichtiger Meilenstein für beide Unternehmen. Sie unterstreicht die ehrgeizigen Ziele von Bühler, zur Eindämmung des Klimawandels und zum Aufbau eines nachhaltigeren Lebensmittelsystems beizutragen. Mit der Anlage verfolgt Agronutris das Ziel, sich als weltweit führendes Unternehmen für nachhaltige Ernährung zu etablieren. Die Anlage soll im Jahr 2023 in Betrieb gehen.

Die 16’000 Quadratmeter große Insektenanlage im französischen Rethel wird bei voller Auslastung jährlich bis zu 70’000 Tonnen organische Reststoffe verarbeiten. Damit produziert die Fabrik hochwertiges Protein für die Aquakultur- und Heimtiernahrungsmärkte. «Mit der Inbetriebnahme dieser neuen Produktionsstätte tritt Agronutris in die industrielle Phase ein. Die Anlage in Rethel ist unser Sprungbrett für die weitere industrielle Entwicklung unserer Tätigkeit», sagt Mehdi Berrada, CEO von Agronutris. «Bühler ist ein weltweit führendes Unternehmen mit enormer Erfahrung im Lebens- und Futtermittelsektor. Wir vertrauen auf ihre Fähigkeiten, uns in der Insektenindustrie zu unterstützen. So können sich unsere Teams auf unsere Kernaktivitäten konzentrieren: die Insektenbiologie und das operative Management unserer Produktionsabläufe. Unsere Forschung und Entwicklung sind unser Wettbewerbsvorteil.»

Die Lösungen von Bühler für Agronutris werden die gesamte Produktionskette abdecken. Dazu gehören die Aufbereitung des Rohmaterials, um den Larven sicheres, schmackhaftes und nahrhaftes Futter zu bieten, sowie ein vollautomatisches Larvenaufzuchtsystem mit ausgefeilter Klimakontrolle. Weiter liefert Bühler die Verarbeitungslinie zur effizienten Umwandlung der gezüchteten Larven in Proteinmehl und Lipide mit gleichbleibender Qualität. Auch das Fraß-Handhabungssystem für eine sichere Abführung der Aufzuchtrückstände kommt vom Uzwiler Konzern.

Darüber hinaus ist Bühler für die gesamte Automatisierung und die termingerechte Projektabwicklung verantwortlich. Letztere umfasst das Engineering, die Beschaffung, die Fertigung, die Lieferung, die Montage und die Inbetriebnahme. «Das neue Projekt mit Agronutris ist für uns ein Meilenstein. Wir unterstreichen damit unser Ziel, uns als wichtiger Lösungsanbieter für die Insektenindustrie zu etablieren und den Anteil von Insektenproteinen im Tierfutter zu erhöhen. Unsere Lösungen tragen zu nachhaltigeren Futtermittelversorgungsketten bei», sagt Andreas Baumann, Head of Market Segment Insect Technology bei Bühler.

Wachsende Nachfrage
Die Ernährung der zehn Milliarden Menschen, die voraussichtlich bis 2050 auf unserem Planeten leben werden, erfordern jährlich rund 250 Millionen Tonnen zusätzliches Protein. Das ist 50% mehr als heute. Gesellschaft und Industrie müssen diese Herausforderung angehen, und zwar mit einer nachhaltigeren Produktion bestehender Proteinquellen sowie mit alternativen Quellen für den direkten menschlichen und tierischen Verzehr. Essbare Insekten können eine einzigartige Rolle beim Upcycling von Lebensmittelabfällen zu hochwertigen Proteinen spielen. Das macht sie zu einer immer wichtigeren Proteinquelle, die gleichzeitig umweltfreundlich ist.

Prognosen zeigen, dass der Markt für Insektenproteine als Futtermittel in den nächsten zehn Jahren stark wachsen wird. Es wird erwartet, dass der Gesamtumsatz der Insektenfuttermittelhersteller bis zum Ende des Jahrzehnts 2,2 Milliarden Euro pro Jahr erreichen wird. Zwei Hauptsektoren beflügeln dieses Wachstum: Der Aquakultursektor wird bis 2030 rund 30% des Verkaufsvolumens der Insektenproduzenten ausmachen. Und der Heimtierfuttersektor wird bis 2030 einen Anteil von 40% des Verkaufsvolumens von Insektenproteinen haben.

Das Ziel von Agronutris ist, zum Aufschwung dieser Branche beizutragen und zu einem weltweit führenden Unternehmen in diesem Bereich zu werden. Das Team hat sich mit Entomologinnen und Agrarindustrie-Experten weiter verstärkt. Auch die kürzliche Kapitalbeschaffung in Höhe von 100 Millionen Euro und die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen wie Bühler sind Faktoren, die Agronutris diesem Ziel näherbringen.

Bühler hat sich verpflichtet, 50% Wasser, 50% Energie und 50% Abfall in den Wertschöpfungsketten seiner Kunden zu reduzieren, und das bis 2025. Damit trägt Bühler zur Eindämmung des Klimawandels bei und schafft die Grundlagen für ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem. Insekten bieten eine einzigartige Gelegenheit. Sie sind eine gesunde Eiweißquelle für Lebens- und Futtermittel. Und sie können mit Abfällen gefüttert werden und so Lebensmittelabfälle in Eiweiß umwandeln. Weiter kann ihr Kot als Düngemittel verwendet werden. Deshalb sind sie ein wichtiger Pfeiler in der Strategie von Bühler, die Führung bei nachhaltigen Proteinen für Lebens- und Futtermittel zu übernehmen.

Quelle: Bühler AG

Aktuelles Interview: Klauenpflege neu gedacht: Mit Strategie, Konsequenz und Klauenpflaster zu gesunden Klauen

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Die regelmäßige Klauenpflege ist unentbehrlich für die Gesunderhaltung der Rinderklaue. Trotzdem läuft sie bei vielen Betrieben aus Zeitgründen oft nur nebenbei ab. Mit mehr Organisation und Konsequenz ließe sich viel mehr erreichen, meint Klaus Hermann Haß. Der Klauenpfleger aus Süderhastedt, Schleswig-Holstein, hat für sich ein Modell der Klauenpflege gefunden, wie er Quantität und Qualität besser vereinen kann. Ein wichtiges Hilfsmittel ist für ihn dabei das Klauenpflaster Mortella Heal.

Herr Haß, Sie arbeiten als selbständiger Klauenpfleger und haben sich vor einigen Jahren für einen neuen Weg entschieden. Warum und wie sieht Ihre Arbeit heute aus?
Statt der akkordbasierten Klauenpflege wollte ich mein Angebot ganzheitlicher gestalten. Ich wollte auch Nachsorge mit anbieten wie z.B. die Erfolgskontrolle meiner Behandlung oder Verbände abnehmen bzw. ersetzen. Früher habe ich regelmäßig den gesamten Bestand eines Betriebes während eines Klauenpflegetermins bearbeitet, heute arbeite ich hauptsächlich nach Dokumentation. Ich lade mir beim Start auf einem Betrieb die aktuellen Tiere vorher über HIT oder LKV ins Programm und dokumentiere jedes Tier. Nach Rücksprache mit dem Landwirt wird ein Zeitintervall festgelegt, wie oft jedes Tier prophylaktisch gepflegt werden soll. Im Nachgang der Klauenpflege erstelle ich dann für den Landwirt Listen zur Wiedervorstellung und zur Nachbehandlung, welche Kühe ich zum Termin sehen muss und der Landwirt kann dann die Kühe entsprechend sortieren und mir vorstellen. Während der Nachsorge rufe ich mir dieses Tier in der Dokumentation auf. Dazu habe ich immer einen Outdoor-PC mit, in welchem die gesamte Kuhhistorie gespeichert ist. Darauf aufbauend treffe ich meine Entscheidung: Wann muss die Wiedervorstellung sein, muss der Tierarzt dazukommen oder ein Medikament, ist es gar ein immer wiederkehrender Defekt? Sollte das so sein, müsste man darüber nachdenken, die Kuh nicht mehr weiter zu besamen.

Welche Klauenerkrankungen finden Sie häufig vor?
Grundsätzlich sehe ich viel Dermatitis digitalis, also Mortellaro, aber auch den Rehekomplex mit z.B. Sohlengeschwüren oder Wanddefekten. In letzter Zeit mehr geworden sind die Sohlengeschwüre, bei denen sich Mortellaro draufgesetzt hat, diese Kombination hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich vermehrt und ist leider auch sehr viel schwieriger zu behandeln.

Warum arbeiten Sie so gerne mit dem Klauenpflaster Mortella Heal?
Es sind die Ergebnisse, die ich sehe. Mortella Heal kenne ich schon lange. Schon 2012 habe ich erste Versuche mit dem Pflaster zur Behandlung von Mortellaro gemacht. Das war ungewohnt für mich, denn in meiner Ausbildung hieß es immer, Verbände an Klauen funktionieren nicht, denn darunter sei es warm und feucht, also allzu gute Bedingungen für Bakterien. Durch viele Workshops und Ausprobieren von verschiedenen Verbandstechniken habe ich mich dann aber eines Besseren belehren lassen. Die Ergebnisse unter Mortella Heal sind fast immer hervorragend. Waren zu Beginn durch falsche Verbandstechnik noch ab und an Einschnürungen zu sehen, ist das heute vorbei. Weil aber die richtige Verbandstechnik so wichtig ist, bekommt man die Pflaster nur mit einer Einweisung. Bei manchen Betrieben wird das Pflaster nur bei den ganz schweren Fällen eingesetzt, auf anderen auch schon bei ganz kleinen Mortellaro-Stellen. Letzteres ist eigentlich das richtige Vorgehen, um die schwierigen Fälle erst gar nicht zu bekommen. Wenn ich allerdings jemanden von der Wirkung des Pflasters überzeugen möchte, dann frage ich ihn nach seiner am schlimmsten von Mortellaro betroffenen Kuh und wir machen Vorher-Nachher-Fotos. Nach 14 bis 20 Tagen sieht die Klaue deutlich besser aus und der Landwirt ist überzeugt.

Wie läuft die Heilung unter dem Pflaster ab?


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Dem Stress im Stall auf der Spur

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Dummerstorfer Forschende testen Biomarker für Langzeitstress

Verbessertes Tierwohl und optimale Haltungsbedingungen unserer Nutztiere haben eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsinstitutes für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf waren auf der Suche nach schonenderen, minimal-invasiven Methoden zum Nachweis von Langzeitstress bei Nutztieren erfolgreich.

In einem von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geförderten Verbundprojekt, zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tierschutz und Tierhaltung (FLI-ITT) Celle (Niedersachsen), konnten die Forschenden die Bestimmung von Glukokortikoid-Biomarkern zum retrospektiven Nachweis von Langzeitbelastungen weiterentwickeln. Grundlage ist die Bestimmung der Stresshormone Cortisol in Haarproben von Rindern und Schweinen sowie Corticosteron in Federn von Hühnern und Puten.

„Stressreaktionen des Organismus sind überlebenswichtig; anhaltend erhöhte Stresshormonspiegel weisen bei Nutztieren jedoch auf Probleme in der Haltung hin“, erklärte Projektleiter Dr. Winfried Otten vom Institut für Verhaltensphysiologie am FBN. Zu große Hitze, zu wenig Platz, sozialer Stress oder die Isolation von Artgenossen und Langeweile – Stress im Stall kann viele Ursachen haben. Darunter leidet nicht nur das Wohlbefinden der Tiere. Chronisch gestresste Tiere verursachen auch zusätzliche Kosten, sie können schneller krank werden oder wachsen langsamer.

Stresshormone können bei Tieren zur Bewertung von Belastungszuständen in Blut-, Speichel-, Urin- oder Kotproben gemessen werden. „Die Probenentnahme selbst kann dabei für die Tiere stressig sein und der Hormongehalt in diesen Proben spiegelt nur die Belastung kurz vor dem Zeitpunkt der Entnahme wider. Langzeitaussagen sind schwierig und nur anhand vieler Proben möglich“, beschrieb Dr. Winfried Otten die grundsätzliche Problemlage. „Unser Ziel war es, den Stresshormonnachweis in Haaren und Federn in ein einfaches und präzises Verfahren zur Bestimmung von Langzeitstress bei Nutztieren weiterzuentwickeln, ähnlich wie es in der Stressforschung beim Menschen schon Anwendung findet. Während des Haar- und Federwachstums erfolgt nämlich eine kontinuierliche und stabile Einlagerung der Hormone und anhand einer Probe könnte die Stressbelastung der vorangegangenen Wochen und Monate ermittelt werden.“

Leibnitz-Insitut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN)
Foto: Thomas Häntzschel / nordlicht
www.fotoagenturnordlicht.de

Erstmalig wurden daher am FBN bei Nutztieren der zeitliche Verlauf der Cortisoleinlagerung ins Haar durch Stress sowie stressunabhängige Einflussfaktoren systematisch erforscht. Die Tierärztin Dr. Susen Heimbürge hat im Rahmen dieses Projekts promoviert und dazu in den vergangenen Jahren bei Rindern und Schweinen nicht nur den Einfluss verschiedener Stressoren, sondern auch von Faktoren wie Haarfarbe, Haartyp und -alter auf Haarcortisolkonzentrationen untersucht. „Anhand eines experimentellen Stressmodells beim Rind konnten wir erstmals zeigen, dass eine mehrwöchige Stressbelastung der Tiere durch erhöhte Cortisolkonzentrationen in verschiedenen Haartypen, nämlich in nativen und nachgewachsenen Körperhaaren sowie in Segmenten von Schwanzhaaren nachweisbar ist“, erläuterte Dr. Otten die Befunde. „Je nach Haarlänge lässt sich so in einer Probe die Stressgeschichte von mehreren Wochen bis zu einigen Monaten ablesen.“ Als neues Ergebnis konnten die Wissenschaftler erstmalig aufzeigen, dass beim Nutztier einzelne Haarsegmente retrospektiv als eine Art Kalender der Stressbelastung verwendet werden können.

Während sich die Eignung des Verfahrens beim Rind als Stressindikator bereits bestätigt hat, sind beim Schwein und Geflügel noch weiterführende Studien notwendig, da Störeinflüsse durch Verschmutzungen der Haare die Messungen beeinflussen können. Grundsätzlich kann mit der Bestimmung von Glucocorticoiden in Haaren und Federn die Messung von Langzeitstress auch in der Nutztierhaltung in Zukunft erheblich vereinfacht werden und diese physiologischen Biomarker könnten sich daher auch für den Einsatz in einem Tierwohl-Monitoring-System eignen.

„Zur Verbesserung des Tierwohls soll auch in Zukunft am FBN die Forschung nach innovativen minimal-invasiven Indikatoren unter Verwendung von Haaren, Federn bis hin zu Fischschuppen fortgeführt werden“, kündigte der Wissenschaftler an.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie

Aktuelles Interview: Besucherverkehr kein Problem für Biosicherheit

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Besonders tierfreundliche Haltungssysteme gibt es bereits viele, doch das Aktivstall-Konzept von Gabriele Mörixmann aus Hilter am Teutoburger Wald ist etwas Besonderes. Es ist weder bio noch konventionell, sondern irgendwo dazwischen. Außenklima gehört in jedem Fall dazu, Kundenbesuche und Stallführungen ebenso. Doch wie regelt Gabriele Mörixmann die Biosicherheit und Tiergesundheit?

Frau Mörixmann, wie würden Sie Ihr Haltungskonzept beschreiben?
Wir praktizieren den „Aktivstall für Schweine“, ein Konzept, dass wir 2012 ins Leben riefen und es seitdem immer zum Wohl der Tiere weiterentwickelten. Das Aktivstallkonzept steht für eine mehrfach ausgezeichnete, tiergerechte und kontrollierte Beschäftigungswelt mit regionaler, gentechnikfreier und abwechslungsreicher Fütterung, und das angefangen bei der Muttersau über die Ferkel bis hin zum Mastschwein. Die Sauenhalter sind derzeit mitten im Tierwohlstallumbau. Der Aktivstall gliedert sich in verschiedene Bereiche: Terrassen mit Außenklima, Strohstall sowie Spiel-, Ruhe-, Dusch- und Suhlräume. Insgesamt haben wir den ehemaligen konventionellen Mastschweinestall in 12 unterschiedliche Räume aufgeteilt, durch die 700 Schweine in einer Großgruppe frei hindurchwechseln können je nachdem, wonach ihnen gerade ist. Es ist eine Beschäftigungswelt rund um das Schwein.

Sie betreiben viel Öffentlichkeitsarbeit. Viele Schweinehalter sind hier wegen der Biosicherheit eher zögerlich. Wie stellen Sie die Biosicherheit sicher?
Das stimmt, die Öffentlichkeit gehört fest zu unserem Geschäftsmodell. Der Kunde hat ja sonst gar keine Chance, unser Tierwohlfleisch zu entdecken geschweige denn zu kaufen. Die gesamte Aktivstall-Kette von den 7 beteiligten Landwirten, über den Schlachthof bis zur Verarbeitung und Vermarktung arbeiten transparent. Videos aus dem Stall machen wir regelmäßig für unsere social media-Kanäle. Wir bieten zudem jeden Samstag um 10 Uhr Stallführungen an, das wird gerne und oft angenommen. Zum Schutz der Tiere verteile ich an die Besucher Schutzanzüge und Einmalschuhe. Dann waschen sie sich die Hände und können über Desinfektionsmatten in den Stall gehen. Hinterher entsorge ich die Schutzkleidung. Das läuft gut, da habe ich keine Bedenken, dass ich eine Krankheit bei den Tieren eintrage. Eher macht mir die Autobahn Sorgen.

Warum ist die Autobahn ein Problem?
Unser Stall liegt direkt an der Autobahn A33, Hauptroute der Viehtransporter, die zu Tönnies nach Rheda-Wiedenbrück fahren. Täglich kommen hier zigtausende Schweine entlang, und wir haben einen Außenklimastall. Vor diesem Hintergrund denke ich, dass viel mehr Gefahr in dieser Autobahn liegt als von Besuchern. Wir impfen daher alle Schweine auf jeden Fall immer gegen Mykoplasmen, das PRRS-Virus und das Circovirus. Kommt allerdings die Afrikanische Schweinepest in Niedersachsen an, sind Hofbesuche tabu und die Ausläufe werden geschlossen, sobald das Veterinäramt dies verordnet. Da gehen wir kein Risiko ein. Unser Hof ist 1,60 m hoch eingezäunt.

Ihre Schweine haben aus Prinzip einen Ringelschwanz. Wie kommen Sie damit klar, gibt es hier Probleme?


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Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen untersucht Einfluss von Produktinformationen

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Trotz des Wandels hin zu veganer und vegetarischer Ernährung in den westlichen Kulturen bleibt die Nachfrage nach tierischem Eiweiß bestehen. Alternative Proteinquellen sind erforderlich, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ohne Einbußen bei der Nachhaltigkeit zu machen. Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingenund der University of Alberta, Edmonton, Kanada, haben Verbraucherpräferenzen in Bezug auf alternative Futtermittel untersucht. Dabei nahmen sie insbesondere Algen und Insekten in der Nahrungskette in den Fokus. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift /Food Policy/ erschienen.

Das Forschungsteam fotografierte Hühnerfilets, die mit Spirulina-Alge oder Insektenmehl als Hauptfuttermittel hergestellt wurden, und bearbeiteten die Bilder so, dass sie marktreife Produkte darstellen. Die Hühnerfiletprodukte wurden mit gesundheits- oder nachhaltigkeitsbezogenen Labels etikettiert, um besser zu verstehen, welche Motivationen Verbraucherinnen und Verbraucher dazu bringen, sich für bestimmte Produkte zu entscheiden. Zwei Gruppen von Testpersonen, insgesamt etwa1000, füllten dann einen Online-Fragebogen aus, wobei ihnen zwei verschiedene Hühnerfiletprodukte gezeigt wurden. Sie wurden gefragt, ob und gegebenenfalls welches sie kaufen würden. Eine der beiden Gruppen erhielt nur die auf der Verpackung verfügbaren Informationen wie Etikett und Preis. Die andere Gruppe erhielt zusätzliche Informationen und die bei der Herstellung verwendeten Futtermittel wurden auf jedem Produkt angegeben. Die Informationen zum Futtermittel beeinflusste die Präferenzen. Da Spirulina-Alge die Farbe des Endprodukts drastisch verändert, sind zusätzliche Informationen erforderlich, um diese Produkte für die Verbraucher marktfähig zu machen. Überraschenderweise bevorzugten die Testpersonen Fleisch von Broilern, die mit Insektenmehl gefütterten wurden, am meisten. Wenn das Futtermittel jedoch gekennzeichnet wurde, bevorzugten nur noch nachhaltig orientierte Verbraucher Insekten als Futtermittel. Daher sollten Insekten als Futtermittel in Geflügelprodukten mit voller Transparenz gegenüber Endverbraucherinnen und -verbrauchern gekennzeichnet werden, um künftige Rückschläge oder Misstrauen zu vermeiden. „Wenn diese Produkte jedoch auf dem Markt erhältlich sind, wird die Akzeptanz wahrscheinlich steigen“, sagt Dr. Brianne Altmann, die leitende Forscherin.

Obwohl Spirulina in einigen Kulturen bereits seit langem als Futtermittel verwendet wird, wird es derzeit als Nahrungsergänzungsmittel angebaut und ist nach wie vor viel teurer als Sojamehl. Andererseits sind Insekten seit kurzem in der Europäischen Union als Futtermittel in der Geflügelproduktion zugelassen. Ein Nachteil der derzeitigen Gesetzgebung, der die Nachhaltigkeit behindert, besteht darin, dass Insekten für Futtermittel wiederum mit zertifizierten Futtermitteln aufgezogen werden müssen, wodurch die Insektenaufzucht in direktem Wettbewerb mit der Aufzucht von fleischliefernden Nutztieren steht. „Um die Akzeptanz und die Nachhaltigkeit alternativer Futtermittel zu erhöhen, sind Fortschritte in der Produktion, wie zum Beispiel die Vergrößerung der Produktionskapazitäten und die Einbindung von Nebenströmen und Abfallprodukten, dringend erforderlich“, erläutert Altmann.

Originalveröffentlichung: Brianne A. Altmann, Sven Anders, Antje Risius, Daniel Mörlein: Information Effects on Consumer Preferences for Alternative Animal Feedstuffs (Food Policy).

Kostenlos zum Herunterladen bis 15. Januar 2022

Quelle;
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften, Department für Nutztierwissenschaften
Abteilung Produktqualität tierischer Erzeugnisse

Neues Virus aus China bedroht Gänsehaltung

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Von Dr. Ferdinand Schmitt, Fachtierarzt für Geflügel, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Ein neues Virus treibt sein Unwesen: das Polyomavirus. Es verursacht die hämorrhagische Nephritis Enteritis (HNE) der Gänse und verursacht große Schäden, weil derzeit noch kein Impfstoff oder Medikament dagegen vorliegt.

Mit der Produktion von ca. 3000 Tonnen Gänsefleisch im Jahr gehört Deutschland nicht zu den weltweiten Spitzenreitern wie China, Polen und Ungarn. Dennoch spielt die Gans bei vielen Direktvermarktern eine große Rolle. So wird diese für St. Martin und Weihnachten in extensiver Haltung gemästet und ab Hof verkauft. Durch eine geringe Anfälligkeit für Krankheiten in Kombination mit überschaubaren Haltungsansprüchen bietet dies oftmals ein lukratives Nebeneinkommen.

Zu den bedeutendsten Erkrankungen der Gänse gehören die Parvovirose (Gänsepest oder Derzysche Erkrankung), sowie die Entenpest. Neuerdings treten v.a. im asiatischen Raum auch das Gänseherpesvirus und das Circovirus auf und verursachen dort hohe Schäden. In den Sektionen des Tiergesundheitsdiensts kamen folgende Erkrankungen bei Gänsen und Enten am häufigsten vor (Grafik 1). Doch wie man anhand der Grafik sehen kann, breitet sich seit kurzer Zeit in Deutschland ein hierzulande noch weitgehend unbekanntes Virus in der Gänsepopulation aus. Dieser Erreger ruft die als hämorrhagische Nephritis Enteritis (HNE) der Gänse bezeichnete Krankheit hervor. Die Tiere zeigen heftige, blutige Darm- und Nierenentzündungen.

Dieses Virus wurde vermutlich aus China eingeschleppt und breitet sich seit einigen Jahren in Polen und Ungarn aus, weil dort eine intensive Gänsemast im großen Stil stattfindet. Von dort wurde das Virus vermutlich nach Deutschland eingeschleppt und trifft hier auf eine naive Population. Die Biosicherheitsmaßnahmen in der extensiven und kleinteiligen Gänsemast in Deutschland sind nicht besonders gut, so dass eine Verschleppung des Virus einfach ist.

Hämorrhagische Nephritis Enteritis der Gänse
Das Virus ist sehr resistent gegenüber Umwelteinflüssen und bleibt bis zu mehreren Monaten temperaturabhängig infektiös. Die Virusübertragung findet vor allem von Tier zu Tier über Kot statt. Eine Übertragung über das Ei konnte nicht nachgewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen werden. Als wichtigste Infektionsquelle gelten Gänse über 14 Wochen, da die Krankheit nur bei jüngeren Artgenossen ausbricht. Elterntiere können somit latente Virusüberträger sein, ohne klinische Symptome zu zeigen.

Allerdings kommt auch Enten als Überträger eine bedeutende Rolle zu. Diese können sich infizieren, das Virus ausscheiden, erkranken aber nicht an diesem und gehören somit zu den wichtigsten Überträgern nach der Gans selbst. Da oftmals Gänse und Enten gemeinsam in einer Herde gehalten werden, kann das Virus problemlos von der Ente auf die Gans überspringen. Dies ist in Großbetrieben nicht üblich, so dass diese geschützt sind. Zudem haben diese Betriebe bessere Biosicherheitsmaßnahmen installiert. Doch kleinere Betriebe haben häufig nicht die Möglichkeit, die Tierarten getrennt zu halten.

Die Durchseuchung der Herde kann sich abhängig von der Zahl der Tiere über zwei bis drei Wochen hinziehen, wobei immer wieder Gänse plötzlich oder nach kurzer Krankheitsdauer versterben. Erkrankte Tiere zeigen Gangschwierigkeiten, Apathie, Atemnot und mitunter blutigen, übelriechenden Durchfall. Betroffen sind vor allem Gänse im Alter zwischen vier und 14 Wochen. Die Sterblichkeit in der Herde kann bis zu 80 % betragen, liegt jedoch meist zwischen 10-40 %.

Diagnose
Eine Sektion der Tierkörper kann die gesicherte Diagnose (HNE) durch diverse Untersuchungen erbringen. Dazu sollten bestenfalls ganze Tierkörper in einer auslaufsicheren Plastiktüte verpackt, in Zeitungspapier gewickelt und in einer weiteren Plastiktüte, gegebenenfalls mit Kabelbindern verschlossen, abgegeben werden. Abgabe erfolgt in einer Styropor- oder Pappschachtel an die Pathologie der Zentrale des TGD in Grub bei Poing oder an ein anderes Untersuchungsamt.

Behandlung


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TVT etabliert den Begriff „Qualhaltung“ in der Nutztierhaltung

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Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) etabliert den Begriff „Qualhaltung“ in der Nutztierhaltung und fordert Ampelkoalition auf, diese in allen Bereichen abzustellen

„Qualzuchten“ sind laut Tierschutzgesetz verboten. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz fordert zusätzlich den Verzicht auf „Qualhaltungen“. Unter diesem neuen Begriff fasst die TVT die dauerhafte Haltung von Nutztieren in Haltungssystemen und unter Haltungsbedingungen zusammen, die verhindern, dass die Tiere ihre angeborenen Verhaltensweisen ausüben und/oder ihre Grundbedürfnisse ausreichend befriedigen können. Den so gehaltenen Tieren werden dadurch vermeidbare anhaltende Schmerzen, Schäden und Leiden zugefügt.

Im Koalitionsvertrag hat die neue Regierung angekündigt, dass die Landwirte dabei unterstützt werden sollen, die Nutztierhaltung in Deutschland artgerecht umzubauen. Laut Vertrag wird die Investitionsförderung künftig nach den Haltungskriterien ausgerichtet und in der Regel nur nach den oberen Stufen, also nicht bei extremen Qualhaltungen, gewährt.

Schon 2020 hatte der Deutsche Ethikrat festgestellt, dass es zwischen den Vorstellungen von einer angemessenen Tierhaltung und der in vielen Bereichen üblichen Praxis erhebliche Differenzen gibt. Der in aller Regel freundlichen Zuwendung gegenüber Haustieren auf der einen Seite, stehen teilweise nicht akzeptable Zustände in der Nutztierhaltung gegenüber, die die meisten Menschen ablehnen. Damit ist der Umbau der derzeitigen Nutztierhaltung nötig, hin zu tiergerechteren Haltungssystemen (mehr Platz, Zugang zu Frischluft, strukturierte Buchten mit Einstreu und Möglichkeiten der Beschäftigung), den Bedürfnissen der Tiere angemessenen Betreuungsintensitäten sowie das Unterlassen von die Tiere verstümmelnden Maßnahmen wie das Schwänzekupieren und Schnäbelkürzen. Gute Vorschläge dazu, wie der Erneuerungprozeß sofort angegangen werden kann, wurden unter der letzten Regierung durch das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“, der sogenannten Borchert-Kommission, bereits vorgelegt. Leider ist davon im Koalitionsvertrag nichts mehr zu lesen.

„Wir befürchten, dass jetzt wieder Kommissionen und Gremien sich damit beschäftigen müssen, wie der Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung erfolgen soll“, so Andreas Franzky, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. „Damit würden wieder Jahre ins Land gehen ohne dass sich etwas ändert. Die zukünftige Regierung muss sich dann daran messen lassen, dass die vorliegenden Ergebnisse genutzt und zeitnah, ohne jahrzehntelange Übergangsfristen umgesetzt werden. Qualhaltung darf in der kommenden Regierung keine Zukunft haben“ .

Die TVT ist ein Zusammenschluss aus deutschlandweit mehr als 1.500 Tierärztinnen und Tierärzten, die sich ehrenamtlich für den Schutz und die Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Tieren einsetzen. Sie erarbeiten Merkblätter, Stellungnahmen, Gutachten und Leitlinien zu aktuellen Tierschutzthemen und arbeiten in verschiedenen Kommissionen und Beiräten mit. Die TVT kümmert sich um die aktuell drängenden Probleme z. B. in der Zucht (Defekt- und Extremzüchtungen), Haltung und Betreuung von Heim- und Nutztieren, bei Tiertransporten und Schlachtung sowie bei Tierversuchen, bei Tieren im Sport, in Zoos und Zirkussen oder im sozialen Einsatz.

Quelle: TVT

Geflügelpest: Weiterer Fall im Landkreis Harburg festgestellt

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Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Alle Vorsorgemaßnahmen strikt einhalten“

Das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat heute einen weiteren Fall von Geflügelpest in Niedersachsen festgestellt: Im Landkreis Harburg ist ein Bestand mit etwa 33.000 Geflügeltieren betroffen. Damit sind bisher neun Fälle von Geflügelpest bei gehaltenen Tieren in Niedersachsen bestätigt. Bei Wildvögeln wurden bislang 25 Feststellungen verzeichnet. Betroffen sind die Landkreise Aurich, Cuxhaven, Friesland, Harburg, Leer, Osnabrück, Osterholz, Stade, Wesermarsch sowie die Stadt Wilhelmshaven.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „In den vergangenen Tagen hat sich leider bestätigt, was wir bereits befürchtet hatten: Die Dynamik der Geflügelpest ist noch einmal größer als 2020. Nun gilt es, alle Vorsorgemaßnahmen strikt einzuhalten. Dazu gehören die Biosicherheit, die Kontaktbeschränkung auf das notwendige Maß und die Einhaltung der Aufstallungsanordnungen. Jeglicher Kontakt zu Wildvögeln ist zu vermeiden.“

Ministerin Otte-Kinast hatte bereits am 19. November den Tierseuchenkrisenfall für Niedersachsen festgestellt. Konkret wurde dadurch das Tierseuchenkrisenzentrums im Ministerium aktiviert und die Einrichtung eines Krisenkoordinierungsstabes beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg angeordnet. Die Ministerin steht dem Landeslenkungsstab vor, der sich aus einem interministeriellen Krisenstab, Verbänden, Kammern und Vertretern der Tierseuchenkasse zusammensetzt. Außerdem wurde das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) einbezogen.

Alle aktuellen Informationen zur Geflügelpest inklusive der Aufstallungsgebote der Landkreise sind zu finden hier.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Repräsentative ZDG-Umfrage zu Anforderungen an Nutztierhaltung

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Die Deutschen drängen auf mehr Tierwohl in der Breite. Fortschritte sollen klarer, umfassender und fairer als bisher sein, Fleischverzicht und Bio-Zwang sind von der Mehrheit nicht gewünscht. Die Anliegen des Klimaschutzes stellen sie im Zweifel zurück. Diese klaren Botschaften an Politik und Geflügelfleischwirtschaft senden die Menschen in Deutschland in einer repräsentativen Umfrage zu Klimaschutz und Tierwohl in der Nutztierhaltung, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Civey* im Auftrag des ZDG.

Die Befragung mit 2.500 Teilnehmern widmet sich den Einstellungen der Verbraucher im Hinblick auf den Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Klimaschutz. Denn tierwohlgerechtere Ställe mit Außenklima und Tieren, die länger leben, verschlechtern die an sich gute Ökobilanz von Geflügelfleisch durch steigende CO2-Emissionen unter anderem aufgrund des höheren Futtermittelbedarfs.

Tierwohl versus Klimaschutz – die Politik muss Prioritäten setzen
Jeder zweite Teilnehmer (50 Prozent) wünscht sich demnach, dass sich die Geflügelfleischwirtschaft gleichermaßen um Fortschritte beim Klimaschutz und beim Tierwohl kümmert. Allerdings offenbaren die Befragten eindeutige Prioritäten: Während 41 Prozent die Geflügelwirtschaft vor allem beim Thema Tierwohl in der Pflicht sehen, weisen ihr nur knapp 7 Prozent den Klimaschutz als vordringliche Aufgabe zu. „Wenn es darauf ankommt, rangieren bei den Menschen Tierwohlaspekte deutlich vor Klimaschutzanliegen“, fasst Friedrich-Otto Ripke zusammen, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG). „Wir müssen im Dialog mit der Politik schleunigst zu einer pragmatischen Priorisierung der Aufgaben kommen, denn unsere Geflügelhalter geraten zunehmend in Bedrängnis und Existenznot beim Versuch, beide Ziele gleichzeitig zu erfüllen.“

Starker Wunsch nach Fleischkonsum
Insgesamt sehen 81 Prozent der Befragten die Politik in der Pflicht, schnell gesetzliche Rahmenbedingungen für Fortschritte in der Geflügelhaltung zu schaffen – und zwar sowohl beim Tierwohl als auch beim Klimaschutz. Veränderungen sind gewünscht, aber keine Konsumverbote: Eine überwältigende Mehrheit von 80 Prozent will dabei nicht komplett auf Fleisch verzichten. Ripke: „Deutschland braucht einen starken Fleischstandort, der zur Ernährungssicherheit beiträgt und durch zukunftsweisende Haltungsstandards ein Vorbild für andere setzt.“ Die Verbraucher haben zudem klare Vorstellungen bei Geflügelfleischimporten: 88 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die EU die Rahmenbedingungen so setzt, dass Fleisch im europäischen Binnenmarkt gleiche Tierwohl- und Qualitätsstandards erfüllt.

Anforderungen an Tierwohl und Klimaschutz dürfen nach dem Willen der Bevölkerung nicht in Preise münden, die weite Teile der Gesellschaft überfordern: Zwar ist ein respektabler Anteil von 43 Prozent der Befragten bereit, für mehr Tierwohl teures Bio-Fleisch für über 20 Euro pro Kilo zu kaufen, die relative Mehrheit (49 Prozent) lehnt dies aber ab. „Es muss einen Weg nach vorne geben, der bei den Verbraucherpreisen Maß und Mitte hält“, kommentiert ZDG-Präsident Ripke. Interessant: Bei der Bio-Frage zeichnet sich eine Lagerbildung innerhalb der „Ampel“-Koalition ab. Der Anteil ausschließlicher Bio-Käufer ist bei Grünen-Wählern besonders hoch (78 Prozent), bei SPD- und FDP-Anhängern aber deutlich niedriger (52 Prozent und 35 Prozent).

Votum für Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie
Wie die Umfrage weiter zeigt, wird Tierwohl außerhalb des Lebensmitteleinzelhandels den Verbrauchern immer wichtiger. Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent findet, dass die Angabe des Herkunftslands von Geflügelfleisch auf Speisekarten in Restaurants und Kantinen Pflicht sein sollte – so wie es in Supermärkten bereits der Fall ist. Die Zustimmung zur Kennzeichnung in der Gastronomie wäre wahrscheinlich noch höher, wenn die Bedeutung dieses Marktsegments breit verankert wäre. Nahezu zwei Dritteln (62 Prozent) der Befragten war nicht bewusst, dass hier rund 60 Prozent des Geflügelfleischs in Deutschland konsumiert werden – und dass es häufig aus dem Nicht-EU-Ausland mit teils niedrigeren Erzeugungsstandards kommt. Ripke: „Es wird Zeit für die Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie, wenn wir den vielfach geäußerten Wunsch nach mehr Tierwohl in die Breite tragen wollen.“

Neue Regierung darf in der Tierwohldebatte nicht bei Null anfangen
Im Hinblick auf den in dieser Woche vorgestellten Koalitionsvertrag findet Friedrich-Otto Ripke klare Worte: „Die neue Regierung muss der bereits laufenden Entwicklung im Tierwohl Rechnung tragen. Damit der deutsche Nutztierstandort nicht existenziell gefährdet wird, gilt es umgehend, die Beschlüsse des alten Bundestags und der Agrarministerkonferenz zu den Empfehlungen der Borchert-Kommission umzusetzen. Planungssicherheit und damit Investitionssicherheit für die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland kann nur eine vertraglich garantierte Tierwohlprämie bringen – der Markt alleine wird es nicht richten.“ Die angekündigte Tierhaltungskennzeichnung und die umfassende Herkunftskennzeichnung seien wichtige und dringend notwendige Schritte, so Ripke.

Der ZDG-Präsident sieht die neue deutsche Agrarpolitik in der Pflicht, keine zusätzlichen nationalen Schranken und Auflagen hochzuziehen, sondern die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Geflügelwirtschaft innerhalb der EU zu stärken, um ein weiteres Höfesterben in Deutschland zu verhindern. Derzeit gehe bei vielen Geflügelhaltern blanke Existenzangst um: „Die Eigenversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln ist nicht nur in Corona-Zeiten, sondern allgemein ein hohes Gut und Gesetzesauftrag jeder Bundesregierung!“

*Civey hat für den ZDG im Oktober 2021 über 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahren sowie über 1.000 “Häufige und gelegentliche Fleischkonsumenten und Flexitarier” online befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,4% (Bundesbürger) bzw. 5,5 – 5,8% (Fleischkonsumenten).

Quelle: ZDG

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+ Staat muss auf bestehenden Programmen aufbauen und darf diese nicht gefährden
+ Alle Branchen müssen einbezogen werden – auch Gastronomie, Fleischerhandwerk und Großhandel
+ ITW fordert als Deutschlands größtes Tierwohl-Programm und Trägerin der Haltungsform-Kennzeichnung von der Politik Einbeziehung in die Lösungsentwicklung

Am Mittwoch den 24.11. veröffentlichte die künftige Regierungskoalition aus SPD, Grüne und FDP ihren Koalitionsvertrag. Darin formuliert die Ampel-Koalition auch Pläne zur Weiterentwicklung des Tierwohls in Deutschland. U.a. soll eine „verbindliche Tierhaltungskennzeichnung“ geschaffen werden, die von „Marktteilnehmer(n) getragen“ werde, „ohne den Handel bürokratisch zu belasten“. Hierzu äußert sich der Geschäftsführer der Initiative Tierwohl (ITW), Dr. Alexander Hinrichs:

„Wir begrüßen alle Pläne, die die Förderung des Tierwohls zum Ziel haben und das marktnah entwickeln möchten. Wichtig ist dabei auch die im Koalitionsvertrag angestrebte Planungs- und Investitionssicherheit. Die Wirtschaft hat mit der Initiative Tierwohl in den letzten Jahren ein bewährtes System zur Förderung des Tierwohls bei inzwischen über 10.000 landwirtschaftlichen Betrieben entwickelt. Mit der Haltungsform-Kennzeichnung haben die führenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels ein inzwischen breit anerkanntes Kennzeichnungsprogramm etabliert. Bei den von der Koalition geäußerten Zielen gilt es jetzt, von vornherein den Weg der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu gehen.“

Dabei gibt es aus Sicht der ITW drei zentrale Forderungen:

1) Die Politik muss bestehende Tierwohl-Programme in Ihren Planungen berücksichtigen und darf deren Erfolge keinesfalls gefährden. Mit der Initiative Tierwohl existiert bereits ein Programm mit einer Durchdringung von 70 Prozent bei der Geflügelerzeugung und 34 Prozent bei Schweinen.

2) Es ist richtig, dass der Handel nicht bürokratisch belastet werden soll. Es reicht aber nicht aus, einzig den Lebensmitteleinzelhandel in den Blick zu nehmen. Auch andere Abnehmer wie die Gastronomie, das Fleischhandwerk und der Großhandel müssen einbezogen werden.

3) Als Deutschlands größtes Tierwohl-Programm und Trägerin der bekannten Haltungsform-Kennzeichnung fordert die ITW von der Ampel-Koalition eine maßgebliche Einbeziehung in die Lösungsentwicklung.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Höchste Achtsamkeit geboten: Ausbruch von Geflügelpest in den Landkreisen Paderborn und Soest

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Staatssekretär Dr. Bottermann: Geflügelpestfälle treffen die hiesige Geflügelwirtschaft schwer.

Das Friedrich-Loeffler-Institut hat als zuständiges Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit das hochansteckende Vogelgrippe-Virus (Influenza-A-Virus vom Subtyp H5N1) bei inzwischen getöteten 7.400 Puten in einem Mastbetrieb sowie bei 43.000 ebenfalls bereits getöteten Junghennen festgestellt. Beide Betriebe liegen in der Gemeinde Delbrück im Kreis Paderborn. Am 20. November 2021 ist die Viruserkrankung auch in einem unmittelbaren Kontaktbetrieb in Lippstadt im Landkreis Soest ausgebrochen. Hier mussten 8.600 erkrankte Putenhähne und 8.000 Putenküken vorsorglich getötet werden.

„Die Ausbrüche der Geflügelpest treffen die hiesige Geflügelwirtschaft schwer. Das nachgewiesene Virus ist sehr aggressiv und lässt die Tiere mit schweren Symptomen zahlreich verenden“, sagte Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann. „Alle Geflügelhalter müssen nun höchste Achtsamkeit und Sorgfalt walten lassen.“

Unter anderem mit Schutzzonen im Umkreis von drei Kilometern und Überwachungszonen im Umkreis von zehn Kilometern um die betroffenen Betriebe sollen weitere Ansteckungen verhindert werden. Die eingerichteten Restriktionszonen reichen bis in die Kreise Gütersloh und Warendorf hinein. In diesen Bereichen gelten besonders strenge Auflagen für Geflügelhalter.

Zur Eindämmung der Tierseuche müssen außerdem in den Kreisen Paderborn, Gütersloh und Soest im gesamten Kreisgebiet sämtliche Hühner, Puten und weiteres Geflügel im Stall bleiben. Darüber hinaus wurden im gesamten Land Geflügelausstellungen und -märkte verboten. Außerdem müssen Geflügelhändler im Reisegewerbe besondere Vorsichtsmaßnahmen einhalten, wenn sie weiterhin Geflügel aus dem Auto heraus verkaufen möchten. So muss das Geflügel längstens vier Tage vor dem Verkauf durch einen Tierarzt untersucht werden und bei Wassergeflügel muss die tierärztliche Untersuchung durch eine Laboruntersuchung ergänzt werden. Diese Präventionsmaßnahmen sollen die Verbreitung der Geflügelpest verhindern.

Die Infektionskrankheit, auch Vogelgrippe genannt, kommt vor allem bei Wassergeflügel und Hühnervögeln vor. Bei intensivem Kontakt können sich auch Menschen anstecken. Eine Übertragung über infizierte Lebensmittel gilt aber als unwahrscheinlich. Die Geflügelpest ist eine Seuche, die nach den Tierseuchenbekämpfungsvorgaben der Europäischen Union bekämpft wird.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Gesucht: Innovationen zur Verbesserung der Kälber- und Jungviehgesundheit

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Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ruft Forschungseinrichtungen und Unternehmen dazu auf, Innovationen zu entwickeln, die einen Beitrag zu verschiedenen Aspekten der Kälber- und Jungviehgesundheit leisten. Projektskizzen können bis zum 03. März 2022, 12 Uhr, bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eingereicht werden.

Mit der „Förderung von Innovationen zur Verbesserung der Kälber- und Jungviehgesundheit“ soll die Tiergesundheit und das Tierwohl in der Kälber- und Jungviehaufzucht weiter gesteigert und somit ein Beitrag zur nachhaltigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Landwirtschaft geleistet werden.

Untersuchungen in Milchviehbetrieben zeigen, dass gerade bei Kälbern während der Aufzucht eine hohe Gefahr, beispielsweise für das Auftreten von Atemwegserkrankungen oder Nabel- und Gelenkentzündungen, besteht. Erkrankungen haben nicht nur akute und kurzfristige Auswirkungen, sondern beeinflussen das weitere Kälberleben. Für die spätere Leistungsfähigkeit von Milchkühen und Masttieren ist eine optimale Aufzuchtphase von essenzieller Bedeutung.

Im Fokus: Betriebsübergreifende Lösungen
Durch präventive Maßnahmen – wie einer Verbesserung und Optimierung der Haltung und des Managements – können behandlungs-bedürftige Erkrankungen, die sich auf das Tierwohl auswirken, verringert oder verhindert werden. Dabei müssen die Ansätze idealerweise betriebsübergreifende Lösungen anbieten. Die BMEL-Förderung umfasst deshalb alle Betriebszweige wie die Milchvieh- und Jungviehaufzuchtbetriebe, Kälber- und Rindermastbetriebe und Mutterkuhbetriebe sowie den gesamten Zeitraum von der Geburt über die Kälber- bis zur Jungrinderaufzucht.

Trotz präventiver Maßnahmen lassen sich Erkrankungen jedoch nicht immer verhindern. Somit werden auch Ansätze gesucht, die die Landwirtschaft unterstützen mit Hilfe intelligenter Technik, Gesundheitsüberwachungs- und Dokumentationsunterstützungssysteme die Vitalität der Jungtiere kontinuierlich zu beobachten und so frühzeitig aufkommende Krankheitsfälle zu erkennen.

Weitere Informationen zur Bekanntmachung und Skizzeneinreichung auf der BLE-Homeepage

Quelle: Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Rindergrippe – sind Impfungen die Lösung?

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Von Dr. Ingrid Lorenz, Fachabteilungsleiterin Rindergesundheitsdienst, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Unter dem Begriff Rindergrippe werden Erkrankungen der Atemwege zusammengefasst, die durch verschiedene Viren und Bakterien hervorgerufen werden können. Diese Infektionserreger alleine können allerdings ein abwehrstarkes Rind unter günstigen Haltungsbedingungen in der Regel nicht krank machen. Daher spricht man bei der Rindergrippe, ebenso wie beim Kälberdurchfall, von einer klassischen Faktorenerkrankung. Impfungen sind ein Faktor unter vielen, die bei bestandsweise gehäuft auftretenden Erkrankungen in Betracht gezogen werden müssen.

Welche Infektionserreger sind beteiligt?
In der Regel handelt es sich um Mischinfektionen, wobei die Gruppe der mit der Rindergrippe in Zusammenhang gebrachten Viren am Größten ist. Traditionell wird den Viren eine Art Schrittmacherfunktion (Wegbereiter) für die beteiligten Bakterien nachgesagt. Das bedeutet, dass die Virusinfektion die Abwehrmechanismen des Atmungsapparates schädigt, so dass sich anschließend bakterielle Infektionen leichter ausbreiten können. Mittlerweile wird allerdings auch vermutet, dass unter besonders ungünstigen Bedingungen Bakterien alleine auch Erkrankungen auslösen können. In jedem Fall bestimmen aber die beteiligten Bakterien die Schwere und den Verlauf der Erkrankung. Gegen sie richten sich auch vornehmlich die einzuleitenden Behandlungsmaßnahmen. Die wichtigsten bakteriellen Erreger sind Mannheimia haemolytica und Pasteurella multocida. Sie haben unter anderem die Fähigkeit, Gewebsgifte (Toxine) zu bilden, die das Lungengewebe zum Absterben bringen. Derart zerstörte Lungenbereiche werden schlechter durchblutet und können deshalb von antibakteriellen Medikamenten nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr erreicht werden. Zudem fallen diese Lungenbezirke meist auf Dauer für den Gasaustausch aus. In verschleppten (chronischen) Fällen kommt häufig ein weiteres Bakterium (Trueperella pyogenes) hinzu. Dieser typische Eitererreger findet sich vornehmlich in Abszessen, die in absterbendem Lungengewebe entstehen. Bei derart veränderten Lungen verschlechtern sich die Heilungschancen drastisch. Mykoplasmen spielen eine gewisse Sonderrolle im Rindergrippegeschehen. An diese Erreger muss gedacht werden, wenn Erkrankungen ungewöhnlich schlecht auf die gewohnte Behandlung ansprechen oder wenn auch Ohrentzündungen oder Gelenksentzündungen bei den Patienten auftreten

Welche Umweltfaktoren haben einen Einfluss?
Im Prinzip schwächt alles die Abwehrkraft des Kalbes, was Stress macht. Den größten Stress erleben Kälber in aller Regel im Rahmen der Vermarktung zur Mast (Transport, Gruppenbildung, Futterumstellung, Austausch bisher unbekannter Viren und Bakterien). Hinzu kommt noch, dass diese Kälber oft nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden und dadurch die Schleimhäute des Atmungsapparates austrocknen. Das führt dazu, dass die lokalen Abwehrsysteme in den oberen Atemwegen nicht mehr richtig funktionieren. Zudem findet die Vermarktung in der Regel im Zeitraum der „immunologischen Lücke“ statt.


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Geflügelpest: Ministerin Otte-Kinast stellt Krisenfall fest

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Das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat bislang 8 Fälle von Geflügelpest bei gehaltenen Tieren in Niedersachsen bestätigt. Bei Wildvögeln wurden bislang 14 Feststellungen verzeichnet. Zum Schutz der Bestände vor der aggressiven Tierseuche haben bereits viele Landkreise ein Aufstallungsgebot für Freilandgeflügel erlassen.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Wir nehmen leider eine noch größere Dynamik als 2020 wahr. Deshalb habe ich den Tierseuchenkrisenfall für Niedersachsen festgestellt, die Aktivierung des Tierseuchenkrisenzentrums in meinem Ministerium und die Errichtung des Krisenkoordinierungsstabes beim LAVES angeordnet.“

Die Ministerin steht dem Landeslenkungsstab vor, der sich aus einem interministeriellen Krisenstab, Verbänden, Kammern und Vertretern der Tierseuchenkasse zusammensetzt. Außerdem wurde das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) einbezogen.

In Niedersachsen werden rund 106,6 Millionen Geflügeltiere in 53.650 Beständen gehalten.

Aktuell gemeldete Bestands- und Tierzahlen sind der Webseite der Niedersächsischen Tierseuchenkasse zu entnehmen.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Salmonellen im Schweinebestand—Wo liegt das Problem und wie groß ist es aktuell?

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Von Dr. Anja Rostalski, TGD Bayern e.V*., Fachabteilung SGD, *gefördert von BStMELF/BTSK

Das Salmonellen-Monitoring von Schlachtschweinen ist seit 2002 über das deutsche Prüfsiegelprogramm „QS“ etabliert und wurde 2007 mit Erlass der Schweine-Salmonellen-Verordnung für alle Mastschweinehaltungen mit mehr als 50 Mastplätzen gesetzlich verpflichtend. Ziel der Verordnung ist es, durch regelmäßige Stichproben bei den Schlachttieren verdeckte Salmonelleninfektionen im Bestand zu finden und somit Salmonelleneinträge in die Schlachthöfe und die Lebensmittelkette zu vermeiden. Hat die Verordnung Erfolg gebracht?
Salmonellen sind klassische Zoonose-Erreger und waren laut RKI (Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2020) auch im Pandemie-Jahr 2020 noch die zweithäufigste Ursache für Lebensmittelvergiftungen beim Menschen. Trotz insgesamt stark rückläufiger Infektionszahlen wurden bei 74 % der humanen Salmonellosen in Deutschland die Serovare S. Enteritidis und Typhimurium nachgewiesen. Beide Serovare sind nicht wirtsspezifisch und können z.T. symptomlos bei vielen Tierarten, aber auch Nutztieren wie Schweinen und Geflügel, zirkulieren. In der Regel zeigen sich Krankheitssymptome erst bei der Aufnahme relativ hoher Erregermengen. Ausgewachsene Schweine sind oft nur subklinisch infiziert bzw. besiedelt, scheiden aber unter Stress, Fütterungsfehlern oder anderen Erkrankungen Salmonellen aus und bilden Antikörper.

Die regelmäßigen Quartalsauswertungen der QS-Salmonellendatenbank „Qualiproof“, in die mittlerweile 92 % aller Untersuchungen auf Salmonellen aus unseren Schweinebeständen eingepflegt werden, waren dazu gedacht, Problembetriebe sicher zu identifizieren und einer zeitnahen Sanierung zuzuführen. Betriebe, die innerhalb eines Jahres mehr als 40 % positiver Proben auf Salmonellen-Antikörper haben, gelten als besonders risikoreich und werden in Kategorie 3 eingestuft. Sie müssen laut Salmonellenverordnung Beratung einholen, die möglichen Eintragsquellen finden und Maßnahmen zur Reduktion einleiten. Lange Zeit hatte sich der Anteil der Kat. 3-Betriebe trotz aller Bemühungen nicht wie erhofft verringert, im Gegenteil. Der Anteil an Betrieben, die allmählich in die Kategorie 2 kletterten, stieg ebenfalls besorgniserregend über 20 % (QS, 2016).

Der Umschwung
In 2019 bahnte sich allmählich eine ungewöhnliche Trendwende an, und seither bewegen sich Kat. 2 (11,7 %) – und Kat. 3 (1,3 %) -Betriebe bundesweit auf gleichbleibend niedrigem Niveau (QS 2021). Wie ist das zu erklären?

Es gibt sicher nicht die „EINE“ Maßnahme, die die Salmonellenprävalenz in Deutschland auf wundersame Weise gesenkt hat, sondern es sind eher verschiedene Erkenntnisse und Erfahrungen aus der jahrelangen Salmonellenberatung, die nun gebündelt einen Effekt zeigen.

Eine wichtige Erkenntnis der Beratung ist, dass Salmonellen nur in Ausnahmen ein Problem in der Mast sind. Zwar können Kat. 3-Betriebe durch akute Kontaminationen hohe Seroprävalenzen aufweisen, aber in solchen Betrieben findet man Salmonellen und kann durch Verbesserung der Hygiene das Problem schnell beheben. Aber da waren auch immer Betriebe, die hatten einen neuen Stall, eine gute Hygiene, viel Beratung, viel Diagnostik und nie eine Salmonelle nachweisbar… und steckten trotzdem in Kat. 3 fest. Als allerletzte Maßnahme blieb dann nur noch der Wechsel zu einer anderen Ferkelherkunft, und damit war das Problem nicht selten gelöst.

Auf der Stufe der Zucht oder der Ferkelerzeugung besteht in Deutschland keine Untersuchungspflicht, aber es gab in den letzten 3-4 Jahren bundesweit verschiedene Projekte, in denen sich vor allem die SGDs um den Status von Sauenhaltungen gekümmert und Hygiene- und auch Impfprogramme aufgelegt haben. In serologisch auffälligen Betrieben lassen sich Salmonellen oft am besten bei den immunologisch schwächsten Tieren im Bestand nachweisen: in der Ferkelaufzucht (Casanova-Higes et al., 2019). Dass den Flatdecks eine maßgebliche Rolle in der Salmonellenepidemiologie zukommt, liegt an der Kombination verschiedener Faktoren, die je Betrieb mehr oder weniger stark ausgeprägt sind, aber gemeinsam immer das Potential haben, Salmonelleninfektionen zu triggern. Hier treffen schließlich Absetzstress auf neue Umgebungsflora, fremdes Futter, ungewohnte Stalltechnik, Crowding und ein naives Immunsystem.

Darmmikrobiom wichtig für Erregerabwehr
Durchfall in der Ferkelaufzucht ist leider keine Seltenheit, dennoch hat man Salmonellen nicht gleich auf dem Schirm. Routinebehandlungen gegen E.coli drücken Salmonellen in den Hintergrund, eliminieren sie jedoch nicht. Neue Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung zeigen, dass jede Form von Antibiose in der frühen Entwicklungsphase das Mikrobiom des Ferkels nachhaltig verändert.


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Geflügelpest: amtlicher Verdachtsfall in Geflügelhaltung im Kreis Paderborn

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Die hochpathogene Geflügelpest hat Nordrhein-Westfalen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr erreicht. Seit dem 16.11.2021 besteht der Verdacht des Ausbruchs der Tierseuche in einem Mastputenbetrieb im Landkreis Paderborn. Der Betrieb wurde vorsorglich gesperrt und alle erforderlichen Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen veranlasst. Die Bestätigung und Bestimmung des Virus-Subtyps durch das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut) steht noch aus. Zur Koordinierung und Abstimmung weiterer Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium das Landestierseuchenkontrollzentrum (LaTiKo) einberufen.

„Die Geflügelhalter in Nordrhein-Westfalen müssen jetzt noch wachsamer sein“, appelliert Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann. „Nur konsequent eingehaltene Biosicherheitsmaßnahmen können Hausgeflügelbestände effektiv vor einer Eintragung des Erregers schützen.“ In einer heutigen Telefonkonferenz mit der Geflügelwirtschaft, den Landkreisen und dem LANUV appellierte der Staatssekretär an die Branche, alles dafür zu tun, eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. So sollten der Direktverkauf an Tierhalter sowie Transporte in diesen Zeiten aus Vorsorgegründen eingeschränkt werden.

Zu den Maßnahmen gehört unter anderem, dass Tiere nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden dürfen. Zudem darf kein Oberflächenwasser für das Tränken der Tiere genutzt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen kann, müssen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden. Bei erhöhten Tierverlusten im Bestand ist zudem eine veterinärmedizinische Untersuchung vorgeschrieben, um ein unklares Krankheitsgeschehen im Bestand abzuklären und das Vorliegen einer Infektion mit Geflügelpestviren auszuschließen. Sollten Geflügelhaltungen bislang nicht beim der Tierseuchenkasse Nordrhein-Westfalen registriert worden sein, sollte dies schnellstens nachgeholt werden. Bürgerinnen und Bürger werden darüber hinaus gebeten, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögeln dem Veterinäramt des jeweiligen Kreises bzw. der jeweiligen kreisfreien Stadt zu melden.

Deutschland und Europa erlebten zwischen Oktober 2020 und April dieses Jahres eine schwere Geflügelpest-Seuchenlage. Nach einem kurzfristigen Rückgang von Fällen und Ausbrüchen in den Sommermonaten werden seit Mitte Oktober in Deutschland wieder vermehrt Geflügelpest-infizierte Wildvögeln in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gefunden. In Nordrhein-Westfalen konnte in den vergangenen Wochen der Virus bisher nicht nachgewiesen werden. Aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen wurden bereits Ausbrüche der hochansteckenden Geflügelseuche auch in Hausgeflügelbeständen gemeldet.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hat das Friedrich-Loeffler-Institut am 26.10.2021 seine Risikoeinschätzung zum Auftreten der Geflügelpest in Deutschland aktualisiert. Demnach wird das Risiko des Eintrags der Erkrankung in Geflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen als hoch eingestuft. Nicht nur aufgrund der aktuellen Verdachtsfälle der Virusinfektion gilt die Risikoeinschätzung und die sich daraus ergebenden Handlungsempfehlungen auch für hiesige Geflügelhalter.

Hintergrund:
Die Aviäre Influenza, auch Vogelgrippe genannt, ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die ihren natürlichen Reservoir-Wirt im wilden Wasservogel hat. Die Geflügelpest ist eine besonders schwer verlaufende Form der aviären Influenza. Sie wird durch sehr virulente (hochpathogene) Stämme aviärer Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 hervorgerufen. Für den Menschen besteht nur bei intensivem Kontakt mit infiziertem Geflügel die Gefahr einer Ansteckung.

Alle Nutzgeflügelarten, aber auch viele Zier- und Wildvogelarten sind hochempfänglich für die Infektion. Bei Hühnern und Puten werden die höchsten Erkrankungs- und Sterberaten beobachtet – teilweise bis zu 100 Prozent. Wasservögel erkranken seltener und oft weniger schwer, scheiden aber dennoch das Virus aus und können als Reservoir für Ansteckungen dienen.

Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und wird daher staatlich bekämpft. Die Grundlage für Präventions- und für Bekämpfungsmaßnahmen ist die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Weniger Stickstoff und Phosphor in der Schweinemast

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Wie lassen sich Nährstoffe in der Schweinemast sparsamer einsetzen? Ein Forschungsteam unter Federführung der Universität Bonn untersucht in den nächsten drei Jahren, wie sich die Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor der Tiere verringern lassen. Der Bund fördert das Projekt über die Landwirtschaftliche Rentenbank mit rund 1,6 Millionen Euro. Davon fließen etwa 870.000 Euro an die Universität Bonn.

Stickstoff und Phosphor sind wichtige Nährstoffe, die in der Landwirtschaft auch mit Blick auf die Umwelt möglichst effektiv eingesetzt werden sollen. Ein Zuviel des Guten wird über die Exkremente ausgeschieden und in Form von Gülle oder Mist als Dünger auf die Felder ausgebracht. Dabei besteht insbesondere in Regionen mit hoher Viehdichte die Gefahr, dass die nicht von den Pflanzen genutzten Nährstoffe zur Gewässereutrophierung und Grundwasserbelastung beitragen. Tierwissenschaftler der Universität Bonn untersuchen zusammen mit dem Max Rubner-Institut, dem Förderverein Bioökonomieforschung e.V. und der BHZP GmbH, wie sich in der Schweinemast züchterisch die Ausscheidungen dieser Nährelemente reduzieren lassen.

Geringere Umweltauswirkungen
„Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft gewinnt die Effizienz der Nährstoffverwertung in der Schweineproduktion an Bedeutung”, sagt Dr. Christine Große-Brinkhaus vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn. Ihre Kollegin Dr. Ines Brinke ergänzt: „So soll nicht nur die Umweltbelastung durch Gülle verringert werden, sondern auch die im Futter enthaltenen wichtigen Nährstoffe zielgerichteter eingesetzt werden“. Große-Brinkhaus: „Damit möchte man auch auf eine mögliche Verknappung der Futtermittel reagieren. Infolge des Klimawandels steigt das Risiko von Dürrejahren mit besonders negativen Auswirkungen auf hier angebaute Eiweißfuttermittel wie Sonnenblume oder Raps. Der angestrebte Verzicht auf den Einsatz von importiertem Soja wäre somit schwerer umzusetzen.“

Im Projekt „Genetische Verbesserung von Effizienzmerkmalen bei Schweinen zur Reduktion von Nährstoffausscheidungen” (EffiPig) sollen verschiedene Zuchtlinien anhand von unterschiedlich stark nährstoffreduzierten Futtermitteln untersucht werden. Ziel ist es, die Tiere mit möglichst geringen Nährstoffausscheidungen zu identifizieren. “Das kann dann die Grundlage für die Züchtung nährstoff-effizienterer Linien sein”, sagt Brinke. Neben den Effizienzmerkmalen soll auch das Tierwohl betrachtet werden. Denn Phosphor ist wichtig für die Knochen und damit für die Gesundheit des Bewegungsapparates der Tiere. Die Forscher wollen deshalb berücksichtigen, dass die Schweine ausreichend von diesem wichtigen Nährstoff für eine gesunde Entwicklung bekommen.

Weitere Informationen

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Video: Freilandschweine auf dem Biolandhof Frohnenbruch

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Freilandhaltung von Schweinen ist in Deutschland selten. Paul Bird vom Biohof Frohnenbruch hat sich in England angesehen, wie sie funktioniert und dann im Familenbetrieb selbst damit begonnen. Zunächst mit Mastschweinen und dann auch mit Sauen, von denen die erste sogar schon Ferkel bekommen hat.

Wie diese Haltungsform aussieht und was speziell zu beachten ist, zeigt und erklärt der junge Landwirt im Video.