Neues Virus aus China bedroht Gänsehaltung

Von Dr. Ferdinand Schmitt, Fachtierarzt für Geflügel, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Ein neues Virus treibt sein Unwesen: das Polyomavirus. Es verursacht die hämorrhagische Nephritis Enteritis (HNE) der Gänse und verursacht große Schäden, weil derzeit noch kein Impfstoff oder Medikament dagegen vorliegt.

Mit der Produktion von ca. 3000 Tonnen Gänsefleisch im Jahr gehört Deutschland nicht zu den weltweiten Spitzenreitern wie China, Polen und Ungarn. Dennoch spielt die Gans bei vielen Direktvermarktern eine große Rolle. So wird diese für St. Martin und Weihnachten in extensiver Haltung gemästet und ab Hof verkauft. Durch eine geringe Anfälligkeit für Krankheiten in Kombination mit überschaubaren Haltungsansprüchen bietet dies oftmals ein lukratives Nebeneinkommen.

Zu den bedeutendsten Erkrankungen der Gänse gehören die Parvovirose (Gänsepest oder Derzysche Erkrankung), sowie die Entenpest. Neuerdings treten v.a. im asiatischen Raum auch das Gänseherpesvirus und das Circovirus auf und verursachen dort hohe Schäden. In den Sektionen des Tiergesundheitsdiensts kamen folgende Erkrankungen bei Gänsen und Enten am häufigsten vor (Grafik 1). Doch wie man anhand der Grafik sehen kann, breitet sich seit kurzer Zeit in Deutschland ein hierzulande noch weitgehend unbekanntes Virus in der Gänsepopulation aus. Dieser Erreger ruft die als hämorrhagische Nephritis Enteritis (HNE) der Gänse bezeichnete Krankheit hervor. Die Tiere zeigen heftige, blutige Darm- und Nierenentzündungen.

Dieses Virus wurde vermutlich aus China eingeschleppt und breitet sich seit einigen Jahren in Polen und Ungarn aus, weil dort eine intensive Gänsemast im großen Stil stattfindet. Von dort wurde das Virus vermutlich nach Deutschland eingeschleppt und trifft hier auf eine naive Population. Die Biosicherheitsmaßnahmen in der extensiven und kleinteiligen Gänsemast in Deutschland sind nicht besonders gut, so dass eine Verschleppung des Virus einfach ist.

Hämorrhagische Nephritis Enteritis der Gänse
Das Virus ist sehr resistent gegenüber Umwelteinflüssen und bleibt bis zu mehreren Monaten temperaturabhängig infektiös. Die Virusübertragung findet vor allem von Tier zu Tier über Kot statt. Eine Übertragung über das Ei konnte nicht nachgewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen werden. Als wichtigste Infektionsquelle gelten Gänse über 14 Wochen, da die Krankheit nur bei jüngeren Artgenossen ausbricht. Elterntiere können somit latente Virusüberträger sein, ohne klinische Symptome zu zeigen.

Allerdings kommt auch Enten als Überträger eine bedeutende Rolle zu. Diese können sich infizieren, das Virus ausscheiden, erkranken aber nicht an diesem und gehören somit zu den wichtigsten Überträgern nach der Gans selbst. Da oftmals Gänse und Enten gemeinsam in einer Herde gehalten werden, kann das Virus problemlos von der Ente auf die Gans überspringen. Dies ist in Großbetrieben nicht üblich, so dass diese geschützt sind. Zudem haben diese Betriebe bessere Biosicherheitsmaßnahmen installiert. Doch kleinere Betriebe haben häufig nicht die Möglichkeit, die Tierarten getrennt zu halten.

Die Durchseuchung der Herde kann sich abhängig von der Zahl der Tiere über zwei bis drei Wochen hinziehen, wobei immer wieder Gänse plötzlich oder nach kurzer Krankheitsdauer versterben. Erkrankte Tiere zeigen Gangschwierigkeiten, Apathie, Atemnot und mitunter blutigen, übelriechenden Durchfall. Betroffen sind vor allem Gänse im Alter zwischen vier und 14 Wochen. Die Sterblichkeit in der Herde kann bis zu 80 % betragen, liegt jedoch meist zwischen 10-40 %.

Diagnose
Eine Sektion der Tierkörper kann die gesicherte Diagnose (HNE) durch diverse Untersuchungen erbringen. Dazu sollten bestenfalls ganze Tierkörper in einer auslaufsicheren Plastiktüte verpackt, in Zeitungspapier gewickelt und in einer weiteren Plastiktüte, gegebenenfalls mit Kabelbindern verschlossen, abgegeben werden. Abgabe erfolgt in einer Styropor- oder Pappschachtel an die Pathologie der Zentrale des TGD in Grub bei Poing oder an ein anderes Untersuchungsamt.

Behandlung


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