Initiative Tierwohl: So profitieren Schweinehalter von Sonderzahlung durch Lidl und Kaufland

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• Initiative Tierwohl (ITW) erhält eine Sonderzahlung in Höhe von 50 Millionen Euro von Lidl und Kaufland
• Mittel werden dafür genutzt, zusätzliche Anreize für die Teilnahme an der ITW zu setzen und die Einführung der Nämlichkeit zu unterstützen
• Ferkelerzeuger und Schweinmäster erhalten eine Einmalzahlung und eine mittelfristige Erhöhung des Tierwohlentgelts

Die Initiative Tierwohl (ITW) wird Anfang 2021 eine zusätzliche finanzielle Förderung in Höhe von 50 Millionen Euro erhalten. Die Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland) hatte der Initiative Tierwohl diese Mittel vor dem Hintergrund der aktuell äußerst schwierigen Situation der Schweinehalter zur Verfügung gestellt. Mit dem Geld sollen die Schweinehalter unterstützt werden, die in der nächsten Programmphase mitmachen und so zur Steigerung des Tierwohls und der weiteren Verbreitung des ITW-Siegels auf Schweinefleischprodukten beitragen.

Alle an der Programmphase 2021-2023 teilnehmenden schweinehaltenden Betriebe erhalten eine Einmalzahlung von 3.000,- Euro, wenn sie bis spätestens 30. Juni 2021 ein ITW-Audit erfolgreich bestanden haben. Zusätzlich erhalten Ferkelerzeuger über die gesamte Programmlaufzeit eine um 1,- Euro erhöhte Vergütung von dann insgesamt 4,07 Euro pro Tier. Schweinemäster erhalten für jedes Mastschwein, das im Zeitraum 1. Juli 2021 bis 31. Dezember 2021 geschlachtet wird, neben dem bereits festgelegten Tierwohlentgelt in Höhe von 5,28 Euro einen zusätzlichen Aufschlag von 1,- Euro, der direkt aus dem Fonds der ITW an die Tierhalter ausgezahlt wird. Das haben die ITW-Gesellschafter in Abstimmung mit Lidl und Kaufland beschlossen.

Klaus Gehrig (Schwarz Gruppe): „Wir freuen uns, dass die konkrete Umsetzung der Auszahlung so schnell gemeinsam mit der ITW ausgearbeitet und beschlossen werden konnte. Ein gutes Signal für die Landwirte und ein wichtiges Signal für mehr Tierwohl.“

„Die Kennzeichnung von Schweinefleisch mit dem ITW-Siegel ab Juli 2021 und die damit verbundene notwendige Ausweitung der ITW ist eine enorme Herausforderung für die Branche. Insbesondere für die Schweinehalter sind die damit verbundenen strategischen Entscheidungen für ihren Betrieb von großer Tragweite. Wir freuen uns, dass wir durch die Sonderzahlung von Lidl und Kaufland eine zusätzliche finanzielle Unterstützung bei dieser Entscheidung geben können“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Erst recht in der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage bei den Tierhaltern hilft uns diese zusätzliche Vergütung unserem Ziel näher zu kommen.“

Bislang haben sich bereits 4.416 Schweinehalter für die neue Programmphase ab 2021 angemeldet. In den Ställen der dann teilnehmenden Sauenhalter, Ferkelaufzüchter und Mäster werden ab 2021 nach derzeitigem Stand jährlich rund 24,7 Millionen Schweine gehalten – darunter 14,6 Millionen Mastschweine. Ab Januar 2021 startet dann die nächste Möglichkeit der Registrierung für schweinehaltende Betriebe.

Weitergehende Informationen zur Vergütung werden interessierte Schweinehalter ab Anfang Januar 2021 unter www.initiative-tierwohl.de abrufen können.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Boehringer Ingelheim übergibt Forschungszentrum an TiHo

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• Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover übernimmt Liegenschaften und Einrichtungen für eigene Forschung zum 1. April 2021
• Modernes Forschungszentrum bleibt für Region Hannover erhalten und wird durch die Stiftung Tierärztliche Hochschule für Forschung im Bereich Infektionsmedizin genutzt werden

Am 18. Dezember unterzeichneten Boehringer Ingelheim und die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) einen Vertrag, nach dem die Liegenschaften des vormaligen Forschungszentrums für Tierimpfstoffe im Stadtteil Kirchrode an die TiHo übertragen werden. Zum 1. April 2021 wird die TiHo die Verantwortung für den Standort übernehmen und ihn künftig mit eigenem Personal für die wissenschaftlich-universitäre Arbeit nutzen. Die Forschungsarbeiten von Boehringer Ingelheim wird die TiHo nicht fortführen. Damit hat Boehringer Ingelheim die Suche für eine nachhaltige Nutzung des modernen Forschungszentrums für Tiergesundheit erfolgreich abgeschlossen.

„Wir freuen uns sehr, dass die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unsere Liegenschaft übernimmt. Damit kann die Hochschule die eigenen Forschungskapazitäten wesentlich erweitern und gleichzeitig bleibt das moderne Forschungszentrum der Region Hannover erhalten“, erklärt Sabine Nikolaus, Landesleiterin Deutschland bei Boehringer Ingelheim. „Die Einigung unterstreicht die gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der TiHo.“

„Für die TiHo ist das eine einmalige Gelegenheit, unsere Forschungsstärke in der Infektionsmedizin weiter auszubauen“, sagt TiHo-Präsident Dr. Gerhard Greif. „Klimawandel, Globalisierung und der Verlust von Lebensräumen führen dazu, dass sich Infektionserreger immer besser ausbreiten können. Die Corona-Pandemie zeigt uns sehr schmerzvoll, was das bedeutet und wie wichtig die Infektionsforschung ist. Etwa zwei Drittel der Erreger, die bei Menschen zu Infektionskrankheiten führen können, werden zwischen Tier und Mensch übertragen. Es wird also immer wichtiger bei Infektionserkrankungen nicht nur auf das Tier und nicht nur auf den Menschen zu blicken, sondern das gesamte Infektionsgeschehen zu untersuchen.“

Boehringer Ingelheim wird die eigenen Arbeiten am Standort Hannover Ende 2020 einstellen. Hintergrund ist eine globale Neuausrichtung der Schwerpunkte in der Tiergesundheitssparte. Eine Übernahme der aktuell 129 Mitarbeitenden am Forschungszentrum Hannover ist nicht Teil der Vereinbarung zwischen dem Unternehmen und der TiHo. Wie im Oktober 2020 verkündet, hat Boehringer Ingelheim mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt und umgesetzt. Neben finanzieller Unterstützung bietet das Unternehmen seinen Angestellten Hilfestellung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, nach Möglichkeit an anderen Standorten des Unternehmens.

Die künftige Forschung der TiHo auf dem Gelände
Der Standort Campus Bünteweg in Kirchrode gehört seit 1953 zur TiHo. Nach und nach wurden dort seit dieser Zeit Universitätsgebäude errichtet. Dementsprechend sind manche der Gebäude mehrere Jahrzehnte alt und entsprechend sanierungsbedürftig. Für die TiHo bietet der Neuerwerb kurzfristig die günstige Gelegenheit, Entwicklungsflächen für diese Arbeitsbereiche zu schaffen, die von den Sanierungen betroffen sein werden. Dazu zählen die Arbeitsbereiche Virologie, Biochemie oder Pharmakologie. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der molekularen Grundlagenforschung der Wirt-Erreger-Interaktion, Darmerkrankungen, Neuropharmakologie und den Abwehrstrategien des Immunsystems.

Über Infektionsforschung an der TiHo
Die TiHo legt seit Jahren einen Forschungsschwerpunkt auf infektionsmedizinische Themen und seit Jahren baut die TiHo ihre Ressourcen auf diesem Gebiet systematisch aus. Das zeigt sich in dem Bau des hochmodernen Research Centers for Emerging Infections and Zoonoses, in dem Forschungsarbeiten an Infektionserregern unter Bedingungen der Biologischen Sicherheitsstufe 3 möglich sind und am Gewinn erfolgreicher Infektionsforscherinnen und Infektionsforscher. Sehr sichtbar, wie gut sich die TiHo in diesem Bereich aufstellt, war die Vergabe der Alexander von Humboldt-Professur, dem höchstdotierten internationalen Forschungspreis in Deutschland, an die TiHo.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Vorreiter in Europa: betäubungslose Ferkelkastration ab 1. Januar 2021 verboten

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Förderung des Bundesministeriums für Narkosegeräte stößt auf große Resonanz – Anträge in Höhe von rund 13,5 Millionen Euro bewilligt

Ab dem 1. Januar 2021 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten. Es tritt dann europaweit eine der strengsten Regelungen in Kraft: Eine vollständige Schmerzausschaltung muss garantiert sein. Ferkel können dann nur noch unter Vollnarkose kastriert werden. Anders als in anderen Mitgliedstaaten reicht eine lokale Betäubung oder Schmerzlinderung in Deutschland nicht aus.

Bundesministerin Julia Klöckner: „Die betäubungslose Ferkelkastration gehört bei uns mit dem Jahreswechsel der Geschichte an. Das ist ein entscheidendes Datum für mehr Tierschutz. Deutschland wird in Europa auch hier in der Klarheit der Regelung Vorreiter sein. Mit der Vorgabe der Schmerzausschaltung gehen wir über das geltende EU-Recht hinaus. Für die Tierhalter bedeutet das einen höheren Aufwand und Investitionen. Ihnen greifen wir unter die Arme, um die Umstellung zu ermöglichen. Gleichzeitig ist der Handel aufgefordert, auf die bestehenden Alternativen zu setzen.“

Zur betäubungslosen Ferkelkastration bestehen drei rechtskonforme Alternativen:
1. die Jungebermast,
2. die Impfung gegen Ebergeruch und
3. die Kastration unter Vollnarkose.

Um Wettbewerbsverzerrungen durch die strengeren Vorgaben zu verhindern, unterstützt das Bundeslandwirtschaftsministerium in vielfältiger Weise die Einführung der alternativen Verfahren und Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration.

So fördert das Ministerium etwa die Anschaffung von Narkosegeräten: Insgesamt wurden etwa 2.700 Förderanträge mit einem Volumen von rund 13,5 Millionen Euro bewilligt. Eine von Bundesministerin Klöckner vorgelegte Verordnung ermöglicht dabei die Durchführung der Vollnarkose mit dem Narkosemittel Isofluran durch den Landwirt oder andere sachkundige Personen. Voraussetzung dafür ist eine umfassende theoretische und praktische Schulung.

Darüber hinaus ist das Ministerium in Sachen Vermarktung in kontinuierlichem Kontakt mit dem Schlacht- und Verarbeitungssektor sowie dem Einzelhandel. Unterstützt werden zudem Forschungsprojekte zur Weiterentwicklung der Schweinehaltung. Außerdem informiert das BMEL die Verbraucherinnen und Verbraucher mit einer Broschüre und über die Homepage über die Thematik der betäubungslosen Ferkelkastration und die Alternativverfahren.

Quelle: BMEL

NRW: Tiertransporte in Drittstaaten nur bei gesicherter Einhaltung der Tierschutzanforderungen

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Initiative Nordrhein-Westfalens im Bundesrat: Bund soll prüfen, Rindertransporte in bestimmte Drittstaaten per se zu verbieten

Nordrhein-Westfalen setzt sich dafür ein, dass Rindertransporte in Drittstaaten verboten werden, sofern zu befürchten ist, dass die betroffenen Tiere im Drittstaat tierschutzwidrig behandelt oder unzureichend versorgt werden. Dieses wichtige Tierschutzanliegen ist am Freitag auf Initiative Nordrhein-Westfalens Thema im Bundesrat. Gemäß Antrag soll der Bund aufgefordert werden, auf Grundlage des Tierschutzgesetzes und nach Auswertung aller verfügbaren Informationen zu prüfen, Transporte von Rindern in bestimmte Drittstaaten per se zu verbieten. Welche Drittländer betroffen wären, liegt dann in der Entscheidungshoheit des Bundes.

„Uns ist nicht nur der Tierschutz beim Transport, sondern auch im Hinblick auf das zukünftige Schicksal der Tiere im Bestimmungsstaat ein wichtiges Anliegen. Sofern nicht amtlich sichergestellt werden kann, dass alle Tierschutzanforderungen während des Transports und im Zielland eingehalten werden, sollten Transporte untersagt werden“, so Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann. Ergänzend zur Bundesrats-Initiative setzt sich das Landwirtschaftsministerium auch auf europäischer Ebene für eine Überarbeitung des Tierschutztransportrechtes ein, um langfristig eine bessere Kontrollmöglichkeit der Transporte zu schaffen.

Nordrhein-Westfalen hatte bereits seit Juli 2020 die Abfertigung von Rindertransporten in Drittstaaten untersagt. Das Problem: Amtlichen Tierärzten fehlt vielfach der Zugang zu entscheidungsrelevanten Informationen zu Transportrouten und Transportbedingungen, um zu entscheiden, ob ein Tiertransport in einen Drittstaat entsprechend den rechtlichen Voraussetzungen durchgeführt werden kann oder nicht.

Ein Veterinäramt in Nordrhein-Westfalen hatte jüngst einen geplanten Rindertransport nicht gestattet, weil die Befürchtung bestand, dass der Tierschutz im Zielland nicht sichergestellt werden kann. Diese Entscheidung wurde vom Oberverwaltungsgericht Münster mit einem Eilbeschluss vom 10. Dezember 2020 gekippt, weil das Gericht die beschriebenen drohenden abstrakten Gefahren für die betroffenen Rinder nicht für ausreichend hält, um auf dieser Grundlage eine Transportabfertigung zu versagen. Eine Bewertung von Tierschutzgefahren für Rinder in bestimmten Zielstaaten könne abstrakt-generell nur durch den Bund erfolgen.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen analysiert Sammelverhalten von Bienen anhand der Pollen-DNA

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Häufig werden Honigbienen, aber auch Hummeln für die Bestäubung von Nutzpflanzen eingesetzt. Das Aufstellen von Honigbienen- oder Hummelvölkern neben dem Feld garantiert aber nicht, dass die Zielpflanzen besucht werden, denn andere gleichzeitig blühende Pflanzenarten können gegebenenfalls attraktiver sein. Ein Team der Universität Göttingen hat zusammen mit Forscherinnen und Forschern der Hochschule Mittweida und des Julius Kühn-Instituts Braunschweig mit innovativen molekularbiologischen Methoden und traditioneller Mikroskopie das Pollen-Sammelverhalten von Honigbienen und Hummeln in Agrarlandschaften untersucht.

Sie zeigen, dass Hummeln, um ihren Bedarf an Eiweißnahrung zu stillen, viel mehr Pollen aus unterschiedlichen Pflanzengattungen nutzen als Honigbienen. Außerdem werden weniger Pollen von der Zielpflanze Erdbeere gesammelt, wenn viele Rapsfelder in der umgebenden Landschaft in Blüte sind. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Molecular Ecology erschienen.

Die Forscherinnen und Forscher haben Honigbienen und Hummelvölker neben Erdbeerfeldern in der Region Göttingen und Kassel aufgestellt und Pollen von heimkehrenden Honigbienen und Hummeln gesammelt. Die Bienen sammeln den eiweißreichen Pollen vor allem für die Ernährung ihrer Nachkommen. Die Pollen-DNA wurde in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Molekularbiologie der Nutztiere und molekulare Diagnostik der Universität Göttingen und der Abteilung Biochemie/Molekularbiologie der Hochschule Mittweida untersucht. „Über die DNA können wir herausfinden, welche Pflanzengattungen die Bienen besucht haben und wie divers ihr Sammelverhalten ist. Dafür haben wir die Pollen-DNA sequenziert und die Sequenzen mit einer regional angelegten Datenbank der bei uns vorkommenden Pflanzengattungen verglichen“, so die Erstautorin Dr. Svenja Bänsch, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen.

„Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass Honigbienen und Hummeln sehr unterschiedliche Pflanzen als Pollenquellen in der Landschaft nutzen. Insbesondere das breite Nahrungsspektrum von Hummeln, das sie vor allem in blütenreichen Lebensräumen finden, sollte bei der Planung von Naturschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Sowohl Honigbienen als auch Hummeln, deren Kolonien gekauft oder geliehen werden können, eignen sich als Bestäuber im Erdbeeranbau. Vorrangig sollten jedoch die natürlich vorkommenden Wildbienen gefördert werden“, schlussfolgert Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Initiative Tierwohl: 14,6 Mio. Mastschweine ab 2021

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Initiative Tierwohl schließt verlängerte Anmeldephase zur Programmphase 2021-2023 erfolgreich ab – Bislang bereits 4.416 schweinehaltende Betriebe für neue Programmphase angemeldet – Bislang 24,7 Mio. Ferkel und Mastschweine ab 2021

Die Initiative Tierwohl (ITW) vermeldet den erfolgreichen Abschluss der verlängerten Anmeldephase für das ITW-Programm 2021-2023. Nachdem sich während des ersten Abschnitts der Anmeldephase in September und Oktober bereits 3.677 schweinehaltende Betriebe angemeldet hatten, konnte die ITW in der Verlängerung weitere 739 Betriebe zulassen. In den Ställen der bislang angemeldeten Sauenhalter, Ferkelaufzüchter und Mäster werden daher ab 2021 voraussichtlich jährlich rund 24,7 Millionen Schweine gehalten – darunter 14,6 Millionen Mastschweine.

„Die Anzahl der bereits jetzt angemeldeten Tiere stimmt uns zuversichtlich“, erläutert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Durch die verlängerte Anmeldephase konnten wir noch einmal über zwei Millionen Mastschweine zulassen, die ab 2021 jährlich von der ITW profitieren. Auch freut uns, dass wir weitere 121 Sauenhalter und Ferkelaufzüchter davon überzeugen konnten, sich ab 2021 weiterhin in der ITW zu engagieren. Insgesamt stellt die erfolgreiche Anmeldephase ein starkes Signal dar.“

Die Initiative Tierwohl strebt in der neuen Programmphase eine Ausweitung der Kennzeichnungsfähigkeit mit dem ITW-Siegel im Schweinefleischsortiment an. Ähnlich wie das bei Geflügelfleisch seit 2018 bereits gelungen ist, ist es das erklärte Ziel der ITW, auch bei Schwein die Umstellung ganzer Sortimentsbereiche im Handel von der Haltungsform Stufe 1 in die Stufe 2 zu ermöglichen. „Mit schon jetzt 14,6 Millionen Mastschweinen ist dieses Ziel noch greifbarer geworden“, so Hinrichs weiter.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Klöckner: Europäisches Bekenntnis zu mehr Tierwohl und mehr Verbraucherorientierung

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Deutsche Präsidentschaft bringt europäisches Tierwohlkennzeichen auf den Weg – EU-Agrarrat beschließt Ratsschlussfolgerungen

In Brüssel hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, heute ein weiteres zentrales Ziel der deutschen Ratspräsidentschaft im Agrarbereich umgesetzt. Der Rat hat einstimmig Schlussfolgerungen für ein europaweit einheitliches Tierwohlkennzeichen beschlossen und die EU-Kommission beauftragt, hier aktiv zu werden. Die Ministerin hatte das Thema erstmalig auf die europäische Agenda gesetzt und treibt es mit dem Beschluss nun weiter voran. Bereits beim Informellen Treffen der EU-Agrarminister in Koblenz hatte sie dafür breite Zustimmung erreicht. Die Bundesministerin ist der Meinung, dass am Ende der Prüfung der Kommission das Ziel ein verpflichtendes EU-weites Tierwohlkennzeichen sein sollte.

Dazu erklärt Bundesministerin Klöckner: „Für mehr Tierwohl in Europa ist der heutige Beschluss ein klares Bekenntnis, ein großer Schritt voran. Wir wollen ein europaweit gleiches Verständnis für höhere Standards erreichen. Das schafft eine bessere Orientierung für die Verbraucher beim Einkauf. Ihrem Wunsch nach mehr Tiewohl sollen sie durch eine glaubwürdige und transparente Kennzeichnung Ausdruck verleihen können. Gleichzeitig ist es Anreiz für die Tierhalter, ihre Bemühungen werden sichtbar. Beim tierwohlgerechten Umbau ihrer Ställe wollen wir sie unterstützen. Auch die neue Gemeinsame Europäische Agrarpolitik trägt dem Tierschutz durch eine neue Finanzierungsmöglichkeit Rechnung.“

Wesentliche Punkte der Schlussfolgerungen des EU-Agrarrats:
• Es sollen einheitliche, transparente Kriterien für mehr Tierwohl entwickelt werden, die über den aktuellen gesetzlichen Mindeststandard hinausgehen.
• Ein EU-weites Tierwohlkennzeichen soll für alle Nutztierarten unter Berücksichtigung ihrer gesamten Lebensspanne entwickelt werden.
• Das Kennzeichen soll den Produzenten genügend Anreize bieten, ihre Tierwohlstandards zu erhöhen.
• Es soll ein einheitliches, geschütztes Logo entwickelt werden.

Quelle: BMEL

Bewerberrekord bei Preis der Tiergesundheit 2020/21

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MSD Tiergesundheit startet mit der Juryphase
• 88 Bewerbungen aus Deutschland und Österreich
• Qualitativ hochwertige Bewerbungen
• Jury besucht und bewertet die besten Betriebe

Der „Preis der Tiergesundheit“ schließt mit einem neuen Rekord die Bewerbungsphase ab. Mit 88 Bewerbungen von Landwirtinnen und Landwirten aus Deutschland und Österreich wurde die letztjährige Teilnehmerquote bei Weitem übertroffen. Der von MSD Tiergesundheit ausgerichtete Preis wurde in der zweiten Runde um die Tierart Schwein sowie zwei neue Schwerpunkte beim Rind erweitert. Die meisten Bewerbungen sind mit 51 Betrieben für die Kategorie „Eutergesundheit“ eingegangen. 16 Bewerbungen entfallen auf „Tiergesundheit im Rindermastbestand“ und 21 auf „Saugferkelmanagement“.

Die teilnehmenden Betriebe haben keine Mühen gescheut und neben schriftlichen Bewerbungen auch Bilder und Videos eingereicht. Die Qualität der eingereichten Konzepte ist insgesamt sehr hoch. „Wir sehen hier eine unglaubliche Vielfalt an Ideen und Konzepten. Jeder einzelne Bewerber hat sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie er die Tiergesundheit und das Tierwohl in seinem Betrieb verbessern kann“, schildert Michael Kandert, landwirtschaftlicher Fachberater bei MSD Tiergesundheit, seine ersten Eindrücke nach den Betriebsbesuchen.

Die Bewerbungen werden von einer unabhängigen Expertenjury bewertet
Im ersten Schritt werden die Betriebe besucht, um objektive Daten anhand einer Checkliste zu erfassen. Diese Erkentnisse werden dokumentiert, um sie für die unabhängige Expertenjury vergleichbar zu machen. Kommt ein Betrieb in die engere Auswahl, findet ein weiterer Besuch durch einen Vertreter der Jury statt. Die Preisverleihung findet im Frühjahr 2021 statt.

Die Jury jeder Kategorie besteht aus unabhängigen Expertinnen und Experten aus Forschungs-und Lehreinrichtungen, Verbänden und jeweils einem Vertreter von MSD Tiergesundheit.

Die Jury der Kategorie „Eutergesundheit“:
Frau Dr. Martina Baumgartner
Universitätsklinik für Wiederkäuer der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Herr Prof. Dr. Volker Krömker
Universität Kopenhagen

Herr Prof. Dr. Markus Freick
Hochschule für Wirtschaft und Technik Dresden

Herr Dr. Christian Koch
Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle

Herr Dr. Martin tho Seeth
Eutergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Herr Dr. Carl-Christian Gelfert
Fachberatung Rind, MSD Tiergesundheit

Die Jury der Kategorie „Tiergesundheit im Rindermastbestand“:
Frau Prof. Dr. Kerstin Müller
Klinik für Klauentiere der Freien Universität Berlin

Herr Bernd Priegnitz
Landeskontrollverband Sachsen-Anhalt

Herr Dr. Johann Gasteiner
Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein, Österreich

Herr Dr. Jan Harms
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Herr Markus Damann
Kontrollgemeinschaft deutsches Kalbfleisch e.V.

Herr Dr. Egon Thesing
Fachberatung Rind, MSD Tiergesundheit

Die Jury der Kategorie „Saugferkelmanagement“:
Frau Prof. Dr. Nicole Kemper
Tierärztlichen Hochschule Hannover

Frau Prof. Dr. Andrea Ladinig
Universitätsklinik für Schweine der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Herr Dr. Jörg Brüggemann
Schweinekontroll- und Beratungsring MV e.V.

Herr Dr. Hansjörg Schrade
Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg, Landesanstalt für Schweinezucht

Herr Georg Freisfeld
Erzeugerring Westfalen e.G.

Herr Dr. Robert Tabeling
Fachberatung Schwein, MSD Tiergesundheit

Durch den „Preis der Tiergesundheit“ sollen Erfolge in der Landwirtschaft durch innovative, nachhaltige Haltungs- und Gesundheitskonzepte ins Rampenlicht gestellt werden und so nicht nur untereinander zum Erfahrungsaustausch anregen, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein praktischer Austausch der Bewerberinnen und Bewerber soll auch nach dem „Preis der Tiergesundheit“ weitergeführt werden. Mehr Informationen zum „Preis der Tiergesundheit“ erhalten Sie hier.

Fischwohl in der Aquakultur – Probleme und Lösungsansätze

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Jedes Jahr werden weltweit einige Billionen Fische gefangen und verspeist. Über das Wohlbefinden der Tiere in der Aquakultur, beim Fang oder bei der Schlachtung dachte bis vor Kurzem kaum jemand nach.

Dabei belegt die neuere Forschung, dass zumindest einige, wenn nicht alle Fischarten empfindungsfähig sind, „Beziehungen mit Artgenossen oder mit Individuen anderer Arten eingehen, komplexe Lern- und Gedächtnisaufgaben lösen und Entscheidungen aufgrund der Einschätzung von Risiken und Nutzen treffen“ können, positive und negative affektive Zustände erleben können und sowohl Selbstbewusstsein zeigen, als auch Werkzeuge verwenden und komplizierte Strukturen aufzubauen. So steht es in der neuesten Broschüre der IGN zur Aquakultur.

„Das Verhalten der Fische ist der früheste und subtilste Indikator für ihr Wohlbefinden. Seine Bewertung ist praktisch, kostengünstig und nicht invasiv; allerdings ist Verhalten oft schwer zu verstehen und zu interpretieren“ heißt es im Text. Fische besitzen vielen Umweltrezeptoren Rezeptoren für Temperatur, ionische und osmotische Komponenten, Strömungen und alle Arten pathogener und nicht-pathogener Mikroorganismen. „Die strukturelle Bereicherung der Haltungsumwelt gilt als eine dringend empfohlene Strategie, um das Wohl von in Gefangenschaft gehaltenen Fischen zu gewährleisten oder zu verbessern“ schreiben die Fachwissenschaftler und heben vor allem auf den Tierwohl-Faktor Stress ab

Welche Maßnahmen bei der Einrichtung von Aquakulturanlagen, neben Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit, eine wichtige Rolle spielen sollten, erfahren die Leser auf 50 Seiten.

Inhalt:
Aus dem Forscherbüro
Einleitung – Zuchtfische: Warum so viele? Fischwohl: Warum so spät?
Schmerzen und Gefühle bei Fischen – Folgen des Fischwohls für die Aquakultur
Empfindungsvermögen bei Fischen
Fische sind intelligent und empfinden Schmerzen: Was ist mit Freude?
Fischzucht: Vom Stress zur Lebensqualität und zur ethisch vertretbaren Mahlzeit
Stress-Bewältigungsverhalten, ein Instrument um das Wohlbefinden von Fischen besser zu verstehen
Fischwohl: Zusammenhange zwischen Stress, Gesundheit, Umwelt und Vielfalt
Strukturelle Bereicherung in Fischfarmen: Wissenschaft und Fiktion
Wissen als Voraussetzung für Fischwohl – FishEthoBase als Grundlage
Fischwohl – nicht mehr langer der „Elefant im Raum“

Aus der Praxis
Entwicklung von Fischwohl-Richtlinien für die „Friend of the Sea“-Zertifizierung (FOS)
Aquaculture Stewardship Council (ASC) – Fischwohl Indikatoren in der Zertifizierung
Aufgaben und Arbeitsweise des „Initiativkreises Tierschutzstandards Aquakultur
Entwicklung von Koordination fur die Schweizer
Intensive Aquakultur und Tierwohl: ein Beispiel aus der Praxis

Aus der Bibliothek
Das umfassende neue Buch vom Fischwohl
Aktueller Überblick über das Fischwohl in Aquakultur und Tierversuchen
Aktueller Überblick über unsere Verwandten unter Wasser
Stress und Fischwohl: Indikatoren im Mucus
Verbesserung des Lebens unabhängig vom Grad der Empfindungsfähigkeit
fair-fish: Idee mit Wirkung

Aus dem Tierschutzrecht / Aus der Rechtsprechung
Die Fische im Tierschutzrecht in Europa
Der Fisch im Schweizer Recht – aktuelle Straffälle

Die IGN-Broschüre steht hier zum kostenfreien Download bereit.

Infektionskette unterbrechen durch Mykoplasmenimpfung der Sau?

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Von Dr. Heike Engels

Der Haupterreger der Enzootischen Pneumonie, Mycoplasma hyopneumoniae (kurz: M. hyo), führt weltweit zu großen Schäden und gilt als ein bedeutender Auslöser des Porcine Respiratory Disease Complex (PRDC). Chronisch trockener Husten zumeist in der Endmast sowie verminderte Tageszunahmen deuten auf eine M. hyo-Infektion hin. Außerdem ist M. hyo häufig Wegbereiter für Sekundärinfektionen durch PRRS-Viren oder Influenza. Die Infektion geschieht früh: Schon Sauen können M. hyo an ihre Ferkel übertragen. Um die Ferkel zu schützen hat sich daher eine Ferkelimpfung etabliert. Landwirt und Tierarzt entscheiden betriebsindividuell, ob diese Impfung als einmalige (One-Shot) oder zweimalige (Two-Shot) Impfung durchgeführt wird. Beiden Verfahren bescheinigen Experten eine vergleichbare Wirksamkeit. Sauen werden derzeit noch nicht routinemäßig geimpft, obwohl frühere Studien belegen, dass Sauen den Erreger an ihre Ferkel übertragen.

Sauenimpfung und One-Shot-Ferkelimpfung
Um den Effekt der Sauenimpfung näher zu untersuchen, führten Tierärzte der Tierärztlichen Fachpraxis für Schweine Vet-Team GbR Reken gemeinsam mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule sowie dem Bio-Diagnostix Labor in Velen eine Untersuchung* durch, die kürzlich im Magazin „Der Praktische Tierarzt“ veröffentlicht wurde. Sie prüften den Einfluss einer M. hyo-Impfung von Sauen zu verschiedenen Zeitpunkten auf die Antikörperkonzentration von Sauen und Ferkeln. Außerdem betrachteten sie die Besiedelungsrate der Ferkel mit M. hyo zum Absetzen und die Lungengesundheit von Endmastschweinen am Schlachthof. Der Versuch fand auf einem konventionellen Ferkelerzeugerbetrieb mit 400 Sauen und Ferkelaufzucht sowie Mast statt. Bei Versuchsbeginn gab es trotz einer Two-Shot-Impfung gegen M. hyo vermehrte Atemwegsinfekte in der Mast sowie steigende Lungenbefunde bei der Schlachtung. Für den Versuch führten die Tierärzte eine Sauenimpfung zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein (keine Sauenimpfung / Bestandsimpfung / reproduktionsorientierte Impfung) und änderten die bisherige Two-Shot-Ferkelimpfung gegen M. hyo (5. und 21. Lebenstag) auf eine One-Shot-Impfung am 21. Lebenstag. Dies geschah aufgrund der durch die Sauenimpfung zu erwartenden hohen maternalen Antikörper, die die Immunantwort der Ferkel auf die Impfung schwächen können.

Antikörper steigen bei Sau und Ferkel
Nach Einführung der Sauenimpfung ließ sich ein deutlicher Anstieg der Antikörperkonzentration sowohl der Sauen als auch der Saugferkel beobachten, insbesondere bei einer reproduktionsbezogenen Impfung kurz vor der Geburt. Und auch die Besiedelungsrate der Saugferkel mit M. hyo änderte sich positiv: Vor Einführung der Sauenimpfung betrug sie 38,5 %, nach Impfung der Sauen lag sie nur noch bei 0 % (Bestandsimpfung) bzw. 6,7 % (reproduktionsorientierte Impfung). Auch der Anteil sichtbar veränderter Lungen der Endmastschweine am Schlachthof ging zurück. Gab es vor Impfumstellung bei 28,9 % der Lungen Veränderungen an mindestens einem Lungenspitzenlappen, waren nach Impfumstellung nur noch 17,7 % der Lungen betroffen.

Fazit
Die Wissenschaftler schlussfolgern anhand der Ergebnisse, dass:

• Eine Impfung von Sauen gegen M. hyo eine frühe Besiedelung der Saugferkel mit M. hyo reduzieren oder möglicherweise sogar verhindern kann.

• Die zusätzliche Sauenimpfung sowohl reproduktionsabhängig als auch als Bestandsimpfung insbesondere in Kombination mit einer Impfung der Ferkel eine sinnvolle Ergänzung zu einer klassischen Ferkelimpfung darstellen könnte.

• Beim Auftreten von Atemwegsproblemen in Flatdeck oder Mast zusammen mit vermehrten Lungenbefunden am Schlachthof die Besiedelung der Saugferkel mittels Lungenspülprobe überprüft und ggf. das Impfschema angepasst werden sollte.

• Bei früher M. hyo-Infektion der Ferkel schon zum Impfzeitpunkt eine Two-Shot-Impfung nur eine eingeschränkte Wirksamkeit zu haben scheint.
Wichtig: Jede Veränderung im Impfmanagement sollte intensiv mit dem eigenen Hoftierarzt besprochen werden, um die ideale und zugelassene Vorgehensweise betriebsindividuell zu ermitteln.

*Studie: Klingenberg, M. et al.: „M. hyopneumoniae-Impfung von tragenden Sauen – eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Ferkelimpfung?“, Der Praktische Tierarzt 2, 2020, S. 180-188.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in Ausgabe 5/2020 des E-Magazins „Der Hoftierarzt“. Für ein kostenfreies Abo bitte hier mit Mail-Adresse registrieren.

Innovation Award EuroTier 2021 Gold & Silber: Rinder

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Gold:

CowToilet von Hanskamp AgroTech BV

Cow Toilet

Der Minderung von Emissionen aus der Tierhaltung kommt eine wachsende Bedeutung zu. Stand hier lange das Entfernen bereits entstandener Emissionen aus der Abluft von Ställen im Fokus der Maßnahmen, liegt der Schwerpunkt heute eher darin, bereits deren Entstehung technisch oder auf der Verfahrensebene möglichst präventiv zu reduzieren. Auch die Milchviehhaltung steht in der Pflicht, z. B. für Ammoniakemissionen, Reduktionspotenziale zu suchen und effektiv umzusetzen. Viel Ammoniak in verhältnismäßig kurzer Zeit entsteht hier insbesondere aus den 15 bis 20 Litern Harn, die eine Kuh pro Tag abgibt.

Die Kuhtoilette (CowToilet) der Firma Hanskamp aus den Niederlanden ist ein revolutionäres Produkt, welches genau an diesem Punkt ansetzt. Das innovative System besteht aus einer Futterstelle sowie einer Auffangeinrichtung für den Harn. Über einen externen Stimulus wird nach dem Ende der Futtergabe der Reflex zum Abharnen ausgelöst und dieser aufgefangen. Die Hanskamp CowToilet sammelt so auf eine bisher ungekannte und intelligente Art den Harn direkt und separat von der Kuh ohne das Tier zu belasten.
Durch die frühe Trennung von Kot und Harn wird das Entstehen von Ammoniak auf den Laufflächen vermindert. Zudem bleiben die Laufflächen sauberer, was sich sowohl positiv auf die Klauengesundheit, wie auf die Luftqualität im Stall auswirkt. Des Weiteren kann der Landwirt die separat gesammelten und getrennt gelagerten Stoffe Kot und Harn im Pflanzenanbau oder der Energieerzeugung zielgerichteter und bedarfsgerechter einsetzen und so die Nährstoffeffizienz weiter steigern.

Silber:

Alma Pro Hygieneset: UV-C Desinfektion von Nuckel und Boilerwasser von URBAN GmbH & Co. KG

Alma Pro Hygieneset

Hygiene ist das A & O in allen Tierbeständen – so auch bei der Kälberaufzucht, unter anderem bei der Fütterung. Gerade bei der automatischen Fütterung besteht die Gefahr, dass Erreger von Kalb zu Kalb weitergegeben werden.

Das Alma Pro Hygiene Set der URBAN GmbH steht für einen innovativen Einsatz der vielfach bewährten UV-C Bestrahlung zur Keimminderung im Bereich der Kälberfütterung. Durch eine gezielte UV-C Bestrahlung an relevanten Hygienepunkten des Kälbertränkeautomaten sollen deutliche Verbesserungen im Vergleich zu bisherigen Konzepten zur technischen Keimreduktion erzielt werden. Neben einer UV-C Bestrahlung des Boilerwassers, die eine aus Hygienegesichtspunkten einwandfreie Wasserqualität zum Amischen der Tränke gewährleistet, stellt die zusätzliche und überwachte Bestrahlung des Nuckels eine deutliche Verbesserung dar. In kurzen Tränkepausen zwischen den einzelnen Kälbern werden der Nuckel und die angrenzenden Kontaktflächen bestrahlt, und so eine Vielzahl von Erregern während des Betriebs abgetötet. Durch diese Keimreduzierung und Verminderung der Keimvermehrung wird auch die Gefahr der Keimverschleppung durch die Kälber minimiert.

Im Vergleich zu anderen Hygienisierungsmethoden am Markt stellt URBAN mit dem Alma Pro Hygieneset eine sichere, besonders ressourcenschonende und chemikalienfreie Möglichkeit zur Keimreduktion im Kälbertränkebereich zur Verfügung.

Brix-TS Sensor von Holm & Laue GmbH & Co. KG

Brix TS-Sensor

Einer der sensibelsten Bereiche in der Milchviehhaltung ist die Kälberaufzucht. Kälbetränkeautomaten haben sich bewährt und sorgen für eine tier- und bedarfsgerechte Ernährung der Kälber. In der Regel wird in den Automaten mit Milchpulver, in geringerem Umfang auch mit Vollmilch, gearbeitet. Auch die Kombination aus beidem ist möglich.

Wechselnde Trockensubstanz-Gehalte bei neuen Milchpulver-Chargen bedingen ein ständiges Überprüfen und Anpassen der Grundeinstellungen der Tränkeautomaten, um eine gleichbleibende Konzentration des Milchpulvers in der der Tränkemilch und optimale Futterqualitäten zu erreichen. In der Praxis wird diese wichtige Tätigkeit aus Zeitgründen teilweise nicht ausgeführt, da die Milchaustauscherkonzentration nach einer Kalibrierung manuell am Futterautomaten eingestellt werden muss.

Der Brix-TS Sensor ist ein elektronischer Refraktometer-Sensor, der in den Anmischbecher des Kälbertränkeautomaten „Calf Expert“ integriert wurde. Dort misst und überwacht er kontinuierlich die Trockensubstanz der frisch angemischten Kälbermilch. Bei Abweichungen korrigiert der Automat die Konzentration in der Tränkemilch. Ebenso kann beim Einsatz von Vollmilch durch eine eventuelle Beigabe von Milchpulver eine gleichbleibende Trockensubstanzkonzentration der Tränkemilch gesichert werden.

Holm & Laue bringt mit dem Brix-TS Sensor somit eine technische Lösung auf den Markt, die eine kontinuierlich gleichbleibende Kälbertränke gewährleisten kann.

Delta X Pack

Delta X Pack von BIORET AGRI Logette Confort
Durch eine frühe Trennung von Kot und Harn kann die Entstehung von Ammoniak auf den Laufflächen gemindert werden. In der Milchviehhaltung stellt der Harn der Tiere eine der Hauptquellen für die Entstehung von Ammoniakemissionen dar; vor allem, wenn er länger unter Luftkontakt und in Kontakt zum Kot auf den Laufflächen verbleibt.

Die Firma Bioret aus Frankreich hat hierzu mit dem Delta X Pack ein sehr interessantes Produkt wesentlich weiterentwickelt, mit dem es möglich ist, Kot und Harn auf den Laufflächen von Milchviehställen automatisiert, schnell und einfach separat zu erfassen und getrennten Lagern zuzuführen. Hierzu wurde in einem Gummimattensystem mit 3 Prozent Gefälle ein gegenläufiges Förderbandsystem integriert, das den in der Mittelrinne gesammelten Harn zum Flüssig-, den Kot der Tiere hingegen zum Feststofflager ableitet.

Die schnelle und wirksame Trennung von Kot und Harn ist für die Sauberhaltung der Laufflächen, zur Förderung der Tiergesundheit und zur Verbesserung des Stallklimas sowie der Umweltwirkung von Stallanlagen von großer Bedeutung.

Calf Monitoring System von Futuro Farming GmbH

Calf Monitoring System

Ein größeres Potential für Mängel in der Kälberaufzucht ist insbesondere in größer werdenden Tierbeständen gegeben. Eine zunehmende Kälberzahl mit zwangsläufig steigendem Infektionsdruck sorgt für höhere Anforderungen an Hygiene und Krankheitsvorbeuge. Den Überblick über den Bestand zu behalten, und bei Schwierigkeiten rechtzeitig einzugreifen, wird nochmals schwieriger, wenn Kontrollen außerdem von mehreren, möglicherweise wechselnden Personen durchgeführt werden.

Das Calf Monitoring System ist ein präzises und energiesparendes, non-invasives Sensorsystem zur Früherkennung von Krankheiten bei Kälbern. Über einen passiven Infrarotsensor wird das Verhaltensmuster des Kalbes erkannt und zeitaktuell über eine KI ausgewertet. Die Information wird dem Landwirt direkt über eine App und Online-Plattform bereitgestellt und ermöglicht so ein kontinuierliches Gesundheitsmonitoring des Kalbes. Dabei wird die tägliche Kontrolle durch den Landwirt nicht ersetzt, sondern dieser erhält durch die kontinuierliche Überwachung und kurzfristige Rückmeldung eine wertvolle Unterstützung.

Diese Verbesserung in der Bestandsüberwachung führt dazu, dass aufkommende Erkrankungen früher erkannt und behandelt werden können. Die Krankheitsverläufe sind dadurch milder und die Kälbersterblichkeit sinkt, während Tierwohl und Tiergesundheit insgesamt gesteigert werden.

Innovation Award EuroTier 2021 Silber: Geflügel

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SELEGGT Circulus von respeggt GmbH

SELEGGT Circulus

Legegenotypen sind aus Gründen der Produktqualität und der Wirtschaftlichkeit für die Erzeugung von Geflügelfleisch ungeeignet, weshalb die männlichen Küken dieser Legerassen bislang in den meisten Fällen nicht aufgezogen werden. Das Töten der männlichen Eintagsküken soll nach dem Willen von Gesellschaft und Politik schnellstmöglich eingestellt und verboten werden. Als eine Alternative wird die In-ovo-Geschlechtsbestimmung angesehen, wobei die Hormonanalyse am 8./9. Bruttag aktuell das am weitesten entwickelte und kommerziell nutzbare Verfahren ist.

Das hierzu von der Firma respeggt GmbH entwickelte Entnahmesystem SELEGGT Acus ist bereits im Praxiseinsatz. Dieses System ist allerdings nur teilautomatisiert und entnimmt die Prüfflüssigkeit aus der Allantois mit einer Nadel. Hierdurch besteht die Gefahr einer Verletzung der Allantoismembran, was zu einer Reduktion der Schlupfrate führen kann. Die Stundenleistung einer einzelnen Entnahmeeinheit liegt bei rund 600 Eiern.

Das System SELEGGT Circulus stellt eine wesentliche Weiterentwicklung des Vorgängersystems dar. Es arbeitet vollautomatisch und die Entnahme der Allantoisflüssigkeit erfolgt jetzt kontaktlos. Somit entfällt die Reinigung der Entnahmenadel und die Entnahmedauer ist auf 1 Sekunde je Ei vermindert. Eine Entnahmeeinheit SELEGGT Circulus ermöglicht so bei einem Drei-Schichtbetrieb und 20 Einsatzstunden pro Tag eine Wochenleistung von 360.000 Bruteiern, was zwischen 150.000 bis 180.000 Legeküken entspricht. Dies ist eine wesentliche Steigerung der Arbeitsleistung gegenüber dem Vorgängersystem.

Mit der kontaktlosen Probennahme und der deutlich gesteigerten Stundenleistung sind die Voraussetzungen geschaffen, um das bisherige Töten der Hahnenküken in den Brütereien durch die In-ovo-Geschlechtsbestimmung flächendeckend zu ersetzen.

On tray orderly egg refilling system

ON TRAY ORDERLY EGG REFILLING SYSTEM NECTRA SAS
Die Bruteier aus Masthuhn-Elterntierfarmen werden an zentrale Brütereien geliefert und dort vor der Einlage in den Brutapparat nach Qualität und Gewicht sortiert. Ferner müssen Eier, die nicht mit dem stumpfen Pol nach oben in der Horde sitzen, gedreht werden. Hierdurch fallen viele unvollständig gefüllte Horden an, die manuell wieder aufgefüllt werden müssen. Häufig werden die Eier auch auf Bändern transportiert, wo sie gegeneinanderstoßen und so die Schalen beschädigt werden können.

Bei dem von der Firma NECTRA SAS vorgestellten System werden die Eier von den Anlieferungshorden auf Einzeleihalter (egg moving cups) umgesetzt, die sich frei auf einem Transportband bewegen. Die Eier können hier automatisch und individuell nach Qualität und Gewicht sortiert und auch bei falscher Positionierung umgedreht werden. Die sich frei bewegenden Einzeleihalter werden zur Übergabe in die Bruthorden angestaut, nicht besetzte Eihalter werden automatisch entnommen und die verbleibenden, gefüllten Eihalter werden dann automatisch auf die Bruthorden umgesetzt, so dass keine Leerstellen entstehen.

Das System vermindert die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung der Eischalen deutlich und automatisiert den Befüllungsprozess der Bruthorden. Dies führt zu einer deutlichen Arbeitsentlastung und zu einer Verbesserung der Schlupfraten in den Mastküken-Brütereien.

Mit Fermentgetreide Clostridien in Schach halten

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Von Dr. Heike Engels

Clostridien sind grampositive, anaerobe, sporenbildende Bakterien in Stäbchenform, die im Erdboden und im Verdauungstrakt von Mensch und Tier von Natur aus vorkommen. Sie bilden resistente Sporen aus, die sehr lange Zeit in der Umwelt überleben können. Was passiert, wenn Kühe dauerhaft mit Clostridien zu kämpfen haben und wie u.a. Fermentgetreide bei diesem Kampf helfen kann, hat Familie Kothe erfahren.

Clostridienarten gibt es viele und sie sind nicht von Haus aus schädlich: Sie sind am Stoffwechsel beteiligt und bauen Eiweiß oder Zucker, Stärke, Cellulose ab. Aber diese Bakterien bilden auch Toxine, die den Körper auf unterschiedlichste Art schädigen können: Darmentzündungen, schlechtes Allgemeinbefinden, Aufgasungen bis hin zum Tod. Ob es nach Aufnahme der Bakterien im Körper zur Vermehrung kommt, hängt von vielen Co-Faktoren ab. Lange Zeit kann der Erreger einfach nur im Körper verharren, kommen dann aber ein azidotischer Stoffwechsel hinzu, stark mit Clostridien kontaminiertes Futter oder Stress, kann die Erkrankung plötzlich ausbrechen, und das dann häufig so schnell, dass Behandlungen oft zu spät kommen und es zu hohen Verlustraten im Bestand kommt.

Matte und apathische Kühe
So ähnlich war es auch bei Familie Kothe in Loxstedt, Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. Sohn und zukünftiger Betriebsleiter Hennes Kothe erinnert sich: „Im Jahr 2016 fingen die Symptome in unserer Herde an mit einer leicht sinkenden Milchleistung und einer reduzierten Fruchtbarkeit. Besonders Hochleistungskühe nahmen nicht mehr auf, unsere Konzeptionsrate lag nur noch bei etwa 30 %. Wir mussten die Kühe aus der Herde merzen, das hat uns wirtschaftlich hart getroffen. Außerdem sahen unsere Kühe irgendwie matt und apathisch aus, auch das Fell glänzte nicht mehr und der Kot war zu dünn.“ Familie Kothe hält auf ihrem Familienbetrieb 500 laktierende Kühe mit einer Milchleistung von 10.300 Litern je Kuh und Jahr und bewirtschaftet 350 ha, wovon 250 ha Grünland sind und der Rest Silomais. Die Stallungen sind schon älter, der Keimdruck entsprechend höher als in Neubauten, aber so matt wie damals waren die Kühe noch nie.

Unterschwellige Dauerbelastung
Der Tierarzt stellte mittels Kotuntersuchung eine Belastung der Herde mit dem Bakterium Clostridium perfringens bzw. dessen Toxinen fest. Beim Rind gehört Clostridium perfringens eigentlich zu den normalen Darmbewohnern, das Bakterium lässt sich fast bei jeder Kuh nachweisen. Kommen aber oben genannte Co-Faktoren hinzu, können die Tiere unspezifische Erkrankungssymptome zeigen wie bei Familie Kothe geschehen. Als Sofortbehandlung verabreichte der Tierarzt über mehrere Tage Penicillin. Damit stabilisierte sich die Herde, doch gebannt war die Gefahr durch die Clostridien damit nicht. „Das Problem bei uns ist, dass wir viele nasse Grünlandflächen haben. Die Flächen werden durch Gräben entwässert, die regelmäßig ausgeräumt werden müssen, damit sie funktionieren. Dadurch kommt es immer wieder zu Verschmutzungen des Grünlandes mit Erde aus den Gräben, und über diese Erde kommen immer wieder Clostridien ins Gras und damit bei der Grünlandernte ins Erntegut“, erklärt Hennes Kothe die Situation. Beim Rind sieht der Clostridien-Kreislauf tatsächlich so aus, dass die Sporen und Toxine über die Fütterung von kontaminierten Grassilagen ins Tier gelangen. Die Tiere scheiden die Clostridien wieder aus, diese gelangen mit der Gülle wieder in die Umwelt und werden erneut mit der Futterernte ins Futter verbracht und später vom Tier aufgenommen. Deshalb kann eine unterschwellige Dauerbelastung der Herde mit Clostridien vorliegen.

Milchsäurebakterien bekämpfen pathogene Keime
Hennes Kothe suchte daher nach einer Möglichkeit, diese unterschwellige Belastung in den Griff zu bekommen. „Bei der Ernte achten wir seitdem verstärkt darauf, nicht zu tief zu mähen, um wenig Dreckeintrag zu haben. Außerdem führten wir in Absprache mit dem Tierarzt eine halbjährliche Impfung gegen Clostridien ein. Damit lief es erst einmal besser. Auf einer Vortragsveranstaltung der Landwirtschaftskammer hörte ich dann von der positiven Wirkung von Kanne Fermentgetreide auf den Stoffwechsel, welches zur Darmstabilisierung und gegen pathogene Keime eingesetzt wird. Wir baten daraufhin den Fachberater für Milchviehaltung Christian Lohkamp auf unseren Betrieb. Er hat die Tiere begutachtet, alle Rationskomponenten kontrolliert und Veränderung in der TMR und den Einsatz vom Kanne Fermentgetreide flüssig mit uns besprochen.“ Im Fermentgetreide von Kanne, auch als Brottrunk bekannt, sind spezielle Milchsäurebakterien enthalten, die positiv auf die Darmschleimhaut wirken und diese stabilisiert. Zudem können die Milchsäurebakterien Bakteriozine bilden, die pathogene Keime im Wachstum hemmen. Der gesamte Organismus erlangt dadurch einen besseren Immunstatus. Ein weiteres Plus: Die Milchsäure aus dem Fermentgetreide wird basisch verstoffwechselt, was zu einer Entsäuerung führt und azidotischen Zuständen vorbeugt. Diese Wirkung ist vorteilhaft, da eine Azidose eine Clostridien-Vermehrung im Darm begünstigt.

Bessere Rationsausnutzung und vitale Tiere
Hennes Kothe startete mit 400 ml Brottrunk je Kuh und Tag für 4 Wochen. Die Dosis wird jeweils mit dem Berater abgesprochen. Das Fermentgetreide wird im 1.000 Liter Container geliefert, die Tagesdosis via Eimer abgezapft und einfach in den Futtermischwagen gegeben. Die Kühe fressen es gerne, hat Hennes Kothe festgestellt. Schon nach kurzer Zeit verbesserte sich das Aussehen der Herde. „Das Fell glänzte wieder und wurde schön glatt, der Kot war wieder fester und auch die Leistungsparameter Fruchtbarkeit und Milchleistung verbesserten sich“, erinnert er sich. Nach der 4-wöchigen Kur entschied er sich deshalb, das Fermentgetreide dauerhaft zu füttern. Zur Erhaltung des positiven Stoffwechselzustands reichen dann 200 ml pro Kuh und Tag aus. Auch die Kälber erhalten mittlerweile Fermentgetreide, denn auch ihnen tun die Milchsäurebakterien gut. „Meine Mutter gibt den Kälbern 25 ml Brottrunk auf einen Liter Vollmilchtränke. Damit entwickeln sie sich prächtig, nehmen gut zu und sind vital. Wenn wir das Gefühl haben, es droht eine Verschlechterung der Gesundheit, erhöhen wir einfach die Tagesdosis des Fermentgetreides, damit ist es dann meistens schon wieder gut und der Zustand stabilisiert sich.“

Was ist Fermentgetreide bzw. Brottrunk?
Der Einsatz von Fermentgetreide flüssig ist auch wirtschaftlich tragbar, zumal Hennes Kothe als weiteren positiven Nebeneffekt errechnet hat, dass er mit dem Fermentgetreide etwa 16 Tonnen Kraftfutter im Jahr einspart, weil die speziellen Stämme der Brotsäurebakterien in der Lage sind Proteine und Stärke besser verfügbar zu machen. Das bedeutet eine bessere Ausnutzung der Ration sowie weniger Futterkosten. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Fermentgetreide. Um ehrlich zu sein trinken wir es auch manchmal, wenn es uns nicht gut geht“, sagt Hennes Kothe mit einem Augenzwinkern. Warum auch nicht? Brottrunk entsteht durch die Fermentation von Brot. Bei der Firma Kanne Brottrunk wird zu diesem Zweck ein hochwertiges Bio-Vollkornbrot gebacken. Nach dem Abschluss dieser Fermentation liegt das Fermentgetreide vor. Es ist noch trüb und enthält das fermentierte Vollkornbrot und ist deshalb reich an Enzymen und Mineralstoffen. Wird es weiter gefiltert, entsteht der klarere Brottrunk. Er enthält Aminosäuren, Vitamin B12 und weitere Vitamine sowie vor allem Milchsäurebakterien und Milchsäure. Zur normalen Bakterienbesiedlung des Darms gehören Milchsäurebakterien, da diese für den mikrobiellen Aufschluss des Futters benötigt werden. Die bei der Getreidefermentation entstehenden Milchsäurebakterien können einen Beitrag zur Vielfalt des Darmmikrobioms leisten und unterstützen daher die Gesundheit des Tiers und auch des Menschen. Brottrunk kann nicht nur verfüttert, sondern auch in Ställen vernebelt werden, um dort für eine positive Veränderung des mikrobiellen Milieus zu sorgen.

3 Fragen an Christian Lohkamp, Milchviehberater bei Kanne Brottrunk:

Christian Lohkamp, Kanne Brottrunk (im Bild rechts)

Kann Brottrunk oder Fermentgetreide einfach in die Ration gegeben werden?
Im Prinzip schon, es ist nur zu beachten, dass gleichzeitig mit dem Fermentgetreide flüssig kein Natriumbicarbonat eingesetzt werden darf, da es die Milchsäure bindet und diese dann nicht mehr wirksam ist. Außerdem sollte man auf den Einsatz von Futterharnstoff achten, da sich dieser negativ auf die Leber auswirken kann.

Gibt es noch etwas zu beachten?
Bei Erkrankungen, wie beispielsweise einer Clostridien-Infektion, ist die Milchmenge häufig reduziert, da der mikrobielle Aufschluss des Futters durch die Clostridien und deren Toxine gestört wird. Der Versuch, den Verlust der Milchmenge durch eine erhöhte Kraftfuttergabe zu kompensieren, führt häufig zu einer starken Stoffwechselbelastung, vor allem der Leber. Der verbesserte Aufschluss des Futters durch Fermentgetreide flüssig ermöglicht, die Kraftfuttermenge zu reduzieren, bei stabiler Milchmenge und entlastetem Stoffwechsel.

Wie wollte man also beim Einsatz von Fermentgetreide vorgehen?
Idealerweise werden alle Rationskomponenten bewertet und auf den Einsatz von Fermentgetreide entsprechend eingestellt. Interessierte Landwirtinnen und Landwirte werden von mir kostenlos und unverbindlich beraten, sie können sich einfach bei uns melden und einen Termin vor Ort vereinbaren.

Kontakt: Tel. 02592-97 40 18, E-Mail sandra.limburg@kanne-brottrunk.de

Neue Forschungsergebnisse zeigen, pessimistische Milchkälber sind anfälliger für Schmerz

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In einer neuen Studie der „University of British Columbia, Faculty of Land and Food Systems“ fanden Forscher heraus, dass Kälber bei Schmerzen depressive Zustände zeigten und Kälber mit pessimistischeren Merkmalen besonders anfällig sind.

Das Enthornen ist ein häufig angewandtes, aber schmerzhaftes Verfahren, um das Hornwachstum bei Kälbern zu verhindern. Selbst wenn der unmittelbare intraoperative Schmerz kontrolliert wird, kann der postoperative Schmerz Tage nach dem Eingriff anhalten. Anhedonie, die verminderte Fähigkeit, Vergnügen zu erleben, ist mit schlechter Stimmung beim Menschen verbunden. In der aktuellen Studie berichten UBC-Forscher über die ersten Anzeichen einer Anhedonie nach dem Enthornen. Sie fanden heraus, dass Kälber den Genuss einer süßen Lösung für mindestens 5 Tage nach dem Eingriff reduzierten.

Die Forscher fanden auch Hinweise auf individuelle Unterschiede in dieser Reaktion. Kälber, die vor dem Enthornen als pessimistischer eingestuft wurden, zeigten nach dem Enthornen mehr Anzeichen von Anhedonie, was darauf hindeutet, dass diese Tiere besonders anfällig für Schmerzen waren und einen stärkeren Rückgang beim Verzehr der süßen Lösung zeigten.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Vorbeugung von postoperativen Schmerzen und die Bedeutung individueller Unterschiede in der Schmerzanfälligkeit.

Die beiden Videos zeigen, wie Forscher den Pessimismus bei den Kälbern vor dem Enthornen beurteilten. Die Kälber wurden darauf trainiert, sich einer Milchflasche zu nähern, um ein Getränk mit frischer Milch aus einer Flasche ganz rechts im Abteil zu trinken. Wenn die Flasche ganz links im Abteil platziert wurde, erhielten die Kälber keine Milchbelohnung. Nach dieser Trainingsphase wurden Kälber unter Verwendung mehrdeutiger Hinweise getestet, d. h. mit Milchflaschen, die an Stellen zwischen der positiven und der negativen Trainingsposition platziert wurden.

Das erste Video zeigt die Reaktion eines optimistischeren Kalbs – dieses Kalb nähert sich schnell der Flasche am Testort.

Im Gegensatz dazu zeigt das zweite Kalb eine pessimistischere Reaktion – dieses Kalb bleibt nahe am Trainingsort auf der rechten Seite des Abteils und nähert sich niemals der Testflasche.

Die komplette Studie von Lecorps et al. ist hier zu finden.

Quelle: University of British Columbia, Faculty of Land and Food Systems

Salmonellenrisiko in der Schweinehaltung so gering wie noch nie

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Maßnahmen zur Identifizierung und Reduzierung greifen
Das Salmonellenmonitoring im QS-System zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der kritischen Salmonelleneinstufung (Kategorie III-Betriebe) um 50 Prozent. Waren es 2019 noch 3,3 % sind es in diesem Jahr nur noch 1,6 % aller knapp 20.000 Schweinemastbetriebe, die ein erhöhtes Risiko aufzeigen. Vergleicht man die Zahlen mit der Situation zur Einführung des Salmonellenmonitorings im Jahr 2003, dann hat sich der Anteil der Betriebe mit hohem Salmonellenrisiko deutlich reduziert.

„Seit Beginn des QS-Salmonellenmonitorings vor nunmehr 17 Jahren war das Risiko für eine Salmonelleninfektion in den Schweinemastbetriebe noch nie so gering wie heute“, zeigt sich QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff erfreut über die Entwicklung. „Die Sensibilität in puncto Salmonellen ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette stetig gestiegen. Nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten über die Betriebsgrenzen hinweg konnte dieses niedrige Salmonellenrisiko erreicht werden“, erläutert Nienhoff den Erfolg der Partner im QS-System.

Im Jahr 2003 hat QS das Salmonellenmonitoring verpflichtend für alle Schweinehalter eingeführt, die Tiere zur Schlachtung abgeben. Die Proben werden in den Schlachtbetrieben gezogen, in QS-anerkannten Laboren auf das Vorhandensein von Salmonellenantikörpern untersucht und die Analyseergebnisse in der QS-Salmonellendatenbank erfasst. Vierteljährlich erhalten die Schweinemäster einen Statusbericht über alle Ergebnisse mit Auswertungen.

Kritische Betriebe werden so regelmäßig ermahnt, für das Thema sensibilisiert und aufgefordert die Eintrittswege von Salmonellen zu durchleuchten. Sie müssen konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Salmonellenbelastungen einleiten. „Die Entwicklung gibt uns Recht, dass ein datenbasiertes Frühwarnsystem den Betrieben die notwendige Hilfestellung bieten kann, um entsprechende Risikofaktoren zu erkennen, sie zu reduzieren und damit die Lebensmittelsicherheit weiter zu verbessern“, fasst Nienhoff die Zielsetzung des Salmonellenmonitorings im QS-System zusammen.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Besucherrekord: bpt-Kongress 2020 DIGITAL setzt neue Maßstäbe

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Der Kongress 2020 des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), der in diesem Jahr vom 19. bis 25. November erstmals virtuell stattfand, war ein voller Erfolg. „Mit insgesamt 3.070 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war unser Digitalkongress nicht nur eine gelungene Premiere in der virtuellen Welt, sondern auch der erfolgreichste Kongress in der 100-jährigen bpt-Geschichte mit durchweg positiver Resonanz“, erklärt bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder zum Abschluss der Veranstaltung. Er dankte den Referenten, den Ausstellern der Fach- und Jobmesse, dem Programmkommitee, dem bpt-Team und allen für das Kongressstudio in Frankfurt Verantwortlichen sowie den Sponsoren und Medienpartnern. „Ohne die vielen Mitstreiter hätte es diesen Kongress nicht gegeben. Sie alle haben sich die größte Mühe gegeben, um eine spannende Live-Kongresswoche mit berufspolitischen Themen und insgesamt über 80 Stunden ATF-anerkannter Fortbildung professionell präsentieren zu können“, so Moder.

Neben dem klassischen Fortbildungs- und Informationsangebot für Praktiker standen in diesem Jahr mehr denn je die aktuellen berufspolitischen Herausforderungen im Mittelpunkt des umfangreichen Angebots. Coronakrise und Fachkräftemangel in der Tierarztpraxis, das aktuelle Tierseuchengeschehen und vor allem der Live Career Day mit einer Fülle von Vorträgen und Diskussionsrunden rund um den tierärztlichen Arbeitsmarkt und den Einstieg ins Berufsleben bestimmten die berufspolitischen Veranstaltungen.

Ein besonderes Lob der Kongressteilnehmer galt der Möglichkeit, durch die Aufzeichnung aller Live-Webinare Parallelveranstaltungen später besuchen zu können. Ein Aspekt, der in der bpt-Frühjahrsumfrage besonders gewünscht worden war und jetzt, den Rückmeldungen und Zugriffszahlen zufolge, reichlich genutzt wurde. „Die Kolleginnen und Kollegen konnten so endlich einmal rechts und links schauen und in die Nachbargebiete reinzappen. Schweinepraktiker haben die Rindervorträge besucht und umgekehrt. Nischenthemen, wie Bienen, Kleine Wiederkäuern oder Vögel, wurden von mehreren hundert Kongressteilnehmern abgerufen. Das weitet den Blick, hat ein Teilnehmer dankend angemerkt“, freut sich Siegfried Moder über die positive Resonanz. Und auch die Praxisführungs-Sessions profitierten davon. Im Gegensatz zu den Präsenzkongressen, bei denen es unumgänglich ist, sich zwischen Praxisführung und dem parallelen Tierartenprogramm entscheiden zu müssen, besuchten diesmal doppelt so viele Teilnehmer die Veranstaltungen. Ein großes Plus des digitalen Formats war überdies die unkomplizierte Einbeziehung von Experten aus dem Ausland, wie z. B. die aus den USA zugeschaltete Amy Johnson.

Last but not least: Trotz der rein virtuellen Welt musste niemand einsam vor dem PC sitzen. Die Kaffeebar auf der Kongressplattform bot eine gute Gelegenheit, sich ganz entspannt im Videochat zu treffen, und wurde sowohl nach den Live-Sessions für weitere Gespräche zwischen Teilnehmern und Referenten wie auch einfach zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Unterhalten ausgiebig genutzt.

„Ich freue mich natürlich riesig über den Erfolg. Erfolgreich sein ist aber auch nicht immer einfach, denn jetzt stehen wir vor der Überlegung, wie es künftig weitergehen soll: Kongresse – wie gehabt – als Präsenzveranstaltung, im rein digitalen Format oder Hybride. Unsere nächste große Veranstaltung, die bpt-Intensiv-Fortbildung Kleintier 2021 zum Spezialthema „Die Wunde, haben wir in Hinblick auf die Pandemie ja schon vom Februar auf den 29. April bis 2. Mai verschoben. Über das endgültige Format muss aber noch endschieden werden – möglicherweise wird es dieses Mal ein bpt intensiv Kleintier DIGITAL geben“, so der bpt-Präsident Moder augenzwinkernd bei der Kongressabschlussveranstaltung.

Wegen des nachhaltig großen Interesses am diesjährigen bpt-Kongress DIGITAL wurde die Anmeldemöglichkeit bis zum 2. Dezember verlängert, sodass auch denjenigen, die den Live-Kongress verpasst haben, damit noch ermöglicht wird, alle Kongressinhalte bis zum 9. Dezember abzurufen und dafür ATF-Stunden zu erwerben.

Quelle: bpt

Interview Geflügelpest: Viruseintrag in Nutzgeflügelbestände verhindern

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Leider ist es wieder soweit: Das Geflügelpest-Virus ist erneut in Deutschland angekommen. Seit dem Winter 2016/2017 gab es keine nennenswerten Ausbrüche. Doch in diesem Herbst bringen infizierte Zugvögel das hochansteckende Geflügelpest-Virus mit dem Vogelzug aus dem hohen Norden in unsere Breitengrade. In Norddeutschland herrscht bereits in vielen Gebieten eine Stallpflicht. Doch wie gefährlich ist die aktuelle Lage und welche Kriterien führen zur Stallpflicht? Amtstierärztin Dr. Christiane Mamarvar aus dem Landkreis Nienburg/Weser erklärt die Hintergründe.

Frau Dr. Mamarvar, wie Ernst ist die Lage?
Sehr ernst. Im Moment sind wir hier im Norden die ersten, die den Herbst-Vogelzug verzeichnen, deshalb beginnen die Geflügelpest-Probleme zumeist im Norden entlang dieser Vogelfluglinie. Je kälter es wird und je mehr Zugvögel aus Sibirien gen Süden fliegen, wandert das Seuchengeschehen, welches sich durch eine hohe Todesrate auch bei den Wildvögeln auszeichnet, dann auch in den Süden Deutschlands. Die Zugvögel, wie z. B. Gänse, Enten und Schwäne tragen das Virus in sich und auf den Rastplätzen kommt es dann zu einer Vermischung und Übertragung auf die heimische Wildtierpopulation. Hierbei sind hauptsächlich Wasservögel wie Wildenten und Wildgänse, aber auch Aasfresser und Greifvögel betroffen. Das Virus hat eine hohe Pathogenität, sodass Wassergeflügel nicht nur als Reservoir für die Virusvermehrung dient, sondern auch erkrankt und verendet. Stärker gefährdet sind aber vor allem Hühner und Puten, aber auch Fasane, Wachteln, Perlhühner und Wildvögel.

Wie läuft die Risikobewertung ab, ist das immer gleich oder handelt jeder Landkreis auf eigene Faust?
In der Geflügelpest-Verordnung ist der Ablauf der Risikobeurteilung für alle Landkreise Deutschlands einheitlich geregelt. Für den Kreis Nienburg kann ich das Vorgehen kurz skizzieren: Das Veterinäramt kann sich beim Friedrich-Löffler-Institut, kurz FLI, über einen Radarbulletin, über die gängigen Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest, Blauzunge, Maul- und Klauenseuche, der kleine Beutenkäfer, aber auch die Geflügelpest, in einer Kurzübersicht informieren. Für alle diese Seuchen erhalte ich darin vom FLI eine Risikoabschätzung nach Ampelsystem für Deutschland. Weiterhin gibt es das Tierseuchennachrichtensystem, kurz TSN, worüber melde- und anzeigepflichtige Tierseuchen mitgeteilt werden. Hier kann ich nicht nur für meinen Landkreis nachsehen, sondern auch für die anderen Bundesländer. Speziell zur Geflügelpest hatte das FLI zum 5.11. eine ganz ausführliche Risikobeurteilung abgegeben, was den Eintrag nach Deutschland und in die Nutzgeflügelbestände betrifft. Darin heißt es, dass das Risiko aufgrund des Vogelzuges hoch ist. Generell kann man sagen, dass wir immer in Alarmbereitschaft sind wenn im Herbst der Vogelzug startet.

Daraufhin hat das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz alle Landkreise aufgefordert, eine Risikobeurteilung für ihren Bereich zu erstellen. Dafür habe ich die örtlichen Gegenebenheiten beurteilt, die Nähe von Geflügelbeständen zu bestimmten Gebieten wie Wasserstellen, Feuchtbiotopen, Küstengewässer, avifaunistisch wertvolle Gebieten sowie Rastplätzen für Zugvögel. Neben der Geflügeldichte des Kreises ist dabei u.a. zu berücksichtigen, ob es bereits einen Geflügelpest-Ausbruch im Kreis oder im Nachbarlandkreis gab oder tote infizierte Wildvögel gefunden wurden. Diese Erkenntnisse fließen in die Risikobewertung ein. TSN besteht aus Karten, auf denen entsprechende Betriebe mit Geflügel, aber auch Schwein und Rind eingeblendet werden können. Das LAVES hat uns verschiedene Layer zur Verfügung gestellt, die virtuell wie Folien über unseren Landkreis gelegt werden und Feuchtgebiete anzeigt oder avifaunistisch wertvolle Bereiche sowie Schläge wie Dauergrünland, Raps, Wintergetreide und Mais. Wildvögel sind bei der Futtersuche auf diesen Flächen vermehrt anzutreffen.

Außerdem habe ich Erkenntnisse der internationalen Wasservogelzählung des NABU einbezogen: wie stark ist der Vogelzug, wo und welche Arten von Wasservögeln wurden kartiert. Befanden sich bereits Wasservögel aus Sibirien unter den beobachteten Arten. Dadurch kann ich risikoorientiert Stallpflichten anordnen für die Betriebe oder Gemeinden in der Nähe solcher Stellen.

Wann wird ein kritischer Punkt erreicht und die Stallpflicht angeordnet?
Finden wir den ersten toten Wildvogel, der eine hochpathogene Variante des Virus in sich trägt, sind wir in höchster Alarmbereitschaft. Dass würde dann in die Risikobeurteilung einfließen und eine Aufstallungspflicht für den gesamten Landkreis kann die Folge sein. Das teilen wir per Allgemeinverfügung mit. Die Begründung dafür ist, dass wir die Einschleppung des Virus durch Wildvögel in Nutztierbestände vermeiden wollen. Wenn wir zu lange warten, kann das Virus weiter in der Wildtierpopulation verschleppt werden und das Risiko speziell für die Nutztierbestände in Freilandhaltung steigt.

Warum sind auch Hobbyhaltungen aufzustallen?
Wenn Hobbyhaltungen in Gebieten liegen, wo Zugvögel rasten, haben diese das gleiche Risiko wie gewerbliche Betriebe. Da wird gar nicht unterschieden. Ich will ja das Nutzgeflügel schützen. Es ist meine Verantwortung als Tierhalter, dass ich dafür Sorge trage, keine Seuchen in meinen Betrieb einzuschleppen oder aus meinem Betrieb zu verschleppen. Da macht das Gesetz keinen Unterschied. Ein weiterer wichtiger Punkt: Auch bei Hobbyhaltungen müssen bei einem Ausbruch Restriktionszonen gebildet werden und das kann natürlich für gewerbliche Betriebe in der Nachbarschaft ein Problem werden, und sogar für den Landkreis oder ganz Deutschland, was die Vermarktung betrifft. Das führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Im Seuchenfall steht daher das Allgemeinwohl über dem des Einzelnen. Wir versuchen den Zeitraum der Aufstallung so kurz wie möglich zu halten, die Länge der Maßnahmen hängt vom Seuchenverlauf und der regelmäßig erneuerten Risikobeurteilung ab.

Worin liegt der eigentliche Schaden der Geflügelpest?
Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die mit staatlichen Maßnahmen zu bekämpfen ist. Abgesehen von der Erkrankung des einzelnen Tieres geht es hier um den Schutz der gesamten Population. Man will verhindern, dass durch die Erkrankung eines Bestandes andere Bestände ebenfalls betroffen sind und aus Seuchenschutzgründen gekeult, also getötet werden müssen. Das ist eine sehr unschöne Maßnahme, aber leider zur Eindämmung der Seuche nötig. Man darf die Tiere bei Geflügelpest weder behandeln noch impfen, das ist EU-weit verboten. Für die getöteten Tiere gibt es eine Entschädigung, handelt man jedoch fahrlässig, gibt es Abzüge seitens der Tierseuchenkasse.

Wie läuft die Virusübertragung ab?
Über Sekrete und Exkremente als direkte Übertragung von Tier zu Tier und durch kontaminiertes Futter oder Wasser. Wenn der Erreger in die Einstreu gelangt, diese dann in den Stall gebracht wird zum Einstreuen, können sich die Tiere daran infizieren. Man kann es mit den Schuhen in den Bestand tragen, mit Gerätschaften oder auch mit dem Einstreufahrzeug. Speziell letzteres war das Hauptproblem im Seuchenwinter 2016/2017, als überbetrieblich genutzte Einstreufahrzeuge von Putenstall zu Putenstall gefahren sind, ihre Räder aber vorher nicht gereinigt hatten und so das Virus verschleppten. Schadnager sind Überträger und auch Katze und Hund können das Virus weitertragen.

Was können Halter gegen Stress bei den Tieren tun, die eigentlich Freiland gewohnt sind?
Es gibt die Möglichkeit, eine Voliere anzubauen oder einen Kaltscharrraum. Dieser Raum muss rundherum mit Maschendraht abgedichtet und von oben dicht gegen den Eintrag von Vogelkot geschützt sein. Der Maschendraht darf nur eine Weite von 25 mm haben, damit kein Vogel von außen in die Voliere gelangen kann. Wenn das nicht geht, dann schafft Beschäftigungsmaterial Abhilfe. Stroh- oder Luzerneballen oder Pickblöcke befriedigen den Picktrieb des Geflügels. Ein Sandbad im Stall wäre gut, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten des Staubbadens auch im Stall ausführen können. Auch über die Fütterung lässt sich etwas machen oder über Veränderungen im Lichtregime. Eine weitere Maßnahme in dieser Zeit wäre eine Bestandsreduzierung.

Welche Biosicherheitsmaßnahmen sollten jetzt speziell beachtet werden?
Es gibt ein schönes Schaubild vom FLI, welches sehr gut deutlich macht, wie man seinen Bestand schützen kann. Empfehlenswert auch für Hobbyhalter ist ein Wechsel von Kleidung und Schuhen, wenn ich meinen Stall betrete und verlasse. Bei gewerblichen Betrieben ist das eigentlich Standard. Dort gibt es Hygieneschleusen mit einem schwarz-weiß-Bereich sowie ein Waschbecken, um sich Hände zu waschen und zu desinfizieren. Es sollte unbedingt jeder ein Besucherbuch führen, auch der Hobbyhalter, in das sich jeder einträgt, der im Stall war. Und man sollte den Besucherverkehr einschränken, idealerweise geht ab jetzt nur noch eine feste Person in den Stall. Bei manchen Betrieben gilt auch eine 48 oder 72 Stunden Karenzzeit, was bedeutet, dass ich in dieser Zeit nicht in einem anderen Geflügelbetrieb gewesen sein darf.

Was sind die Strafen, wenn gegen die Stallpflicht verstoßen wird?
Wer dagegen verstößt, muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen, das ist in der Geflügel-Pest-VO und im Tiergesundheitsgesetz festgelegt. Das Bußgeld kann bis zu 30.000 Euro betragen je nach Schwere des Sachverhalts. Bei Verstößen wird je nach Sachlage entschieden, ob eine Verwarnung angemessen ist. Wer sich dann aber immer noch der behördlichen Anordnung widersetzt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Entsteht aufgrund des eigenen Fehlverhaltens ein Schaden bei einem anderen Geflügelbetrieb, muss unter Umständen sogar auch dieser Schaden übernommen werden.

Frau Dr. Mamarvar, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Dr. Heike Engels.

Nützliche Links:
Infoseite des Friedrich-Löffler-Instituts inkl. Risikoabschätzung
Schaubild zum Schutz von Nutzgeflügel
Infoseite des LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit)

Ergebnisse der Prävalenzstudie PraeRi: Kälber (mit Kommentar)

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Die drei Universitäten LMU München, TiHo Hannover und FU Berlin haben sich für eine Prävalenzstudie zu Milchkuhbetrieben in Deutschland zusammengeschlossen. Hierfür wurden 765 zufällig ausgeloste Milchkuhbetriebe untersucht und deren Besitzer befragt: in Niedersachsen/Schleswig-Holstein (n=253), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen (n=252) und in Bayern (n=260). Untersucht wurden: Fütterung, Eutergesundheit, Lahmheit und weitere haltungsassoziierte Leiden und Schäden, Reproduktion, Stoffwechselgesundheit, Kälber und Jungtiere sowie Infektionskrankheiten und Biosicherheit.

In einem ersten Beitrag sollen hier die wichtigsten Ergebnisse für Kälber zusammengefasst werden: „Zum einen wurde retrospektiv die Kälberpopulation in den 12 Monaten vor Betriebsbesuch, und zum anderen wurden die Kälber am Besuchstag in Hinblick auf Erkrankungsprävalenzen und ihr Haltungsumfeld hin untersucht“, heißt es im jetzt vorgelegten Abschlussbericht.

Kälberverluste
Die Totgeburtenrate schien bei größeren Betrieben tendenziell höher zu sein, was auch Untersuchungen in anderen Ländern gezeigt haben. Im Mittel lag sie im Norden bei 5,2 %, im Osten 6,1 % und im Süden 4,0 %. Die postnatale Mortalität (ab dem dritten Lebenstag bis Ende des dritten Lebensmonats) lag bei den weiblichen Kälbern (Nachzucht) im Mittel bei Norden: 5,3 %, Osten: 7,4 %, Süden: 3,7 %.

Im Norden und Osten bestand für männliche Kälber ein höheres Sterberisiko als für weibliche Kälber, was laut der Wissenschaftler am unterschiedlichen Marktwert der männlichen Kälber der regional üblichen Rassen liegt (Norden und Osten: Schwarzbunt und Rotbunt; Süden: Fleckvieh).

Offenbar, so sagt die Studie, würden männliche Kälber häufiger schlechter als weibliche Kälber versorgt. Im Süden gaben 97,7 % der Tierhalter an, dass sie Bullenkälber genauso wie weibliche Kälber versorgen. Demgegenüber gaben im Norden 7,2 %, im Osten 3,7 % und im Süden 1,6 % der befragten Betriebe an, ihre Bullenkälber nicht genauso wie die weiblichen Kälber zu versorgen, bzw. überhaupt nicht.

Zwar steige, wegen des höheren Geburtsgewichtes, bei männlichen Kälbern das Schwergeburts-Risiko, bei erhöhtem Risiko auf unzureichende Biestmilchaufnahme, heißt es im Text. “Schwerer wiegt aber möglicherweise, dass ein männliches Kalb milchbetonter Rassen einen geringeren Verkaufserlös erzielt.“

Die Handlungsempfehlung lautet deshalb: „Die Milchproduktion basiert auf der Produktion von Kälbern, somit ist dies ein Kostenfaktor, der genauso mit einbezogen werden muss wie z. B. Futterkosten. Ansätze, wie die Mast der eigenen männlicher Kälber auf dem Betrieb oder die vermehrte Nutzung von Zweinutzungsrassen, können zusätzlich geeignet sein, den Wert der Kälber zu steigern. Eine Verlängerung der freiwilligen Wartezeit bei hochleistenden Kühen führt langfristig zu weniger Kälbern pro Kuh (Niozas et al., 2019), so dass auch mit diesem Ansatz das Angebot an „überflüssigen“ Kälbern reduziert werden könnte.“

Häufigste Gründe für den Tod weiblicher wie männlicher Kälber waren, vor allem im zweiten und dritten Lebensmonat, Neugeborenendurchfall und Atemwegserkrankungen, gefolgt von Nabel- und Gelenksentzündungen. Durch Totgeburt oder Verlust während der Aufzucht erreichte jedes zehnte Kalb nicht den vierten Lebensmonat.

„Gerade während einer Infektion benötigen Kälber viel Energie, welche sie nur aus der Milchtränke oder dem MAT erhalten. Immer noch magern Kälber durch eine mangelnde Energieversorgung wegen längst überholter Empfehlungen zur Tränkereduktion stark ab“, heißt es im Abschnitt „Handlungsempfehlungen“ deshalb. Und weiter: „Daher darf die Tränke (außer bei Durchfall durch offensichtliche Tränkfehler) auf keinen Fall bei einer Erkrankung abgesetzt oder verringert werden. Die Gabe von Elektrolytlösungen ist zu befürworten, sie sollte als Zwischentränke mit mindestens zwei Stunden Abstand zur Milchtränke verabreicht werden.“

Haltungssysteme und Hygiene
Bei den Haltungssystemen sehen die Autorinnen und Autoren Iglus im Außenbereich und Offenfrontställe positiv, weil sie bessere Lichtverhältnisse und besseres Stallklima brächten. Bei Saugkälbern müsse jedoch auf adäquaten Schutz vor Hitze und Kälte geachtet werden.

„Wärmeisolierung von Außenwänden, eine dicke Einstreumatratze, ein reduzierter Abstand der Decke vom Liegebereich (Iglus, Kälbernester) und der Schutz vor Zugluft. Im Sommer ist eine ausreichende Ventilation und Beschattung von Iglus zu gewährleisten; bestenfalls verfügen Iglus über einen beschatteten Auslauf. In Bezug auf das Tierwohl von Saugkälbern sollte die Gruppenhaltung bereits ab der dritten Lebenswoche angestrebt werden.“

Möglichst trockene und saubere Liegeflächen spielen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Mehrzahl der besuchten Betriebe schnitten in der Bewertung hier gut ab: trockene Liegeflächen 73,1 % im Norden, 63,6 % im Osten und 66,2 % im Süden. Sauber oder nur gering verschmutzt waren die Liegeflächen in 92,5 % (Norden), 83,1 % (Osten) und 92,4 % (Süden) der Fälle.

Bei Hygiene und Management rund um die Kalbung besteht vielerorts Handlungsbedarf. Die meisten Abkalbungen finden im Osten und Norden in einer mit mehreren Kühen belegten Abkalbebox statt (Osten 75,8%, Norden 42,7%). Im Norden finden bei 28,9% der Betriebe die Abkalbungen in einer Einzelbox statt, auf der Weide 13,4 %. Im Norden und Süden werden häufig kombinierte Abkalbe-Krankenabteule genutzt, was jedoch hinsichtlich der Verbreitung von Krankheitserregern nicht unbedenklich sei.

Ganz anders sieht es im Süden aus: hier gab fast die Hälfte der Betriebe (47,3%) an, dass die meisten Geburten „in der üblichen Aufstallung“ stattfänden und wiederum die Hälfte davon (52,8%) in Anbindeställen. „Die Abkalbung in der Anbindehaltung ist nicht tiergerecht, da sich die Kuh nicht von der Herde isolieren kann und die Bewegungsmöglichkeiten während der Geburt stark eingeschränkt sind“, heißt es dazu in der Studie. Auch unter den Gesichtspunkten Hygiene und Gefährdung des Kalbes ist Abkalbung im Anbindestall problematisch.

Fütterung
Nimmt ein Kalb Biestmilch direkt an der Kuh auf, ist deren Menge nicht kontrollierbar und es kann zu Unterversorgung kommen (von den beteiligten Betrieben handhaben es jedoch 31,2% im Norden so, 24,6% im Osten und 8,8% im Süden). „Hinweise darauf konnten in dieser Studie in den Regionen Süd und Ost gefunden werden. Dort war die Mortalitätsrate der weiblichen Kälber höher in Betrieben, in denen die Kälber die Biestmilch direkt an der Kuh aufnahmen, als in Betrieben, in denen die Biestmilchaufnahme über einen Nuckeleimer oder -flasche erfolgte.“

Im Median wurden den Kälbern drei Liter Kolostrum angeboten (empfohlen werden 10-12% des Körpergewichts, d. h. 3-4 Liter). Allerdings wurde in zahlreichen Betrieben weniger angeboten (Norden 29,3%, Osten 29,5% und 44,3% Süden).

In den ersten zwei Lebenswochen tränkten über 90% aller Betriebe mit dem Nuckeleimer, wie es auch empfohlen wird, um den Speichelfluss anzuregen, den Schlundreflex auszulösen und zu gewährleisten, dass die Milch direkt in den Labmagen gelangt. Ab der dritten Lebenswoche traten deutliche regionale Unterschiede auf: im Osten setzte jeder zweite Betrieb (53,4%) ab dann Tränkeautomaten ein, im Norden (51,0%) und Süden ((90,7%) kommen dagegen vorwiegend Nuckeleimer zum Einsatz. Vorratstränken kommen selten zum Einsatz, was sich negativ auswirken kann, weil der Saugreflex nicht stimuliert wird und ebenso Pansentrinken begünstigt werden kann.

„Ab der dritten Lebenswoche kam in den Regionen Nord und Ost vorwiegend die Milchaustauscher-Tränke zum Einsatz, wohingegen in der Region Süd weiterhin hauptsachlich Vollmilch vertränkt wurde.“ Für MAT sprechen die konstante Zusammensetzung und ein geringeres Risiko der Übertragung von Krankheitserregern. Dafür ist Vollmilch besser verdaulich, bietet die höhere Energiedichte und fördert die Ausbildung des Immunsystems; allerdings fehlt es an Spurenelementen, insbesondere Eisen und Vitaminen.

„Die Daten dieser Studie deuten darauf hin, dass Betriebe, die ab der dritten Lebenswoche
hauptsachlich MAT vertränkten, im Vergleich zu Vollmilch fütternden Betrieben, eine höhere Inzidenz für Atemwegserkrankungen und eine höhere Mortalitätsrate hatten.“

Handlungsempfehlungen
„Um die Eignung eines Milchaustauschers für die entsprechenden Altersgruppen besser beurteilen zu können, sollte künftig eine vollständige Deklaration (inkl. Energiegehalte in MJ ME/kg TM) bei Milchaustauschern verpflichtend sein.“

„Hersteller sollten eine offene Deklaration des Milchaustauschers auf dem Produkt abdrucken; die Eignung des Produktes für bestimmte Altersgruppen muss unmissverständlich aus der Produktdeklaration hervorgehen. Den Kälbern sollten mindestens 9 Liter Vollmilch oder 1.440 g MAT mit einem Energiegehalt von 15,3 MJ ME /kg / Tag in den ersten drei Lebenswochen angeboten werden.“

„Der Zeitpunkt für das Absetzen der Milchtränke muss für jedes Kalb individuell nach der Menge des aufgenommenen Kraft- und Strukturfutters gewählt werden. Ist ein Kalb in der Lage, an drei aufeinander folgenden Tagen durchschnittlich geschätzt etwa 1,5 kg Kraftfutter aufzunehmen, kann es von der Milchtränke vollständig abgesetzt werden, wobei zusätzlich die körperliche Entwicklung des individuellen Kalbes zu berücksichtigen ist. Wenn kein individuelles Absetzen möglich ist, sollte der gemeinsame Absetzzeitpunkt möglichst spät, d. h. frühestens mit 12 bis 13 Wochen erfolgen.“

„Der Zugang zu Wasser und Heu sollte zukünftig in allen Betrieben für Kälber ab dem ersten Lebenstag eingerichtet und auch durch die zuständige Behörde überprüft werden.“

Enthornung
Die Enthornung der Kälber führen die meisten Tierhalter selbst durch (Norden: 82,6 %, Osten: 78,5 %, Süden: 75,0 %). Am häufigsten angewandte Methoden waren das Brennen mittels Brennstab (Herausstemmen der kompletten Hornanlage oder Verödung durch Brennen eines Ringes um die Hornanlage), wobei beim Ausstemmen häufiger ‚eitrige Sekretion‘ bei den untersuchten Kälbern festgestellt wurde als beim Ring brennen. Zur Linderung der Schmerzen wurden in den meisten Betrieben Beruhigungs- und Schmerzmittel eingesetzt. Seltener wurde nur ein Schmerz- oder nur ein Beruhigungsmittel angewendet.

Zwar ist es gemäß TierSchG zulässig Kälber bis zum Alter von sechs Wochen ohne Schmerzlinderung zu enthornen, die Studienautorinnen und -autoren plädieren jedoch dafür „die Legislative dazu anzuspornen den § 5(3) 2. des TierSchG als Ausnahmeregelung vorbehaltslos zu streichen.“

Es sei wissenschaftlich belegt, dass Enthornen mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist und auch nach dem Abklingen von einmalig verabreichten Schmerzmitteln noch mit erheblichen Schmerzen und Leiden zu rechnen ist. Deshalb sollte das Schmerzmanagement fortgeführt werden (1).

Stafford and Mellor schreiben dazu: „Eine Kombination aus Sedierung, Lokalanästhesie und systemischer Analgesie unter Verwendung eines lang anhaltenden NSAID sollte die durch diese kombinierten Verfahren verursachten Schmerzen verringern, vielleicht sogar beseitigen.“

(1) Eine kürzlich veröffentlichte Studie der University of British Columbia (Kanada) legt nahe, dass die Schmerzen bis fünf Tage nach der Enthornung anhalten.

Link zu sämtlichen Studien-Ergebnissen

Kommentar: „Ein Weckruf an die Branche“
Wirklich überraschend sind die PraeRi-Ergebnisse für Brancheninsider nicht. Aber trotzdem erschütternd! Die zahlreichen Problemfelder in der Kälberaufzucht sind hinlänglich bekannt und doch trifft die schiere Datenmenge – auch uns – mit voller Wucht. Viele Milchviehhalter in Deutschland arbeiten gut, was auch die Studie bekräftigt. In viel zu vielen Betrieben aber besteht dringender Handlungsbedarf!

An allen Ecken und Ende hapert es dort bei der Aufzucht der Kälber. Mal mehr, mal weniger – aber insgesamt viel zu sehr. Dabei sind Werkzeuge und Lösungsmöglichkeiten bekannt und müssten nur an- und umgesetzt werden. Hier sind Tierhalter, Tierärzte, Berater und Industrie dringend gefragt!

Aber auch der Handel steht in der Verantwortung. Es ist Jahre her, dass Landwirte einen auskömmlichen Preis für ihre Milch erzielen konnten. Jahre, in denen sie mit Ackerbau quersubventioniert oder die Kostenschraube auf Anschlag gedreht haben. Aber sparen bei Tiergesundheit, Fütterung und Versorgung der Tiere darf schlicht nicht sein!

Die Wertschöpfungskette in der Milcherzeugung beginnt beim Kalb und der Aufwand für dessen bestmögliche Versorgung, muss in der betrieblichen Kalkulation „eingepreist“ sein. Aber ganz genauso eben am anderen Ende der Kette – im Laden. Diesen Zusammenhang auch dem Verbraucher klarzumachen und Milchprodukte endlich angemessen zu bepreisen, ist ein immer drängenderer Auftrag an den Handel!

Betriebsplanung Landwirtschaft 2020/21

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Maschinenkosten kalkulieren oder Arbeitsprozesse und Produktionsverfahren planen: Für die Betriebszweige Pflanzenproduktion und Tierhaltung bietet die 27. Auflage des KTBL-Standardwerkes umfassende Daten und Informationen.

Die Datensammlung liefert nicht nur Grund- und Ergebnisdaten zu den verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsrichtungen, sondern bietet auch methodische Hinweise zur Lösung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen.

Neben den ausführlich dargestellten Verfahrensabläufen werden Kennzahlen der Arbeitserledigung, ökonomische Erfolgsgrößen und Stückkosten für landwirtschaftliche Produkte ausgewiesen.

Die Planungsbeispiele veranschaulichen die ökonomische Methode zur Bewertung der verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren.

Die kostenlosen Web-Anwendungen unter www.ktbl.de ergänzen die gedruckte Datensammlung. Hier können weitere Informationen abgerufen und Kalkulationen mit eigenen Daten erstellt werden.Die 768-seitige Schrift ist für 26 € beim Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) e.V. erhältlich.

Bestellungen werden gern online über die Website www.ktbl.de, über vertrieb@ktbl.de oder telefonisch unter +49 6151 7001-189 entgegengenommen.

Darmstadt, 2020, 768 S., 26 Euro,
ISBN 978-3-945088-74-6, Best.-Nr. 19526

Mehr Tierschutz am Schlachthof

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Forschungsprojekt über tierschutzgerechte Alternativen zur Kohlendioxid-Betäubung von Schlachtschweinen gestartet

Das Ziel des Verbundprojektes ist die Verbesserung des Tierschutzes, wobei auch eine hohe Fleischqualität sowie die gute Integrierbarkeit in bestehende Schlachtprozesse berücksichtigt werden. Es sollen in einem jetzt gestarteten Forschungsprojekt unter Koordination des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) alternative Gase und Gasmischungen für eine schonendere Betäubung und eine neue Technik für die Gaszuführung in praxisüblichen Gasbetäubungsanlagen untersucht werden.

In dem Verbundprojekt arbeitet das FLI mit der Georg-August-Universität Göttingen, der Vion Perleberg GmbH und dem Gase- und Technologielieferanten Air Liquide Deutschland GmbH zusammen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert und mit zusätzlichen Mitteln vom Verband der Fleischwirtschaft e.V., vom QS-Wissenschaftsfonds der QS Qualität und Sicherheit GmbH sowie von der Förderergesellschaft für Fleischforschung e.V. finanziell unterstützt.

Im Fokus der geplanten Forschungsarbeiten stehen drei Hauptaspekte: Zunächst wird eine neue Begasungstechnik in praxisübliche Kohlendioxidbetäubungsanlagen integriert werden, um den Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis zu beschleunigen und eine schnelle Anwendung des neuen Verfahrens in der Praxis zu ermöglichen. Anschließend sollen alternative Gase und Gasmischungen erforscht werden, die eine schnelle und wirksame Betäubung der Schlachttiere garantieren, aber weniger reizend auf die Schleimhäute wirken. Zusätzlich wird die Fleischbeschaffenheit in Abhängigkeit vom Betäubungsverfahren untersucht, um eine hohe Fleischqualität sicherzustellen.

„Durch den Einsatz der neuen Gaszuführungstechnik in Verbindung mit den geplanten Untersuchungen im Projekt erhoffe ich mir, dass wir schnell in die Praxis umsetzbare Alternativen zu Kohlendioxid finden. Das wäre ein nachhaltiger Beitrag zur Verbesserung des Tierschutzes bei der Schlachtung.“ sagt die Projektkoordinatorin Dr. Inga Wilk.

Zur Sicherstellung einer schnellen und wirtschaftlichen Umsetzbarkeit in Schlachtbetrieben sollen die Untersuchungen nicht nur in kontrollierten Versuchen, sondern auch unter Feldbedingungen durchgeführt werden. Das Projekt, dessen Laufzeit auf drei Jahre ausgelegt ist, wird durchgehend von einem Ausschuss aus Vertretern der relevanten Interessengruppen begleitet. Dazu gehören unter anderem auch Vertreterinnen und Vertreter von Tierschutzorganisationen, der Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels.

Quelle: FLI