Persönlichkeit von Milchkälbern prognostiziert ihre Fähigkeit, mit Stress umzugehen

Eine Studie der kanadischen „University of British Columbia“, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, ergab, dass Milchkälber schon in jungen Jahren ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Forscher der ´“Faculty of Land and Food Systems“ testeten Kälber im Alter von 25 und 50 Tagen auf Pessimismus, Angst und Geselligkeit und stellten fest, dass jedes Kalb eine inhärente Einstellung hat, die sich im Laufe der Zeit kaum ändert.

Jetzt haben die Forscher diese Studie mit der Untersuchung der gleichen Kälber im Alter von vier Monaten fortgesetzt, um herauszufinden, wie ihre Persönlichkeitsmerkmale ihre Reaktionen auf reale Situationen bestimmen.

Benjamin Lecorps, ein Doktorand im UBC-Tierschutzprogramm, war der Hauptautor der neuesten Studie, die am 5. November in Scientific Reports veröffentlicht wurde. Das sagt er zu den Befunden:

Benjamin Lecorps

Sie wussten bereits, welche Kälber optimistisch, pessimistisch, ängstlich und gesellig sind. Warum das zweite Experiment?

Diese Arbeit konzentriert sich tatsächlich auf die Gültigkeit der verschiedenen Merkmale, die wir in unserem früheren Artikel identifiziert haben. Wir möchten zum Beispiel bestätigen, dass ein Kalb mit einer ängstlichen Persönlichkeit in bestimmten Situationen stärker beansprucht wird als ein Kalb, das keine Angst hat.

Wie haben Sie das gemacht?

Eine Routineprozedur, die Kälber möglicherweise belasten kann, ist der Transport. Er ist neu für sie, es gibt viel Handling, und die Kälber gehen normalerweise nicht alleine in den Anhänger, sondern müssen hinein geschoben werden. Da wir diese Kälber, im Rahmen unserer Arbeitsroutine, von einem Stall in einen anderen transportieren mussten, war das eine gute Gelegenheit, ihre Reaktionen auf einen potenziellen Stressor zu messen.

Wie erkennen Sie, ob ein Kalb beim Transport gestresst ist?

Nutztiere zeigen häufig durch Lautäußerungen an, wenn sie in Bedrängnis sind. Es ist ein guter Indikator für die Intensität der emotionalen Reaktion; je mehr sie vokalisieren, desto stärker sind sie gestresst. Typischerweise steigt auch die Temperatur in ihren Augen an, wenn sie sich bedroht fühlen, weil das sympathische Nervensystem aktiviert und dadurch die Durchblutung der Augen erhöht wird. In dieser Studie haben wir eine Kombination beider Messmethoden angewandt.

Sie hatten also einige Kälber bereits als Neugeborene als pessimistisch oder ängstlich identifiziert. Wie reagierten diese Kälber drei Monate später auf den Transport?

Wie zu erwarten, ermöglichten uns Informationen über die Furchtsamkeit, vorauszusagen, wie die Kälber auf den Transport reagierten. Was uns überraschte, war, dass der Pessimismus ein noch besserer Prädiktor war. Die pessimistischeren Kälber gaben häufiger Laute von sich und hatten nach dem Transport höhere Augentemperaturen. Wir vermuten, dass die pessimistischeren Kälber eher negative Erwartungen an neue Erfahrungen haben.

Wie kann dieses Wissen letztlich zum Vorteil der Tiere genutzt werden?

Der Grundgedanke der Untersuchung von Persönlichkeitsmerkmalen für das Tierwohl besteht darin, herauszufinden, welche Tiere anfälliger für Stress sein könnten. Das Wissen über ihre individuelle Persönlichkeit kann es uns ermöglichen, besser zu verstehen, warum manche Tiere mit normalen Arbeitsroutinen nicht zurechtkommen und eher krank werden. Die Zeit rund um die Abkalbung ist ein gutes Beispiel. In dieser Zeit ändern sich viele Dinge für die Kühe, einschließlich der Nahrung, die sie bekommen, unbekannte Buchtgenossin-nen, das Melken im Melkstand und natürlich alle physiologischen Veränderungen, die mit dem Nachwuchs einhergehen. Milchkühe erkranken häufig nach dem Kalben und die Tiere, die anfälliger für Stress sind, können anfälliger für Infektionskrankheiten sein.

Mit freundlicher Genehmigung der University of British Columbia

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Brigitta Blume

Und dazu müsste man jetzt die Daten der Kühe haben, und mal schauen, ob da die Epigenetik mit reingespielt hat ….