Kranke Euter kosten Geld: Tipps zur Vorbeugung von Mastitis

Dr. Michael Hubal,, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Von Dr. Michael Hubal, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Eine der wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen der Milchkuh ist die Mastitis. Der ökonomische Druck im Bereich der Milchproduktion nimmt ständig zu, nicht zuletzt hervorgerufen durch eine kurze Nutzungsdauer von durchschnittlich 2,5 Laktationen. Ein Grund hierfür sind Mastitis bedingte finanzielle Einbußen, die insgesamt auf 150 bis 300 Euro pro gehaltener Kuh und Jahr geschätzt werden.

Die Ursachen für die Mastitis der Milchkuh sind vielfältig. Neben Haltungs- und Fütterungsmängeln spielen Probleme bei der Melktechnik und der Stall- und Melkhygiene eine Rolle. Weltweit werden in der Fachliteratur immer wieder Zahlen zu Einkommensverlusten durch Mastitis ermittelt. Dabei reicht die Spannweite von 150 bis 300 € je gehaltener Milchkuh und Jahr. Dies sind je nach Herdenleistung 2 bis 4 Cent je kg erzeugter Milch! Das ist unbestritten ein entscheidender Anteil des Ertrages, der die Rentabilität eines Milchviehbetriebes maßgeblich beeinflusst. In der Regel nimmt der Milcherzeuger die akuten Mastitisfälle wahr, bei denen hauptsächlich die Behandlungskosten und die verworfene Milch als Kosten bzw. als Verlust ins Auge fallen. Tatsächlich jedoch verursachen Milchverluste durch subklinische Mastitis 5 bis 10-mal höhere Einbußen, die jedoch nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Bundesweit werden die Mastitis bedingten Verluste auf 1,4 Mrd. € geschätzt (DVG 2014).

Die direkten Verluste einer akuten Mastitis sind augenfällig: Zunächst erfährt die Kuh eine Behandlung, die Milch wird für mehrere Tage verworfen. Zusätzlich ist ein Mehraufwand an Arbeitszeit für dieses Tier notwendig. Die Angaben für die Behandlung belaufen sich auf ca. 20 € je Kuh und Jahr, was schon verdeutlicht, dass hier nicht der Schwerpunkt der Verluste liegt. Auch die verworfene Milch und der erhöhte Arbeitsaufwand führen letztlich zu Kosten von ca. 50 € bei einer akuten Mastitis. Bei ca. 50 % klinischen Fällen/Jahr wird jede gehaltene Kuh mit 25 €/Kuh und Jahr belastet. Was macht also die Kosten für mangelhafte Eutergesundheit hauptsächlich aus?

Folgeverluste und versteckte Verluste
Die Hauptverluste durch Mastitis werden verursacht durch verringerte Milchproduktion und erhöhte Bestandsergänzung. In Abbildung 1 ist deutlich zu erkennen, dass bei einem durchschnittlichen Zellgehalt von 220 000/ml (MLP-Durchschnitt Schleswig-Holstein 2018) bereits über 6 % der Milchleistung verloren geht. Dies entspricht bei einer durchschnittlichen Jahresleistung von 8700 kg über 500 kg/Kuh! Damit verursachen die Milchverluste durch erhöhten Zellgehalt bereits 60 bis 70 % der Gesamtverluste! Da subklinische Fälle weitaus häufiger sind als klinische, ist davon auszugehen, dass diese hohen Verluste unbemerkt auftreten. Dies legt die Behauptung nahe: vorbeugende Maßnahmen sind die richtige Investition!


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