5. Internat. Öko-Imkereikonferenz vom 1.– 3. März 2019, Uni Hohenheim: Honigbienen als Botschafter für die ökologische Landwirtschaft

Weltweit kämpfen Imkerinnen und Imker mit den verschiedenen Auswirkungen einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft auf Bienengesundheit und Honigerzeugung. In besonderer Weise hiervon betroffen sind die Öko-Imker, die zum Beispiel immer weniger unbelastete Trachtgebiete zum Anflug für ihre Bienenvölker vorfinden. Aber auch viele nicht zertifizierte Imker in Deutschland klagen über monotone Agrarlandschaften, die kaum noch abwechslungsreiche Nahrungsgrundlagen für die Honigbiene bieten.

An der Universität Hohenheim in Stuttgart kommen vor diesem Hintergrund vom 1. bis 3. März Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Imkerei zur 5. Internationalen Öko-Imkereikonferenz zum gegenseitigen Austausch zusammen. Veranstalter sind die Universität Hohenheim gemeinsam mit Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. und dem Apiculture Forum der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM). Die Konferenz findet erstmals in Deutschland statt.

Um internationale Berufsimker und regionale Hobbyimker gleichermaßen anzusprechen, finden Vorträge auf Deutsch und Englisch statt. Das Programm gibt es unter organicapis.uni-hohenheim.de.

Landwirtschaft insektenfreundlicher gestalten

„Die Honigbiene zeigt, dass Zeit ist, umzudenken“, erklärt Dr. Sabine Zikeli, Leiterin des Zentrums für ökologischen Landbau der Universität Hohenheim. „Schlaglichter wie Chemikalienrückstände im Honig zeigen uns exemplarisch, dass es notwendig ist, Prozesse in der Landwirtschaft so zu gestalten, dass sie insektenfreundlich sind und die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhalten.“

Manfred Fürst, Naturland Experte für internationale Öko-Imkerei und Koordinator des IFOAM Apiculture Forum, weist auf die Herausforderungen hin, mit denen gerade die kleinbäuerliche Öko-ImkerInnen in Lateinamerika zu kämpfen hätten. „Dort gibt es bislang noch große, naturnahe Flächen, die gute Trachtquellen für die traditionelle Imkerei bieten. Doch der zunehmende Einsatz von Gentechnik in der industriellen Landwirtschaft bedroht die Existenz tausender Imker und ihrer Familien“, betont Fürst.

Hintergrund ist, dass gentechnisch verunreinigter Honig in Europa aufgrund mangelnder Verbraucherakzeptanz selbst konventionell kaum vermarktet werden kann. Die Vermarktung als Öko-Honig ist ohnehin ausgeschlossen. Deutschland steht an der Spitze des Honigverbrauchs, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1,1 Kilogramm pro Jahr. Deshalb werden rund 80 Prozent des hierzulande konsumierten Honigs importiert.

Imkerkultur im Ländle bereits nah am Bio-Standard

Für Imker in Deutschland und speziell Baden-Württemberg bietet die Tagung die Chance, sich Anregungen für die tägliche Praxis zu holen und ihren eigenen Standard zu reflektieren. Denn was die Zahl der Imker betrifft, wird die Tagung an einem Hotspot der Imkerei ausgetragen: Von den gut 100.000 Imkereien in Deutschland befindet sich jede vierte in Baden-Württemberg.

Die regionale Kultur der Kleinimker habe sich bereits einen ziemlich hohen Standard erarbeitet, weiß Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim. „Viele regionale Imker befolgen bereits Empfehlungen, die der Öko-Imkerei sehr nahekommen, sie scheuen allerdings den Schritt, sich als Biobetrieb zertifizieren zu lassen.“ Eine Öko-Zertifizierung sei vor allem für Berufsimker und im internationalen Handel von Vorteil.

HINTERGRUND: 5. Internationale Öko-Imkereikonferenz

Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Herausforderungen ist es das Ziel der Konferenz, ImkerInnen aller Länder und Größenordnungen miteinander in Kontakt zu bringen. Dies soll den Austausch und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis erleichtern. WissenschaftlerInnen geben wertvolle Hinweise zur Öko-Bienenhaltung und informieren unter anderem über Schädlingsbekämpfung und Trendthemen wie Stadtimkerei oder Apitherapie.

HINTERGRUND: Zentrum Ökologischer Landbau

Das Ziel des Zentrums Ökologischer Landbau der Universität Hohenheim ist es, Wissenschaft und Praxis zusammenzuführen, um den Ökologischen Landbau gemeinsam weiterzuentwickeln. Dazu organisiert und koordiniert das Zentrum Lehre und Forschung zum Ökologischen Landbau universitätsweit und interdisziplinär.

HINTERGRUND: Landesanstalt für Bienenkunde

Die Landesanstalt für Bienenkunde erarbeitet durch ihre Forschung Grundlagen zur Lösung aktueller Probleme der Bienenhaltung im Land. Langzeitprojekte, vor allem in den zentralen Bereichen der Bienenhaltung (Varroamilbe, Waldtracht, Pflanzenschutz vs. Bienenschutz) sollen sicherstellen, dass diese Lösungsansätze nachhaltig sind und veränderten Bedingungen angepasst werden. Die Forschungsergebnisse sollen in Zusammenarbeit mit der staatlichen Fachberatung und den Imkerverbänden in die Praxis umgesetzt werden.

HINTERGRUND: Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.

Naturland ist einer der bedeutendsten Verbände für ökologischen Landbau weltweit. 65.000 Naturland Bäuerinnen und Bauern in 58 Ländern der Erde zeigen, dass ein ökologisches, soziales und faires Wirtschaften weltweit im Miteinander ein Erfolgsprojekt ist. Ein großer Teil der über 1.000 Imker im Verband sind kleinbäuerliche Familienbetriebe in Lateinamerika, v.a. in Mexiko. In Deutschland sind etwa 70 Berufsimker Naturland zertifiziert. Naturland hat bereits die 3. Internationale Öko-Imkereikonferenz 2012 in Mexiko mitorganisiert.

HINTERGRUND: IFOAM Apiculture Forum

Das IFOAM Imkerei-Forum wurde 2015 als selbstständige Untergruppe des internationalen Öko-Dachverbands IFOAM eingerichtet, um die ökologische Bienenhaltung weltweit zu fördern. Naturland gehört zu den Gründungsmitgliedern des Forums, das die Interessen und Erfahrungen von Imkern, traditionellen Honigsammlern, Landwirten, der Zivilgesellschaft und anderen Organisationen, die sich mit Bienen und ökologischer Imkerei beschäftigen, zusammenbringt.

Quelle: Universität Hohenheim

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