Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vergibt höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jörg Hartung leitete 20 Jahre das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und war neben vielen anderen Funktionen 26 Jahre lang ehrenamtliches Mitglied in der Tierschutzkommission des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, davon 20 Jahre als deren Vorsitzender.
Hartung beschäftigt sich als anerkannter und engagierter Wissenschaftler seit über 40 Jahren in Forschung und Lehre mit einer tier- und umweltgerechten Haltung von Tieren, die auch Transport und Schlachtung berücksichtigt. Er sagt: „Wen der Tierschutz einmal gepackt hat, den lässt er nie wieder los!“ Für seine hervorragenden Verdienste um den Tierschutz verlieh Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Jörg Hartung die höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
Sein Wirken
Im Jahr 1993 nahm Hartung den Ruf auf eine Professur an der TiHo an und wurde Leiter des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie. Es folgten zahlreiche Arbeiten und Tätigkeiten im In- und Ausland, unter anderem für die EU-Kommission, die FAO oder die Weltorganisation für Tiergesundheit OIE. Seit der Gründung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde im Jahre 2003 war er Mitglied – und von 2006 bis 2012 stellvertretender Vorsitzender – des Gremiums für Tiergesundheit und Tierschutz. Er war viele Jahre ein engagiertes Mitglied des Senats und der Fachkommission in der TiHo. Die Universität Breslau und die Swedish University of Agricultural Sciences in Uppsala würdigten seine Verdienste jeweils mit einer Ehrendoktorwürde.
Die Professor-Niklas-Medaille
Die Professor-Niklas-Medaille wird seit 1978 an Personen verliehen, die sich in hervorragender Weise um die Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft oder das Wohl der in diesen Bereichen tätigen Menschen verdient gemacht haben. Der Namensgeber, Wilhelm Niklas, war der Landwirtschaft eng verbunden und prägte sie, beginnend in Bayern, in den Nachkriegsjahren in Deutschland maßgeblich. Er war, von 1949 bis 1953, der erste Landwirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland.
Videoporträt über Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jörg Hartung:
Die Gemeine Stechfliege (lat.: Stomoxys calcitrans) – auch bekannt als „Wadenstecher“ – ist weltweit verbreitet und sieht der Stubenfliege ähnlich. Großer Unterschied: Die Stechfliege besitzt einen Stechrüssel, durch den sie Blut saugt. Während dieser Blutmahlzeit kann sie auf ihre Wirtstiere Krankheiten übertragen, auch auf den Menschen. Inwieweit Schweine durch die Stechfliege gefährdet sind, untersuchte eine Studie der Vetmeduni Vienna.
In Tierställen ist die Stechfliege häufig anzutreffen. Und das blutsaugende Insekt ist alles andere als harmlos, hat es doch direkt und indirekt negative Folgen für die Tiergesundheit. Direkte Einflüsse können beispielweise Unruhe, Schmerzen durch Stechen, Stress, Blutverlust, verringerte Futteraufnahme aber auch Hautläsionen mit resultierenden lokalen Entzündungen und Immunsuppression sein, während indirekte Effekte auf die Übertragung von Infektionserregern zurückzuführen sind. Für Wirtsarten wie Pferde sind Stechfliegen als relevante Vektoren für die Übertragung von Infektionskrankheiten bekannt, zu Schweinen liegen bislang jedoch nur wenige Studien vor.
Vektor zahlreicher Mikroorganismen
Um mehr über die mögliche Rolle von Stechfliegen in der Übertragung von Krankheitserregern zu erfahren, untersuchte ein Forschungsteam um Lukas Schwarz von der Universitätsklinik für Schweine der Vetmeduni Vienna im Rahmen einer Diplomarbeit Stechfliegen aus österreichischen Schweinebetrieben auf Schweinepathogene wie PRRSV (eine Viruserkrankung des Schweines mit Atemwegsproblemen und Reproduktionsstörungen einhergehend), PCV2 (eine Viruserkrankung des Schweines, welche mit Kümmern, Husten, Reproduktionsstörungen und Durchfall einhergehen kann), hämotrophe Mykoplasmen (Bakterien, welche rote Blutkörperchen befallen) und kultivierbare bakterielle Erreger. Darüber hinaus untersuchten die ForscherInnen die Stechfliegen in ihrer Pilotstudie hinsichtlich einer möglichen Verwendung als diagnostische Matrix zum Nachweis von Krankheitserregern im von ihnen aufgenommenen Schweineblut. „Insgesamt fanden wir 69 verschiedene Arten von Mikroorganismen auf der Oberfläche von S. calcitrans aus 20 verschiedenen Schweinebetrieben. Escherichia coli war die häufigste Bakterienart und konnte an Stechfliegen aus sieben Betrieben gefunden werden. Ebenfalls in sieben Betrieben wurden hämotrophe Mykoplasmen nachgewiesen. PRRSV konnte in keiner der Proben gefunden werden, PCV2 wurde jedoch in sechs Betrieben nachgewiesen“, so Studienleiter Lukas Schwarz. Die Studie wurde vom Verein der Freunde und Föderer der Schweinemedizin finanziert.
Unterschätzter Krankheitsüberträger
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Stechfliegen in österreichischen Schweinezuchtbetrieben Träger mehrerer verschiedener Bakterienarten sind und möglicherweise auch als Vektoren für PCV2 und hämotrophe Mykoplasmen dienen. Schwarz unterstreicht, dass deshalb mehr Augenmerk auf die Stechfliege und ihre Rolle als Krankheitsüberträger bei Schweinen gelegt werden sollte: „Obwohl wir die explizite Rolle von S. calcitrans als Vektor noch nicht abschließend bewerten konnten, sind wir der Ansicht, dass die Rolle von Stechfliegen bei der Übertragung von Krankheiten und Krankheitserregern bei Schweinen in Österreich unterschätzt wird.
Potenzielle günstige neue Diagnosemethode
Außerdem stellen die ForscherInnen die Überlegung auf, Stechfliegen in Zukunft als diagnostische Matrix zum Nachweis von PCV2 und hämotrophen Mykoplasmen zu verwenden. Zur Validierung sind laut Schwarz jedoch weitere Studien nötig. Und zwar auch, um abzuklären, ob die Stechfliege ebenso als diagnostische Matrix für Tests auf PRRSV verwendet werden könnte. Darüber hinaus wäre die Verwendung von Stechfliegen zur Überwachung der Herdengesundheit eine kostengünstige und tierschonende Alternative zur Blutentnahme oder anderen invasiven Entnahmetechniken bei Schweinen.
Unangenehmer Gast in vielen Ställen
Die Stechfliege S. calcitrans ist eine von 18 Arten, die zur Gattung Stomoxys zählen und kommt in den gemäßigten Klimazonen am häufigsten vor. Die 7 bis 8 mm lange Fliege ist grau und hat vier dunkle Längsstreifen am Thorax. Im Gegensatz zur Großen Stubenfliege (Musca domestica) – der dominierenden Fliegenart im Schweinestall – hat die Stechfliege ein kürzeres und breiteres Abdomen. Zusätzlich hat S. calcitrans auf dem zweiten und dritten Abdominalsegment je drei dunkle Flecken und vom Körper abstehende Flügel. Sowohl die kleineren männlichen als auch die größeren weiblichen Fliegen sind Blutsauger und haben stechend-saugende Mundwerkzeuge. Die Stechfliege bevorzugt feuchtes Stroh, Mist sowie alte Einstreu als Brutsubstrat und legt ihre Eier nicht in reinen Kot. Stechfliegen werden oft in Stallungen von Wiederkäuern und Pferden, aber auch in Schweineställen, gefunden und können durch ihre Stiche erhebliche wirtschaftliche Einbußen in der Nutztierhaltung verursachen.
Kühe genießen den Klang einer menschlichen Stimme – sind jedoch bei einem persönlichen Gespräch entspannter als beim Hören einer aufgezeichneten Stimme über Lautsprecher. „Live“ -Gespräche können genutzt werden, um die Beziehungen zwischen Rindern und Menschen zu verbessern und damit dem Tierschutz zu helfen.
Nach Monaten technologiebasierter Kommunikation durch COVID-19 fehlt vielen von uns eine „lebende“ menschliche Stimme. Aber wir sind nicht die Einzigen – eine neue Studie zeigt, dass Kühe auch ein persönliches Gespräch bevorzugen. Die in Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie zeigt, dass Kühe tatsächlich entspannter sind, wenn sie direkt von einem lebenden Menschen angesprochen werden, als wenn sie eine aufgezeichnete Stimme über einen Lautsprecher hören.
„Rinder mögen Streicheln in Kombination mit sanftem Sprechen“, sagt Annika Lange von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. „In wissenschaftlichen Kontexten könnte eine Aufzeichnung einer sanft sprechenden menschlichen Stimme verwendet werden, um die Tiere zu entspannen, da es schwierig sein kann, dieselben Sätze während der Experimente auf dieselbe Weise zu wiederholen.“
Die Verwendung einer aufgezeichneten Stimme bedeutet, dass die Bedingungen in jedem Versuch nach einem Konzept, das als „Standardisierung“ bekannt ist – einem wichtigen Prinzip des wissenschaftlichen Experimentierens – so ähnlich wie möglich sind. Das Wissenschaftlerteam wollte jedoch herausfinden, ob Kühe anders auf den Klang aufgezeichneter Stimmen reagieren als ein Mensch, der direkt mit ihnen spricht. „Unsere Studie legt nahe, dass Live-Gespräche für unsere Tiere entspannender sind als die Aufnahme einer menschlichen Stimme“, sagt Lange. „Interaktionen können weniger positiv sein, wenn sie durch Standardisierung künstlich werden“.
Das Team arbeitete mit einer Herde von 28 Rindern und verglich die Vorteile des Streichelns der Tiere beim Abspielen einer Aufzeichnung der Stimme einer Versuchsperson oder des Streichelns beim direkten Sprechen mit den Tieren. Nachdem sie die Reaktionen der Tiere während der Experimente überwacht hatten, stellten sie fest, dass Live-Gespräche der beste Stimmungsverstärker für ihre Rinderfreunde waren.
Die Herzfrequenzvariabilität war höher, wenn direkt mit Rindern gesprochen wurde, was darauf hinweist, dass sie sich amüsierten. Nach dieser Behandlung waren die Herzfrequenzen niedriger als nach dem Hören einer aufgezeichneten Stimme, was zeigt, dass die Tiere nach dem Live-Gespräch entspannter waren.
Wie verhält sich eine entspannte Kuh? „Wenn die Tiere entspannt sind und die Interaktion genießen, strecken sie oft den Hals aus, wie wenn sie sich gegenseitig pflegen“, sagt Lange. „Außerdem wird angenommen, dass Ohrpositionen auf Stimmung hinweisen können: Hängende Ohren und niedrige Ohrpositionen scheinen mit Entspannung verbunden zu sein.“
Das Experiment umfasste nur eine Herde und eine Wiedergabeaufnahme. Lange fordert weitere Untersuchungen, um festzustellen, ob die Ergebnisse auch für verschiedene Herden und Situationen gelten, beispielsweise für Kühe, die mehr Angst vor Menschen haben. Dies wird in weiteren Studien zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Rindern und Menschen, einem wichtigen Aspekt des Tierschutzes, hilfreich sein.
Quelle: Der Hoftierarzt, Originalpublikation ist hier erschienen: Kühe genießen den Klang einer menschlichen Stimme – sind jedoch bei einem persönlichen Gespräch entspannter als beim Hören einer aufgezeichneten Stimme über Lautsprecher. „Live“ -Gespräche können genutzt werden, um die Beziehungen zwischen Rindern und Menschen zu verbessern und damit dem Tierschutz zu helfen.
Nach Monaten technologiebasierter Kommunikation durch COVID-19 fehlt vielen von uns eine „lebende“ menschliche Stimme. Aber wir sind nicht die Einzigen – eine neue Studie zeigt, dass Kühe auch ein persönliches Gespräch bevorzugen. Die in Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie zeigt, dass Kühe tatsächlich entspannter sind, wenn sie direkt von einem lebenden Menschen angesprochen werden, als wenn sie eine aufgezeichnete Stimme über einen Lautsprecher hören.
„Rinder mögen Streicheln in Kombination mit sanftem Sprechen“, sagt Annika Lange von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. „In wissenschaftlichen Kontexten könnte eine Aufzeichnung einer sanft sprechenden menschlichen Stimme verwendet werden, um die Tiere zu entspannen, da es schwierig sein kann, dieselben Sätze während der Experimente auf dieselbe Weise zu wiederholen.“
Die Verwendung einer aufgezeichneten Stimme bedeutet, dass die Bedingungen in jedem Versuch nach einem Konzept, das als „Standardisierung“ bekannt ist – einem wichtigen Prinzip des wissenschaftlichen Experimentierens – so ähnlich wie möglich sind. Das Wissenschaftlerteam wollte jedoch herausfinden, ob Kühe anders auf den Klang aufgezeichneter Stimmen reagieren als ein Mensch, der direkt mit ihnen spricht. „Unsere Studie legt nahe, dass Live-Gespräche für unsere Tiere entspannender sind als die Aufnahme einer menschlichen Stimme“, sagt Lange. „Interaktionen können weniger positiv sein, wenn sie durch Standardisierung künstlich werden“.
Das Team arbeitete mit einer Herde von 28 Rindern und verglich die Vorteile des Streichelns der Tiere beim Abspielen einer Aufzeichnung der Stimme einer Versuchsperson oder des Streichelns beim direkten Sprechen mit den Tieren. Nachdem sie die Reaktionen der Tiere während der Experimente überwacht hatten, stellten sie fest, dass Live-Gespräche der beste Stimmungsverstärker für ihre Rinderfreunde waren.
Die Herzfrequenzvariabilität war höher, wenn direkt mit Rindern gesprochen wurde, was darauf hinweist, dass sie sich amüsierten. Nach dieser Behandlung waren die Herzfrequenzen niedriger als nach dem Hören einer aufgezeichneten Stimme, was zeigt, dass die Tiere nach dem Live-Gespräch entspannter waren.
Wie verhält sich eine entspannte Kuh? „Wenn die Tiere entspannt sind und die Interaktion genießen, strecken sie oft den Hals aus, wie wenn sie sich gegenseitig pflegen“, sagt Lange. „Außerdem wird angenommen, dass Ohrpositionen auf Stimmung hinweisen können: Hängende Ohren und niedrige Ohrpositionen scheinen mit Entspannung verbunden zu sein.“
Das Experiment umfasste nur eine Herde und eine Wiedergabeaufnahme. Lange fordert weitere Untersuchungen, um festzustellen, ob die Ergebnisse auch für verschiedene Herden und Situationen gelten, beispielsweise für Kühe, die mehr Angst vor Menschen haben. Dies wird in weiteren Studien zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Rindern und Menschen, einem wichtigen Aspekt des Tierschutzes, hilfreich sein.
Quelle: Der Hoftierarzt, Originalpublikation ist hier erschienen.
Von Dr. med. vet. Martin tho Seeth, Fachtierarzt für Milchhygiene, Eutergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Die Trockenstehzeit nimmt im Eutergesundheitsmanagement eines Milchviehbetriebes einen wichtigen Platz ein und bietet sowohl Chancen als auch Risiken für die Eutergesundheit. Das selektive Trockenstellen ist die Strategie der Zukunft, doch nur richtig umgesetzt führt sie zum gewünschten Erfolg.
Gerade zu Beginn und besonders am Ende der Trockenstehzeit ist das Risiko für Neuinfektionen der Milchdrüse des Rindes erhöht und die Folgen dieser Infektionen reichen bis in die nächste Laktation. Neuinfektionen führen zu einer geminderten Milchleistung in der Folgelaktation und klinische Mastitiden in der Frühlaktation haben ihren Ursprung zum großen Teil in der Trockenstehzeit. Aus diesen Gründen ist es wichtig, Neuinfektionen gerade in dieser Phase zu verhindern. Neben den genannten Risiken, stellt die Trockenstehzeit aber auch eine sehr gute Möglichkeit dar, bestehende Infektionen auszuheilen zu lassen. Neben der erhöhten Chance auf Heilung bietet die Trockenstehphase dem Eutergewebe die Möglichkeit der Regeneration, um in der Folgelaktation wieder eine adäquate Milchleistung erbringen zu können. Mit antibiotischen Trockenstellpräparaten kann die Heilungsrate in der Trockenstehzeit erhöht werden. Jedoch profitieren nur Tiere von einer antibiotischen Therapie, bei denen auch wirklich eine Infektion mit einem Mastitiserreger zum Zeitpunkt des Trockenstellens vorliegt.
Antibiotische Behandlungen senken
Das pauschale antibiotische Trockenstellen aller Tiere unabhängig davon, ob eine Infektion vorliegt oder nicht, ist immer noch die am weitesten verbreitete Methode, das Trockenstellmanagement zu gestalten, auch wenn immer mehr Milchviehbetriebe in Deutschland zu einer selektiven Trockenstelltherapie übergehen. Dies bedingt, dass viele Tiere antibiotisch behandelt werden, obwohl keine Infektion der Milchdrüse vorliegt. Neben der Eigenmotivation der Landwirte, den Einsatz antibiotischer Präparate sinnvoll zu senken, ohne dabei die Tiergesundheit zu gefährden, ist es aber vor allem auch der Verbraucherwunsch nach umsichtigen Antibiotikaeinsatz, welcher ein pauschales antibiotisches Trockenstellen in Zukunft unrealistisch und ein Umdenken erforderlich macht.
Rahmenbedingungen überprüfen
Bevor der Umstieg auf ein selektives Trockenstellprogramm erfolgt, sollten zunächst einige Voraussetzungen geschaffen werden. Unerlässlich für einen erfolgreichen Umstieg auf ein selektives Trockenstellmanagement ist ein effektives Monitoring der Eutergesundheit. Dies umfasst die regelmäßige Analyse der Eutergesundheitskennzahlen des MLP-Berichts, die Dokumentation klinischer Mastitiden und die regelmäßige bakteriologische Untersuchung von Milchproben zur Erfassung der am Mastitisgeschehen beteiligten Erreger. So kann überprüft werden, wie sich die Eutergesundheit nach Etablierung eines selektiven Trockenstellprogramms entwickelt und eventuell nötige Anpassungen können durchgeführt werden.
Neuinfektionen verhindern
Die Angst vor einem Anstieg der Neuinfektionsrate sowie der Anzahl klinischer Mastitiden ist ein häufig genannter Grund, warum es manchen Milchviehbetrieben schwerfällt, Tiere ohne Antibiose trockenzustellen. Jedoch kann der Schutz vor Neuinfektionen, den ein antibiotischer Trockensteller zumindest zu Beginn und in der Mitte der Trockenstehperiode bietet, durch entsprechende Hygienemaßnahmen und den Einsatz interner Zitzenversiegler effektiv ersetzt werden.
Die Prävention beginnt dabei bereits beim Trockenstellen…
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Erkrankungen der Kühe beeinträchtigen das Wohlbefinden und sind eine Ursache für wirtschaftliche Verluste, da nur gesunde Kühe ihre volle Leistung entfalten können. Es muss das Ziel sein, Gesundheitsstörungen möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, um die Auswirkungen gering zu halten. Das Ziel unserer Untersuchungen bestand darin, mögliche Effekte von Erkrankungen auf die automatisch im Melkroboter gemessenen Parameter im Sinne einer Früherkennung nachzuweisen.
Datenauswertung durch Melkroboter
Die Datenerhebung fand auf fünf Betrieben mit Kühen der Rasse Deutsche Holstein statt. Die Daten stammten ausschließlich von Lely-Melkrobotern. Es wurden jeweils 5 Tage vor und nach einer aufgetretenen Erkrankung (= Behandlung) ausgewertet. Insgesamt wurden 226 Behandlungen x 11 Tage = 2.486 Datensätze erfasst. In den Betrieben wurden Qwes HR-Halsbänder (SCR, Lely) zur Erfassung von Wiederkaudauer und Aktivität eingesetzt. Die Tagesmilchmenge wurde jeweils kuhbezogen gewogen. Leitfähigkeit der Milch, Milchtemperatur und Melkgeschwindigkeit werden durch das Milchqualitätskontrollsystem (MQC, Lely) im Roboterarm gemessen. Die Erkrankungen wurden vom Tierarzt oder vom Stallpersonal erfasst und zu den Erkrankungskomplexen Eutererkrankungen, Reproduktions-, Stoffwechselstörungen sowie Klauenerkrankungen zusammengefasst. Es wurden nur behandelte Kühe ausgewertet.
Nicht alle Erkrankungen sind automatisch erkennbar!
Insgesamt 57 % aller Behandlungen erfolgten wegen Reproduktionsstörungen, 20 % wegen Eutererkrankungen, 17 % wegen Stoffwechselstörungen und 6 % wegen Klauenerkrankungen. Reproduktions- und Klauenerkrankungen hatten auf keinen der untersuchten Parameter statistisch gesicherte Auswirkungen. Eine frühzeitige Erkennung im Melkroboter ist demnach unter den untersuchten Erkrankungen nur für Euterentzündungen und Stoffwechselstörungen möglich. Wenn die Kühe die Futteraufnahme und/oder die Aktivität einschränken, können sie über einen Rückgang von Wiederkaudauer und Aktivität als krank erkannt werden.
Wie wirken sich Erkrankungen auf das Wiederkauen aus?
Stoffwechselkranke Kühe zeigten den deutlichsten Rückgang der täglichen Wiederkauaktivität. Über einen Zeitraum von 5 Tagen sank die Wiederkaudauer um etwa 2,5 Stunden täglich. Das weist auf eine starke Beeinträchtigung der Tiere durch diese Erkrankungen hin. Die frühzeitige automatische Erkennung einer Stoffwechselstörung ist demzufolge möglich. Eine rasche Behandlung verbesserte schnell das Allgemeinbefinden
Kühe mit einer Eutererkrankung zeigten eine ähnliche Veränderung der Wiederkauaktivität im behandlungsnahen Zeitraum. Auch bei der Mastitis ging die Wiederkaudauer um mehr als 1,5 h täglich zurück. Nach der Behandlung nahm die Wiederkaudauer innerhalb weniger Tage auf über 450 min/Tag zu – die Behandlung war damit offensichtlich erfolgreich. Wenn Reproduktionsstörungen und Klauenerkrankungen nicht mit einer Beeinträchtigung der Futteraufnahme und damit indirekt auch der Wiederkaudauer verbunden sind, können sie natürlich nicht automatisch erkannt werden. Die Wiederkauaktivität ist der wichtigste Parameter überhaupt, der automatisch gemessen werden kann. Er wird außer dem Gesundheitsmonitoring zur Brunsterkennung, zur Abkalbeprognose sowie zur Überwachung der Futter- und Wasseraufnahme verwendet.
Wird die Aktivität durch Erkrankungen beeinflusst?
Bei der verwendeten Messtechnik war nicht unbedingt eine deutliche Auslenkung der automatisch gemessenen Aktivität zu erwarten. Es werden dabei nämlich weder die Anzahl Schritte (wie beim Pedometer), noch die zurückgelegten Wegstrecken gemessen. Die Sensoren messen typische Kopf- und Halsbewegungen, wie sie in der Brunst auftreten. Das Messsystem ist in erster Linie für die Brunsterkennung entwickelt worden. Lediglich bei Stoffwechselerkrankungen ging die Aktivität bis zur Behandlung zurück. Danach stieg sie wieder kontinuierlich an. Das stimmt mit dem Verlauf der Wiederkaudauer im krankheitsnahen Zeitraum überein. Bei Stoffwechselstörungen geht es der Kuh sehr schlecht, sie vermindert ihre körperliche Aktivität und liegt verstärkt.
Tagesmilchleistung nur eingeschränkt zur Gesundheitsüberwachung geeignet
Ähnlich wie bei der Wiederkaudauer geht die tägliche Milchleistung dann zurück, wenn das Allgemeinbefinden der Kuh deutlich beeinträchtigt wird. Bei Stoffwechselstörungen war das der Fall – die Milchleistung sank innerhalb eines Tages im Mittel um 6,5 kg. Bei Eutererkrankungen gab es auch einen Rückgang, der sich allerdings über sechs Tage erstreckte und am Tag nach der Behandlung seinen Tiefpunkt erreichte. Dieses langsame Absinken der Milchleistung macht die automatische Erkennung schwierig. Ein Alarm wird erst dann erzeugt, wenn es eine deutliche Abweichung des aktuellen Wertes zum Mittel der letzten Tage gibt.
Können weitere Parameter genutzt werden?
Bei Entzündungen reagiert die Körpertemperatur zumeist mit einem Anstieg. Insofern ist die Frage naheliegend, ob die Milchtemperatur bei Erkrankungen steigt und zur Erkennung herangezogen werden kann. Lediglich bei Euterentzündungen konnte ein minimaler mittlerer Anstieg der Milchtemperatur gemessen werden, der nicht automatisch als Alarmwert verwendet werden kann – eine Abweichung von etwa 1,3 Prozent liegt im Bereich der normalen Schwankungen. Bei den anderen Behandlungsgruppen gab es keine Änderungen der Milchtemperatur, die für eine Alarmierung hätten genutzt werden können.
Es konnten keine Auswirkung von Erkrankungen auf die Melkgeschwindigkeit nachgewiesen werden. Die gleiche Aussage lässt sich auch für die Anzahl Melkungen pro Tag treffen. Keine Erkrankung hatte eine signifikante Wirkung auf diesen Parameter.
Die Leitfähigkeit der Milch kann für die Erkennung von Euterentzündungen genutzt werden. Bei der Mastitis verändert sich die Ionenkonzentration in der Milch, und das kann bei der Messung der Leitfähigkeit sichtbar gemacht werden. Bei den untersuchten 40 Kühen stieg die Leitfähigkeit leicht an. Bei den anderen Krankheiten gibt es keine biologischen Gründe für eine mögliche Beeinflussung der Leitfähigkeit. Die Veränderung der Leitfähigkeit auf Viertelebene kann mit der Messung der Melkgeschwindigkeit, der Milchmenge und einer automatischen Zellzahlmessung zur automatischen Erkennung einer Mastitis verwendet werden. Hier steht die Entwicklung aber noch am Anfang.
Fazit
Stoffwechselstörungen und Eutererkrankungen führen zu einer deutlichen Senkung der Wiederkaudauer. Stoffwechselstörungen können durch die Veränderungen der Wiederkau- und der Bewegungsaktivität ca. 1-2 Tage vor dem Auftreten klinischer Symptome erkannt werden, wenn das Befinden gestört ist. Klauenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen lassen sich nicht automatisch erkennen.
Das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) hält die Welt in Atem. Ein Impfstoff ist derzeit noch nicht in Sicht. Könnte COVID-19 vom Menschen auf das Schwein überspringen? Und wirken die aktuellen Impfstoffe eigentlich noch gegen bereits bekannte Erreger? Prof. Dr. Michael Wendt, Fachtierarzt für Schweine und Leiter der Bestandsbetreuung Schwein (ITB Schwein) an der Klinik für kleine Klauentiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) gibt einen Überblick.
Herr Prof. Wendt, ist COVID-19 auch für Schweine eine Gefahr?
Soweit wir bisher wissen: Nein. Infektionsversuche vom Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems ergaben, dass man Schweine nicht mit COVID-19 infizieren konnte, das Schwein kommt also auch als Überträger des Virus auf den Menschen nicht in Frage. Bei Katzen sieht das anders aus, sie können sich mit COVID-19 infizieren, da kann man diesen Weg nicht völlig ausschließen. Neben anderen Coronavirus-Infektionen haben wir ja eine Erkrankung beim Schwein, die auch durch ein beta-Coronavirus ausgelöst wird, und zwar die VW-Krankheit, auch als Vomiting and Wasting-Disease bekannt. Gegen diese selten auftretende, mit den Symptomen Erbrechen und Kümmern einhergehende Erkrankung in den ersten drei Lebenswochen gibt es keinen Impfstoff. Doch dieses Virus ist weit von COVID-19 entfernt und es ist nicht zu erwarten, dass sich das Virus in Kürze so stark verändert, dass es gravierende Probleme machen könnte.
Wie sieht es bei den häufig vorkommenden Viruserkrankungen aus? Beim Circovirus wurden neue Genotypen entdeckt. Haben wir noch passende Impfkonzepte?
Gegen die Hauptgenotypen PCV2 a und b, die derzeit unterwegs sind, sind die Impfstoffe noch gut wirksam. Es gibt mal Zweifel, wenn Mischinfektionen auftreten, und auch bei anderen Subtypen wie z.B. PCV2d ist man sich nicht ganz sicher, wie gut die aktuellen Impfstoffe wirken. Auch von Betrieb zu Betrieb gibt es Unterschiede, denn wir wissen ja, dass auch das Management das Auftreten klinischer PCV2-Erkrankungen beeinflussen kann. Man muss bei viralen Erkrankungen immer mit Abweichungen und Mutationen bei den Subtypen rechnen, deshalb ist es sinnvoll, die Wirkung der Impfstoffe immer mal wieder zu hinterfragen.
Wie häufig ist denn PCV2d?
PCV2d ist deutlich weniger anzutreffen als die Haupttypen, kommt aber mittlerweile auch in Deutschland häufiger vor. Man ist nicht davor gefeit, dass dieser Genotyp sich weiter ausbreitet. Wenn er nachgewiesen wird, würde man erstmal impfen, man würde aber an der typischen Symptomatik schnell erkennen, wenn der Impfstoff nicht wirkt. PCV3 wird in letzter Zeit ebenfalls häufiger in Deutschland gefunden. Es ist noch unklar, ob die Impfstoffe wirken, da gibt es noch Forschungsbedarf. Bisher gab es nur 2 Virusarten, PCV1 und 2, mittlerweile wird auch PCV3 weltweit nachgewiesen und führt ebenfalls zu klinischen Symptomen. Wir müssen genau hinschauen und den Typ 3 im Auge behalten. Er wurde bisher beim Nachweis nicht miterfasst, denn man hatte keine diagnostische Methode dafür. Mit den heutigen, modernen DNA-Sequenzierungsmethoden, also der genauen Darstellung des Virusgenoms, findet man mehr neue Viren als früher.
Wie steht es in den Beständen um PRRS?
Das ist für mich die Infektion Nr. 1, weil sie am meisten Probleme bereitet. Sie betrifft verschiedene Altersklassen und Betriebe, die nur ihre Sauen impfen, haben immer wieder empfängliche Tiere durch abgesetzte Ferkel. Diese zeigen oft keine deutlichen klinischen Veränderungen, die PRRS-Infektion bleibt daher unerkannt, und weitere Tiere können sich anstecken. In solchen endemisch infizierten Betrieben sind z.B. Jungsauen, die aus PRRS-freien Betrieben zugekauft werden, besonders gefährdet. Die Lösung liegt darin, diese rechtzeitig schon in der Quarantäne zu impfen.
Das Virus mutiert sehr stark und ist unterschiedlich pathogen. Ein hoch pathogener PRRSV-2-Subtyp, HP-PRRSV, ist in den letzten Jahren in Asien entstanden. Dieses PRRS-Virus (Porcine High Fever Disease oder Sow Abortion and Mortality Syndrome) wurde auch schon in Amerika nachgewiesen. In Europa wurde ein hoch pathogener Subtyp bislang nur in Osteuropa gefunden, so besteht immer die Gefahr, dass er auch zu uns kommt.
Wirken die aktuellen Impfstoffe auch gegen die mutierten PRRS-Virusstämme?
Momentan funktionieren die Impfstoffe noch trotz der vorhandenen Mutationen. Natürlich kann aber auch mal eine PPRS-Mutation aufkommen, die nicht mit den Impfstoffen abgedeckt wird. Doch es ist nicht so wie bei Influenza, wo man aufgrund der Virusveränderung regelmäßig einen neuen Impfstoff braucht. Es sind verschiedene PRRS-Impfstoffe auf dem Markt, daher gibt es die Chance eines Impfstoffwechsels, falls man glaubt, ein Impfstoff wirkt nicht mehr. Man kann leider nicht aufgrund einer Sequenzierung entscheiden, welcher Impfstoff der beste ist für den jeweiligen Bestand, so weit sind wir leider noch nicht. Ob es sich um einen EU- oder US-Virustyp handelt, kann allerdings erkannt und darauf dann der passende Impfstoff gewählt werden, das funktioniert gut.
Neben Viren haben wir weitere gefährliche Erreger beim Schwein. Wie stellen sich die Mykoplasmen derzeit dar?
Wenn man sich die Lungenbefunde am Schlachthof anschaut, sieht man, dass die Ferkelgrippe noch immer in den Schweinebeständen grassiert, insofern gehört für mich die Mykoplasmenimpfung zusammen mit der Circoimpfung immer noch zu einer Standardmaßnahme. Auch schlechte Stallluft schädigt die Lunge, so können z.B. hohe Ammoniak-Konzentrationen das Angehen einer Mykoplasmen-Infektion begünstigen.
Die regelmäßige Impfung verhindert nicht die Besiedelung der Tiere mit Mycoplasma hyopneumoniae, verhindert aber die klinische Erkrankung in Form von Lungenentzündung. Je nachdem, wie die Ferkelpreise sind, denkt man an Einsparung, aber aus der Impfung auszusteigen ist ein Risiko. Wenn ich die Impfung weglasse, kann sich der Erreger im Organismus weiterverbreiten und Schaden verursachen. Also sollten die Saugferkel früh geimpft werden, dann bauen sie einen vernünftigen Schutz auf. Falls maternale Antikörper die Impfung beeinflussen, sind Two-shot-Vakzine besser geeignet, weil man mit der 2. Impfung eine bessere Antikörperbildung nach dem Absetzen erreicht. Ältere Zuchttiere brauchen in der Regel keine Impfung mehr, da sie genügend Erregerkontakt hatten und eine Immunität ausbilden, und als Ferkel wurden sie ja geimpft.
Von PED hört man kaum mehr etwas, was ist damit los?
Europa hat Glück gehabt, die Porzine Epizootische Diarrhoe, kurz PED, hat hier bei uns derzeit keine große Bedeutung. Die Stämme des Coronavirus hier in Europa sind deutlich weniger pathogen als die Stämme in Amerika und Asien. Möglicherweise hatten wir diese Coronaviren als weitgehend apathogene Erreger schon länger in unseren Beständen und die Tiere hatten eine gewisse Immunität ausgebildet. Auf jeden Fall werden hier in Europa stark pathogene Stämme bisher sehr selten gefunden. Anderswo auf der Welt ist PED noch ein größeres Problem, und man weiß auch noch nicht genau, wie lange die Immunität nach einer Infektion anhält. Doch generell ist nach so einem Seuchenzug erstmal Ruhe.
Und wie steht es um eine andere bedeutende Darmerkrankung, die Ileitis?
Unsere Untersuchungen besagen, dass die Lawsonien Erreger sind, die in fast allen Betrieben vorkommen. Der Erreger hat sich weltweit ausgebreitet, taucht auch in Schadnagern auf, dadurch besteht immer wieder Kontakt und der Erreger wird verschleppt. Sanierungsversuche haben bisher nicht geklappt, nach 3 bis 4 Monaten waren die Betriebe immer wieder infiziert. Laut unserer jahrelangen Untersuchungen wird es daher kaum einen Sauenhalter geben, …
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Über viele Jahre hinweg wurden Kühe nach der „Morgen-Abend-Regel“ besamt: duldet die Kuh am Morgen, wird sie am späten Nachmittag besamt, duldet sie am Nachmittag/Abend erfolgt die künstliche Besamung (KB) am nächsten Morgen. Mit dem Einzug der Sensortechnik in den Kuhstall setzen Milchviehbetriebe Messsysteme ein, um automatisch die Brunst bei den Kühen zu erkennen. Aber wann sollen die Kühe dann besamt werden?
Dazu wurden in vier Betrieben 3.230 Brunstzyklen von 1.633 Kühen ausgewertet. Die Aktivität wurde durch das System SCR HeatimeTM HR (SenseHubTM Allflex) gemessen. In den vier Betrieben wurden Tag und Uhrzeit sämtlicher Besamungen (KB) notiert. Darüber hinaus wurde der Erfolg der KB (Trächtigkeitsuntersuchung TU positiv oder negativ) dokumentiert. Es wurden nur Daten von Tieren ab der ersten Laktation erfasst. Alle Betriebe führten Eigenbestands-Besamungen, z.T. zu festen Zeiten, durch. Die TU fand in den Betrieben unterschiedlich ab 30. bis 60. Tag nach KB mittels Ultraschall-Untersuchung oder rektal statt.
Brunst dauert auch heute noch fast einen Tag
Die Brunst trat bei vielen Kühen in den Nachtstunden mit einem Peak zwischen 0 und 4 Uhr auf, zu Zeiten also, in denen niemand im Stall ist. Die automatische Messung bietet den großen Vorteil, dass die Kühe 24 Stunden am Tag/7 Tage pro Woche kontrolliert werden. Die (automatisch bestimmte) Brunst dauert auch heute noch im Mittel fast 17 Stunden. Bei über 95 % der Kühe wurde automatisch eine Brunst erkannt. Es ist nicht klar, warum knapp 5 % der Kühe während der Brunst keine Aktivitätserhöhung zeigen. Eventuell könnten Verhaltensprobleme rangniedriger Kühe eine Rolle spielen. Eine „echte“ Brunst wurde immer dann registriert, wenn die jeweilige Kuh nach einer KB am betreffenden Tag trächtig wurde (TU+). Dann musste schließlich der Besamungstermin richtig gewesen sein.
Wann sollen Kühe besamt werden?
Es konnte ein Zusammenhang zwischen dem Zeitintervall „Peak der Aktivität bis KB“ und der Konzeptionsrate nachgewiesen werden. Der höchste Besamungserfolg mit einer Konzeptionsrate von 44,2 % wurde dann erreicht, wenn die Besamung 8 bis 12 Stunden nach dem Aktivitätspeak erfolgte (Abb.). Bei später besamten Kühen ging die Konzeptionsrate wieder zurück. Etwas überraschend erzielten Kühe mit einer Besamung 26 h nach Aktivitätspeak oder sogar noch später einen Wert von 41,2 % tragend gewordener Tiere. Das Ergebnis zeigt, dass die Zeitspanne, innerhalb derer Kühe tragend werden können, beträchtlich lang sein kann. Theoretisch können die Spermien 24 h oder mehr nach der Besamung befruchtungsfähig sein. Das vergleichsweise gute Ergebnis sehr spät nach Peak besamter Kühe kann dadurch erklärt werden, dass eine Reihe von Kühen nach einem festen Zeitprogramm besamt wurde. Wenn z.B. eine Kuh um 4 Uhr morgens ihren Aktivitätspeak hat, der Besamer aber generell morgens um 8 Uhr besamt, wird das Tier nicht nach 4 h, sondern erst am nächsten Tag um 8 Uhr, also 28 h nach Peak, inseminiert. Als Zielgröße wurde der Anteil nachweislich tragender Tiere an den besamten Kühen (Trächtigkeitsuntersuchung = positiv, TU+) verwendet. Es ist durchaus möglich, dass zunächst deutlich mehr Kühe tragend wurden, aber durch frühembryonale Verluste (die 15 % und mehr betragen können) die Konzeptionsrate letztlich in der nachgewiesenen Größenordnung ausfiel.
Schlussfolgerungen
Durch die kontinuierliche Messung der Aktivität kann eine automatische Erkennung der Brunst erfolgen. Der Parameter „Aktivitätspeak“ eignet sich, um einen optimalen Besamungszeitraum vorzuschlagen. Dieser umfasst etwa 8 bis 12 h nach dem Aktivitätspeak. Einige, aber nicht alle auf dem Markt befindlichen Messsysteme geben eine derartige Beratungsempfehlung. Unabhängig davon sollten die Kühe dennoch auch weiterhin direkt beobachtet werden, da (noch) keine 100 %-ige automatische Brunsterkennung möglich ist.
Holzenkamp: „Ich erwarte von allen Seiten den Willen, Probleme tatsächlich zu lösen
Das gleichzeitige Auftreten der Corona-Pandemie und der Afrikanischen Schweinepest hat sich als toxische Mischung für die Fleischwirtschaft erwiesen. „Die Nerven liegen blank. Das morgige Branchengespräch, bei dem Bund, Länder sowie Fleisch- und Lebensmittelbranche über die Zukunft der Fleischwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette diskutieren, ist deshalb immens wichtig“, sagt der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) Franz-Josef Holzenkamp: „Ich erwarte, dass neben langfristigen Herausforderungen auch die Lösung akut drängender Schwierigkeiten angegangen wird. Die Liste ist lang, aber alle Themen müssen auf den Tisch. Aktuell gilt es, den Rückstau in den Schweineställen aufzulösen. Dafür gibt es konkrete Ansätze. Um zu Verbesserungen zu kommen, erwarte ich von allen Beteiligten den Willen zur Problemlösung. Für die Politik heißt das, sie darf nicht länger nur moderieren, sie muss handeln.“
Schlachtkapazitäten fehlen – Tierschutz bedroht
Die Unternehmen der Fleischwirtschaft haben in besonderer Weise Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nehmen diese auch wahr. Holzenkamp: „Der Schutz der Menschen hat oberste Priorität. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und das Funktionieren der Fleischwirtschaft viele Rädchen ineinandergreifen müssen.“ Als Folge der derzeit fehlenden Schlachtkapazitäten für Schweine drohen Mängel beim Tierschutz. Schlachtschweine können nur mit großer Verzögerung abgenommen werden, bleiben also länger im Stall und wachsen weiter. Es muss möglich sein, unter Einhaltung epidemiologisch angemessener Corona-Schutzmaßnahmen, mindestens die vorhandenen Kapazitäten zu erhalten. Die Schließung von Schlachthöfen muss durch eine fundierte Teststrategie vermieden werden. Zusätzlich ist ein abgestimmtes Maßnahmenpaket zur Flexibilisierung der Arbeit in den Schlachthöfen notwendig. Die Bundespolitik ist gefordert, den Schlachtunternehmen eine Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittstaaten wieder zu ermöglichen.
Mehr Tierwohl – Frage nach angemessener Kompensation offen
Neben den akut fehlenden Schlachtkapazitäten gibt es weitere Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Holzenkamp fasst zusammen: „Wir alle wollen ein Mehr an Tierwohl, aber es sind noch viele Fragen zu klären, allen voran die nach der angemessenen Kompensation der entstehenden zusätzlichen Kosten. Außerdem treiben die weiteren Folgen der Corona-Pandemie sowie der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest der Branche Sorgenfalten auf die Stirn. Hier erwarten wir schnell tragfähige Lösungen. Eine Vereinbarung mit Drittstaaten zur Regionalisierung hat höchste Priorität.“
Das Ei ist beliebter denn je: 236 Eier verbraucht jeder Deutsche pro Kopf pro Jahr – Tendenz steigend. Und zugleich wollen immer mehr Menschen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie erzeugt werden. „Genau dieses Bedürfnis der Menschen nach mehr Informationen wollen wir erfüllen“, sagt Henner Schönecke, Vorsitzender des Bundesverbands Ei e. V. (BVEi). Den heutigen Welt-Ei-Tag nimmt der BVEi daher zum Anlass, den Dialog mit der Öffentlichkeit zu intensivieren. Unter dem Leitmotiv „Eine gute Haltung“ startet die neue Branchenkommunikation als Initiative der deutschen Legehennenhalter für authentische und realitätsgetreue Einblicke in die Arbeit der Branche. „Wir wollen den Menschen zeigen, wie Legehennen gehalten werden. Und mit wie viel Sachkunde, Erfahrung und Verantwortung wir Legehennenhalter Tag für Tag sicherstellen, dass es unseren Tieren gut geht.“ Kernstück der neuen Branchenkommunikation ist die neue Webseite Legehennenhalter.de mit zahlreichen Informationen rund um Legehenne und Ei, mit vielen Einblicken in die Ställe und authentischen Videoporträts von Legehennenhaltern. Und mit einem Frage-Antwort-Tool, das die Verbraucher zum aktiven Dialog einlädt.
Legehennenhalter.de – neuer Internetauftritt bietet authentische Einblicke
Verantwortungsvoll, nahbar – und immer dem Tierwohl verpflichtet: So präsentiert sich die Branche auf dem neuen Internetauftritt Legehennenhalter.de. In sympathischen Videoporträts kommen Legehennenhalter zu Wort, öffnen den Blick in ihre Ställe und erzählen ihre Geschichten. Und geben authentische Einblicke in ihr Selbstverständnis als Tierhalter: „Wenn’s den Tieren gut geht, nur dann geht’s uns gut“, sagt beispielsweise Dietrich Vriesen, Legehennenhalter aus dem nordrhein-westfälischen Bocholt. Er ist einer von drei Legehennenhaltern, die auf der neuen Webseite porträtiert werden. Die Hofporträts spiegeln dabei die spannende Vielfalt der deutschen Legehennenbranche mit unterschiedlichen Haltungsformen, Betriebsgrößen und Vermarktungswegen wider. Doch bei allen Verschiedenheiten – ein gemeinsames Selbstverständnis eint die Branche: „Wir deutschen Legehennenhalter übernehmen Verantwortung“, sagt BVEi-Vorsitzender Schönecke. „Für das Wohl unserer Tiere, für eine nachhaltige Erzeugung und für die gesicherte Versorgung mit einem hochwertigen Lebensmittel, dem Ei.“
Verbraucher stellen Fragen – Branche antwortet
Wie erkennt der Legehennenhalter, dass es seinen Tieren gut geht? Welches Futter bekommen die Tiere? Und wie unterscheiden sich eigentlich die einzelnen Haltungsformen? Das neue Internetportal gibt Antworten auf zahlreiche Fragen rund um die Legehennenhaltung und Eiererzeugung. Und wenn doch mal eine Frage offen bleibt: Mit dem auf die Webseite integrierten Frage-Antwort-Tool haben die Verbraucher Gelegenheit, alle Fragen zur Arbeit der deutschen Legehennenhalter loszuwerden – die Branche beantwortet jede Frage individuell. „Diesen Weg der Öffnung gehen wir aus voller Überzeugung, weil wir deutschen Legehennenhalter für eine tiergerechte Haltung stehen“, betont Henner Schönecke. „Und darum gilt: Wer zum Welt-Ei-Tag Eier genießt, sollte beim Einkauf unbedingt auf das DE für die deutsche Herkunft achten.“
In Hühnerställen mit freilaufenden Hennen werden die Hühner angelernt, ihre Eier in dafür vorgesehene Nester zu legen. Das schaffen nicht alle und immer. Rund zwei Prozent, so Prof. Dr. Franz-Josef Peitzmann vom Mechatronik-Institut der Westfälischen Hochschule in Bocholt, landen irgendwo auf dem Stallboden. Der Landwirt nennt sie „verlegte Eier“. Aber auch diese Eier müssen gesammelt werden, damit der Stallboden sauber bleibt. Wer hier als Eiersammler arbeitet, muss sich bücken, will den Feinstaub von der Streu nicht einatmen und lebt in Konkurrenz zu den herumlaufenden Hühnern, von denen leicht mal bis zu 6000 Tiere gleichzeitig mit den Sammlern im Stall unterwegs sind.
Peitzmann will das einem Eier-Such-/Finde- und -Sammelroboter übertragen. Keine leichte Aufgabe, denn der Roboter muss die Eier auf dem staubigen Hallenboden finden, sammeln und soll bis zu 50 Eier pro Sammeltour an einem vorgegebenen Punkt abliefern. Dabei muss er auch mit Knickeiern umgehen können, die Farbe der Eier muss ihm egal sein, er muss seinen Stall kennen, Hindernisse umfahren und er muss sich hühnerverträglich bewegen, damit die schreckhaften Hennen keine Panik bekommen. Und außerdem will ihm Peitzmann noch Fähigkeiten verleihen, die die Menschen so nicht haben: Ein Temperatursensor schlägt Alarm, wenn es im Stall zu warm ist, ein Anbaugerät wie eine Egge soll die oft feuchte und festgetretene Einstreu lockern.
Für seine Entwicklungsaufgabe bekommt Professor Franz-Josef Peitzmann etwas über 200.000 Euro vom NRW-Landwirtschaftsministerium, damit er das erforderliche Material und Mitarbeiter bis zur Prototypreife bezahlen kann. Als praktischen Partner hat Peitzmann den Remscheider Geflügelhof Kottsieper gefunden. Die elektronischen und mechanischen Bauteile will Peitzmann so wählen, dass eine spätere Serienproduktion aus marktüblichen Bauteilen möglich ist und keine Sondermaschinenbauteile benötigt werden. In zwei Jahren soll der Eier-Sammel-Roboter „Ovoraptor“ als Prototyp fertig sein.
Von Luisa Watzer, Tierärztin, Praxis am Bergweg in Lohne
Eine Verhaltensstörung ist definiert als ein inadäquates, abnormes Verhalten eines Individuums gegenüber seiner Außenwelt (DocCheck). Doch was genau ist Verhalten? Das Verhalten eines Tieres hat immer einen Zweck. Es reagiert auf äußere oder innere Umstände. Wenn es Hunger hat, sucht es Futter und frisst. Wird es bedroht entfernt es sich von dieser Bedrohung oder versucht sie zu bekämpfen. Die gesamte Verhaltensbiologie eines Tieres sichert sein Überleben und damit die Möglichkeit sich fortzupflanzen. Eine Störung im Verhalten geht damit einher, dass dieser Zweck verloren geht. Häufig werden Raubtiere in Zootierhaltungen auffällig durch wiederholte, gleichbleibende Handlungen, die weder Ziel noch Funktion besitzen. So ist ein Tiger, der in seinem Gehege jeden Tag immer wieder dieselbe Strecke abläuft „normal“ für den Zoobesucher geworden. Die traurige Wahrheit ist allerdings, dass dieses Tier aufgrund von einer reizarmen Umgebung in dieses sogenannte stereotype Verhalten gerutscht ist.
Artgerechte Haltung bietet Beschäftigung
Verhaltensstörungen sind bei jeder Tierart in irgendeiner Art und Weise bekannt. Der Hund, der sich immer wieder die Pfote leckt. Oder das Pferd, das kobbt oder webt. Häufige Ursache ist, wie bereits erwähnt, eine reizarme Umgebung, die sich von Tag zu Tag nicht verändert. Um sämtliche Verhaltensweisen eines Tieres beobachten zu können benötigt dieses Tier Artgenossen, mit denen es Spielen, Raufen oder sich fortpflanzen kann. Es benötigt eine Versorgung mit Futter und Wasser. Optimaler Weise muss ein Tier sich sein Futter erarbeiten. In freier Wildbahn verbringt es den größten Teil seines wachen Daseins mit der Suche, sowie Aufnahme von Futter und Wasser. In der ganz regulären Tierhaltung muss kaum ein Tier noch für Futter oder Wasser arbeiten, was bedeutet, dieses Tier hat einen großen Teil seines Tages, um sich mit nicht erwünschten Verhaltensweisen zu beschäftigen. Das Tierschutzgesetz schreibt für Nutztiere vor, dass z.B. Schweine oder Geflügel Beschäftigungsmaterial in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung haben müssen. Dabei kann es sich um Einstreumaterial handeln, oder um Ketten aus Plastik oder Metall. Der Fantasie ist, was Beschäftigungsmaterial angeht, kaum eine Grenze gesetzt. Die einzige wirklich wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass dieses Beschäftigungsmaterial dem Tier keine Verletzungen oder Schäden jeglicher Art und Weise zufügen darf. Bewegungsspielraum ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, wenn es um die Ausübung natürlicher Verhaltensweisen geht. In freier Wildbahn besitzen einige Tiere Territorien, die sich über viele Quadratkilometer erstrecken, dies ist bei gehaltenen Tieren in der Regel nicht umsetzbar. Aber das Ziel sollte sein, seinen Tieren so viel Raum wie möglich zur Verfügung zu stellen.
Wohlbefinden wirkt sich auf Verhalten aus
Was nicht vernachlässigt werden darf, ist allerdings die Tatsache, dass sich nicht nur die Umwelt auf das Verhalten eines Tieres auswirkt. Das eigene Wohlbefinden, in anderen Worten die eigene Gesundheit trägt sehr stark zu Veränderungen im Verhalten bei. Hier gibt es tierartliche Unterschiede, die man im täglichen Leben als Tierarzt und Tierbesitzer beachten muss. Vergleichen wir an dieser Stelle einmal das Verhalten von einem Hund und einem Vogel. Ein Hund ist eine domestizierte Tierart und wird oft und gerne beschrieben als der perfekte Begleiter des Menschen. Wenn es unserem Hund schlecht geht, wird er sich nicht scheuen dies offen zu zeigen. Viele Jahrtausende der Domestikation haben dazu beigetragen. Ein Vogel hingegen ist in erster Linie ein Schwarmtier. Ein Tier, das in einem Schwarm lebt ist vor Beutegreifern sicher, solange es kein auffälliges Verhalten zeigt. Ein Beutegreifer wird immer als Erstes offensichtlich schwache, kranke oder junge Tiere ins Visier nehmen, da diese leichter zu erbeuten sind. Aus diesem Grund zeigen gehaltene Vögel, wie zum Beispiel Papageien, erst Symptome einer Erkrankung, wenn er sie nicht mehr verbergen kann. Dies lässt sich auch auf die Nutzgeflügelhaltung übertragen. Das erste Anzeichen einer schweren Erkrankung im Bestand ist in der Regel, dass die Tagesverluste teilweise sehr deutlich ansteigen, der Rest der Herde kann dabei entweder einen gesunden Eindruck machen, oder aber klinisch krank erscheinen. Atemgeräusche nehmen zu, die Legeleistung sinkt und gleichzeitig nimmt die Eiqualität ab.
Wieso spielt das eine Rolle? Viele Verhaltensstörungen können auch das Symptom einer Erkrankung sein. Gerade Verhaltensstörungen, die sich auf Haut oder Federn beziehen können durch Juckreiz verursacht werden. Wenn Erkrankungen als Ursache der Störung im Verhalten ausgeschlossen wurden, muss die Situation genau analysiert werden. Ursachen müssen gefunden und Lösungen entwickelt werden.
Welche Ursachen führen zu Veränderungen im Verhalten?
Bei der Entwicklung von Verhaltensstörungen spielen vier übergeordnete Gruppen als Ursachen eine Rolle: sozialer Stress, Nährstoffmangel, falsches Management und parasitäre Infestationen. Zu sozialem Stress kommt es zum einen bei Einzeltierhaltung, vorausgesetzt es handelt sich um ein Tier, dass in sozialen Verbänden lebt. Zum anderen kommt es zu sozialem Stress, wenn zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten werden. Ein Nährstoffmangel entsteht, wenn das verabreichte Futter nicht ausreichend Mineralstoffe enthält. Beim Huhn ist hier vor allem Natrium zu nennen. Ein Mangel an Natrium führt zu einem erhöhten Pickbedürfnis. Zudem spielt die Qualität der Proteine eine wichtige Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung des Federkleides sowie des Wohlbefindens. In Punkto Management sind Licht und Klimaeinstellungen zu nennen. Beim Licht muss auf eine flackerfreie künstliche Beleuchtung geachtet werden, da das Sehvermögen der Vögel im Vergleich zum Menschen viel sensibler ist. Zudem sind die Beleuchtungsintensität sowie die Einhaltung der Dunkelphase von großer Bedeutung. Die Einstellung des Klimas ist entscheidend bei der Vermeidung von Zugluft und Überlüftung, wobei beides nicht nur zu Verhaltensstörungen führen kann, sondern auch zu weiteren Erkrankungen. Parasitäre Infestationen können zu teils starkem Juckreiz und Unruhe unter den Tieren führen. Hier sind bei den Ektoparasiten, parasitäre Lebensformen die sich auf der Körperoberfläche aufhalten, besonders die Milben zu nennen. Zwei Arten spielen eine vorherrschende Rolle, nämlich die rote Vogelmilbe, sowie die Räudemilbe. Beide verursachen einen starken Juckreiz. Bei den Endoparasiten, parasitäre Lebensformen die sich im Körperinneren aufhalten, sind hier die Spulwürmer zu nennen. Diese werden mit dem Kot ausgeschieden und verursachen dabei einen Juckreiz in der Kloake.
Typische Verhaltensstörungen nach Geflügelart
Nachfolgend wird auf typische Verhaltensstörungen bei den drei Hauptgeflügelarten in Deutschland eingegangen: Legehennen, Puten und Broiler.
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Die „European Food and safety Authority EFSA“ fordert alle EU-Länder dringend auf, ihre Überwachungs- und Biosicherheitsmaßnahmen zu verstärken, um sich vor möglichen neuen Vogelgrippeausbrüchen in diesem Jahr zu schützen: „Die Warnung ergeht vor dem Hintergrund von Ausbrüchen der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) bei Wild- und Hausvögeln in Westrussland und Kasachstan in den letzten Monaten. Diese Region ist eine bekannte Herbstmigrationsroute für wilde Wasservögel auf dem Weg nach Europa.“
„Ausgehend von Erfahrungen der Vergangenheit“, schreibt die Organisation auf Ihrer Website, „werden Nord- und Osteuropa wahrscheinlich am anfälligsten für neue Ausbrüche sein. Als HPAI in den Sommern 2005 und 2016 in demselben Gebiet Russlands festgestellt wurde, folgten Epidemien in Nord- und Osteuropa. Sollte sich das Muster dieses Jahr wiederholen, wird HPAI voraussichtlich im Herbst oder Winter in denselben Gebieten Europas ankommen. Eine spätere Ausbreitung auf Länder in Süd- und Westeuropa ist ebenfalls möglich.“
Der ausführliche, aktuelle Bericht ist hier abrufbar.
„Frühere Studien haben gezeigt, dass eine starke Kuh-Kalb-Bindung auch ohne Besaugen hergestellt werden kann“, sagt Dan Weary, Ihr Professor an der UBC. Ben, Sie waren Teil des Forschungsteams, das mehr herausfinden wollte. Können Sie bitte den Rahmen Ihrer Studie beschreiben?
Benjamin Lecorps
Die Kuh-Kalb-Paare wurden in drei Gruppen eingeteilt:
• eine, die unmittelbar nach der Geburt max. 2 Stunden zusammen verbrachten, sich aber nicht regelmäßig sahen
• eine, die nach der Geburt 1,5 Tage zusammen verbrachten und jede Nacht wiedervereint wurden
• eine, die 1,5 Tage nach der Geburt zusammen waren, jede Nacht wieder zusammenkamen und denen Besaugen erlaubt war.
Aber auch die Kühe und Kälber aus Gruppe eins sahen sich von Zeit zu Zeit?
Ja. Als wir die Motivation der Kühe beurteilten, sich wieder mit ihrem Kalb zu vereinen, hatten sie die Möglichkeit, mit ihrem Kalb in Kontakt zu treten. So konnten Kühe aus der getrennten Gruppe einige Minuten lang einmal täglich ihr Kalb sehen, nach dem Motivations-Test. Im Gegensatz dazu konnten Kühe aus den anderen Gruppen dann den Testbereich verlassen und die Nacht mit ihrem Kalb verbringen.
Wie beurteilten Sie die Motivation zur Wiedervereinigung?
Nun, um die Motivation bei Tieren zu beurteilen, sehen wir uns im Grunde genommen an, wie sehr sie bereit sind, für den Zugang zu einer Ressource zu arbeiten. Dafür haben wir ein mit Gewichten beschwertes Tor verwendet, das mit der Zeit immer schwerer zu schieben war. Das Gewicht, bei dem die Kühe aufhörten zu schieben, gab uns die maximale Arbeit an, die sie bereit waren, für den Zugang zu ihrem Kalb aufzuwenden und wir nutzen diesen Messwert, um die Motivation der Kühe der drei Behandlungsgruppen zu vergleichen.
Wie haben Sie das Saugen in der 2. Gruppe verhindert?
Wir haben Euternetze benutzt. Um sie einfach zu beschreiben, sie sehen aus wie BHs für Kühe und verhindern, dass die Kälber die Zitzen finden und somit saugen.
Erstaunlicherweise gab es keinen merklichen Unterschied in der Motivation zwischen den Kühen, die nicht besaugt wurden, und denen, die ihre Kälber nicht regelmäßig sahen.
Es ist immer schwierig, aus einem Mangel an Unterschieden zu schließen. Wir haben eine relativ kleine Stichprobengröße verwendet; Eine höhere Anzahl von Kühen hätte möglicherweise signifikante Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen gezeigt. Zum Beispiel haben in der getrennten Gruppe 4 Kühe das Tor überhaupt nicht gedrückt; Dies geschah in den beiden anderen Gruppen nicht. Im Moment können wir sagen, dass das Saugen die Motivation der Kühe zu verstärken scheint, sich wieder mit ihrem Kalb zu vereinen. Wir brauchen mehr Forschung, um zu verstehen, was dieses Ergebnis in Bezug auf „Bindung“ bedeutet.
Wie schnell kann eine Bindung zwischen Kuh und Kalb hergestellt werden? Einige denken, dass es innerhalb von 5 Minuten nach der Geburt passieren kann?
Das ist sehr schwer zu sagen. Sie haben Recht, einige Studien haben gezeigt, dass die Bindung bereits in den ersten 5 Minuten hergestellt wird. Was wir bis jetzt wissen, ist, dass die emotionale Bindung mit der Zeit stärker wird. Beispielsweise zeigen Kühe, die nach einigen Stunden getrennt wurden, weniger Anzeichen von Stress als Kühe, die nach einigen Tagen getrennt wurden.
In dieser Studie fanden wir keine Unterschiede im Verhalten, wenn Kühe sich mit ihrem Kalb wiedervereinigen konnten (nachdem sie das Tor gedrückt hatten), was darauf hindeutet, dass sie ein ähnliches Interesse daran hatten, mit ihrem Kalb zu zusammen zu kommen (z. B. zum Lecken). Trotzdem ist es schwierig, aus diesen Verhaltensweisen aussagekräftige Schlussfolgerungen zu ziehen.
In der Säuge-Gruppe wurde die Bindung ziemlich stark. Sie schreiben in Ihrer Studie: „Oxytocin, bekannt als Bindungshormon, kann der Hauptgrund sein“. Gibt es möglicherweise andere Determinanten?
Ja, Einige haben die Hypothese aufgestellt, dass Kühe durch Trennung stärker in Stress geraten könnten, wenn ihr Kalb nicht ernährungsphysiologisch unabhängig wäre. Es ist hier möglich, dass Kühe aus der Säuge-Gruppe stärker zur Wiedervereinigung motiviert waren, weil sie glaubten, dass ihr Kalb gefüttert werden musste. Vielleicht ein Drang zu stillen?
Es scheint also nicht unbedingt grausam zu sein, Kälber von ihren Müttern zu trennen – wenn man es direkt nach der Geburt tut?
Das ist eine schwierige Frage. Unsere Studie liefert keine Erkenntnisse darüber, wie sich Kühe nach der Trennung fühlten und welche langfristigen Konsequenzen es hat, wenn sie nicht mit ihrem Kalb zusammen sein können. Soweit wir wissen, verringert eine frühe Trennung von Kuh und Kalb zwar die akute Trennungsreaktion, kann jedoch andere nachteilige Auswirkungen haben.
Jetzt frage ich im Namen aller Landwirte, die in Zukunft Kälber säugen lassen möchten: Was wären die wichtigsten Empfehlungen?
Danke für diese Frage! Es war fantastisch, Kühe und Kälber zusammen zu sehen. Milchkühe haben den Ruf, nicht mütterlich zu sein, weil sie normalerweise den Landwirten erlauben, das Kalb wegzunehmen (im Unterschied zu Rinderrassen). Moderne Milchkühe stammen jedoch von Generationen von Kühen ab, die für dieses Merkmal ausgewählt wurden. Alle an unserer Studie beteiligten Kühe zeigten mütterliche Fürsorge. Daher würde ich den Landwirten zunächst sagen, dass sie sich in diesem Aspekt keine Sorgen machen sollen.
Dann würde ich sagen, wenn Sie die Kuh mit dem Kalb zusammenlassen wollen, seien Sie bereit, sie für einen längeren Zeitraum gemeinsam zu halten. Ein paar Tage oder Wochen Kontakt können für das Kalb von Vorteil sein, aber auch für die Kuh. Zur Minimierung des Trennungsschmerzes, sollte eine progressive Entwöhnung vor dem Trennungszeitpunkt erfolgen. Ich würde auch empfehlen, Zeit mit den Kälbern zu verbringen, damit sie keine Angst vor Menschen haben. Die Mensch-Kalb-Bindung, wenn ich diesen Ausdruck verwenden darf, entwickelt sich ebenso in den ersten Lebenswochen.
Schließlich bedeutet die gemeinsame Haltung von Kühen und Kälbern nicht, dass alle Aspekte der Kälberpflege nur noch der Kuh überlassen werden können. Der Landwirt ist beispielsweise weiterhin dafür verantwortlich, dass das Kalb innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt ausreichend Kolostrum bekommen hat.
Zu guter Letzt: Wie viel trinkt ein Kalb – wie viel Milch geht nicht in den Tank?
Das neugeborene Kalb ist auf Milch angewiesen, um zu wachsen, und Kälber zeigen ein viel besseres Wachstum, wenn ihnen mehr Milch gegeben wird, unabhängig davon, wie sie bereitgestellt wird (d. h. direkt von der Mutter oder vom Landwirt).
Leider werden Milchkälber in einigen Betrieben immer noch zu weniger als 50% mit dem gefüttert, was sie natürlich trinken würden, was das Wachstum und die Entwicklung der Kälber (und die künftige Milchproduktion als Färsen) ernsthaft beeinträchtigt. Diese Betriebe sollten ihren jungen Kälbern mehr Milch geben, idealerweise 8 – 10 l pro Tag oder sogar mehr (unabhängig davon, wie diese gefüttert wird).
Interessanterweise kann es von Vorteil sein, wenn die Kühe dies tun – die Kühe stillen das Kalb häufiger als die meisten Landwirte bereit sind, ihre Tiere zu füttern (das senkt die Arbeitskosten), und die häufigere Euterstimulation kann die Milchproduktion steigern und das Risiko einer Mastitis verringern.
Vielen Dank für das interessante Gespräch, Ben!
Margret Wenker
Link zur Studie Wenker et al. 2019: Effect of cow‑calf contact on cow motivation to reunite with their calf
Faculty of Land and Food Systems,
University of British Columbia
Animal Production Systems Group,
Wageningen University Research
Mit dem 10. September ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland angekommen. Die weitere Ausbreitung des Virus ist unbedingt zu stoppen: Biosicherheit ist hier das Stichwort. Boehringer Ingelheim hat umfangreiche Erfahrungen zur Optimierung der Biosicherheit und möchte diese als frei zugänglichen Service an Schweinehalter weitergeben:
Im praxisnahen Webinar zu ASP gibt der Tierarzt und ASP-Experte Dr. Tomasz Trela wertvolle Einblicke in die Vorbeugung der ASP sowie wichtige Tipps im Umgang mit der Erkrankung. Unter diesem Link ist es jederzeit abrufbereit: https://www.vetmedica.de/online-seminare-schweinehalter.aspx
Außerdem bietet Boehringer Ingelheim mit der App COMBAT eine einfach durchzuführende Risikobewertung in Schweinebetrieben, mit der potenzielle Lücken der internen und externen Biosicherheit zu erkennen und zu beseitigen sind. Damit ist schnell eine erste Überprüfung möglich, letztendlich sind jedoch die Empfehlungen des Hoftierarztes und die behördlichen Vorgaben entscheidend. COMBAT ermöglicht die Verbesserung von Management und Biosicherheit – extrem wichtig für die Vorbeugung eines ASP-Eintrags in den eigenen Betrieb.
Die App ist weltweit in den Stores erhältlich: Einfach ´COMBAT Boehringer Ingelheim` in die Suche eingeben.
Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Dr. Daniel Brüggemann, Tel.: +49 (6132) 77-6609, daniel.brueggemann@boehringer-ingelheim.com.
Die derzeitige Praxis der Geflügelproduktion ist mit ethischen und ökologischen Bedenken verbunden. Die ethischen Bedenken umfassen unter anderem das Töten von männlichen Eintagsküken von Legehühnern. Ökologische Bedenken beziehen sich auf den Import großer Mengen an Sojabohnen als Futtermittel. Ein Forschungsteam der Universität Göttingen hat daher Alternativen untersucht: zum einen die Nutzung von heimischen Proteinquellen wie die Ackerbohne (auch bekannt als Feld- oder Saubohne), zum anderen die Nutzung von Zweinutzungshühnerrassen, die sowohl zum Eierlegen als auch zur Mast gehalten werden können.
Das Ergebnis: Sowohl die Ackerbohne als Futtermittel als auch die Zweinutzungsrasse sind geeignete Alternativen, die keinen negativen Einfluss auf die Fleischqualität haben. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Foods erschienen.
Die Studie konzentrierte sich auf die Junghähne zweier Doppelnutzungsrassen (Vorwerkhuhn und Bresse Gauloise) und einer spezialisierten Legehuhnherkunft mit hoher Legeleistung (White Rock). Für die Mast wurde dreierlei Futter eingesetzt: eine Futtermischung mit Soja als Hauptproteinquelle und zwei Futtermischungen mit der Ackerbohne (Vicia faba) in verschiedenen Anteilen. Der Fokus der Studie lag auf dem Einfluss der Futtermittel auf die Fleischqualität der unterschiedlichen Rassen.
Die Ergebnisse der physikalisch-chemischen und sensorischen Analysen zeigen, dass die Ackerbohne als Futtermittel für Geflügel eingesetzt werden kann, ohne die Produktqualität negativ zu verändern. Ihre Nährstoffzusammensetzung macht die Ackerbohne zu einer geeigneten Alternative zu Sojabohnen als Proteinquelle in Futtermittel für Geflügel. Darüber hinaus hat die Ackerbohne den Vorteil, die heimische Bodenqualität zu verbessern, da sie Stickstoff bindet. „Ackerbohnen sind breitflächig angebaute Hülsenfrüchte, die das Potenzial haben, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, da sie die Abhängigkeit von Sojaimporten reduzieren und zu mehr Preiskontrolle führen können”, so Erstautorin Cynthia Escobedo del Bosque von der Universität Göttingen.
Der Einsatz von Zweinutzungsrassen wird erst seit wenigen Jahren erforscht. Diese Rassen können nicht mit der Lege- und Mastleitung der jeweils spezialisierten Rassen mithalten. „Unsere Forschung zeigt, dass Zweinutzungsrassen Eier und Fleisch vergleichbarer Qualität liefern können, aber in einer kleineren Menge“, erklärt Ko-Autor Prof. Dr. Daniel Mörlein von der Universität Göttingen. „Das bedeutet, dass die Kosten höher sind. Gleichzeitig werden aber durch den Verzicht auf das Töten der Küken das Tierwohl verbessert und die genetische Vielfalt in der Tierproduktion erweitert.“
Die Studie war Teil des Projekts „Potenziale der nachhaltigen Nutzung regionaler Rassen und einheimischer Eiweißfuttermittel in der Geflügelproduktion (PorReE)“. An der Fakultät für Agrarwissenschaften erforschen momentan vier Abteilungen die Grundlagen für eine nachhaltigere und gesellschaftlich akzeptierte Geflügelproduktion. Studien zu Produktwahrnehmung und Verbraucherakzeptanz werden gewöhnlich im Sensoriklabor der Fakultät durchgeführt.
Der bekannte Bienenforscher Prof. Jürgen Tautz, Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, spricht im Interview über die besondere Stellung der Honigbiene und die Gefährdung der Wildbienen. Mit schulischen Projekten und Online Studien bringt er junge und ältere Menschen zusammen. Im neuen Forschungsprojekt we4bee stehen Hightech-Bienenstöcke im Zentrum.
„Der Honigbiene geht es gar nicht so schlecht, zumindest nicht in Deutschland“, sagt Prof. Jürgen Tautz, der bekannte Bienenforscher aus Würzburg. Hierzulande gibt es etwa eine Million Bienenvölker und rund hunderttausend Imker. Die Imkerschaft wächst von Jahr zu Jahr und sie wird zunehmend jünger, weiblicher und städtischer. In den letzten zehn Jahren seien Bienen zu außerordentlich beliebten Tieren geworden und inzwischen hätten sie weltweit eine starke Lobby – viel stärker als andere Insekten.
Es wird viel über das Bienensterben gesprochen. Tautz dazu: „Es gibt zwar kein allgemeines Bienensterben, eher regional sehr unterschiedliche Gefahren, etwa durch Parasiten wie die Varroa-Milbe, Krankheiten oder einen Mangel an Blühpflanzen. Dadurch sind vor allem die zahlreichen weniger bekannten Wildbienenarten bedroht, die keine Staaten bilden, sondern überwiegend solitär leben“. Dabei übe ein Unkrautbekämpfungsmittel wie Glyphosat sowie anderen Herbizide einen negativen Einfluss meist indirekter Natur aus. So schädige Glyphosat zum Beispiel die bakterielle Darmflora der Bienen, was letzten Endes ihr Immunsystem schwächen kann.
Tautz führt weiter aus, dass Bienen über verblüffende Fähigkeiten verfügen. Die Honigbiene zum Beispiel könne bis vier zählen, habe eine Vorstellung vom Konzept der Zahl Null und könnten die Malstile von Picasso und Monet auseinanderhalten. Das sei alles experimentell belegt.
Als Professor im Ruhestand engagiert sich Jürgen Tautz heute vor allem in der schulischen Bildungsarbeit. Dazu will er mit seinem Team junge und ältere Leute mit einem modernen Projekt persönlich und nicht nur digital zusammenbringen. Er hat, nach den guten Erfahrungen mit einem Onlineprojekt an der Universität Würzburg namens Honeybee Online Studies, kurz HOBOS, vor kurzem mit we4bee ein neues Vorhaben gestartet. Im Zentrum stehen dabei Hightech-Bienenstöcke zur eigenständigen Umweltforschung.
Harmonisierung der THESEO Standorte
Neuer Auftritt für THESEO Deutschland! Auf dem Weg zur äußeren Vereinheitlichung aller THESEO Standorte wird ab Anfang Oktober ein neues Logo für THESEO Deutschland zu sehen sein. Die Anpassung des Firmenlogos war zugleich der letzte Schritt im Rahmen des inzwischen knapp vierjährigen Integrationsprozesses seit der Übernahme der damaligen EWABO Chemikalien GmbH & Co. KG durch die französische AVRIL-Gruppe zum 1.1.2017.
Unter dem Motto „Der letzte Schritt ist vollendet, die Wurzeln sind geblieben“ kommuniziert THESEO Deutschland diesen neuen Auftritt. Die Beibehaltung des EWABO-Logos ist ein wichtiger Baustein, da sich das ehemalige Unternehmen in mehr als 40 Jahren Marktpräsenz und -erfahrung kundenseitig einen starken Vertrauensvorschuss aufgebaut hat. Durch den neuen Auftritt positioniert sich THESEO Deutschland innerhalb der THESEO-Business-Unit Biosecurity erkennbar stark. Für die Kunden ändert sich nichts. THESEO Deutschland wird auch weiterhin ein gewohnt zuverlässiger Partner in allen Fragen rund um das Thema Biosicherheit im AGRAR Bereich sein.
Das Start-up FarmInsect hat eine Technologie entwickelt, mit der Insektenlarven als Proteinfutter gezüchtet werden können. Das von Absolventen der Technischen Universität München (TUM) gegründete Unternehmen will in wenigen Wochen eine Pilotanlage bei einem der größten Fischzucht-Betriebe in Bayern in Betrieb nehmen.
Die Unternehmensgründer von FarmInsect, Wolfgang Westermeier, Thomas Kühn und Andre Klöckner, entwickelten ein Prinzip der Kreislaufwirtschaft, wonach Reststoffe, die in der Region anfallen, etwa Ernte- oder Schälreste eines landwirtschaftlichen Betriebs oder Reststoffe der regionalen Lebensmittelindustrie, wie Biertreber oder Altbrot, genutzt werden können, um Insektenlarven zu mästen und zu verfüttern.
Seit Ende 2017 ist die Verwendung von Insektenmehl in der Aquakultur gesetzlich zugelassen. Eine Zulassung für die Geflügel- und Schweinemast wird für 2021 erwartet. Die Verfütterung lebender Insekten ist jedoch bereits heute für Hühner, Schweine und Fische erlaubt.
„Unser dezentrales Verfahren zur Insektenproduktion bietet die Möglichkeit, dass die Larven lebend verfüttert werden können, weil keine langen Transportwege anfallen. Dies stimuliert die Tiere, ihren natürlichen Trieb zu picken und zu wühlen besser auszuleben und fördert so das Tierwohl“, sagt Co-Gründer und Agrarwissenschaftler Wolfgang Westermeier.
Futter vor Ort aus regionalen Reststoffen erzeugen
FarmInsect liefert Anlagen zur Insektenzucht, die modular in die Infrastruktur jedes Tierzucht-Betriebs integriert werden können. „Das Schwierigste ist es, aus Eiern Junglarven zu machen“, meint FarmInsect-Geschäftsführer und Co-Gründer Thomas Kühn. FarmInsect züchtet die Junglarven der Schwarzen Soldatenfliege – eine besonders anspruchslose und robuste Insektenart – daher in einer eigenen Anlage und liefert sie regelmäßig und auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt an die Betriebe.
In einer Woche Mast wachsen die Junglarven in einer Klimakammer zu 1,5 Zentimeter großen Larven heran und erhöhen ihr Gewicht um den Faktor 1.000. Die Betreibenden müssen zur Herstellung ihres Insekten-Futtermittels nur einen Mischtopf mit Biomasse füllen und die Klimakammer mit jungen Larven be- und mit ausgewachsenen Larven entladen. Dann können die Larven direkt an Nutztiere – derzeit hauptsächlich Fische, in Zukunft wohl auch Hühner oder Schweine – verfüttert werden.
Bei der Verwendung von regionalen Reststoffen als Futtermittel müssen die strengen Regeln des Futtermittelrechts beachtet werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei die lückenlose Rückverfolgung ihrer Herkunft. „Um diese zu dokumentieren haben wir eine IT-Plattform entwickelt“, sagt Mitgründer Andre Klöckner, der für die technische Entwicklung und Programmierung verantwortlich ist.
Erste Larvenzucht im Labor des Lebensmitteltechnikums der TUM
Die Gründer sind ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Elektro- und Informationstechnik sowie Wirtschaftswissenschaften, das sich über Projekte an der TUM kennengelernt hat. „Entscheidend für uns war, dass wir am Lebensmitteltechnikum der TUM in Weihenstephan Räume nutzen konnten, die für unsere erste Larvenzucht geeignet waren“, sagt Westermeier.
„Die TUM Gründungsberatung hat uns außerdem Kontakte in die Landwirtschaft, zum Hans Eisenmann-Forum und zu EIT-Food vermittelt“, sagt Kühn. So fand das Team auch zu Wilhelm Windisch, Professor für Tierernährung an der TUM, welcher das Start-up seither unterstützt. UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und Gründung, hat dem Start-up zudem Kontakte zu Investoren und Kooperationspartnern vermittelt. Die zwei Gründer Kühn und Westermeier sind Absolventen des Manage & More Programms.
Pilotanlage in einem bayerischen Aquakultur-Betrieb
FarmInsect wird seit April 2020 vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und der Europäischen Union (EU) im Rahmen des Programms „Europäische Innovationspartnerschaften“ gefördert. Im Sommer 2020 wurde das Start-up als eines der vielversprechendsten Food- und Agritech-Start-ups in Europa in das EIT Food Accelerator Network der EU aufgenommen.
In wenigen Wochen wird eine Pilotanlage bei einem der größten Aquakultur-Betriebe in Bayern in Betrieb genommen.
Trotz aller Verbesserungen in der Haltung und bei der Hygiene ist die Darmerkrankung Ileitis noch immer ein großes gesundheitliches und wirtschaftliches Problem in Schweinebetrieben. Der Erreger der Ileitis, Lawsonia intracellularis, ist in nahezu jedem deutschen Mastschweinebetrieb anzutreffen, da es kaum eine Chance auf Eliminierung gibt.
Boehringer Ingelheim möchte deshalb mit der aktuell entwickelten Broschüre „Überlassen Sie Lawsonien nicht die Kontrolle“ Wissen über die Darmerkrankung vermitteln und damit helfen, die Ileitis langfristig in den Griff zu bekommen. So ist alles rund um die Auswirkung der Erkrankung auf den Darm und dessen Mikrobiom nachzulesen, aber auch die Vorteile der oralen Schluckimpfung als wirksame Vorbeugungsmaßnahme werden erläutert. Ein Poster mit Informationen über die Wichtigkeit eines gesunden Darms ergänzt die Broschüre. Gegen Ileitis einfach über Trinkwasser oder Flüssigfutter impfen – informieren Sie sich!
Die kostenlose Broschüre ist ab sofort auf www.ileitis.de im Service Bereich erhältlich oder direkt bei Boehringer Ingelheim Vetmedica, vetservice@boehringer-ingelheim.com.
Seit 10. September ist die ASP in Deutschland angekommen. Durch die konsequente Umsetzung der EU-Notfallstrategie lässt sie sich am ehesten stoppen, sagen UFZ-Forscher um Hans-Hermann Thulke. Ihre Modellierungen fließen ein in Bekämpfungspläne und eine mögliche Exit-Strategie.
Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit 2007 von Georgien Richtung Westen aus und ist seit 10. September in Deutschland angekommen. Vor dem Hintergrund möglicher Milliardenschäden für die Landwirtschaft soll mit konsequentem Notfallmanagement verhindert werden, dass sich der tödliche Virus weiter ausbreitet und auf Hausschweine übertragen wird. Die EU-Kommission setzt hierfür auch auf Ergebnisse so genannter individuenbasierter Modelle, die am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) entwickelt werden. Seit dem Jahr 2010 beschäftigt sich eine Modellierergruppe um Dr. Hans-Hermann Thulke im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) damit, die Wirksamkeit verschiedener Managementmaßnahmen zu prüfen, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Ihre Ergebnisse sind längst eingegangen in die EU-weiten Vorgaben und nationalen Verordnungen. Und auch das Handlungsprotokoll, das derzeit in Brandenburg umgesetzt wird und das auch andere Bundesländer wie etwa Sachsen realisieren wollen, greift diese Erkenntnisse auf. Ganz aktuell befassen sich die Wissenschaftler mit der Frage, wann ein von der Afrikanischen Schweinepest betroffenes Gebiet wieder als seuchenfrei einzustufen ist.
Während die Afrikanische Schweinepest Deutschland erreicht hat und die Behörden in Brandenburg derzeit dabei sind, Notfallmaßnahmen umzusetzen, forscht unser Team bereits mit Hochdruck an einer Exit-Strategie. Im Auftrag der EFSA gehen wir der Frage nach, anhand welcher Kriterien man sicher festlegen kann, ab wann eine Region, in der eine infizierte Wildschweinpopulation festgestellt wurde, wieder als seuchenfrei einzustufen ist. Das ist insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe in betroffenen Gebieten von großer wirtschaftlicher Bedeutung, um möglichst schnell wieder Zugang zum internationalen Schweinefleischmarkt zu erlangen.
Doch wie stellt man sicher fest, dass es wirklich keine aktive Infektion unter den Wildschweinen in einem Gebiet gibt? Wissenschaftlich gesicherte Antworten darauf zu geben, ist nicht so einfach, wie es scheint. Zum einen wissen wir, dass diagnostische Tests immer nur eine Stichprobe aus der tatsächlichen Situation repräsentieren. Zum anderen sehen wir, dass durch die behördliche Umsetzung der Maßnahmen die Krankheit mehr und mehr verschwindet und schließlich sämtliche Testergebnisse negativ sind, so wie es derzeit in der Tschechischen Republik und in Belgien der Fall ist. Darf man in dieser Situation sagen, eine Region oder ein EU-Mitgliedsstaat ist frei von Afrikanischer Schweinepest? Und dürfen diese Regionen oder Staaten wieder am Welthandel teilnehmen, so wie es die Weltorganisation für Tiergesundheit vorgibt? Unsere spontane Antwort darauf wäre Jein.
Wenn man lange genug negative Testergebnisse unter Wildschweinen hat, steigt das Sicherheitsgefühl, dass es tatsächlich keine erkrankten Exemplare mehr gibt. Dieses Gefühl lässt sich mathematisch quantifizieren: Durch hundertfache Simulationen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest auf dem virtuellen Experimentierfeld unseres ökologischen Modells können wir nachvollziehen, wie sich die Zahl der erkrankten Wildschweine im Verlauf der Bekämpfungsmaßnahmen verändert und ab wann Tests an Tieren in einem Gebiet tatsächlich nur noch negative Ergebnisse liefern müssen – das Gebiet also frei von der Krankheit ist. Wie wichtig das ist, zeigt der Fund eines infizierten Wildschweins in Estland, nachdem dort über Monate nur negative Testergebnisse festgestellt wurden. Bedeutet dieser Fund nun, dass erneut alle behördlichen Restriktions-Maßnahmen anlaufen müssen oder kann man analysieren, welche Rolle das Tier hatte und damit eventuell die Maßnahmen einschränken? Wie ist es möglich, dass nach einer so langen Zeit auf einmal ein Tier positiv getestet wird? Antworten auf diese Fragen wollen wir mit der Entwicklung der sogenannten Exit-Strategie für die Afrikanische Schweinepest geben. Dafür nutzen wir unser Modell, das verschiedene Szenarien in zeitliche Verlaufskurven der Ausbreitung übersetzt. Sie werden zeigen, wie lange die Krankheit noch zirkuliert und wann sie verschwunden ist.
Frühere Erkenntnisse aus ähnlichen Simulationen sind bereits als wichtige Komponenten in die EU-Notfallstrategie zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest aufgenommen worden, die die EFSA in den letzten Jahren erarbeitet hatte. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zur Ausdehnung der drei Schutzzonen (Kernzone, Gefährdetes Gebiet, Pufferzone), zur benötigten jagdlichen Intensität oder zur Anzahl der zu beseitigenden Kadaver. Zusammen ergibt sich die EU-Notfallstrategie, mit der die Ausbreitung der Seuche am ehesten zu stoppen ist. Dass das tatsächlich möglich ist, zeigen die Erfahrungen in der Tschechischen Republik und in Belgien. Im Gegenzug demonstriert der aktuelle Stand in Westpolen, dass es unumgänglich ist, Hausschweinebetriebe besonders strikt zu schützen und vor allem Wildschweine im direkten Umfeld des Eintrags konsequent zu reduzieren.
In Bezug auf die Situation in Deutschland zeigten unsere Analysen aber auch, dass sich die Krankheit gerade jetzt in den Monaten August und September mit mehr als 4 km/Monat deutlich schneller ausbreitet als im Frühling und Frühsommer mit weniger als 2 km/Monat. Ein möglicher Grund ist, dass die Wildscheinrotten ihre Bewegungsmuster an die durch agrarische Nutzung veränderte Landschaft anpassen. Es ist also, trotz aller Probleme, aus Sicht der Seuchenbekämpfung durchaus sinnvoll, wenn die Behörden in Brandenburg im gesamten Gefährdeten Gebiet ein Ernteverbot aussprechen. In diesem Sinne heißt es also, die jetzt angeordneten Maßnahmen möglichst strikt umsetzen, um die Afrikanische Schweinepest zeitnah zu bezwingen.
Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ