Erfolgreicher Abschluss des Tierwohl-KI Projekts zur Videoüberwachung bei der Schlachtung

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Am 10. Oktober 2024 fand in Ulm das Abschlusstreffen des Forschungsprojekts »Tierwohl-KI bei der Schlachtung« statt. Das Projekt, das in enger Zusammenarbeit zwischen der Tierwohl-KI UG, der Müller-Gruppe, der elanyo GmbH und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT durchgeführt wurde, hat erfolgreich innovative Lösungen zur Verbesserung des Tierschutzes in Schlachtbetrieben entwickelt. Dabei steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur automatisierten Überwachung von Schweinen im Fokus.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit bis zu 1,5 Mio. Euro gefördert. Aktuell ist vorgesehen, die Tierschutzüberwachung mittels Videoaufzeichnungen in Schlachtbetrieben verpflichtend im Tierschutzgesetz des Bundes zu verankern. Das Forschungsprojekt leistet hier aktuell einen wichtigen Beitrag. Die Müller-Gruppe fungierte im Projekt als Pilotbetrieb, elanyo entwickelte die technische Plattform und Fraunhofer FIT die Datenmodelle.

Das Ziel des Projekts »Tierwohl-KI« ist es, mithilfe modernster videobasierter Objekterkennung Tierschutzverstöße in Echtzeit zu identifizieren. Der Einsatz von Deep-Learning-Methoden ermöglicht, zunächst im Bereich des Zutriebs von Schweinen zur Betäubung, das Erkennen von Schweinen, mit ihnen umgehenden Personen und spezifischen Objekten wie Treibpaddeln sowie die Analyse von Zuständen wie »liegend« oder »sitzend«. Dies unterstützt betriebsinterne Tierschutzbeauftragte und ggf. auch Behörden dabei, verdächtige Szenen gezielt zu überprüfen.

Einsatz der Technologie
Seit Anfang 2024 ist ein Prototyp im Schlachthof der Müller-Gruppe in Ulm im praktischen Einsatz. Die KI-basierte Plattform verbessert den Schutz der Tiere, indem sie automatisch Sequenzen mit erhöhtem Risiko für Tierschutzverletzungen zur Begutachtung durch Experten vorselektiert. Dies führt zu einer deutlichen Steigerung der Effektivität in der täglichen Überwachung, da gezielt relevante Szenen überprüft werden können und Zeitverluste durch Sichtung nicht tierschutzrelevanter Videoaufzeichnungen vermieden werden.

Technologische Highlights
Die Plattform umfasst mehrere Schlüsseltechnologien, darunter:
• Situationsbasierte Videoanalyse: Durch komplexe Algorithmen wie Tracking und Geschwindigkeitsberechnung können Bewegungsmuster von Schweinen analysiert und Anomalien wie Schläge erkannt werden.
• Audioanalyse: Eine Frequenzanalyse hilft, Schreie der Tiere zu erkennen und dadurch auf mögliche Tierschutzverstöße aufmerksam zu machen.
• Datenschutz: Eine automatisierte Verpixelung von Gesichtern gewährleistet die DSGVO-konforme Speicherung der Daten.
• Web-basierte Benutzeroberfläche: Diese wird von Tierschutzbeauftragten genutzt, um die vom System erkannten Situationen zu bewerten und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Die Analysemodelle des Systems können kontinuierlich verbessert werden, indem Rückmeldungen der Nutzer und weitere Daten fortlaufend einbezogen werden.

Abschlussmeeting und Diskussion der Ergebnisse
Das Projektmeeting begann mit einer Vorstellung des entwickelten Produkts durch Lukas Gillmann von der Tierwohl-KI UG. Es folgten eine Live-Demo und eine detaillierte Diskussion über die weiteren Schritte, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz der Technologie bei Ulmer Fleisch und die dafür erforderlichen Anpassungen. Ein wissenschaftlicher Rückblick beleuchtete zudem die in Fachpublikationen zusammengefassten Ergebnisse des Projekts.

Die Evaluation der Technologie hat gezeigt, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bereich Tierschutz zu einer signifikanten Verbesserung der Überwachung und der Einhaltung der Tierschutzvorgaben führt. Das Projekt bewegt sich derzeit auf einem Technology Readiness Level (TRL) von 7-8, was bedeutet, dass das prototypische System in einer operationalen Umgebung getestet wurde.

Zukunftsperspektiven
Das Projekt »Tierwohl-KI« hat gezeigt, dass Künstliche Intelligenz einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Nutztieren leisten kann. In den kommenden Monaten soll das System weiter optimiert und einsatzfähig gemacht werden. Ziel ist es, die Plattform als Standardwerkzeug in Schlachthöfen zu etablieren.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

IDEXX führt über die Firma Quidee seinen ersten Point-of-Care-Trächtigkeitstest für Milchviehhalter in Deutschland ein

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IDEXX Laboratories, Inc., ein weltweit führendes Unternehmen in der veterinärmedizinischen Diagnostik, bringt einen neuen Vor-Ort-Trächtigkeitstest für Rinder auf den Markt, der mit Vollblut durchgeführt wird. Der Alertys OnFarm-Trächtigkeitstest ermöglicht es Milchviehhaltern, nicht tragende, kostenintensive Tiere zeitnah zu identifizieren und Managemententscheidungen schnell zu treffen.

Viele Betriebe befinden sich in ländlichen Gebieten, wo der Zugang zu einem Tierarzt eingeschränkt sein kann. Der Alertys OnFarm-Trächtigkeitstest ermöglicht Landwirten und Rinderhaltern die Kontrolle über ihr Reproduktionsprogramm zu übernehmen. Verbesserte Abkalbeintervalle durch frühere Tests und häufigere Kontrollen von auffälligen Tieren steigern die Rentabilität und Produktivität der Herde. Zusätzlich wird der einfach anzuwendende effiziente Test auch den steigenden Anforderungen an die Arbeitssicherheit für Tierärzte und Landwirte gerecht. Der Alertys OnFarm-Trächtigkeitstest ist einfach anzuwenden, erfordert nur minimale Schulung und liefert vor Ort effiziente und genaue Ergebnisse.

In Deutschland wird der Test exklusiv bei Quidee erhältlich sein. Auf der EuroTier 2025 (12. bis 15. November 2024), der Weltmesse für professionelle Tierhaltung und Livestock_Management, erfolgt der Verkaufsstart auf dem gemeinsamen Messestand von Quidee und IDEXX auf in Halle 11, Stand C19.

Weitere Infos über www.quidee.de.

Quelle: QUIDEE GmbH

Ceva Animal Health stellt bei der EuroTier 2024 modernste Lösungen für Schweinehalter vor

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Zu den Highlights der „EuroTier“ gehört bei Ceva das „Ceva Lung Program“, ein weltweit einzigartiges und standardisiertes System zur Bewertung von Lungenläsionen bei Schlachtschweinen. Darüber hinaus ist das EASI Smart Needle Device ideal für hochwertige Standardbehandlungen von Ferkeln.

Ceva ist im europäischen Sektor für Schweinegesundheit als zweitgrößter Akteur anerkannt. Das Unternehmen engagiert sich mit hochwertigen Impfungen, Präventivprodukten sowie innovativen Technologien und Dienstleistungen für die Verbesserung der Schweinegesundheit.

Das Ceva-Lung Program nutzt eine umfassende Lungen-Scoring-Methode, um Vorhandensein, Verbreitungsmuster und Auswirkungen von Mycoplasma hyopneumoniae- und Actinobacillus pleuropneumoniae-Infektionen zu bewerten und optimale Impfprotokolle zu erstellen. „Mit den in intuitiven Berichten dargestellten Ergebnissen und unterstützt durch Daten, die über eine einfach zu bedienende App zugänglich sind, die für alle Schlachthöfe weltweit entwickelt wurde, ermöglicht dieses Programm Tierärzten und Landwirten, fundierte Entscheidungen zu treffen“, sagt Andreas Tschuor, Vice-President BENEDACH bei Ceva Animal Health.

Das Swine EASI Smart Needle Device verändert die Art und Weise der Verabreichung von Standardbehandlungen bei Ferkeln mit Fokus auf der Impfqualität. Sein innovatives Design gewährleistet eine nahtlose Kompatibilität mit allen Produkten am Markt und garantiert die Sicherheit und die Wirksamkeit bei jeder Behandlung. Durch die Integration mit den Softwareanwendungen von Ceva, einschließlich Injector Manager und Precision Health Program (PHP), bietet EASI eine umfassende Analyse der Behandlungen und liefert den Erzeugern wertvolle Erkenntnisse zur Optimierung ihrer Behandlungen. Darüber hinaus identifiziert das Gerät Tiere über die RFID-Ohrmarken, was eine genaue Verfolgung der einzelnen Ferkel ermöglicht. So wird sichergestellt, dass jedes Tier eine maßgeschneiderte Behandlung erhält und gleichzeitig die höchsten Standards der Qualitätskontrolle eingehalten werden.

Auf der EuroTier stellt Ceva in Halle 21, Stand A26 aus.

Link zum App-Download

Quelle: Ceva

Ein Bienen-Gen spezifiziert kollektives Verhalten

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Forschende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) untersuchten zusammen mit Kollegen aus Frankfurt, Oxford und Würzburg, wie das komplexe, kooperative Verhalten von Honigbienen (Apis mellifera) genetisch programmiert ist, so dass es an nachfolgende Generationen weitergegeben werden kann. Sie fanden die Antwort im sogenannten doublesex-Gen (dsx), wie sie in der Fachzeitschrift Science Advances erläutern.

Verhaltensinteraktionen zwischen Organismen sind grundlegend und vielfach angeboren. Jeder Mensch und jedes Tier interagieren auf die eine oder andere Art durch ihr Verhalten mit anderen Individuen ihrer sozialen Gruppe. Im Tierreich bringt dies erhebliche Vorteile bei der gemeinsamen Nahrungsbeschaffung, beim Schutz vor Feinden und bei der Aufzucht von Nachkommen.

Bei einigen Tieren wie der Honigbiene sind die sozialen Verhaltensbindungen so ausgeprägt, dass einzelne Individuen zusammen eine feste Gemeinschaft bilden. Zusammen funktionieren sie wie ein einzelner „Superorganismus“. Tausende von Arbeitsbienen schützen dabei durch ihr individuelles Verhalten die ganze Kolonie, ernähren sie und kümmern sich um die Brut.

Prof. Dr. Martin Beye, Leiter des Instituts für Evolutionsgenetik der HHU und Korrespondenzautor der nun in Science Advances erschienenen Studie, betont: „Das Verhaltensrepertoire der einzelnen Biene und die gemeinschaftliche Koloniefunktion sind nicht erlernt, sondern vererbt. Bisher war aber nicht bekannt, wie so komplexe Verhaltensweisen genetisch kodiert sind.“

Forschende der HHU um Beye und Erstautorin Dr. Vivien Sommer haben nun zusammen mit Kollegen von den Universitäten Frankfurt/Main, Oxford und Würzburg herausgefunden, dass ein spezielles Gen, genannt dsx, das arbeiterspezifische Verhalten kodiert.

Sommer: „Das Gen programmiert, ob eine Arbeiterin eine Aufgabe in der Kolonie aufnimmt und wie lange sie dies tut. Hierzu gehören beispielsweise auch Aspekte gemeinschaftlicher Arbeit wie die Versorgung der Larven oder die Beschaffung und der soziale Austausch von Nahrung.“

Für ihre Untersuchungen haben die Biologen das dsx-Gen bei einigen Bienen mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 verändert oder ausgeschaltet. Die entsprechend manipulierten Bienen haben sie mit einem QR-Code beklebt und ihr Verhalten im Bienenstock anschließend mit Kameras überwacht. Die entstandenen Videosequenzen wurden mit KI-Unterstützung ausgewertet, so dass die individuellen Verhaltensmuster der Bienen bestimmt werden konnten.

Sommer: „Unsere zentrale Frage war, ob und wie sich die angeborenen Verhaltensmuster durch die Veränderung des Gens verändern. Solche Änderungen müssen sich im Nervensystem der Arbeiterinnen widerspiegeln, wo ja die Steuerprogramme für das Verhalten ablaufen.“

Die Forschenden haben sogenanntes Grün fluoreszierendes Protein (kurz GFP) in die dsx-Sequenz integriert, so dass GFP zusammen mit dem dsx-Protein hergestellt wurde. Hierdurch konnten, mithilfe von Fluoreszenzmikroskopie, die neuronalen Verschaltungen sichtbar gemacht werden, sowohl bei den unveränderten Bienen als auch bei denjenigen mit genetischen Modifikationen. „Mit diesen Werkzeugen konnten wir genau sehen, welche Verbindungswege im Gehirn das dsx-Gen schafft, die wiederum die angeborenen Verhaltensmuster der Honigbiene regulieren“, sagt Doktorandin Jana Seiler, ebenfalls Koautorin der Studie.

„Die Ergebnisse deuten auf ein grundlegendes genetisches Programm hin, welches die neuronale Verschaltung und das Verhalten der Arbeiterin bestimmt“, meint Prof. Dr. Wolfgang Rössler vom Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie, Kooperationspartner an der Universität Würzburg.

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden den Schritt von der einzelnen Honigbiene hin zum Superorganismus Bienenvolk tun. Alina Sturm, ebenfalls Doktorandin an der HHU und Koautorin: „Wir hoffen, das Bindeglied zwischen individueller Programmierung und dem koordinierten Verhalten vieler Individuen zu finden.“

Originalpublikation:
Vivien Sommer, Jana Seiler, Alina Sturm, Sven Köhnen, Anna Wagner, Christina Blut, Wolfgang Rössler, Stephen F. Goodwin, Bernd Grünewald, Martin Beye. Dedicated developmental programing for group-supporting behaviors in eusocial honeybees. Science Advances (2024).

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Mit regionalen Futtermitteln Geflügel klimafreundlicher füttern – BMEL fördert Projekt FUETURE

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Erbse, Ackerbohne und Roggen gelten als klimaangepasste Futtermittel und könnten einen maßgeblichen Beitrag für eine nachhaltigere Landwirtschaft und Erzeugung von tierischen Lebensmitteln leisten. Aus diesem Grund wollen das Institut für Tierernährung und die Forschungseinrichtung Wissenschaft und Innovation für Nachhaltige Geflügelhaltung (WING) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) untersuchen, wie Masthühner (Broiler) mit diesen in Deutschland angebauten Pflanzen ressourcenschonender gefüttert werden können. Das BMEL hat dafür nun grünes Licht gegeben: Mit dem Kooperationsprojekt FUETURE wollen die Forschenden gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen und der Industrie Treibhausgasemissionen und den Energieverbrauch bei der Futtermittelherstellung reduzieren. Konkret werden sie neue Futtermittel testen, um die Tiergesundheit zu steigern sowie nachhaltiger und regionaler zu füttern.

„Solche ressourceneffizienten Futtermittel und innovative Mischfutterkonzepte können einen maßgeblichen Beitrag für eine nachhaltigere Landwirtschaft und Erzeugung von tierischen Lebensmitteln erreichen“, erklärt Professor Dr. Christian Visscher, Leiter des Instituts für Tierernährung, der zusammen mit Professorin Dr. Nicole Kemper, Leiterin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie, das WING leitet. „Zudem wirken sie sich positiv auf das Tierwohl aus.“ Erbse und Ackerbohne scheinen als Proteinträger vielversprechend, Roggen als Energieträger. „Wir wollen wissenschaftlich die Besonderheiten von Roggen, Erbse, Ackerbohne und heimischer Sojabohne in der Geflügelernährung untersuchen. Außerdem interessieren uns potenzielle Effekte auf Tiergesundheit und Tierwohl“, sagt Visscher. Vorweg wird die TH Bingen den Futterwert ermitteln. Ziel ist es, wissenschaftlich den ökologischen Fußabdruck eines innovativen Fütterungskonzeptes für Masthühner zu ermitteln.

Neben der TiHo und der TH Bingen sind auch die Internationale Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik e.V. (IFF) sowie das Pflanzenzüchtungsunternehmen KWS Initiator des jetzt genehmigten Projektes FUETURE. Alle Projektpartner sind jeweils für einen Bereich verantwortlich. Zunächst evaluiert das WING die Futterpflanzen mit Blick auf ihre Nachhaltigkeit. Auf dieser Basis analysiert die TH Bingen den Futterwert, um zu ermitteln, welche Einsatzmengen der zu testenden Futtermittel am besten sind. Anschließend untersucht das Institut für Tierernährung, wie sich die verschiedenen Futtermittel in den unterschiedlichen Dosierungen auf die Gesundheit und das Wohl der Masthühner auswirken.

Über das WING
Das WING ist eine drittmittelfinanzierte Forschungseinrichtung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) unterstützt das WING durch Sonderbeiträge von Mitgliedsunternehmen aus der vor- und nachgelagerten Verbundwirtschaft und schafft damit eine Grundlage für die angewandte Forschung im Bereich der Geflügelhaltung. Das WING setzt wissenschaftliche Projekte aus den Fachrichtungen Tierwohl und Tiergesundheit, Tierhaltung und Tierernährung, Nachhaltigkeit sowie Umweltschutz inter- und transdisziplinär um.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule

Offshore-Aquakultur: Die Zukunft der Algenzucht

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Die Aquakultur ist der weltweit am schnellsten wachsende Lebensmittelsektor. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, sind Lösungen außerhalb der durch Schifffahrt, Tourismus und Ausbau von Küstenbauwerken belasteten Küstengewässer gefragt. Das internationale Verbundprojekt „Ngā Punga o te Moana – Anchoring Our Open Ocean Future“, an dem die TU Braunschweig beteiligt ist, setzt genau hier an. Es verfolgt das Ziel, die Aquakultur aus überlasteten Küstenregionen in offene, exponierte Offshore-Gebiete zu verlagern. Expert*innen aus den Bereichen Wasserbau, Statik und Meeresbiologie arbeiten zusammen, um Technologien zu entwickeln, die den extremen Bedingungen auf hoher See standhalten.

Die Verlagerung der Aquakultur in küstenferne Gebiete hat handfeste Vorteile. Offshore-Standorte bieten mehr Platz für Expansion, saubereres und kühleres Wasser, weniger Bewuchs der Zuchtstrukturen durch Meerestiere und ein reichhaltiges Nahrungsangebot für die gezüchteten Arten. Darüber hinaus hat hier die Aquakultur weniger negative Auswirkungen auf den Lebensraum am Meeresboden. „Damit könnte also das landwirtschaftliche Potenzial der offenen See erschlossen werden“, sagt Professor Nils Goseberg, Leiter des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau der TU Braunschweig.

Allerdings sind diese Gebiete auch mit deutlich größeren Herausforderungen verbunden: Tiefere Gewässer, stärkere Strömungen und höhere Wellen stellen hohe Anforderungen an die Stabilität und Widerstandsfähigkeit der Aquakulturanlagen. Ein entscheidender Aspekt ist daher die präzise Bestimmung der Kräfte, die auf die Infrastruktur wirken, um eine Überdimensionierung, die zu hohen Kosten für die Anker und deren Komponenten führt, ebenso zu vermeiden wie eine Unterdimensionierung, die ein Versagen des Systems bei Sturm zur Folge hätte. Größere Entfernungen von der Küste wirken sich zusätzlich auf die Kosten für Anfahrt und Wartung aus, was wartungsarme Anlagen erfordert.

Innovative Algenfarm vor Neuseelands Küste
Ein Ziel des internationalen Projekts „Ngā Punga o te Moana – Anchoring Our Open Ocean Future“ ist daher die Entwicklung einer neuartigen Seetangfarm, die als Prototyp vor der Küste Neuseelands installiert werden soll. Seetang ist äußerst flexibel und bewegt sich mit den Wellen, wodurch sich seine Angriffsfläche ständig verändert. „Diese zusätzliche Dynamik erschwert die Berechnung der auf den Seetang und die gesamte Farm wirkenden Kräfte – ein Aspekt, der bislang wissenschaftlich nur unzureichend erforscht ist“, erklärt Projektmitarbeiter Henrik Neufeldt vom Leichtweiß-Institut für Wasserbau.

Die Forschungsarbeit der Wissenschaftler*innen am Leichtweiß-Institut für Wasserbau umfasst sowohl Experimente im Wellenkanal und Wellenbecken als auch Computermodellierungen, um das Verhalten von Seetang und Farmstruktur unter realen Bedingungen zu analysieren. In der ersten Versuchsreihe untersuchten die Forschenden im 2-Meter-Wellenkanal die Kräfte und die Bewegung von Seetang auf Langleinen. Das sind Kunststoffseile, an denen der Seetang wächst, die durch Schwimmkörper an der Wasseroberfläche gehalten werden und deren Enden mit dem Grund verankert sind. Dazu wurden Ersatzkörper mit gleicher Steifigkeit und Dicke erstellt, um die Verformungen der Algen realistisch abbilden zu können. „Auch die Form wurde dem Seetang nachempfunden“, so Henrik Neufeldt. Spezielle Sensorsysteme, wie zum Beispiel das Particle-Tracking-Velocimetry (PTV) System, erfassen das Strömungsfeld um die Struktur, während die auf die Pflanzen wirkenden Kräfte durch sogenannte Kraftmessdosen bestimmt werden.

Ziel der Experimentreihe ist es, herauszufinden, wie sich die Kräfte und Bewegungen des Seetangs unter verschiedenen Wellenbedingungen verändern und wie sich benachbarte Kultivierungsleinen gegenseitig beeinflussen. Diese Erkenntnisse fließen in Computermodelle ein, um die Lastenbestimmung für das Gesamtsystem zu überprüfen und weiter zu optimieren.

Realistische Offshore-Bedingungen im Wellenbecken
In einer zweiten Versuchsreihe im Wellenbecken haben die Braunschweiger Wissenschaftler*innen die Seetangfarm im Maßstab 1:20 nachgebaut. Hier lag der Fokus auf der Ermittlung der Gebrauchstauglichkeit des Systems unter realistischen Offshore-Bedingungen. Unterschiedliche Materialien für die Kopfleinen, die die Kultivierungsleinen miteinander verbinden und damit als Anschlusspunkte zwischen Anker und Farm dienen, sowie verschiedene Arten von Verankerungssystemen wurden getestet, um optimale Bedingungen für das Wachstum des Seetangs sicherzustellen. „Dabei sind vor allem Spannung und Stabilität der Leinen entscheidend, um gleichbleibende Wachstumsbedingungen hinsichtlich Licht und Nährstoffen zu gewährleisten“, sagt Henrik Neufeldt. Durch die Kombination von Kraftsensoren, Wellenpegeln, Geschwindigkeitssensoren und Motion-Tracking-Kameras konnten die Forschenden die Verformungen und Bewegungen des Systems detailliert erfassen und analysieren.

Übergeordnetes Ziel der Forschung ist es, die Offshore-Aquakultur nachhaltig und effizient zu gestalten, um den wachsenden Bedarf an marinen Ressourcen zu decken – stets unter dem Aspekt der ökologischen Verantwortung. Durch die Entwicklung neuer Technologien soll die Zukunft der Aquakultur nicht nur enorme Produktionsmöglichkeiten auch jenseits der reine Nahrungsmittelproduktion eröffnen, sondern auch dazu beitragen, die Meeresumwelt zu schonen.

Projektdaten
Das vom Cawthron Institute in Neuseeland geleitete Projekt zur Aquakultur im offenen Ozean, „Ngā Punga o te Moana“, ist ein fünfjähriges (2021–2026) nationales Forschungsprogramm. Das Projekt wird durch den Endeavour Fund der neuseeländischen Regierung mit rund 11 Millionen Neuseeländische Dollar finanziert und zielt darauf ab, die Herausforderungen zu bewältigen, um die Expansion der Aquakulturindustrie in den offenen Ozean zu ermöglichen. An dem internationalen Projekt sind Forschende aus Neuseeland, USA, Irland, Chile, Norwegen und Deutschland beteiligt. Die TU Braunschweig ist mit dem Leichtweiß-Institut für Wasserbau in Kooperation mit der iTUBS, der Innovationsgesellschaft der TU Braunschweig, eingebunden.

Weitere Informationen: https://openocean.cawthron.org.nz

Video zum Projekt und den Experimenten am Leichtweiß-Institut für Wasserbau.

Quelle: Technische Universität Braunschweig

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2024 erschienen!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 5/2024 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

Rinder
• Milchfieber verstehen und vorbeugen
• Frostsichere Weidetränke ohne Strom
• Sensorsysteme: Mit digitaler Überwachung zu mehr Tiergesundheit
• Neue Dippmittel zur Zitzendesinfektion
• Kälber ab Geburt überwachen
• Selektives Trockenstellen: Schon weit verbreitet?
• Häufige Fütterung zur Verbesserung von Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung

Schweine
• Komfort und Gesundheit für Schweine
• Sauen individuell nach Futterkurve füttern
• Nadelloses Impfen bei Schweinen: Chancen und Herausforderungen im Tiergesundheitsmanagement
• Die Kombination von Toltrazuril und Eisen: Zeit sparen – Ferkelgewicht gewinnen

Geflügel
• Kreislaufwirtschaft – Regionale Futterinsekten für Masthühner

Bienen
• Beenovation: 16 Verbundprojekte liefern Erkenntnisse für den Schutz von Bestäuberinsekten

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt 1 x registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail „OK“ klicken und gleich kostenfrei downloaden und lesen!

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Initiative Tierwohl: Rinderprogramm wird fortgesetzt

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▪ Fortführung von ITW Rind bis Ende 2025
▪ Kriterien bleiben unverändert
▪ Einführung einer unbefristeten Teilnahme für Rinderbetriebe

Die Initiative Tierwohl (ITW) Rind wird fortgesetzt. Vertreter aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel haben sich auf die Fortsetzung des Programms geeinigt. Neben den Programmen für Schwein und Geflügel ist damit auch die Zukunft der ITW Rind gesichert. Die Branchenvertreter haben die Fortsetzung der ITW Rind bis mindestens Ende 2025 beschlossen.

Mit der Fortführung des ITW-Rind-Programms setzen die Partner in der Initiative Tierwohl zwar ein klares Zeichen für die Zukunft der Rinderhaltung in Deutschland. Allerdings hatte die ITW einen längeren Zeitraum avisiert. „Wir freuen uns, dass Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel einen weiteren wichtigen Schritt für eine gesicherte und gesellschaftlich anerkannte Zukunft der Nutztierhaltung machen“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Damit schaffen wir gemeinsam Planungssicherheit für die Landwirte und leisten einen entscheidenden Beitrag zu einer tiergerechteren Rinderhaltung. Allerdings war eine über Ende 2025 hinausreichende Selbstverpflichtung der Branchen angesichts des Eckpunktepapiers des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Ausweitung der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung auf Rind nicht erreichbar. Zu groß war die Verunsicherung in der Diskussion um die Kriterien und im Hinblick auf die Prüfsystematik, die durch die im Papier artikulierten Rahmenbedingungen in der Wirtschaft entstanden ist.“

Eine wichtige Neuerung bei der jetzt beschlossenen Fortführung der ITW Rind ist die Einführung einer unbefristeten Teilnahme der Betriebe, ähnlich wie bereits bei den Programmen für Schwein und Geflügel. Diese Regelung gibt den Betrieben Planungssicherheit und ermöglicht es ihnen, ohne wiederholte Übergangsaudits im Programm zu bleiben. Die bisher bekannten Programmphasen werden für die Tierhalter damit irrelevant. Die Kriterien für ITW-Rind im Jahr 2025 bleiben dabei unverändert bestehen.

Ab 2025 wird der verbindliche Preisaufschlag außerdem aufgrund kartellrechtlicher Anforderungen, ähnlich wie bei Geflügel und Schwein bereits erfolgreich durchgeführt, durch eine Preisempfehlung ersetzt. Diese bleibt in ihrer Höhe unverändert bei 10,7 Cent pro kg Schlachtgewicht (SG) für die Rindermast und 4 Cent pro kg SG für Schlachtkühe. Für die Kälbermast wird weiterhin keine Preisempfehlung ausgesprochen, hier wird der Preisaufschlag direkt zwischen den Partnern vereinbart.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Vorschau auf das E-Magazin 5/2024

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Die kommende Ausgabe des E-Magazin „Der Hoftierarzt“ bietet folgende Themen:

Rinder
• Milchfieber verstehen und vorbeugen
• Frostsichere Weidetränke ohne Strom
• Sensorsysteme: Mit digitaler Überwachung zu mehr Tiergesundheit
• Neue Dippmittel zur Zitzendesinfektion
• Kälber ab Geburt überwachen
• Selektives Trockenstellen: Schon weit verbreitet?
• Häufige Fütterung zur Verbesserung von Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung

Schweine
• Komfort und Gesundheit für Schweine
• Sauen individuell nach Futterkurve füttern
• Nadelloses Impfen bei Schweinen: Chancen und Herausforderungen im Tiergesundheitsmanagement
• Die Kombination von Toltrazuril und Eisen: Zeit sparen – Ferkelgewicht gewinnen

Geflügel
• Kreislaufwirtschaft – Regionale Futterinsekten für Masthühner

Bienen
• Beenovation: 16 Verbundprojekte liefern Erkenntnisse für den Schutz von Bestäuberinsekten

Wer noch kein kostenfreies Abo hat, kann hier seine E-Mail-Adresse eingeben und erhält sofort nach Erscheinen der neuen Ausgabe einen Link zum Download. Es lohnt sich!

Vogelgrippe: Erste H5N1-Nachweise beim Schwein in den USA

Amerikanische Veterinärbehörden veröffentlichten am 30.Oktober ein Update zu HPAI-Nachweisen auf einem nicht-kommerziellen Kleinbetrieb in Oregon, darunter erste H5N1-Nachweise bei Schweinen.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) und die Veterinärbehörden des Staates Oregon untersuchen positive Fälle von H5N1 auf einem Kleinbetrieb in Oregon, auf dem Geflügel und Vieh, darunter auch Schweine, gehalten werden. Das Landwirtschaftsministerium von Oregon gab am Freitag, den 25. Oktober bekannt, dass Geflügel auf dieser Farm den ersten H5N1-Nachweis in Crook County (Oregon) darstellt. Am Dienstag, den 29. Oktober, bestätigten die Laboratorien des National Veterinary Services des USDA außerdem, dass eines der fünf Schweine der Farm mit H5N1 infiziert ist – der erste Nachweis von H5N1 bei Schweinen in den Vereinigten Staaten.

Das Vieh und das Geflügel auf dieser Farm teilten sich Wasserquellen, Unterbringung und Ausrüstung; in anderen Staaten hat diese Kombination bereits eine Übertragung zwischen Arten ermöglicht. Obwohl die Schweine keine Krankheitsanzeichen zeigten, testeten das Gesundheitsministerium von Oregon und das US-Landwirtschaftsministerium die fünf Schweine aus Vorsicht und wegen des Vorhandenseins von H5N1 bei anderen Tieren auf dem Gelände auf H5N1. Die Schweine wurden euthanasiert, um weitere diagnostische Analysen zu ermöglichen. Die Testergebnisse für zwei der Schweine waren negativ, und für zwei weitere stehen die Testergebnisse noch aus.

Diese Farm ist ein nichtkommerzieller Betrieb und die Tiere waren nicht für die kommerzielle Lebensmittelversorgung bestimmt. Aufgrund dieses Befundes gibt es keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Schweinefleischversorgung der USA.

Darüber hinaus wurde die Farm unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Andere Tiere, darunter Schafe und Ziegen auf der Farm, stehen weiterhin unter Beobachtung.

Die National Veterinary Services Laboratories (NVSL) des USDA haben eine Genomsequenzierung des Virus des infizierten Geflügels auf dieser Farm durchgeführt. Dabei wurden keine Veränderungen am H5N1-Virus festgestellt, die darauf schließen lassen würden, dass das Virus leichter auf Menschen übertragbar ist. Dies deutet darauf hin, dass das derzeitige Risiko für die Bevölkerung gering bleibt.

Die örtlichen Gesundheitsbehörden, die Oregon Health Authority, die Oregon State Veterinarian, das Oregon Department of Agriculture sowie das US-Landwirtschaftsministerium und das US-Gesundheitsministerium koordinieren diese Untersuchung und werden weitere Updates bereitstellen, sobald diese verfügbar sind.

Bei allen Nachweisen von H5N1 wird das virale Genom sequenziert, um medizinischem Fachpersonal und der Forschungsgemeinschaft zusätzliche Informationen zu liefern, die das Verständnis des Virus verbessern. Die genetische Sequenzierung dieser Proben ist im Gange, die Sequenzierungsergebnisse können jedoch aufgrund der geringen Viruskonzentrationen in den Proben nicht eindeutig sein.

Das USDA erinnert alle Landwirte daran, dass umfassende Biosicherheit für die Ausrottung dieses Virus und den Schutz der Gesundheit von Landarbeitern, Landwirten und ihren Familien, Vieh und Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist.

Das USDA investiert weiterhin stark in die Impfstoffforschung und -entwicklung als Instrument zur Eindämmung und möglicherweise zur Beendigung der Ausbreitung dieses Virus unter Tieren. Das USDA hat zwei Feldsicherheitsstudien für Impfstoffkandidaten genehmigt, die Milchkühe vor H5N1 schützen sollen, und untersucht weiterhin Impfstoffoptionen für andere Arten.

Quelle: USDA