Tierschutzrelevante Probleme in der Milchviehhaltung -Teil 2: Kälber #DVG-Tierschutztagung 2022

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Linda Dachrodt (TiHo) stellte in ihrem Vortrag Ergebnisse der PraeRi-Studie vor, die Erkenntnisse aus zahlreichen früheren Studien untermauert haben.

Zum Beispiel leiden männliche Kälber in den ersten 14 Lebenstagen häufiger als weibliche Tiere unter Durchfall, Nebelentzündungen und Störungen des Bewegungsapparates und zeigen auch häufiger Symptome von mehr als einer Krankheit gleichzeitig. Bei Atemwegserkrankungen ließ sich bei PraeRi zwar kein Geschlechter-Unterschied feststellen, allerdings kamen Atemwegserkrankungen in den ersten zwei Lebenswochen auch generell seltener vor.

In den ersten Lebenswochen sei das Kolostrum-Management der wichtigste Faktor für Gesundheit und Überlebenschance des Kalbes und beeinflusse maßgeblich auch die spätere Milch- wie Mast-Leistung. Die Referentin zitierte eine kanadische Studie, der zufolge männlichen Kälbern häufig weniger (0,2 Liter) und auch öfter gepooltes Kolostrum angeboten wurde als weiblichen Kälbern. Eine zweite kanadischen Studie ergab, dass 9 % der dort Befragten männlichen Kälbern nicht immer Kolostrum verabreichen und 17 %, den Geschlechtern unterschiedliches Futter anbieten. Männliche Kälber erhielten häufiger bakteriell kontaminierte Biestmilch und würden öfter allein gehalten (dies allerdings auch damit sie nach 14 Tagen nicht quer durch den Betrieb gefahren werden müssen).

Die klinische Einzeltieruntersuchung im Rahmen von PraeRi habe deutlich gezeigt, dass männliche Kälber häufiger krank waren und speziell ab der zweiten Lebenswoche öfter Symptome von mindestens zwei verschiedenen Erkrankungen gleichzeitig zeigten. Diese Ergebnisse ließen vermuten, so Linda Dachrodt, dass in deutschen Milchkuhbetrieben häufiger als im Interview angegeben (5,7%), Unterschiede in der Versorgung von männlichen und weiblichen Kälbern gemacht werden.

Die zukünftig auf 28 Tage verlängerte Aufstallung im Milchviehbetrieb (ab 2023) ließe befürchten, dass gerade die Multimorbidität männlicher Kälber zunehmen und zu einem Anstieg der Mortalitätsrate im Herkunftsbetrieb führen könnte – gerade, wenn höhere Kosten für längere Aufzucht nicht durch höhere Verkaufserlöse für Mastkälber abgedeckt würden.

Deshalb empfahl Laura Dachrodt bereits jetzt eine optimale Erstversorgung mit Kolostrum, ein gutes Tränkemanagement, hohe tägliche Zunahmen und bestmögliche Haltungsbedingungen der Kälber im Milchviehbetrieb zu. Nicht zuletzt, weil nur gut entwickelte und gesunde Kälber kostendeckende Erlöse erzielen könnten und „gute Kälber“ zukünftig sicher stärker nachgefragt würden.

Dr. Laura Kellermann (LMU), die ebenfalls an der PraeRi-Studie mitgewirkt hat, ging anschließend auf postnatale Mortalitätsraten männlicher und weiblicher Kälber in deutschen Milchkuhbetrieben ein. Zwar konnte ein Einfluss der Betriebsgröße für die verschiedenen Regionen (Nord, Ost, Süd) nicht sicher nachgewiesen werden, insgesamt wurden aber auf größeren Betrieben höhere Mortalitätsraten ermittelt: Bei Höfen mit 1-40 Kühen im Mittel 3,10%, kontinuierlich ansteigend bis zu Betrieben mit mehr als 240 Kühen und 7,17% Kälbersterblichkeit.

Bei Betrieben mit 41-60 Kühen, die in etwa gleicher Zahl in allen Regionen an der Studie teilnahmen, konnten außerdem Deutsche Holstein und Fleckvieh verglichen werden. Hier zeigten sich nur geringe Unterschiede bei den Mortalitätsraten weiblicher Kälber bis zum 84. Lebenstag, Ein höheres Verlust-Risiko sei also nicht vorrangig auf die Rasse zurückzuführen.

In den ersten 14 Lebenstagen verstarben laut HI-Tier prozentual mehr männliche als weibliche Kälber in den Regionen Nord und Ost (N: 2,6% zu 2,2 %, O: 3,2% zu 2,8 %), im Süden konnte dagegen kein Unterschied festgestellt werden (jeweils 1,5%).

Wo können nun die Ursachen für erhöhte Mortalitätsraten männlicher Kälber liegen, fragte Dr. Kellermann, und warum unterscheidet sich der Süden von den Regionen Nord und Ost?

Frühere Studien hätten gezeigt, dass es wegen des höheren Geburtsgewichts bei männlichen Kälbern häufiger zu Komplikationen bei der Geburt käme und nach Schwergeburten auch die Kolostrumaufnahme häufig zu gering ausfalle. Deswegen wiederum steige das Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko an. Da jedoch in der Region Süd männliche und weibliche Kälber die gleiche Mortalitätsrate hätten, läge nahe, dass ein höheres Geburtsgewicht nicht ausschlaggebend dafür sei, dass männliche Kälber sterben.

Hinter der tendenziell schlechteren Versorgung männlicher Kälber stecke aber keine Absicht, sondern vermutlich eher unbewusste, nicht strukturelle Vorgänge, etwa die Verzögerung intensive Behandlungen kranker Kälber oder eine nachlässigere Tierkontrolle.

Am Ende empfahl Dr. Laura Kellermann allen Milchviehhaltern bewusste Entscheidungen zu überdenken, wie etwa das Vertränken von Hemmstoffmilch an männliche Kälber oder Grippeimpfungen nur für die weibliche Nachzucht.

Generell solle jedes Kalb mindestens 3 Liter Kolostrum erhalten, in den ersten drei Lebenswochen täglich 9 l Vollmilch oder 1.440 g MAT (15,3 MJ ME/kg) und – ganz allgemein – müssten die Kosten der Kälberaufzucht einkalkuliert werden. Neben der moralischen gäbe es schließlich auch die gesetzliche Verpflichtung zur angemessenen Versorgung aller Tiere, unabhängig vom Verkaufserlös.

Über PraeRi:
Die drei Universitäten LMU München, TiHo Hannover und FU Berlin haben sich für eine Prävalenzstudie zu Milchkuhbetrieben in Deutschland zusammengeschlossen. Hierfür wurden 765 zufällig ausgeloste Milchkuhbetriebe untersucht und deren Besitzer befragt: in Niedersachsen/Schleswig-Holstein (n=253), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen (n=252) und in Bayern (n=260). Untersucht wurden: Fütterung, Eutergesundheit, Lahmheit und weitere haltungsassoziierte Leiden und Schäden, Reproduktion, Stoffwechselgesundheit, Kälber und Jungtiere sowie Infektionskrankheiten und Biosicherheit.

Neue Podcastfolge „Der Darm Doc“ – Wie das Mikrobiom Verhalten steuert

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Viele Milliarden Bakterien leben im Darm und helfen bei der Zerlegung des Futters. Dieses Mikrobiom versorgt den Organismus mit lebensnotwendigen Nährstoffen, die teilweise nur durch die Bakterien bereitgestellt werden können. Doch wie stark das Darmmikrobiom unserer Schweine tatsächlich auch an deren Gesundheit und Wohlbefinden, an Tageszunahme, Futterverwertung und Verhalten beteiligt ist, ist vielfach noch unbekannt.

Die Tierärztin Dr. Ricarda Deitmer beschäftigt sich in der neuen Folge des Podcast „Der Darm Doc“ mit den Mikroben im Darm. Sie erklärt, was es mit der Darm-Hirn-Achse auf sich hat und warum das Mikrobiom auch Einfluss auf das Verhalten haben kann. Wussten Sie, dass ein überlasteter oder gereizter Darm die Stressreaktionen des Körpers verstärkt und unruhig macht? Oder dass ein bakterielles Ungleichgewicht zu Entzündungen im Darm führt, was im Gehirn Symptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Unwohlsein und erhöhtes Schmerzempfinden auslöst? Wie das alles mit Stress, Futter, E. coli, Lawsonien oder Salmonellen zusammenhängt, erklärt der Schweinepodcast von Boehringer Ingelheim einfach und verständlich.

„Folge 04 – Der Kopf isst mit“ und weitere Episoden von „Der Darm Doc“ von Boehringer Ingelheim – überall zu hören, wo es Podcasts gibt oder hier.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Wohin mit den überzähligen Kälbern? #DVG-Tierschutztagung 2022

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Wohin mit den „überzähligen“ Kälbern, fragte Frigga Wirths vom Tierschutzbund in ihrem zweiten Vortrag. Dass ein Überangebot an Kälbern der Milchrassen (aus konventioneller wie aus Bio-Haltung) besteht, ist seit Jahren bekannt. Die Preise für Kälber unter 45 kg Körpergewicht liegen teilweise bei zehn Euro, Fleckviehkälber erlösen dagegen z. B. 150 bis 240 Euro erinnerte Wirths zu Beginn.

680.000 Kälber werden bisher jährlich vor allem in die Niederlande, nach Spanien und Italien exportiert. Hauptimporteur sind dabei die 1.600 Kälbermastbetriebe in den Niederlanden, aber (auch) dort stünde die Kälbermast in der Kritik. Die frühe Trennung von Kuh und Kalb, lange Transportstrecken, Emissionen durch Gülle, hohe Morbiditäts- und Mortalitätsraten und der Einsatz von Antibiotika würden negativ bewertet.

Der Marktanteil von Kalbfleisch aber gehe in den Niederlanden zurück, und dortige Mäster bezögen vermehrt Kälber von niederländischen Bauern, was die Nachfrage nach deutschen Kälbern, vor allem nach Kälbern der Milchrassen, verringert. Außerdem würde etwa die Hälfte des in Deutschland verzehrten Kalbfleisches importiert – zumeist aus den Niederlanden.

Würde man auch auf den Export der Kälber verzichten (oder fiele er komplett weg), blieben über 3 Mio. Kälber aus Milchviehbetrieben, die jedes Jahr in Deutschland geboren und vermarktet werden müssten.

Welche Lösungsansätze sieht nun die Frau vom Tierschutzbund, für die „überzähligen“ Kälber? Kurz gesagt: höhere Milchpreise, längere Zwischenkalbezeiten, insgesamt weniger Milchkühe und Zweinutzungsrassen.

Wenn die Milchleistung der Zweinutzungs-Kühe geringer sei als die der Hochleistungskühe, würde entsprechend die insgesamt erzeugte Milch-Menge geringer. Ein höherer Milchpreis könne dann die Folge sein, so dass der wirtschaftliche Druck für die Landwirte abnehme.

Grundsätzlich sei zu hinterfragen, ob die Haltung von Mutterkühen und reinen Fleischrassen zu rechtfertigen ist. In Deutschland würden 640 000 Mutterkühe mit ihren Kälbern zur Fleischerzeugung gehalten. Zu ihnen stünden die Kälber aus der Milchwirtschaft in Konkurrenz.

Insgesamt sei es nur logisch, weniger Tiere unter besseren Bedingungen zu halten. Milch – und Fleischerzeugung müssten mithilfe von Zweinutzungsrassen wieder miteinander verknüpft werden.

Es solle zukünftig auch nur Milch und Fleisch von Tieren verkauft werden, die in Deutschland geboren, unter hohen Tierschutzstandards aufgezogen, gehalten und geschlachtet wurden. Die Erzeugnisse müssten entsprechend vermarktet werden, damit ein höherer Verkaufspreis auch an die Landwirte weitergegeben werden kann.

Tierschutzrelevante Probleme in der Milchviehhaltung -Teil 1: Kühe #DVG-Tierschutztagung 2022

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Anlässlich der DVG-Tierschutztagung machte Frigga Wirths (Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes) die hohen Abgangsraten bei Milchkühen zum Thema. Fast 2% der an den Schlachthof angelieferten Kühe wird dort verworfen und einige Hunderttausende sterben bereits in den Haltungsbetrieben, sagte Wirths und obwohl die Population an Rindern kontinuierlich sinkt, steige die Zahl der Falltiere (2016 bundesweit etwa 580 000 Rinder bei einem Gesamtbestand von 12,4 Mio. oder 4,7%).

Bei den Milchviehbetrieben, die an der PraeRi-Studie (2020) teilgenommen haben, lag die Abgangsrate bei ca. 3%, in den Empfehlungen des KTBL wird ein Zielwert von 2% und ein Alarmwert von 5% genannt.

Besonderes Augenmerk sollte in jedem Betrieb auf den Geburten liegen, die, speziell nachts, aus Kostengründen und Personalmangel häufig ohne Geburtsüberwachung und -hilfe stattfänden. Tierärztliche Geburtshilfe oder Kaiserschnitte würden heute seltener durchgeführt als in der Vergangenheit.

Vor allem bei Färsen müssten Geburten kontrolliert werden, denn bei ihnen träten Schwergeburten mit 2,5 % und Totgeburten mit 7,9 % doppelt so häufig auf wie bei Kühen, führte Wirths aus. Träten in einem Betrieb vermehrt Schwergeburten, Totgeburten und Mortalitäten nach der Geburt auf, bestehe dringender Handlungsbedarf, die Geburtsüberwachung zu verbessern.

Eine Abgangsrate von mehr als 25% der Herde während der Laktation sei ein Hinweis auf Probleme in der Herdengesundheit. Bei Abgängen in den ersten 60 Tagen nach der Geburt müssten akute Probleme vorliegen, sonst würde keine Kuh in der Laktationsspitze geschlachtet. Deswegen fordert Frigga Wirths neben den absoluten Abgangszahlen der Kühe, das Laktationsstadium und die Gründe, für die Schlachtung zu analysieren.

Für Betriebe, die nach den Richtlinien des Labels „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes arbeiten, läge der Grenzwert für Abgänge bis zum Ende der Laktation bei 25% und für Abgänge bis zum 60. Laktationstag bei 6%. 2018 lagen die Abgangsraten bei HF-Kühen aber bundesweit bei 31,6% und beim Fleckvieh bei 29,3%. Eine Analyse aus Brandenburg zeige, dass der größte Teil der Tiere sogar im ersten Laktationsabschnitt geschlachtet wurde (5038 Kühe, Schären 2020).

Nach Daten aus Betrieben die der Milchleistungsprüfung angeschlossen sind, liegen bei den Gründen Fruchtbarkeitsstörungen mit über 20% vorn, gefolgt von Mastitiden, Lahmheiten und Stoffwechselstörungen. Bei einem Viertel werden jedoch „andere Krankheiten“ und „andere Gründe“ angegeben.

Die Schlachthof-Verwürfe und Schlachtkörpergewichte gäben wichtige Hinweise auf die Herdengesundheit und mögliche Tierschutzprobleme im Haltungsbetrieb. Die Schlachtabrechnungen sollten deshalb in Zukunft zusammen mit den Mortalitäten und Abgängen bewertet werden, forderte Frigga Wirths. Die Verwurfrate lag 2001 bei 0,9% und 1,9 % der angelieferten Kühe würden verworfen.

Besonderes Augenmerk müsse auch den P1-Kühen gelten, deren durchschnittliches Schlachtgewicht, nach einer Auswertung aus dem August 2021, in NRW nur 239,5 Kilogramm betrug. Rinder die wegen starker Abmagerung verworfen werden, wiegen also noch weniger!

Welche Wünsche hat die Bevölkerung an Milchrindhalter?

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Anlässlich des 31. Milchrindtages der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern stellte Dr. Gesa Busch (Universität Göttingen) die Ergebnisse Ihrer aktuellen Repräsentativ-Befragung zu Verbraucher-Erwartungen an die Milchviehhaltung in Deutschland vor. Die wichtigsten Ergebnisse seien hier vorgestellt.

Nur 21,8 % der Befragten halten die Nutztierhaltung insgesamt für akzeptabel, 64,2 % glauben den deutschen Schweinen ginge es schlecht und 31,9 % denken, dies gelte ebenso für Milchkühe. Auch wenn viele angeben eigentlich keine Vorstellung von den Haltungsbedingungen zu haben, schätzen sie Kühe doch, weil sie Nahrungsmittel produzieren. Aber dass Kühe „dauerschwanger“ und überzüchtet sind, nur im Stall gehalten werden, dort auch noch zu wenig Platz haben und Kühe und Kälber früh getrennt werden, tauchte in den Antworten häufig auf.

Wichtige Themen der Milchbranche aus gesellschaftlicher Sicht, so Gesa Busch, seien:
Haltungssysteme, Kuh-/Kalb-Trennung, Umgang mit männlichen Kälbern, Zucht, Tiergesundheit und Medikamenteneinsatz sowie schmerzhafte Eingriffe (Enthornung) und Klimaauswirkungen der Milchviehhaltung.

Bei der Bewertung unterschiedlicher Haltungssysteme schnitt die reine Stallhaltung am schlechtesten und der Stall mit Weidegang am besten ab (und zwar für Kühe ebenso wie für Masthähnchen und Schweine). 27% der Befragten denken, dass Kälber in den meisten konventionellen Betrieben früh von der Kuh getrennt werden; 18,4% geben an, dazu keine Informationen zu haben. Nach dem Hinweis auf die Möglichkeit einer ammengebundenen Aufzucht, sprechen sich 43,4 % für diese Alternative aus – und 30,8 % dagegen.

Immerhin 58,4 % der Befragten haben schon mal gehört, dass männliche Kälber aus der Milchviehhaltung nicht gut für die Mast geeignet seien. Als Lösungsvorschläge wurden präsentiert: Spermasexing, Mast auf dem Herkunftsbetrieb bis 100 kg, Zweinutzungsrassen und eine verlängerte Zwischenkalbezeit. Die Mast wurde hier deutlich besser bewertet als das Spermasexing, die Zweinutzungsrasse dagegen nicht! Ebenso positiv wie Mast schnitt dagegen die längere Zwischenkalbezeit ab.

Auch sollten die Befragten den idealen Betrieb beschreiben und hierzu die Bedeutung von 12 Parametern bewerten. Sehr wichtig/eher wichtig finden hier 93,7% Tierschutz, 84,1% Umweltschutz und 78,0 % Klimaschutz. Könnten die Verbraucher selbst etwas an der Haltung von Milchkühen verbessern, würden 29,4 % den Weidegang an die erste und 22,2% an die zweite Stelle setzen.

Der „ideale Betrieb“ schließlich vereint für 2/3 der Befragten folgende Merkmale auf sich: er produziert traditionell in vielfältigen Betriebszweigen und verarbeitet und vermarktet seine Produkte auch noch selbst.

Auch wenn letzteres stark an „Bullerbü“ (und weniger an das tatsächliche Einkaufsverhalten) erinnert und an einigen Stellen eher nebulöse Vorstellungen zur Milchviehhaltung vorherrschen, zeigt die Befragung, dass „Natur“ (Weidegang) und „Emotion“ (Kuh/Kalb-Trennung) eindeutig affektiv besetzt sind. Sogar wenn man den Probanden erklärte, dass Kuh und Kalb aus gesundheitlichen Gründen getrennt werden, sprachen sie sich mehrheitlich trotzdem gegen diese Praxis aus; Haustierbesitzer waren hier tendenziell am kritischsten.

Für diese, wie für viele andere, Befragung gilt: das sind die Kunden, auf die sich Nutztierhalter einstellen müssen. Ihre laienhaften Vorstellungen lassen sich vielleicht n manchen Stellen korrigieren, ihre Emotionen aber eher nicht verändern.

Kranke Euter kosten Geld: Tipps zur Vorbeugung von Mastitis

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Von Dr. Michael Hubal, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Eine der wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen der Milchkuh ist die Mastitis. Der ökonomische Druck im Bereich der Milchproduktion nimmt ständig zu, nicht zuletzt hervorgerufen durch eine kurze Nutzungsdauer von durchschnittlich 2,5 Laktationen. Ein Grund hierfür sind Mastitis bedingte finanzielle Einbußen, die insgesamt auf 150 bis 300 Euro pro gehaltener Kuh und Jahr geschätzt werden.

Die Ursachen für die Mastitis der Milchkuh sind vielfältig. Neben Haltungs- und Fütterungsmängeln spielen Probleme bei der Melktechnik und der Stall- und Melkhygiene eine Rolle. Weltweit werden in der Fachliteratur immer wieder Zahlen zu Einkommensverlusten durch Mastitis ermittelt. Dabei reicht die Spannweite von 150 bis 300 € je gehaltener Milchkuh und Jahr. Dies sind je nach Herdenleistung 2 bis 4 Cent je kg erzeugter Milch! Das ist unbestritten ein entscheidender Anteil des Ertrages, der die Rentabilität eines Milchviehbetriebes maßgeblich beeinflusst. In der Regel nimmt der Milcherzeuger die akuten Mastitisfälle wahr, bei denen hauptsächlich die Behandlungskosten und die verworfene Milch als Kosten bzw. als Verlust ins Auge fallen. Tatsächlich jedoch verursachen Milchverluste durch subklinische Mastitis 5 bis 10-mal höhere Einbußen, die jedoch nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Bundesweit werden die Mastitis bedingten Verluste auf 1,4 Mrd. € geschätzt (DVG 2014).

Die direkten Verluste einer akuten Mastitis sind augenfällig: Zunächst erfährt die Kuh eine Behandlung, die Milch wird für mehrere Tage verworfen. Zusätzlich ist ein Mehraufwand an Arbeitszeit für dieses Tier notwendig. Die Angaben für die Behandlung belaufen sich auf ca. 20 € je Kuh und Jahr, was schon verdeutlicht, dass hier nicht der Schwerpunkt der Verluste liegt. Auch die verworfene Milch und der erhöhte Arbeitsaufwand führen letztlich zu Kosten von ca. 50 € bei einer akuten Mastitis. Bei ca. 50 % klinischen Fällen/Jahr wird jede gehaltene Kuh mit 25 €/Kuh und Jahr belastet. Was macht also die Kosten für mangelhafte Eutergesundheit hauptsächlich aus?

Folgeverluste und versteckte Verluste
Die Hauptverluste durch Mastitis werden verursacht durch verringerte Milchproduktion und erhöhte Bestandsergänzung. In Abbildung 1 ist deutlich zu erkennen, dass bei einem durchschnittlichen Zellgehalt von 220 000/ml (MLP-Durchschnitt Schleswig-Holstein 2018) bereits über 6 % der Milchleistung verloren geht. Dies entspricht bei einer durchschnittlichen Jahresleistung von 8700 kg über 500 kg/Kuh! Damit verursachen die Milchverluste durch erhöhten Zellgehalt bereits 60 bis 70 % der Gesamtverluste! Da subklinische Fälle weitaus häufiger sind als klinische, ist davon auszugehen, dass diese hohen Verluste unbemerkt auftreten. Dies legt die Behauptung nahe: vorbeugende Maßnahmen sind die richtige Investition!


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Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2022

Walachenschafe stammen aus dem Karpatenbogen (rumänische Walachei), wo sie noch im vergangenen Jahrhundert ausgehend von den walachischen Hirten in den Ländern Tschechien, Slowakei und Polen als Dreinutzungsschaf gehalten wurden. Optisch bestechen sie durch das lebhafte Erscheinungsbild, die lang abwachsende Wolle sowie die mächtigen seitlich gedrehten Hörner der Böcke. Auch die weiblichen Tiere haben zum größten Teil schöne seitlich geschwungene Hörner. Mit rund 40 bis 55 kg bei den Mutterschafen und 55 bis 75 kg Lebendgewicht der Böcke sind sie den leichteren Typus der Schafrassen zuzuordnen. In Deutschland existiert eine wichtige Zuchpopulation, der bundesweit 33 Züchterinnen und Züchter mit gesamt ca. 500 Walachenschafen angeschlossen sind.

Die meisten Walachenschafe werden im Nebenerwerb oder als Hobby gehalten, auch in Tierparks sind die attraktiven Tiere vertreten. Einsatzgebiet ist vor allem in der Landschaftspflege, wozu diese Schafsrasse exzellent geeignet ist. Trotz ihres eher scheuen Wesens und der ausladenden Hörner werden die charakterstarken Walachenschafe gerne in der tiergestützten Intervention eingesetzt.

Für die Zukunft des Walachenschafes ist es wichtig, die attraktive Schafrasse bekannter zu machen und weitere engagierte Herdbuchzüchter zu gewinnen. In der Landschaftspflege und auf kargen Standorten kann diese Rasse mit ihrer speziellen Anpassung sehr erfolgreich eingesetzt werden. Auch die internationale Vernetzung zu den Ursprungsländern steht im weiteren Fokus der Aktivitäten.

Die GEH ernennt seit nun 1984 Jahren alljährlich eine Nutztierrasse der Roten Liste zur „Gefährdeten Rasse des Jahres“ und macht damit deutlich, dass neben den Wildtieren und Wildpflanzen auch in der Landwirtschaft der Verlust der Vielfalt eingezogen ist. Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Diskussionen um Klimaveränderungen und Verlust der Biodiversität darf keine an spezielle Standorte angepasste Rasse verloren gehen.

Weitere Informationen zu gefährdeten Nutztierrassen auf der Website des Vereins.

Quelle: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.

Hochansteckende Newcastle-Krankheit bei Legehennen im Schweizer Kanton Jura festgestellt

In einem Geflügelbetrieb in Develier bei Delémont (CH) ist die hochansteckende Newcastle-Krankheit ausgebrochen. Um eine Weiterverbreitung der Tierseuche zu verhindern, bereitet der kantonale Veterinärdienst die Tötung der betroffenen (etwa 15.000) Legehennen vor und richtet in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV rund um den Betrieb eine Schutz- und eine Überwachungszone ein. In diesen Gebieten gelten für die Geflügelbetriebe besondere Vorschriften.

Weitere Informationen auf Website des Bundesamtes

Quelle: Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

Netzwerk Fokus Tierwohl: Bundesweite Veranstaltungen vermitteln aktuelles Wissen und Praxiserfahrungen

In über 550 Veranstaltungen zu zahlreichen Tierwohlthemen wurden seit Projektbeginn über 31.000 Teilnehmer erreicht. Viele weitere Veranstaltungen sind für 2022 bereits geplant.

Ziel des Netzwerks Fokus Tierwohl ist es, Wissen zu Tierwohlfragen in der Nutztierhaltung zu bündeln, zu bewerten und nach zielgruppengerechter Aufbereitung vorrangig an Landwirte1, aber auch an Berater, Tierärzte, weitere Stakeholder der Branche und an interessierte Verbraucher zu vermitteln.

Einen der drei Informationspfade des Netzwerks bilden die bundesweit durchgeführten Veranstaltungen. Sogenannte „Tierwohlmultiplikatoren“ bei den Verbundpartnern in den Bundesländern sind mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltungen betraut. Die Themen dafür werden in enger Abstimmung mit den Tierwohl-Kompetenzzentren aus-gewählt.

Interessenten können sich in einem zentralen bundesweiten Veranstaltungskalender auf der Projekt-Webseite über die geplanten Veranstaltungen der Verbundpartner informieren und anmelden. Mit einem Kalender-Abo – tierartspezifisch oder übergreifend – lässt sich dies darüber hinaus automatisieren. Die elektronisch übermittelten Kalendereinträge enthalten alle relevanten Informationen der Veranstaltungen sowie den Link zur Anmeldung beim Verbundpartner. Die Veranstaltungshinweise werden zudem als RSS Feed zur Verfügung gestellt.

Seit Projektbeginn 2020 konnten in über 550 Veranstaltungen fast 31.600 Teilnehmer begrüßt werden (Stand 10.03.2022). Mehr als 480 verschiedene Referenten aus Wissenschaft, Beratung und Praxis teilten zu 122 verschiedenen Themen aktuelles Wissen, neueste wissenschaftliche Ergebnisse aus laufenden Projekten sowie praktische Erfahrungen. Veranstaltungen zur Mobilstallhaltung von Geflügel, der Umgang mit kranken und verletzten Tieren sowie Beschäftigungsmaterialien für Geflügel und Schweine waren da-bei besonders nachgefragt.

In den kommenden Monaten sind weitere Veranstaltungen in verschiedenen Formaten – neben Online-Seminaren z.B. auch Exkursionen, Vorträge oder Praxisworkshops – geplant.
Für Rinderhalter werden unter anderem Exkursionen zur regionalen Eiweißversorgung, Workshops zum stressarmen Umgang mit Rindern sowie Seminare zu Umbaulösungen von Anbindeställen und zur verlängerten Zwischenkalbezeit angeboten. Rechtzeitig zum Frühjahr informieren zudem verschiedene Veranstaltungen über Grundfutterqualität und Weidehaltung.

Schweinehaltern bietet das Netzwerk in mehreren Online-Veranstaltungen einen Erfahrungsaustausch zu Abferkelsystemen an, in denen Impulsbetriebe Tierwohl ihre Erfahrungen zu Bewegungsbuchten und freier Abferkelung teilen. Daneben stehen nachhaltige und umweltschonende Fütterungskonzepte sowie eine Exkursion zu zukunftsfähigen Schweinehaltungskonzepten auf dem Programm.

Im Bereich Geflügel können sich Interessenten zum Beispiel über Parasiten bei Legehennen, Darmgesundheit bei Masthühnern sowie den Schutz vor Beutegreifern bei Freiland-haltung informieren.

Hintergrund:
Als Teil des Bundesprogramms Nutztierhaltung fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Aufbau des Netzwerkes Fokus Tierwohl. Das Verbundprojekt der Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Einrichtungen aller Bundesländer hat das Ziel, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern, um schweine-, geflügel- und rinderhaltende Betriebe hinsichtlich einer tierwohlgerechten, um-weltschonenden und nachhaltigen Nutztierhaltung zukunftsfähig zu machen. Neueste Er-kenntnisse aus der angewandten Forschung, der Praxis, den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz und anderen Projekten werden durch die Tierwohl-Kompetenzzentren in Kooperation mit Expertinnen und Experten der Verbundpartner gesammelt und fachlich fundiert eingeordnet. Ausführliche Informationen sind unter www.fokus-tierwohl.de zu finden.

Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

Netzwerk Fokus Tierwohl: Kompetenzzentrum Rind

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Zehn Arbeitsgruppen arbeiten derzeit unter der Leitung der Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums Rind am Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) fachlich an verschiedenen Tierwohlthemen der Rinderhaltung

Während des Austausch- und Vernetzungstreffens in Berlin am 14. März 2022 stellte Dr. Hans-Joachim Herrmann, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), stellvertretend für das Tierwohl-Kompetenzzentrum Rind einige bisher im Rahmen des Projektes erarbeitete Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen (AG) des Tierwohl-Kompetenzzentrum Rind vor.

Im Bereich Milchviehhaltung arbeiten zwei AGs an den Themen Klauengesundheit und Umgang mit kranken und verletzten Rindern. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt zum Handeln. Eine gute Tierkontrolle und somit eine Früherkennung von Krankheiten und Verletzungen können zur schnelleren und besseren Genesung führen. Eine von der AG entworfene „Stallkarte“ zur Erkennung von kranken und verletzten Rindern und der „Untersuchungsgang für die Landwirtin und den Landwirt“ dienen dazu, dass der Blick auf das Tier wieder geschärft wird. Eingebettet sind diese in ein Merkblatt mit Informationen zur Genesungsbucht und den Bedürfnissen eines kranken Rindes.

Die AG Haltungssysteme Bullenmast erarbeitet abgestimmte Informationsblätter zum Einsatz gummierter Spaltenböden und zur Strukturversorgung in der Bullenmast. Gummierte Spaltenböden können dem natürlichen Bedürfnis der Rinder nach einer verformbaren Liegefläche entsprechen und damit den Tierkomfort und das Tierwohl steigern. Die Informationsmaterialien zeigen Vorteile gegenüber reinen Betonspalten auf, aber auch worauf bei der Umstellung (u. a. rechtlich) zu achten ist. Die Fütterung – und dabei insbesondere die Strukturversorgung – bei Mastbullen ist ein immens wichtiger Faktor, der sich auf Leistung, Gesundheit und Wohlbefinden der Mastbullen auswirkt.
Wichtige zu beachtende Punkte werden für Beratende, Landwirtinnen und Landwirte genannt, und praktische Tipps zur Verbesserung der Fütterung für die Tiere gegeben.

In der AG Mutterkuh und Mast entsteht zurzeit ein Leitfaden zum Umgang mit Hitzestress auf der Weide. Die Weidehaltung stellt für Rinder eine naturnahe Haltungsform dar, die von Verbrauchern zunehmend gewünscht wird. Um das Ziel einer artgerechteren Haltung und Steigerung des Tierwohls zu erreichen, müssen jedoch gewisse Kriterien erfüllt sein. Der Leitfaden fokussiert sich auf den Umgang mit Hitzestress und soll auf dessen hohe Relevanz aufmerksam machen. Er bietet Landwirtinnen, Landwirten und Beratenden Hilfestellung zur Einschätzung der Wärmebelastung am Tier und welche Punkte bei einem Witterungsschutz gegen Hitze zu beachten sind.

Weitere Details über das Projekt und die aktuellen Themen im Bereich Rinderhaltung sind auf der Projekt-Webseite zu finden.

Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

Netzwerk Fokus Tierwohl: Kompetenzzentrum Schwein

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Sechs Arbeitsgruppen arbeiten derzeit unter der Leitung der Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums Schwein an der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen fachlich an verschiedenen Tierwohlthemen der Schweinehaltung.

Während des Austausch- und Vernetzungstreffens in Berlin am 14. März 2022 stellte Dr. Thorsten Klauke, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, stellvertretend für das Tierwohl-Kompetenzzentrum Schwein einige bisher im Rahmen des Projektes erarbeitete Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen (AG) des Tierwohl-Kompetenzzentrums Schwein vor.

Durch die geänderte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen bisher bestehende konventionelle Kastenstände durch alternative Abferkelsysteme ersetzt werden. Sauen-halter haben die Befürchtung, dass durch die reduzierte Fixierdauer der Sau die Saugferkelverluste in der Säugezeit ansteigen. Durch eine Umfrage wurden die bisherigen in Be-trieben gesammelten Erfahrungen mit Bewegungsbuchten und der freien Abferkelung gebündelt, um sie weiteren Landwirtinnen und Landwirten zur Verfügung zu stellen und da-mit bei den kommenden Herausforderungen zu unterstützen. In einer mehrteiligen Bro-schüre werden wissenschaftliche Erkenntnisse und die Praxiserfahrungen aus der Um-frage genutzt, um mögliche Probleme und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und eine Hilfestellung in der praktischen Umsetzung in der Sauenhaltung zu geben.

Emissionen im Tierbereich haben einen direkten Einfluss auf das Wohlbefinden der Schweine in ihrer Haltungsumgebung. Bei der Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-verordnung im Februar 2021 wurde durch die Streichung des Wortes „dauerhaft“ bezüglich der Überschreitung der Grenzwerte für die Gase Ammoniak, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff auch die Gesetzesgrundlage verschärft. Neben den Auswirkungen erhöhter Schadgaskonzentrationen auf das Tier, können Ammoniak, Geruch und klima-wirksame Gase wie Methan und Lachgas auch auf Menschen und Umwelt belästigend oder schädigend wirken. Es besteht ein Zielkonflikt zwischen dem Umweltschutz und mehr Tierwohl durch Ausläufe und freigelüftete Ställe.

Aus der AG Emissionsminderung heraus entsteht ein Übersichtsartikel zu möglichen emissionsmindernden Maßnahmen in der Schweinehaltung, in dem auch weitergehende Informationen verlinkt werden (z. B. BVT, Projekte, Novellierung der TA Luft).

Weitere Details über das Projekt und die aktuellen Themen im Bereich Schweinehaltung sind auf der Projekt-Webseite zu finden.

Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

Netzwerk Fokus Tierwohl: Kompetenzzentrum Geflügel

Vier Arbeitsgruppen arbeiten derzeit unter Leitung der Geschäftsstelle des Tier-wohl-Kompetenzzentrums Geflügel an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fachlich an verschiedenen Tierwohlthemen der Geflügelhaltung.

Während des Austausch- und Vernetzungstreffens in Berlin am 14. März 2022 stellte Stefan Sagkob, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, stellvertretend für das Tierwohl-Kompetenzzentrum Geflügel einige bisher im Rahmen des Projektes erarbeitete Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen (AG) des Tierwohl-Kompetenzzentrums Geflügel vor.

Federpicken und Kannibalismus sind weiterhin ein verbreitetes Problem in der Legehennenhaltung. Der Grundstein für das Fehlverhalten wird häufig bereits in der Aufzucht-phase gelegt. Daher sind eine optimierte Haltung und ein angepasstes Management in der Junghennenhaltung entscheidend für eine erfolgreiche Legeperiode.

Die AG Jung- und Legehennen bietet Tierhalterinnen und Tierhaltern Empfehlungen und Tipps mit Videomaterial in einem Leitfaden unter anderem zu den Aspekten Fütterung, Beschäftigung, Tierbetreuung und Beleuchtungsmanagement.

Für Puten entsteht ein Leitfaden mit Graphiken, um eine gute Darmgesundheit sicherzustellen. So bildet bereits das richtige Kükenmanagement die Grundlage für eine gute Entwicklung des Magen-Darm-Traktes. Auch gutes Futter- und Tränkewassermanagement, ebenso wie die regelmäßige Kontrolle von Stallklima und Einstreuqualität tragen im gesamten Durchgang zu einer guten Darmstabilität bei. Der Leitfaden informiert über Infektionskrankheiten, die bei Puten von Bedeutung sind. Zusätzlich beinhaltet er Informationen zu Managementfaktoren, die beachtet werden sollten, um der Entstehung von Darm-Imbalancen vorzubeugen. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche Indikatoren herangezogen werden können, um mögliche Probleme im Stall frühzeitig zu erkennen.

Weitere Details über das Projekt und die aktuellen Themen im Bereich Geflügelhaltung sind auf der Projekt-Webseite zu finden.

Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

Typisch Lüftung – Gesunde Lungen bringen Leistung Neues Taschenbuch von Boehringer Ingelheim

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Wussten Sie, dass Husten nicht nur durch Atemwegserreger ausgelöst werden kann? Auch Schadgase, Stallstaub und eine falsch eingestellte Lüftung kann die Atemwege reizen. Husten ist durch reine Routine-Kontrollen nur schwer erkennbar. Er schwächt die Tiere und verhindert Leistung. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie die Lunge funktioniert, was auf sie einwirkt und wie Atemwegsproblemen vorzubeugen ist.

Mit der neuen Broschüre „Typisch Lüftung – Atemwegsinfektionen und Lüftungsfehler verstehen“ stellt Boehringer Ingelheim einen weiteren Service zur Verbesserung der Schweinegesundheit bereit. Im Fokus stehen die Funktionsweise der Schweinelunge, relevante Atemwegsinfektionen sowie die Identifikation und Behebung relevanter Lüftungsfehler. Die Wissensvermittlung erfolgt mit Hilfe von umfangreichem Bild und Videomaterial – sodass sich die Inhalte schnell auf den eigenen Betrieb übertragen lassen.
Die Inhalte der Broschüre basieren auf Erfahrungen und Ergebnissen aus Bestandsbesuchen. Experten aus Beratung, Wissenschaft und Tiermedizin haben das umfangreiche Nachschlagewerk auf 240 Seiten mit aktuellem Wissen gefüllt.

Die Broschüre ist im praktischen Buchformat gedruckt oder als ePaper erhältlich, welches den direkten Zugriff auf Bilder und Videos ermöglicht. Bestellbar und downloadbar ist das neue Taschenbuch über die Boehringer Ingelheim Infothek

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne: Dr. Daniel Brüggemann,
Tel.: +49 (6132) 77-6609, daniel.brueggemann@boehringer-ingelheim.com.

Quelle: Boehriger Ingelheim

CBPV bei Bienen: Ein Virus auf dem Vormarsch?

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Von Dr. Heike Engels

Das Chronische- Bienenparalyse-Virus (CBPV) trat in den letzten Jahren in Europa verstärkt auf. Die Erkrankung führt zu großen Verlusten unter den Arbeiterinnen und deutlichen Leistungseinbußen vor allem bei starken Bienenvölkern. CBPV befällt einzelne Gehirnregionen der Bienen und löst dort neurologische Symptome wie Paralyse, also Lähmungen, und Zittern aus. Daneben erscheinen betroffene Bienen durch Haarverlust schwarz und fettig glänzend, was als „Ansteckende Schwarzsucht“ bezeichnet wird. Beide Symptome können in einem Volk auftreten. Übertragen wird das Virus geschieht wohl direkt von Tier zu Tier über den Fäkal-oralen Weg. CBPV gilt als Varroa-assoziierte Erkrankung, da das Virus durch die Schwächung der Bienen, ausgelöst durch einen starken Varroabefall, leichteres Spiel hat.

Um die Verbreitung des CBPV in Bayern zu analysieren, wurden Analyseergebnisse des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. von 302 Bienenvölkern hinsichtlich der Virusdiagnostik und klinischen Symptomatik mit Fokus auf CBPV untersucht. Die Analyse umfasste die Jahre 2018 bis 2020. Zusätzlich werteten die Forscher Daten aus Fragebögen aus von 105 labordiagnostisch CBPV-positiven und klinisch auffälligen Völkern.

Es konnte ein signifikanter Anstieg CBPV-positiver Proben von 2018 bis 2020 festgestellt werden mit ebenfalls steigender klinischer Symptomatik. Die Auswertung der Fragebögen ergab eine Häufung der ersten CBPV-Fälle im Frühjahr in den Monaten März bis Juni. Zwischen Oktober und Februar wurden kaum Fälle berichtet. Die meist mit vielfältigen Symptomen belasteten Völker erholten sich in 57 % der Fälle von der Erkrankung, wenn therapeutisch eingegriffen wurde. Wurde nicht eingegriffen, kam es in den meisten Fällen zum Tod des Volkes. Insgesamt war die Sterblichkeit bei den Völkern höher, die neben CBPV auch noch weitere Viren im Volk hatten. Bei 62 % der erkrankten und isolierten Völker konnte die Isolation die Weiterverbreitung am Bienenstand verhindern.

Eine eindeutige Therapieempfehlung können die Forscher nicht geben, aber auf jeden Fall den Rat, dass es besser ist, überhaupt etwas zu tun als einfach abzuwarten. Maßnahmen, die bisher zur Therapie erkrankter Völker durchgeführt wurden, entweder einzeln oder in Kombination:

• Austausch der Königin zur Veränderung der Genetik
• Kunstschwarmverfahren zur Senkung der Virenlast
• Varroabehandlung zur Reduktion des Milbenbefalls
• Fütterung einer dünnen Zuckerlösung zur Erhöhung des Bienenumsatzes
• Zuhängen von Brutwaben zum Ausgleich des Totenfalls

Hierbei handelt es sich um kurzfristig wirkende Maßnahmen und auch um langfristige Maßnahmen, wenn es an den Austausch der Königin geht.

Quelle: Dittes, Julia et al.: Chronisches-Bienenparalyse-Virus – quo vadis? Auftreten in Bayern und Betrachtung von Therapiemaßnahmen. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 326-335.

Özdemir: Hilfen für existenzbedrohte Schweinehalter gesichert

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Anträge auf Corona-Überbrückungshilfe werden künftig von Härtefallregelungen abgedeckt

Die Bundesregierung sichert in Existenznot geratenen Schweinehaltern schnelle und unbürokratische Unterstützung zu. Ab sofort müssen betroffene Betriebe nicht mehr nachweisen, dass ihre Umsatzeinbrüche „ausschließlich“ auf die Pandemie zurückzuführen sind. Nach einem Konzept des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) in Verständigung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) soll der Nachweis künftig ausreichen, dass Umsatzeinbußen „weit überwiegend“ Corona bedingt sind. In diesen Fällen wird der Antrag auf Corona-Überbrückungshilfe automatisch in die Härtefallregelungen der Länder überführt. Dies gilt zunächst für die Länder Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen, die ihre Landesprogramme hierfür geöffnet haben.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir: „Wir haben eine gute und pragmatische Regelung gefunden, die den Schweinehaltern in dieser schwierigen Situation schnell zugutekommt. Die letzten Jahre haben viele Landwirtinnen und Landwirte in Existenznot gebracht, da gilt es: anpacken und helfen! Nicht immer lassen sich die vielfältigen Ursachen der Umsatzeinbrüche scharf voneinander abgrenzen. Da kann man entweder so lange prüfen, bis der letzte Betrieb aufgibt, oder man sucht nach unkomplizierten Lösungen – wir haben uns für letzteres entschieden. Ich bin meinem Kollegen Robert Habeck sehr dankbar, dass er diese gute Lösung ermöglicht hat.“

Die neue Regelung sieht vor, dass noch offene Anträge von Schweinehaltern auf Corona-Überbrückungshilfen durch die vorhandenen Bewilligungsstellen der Länder weiterhin bearbeitet werden. Damit soll der entstandene Rückstau mit Blick auf die existenzbedrohende wirtschaftliche Lage vieler Schweinehalter beschleunigt abzubauen.

Soweit die Länder feststellen, dass unter den noch offenen Fällen Anträge sind, die die Kriterien der Überbrückungshilfen zweifelsfrei erfüllen, werden diese weiterhin als Überbrückungshilfe bearbeitet. Alle übrigen Fälle werden als Anträge auf Härtefallhilfe umgedeutet und so weiterbearbeitet. Die Zuständigkeit für die Entscheidung über den Antrag liegt – wie bisher – bei den Ländern.

Eine Ablehnung der bereits gestellten Anträge und eine neue Beantragung als Härtefallhilfen werden somit vermieden. Auch eine Rückzahlung bereits erfolgter Abschlagszahlungen an Schweinehalter kann damit vermieden werden. Bereits in den Überbrückungshilfen bewilligte Anträge auf Grundlage ausschließlich Corona bedingter Umsatzeinbrüche bleiben unangetastet. Eine Rückforderung geleisteter Zahlungen ist ausgeschlossen.

Quelle: BMEL

Bioland-Geflügeltagung 29. – 31.03.2022 (online)

Viel Input bietet die Bioland-Geflügeltagung vom 29. bis 31. März 2022 an drei Tagen online mit über 30 Referierenden aus Wissenschaft und Praxis. Es geht um neue wissenschaftliche Ergebnisse zum Öko-Huhn: Fütterung, Leistungs- und Stationsprüfung. Beim Stallbau geht es rund um die Themen Ausleuchtung, Substratmanagement, Mobilstallgrößen und bauliche und technische Anpassungen durch den Klimawandel. Wichtiger Bestandteil sind verschiedene Aspekte des Tiergesundheitsmanagements. Praktiker berichten von ihren Erfahrungen von Aufzucht bis zur Schlachtung von Bruderhähnen. Weiterhin werden Fragen der Vermarktung von Futter, Eierabsatz und Geflügelfleisch diskutiert.

Jeweils nachmittags gibt es die beliebten Berater-Sprechstunden für die Betriebszweige Legehennen, Junghennen und Mastgeflügel. An den beiden ersten Tagen können die Teilnehmenden im Sponsorenforum mit Vertreter*innen der Sponsoren direkt ins Gespräch kommen. Veranstalter ist Bioland e. V. in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau.

Programm und Anmeldung (bitte bis 27.03.2022)

Quelle: Bioland e. V.

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 1 / 2022 steht zum kostenfreien Abruf bereit

Die erste Ausgabe des Jahres bietet folgende Themen:

• Kranke Euter kosten Geld: Tipps zur Vorbeugung von Mastitis
• Kurz notiert: Klimaschutz durch Rindertoilette?
• Kolostrum und hohe Kälberverluste: Wie hängt das zusammen?
• Ödemkrankheit durch Impfung verhindern
• Interview – Zum Verbot von Zinkoxid ab 2022: „Betriebe sollten alle Prophylaxemaßnahmen ausschöpfen“
• Schafe: Mit der richtigen Geburtshilfe unterstützen
• Imkerinfo – CBPV bei Bienen: Ein Virus auf dem Vormarsch?
• Honigbienenhaltung nach wie vor beliebt

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Tierärzteverband begrüßt EMA-Gutachten über für Menschen reservierte antimikrobielle Mittel

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA und die Europäische Kommission haben am 1. März die lang erwartete Empfehlung zur Ausweisung von antimikrobiellen Mitteln oder Gruppen, die für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen reserviert sind, veröffentlicht. Das Gutachten basiert auf dem im Herbst vom EU-Parlament mit großer Mehrheit angenommenen delegierten Rechtsakt ‚Kriterien für die Einstufung antimikrobieller Mittel, die für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen vorbehalten sind‘.

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) begrüßt die jetzt veröffentlichte, wissenschaftlich fundierte Bewertung, die den One-Health-Ansatz vollständig umsetzt, indem das notwendige Management von Antibiotikaresistenzen beim Menschen einerseits und die Sicherstellung von Tiergesundheit und Tierschutz andererseits ausbalanciert werden. „Das Ergebnis sichert die Verfügbarkeit aller wichtigen Substanzen für die Veterinärmedizin, darunter Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Polymyxine, Makrolide und Fluorchinolone und trägt damit dem Tierschutz in besonderem Maße Rechnung“, so bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder. „Wäre das Kriterium C, wie von Teilen des Umweltausschusses des EU-Parlaments gefordert, nach dem das „Fehlen des Mittels in der Veterinärmedizin keine erheblichen Auswirkungen auf die Tiergesundheit, den Tierschutz oder die öffentliche Gesundheit haben würde“, in der Bewertung nicht berücksichtigt worden, wäre das eine Katastrophe für die Behandlung kranker Tiere und damit für uns Tierärzte geworden. Darauf hatten wir mit unserer Kampagne im vergangenen Jahr sehr deutlich hingewiesen: Alle Tierarten wären dann von dem Anwendungsverbot betroffen gewesen mit der Folge, dass bestimmte Infektionen nicht mehr adäquat hätten behandelt werden können“, so Moder weiter.

Mit dem Gutachten bleiben die EU-Institutionen erfreulicherweise ihrem evidenzbasierten und ganzheitlichen Ansatz treu. Der bpt unterstützt, dass ganz im Sinne des One-Health-Ansatzes nun in Europa viele antibakterielle Wirkstoffe für den Einsatz in der Humanmedizin reserviert werden, auch wenn etliche davon weltweit leider immer noch bei Tieren eingesetzt werden dürfen. „Jetzt hoffen wir, dass die Mitgliedsstaaten dem von der EU-Kommission jetzt noch zu erstellenden Durchführungsrechtsakt schnell und einvernehmlich zustimmen und damit endlich Planungssicherheit für Tierärztinnen und Tierärzte geschaffen wird“, bekräftigt der bpt-Präsident mit Blick auf die finale Abstimmungsrunde zwischen Kommission und Mitgliedsstaaten.

(Hinweis: Das Gutachten steht auf der bpt-Website zum Download zur Verfügung)

DLG-Wintertagung 2022: Transformation in der Landwirtschaft

Transformationsprozesse in der Landwirtschaft sind das ureigene Thema von Prof. Alfons Balmann, dem Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO).

In seinem Vortrag anlässlich der DLG-Wintertagung nannte er als Beispiel für Transformations-Treiber Länder wie Brasilien und die Ukraine, die weniger auf Preis-Dumping setzten, sondern mehr und mehr auf High-Tech-Landwirtschaft. Dort, und in anderen Ländern, würden nicht nur neue Maschinen und Sorten eingesetzt, sondern auch der Anschluss an internationale Zertifizierungssysteme angestrebt. Weitere Treiber des Wandels seien Klima und sich verändernde Konsumgewohnheiten, z. B. beim Fleischkonsum.

Aber auch regionale Treiber spielten eine Rolle und an erster Stelle nannte der IAMO-Direktor hier die geringe Rentabilität der allermeisten Betriebe in Deutschland. Nach Daten des Thünen Instituts erwirtschafte die Hälfte aller Betriebe einen Pro-Kopf-Überschuss von nur € 30.000.

Dazu kämen demografischer Wandel und intersektoraler Wettbewerb um Arbeitskräfte. In vielen Regionen Deutschlands, etwa im Osten, würden in den kommenden 10 bis 15 Jahren doppelt so viele Menschen aus dem Berufsleben ausscheiden, wie Jüngere hinzukämen Die Landwirtschaft konkurriere dann dort mit allen anderen Wirtschaftszweigen um diese wenigen Arbeitskräfte – mit eher mäßigen Erfolgsaussichten.

Als weiterer Treiber erweise sich die fehlende Akzeptanz von Anpassungen. Würde einerseits gefordert, viehreiche Regionen – etwa im Nordwesten – sollten ihre Tierbestände verringern, sei gerade in vieharmen Gegenden wie Brandenburg der Widerstand selbst gegen kleine Neubauten enorm groß.

Wird der Landwirtschaft die gleiche Entwicklung zugestanden, wie anderen Teilen der Wirtschaft? Bei Wachstum, Globalisierung, Gentechnik und Digitalisierung? Wird deutschen Landwirten das Streben nach Wachstum erlaubt, wie es Schwellen- und Entwicklungsländer ganz selbstverständlich tun? Erhält die Landwirtschaft Zugang zu modernen, gentechnischen Züchtungsmethoden und wird sie weiterhin noch staatlich subventioniert, auch wenn in Zukunft Roboter die Feldarbeit erledigen? Auf die „gesellschaftliche Debatte“ hierzu darf man sehr gespannt sein.

Wie aber kann Akzeptanz für eine Transformation der heimischen Landwirtschaft erreicht werden, fragte Balmann? Bisher jedenfalls sei ein Diskursversagen auf ganzer Linie zu konstatieren: zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft, innerhalb der Landwirtschaft selbst und ebenso innerhalb der Gesellschaft. Zielkonflikte würden gar nicht erst angesprochen, genauso wenig wie anfallende Kosten einer – wie auch immer gearteten – Neu-Ausrichtung.

Lösungsansätze böten bisher der Staat mit seinen Reglementierungen, einzelne Verbände (auch in Zusammenarbeit mit NGOs), der LEH und verschiedene Markenhersteller (etwa mit Labels oder Auslistung von Produkten niedriger Haltungsstufen) und selbst einzelne Betriebe, die sich ein regionales Renommee erarbeiteten.

Idealerweise sollten Aktionen jedoch konzertiert stattfinden, wie es die Zukunftskommission Landwirtschaft oder die Borchert-Kommission vorgemacht hätten. Aber auch wenn immer Kompromisse nötig sein werden, dürften sich keine Widersprüche oder problematische Behauptungen in Vereinbarungen einschleichen. Die Zukunftskommission etwa beziffere die externen Kosten der deutschen Landwirtschaft auf € 90 Mrd., ohne diese Zahl wirklich zu belegen. Auch das Ziel, die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten oder gar zu erhöhen, sei angesichts der geschilderten demografischen Wirklichkeit und Einkommenssituation nicht realistisch.

Die Borchertkommission wiederum setze auf staatliche Tierwohl-Förderung statt auf eine Marktlösung. Die Märkte aber reagierten längst mit ITW und Auslistungen. Passen die beiden Ansätze zusammen oder konkurrieren sie am Ende fragte Prof. Balmann?

Auf Seiten der Landwirte sei die Frage, ob und wie die Kompensation von Mehrkosten langfristig gesichert werden könne. Gibt es Anschubfinanzierung für die Produktionsumstellung oder dauerhafte Subventionen? Wird der Wettbewerb zugunsten von „Subventionsmaximierern“ verzerrt und eigentlich unrentable Maßnahmen finanziert und am Ende gar Anspruchsdenken befördert? Bei etlichen Themen müsse die Diskussion sicher noch mal ganz von vorn begonnen werden, so der Transformations-Forscher.

Und: Der Landwirt als Unternehmer müsse sich heute ganz prinzipielle Fragen stellen: wird mein Betrieb überhaupt gebraucht? Was kann ich, das andere nicht (bieten) können? Will ich das dann auch? Habe ich eine Alternative, eine Exit-Strategie?

Am Ende seines Vortrags stellte Prof. Balmann damit die unbequemsten aller Fragen.

Umgang mit kranken und verletzten Rindern #Netzwerk Fokus Tierwohl

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Im Online-Seminar der Landwirtschaftskammer NRW fragte Dr. Peter Heimberg: wieviel Krankheit ist zumutbar?

Als wichtigste Parameter zur Beurteilung des Gesundheitszustands nannte der Fachtierarzt für Rinder vom Rindergesundheitsdienst NRW: Haltung – Verhalten – Ernährungszustand.

Gesunde Rinder stehen mit erhobenem Kopf, bei gerader Rückenlinie, belasten alle vier Beine gleichmäßig, die Beine stehen senkrecht zum Boden, die Ohren stehen waagerecht ab. Liegende Rinder befinden sich üblicherweise in Brust- oder Brustseitenlage.

Ganz wichtig ist die Lahmheitsbeurteilung. Ist die Rückenlinie nicht absolut gerade und der Bewegungsablauf verhalten, liegt bereits eine gesundheitliche Beeinträchtigung vor. Wölbt sich der Rücken stärker und ist eine deutliche Entlastung bereits im Stand zu erkennen, besteht dringender Handlungs-(Klauenpflege)bedarf. Um die Herde gesund zu erhalten, muss bereits der „Locomotion Score“ 2 sicher erkannt und als Signal für weiteres Handeln verstanden werden. Rinder mit Scores von 3, 4 oder gar 5 dürfen zusammen nicht mehr als 5% der Herde ausmachen.

Gesunde Rinder sind aufmerksam und neugierig, lassen sich leicht auftreiben bzw. stehen von selbst auf, wenn ein Mensch den Stall betritt. In Ruhephasen käut das Tier wieder, beim Absetzen von Kot und Harn wird der Schwanz vom Körper abgehalten, Fliegen mit Schwanz, Ohren und Unterhautmuskulatur abgewehrt.

Der Ernährungszustand lässt sich anhand folgender Punkte beurteilen:

+ hervorstehende Knochenpunkte wie Hüfte oder Schulter sollten ausreichend mit Muskulatur bedeckt sein,
+ die Augäpfel müssen den Lidern bündig anliegen,
+ das Haarkleid muss glatt anliegen und leicht glänzen,
+ besonders wichtig ist der Verlauf über die Laktation!

Die Futteraufnahme lässt sich zwar meist über das Ansehen der Hungergrube beurteilen, aber durchmischte oder aufgeblähte Pansen können ausreichende Füllung auch vortäuschen. Gleiches gilt bei hochtragenden Kühen – bei ihnen hilft nur das Befühlen! Bei laktierenden Tieren sollten 2/3 des Pansens festen Inhalt vorweisen, bei Trockenstehern mindestens 50% (wenn diese zu wenig Volumen aufnehmen, findet sich oft nur ein freischwimmender Futterkloß).

Mittel- bis hochgradig kranke Tiere müssen grundsätzlich dem Tierarzt vorgestellt werden, aber auch geringgradig erkrankte Tiere, deren Zustand sich über einen längeren Zeitraum nicht verbessert.

Laut Tierschutzgesetz muss jeder Tierhalter unnötige Leiden, Schmerzen, Schäden vermeiden. Ausreichend häufige Beobachtung der Herde ist deshalb unverzichtbar. Bei jeglicher Gesundheits-Störung muss unverzüglich Abhilfe geschaffen werden und, bei schlechter Prognose (durch den Tierarzt), müssen Tierleid und -leben beendet werden. Hier ist zu entscheiden, ob eine Notschlachtung möglich oder eine Nottötung angebracht ist. Bei Rindern empfiehlt Dr. Heimberg auf jeden Fall die intravenöse Euthanasie, weil für den Bolzenschuss eine absolut sichere Fixierung des Rinderkopfes nötig, aber selten gewährleistet, sei.

Zur Beurteilung von Transport- und Schlachtfähigkeit schließlich bietet die Kammer einen umfangreichen und sehr empfehlenswerten Leitfaden zum Download an.