Woran sterben unsere Kälber?

Von Dr. Karsten Donat, Geschäftsführer der Thüringer Tierseuchenkasse

Für die meisten Praktiker oder Experten für Tiergesundheit – sei es mit landwirtschaftlichem oder tierärztlichem Hintergrund – sind Durchfälle und Lungenentzündungen die Hauptgründe für Kälberverluste in unseren Milchviehherden. Sucht man jedoch nach „harten Daten“ so wird man nicht so leicht fündig. Drei Studien aus den neuen Bundesländern zeigen anhand strukturierter Datenerhebungen in einer nennenswerten Anzahl von Milchviehbetrieben, wo der Schuh drückt.

In einer Untersuchung in 50 nordostdeutschen Milchkuhhaltungen lag die Sterblichkeit der Kälber bis zum 6. Monat bei 5 % (0-18 %, Tautenhahn, 2017), in Thüringen bei 6,4 % (Donat und Siebert, 2008). Auffällig waren jedoch die großen Unterschiede zwischen den Betrieben: Im Jahr 2016 hatten zwei Drittel der Herden mit über 30 Geburten weniger als 7 % Kälberverluste, was in der Literatur häufig als Grenzwert genannt wird, 27 % hatten unter 3 % Verluste. Leider gibt es mit 19 % auch einen erheblichen Anteil mit Kälberverlusten über 10 % (Söllner-Donat, 2018). Es stellt sich somit die Frage, wo die Ursachen für diese Unterschiede liegen.

Nach Schätzungen anhand der betrieblichen Aufzeichnungen trat Neugeborenendurchfall in den nordostdeutschen Milchviehbetrieben im Mittel bei 12 % der Kälber und Atemwegserkrankungen bei 17,5 % der Kälber auf. Damit lagen 45 % bzw. 51 % der Betriebe über dem Richtwert von 15 %. Nabelentzündungen waren mit einer Häufigkeit von 1,6 % deutlich seltener (Tautenhahn, 2017). Von 60 sächsischen Betrieben schätzte die gute Hälfte ein, mit Durchfall kein Problem zu haben, 17 dagegen erkannten hier ein Problemfeld für den Bestand. Beim genaueren Hinsehen in Rahmen einer Stichprobenuntersuchung zeigte sich, dass nur 4 Betriebe keine Durchfallkälber hatten, dagegen in mehr als der Hälfte der Bestände der Anteil der Kälber mit Durchfall über 50 % lag (Steinhöfel, 2017).

Häufiger Nachweis von Kryptosporidien
In Sachsen, Thüringen und Nordostdeutschland machte man sich auch auf die Suche nach den Durchfallerregern. Tatsächlich fanden sich Rotaviren in etwa der Hälfte bis ca. zwei Drittel der Bestände. Coronaviren waren deutlich seltener anzutreffen (2-11 % der Herden). Dagegen war der Erreger Cryptosprodium parvum in 80-98 % der Bestände nachweisbar. Bei den Kryptosporidien handelt es sich um einzellige Parasiten, welche in die Darmschleimhaut eindringen und Durchfälle verursachen können. Sie bilden Oozysten, eine Dauerform, die vom Kalb ausgeschieden werden. Diese Oozysten sind in der Umwelt bei ausreichender Feuchtigkeit lange überlebensfähig und weisen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber vielen Desinfektionsmitteln auf. Hier liegt das Problem!


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