Bestätigung der Afrikanischen Schweinepest im Kreis Olpe: Tierschutz steht an erster Stelle

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Gestern gab das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen bekannt, dass durch das Friedrich-Löffler-Institut bei einem aufgefundenen Wildschwein-Kadaver im Kreis Olpe die Afrikanische Schweinepest (ASP) bestätigt wurde. Die Bestätigung des ersten Falles in Westfalen-Lippe führt bei den westfälischen Schweinehalterinnen und Schweinehaltern zu großer Sorge um ihre Tiere. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband unterstützt das Vorgehen der örtlichen Veterinärbehörde, um ein Übergreifen des Virus auf Tierställe und die weitere Ausbreitung im Wildschweinbestand zu verhindern, ausdrücklich.

„Die Afrikanische Schweinepest stellt für unsere Tiere eine große Bedrohung dar. Umso wichtiger ist es jetzt, die weitere Ausbreitung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern und das Seuchengeschehen auf diese Weise umgehend einzudämmen. Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis, dass es in nun einzurichtenden Sperrzonen rund um den Fundort des ASP-Virus zu Einschränkungen – etwa beim Betretungsrecht von Wäldern – kommen kann. Zum Schutz unserer Tiere und auch der Wildschweinbestände sind diese Maßnahmen unverzichtbar. Für Schweine verläuft eine Infektion fast immer tödlich“, begründet Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, die nötigen Maßnahmen. „Da eine Impfung nicht verfügbar ist und auch in absehbarer Zeit nicht verfügbar sein wird, ist der Schutz der Tiere und die Eindämmung der Seuchenausbreitung für Schweine haltende Betriebe die wichtigste Maßnahme. Ich betone, dass Nordrhein-Westfalen auf einen Ausbruch der ASP im Wildschweinebestand gut vorbereitet ist. Hier leistet aktuell allen voran die Wildtierseuchenvorsorge-Gesellschaft (WSVG) einen enormen Beitrag – diesem Einsatz gilt mein ausdrücklicher Dank! Aber auch auf Landes- und Kreisebene sind umfangreiche Strukturen vorhanden, die eine effektive Bekämpfung der ASP ermöglichen“, so Beringmeier.

Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest beitragen, etwa in dem sie keine Speiseabfälle in die Natur werfen, da diese von Wildschweinen aufgenommen und das Virus hierdurch verbreitet werden kann. Auch bei der Mitnahme von Schweinefleischprodukten aus Regionen, in denen die Afrikanische Schweinepest vorkommt, ist Umsicht geboten. Der Fund von toten oder auffälligen Tieren sollte unmittelbar mit Angabe des Standorts und gegebenenfalls mit Fotos bei der Bereitschaftszentrale des LANUV (Tel.: 02 01/71 44 88 oder nbz@lanuv.nrw.de) gemeldet werden. Mit der Gründung der Wildtierseuchenvorsorge-Gesellschaft und der Tierseuchenvorsorge-Gesellschaft stehen wirksame Instrumente zur Verfügung, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern (z.B. durch Zaun- und Dekontaminierungsmaterial, schnelle Kadaverbergung, Drohnen- und Hundestaffeln zum schnellen Absuchen der Sperrzone).

Quelle: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V.

Interview: Der Stall der Zukunft: Wie sieht er aus?

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Die Schweinehaltung unterliegt aktuell einem großen Wandel. Neue Haltungskonzepte und intelligente Technik halten Einzug in die Ställe, was zu mehr Tierwohl und zu mehr Tiergesundheit führen soll. Dr. Astrid van Asten, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, erzählt im Interview, was beim Stall der Zukunft wichtig ist und wie sie diese Punkte in Haus Düsse umsetzen.

Wozu gibt es das Projekt „Stall der Zukunft“ in Haus Düsse?
Im Rahmen der sogenannten Nutztierstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen wurden am Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse zwei Modell- und Demonstrationsställe durch die Landwirtschaftskammer NRW errichtet. Der Bau der Projektställe „Stall der Zukunft“ wurden vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW finanziert. Die zwei unterschiedlichen Stallsysteme bieten ein erhöhtes Platzangebot für die Tiere, strukturierte Funktionsbereiche, organisches BeschäftigungsmateriaI, Außenklimakontakt bzw. Auslauf mit Wühlgarten und technische Verfahren zur Kot-Harn-Trennung, um Emissionen zu reduzieren. Die Ställe dienen darüber hinaus der Aus- und Weiterbildung für Landwirte in Nordrhein-Westfalen sowie der Darstellung möglicher zukünftiger Haltungssysteme in der Schweinehaltung für die Gesellschaft. Ein wichtiges Ziel ist es, die Akzeptanz für die Schweinehaltung zu stärken, indem das Tierwohl verbessert und die Umweltauswirkungen verringert werden.

Wie kann ein Schweinestall emissionsmindernd gebaut werden?
In beiden Ställen wurden technische Verfahren zur Kot-Harn-Trennung verbaut, ein klassisches Güllesystem unter dem Stall gibt es gar nicht, die Exkremente werden mehrmals täglich aus den Ställen gefördert. Dies beinhaltet unter anderem die direkte Trennung von festen und flüssigen Bestandteilen der Exkremente, um die Bildung von Ammoniak zu reduzieren. Für die Emissionsmessungen ist das System X-Node der Firma Dräger in beiden Ställen an mehreren Stellen auf Höhe der Tiere als auch in die Wandventile im Außenklimabereich eingebaut worden und zeichnet dort kontinuierlich Daten zu Ammoniak, Temperatur, CO2 und Luftfeuchte auf. Des Weiteren ist außerhalb des Stalles auf der Besucherplattform, die 24/7 zugänglich ist, eine Wetterstation, deren Werte für die Steuerung des Daches und den Curtains im Stallsystem 2 genutzt werden.

Wie praktikabel sind das offene Dach und die Glaskonstruktion? Wird es darin im Sommer nicht zu heiß?
Das Dach lässt sich je nach Witterung auffahren und es ist ein Sonnenschutz verbaut um einem Sonnenbrand bei den Tieren vorzubeugen. Ziel ist es, das aufstellbare Glasdach über dem integrierten Auslauf nur bei schlechtem Wetter (Niederschlag, extreme Kälte und Sturm bzw. Gewitter) zu schließen, es also überwiegend offen zu haben. Im Sommer bei hohen Außentemperaturen und starker Sonneneinstrahlung ist es im integrierten Auslauf durch das geöffnete Dach und das geschlossene Beschattungssystem sehr angenehm, ähnlich wie im Bereich unter einem Baum im Schatten.

Gehört zwangläufig Stroheinstreu in einen modernen Stall?
Nein, es gehört nicht zwangsläufig Stroheinstreu dazu. Wir haben bisher nur in den Liegebereichen gehäckseltes Stroh oder Leinenstroh als Minimaleinstreu verwendet. In den Ausläufen und den sogenannten Wühlgärten sind bisher Holzhackschnitzel und Miscanthus erprobt worden. Die Vor-und Nachteile einer Stroheinstreu sind in der Praxis hinlänglich bekannt, deshalb ist es das Ziel, im Stall der Zukunft Erfahrungen mit anderen Materialien zu sammeln.

Hackschnitzel im Außenbereich zum Wühlen auf Spaltenboden, schafft das ein Güllesystem?
Der Belüftungsboden (eine geringe Luftmenge wird durch das Hackschnitzelbett nach unten abgesaugt) ist mit so wenigen, kleinen Schlitzen ausgelegt, dass nur sehr wenig Material nach unten durchfällt, das Einstreumaterial wird oben auf dem Boden bewirtschaftet. Eine erste neue und positive Erfahrung aus dem ersten Durchgang mit fast fünf Wochen mit Holzhackschnitzelbett war, dass die Holzhackschnitzel intensiv bewühlt wurden und auch mit mehr Kot und Urin noch funktionieren als es bei Stroh möglich ist. Für die Lenkung des Abkotverhaltens wurde in den Wühlgarten „Beschäftigungsfutter“ in Form von Ackerbohnen gegeben. Derzeit wird immer noch daran gearbeitet das Abkotverhalten der Schweine in den Wühlgärten auf ein Minimum zu reduzieren und die Schweine zum Abkoten auf die Schweinetoilette (Pig-T System zur Kot-Harn Trennung) zu lenken.

Ist die Grünbepflanzung im Stall nur Beschäftigung und Optik, oder könnten die Pflanzen sogar die Luft reinigen?
Die Pflanztröge wurden in den Stall integriert um die Natur in die nach innen gerichteten Ausläufe zu holen. Für NGO’s und teilweise auch die Gesellschaft erscheint dies wichtig. Hier sind zum größten Teil Pflanzen angepflanzt, die den Schweinen auch als Beschäftigungsmaterial dienen können, wie z. B. Silphie, Miscanthus, Hanf oder Sonnenblumen. Eine Reinigung der Luft ist schwer messbar und stand nicht im Vordergrund.

Fußbodenheizung etc. – wie energieintensiv ist der Stall der Zukunft und wie sollte diese Energie idealerweise erzeugt werden?
Da die Warmbereiche der beiden Ställe jeweils auf ein Minimum reduziert wurden, und die Tiere diese Liegebereiche zum großen Teil selbst anwärmen, ist der Energieverbrauch für Wärme gering. Die restliche benötigte Wärme wird von einer Biogasanlage bereitgestellt, in der auch die festen Exkremente der Schweine landen. So ist ein direktes Kreislaufsystem entstanden. Die Außenklimabereiche bzw. Ausläufe werden weder beheizt noch aktiv belüftet, dadurch wird zusätzliche elektrische Energie eingespart. Zukünftig werden Messungen dazu genauere Zahlen liefern.

Wie bringt man die Schweine dazu das Kotband zu nutzen?


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Reduzierung von Hitzestress in Milchviehställen durch aktive Belüftung

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Von Alfons Fübbeker, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Typischerweise werden Milchviehställe durch eine Trauf-First Lüftung belüftet. Besonders im Sommer sind der Luftaustausch und die Temperaturabsenkung oft unzureichend, was zu einem Rückgang der Futteraufnahme bei den Kühen und damit zu niedrigerer Milchleistung sowie Fruchtbarkeitsproblemen führen kann. Welche sowohl technischen als auch baulichen Maßnahmen können helfen, um die Belüftung zu verbessern und Hitzestress zu lindern?

Die Wohlfühltemperatur der Milchkuh liegt im Bereich von 5 bis 15°C. Kann eine Kuh ihre Körperwärme nicht ausreichend an die Umgebung abgeben, kommt es zu Hitzestress beim Tier. Hitzestress kann anhand einer erhöhten Atemfrequenz erkannt werden, wobei ein Wert von 30 bis 50 Atemzügen pro Minute als normal gilt. Je höher die Atemfrequenz, desto größer ist der Hitzestress. Dies führt zu einer geringeren Futteraufnahme, was wiederum niedrigere Milchleistung, erhöhte Zellzahlen und vermehrte Fruchtbarkeitsprobleme zur Folge hat. Insgesamt wird die Kuh anfälliger für Krankheiten.

Ursachen für eine verringerte Belüftung
Auf vielen Betrieben wird die natürliche Belüftung durch benachbarte Gebäude wie den Melkstand mit Wartehof, das Güllesilo, Fahrsiloanlagen oder Anbauten für den Milchtank deutlich beeinträchtigt. Ähnliches gilt, wenn der Stall nicht quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet ist. Bei älteren Ställen ist aufgrund niedrigerer Traufenhöhen oft weniger Luft im Stall vorhanden. Zudem ist dieser Bereich nicht selten ganz oder teilweise mit einer Mauer verschlossen. Die geringe Belüftung führt dazu, dass die erforderliche Luftwechselrate häufig nicht erreicht wird. Dies kann unter anderem zu Kondenswasserbildung im Dachraum führen, was wiederum Schäden am Bauwerk verursachen kann, wie Pilzbefall am Holz oder schwarze Ablagerungen am Ständerwerk. Die Trauf-First Lüftung funktioniert aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen innen und außen. An warmen und windstillen Tagen kommt die freie Lüftung über Thermik oft zum Erliegen, wodurch die Tiere ihre produzierte Wärme kaum noch an die Umgebung abgeben können. In solchen Fällen ist es häufig sinnvoll, die Wärmeabgabe durch Ventilatoren zu fördern, um das Wärmepolster auf der Haut zu durchbrechen.

Liegt eine Giebelseite des Stalls in Hauptwindrichtung, sollte über Lochbleche im Giebelbereich die Luftzuführung verbessert werden. Offene, hohe Traufen und eine entsprechend dimensionierte Firstentlüftung sorgen für eine gute Belüftung, wobei der Dachüberstand nicht zu kurz sein sollte, um einen Sonnenschutz für die äußere Liegeboxenreihe zu gewährleisten. Helle und wärmegedämmte Dächer sind vorteilhaft, da der Wärmeeintrag durch das Dach im Sommer reduziert wird. Der Temperaturunterschied zwischen außen und innen ist dadurch größer, was eine bessere Thermik und erhöhten Luftaustausch zur Folge hat. Eine PV-Anlage auf dem Dach sorgt ebenfalls für eine vergleichbare Dämmwirkung. Lichtplatten sollten auf den Dachflächen mit südlicher und westlicher Ausrichtung vermieden werden, um eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Tiere zu verhindern.

Einsatz von Ventilatoren
Durch den Einsatz von Ventilatoren wird die Luftgeschwindigkeit erhöht, der Luftaustausch gesteigert und der Kühlungseffekt verbessert. Luftgeschwindigkeiten von mindestens 2,0 m/s im Tierbereich sorgen bei Kühen für einen Kühlungseffekt, da die umgebende Wärmeschicht der Kuh zerstört wird. Im Vergleich dazu liegt die optimale Luftgeschwindigkeit im Kälberbereich bei unter 0,5 m/s. Das Zuschalten der Ventilatoren und deren Steuerung sollte temperaturabhängig und automatisch erfolgen.

Bei hohen Temperaturen suchen die Kühe aktiv angenehme, kühlere Bereiche im Stall auf. Der Liegebereich ist besonders wichtig, da sich die Tiere hier am längsten aufhalten sollen. Um angenehme Bedingungen durch angepasste Luftgeschwindigkeiten zu gewährleisten, sind mehrere Ventilatoren erforderlich. Deckenventilatoren mit großen Durchmessern, die häufig mittig über dem Futtertisch (Dachraum) angebracht werden, drücken die Luft nach unten und von dort nach außen. Hindernisse wie Aufkantungen am Fressgitter oder Liegeboxenabtrennungen können Verwirbelungen verursachen und die Luftgeschwindigkeit reduzieren, wodurch der Kühlungseffekt deutlich geringer ist. Oft wird die erforderliche Luftgeschwindigkeit zur Abkühlung von mindestens 2,0 m/s nur unterhalb des Ventilators (Durchmesser) erreicht.


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Guter Start für Sommerkälber

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Der Frühling und Sommer, die Jahreszeiten mit warmen und zum Teil heißen Temperaturen, bringen vor allem für junge Kälber Herausforderungen mit sich. Durch die warmen Temperaturen sinken die Generationszeiten von Keimen, zum Beispiel E. coli, stark ab, so dass der Keimdruck rasch in die Höhe schnellt. Dies ist für das noch ungeübte und unreife Immunsystem von neugeborenen Kälbern eine Herausforderung. Kälber sind weniger hitzeempfindlich als Kühe, können jedoch auch unter Hitzestress leiden. Besonders wichtig ist die Luftfeuchtigkeit, die die Wärmetoleranz beeinflusst. Studien zeigen, dass Hitzestress ab einer Nachttemperatur von 23 bis 25°C einsetzt.

Leiden Kälber unter Hitzestress, verringert sich ihre Futteraufnahme trotz erhöhtem Energiebedarf, was ihr Immunsystem schwächt. Dies führt zu schlechterem Wachstum, höherer Krankheitsanfälligkeit und erhöhter Sterblichkeit. Besonders problematisch wird es, wenn die Temperaturen auch nachts nicht sinken.

1. Schutz vor Erregern: Hygiene in allen Bereichen
Fehlende Sauberkeit in der Abkalbebox birgt hohe Risiken für die Gesundheit des neugeborenen Kalbes. Die frühzeitige Versorgung mit Biestmilch bester Qualität und Hygiene legt den Grundstein für eine gesunde Aufzucht. Sommerzeit ist Fliegenzeit, weshalb die Tränkeeimer unbedingt mit einem Deckel ausgestattet und täglich gründlich zu reinigen sind. Trockene und saubere Einstreu vermindert die Wärmebildung durch Mist.

2. Schutz vor Hitze: Schatten und Frischluft
Vor sehr hohen Temperaturen durch starke direkte Sonneneinstrahlung sind die Kälber am besten durch ein Dach oder einen Baum über dem Boxenbereich oder ganz kreativ mit Sonnenschirmen oder Sonnensegeln geschützt. Durch die Öffnung der Iglus nach Osten entstehen in der Regel die beste Luftzirkulation und die geringste direkte Sonneneinstrahlung.

3. Schutz durch Impfung: Immunprophylaxe gegen Neugeborenendurchfall
Es ist von besonderer Bedeutung, Neugeborene gezielt gegen Durchfallerreger zu schützen. Eine effektive Maßnahme hierfür ist die Impfung der tragenden Kühe gegen die häufigsten Erreger von Neugeborenendurchfall. Mit der OneShot – Mutterschutzimpfung von Virbac ist sichergestellt, dass die Kühe Antikörper gegen Rota- und Coronaviren sowie E. coli bilden. Die Antikörper reichern sich im Kolostrum an und gehen mit der ersten Kolostrumgabe an das Kalb über, was einen optimalen Schutz bietet. Besonders praktisch ist das breite Impfzeitfenster von drei Monaten bis drei Wochen vor der Abkalbung. Wichtig ist anschließend eine zeitnahe und reichliche Gabe von hygienisch einwandfreiem Kolostrum an das neugeborene Kalb. Durch diese gezielte Impfung lassen sich Krankheitssymptome und die durchfallbedingte Sterblichkeit der Kälber deutlich reduzieren – was auch den Bedarf an Einzeltierbehandlungen und Antibiotika verringert.

4. Schutz vor Austrocknung: Wasser für alle
Kälber sollten bei warmen Temperaturen jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben. Frisches Wasser unterstützt die Verdauung und fördert die Raufutteraufnahme. Es hilft auch, die Flüssigkeit zu ersetzen, die durch das Schwitzen verloren geht. Besonders wichtig ist es, auf die ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, wenn Kälber an Durchfall leiden. So wird verhindert, dass sie zusätzlich anfällig für Hitzestress werden.

5. Schutz vor Stress: Arbeitsorganisation
Arbeiten wie Impfungen, Umstallen und Enthornen sollten früh morgens durchgeführt werden, um die Kälber und auch Menschen in der heißesten Phase des Tages nicht zusätzlich zu stressen.

6. Schutz vor schweren Erkrankungen: Sorgfältige Tierbeobachtung
Eine regelmäßige aufmerksame Kontrolle der Kälber in Hinblick auf frühe Krankheitsanzeichen wie Durchfall und Atemwegserkrankungen bewirkt, dass ein frühzeitiges Eingreifen vor Ausbildung von schweren Symptomen möglich ist. Schnelle Hilfe bei ersten Durchfallsymptomen des Kalbes sind die Zwischentränke von Elektrolyten und gegebenenfalls die Gabe eines Schmerzmittels.

Kontakt:
Virbac Tierarzneimittel GmbH
Dr. Kerstin Duncker
Tel: +49 4531 805111
kerstin.duncker@virbac.de

Quelle: Virbac Tierarzneimittel GmbH

Interview Legehennen wurmfrei halten

Legehennen werden zunehmend in alternativen Haltungsformen gehalten, in denen Zugang zu Auslauf besteht. Doch dadurch steigt auch ihre Belastung mit Darmparasiten. Ein Projekt will diesen Umstand nun näher untersuchen und Empfehlungen für die Praxis erarbeiten. Alina Lückemann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen arbeitet mit im Projekt „WURM-Frei“ und erklärt, warum das Thema Darmparasiten so wichtig ist.

Wie steht es derzeit um die Belastung von Legehennen mit Würmern?
Seit der Abschaffung der Käfighaltung in 2010 in Deutschland verschob sich die Verteilung der Haltungsformen bei den Legehennen. Im Gegensatz zur Käfighaltung haben Legehennen in alternativen Haltungsformen einen erhöhten Kontakt zu ihrem Kot und die Infektion mit Endoparasiten wird begünstigt. Dies hat zu einem deutlichen Anstieg in der Prävalenz geführt.

Gibt es Unterschiede bei Freiland- und Bodenhaltung sowie ökologischer Haltung?
Mit zunehmenden alternativen Haltungsformen mit Zugang zum Auslauf stieg der Wurmdruck in den letzten Jahren massiv an. In Niedersachsen leben ca. 23 % der Legehennen in der Freilandhaltung und ca. 16 % in der ökologischen Haltung. Besonders in diesen Haltungen ist zu beobachten, dass der Darmparasitendruck im Bestand zunehmend ansteigt, da sich Wurmeier im Auslauf anreichern und es nur eingeschränkte Biosicherheitsmaßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung gibt. Mit der neuen Forderung der Auslaufnutzung bei Bio-Junghennen erhöht sich das Risiko einer frühen Infektion.

Um welche Würmer handelt es sich?
Neben Spulwürmern (Ascaridia galli), Blinddarmwürmern (Heterakis gallinarum) und Fadenwürmern (Capillaria spp.) mehren sich auch die Berichte von in der Praxis vorkommenden Bandwürmern (u.a. Rallietina spp. Hymenolepis spp, Choanotaenia infundibulum und Davainea proglottina).

Wie infizieren sich die Hennen?
Eine Infektion erfolgt gewöhnlich über die orale Aufnahme von Wurmeiern oder durch die Aufnahme des Stapelwirts oder Zwischenwirts (z. B. Regenwürmer).

Wie ist der Entwicklungszyklus der Würmer?
Die gängigen Endoparasiten sitzen vor allem im Darm der Legehennen. Die Eier der adulten Parasiten werden über den Kot der Hennen ausgeschieden. Je nach Art können die Eier in der Umwelt überdauern oder von einem Stapelwirt oder einem Zwischenwirt aufgenommen werden. Stapelwirte sind Organismen, in denen sich Parasiten aufhalten, aber nicht entwickeln oder vermehren können.
Die Eier von Rundwürmern (Ascaridia galli, Heterakis gallinarum) sind sehr überlebensfähig und können in der Umwelt mehrere Monate bis Jahre überleben. Außerdem können sie von Regenwürmern als Stapelwirt aufgenommen werden und sind dann ebenfalls mehrere Jahre überlebensfähig.

Fadenwürmer (Capillaria spp.) entwickeln sich je nach Art mit oder ohne Zwischenwirt (meist Regenwürmer) weiter. Ohne Zwischenwirt sind sie in der Umwelt nur wenige Woche überlebensfähig.

Bandwürmer benötigen hingegen immer einen Zwischenwirt zur weiteren Entwicklung (z.B. Nacktschnecken, Ameisen). Daher sind diese Parasiten seltener in der Bodenhaltung anzutreffen. Nach der Aufnahme der Parasiteneier des Stapel- oder Zwischenwirts durch die Legehenne schlüpfen die Larven und entwickeln sich zu adulten Parasiten. Sie vermehren sich im Endwirt, bis neue Eier durch den Kot ausgeschieden werden. Durch den direkten Kontakt des Kots mit den Artgenossen kommt es zu einer schnellen Ausbreitung innerhalb einer Herde.

Wie bemerkt man Würmer im Huhn?


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Spurensuche im Erbgut: Was alte DNA über die Geschichte von Seuchen verrät

13. Loeffler Lecture mit Prof. Dr. Johannes Krause – auch Online

Wie kam es zu den verheerenden Seuchenzügen von Pest oder Tuberkulose – und was können wir heute daraus lernen? Der renommierte Paläogenetiker Prof. Dr. Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, gibt in der 13. Loeffler-Lecture im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg am 10. Juni in Greifswald spannende Einblicke in seine Forschung zur Geschichte historischer Krankheitserreger.

Möglich wird diese Forschung durch modernste DNA-Technologien: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können heute winzige Spuren von Erreger-DNA aus menschlichen Überresten analysieren – eine Art „molekulare Fossilien“. Auf diese Weise lässt sich nachvollziehen, wie sich Bakterien und Viren über Jahrtausende entwickelt, verbreitet und an den Menschen angepasst haben.

Krauses Forschungsteam rekonstruierte unter anderem das Erbgut des Pest-Bakteriums aus mittelalterlichen Knochenfunden und konnte die Ursprünge der Seuche bis nach Zentralasien zurückverfolgen. Noch ältere DNA-Funde aus der Steinzeit zeigen, wie sich die Pest bereits vor Tausenden Jahren an den Menschen und auch den Floh als Überträger angepasst hat – lange bevor sie zu einer verheerenden Pandemie wurde.

In seinem Vortrag erläutert Prof. Krause, wie diese Erkenntnisse zur Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten heute helfen können, die letzten und zukünftige Pandemien besser zu verstehen und ihnen wirksamer zu begegnen.

Prof. Krause hat in über 250 wissenschaftlichen Arbeiten unser Wissen über die Evolution des Menschen und seiner Krankheiten grundlegend verändert. In seinem Vortrag stellt er die neuesten Erkenntnisse aus der sogenannten Paläogenomik vor – einem spannenden Forschungsfeld an der Schnittstelle von Genetik, Archäologie und Medizin.

Die „Loeffler-Lecture“ wurde 2012 gemeinsam vom Friedrich-Loeffler-Institut und dem Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald als Auszeichnung für die Leistungen zu aktuellen infektions-medizinischen Forschungsthemen ins Leben gerufen. Damit soll insbesondere an die bahnbrechenden Leistungen Friedrich Loefflers in der Infektiologie erinnert werden. Die Veranstaltung findet üblicherweise in zeitlicher Nähe zum Geburtstag von Friedrich Loeffler im Juni statt.

Friedrich Loeffler, einer der Begründer der Virusforschung, wurde am 24. Juni 1852 in Frankfurt/Oder geboren. Nach dem Medizinstudium in Würzburg und Berlin arbeitete er mit Robert Koch. 1888 wurde Loeffler auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Hygiene nach Greifswald berufen. Im Jahr 1898 beschrieb er gemeinsam mit Paul Frosch mit dem Erreger der Maul- und Klauenseuche erstmals ein Virus als filtrierbaren und korpuskulären Infektionserreger. Am 10. Oktober 1910 gründete er auf der Insel Riems das weltweit erste Virusforschungsinstitut, das nach ihm benannte heutige Friedrich-Loeffler-Institut.

13. Loeffler-Lecture
Professor Dr. Johannes Krause, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Titel: Alte Pathogen-Genome: Was wir aus historischen Erregern über deren Evolution lernen
Begrüßung: Professor Dr. Thomas Klinger, Alfried Krupp Wissenschaftskolleg
Einführung und Moderation: Professorin Dr. Christa Kühn, Friedrich-Loeffler-Institut
Datum, Zeit: Dienstag, 10. Juni 2025 von 18 Uhr – 19:30 Uhr
Ort: Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, Martin-Luther-Straße 14, 17489 Greifswald, Freier Eintritt

Zugang zum virtuellen Hörsaal: Alte Pathogen-Genome: Was wir aus historischen Erregern über deren Evolution lernen – Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Sind Ziegen hilfsbereit? Neue FBN-Studie liefert Hinweise auf prosoziales Verhalten bei Nutztieren

Können Ziegen einander helfen? Eine neue Studie des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf in Zusammenarbeit mit Kolleg:innen von der Veterinärmedizinischen Universität Wien legt nahe, dass Ziegen prosoziale Verhaltensweisen zeigen – also bereit sind, anderen ohne direkten Eigennutzen zu helfen. Dies könnte einen wichtigen Beitrag zum Verständnis sozialer Kognition bei Nutztieren leisten.

In der im Fachjournal Royal Society Open Science veröffentlichten Studie entwickelten die Forscher:innen ein neuartiges Versuchsdesign – die sogenannte „Fake Apple Tree“-Apparatur, die vom natürlichen Kletterverhalten der Ziegen inspiriert ist. In dieser Versuchsanordnung kann eine Ziege durch Besteigen eines Podests eine Vorrichtung, den Ast des Baumes, auslösen, die einen Futterspender nach unten bewegt.

Die Ergebnisse zeigen: Ziegen interagierten signifikant häufiger mit dem Gerät, wenn es Futter für ihre Artgenossen enthielt. Zudem verharrten sie länger in der Position, in der sie nur dem Artgenossen den Zugang zum Futter ermöglichten – ohne selbst danach zu greifen. Ein solches Verhalten gilt auch bei anderen Tierarten als Hinweis auf prosoziale Motivation.

Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ziegen durchaus in der Lage sind, anderen zu helfen, selbst wenn sie selbst nicht direkt davon profitieren. Die Ergebnisse erweitern das bisher limitierte Feld der untersuchten Arten hinsichtlich prosozialen Verhaltens und zeigen, dass auch Nutztiere Prosozialität zeigen. Zwar zeigten nicht alle Ziegen einheitlich prosoziale Tendenzen, doch die Variation zwischen den Individuen bietet spannende Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass prosoziale Tendenzen auch bei Nutztieren wie Ziegen auftreten, wenn man die Versuchsbedingungen an deren natürliche Verhaltensweisen anpasst. Durch die Entwicklung der ‚Fake Apple Tree‘ – Apparatur konnten wir zeigen, dass solche maßgeschneiderten Testdesigns entscheidend sein könnten, um soziale Motivationen zuverlässig zu erfassen. Dieser Ansatz bietet spannende Perspektiven, künftig prosoziales Verhalten auch bei anderen Tierarten näher zu untersuchen“, erklärt Dr. Jan Langbein, von der Arbeitsgruppe Verhalten und Tierwohl am FBN.

Warum ausgerechnet Ziegen?
Ziegen leben in sogenannten Fission-Fusion-Gesellschaften – dynamischen Sozialstrukturen, in denen sich Gruppen regelmäßig auflösen und neu zusammensetzen. Solche Systeme erfordern eine hohe soziale Anpassungsfähigkeit und bieten ideale Voraussetzungen, um Fragen nach Empathie, Kooperation und sozialem Lernen zu untersuchen. Die aktuellen Studien ergänzen die bisherige Forschung der Arbeitsgruppe „Verhalten und Tierwohl“ am FBN zu Aspekten von Lernen und Kognition von Nutztieren am Modelltier Ziege.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Spitzenforschung für tiergerechtes, automatisiertes Herdenmanagement

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Startschuss für Exzellenzprojekt „AutoPasture“ fällt 2. Juni. Verbundpartner bringen Wissenschaft direkt auf die Weide und wollen mithilfe von Sensorik, Kameratechnik, KI und Robotik Mensch, Natur und Tier entlasten.

Am 2. Juni startet das Exzellenzprojekt „AutoPasture – Digitale Anwendungen für ein autonomes Herden- und Weidemanagement von Rindern“ mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung im Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf.

Projektpartner sind neben dem FBN, die Hochschule Neubrandenburg, die Universität Rostock, der Forschungsverbund M-V gGmbH sowie die Fraunhofer-Institute IGD und IGP als assoziierte Partner. Die Hochschule Stralsund ist federführend im Projekt, die Koordination obliegt Prof. Dr.-Ing. Mark Vehse. „In diesem Projekt verzahnen sich die verschiedenen Kompetenzen unserer Partner, um die Weidehaltung von Rindern durch den Einsatz digitaler Technologien tiergerechter, effizienter und nachhaltiger zu gestalten“, erklärt Prof. Vehse.

AutoPasture soll damit einen Mehrwert für die Tiere, die Natur und auch die Landwirte, die häufig Zeit- und Personalprobleme haben, darstellen. Es wird um Fragen gehen, wie strategische Beweidung dabei helfen kann, möglichst lang Futter zu sichern, Biodiversität zu fördern und unerwünschte Pflanzenarten zu kontrollieren; aber auch wie Tiere glücklicher und gesünder zusammenleben und effizient vor Prädatoren geschützt werden können. Dazu werden verschiedenste Technologien installiert und vor allem Daten gesammelt, um digitale Zwillinge der Weiden und Herden zu erschaffen. Computergestützt sollen mit vielen Daten dann Szenarien für die Rinder und Grünflächen durchgespielt und Prognosen für die zu erwartenden Reaktionen erstellt werden. Die Reallabore also die drei Testflächen sollen anvisiert eine Milchviehhaltung, eine Mutterkuhhaltung sowie die Haltung von Wasserbüffeln in Mecklenburg-Vorpommern sein.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) bringt seine ausgewiesene Expertise in der Verhaltensforschung und digitalen Tierüberwachung ein. Mithilfe intelligenter Systeme soll das Verhalten von Rindern kontinuierlich erfasst und analysiert werden, um Stressreaktionen frühzeitig zu erkennen und Tierwohlindikatoren automatisiert zu bewerten.

„Unsere langjährige Forschung zur Verhaltensbiologie landwirtschaftlicher Nutztiere macht das FBN zu einem starken Partner im Projekt AutoPasture. Durch Methoden der digitalen Verhaltensüberwachung wollen wir frühzeitig Stressreaktionen erkennen und objektive Tierwohlindikatoren entwickeln – ein entscheidender Beitrag für eine tiergerechte, datenbasierte Weidewirtschaft“, sagt Dr. Jan Langbein, von der Arbeitsgruppe „Verhalten und Tierwohl“ am FBN.

Das interdisziplinäre Forschungsvorhaben wird im Rahmen des Landesexzellenzprogramms „Anwendungsorientierte Exzellenzforschung“ mit rund fünf Millionen Euro über vier Jahre vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

Feierliche Auftaktveranstaltung AutoPasture
Montag, 2. Juni 2025
13 bis 15.15 Uhr im offiziellen Teil
Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf

Grußworte aus Hochschule, FBN und dem Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten M-V Redebeiträge zu den Themenkomplexen Tier, Grünland, Technik, Big Data und KI sowie Verwertung und zu Bilddaten und der Digitalen Leitwarte

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Klima-Schnellcheck für Schweinehalter gestartet

Wo steht mein Betrieb in Sachen Nachhaltigkeit? Wie könnte ich besser werden? Diese Fragen können sich Schweinehalter in Süddeutschland ab sofort einfach und schnell beantworten lassen: Möglich macht das ein Klima-Schnellcheck und die dazugehörige Nachhaltigkeitsbibliothek, die im Rahmen des Projekts „Süddeutsche Schweinefleischerzeugung – zukunftsorientiert, klimafreundlich, wirtschaftlich (SüdSchwein4Klima)“ in die Qualifood-Plattform für Schweinehalter integriert wurden.

Das Projekt SüdSchwein4Klima richtete seinen Fokus auf die Klimafreundlichkeit der Wertschöpfungskette der süddeutschen Schweinefleischerzeugung. Berücksichtigt wurden aber auch Wirtschaftlichkeit und Tierschutz. Als freiwillige Hilfestellung für die schweinehaltenden Betriebe wurde dafür das Nachhaltigkeitsmodul in der Informationsplattform Qualifood®, welche vom Fleischprüfring Bayern e.V. betrieben wird, geschaffen.

Das Modul besteht aus zwei Teilen: Mit dem Klima-Schnellcheck kann durch die Beantwortung von 20 – 30 kurzen Fragen schnell und einfach ermittelt werden, wo der Betrieb in Sachen Klimafreundlichkeit aktuell steht. Betrachtet werden dabei die Fütterung, Wirtschaftsdünger- und Stickstoffmanagement, Kohlenstoffspeicherung sowie die Erzeugung von Erneuerbaren Energien. In der dazugehörenden Nachhaltigkeitsbibliothek finden die Betriebe gleichzeitig Ideen und Anregungen aus über 140 Projekten, untergliedert in zehn Kategorien, für die Weiterentwicklung der Schweinehaltung. Erste Landwirte haben das Modul bereits getestet und positiv bewertet.

Um das Nachhaltigkeitsmodul nutzen zu können, loggen sich Betriebe einfach bei www.qualifood.de mit ihren bestehenden Zugangsdaten ein. Wer noch kein Benutzerkonto hat, kann sich kostenlos registrieren.

Einen Überblick, wie das Modul funktioniert und welche Vorteile es bietet, gibt ein kurzes Erklärvideo 

Beteiligte Institutionen und Partner des Projekts:
Lead Partner des Projekts ist der Schweinezuchtverband Baden-Württemberg e.V. (SZV), Koordinator ist das Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg – Schweinehaltung, Schweinezucht – (LSZ Boxberg). Weitere Partner der Operationellen Gruppe sind der Fleischprüfring Bayern e.V., die Universität Hohenheim mit der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie, die Bodensee-Stiftung, Landesbauernverband in Baden-Württemberg e.V., der Bayerische Bauernverband KdÖR, Bioland Erzeugerring Bayern e.V., Raiffeisen Viehzentrale GmbH, Erzeugergemeinschaft Südbayern e.G., Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben w.V., Ringgemeinschaft Bayern e.V., UEG Hohenlohe-Franken w.V., Müller Fleisch GmbH, Süddeutsches Schweinefleischzentrum Ulm Donautal GmbH, Ulmer Fleisch GmbH, Bayerische Bauern Marketing GmbH sowie fünf landwirtschaftliche Betriebe.

Förderung der Maßnahmen:
Das Projekt wurde gefördert im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-AGRI). Die Projektförderung ist eine Maßnahme des Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014 – 2020 (MEPL III). Das Projekt wurde durch das Land Baden-Württemberg und über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) finanziert und Ende 2024 abgeschlossen.

Quelle: Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg

Übergangsfrist für Tierhaltungskennzeichnung wird verlängert

Bundesländer bekommen halbes Jahr mehr Zeit für Einführung

Die Übergangsregelung zur Tierhaltungskennzeichnung wird angepasst und bis zum 1. März 2026 verlängert. Damit bekommen die Bundesländer und Lebensmittelunternehmer mehr Zeit zur Umsetzung. Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung informiert darüber, in welcher Haltungsform die Tiere gehalten wurden, von denen das Fleisch kommt. Sie schafft Transparenz und Klarheit auf den ersten Blick. Verbraucherinnen und Verbraucher können damit eine informierte Kaufentscheidung treffen und sich bewusst zwischen verschiedenen Tierhaltungsformen entscheiden.

Dazu erklärt Bundesminister Alois Rainer: „Eine verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung muss vom ersten Tag an einwandfrei funktionieren. Die Länder, die das Gesetz am Ende umsetzen und kontrollieren, brauchen noch etwas Zeit. Auch den Lebensmittelunternehmern wird mehr Zeit zur Umsetzung eingeräumt. Wir wollen Regelungen, die sich in der Praxis leicht umsetzen lassen und weniger Bürokratie bedeuten.“

Die Bundesregierung hat die von dem Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, vorgelegte Formulierungshilfe für die Koalitionsfraktionen heute beschlossen. Der entsprechende Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes soll aus der Mitte des Bundestages eingebracht werden.

Hintergrund:
Die Tierhaltungskennzeichnung unterscheidet fünf Haltungsformen: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Sie gilt zunächst für frisches Schweinefleisch, das in Deutschland produziert wurde. Dies gilt sowohl für vorverpackte als auch für nicht vorverpackte Ware im Lebensmitteleinzelhandel, in den Fleischereifachgeschäften und im Online-Handel. Lebensmittel aus dem Ausland können freiwillig gekennzeichnet werden. Die Pflicht zur Verwendung der Tierhaltungskennzeichnung sollte ursprünglich zum 1. August 2025 greifen. Nun wird diese Frist bis zum 1. März 2026 verlängert. Eine freiwillige Kennzeichnung vor dem 1. März 2026 bleibt weiterhin möglich. Die Agrarministerkonferenz hatte eine Verlängerung der Übergangsfrist erbeten.

Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)

Durch Mücken übertragene Erkrankungen auf dem Vormarsch

Gut geschützt gegen die Blauzungenkrankheit – auf EHD vorbereiten – Impfstoffe in Rekordzeit zugelassen

Nach wenigen Fällen im Herbst 2023 hat sich die Blauzungenkrankheit (Serotyp BTV-3) 2024 bei Wiederkäuern in Deutschland stark ausgebreitet und viele Betriebe kalt erwischt. Vor allem Schafe erkrankten schwer, viele Tiere starben. Auch bei Rindern kam es zu Erkrankungen und vermehrten Abgängen. Neben zum Teil deutlichen Leistungseinbußen und klinischen Symptomen wurde vielfach auch über Aborte und Probleme mit der Fruchtbarkeit berichtet. Neben Schafen und Rindern sind auch andere Wiederkäuer und Neuweltkamele (Lamas und Alpakas) von der Blauzungenkrankheit betroffen.
Infektionsrisiko steigt saisonal

Die Übertragung des Virus durch Mücken (hier Gnitzen) bedingt eine starke Saisonalität. Diese ist gekennzeichnet durch eine Beruhigung des Infektionsgeschehens in den Wintermonaten („mückenfreie Zeit“), erneutem Beginn auf niedrigem Niveau in den ersten warmen Monaten (etwa ab Mai/Juni) und – abhängig auch von Temperaturen und Niederschlägen, die die Vermehrung der Vektoren begünstigen – dem Maximum der Infektion im Spätsommer bis in den September und Oktober hinein. Die ruhige Phase im Winter und zeitigen Frühjahr gilt es zu nutzen, um einen Impfschutz aufzubauen.

Was ist bei der Impfung zu beachten?
Eine Impfung besteht aus einer Grundimmunisierung und möglichen Auffrischungsimpfungen in für den jeweiligen Impfstoff definierten zeitlichen Abständen. Nur so wird die Wirksamkeit sichergestellt. Für die Blauzungenkrankheit empfiehlt sich – ebenso wie für andere durch Mücken übertragene Erkrankungen beispielsweise das West-Nil-Fieber beim Pferd – eine Grundimmunisierung während der mückenarmen Zeit im Winter oder Frühjahr. Soweit noch nicht erfolgt, sollte die Grundimmunisierung (in der Regel bestehend aus zwei Impfungen im Abstand von mehreren Wochen) nun zügig abgeschlossen werden. Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt für die Wiederholungsimpfung, um einen optimalen Schutz in den Sommermonaten zu erreichen. Auch im Vorjahr betroffene Herden sollten durch eine Impfung geschützt werden.

Generell sollten nur gesunde Tiere geimpft werden, denn nur bei diesen kann die Impfung richtig wirken. Hierzu gehört auch, dass die Tiere wurmfrei sind. Erfahrungen aus dem Blauzungengeschehen im vergangenen Jahr zeigten, dass schwer betroffene Tiere oftmals auch (hochgradig) verwurmt waren. Tiermedizinische Maßnahmen wie die Entwurmung sollten also rechtzeitig vor der Impfung durchgeführt werden.

Wichtig ist ebenfalls die rechtzeitige Impfung. Diese muss so frühzeitig erfolgen, dass möglichst vor Wiederbeginn der Gnitzen-/Mückensaison ein ausreichender Impfschutz aufgebaut werden kann. Der Körper braucht hierfür einige Zeit – in der Regel wird der volle Impfschutz erst einige Wochen nach der zweiten Impfung der Grundimmunisierung erreicht. Die Entscheidung zur Impfung sollte also getroffen werden, bevor der Erreger die eigenen Tiere erreicht hat.

Impfstoffe in Rekordzeit entwickelt und zugelassen
Die Tiergesundheitsindustrie hat seit dem Auftreten des neues Serotyps BTV-3 der Blauzungenkrankheit in kurzer Zeit drei Impfstoffe für diesen Serotyp entwickelt und bereitgestellt. In enger Abstimmung mit den Behörden wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium zunächst eine Impfgestattung erteilt. Mittlerweile wurden alle drei Impfstoffe im beschleunigten Verfahren zugelassen. Naturgemäß liegen dabei die Daten z.B. zur Dauer der Immunität über einen längeren Zeitraum und erforderlichen Wiederholungsimpfungen nach Abschluss der Grundimmunisierung noch nicht vor. Klare Signale für eine Impfung unterstützen die Unternehmen in der frühzeitigen Planung für ausreichende Impfstoffmengen, denn die Produktion nimmt einige Monate in Anspruch.

Schutz auch gegen die EHD
Auch für einen Impfstoff gegen eine weitere durch Mücken übertragene Erkrankung der Wiederkäuer, die Epizootische Hämorrhagische Krankheit (EHD), hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA kürzlich ein positives Votum abgegeben. Die Europäische Kommission hat auf dieser Basis im April des Jahres die Zulassung erteilt. Auch dieser Impfstoff wurde im beschleunigten Verfahren als Zulassung unter außergewöhnlichen Umständen erteilt. Die EHD ist eine Viruserkrankung der Wild- und Hauswiederkäuer (v.a. Rinder), deren Symptome, denen der Blauzungenkrankheit sehr ähnlich sind. Sie hat sich in den vergangenen beiden Jahren von Spanien und Portugal ausgehend weiter nordwärts bis Westfrankreich ausgebreitet. Hier kommt der Impfstoff bereits zum Einsatz. Auch Belgien hat eine verpflichtende Impfung gegen die EHD beschlossen.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

TVT-Positionspapier: Zur Dringlichkeit bei Notschlachtungen

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hat ein Positionspapier zum Thema Notschlachtungen veröffentlicht. Darin wird erklärt, wann eine Notschlachtung überhaupt erfolgen darf, wie sie ablaufen muss wann andere Maßnahmen wie eine tierärztliche Behandlung, eine Euthanasie durch einen Tierarzt, eine Nottötung oder Hausschlachtung in Frage kommen. Das Papier bietet eine Checkliste für die reibungslose Organisation einer Notschlachtung:

Vorbeugend für den Fall einer Notschlachtung

• Handynummer eines amtlichen/ernannten Tierarztes vorhanden

• Schlachtbetrieb in der Nähe vorhanden (max. 2 Stunden Fahrzeit für ungekühlten Transport), der notgeschlachtete Tiere annimmt bzw. Notschlachtungen durchführt; Handynummer vorhanden; Alternative vorhanden?

• Ggf. Formular für Veterinärbescheinigung vor Ort haben (Anhang IV Kapitel 5 der Durchführungsverordnung (EU) 2020/2235)

Organisation einer Notschlachtung

1. Tierarzt anrufen: Notschlachtung gerechtfertigt? Verfügbarkeit erfragen.

2. Schlachtbetrieb anrufen: Verfügbarkeit prüfen.

3. Zeitpunkt der Notschlachtung koordinieren. Wenn nicht schnell genug umsetzbar, andere Maßnahme ergreifen (z. B. Behandlung (Schmerzmedikation), Euthanasie, Nottötung).

4. Lebensmittelketteninformation vorbereiten (Standarderklärung und Tierpass bereithalten)

Wenn ein Tier akut verunfallt bzw. verletzt ist und Schmerzen, Leiden oder Schäden erfährt, muss der Tierhalter unverzüglich Maßnahmen zur Abhilfe ergreifen (§ 4 TierSchNutztV)! Die Empfehlungen des TVT-Papiers sollte sich deshalb jeder Tierhalter wirklich zu Herzen nehmen.

Link zum Download des Positionspapiers (PDF)

Boehringer Ingelheim erhält Marktzulassung für Blauzungen-Impfstoff in Deutschland

• Der Impfstoff schützt Rinder und Schafe vor dem Blauzungenvirus Serotyp 3 (BTV-3)
• Es ist der einzige BTV-3-Impfstoff, der laut Zulassung die klinischen Symptome der Erkrankung und damit die Mortalität verhindert
• Die Anwendung des Impfstoffs wurde in Deutschland bereits im Juni 2024 gestattet
• Wirksame Strategien gegen das Blauzungenvirus sind auch weiterhin nötig

Boehringer Ingelheim, ein führender Anbieter von Präventionslösungen für Nutztiere, hat die Marktzulassung für seinen Impfstoff gegen das Blauzungenvirus Serotyp 3 gemäß Artikel 25 der EU-VO 2019/6 erhalten. Der Impfstoff von Boehringer Ingelheim wurde in nur sieben Monaten entwickelt und darf bereits seit Juni 2024 aufgrund einer Impfstoffgestattungsverordnung zur Bekämpfung des aktuellen BTV-3-Ausbruchs angewendet werden.

BTV-3 verursacht bei Schafen und Rindern schwere klinische Symptome, bei Schafen einhergehend mit erhöhter Mortalität. Neben dem erheblichen Tierleid können Ausbrüche zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für Landwirte führen, den internationalen Handel beeinträchtigen und die Nahrungsmittelversorgung einschränken. Folglich ist der Bedarf an wirksamen Strategien zur Bekämpfung des Infektionsgeschehens, insbesondere durch Impfungen, nach wie vor hoch.

Bisher wurden in Deutschland mehr als 13 Millionen Impfdosenbereitgestellt, um die Ausbreitung von BTV-3 und seine verheerenden Auswirkungen einzudämmen. Der von Boehringer Ingelheim zusammen mit seinem Partner Bioveta entwickelte Impfstoff zeigt eine sehr gute Verträglichkeit und Wirksamkeit. Das nationale Referenzlabor für BTV am Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hat dazu erste Daten veröffentlicht.1

„Unser Impfstoff schützt die Gesundheit von Schafen und Rindern und sichert damit die Lebensgrundlage derjenigen, die sich um sie kümmern. Die Zulassung unterstreicht unser Engagement, Landwirte, Tierärzte und Behörden bei der Bekämpfung von BTV-3 zu unterstützen“, sagt Barbara Umbs, Leiterin des Nutztierbereichs bei Boehringer Ingelheim. „Anzeigepflichtige Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit stellen nach wie vor eine erhebliche Bedrohung dar, was die Notwendigkeit langfristiger präventiver Lösungen zum Schutz unserer Nutztiere unterstreicht.“

Die Impfung als wirksame Präventionsstrategie gegen die Blauzungenkrankheit
Das Blauzungenvirus wird von winzigen Insekten namens Gnitzen (Culicoides) übertragen. Die Krankheit zeigt einen stark saisonalen Verlauf, mit zunehmendem Auftreten bei steigenden Temperaturen. Es gibt 28 verschiedene Serotypen von BTV, die nur Wiederkäuer wie z. B. Rinder und Schafe infizieren. Die Impfung von Boehringer Ingelheim gegen den Serotyp 3 schützt empfängliche Tiere vor den schmerzhaften Symptomen der Krankheit und vor Todesfällen. Experten empfehlen, die Tiere rechtzeitig vor der Flugzeit der Gnitzen mit einer Impfung zu schützen. Diese erfordert bei Schafen eine und bei Rindern zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.vetmedica.de

1. Friedrich-Loeffler-Institut, Serologische Studien zum Nachweis von BTV-3-Impfantikörpern – eine erste Zusammenfassung und Bewertung durch das Nationale Referenzlabor für Blauzungenkrankheit, Dezember 2024.

Quelle: Boehringer Ingelheim

„Schlupf im Stall“ versus „Schlupf in Brüterei“: Effekte des Schlupfortes und von erhöhten Plattformen auf Broiler

Eine neue Studie* untersuchte das Verhalten und die Leistung von schnell wachsenden Broilern, wobei Faktoren wie Aktivität, Körpertemperatur und Gehfähigkeit analysiert wurden. Untersucht wurden 1.600 Broiler (Ross-Genetik) in zwei Gruppen: Schlupf im Stall (On-Farm-Hatching, OH) und konventionell in der Brüterei (Hatchery-Hatching, HH).

Haltungsbedingungen und Versuchsdesign
Die Hühner wurden in zwei Umgebungen gehalten: konventionell (Kontrolle) und angereichert (mit erhöhten Plattformen). Die Aufzucht dauerte 35 Tage, wobei Körpergewicht und Körpertemperatur der Hühner regelmäßig gemessen wurden. Ebenso wurden Futteraufnahme und Futterverwertung erfasst, um die Leistung der Hühner zu bewerten. Die Untersuchungen zum Verhalten umfassten auch die Nutzung der erhöhten Plattformen.

Ergebnisse zur Schlupfrate und Qualität der Küken
• Die Schlupfrate betrug bei beiden Schlupfmethoden 96,5 % ohne signifikante Unterschiede.
• OH-Küken wogen beim Schlupf im Durchschnitt 46,7 g (weiblich) und 46,1 g (männlich), während HH-Küken 40,9 g (weiblich) und 41,3 g (männlich) wogen.
• Das Körpergewicht der Küken stieg mit dem Alter, wobei OH-Küken schwerer waren als HH-Küken.
• Die Sterblichkeit in der ersten Lebenswoche lag bei 0,3 % bis 1,0 % und war zwischen den Brutmethoden nicht signifikant unterschiedlich.
• Die Körpertemperatur war bei HH-Küken signifikant höher und stieg mit dem Alter an.
• Die Aktivität der Gruppen war in der Umgebung mit erhöhten Plattformen höher als in der Kontrollgruppe.
• Weibliche Küken waren schneller in der Zeit bis zur ersten Fortbewegung als männliche Küken (86,38 s vs. 105,83 s) Zeit.
• Die Sauberkeit des Gefieders sowie Fußballen- und Sprunggelenkserkrankungen zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Brutmethoden oder Umgebungen.

Fazit
Schlupf im Stall verbessert das Körpergewicht der Hühner über die gesamte Aufzuchtperiode, ohne die Schlupfrate negativ zu beeinflussen. Diese Broiler zeigen eine niedrigere Körpertemperatur und eine bessere Nutzung von erhöhten Plattformen, was auf ein verbessertes Wohlbefinden hinweist.

Studie*:
Julia Malchow et al. (2025): Effect of on-farm hatching and elevated platforms on behaviour and performance in fast-growing broiler chickens. Poultry Science 104

Link zur Originalstudie

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-25

Hitze und Landnutzung: Bienen leiden besonders

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In einer neuen Studie untersuchen Forschende der Universität Würzburg die Wechselwirkungen der wichtigsten Treiber des globalen Wandels auf Insekten.

Die Zahl und Vielfalt der Insekten ist weltweit rückläufig. Studien deuten darauf hin, dass sich ihre Biomasse seit den 1970er Jahren fast halbiert hat. Zu den Hauptursachen dafür gehören der Verlust von Lebensräumen – etwa durch Landwirtschaft oder Verstädterung – und der Klimawandel.

Diese Bedrohungen sind längst bekannt. Weniger bekannt ist, wie solche Faktoren des globalen Wandels zusammenwirken und wie sich ihre Auswirkungen auf diese Weise weiter verschärfen können. So könnten beispielsweise Insekten, die ihres natürlichen Lebensraums beraubt wurden, durch höhere Temperaturen in einer neuen Umgebung noch stärker beeinträchtigt werden.

Forschende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) haben genau diese gravierende Wechselwirkung an 179 Standorten in ganz Bayern untersucht. Die Studie ist Teil des Clusters LandKlif, das von Professor Ingolf Steffan-Dewenter im Bayerischen Klimaforschungsnetzwerk koordiniert wird. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachjournal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences veröffentlicht.

Bienen sind besonders betroffen
Die Studie zeigt, dass Insekten aus verschiedenen trophischen Ebenen – die also verschiedene Rollen im Nahrungsnetz einnehmen – unterschiedlich auf die Kombination aus höheren Temperaturen und intensiverer Landnutzung reagieren. Besonders betroffen zeigten sich Bienen. Während Populationen in Wäldern gut mit der Hitze zurechtkamen, brach die Population ihrer städtischen Verwandten um 65 Prozent ein.

Wie auch uns Menschen machten den Tieren nicht nur die heißen Tage, sondern auch überdurchschnittlich warme Nächte zu schaffen. Sowohl Anzahl als auch Vielfalt der Bienen litt erheblich. „Die Tatsache, dass sich die nächtlichen Temperaturen so stark auf tagaktive Insekten auswirken, ist bedeutsam. Gerade, weil die durchschnittlichen Nachttemperaturen noch schneller steigen als die Tagestemperaturen“, erklärt die Biologin Dr. Cristina Ganuza.

Insekten, die in der Nahrungskette weiter oben stehen, kamen zwar besser mit der Hitze zurecht, hatten aber etwa in offenen landwirtschaftlichen Lebensräumen zu kämpfen. „Das kann sich negativ auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken, da Insekten, die zur natürlichen Schädlingsbekämpfung beitragen, in ähnlicher Weise betroffen sein dürften“, so Dr. Sarah Redlich weiter.

Besser erging es den Tieren dort, wo landwirtschaftliche Nutzflächen und naturbelassene Räume nebeneinander existieren.

Drei zentrale Erkenntnisse
Die Forschenden fassen ihre Ergebnisse in drei Kernpunkten zusammen:

  1. Wärmere Tagestemperaturen führen zu einer höheren Anzahl und Vielfalt von Bienen, allerdings nur in naturbelassenen Lebensräumen wie Wäldern und Wiesen. Die Erhaltung und Schaffung zusammenhängender natürlicher Lebensräume innerhalb landwirtschaftlicher und städtischer Gebiete ist daher von großer Bedeutung.

2) Höhere Nachttemperaturen führen zu einem geringeren Bienenreichtum in allen untersuchten Lebensraumtypen. „Diese bisher unbekannte negative Auswirkung der wärmeren Nächte auf tagaktive Insekten stellt eine neue Bedrohung dar. Es braucht weitere Forschung, um die zugrunde liegenden physiologischen Mechanismen aufzudecken“, erklärt Steffan-Dewenter.

3) Der Klimawandel und die Landnutzung stehen in Wechselwirkung zueinander, wirken sich aber auf Insekten an niedrigeren oder höheren Positionen in der Nahrungskette auf unterschiedliche Weise aus. „Ihre unterschiedlichen Reaktionen könnten die Nahrungsnetze und wichtige Ökosystemfunktionen wie Schädlingsbekämpfung und Bestäubung stören“, gibt Cristina Ganuza zu bedenken.

Kooperationspartner und Finanzierung
Die JMU-Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München, der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Universität Bayreuth durchgeführt. Gefördert wurde sie durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Veterinärmediziner:innen zwischen Berufs- und Privatleben

Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Wunsch, beiden Lebensbereichen gerecht zu werden, ist für viele Menschen eine Belastungsprobe – bis hin zum Burn-out. Besonders anspruchsvoll ist die Work-Life-Balance in der Veterinärmedizin: Tierärzt:innen sind in der Regel von einer starken intrinsischen Motivation angetrieben, ihre tierischen Patienten bestmöglich zu betreuen. Genau das kann jedoch zu Konflikten mit dem eigenen Privatleben führen. Wie gehen Tierärzt:innen damit um, wenn Berufs- und Privatleben miteinander konfligieren? Eine aktuelle Studie der Vetmeduni liefert Einblicke.

Die Studie von Christian Dürnberger und Svenja Springer basiert auf qualitativen, halbstrukturierten Einzelinterviews mit 20 Tierärzt:innen, die sich auf Hospiz- und Palliativmedizin spezialisiert haben. Alle Interviewten verfügten über langjährige Erfahrung als Selbstständige; zudem ist die Spezialisierung unweigerlich mit unvorhersehbaren Notfällen verbunden. Insgesamt nahmen 18 Tierärztinnen und zwei Tierärzte teil.

„Ich bin nicht nur Tierärztin“
Zentrale Herausforderungen ergeben sich aus der Kollision beruflicher und privater Termine. Eine Tierärztin spricht beispielsweise von einem „Lotteriespiel“, wenn es darum geht, ob sich berufliche und private Pläne – wie ein Urlaub mit den Kindern – wie geplant umsetzen lassen. Eine Teilnehmerin beschreibt ihr Leben als ein ständiges „jonglieren (…) mit Kindern und Arbeit.“ Besondere Schwierigkeiten ergeben sich hierbei, wenn Tierbesitzer:innen „kein Verständnis dafür haben, dass ich nicht nur Tierärztin bin, sondern auch noch Mutter“, so eine Teilnehmerin. Eine essentielle Rolle kommt mit Blick auf die Dynamik zwischen Privat- und Berufsleben den Kommunikationstechnologien zu, lassen sie die Grenze doch immer mehr verschwimmen. So berichten einige Tierärzt:innen, dass sie per Handy oder Messenger-Dienst praktisch durchgehend erreichbar sind – auch nach Feierabend und an Wochenenden; und im Notfall klingelt dann das Handy.

Der Beruf kann jedoch nicht nur durch plötzliche Termine und Anrufe ins Private eindringen, sondern auch auf psychischer Ebene, beispielsweise, wenn Tierärzt:innen in ihrer Freizeit nicht „abschalten“ können, weil belastende Situationen aus ihrem Arbeitsalltag in ihnen nachhallen. „Häufig sind es nicht die Tiere, die diese belastenden Situationen hervorrufen“, erklärt Studienautor Christian Dürnberger vom MFI der Vetmeduni, „sondern die Schicksale ihrer Besitzer:innen, etwa, wenn diese in Armut leben oder einen geliebten Menschen verloren haben. In anderen Worten: Hört man den Tierärzt:innen zu, gewinnt man den Eindruck, als wissen sie so gut wie alles über ihre Kund:innen – und manchmal mehr, als sie eigentlich wissen wollen.“

Strategien, oder: „Ich mache es aus Überzeugung“
Mit Blick auf die Bewältigungsstrategien zeigt sich vor allem eines: Tierärzt:innen nehmen Abstriche in ihrem Privatleben (wie beispielsweise die ständige Erreichbarkeit) bewusst in Kauf, wenn sie überzeugt davon sind, damit im besten Interesse der Tiere zu handeln. Eine Tierärztin hält exemplarisch fest: „Wenn ich (…) ein Tier (…) ein Leben lang begleitet habe, dann möchte ich (…) nicht, dass es an seinem letzten Tag irgendwo in eine Klinik oder in eine Notpraxis muss.“ Gleichzeitig werden in den Interviews bewusste Strategien der Abgrenzung deutlich: Tierärzt:innen überlegen genau, wem sie in welcher Situation ihre Handynummer geben, halten konsequent das „Sie“ in der Kommunikation mit den Tierbesitzer:innen aufrecht und wahren stets – auch mental – eine professionelle Distanz. In einem Zitat heißt es hierzu: „Es ist ein enges Vertrauensverhältnis, […] aber wir sind nicht befreundet. Das ist ein Unterschied.“

Striktere Grenzen
Schließlich legen die Daten nahe, dass negative Erfahrungen mit mangelnder Work-Life-Balance zu strikterer Grenzziehung zwischen Berufs- und Privatleben führen. „Die hohe Identifikation mit dem Beruf birgt die Gefahr der Überforderung“, so Dürnberger. „Die Tierärzt:innen schildern, dass sie erst lernen mussten, mehr auf sich selbst zu achten.“ Eine Interviewpartnerin sagt hierzu: „Die Versuchung ist groß, wenn man was wirklich gerne macht […], dass man sich dann einfach […] übernimmt [und] 24 Stunden für den Klienten und seine Tiere da sein möchte – und das geht nicht.“ Eine Tierärztin hält fest: Es braucht „Selfcare, Selfcare, Selfcare. Wir sind auch (…) wertvoll, sonst können wir keine wertvolle Arbeit leisten.“

„Boundary work“ als Teil der Veterinärmedizin
In der Wissenschaft spricht man von „boundary work“, also von der „Grenzarbeit“ zwischen Privat- und Berufsleben. Der Begriff „Arbeit“ verdeutlicht, dass es bewusste Entscheidungen und kontinuierliche Anstrengung erfordert, die Erwartungen beider Lebensbereiche abzuwägen – eine Aufgabe, die nie endgültig abgeschlossen ist, sondern immer wieder neu bewältigt werden muss. Christian Dürnberger und Svenja Springer plädieren dafür, angehende Tierärzt:innen frühzeitig darauf vorzubereiten, dass „boundary work“ ein essentieller Bestandteil des veterinärmedizinischen Alltags ist – und genau das wird im Rahmen des Curriculums der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Pflichtfach „Angewandte Ethik“ versucht: „Wir diskutieren mit den Studierenden, mit welchen Herausforderungen Tierärzt:innen im echten Leben tatsächlich konfrontiert sind und wie sie mit diesen Konflikten umgehen. Dazu gehören selbstverständlich auch Fragen zu den Spannungen, die zwischen Privat- und Berufsleben entstehen können.“ Vor diesem Hintergrund sehen sie weiteren Forschungsbedarf: „Unsere qualitative Studie liefert erste Einblicke. Zukünftige Untersuchungen sollten Konflikte und Strategien repräsentativ analysieren, denn gerade aus der Praxis können angehende Tierärzt:innen wichtige Impulse gewinnen.“

Grenzen ziehen, damit Berufung nicht zur Belastung wird
Die Untersuchung reiht sich in die breitere Debatte über die Herausforderungen der Work-Life-Balance ein und legt nahe, dass besonders Menschen, die sich stark mit ihrem Beruf identifizieren, Schwierigkeiten haben, klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Diese Grenzen entstehen nicht von selbst, sie müssen aktiv gezogen werden – und das ist ein Lernprozess, der zwar herausfordernd sein kann, aber langfristig unerlässlich für eine echte Balance ist.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Kostenfreier Diagnostik-Check für Kälber – Boehringer Ingelheim unterstützt Tierhalter

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Um die Kälbergesundheit noch weiter zu fördern, bietet Boehringer Ingelheim ab sofort einen kostenlosen Kälbergesundheitscheck für alle landwirtschaftlichen Betriebe an. Ziel ist es zu kontrollieren, ob die Kälber ausreichend Antikörper über das Kolostrum aufgenommen haben. Denn sicher kann man nur sein, wenn man den Eiweißanteil im Blut bestimmt.

Der Wert des Gesamteiweiß im Blut sollte dabei > 58 g/l liegen, damit das Kalb ausreichend versorgt ist und eine gute Abwehr hat. Liegt der Wert darunter muss die Kolostrumqualität, die Kolostrummenge und der Zeitpunkt der Fütterung dringend hinterfragt werden.

Diesen Check sollte man mindestens einmal jährlich bei 3 bis 10 Kälbern (bis zum 7. Lebenstag) zur präventiven Gesundheitsförderung mit Ihrem Tierärzte-Team durchführen. Haben die Kälber oft Durchfall oder Atemwegsprobleme, kann die Wurzel allen Übels im Kolostrummanagement liegen.

Zur Aktion vom 15.5. bis 30.6.2025 gelangen Sie hier.

Quelle Boehringer Ingelheim

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2025 erschienen!

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 2/2025 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Aktuelles Interview: Legehennen wurmfrei halten

• Kokzidiose bei Geflügel: Ursachen, Folgen und Behandlung der Erkrankung

• „Schlupf im Stall“ versus „Schlupf in Brüterei“: Effekte des Schlupfortes auf Broiler

• Reduzierung von Hitzestress in Milchviehställen durch aktive Belüftung

• Antahi Colostrum Bags: Kälber gut versorgen CoolFoss®: Effektives Hitzemanagement für Kühe

• Guter Start für Sommerkälber

• Discovery Collector: Stallreinigungsroboter für (halb)geschlossene Stallböden

• Kompakttrog Bovicup 610: Für die Bullenmast

• Interview: Der Stall der Zukunft: Wie sieht er aus?

• Kratzmatte: Mehr Tierwohl – MS MegaDes Novo: Gründliche Desinfektion

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Tierarzneimittelmarkt Deutschland 2024

Im Rahmen der jährlichen Frühjahrsveranstaltung und Mitgliederversammlung stellte der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) die aktuelle Marktanalyse für 2024 vor und forderte die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit am Wirtschaftsstandort Deutschland als ein Kernanliegen der Tiergesundheitsunternehmen. Immer detailliertere regulative Anforderungen, bürokratische Hürden und politische Unsicherheiten belasten die Branche. Um auch künftig die pharmazeutische Versorgung von Tieren und notwendige Innovationen sicherzustellen, ist es für die veterinärpharmazeutischen Unternehmen zentral, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa zu stärken und deutlich zu verbessern. Das stabile Wachstum des Tiergesundheitsmarktes im Jahr 2024 mit einem erstmaligen Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro belegt die Bedeutung der Branche für das Wohl der Gesellschaft und die Unterstützung der Tierhalter.

Im vergangenen Jahr stand die Tiergesundheitsbranche vor vielfältigen Herausforderungen und dynamischen Entwicklungen. Das geschäftspolitische Umfeld in der veterinärpharmazeutischen Branche wurde geprägt durch regulatorische Diskussionen und Anpassungen, Tierseuchenausbrüche sowie durch wirtschaftliche und politische Unsicherheiten.

„Zentrale Forderungen unseres Verbandes an die neue Bundesregierung sind die Stärkung von Prävention durch Impfungen und Diagnostik, die Straffung und Vereinfachung von Genehmigungs- und Zulassungsverfahren, der Abbau von Bürokratie und die Überwindung nationaler Sonderwege sowie innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft“ unterstreicht Frau Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des BfT.

Erneut war die Innovationskraft der Tiergesundheitsbranche Garant für die Versorgung mit sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen einen neuauftretenden Serotyp des Blauzungenvirus und konnte so die Initiative des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Impfung unterstützen.

Thematisch standen insbesondere die Tierarzneimittelgesetzgebung, die Umsetzung neuer regulatorischer Vorgaben und deren Auswirkungen auf die Branche sowie das Tiergesundheitsrecht im Fokus der Verbandsarbeit. Europäisch wie national setzte sich der BfT dafür ein, die EU-weit einheitliche Umsetzung der Verordnungen zu Tierarzneimitteln und Arzneifuttermitteln sicherzustellen und negative Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Tiergesundheitsprodukten zu reduzieren. Zusätzlich interferieren Umweltgesetzgebung und Chemikalienrecht zunehmend mit der Fachgesetzgebung. Ebenso müssen die Unternehmen stetig mehr Vorgaben aus dem regulativen Umfeld beachten; darunter verschiedene europäische Rechtsvorhaben, wie die Verpackungsverordnung, die Wasserrahmenrichtlinie, die Lieferkettenrichtlinie, und die Produkthaftungsrichtline mit ihren nationalen Umsetzungen.

Die Chancen der digitalen Transformation für Veterinärmedizin und pharmazeutische Industrie sowie Potentiale für mehr Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Tierhaltung durch eine verbesserte Tiergesundheit waren bedeutende Schwerpunkte für den Verband. Ergebnisse einer Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Auftrag des BfT belegen den Zusammenhang von Tiergesundheit und nachhaltiger Lebensmittelproduktion nachdrücklich.

Tierarzneimittelmarkt 2024
Mit einem Wachstum von 8,7% auf 1.048,4 Mio EUR überschritt der Gesamtumsatz erstmal die Milliardengrenze. Das Verhältnis von Kleintier- zu Nutztiersegment verschob sich mit 39,4% zu 60,6% leicht in Richtung Nutztier.

Bei den Teilmärkten entfielen 462,8 Mio EUR (+8,7%) bzw. 44,1% auf pharmazeutische Spezialitäten, 22,7% bzw. 237,9 Mio EUR (+7,7%) auf Impfstoffe, 19% bzw. 199,1 Mio EUR (+13,7%) auf Antiparasitika sowie auf Antiinfektiva 14,2% bzw. 148,6 Mio EUR (+3,8%).

Im Segment der Spezialitäten trugen Schmerzmedikamente 123,8 Mio EUR (+9,8%) bei, Therapeutika gegen Hauterkrankungen 60,5 Mio EUR (+15,2%) sowie Medikamente gegen Herz-Kreislauferkrankungen 34,6 Mio EUR (+7,9%).

Das Marktwachstum wird getragen durch eine regelmäßige Gesundheitsvorsorge, insbesondere für das ältere Haustier, sowie durch positive Entwicklungen in der Prävention, vor allem bei Nutztieren. Im Nutztiersegment wirken sich zudem Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit bei Rindern und Schafen sowie notwendige flankierende Behandlungen und Bekämpfungsmaßnahmen gegen virusübertragende Gnitzen aus.

Wie bei anderen Infektionskrankheiten werden hier Erfolge durch konsequentes Monitoring, frühzeitige Erkennung und nachhaltige Impfungen erzielt. Erfreulich ist daher, dass mit Stabilisierung der Schweine- und Geflügelbestände nach Seuchengeschehen im Vorjahr die Krankheitsvorbeuge wieder ihren Stellenwert erlangt hat.

Bei Antiinfektiva ist der Einfluss der gesetzlichen Vorgaben bei der Verschiebung der oralen Medikation von festem Futter auf Wasserapplikation erkennbar. Das Wachstum im Antiparasitikasegment zeigt den steigenden Bedarf an regelmäßiger Parasitenkontrolle. Durch höhere Temperaturen breiten sich Zecken und Mücken stärker in gemäßigte Breiten aus, weshalb Tierhalter verstärkt auf zielgerichteten, verantwortungsvollen Schutz setzen.

Die regelmäßige Gesundheitsvorsorge ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Krankheiten und unterstützt Tiere bis ins hohe Alter. Dazu zählen chronische Leiden wie Arthrose, Nierenerkrankungen, Diabetes sowie Haut- und Herz-Kreislauferkrankungen. Die besondere Betreuung älterer Tiere spiegelt sich deutlich im Bereich der Spezialitäten wider.

Um auch künftig eine regelmäßige Versorgung der Tiere und die notwendigen Innovationen sicherzustellen, ist es aus Sicht der veterinärpharmazeutischen Branche essenziell, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa zu stärken und deutlich zu verbessern.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

FBN veröffentlicht Positionspapier zur Weidehaltung von Milchkühen

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Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) hat sein erstes Positionspapier zur Weidehaltung veröffentlicht. Unter dem Titel „Zukunft Milchvieh & Weidehaltung“ zeigt das Positionspapier die nachgewiesenen Vorteile und Potenziale, die praktischen Herausforderungen und Lösungsansätze für mehr Weidehaltung sowie politische Handlungsempfehlungen auf.

Im Positionspapier werden u.a. die Wirkungen der Weidehaltung auf Tiergesundheit, Klimaschutz und Biodiversität beleuchtet. Das Papier stellt fest: Weidehaltung bietet nachweisliche Vorteile, etwa durch geringere Krankheitsraten, ein besseres Tierwohl und positive Effekte auf Artenvielfalt und Kohlenstoffbindung.

Aus Sicht des FBN erfordert die Umsetzung einer weidebasierten Tierhaltung jedoch strukturelle Anpassungen in der Agrarförderung sowie weitere Forschung, insbesondere zur Integration moderner Technik, zur Futterversorgung unter Klimawandelbedingungen und zum Management von Wiedervernässungsflächen. Auch die Ausbildung in Landwirtschaft und Tierhaltung müsse gestärkt werden.

„Die Weidehaltung steht an der Schnittstelle von Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz“, so die Autor:innen. „Ihr Potenzial kann nur durch systemische Veränderungen voll ausgeschöpft werden.“

Das vollständige Positionspapier ist auf der Website des FBN abrufbar.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)