Einheitliche Haltungskennzeichnung für Fleisch jetzt im Handel

Lebensmittelhandel startet mit einheitlicher Kennzeichnung ab 1. April 2019
Verbraucher erkennen jetzt sehr schnell das Tierwohl-Niveau der Produkte
Einführung des einheitlichen vierstufigen Systems

Ab heute finden Verbraucher die einheitliche Fleisch-Kennzeichnung „Haltungsform“ in den Märkten der in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Lebensmitteleinzelhändler (LEH). Beginnend im April führen die Unternehmen schrittweise die Kennzeichnung ein. Sie ordnet bestehende Qualitätssicherungs-, Tierwohl- und Bioprogramme für Schweine, Rinder und Geflügel nach einem für alle Teilnehmer gültigen Anforderungskatalog in einem vierstufigen System ein. Die Verbraucher können dadurch sehr schnell erkennen, wie das Tierwohl-Niveau der Tierhaltung ist, aus der das konkrete Produkt stammt. Die Organisation der Kennzeichnung erfolgt über die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH. Diese ist auch Trägerin der Initiative Tierwohl.

Mit der „Haltungsform“ etabliert der Handel jetzt eine einheitliche, unternehmensübergreifende Haltungskennzeichnung und kommt dem Verbraucherwunsch nach mehr Erkennbarkeit und Transparenz nach. Die Kennzeichnung „Haltungsform“ ist so konzipiert, dass sie grundsätzlich vereinbar ist mit der geplanten staatlichen Tierwohlkennzeichnung.

Das neu geschaffene Kennzeichen der „Haltungsform“ markiert in einem vierstufigen System jeweils, nach welcher Haltungsform die Tiere gehalten wurden. Die 1. Stufe „Stallhaltung“ entspricht dabei den gesetzlichen Anforderungen bzw. dem QS- oder einem vergleichbaren Standard. Fleisch, das mit Stufe 2 „Stallhaltung plus“ gekennzeichnet ist, muss darüber hinaus aus einer Haltung mit höheren Tierwohlstandards wie etwa mindestens 10 Prozent mehr Platz im Stall und zusätzlichem Beschäftigungsmaterial stammen. Stufe 3 „Außenklima“ fordert für die Tiere unter anderem noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt. Bei Stufe 4 „Premium“ haben die Tiere noch mehr Platz und müssen Auslaufmöglichkeiten haben. So wird z. B. Biofleisch in diese Stufe eingeordnet.

Die Kennzeichnung werden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE finden. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Liegen, sitzen oder stehen: Die Größe der Tiere bestimmt die Ruheposition

Kühe liegen immer in Brustlage, um ihre Verdauungsvorgänge nicht zu unterbrechen. Nagetiere ruhen sich auch sitzend aus, Riesenkängurus auch manchmal auf dem Rücken. Ein Team der UZH hat die Ruhepositionen von Säugetieren untersucht. Je größer ein Tier, desto seltener legt es sich hin – und wenn doch, dann eher auf die Seite. Aber es gibt Ausnahmen.

Warum sieht man Kühe auf der Weide nie auf der Seite liegen? Bei Wiederkäuern wie Kühen, Schafen, Antilopen, Hirschen oder Giraffen werden im Magen die Futteranteile, die noch einmal gekaut werden sollen, anhand der Schwerkraft aussortiert. Damit dies jederzeit reibungslos funktioniert, muss der Magen im Stehen wie im Liegen die gleiche Position zur Schwerkraft haben. Das ist der Grund, warum Kühe immer in Brustlage ruhen und sich so gut wie nie auf die Seite legen. Daher wird vermutet, dass sich Tiere, die nicht auf die gleiche Art verdauen, eher auf die Seite legen können. Um den Zusammenhang von Verdauungssystem und Ruheposition genauer zu untersuchen, beobachteten Forschende der Universität Zürich 250 Säugetiere in Zoos in mehr als 30’000 Ruhephasen.

Große Tiere ruhen im Stehen oder auf der Seite
Sie fanden heraus, dass ihre Vermutung nicht ganz stimmte: Neben anderen Faktoren beeinflusst die Körpergröße die Ruheposition der Tiere mehr als der Verdauungstyp. Kleine Tiere mit kurzen Beinen verweilen viel in Brustlage – ihre Körperform ist dafür ideal. So zum Beispiel die Klippschliefer aus Afrika, die an Meerschweinchen erinnern. „Je kürzer der Abstand der Körpermitte zum Boden ist, desto eher legen sich die Tiere hin“, sagt Prof. Marcus Clauss von der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der UZH. Je größer die Tiere sind, desto häufiger legen sie sich ganz auf die Seite, was bei massigen Tieren bequemer für die Beine ist.

Aber es gibt Ausnahmen: Große Tiere ruhen auch im Stehen. Pferde tun dies viel häufiger als ihre nächsten Verwandten, die Tapire oder Nashörner. Dabei „fixieren“ sie jeweils im Stand mit ihrer Kniescheibe eines ihrer Hinterbeine, ohne dafür die Muskeln anspannen zu müssen. Kamele wie Lamas oder Dromedare würgen wie die Wiederkäuer einen Teil des Mageninhalts wieder hoch; anders als die Kühe können sie sich jedoch manchmal auf die Seite legen und ihren Verdauungsmechanismus kurzzeitig unterbrechen.

Elefanten liegen auf der Seite
Von allen Pflanzenfressern liegen die Elefanten am häufigsten in Seitenlage. Werden sie jedoch älter und können nicht mehr so gut aufstehen, meiden sie das Ablegen. „Darum ist es wichtig, Elefanten im Zoo Hügel aus Sand zur Verfügung zu stellen. Wenn sie leicht schräg liegen, kommen auch alte Tiere viel leichter wieder hoch“, erklärt Christian Schiffmann, der Elefanten-Spezialist im Team der Forschenden. Haben die Tiere diese Möglichkeit nicht, lehnen sie sich vermehrt an Wänden, Pfosten oder Baumstämme an.

Flusspferde dagegen scheinen bis ins hohe Alter beweglich zu sein und legen sich auf die Seite. Nagetiere machen auch gerne einmal sitzend eine Pause. Als einzige untersuchte Tierart ruhen sich Riesenkängurus auch manchmal auf dem Rücken aus.

Quelle: Universität Zürich

ATB-Ausgründung Melk-FEE will für mehr Kuhwohl sorgen

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Im Fokus der Unternehmensgründung Melk-FEE GmbH von ATB-WissenschaftlerInnen steht das Wohlbefinden von Milchkühen durch Forschung, Entwicklung, Erprobung und Beratung im Bereich der Milchgewinnung. Mit der ATB-Ausgründung wird die in langjähriger Forschung erworbene wissenschaftliche Melkkompetenz des Instituts in neuer Form in der Praxis verankert.

Die Melk-FEE GmbH adressiert mit ihrem Leistungsangebot einen wachsenden Markt, denn die gesellschaftlichen Forderungen nach einer Verbesserung des Tierschutzes und des Tierwohls in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung nehmen stetig zu. Dies gilt auch im Hinblick auf die Verfahren der Milchgewinnung. Beim maschinellen Melken kommt eine Milchkuh mindestens zweimal täglich intensiv mit der Technik in Kontakt. Ist das Melksystem nicht bestmöglich an die Physiologie des Tieres angepasst, kann die Zitze Schaden nehmen und das Wohlbefinden der Kuh leiden. Die Schnittstelle zwischen tierischem Gewebe und Technik ist der Zitzengummi des Melkzeugs.

Motiviert durch das in ihrer Promotion am ATB erworbene Wissen wird Dr. Susanne Demba mit ihrem Gründerteam unter anderem eine neue Methode der Zitzengummiprüfung zur Marktreife weiterentwickeln. Mit Hilfe einer Druckmessfolie und eines in vitro Eutermodells können Zitzengummis hinsichtlich ihrer Druckwirkung auf die Zitze getestet werden, ohne dass Tierversuche notwendig sind. Diese bisher einzigartige Methode wird es Herstellern künftig ermöglichen, die Zitzengummis bestmöglich an die Zitzen der Milchkühe anzupassen, bevor sie in den Markt eingeführt werden.

Darüber hinaus wird das Unternehmen softwareunterstützte Beratungsangebote für Landwirte entwickeln, um Schwachstellen in Haltung und Management in Milchviehbetrieben zu analysieren und Maßnahmen zu erarbeiten, die helfen, das Tierwohl in der Milchviehhaltung ganzheitlich zu verbessern. Ergänzt wird das Produktportfolio um die Zertifizierung von Milchmengenmessgeräten nach Richtlinien des International Committee for Animal Recording (ICAR). Melktechnikhersteller können mit Hilfe der Zertifizierung den Marktwert ihrer Milchmengenmessgeräte erhöhen.

Das Gründerteam besteht aus den AgrarwissenschaftlerInnen Dr. Susanne Demba, Prof. Dr. Reiner Brunsch, ATB, Prof. Dr. Sandra Rose von der Hochschule Neubrandenburg, und der Juristin Johanna Siegmund. Zusammen verfügen sie über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Milchgewinnung und Melktechnik.

Seit Ende 2018 wird dieses langjährige Forschungsgebiet am ATB nicht mehr weitergeführt. „Das ATB begrüßt, dass die institutionell aufgebauten Kompetenzen mit der Gründung in privatwirtschaftliches Engagement überführt werden können“, so Prof. Brunsch, der das junge Unternehmen als Mentor begleiten wird. „Wir freuen uns auch, dass Melk-FEE GmbH die ICAR-Zertifizierungen vom ATB übernimmt. Damit bleibt eines von weltweit nur drei Testcentern in der Region verankert und kann auch künftig als Anlaufstelle für Hersteller und Kontrollverbände auf Länderebene wie auch international fungieren“.

Dr. Susanne Demba geht die neuen Herausforderungen mit Begeisterung und Elan an: „Ich freue mich besonders auf die enge Zusammenarbeit mit Landwirten und Herstellern, die sich über das Konzept der Melk-FEE GmbH entwickeln wird, und natürlich auch darauf, den Bürostuhl häufiger gegen Gummistiefel eintauschen zu können.“

Melk-FEE GmbH wird ab 1. April 2019 für die Dauer von einem Jahr mit einem EXIST-Gründerstipendium gefördert. Die Gründer erhalten damit die Möglichkeit, das Geschäftsmodell weiter zu entwickeln, Laborkapazitäten und Infrastruktur des ATB zu nutzen, um Methoden vor deren Markteinführung weiter zu optimieren, sowie um einen Kundenstamm aufzubauen. Bereits bei der Antragstellung unterstützte das EXIST-Gründungsnetzwerk Leibniz-Transfer das Team und wird das Vorhaben auch über den gesamten Gründungsprozess in betriebswirtschaftlicher Hinsicht begleiten.

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert. Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, AbsolventInnen und WissenschaftlerInnen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Bei den Gründungsvorhaben handelt es sich um innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten.

Quelle: Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

100 Jahre Tierärzteverband

Gestern feierte der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) mit rund 300 nationalen und internationalen Gästen aus Tierärzteschaft, Politik und Wirtschaft im historischen Kaisersaal des Frankfurter Römers sein 100-jähriges Bestehen. Bürgermeister Uwe Becker hieß die Gäste willkommen und überbrachte die Grüße der Stadt Frankfurt. Er zeigte sich erfreut, dass der bpt in Frankfurt ansässig ist und auch künftig bleiben wird. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz nahmen das Jubiläum zum Anlass, das Engagement des Verbands zu würdigen und aktuelle Herausforderungen anzusprechen. Schauspieler und Kabarettist Michael Quast unterhielt die Gäste mit einem launigen Rückblick auf 100 Jahre tierärztliche Tätigkeit.

„Schwierige Zeiten waren das damals 1919 für unsere Praktikerkollegen, aber ich glaube, Felix Train, der Gründungsvater des Reichsverbands Praktischer Tierärzte (RPT), wäre auf seinen Nachfolgerverband, unseren heutigen Bundesverband, stolz“, hob bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder in seiner Ansprache hervor. Die Gründung des RPT habe schließlich entscheidend dazu beigetragen, dass Nutztier- und Kleintiermedizin heute Wachstumsmärkte mit guten Zukunftsperspektiven seien und der Tierarzt der mit Abstand am besten ausgebildete Akteur in der Lebensmittelkette.

„Lebensmittel in Deutschland sind heute so sicher und Tiere so gesund wie niemals zuvor. Auch der Tierschutz hatte noch nie einen so hohen Stellenwert wie heute. Das ist zu großen Teilen der Arbeit der praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte und damit auch den Bemühungen unseres Verbands zu verdanken“, so Moder. Mit Blick auf den Tierschutz mache er sich allerdings Sorgen. Ganz akut stünde nämlich die flächendeckende tierärztliche Notdienstversorgung von Nutz- und Kleintieren auf der Kippe. Das starre Arbeitszeitgesetzes trage Schuld daran, dass massenhaft tierärztliche Kliniken den 24/7-Notdienst aufgäben, ganz zu schweigen vom langsamen und oft lautlosen Sterben der Landtierarztpraxen. Mit rasender Geschwindigkeit werde gerade eine über einhundert Jahre gewachsene und bewährte Struktur zerstört. Dagegen müsse dringend etwas unternommen werden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner griff das Thema in ihrer Festrede auf und sicherte ihre Unterstützung bei der Problemlösung zu. Am Beispiel der Haltung von Pferden als Nutztiere im landwirtschaftlichen Betrieb in den 1950er Jahren und deren Verdrängung durch die Mechanisierung zeigte die Ministerin auf, wie sich das Berufsbild der Tierärzte verändert hat. „Hunde und Katzen wurden mehr und mehr zu Familienmitgliedern, denen dann auch eine intensive tiermedizinische Betreuung zuteilwurde. Dieser Trend hat bis heute angehalten. Die Kleintiermedizin ist zur wichtigsten Säule Ihres Berufsstandes geworden“, erläuterte Klöckner. Gleichzeitig richtete sie ihren Blick auf die Zukunft tierärztlicher Tätigkeit: „Die zunehmende Digitalisierung im Stall wird auch für den Tierarzt direkte Auswirkungen haben. Neue Diagnostikmethoden zur Erfassung von Gesundheitsparametern als frühzeitiger Indikator von Krankheiten werden zur Verfügung stehen und damit wird ein frühes tiermedizinisches Eingreifen wahrscheinlicher. Prophylaxe statt Therapie könnte Wirklichkeit werden.“ Die Bundesministerin dankte dem Verband ausdrücklich für die vertrauensvolle, sehr fachliche und belastbare Zusammenarbeit mit ihrem Ministerium.

Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz dankte den Verbandsmitgliedern für ihren Einsatz und ihr Engagement: „Tierärztinnen und Tierärzte leisten mit ihrer täglichen Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung und zum Wohlergehen der Tiere. Der bpt ist seit Ende 2018 außerdem Mitglied am Runden Tisch Tierwohl in Hessen, um gemeinsam mit landwirtschaftlichen Verbänden, Tierschutzorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus der Wissenschaft und der Verwaltung, die Bedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere in Hessen zu verbessern. Beim Runden Tisch konnten wir beispielsweise eine bundesweit einmalige Selbstverpflichtung für weniger Antibiotika bei Milchkühen vereinbaren. Darüber hinaus engagiert sich der Verband im Stiftungsrat der Tierschutzstiftung zur Förderung von Tierheimen. Hierfür spreche ich Ihnen heute meinen besonderen Dank aus!“

Ein besonderes Highlight bot der Rückblick von Schauspieler und Kabarettist Michael Quast auf 100 Jahre tierärztliche Tätigkeit. Im Gewand des Prof. Dr. J. Ruffus referierte Quast zum Thema „Von der Oeconomia ruralis zum Kompetenzkreis Tierwohl – Tierärztliche Praxis im Wandel der Zeiten“ und erntete damit tosenden Applaus: „Dinosaurier sind nie zum Tierarzt gegangen. Und was war die Folge? Tatsächlich musste das Tierreich mehrere hundert Millionen Jahre ohne Ihre Fürsorge zurechtkommen – mit teilweise verheerenden Konsequenzen.“

Konsequenzen, die Verbandspräsident Moder mit Blick auf die aktuellen Probleme nicht wiederholt wissen möchte.

Quelle: Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.

Imkertipp: Der Kleine Beutenkäfer

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Momentan ist noch Winter, die Temperaturen endlich kalt genug, so dass die Bienen in ihrer Wintertraube sitzen und das Brüten eingestellt haben. Jetzt ist nichts weiter zu tun, als per Wiegekontrolle dafür zu sorgen, dass die Bienen genug Futter haben, und die Imkerutensilien können für die kommende Saison vorbereitet werden. Zeit also, sich fortzubilden: ein aktuelles Thema ist der Kleine Beutenkäfer. Dieser kleine Käfer gilt als die gefährlichste parasitäre Bedrohung der Honigbiene seit Entdeckung der Varroamilbe. Und zwar deshalb, weil er seine Eier direkt in die Bienenbrut legt, die nach 3 Tagen schlüpfenden Larven fressen dann die Brut, den Honig und die Pollen. Nach 10 bis 28 Tagen ist die Larve ausgewachsen und wird eine sogenannte Wanderlarve. In diesem Stadium verlässt sie den Bienenstock, gräbt sich tief in die Erde ein und verpuppt sich dort zum Käfer. Eine Woche später sind diese Käfer wieder geschlechtsreif und die Invasion des Bienenstocks geht erneut los. Das Larvenstadium kann große Schäden im Bienenstock hervorrufen, besonders wenn es zu einer Massenvermehrung kommt.

Ein Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer wird meist zuerst daran sichtbar, dass entweder ein adulter Käfer im Bienenstock gesichtet wird, oder aber dass bei starkem Befall der Wabeninhalt faulig wird und, wenn es Honigwaben betrifft, sich verflüssigt und außen an der Beute hinabläuft. Ein Verdacht auf den Kleinen Beutenkäfer ist gegenüber den örtlichen Veterinärbehörden anzeigepflichtig. Diese suchen dann die betroffenen und umliegenden Bienenstöcke auf und überprüfen den Verdacht mittels Proben, die an ein Labor geschickt werden. Bis zu endgültigen Bewertung unterliegen die Bienenvölker sowie die Imkerutensilien einer Sperre, sie dürfen nicht vom Standort entfernt werden bzw. es dürfen keine neuen Bienen an den Standort gelangen.

Eine Ausrottung des Kleinen Beutenkäfers erscheint nur dann möglich, wenn der Befall frühzeitig entdeckt wurde. Es wird ein Sperrbezirk von etwa 10 km Radius um den betroffenen Bienenstand eingerichtet. Sämtliche Bienenvölker im Sperrbezirk müssen aufgesucht und untersucht werden. Am betroffenen Bienenstand müssen die Bienenvölker abgetötet und unschädlich beseitig werden. Vor dieser Maßnahme werden sogenannte Sentinel-Völker mit effektiven Beutenkäfer-Fallen an den Standort gebracht, die alle zurückbleibenden Beutenkäfer anlocken sollen. Diese Völker werden dann über einen längeren Zeitraum auf Beutenkäferbefall beobachtet. Der Boden rund um die Beuten muss ebenfalls behandelt werden, weil sich dort Puppenstadien befinden können. Insektizide sind umweltschädlich, daher könnte die Abtragung des Bodens um ca. 50 cm mit anschließender Kälte- oder Hitzebehandlung eine Lösung sein.

Der Kleine Beutenkäfer stammt ursprünglich aus Afrika. Da er sehr invasiv ist, wurde er seit seiner ersten Entdeckung außerhalb Afrikas 1996 in den USA stetig weiterverbreitet. Heute hat er alle Kontinente bis auf die Antarktis erreicht und ist in vielen Ländern präsent. In Europa wurde er zuerst 2014 in Italien entdeckt, wo er bis heute nicht ausgerottet werden konnte. Durch Wanderimkerei und den Handel mit Bienenvölkern und Königinnen innerhalb Europas besteht jederzeit die Gefahr, den Kleinen Beutenkäfer auch nach Deutschland zu verschleppen. Es ist daher eigentlich keine gute imkerliche Praxis, Bienenvölker aus anderen Ländern zu kaufen, den der vermeintlich günstige Preis kann am Ende schlimme Folgen haben.

Quelle: Der Kleine Beutenkäfer: Vorgehensweise bei einer Einschleppung: Marc Oliver Schäfer. Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 3, 2018, S. 166-169.


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„Memorandum of Understanding“: Wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Marktöffnung Chinas für Geflügelfleisch

Die intensiven Bemühungen des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) um eine Öffnung des chinesischen Marktes für Geflügel-fleisch und Geflügelgenetik aus Deutschland tragen Früchte. Aktuell ist eine zehnköpfige chinesische Wirtschaftsdelegation mit Vertretern der „Chinese Broiler Alliance“ (CBA) zu Gast in Deutschland, um sich vor Ort über die hohen Standards der deutschen Geflü-gelfleischerzeuger bei den Themen Antibiotikareduzierung, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit zu informieren. Höhepunkt des Delegationsbesuchs: Im Beisein des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel haben ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke und Yin Chengwen als Vertreter der chinesischen Seite am Montagabend im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein „Memorandum of Under-standing“ unterzeichnet. „Diese bilaterale Vereinbarung wird getragen von Partner-schaft und Vertrauen und ist damit eine hervorragende Grundlage für eine in Zukunft noch engere Zusammenarbeit“, betont Ripke die Bedeutung des Memorandums. Das angestrebte Veterinärabkommen zwischen Deutschland und China als Voraussetzung für eine Marktöffnung für Geflügelfleisch und Geflügelgenetik rückt mit diesem Bekenntnis zu einer künftigen Kooperation noch einmal deutlich näher. In diesem Zusammenhang dankt Ripke ausdrücklich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihrem Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel für ihre tatkräftige Unterstützung auf dem langen Weg zu einem Veterinärabkommen. So werden Spitzenvertreter der deutschen Geflügelwirtschaft Staatssekretär Fuchtel bei seiner anstehenden Reise Ende April nach China begleiten.

„Intensiver fachlicher Austausch ist für beide Seiten ein Gewinn“
In den vergangenen Jahren hat der ZDG kontinuierlich einen intensiven fachlichen Aus-tausch mit den zuständigen chinesischen Wirtschaftsverbänden gepflegt, konkret mit der „Chinese Broiler Alliance“ (CBA) mit Präsident Li Jinghui an der Spitze. „Dieser regelmäßige Austausch ist für beide Seiten ein Gewinn“, betont ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. „CBA und ZDG können mit vereinten Kräften und ihrem einmaligen Unternehmer- und Expertenpool gemeinsam entscheidenden Einfluss nehmen auf innovative und nachhaltige Entwicklungen zwischen ihren Regierungen und in der Welt. Antibio-tikareduzierung, Tierschutz, Lebensmittelsicherheit und der weltweite Kampf gegen die Geflügelpest sind hier wichtige Beispiele.“ Bei ihrem jetzigen Besuch haben die chinesischen Wirtschaftsvertreter unter anderem einen modernen Hähnchenmastbetrieb besucht und im Gespräch mit Spitzenvertretern der Unternehmen der deutschen Schlachtgeflügelwirtschaft den Austausch zu aktuellen Themen gesucht. Begleitet wurde der Besuch von Shen Liping, einer hochrangigen Vertreterin der Wirtschafts- und Handelsabteilung der chinesischen Botschaft in Deutschland.

Export von Hähnchenfüßen würde Lebensmittelverschwendung entgegenwirken
Das angestrebte Veterinärabkommen zwischen Deutschland und China würde den Weg Richtung Export öffnen und wäre so ein wichtiger Beitrag zur Zukunftssicherung und Nachhaltigkeit der innovativen deutschen Geflügelwirtschaft. Anders als die Mitteleuropäer essen die chinesischen Verbraucher nämlich vom Hähnchen auch die Flügel und Füße, die hier in Deutschland keine Nachfrage finden und zu Tiermehl verarbeitet werden müssen. „Das ist nichts anderes als Lebensmittelverschwendung, die wir nicht weiter verantworten wollen – auch vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung nachhaltig und langfristig zu sichern“, erklärt Ripke. In diesem Zusammenhang kommt auch der kontinuierlichen Pflege der deutsch-chinesischen Partnerschaft durch die Bundesregierung in Fragen der Ernährungswirtschaft zukunftsweisende und friedenssichernde Bedeutung zu. „Dabei sagen wir als ZDG der Bundesministerin unsere volle Unterstützung zu“, so Ripke.

Quelle: ZDG

Kalkstickstoff zur Weidehygiene und Düngung

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Gesunde Wiesen und Weiden sind die Grundvoraussetzung für leistungsstarke Viehbestände. Häufig beeinträchtigen aber Weideparasiten wie Leberegel, Magen-, Darm- oder Lungenwürmer die Gesundheit der Tiere. Bereits leichte Infektionen mit solchen Weideparasiten führen zu spürbaren Leistungsminderungen. Daher sollten Rinder, Pferde und Schafe, die auf die Weide dürfen, regelmäßig medikamentös entwurmt werden.

Um einer raschen Wiederinfektion der Tiere vorzubeugen, empfehlen Experten das Düngen der Weiden mit Kalkstickstoff als weidehygienische Maßnahme. Nach dem Ausstreuen setzt sich Kalkstickstoff unter dem Einfluss von Bodenfeuchtigkeit über mehrere Zwischenstufen in düngenden Kalk und pflanzenverfügbaren Ammonium-Stickstoff um. In der ersten Teilreaktion wird Kalkstickstoff zu Kalk und Cyanamid umgewandelt. Das Zwischenprodukt Cyanamid wird weiter über Harnstoff vollständig in pflanzenverfügbares Ammonium umgewandelt. Die nach dem Ausstreuen des Düngers einsetzende Reaktionsphase ist für die Eier und Larven vieler Weideparasiten sowie die Zwergschlammschnecke, den Zwischenwirt des Leberegels, nicht verträglich. Auf diese Weise hilft die Düngung der Weiden mit Kalkstickstoff, die Verseuchung des Grünlands mit Parasitenlarven zu reduzieren. Falls nichts gegen die Parasiten unternommen wird, kommt es zu einer Anreicherung der Brut im Boden und einer steigenden Ansteckungsgefahr für die Weidetiere.

Daneben sorgt Kalkstickstoff für eine optimale Zusammensetzung des Grasbestandes aus Ober- und Untergräsern, Klee und Futterkräutern und erhöht damit den Futterwert des Pflanzenbestandes.

Die Anwendung erfolgt bei Vegetationsbeginn im Frühjahr zur Zeit der Forsythienblüte in einer Menge von 300 – 400 kg/ha. Die Grasnarbe sollte trocken, der Boden hingegen feucht sein, denn eine Umsetzung des Kalkstickstoffs zu Harnstoff bzw. Ammonium findet nur unter feuchten Bedingungen statt. Vor der Beweidung ist die Wartezeit einzuhalten. Faustregel für die Wartezeit: 2 – 3 Tage pro 100 kg/ha, oder aber auch zu erkennen am Wiederergrünen des Grases, wenn die Düngewirkung des Kalkstickstoffs einsetzt. Wenn auch nach der Wartezeit noch Reste des Düngers auf der Bodenoberfläche zu finden sind, ist das kein Grund zur Beunruhigung: Hierbei handelt es sich um das stabile aber unbedenkliche Kalk-Kohlenstoffgerüst der Düngerkörnchen.

Quelle: Dr. Hans-Jürgen Klasse


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Circovirus: PCV2-Untertypen fachen Diskussion an

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Trotz gut wirksamer Impfstoffe und deren breitem Einsatz ist die Infektion mit dem Circovirus (PCV) immer wieder ein Thema. In Deutschland trat das Virus 1999 erstmals auf. Schon bald waren fast alle Schweinebestände von der Erkrankung betroffen: Zuerst in der Aufzucht, später dann hauptsächlich in der Mast. Mit der Impfung der Ferkel gegen das Circovirus, welche sich gut etabliert hat und mittlerweile auch als Kombivakzine angeboten wird, sowie ggf. der Impfung von Jungsauen und tragenden und säugenden Sauen kann der Erkrankung vorgebeugt werden.

In letzter Zeit herrscht allerdings eine kontroverse Diskussion darüber, ob die handelsüblichen Impfstoffe noch gut wirken, da mittlerweile verschiedene PCV-Untertypen bekannt sind und auch schon in Deutschland nachgewiesen wurden. Praktiker berichten davon, dass sie trotz Impfung wieder Probleme mit kümmernden Schweinen im Flatdeck bekommen. Immer noch ist der Typ 2 das Schweine krankmachende Circovirus, Typ 1 ist unproblematisch für Schweine. Das PCV2-Virus unterteilt sich in die Untertypen PCV2a, PCV2b und PCV2d. Die älteste bekannte Variante ist PCV2a. Auf diesen Stamm sind die meisten Impfstoffe aufgebaut. Etwa 2003 war PCV2b erstmals nachweisbar, er ist bis heute vorherrschend in Deutschland. Doch Experten erklären: Obwohl die Impfstoffe auf dem PCV2a-Typ aufgebaut sind, wirkten sie auch gegen PCV2b. PCV2d wurde erstmalig 2012 in Nordamerika nachgewiesen, ist in den USA die vorherrschende Variante, kommt aber mittlerweile auch in Europa vor. Es stellt momentan etwa ein Viertel aller nachgewiesenen Circoviren in Deutschland.

Experten raten aufgrund der Erfahrung mit der Wirkung gegen PCV2b dazu, weiterhin die gängigen Impfstoffe gegen das Circovirus zu nutzen. Denn die Wirkung einer Impfung besteht darin, die Virusmenge im Tier auf ein Niveau zu reduzieren, bei dem es nicht zu Krankheitserscheinungen und Leistungseinbußen kommt. Eine Impfung schützt ein Tier nicht komplett gegen eine Infektion. Warum es trotzdem diese geschilderten Probleme im Flatdeck gibt, erklären Experten zum einen mit Impfdurchbrüchen, also mit nicht korrekt durchgeführten Impfungen oder nicht impffähigen Tieren, und damit, dass durch Zukauftiere im Jungsauenbereich immer wieder PCV2 in die Bestände kommt. Die Ferkel der infizierten Sauen werden möglicherweise schon im Uterus oder kurz nach der Geburt mit PCV2 infiziert. Die übliche Impfung in der dritten Lebenswoche kann dann nicht umfassend wirken. Hier sollte das Gespräch mit dem Tierarzt gesucht werden, um gegebenenfalls eine andere Impfstrategie einzuführen.

Außerdem müssen trotz moderner Impfstoffe weiterhin unbedingt Management, Haltung und Fütterung optimiert werden, damit der Gesundheitsstatus der Tiere langfristig auf hohem Niveau liegt.

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels


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Mit genomischen Daten zu gesünderem Fleckvieh

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Die Rinderzucht in Bayern macht einen Qualitätssprung. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub hat ein zukunftsweisendes genomisches Fleckvieh-Projekt gestartet. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat die Förderung des Projekts mit 1,5 Millionen Euro freigegeben. Ziel ist es vor allem, die Gesundheit des Fleckviehs und die Zuchtwertschätzung weiter zu verbessern. Ergänzend zur üblichen Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung werden von den einbezogenen 80.000 Fleckvieh-Kühen zusätzliche Gesundheitsmerkmale erfasst und zusammen mit ihrem genetischen Profil (Genmarker) züchterisch ausgewertet. Dadurch erhalten Gesundheitsmerkmale deutlich mehr Gewicht bei der züchterischen Auswahl. Die aus der Lern-Stichprobe entwickelten Schätzformeln sind auf beliebig viele Tiere übertragbar und erhöhen damit die Sicherheit von Zuchtwerten insgesamt. Mit seinem Fokus auf der Tiergesundheit wird das Projekt Antworten auf die aktuellen Herausforderungen geben und entscheidend zu einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und gesellschaftlich akzeptierten Rinderzucht beitragen, erklärte Landwirtschaftsministerin Kaniber in München.

Das Projekt FLEQS ist auf Ziel drei Jahre angelegt. Es kostet 5,1 Millionen Euro. Das Landwirtschaftsministerium fördert es aus Mitteln der Forschungsförderung mit 1,5 Millionen Euro. Durchgeführt wird es von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zusammen mit den Fleckvieh-Zuchtverbänden und Besamungsstationen in Bayern.

Die Rinderhaltung ist das Rückgrat der bayerischen Landwirtschaft. Der Anteil von Milch und Rindfleisch an den landwirtschaftlichen Verkaufserlösen beträgt rund 47 Prozent. 29.000 Betriebe halten 3,1 Mio. Rinder, davon 1,15 Mio. Milchkühe. Mit einem Anteil von 80 Prozent prägt Fleckvieh auch das Bild der Rinderhaltung im Freistaat. Zwölf Prozent sind Braunvieh, sieben Prozent Holsteins, der Rest verteilt sich auf mehr als 30 weitere Rassen. In den bayerischen Rinderzuchtverbänden sind 16.500 Betriebe mit 830.000 Herdbuchkühen züchterisch aktiv.

Quelle: stmelf.bayern.de

Leibniz-Wissenschaftler entwickeln System zur Früherkennung von Klauenerkrankungen

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Trittschallplatte kann den akustischen Fußabdruck von Milchkühen erkennen
Wissenschaftler des Leibniz-Institutes für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) entwickeln in Kooperation mit der argus electronic gmbh Rostock ein Frühwarnsystem, das den akustischen kranken Fußabdruck von Milchkühen und somit auch beginnende Anzeichen einer Klauen- und Gliedmaßenerkrankung erkennen kann.

Erkrankungen der Klauen und Gliedmaßen gehören neben einer gestörten Fruchtbarkeit und Eutergesundheit zu den größten Problemen in der Milchviehhaltung. Es existiert derzeit keine praxisbewährte Frühdiagnostik, um Erkrankungen an den Klauen zu erkennen. Gesunde Klauen sind jedoch Voraussetzung für einen guten Allgemeinzustand des Tieres. Die Trittschallplatte ist patentrechtlich geschützt und soll auf der weltweit führenden Fachmesse für Tierhaltung, der EuroTier in Hannover, im nächsten Jahr erstmals der Nutztierbranche vorgestellt werden.

Die akustischen Signale werden aufgezeichnet.

Gesucht: Zuverlässiges Warnsystem für größere Herden
Liegen Beeinträchtigungen an den Klauen vor, versucht das Tier die krankhafte Stelle zu entlasten und lahmt. Auf der Trittschallplatte zeigt sich im akustischen Gangbild der Kuh diese Lahmheit. Die bislang gebräuchlichste Methode zur Kontrolle der Klauengesundheit ist die visuelle Lahmheitsbeurteilung durch den Landwirt. Diese erfordert ein geschultes Auge, ist zeitaufwändig und somit schwierig in die tägliche Routine einzubinden. Automatische und zuverlässige Messmethoden sind daher für die Halter von Milchkühen von großem Interesse, zumal die Folgen von Lahmheit für die Tiergesundheit und den wirtschaftlichen Prozess enorm sind. Zuchtverbände und Unternehmen schätzen die Kosten für Lahmheit auf 150 Euro pro Tier.

Im Jahr 2018 gab es insgesamt rund 4,17 Millionen Milchkühe in Deutschland. Dabei liegt der Anteil der Betriebe mit 200 und mehr Milchkühen bei rund 50 Prozent. Auch in Zukunft ist mit einer Erhöhung des Tierbestandes je Betrieb zu rechnen, wenn die Milchproduktion rentabel sein soll. „Angesichts dieser Entwicklungen gehen wir davon aus, dass der Bedarf an zuverlässigen automatischen Tier-Monitoring-Systemen nicht nur in Deutschland, sondern auch international stark steigen wird“, sagte Projektleiter Dr. Peter-Christian Schön vom FBN-Institut für Verhaltensphysiologie.

Sensoren erfassen den unterschiedlichen Gangrhythmus
Nach einer Idee des Mitarbeiters Kurt Wendland und mit Hilfe der Elektronik-Spezialisten der Rostocker argus electronic GmbH ist die Trittschallplatte entwickelt worden. Es erfolgt eine akustische Aufnahme über Beschleunigungssensoren und die mathematische Bewertung der einzelnen Auftritte auf der Platte. Krankhafte Auftritte sollen so klassifiziert werden. Die kompletten akustischen Gangmuster werden digitalisiert, modelliert und in einer tierindividuellen Datenbank abgelegt. Gesunde Kühe haben ein fließendes, sicheres Gangmuster, kranke Tiere bewegen sich unregelmäßiger. Veränderungen des Bewegungsverhaltens und der Auftritte sollen genutzt werden, Lahmheit frühzeitig zu erkennen und die entsprechenden Tiere dem Landwirt zeitnah zu melden, um Schritte für eine Behandlung einzuleiten. Die Trittschallplatte kann in einer Milchrinderanlange so integriert werden, dass die Tiere diese bei jedem Melkvorgang überqueren müssen.
„Besonderes Augenmerk haben wir auf die Robustheit und Praxistauglichkeit des Systems gelegt“, betonte Dr. Peter-Christian Schön. „Die Trittschallplatte ist einer unserer Beiträge, mit denen wir die Digitalisierung in der Nutztierhaltung vorantreiben. Sie kann problemlos in jeder Laufstallumgebung einsetzt werden. Wir bewerten sie zunächst für die Milchrindhaltung. Andere Haltungsformen und Tierarten sind denkbar.“

„Unser Unternehmen hat sich im Rahmen des Projektes vorrangig auf die Geräteentwicklung und Programmierung fokussiert“, sagte der verantwortliche Projektleiter Stefan Ibendorf von der argus eletronic GmbH. „Der innovative Kern des Projektes liegt hier klar in der Erfassung und Aufbereitung von Schrittgeräuschen auf einer Trittplatte durch geeignete akustische Sensoren“, so der Elektronikingenieur.

Akustische Messsysteme kommen in fast allen Industriebereichen zur Anwendung, lediglich in der Landwirtschaft eher noch selten. „In zwei bis drei Jahren wollen wir gemeinsam das neue System zur Marktreife führen, so dass es ergänzend zu den schon bestehenden Herdenmanagementsystemen eingeführt werden kann“, kündigte Dr. Peter-Christian Schön an. „Bis dahin werden wir die Zeit nutzen, um mit weiteren Praxiseinsätzen in Ställen Erfahrungen zu sammeln und die Software anwenderfreundlich zu optimieren. Wir sind überzeugt, dass die Tierhalter künftig durch eine Früherkennung von Lahmheit mit der Trittschallplatte die Tiergesundheit von Milchkühen deutlich verbessern können.“

Quelle: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Herdenmanagement M2erlin jetzt noch smarter

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Lemmer-Fullwood bietet ab sofort eine neue Smartphone-App an, mit der Milchviehhalter die Leistung und Funktionalität des AMS M2erlin aus der Ferne überwachen können. Damit können die M2erlin Melksysteme komfortabel gesteuert und überwacht werden. So wird es möglich, fundierte Entscheidungen im Herdenmanagement, die zur Verbesserung der Leistung beitragen und auch für mehr Komfort beim Anwender sorgen, schneller und komfortabler als bisher zu treffen.

Technische Daten des AMS und Tierdaten per Fingertipp abrufbar
Mit der App „M2erlin Info“ können Benutzer sowohl Echtzeit- als auch zurückliegende Daten der einzelnen Kühe sowie der gesamten Herde über eine WLAN- oder mobile Datenverbindung von jedem Ort aus jederzeit ansehen.

Parameter wie Milchleistung, Anzahl und Dauer der Melkvorgänge je Tag und Zeitpunkt des letzten Melkens sind leicht zugänglich, wobei Benutzer auch die 10-Tage- und 24-Stunden-Ertragsdurchschnitte vergleichen können.

Die App bietet zudem eine Reihe von Alarmen und Warnungen, die den Landwirt/Herdenmanager auf potenzielle Probleme aufmerksam machen – darunter technische Daten des AMS oder eine einzelne Kuh betreffend.

„Das intuitive Dashboard der App bietet eine Fülle an praktischen Daten in einem benutzerfreundlichen Format, die helfen können, den M2erlin effektiver und schneller zu managen, wobei das Ziel mehr Milch von gesünderen und glücklicheren Kühen ist“, erklärt Fabian Oberdörster, Marketingleiter bei Lemmer-Fullwood, zum Start der App bundesweit.

Anpassung an Betriebsanforderungen
Die M2erlin-App lässt sich individuell an die jeweiligen Anforderungen des Nutzers anpassen. Die Benutzer können dabei beispielsweise wählen, welche Art von Benachrichtigungen sie wann wünschen.

M2erlin Info steht in verschiedenen Sprachen zur Verfügung und kann kostenlos im Google Play und Apple Store heruntergeladen werden. Sie ist mit den M2erlin Modellen kompatibel und erfordert die Installation des M2erlin Kommunikators am AMS.

Quelle: Lemmer Fullwood GmbH

Ab April neue Zuchtwerte für die Gesundheit der Milchkühe

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Ab dem 2. April 2019 können die Holsteinzüchter erstmals direkte Zuchtwerte zur Tiergesundheit nutzen. Das teile der Bundesverband Rind und Schwein e.V. bei einem Pressegespräch mit. Für die Holsteinzucht erscheinen mit den Zuchtwertschätzungen diese fünf neuen Zuchtwerte:

• RZ-Euterfit
• RZ-Klaue
• RZ-Repro
• RZ-Metabol
• RZ-Gesund

Die Datengrundlage für die neuen Zuchtwerte basiert unter anderem auf dem Projekt KuhVision, bei dem rund 1.200 Betriebe Gesundheitsdaten erfassen und alle Tiere genotypisieren lassen. Die genomischen Zuchtwerte bieten Sicherheiten zwischen 0,5 und 0,6. Diese Werte sind für ein Gesundheitsmerkmal sehr hoch und sprechen für die überlegene Datenqualität der deutschen Relativ-Zuchtwerte und Zuchtwertschätzverfahren.

Der RZ-Gesund ist der Gesamtzuchtwert, in welchem die vier Merkmale Euterfit, Klaue, Repro und Metabol unterschiedlich gewichtet sind: RZ-Euterfit 40 %, RZ-Klaue 30 %, RZ-Repro 20 % und RZ-Metabol 10 %. Die Selektion mit dem RZ-Gesund erlaubt die züchterische Verbesserung aller 13 Gesundheitsmerkmale, die in den vier Relativzuchtwerten erfasst werden. So sind mit nur einem Wert alle wichtigen Merkmalskomplexe abgedeckt bzw. den wichtigsten Erkrankungen züchterisch bestmöglich vorgebeugt. Bei Tieren bzw. Herden mit speziellen Herausforderungen helfen die Zuchtwerte RZ-Euterfit, RZ-Klaue, RZ-Metabol und RZ-Repro bei der Anpaarung und Wahl des Bullen.

Die neuen Zuchtwerte können aufzeigen, welche Bullen widerstandsfähige Nachkommen hervorbringen. Damit sollen sich bestimmte Krankheiten wie etwa Mastitis oder Mortellaro zielgenauer züchterisch bearbeiten lassen.

RZ-Euterfit:
Mastitis ist nach wie vor die Erkrankung mit der größten wirtschaftlichen Bedeutung in unseren Milchviehbeständen. Eine klinische Euterentzündung in der Frühlaktation kostet pro Tier schnell 400 bis 600 Euro an Behandlungskosten, Milchgeldverlust etc. Eine subklinische Mastitis (erkennbar an einer erhöhten Zellzahl) schlägt mit bis zu 200 Euro je Tier zu Buche. Mit dem neuen Zuchtwert RZ-Euterfit lässt sich das Auftreten von Mastitis nun ganz gezielt verringern. Die weltweit einmalige Kombination aus direkten Gesundheitsdaten, die frühe und späte Erkrankungen erfassen, und Abgangsursachen wirkt sich beim genomischen Zuchtwert RZ-Euterfit ganz besonders positiv aus: Die Sicherheit liegt bei 0,61! Durch die Berücksichtigung des RZ-Euterfit bei der Selektionsentscheidung lässt sich die Mastitisrate in der Herde zielgerichtet und schnell senken.

RZ-Klaue:
Die Milchleistung steht auf gesunden Klauen und genau das garantiert der neue Zuchtwert RZ-Klaue. In diesem neuen Gesundheitsindex sind die sechs wichtigsten Klauenerkrankungen kombiniert und entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gewichtet:

• Dermatitis Digitalis (Mortellaro) 30 %
• Klauengeschwüre 15 %
• Panaritium 15 %
• Weiße Linie Defekt 15 %
• Klauenrehe 15 %
• Limax/Zwischenklauenwulst 10 %

Die starke Gewichtung von Mortellaro im neuen Zuchtwert kommt dabei nicht von ungefähr, denn die infektiöse Klauenerkrankung breitet sich zurzeit stark in den Milchviehbeständen aus. Der RZ-Klaue erweitert den bisherigen Zuchtwert DD Control um weitere wichtige Merkmale für die Zucht auf Klauengesundheit. Durch Berücksichtigung des Wertes bei Anpaarungsentscheidungen kann so effektiv gesteuert werden. RZ-Klaue ist ein entscheidender Schritt zu mehr Klauengesundheit in der ganzen Herde. Die Sicherheit des genomischen Zuchtwertes RZ-Klaue liegt bei 0,51.

RZ-Repro:
Nur Kühe, die schnell und problemlos wieder tragend werden, verbleiben viele Laktationen in der Herde. Dafür ist die Gesundheit des Fortpflanzungstraktes von großer Bedeutung. Mit RZ-Repro kann erstmalig auf gesunde Fortpflanzungsorgane bei der Kuh gezüchtet werden. Der genomische Relativzuchtwert RZ-Repro umfasst Reproduktionsstörungen, die früh (Gebärmutterentzündung, Nachgeburtsverhaltung) und spät (Zyklusstörungen) in der Laktation auftreten, in wirtschaftlich optimaler Weise:

• Zyklusstörungen (z.B. durch Zysten) 50 %
• Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Schleimhaut 25 %
• Nachgeburtsverhaltungen 25 %

Die Zyklusstörungen weisen eine Korrelation zu den bisher schon im RZR (Töchterfruchtbarkeit) erfassten Merkmalskomplex „Rastzeit“ auf und wurden bereits indirekt züchterisch bearbeitet. Daten zu den Gesundheitsmerkmalen „Gebärmutterentzündung“ und „Nachgeburtsverhaltungen“ wurden jedoch nicht erhoben – bis zur Entwicklung des neuen genomischen Relativzuchtwertes RZ-Repro. Dank des neuen Komplexes und der darin verarbeiteten Daten ist nun eine gezielte Zucht auf reproduktionsgesunde Tiere möglich. Die Sicherheit des genomischen Zuchtwertes beträgt 0,52, ein sehr guter Wert für niedrig erbliche Merkmale.

RZ-Metabol:
Die Stoffwechselgesundheit ist gerade bei hochleistenden Kühen von immenser Bedeutung: für die Wirtschaftlichkeit und das Tierwohl. Bisher gab es keine brauchbaren Hilfsmerkmale, die deren Erfassung und somit die Schätzung eines Zuchtwertes zuließen. Im genomischen Zuchtwert RZ Metabol werden nun erstmals diese Merkmale mit folgender Gewichtung zu einem Index verrechnet:

• Labmagenverlagerung 40 %
• Milchfieber 30 %
• Ketose 30 %

Die Datengrundlage des RZ Metabol wird sich in den kommenden Jahren noch wesentlich vergrößern, so dass die Sicherheit dieses genomischen Zuchtwertes in Zukunft noch weiter ansteigen wird. Aktuell liegt die Sicherheit bei 0,55.

Quelle: BRS/Der Hoftierarzt

Impfstoff aus der Pflanze – Projekt zur Entwicklung kostengünstiger Vogelgrippe-Vakzinen angelaufen

Beim Ausbruch der Vogelgrippe gibt es oftmals nur eine Methode, um die Infektionskrankheit einzudämmen – die Tötung der Nutzvögel. Eine schnell erzeugbare und kostengünstige Impfung könnte hier jedoch bald eine neue Alternative bieten. In jahrelanger enger Zusammenarbeit haben Forscher des IPK Gatersleben und des IBT Hanoi eine Methode zur Produktion von Vogelgrippevakzinen in Pflanzen entwickelt. Nun geht es in einem neuen Projekt um die praktische Anwendung der bisherigen Ergebnisse und um die Entwicklung von preiswerten und stabilen Vogelgrippevakzinen. Diese sollen baldmöglichst dazu dienen, erneute Vogelgrippe-Epidemien abzuwenden.

Zoonosen sind eine Quelle immer wieder neu auftretender Infektionskrankheiten, welche von Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Eine der bekanntesten Zoonosen ist vermutlich die Vogelgrippe, ein hochpathogener Influenza A-Virus, der durch Direktkontakt auch Menschen befallen kann. Aufgrund der schnellen und einfachen Verbreitung durch Vögel und der damit verbundenen Pandemie-Gefahr, gibt es beständige Bestrebungen, den Infektions-Erreger dieser Grippe einzudämmen. Impfungen dienen dem Aufbau von Resistenzen gegenüber solchen Infektionen, und sie reduzieren die Gefahr weiterer Ansteckungen. In der Veterinärmedizin gibt es daher einen Bedarf für kosteneffektive Vakzine, die das Wohl der Tiere fördern und zoonotische Erkrankungen, wie die Vogelgrippe, bekämpfen.

Anfang dieses Jahres ist ein neues Projekt des Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) Gatersleben und des Institute of Biotechnology (IBT) in Hanoi, Vietnam, angelaufen. Zusammen mit der vietnamesischen Firma NAVETCO, welche auf dem Gebiet der Vogelgrippe-Vakzinierung aktiv ist, arbeiten sie an der schnellen und kostengünstigen Erzeugung von Vakzinen gegen Vogelgrippeerreger.

Neben der Gefährdung von Tieren und Menschen können Vogelgrippeepidemien die Geflügelfleisch- und Eierproduktion von Regionen erheblich beeinflussen. Bisherige Bemühungen, Vogelgrippeausbrüche einzudämmen, führten weltweit zum Töten von vielen Millionen Nutzvögeln. Doch gerade in Entwicklungsländern, wo die Geflügelproduktion einen maßgeblichen Beitrag zur Ernährung leistet, sträuben sich Tierhalter gegen diese Eindämmungsmaßnahme. Die Einführung einer kostengünstigen und zuverlässigen Vakzinierung als Prophylaxe oder als Notfallimpfung wird als sinnvolles Werkzeug betrachtet, um die Ansteckungsrate von Vogelgrippe zu verringern. Doch um auf neue Ausbrüche reagieren zu können, müssten passende Vakzinen schnellstmöglich entwickelt und zur Verfügung gestellt werden. Die klassische Erzeugung von Impfstoffen in embryonierten Hühnereiern dauert fünf bis sechs Monate. Eine moderne Alternative ist die Erzeugung von sogenannten „subunit vaccines“ in Pflanzen. Die Vorteile dieses Verfahrens sind nicht nur kurze Produktionszeiten, die eine schnelle Anpassung an sich verändernde Viren im Feld ermöglichen, sondern auch niedrige Produktionskosten, einfache Skalierbarkeit und niedrige Infrastrukturkosten. Wissenschaftler der IPK-Arbeitsgruppe Phytoantikörper unter Leitung von Prof. Dr. Udo Conrad und Forscher des IBT arbeiteten bereits in einem vorangegangenen Projekt an einer effektiven Methode zur Erzeugung derartiger pflanzenbasierter Peptidvakzinen. Als Ergebnis gelang es ihnen, Hämagglutininmultimere, spezielle Vogelgrippeantigene, in Tabakpflanzen (Nicotianabenthamiana) zu produzieren und deren neutralisierende Immunantworten in Mäusen zu zeigen.

Im neuen Projekt, welches durch die Translatorik-Förderlinie der Else Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert wird, geht es nun um die praktische Anwendung der Grundlagenforschungsergebnisse. So sind im nächsten Schritt Challenge-Versuche an Hühnern geplant, welche die Robustheit des entwickelten Verfahrens in der Praxis testen sollen. Das langfristige Ziel der Forscher ist dabei die Entwicklung einer in Pflanzen erzeugten Peptidvakzine gegen Vogelgrippeviren. Mit dieser hoffen sie bald, eine neue Methode zur Eindämmung und Vorbeugung von weiteren Vogelgrippe-Pandemien anbieten zu können.

Quelle: Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung

PRRS-Ausbruch in österreichischer Besamungsstation

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Bei der wöchentlich stattfindenden PRRS-Screening-Untersuchung vom TGD Labor in der Besamungsstation Steinhaus ist am 12.3.2019 ein PRRS-Eintrag diagnostiziert worden, wie auf der Homepage der nachzulesen ist. Die betroffenen Stalleinheiten wurden gesperrt. Um die Situation an der Station im Detail zu klären, wurden weitere umfangreiche Untersuchungen eingeleitet. Seitdem wurden in Abstimmung mit dem Oberösterreichischen Tiergesundheitsdienst die notwendigen Maßnahmen getroffen, um eine Belieferung der Kunden mit PRRSV unverdächtigem Sperma sicher zu stellen. Dies umfasst den Zukauf aus PRRS unverdächtigen Besamungsstationen in Österreich und Süddeutschland, die stationsinterne Absicherung der aktuell negativen Stalleinheiten sowie die vollständige Räumung der betroffenen Einheiten.

In Steinhaus werden derzeit nach einer durchgeführten Vollerhebung aus den negativen Stalleinheiten bei jeder Absamung Blutproben entnommen und nach Vorliegen des negativen Befundes (Serologie und PCR) zum Verkauf frei gegeben.

Die Sequenzierung des detektierten PRRS-Virusisolates wurde in der AGES Mödling durchgeführt und zeigt, dass es sich um einen Neueintrag eines EU Feldstamms handelt: Die genauere Typisierung des PRRSV Stammes mittels PRRSV-EU ORF5 und ORF7 spezifischen Primern zeigte die beste Übereinstimmung zu PRRSV EU-1 Feldstämmen (Neue Gruppe 187).

Aktuelle Informationen unter: www.szv.at

Quelle: Der Hoftierarzt, Besamungsstation Steinhaus

Tierwohl-Prämien gehen in neue Runde

Bis zum 15. Mai 2019 können Landwirtinnen und Landwirte wieder Prämien für besonders tiergerechte Haltung von Nutztieren beantragen. Mit der Förderung von besonders tiergerechten Haltungsverfahren von Nutztieren soll ein zusätzlicher Anreiz zur freiwilligen und vorzeitigen Umsetzung der „Niedersächsischen Nutztierhaltungsstrategie / Tierschutzplan 4.0″ gegeben werden. Gegenstand der Förderung 2019 ist eine besonders tiergerechte Haltung von Schweinen. Als anerkannter Indikator hierfür gelten intakte Ringelschwänze der Tiere. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Mit der Prämie wollen wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bei der Tierhaltung ein Mehr an Aufwand und Kosten abdecken müssen, finanziell unterstützen. Ich bin zuversichtlich, dass auch in diesem Jahr das Interesse groß ist.“

Seit 2015 bietet Niedersachsen die Prämie für eine besonders tiergerechte Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren an. Die Förderungen wurden in enger Abstimmung mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Im Bereich der sogenannten „Ringelschwanzprämie“ für Mastschweine, der „Sauen-“ sowie der „Ferkelprämie“ werden die Teilnehmer zusätzlich durch eine praxisbezogene Beratung begleitet. Wie bei allen ELER-Maßnahmen erfolgt darüber hinaus eine unabhängige Bewertung der Maßnahmen durch das Thünen-Institut des Bundes.
Das jetzt wieder eröffnete Antragsverfahren gilt nur noch für die tiergerechte Haltung von Schweinen. Die Förderung der Legehennen wird ausgesetzt, weil die Evaluierung durch das Thünen-Institut Hinweise für fachliche Verbesserungen der Förderung geliefert hat. Deshalb soll die weitere Förderung der Legehennen zunächst intern geprüft und verbessert werden.
Die Antragstellung für die Maßnahmen der Schweinehaltung kann bis zum 15. Mai 2019 erfolgen. Die ELER-Tierwohlmaßnahmen sind einjährige Förderprogramme. Das heißt die Antragstellerinnen und Antragsteller können sich in jedem Jahr neu entscheiden, ob an der Förderung teilgenommen werden soll. Die Antragsformulare und weitere Informationen können ab sofort auf den Internetseiten der Landwirtschaftskammer (LWK) und beim Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) unter www.tierwohl.niedersachsen.de eingesehen werden.

Hintergrund:
Für das Antragsverfahren wird eine Summe von mindestens acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach Prüfung der Anträge und dem Bewilligungsverfahren beginnt der Förderzeitraum ab dem 1. Dezember 2019. Am Verfahren 2018, das noch bis zum Ende des Jahres läuft, beteiligen sich derzeit mehr als 200 Betriebe, beantragt wurde eine Förderung von mehr als 400.000 Schweinen (290.000 Ferkel, 114.000 Mastschweine und 4.700 Sauen). Dies entspricht einer Fördersumme von mehr als sieben Millionen Euro.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

AfT-Symposium 2019: Wohin entwickeln sich Tierzucht und Tiergenetik? #AfT2019

Prof. Sven König (JLU Gießen) sprach in Montabaur über die genomische Zuchtwertschätzung, welche mittels rechenintensiver Mischmodellgleichungen die Verwandschaftsmatrix über genetische Marker, statt auf Basis von Abstammungsdaten aufbaut. Weitere züchterische Erfolge seien mit dieser Methode möglich, wenn eine bessere Merkmalserfassung und genauere Merkmalsdefinition erfolgt, das Instrumentarium der genomischen Selektion über große „Kuhlernstichproben“ effizient umgesetzt werde und konkrete Anpaarungen zur Vermeidung von Erbfehlern und Ausnutzung von Dominanzeffekten auf Basis von Herden-Genotypisierungen erfolgten.

Je niedriger die Erblichkeit eines Merkmals ist, umso größer muss die Zahl genotypisierter Kühe für die „Kuhlernstichprobe“ ausfallen. Das Gemeinschaftsprojet „Kuh-L von Uni Gießen, Uni Halle und vit Verden war darauf ausgelegt, basierend auf etwa 20.000 genotypisierten Kühen mit Phänotypen für eine breite funktionale Merkmalspalette erstmals genomische Zuchtwerte für Fruchtbarkeits- und Gesundheitsmerkmale zu schätzen.

Welche Bedeutung diese neuen Techniken in Zukunft haben können, zeigte Prof. König mit einem Blick auf die Erblichkeiten für Merkmale bei Milchrinder. Für Hornlosigkeit liegt diese bei 100%, für den Fettgehalt der Milch bei 60% und für die Milchleistung noch bei 45%. Für Zellzahl, Mastitis und Dermatitis Digitalis liegen die Werte zwischen 12% und 15%.

Über Stand und Perspektiven neuer Züchtungsmethoden bei Nutztieren berichtete Prof. Heiner Niemann (Med. Hochschule Hannover/TwinCore). Die Genome der landwirtschaftlichen Nutztiere seien mittlerweile sequenziert worden (2004: Geflügel, 2006: Biene, 2009: Pferd und Rind, 2012: Schwein, 2014: Schaf und 2017: Ziege). Damit lägen Genkarten vor, die es züchterisch zu nutzen gelte.

Die Anwendungsperspektiven seien dabei vielfältig, wie z. B.: Wachstum, Krankheitsresistenz, Reproduktion, aber auch diätetische und Umwelt-Verbesserungen. Im Labor könnten bereits Schweine mit Hilfe von CRISPR/Cas eine Resistenz gegen PRRS angezüchtet werden, Rindern eine solche gegen M. tuberculosis (nach Einsatz von gen-editing). Und sogar Sexing beim Schwein sei in Zukunft möglich und könnte zukünftig zur „Bucht ohne Eber“ führen. Allerdings gehöre die Kontrolle möglicher Off-Target-Mutationen immer zu den Risiken gentechnischer Eingriffe.

Übersteigt die Zucht auf Leistung die physiologischen Grenzen? fragte Prof. Gerhard Breves (TiHo). In den letzten 20 Jahren konnte mittels Selektion die Jahresmilchleistung der Rasse Deutsche Holstein Schwarzbunt von 7.000 auf fast 9.500 kg gesteigert werden. Allerdings blieben die Kühe im Durschnitt nur noch 2,8 Laktationen im Stall und könnten damit die maximale physiologische Kapazität zur Milchleistung in der 4. Bis5. Laktation nicht erreichen.

Vor allem Stoffwechselkrankheiten, Störungen im Mineralstoffhaushalt, Lahmheiten und Reproduktionsstörungen seien die Abgangsursachen. Vor allem die negative Energiebilanz im ersten Laktationsdrittel sei Ursache leistungsassoziierter Erkrankungen. Insofern müsse die eingangs gestellter Frage mit Ja beantwortet werden. Ein erheblicher Anteil der Tiere aber werde den metabolischen Anforderungen bei hohen Leistungen gerecht!

Ziel künftiger Forschung müsse deshalb sein, jene „robusten Phänotypen“ umfassend zu charakterisieren, welche den metabolischen Anforderungen hoher Leistung gerecht werden. Eine vollständige phänotypische Charakterisierung aller Merkmalsbereiche sei Voraussetzung für zukünftige Fortschritte und die intensive Kooperation genetisch und funktionell ausgerichteter Arbeitsgruppen dabei unbedingt nötig.

Die einseitige Zucht früherer Jahre auf Leistung, führte teilweise zu erheblichen Verschlechterungen bei Tiergesundheit und Funktionalität betonte auch Prof. Jens Tetens (Uni Göttingen). Deswegen sei in den letzten Jahren die Funktionalität in den Fokus der Züchtung gerückt. Merkmale also, die vorliegen müssen, damit ein Tier die eigentliche Leistung überhaupt erbringen kann, wie Gesundheit, Fruchtbarkeit, Verhalten oder auch Ressourceneffizienz. Funktionale Merkmale sind dabei in der Regel komplex und Resultat des Zusammenspiels verschiedener Faktoren aus Genetik, Umwelt und Management. Vor allem aber weisen sie meistens niedrigere Erblichkeiten auf als klassische Leistungsmerkmale.

Seit der Einführung der genomische Selektion bestünde die Möglichkeit Zuchtwerte anhand genomweiter Markerdaten für Tiere ohne Leistungsinformation mit ausreichender Sicherheit zu schätzen. Dies bedeute allerdings nicht, dass die Leistungsprüfung sich erübrigen würde, denn die genomische Selektion erfordere umfangreiche Lernstichproben, für die Genotyp- und Phänotyp-Date vorliegen müssten.

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen stünden heute viele hochdimensionale Datensätze zur Verfügung, die genutzt werden könnten sog. Endophänotypen auszumachen, welche als Hilfsmerkmale bzw. Biomarker Eingang in die Zucht finden könnten. Eine der zentralen Herausforderungen in der Tierzucht sei daher, der enormen Datenmengen aus Labor und Stall (Sensoren) Herr zu werden und sie im Sinne nachhaltiger Züchtung zu nutzen.

Prof. Gerald Reiner (JLU Gießen) widmete sich der „Zucht auf Krankheitsresistenz“. Wenige ökonomisch bedeutsame Erkrankungen würden heute mit Hilfe phänotypischer Selektion auf Resistenz kontrolliert, z. B. Magen-Darm-Nematoden beim Schaf (in Australien und Neuseeland etwa sind alle Würmer resistent gegen Anthelmintika) oder die Resistenz gegen Zecken beim Rind und Mastitis bei beiden Tierarten. Beim Schwein spiele die phänotypische Selektion auf Krankheitsresistenz bisher keine Rolle, weil aufwendig und ungenau. Deshalb sei es wichtig den ungenauen Phänotyp langfristig durch Genmarker zu ersetzen.

Doch nur wenige Resistenzen werden durch Hauptgene bestimmt, was nicht nur die Identifikation beteiligter Gene erschwere, sondern auch ihre Zuverlässigkeit relativiere. Dennoch würde mit Hochdruck nach Resistenzgenen gesucht, z. B. gegen PRRSV, Influenza A, ASP, APP und andere Schweinekrankheiten. Ebenso nach zahlreichen Kandidatengenen bei Rind und Schaf.

Gene-Editing erlebe derzeit zwar eine rasante Entwicklung, an deren Ende ein „Genbaukasten-System“ zur Verfügung stünde. Allerdings seien die Folgen nur schwer auszumalen. Denn Gene zu editieren sei einfacher als die Erfassung aller damit einhergehenden Wirkungen und Nebenwirkungen.

Bei der Biene kommen alle Krankheiten von außen, sagte Prof. Elke Genersch (FU Berlin) zu Beginn ihres Vortrags, „Herz-/Kreislauf-Erkrankungen gibt es nicht“. Weil den Bienen ein adaptives Immunsystem fehle und nur eine angeborene Immunabwehr existiere, spiele auf Ebene des Bienenvolkes die soziale Immunabwehr die entscheidende Rolle. Hier insbesondere das Hygieneverhalten gegenüber geschädigter Brut, die von den Arbeiterinnen erkannt und aus dem Stock entfernt werden müssten, z. B. bei Amerikanischer Faulbrut oder auch Varoa-Befall.

In freier Wildbahn sei jedoch eine Kontrolle der Anpaarung einer Königin schwierig, da sie bestimmte Drohnen-Sammelplätze aufsucht und sich dort mit einer unbekannten Zahl männlicher Bienen paart. Doch auch in der Bienenzucht gibt es mittlerweile die künstliche Befruchtung.

Bei den Erbkrankheiten gebe es monogene Varianten (die sich nach mendelschen regeln vererben) und genetische Dispositionen, die in der Regel durch mehrere oder viele Genvarianten bedingt seien, erklärte Prof. Gesine Lühken (JLU Gießen). Ein Gentest mache die Identifizierung von Anlageträgern für eine Erbkrankheit einfacher und sicherer, die Entwicklung eines direkten Gentests zum Nachweis von Defekt-Allelen setze jedoch die Identifizierung der kausalen Genvariante voraus. Sequenzierungsverfahren der 3. Generation seien nicht nur dramatisch billiger als frühere Verfahren (€800,- bis € 1.000, -), sondern könnten auch komplexere genetische Varianten sichtbar machen.

Dass aber auch modernste Methoden ihre Tücken haben können, zeigte Prof. Lühken am Beispiel der Ziege. Schaltet man bei ihr die Hornentwicklung genetisch ab, werden zwar 100% hornlose Nachkommen geboren, 25% sind allerdings Zwitter.

Von genetisch maßgeschneiderten Schweinen berichtete Prof. Eckhard Wolf (LMU). Bei der Erforschung von Krankheitsmechanismen und der Suche nach neue Therapieansätzen, seien geeignete Tiermodelle unverzichtbar. Ergebnisse aus Versuchen mit Mäusen seien aber nicht in ausreichendem Maße auf den Menschen übertragbar und deshalb würden zur Ergänzung Großtiermodelle benötigt, die dem Menschen anatomisch und physiologisch oft ähnlicher sind.

Heute sei es möglich durch gezielte genetische Modifikationen in Schweinen humane Krankheitsmechanismen auf molekularer und funktionaler Ebene in diesen Tieren zu rekapitulieren. Transgene Schweine würden z. B. in der Diabetes- oder Adipositas-Forschung genutzt

Genetisch modifizierte Schweine kämen sogar als Spender von Zellen, Geweben und sogar ganzen Organen für die Xenotransplantation (von Spezies zu Spezies) in Frage. Hier wurden erfolgreiche Versuche mit Pavianen durchgeführt, denen dreifach modifizierte Schweineherzen transplantiert wurden, Die Affen überlebten die Organspende um sechs Monate, was einen Meilenstein auf dem Weg zur klinischen Entwicklung „xenogener Herztransplantationen“ darstelle, führte der Münchner Forscher aus.

Zu den Referaten von Prof. Achim Spiller und Prof. Rudolf Preisinger sind ausführlichere Berichte hier und hier zu finden.

Die Abstracts aller Vorträge stellt die Akademie für Tiergesundheit auch zum Download bereit.

Legehennen, Bruderhähne, Geschlechtserkennung im Ei: was bringt die Zukunft? #AfT2019

Prof. Rudolf Preisinger (EW Group) benannte zu Beginn seines Vortrags die erstaunlichen Leistungen aktueller Zuchtlinien. Hennen legen heute 80 Tage lang je ein Ei, pausieren für nur einen Tag und liefern dann weitere 40 Tage je ein Ei. Nach einem zweiten „Urlaubstag“ nehmen sie die Produktion für weitere 30 Tage wieder auf.

Diese Zyklusverlängerung hat jedoch Folgen: die Qualität der Eischalen sinkt, das Federkleid verschlechtert sich mit zunehmendem Lebensalter und die Mortalität steigt an. Außerdem verändern sich die Nährstoffbedürfnisse und die Hennen vermissen oft

– mehr unverdauliche Ballaststoffe,
– mehr als 6% Fettgehalt und nicht nur Energie aus Stärke,
– einen höheren Gehalt an essentiellen Aminosäuren,
– grobes Kalzium für die Schalenbildung in der Nacht
– und auch der Impfschutz aus der Aufzuchtphase verschlechtert sich (Nachimpfung).

Besonders in der Freiland- und Biohaltung kommt es zu Knochenbrüchen, durch mehr Bewegung und Wachstum von Knochen und Gefieder. Der Visbeker Züchtungs-Experte erwartet für das Jahr 2025 für diese Arten der Alternativhaltung einen Anteil von 50% und will züchterisch mit Hilfe von Knochendichte-Messungen per Ultraschall und Brustbeinbonitur gegensteuern.

Gegen Federpicken und Kannibalismus wird schon heute auf einen geringeren Überstand des Oberschnabels hin gezüchtet. Die Erblichkeit läge hier bei 10-20%.

Dem Zweinutzungshuhn dagegen prophezeit Prof. Preisinger keine große Zukunft. Die Hähne müssten länger gemästet werden und zeigten, bei wesentlich höherem Futtereinsatz, am Ende deutlich weniger Brustfleischanteil. Die Hennen legten ca. 60 Eier weniger pro Jahr und diese seien auch noch deutlich kleiner, als die ihrer spezialisierten Schwestern.

Österreichische Biobetriebe ziehen als Alternative seit zwei Jahren Bruderhähne aus Legelinien auf. Haben diese 1 kg Lebendgewicht erreicht, werden sie geschlachtet und zu Frikassee oder Würstchen verarbeitet.

Die Zukunft jedoch gehöre eindeutig der Geschlechtserkennung im Ei. REWE bietet heute schon SELEGGT-Eier an, bei denen das Geschlecht am 10. Tag bestimmt wurde, AAT und Uni Leipzig entwickeln ein Ramanspektroskopie-Verfahren, das die Bestimmung bereits am 4. Tag ermöglicht. Mindestens für den Biobereich ist aber der 10. Tag (die Hälfte der Entwicklungszeit des Kükens im Ei) problematisch, weil zu diesem Zeitpunkt schon ein Schmerzempfinden des Embryos zu erwarten ist.

Die Kosten je Konsum-Ei dürften in jedem Fall gering sein. Ob jedoch das AAT-Verfahren 2020 tatsächlich praxisreif ist, scheint noch nicht endgültig klar. Derzeit führt es noch zu etwa 5% Sexfehlern und wenn der „vernünftige Grund“ zur Tötung männlicher Eintagsküken zukünftig entfällt, müssten diese 5% Bruderhähne aufgezogen werden.

Prof. Preisinger glaubt zwar, dass sich die Fehlerquote noch auf 2-3 % senken lässt, plädierte aber dafür die Hähnchenküken weiterhin als Zoofutter zu nutzen. Die aussortierten Hähnchen-Eier werden nach heutigem Stand nämlich zu Trockenpulver verarbeitet und z. B. als Fischfutter vermarktet. Wie die Lücke beim Zoo- und Exotenfutter geschlossen werden kann, die durch den Wegfall der Eintagsküken entsteht, ist derzeit völlig offen. Auf Nachfrage bezifferte Rudolf Preisinger den heutigen Verwertungsgrad von Eintagsküken als Futter auf nahe 80%.

Der Krieg ums Fleisch #AfT2019

Von drei Seiten näherte sich Prof. Achim Spiller (Uni Göttingen) dem Thema Fleisch in seinem Vortrag beim diesjährigen Symposium der Akademie für Tiergesundheit in Montabaur:

Fleisch sei traditioneller Bestandteil der Ernährung und das Konsumverhalten ändere sich nur extrem langsam, führte der Agrarökonom aus. Gewohnheit spiele eine wichtige Rolle, träfe doch jeder etwa 200 Ernährungsentscheidungen am Tag und sensorischen Präferenzen seien eben kulturell geprägt. Der Gesamtkonsum von Fleisch verändere sich nur langsam. Bei einer Verschiebung hin zum Geflügel, sei für die nächsten 10-20 Jahre insgesamt ein etwa gleichleibender Pro-Kopf-Verbrauch zu erwarten.

Andererseits eigneten sich Fleisch bestens zur Distinktion, dazu sich demonstrativ von anderen abzuheben. Auf Instagram z. B. gebe es mehr Fotos vom Essen, als von Autos. Heute gehe es um Singularität im Konsum, nicht mehr nur um Individualität.

Fleischkonsum sei eben gut sichtbar, soziale Milieus unterschieden sich deutlich: die einen essen große Mengen, andere weniger doch dafür exklusive Qualitäten. Der „Krieg ums Fleisch“ sei moralisch vielfach aufgeladen, Tierwohl und Tötung schafften das Spannungsfeld. Der Ausgang der Debatte sei zwar noch offen, die gesellschaftlichen Vorstellungen jedoch klar. Verbraucher wünschten sich eine Art „Vertrag“ mit den Tieren, deren Fleisch sie zwar weiterhin konsumieren wollen, aber nur wenn diese zuvor ein „gutes Leben“ hatten.

Dies spiegele sich deutlich in der Akzeptanz verschiedener Haltungssysteme. In den Augen der Konsumenten muss es mindestens ein Außenklimastall sein, über 50% der Befragten wünschen dem Vieh aber Auslauf und zwar am besten auf der Weide. Ganz unabhängig von der Tierart, ob für Kühe, Schweine oder Geflügel.

Prof. Achim Spiller

Das Mensch/Tier-Verhältnis ändere sich, sagte der Göttinger Wissenschaftler. In 61% aller deutschen Haushalte lebten Haustiere und Erfahrungen mit diesen projizierten deren Halter auch auf Rinder, Schweine, Hühner. Zu neuem Wissen über emotionale, kognitive und soziale Fähigkeiten von Tieren, sowie der genetischen Ähnlichkeit mit dem Menschen, gesellten sich intuitive Vorstellungen vom Tierwohl.

Zwar sei Gesundheit ein Megatrend und Nachhaltigkeit würde immer mehr zum gesellschaftlichen Druckfaktor. Der eigentliche Treiber für den Fleischverzicht könne jedoch nur die Politik sein. Im Pariser Klimaschutzabkommen sei eine pro-Kopf-Reduktion der CO2-Emissionen von derzeit 11t auf nur noch 2t jährlich vereinbart worden. Das wären stolze 82 % Einsparung.

Bedenkt man allerdings, dass unser heutiger Ernährungsstil allein schon 2t zur CO2-Emission beiträgt, wird klar wie überaus ehrgeizig die Pariser Ziele tatsächlich sind. Die „EAT-Lancet Commission“ empfiehlt für die Zukunft pro Kopf und Jahr nur noch 5,1 kg Rind-, Schweine- und Lammfleisch, sowie 10,6 kg Geflügel, mit 15,7 kg insgesamt also nur noch ein Viertel des aktuellen Fleischverzehrs. Die Hälfte dieser 75%-Reduktion ließe sich aber, so Spiller, auch langfristig nur politisch durchsetzen.

Denkt man ein solches Szenario zu Ende und das im globalen Maßstab, ergibt sich allerdings die spannende Frage, ob mit den derzeitigen Ackerflächen die Eiweißversorgung auf pflanzlicher Basis zu gewährleisten wäre. Und: ließen sich überhaupt genügend pflanzliche Nahrungsmittel erzeugen, die Menschen verwerten können (und auch essen wollen). Gras und Extraktionsschrote bleiben für alle Zukunft der Kuh vorbehalten und immerhin erlaubt die EAT-Lancet Commission noch 91 Liter Milch und Milcherzeugnisse pro Kopf und Jahr (und damit nur ca. 24 Liter weniger als heute).

Prämierte Kälberforschung

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Für ihre Dissertation zur Tierernährung bei Kälbern hat Dr. Dörte Frieten von der TH Bingen den Preis der H. Wilhelm Schaumann Stiftung erhalten.

Die H. Wilhelm Schaumann Stiftung hat am Mittwoch, 13. März, die Preise für die besten Doktorarbeiten auf dem Gebiet der Tierernährung verliehen. Ausgezeichnet wurde auch Dr. Dörte Frieten von der Technischen Hochschule (TH) Bingen. Sie untersuchte in ihrer Dissertation den Einfluss von intensiver Kälberfütterung mit Milchersatznahrung und Butyrat. Für ihre Arbeit wurde sie mit einem Preis in Höhe von 1.000 Euro ausgezeichnet. Verliehen wurde der Preis auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie in Göttingen.

„Für neu geborene Kälber entscheidet sich schon in den ersten Wochen, wie gut sie sich im Laufe ihres Lebens entwickeln werden“, erklärt Frieten. „Das ist nicht nur wichtig für die Tiergesundheit und das Wohlbefinden der Kälber, sondern auch für den wirtschaftlichen Erfolg des landwirtschaftlichen Betriebs.“ Kälber sind, genauso wie alle anderen Säugetiere, zunächst auf Muttermilch oder einen Milchersatz angewiesen. Erst wenn der Pansen ausreichend entwickelt ist, um Festfutter zu verdauen, können sie auf die Milch verzichten. In der herkömmlichen Aufzucht ist die Gabe von Milch oder Milchersatznahrung limitiert, das heißt, die Tiere erhalten nur für wenige Wochen begrenzte Mengen an Milch. Frieten untersuchte in ihrer Arbeit, welchen Einfluss es auf die Entwicklung der Kälber hat, wenn man sie trinken lässt, wann und so viel sie wollen (ad libitum). Sie konnte zeigen, dass die Kälber von dem unbegrenzten Angebot profitieren, da es den Stoffwechsel und das Wachstum stimuliert. Zudem untersuchte sie den Einfluss von Butyrat, einem Ableger der Buttersäure auf die Entwicklung von Kälbern. Butyrat gilt als förderlich für eine gesunde Darmentwicklung, zeigte in den Studien von Frieten aber keinen entscheidenden Effekt.

Dr. Dörte Frieten hat Veterinärmedizin in München studiert. Promoviert hat sie an der Universität in Gießen bei Prof. Dr. Klaus Eder in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Nutztierbiologie bei PD Dr. Harald Hammon. Die praktischen Arbeiten zu ihrer Dissertation hat sie an der Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle in der Pfalz unter Betreuung von Dr. Christian Koch in Kooperation mit der TH Bingen durchgeführt. Dr. Georg Dusel, Professor für Tiergesundheit und Tierernährung an der Binger Hochschule, betreute sie dabei. „Wir freuen uns sehr, dass die Forschung und die daraus resultierenden Publikationen von Frau Dr. Frieten in dieser Form honoriert werden. Das Projekt war sehr umfangreich und die Ergebnisse sind wegweisend für die Aufzucht von Kälbern.“ Frieten ist derzeit an der TH Bingen als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte tätig. Die Binger Hochschule für Angewandte Wissenschaften bietet unter anderem die Studiengänge Agrarwirtschaft sowie Landwirtschaft und Umwelt an.

Originalpublikationen:

D. Frieten, C. Gerbert, C. Koch, G. Dusel, K. Eder, E. Kanitz, J. M. Weitzel, and H. M. Hammon. 2017. Ad libitum milk replacer feeding, but not butyrate supplementation, affects growth performance as well as metabolic and endocrine traits in Holstein calves. Journal of Dairy Science (100:6648-6661). https://doi.org/10.3168/jds.2017-12722

D. Frieten, C. Gerbert, C. Koch, G. Dusel, K. Eder, A. Hoeflich, B. Mielenz, and H. M. Hammon. 2018. Influence of ad libitum milk replacer feeding and butyrate supplementation on the systemic and hepatic insulin-like growth factor I and its binding proteins in Holstein calves. Journal of Dairy Science (101:1661-1672). https://doi.org/10.3168/jds.2017-13603

Quelle: Technische Hochschule Bingen

Das FBN öffnet wieder seine Tore – „Tag der offenen Tür“ am 21. September 2019

Das Interesse an den Forschungsaktivitäten am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) und an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV (LFA) ist immer groß. So strömten vor drei Jahren, am 24. September 2016, mehr als 3.000 Besucher zum Tag der offenen Tür auf den Campus mit 22 Besucherstationen. Nach dreijähriger Pause stehen die Wissenschaftler und Mitarbeiter am Sonnabend, dem 21. September 2019, wieder Rede und Antwort und gewähren einen spannenden Einblick in ihre Arbeit.

Für den ganztägigen Aktionstag im September laufen gegenwärtig bereits die Vorbereitungen auf Hochtouren. Geplant sind wieder zahlreiche Führungen oder Entdeckungstouren auf eigene Faust sowie ein Blick hinter die Kulissen und die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren und aktiv mitzumachen. Die Besucher können unter anderem den Großtier-OP-Raum, die Experimentalanlagen für Schweine, Rinder und Hühner und die verschiedenen Labore besichtigen sowie den berühmten Dummerstorfer Mäusen, den schlauen Ziegen und vielen Tierkindern ganz nahe kommen. Für die Jüngsten werden ein kindgerechtes Programm sowie sportliche Höhepunkte zusammen mit der Feuerwehr Dummerstorf auf die Beine gestellt.

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.
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