Circovirus: PCV2-Untertypen fachen Diskussion an

Trotz gut wirksamer Impfstoffe und deren breitem Einsatz ist die Infektion mit dem Circovirus (PCV) immer wieder ein Thema. In Deutschland trat das Virus 1999 erstmals auf. Schon bald waren fast alle Schweinebestände von der Erkrankung betroffen: Zuerst in der Aufzucht, später dann hauptsächlich in der Mast. Mit der Impfung der Ferkel gegen das Circovirus, welche sich gut etabliert hat und mittlerweile auch als Kombivakzine angeboten wird, sowie ggf. der Impfung von Jungsauen und tragenden und säugenden Sauen kann der Erkrankung vorgebeugt werden.

In letzter Zeit herrscht allerdings eine kontroverse Diskussion darüber, ob die handelsüblichen Impfstoffe noch gut wirken, da mittlerweile verschiedene PCV-Untertypen bekannt sind und auch schon in Deutschland nachgewiesen wurden. Praktiker berichten davon, dass sie trotz Impfung wieder Probleme mit kümmernden Schweinen im Flatdeck bekommen. Immer noch ist der Typ 2 das Schweine krankmachende Circovirus, Typ 1 ist unproblematisch für Schweine. Das PCV2-Virus unterteilt sich in die Untertypen PCV2a, PCV2b und PCV2d. Die älteste bekannte Variante ist PCV2a. Auf diesen Stamm sind die meisten Impfstoffe aufgebaut. Etwa 2003 war PCV2b erstmals nachweisbar, er ist bis heute vorherrschend in Deutschland. Doch Experten erklären: Obwohl die Impfstoffe auf dem PCV2a-Typ aufgebaut sind, wirkten sie auch gegen PCV2b. PCV2d wurde erstmalig 2012 in Nordamerika nachgewiesen, ist in den USA die vorherrschende Variante, kommt aber mittlerweile auch in Europa vor. Es stellt momentan etwa ein Viertel aller nachgewiesenen Circoviren in Deutschland.

Experten raten aufgrund der Erfahrung mit der Wirkung gegen PCV2b dazu, weiterhin die gängigen Impfstoffe gegen das Circovirus zu nutzen. Denn die Wirkung einer Impfung besteht darin, die Virusmenge im Tier auf ein Niveau zu reduzieren, bei dem es nicht zu Krankheitserscheinungen und Leistungseinbußen kommt. Eine Impfung schützt ein Tier nicht komplett gegen eine Infektion. Warum es trotzdem diese geschilderten Probleme im Flatdeck gibt, erklären Experten zum einen mit Impfdurchbrüchen, also mit nicht korrekt durchgeführten Impfungen oder nicht impffähigen Tieren, und damit, dass durch Zukauftiere im Jungsauenbereich immer wieder PCV2 in die Bestände kommt. Die Ferkel der infizierten Sauen werden möglicherweise schon im Uterus oder kurz nach der Geburt mit PCV2 infiziert. Die übliche Impfung in der dritten Lebenswoche kann dann nicht umfassend wirken. Hier sollte das Gespräch mit dem Tierarzt gesucht werden, um gegebenenfalls eine andere Impfstrategie einzuführen.

Außerdem müssen trotz moderner Impfstoffe weiterhin unbedingt Management, Haltung und Fütterung optimiert werden, damit der Gesundheitsstatus der Tiere langfristig auf hohem Niveau liegt.

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels


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