Können Insekten die Eiweißlücke schließen? #Geflügeltagung2019

Insekten gehören zum natürlichen Nahrungsspektrum vieler Tiere, haben ein großes Vermehrungspotential und können in großer Zahl auf kleinem Raum leben. Ihre Futterverwertung ist enorm, denn aus 1 kg Futter werden 0,8 kg Insekten. Beim Geflügel sind es dagegen 0,6 kg und bei Wiederkäuern sogar nur 0,15 kg (aber natürlich können diese auch Futter verwerten, Menschen nicht verdauen können).

Dr. Brigitte Paulicks

Zwar gäbe es aktuell einen medialen Hype um Insekten, sagte Dr. Brigitte Paulicks (WZW, Freising) zu Beginn ihres Vortrags in Celle. Land-, Energie- und Wassernutzung sei z. B. beim Mehlwurm tatsächlich am besten, aber derzeit seien Insekten in der EU nicht als Futtermittel für Warmblüter zugelassen, nur sieben Arten dürften an Fische verfüttert werden. Eine Ausnahmegenehmigung wurde für Insektenöl erteilt, jedoch trägt der Erzeuger die Verantwortung für dessen „Protein-Freiheit“.

Auf den Boden der Tatsachen führen dann aber entsprechende Untersuchungen der Spezialisten für Tierernährung. Insekten können zwar alles Mögliche verdauen, setzen dabei aber nicht unbedingt an. Setzt man Grillen etwa Biertreber vor, erreichen sie 50% Gewichtszuwachs, bei Luzerne ist es schon das 41-fache und Geflügelfutter (Getreide/Soja) lässt sie von 1 auf 79 Gramm wachsen. Bei Mehlwürmern entspricht die Nährstofftransformation etwa der von Masthähnchen, aber auch das Insektenfutter muss dazu supplementiert werden, mit essentiellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen. Und am ende stehen alle derzeit zugelassenen Insektenarten in Nährstoff-Konkurrenz zu Schwein, Huhn und Mensch.

Insekten haben kaum Vorteile in der Proteinzusammensetzung (Aminosäurenmuster) gegenüber herkömmlichen pflanzlichen Eiweißfuttermitteln und sind (wahrscheinlich) unfähig essentielle Aminosäuren zu bilden, führte die Wissenschaftlerin aus. Dazu kämen hohe Temperaturansprüche in der Haltung, die eine Gesamtbilanz zusätzlich verschlechtern.

Brigitte Paulicks Fazit lautet deshalb: „Insekten gehören wohl eher auf den Teller, als in den Trog.“ Und: „Wir mästen ja auch keine Hähnchen, um sie an Schweine zu verfüttern!“

Würden allerdings in Zukunft Lebensmittelabfälle aus dem Handel („former foods“) als Insekten-Futter zugelassen, könnten -bildlich gesprochen – zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

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