Ihr Tanz verrät: Honigbienen fliegen auf Erdbeeren

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Bienen sind Bestäuber vieler Wild- und Nutzpflanzen, jedoch nimmt ihre Vielfalt und Dichte in zahlreichen Landschaften ab. Ein Forschungsteam der Universitäten Göttingen, Sussex und Würzburg hat nun das Sammelverhalten von Bienen in Agrarlandschaften untersucht. Dafür analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die sogenannten Bienentänze. Sie fanden heraus, dass Honigbienen Erdbeerfelder bevorzugen, auch wenn direkt in der Nähe der Raps blühte. Nur bei starker Rapsblüte waren weniger Honigbienen im Erdbeerfeld zu beobachten. Wildbienen wählten hingegen konstant das Erdbeerfeld. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment erschienen.

Ein Team aus den Abteilungen Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie der Universität Göttingen stellte für die Untersuchungen kleine Honigbienenvölker an elf Standorten in der Region Göttingen/Kassel neben Erdbeerfeldern auf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entschlüsselten dann anhand von Videoaufnahmen die Bienentänze. Diese nutzen Honigbienen, um die Richtung und Entfernung einer attraktiven besuchten Nahrungsquelle zu kommunizieren. In Kombination mit Landschaftskarten konnten so die bevorzugten Landnutzungstypen bestimmt werden. Zudem untersuchte das Team, welche Pflanzen die Bienen als Pollenressourcen nutzen und bestimmte die Honigbienen- und Wildbienendichte im Feld.

Das Ergebnis: Honigbienen bevorzugen das Erdbeerfeld, auch wenn Raps massenhaft in der Landschaft blüht. Die Honigbienen aus der umgebenden Landschaft sind bei starker Rapsblüte jedoch seltener im Erdbeerfeld anzutreffen. „Solitär lebende Wildbienen, wie Sandbienen, halten sich hingegen konstant im Erdbeerfeld auf“, sagt Erstautorin Svenja Bänsch, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen. Wildbienen haben daher eine große Bedeutung für die Bestäubung von Nutzpflanzen. „Mit der Studie konnten wir zeigen, dass insbesondere kleine Honigbienenvölker für die Bestäubung von Erdbeeren im Freiland geeignet sein können. Jedoch zeigen unsere Ergebnisse auch, dass Wildbienen in den Landschaften durch geeignete Managementmaßnahmen gefördert werden sollten“, schlussfolgert Abteilungsleiterin Prof. Dr. Catrin Westphal.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Mit mehr Tierwohl Immunsystem stärken

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In letzter Zeit haben immer mehr Studien ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen Stress jeglicher Art und der Funktion des Immunsystems gibt. Professor Xavier Manteca, Autonome Universität Barcelona, Spanien, erklärt im Rahmen des 12. Farm Animal Well Being Forums, was Stress genau im Körper macht und wie die Verbesserung des Tierwohls die Situation verbessern kann.

Prof. Manteca, welche Auswirkungen hat Stress auf die Tiere?
Das Nervensystem gibt bei Schmerz oder Stress Botenstoffe ab, die die Reaktion des Immunsystems negativ beeinflussen. Daher ist es wichtig, die Einflussfaktoren zu kennen und dafür zu sorgen, dass sie die Tiere und ihr Immunsystem möglichst nicht negativ beeinflussen. Ist die Haltung der Tiere suboptimal, ist der Umgang mit ihnen ruppig, haben sie Verletzungen oder gehen sie lahm, verursacht all das Stress, was negativ auf das Immunsystem wirkt. Das Immunsystem reagiert sehr empfindlich auf Stress, der die Tiere sehr viel schlechter mit Infektionen umgehen lässt. Ist das Immunsystem durch Stress und entzündliche Prozesse dauerbeschäftigt, zieht es den Tieren Energie ab, die dann für andere Leistungen wie z.B. Milchproduktion oder Fruchtbarkeit nicht zur Verfügung steht.

Können Sie Beispiele für Stressoren nennen?
Ein Beispiel ist ruppiger Umgang mit den Tieren. Dies verursacht Angst vor Menschen und betrifft alle Tierarten. Angst bedeutet Stress und erhöht das Risiko für verschiedene Gesundheitsprobleme, einschließlich Lahmheit und Mastitis bei Milchkühen. Viele Tierwohlprobleme einschließlich chronischer Hunger, thermische und körperliche Beschwerden und frühzeitige Entwöhnung gehen mit einer Stressreaktion einher. Das Liegeverhalten ist nachweislich eine Grundvoraussetzung für das Wohlbefinden von Milchkühen, …


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Mykoplasmen: Individuelle Impfstrategien erforderlich

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Von Ulrike Amler, freie Agrarjouralistin

Der Erreger von Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyo) zerstört bei Schweinen das Flimmerepitel der oberen Atemwege und ebnet den nachfolgenden Erregern von Atemwegserkrankungen den Weg. Der Erreger der Enzootischen Pneumonie kommt in praktisch allen Schweinehaltungen vor und die Impfung von Saugferkeln ist in den meisten Regionen unumgänglich. Ein besonders hohes Infektionsrisiko besteht in Regionen mit hoher Schweindichte, Zahl und Nähe positiver M. hyo-Bestände sowie stark frequentierter Transportrouten. Der Erreger kann über die Kleidung verschleppt und über die Luft bis zu 5 Kilometer weit getragen werden. Am häufigsten infizieren sich die Tiere mit M. hyo zu Beginn der Mast, wenn der maternale Schutz nachlässt. Heterogene Voraussetzungen von Betrieben im Hinblick auf Größe, Ausstattung, Management, eingesetzte Genetik und Vermarktungsstrategien der Erzeuger erfordern individuelle Impfpläne. Hierzu gehört auch die Entscheidung zwischen herkömmlichen Impfungen oder einer One-Shot-Impfung mit einem 1999 isolierten Impfstamm.

Türöffner für Atemwegserkrankungen
Mit der Zerstörung der Flimmerhärchen durch die zellwandlosen Bakterien Mycoplasma hyopneumoniae geht die Selbstreinigungsfunktion der Lunge verloren. Weiteren Erregern aus dem Porcine Respiratory Disease Complex (PRDC) ist der Zugang in die Lunge geöffnet. In einer internationalen angelegten Studie (Cvjetković et al. 2018) konnte gezeigt werden, dass eine Vorinfektion durch M. hyo das klinische Bild von APP massiv verstärkt. Die Impfung gegen M. hyo ist deshalb ein absolutes Muss, um den Erreger zu kontrollieren und wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. In einer vergleichenden Studie zeigten Lungen nach der Two-Shot-Impfung signifikant mehr Läsionen, die auf virale Erreger zurückzuführen sind.

Angepasstes Gesundheitsmanagement
Two-Shot-Impfungen werden in der ersten und vierten Lebenswoche verabreicht. In den engen Impfplänen müssen Ferkel innerhalb nur 21 bis 28 Tagen gegen weitere bakterielle und virale Erreger geimpft werden. Die Praxis zeigt, dass sich eine schützende Immunantwort gegen M. hyo nur einstellt, wenn maternale Antikörper ausreichend abgebaut und ein ausreichender Abstand der M. hyo-Impfung zu weiteren Impfungen besteht. Bis zu vierzehn Tage wird das Immunsystem des Ferkels durch Lebendimpfstoffe wie gegen PRRS beansprucht. Die erwünschte Immunantwort der M. hyo-Impfung in diesem Zeitraum, wie sie bei Two-Shot-Impfungen vorkommen, könnte für einen belastbaren Impfschutz ausbleiben.

Viele Impfstoffe basieren noch auf dem 1958 isolierten J-Stamm und weisen weniger als 55 % Übereinstimmung mit aktuellen Feldstämmen auf.


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AfT-Symposium: Diagnostik in der Rinderpraxis

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Das Symposium der Akademie für Tiergesundheit e. V. (AfT) im Rahmen des Leipziger Tierärztekongresses am 18. Januar beschäftigte sich mit dem Thema der Diagnostik beim Rind und deren Bedeutung für spezielle Krankheitsbilder

Von den international anerkannten Experten wurden die Herausforderungen und Unterschiede für klinische und labordiagnostische Untersuchungen herausgearbeitet. Der klinischen Untersuchung kommt dabei eine große Bedeutung zu. Sie ist mit der Bewertung der Befunde der Grundbaustein für die tierärztliche Arbeit. Nach wie vor hat die klinische Untersuchung des Einzeltieres eine wesentliche Position, da sich hieraus Rückschlüsse ergänzt mit einem regelmäßigen Monitoring wichtiger Parameter auch auf die Herde ziehen lassen. Herdenbetreuung und Einzeltierdiagnostik und -therapie sind dabei eng miteinander verzahnt.

Neue labordiagnostische Methoden haben die Präzision und Sensitivität der Diagnostik deutlich verbessert. Gleichwohl kann ein Laborergebnis weder die klinische Auseinandersetzung mit dem Patienten ersetzen noch für sich allein eine klinische Diagnose stellen. Für den praktizierenden Tierarzt ist es hilfreich, bereits vor einer Probennahme mit dem untersuchenden Labor persönlich Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam lässt sich ein für die vermutete(n) Differentialdiagnose(n) maßgeschneidertes Laborpaket schnüren. Vor der Entscheidung für eine Therapie sollten das Laborergebnis und das Umfeld, aus dem die Proben stammen, kritisch hinterfragt werden, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Zunehmend eingesetzte Point-of-Care-Analytik kann als erste, schnelle orientierende Hilfe auf dem Betrieb dienen.

Aufgezeigt wurde, dass die Infektionsdiagnostik in der Rinderpraxis in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark durch die Bekämpfung anzeigepflichtiger Tierseuchen dominiert wurde. Im Vordergrund standen Antikörpernachweise und Intrakutantests, beispielsweise bei Tuberkulose. Die Anforderungen haben sich inzwischen verändert. Die moderne Infektionsdiagnostik bringt genauere Ergebnisse, erfordert aber auch eine aufwändigere Datenverwaltung. Sie fördert sogar bislang unbekannte Erreger zutage. Neue Parameter, wie Entzündungsmarker, gewinnen bei chronischen Infektionsgeschehen an Bedeutung. Die Kommunikation zwischen Labor, Tierarzt und Landwirt wird intensiver.

Anhand von praktischen Beispielen wurde die Frage nach der Repräsentativität von Betriebsdiagnostik erläutert und auf das Dilemma der sogenannten Diagnostika-Kaskade aufmerksam gemacht. Selbst bei jedem korrekt durchgeführten Einzelschritt summieren sich die kleinsten Ungenauigkeiten und mindern die Detektionswahrscheinlichkeit. Das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente (von der klinischen Untersuchung über die Probenentnahme bis zur Sektion) wurde beispielhaft für die Diagnostik von Lungenerkrankungen aufgezeigt. Auch im Bereich der Mastitisdiagnostik haben sich die diagnostischen Möglichkeiten in den letzten Jahren deutlich erweitert. Die richtige diagnostische Vorgehensweise stellt sicher, dass die jeweilige Fragestellung beantwortet werden kann.

Unter den Erkrankungen des Bewegungsapparates rangieren beim adulten Rind die Klauenerkrankungen mit 90 Prozent an erster Stelle. Wesentlich Bausteine der Diagnostik sind hier die klinische Untersuchung, unterstützt von bildgebenden und digitalen Methoden sowie die bakteriologische Diagnostik. Die Palette der diagnostischen Methoden, die im Fruchtbarkeitsmanagement eingesetzt werden, ist enorm breit. Aufgrund der ökonomischen, therapeutischen und ethischen Konsequenzen sollten die eingesetzten Methoden daher kritisch hinterfragt werden. Neue Möglichkeiten durch intensives Monitoring, bspw. mit Sensoren, verlangen die Expertise des Tierarztes, um die gewonnenen Daten sinnvoll für die Entscheidung über die geeignete Behandlung zu interpretieren. Verstärkte Anstrengungen zur Standardisierung und Validierung der digitalen Mittel wurden angemahnt.

Dem Landwirt als genauem Beobachter seiner Tiere kommt trotz verstärktem Monitoring mit digitaler Erfassung einer Vielzahl von Parametern nach wie vor eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung zu.

Die ausführlichen Abstracts zum AfT-Symposium stehen hier zum Download bereit.

Afrikanischen Schweinepest

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Anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin, fand am 21.01.2020 eine Pressekonferenz der Bundestierärztekammer (BTK) auch zur „Afrikanischen Schweinepest“ statt.

Zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) referierten Dr. Iris Fuchs, 1. Vizepräsidentin der BTK, und Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Obwohl Deutschland bisher frei von dieser Tierseuche geblieben ist, ist sie in Belgien und im Westen Polens bedrohlich nahe an die deutschen Außengrenzen herangerückt. Für Dr. Fuchs ist die Früherkennung von Tierseuchen ein maßgeblicher Faktor zu ihrer Bekämpfung. Tierärzte leisten bei der Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen einen wesentlichen Beitrag, der laut Fuchs auch wertgeschätzt werden müsse. Die Tierärzteschaft fordere deswegen u. a. eine Personalverstärkung in der Veterinärverwaltung und die Förderung von Schulungsmaßnahmen für Jäger und Landwirte. Alle Beteiligten sollten sich ihrer Verantwortung zur Mitwirkung bewusst sein. Prof. Mettenleiter sieht die Möglichkeiten der Prävention und somit die Minimierung der Eintragswahrscheinlichkeit insbesondere in erhöhter Wachsamkeit und umfangreichen Biosicherheitsmaßnahmen. Da auf absehbare Zeit kein adäquater Impfstoff zur Seuchenkontrolle zur Verfügung stehen werde, solle der Früherkennung und dem angemessenen Einsatz von Maßnahmen in Deutschland eine herausragende Rolle zukommen.

Quelle: BTK

Ohne Gefahr genießen

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Entgegen der gefühlten Angst vieler Deutscher vor unerlaubten Rückständen in Lebensmitteln, sprechen die jährlichen Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplans eine andere Sprache. Die Anzahl nicht vorschriftsmäßiger Rückstandsbefunde bleibt weiterhin sehr gering. Nie zuvor waren Lebensmittel so sicher wie heute.

Die Studie „Ängste der Deutschen“, durchgeführt von der R+V Versicherung im Jahr 2018 hat gezeigt, dass 55 Prozent der Deutschen Angst vor Schadstoffen in Lebensmitteln haben. Eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im gleichen Jahr ergab, dass 50 Prozent der Konsumenten der Meinung sind, dass der Staat konkrete Maßnahmen wie Verbote und Beschränkungen ergreifen sollte, um die Verbrauchervor gesundheitlichen Risiken zu schützen.

Unbegründete Ängste
Dies ist erstaunlich. Denn die regelmäßigen behördlichen Untersuchungen zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass die Angst unbegründet ist. Umfassende und vertrauenswürdige Berichte wie der Nationale Rückstandskontrollplan des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) werden scheinbar nur wenig als Informationsquellegenutzt. Dabei bestätigen die positiven Ergebnisse der seit 1989 regelmäßig durchgeführten Untersuchungen, dass Lebensmittel tierischen Ursprungsohne Sorgen verzehrt werden können. Die Belastungen mit unerwünschten Stoffen bei Fleisch, Milch, Eiern oder Honig tendieren konstant gegen Null.

Wie entstehen MRLs?
Regelmäßig untersucht werden auch Rückstände von Tierarzneimitteln. Nachweiseoberhalb festgelegter Rückstandshöchstmengen (maximum residue limit, MRL) liegen unverändert niedrig, überwiegend sogar im Promillebereich. MRLs setzen sich zusammen aus zwei Werten: erstens aus der Dosis ohne beobachtete schädliche Wirkung (NOAEL) und zweitens aus der zulässigen täglichen Aufnahmemenge (ADI). Beide Werte erhalten jeweils noch einmal Sicherheitszuschläge um das Zehnfache. Im letzten Schritt wird der ADI-Wert auf die verschiedenen tierischen Lebensmittelverteilt und ein individueller MRL Wert festgelegt.

Höchste „Sicherheitsstufe“
Aufgrund der eingebauten Sicherheitsfaktoren bei der Bestimmung der Rückstandhöchstmenge kann sich abhängig vom Wirkstoff ergeben, dass ein Mensch ein Leben lang jeden Tag rd. 45 kg Muskelfleisch, d.h. um die 160 Schnitzel oder über hundert Liter Milch, ja bis zu 7.500 Liter Milch trinken müsste, um überhaupt an relevante Rückstandsgehalte heranzukommen.

In der Summe aller Proben und unerwünschten Stoffe, einschließlich Kontaminanten lag der Anteil der Rückstandsbefunde oberhalb der festgelegten Höchstgehalte im Jahr 2017 bei 0,66 Prozent. Die Befunde für Tierarzneimittellagen noch weit darunter und variierten für Proben von Rind, Schwein und Geflügel zwischen 0,01 und 0,15 Prozent.

Höchster Standard auch auf EU-Ebene
Auch auf europäischer Ebene bewegen sich die Rückstände von Tierarzneimitteln auf niedrigem Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt der Rückstandsbericht 2017 der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Mit 0,35 Prozent der Proben über den zulässigen Höchstgehalten lag die Rate auf vergleichbarem Niveau wie in den Vorjahren.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Akademie für Tiergesundheit zeichnet zwei Wissenschaftlerinnen für ihre Forschungen auf dem Gebiet der molekularen Biologie mit Förderpreis aus

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Mit dem Förderpreis der Akademie für Tiergesundheit e.V. wurden in diesem Jahr gleich zwei Wissenschaftlerinnen für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der molekularen Mikrobiologie bzw. molekularen Parasitologie ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis der AfT wird an Wissenschaftler vergeben für herausragende klinische oder experimentelle Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Tiergesundheit. Die Verleihung der Förderpreise fand im Rahmen des AfT-Symposiums am 18.01.2020 beim Leipziger Tierärztekongress statt.

Frau Dr. Andrea Theresia Feßler, PhD, Freie Universität Berlin, wurde für ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Antibiotikaresistenz, vor allem für ihre Studien zu multiresistenten Staphylococcus spp. sowie zur Empfindlichkeitsprüfung bakterieller Erreger gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen und Bioziden ausgezeichnet. Mit ihren Arbeiten leistete Frau Dr. Feßler, PhD, einen besonderen Beitrag zum Verständnis der Resistenzentwicklung und einer differenzierten Betrachtung des Vorkommens multiresistenter Erreger bei Tieren und Menschen. Außerdem tragen die von ihr erarbeiteten Methoden und Beurteilungskriterien wesentlich zur Interpretation der Ergebnisse der Empfindlichkeitsprüfung von Bakterien im klinisch-mikrobiologischen Labor bei.

Dr. Feßler, PhD, schloss 2009 ihr Studium der Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ab und forscht, nach Abschluss von PhD (2012) und Promotion (2016) an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, heute als Wissenschaftlerin bei Prof. Stefan Schwarz am Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Freien Universität Berlin. Die Bedeutung und hohe Qualität ihrer Forschungen werden auch durch eine Fülle von Veröffentlichungen in wissenschaftlich anerkannten internationalen Fachzeitschriften dokumentiert.

Frau Dr. habil. Berit Bangoura, University Wyoming, befasste sich in ihren molekularbiologischen Studien mit der Parasit-Wirt-Interaktion und Kontrolle von Eimeria spp.und Toxoplasma gondii bei verschiedenen Tierarten. Die potenzielle Relevanz von Tierinfektionen mit zoonotischen Parasiten, wie Toxoplasma gondii, für die menschliche Gesundheit ist dabei von besonderer Bedeutung.

Dr. Bangoura ist seit 2003 Tierärztin. Ihre Doktorarbeit schloss sie 2008 bei Prof. Arwid Daugschies am Institut für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig ab. Danach arbeitete sie als Postdoc und Principal Investigator im selben Labor und erhielt ihre Spezialisierung auf dem Gebiet der Parasitologie (Facharzt für Parasitologie, seit 2009; Diplomate des European Veterinary Parasitology College seit 2014) und habilitierte im Jahr 2015. Ihre gegenwärtige Forschung als Assisstant Professor an der University Wyoming konzentriert sich auf die Epidemiologie von Protozoenpathogenen, vor allem boviner und oviner Eimerien, genutzter Bekämpfungsstrategien unter Berücksichtigung von möglicher Resistenzentwicklung und den ökonomischen Langzeiteffekten der Kokzidiose. Von Relevanz sind dabei auch Koinfektionen mit anderen Pathogenen.

Quelle: Akademie für Tiergesundheit e.V.

CO2-Fußabdruck von Milchkühen in Schleswig-Holstein

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Weidehaltung schneidet im weltweiten Vergleich gut ab: Studie im Fachmagazin „Journal of Cleaner Production“ veröffentlicht

Die deutsche Bundesregierung hat jüngst das Ziel formuliert, bis 2050 den Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um mehr als 90 Prozent zu senken. Bisher ist der Agrarsektor in diese Zielsetzung nicht explizit einbezogen, aber es ist unstrittig, dass dies nicht so bleiben wird. Insbesondere in dem Agrarland Schleswig-Holstein, in dem die Landwirtschaft mehr als 20 Prozent zu den Treibhausgasemissionen beiträgt, müssen Modelle für eine klimafreundliche Produktion entwickelt werden. Die Forschungsgruppe Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) arbeitet seit vielen Jahren an solchen Modellen und hat jetzt eine Studie in einem hochrangigen, internationalen Fachmagazin Journal of Cleaner Production veröffentlicht.

In der Studie gehen die Forschenden um Professor Friedhelm Taube der Frage nach, ob der CO2-Fußabdruck der Milcherzeugung aus Weidehaltung günstiger zu bewerten ist als bei der Milcherzeugung aus ganzjähriger Stallhaltung. Der CO2-Fußabdruck enthält alle klimarelevanten Emissionen, die bei der Milcherzeugung auf dem Betrieb auftreten und ermöglicht den Vergleich verschiedener Produktionssysteme. Im Fokus der Studie stand der Vergleich dreier Haltungssysteme von Milchkühen: Weidehaltung, Stallhaltung und ein gemischtes System. „Welches Haltungssystem bei Milchkühen den besten ökologischen Fußabdruck hat, hängt vor allem vom Standort ab. Schleswig-Holstein ist sehr gut für die Weidehaltung geeignet, da durch die ausreichende Menge von Niederschlägen und die günstige Verteilung des Regens im Jahr beste Bedingungen für das Graswachstum gegeben sind. Die Grünlandproduktion ist absolut vergleichbar mit der in Irland. Und mit steigenden Temperaturen durch den Klimawandel steigt die Anzahl der Wachstumstage im Frühjahr und Herbst auf der Weide“, erläutert Taube.

Eine Meta-Analyse
Für den Vergleich der Haltungssysteme nutzten die Forschenden Daten aus 30 wissenschaftlichen Publikationen in einer sogenannten Metaanalyse. Das bedeutet, sie nahmen eine vergleichende statistische Auswertung einer Vielzahl bereits publizierter Studien vor. Insgesamt konnten 87 CO2-Fußabdrücke aus 15 Ländern in die Berechnungen eingeschlossen werden.

Um anschließend einen Vergleich der Produktionssysteme zu ermöglichen, wurden von der Erstautorin Heike Lorenz, Doktorandin in der Forschungsgruppe, drei Haltungssysteme festgelegt: Die (1) Stallhaltung umfasste die Systeme, in denen die Kühe das gesamte Jahr über im Stall standen. (2) Weidehaltung war dadurch gekennzeichnet, dass die Kühe mindestens 50 Prozent ihres Futters als frisches Gras auf der Weide aufnahmen und dabei zusätzliches Konzentratfutter (z.B. Getreide) nicht mehr als 25 Prozent der Futterration ausmachte. (3) Haltungssysteme, die zwischen diesen beiden Ausprägungen lagen, wurden als gemischtes System klassifiziert. „Unsere Ergebnisse stellen bisherige Lehrmeinungen, wonach maximale Milchleistung gleichbedeutend ist mit einem niedrigem CO2-Fußabdruck, deutlich in Frage“, so Lorenz.

Das Team an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät konzentrierte sich auf drei Faktoren, die den Ausstoß der klimarelevanten Gase signifikant beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass unabhängig von den Haltungssystemen die Emissionen zunächst deutlich sinken, wenn der Milchertrag pro Kuh steigt. Hohe Milcherträge erfordern weniger Kühe, um eine bestimmte Milchmenge zu erhalten und weniger Kühe bedeuten auch einen geringeren Ausstoß des Treibhausgases Methan. Taube: „Ab einem gewissen Niveau ist der positive Effekt steigender Milchleistung fürs Klima jedoch deutlich abgeschwächt“.

Stall versus Weide
Während die Kühe im Stall zu jeder Zeit mit einer auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Mischung aus Gras- und Maissilage gefüttert werden können, müssen sich die grasenden Kühe mehr bewegen und fressen gleichzeitig weniger. Deshalb werden für die Weide häufig kleinere Rassen eingesetzt, die weniger Futter benötigen. Jedoch geben diese auch weniger Milch.

„Daraus könnte man folgern, dass dies zu einem schlechteren Abschneiden der Weidemilch führt. Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass die positiven Aspekte der Weidehaltung die höhere Anzahl an Kühen, die für dieselbe Milchmenge benötigt wird, ausgleichen können“, betont Taube. Somit sei die Milch von grasenden Kühen nicht klimaschädlicher als die von ihren im Stall stehenden Artgenossen. „Je mehr frisches Gras die Kühe fressen, desto geringer ist der CO2-Fußabdruck der Milch“, fasst der Grünlandexperte zusammen.

Die Haltung im Stall bedeutet wesentlich mehr Energieaufwand bei der Futterbergung und der Gülleausbringung. Insbesondere wird mehr Kraftstoff verbraucht, weil das Futter gemäht und von den Wiesen und Äckern geholt werden muss. Zusätzlich wird bei der Stallhaltung im Durchschnitt deutlich mehr Konzentratfutter eingesetzt und mehr mineralischer Dünger auf den Feldern ausgebracht. Auch deren Produktion erzeugt Emissionen, die sich im CO2-Fußabdruck der Milch wiederfinden.

Weidehaltung auf dem Versuchsbetrieb Lindhof
„Die geringere Milchleistung schadet dem System Weidehaltung in der Klimawirkung also nicht. Angepasste Rassen können das Weidegras sehr effizient umsetzen. Oftmals sind die Tiere mit Weidegang auch gesünder, weisen eine längere Lebens- und Nutzungsdauer auf, werden nach dem Kalben schneller wieder tragend und können ihre arttypischen Verhaltensmuster auf der Weide besser ausleben. Alles Bausteine, die sich zusätzlich positiv auf die CO2-Bilanz auswirken können. Welches der Haltungssysteme im Einzelfall das klimafreundlichere ist, hängt jedoch von einer Vielzahl von Faktoren ab“, erklärt Heike Lorenz die neuen Erkenntnisse.

Die Ergebnisse der Metastudie sind Wasser auf die Mühlen der seit 2016 praktizierten Weidemilcherzeugung auf dem Lindhof, einem der Versuchsbetriebe der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät. Dort leben knapp 100 Milchkühe der Rasse Jersey. Diese Rasse ist aufgrund ihrer Robustheit und ihres kleinen Körpermaßes sehr gut für die Weidehaltung geeignet und liefert Milch mit hohen Fett- und Eiweißgehalten.

„Auf dem Lindhof wollen wir zeigen, dass Milch aus Weide-Kleegras nicht nur dem Klima nützt, weil das Weidefutter Energie und Eiweiß bereitstellt und damit Soja und Raps in der Futterration überflüssig macht. Wir wollen auch zeigen, dass dadurch mehr Kohlenstoff im Boden gespeichert und mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft ermöglicht wird. Und aufgrund der tiefwurzelnden Kräuter in der Futtermischung werden kaum Nährstoffverluste ins Grundwasser zugelassen“, erläutert der Koordinator der Feldexperimente auf dem Lindhof, Dr. Ralf Loges.

Mittelfristig sieht die Forschungsgruppe große Chancen, dass Milchkühe in den nächsten 15 bis 20 Jahren wieder zurück in die Ackerbauregionen Ostholsteins wandern und dort den einseitigen Ackerbau aus Weizen und Raps besser und vor allem stabiler machen können. Mehr Kulturartenvielfalt lautet die Herausforderung, oder wie es die Forschenden formulieren: „mehr funktionale Diversität für resiliente Anbausysteme im Klimawandel“.

Das Evangelische Studienwerk Villigst förderte die Doktorarbeit von Heike Lorenz im Promotionsschwerpunkt „Dritte Wege zur Ernährung der Einen Welt“. Dieser Promotionsschwerpunkt mit insgesamt 20 Doktorandinnen und Doktoranden wird gemeinsam von den Kieler Professoren Konrad Ott (Umweltethik), Christian Henning (Agrarpolitik) und Friedhelm Taube geleitet. Für die Studie arbeitete Lorenz mit Professor Taube und Dr. Thorsten Reinsch von der Abteilung Grünland und Futterbau sowie Professor Sebastian Hess zusammen.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Gemeinsam sind wir stärker! Tagung zur Prävention und zur Bekämpfung des Q-Fiebers

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Q-Fieber ist eine durch das Bakterium Coxiella burnetii verursachte, nahezu weltweit verbreitete Erkrankung von Menschen und Tieren. Immer wieder kommt es auch in Deutschland zu Ausbrüchen. Mit bis zu 415 infizierten Menschen pro Ausbruch ist die Erkrankung eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Bei etwa der Hälfte der infizierten Menschen kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, manchmal auch zu schweren Erkrankungen. Die Anzahl der gemeldeten humanen Q-Fieber-Fälle in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr.

Übertragen wird der Erreger meist über die Luft durch erregerhaltigen Staub oder über die sogenannten Geburtsprodukte infizierter Schafe und Ziegen, zu denen beispielsweise die Plazenta und die Eihäute zählen. Die Infektion verläuft bei den Tieren oft symptomlos, aber es kommt auch zu Aborten und Totgeburten. Während der Geburt scheiden infizierte Tiere die Erreger dann massiv aus. Durch den direkten Kontakt mit erregerhaltigen Geweben oder Materialien können Menschen sich ebenfalls anstecken. Wenn es zu einem Q-Fieber-Ausbruch bei Menschen und Tieren kommt, ist deshalb eine enge Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizinern wichtig ¬¬– genau wie bei der Diagnostik und der Prophylaxe dieser Zoonose.

Am Freitag, den 7. Februar 2020, findet von 9 bis 16.30 Uhr unter dem Titel „Gemeinsam sind wir stärker! Q-Fieber – Prävention und Bekämpfung einer Zoonose als gemeinsame Aufgabe von Human- und Veterinärmedizin“ in der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Hörsaal des Instituts für Pathologie am Bünteweg 17, 30559 Hannover das Seminar Veterinary Public Health statt, zu dem wir Sie herzlich einladen. Hier finden Sie das Programm.

Die Veranstaltung, die von der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen gefördert wird, soll dazu beitragen, neueste Erkenntnisse zum Q-Fieber zu vermitteln. Zudem soll sie den Dialog zwischen Wissenschaft, öffentlichem Gesundheitswesen und Praxis, aber vor allem zwischen Veterinär- und Humanmedizin fördern. Der Fokus der Veranstaltung liegt darum auf den Möglichkeiten der Zusammenarbeit im konkreten Ausbruchsfall. Denn gemeinsam sind wir stärker!

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Initiative Tierwohl: Wir machen weiter!

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• Initiative Tierwohl (ITW) kündigt dritte Programmphase ab 2021 an
• Ziel: noch mehr Tierhalter sollen teilnehmen können
• Verbraucher können auch ITW-Schweinefleisch zukünftig am Produktsiegel erkennen
• Jahrhundertchance für Tierwohl in Deutschland

Die Initiative Tierwohl (ITW) ist inzwischen mit Marktanteilen von rund 70 Prozent bei Geflügel und rund 24 Prozent bei Schwein Deutschlands größtes Tierwohlförderprogramm. Die Teilnehmer aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel haben sich jetzt auf eine Fortsetzung der ITW verständigt. Bis Ende 2020 laufen noch die bestehenden Verträge mit den Wirtschaftspartnern der ITW, dann folgt ab 2021 eine neue, ebenfalls dreijährige Programmphase. Weiterhin können Verbraucher Geflügelfleisch, das aus Ställen teilnehmender Landwirte stammt, am ITW-Produktsiegel erkennen. Neu ist, dass das ab 2021 auch für große Teile des Schweinefleisch-Sortiments gilt. Das Plus an Tierwohl, das die teilnehmenden Landwirte ihren Schweinen, Hähnchen und Puten bieten, wird künftig verstärkt über den Markt finanziert und soll noch mehr Tieren zugutekommen. Dadurch wird auch die Einbindung vieler weiterer Tierhalter gefördert.

„Unser Ziel ist es, das Mehr an Tierwohl der ITW auf ein wirtschaftlich nachhaltiges Fundament zu stellen. Das geht nur, wenn Tierwohl mittelfristig über den Markt finanziert wird“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Zugleich stellt das neue Programm für die Landwirte, wie bisher in der ITW, Planungssicherheit und eine Honorierung ihres Engagements für Tierwohl dar. Um die ITW nachhaltig im Markt etablieren zu können, werden wir ab 2021 wesentlich mehr Tierhalter benötigen, die mitmachen, als jetzt. Diese neue Programmphase der ITW ist für Landwirte und Gesellschaft eine Jahrhundertchance: Erstmals kann Tierwohl breitenwirksam über den Markt getragen werden. Uns allen muss aber klar sein, dass diese Chance einmalig ist!“

Das Finanzierungsmodell
Ein Schwein durchläuft während seines Lebens in Deutschland drei landwirtschaftliche Stufen: Sauenhaltung, Ferkelaufzucht und zuletzt die Mast. Das neue Finanzierungsmodell sieht eine Marktlösung für die Mast und einen Übergangsfonds für die Ferkelerzeugung (Sauenhaltung und Ferkelaufzucht) vor.

Der teilnehmende Schweinemäster erhält zusätzlich zum Marktpreis einen Tierwohlaufpreis von 5,28 Euro pro Mastschwein. Dieser Betrag ist für alle teilnehmenden Landwirte gleich und wird von der Initiative Tierwohl festgelegt. Er orientiert sich an den ermittelten durchschnittlichen langfristigen Kosten, die bei der Umsetzung der Tierwohl-Kriterien entstehen. Die Höhe des Betrags wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Diesen Tierwohl-Aufpreis zahlen die Schlachtunternehmen an die Mäster. Die Schlachtunternehmen verhandeln dann mit den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels oder anderen Abnehmern bilateral die erforderlichen Aufschläge für Tierwohlfleisch. Die Preis-Gestaltung in Richtung Verbraucher liegt in der Verantwortung der jeweiligen Lebensmitteleinzelhändler oder anderer Marktbeteiligten zum Beispiel aus der Gastronomie.

„Wir sind zuversichtlich, dass dieses Modell Verbraucherpreise ermöglicht, die sich ein Großteil der Verbraucher leisten kann und wird“, erklärt Hinrichs. „Uns geht es nicht darum Tierwohl so teuer zu machen, dass das ausschließlich Bio-Eliten bezahlen können.“

Es ist das Ziel, dass zukünftig eine geschlossene ITW-Lieferkette von der Geburt des Tieres bis zum Endprodukt beim Verbraucher hergestellt wird. Die nächste Programmphase soll dazu genutzt werden, diese Lieferketten bis zur Ferkelerzeugung zu schließen. Zu diesem Zweck wird ein Übergangsfonds aufgesetzt, aus dem die Tierwohl-Maßnahmen der Ferkelerzeuger honoriert werden und der vom Lebensmitteleinzelhandel mit 2 Cent pro verkauftem Kilogramm Schweinefleisch finanziert wird. Der Fonds wird sich auf ein voraussichtliches Volumen von jährlich ungefähr 30 Millionen Euro belaufen.

„Unser Ziel ist die Schließung der gesamten Lieferkette von der Sauenhaltung bis zur Schlachtung bis 2024. Dann soll die Finanzierung auch der Ferkelerzeugung über den Markt erfolgen“, so Hinrichs weiter.

Wie bei der Schweinemast wird es auch bei Geflügel keinen pauschal vom LEH gefüllten Fonds mehr geben. Die Unternehmen aus dem Handel oder anderen Branchen bestellen bei Geflügelvermarktern die Ware. Ähnlich wie in der Schweinemast wird dann ein fest definierter Aufpreis gezahlt. Allerdings wird dieser nicht direkt an den Mäster, sondern an eine von der ITW beauftragte Clearing-Stelle entrichtet. Die Mäster erhalten dann über die ITW den Preisaufschlag. Dieser beträgt unverändert einheitlich bei Hähnchen 2,75 Cent, bei Putenhennen 3,25 Cent und bei Putenhähnen 4 Cent pro Kilogramm Lebendgewicht.

„Man kann nicht oft genug betonen, dass die Geflügelbranche bereits in der aktuellen Programmphase einen riesigen Schritt gemacht und der Handel bei Geflügel schon jetzt ganze Sortimentsbereiche auf ein höheres Tierwohl-Niveau umgestellt hat“, kommentiert Hinrichs. „Verbraucher erkennen das daran, dass sehr viele Geflügelprodukte mit der Stufe 2 der Haltungsform ausgewiesen sind. Auch das wollen wir weiter ausbauen.“

Die Tierwohl-Kriterien
Um ein einheitliches Tierwohl-Niveau zu schaffen, wurden die Kriterien der ITW für Schweinehalter vereinheitlicht. Die Schweinehalter werden keine Wahlmöglichkeiten jenseits der Pflichtmaßnahmen mehr haben. Der künftig geltende Kriterienkatalog entspricht weitgehend den aktuell gültigen Grundanforderungen mit Tageslichteinfall, zehn Prozent mehr Platz und umfassenden Maßnahmen zur Tiergesundheit. Allerdings werden die Kriterien „zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial“ und „Raufutter“ zu einem Kriterium zusammengefasst. Raufutter wird damit zur Pflicht. Es hat eine positive Wirkung auf die Tiergesundheit, und die Darreichungsform soll die Funktion eines Beschäftigungsmaterials erfüllen. Bei Geflügel werden sich die Kriterien nicht ändern.

Staatliche Tierwohlkennzeichnung
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) plant eine Staatliche Tierwohlkennzeichnung. „Grundsätzlich sind wir davon überzeugt, dass die ITW auch in der neuen Programmphase anschlussfähig für das geplante Staatliche Tierwohlkennzeichen ist“, führt Hinrichs aus. „Unsere Bereitschaft zur konstruktiven Zusammenarbeit ist unverändert gegeben. Es ist aber auch wichtig, dass ein staatliches Eingreifen in den Markt der Tierwohlsiegel so gestaltet wird, dass die im Markt befindlichen Siegel davon profitieren. Nur so lässt sich das gemeinsame Ziel ‚mehr Tierwohl‘ erreichen. Eine Staatliche Tierwohlkennzeichnung darf die etablierten Programme nicht gefährden.“

Die Initiative Tierwohl wird auch die Änderungen zur neuen Programmphase mit dem Bundeskartellamt besprechen.

Quelle:
Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Achtung beim Waschen der Stallkleidung: Auch in Waschmaschine Bakterien vorhanden

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Aus hygienischen Gründen sollte Stallkleidung regelmäßig, am besten nach jedem Arbeitstag, gewaschen werden. Doch wer glaubt, das würde alle Bakterien und Viren beseitigen, die an der Kleidung haften, liegt falsch. Eine aktuelle Studie, durchgeführt durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen, der Universität Gießen sowie der Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf, fand heraus, dass Waschmaschinen, die Textilien eigentlich sauber machen sollen, massiv verkeimen können. Feuchtigkeit, Wärme und ein großes Angebot an Nährstoffen schaffen ideale Lebensbedingungen für das Wachstum von Keimen. Aktuelle Trends wie das Waschen bei niedrigen Temperaturen, Wassersparprogramme und der Einsatz Bleiche-freier Flüssigwaschmittel begünstigen das Keimwachstum zusätzlich.

„An welchen Stellen einer Maschine kommen welche Bakterien vor? Und welche Faktoren steuern diese Zusammensetzung? Das waren unsere Ausgangsfragen“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen am Campus Schwenningen Mikrobiologie und Hygiene lehrt. Mikroorganismen in der Waschmaschine können zwar gerade für Immungeschwächte auch ein gewisses Gesundheitsrisiko darstellen, im häuslichen Alltag sind aber eher andere Phänomene spürbar, wie muffiger Maschinen- und Wäschegeruch.

In der Studie wurden 50 Proben aus 13 Haushaltswaschmaschinen aus dem Großraum Villingen-Schwenningen und Waldshut-Tiengen mit molekularbiologischen Methoden auf die Zusammensetzung ihrer Bakteriengemeinschaft hin untersucht. Beprobt wurden jeweils die Einspülkammer, die Bullaugendichtung, der Pumpensumpfbehälter und Wäschefasern aus einer Testwäsche in der jeweiligen Maschine. Die Nutzer der Maschinen wurden zu ihrem Waschverhalten befragt.

In 13 Maschinen wurden 229 verschiedene Arten von Bakterien identifiziert. Zwischen 30 und 60% der zehn am häufigsten gefundenen Arten pro Probenahmestelle wurden als potentiell krankmachend eingestuft. An jeder Probenahmestelle fand sich eine eigene, typische Gemeinschaft. Generell dominierten Wasserbakterien, auf den Wäschefasern auch typische Hautbakterien. Die höchste Vielfalt von Bakterien zeigte die Einspülkammer.

Das als Ursache von schlechtem Geruch bekannte Bakterium Moraxella osloensis wurde in 9 von 13 Bullaugendichtungen gefunden. Hier zeigte es mit 12,5 % auch seine höchste relative Häufigkeit. „Moraxella osloensis ist hart im Nehmen und hält die stark wechselnden Umweltbedingungen in der Bullaugendichtung anscheinend bestens aus. Um Wäsche- und Maschinengeruch vorzubeugen, sollte die Dichtung deshalb regelmäßig gereinigt und die Maschine zum Trocknen offen gelassen werden“, erklärt Egert.

Das Nutzerverhalten zeigte nur in einem Punkt einen signifikanten Zusammenhang mit der Waschmaschinenflora. Eine höhere Anzahl von heißen Waschgängen pro Monat führt wohl zu einer größeren bakteriellen Vielfalt in der Einspülkammer. „Waschen bei 60°C und heißer ist für die Wäschehygiene nach wie vor das Beste. Wärmeabstrahlung an andere Stellen der Maschine kann dort aber vielleicht das Keimwachstum fördern. Hier sind weitere Studien nötig. Die Waschmaschine hält sicherlich noch viele mikrobiologische Überraschungen bereit“, so Egert. Wenn möglich, sollte also auch die Stallkleidung bei 60 °C gewaschen werden.

Erschienen ist die Studie in der Zeitschrift Microorganisms mit dem Titel „Influence of Sampling Site and other Environmental Factors on the Bacterial Community Composition of Domestic Washing Machines”.

Quelle: Hochschule Furtwangen/Der Hoftierarzt

Hülshorst Feinkost wird Fördermitglied der Initiative Tierwohl

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Die Initiative Tierwohl (ITW) gewinnt die Hülshorst Feinkost GmbH als neues Fördermitglied. Das Familienunternehmen aus Westfalen bietet Großverbrauchern aus Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung I.Q.F. gefrostete Fleisch-Convenience für die Betriebs- und Sozialverpflegung wie etwa Kantinen und Kindergärten. Seit Januar 2020 unterstützt Hülshorst Feinkost die ITW mit einem finanziellen Beitrag. Durch eine Fördermitgliedschaft können sich Unternehmen, die noch kein Fleisch aus ITW-Ställen beziehen können, für die Verbreitung von mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung engagieren.

„Fleisch ist Vertrauenssache. Als Familienunternehmen in dritter Generation sind wir uns der großen Verantwortung gegenüber unseren Kunden, den Mitarbeitern, der gesamten Region und den Tieren voll bewusst. Tierwohl spielt für nachhaltig hergestellte tiefgekühlte Lösungen an Fleisch-Convenience eine große Rolle. Sowohl für Kindergärten, Schulen und Seniorenheime als auch für Universitätsmensen und Betriebskantinen müssen Wege für den klassischen Markt – für das Wohl der Tiere – geschaffen werden. Dabei helfen wir gern!

Tiergerechte und faire Tierhaltung sind ein wesentlicher Baustein für die Landwirtschaft der Zukunft. Wir sind überzeugt, dass die Initiative Tierwohl hier den richtigen Ansatz verfolgt, indem sie auf eine breite Wirksamkeit abzielt und das Wohl der Tiere bereits in der Masse verbessert hat“, sagte Christoph Hülshorst, Geschäftsleiter der Hülshorst Feinkost GmbH.

„Mit Hülshorst Feinkost konnten wir einen Partner gewinnen, über den wir uns besonders freuen. Denn dieses Familienunternehmen beweist, dass das Thema Tierwohl für immer mehr Unternehmen – auch im Convenience-Bereich – ein relevantes Thema ist“, sagte Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Hülshorst Feinkost setzt mit dieser Fördermitgliedschaft ein Zeichen: Die Zeit ist reif, überall entlang der Wertschöpfungskette Fleisch Verantwortung zu übernehmen, und die Initiative Tierwohl bietet die Möglichkeit dies zu tun.“

Als Fördermitglied leisten Unternehmen einen Beitrag zu einer tiergerechteren und nachhaltigeren Fleischerzeugung. Die finanziellen Beiträge werden zur Förderung des Tierwohls in den Ställen der an der ITW teilnehmenden Landwirte, zur Erprobung innovativer Maßnahmen in der Haltung und zur Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Praxis eingesetzt. Unternehmen, die sich für eine Fördermitgliedschaft interessieren, können sich an die Geschäftsstelle der Initiative Tierwohl in Bonn wenden.

Initiative Tierwohl wächst: dean&david ist als erstes Gastro-Unternehmen dabei
Vorbild für andere Unternehmen der Gastronomie
Start der Umstellung im Sortiment von dean&david ist der 1. April 2020
dean&david bietet Gästen damit Geflügelfleisch, das mindestens die Kriterien der Initiative Tierwohl erfüllt

Die Initiative Tierwohl (ITW) vermeldet einen Durchbruch in der Gastronomiebranche. Ab dem 1. April 2020 wird dean&david, ein multinational aktives Münchner Gastronomieunternehmen für frisches, gesundes und hochwertiges Fast Food, als erstes großes Gastronomieunternehmen an der Initiative Tierwohl teilnehmen. dean&david will seinen Gästen somit ausschließlich Hähnchenfleisch von Landwirten anbieten, die ihre Tiere mindestens nach den Kriterien der Initiative Tierwohl halten. Das bedeutet, die Landwirte bieten ihren Tieren u.a. mehr Platz und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten an. Die Betriebe werden zweimal im Jahr überprüft.

„Wir engagieren uns in der Initiative Tierwohl, weil faire Tierhaltung ein wichtiges Thema für uns und viele unserer Gäste ist“, erklärt David Baumgartner, Gründer der dean&david Franchise GmbH. „Als das erste Unternehmen aus der Gastronomie in der Initiative Tierwohl wollen wir als Vorbild für viele weitere dienen. Bei Frische und Qualität machen wir keine Kompromisse. Und für uns gehört Tierwohl zur Qualität einfach dazu.“

„Wir freuen uns sehr, dass mit dean&david das erste Unternehmen der Gastronomie-Branche an der Initiative Tierwohl teilnimmt“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „dean&david beweist dadurch auch, dass die Gastronomie schon heute Verantwortung übernehmen und einen wichtigen Beitrag für mehr Tierwohl bewirken kann. Wir hoffen, dass bald weitere Gastronomieunternehmen diesem Beispiel folgen werden.“

dean&david wird ab dem 1. April 2020 für jedes verkaufte Kilogramm Hähnchenfleisch Geld in den Fonds der Initiative Tierwohl einzahlen. Zugleich werden die teilnehmenden Geflügelfleischvermarkter der Initiative Tierwohl dean&david Hähnchenfleisch liefern, das nachweislich von Tieren stammt, die nach den Kriterien der Initiative Tierwohl gehalten wurden.

Über dean&david
Mit dem Slogan „fresh to eat“ hat 2007 die Erfolgsgeschichte von dean&david in München begonnen. Die Mission: „kompromisslose Frische“ – dabei verarbeitet dean&david nur sorgfältig ausgewählte, frische und qualitativ hochwertige natürliche Zutaten, die frei von Geschmacksverstärkern sowie Konservierungs- und Farbstoffen sind. Kurz gesagt: gesundes, ehrliches, von Hand zubereitetes Essen!

Mittlerweile gibt es über 130 Standorte in Deutschland, der Schweiz, Österreich und in Luxemburg. Selbst in den Vereinigen Arabischen Emiraten können sich gesundheitsbewusste und trendige Städter über frisches, aber dennoch schnelles „Healthy Fast Food“ freuen.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Boehringer Ingelheim schreibt „BVDzero Case Awards“ 2020 aus

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Gesamtpreisgeld von 15.000 Euro für die relevantesten klinischen Fälle Bewerbungen ab jetzt über die BVDzero-Website

Boehringer Ingelheim, eines der führenden Unternehmen der Tiergesundheitsbranche weltweit, hat die „BVDzero Case Awards“ 2020 ausgeschrieben. Bewerbungen nimmt das Unternehmen ab sofort entgegen. Die alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung steht beispielhaft für das langfristige Engagement von Boehringer Ingelheim zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Nutztieren.

Das Unternehmen wählt aus allen Einreichungen die zehn relevantesten klinischen Fälle aus und vergibt ein Gesamtpreisgeld in Höhe von 15.000 Euro. Teilnahmeberechtigt sind alle im Bereich der Rinderbranche tätigen Personen. Die wesentlichen Fachgebiete umfassen unter anderem die Bereiche Forschung, Diagnostik, tierärztliche Praxis, Rinderzucht sowie Tiergesundheit und Tierwohl. Die Liste der Gewinner aus dem Jahr 2018 ist hier abrufbar.

Mithilfe der „BVDzero Case Awards“ verfolgt Boehringer Ingelheim das Ziel, die Suche sowohl nach klinischen als auch nach subklinischen Fällen von Bovine Virusdiarrhoe (BVD) in Rinderherden zu fördern. Das Unternehmen möchte so das Bewusstsein für BVD stärken und dadurch zu einer Reduzierung der Prävalenz beitragen. Bewerbungen sind bis zum 20. März 2020 möglich.

„BVD ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten bei Rindern“, erklärt Steve Williams, globaler Leiter des Strategischen Geschäftsbereichs Wiederkäuer/Rinder bei Boehringer Ingelheim. „BVD führt in der Rinderhaltung zu großem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden. Unser Ziel ist es, neue Wege zu gehen und weltweit einen Paradigmenwechsel bei der BVD-Kontrolle anzustoßen.”

Die Preisverleihung ist für die diesjährige BVDzero-Pressekonferenz im Mai 2020 geplant. Das BVDzero-Komitee, das sich aus namhaften externen Experten aus dem Gebiet der Rindergesundheit zusammensetzt, wird die Gewinner auswählen.

Weitergehende Informationen finden Sie auf der BVDzero-Website

Quelle: Boehringer Ingelheim

Kükentöten: Geflügelwirtschaft peilt im Schulterschluss mit Politik und Handel Ausstieg bis Ende 2021 an

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„Die deutsche Geflügelwirtschaft will einen ehrlichen, konkreten und an sachlichen Lö-sungen orientierten Weg für den möglichst schnellen Ausstieg aus dem Töten der Hahnenküken“ schreibt der Branchenverband ZDG in seiner neuesten Pressemeldung. Weiter heißt es: „Ein Ausstieg bis 2021/22 könnte unter größter Kraftanstrengung machbar sein, wenn sich alle Partner entlang der Erzeugungskette und die Politik zu einem ge-meinsamen Weg bekennen. Für dieses gesellschaftlich gewollte Ziel müssen alle Lö-sungsbeiträge genutzt und anerkannt werden – die Alternativen der Geschlechtserken-nung im Ei, die Aufzucht männlicher Tiere und die Nutzung von Zweinutzungsrassen. Hierzu strebt die deutsche Geflügelwirtschaft mit ihren Partnern aus dem Lebensmitte-leinzelhandel und den an der Forschung und Entwicklung beteiligten Unternehmen eine gemeinsame Branchenplattform an, um kükentötenfreie Lieferketten anbieten zu kön-nen.

„Nationales Gesetz würde lediglich den Anschein einer Lösung erwecken“
Am Rande der deutsch-französischen Konferenz zum Ausstieg aus dem Kükentöten heute im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bekräftigte Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG), die Position der deutschen Geflügelwirtschaft: „Das Töten der männlichen Eintagsküken ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Wir wollen einen echten Ausstieg so schnell wie möglich. Ein nationales Gesetz mit dem Verbot des Kükentötens in Deutschland würde aber ledig-lich den Anschein einer Lösung erwecken. Solange es keine wirklichen, praxistauglichen Alternativen zum Kükentöten gibt, müssten Bruteier aus dem Ausland importiert werden – und es würden genauso viele Küken getötet wie bisher.“ Ein rein nationales Gesetz würde daher eine nicht gewollte Verlagerung des Tierschutz-Problems ins Ausland be-deuten. Erforderlich ist stattdessen eine verbindliche europaweite Regelung.

Deutschland ist weltweit Vorreiter auf dem Weg zum Ausstieg aus dem Kükentöten
„Deutschland ist weltweit Vorreiter auf dem Weg zum Ausstieg aus dem Töten der Hah-nenküken. Auf allen Ebenen arbeiten wir entschlossen an einer schnellen Lösung“, ap-pelliert Ripke an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, den Lösungswillen der Wirtschaft im Schulterschluss mit dem Lebensmitteleinzelhandel und den an der prakti-schen Umsetzung beteiligten Unternehmen anzuerkennen. „Aber uns allen muss dabei klar sein: Es wird eine erhebliche Kraftanstrengung bedeuten.“

Quelle: ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.

Klauenkrankheit Tylom ist bei Kühen wesentlich genetisch bedingt

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Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Georg-August-Universität Göttingen ist der Nachweis gelungen, dass eine der Klauenkrankheiten von Kühen wesentlich genetisch bedingt ist. Die Interdigitale Hyperplasie wird bisher meist rein auf die Hygienebedingungen im Stall zurückgeführt. Das Team um Prof. Dr. Hermann Swalve stieß jedoch auf einen Betrieb, in dem die Krankheit gehäuft vorkam und identifizierte ein verantwortliches Gen. Mit gezielter Züchtung könnte die Krankheit nun eingedämmt werden.

„Das passt alles zusammen, so einen Fall haben wir ganz selten“, sagt Hermann Swalve, Professor für Tierzucht am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU. Um ein einziges Gen zu identifizieren, das eine Krankheit zu großen Teilen verantwortet, müssen viele Faktoren passen. Swalves Team gelang die Entdeckung, die jetzt in der Fachzeitschrift „Frontiers in Genetics“ veröffentlicht wurde, weil seine Arbeitsgruppe seit Jahren mit großen Datenbeständen von Kühen in Deutschland arbeitet. Dabei fiel ein Betrieb auf, in dem die Interdigitale Hyperplasie, auch Limax oder Tylom genannt, gehäuft auftrat. Unter der Krankheit leiden drei bis acht Prozent aller Kühe in Deutschland im Laufe ihres Lebens, meist jedoch in höherem Alter. Zwischen den beiden Zehen der Klaue von Rindern wächst dabei eine weitere, „verkümmerte“ Zehe heran, welche die eigentlichen Zehen auseinanderspreizt. „Es kommt zu Hautrissen, die wiederum Eintrittspforten für Bakterien und damit für weitere Erkrankungen bilden“, so Swalve. Die Tiere lahmen, die Lebensdauer wird verkürzt.

„Wir haben vorher schon Studien zur Genetik der Krankheit gemacht, hatten aber zu wenige betroffene Tiere, so dass eine statistische Absicherung schwierig war“, sagt Swalve. Für sie sei es also gewissermaßen ein Glücksfall gewesen, dass in einem Betrieb im Nordwesten Deutschlands fast 60 Prozent der Tiere darunter litten. Mit einer sogenannten Genomweiten Assoziierungsstudie wurden insgesamt 45.000 kleine DNA-Abschnitte, sogenannte SNPs, von gesunden und kranken Kühen verglichen. Dabei fielen zunächst zwei Stellen auf, die mit der Krankheit zusammenhängen könnten. Eine davon war das Gen für den Tyrosin-Kinase-Receptor 2 (ROR2). „Wir haben unsere Ergebnisse dann mit Studien aus der Humanmedizin verglichen und festgestellt, dass dieses Gen auch beim Menschen eine Rolle bei der Entstehung von Gliedmaßen spielt“, so Swalve. Den Beweis, dass das ROR2-Gen auch tatsächlich etwas mit der Entstehung der Erkrankung zu tun hat, lieferte im Anschluss das Team um Prof. Dr. Bertram Brenig von der Universität Göttingen. In seiner Arbeitsgruppe wurde der komplette Genabschnitt vergleichend sequenziert und festgestellt, dass eine Mutation bei den erkrankten Kühen zum Austausch einer Aminosäure führt. In weiteren Experimenten konnte Brenig außerdem nachweisen, dass der Fehler tatsächlich zu einer veränderten Proteinkonzentration führt. „Erst nachdem wir zeigen konnten, dass die Mutation die Genexpression beeinflusst, ließ sich der Zusammenhang mit der Erkrankung schlüssig erklären“, so Brenig.

Für Swalve ist es überraschend, dass der genetische Hintergrund der Erkrankung so lange außer Acht gelassen wurde – obwohl bereits 1952 der damals international anerkannte Veterinärmediziner Richard Götze aus Hannover einen fast ausschließlich genetischen Hintergrund für die Interdigitale Hyperplasie vermutete. In die Züchtung habe dies keinen Eingang gefunden. Erst mit der nun vorliegenden Studie werde die Vermutung Götzes bestätigt. Durch gezielte Züchtung könnte die Krankheit nun eingedämmt werden.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Veranstaltungstipp: Schweinehaltung im Wandel – Perspektiven für die Branche

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Zur ersten diesjährigen Veranstaltung der „Landwirte Akademie“ werden interessierte Schweinehalter an die Universität Vechta eingeladen. Die Veranstalter bieten am 18. Februar in Raum B1, Driverstraße 22 folgendes Programm an:

09:00
Eintreffen und Anmeldung

09:30
Begrüßung und Einführung
Dr. Johannes Wilking, Universität Vechta

Die Magen-Darm-Gesundheit beim Schwein
Prof. Dr. Josef Kamphues, TiHo Hannover

Lawsonia intracellularis – Der unsichtbare Feind
Dr. Robert Tabeling, MSD

Tiergesundheit Schweinehaltung am Scheideweg?
Christoph Hüsing, EGimOM

12:15
Pause mit Mittagsimbiss und Variodose-Eis

13:15
Was ist im Stall los? – Aus der Arbeit des Schweinegesundheitsdienstes
Dr. Hendrik Nienhoff, Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen

Kaffeepause

Modernes Nährstoffmanagement
Claus Wellmann & Henning Krämer, LBD Damme

Außenklimastall – Der Stall der Zukunft?
Lars Broer, LUFA Nordwest

Ca.16:30
Ende der Veranstaltung

WAS STECKT DAHINTER: LANDWIRTE-AKADEMIE Die Landwirte-Akademie ist der Arbeitstitel einer Fortbildungsreihe für Landwirte, organisiert von MSD Tiergesundheit und den regionalen landwirtschaftlichen Organisationen und Ausbildungsstätten bzw. Fakultäten. Die Idee ist, mit den Landwirten zu aktuellen Themen praktische Ansätze für ihre Arbeit zu diskutieren und eine Plattform für einen intensiven Erfahrungsaustausch mit den Beteiligten des regionalen landwirtschaftlichen Netzwerkes zu bieten.

Kostenfreie Anmeldung ist bis zum 14. Februar 2020 hier möglich.

Der Hoftierarzt eMag 6/19 zum Download bereit

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Neuer Stoffwechsel im Pansenmikrobiom entdeckt

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Kühe können sich an Nahrung mit unterschiedlichem Kochsalzgehalt anpassen. Wie sie das machen, war bislang ein Geheimnis. Jetzt haben Forscher der Goethe-Universität im Mikrobiom des Pansens ein Bakterium entdeckt, das den Salzgehalt mit einem neuen Typ von Zellatmung reguliert.

Die Kuh kann Gras nur mithilfe von Milliarden Mikroorganismen in ihrem Pansen verwerten. Ein ganzer Zoo von Bakterien, Archaeen und Protozoen arbeitet dort wie am Fließband: Zuerst spalten diese Einzeller die Cellulose, einen Vielfachzucker, auf. Andere Bakterien vergären die freigesetzten Zucker zu Fettsäuren, Alkoholen und Gasen wie Wasserstoff und Kohlendioxid. Schließlich verwandeln methanogene Archaeen diese beiden Gase zu Methan.

Eine durchschnittliche Kuh produziert etwa 110 Liter Methan pro Tag. Durch das Wiederkäuen entweicht es aus dem Maul, wird aber auch wieder mit Nahrungsbrei und vermischt. Dadurch kann der Kochsalzgehalt des Grasbreis stark schwanken (zwischen 60 – 800 milli-Mol Natriumchlorid (NaCl) pro Liter).

Wie sich die Bakterien des Pansens an diese stark schwankenden Kochsalzkonzentrationen anpassen, hat eine deutsch-amerikanische Forschergruppe jetzt herausgefunden: „Bioinformatische Analysen der Genome von Pansenbakterien führten unseren amerikanischen Kollegen Tim Hackmann zu der Vermutung, dass einige Pansenbakterien zwei unterschiedliche Atmungsketten haben. Eine davon funktioniert mit Natriumionen, die andere ohne“, erklärt Prof. Volker Müller von der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik an der Goethe-Universität. Müller schlug seiner Doktorandin Marie Schölmerich deshalb vor, einen typischen Vertreter im Mikrobiom von Wiederkäuen zu untersuchen: das Bakterium Pseudobutyrivibrio ruminis.

Marie Schölmerich hat zusammen mit der Bachelorstudentin Judith Dönig und dem Masterstudenten Alexander Katsyv das Bakterium kultiviert. Tatsächlich konnten sie beide Atmungsketten nachweisen. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) berichten, wird während der Zuckeroxidation der Elektronenüberträger Ferredoxin (Fd) reduziert. Reduziertes Ferredoxin treibt beide Atmungsketten an.

Die eine Atmungskette besteht aus dem Enzymkomplex Fd:NAD-Oxidoreduktase (Rnf- Komplex). Er transportiert Natriumionen unter Aufwendung von Energie aus der Zelle. Bei ihrem Wiedereintritt treiben die Natriumionen eine ATP-Synthase an, so dass ATP entsteht. Diese Atmungskette arbeitet nur in Gegenwart von Natrium-Ionen.

Fehlen Natrium-Ionen, bildet das Bakterium eine alternative Atmungskette mit einem anderen Enzymkomplex: Die Hydrogenase Fd:H+-Oxidoreduktase produziert Wasserstoff und pumpt Protonen aus der Zelle. Treten diese über eine zweite ATP-Synthase, die Protonen, aber keine Natriumionen akzeptiert, wieder in die Zelle ein, entsteht ebenfalls ATP.

„Bis heute ist dies das erste Bakterium, bei dem diese beiden einfachen, komplett unterschiedlichen Atmungsketten nachgewiesen wurden. Unsere bioinformatischen Analysen legen aber nahe, dass sie auch bei anderen Bakterien zu finden sind“, erklärt Marie Schölmerich. „Diese Anpassungsstrategie scheint also weiter verbreitet zu sein“, lautet ihre Vermutung.

Interessanterweise wurden die beiden Enzymkomplexe (Rnf-und Ech-Komplex) auch in evolutionsbiologisch alten Bakterien gefunden. Die Arbeitsgruppe von Prof. Müller hat sie eingehend untersucht, aber immer nur einen der beiden Enzymkomplexe gefunden, nie beide zusammen. „Jetzt werden wir mit Methoden der synthetischen Mikrobiologie Hybride von Bakterien herstellen, die beide Komplexe enthalten, um diese für biotechnologische Prozesse zu optimieren. Dadurch kann man den zellulären ATP-Gehalt erhöhen. Dann lassen sich wertvollere Produkte herstellen“, erklärt Prof. Müller. Geplant ist, die Atmungsketten einzusetzen, um durch die Fermentation von Synthesegasen Wertstoffe zu gewinnen. Dies ist Gegenstand der Untersuchungen in einem BMBF-geförderten Projekt.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main

Frohes Fest!

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Die Ausgabe 6/2019 des E-Magazins erscheint gleich nach den Feiertagen. Jetzt kostenfrei anmelden – Download-Link folgt auzomatisch.

Afrikanische Schweinepest: BMEL im engen Austausch mit Bundesländern und polnischen Behörden

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Anfang Dezember haben die polnischen Behörden erstmals einen Fall von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen gemeldet, der nur noch rund 40 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt war. In dieser Woche wurde in Polen ein weiterer Fall in ähnlicher Distanz zur deutschen Grenze gemeldet.

Mit Blick auf das aktuelle Ausbreitungsgeschehen der Tierseuche hat sich unser Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens mit einem Schreiben an die zuständigen Staatssekretärinnen und Staatssekretäre in den Bundesländern gewandt. Er appelliert darin an seine Amtskolleginnen und -kollegen, bei den Maßnahmen zur Prävention der Tierseuche nicht nachzulassen und die notwendigen Vorbereitungen für den Fall eines ASP-Ausbruchs in Deutschland zu treffen.

Unser Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) steht seit langem und kontinuierlich im Kontakt mit den Bundesländern und den zuständigen polnischen Behörden: So fand zuletzt am 5. Dezember 2020 ein Austausch mit den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen statt, die an das Ausbruchsgebiet in Polen angrenzen.

Am 13. Dezember folgte ein deutsch-polnisches Treffen auf Ebene der Amtsveterinäre. Ziel des Austausches zwischen Polen und Deutschland ist es, ein Übereinkommen zur technischen Koordination der ASP-Prävention, Bekämpfung und Tilgung zu treffen.

Vereinbart wurden die folgenden Punkte:
Auf beiden Seiten der Grenze werden Risikozonen von mindestens 8 bis 15 Kilometer eingerichtet, in denen die Jagd so ausgeübt werden sollte, dass dadurch keine Intensivierung der Wildschweinbewegungen herbeigeführt wird (geeignet wären z.B. Fallenjagd oder Ansitzjagd).

Der Austausch von Daten zwischen dem Friedrich Loeffler Institut – Bundesinstitut für Tiergesundheit und dem Nationalen Veterinärinstitut in Pulawy wird intensiviert.

Aspekte einer gemeinsamen Jagdstrategie auf beiden Seiten der Grenze wurden diskutiert. Diese sollen unter Berücksichtigung der nationalen Rechtsvorgaben und Bedingungen weiter ausgearbeitet werden.

Die Arbeitsgruppe empfiehlt, dass die Jagdorganisationen beider Länder beim Wildschweinmanagement in den Risikogebieten noch stärker zusammenarbeiten.
Das nächste Treffen wird im Januar 2020 in Warschau stattfinden, dann auf Ebene der Chef-Veterinäre (CVOs – Chief Veterinary Officers) beider Länder.

Ausführliche Informationen zu Präventionsmaßnahmen, zur Informations- und Aufklärungskampagne des BMEL und zur Vorbereitung auf den Ernstfall finden Sie in unserem Online-Dossier

Quelle: BMEL