Der Hoftierarzt E-Magazin 5/2021 – soeben erschienen

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Rinder
Rindergrippe: Sind Impfungen die Lösung?
Interview: Klauenpflege neu gedacht

Schweine
Salmonellen im Schweinebestand
Interview: Besucherverkehr kein Problem für Biosicherheit im Aktivstall für Schweine

Geflügel
Neues Virus aus China bedroht Gänsehaltung: Das Polyomavirus treibt sein Unwesen

Bienen
Imkertipp: Kühler Wetterverlauf sorgt für schlechteste Honigernte seit fünf Jahren

Per Kapsel durch die Blutbahn: Wie Darmbakterien mit dem Körper kommunizieren

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Bakterien im Darm verpacken verschiedenste ihrer Biomoleküle in kleine Kapseln. Diese werden vom Blutkreislauf in verschiedene Organe des Körpers transportiert und sogar von Nervenzellen des Gehirns aufgenommen und verarbeitet. Dies hat jetzt erstmals ein Team von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der University of California in San Francisco gezeigt. Die neu etablierte Forschungsmethode wird helfen, den Einfluss von Darmbakterien auf Krankheiten besser zu verstehen und könnte die Entwicklung innovativer Verabreichungsformen von Medikamenten oder Impfstoffen fördern.

Im Menschen sind Bakterien in der Überzahl: Schätzungen zufolge kommen auf jede menschliche Zelle 1,3 Bakterienzellen. Entsprechend überlegen sind die Bakterien in ihrer genetischen Vielfalt. So haben alle Darmbakterien zusammen – das Mikrobiom des Darms – 150mal so viele Gene wie der Mensch. Die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien wirken vielfältig auf den Körper: Sie trainieren etwa die Immunzellen und tragen zu deren Reifung bei, sie steuern Stoffwechselprozesse im Körper und wie häufig sich Zellen der Darmschleimhaut erneuern. Änderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms tragen höchstwahrscheinlich zum Entstehen und Krankheitsverlauf etwa von neurologischen- oder Krebserkrankungen bei.

Auf die Zellen der Darmschleimhaut wirken die bakteriellen Stoffwechselprodukte über den direkten Kontakt. Wie solche Bakterienstoffe jedoch in entfernte Organe wie Leber, Niere oder das Gehirn gelangen, war bislang nicht geklärt. Als Transportmittel wurden kleine Kapseln (Membranbläschen oder Vesikel) vermutet, die von Bakterien während ihres normalen Wachstums oder als Reaktion auf Stress in die Umgebung abgegeben werden und die mit bakteriellen Enzymen, Proteinen oder auch RNA-Erbmolekülen gefüllt sind.

Ein internationales Wissenschaftsteam um Dr. Stefan Momma vom Neuroscience Center der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Claudia Günther von der Universität Erlangen-Nürnberg und Prof. Robert Raffai von der University of California hat jetzt an Mäusen untersucht, wie Bakterien ihre Stoffwechselprodukte in solchen Vesikeln verteilen. Dazu besiedelten die Forscher:innen den Darm von Mäusen mit E.-coli-Bakterien, die eine bestimmte Genschere produzierten (Cre) und diese über Vesikel in die Umgebung abgaben. Die Mäuse besaßen in Körperzellen ein Gen für ein rotes Leuchtprotein, das durch die Genschere Cre aktiviert werden konnte (Cre/LoxP-System).

Das Ergebnis: In der anschließenden Untersuchung des Mausgewebes waren die bakteriellen Stoffe von einzelnen Zellen des Darms, der Leber, der Milz, des Herzen und der Nieren sowie von Immunzellen aufgenommen worden. Sogar einzelne Nervenzellen des Gehirns leuchteten rot. Stefan Momma: „Besonders beeindruckend ist, dass die Vesikel der Bakterien auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und auf diese Weise in das ansonsten sehr gut abgeschottete Gehirn gelangen können. Und dass die bioaktiven Bakterienstoffe sogar von Stammzellen der Darmschleimhaut aufgenommen wurden zeigt uns, dass Darmbakterien womöglich sogar dauerhaft die Eigenschaften der Darmschleimhaut verändern können.“

Die Fluoreszenzbilder weisen darauf hin, so Momma, dass die Vesikel wahrscheinlich über den Blutstrom im Körper verteilt würden. „Die weitere Erforschung dieser Kommunikationswege vom Reich der Bakterien ins Reich der Säugetiere wird nicht nur unser Verständnis von Leiden wie Autoimmunerkrankungen oder Krebs verbessern, bei dem das Mikrobiom ganz offensichtlich eine wichtige Rolle spielt. Solchen Vesikel sind auch äußerst interessant als neue Methode, um Medikamente zu verabreichen, oder zur Entwicklung von Impfstoffen oder als Biomarker die auf eine pathologische Veränderung des Mikrobioms hinweisen.“

Obwohl diese Untersuchungen hier auf den Menschen bezogen werden, kann man annehmen, dass die Wirkung des Mikrobioms auf das Tier vergleichbar ist und insofern die Erkenntnisse auch auf die Tiermedizin übertragbar sind.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main/Der Hoftierarzt

Geflügelpest bei Wildvögeln im Landkreis Cuxhaven bestätigt

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In Niedersachsen sind seit dem 1. Oktober 2021 sieben Fälle des hochansteckenden Geflügelpest-Virus vom Subtyp H5 bei Wildvögeln festgestellt worden. Bundesweit wurde der Subtyp H5 bei 56 Wildvögeln nachgewiesen, wobei ein Großteil der Nachweise auf Norddeutschland entfällt. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft das Risiko des Aufflammens der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation und des Wiedereintrags des Virus mit einer anschließenden Verbreitung in der Wildvogel- und Wasservogelpopulation als hoch ein.

In Anbetracht der aktuellen Risikoeinschätzung des FLI und der sich häufenden H5-Nachweise bei Wildvögeln in Norddeutschland werden die kommunalen Veterinärbehörden mit Erlass vom 9. November 2021 gebeten, die Risikobewertung durchzuführen und über das Ergebnis sowie über das Veranlasste bis zum 15. November 2021 zu berichten. Die Risikobewertung ist wesentliche Voraussetzung für die Anordnung einer Stallpflicht für Freilandgeflügel durch den zuständigen Landkreis oder die zuständige kreisfreie Stadt.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Der Schutz von Geflügelbeständen vor einer Ansteckung mit dem Geflügelpest-Virus ist von größter Bedeutung. Eine Stallpflicht für Freilandgeflügel ist eine wirksame Methode zur Vermeidung der Ansteckung.“

Deutschland erlebte zwischen Oktober 2020 und April 2021 den bisher schwersten Geflügelpest-Seuchenzug. Anders als nach den vergangenen Geflügelpest-Seuchenzügen ist der Subtyp H5 über den Sommer nicht aus der heimischen Wildvogelpopulation verschwunden. Das Virus wurde auch in den Sommermonaten bei Wasser- und Greifvögeln vor allem in den nordischen Ländern Europas immer wieder nachgewiesen.

Hintergrund
Die hoch ansteckende aviäre Influenza, auch Geflügelpest genannt, ist eine anzeigepflichtige und daher staatlich bekämpfungspflichtige Tierseuche, die bei gehaltenen Vögeln und Wildvögeln nach teilweise schweren Erkrankungserscheinungen zu massenhaftem Verenden führen kann. Die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (GeflPestSchV) enthält Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen.

Die Anordnung der Aufstallung von Geflügel als Maßnahme zum Schutz des Eintrags der Geflügelpest in Hausgeflügelbestände kann sowohl beim Nachweis und als auch beim Verdacht des Auftretens der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation von der zuständigen Behörde nach Art. 70 Abs. 1 Buchstabe b und Abs. 2 i.V.m Art. 55 Abs. 1 Buchstabe d der Verordnung (EU) 2016/429 angeordnet werden.

Nach Art. 70 Abs. 2 der Verordnung (EU) 2016/429 ist dabei dem Seuchenprofil, den betreffenden wildlebenden Tieren und der Gefahr der Übertragung der Seuchen auf Tier und Mensch Rechnung zu tragen. Um die Einhaltung dieser Anforderung zu gewährleisten, ist vor Anordnung der Aufstallung eine Risikobewertung nach § 13 Abs. 2 Geflügelpest-Verordnung durchzuführen.

Die Gestaltung der Aufstallung ist nach den Vorgaben des § 13 Abs 1 Geflügelpest-Verordnung anzuordnen. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Aufstallung als geeignete Maßnahmen zum Schutz vor biologischen Gefahren bzw. als geeignete Maßnahme zur Vermeidung des Kontaktes zu Wildvögeln gestaltet wird, um die Ausbreitung der Geflügelpest auf das Hausgeflügel zu verhindern.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Intelligentes Schweinespielzeug: Forschungs-Praxis-Verbundprojekt SmartPigHome erhält Förderung

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Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt im Rahmen des Bundesprogramms Nutztierhaltung ein Projekt zur Weiterentwicklung der Schweinehaltung.

Bei dem Verbundvorhaben handelt es sich um die Entwicklung eines interaktiven, tierwohlorientierten Sensorsystems, das eine intelligente Stallumgebung für Mastschweine schafft und diese entsprechend der „Stimmung im Stall“ optimiert. Dabei werden nicht nur alle automatisiert messbaren Umgebungsparameter wie Luftqualität, Temperatur und Lichtverhältnisse erfasst, sondern auch die Tieraktivität, Tierlaute und Liegemuster über im Stall installierte Kameras aufgenommen. Über einen KI-basierten Algorithmus werden diese Daten miteinander verknüpft und als aktive Steuerung der Stallumgebung eingesetzt. Sobald die KI auffällige Muster erkennt, startet ein Beschäftigungsspiel, das interaktiv bewegliche Objekte auf den Stallboden projiziert. Damit werden die natürliche Neugier und Intelligenz der Tiere angesprochen, die nach Beendigung des Spiels eine schmackhafte „Belohnung“ erhalten. Der Mehrwert dieses Systems liegt klar im Bereich der Vorsorgeorientierung, da es bereits bei kleinsten Änderungen reagiert, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind und somit eine intelligente, tierbezogene Umgebungssteuerung ermöglicht. Damit wird der Landwirt/die Landwirtin optimal unterstützt, alle Daten aus dem Stall digital zur verknüpfen, diese auszuwerten und damit aktive Tiergesundheitsvorsorge betreiben zu können

Das Verbundprojekt wird von Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen bei der Universität Vechta (Dr. Steffi Retz, Dr. Barbara Grabkowsky) koordiniert. Weitere Projektpartner sind die Peter Kenkel GmbH (Peter Kenkel), die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka und Prof. Dr. Christian Visscher), das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (Dr. Sarah Fischer) und das Start Up VetVise GmbH (Johannes Schmidt-Mosig).

CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher MdB kommentiert dazu: „Die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung bedeutet für alle Beteiligten eine große Aufgabe und viele Herausforderungen. Die Förderung ist eine großartige Neuigkeit, weil wir für die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland genau solche innovativen Ideen benötigen, die das Tierwohl verbessern und gleichzeitig auch noch den Umweltschutz verbessern. Innovative Projekte, wie das SmartPigHome, tragen ihren Teil dazu bei, dass sich unsere landwirtschaftlichen Betriebe zukunftsfähig aufstellen können. Umso mehr freut es mich, dass das Verbundprojekt aus dem Oldenburger Münsterland kommt.“

Quelle: Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen

Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung

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Soeben erschienen: „Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung“ von Dr. Christian Dürnberger.

Veterinärmediziner und Veterinärmedizinerinnen, die in der Nutztierhaltung arbeiten, erledigen einen bedeutsamen Job in einem kontrovers diskutierten Spannungsfeld – sie selbst aber werden in den gesellschaftlichen Debatten kaum gehört. Mit welchen moralischen Herausforderungen sind sie konfrontiert? Was sollte sich in der Landwirtschaft dringend ändern? Wie sehen sie die Zukunft der Profession? Welche Ausbildungsinhalte sollten an den Universitäten ihres Erachtens verstärkt eine Rolle spielen? Und was raten sie der Jugend?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Studie, deren Ergebnisse in der vorliegenden Publikation zusammengefasst werden. Mit zahlreichen und ausführlichen Zitaten. Das Buch gibt demnach Einblicke in eine Arbeits- wie Lebenswelt und ist damit nicht nur für Tierärzte und Tierärztinnen von Relevanz, sondern auch für Studierende und Interessierte an der Landwirtschaft allgemein.

Über den Autor
Christian Dürnberger, Doktor der Philosophie, arbeitet als Universitätsassistent am Messerli Forschungsinstitut, Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie als Dozent am Campus Francisco Josephinum Wieselburg.

Christian Dürnberger
Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung
Harald Fischer Verlag
ISBN-10 ‏ : ‎ 389131535X
Broschiert, 134 Seiten, € 18,50

PRRS: Blutprobe weiterhin Goldstandard in der Frühdiagnostik

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Von Dr. Heike Engels

Das Porzine Reproduktive und Respiratorische Syndrom, kurz PRRS, ist trotz aller Bemühungen in der Vorbeugung noch immer eine sehr häufige Erkrankung in Schweinebeständen weltweit. Anzustreben ist für den Bestand der Status „PRRS-unverdächtig“, was mit umfangreichen Monitoringprogrammen regelmäßig nachzuweisen ist. Die dazu notwendigen Untersuchungen stellen immer einen Kompromiss zwischen einer statistisch anzustrebenden Stichprobengröße und einem realisier- und finanzierbarem Aufwand für die Diagnostik dar.

In Zuchtbetrieben mit hohem Gesundheitsstatus werden Schweine häufig mit einer Blutprobenentnahme beprobt, um eine Infektion mit PRRS nachzuweisen. Diese Probennahme ist aufwändig und hat eine Relevanz für den Tierschutz, da die Schweine für die Beprobung fixiert werden müssen. Größere Schweine (etwa ab 25 kg Gewicht) werden mit der Oberkieferschlinge fixiert und dabei Kopf und Hals nach oben gestreckt. So kann über die Vene am Hals das Blut abgenommen werden. Um diese Prozedur nicht mehr so häufig durchführen zu müssen, sind weniger invasive Methoden erforderlich. Allerdings müssen diese Alternativen in Bezug auf die Sensitivität der Serumprobe ebenbürtig sein, weil der frühe PRRS-Nachweis für die Verhinderung einer weiteren Virusausbreitung extrem wichtig ist.

Dr. Philipp Könighoff und Kollegen von der Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Bakum nahmen sich daher in einer Studie* dieser Thematik an. Die Wissenschaftler untersuchten Blut- und Speicheltupfer sowie Kaustrick- und Serumproben von 19 Jungsauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach intramuskulärer bzw. intranasaler Impfung mit PRRSV-1 oder -2 mittels PCR. Impfung deshalb, weil die Impfviren der Lebendvakzine eine Feldinfektion simulieren, da sie weiterhin die Fähigkeit zur Vermehrung besitzen. Die Tupfer wurden mit Speichel von der Maulschleimhaut bzw. nach einem oberflächlichen Nadelstich mit Ohrvenenblut benetzt. Zur Serumgewinnung erfolgte eine Punktion der Vena jugularis externa. Die Kaustricke wurden auf Kopfhöhe der Jungsauen für 30 Minuten in die Bucht gehängt.

Alle Tiere waren zum Zeitpunkt der Impfung (Beprobungszeitpunkt =) PRRS-negativ. Die ersten Virusnachweise gelangen 12 Stunden nach der Impfung im Serum. Ab Tag 4 nach der Impfung waren alle Tiere virämisch, zeigten also Viren im Blut. Die ersten Nachweise im GenoTube®-Bluttupfer gelangen 36 Stunden nach der Impfung. Die Untersuchung der eSwabs®-Bluttupfer ergab im gesamten Zeitraum nur einen einzigen Virusnachweis. Im Speichel konnte an Tag 5 nach der Impfung Virus-RNA nachgewiesen werden.

Die Studie zeigt, dass Serumproben aus der Vena jugularis weiterhin der Goldstandard sind. Die Nachweisraten liegen höher als in den alternativen Probenmedien. Da Entnahme und Verarbeitung der alternativen Probenmaterialien allerdings deutliche Vorteile bieten, sollte versucht werden, diese Verfahren weiter zu verbessern. Mit Kaustricken gewonnene Speichelpoolproben sind durch ihre einfache und tierfreundliche Handhabung eine sinnvolle Ergänzung des PRRSV-Monitorings, schlussfolgern die Forscher. Für die Frühdetektion seien sie allerdings nicht geeignet. Die verwendete Methode mit eSwab®-Bluttupfern war entgegen der Ergebnisse anderer Studien nicht erfolgreich und sollte deshalb insgesamt nochmals untersucht werden.

*Studie: Könighoff, Philipp et al.: Vergleich von Probenmaterialien zur Früherkennung einer Infektion mit dem Virus des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 112-119

Erfolgreichere Aufzucht mit der „Kälberschule“

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Von Dr. Heike Engels

In vielen Arbeitsbereichen der Landwirtschaft haben sich standardisierte Arbeitsanweisungen bereits durchgesetzt. In der Kälberhaltung allerdings sind sie noch selten anzutreffen, obwohl sich Experten einig sind, dass sie helfen würden, Verluste in der Kälberaufzucht zu reduzieren. Denn standard operating procedures, kurz SOPs genannt, sind als Qualitätssicherungsmaßnahmen im Alltag ein probates Hilfsmittel. Sie helfen, Fehler zu vermeiden und verschaffen mehr Transparenz. Außerdem sparen sie Zeit, weil immer genau bekannt ist, was zu tun ist. Viele Landwirte und Tierärzte sehen auch genau diese Vorteile von SOPs, doch es fehlt ihnen schlichtweg die Zeit, diese Handlungsabläufe in Ruhe aufzuschreiben. Im Kälberaufzuchtbereich kann die „Kälberschule“ helfen: Sie stellt kostenlose online-Kurse zu wichtigen Themen in der Aufzucht von Kälbern bereit mit daran anschließenden SOP-Listen zum Ausdrucken.

Die „Kälberschule“ wird von der Tierklinik für Fortpflanzung der Freien Universität Berlin angeboten und aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert. Sie ist Teil zweier Doktorarbeiten, die sich mit Kälbergesundheit und moderner Weiterbildung beschäftigt.

Die „Kälberschule“ bietet Kurse für eine gesunde Aufzucht von Kälbern.
Bisher gibt es u.a. folgende Themen:

• Wie mache ich eine richtige Erstversorgung des Kalbes nach der Geburt?
• Was kann ich zur Notfallversorgung tun?
• Wie füttere ich Kolostrum mit Flasche und Sonde?
• Wie pasteurisiere ich Kolostrum?
• Wie bestimme ich die Qualität des Kolostrums?
• Wie erkenne ich kranke Kälber?
• Wie führe ich eine schmerzfreie Enthornung durch?
• Wie lerne ich Kälber am Automaten an?
• Wie reinige und desinfiziere ich richtig?

Jeder Kurs beschreibt 3 Dinge: Was brauche ich? Wie mache ich es? Warum ist es wichtig?

Jede Arbeit wird Schritt für Schritt anhand von Fotos oder Videos erklärt. Man beginnt mit einem Online-Kurs und kann dann die Anleitung als PDF ausdrucken oder jederzeit als Video wiederholen. Nach den Kursen hat man Zugang zu druckfähigen Arbeitsanleitungen.
Hier kann man sich zu den Kursen anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Informationen unter www.kaelberschule.de

Achtung Streptokokken: Allzu oft am Krankheitsgeschehen beteiligt!

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Von Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM & Fachtierarzt für Schweine, Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen

Streptokokken-Infektionen stellen in vielen Betrieben ein Problem dar, welches nicht immer als vordringlich erkannt wird. Trotzdem richten sie Schaden an, weshalb alles gegen Streptokokken im Stall getan werden sollte. Denn mit Konsequenz und einem durchdachten Vorgehen bekommt man die Erreger im Praxisalltag „in den Griff“.

Streptokokken sind die wohl am häufigsten vorkommenden Bakterien innerhalb eines Betriebes. Sie sind praktisch überall: Im Staub, im Kot, auf Fliegen, Mäusen, Ratten, auf der Haut der Schweine, auf den Mandeln, den Schleimhäuten z.B. der Scheidenschleimhaut und auch auf der Haut und den Mandeln des Menschen.

Zum Glück sind aber nicht alle Streptokokkenstämme auch krankmachend für Mensch und Tier. Es gibt jedoch eine Reihe von Serotypen, die massive Erkrankungen hervorrufen können. Aber auch schleichende Krankheitsverläufe können in Betrieben vorkommen. Nicht erst seit dem Auftreten von PRRS, Influenza und dem porzinen Circovirus Typ II in der deutschen Schweinepopulation haben bakterielle Erreger wie Hämophilus parasuis und Streptokokken auch in gut geführten Betrieben zunehmend Bedeutung. Insbesondere der auf das Schwein adaptierte Streptococcus suis mit mittlerweile mindestens 28 Serotypen, von denen Typ 2, 7 und 9 am häufigsten vorkommen, stellt die Betriebe immer wieder vor Probleme. Eine ältere Auswertung von 811 Sektionen bei der LUFA-Nordwest in Hannover gibt Aufschluß über das Auftreten in den Herden. Wahrscheinlich hat sich da aktuell nicht viel geändert. Bei 22,8 % aller Sektionen lag eine Streptokokkenbeteiligung am Krankheitsgeschehen vor. Von den dort isolierten Streptokokken waren 39 % Streptococcus suis-Stämme.

Wie kommen die Streptokokken in den Körper?
Da die Erreger ja schon auf der Schleimhaut der Scheide sitzen, können sich Ferkel schon bei der Geburt mit Streptokokken infizieren. Die Maulhöhle und die Mandeln der Neugeborenen werden dann schon am ersten Tag besiedelt. Die häufigste und wohl auch bedeutendste Eintrittspforte sind aber Wunden. Solche Wunden treten beim Saugferkel beim Kürzen der Schwänze, bei der Kastration, beim Kneifen der Zähne (nach Tierschutzgesetz verboten) oder auch durch aufgescheuerte Karpalgelenke bei Milchmangel der Sau auf. Auch Beißereien beim Absetzen, Umgruppieren oder Injektionen (Eisenspritze, Mykoplasmenimpfung) schaffen Eintrittspforten. Von den Eintrittspforten aus besiedeln die Streptokokken dann die verschiedensten Organsysteme.

Welche Krankheitsbilder werden beobachtet?
Die bei Streptokokkeninfektionen auftretenden Krankheitsbilder sind vielfältig:


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Infektiöse Bronchitis: Coronavirus schädigt Legeapparat

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Von Dr. Ferdinand Schmitt, Fachtierarzt für Geflügel, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Ein Einbruch in der Legeleistung, helle und dünnschalige Eier und Falten auf der Eischale sollten den Legehennenhalter hellhörig werden lassen: Das sind Anzeichen einer Infektion mit dem Erreger der Infektiösen Bronchitis. Die Infektiöse Bronchitis, kurz IB, stellt für die Legehennenhaltung die bedeutendste Erkrankung dar. Das Virus ist ubiquitär vorhanden und nicht auszurotten. Wie können Legehennen geschützt werden?

Die Infektiöse Bronchitis wird durch ein Coronavirus verursacht, welches allerdings mit dem aktuell bei uns Menschen zirkulierendem Virus nur sehr wenige Gemeinsamkeiten hat. Coronaviren sind sehr infektiös, können aber gut durch Desinfektionsmittel bekämpft werden. Auch schaden ihnen höhere Temperaturen und UV-Licht.

Durch die Bindung an Staub oder organischem Material ist eine Verbreitung über weite Strecken möglich. Die Luft (aerogene Übertragung) ist der Hauptübertragungsweg. Im Stall wird das Virus vom Tier eingeatmet und gelangt über die Lunge und schlussendlich über das Blut in den Legedarm und den Eierstock, das Tier erkrankt.

IB schädigt Legeapparat
Das IB-Virus befällt den Eierstock, den Legedarm und z.T. auch die Niere und verursacht in diesen Organen Entzündungen. Durch die Schädigung des Eierstocks werden weniger sprungreife Eizellen produziert und vorhandene zurückgebildet. Die Entzündung im Legedarm sorgt für eine unzureichende Kalkproduktion, so dass nur dünne Eischalen entstehen. Außerdem werden auch die Muskeln des Legedarms geschädigt, so dass die Eidrehung im Legeapparat unregelmäßig ist. Dadurch entstehen Falten auf der Schale. Weiterhin werden die Eiklardrüsen geschädigt, so dass die Eiweißqualität in Mitleidenschaft gezogen wird. Typisch sind Legeleistungsabfälle von wenigen bis zu 70 Prozent, bei Braunlegern das Auftreten von hellen und brüchigen Schalen, sowie eine Verflüssigung des gelartigen Anteils des Eiweiß. Den Hühnern selber ist die IB meist nicht anzumerken, die Tiergesundheit ist nicht gestört.


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Mastitis: Selektives Trockenstellen nach Plan

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Von Samira Dietze, Melanie Jakob, Dr. Jan Harms, LfL Tierhaltung, Grub

Beim Trockenstellen der Kühe ist es ein Ziel vieler Milchviehhalter, zunehmend auf Antibiotika zu verzichten. Doch so einfach, wie es klingt, ist der Verzicht auf Antibiotika bekanntlich nicht. Im Rahmen der LfL-Projekte Rast und Rast-Transfer sammelten Landwirte wertvolle Erfahrungen.

Milchviehhalter können antibiotische Trockensteller reduzieren, ohne dabei die Eutergesundheit zu gefährden. Ein mögliches Verfahren zum „Selektiven Trockenstellen“ wurde seit 2015 in zwei Projekten (Rast und Rast-Transfer) an der LfL entwickelt und auf Praxistauglichkeit überprüft. RAST steht für „Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beim Milchvieh durch Selektives Trockenstellen“. Die Zielsetzung lautete: Antibiotikareduktion bei Erhalt der Eutergesundheit und daran anschließend die Etablierung eines praxistauglichen Verfahrens. Im Rahmen dieser Projekte wurde ein Entscheidungsbaum entwickelt, anhand dessen die Trockenstellentscheidung erfolgen kann. Das bringt dem Landwirt eine deutliche Erleichterung, die richtige Wahl, von Fall zu Fall und von Kuh zu Kuh, zu treffen.
Der Entscheidungsbaum (siehe Grafik) besteht aus vier Stufen. Zum einen aus den Herdenvoraussetzungen und zum anderen aus drei Stufen zur Einzeltierbetrachtung vor dem Trockenstellen. Tierindividuell wird entschieden, welche Kuh ein antibiotisches Präparat benötigt und welche ohne Antibiotikum trockengestellt werden kann. Die Entscheidung erfolgt auf Kuhebene, das bedeutet, es werden alle vier Viertel einer Kuh behandelt.

Hohes individuelles Einsparpotenzial
In den Projekten konnte die Verabreichung von antibiotischen Trockenstellern um durchschnittlich 40 – 48 % reduziert werden. Die betriebsindividuelle Streuung war größer und betrug 15 – 71 %. Die große Spannweite zeigt, wie unterschiedlich das Einsparpotenzial der Betriebe war. Trotz gleicher Herdenvoraussetzungen in Stufe 0 haben betriebsindividuelle Haltungs- und Umwelteinflüsse sowie auch die Entscheidungsbereitschaft des Betriebsleiters Einfluss auf den Erfolg.


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Wie Schwanzbeißen mit allem zusammenhängen kann

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Schwanzbeißen bei Mastschweinen führt nicht nur zu wirtschaftlichen Einbußen und einem Mehraufwand für die Betreuung der Tiere. Die dadurch verursachten Schwanzläsionen reduzieren auch das Tierwohl und können zu schweren Verletzungen führen. Man unterscheidet drei Formen des Schwanzbeißens: Zweistufiges Beißen (Mangel an Beschäftigung, aus Spiel wird ernst), gewaltsames Beißen (Frust wegen knapper Ressourcen) und das obsessive Beißen, wobei es wie viele Tierärzte beobachten aufgrund einer latenten Darmerkrankung zu dem Fehlverhalten kommen kann. Die Verschiebung des Mikrobioms und die Darmschädigung bewirken zuerst einen Nährstoff- und Wasserverlust, dann ein massives Unwohlsein und können so zu obsessivem Beißen führen.

Wenn der Darm das Problem ist, bewirken weiteres Beschäftigungsmaterial oder mehr Platz keine Besserung des Verhaltens. Jedoch kann die orale Impfung gegen Ileitis den Darm gesund erhalten, nicht zuletzt durch die Mikrobiom modulierende Wirkung. Und nur ein gesunder Darm entwickelt ein gesundes und effizientes Immunsystem und kann alle Nährstoffe entsprechend aufnehmen und verwerten. Die orale Impfung gegen Ileitis hat eine bewiesene Wirkung auf das Mikrobiom.

Lesen Sie mehr dazu auf www.ileitis.de

Quelle: Boehringer Ingelheim

Antibiotika reduzieren! Auf Null?

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Gestern veröffentlichte das BVL die Jahresstatistik 2020 zu den Antibiotika-Abgabemengen in der Tiermedizin (ausführliche Hoftierarzt-Meldung hier). Bei einigen Wirkstoffklassen sind die Mengen leicht gestiegen, bei anderen gesunken und insgesamt gab es einen Anstieg von 4,6% im Vergleich zum Vorjahr (von 670 auf 701 Tonnen). Verglichen mit dem Jahr 2011 aber immer noch einen Rückgang um 58,9% oder 1.005 Tonnen.

Dass irgendwann ein Plateau erreicht sein wird, war abzusehen, denn – um die Frage aus der Überschrift zu beantworten – ein völliger Verzicht auf Antibiotika in der Tiermedizin ist weder erreichbar, noch erstrebenswert. Allein der Tierschutz spricht dagegen. Aber:

„Die Abgabemenge der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone stieg in 2020 leicht an. Die Polypeptidantibiotika (Colistin) erreichten ihren bisher niedrigsten Wert seit 2011“, schreibt das BVL. Und hier lohnt ein differenzierter Blick.

Zunächst und grundsätzlich muss man bei der BVL-Statistik immer im Hinterkopf behalten, dass sie Abgabe- und nicht Verbrauchsmengen erfasst. Ebenso, dass eine Lieferung in ein bestimmtes PLZ-Gebiet nicht bedeutet, dass die Arzneimittel auch dort eingesetzt werden. Auf Rinder spezialisierte Tierärzte arbeiten gewöhnlich im näheren Umkreis (u. a. wegen möglicher Notfälle), Schweinepraktiker können durchaus auch Kunden in einigen hundert Kilometer Entfernung betreuen und Geflügelspezialisten sind teilweise sogar im benachbarten Ausland unterwegs. Last but not least, lässt die Abgabe praktisch keine Rückschlüsse auf später behandelte Tierarten zu. Antibiotika werden auch Haus- und Hobbytieren verabreicht, der entsprechende Anteil dürfte aber vergleichsweise gering sein. (1)

Nun hat die Weltgesundheitsorganisation WHO verschiedenen antibiotische Wirkstoffe als wichtig oder besonders wichtig für den Menschen eingestuft, u. a. Colistin und Fluorchinolone und fordert sie möglichst gar nicht bei Tieren einzusetzen. Je seltener ein Antibiotikum benutzt wird, umso länger bleibt seine Wirksamkeit für Mensch und Tier erhalten.

Colistin wird Menschen tatsächlich nur im Notfall verabreicht, weil es starke Nebenwirkungen – vor allem auf die Niere – hat. Bei den Fluorchinolonen sieht es dagegen anders aus. Zwar fehlt eine Mengen-Statistik für die Humanmedizin in Deutschland, aber es gibt Erhebungen z. B. für die Kassenpatienten. Das „Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO)“ beklagt etwa im Jahr 2019: „Fluorchinolone: Risikoreiche Antibiotika trotz bekannter Nebenwirkungen zu häufig verordnet“. Weiter heißt es:

„Nach Berechnungen des WIdO haben 20,4 Millionen und damit mehr als jeder vierte GKV-Versicherte im Jahr 2018 mindestens einmal von ihrem Arzt eine Antibiotikaverordnung erhalten. Von den insgesamt 310 Millionen verordneten Antibiotika-Tagesdosen des Jahres 2018 entfallen 8,2 Prozent (25,6 Millionen Tagesdosen) auf die Gruppe der Fluorchinolon-Antibiotika. (…) Die hohe Zahl der Verordnungen lässt darauf schließen, dass Fluorchinolon-Antibiotika häufig nicht als Mittel der Reserve und auch nicht ausschließlich bei schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Infektionen zum Einsatz kommen“, so Helmut Schröder (stv. Geschäftsführer des WIdO) „Und das, obwohl Fluorchinolone weltweit als Reserve-Antibiotika gelten, also erst nach Versagen anderer Alternativen und für lebensrettende Maßnahmen zur Anwendung kommen.“

Ein Problem bei Fluorchinolonen sind nämlich die möglichen Nebenwirkungen, deren Häufigkeit das WIdO hochgerechnet hat:

„Für die schätzungsweise 3,3 Millionen Patienten, die in Deutschland im Jahr 2018 im Rahmen von 3,5 Millionen Therapien mit Fluorchinolonen behandelt wurden, ist davon auszugehen, dass mehr als 40.000 Patienten zusätzlich von Nebenwirkungen wie einer Schädigung des Nervensystems, der Hauptschlagader oder einem Sehnenriss betroffen waren und sich 140 zusätzliche Todesfälle ereigneten.“ (Die ausführliche Stellungnahme finden Sie hier.)

Auch im Jahr 2020 hat sich die Situation laut AOK nicht wirklich verbessert:

„Im Jahr 2019 waren knapp 18 Millionen Verordnungen von Reserveantibiotika für gesetzlich versicherte Patienten zu verzeichnen. Damit entfiel mehr als jede zweite Antibiotikaverordnung auf ein Reserveantibiotikum. Jeder sechste Versicherte hat mindestens einmal ein solches Medikament erhalten.“ (Link)

Nach „prudent use“ also „umsichtigem Gebrauch“, wie von der WHO gefordert, klingt das nicht unbedingt. Glücklicherweise aber gibt es seit einigen Jahren auch in der Humanmedizin Fortbildungs- und Forschungsprojekte zum Antibiotikaeinsatz, auch und gerade in Zusammenarbeit mit Tiermedizinern nach dem „One-Health-Prinzip“. Wer einfach nur fordert, bestimmte Wirkstoffklassen für die Behandlung kranker Tiere komplett zu verbieten, macht es sich aber zu einfach. Dank verbesserter Impfstrategien und Hygienekonzepte konnte die Colistinmenge seit 2011 drastisch reduziert werden(-52,85), bei anderen Wirkstoffklassen liegt aber noch viel Arbeit vor Tierärzten und Forschern.

(1) Update 16.10.21: Im Gegensatz zu den BVL-Zahlen, ist die Antibiotikaabgabe im QS-System erneut leicht gesunken, wie die Organisation auf ihrer Website schreibt: „Tierhaltende Betriebe im QS-System haben 2020 den Einsatz von Antibiotika im Vergleich zu 2019 um 0,49 % reduziert. Zusätzlich wurde 2020 der Einsatz kritischer Antibiotika um 11,2 % weiter gesenkt. Kritische Antibiotika machen dabei nur einen kleinen Anteil der Gesamtmenge aus: 0,83 % im Jahr 2020. Hierzu gehören auch die Flourchinolone, deren Abgabe 2020 im Vergleich zum vergangenen Jahr um 12,9 % niedriger war.“

Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin 2020 leicht gestiegen

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Mengen für Polypeptidantibiotika und Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf niedrigstem Wert seit 2011, leichter Anstieg bei Fluorchinolonen

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika ist in Deutschland im Jahr 2020 leicht gestiegen. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt, wurden insgesamt 701 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben – 31 Tonnen mehr als im Vorjahr (plus 4,6 %). Im Vergleich zu 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, betrug der Rückgang der abgegebenen Antibiotika 59 %. Die Abgabemenge der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone stieg in 2020 leicht an. Die Polypeptidantibiotika (Colistin) erreichten ihren bisher niedrigsten Wert seit 2011.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 701 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die größten Mengen fanden sich wie in den Vorjahren bei den Penicillinen (278 t) und Tetrazyklinen (148 t). Es folgten Sulfonamide (65 t), Makrolide (61 t) und Polypeptidantibiotika mit 60 t.

© Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Die Menge der abgegebenen Fluorchinolone stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 t (6,7 %). Trotz dieses leichten Anstiegs lag sie deutlich unter dem Anfangswert aus dem Jahr 2011 (-22 %). Einen Rückgang gab es im Vergleich zum Vorjahr dagegen bei den Polypeptidantibiotika (-9,2 %). Auch sie gehören wie die Cephalosporine der 3. und 4. Generation, die Fluorchinolone und die Makrolide zu den Wirkstoffen, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) eingestuft wurden. Insgesamt war zwischen 2011 und 2020 eine Reduktion um 2,2 t (-63,4 %) bei den Cephalosporinen der 3. und 4. Generation sowie um 67 t (53 %) bei den Polypeptidantibiotika zu verzeichnen. Bei den Makroliden gab es 2020 einen Anstieg um 3,7 t (6,4 %) im Vergleich zum Vorjahr, jedoch eine Gesamtreduktion über den Erfassungszeitraum um 112 t (64,9%).

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich einzelnen Tierarten nicht zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist. Dies wird im Rahmen der Umsetzung der EU-Tierarzneimittelverordnung ((EU) 2019/6) möglich werden. In Artikel 57 wird die Erfassung der Abgabe- und Verbrauchsmengen von Arzneimitteln mit antimikrobiellen Wirkstoffen, die bei Tieren angewendet werden, vorgeschrieben. Gemäß Art. 57 (5) der VO (EU) 2019/6 müssen die Daten für die ersten Tierarten (Rind, Schwein, Huhn, Pute) ab 2023 erfasst werden, weitere Tierarten werden ab 2027 folgen.

Hintergrund
Tierarzneimittel wie Antibiotika werden eingesetzt, um kranke Tiere zu behandeln. Dies ist erforderlich, um die Tiergesundheit und den Tierschutz sicherzustellen und den Menschen vor Zoonosen (auf Menschen übertragbare Tierkrankheiten) zu schützen.

Die Entwicklung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen stellt eine globale Bedrohung dar, in der Human- und in der Veterinärmedizin. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen sind wechselseitig zwischen Mensch und Tier möglich.

Seit dem Jahr 2011 sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler gesetzlich dazu verpflichtet, die Mengen an Antibiotika, die jährlich an Tierärzte in Deutschland abgeben werden, zu erfassen. Diese Daten werden an ein zentrales Register gemeldet, welches seit Mai 2020 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn geführt wird. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die jährliche Auswertung der Daten vor.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Eine effektive Alternative zum Schnabelkürzen bei Puten

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Puten wird der Schnabel gekürzt, um die Folgen von Federpicken und Kannibalismus zu reduzieren. Die Prozedur ist schmerzhaft und kann die Fähigkeit der Tiere beeinträchtigen, ihre Schnäbel normal zu verwenden, zu schließen und zu bewegen. Schleifscheiben* bieten eine mögliche Alternative. Die Scheiben ahmen die natürliche Abstumpfung der Schnabelspitze nach, die auftreten würde, wenn Puten auf grobem Sand, Kies und Gestein picken würden.

In einer Studie aus Deutschland wurde untersucht, ob sie als Alternative zur Schnabelbehandlung bei Puten verwendet werden können. Der Hälfte der Studienpopulation (n=300) wurde mit Infrarot-der Schnabel gekürzt, die andere Hälfte (n=300) wurde nicht behandelt, sondern erhielt stattdessen Schleifscheiben am Boden ihrer Futterschale. Es wurden Leistungsindikatoren (z. B. Gewicht, Mortalität, Verwurf), Tierwohlindikatoren (z. B. Gefiederqualität, Hautläsionen) und Schnabelmessungen erfasst. Die Struktur der Schnäbel wurde auch post mortem mikroskopisch (Histologie) untersucht.

Schnabelbehandelte Truthähne zeigten histologische Hinweise auf gestörtes Nervengewebe und Narbengewebe, was auf Schmerzen und eine veränderte Funktion hindeutet. Truthähne ohne Behandlung zeigten keine histologischen Veränderungen, mit Ausnahme eines Truthahns mit einer Entzündung der Schnabelspitze. Es gab keinen signifikanten Unterschied bei der Verletzungsrate oder den Leistungsindikatoren zwischen beiden Gruppen. Insgesamt zeigte diese Studie, dass Schleifscheiben eine effektivere, tierschonende Alternative sind, um Verletzungen durch Federpicken vorzubeugen. Die Studienautoren empfehlen, ihre Verwendung weiter zu untersuchen, um das Wohlergehen der Puten zu verbessern.

* Handelsübliche 30-Korn-Estrich-Schleifscheiben

Originalstudie
Grün S, Damme K, Müller M et al (2021) Welfare and performance of three turkey breeds—comparison between infrared beak treatment and natural beak abrasion by pecking on a screed grinding wheel. Animals 11, 2395.

WEDA bietet hygienische PVC-Buchten in Holzoptik an

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Erster Ökobetrieb rüstet seinen offenen Biostall um
Landwirtschaftliche Betriebe aus dem ökologischen und konventionellen Sektor legen gleichermaßen viel Wert auf individuelle, hygienische Haltungsbedingungen. In der Schweinehaltung werden daher zunehmend Stallkonzepte nachgefragt, welche die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere im Blick haben. Dies gilt erst recht in Zeiten, in denen sich weltweit neuartige Infektionskrankheiten ausbreiten. Auf diese spezifischen Anforderungen der Halter reagiert WEDA Dammann & Westerkamp und bietet seine hygienischen Buchtenwände und -module als einziger Hersteller in natürlicher Holzoptik an.

Höchste Hygiene-Standards erreichbar
Bislang wurden Buchten im konventionellen Bereich mit den üblichen blauen oder grauen Hart-PVC-Brettern ausgestattet. In der ökologischen Landwirtschaft haben Betreiber dagegen oftmals Holz eingesetzt. „Echtholz hat jedoch den Nachteil, dass sich Schmutz und Bakterien im Gewebe festsetzen. Mit unseren neuen Kunststoff-Brettern in Holzoptik können die Hygiene-Standards unter ökologischen Haltungsbedingungen dagegen ganz einfach erreicht werden, weil nach der Reinigung nichts haften bleibt“, argumentiert WEDA-Entwicklungsleiter Ralf Meyer.

Leicht zu montieren und UV-beständig
Die Buchtenmodule in Holzoptik vereinen somit die besten Eigenschaften beider Materialien. Hinzu kommt, dass die neuen Holzoptik-Bretter sehr leicht zu montieren sind. „Überdies ist deren Ober-fläche UV-beständig. Somit ist das Material auch ideal für offene Ställe mit Außenauslauf geeignet“, sagt Ralf Meyer. Die Mehrkosten sind dagegen gering.

Angebot auf Hy.Board-Module ausgeweitet
Daher hat sich der niedersächsische Spezialist für Schweinehaltung entschieden, dieses Angebot auch umgehend auf die flexiblen, hygienischen Hy.Board-Module auszuweiten, deren Seiten zusätzlich noch verschweißt sind. Diese Buchten-Wände aus PVC wurden eigens für WEDA entwickelt und sind in individuellen, anpassbaren Größen erhältlich. Auch die Hy.Boards lassen sich einfach und schnell montieren und reinigen.

Erster Ökobetrieb mit Holzoptik ausgestattet
Als erstes Projekt hat WEDA den Ökobetrieb ‚Arche Wilhelminenhof‘ aus dem niedersächsischen Bakum mit den innovativen Holzoptik-Buchten innerhalb kürzester Zeit ausgerüstet. Hier wurden die kompletten Buchten des offenen Stalls mit Außenauslauf ausgestattet. „Das neue Material sowie der Look fügen sich perfekt in unser bestehendes Konzept ein, das ist ein komplett anderer Blick“, freut sich Betreiberin Angelika Balz. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass andere Komponenten, wie etwa die Gatter, aus Edelstahl bestehen. „Und die sind, genau wie die Buchten, ebenfalls ganz einfach zu reinigen, sodass unser ganzer Hof jetzt den höchsten Hygienestandards entspricht“, resümiert Angelika Balz zufrieden.

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp

Geflügelpest: Jetzt betriebliche Biosicherheit prüfen und verstärken

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In seiner aktuellen Risikoeinschätzung stuft das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) das Risiko des Aufflammens der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation sowie des Wiedereintrags des Virus durch den herbstlichen Vogelzug als hoch ein. Auch das Risiko einer Ausbreitung des Virus in der Wildvogel- und Wasservogelpopulation schätzt das Institut als hoch ein. Darauf macht das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufmerksam. In seiner letzten Risikoeinschätzung im Juni hatte das FLI das Risiko der Ausbreitung des Geflügelpest-Virus in der Wasservogelpopulation noch als gering bis mäßig eingestuft. Mit der Verbreitung von Geflügelpest-Viren bei Wildvögeln steigt auch die Gefahr einer Einschleppung in Hausgeflügelbestände. Geflügelhalter sollten daher jetzt die betriebliche Biosicherheit prüfen, optimieren und konsequent umsetzen. Auch Hobby-Geflügelhalter, z.B. Rassegeflügelzüchter, sollten erhöhte Vorsicht walten lassen. Es gilt, den direkten und indirekten Kontakt von Haus- und Wildvögeln unbedingt zu vermeiden. Auch beim Zukauf von Geflügel bei reisenden Händlern sollte darauf geachtet werden, ausschließlich gesunde Tiere zu erwerben.

Von Ende Oktober 2020 bis April 2021 war Deutschland vom bisher stärksten Geflügelpest-Seuchenzug betroffen. Ein Schwerpunkt des Seuchenzuges lag mit 71 Ausbrüchen der Geflügelpest beim Hausgeflügel in Niedersachsen, dem geflügelstärksten Land in Deutschland. Der letzte Ausbruch der Geflügelpest in Deutschland wurde im Juni 2021 in einer kleinen Geflügelhaltung im Landkreis Osnabrück festgestellt.

Anders als in der Vergangenheit ist in diesem Sommer das Virus der Geflügelpest nicht aus der Wildvogelpopulation in Europa verschwunden.

Das Virus wurde über die Sommermonate mehrfach bei Wasser- und Greifvögeln in den nordeuropäischen Ländern nachgewiesen. Auch in Niedersachsen wurde das Geflügelpest-Virus im Juni und Juli vereinzelt bei Wildvögeln festgestellt. Ausbrüche der Geflügelpest gab es in den Sommermonaten auch beim Hausgeflügel: Am 24. August wurde die Geflügelpest bei gehaltenen Vögeln in den Niederlanden und am 2. September bei gehaltenen Vögeln in Belgien nachgewiesen. Ein Ausbruch der Geflügelpest in einer kleinen Geflügelhaltung in Luxemburg steht in Zusammenhang mit dem Ausbruch in Belgien und wurde vermutlich durch Handelsaktivitäten verursacht. Außerdem lassen Nachweise der Geflügelpest im westlichen Teil Russlands und Fälle bei Wildvögeln in der Nähe der Grenze zu Nordkasachstan befürchten, dass sich Geflügelpest-Viren im Zusammenhang mit dem Herbstzug von Wasservögeln wie im vergangenen Jahr erneut nach Europa ausbreiten.

Weitere aktuelle Informationen zur Geflügelpest und zu Biosicherheitsmaßnahmen sind ebenso wie die aktuelle Risikoeinschätzung des FLI auf der Seite www.tierseucheninfo.niedersachsen.de verfügbar.

Hintergrund:

Die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest) wird durch hochpathogene aviäre Influenzaviren vom Subtyp H5 oder H7 (HPAIV H5 oder H7) verursacht. Eine Infektion führt zu einer akut verlaufenden Erkrankung, die sich sehr schnell über größere Gebiete ausbreiten kann.

Als natürliches Reservoir für HPAIV gelten Wildvögel, insbesondere Wasservögel. Die Geflügelpest kann während des Vogelzugs über weite Strecken verbreitet werden. Die Geflügelpest-Viren sind sehr stark an Vögel angepasst, daher kommen Infektionen anderer Tierarten und von Menschen selten vor. Bei sehr intensivem Kontakt mit infiziertem Geflügel können sich in seltenen Fällen Menschen und andere Säugetiere anstecken und erkranken. Daher sollte der direkte Kontakt mit erkrankten oder toten Wildvögeln vermieden werden.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Boehringer Ingelheim: Zulassung für die erste mischbare PCV-2 / PRRSV-Einmalimpfung

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Boehringer Ingelheim führt die erste mischbare PCV-2 / PRRSV-Einmalimpfung in der Europäischen Union ein. Die kombinierte Verwendung bietet einen Schutz gegen zwei bedeutende Atemwegserkrankungen mit nur einer Injektion. Die kombinierte Verwendung bedeutet für Tierarzt und Landwirt weniger Arbeit und Injektionen und sie erhöht die Flexibilität von Impfmaßnahmen. Dabei ist die Mischung aus den zwei bewährten und etablierten Produkten wie gewohnt wirksam und aufgrund der ölfreien Formulierung schonend zum Tier, was die Tiergesundheit und das Tierwohl bei Schweinen fördert. Die unmittelbar vor Gebrauch frisch gemischte Kombination der beiden Impfstoffe kann via Nadel oder auch nadellos mit FreVAX® gewohnt intramuskulär appliziert werden.

Von nun an kann zwei der bedeutendsten und kostenintensivsten Krankheiten, die Porcine Circovirus Disease (PCVD) sowie das Porzine Respiratorische und Reproduktive Syndrom (PRRS), mit einer einzigen Injektion vorgebeugt werden.

Die kombinierte Verabreichung beider Impfstoffe stellt gemeinsam mit dem ebenfalls in diesem Jahr eingeführten nadelfreien intelligenten Impfgerät FreVAX® eine weitere Innovation dar und ist weltweit der erste und einzige Mischimpfstoff dieser Art. (1)

Referenz:
(1) https://www.ema.europa.eu/en/medicines/national-registers-authorised-medicines

Neu: Alma Pro jetzt als mobiler Tränkeautomat

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In der Kälberaufzucht ist das Füttern die arbeits- und zeitintensivste Tätigkeit. Deshalb stellen viele Landwirte auf einen Tränkeautomaten um. Mit der Alma Pro von Urban ist die bedarfsgerechte Versorgung der Kälber rund um die Uhr sichergestellt – ein Gewinn für Kälberwachstum und Tiergesundheit.

Waren die Tränkeautomaten bisher fest im Stall installiert, hat der Kälberspezialist Urban jetzt auf Kundenwunsch eine mobile Lösung entwickelt: ein Gestell, auf dem die Alma Pro steht, so dass der Automat samt seiner Tränkstationen als Einheit einfach mit einem Radlader oder Gabelstapler im Stall flexibel neu positioniert werden kann. Das ist praktisch bei der Reinigung der Ställe und schont die Technik, weil der Automat inkl. Stationen ganz einfach zu entfernen ist. Außerdem kann der Automat jetzt einfach in unterschiedliche Gruppen gestellt werden, die Tiere müssen ihren Standort nicht verlassen, Umgruppierungen sind nicht mehr nötig. Davon profitieren Stallhygiene und das Tierwohl.

Das Gestell ist eine Kompaktlösung und ist bedarfsgerecht auf jeden Kunden sowohl für zwei als auch für vier Stationen zusammenstellbar. Bestehende Automaten können nachgerüstet werden. Gut sichtbar und individuell drehbar ist die Stationselektronik an den jeweiligen Stationen montiert. Dies ermöglicht eine gute Sicht auf die Technik von allen Seiten.

Mit dem neuen Gestell bietet Urban noch mehr Flexibilität in der automatischen Kälberfütterung – zum Wohle für Mensch und Kalb.

Weitere Informationen: Urban GmbH & Co. KG, Tel: 04484-9380-0, www.urbanonline.de

MSD Tiergesundheit bringt ersten intradermalen Ileitis Impfstoff auf den Markt

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Nach der Einführung des ersten intramuskulär verabreichbaren Impfstoffs in Europa gegen Lawsonia intracellularis im Jahr 2019 bringt MSD Tiergesundheit eine weitere Innovation auf den Markt: Diesen erfolgreichen Impfstoff gibt es ab sofort auch als intradermale Version; verimpfbar mit dem nadellosen IDAL-Vakzinator.

Die nadellose Impfung mit IDAL in die Haut des Tieres erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da sie viele Vorteile sowohl für das Tier als auch den Anwender bietet.

• Aktiver Beitrag zu mehr Tierwohl durch weniger Schmerz und Stress
• Keine Erregerübertragung durch verunreinigte Nadeln
• Hygienische und zeitsparende Arbeitsweise

Besonders anwenderfreundlich und arbeitswirtschaftlich ist die Mischbarkeit des neuen Ileitis-Impfstoffes mit dem intradermalen Impfstoff gegen PCV2 von MSD Tiergesundheit. Mit dem IDAL Twin-Gerät ist sogar die Verabreichung eines dritten Impfstoffs gegen Mykoplasmen in nur einem Arbeitsgang möglich.

Der neue intradermale Totimpfstoff kann auch bei zeitgleicher antibiotischer Therapie erfolgreich angewendet werden, so dass auch unter diesen Betriebsbedingungen die Wirksamkeit gegenüber Lawsonia intracellularis gegeben ist. Die Immunitätsdauer von 21 Wochen bietet einen langen Schutz während der Mast.

Der neue Ileitis-Impfstoff ist nun neben PRRSV, PCV2 und Mykomplasmen der vierte Impfstoff, den MSD Tiergesundheit für die Applikation mit IDAL entwickelt hat. Damit bietet das Unternehmen die meisten intradermal verabreichbaren Impfstoffe und den Tierärzt*Innen und Landwirt*Innen noch mehr Variabilität in der Umsetzung ihrer individuellen Gesunderhaltungskonzepte.

Weiterführende Informationen zu IDAL und dem neuen intradermal verabreichbaren Lawsonien-Impfstoff finden Sie auch unter www.msd-tiergesundheit.de

Quelle: MSD Tiergesundheit

Dialogprozess zum neuen Gesellschaftsvertrag startet: „Landwirtschaft. Ernährung. Zukunft – was kommt morgen auf den Tisch?“

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Der Dialog für einen neuen Gesellschaftsvertrag wurde heute (29.9.) von Ministerin Barbara Otte-Kinast als Teilprozess des Gesamtpakets „Stadt.Land.Zukunft“ gestartet. Unter dem Titel „Landwirtschaft. Ernährung. Zukunft – was kommt morgen auf den Tisch?“ soll bis Mitte 2022 in mehreren Schritten der Entwurf eines Vertrages erarbeitet werden.

Die Umsetzung des Gesamtpakets wird während der nun anstehenden Haushaltsberatungen diskutiert und soll mit rund 31,5 Millionen Euro unterfüttert werden. Das Gesamtpaket umfasst ein Bündel an Zukunftsprojekten, für die es schon konkrete Vorstellungen gibt – von der heimischen Eiweißpflanzenproduktion über Pilotprojekte für die Milcherzeugung auf Moorböden bis zur Biodiversitätsstrategie und einem Klimalabel. Ministerin Barbara Otte-Kinast erläuterte dem Agrarausschuss erstmals die Pläne während der Einbringung des Haushaltsplanentwurfs. Dabei betonte sie die bedeutsamen Weichenstellungen, die mit dem Doppelhaushalt einhergehen.

Worum geht es beim Gesellschaftsvertrag?
Die Ernährung wird durch komplexe Wertschöpfungsketten gesichert. Daraus leiten sich für die gesamte Gesellschaft viele Aufgaben ab. Die Landwirtschaft versorgt die Bevölkerung mit sicheren, hochwertigen und bezahlbaren Lebensmitteln. Sie hat die Verantwortung für das Tierwohl und die Umwelt durch die enge Verflechtung mit Wasser, Luft, Boden, Flora und Fauna. Außerdem wirkt die Landwirtschaft als Motor für den ländlichen Raum. Die gesamte Produktion ist einem globalen Wettbewerb unterworfen, der ökonomischen Druck erzeugt.

Daraus leiten sich Fragen ab: Wie möchten wir als Gesellschaft künftig leben, einkaufen und essen? Kurz gesagt also: Was kommt morgen auf den Tisch?

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Bauernproteste und Klima-Demos haben an vielen Stellen Sprachlosigkeit erzeugt. Ich möchte, dass wieder mehr Verständnis füreinander entwickelt wird. Wir wollen die heimische Erzeugung erhalten, müssen aber gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Betriebe sichern. Wie bekommen wir das mit dem Wunsch nach einer umwelt- und tiergerechteren Landwirtschaft unter einen Hut?“

Wie funktioniert der Prozess?
Mit Unterstützung der beauftragten Arbeitsgemeinschaft mensch und region/ Sebastian Cunitz wird das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) einen mehrstufigen Kommunikations-Prozess umsetzen. Ziel ist es, durch Online-Befragungen und Workshops Widersprüche, unterschiedliche Perspektiven und wichtige „Knackpunkte“ zu identifizieren. Auf Basis der Online-Befragungen entsteht ein erster Entwurf des Gesellschaftsvertrages, der für die weitere Diskussion als Grundlage dienen wird. Die Ergebnisse der Workshops werden als Fragen in eine breite kreative und mediale Beteiligung (Open Innovation Prozess) eingespeist, um neue Ansätze zu finden. Abschließend erfolgt ein Konvent, in dem Lösungsansätze für Themen erarbeitet werden, bei denen es keine übereinstimmende Meinung gab. Während des Konvents erörtern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ideen und erstellen eine erste Vorlage für einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag.

„Wir machen uns gemeinsam auf die Suche nach den besten Lösungen. Der Gesellschaftsvertrag wird zum wesentlichen Impuls für die gesellschaftliche Diskussion und zum Innovationstreiber für die Land- und Ernährungswirtschaft“, stellte Ministerin Otte-Kinast zuversichtlich fest.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz