Verbraucher-Einstellungen zu gentechnischen Veränderungen beim Milchvieh

Wortwolke zu gentechnischen Eingriffen bei Milchvieh © UBC
Dr. Caroline Ritter, UBC

Eine Forschungsgruppe um Dr. Daniel Weary, Dr. Marina von Keyserlingk und der Erstautorin Dr. Caroline Ritter (University of British Columbia) hat fast 1.000 US-Amerikaner nach ihrer Einstellung zu bestimmten gentechnischen Eingriffen beim Milchvieh befragt. Die Studie sollte Aufschluss geben, ob bestimmte Gründe für spezifische Eingriffe akzeptabler sind als andere.

Generell ist die Einstellung der Amerikaner zu gentechnischen Veränderungen bei Pflanzen weniger kritisch als in Europa, der Anwendung entsprechender Techniken beim Tier stehen sie jedoch reservierter gegenüber. Etliche Pflanzen denen mittels Gentechnik Krankheits- und Herbizid-Resistenzen verliehen wurden, sind in den USA bereits auf dem Markt, jedoch ist bisher nur ein einziger gentechnisch veränderter Lachs (AquAdvantage Salmon) von den US-Behörden als sicher eingestuft, und könnte ab 2020 dort auf den Markt kommen.

Dr. Daniel Weary und Dr. Marina von Keyserlingk, UBC

Mithilfe von genetischen Modifikationen konnten Wissenschaftler jedoch vor Kurzem hornlose Rinder erzeugen und Kühen Resistenzen gegen bestimmte Krankheiten verleihen (Mastitis und Rindertuberkulose).

Zunächst sollten die Probanden für die Studie fünf allgemeine Wissensfragen zur Gentechnik beantworten, was ihnen im Durchschnitt auch recht gut gelang (3,9 von 5 richtige Antworten):

• Gentechnisch veränderte Kühe enthalten Gene, normale Kühe nicht (richtige Antwort: falsch)
• Gentechnisch veränderte Tiere sind immer größer als gewöhnliche Tiere (falsch)
• Mit Genen eines Welses modifizierte Kühe würden wahrscheinlich fischig schmecken (falsch)
• Durch den Verzehr eines gentechnisch veränderten Produkts können auch die Gene eines Menschen verändert werden (falsch)
• Es ist möglich Pflanzengene auf Tiere zu übertragen (richtig)

Anschließend wurden sie zu jeder Frage gefragt: Wie sicher sind Sie sich Ihrer Antwort? (1 = überhaupt nicht sicher, 5 = sehr sicher) und haben sich hier durchschnittlich mit 3,5 von 6 Punkten eingestuft.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Modifikationen, die in erster Linie einen wirtschaftlichen Vorteil haben (z. B. höhere Wachstumsraten) negativer wahrgenommen werden als solche, die allgemeinere gesellschaftliche Vorteile wie verbesserte Ernährung und geringeren Einsatz von Chemikalien aufweisen oder die Notwendigkeit schmerzhafter Verfahren bei Tier vermindern. Dem konnte die neueste Studie von Ritter et al. neue Erkenntnisse hinzufügen.

Hier wurden zufällig zusammengewürfelte Gruppen gebeten, verschiedene Begründungen für gentechnische Eingriffe bei Rindern zu bewerten. Eine Gruppe wurde hier zu „Hornlosigkeit“, die zweite zu „Krankheitsresistenz“ befragt. Ihnen wurden jeweils fünf verschiedene Zwecke für den gentechnischen Eingriff genannt: Verbesserung des Tierschutzes, Senkung der Kosten für den Landwirt, Erhöhung der Arbeitssicherheit, alle vorherigen Zwecke zusammen oder kein Zweck. (Tabelle 1).

Tabelle 1

Teilnehmer, die der Gruppe „Krankheitsresistenzen“ zugeordnet waren, zeigten eine positivere Einstellung als Teilnehmer der Gruppe „Hornlosigkeit“ (4,5 vs. 3,7 auf einer Skala von 1 bis 7). In der Gruppe „Krankheitsresistenz“ war die Einstellung gegenüber GVO am geringsten, wenn als Zweck angegeben war, Kosten zu senken und am höchsten das Wohlergehen der Tiere genannt wurde.

In der Gruppe „Hornlosigkeit“ war die Zustimmung am höchsten, wenn als Zweck Tierwohl genannt war oder wenn alle drei Zwecke erfüllt wurden. Wurden alle Begründungen zusammen genannt, war die Zustimmung höher als zum Zweck der Kostenreduzierung oder wenn gar kein Zweck angegeben wurde.

Zu den einzelnen Zwecken wurde nach assoziativen Begriffen gefragt und diese schließlich in einer Wortwolke dargestellt (s. o.). Den Teilnehmer wurde einer von zwei Anwendungen (Krankheitsresistente oder Hornlosigkeit) und einer von fünf verschiedenen Zwecken genannt (Verbesserung des Tierschutzes, Senkung der Kosten für den Landwirt, Erhöhung der Arbeitssicherheit, alle Zwecke oder kein Zweck). Die Wortwolke enthält Wörter, die aussagekräftigen Inhalt lieferten und mindestens viermal erwähnt wurden. Größere Wörter stehen dort für häufigere Antworten.

Die kanadischen Forscherinnen und Forscher heben hervor, dass es scheine, die Teilnehmer der Gruppe „Krankheitsresistenzen“ seien in der Lage gewesen, sich die Vorteile der Krankheitsresistenz vorzustellen, selbst wenn kein Zweck angegeben wurde. Aber nur wenige wussten, wie man enthornt oder erkannten die potenziellen Probleme, die damit verbunden sind.

Die Studie liefert nicht nur wertvolle Hilfen für die Verbraucher-Kommunikation von Nutztierhaltern, sondern „legt auch nahe, dass Gentechnik eher akzeptiert wird, wenn sie dem Gemeinwohl dient“, schlussfolgern die Autorinnen.

Ritter C, Shriver A, McConnachie E, Robbins J, von Keyserlingk MAG, Weary DM (2019) Public attitudes toward genetic modification in dairy cattle. PLoS ONE 14(12): e0225372.

Link zur Studie

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