APP – immer wieder ein akutes Problem

Von Prof. Isabel Hennig-Pauka, TiHo Hannover, Außenstelle Bakum

So schnell kann es gehen – gestern waren die Schweine noch unauffällig und zeigten einen guten Appetit, heute lagen drei von ihnen mit schaumig-blutigem Ausfluss an der Rüsselscheibe tot im Stall. Die Sektion der Tiere ergab die für eine Actinobacillus-Pleuropneumonie (APP) typischen hämorrhagisch-nekrotisierenden Lungengewebsveränderungen – vor allem in den Hauptlappen – in Kombination mit einer hochgradigen Pleuritis (Abb.1). Oft sind es gerade schwere Mastschweine in der Endmast, die verenden, weshalb eine lange Immunität bei einer Impfung essentiell ist. Bisweilen sterben auch Sauen, oder sie verferkeln als Folge hohen Fiebers, verursacht allein durch APP oder in Kombination mit anderen Erregern, z.B. Influenzaviren.
Durch intensive Forschungsarbeit unterschiedlicher Gruppen weltweit konnte eine breite Wissensbasis bezüglich der Pathomechanismen und Virulenzfaktoren von APP, sowie seiner Wechselwirkungen mit dem Wirtsorganismus geschaffen werden. Trotzdem führt dieser Erreger nach wie vor zu großen Verlusten auf betroffenen Betrieben.

APP-Ausbruch oft unerwartet
Die Vorberichte zu den an den Folgen einer APP-Infektion verendeten Tieren sind vielfältig. Allen gemeinsam ist, dass bereits seit langem bekannt ist, dass der Betrieb positiv für APP ist. Es wird derzeit vermutet, dass es in den meisten Betrieben vor einer Erkrankung nicht zum Eintrag eines neuen Stammes gekommen ist, sondern dass inapparente Trägertiere durch den Einfluss eines Triggers zu Ausscheidern wurden. So kommt es dann zu einem nicht vorhersagbaren Zeitpunkt zu den klassischen Ausbrüchen. Begleitfaktoren begünstigen einen Krankheitsausbruch, bzw. führen dazu, dass aus dem stillen Besiedler plötzlich ein Killerkeim wird. Die Faktoren auf zellulärer Ebene, die zu dieser Verwandlung führen, können derzeit nur vermutet werden. Experimentelle Studien deuten darauf hin, dass Stress, der die Ausschüttung von Stresshormonen (Catecholaminen) induziert, den Erreger zur vermehrten Expression von Virulenzfaktoren veranlasst. Die Stressoren im Feld können unterschiedlicher Natur sein. Gerade in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst wird klimatischer Stress durch Zugluft oder ausgeprägte Tag-Nacht-Temperaturschwankungen mit Krankheitsausbrüchen in Verbindung gebracht. Koinfektionen mit viralen Erregern, wie Influenzaviren oder PRRSV, spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Gerade bei Schweinen in der Endmast kann es deswegen zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden kommen, wenn APP akut ausbricht.

Erreger versteckt sich in Tonsillen
Um die Infektionsdynamik in endemisch infizierten Betrieben aufschlüsseln und möglicherweise in der Zukunft die Wahrscheinlichkeit für klinische Erkrankungen besser abschätzen zu können, wäre die Diagnostik des Kolonisationsstatus der Tonsillen (im Volksmund auch Mandeln genannt) wünschenswert….


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