Trockenstellen in der Diskussion – Selektiv oder doch so wie immer?

Von Dr. Joachim Lübbo Kleen, Fachtierarzt für Rinder

„Milchkühe werden am Ende der Laktation trockengestellt“ – So war es eigentlich immer, und schon sehr lange gehört ein antibiotischer Trockensteller dazu. Im Zuge der Antibiotikareduktion ist in den letzten Jahren das Trockenstellen vermehrt in die Diskussion gekommen und es wird viel vom sogenannten „selektiven Trockenstellen“ berichtet. Auch wenn über das Wie und Warum dieser Maßnahme mittlerweile Klarheit herrscht, so ist doch dazu in der Praxis immer wieder Unsicherheit festzustellen.

Die Trockenstehphase ist grundsätzlich als Ruhephase für den Gesamtorganismus der Kuh zu verstehen. Hauptzweck ist die Rück- und Neubildung des Eutergewebes, um in der neuen Laktation wiederum eine möglichst hohe Produktivität erreichen zu können. Bestehende Verletzungen oder Hyperkeratosen heilen ab und das Drüsengewebe wird regeneriert. Die Eutergesundheit profitiert aber auch davon, dass in der Trockenperiode die bestmöglichen Chancen bestehen, bereits vorhandene, langfristig bestehende Eutererkrankungen auszuheilen. So können z.B. auch subklinische Infektionen mit Staphylococcus aureus am ehesten in der Trockenperiode eliminiert werden. Es ist bei entsprechend guter Durchführung des Trockenstellens sowie guter Haltungs- und Hygienebedingungen grundsätzlich möglich, bis zu 80 % und mehr der bereits bestehenden Euterinfektionen auszuheilen.

Neuinfektionen vermeiden
Die Trockenperiode ist also als Chance zu sehen, Eutergesundheit positiv zu beeinflussen. Dem steht ein Risiko für Neuinfektionen der Milchdrüse entgegen, das vor allem in den ersten 14 Tagen nach dem Trockenstellen deutlich erhöht ist. Der Strichkanal ist in dieser Zeit noch nicht verschlossen und die Abwehrsituation ist durch eine geringe Leukozytenkonzentration ungünstig. Ähnlich sieht es vor dem Abkalben aus:


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