Hohe Temperaturen: Die Gesundheit der Tiere im Blick haben

Kühlung und ausreichend Futter wichtig – Keine langen Tiertransporte erlaubt

Hohe Temperaturen sind nicht nur für Menschen eine erhebliche Belastung, auch für Nutz- und Haustiere sind Sonneneinstrahlung und Hitze gefährlich. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) ruft Tierhalterinnen und Tierhalter daher zu besonderer Vorsicht auf.

Im Gegensatz zu Menschen können Hühner und Puten nicht schwitzen. Sie sind auf andere Hilfsmittel angewiesen, um der Hitze zu widerstehen. Eine häufige Überwachung der Stalltechnik und Betreuung der Tiere ist daher besonders wichtig. Außerdem kann eine Fütterung in den kühleren Abend- und Nachtstunden helfen. Mehr dazu kann in den „Merkblättern zur Vermeidung von Hitzestress bei Geflügel“ nachgelesen werden.

Die Informationen wurden in Zusammenarbeit von Tierhaltenden, Geflügelfachtierärztinnen und -ärzten und den niedersächsischen Veterinärbehörden erstellt.

Auch andere Tiere, wie z.B. Rinder, Schafe und Pferde können ebenfalls durch starke Sonnenstrahlung gefährdet werden. Werden die Tiere auf der Weide gehalten, sollte immer auch ausreichender Witterungsschutz und Zugang zu Wasser sichergestellt werden. Außerdem kann durch die Hitze die Futtergrundlage auf der Weide schwinden. Hier muss unter Umständen zugefüttert werden. In diesem Zusammenhang appelliert das ML aus gegebenem Anlass in Anlehnung an die Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung auch an Schafhalterinnen und -halter, ihre Tiere vor der Sonne zu schützen. So sollte geprüft werden, ob allen Tieren ausreichend Schatten zur Verfügung steht (zum Beispiel durch einen Unterstand, Bäume oder Büsche), ob ausreichend sauberes Wasser zugänglich ist und den Schurtermin anzupassen (Wollvlies ist zusätzlicher „Dämmfaktor“, der die Abstrahlung der Körperwärme erschwert; insbesondere bei überlangem oder verfilztem Vlies kann es zu „Hitzestau“ kommen). Außerdem sollten Anstrengungen vermieden werden (zum Beispiel sollten bei Hütehaltung keine großen Distanzen zurückgelegt werden und Aktivitäten wie Umtreiben, Tierbehandlungen, Tiertransporte etc. auf die kühleren Morgenstunden verschoben werden) und der Weidegang und/oder die Fütterung früh am Morgen oder spät am Abend eingeplant werden.

Besondere Vorsicht gilt auch bei Haustieren: Hunde, Meerschweinchen, Vögel und Co. müssen ebenfalls vor der Hitze geschützt werden. Das bedeutet vor allem ausreichend Zugang zu Flüssigkeit und Schutz vor der Sonne. Und: Tiere sollten niemals in einem parkenden Auto zurückgelassen werden! Auch hier hält das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nützliche Informationen bereit.

In diesem Zusammenhang weist das ML darauf hin, dass bereits im April ein Erlass zu Tiertransporten in der heißen Jahreszeit an die kommunalen Veterinärbehörden übersandt worden ist. Demnach sind Abfertigungen langer Tiertransporte von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen, bei dem während des Transports keine aktive Kühlmöglichkeit besteht, ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius zu verbieten.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Fruchtbarkeit – Management entscheidet über den Erfolg

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Auf einer Fachtagung in Augsburg, organisiert von der Tierklinik Gessertshausen, kamen rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. In seinem Vortrag zur Fruchtbarkeit machte Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag erfordert.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer unserer Milchkühe liegt aktuell bei nur 38,5 Monaten. Das ist deutlich zu wenig. Hauptabgangsgrund ist mit rund 16 % die Unfruchtbarkeit. Für die Praxis stellt sich daher nicht die Frage, ob Handlungsbedarf besteht, sondern wo man am effektivsten ansetzt.

Die Ursachen für die Fruchtbarkeitsprobleme sind komplex. Neben genetischen Einflüssen, die sich nur begrenzt steuern lassen, spielen vor allem Stoffwechsel, Fütterung, Tiergesundheit sowie Management- und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Besonders kritisch ist die Phase nach der Kalbung. Hier treffen mehrere Belastungen gleichzeitig auf das Tier: hohe Milchleistung, negative Energiebilanz und ein erhöhtes Krankheitsrisiko.

Stoffwechselstörungen wie Ketosen und das damit verbundene Energiedefizit nach der Kalbung wirken sich direkt auf die Fruchtbarkeit aus. Gleichzeitig führt die hohe Milchleistung dazu, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron schneller über die Leber abgebaut werden. Das verschlechtert die Konzeptionsrate und begünstigt Doppelovulationen sowie Zwillingsgraviditäten. Hinzu kommt, dass sich die Follikelentwicklung bei Hochleistungskühen oft verzögert, die Eizellen sind „älter“ und weniger befruchtungsfähig.

v.l.n.r.: Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit GmbH), Dr. Gregor Sigl (MSD Tiergesundheit), Laura Krey (dsp-Agrosoft GmbH), Tabea Klemens (Schippers GmbH), Joachim Mair (Schippers GmbH), Amelie Armbruster (Tierklinik Gessertshausen, Jan Thye-Lokenberg (dsp-Agrosoft GmbH), Stefanie Fuhrmann (Vetoquinol GmbH), Verena Thiel (Vetoquinol GmbH), Dr. Heinz-Jürgen Zumbusch (Vetoquinol GmbH), Franziska Lingner (Tierklinik Gessertshausen), Peter Zech (SaluVet GmbH), Jonas Erben (Tierklinik Gessertshausen), Stephanie Meyer (SaluVet GmbH), Katarina Maseg (SaluVet GmbH) Bildquelle: Tierklinik Gessertshausen

Die ersten 14 Tage entscheiden
Eine Schlüsselrolle spielen die ersten 14 Tage nach der Kalbung. In dieser Phase ist das Risiko für Erkrankungen am höchsten. Erkrankungen wie Nachgeburtsverhaltungen und Metritiden beeinflussen die spätere Fruchtbarkeit massiv. Hintergrund ist ein hormonelles Ungleichgewicht: Entzündungen führen zur Freisetzung von Prostaglandin F2α (PGF2α), das den Gelbkörper abbaut und die Progesteronproduktion hemmt. Gleichzeitig beeinflussen Zytokine das Immunsystem und die Entzündungsreaktion. In dieser Kombination wird eine erfolgreiche Trächtigkeit deutlich erschwert.

Ein großes Problem ist die Früherkennung solcher Erkrankungen. Kühe zeigen als Fluchttiere Symptome oft erst spät. Sensorsysteme können bei der Erkennung kranker Kühe wertvolle Unterstützung leisten. Besonders Veränderungen in der Wiederkauaktivität liefern häufig erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme.

Ein Beispiel aus der Praxis ist die Labmagenverlagerung, die häufig kurz nach der Kalbung auftritt. Typische Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Leistungsabfall und unregelmäßiges Wiederkauen. Wird sie früh erkannt, lassen sich Folgeschäden begrenzen, auch im Hinblick auf die Fruchtbarkeit.

Neben der Tiergesundheit spielt das Management eine zentrale Rolle. Faktoren wie Futter- und Wasserverfügbarkeit, Liegekomfort, Klauengesundheit, Besatzdichte und Hitzestress greifen ineinander. Bereits Temperaturen ab etwa 20 °C können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.

Auch die Brunsterkennung bleibt ein entscheidender Punkt. Bei visueller Beobachtung sollten mindestens 65 % der Brunsten erkannt werden, automatische Systeme sollten über 80 % erreichen. Hier setzen hormonelle Synchronisationsprogramme wie Ovsynch an. Sie ermöglichen eine zeitgesteuerte Besamung ohne klassische Brunsterkennung. Allerdings hat sich gezeigt, dass klassische Ovsynch-Protokolle nicht immer ausreichen. Moderne Varianten wie Double-Ovsynch verbessern durch eine genauere Steuerung der Follikelwellen die Erfolgsraten. Durch eine doppelte Prostaglandingabe (z. B. an Tag 7 und 8 im Abstand von 24 Stunden) wird der Gelbkörper sicherer abgebaut. Das verbessert die Luteolyse und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gutes Verständnis des Zyklusgeschehens, das je nach Kuh zwei- oder dreiwellige Verläufe zeigen kann. Gerade bei Hochleistungskühen und unter Hitzestress sind häufig dreiwellige Zyklen zu beobachten. Die Anzahl der Follikelwellen hängt eng mit dem Progesteronverlauf zusammen. Für das Management bedeutet das: Wer den Zyklus versteht, kann gezielter eingreifen.

Systematisch vorgehen
In vielen Herden ist zudem ein hoher Anteil nicht zyklischer Kühe zu beobachten, bis zu 23 % pro Betrieb sind keine Seltenheit. Diese Tiere zeigen keine Brunstanzeichen und werden daher oft übersehen. Hier kann der gezielte Einsatz von Progesteronpräparaten, beispielsweise über Vaginalspangen, sinnvoll sein. Diese werden in der Regel für etwa sieben Tage eingesetzt, häufig in Kombination mit Prostaglandin. Es stehen unterschiedliche Dosierungen zur Verfügung (z. B. 1,0 g oder 1,55 g), wobei höhere Dosierungen in vielen Fällen bessere Ergebnisse liefern. Wichtig ist: Diese Maßnahmen sind immer Einzeltierentscheidungen und sollten gezielt eingesetzt werden.

Auch die Zwischenkalbezeit und der Body Condition Score (BCS) sollten regelmäßig überprüft werden. Längere Zwischenkalbezeiten können zwar zur Entlastung beitragen, erhöhen jedoch das Risiko der Verfettung. Eine betriebsindividuelle Auswertung hilft, die richtige Balance zu finden.

Der Vortrag machte deutlich: Fruchtbarkeit ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis konsequenter Arbeit in vielen Bereichen, von der Fütterung über die Tierbeobachtung bis hin zum Detail im täglichen Management. Wer diese Punkte systematisch angeht, schafft die Grundlage für bessere Fruchtbarkeit, längere Nutzungsdauer und wirtschaftlich stabile Milchviehhaltung.

Quelle: Dr. Heike Engels

Boehringer Ingelheim: 30 Jahre wissenschaftliche Führung in der PRRS‑Kontrolle

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Seit drei Jahrzehnten zählt Boehringer Ingelheim zu den prägenden Akteuren in der Bekämpfung des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRS). Das Unternehmen entwickelte den weltweit ersten zugelassenen Impfstoff, der sowohl gegen PRRS-Virus‑Typ 1 als auch Typ 2 schützt und damit einen Meilenstein für die moderne PRRS‑Kontrolle setzte.

Vor zehn Jahren wurde das Portfolio um zwei Typ‑1‑Vakzine mit homologem Stamm erweitert, die speziell auf europäische Bestände ausgerichtet sind. Die Impfstoffe bieten eine breite, wissenschaftlich belegte Kreuzimmunität gegenüber zahlreichen Feldstämmen.

Parallel dazu investiert Boehringer Ingelheim kontinuierlich in Forschung und Wissenstransfer: von Projekten zur Weiterentwicklung von Diagnostik und Impfstrategien über den PRRS-Award bis hin zur Zusammenarbeit mit führenden Forschungseinrichtungen.

Praxisnahe Werkzeuge unterstützen die Betriebe bei einer nachhaltigen PRRS‑Kontrolle: der 5‑Stufen‑Plan für strukturiertes Management, die 10 Regeln zur Stabilisierung von Beständen, das Biosicherheitstool COMBAT sowie internationale Expert*innenformate wie Meet the Expert.

Diese Bausteine bilden einen modernen, wissenschaftlich fundierten Ansatz, der Tierärztinnen und Landwirtinnen weltweit hilft, PRRS einzudämmen und Produktionsstabilität zu sichern.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Klima-Anpassung bei europäischen Merino-Schafen mittels Landschaftsgenomik

In einer aktuellen Studie wurden Gene untersucht, die mit Umweltvariablen zusammenhängen. Ziel war herauszufinden welche genetischen Varianten für klimaresiliente Züchtungsansätze in unterschiedlichen Klimazonen geeignet sind.

Da Schafe eine Vielzahl lokaler Anpassungen aufweisen, stellen sie ein ideales Objekt für die Untersuchung der Umweltanpassung innerhalb und zwischen Rassen dar. Dies gilt insbesondere für Merino-Schafe, die weltweit zur Wollproduktion verwendet werden.

Für die Studie wurden 24 Merino-Populationen in Europa mit insgesamt 736 Tieren eingezogen. Die Forscher identifizierten 168 SNPs und 232 Gene, die mit bioklimatischen Variablen assoziiert sind. Die Isothermie (Verhältnis von täglicher zu jährlicher Temperaturschwankung) zeigte dabei die größte Anzahl genomischer Assoziationen. Außerdem fanden sich Kandidaten-Gene, die mit Thermoregulation, Immunität und Haarentwicklung zusammenhängen.

Zu den Schlüsselgenen, die in den durch diese Analysen identifizierten Genomregionen gefunden wurden, gehörten solche, die zuvor mit Thermoregulation, Haarfollikelentwicklung, Lipidstoffwechsel und Höhenanpassung in Verbindung gebracht wurden, was auf eine mögliche Rolle bei der Anpassung an die Umwelt schließen lässt. Die Erkenntnisse dienen damit zukünftig einer klimaresistenten Zucht.

Link zur Original-Studie

Probiotika statt Antibiotika im Stall

Probiotika können helfen, den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung zu verringern, um der Bildung von Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken. Das Probiotikum Ecobiol PRO von Evonik keimt im Hühnerdarm besonders schnell aus und verbessert so das Überleben der Tiere. Möglich macht das ein besonderes Herstellverfahren.

Antibiotikaresistente Bakterien stellen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation global eines der größten Gesundheitsrisiken für den Menschen dar. Mit neuen Erkenntnissen über sporenbildende Bakterien und der Weiterentwicklung eines Probiotikums für Geflügel leistet Evonik einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Antibiotikaeinsatzes bei Nutztieren und damit gegen die zunehmende Verbreitung von Antibiotikaresistenzen.

2021 starben mehr als eine Million Menschen im direkten Zusammenhang mit antibiotikaresistenten Keimen. Bis 2050 rechnen Experten mit rund zwei Millionen Toten pro Jahr. Als mitverantwortlich für die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen sehen sie den unnötig hohen Verbrauch von Antibiotika.

„Da 73 Prozent aller weltweit eingesetzten Antibiotika auf die Nutztierhaltung entfallen – therapeutisch, prophylaktisch und als Wachstumsförderer -, lässt sich dort am besten ansetzen, um der weiteren Entstehung von Resistenzen entgegenzuwirken“, erläutert Stefan Pelzer, Leiter der Mikrobiomforschung von Evonik.

Evonik Animal Nutrition setzt auf eine Kombination von Futtermittelzusätzen, darunter Buttersäure und pflanzliche Zusätze, als Alternative zu antibiotischen Wachstumsförderern. Probiotika – lebende Mikroorganismen – spielen dabei eine Schlüsselrolle. Mit Probiotika wurden im Futtermittelbereich 2025 weltweit rund 4 Milliarden US$ umgesetzt. Der Markt wächst jährlich um rund sieben Prozent.

Bei Ecobiol, einem bewährten Probiotikum vor allem für Geflügel, ist den Evonik-Wissenschaftlern jetzt ein Fortschritt gelungen, der neue Maßstäbe für die Wirksamkeit und Qualität von Probiotika setzt. Grundlage dafür lieferten die Arbeiten im Biotech Hub von Evonik in Halle (Westfalen). Dort wird daran gearbeitet, biologische Systeme besser zu verstehen und die Wirksamkeit von biotechnologisch hergestellten Produkten zu verbessern.

Ecobiol stärkt das Darmmikrobiom und das Immunsystem der Tiere und verhindert die Ausbreitung krankmachender Keime wie Escherichia coli, Salmonellen und Clostridien bei ihnen. Ein Krankheitserreger, der Geflügelbetrieben weltweit Sorge bereitet, ist Clostridium perfringens. Er verursacht die Subklinische Nekrotische Enteritis, die die Darmwand der Tiere schädigt, ihr Wachstum beeinträchtigt und zum frühzeitigen Tod der Tiere führen kann. Weltweit entstehen dadurch wirtschaftliche Verluste in Höhe von 4 bis 6 Milliarden US$ pro Jahr.

Probiotika als Futtermittelzugabe können dieser Erkrankung wirksam vorbeugen – wenn sie im Dünndarm aktiv sind. „Bei sporenbildenden Bakterien wie Bacillus velezensis CECT 5940, auf dem Ecobiol basiert, kommt es deshalb darauf an, wie schnell und an welcher Stelle im Verdauungssystem sie sich in aktive, vegetative Zellen verwandeln“, sagt Pelzer.

Mit Hilfe seines weltweit einzigartigen Geflügeldarmmodells DAISy (kurz für „Dynamic Avian Intestine in vitro System“) konnte Pelzers Team im Biotech Hub aufklären, wie dieser Verwandlungsprozess bei Ecobiol im Zuge der Futterverdauung abläuft. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass das Herstellverfahren einen großen Einfluss auf das Auskeimverhalten dieser Sporen hat.

Das auf dieser Basis weiterentwickelte Produkt, Ecobiol PRO, keimt im Darm noch schneller aus – ohne Veränderung am Stamm selbst. Die schnellere Auskeimung gibt den Bakterien mehr Zeit, sich im Dünndarm zu vermehren und der Ausbreitung pathogener Keime entgegenzuwirken.

Wie eine Studie der Oklahoma State University zeigt, führt diese Eigenschaft bei Masthähnchen, die Kontakt zum Krankheitserreger Clostridium perfringens haben, im Vergleich mit einem marktüblichen Probiotikum zu einer um 50 Prozent verbesserten Überlebensrate und einer deutlichen Verringerung der strukturellen Schäden im Darm.

Da Futter weltweit und für unterschiedliche Entwicklungsstadien der Tiere stark variieren kann, haben die Biotechnologen von Evonik das Auskeimverhalten von Ecobiol PRO sowie Wettbewerbsprodukten in unterschiedlichsten Futtern getestet. Das Produkt von Evonik zeigte hier eine konsistente, schnelle Auskeimung und Vermehrung; andere Produkte waren langsamer oder variierten stärker in verschiedenen Futtern.

Damit bietet Evonik mit Ecobiol PRO ein noch wirkungsvolleres Instrument, Geflügel gesund zu halten und den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung zu reduzieren. „Die gewonnenen Erkenntnisse sind aber nicht nur relevant für die Tierernährung, sondern für zahlreiche andere Anwendungen mit Bacillus-basierten Produkten – ob in der Ernährung, Körperpflege, Mundhygiene, bei Agrar- oder Reinigungsprodukten“, so Pelzer.

Quelle: Evonik Industries AG

Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen

Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, erklärten Anne-Claire Berentsen/Dr. Sandra Ripke anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2026. Hier eine Zusammenfassung ihrer Ausführungen.

In der Regel werden Sauen vor dem Geburtstermin vereinzelt und kehren erst wieder in die Gruppe zurück, wenn die Ferkel ein bestimmtes Alter erreicht haben. Dafür gibt es zwei Verfahren:

1) Haltungssysteme, in denen die eigentliche Abferkelbucht noch zur Verfügung steht und die Tiere durch Türen Zugang zu einem Gemeinschaftsbereich bekommen (nur Sauen oder Sauen und Ferkel).

2) Haltungssysteme, in denen Sauen und Ferkel zunächst in Einzelabferkelbuchten bleiben und später in eine Gruppenbucht umgestallt werden.

Der Flächenbedarf pro Wurf ist hier erheblich größer als bei Einzelhaltung in Bewegungsbuchten, weil die Gruppenfläche zusätzlich zum Abferkelbereich zur Verfügung gestellt werden muss.

Gruppensäugen ohne Umstallung
Innerhalb der eigentlichen Abferkelbuchten haben Sauen und Ferkel ausreichend Bewegungsfläche zur Verfügung, für Ruhen, Aufstehen, Ablegen, Säugen und Umdrehen. Ein Begegnungsbereich im Verhältnis von 1:3 eignet sich besser als eine lange, schmale Fläche. Die Breite sollte min 3 m betragen, damit die Sauen problemlos an anderen liegenden Sauen vorbeikommen.

Ist keine eigentliche Abferkelbucht mehr vorhanden, werden Sauen und Ferkel zunächst in Einzelabferkelbuchten gehalten. Danach folgt die Umstallung in eine Gruppenbucht (z. B. auch durch einfaches Entfernen von Trennwänden).

Dabei sollten je Wurf min. 7-8 m² zur Verfügung stehen sowie Rückzugsmöglichkeiten für Sau und Ferkel vorhanden sein. Je nach Wurfgröße circa 1,5 m² pro Ferkel-Wurf und min. 3,5 m² für die Sau als Säuge- und Ruhebereich.

Essentiell ist bei der Gruppenhaltung eine gute Mutter-Kind-Bindung. Natürlicherweise sondern Sauen sich 2-3 Tage vor der Geburt von der Gruppe ab und kehren erst ca. 10 Tage nach dem Abferkeln zurück. Um diesem Verhalten gerecht zu werden sollten die Sauen in diesem Zeitabschnitt in Einzelabferkelbuchten gehalten werden.

Zwischen dem 7. und 10. Lebenstag bildet sich auch eine feste Zitzenordnung bei den Ferkeln aus. Führt man Würfe vorher zusammen, nimmt das Fremdsaugen zu. Auch wenn ein gewisses Maß an Fremdsaugen beim Gruppensäugen normal ist, kommt es zu Rangeleien am Gesäuge und vor allem zu geringerer Milchaufnahme.

Tiergesundheit
Typischen Erkrankungen während der Säugeperiode treten vor allem in der ersten Woche nach der Geburt auf, bei Sauen etwa Gesäuge- und Gebärmutter-Entzündungen. Gibt eine kranke Sau dann weniger Milch, fördert dies das Fremdsaugen und gefährdet so die Gesundheit der ganzen Gruppe. Deshalb sollten kranke Sauen nicht integrieren und – wenn sie bereits in der Gruppe sind – zusammen mit ihren Ferkeln separiert werden.

Bei Ferkeln kommt es in den ersten 10 Lebenstagen häufig zu Durchfällen. Um das deutlich erhöhte Ansteckungsrisiko zu senken, sollte in den ersten 10 Tagen deshalb nicht mit anderen Würfen gruppiert werden.

Meistens fallen in die erste Lebenswoche der Ferkel auch Eingriffe wie Impfungen, Eckzahnschleifen, Schwanzkupieren, Ohrmarken einziehen und Kastration. Deshalb sollte ein eventueller Wurfausgleich nicht vor dem 10. Lebenstag stattfinden.

Management
Alle Sauen sollten sich aus dem Wartestall kennen und eine stabile Rangordnung ausgebildet haben. Auch sollten Körperkondition, Milch- und Aufzuchtleistung möglichst homogen sein. Bei den Ferkeln sollte
der Altersunterschied 5 Tage nicht überschreiten, weil sonst das Fremdsaugen (vor allem der stärkeren Ferkel) begünstigt wird. Auch sollte die Gruppe aus höchstens 6 bis 8 Sauen bestehen.

Jungsauen und Altsauen in einer Gruppe zu halten, ist nicht zu empfehlen. Die älteren Tiere verdrängen jüngere häufig von Futter und Wasser und aus dem Liegebereich. Auch kommt es bei ihnen oft zu Fremdsaugen, weil Jungsauen gewöhnlich eine hohe Milchleistung haben.

Die Tierbeobachtung gelingt am besten, wenn von einem Kontrollgang der gesamte Bereich einzusehen ist. Auch erleichtern Ohrmarken in verschiedenen Farben die Identifikation von Wurfgeschwistern.

Last but not least wird es in diesem Haltungssystem immer Sauen geben, die nicht in eine Gruppe überführt werden können. Für sie müssen ausreichend viele Einzelabferkelbuchten vorhanden sein.

Blauzungenkrankheit in Hessen hat Auswirkungen auf Niedersachsen

Vier Landkreise liegen im Restriktionsgebiet – Einschränkungen im Handelsverkehr

Nach dem Nachweis des Blauzungenvirus vom Serotyp 8 (BTV-8) in einem Rinderbestand im Landkreis Fulda in Hessen am 1. Juni erstreckt sich die eingerichtete Restriktionszone nun bis nach Niedersachsen. Das teilt das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) mit. Betroffen sind der Landkreis Göttingen und Teile der Landkreise Northeim, Holzminden und Goslar. Hier gelten besondere Vorgaben hinsichtlich des Transports von empfänglichen Tieren. In Niedersachsen wurde eine Infektion mit dem Blauzungenvirus vom Serotyp 8 zuletzt im Dezember 2008 in einem Rinderbestand festgestellt.

Aus der Restriktionszone, die für Niedersachsen in einer interaktiven Karte dargestellt ist, dürfen für das Blauzungenvirus empfängliche Tiere wie Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und weitere Wiederkäuerarten nur unter bestimmten Bedingungen in BTV-8-freie Regionen innerhalb von Deutschland und der EU transportiert werden. Transporte von Zucht- und Nutztieren sowie zur unmittelbaren Schlachtung sind innerhalb nicht BTV-8-freier Regionen Deutschlands ohne Einschränkungen möglich, sofern die Tiere keine klinischen Auffälligkeiten zeigen. Weitere Informationen zur Verbringung können Tierhalterinnen und Tierhalter vom jeweils zuständigen Veterinäramt erfahren, mit denen das ML sich im engen Austausch befindet. Die Einschränkungen gelten ausschließlich für BTV-8. In Bezug auf den BTV-Serotyp 3 bestehen keine Einschränkungen für Verbringungen innerhalb Deutschlands.

Hintergrund:
Die Blauzungenkrankheit wird durch das Bluetongue-Virus (BTV) hervorgerufen und ist eine zu meldende Tierseuche, die zumeist Rinder und Schafe betrifft. Daneben sind auch Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer für die Erkrankung empfänglich. Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier, sondern durch infizierte Gnitzen (blutsaugende Stechmückenart) übertragen. Erkrankte Tiere zeigen zum Beispiel Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Für den Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Fleisch, Milch und Milchprodukte von Rindern, Schafen und Ziegen können bedenkenlos verzehrt werden.

Weitere Informationen und eine interaktive Karte mit einer genauen Darstellung der niedersächsischen Anteile der Restriktionszone finden Sie hier.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Tierärztestatistik 2025: Mehr Tierärzt:innen – aber weniger Selbstständige Bundestierärztekammer sieht strukturelle Warnsignale für die tierärztliche Versorgung

Die Tierärzteschaft in Deutschland wächst weiter: Zum 31.12.2025 waren 46.089 Tierärzt:innen Mitglied einer Landes-/Tierärztekammer, das sind 444 approbierte Tierärzt:innen mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Tierärztinnen lag bei 66,8 Prozent; unter den aktiv tierärztlich Tätigen betrug er 71,7 Prozent.

Doch die aktuelle Tierärztestatistik zeigt zugleich Entwicklungen, die für die tierärztliche Versorgung zunehmend relevant werden. „Die Zahlen zeigen, dass die Tiermedizin ein attraktiver Beruf bleibt. Gleichzeitig bestätigen sie die seit einigen Jahren zu beobachtende Veränderung der Berufsstruktur. Immer weniger Tierärzt:innen entscheiden sich für die eigene Niederlassung, während angestellte Tätigkeiten weiter zunehmen“, erklärt Ltd. VD Dr. Holger Vogel, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK). Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Vergleich der niedergelassenen und angestellten Tierärzt:innen. Die Zahl der Niedergelassenen sank 2025 auf 11.216. Im Vorjahr waren es noch 11.264. Gleichzeitig stieg die Zahl der Angestellten von 11.990 auf 12.125.

Auch bei den Praxisstrukturen zeigt die Statistik Handlungsbedarf. In der Mehrzahl der Kammerbereiche war die Zahl der Tierarztpraxen 2025 rückläufig. Die Zahl der tierärztlichen Kliniken blieb hingegen weitgehend stabil. Diese Entwicklung ist v. a. mit Blick auf die Alterung der Berufsgruppe – die Zahl der Kammermitglieder ab 60 Jahren stieg im Vergleich zum Vorjahr erneut – und der damit einhergehenden Nachfolgefrage, Notdienststrukturen und die flächendeckende tierärztliche Versorgung relevant. „Ein reiner Blick auf die Gesamtzahl der Tierärzt:innen reicht nicht aus. Entscheidend ist, wo und in welchen Arbeitsformen Tierärzt:innen tätig sind. Wenn Praxen keine Nachfolge finden oder immer weniger Kolleg:innen eine eigene Niederlassung übernehmen möchten, kann das regional zu Versorgungsengpässen führen – insbesondere in ländlichen Räumen und in der Nutztierpraxis“, erläutert Dr. Vogel. Für die kommenden Jahre bleibt daher die Frage zentral, ob ausreichend Nachwuchs in die kurative Praxis nachrückt. Bei den tierärztlichen Tätigkeitsfeldern ist 2025 die Zahl der aktiv tierärztlich Tätigen nur leicht gestiegen. Während die Zahl der Tierärzt:innen im Ausland wieder auf das Niveau von 2021 sank, nahm die Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst weiter zu. Auch die Zahl der Tierärzt:innen in Privatwirtschaft und Industrie stieg leicht.

Die Statistik lässt keinen einfachen Schluss auf einen bundesweit einheitlichen Tierärztemangel zu. Sie macht aber strukturelle Herausforderungen sichtbar: weniger Selbstständigkeit, regionale Unterschiede bei den Praxiszahlen, eine alternde Berufsgruppe und wachsende Anforderungen an Arbeitszeitmodelle, Notdienst und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

„Wir brauchen Rahmenbedingungen, die tierärztliche Tätigkeit in allen Bereichen attraktiv halten – in der Praxis, im öffentlichen Veterinärdienst, in der Wissenschaft und in der Industrie. Dazu gehören planbare Arbeitszeiten, eine verlässliche Finanzierung tierärztlicher Leistungen und moderne Praxis- und Kooperationsmodelle“, verdeutlicht der BTK-Präsident.

Die Tierärztestatistik wird jährlich auf Grundlage der Mitgliederdaten der Landes-/Tierärztekammern erhoben. Die Zahlen zu den Studierenden werden bei den veterinärmedizinischen Bildungsstätten erfragt.

Quelle: BTK

Praxistaugliche Tierwohlindikatoren: Wie sieht die Zukunft aus?

Dr. Sandra Düpjan (FBN) stellte in ihrem Vortrag anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums KI-Ansätze zur Bewertung des Tierwohls im Schweinestall vor.

Einleitend wies sie darauf hin, wie wenig Zeit gewöhnlich für die Beobachtung des Einzeltieres in gängigen Stallsystemen bleibt, wo den Betreuern oft nur deutlich sichtbare Krankheitssymptome zuverlässig auffallen. Zwei gute Tierwohl-Indikatoren seien Lautäußerungen und Stereotypien. Beide könnten potentiell durch KI-Systeme – rund um die Uhr – erfasst werden.

Für Stresslaute gebe es bereits ein funktionierendes System, allerdings würden ebenso Klassifikatoren benötigt, die positive Lautäußerungen erkennen. Ein neues mit Spektrogrammen trainiertes CNN (convolutional neural network) biete hier einen hoffnungsvollen Ansatz, weil es Schweinelaute im Versuch mit über 90%er Zuverlässigkeit korrekt klassifizieren konnte. Allerdings gäbe es noch Probleme mit Störgeräuschen (Lüftung, Klappergeräusche) und wenn sich Lautäußerungen verschiedener Tiere überlagern.

Bei Stereotypien ließen sich zwei Formen unterscheiden: Leerlaufhandlungen, die nicht objektbezogen sind, und umorientiertes Verhalten, das auf ein unpassendes Objekt gerichtet ist. Objekt-unabhängiges Verhalten sei etwa Leerkauen und Kopfschlagen bei Sauen, Zungenrollen bei adulten Rindern, Laufstereotypien und das „Weben“ (rhythmisches Hin- und Herbewegen des Kopfes). Umorientierte Verhaltensmuster seien z. B. Stangenbeißen, Gitternagen, Besaugen und Beißen von Artgenossen und auch Federpicken bei Hühnern. Sichtbare Indikatoren seien etwa „Trampelpfade“ für Laufstereotypien, starke Zahnabnutzung oder Biss-Spuren an Stangen und Kanten bei oralen Stereotypien.

Orale Stereotypien seien häufig auf Nahrungsmangel zurückzuführen. Laufstereotypien dagegen könnten als Fluchtversuche oder Suchverhalten (nach Futter, Sozialpartnern) verstanden werden. Auch könne chronischer Stress durch reizarme Haltung erst zur Ausbildung von Stereotypien führen, wenn ein weiterer Stressfaktor – wie etwa Hunger – hinzukomme.

Stereotypien könnten sogar wegen eines weiter zurückliegenden Problems entstehen, vor allem wenn Tiere die Haltungsumgebung und/oder den Besitzer wechseln.

Vor allem Beschäftigungsmaterial im Stall, das dem normalen Tierverhalten entspricht, sei sinnvoll zur Vermeidung oder zumindest Verminderung von Stereotypien.

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit bei KI-Systemen, darf man wohl schon in näherer Zukunft mit praxistauglichen Lösungen rechnen. Wir werden berichten!

Initiative Tierwohl: Zwei neue Programme für die Rindermast

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• Künftig drei Programme auch für Rindermast: Zwei neue Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ ergänzen das bestehende Programm „Stall plus Platz“
• Anmeldung und Auditierung der neuen Programme ab 1. Juni 2026 möglich

Die Initiative Tierwohl (ITW) erweitert ihr Angebot für die Rindermast und führt zum 1. Juni 2026 die neuen Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ ein. Damit bietet die ITW wie bereits jetzt für Schweinehalter und Geflügelhalter künftig auch für Rinderhalter drei Programme mit steigendem Anforderungsniveau an, die den Stufen 2, 3 und 4 der bekannten Haltungsform-Kennzeichnung entsprechen. Neben dem bewährten Programm „Stall plus Platz“ (Haltungsform Stufe 2) können Rindermastbetriebe nun auch an den Programmen „Frischluftstall“ (Haltungsform Stufe 3) und „Auslauf/Weide“ (Haltungsform Stufe 4) teilnehmen. So entsteht für die Tierhalter ein aufeinander aufbauendes, flexibles System. Die ITW reagiert damit auf die anhaltende Nachfrage nach Fleisch aus höheren Haltungsformstufen und bietet Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Handel und Gastronomie ein verlässliches, transparentes und einheitliches System, das den EU Vorgaben zur verbesserten und vergleichbaren Verbraucherinformation (der sogenannten EmpCo-Richtlinie) entspricht.

„Mit den neuen Programmen für die Rindermast übertragen wir das bewährte ITW Prinzip der aufeinander aufbauenden Tierwohlstufen konsequent auf eine weitere Tierart“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. „Wir bieten Rindermästern damit ein verlässliches und praxistaugliches System, das sowohl den komplexen Anforderungen des Marktes als auch den Erwartungen von Handel und Verbrauchern gerecht wird.“

Die neuen Programme bauen auf den bekannten Grundanforderungen der ITW auf. Dazu zählen unter anderem eine intensivierte tierärztliche Bestandsbetreuung, die Sauberkeit der Tiere sowie eine regelmäßige Fortbildung. Zudem wird zukünftig in den Grundanforderungen das Kriterium „Scheuermöglichkeiten“ aufgenommen. Ergänzend kommen für die Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ zusätzliche Anforderungen hinzu, wie ein noch höheres Platzangebot, Außenklimareize beziehungsweise ein ständiger Zugang zu Auslauf oder Weide. Voraussetzung für die Teilnahme an allen Programmen bildet eine QS Lieferberechtigung.

Anmeldung und Auditierung ab 1. Juni 2026
Rindermastbetriebe können sich ab dem 1. Juni 2026 für die neuen ITW Programme anmelden und ab diesem Zeitpunkt auditiert werden. Bereits teilnehmende ITW-Betriebe haben zudem eine schnelle und einfache Möglichkeit, in ein höheres Programm zu wechseln, sofern die zusätzlichen Kriterien erfüllt werden. Die ITW Programme sind so konzipiert, dass Lieferberechtigungen in höheren Programmen die Berechtigung für die jeweils niedrigeren Programme einschließen.

Finanzierung
Für die Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ gibt es keine Empfehlungen zur Höhe des Preisaufschlags. Diese werden frei zwischen den Marktbeteiligten verhandelt. Für das Programm „Stall plus Platz“ bleiben die Aufpreisempfehlungen vorerst bestehen. Zum 1. Juni 2027 erhöhen sie sich allerdings von 10,7 Cent auf 12,83 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht, wenn bei den Grundanforderungen die Scheuermöglichkeiten umzusetzen sind.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH